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Full text of "Anmerkungen zu den Kinder- u. hausmärchen der brüder Grimm"

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THE  LIBRARY  OF  THE 

UNIVERSITY  OF 

NORTH  CAROLINA 


THE 

CHESTER  N.  GOULD 

COLLECTION  OF 

SCANDINAVIAN  PHILOLOGY 

AND  LITERATURE 


THE  LIBRARY  OF  THE 

UNIVERSITY  OF 

NORTH  CAROLINA 


ENDOWED  BY  THE 

DIALECTIC  AND  PHILANTHROPIC 

SOCIETIES 


PT921 

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B.3 

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UNIVERSITY  OF  NC.  AT  CHAPEL  HILL 


10002742588 


This  book  is  due  at  the  LOUIS  R.  WILSON  LIBRARY  on  the 
last  date  stamped  under  "Date  Due."  If  not  on  hold  it  may  be 
renewed  by  bringing  it  to  the  library. 

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ANMERKUNGEN 

ZU   DEN 

KINDER-  U.  HAUSMÄRCHEN 
DER  BRÜDER  GRIMM 

— — —       ( s  L .. 

NEU  BEARBEITET  VON 

JOHANNES  BOLTE  und  GEORG  POL1VKA 


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DRITTER  BAND 

(NR.  121—225) 


LEIPZIG 
DIETERICH'SCHE  VERLAGSBUCHHANDLUNG  M.  B.  H. 

1918. 


Digitized  by  the  Internet  Archive 

in  2012  with  funding  from 

University  of  North  Carolina  at  Chapel  Hil 


http://archive.org/details/anmerkungenzuden03grim 


Vorwort. 

Als  im  November  1914  der  zweite  Band  dieses  Werkes 
in  die  Welt  ging,  da  hofften  wir  auf  ein  baldiges  Ende  des 
blutigen  Völkerringens.  Noch  hat  sich  trotz  der  im  Osten  ein- 
getretenen Waffenruhe  diese  Hoffnung  nicht  erfüllt;  noch 
immer  regiert  Mars  die  Stunde;  indessen  der  Krieg  nimmt 
nicht  mehr  alle  unsere  Gedanken  und  Kräfte  für  sich  in  An- 
spruch, wir  arbeiten  nicht  mehr  für  ihn  allein,  sondern  auch 
für  die  Bedürfnisse  der  Friedenszeit,  die  endlich  kommen  muß. 

Dazu  sollen  auch  diese  Anmerkungen  an  ihrem  be- 
scheidenen Teile  dienen ;  denn  sie  bringen  keinen  Abschluß  der 
Forschung,  sondern  fordern  durch  Sammlung  und  Sichtung  des 
Märchenstoffes  zu  weiterer  Untersuchung  der  Zusammen- 
setzung, Wanderung  und  Umwandlung  der  Märchen  auf,  an 
welcher  alle  Völker  der  bewohnten  Erde  beteiligt  sind.  Mit 
Bedacht  ist  von  einer  Formulierung  hier  und  da  hervor- 
leuchtender Ergebnisse  abgesehen.  Das  angehängte  Verzeichnis 
der  Literatur  wird  die  Nachprüfung  des  Dargebotenen  er- 
leichtern; das  Motivregister  dagegen  mußte  aus  räumlichen 
Gründen  dem  vierten  und  letzten  Bande  vorbehalten  bleiben, 
der  auch  die  verheißene  kurze  Geschichte  der  Grimmschen 
Sammlung  und  eine  Übersicht  über  den  Märchenvorrat  der 
andern  Völker  enthalten  soll. 

Mit  herzlichem  Dank  habe  ich  wiederum  der  freund- 
lichen Hilfe  zu  gedenken,  die  Herr  Professor  J.  Horäk  in 
Prag  in  den  letzten  Monaten  während  einer  neuen  Augen- 
erkrankung meines  Mitarbeiters  Prof.  Georg  P  o  1  i  v  k  a  durch 
die  Nachprüfung  der  angeführten  slavischen  Fassungen  und 
durch    die  Korrektur  der  Druckbogen  geleistet  hat. 

Berlin,  im  März  1918. 

Johannes  Bolte. 


Inhalt. 


Seite 

Vorwort       V 

121.  Der  Königssohn,  der  sich  vor  nichts  fürchtet  (1819)  ....  1 

122.  Der  Krautesel  (1819) 3 

123.  Die  Alte  im  Wald  (1815) 9 

124.  Die  drei  Brüder  (1815) 10 

125.  Der  Teufel  und  seine  Großmutter  (1815) 12 

126.  Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü  (1815)       13 

127.  Der  Eisenofen  (1815).  —  Prinz  Schwan  (1812).  —  Hurleburle- 
butz  (1812) 37 

128.  Die  faule  Spinnerin  (1815)       44 

129.  Die  vier  kunstreichen  Brüder  (1819) 45 

129a.  Der  Löwe  und  der  Frosch  (1815) 58 

130.  Einäuglein,  Zweiäuglein  und  Dreiäuglein  (1819) 60 

130a.  Der  Soldat  und  der  Schreiner  (1815) 67 

131.  Die  schöne  Katrinelje  und  Pif  Paf  Poltrie  (1815) 71 

132.  Der  Fuchs  und  das  Pferd  (1815) 74 

133.  Die  zertanzten  Schuhe  (1815) 78 

134.  Die  sechs  Diener  (1815) 84 

135.  Die  schwarze  und  die  weiße  Braut  (1815) 85 

136.  Der  Eisenhang  (1844).  —  De  wilde  Mann  (1815) 94 

137.  De  dre  schwatten  Prinzessinnen  (1815) 114 

138.  Knoist  un  sine  dre  Sühne  (1815) 115 

139.  Dat  Mäken  von  Brakel  (1815) 120 

140.  Das  Hausgesinde  (1815) 129 

141.  Das  Lämmchen  und  das  Fischchen  (1815)       . 137 

142.  Simeliberg  (1815) 137 

143.  Up  Reisen  gohn  (1819) 145 

143a.  Die  Kinder  in  Hungersnot  (1815) 151 

144.  Das  Eselein  (1815) 152 

145.  Der  undankbare  Sohn  (1815) 167 

146.  Die  Rübe  (1815) 169 

147.  Das  junggeglühte  Männlein  (1815) 193 

148.  Des  Herrn  und  des  Teufels  Getier  (1815) 199 

149.  Der  Hahnenbalken  (1815) 201 

150.  Die  alte  Bettelfrau  (1815) 206 

151.  Die  drei  Faulen  (1815) 207 

152.  Das  Hirtenbüblein  (1819) 214 


Inhalt.  VII 

Seite 

153.  Die  Sterntaler  (1812) 233 

154.  Der  gestohlene  Heller  (1812)       235 

155.  Die  Brautschan  (1819) 236 

156.  Die  Schlickerlinge  (1819) 239 

157.  Der  Sperling  und  seine  Kinder  (1812) 239 

157a.  Die  heilige  Frau  Kümmernis  (1815) 241 

158.  Das  Märchen  vom  Schlauraffenland  (1815) 244 

159.  Das  Ditmarsische  Lügenmärchen  (1815) 258 

160.  Rätsel märchen  (1815)       259 

161.  Schneeweißchen  und  Rosenrot  (1837) 259 

162.  Der  kluge  Knecht  (1837) 260 

163.  Der  gläserne  Sarg  (1837) 261 

164.  Der  faule  Heinz  (1837) 261 

165.  Der  Vogel  Greif  (1837) 267 

166.  Der  starke  Hans  (1837) 274 

167.  Das  Bürle  im  Himmel  (1837) 274 

168.  Die  hagere  Liese  (1840) 275 

169.  Das  Waldhaus  (1840) 276 

170.  Lieb  und  Leid  teilen  (1840) 277 

171.  Der  Zaunkönig  (1840) 278 

172.  Die  Scholle  (1840)       284 

173.  Rohrdommel  und  Wiedehopf  (1840) 285 

174.  Die  Eule  (1840)       286 

175.  Der  Mond  (1857) 288 

175a.  Das  Unglück  (1840) 289 

176.  Die  Lebenszeit  (1840) 290 

177.  Die  Boten  des  Todes  (1840) 293 

178.  Meister  Pfriem  (1843)     .     .     .     .     , 297 

179.  Die  Gänsehirtin  am  Brunnen  (1843) 305 

180.  Die  ungleichen  Kinder  Evas  (1843) 308 

181.  Die  Nixe  im  Teich  (1843) 322 

182.  Die  Geschenke  des  kleinen  Volkes  (1850) 324 

182a.  Die  Erbsen  probe  (1843) 330 

183.  Der  Riese  und  der  Schneider  (1843) 333 

184.  Der  Nagel  (1843) 335 

185.  Der  arme  Junge  im  Grab  (1843) 337 

186.  Die  wahre  Braut  (1843) 338 

187.  Der  Hase  und  der  Igel  (1843) 339 

188.  Spindel,  Weberschiffchen  und  Nadel  (1843) 355 

189.  Der  Bauer  and  der  Teufel  (1843) 355 

190.  Die  Brosamen  auf  dem  Tisch  (1843) 365 

191.  Das  Meerhäschen  (1857) 365 


VIII  Inhalt. 

Soite 

191a.  Der  Räuber  und  seine  Söhne  (1843) 369 

192.  Der  Meisterdieb  (1843) 379 

193.  Der  Trommler  (1843) 406 

194.  Die  Kornähre  (1850) 417 

195.  Der  Grabhügel  (1850) 420 

196.  Oll  Rinkrank  (1850) 423 

197.  Die  Kristallkugel  (1850) 424 

198.  Jungfrau  Maleen  (1850) 443 

199.  Der  Stiefel  von  Büffelleder  (1850) 450 

200.  Der  goldene  Schlüssel  (1819) 455 

Kinderlegrenden. 

201.  Der  heilige  Joseph  im  Walde  (1819) 457 

202.  Die  zwölf  Apostel  (1819) 460 

203.  Die  Rose  (1819) 460 

204.  Armut  und  Demut  führen  zum  Himmel  (1819) 461 

205.  Gottes  Speise  (1819) 461 

206.  Die  drei  grünen  Zweige  (1819) 463 

207.  Mutter-Gottes-Gläschen  (1819) 471 

208.  Das  alte  Mütterchen  (1819) 472 

209.  Die  himmlische  Hochzeit  (1815) 474 

210.  Die  Haselrute  (1850) 477 

Bruchstücke. 

211.  Der  Mann  vom  Galgen  (1812) 478 

212.  Die  Laus  (1812) 483 

213.  Der  starke  Hans  (1822) 487 

214.  Der  gestiefelte  Kater  (1822)    . 487 

215.  Die  böse  Schwiegermutter  (1812) 488 

216.  Märchenhafte  Bruchstücke  in  Volksliedern  (1856) 489 

Märchen  aus  dem  Nachlasse  der  Brüder  Grimm. 

217.  Der  dankbare  Tote  und  die  aus  der  Sklaverei  erlöste  Königstochter  490 

218.  Die  getreue  Trau 517 

219.  Die  Prinzessin  im  Sarge  und  die  Schildwache 531 

220.  Fürchten  lernen 537 

221.  Sankt  Peters  Mutter 538 

222.  Warum  die  Hunde    den  Katzen  und  die  Katzen  den  Mäusen 
feind  sind 542 

223.  Warum  die  Hunde  einander  beriechen 543 

224.  Der  Horcber,  der  Läufer,  der  Bläser  und  der  Starke  (1813)    .  556 

225.  Vom  Mäuschen  und  vom  Bratwürstchen  (1857) 558 

Verzeichnis  der  benutzten  Märchensammlungen     .    .    .  561 


121,  Der  Königssohn,  der  sich  vor  nichts      lese  s.  200. 
fürchtet. 

1819  nr.  121:  aus  dem  Päd  erbörnis  chen,  also  von  der 
Familie  v.  Haxthausen.  Eingesetzt  für  1815  nr.  35  'Die  himmlische 
Hochzeit'  (unten  nr.  209).  —  Die  Überlieferung  ist  verwirrt  oder 
getrübt,  auch  schließt  sich  der  letzte  Teil  den  früheren  nicht  recht 
an.  —  A.  Ein  mutiger  Prinz  erbietet  sich,  einen  Apfel  vom  Baume 
des  Lebens1)  für  einen  Riesen  zu  holen ;  dieser  aber  beansprucht 
auch  den  erbeuteten  Armring  und  blendet  ihn  hinterlistig.  B.  Der 
Löwe,  der  dem  Helden  freiwillig  aus  dem  Wundergarten  gefolgt 
ist2),  tötet  den  Riesen  und  (C)  leitet  seinen  Herren  zu  einem  Wasser, 
das  ihm  sein  Augenlicht  wiedergibt  (vgl.  oben  2,  468)  D.  Durch 
drei  Qualnächte  erlöst  der  Prinz  eine  schwarze  Jungfrau3). 

Vermutlich  stammen  die  Teile  A  — C  aus  dem  oben  1,  551 
besprochenen  Märchen  von  den  Hunden  des  Drachentöters  und  seiner 
treulosen  (Schwester  oder)  Mutter,  die  den  Riesen  bewegt,  ihren 
Sohn  zu  ermorden,  nachdem  sie  ihn  vergeblich  auf  gefährliche  Abenteuer, 


1)  Vgl.  ohen  1,  513.  2,  400.  W.  Menzel,  Die  deutsche  Dichtung 
1,  162  vergleicht  die  Erbeutung  der  Apfel  der  Hesperiden  und  den 
Überfall  des  schlafenden  Herakles  durch  die  Kerkopen  (Preller,  Griech. 
Mythologie2  2,  230). 

2)  Der  Löwe  gehört  zu  den  oben  1,  134.  2,  21  genannten  hilf- 
reichen Tieren;  doch  wird  seine  Dankbarkeit  nicht  wie  in  den  mittel- 
alterlichen Sagen  von  Heinrich  dem  Löwen  (Grimm,  DS.  nr.  526.  Bartsch, 
Herzog  Ernst  1869  S.  CXIX.  Zimmermann,  Paul  -  Braunes  Beiträge 
13,  278.  Grnndtvig,  DgF.  2,  608  nr.  114),  Iwein  und  andern  Rittern 
(Etienne  de  BourboD,  Anecdotes  historiques  1877  p.  188.  Frommanns  Dt. 
Mundarten  2,  11.  Volkskunde  17,  53)  durch  seine  Errettung  von  einem 
Lindwurm  begründet. 

3)  Vgl.  oben  2,  330.  Dazu  noch  Panzer,  Beitrag  1,  191  Die  drei 
verwunschenen  Frauen'  und  Berze  Nagy  nr.  56  'Der  tapfere  Soldat'. 

Grimm,  Härchen- Anmerkungen  III.  1 


2  121.    Der  Königssohn,  der  sich,  vor  nichts  fürchtet. 

nach  Löwenmilch  oder  den  Lebensäpfeln,  ausgesandt  hat1).  Statt 
der  hilfreichen  Hunde  des  Helden  erscheint  wie  hier  ein  Löwe  bei 
Wolf,  Hausmärchen  S.  145  'Das  weiße  Hemd,  das  schwere  Schwert 
und  der  goldene  Bing';  Ey  S.  154  'Der  junge  Riese';  Jahn  1,  194 
nr.  36  'Die  zwölf  Riesen'  und  1,  202  nr.  37  'Die  beiden  Försters- 
kinder';  Müllenhoff  S.  416  nr.  11  'Das  blaue  Band'.  Vlämisch: 
De  Mont  en  de  Cook,  Wondersprookjes  S.  119  nr.  15.  Norwegisch: 
Asbjörnsen-Moe  nr.  58  (60)  'Det  blaae  baand'  =  Stroebe  2,  264.  — 
In  unserm  Märchen  wird  der  Riese  gleichfalls  durch  seine  Braut 
dazu  getrieben,  den  Helden  nach  dem  Lebensapfel  auszusenden  und 
mit  ihm  um  den  Ring  zu  kämpfen;  aber  daß  diese  Braut  die  eigne 
Mutter  oder  Schwester  des  Jünglings  war,  schien  dem  Erzähler 
wohl  zu  ungeheuerlich. 


J)  Vgl.  noch  Macculloch  p.  58  'The  traitress  cycle'.  Spiegel  nr.  5 
'Der  Zauberring'  (Mutter).  Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  3,  1  nr.  1  'Prinsen 
og  Prinsessen  i  den  vilde  Skov'  (Mutter).  Allardt  nr.  141  'Om  den  unga 
drängen,  som  slog  ihjäl  röfvaren'  (Braut;  Wolf,  Bär,  Löwe).  Aberg  nr. 
178  'Pojken  och  hans  följeslagar'  (abweichend).  Hackmans  Register  nr. 
315.  Athaide  Oliveira  1,  15  nr.  7.  Kretschmer  nr.  46  'Der  Pilger'  mit 
Anm.  Folk-lore  11,  340  nr.  12  'The  Gorgon'  (Mutter).  Sainenu  p.  643. 
Leskien  nr.  63  'Der  Wolf  mit  dem  eisernen  Kopfe'  (Wolfsmutter).  Strauß 
S.  169  (Mutter).  Strekelj  1,  213  nr.  139—141  (Balladen.  Mutter).  Letopis 
mat.  srpske  114,  147.  Zbornik  jslav.  21,  129  nr.  1  (Mutter).  Strohal  1, 
37  nr.  6  (Mutter).  Bos.  Vila  10,  188  (Mutter).  Hrvatske  nar.  pjesme  5, 
394.  617  nr.  218—219  (Mutter).  Krasic  1,  27  nr.  4  (Schwester).  Kubin, 
Podkrkonosi  zäp.  nr.  229  (Mutter);  151  (Schwester).  Kulda  1,  151  nr.  34 
'Der  Gürtel  des  h.  Jakob'  (Mutter).  Polivka,  Pov.  lidu  opavskeho  S.  17 
nr.  4  (Schwester).  Czambel  S.  237  nr.  127.  Sbornik  mus.  slov.  spol.  17, 
90  nr.  39  (Schwester).  Prochäzka  S.  31.  Mater,  antropol.  4,  248  nr.  18. 
Balinski-Wojcicki  S.  119  (Schwester).  Lud  10,  390  (bearbeitet  von  Ant. 
Czajkowski).  Lorentz,  Teksty  S.  573  nr.  705.  S.  428  nr.  546  (Schwester). 
Rudcenko  1,  121.  131.  139.  2,  67  (Schwester).  Cubinskij  2,  143  (Schwester). 
154.  157.  Malinka  S.  277  nr.  16.  Etnogr.  Zbirnyk  13,  61  nr.  278. 
Dobrovoljskij  1,  495  nr.  15  (Schwester).  Pederowski  2,  65  nr.  343. 
Etnogr.  Obozr.  46,  41.  Chudjakov  1,  42  nr.  10.  Erlenwein  S.  94  nr.  25. 
Afanasjev  nr.  118a  —  v.  Löwis  nr.  21  (Schwester).  Weryho  lett.  S.  178 
nr.  13.  Anikin  S.  12  nr.  2  (Schwester).  Radioff  10,  138  nr.  76  (Schwester). 
Sbornik  mater.  Kavkaz.  21,  2,  8  nr.  8  (Mutter).  42,  2,  127  nr.  5. 
Aarnes  Register  nr.  315.  Folklore  23,  94  =  Chalatianz  nr.  5.  Schmidt- 
Kahle,  Palästina  nr.  42  (Mutter).  Basset,  C.  herberes  1,  222  nr.  11  'Conte 
du  chasseur'.  Destaing  2,  159  nr.  74.  Moulieras  1,  87.  Laoust  p.  188 
nr.  20.    Hanoteau,  Grammaire  kabyle  1858  p.  272. 


122.   Der  Krautesel.  3 

122.  Der  Krautescl.  i«es.2oi. 

1819  nr.  122  aus  Deuts chböhmen,  eingesetzt  für  das  oben 
1,  470  abgedruckte  Stück  'Die  lange  Nase'  (1815  nr.  36).  Am 
10.  Dezember  1814  meldete  Jacob  Grimm  aus  Wien  seinem  Bruder 
Wilhelm  (Briefwechsel  zwischen  J.  und  W.  Grimm  aus  der  Jugend- 
zeit 1881  S.  393):  'Ich  habe  ein  schönes  Märchen  vom  Krautesel 
bekommen,  das  uns  gänzlich  fehlt'. 

Die  Erzählung  handelt  A)  von  dem  Herzen  des  Glücks- 
vogels, nach  dessen  Genuß  der  Held  alle  Morgen  ein  Goldstück 
unter  seinem  Kopfkissen  findet  (oder  Gold  speit),  und  B)  von  dessen 
Verlust  und  Wiedergewinnung :  ein  habgieriges  Mädchen  läßt  ihn 
sich  erbrechen  und  nimmt  das  Herz  an  sich,  wird  aber  zur  Strafe 
in  eine  Eselin  verwandelt.  Der  erste  Teil  erinnert  also  an  das 
Brüder märchen  (1,  542),  wo  zwei  Knaben  Kopf  und  Herz  des 
von  einem  anderen  für  sich  zubereiteten  Glücksvogels  verzehren, 
der  zweite  an  den  oben  1,"  470  behandelten  Fortunat-  cyklus, 
und  häufig  finden  sich  Übergänge  und  Vermischungen  mit  diesen 
Themen.  Wir  führen  hier  nur  die  Märchen  auf.  in  denen  das 
Erbrechen   des  Vogelherzens   und   die  Tierverwandlung  vorkommt1). 

Siebenbürgisch  bei  Haltrich  nr.  6  'Der  seltsame  Vogel': 
der  Vater  jagt  die  beiden  Knaben,  die  Herz  und  Leber  des  an  den 
Juden  verkauften  Vogels  gegessen,  aus  dem  Hause.  Der  jüngere 
Bruder  wird  König,  der  ältere  heiratet;  seine  Frau  erfährt  sein 
Geheimnis,  gibt  ihm  einen  Schlaftrunk  und  ein  Brechmittel  ein,  daß 
er  das  Herz  von  sich  gibt,  und  stößt  ihn  von  sich.  Er  erhält  von 
einer  Hexe  einen  Zaum,  verwandelt  damit  sein  Weib  in  ein  Pferd 
und  mißhandelt  sie,  bis  er  als  Tierquäler  verklagt  wird.  Der  König, 
in  dem  er  seinen  Bruder  erkennt,  läßt  die  zurückverwandelte  Frau 
hinrichten.  Bei  Pröhle,  M.  für  die  Jugend  S.  67  nr.  18  'Von  den 
ungetreuen  Wirtstöchtern  und  von  der  Prinzessin  mit  goldnen 
Haaren'  werden  die  Hexe,  die  Wirtin  und  ihre  Tochter  durch  Salat 
in  Eselinnen  verzaubert.  Mit  andern  Motiven,  z.  B.  dem  Drachen- 
töter  (oben  1,  547),  verbunden  aus  Pommern  in  Bl.  f.  pomm. 
Volkskunde  4,  65.  89  'Schloß  Golden-Perlstein'  (Esel  durch  Apfel). 


*)  Vgl.  R.  Köhler  1,  409.  Polivka,  Närodopisny  Sbornik  cesko- 
slovansky  6,  94—143  (1900).  Aarne,  Mernoires  de  la  soc.  finno-ougrienne  25, 
143—200  (1908):  Das  Märchen  vom  Zaubervogel. 

1* 


4  122.    Der  Krautesel. 

Vlämiscb  bei  Verraast  S.  34  'Het  goudvogeltje'  (Brüder- 
märchen; Herz  ausgebrochen,  Esel  durch  Apfel).  —  Dänisch  bei 
Kristensen  3,  103  nr.  21  'De  to  Brodre'  (Pferd  durch  Apfel.  Ver- 
mischt mit  dem  Brüder-  und  dem  Fortunatmärchen).  —  Schwedisch 
bei  Aberg  nr.  76  'Önskikappon'.  Allardt  nr.  66  'De  granatiska 
bärje'  und  nr.  67  'Om  jsegarn,  som  bläi  jifter  mä  en  slotsfroken'. 
Hackmans  Register  nr.  567.  —  Französisch  bei  Luzel  3,  50 
'Le  petit  oiseau  ä  l'oeuf  d'or'  (Herz  ausgebrochen,  Pferd 
durch  Kirschen).  Sebillot,  C.  de  la  Haute-Bretagne  1,  97 
nr.  14  'L'oiseau  bleu'  (Vogelherz  an  einem  Silberfaden  aus  dem 
Munde  des  Schlafenden  gezogen;  Esel  durch  Sellerie).  Sebillot, 
Contes  des  Landes  p.  49  nr.  4  'Le  petit  oiseau'  (Vogelherz,  Geld- 
beutel, Mantel;  Esel  durch  Rüben).  Orain,  Gallo  p.  52  'Coeur  de 
pigeon'  (Vogelherz,  Wünschhut,  Eselin).  —  Italienisch  bei 
Imbriani,  C.  pomigl.  p.  62  nr.  3  'e  corna'  =  Monnier  p.  107 
'Les  cornes'  (Vogelleber  ausgebrochen,  Hörner  durch  Feigen,  Esel  durch 
Salat).  De  Nino  3,  120  nr.  21  'II  cacciatore'  (Vogelherz  aus- 
gebrochen, Esel  durch  Kraut).  Busk  p.  146  'The  transformation- 
donkey'  (Vogelherz  ausgebrochen,  Esel  durch  Salat).  —  Spanisch 
in  Bibl.  de  las  trad.  pop.  esp.  10,  288  'El  päjaro  de  los  diamantes' 
=  Sebillot,  C.  esp.  p.  65  (Vogelherz  ausgebrochen,  Esel  durch 
Feigen).  —  Rumänisch  bei  §äinenu  p.  663  (Eselin  durch  Mohr- 
rübe). SchuJlerus  nr.  88  'Die  goldene  Henne'  (Archiv  33,  574. 
Vogelherz  ausgebrochen,  Eselin  durch  Apfel).  —  Griechisch  bei 
Hahn  nr.  36  'Das  goldene  Huhn'  (Herz  ausgebrochen,  keine  Tier- 
verwandlung). —  Slowenisch:  Kres  5,  249  nr.  48  =  Krauß 
1,  187  nr.  39  'Verwandlung  einer  Mutter  und  Tochter  in  Eselinnen' 
(Vogelherz  ausgebrochen).  —  Serbokroatisch:  Vuk  nr.  26  'Der 
wunderbare  Vogel'  (entstellt).  Zbornik  jslav.  17,  161.  Kica  9, 
nr.  9  S.  1  (Äpfel,  Ochs).  — ■  Bulgarisch:  Sapkarev  9,  444  nr.  259 
(Esel  durch  Nelke)  und  9,  538  nr.  290  (Esel  durch  Feigen).  — 
Ce chi seh:  Nemcova  3,  120  nr.  44  =  Waldau  S.  90  'Vogelkopf 
und  Vogelherz'.  Milenowsky  S.  187  =  Zs.  f.  dtsch.  Mythol.  2,  446 
'Vom  Glücksvogel'  (Vogelherz  ausgebrochen,  Esel  durch  Apfel). 
Vaclavek  2,  19  (Erbrechen,  Hörner,  Esel).  Öesky  Lid  8,  147  (Vogel- 
magen,  Ziegel  durch  Ampfer).  Kulda  3,  35  nr.  3  (Korporal  erhält 
von  der  entzauberten  Königin  und  deren  zwei  Töchtern  Wunsch- 
beutel, Hut  und  Mantel;  kartenspielende  Königin,  zottige  Birnen). 
— ■  Polnisch:    Mater    antropol.  4,  244    nr.   161    (drei    erlöste    Prin- 


122.    Der  Krautesel.  5 

zessinnen  schenken  Wunschbeutel,  Gerte,  Äpfel  und  Birnen,  die  in 
einen  Bock  und  wieder  in  einen  Menschen  verwandeln).  Kolberg, 
Lud  14,  82  nr.  18  (der  dem  Teufel  verschriebene  Bursch  befreit 
eine  Prinzessin,  die  ihm  seine  Wunschdinge  entwendet;  Esel 
durch  Kohl).  —  Kaschubisch:  Bronisch,  Kaschub.  Dialekt- 
studien 2,  35  nr.  2  (Esel  durch  Kraut).  Lorentz,  Teksty  S.  79 
nr.  120  (Vogelherz;  Esel  durch  Kohl).  —  Großrussisch: 
Afanasjev  1,  336  nr.  115  (Erbrechen;  Stute  durch  Peitsche). 
Sadovnikov  S.  108  nr.  22  (Tier  durch  schwarze  Erdbeeren). 
Chudjakov  1,  105  nr.  26.  Ivanickij  S.  166  nr.  2  (Stute  durch 
Schlag  mit  Zügel),  vgl.  Aarne  S.  108.  Zapiski  Krasnojarsk.  1,  93 
nr.  48  (Äpfel,  Hirsch).  —  Kleinrussisch:  Moszyiiska,  Zbiör 
9,  89  nr.  5  (Eselin).  Jastrebov  S.  206  nr.  16.  Hrincenko 
2,  247  nr.  183  (Haarig  und  gehörnt  durch  Äpfel).  Etnograf. 
Zbirnyk  14,  207  nr.  29  (Stute  durch  Kirschen);  25,  42  nr.  10 
(Stute  durch  Schlag  mit  Halfterband).  Dragomanov  S.  336  nr.  38 
(entstellt).  —  Weißrussisch:  Dobrovoljskij  1,  561  nr.  27  (Erbrechen; 
Hörner  durch  Äpfel,  Stute  durch  Peitsche;.  Romanov  3,  192  nr.  25 
(Zauberring  vom  Fisch ;  Stiefel,  Divan,  Tarnkappe  drei  Teufeln 
abgelistet;  Ziegenbock  durch  Äpfel).  — -  Litauisch:  Dowojna 
Sylwestrowicz  1,  85  (Ziege  durch  Apfel).  —  Finnisch:  Aarne, 
Märchenforschungen  S.  87  (Ab  4—5.  Ac  1 — 2).  147.  150  f.  Aarnes 
Register  nr.  566.  567.  —  Zigeunerisch:  Miklosich  1874  S.  25  nr.  6 
'Die  Diamanten  legende  Henne'  =  Groome  p.  95  nr.  25.  —  Von 
den  türkischen  Gagausen  in  Bessarabien :  Radioff  10,  103  nr.  59 
(Hörner  durch  schwarze  Weinbeeren).  —  Tatarisch:  Sbornik 
kavkaz.  35,  2,  101  nr.  7  (es  fehlt  die  Liebe  des  zweiten  Sohnes  zu 
dem  treulosen  Mädchen).  23,  3,  37  (der  Bursch  nimmt  drei  'Emegen' 
Tarnkappe,  Wagen  und  Dukaten  erzeugendes  Kauharz  ab ; 
Ochs  durch  Birnen).  —  Armenisch:  Macler  p.  127  nr.  7  'La  belle 
de  Tiflis'  (Esel  durch  Äpfel).  —  Aramäisch  bei  Lidzbarski  S.  253 
'Der  Glücksvogel'  (Vogelherz  ausgebrochen).  —  Arabisch  bei 
Müller,  Mehri  3,  52  nr.  13  'Die  Stiefmutter  und  der  Vogel'  (Ring 
ausgespieen,  fliegender  Teppich,  Esel  und  Hörner  durch  Beeren). 
Spitta-Bey  p.  112  nr.  9  'Le  musicien  ambulant  et  son  fils'  (Vogel- 
magen ausgeschnitten,  Hörner  durch  Datteln).  Stumme,  Schluh 
S.  119  nr.  15  'Von  den  beiden  Knaben,  die  das  Herz  und  den  Kopf 
des  Vogels  gegessen  hatten'.  —  Indisch  bei  Knowles  p.  75  'Sayid 
and  Said' (Vogelkopf  ausgebrochen,  Eselin  durch  Baumrinde).    Clouston 


6  122.    Der  Krautesel. 

1,445.  Im  kalmükischen  Siddhi-Kür  nr.  2  (Jülg  1866  S.  10)  speien 
der  Fürstensohn  und  sein  Diener  Gold,  weil  sie  zwei  Kröten  (!)  ver- 
schlungen haben;  zwei  Branntweinverkäuferinnen,  Mutter  und 
Tochter,  lassen  sie  in  der  Trunkenheit  viel  Geld  speien  und  werden 
dafür  vom  Diener  durch  ein  Zauberpapier  in  Eselinnen  verwandelt. 
Über  andre  indische,  sartische  und  armenische  Märchen  vgl. 
oben  1,  481. 

Die  Verwandlung  des  Helden  in  einen  Esel  und.  seine 
Entzauberung  durch  Rosen  kommt  schon  in  dem  ver- 
lorenen griechischen  Romane  des  Lukios  von  Paträ  vor, 
von  dem  uns  der  unter  Lukians  Schriften  stehende  Auszug 
Aovmog  ?)  övog  und  die  Bearbeitung  im  11.  Buche  von  Apuleius 
Metamorphosen  eine  Vorstellung  geben.  Lukios  belauscht  eine 
Zauberin,  die  sich  durch  Bestreichen  mit  einer  Salbe  in  einen 
Vogel  verwandelt,  und  bittet  die  Magd  um  eine  gleiche  Salbe; 
die  aber  vergreift  sich  in  der  Büchse,  und  Lukios  wird  zum  Esel 
und  erlebt  viele  Abenteuer1).  Ganz  ähnlich  wird  diese  Geschichte 
bei  Remigius,  Daemonolatria  1693  2,  411.  242  nach  Wilhelm  von 
Tyrus,  Wilhelm  von  Malmesbury  B.  2,  §  171  und  Vincentius 
Bellovacensis,  Speculum  naturale  lib.  2,  c.  109  erzählt ;  ebd.  1693  2,  97 
nach  Zeiller,  Epistolische  Schatz-Kammer  1683  S.  682  nr.  575.  Ins 
Jahr  1645  verlegt  Sebald,  Breviarium  historicum  1655  S.  433,  den 
Prätorius,  Neue  Weltbeschreibung  2,  452  (1677)  und  Remigius  2,  95 
ausschreiben2),  folgenden  Vorfall: 

Ein  Bürgerssohn  aus  Brück  in  Sachsen  geht  unter  die  Schweden 
und  liegt  eine  Zeitlang  in  einer  schlesischen  Stadt,  wo  er  eine  Liebschaft 
mit  der  schönen  Tochter  einer  armen  Witwe  anfängt  und  sich  mit  ihr 
verlobt.  Als  er  fortzieht  und  Mutter  und  Tochter  mit  Nachholung  ver- 
tröstet, merkt  jene,  daß  er  es  nicht  aufrichtig  meint,  und  spricht :  'Dein 
Bräutigam  wird  dich  wohl  sitzen  lassen,  ich  will  ihn  dafür  zum.  Esel 
machen'.  Die  Tochter  antwortet:  'Will  er  so  untreu  handeln,  so  ist  er 
nichts  Besseres  wert'.  Der  Reiter  zieht  fort ;  als  er  aber  ein  wenig  nach- 
reitet und  an  einen  Strauch  kommt,  meint  er,  es  sei  Not  einmal  abzu- 
steigen;   wie  er  aber  abgestiegen  ist,    wird    er    alsbald    zum  Esel,    bleibt 


')  Vgl.  E.  Rohde,  Kl.  Schriften  2,  69  (1901)  =  Rhein.  Museum  40,  91. 

2)  Auch  bei  Grässe,  Sagenbuch  des  preußischen  Staates  2,  388  nr. 
831  =  Kühnau,  Schlesische  Sagen  3,  1  nr.  1350  'Der  in  einen  Esel  ver- 
wandelte Bräutigam'.  Vgl.  Chr.  Winthers  Gedicht  'Hjortens  Flugt'  1855, 
deutsch  von  Honore  1883  S.  127. 


122.    Der  Krautesel.  7 

auch  bei  seinem  Pferde  stehen.  Nun  kommen  andere,  behalten  das  Pferd 
und  verkaufen  den  Esel  einem  Müller  zum  Sackträger.  Aber  er  ist 
mutwillig  und  wirft  alle  Säcke  herab,  so  daß  ihn  der  Müller  einem 
andern  Müller  verkauft,  wo  aber  der  Menschesel  sich  nicht  frömmer 
verhält;  ja  er  schreit  einmal  laut  und  schlägt  aus,  als  der  Müller  mit 
der  Magd  scherzen  will,  und  wird  nun  weiter  und  gerade  in  die  Stadt 
verkauft,  wo  er  zum  Esel  geworden  war.  Als  er  einst  mit  einem  Sacke 
an  dem  Hexenhause  vorübergeht  und  eben  Mutter  und  Tochter  vor  der 
Türe  stehen,  spricht  diese:  'Ei,  Mutter,  seht  da  unser  Eselchen!  Könnte 
der  nicht  wieder  zu  einem  Menschen  werden?'  —  'Ja',  antwortet  die 
Mutter,  'wenn  die  Lilien  blühen  und  er  davon  ißt,  so  kann  es  geschehen.' 
Das  hört  der  Esel,  und  als  die  Lilien  blühen  und  in  der  Apotheke  ein 
Topf  damit  angefüllt  etwas  hoch  steht,  wirft  er  im  Vorbeigehen  seinen 
Sack  zur  Erde,  springt  hinauf,  erschnappt  die  Lilien  und  wird  alsbald 
wieder  zum  Menschen,  steht  aber  nackend  da. 

In  neueren  Sagen,  die  Weinhold  (Das  Märchen  vom  Esel- 
menschen. Sitzungsberichte  der  Berliner  Akademie  1893,  475)  zu- 
sammenstellt, erlöst  ein  Blumenkranz  am  Fronleichnamstage  oder 
geweihtes  Wasser  den  Eselmenschen:  Zingerle,  Sagen  2  nr.  756; 
Heyl,  Volkssagen  aus  Tirol  1897  S.  111;  Hauser,  Sagen  aus  dem 
Paznaun  1894  S.  26 ;  Schönwerth  1,  373  ;  Stöber-Mündel  2,  84  nr.  117  ; 
Pröhle,  Unterharzische  Sagen  nr.  314  =  Harzsagen2  nr.  69;  Bech- 
stein  1845  S.  258  'Goldhähnchen'  (cit.  H.  Döring  in  Thuringia  1); 
Kühnau,  Schlesische  Sagen  3,  32  nr.  1385.  So  erhalten  auch  nach 
einem  chinesischen  Werke  v.  J.  1679  die  von  einem  Zauberer  in 
Esel  oder  Schafe  verwandelten  Menschen  ihre  Gestalt  wieder,  wenn 
sie  Wasser  trinken  (Giles,  Strange  stories  2  1909  p.  417  nr.  129). 

In  der  1001  Nacht  wird  Sidi  Numan  (Henning  13,  44.  Chauvin 
6,  198  nr.  371)  von  seiner  Gattin,  in  der  er  eine  Leichenfresserin 
entdeckt  hat,  in  einen  Hund  verwandelt;  er  findet  durch  eine  mit- 
leidige Zauberin  Erlösung  und  rächt  sich  an  seiner  Erau,  indem  er 
sie  in  eine  Stute  verwandelt;  ähnlich  Schmidt-Kahle,  Palästina  nr.  50 
'Ali-eddin';  vgl.  Tawney  1,  342  (Ochse)  und  2,  134  =  Hertel,  Bunte 
Geschichten  vom  Himalaja  1903  S.  18  (Ochse,  Stute);  Dracott  1906 
p.  179  (Hund,  Eselin);  Stumme,  Tunisische  Märchen  2,  93  nr.  6  'Der 
rechte  König'  (Pfau,  Mauleselin.  Entstellt).  Deutsch  bei  Pröhle, 
KVM.  nr.  35,  1  'Von  guten  und  von  bösen  Feen'  (Hund, 
Stute) ;  Strackerjan  2  1,  482  (Hund,  Stute).  Am  Urquell  1, 
16  (1890).     Mitteilungen  Schönhengst  1906,  18.  Mitt.  der  Schles.  Ges. 


8  122.    Der  Krautesel. 

f.  Vk.  15,  216.  Irisch:  Larminie  p.  18  (Rabe,  Schimmel,  Fuchs, 
Wolf).  Französisch:  Revue  des  langues  rom.  31,  554  (Hund, 
Stute);  Revue  des  trad.  pop.  13,  350.  589.  14,  527.  Italienisch 
Archivio  3,  222.  Serbokroatisch:  Nikolic  2,  102;  Bosan. 
nar.  pripov.  S.  105  nr.  28;  Krauß  2,  404  nr.  152  'Der  wunderbare 
Zaum'  (großer  Hund,  kleiner  Hund,  Zaunkönig;  Stute);  Valjavec 
S  257  nr.  54;  Bos.  Vila  16,  276.  11,277  (neugieriger  Mann  in  einen 
Bock  verwandelt).  Bulgarisch :  Arnaudov  S.  57  nr.  59  (verräterischer  Jüng- 
ling in  Schlange).  Slowakisch :  Dobsinsky  6,  78  nr.  68  (Hündin ) ;  Sbornik 
mus.  slov.  spol.  10,  155 — 160  (Leichenfresserin  in  Stute  verwandelt). 
Polnisch:  Cheichowski  1,  28  nr.  3.  Großrussisch x):  Sadovnikov 
S.  100  nr.  19;  S.  112  nr.  24;  Afanasjev  3  2,  136  nr.  141a— b 
(Ziege  oder  Stute,  Liebhaber  Hengst) ;  vgl.  1,  236  nr.  115 
(Stute  durch  Peitsche);  Zap.  Krasnojarsk.  1,  36  nr.  14  (Gouv. 
Jenisejsk);  Oncukov  S.  525  nr.  247  (Leichenfresserin);  Etno- 
graf.  Obozr.  10,  234.  Kleinrussisch:  Etnograf.  Zbirnyk  4,  101 
nr.  19.  Manzura  S.  84—87.  Hrincenko  2,  115  nr.  89.  Cubinskij 
2,  410  nr.  118.  Sbornik  Charkov.  3,  207-213.  5,  28  f.  Zytje 
i  Slovo  4,  185  nr.  26  (Hexe  verwandelt  ihren  Schwiegersohn  in 
Werwolf).  Weißrussisch:  Sejn  2,  49  nr.  22.  2,  161  nr.  77; 
Sejn  2,  163  nr.  78  =  v.  Löwis  nr.  16 ;  Dobrovoljskij  1,  348  nr.  6 ; 
Romanov  4,  105  nr.  61  a — c;  Federowski  2,  178  nr.  154 — 155. 
Litauisch:  Dowojna  Sylwestrowicz  1,  317.  Wotjakisch:  Veresöagin, 
Votjaki  Sosnovsk.  kraja  S.  91  (Etnograf.  Obozr.  13 — 14,  154). 
Kaukasisch:  Sbornik  kavkaz.  12,  1,78.  32,  2,  4.  34,  4,  4.  35,  2, 
120.  Vs.  Miller,  Osset.  etjudy  1,  57—59  (Etnogr.  Obozr.  13—14,  156). 
Ossetisch:  Sbornik  Daskov.  1,  119  nr.  2  (Ente,  Hund).  Ungarisch: 
Berze  Nagy  nr.  48  'Die  traurige  Turteltaube  und  die  beiden  Prinzen'. 
Horger  nr.  1  (Vogelmagen  und  Kopf,  Peitsche,  Mantel,  Hut);  nr.  30 
und  50.  Vgl.  Mitt.  der  Ges.  f.  jüd.  Volksk.  1898  2,  23.  Anderson, 
Roman  Apuleja  i  narodnaja  skazka  S.  321.  327.  333. 

Mit  der  Werwolfsage  scheint  die  in  einem  jüdischen 
Märchen  (Helvicus  1617  1,  1  aus  dem  Maase-Buche  Bl.  175  = 
Prätorius,  Wünschelruthe  1667  S.  383;    Tendlau,    Felhneiers  Abende 


*)  Auch  das  epische  Lied  von  Dobrj'nja  und  Marina,  das  N.  Th. 
Sumcov  in  Etnograf.  Obozrenije  13 — 14,  144  untersucht  hat,  erzählt  die 
Verwandlung  des  Mannes  in  einen  Hund  und  seine  Rache  an  der  Frau. 
In  den  meisten  Märchen  ist  das  einleitende  Motiv  der  Leichenfresserin 
durch  das  der  ungetreuen  Frau  ersetzt. 


123.   Die  Alte  im  Wald.  9 

S.31nr.4;  Marie  de  France,  Lais  ed.  Warnke  1885  S.LXXIX)  erzählte 
Verwandlung  des  Mannes  in  einen  Wolf  zusammenzuhängen,  die  auch 
in  Ruppin,  Irland  und  Rußland  bekannt  ist:  Am  Urquell  1, 16  (1890); 
Larminiep.  17  ;  Dobrovoljskij  1, 139  nr.  71.  In  einen  Kr  an  ich  im  isländi- 
schen Märchen  bei  Gering  1,  296  nr.  89;  in  eine  Gans  bei  Niclas 
von  Wyle,  Translationen  ed.  Keller  1861  S.  250.  Schwankhaft  wirkt 
die  pommersche  Sage  bei  U.  Jahn  nr.  551  =  Zs.  f.  Volksk.  26,  274  nr.  61 
von  der  Verwandlung  eines  brummigen  Ehemanns  in  einen  Bären. 
—  Eine  Tierverwandlung  (Hund,  Schwein,  Pferd)  wird  auch  durch 
göttliche  Kraft  zur  Strafe  für  Hartherzigkeit  und  Ungerechtigkeit 
verhängt  über  Gutsherren  oder  Richter  in  deutschen  Flugblättern : 
Zs.  f.  Volkskunde  16,  429;  Mitt.  der  schles.  Ges.  f.  Volkskunde  15, 
214;  Diederichs,  Deutsches  Leben  der  Vergangenheit  in  Bildern  1, 
124  nr.  413;  Bunker  nr.  34;  Görres,  Volksbücher  1807  S.  231  (Der 
durch  List  eines  Weibes  in  einen  Hund  verwandelte  Amtsschösser) ; 
Knoop.  Posener  Märchen  S.  11  (Progr.  1909.  Esel);  mallorkinisch 
bei  Ludwig  Salvator  S.  109  (Esel).  Hochzeitsgäste,  die  den  als  Bettler 
anklopfenden  Christus  nicht  einlassen,  werden  zu  Bären  und  Wölfen 
(Ziv.  Star.  5,  444),  zwei  Gottesverächter  zu  Eseln  (Archiv  f.  slav. 
Phil.  12,  83,  mazedonisch).  —  Die  Verbreitung  dieses  Glaubens, 
den  auch  Augustin,  De  civitate  Dei  18,  18  gelten  läßt,  bezeugt  der 
Schwank  von  dem  listigen  Diebe,  der  dem  Bauer  einen  Esel 
stiehlt  und  dann  vorredet,  er  sei  zur  Strafe  seiner  Sünden  auf  eine 
Zeit  in  jenen  Esel  verwandelt  worden  (R.  Köhler  1,  507.  Chauvin 
7,  136  nr.  406.  Sebillot,  Folklore  de  France  3,  142.  4,  247).  Vgl. 
noch  Clouston  1,  444. 


123.  Die  Alte  im  Wald.  18Ö6S.205. 

1815  nr.  37  =  1819  nr.  123.  Aus  dem  Pa  derb  örnischen, 
Bökendorf  den  23. — 26.  Juli  1813.  —  Das  Ganze  hat  Ähnlichkeit  mit 
Joringel  und  Jorinde  (nr.  69).  Die  Alte  ist  die  Hexe  im  Märchen 
von  Hansel  und  Gretel  (nr.  15),  eine  Circe,  welche  die  Menschen 
einfängt  und  in  Tiere  verwandelt,  wie  der  Hexenmeister  in  nr.  68. 
Die  Idee  von  einem  sich  belebenden  Baum  auch  in  einem  Liede  des 
Dürners  (MSH.  2,  337a): 


10  124.    Die  drei  Brüder. 

Mir  getroumd  ein  troum, 
des  ist  niht  lank; 

künden  gesten  disiu  msere  diu  sag  ich, 
Wie  ein  roseboum 
hoch  unde  krank 

mit  zwein  blüenden  esten  umbevienge  mich. 
Dar  under  vant  ich  viöl  unt  der  rösen  smak: 
daz  erschein  ich  mir, 
so  si  nü  mak, 

daz  ir  umbevank  mich  bindet  halben  tak, 
gestat  icbz  ir. 

Schwedisch  bei  Steffen  1,  35  'Fru  Längnäsa'  (der  zum 
Vogel  verzauberte  Jüngling  verwandelt  sich  auf  der  Flucht  in  ein 
Knäuel  und  das  Mädchen  in  eine  Nadel;  dann  fällt  er  als  Katze 
über  die  Hexe  her). 

In  dem  von  Keuleaux  (Westermanns  Monatshefte  84,  55.  1898) 
mitgeteilten  hessischen  Märchen  'Der  weisse  Hirsch'  wird  dieser  vom 
Mädchen  dadurch  entzaubert,   daß   es  den  Kessel  der  Hexe  umstößt. 


1856    S.  206. 


124.    Die  drei  Brüder. 


1815  nr.  38  =  1819  nr.  124.  Aus  der  Schwalmgegend; 
doch  auch  sonst  vielfältig  gehört,  hier  am  vollständigsten. 

Diese  drei  fabelhaften  Behendigkeitsproben  des  Barbiers,  Huf- 
schmieds und  Fechtmeisters  werden  schon  im  16.  Jahrb..  erzählt  in 
dem  französischen  Schwankbuche  'La  nouvelle  fabrique  des  excel- 
lens  traits  de  verite,  par  Philippe  d'  Alcripe  [le  Picard]  Sieur  de  JSTeri 
[Rien]  on  Verbos  [?  Vert-bois]'  1579,  rep.  1853  p.  17:  'De  trois  freres, 
excellens  ouvriers  de  leurs  mestiers'.  Daraus  übersetzt  von  Peter 
Lauremberg  in  der  'Verneuwerten  und  vermehrten  Acerra  philologica' 
1650  S.  519  (3,  81).  J.  Prätorius,  Spin-Rocken  1678  S.  24.  J.  Frisch, 
Erbauliche  Ruhstunden  2,  470  (1676).  Fliegenwadel  von  Hans 
Muckenfeind  1707  S.  109.  Lyrum  Larum  Löffelstihl  von  Allzeit 
Immer  Frölich  1730  nr.  84.  Vade  Mecum  für  lustige  Leute  2, 
nr.  255  (1768).  Witzfunken  und  Lichtleiter  2.  Bd.,  1.  Cyklus  S.  93 
(1817),  Müller -Fraureuth,   Lügendichtungen    1881    S.  133.     Ähnliche 


124.    Die  drei  Brüder.  11 

Aufschneidereien  werden  in  der  'Neu  eröffneten  Schaubühne  mensch- 
licher Gewohn-  und  Thorheiten'  (o.  J. ;  um  1670)  S.  88 — 92  zusammen- 
gestellt. Darin  heißt  es:  'Damit  ich  allhier  jenes  vierjährigen  Kindes, 
welches  mit  einem  schweren  breiten  Säbel  so  meisterlich  fechten 
können,  daß  ihm  in  vollem  Regen  kein  einziger  Tropfen  aufs  Haupt 
gefallen,  keine  Meldung  thue  .  .  .  Item  jener  Goldschmied,  welcher 
einer  Mucken  unter  jeden  Fuß  ein  güldenes  Hufeisen  mit  24  Nägeln 
angeheftet'.  Philander,  Zeitverkürzer  1702  nr.  11.  —  Dem  Kunst- 
stücke des  Hufschmiedes  läßt  sich  vergleichen  Petronius  c.  45: 
'milvo  volanti  ungues  resecare'.  Fischart,  Geschichtklitterung  1891 
S.  279:  'Er  (Gargantua)  kont  wie  ein  Egyptischer  Mameluckischer 
Gwardyknecht  eim  Gaul  in  vollem  Lauf  ein  Sattel  gürten'.  Heinrich 
Julius  von  Braunschweig,  Schauspiele  S.  550  ed.  Holland:  'Wir 
haben  einen  Schmid  gehabt,  der  war  seiner  Kunst  so  fertig,  das  er 
im  Ringrennen  in  voller  Currir  einem  Pferde  ein  Eisen  auffschlagen 
kondte  und  am  Rennen  nichts  hinderte'.  Im  Volksbuch  von  Urban 
Fettsack  (Scheibles  Schaltjahr  4,  122)  beschlägt  der  Schmied  gar  ein 
ganzes  Regiment  in  vollem  Rennen. 

Andere  Fassungen  aus  dem  Volksmunde  sind :  Schmeller,  Die 
Mundarten  Bayerns  1821  S.  434  'Die  Meisterstücke'. — Vlämisch: 
Joos  1,  160  nr.  90  'Van  drij  Broeders'.  De  Mont-de  Cock,  Ver- 
telsels  p.  412  'De  vier  behendige  Broeders'.  Cornelissen-Vervliet  nr. 
20  'Van  eenen  Vader  en  zijne  drij  Zonen'.  Witterijck-Delplace  nr.  3 
'Drie  slimme  Gasten'.  —  Schwedisch:  Bondeson,  Sv.  folkssagor 
nr.  73  'Hvilken  var  likast?'  —  Französisch:  Revue  des  trad.  pop. 
9,  344  'Les  trois  garcons  habiles'.  —  Böhmisch:  Kulda  2,  233  nr. 
123  =  Wenzig  S.  140  =  Benfey,  Kl.  Schriften,  3,  124  'Die  vier 
Brüder'.  —  Jüdisch  aus  Galizien:  Zs.  f.  österr.  Vk.  9,  243. 

Mit  einer  andern  Einkleidung  und  Abweichungen  in  dem  ersten 
und  dritten  Kunststücke  wird  unsere  Geschichte  um  1300  von  dem 
französischen  Dominikaner  Johannes  Gobii  Junior  in  der  Scala 
celi  als  Predigtmärlein  vorgetragen  (Ulm  1480  Bl.  99a  =  Germania 
30,  204;  deutsch  nach  der  Breslauer  Hs.  Bl.  1236  von  Klapper,  Mitt. 
der  schles.  Ges.  f.  Volkskunde  Heft  20,  12): 

Man  liest,  daß  einst  ein  "Weib  lebte,  das  drei  Söhne  hatte,  zwei 
uneheliche  und  einen  von  ibrem  Gatten.  Da  ihre  Mitgift  nur  in  einem 
Birnbäume  bestand  und  sie  nicht  wollte,  daß  ihr  Gatte  die  unehelichen 
Söbne  von  dem  ihrer  Ehe  entsprossenen  unterscheiden  könne,  teilte  sie 
den  Birnbaum  in  ihrem  Testamente  so,   daß  sie  dem   ältesten  Sobne  das 


12  125.    Der  Teufel  und  seine  Großmutter. 

Grade  und  Krumme  an  dem  Baume,  dem  mittleren  das  Grüne  und 
Trockne  daran,  dem  jüngsten  aber  alles  das  hinterließ,  was  in.  und  über 
der  Erde  von  dem  Baume  war.  Als  die  Mutter  gestorben  war,  wollte 
jeder  den  ganzen  Baum  haben,  und  so  gingen  sie  vor  den  Richter.  Der  aber 
sprach,  der  Baum  solle  dem  gehören,  der  sich  der  größten  Behendigkeit 
rühmen  könne.  Da  behauptete  der  Älteste  von  sich:  'Wenn  ein  Hase 
vorübergelaufen  kommt  und  ich  jage  ihm  nach,  dann  zieh  ihm  das  Fell 
ab,  ohne  daß  sein  Lauf  oder  der  meine  irgendwie  dabei  gehemmt  wird'. 
Der  zweite  sprach:  'Ein  Pferd  mag  noch  so  schnell  daherrennen,  ich 
nehme  ihm  die  Hufeisen  ab  und  bringe  den  Reiter  herunter,  ohne  daß 
sein  Lauf  verzögert  wird'.  Der  dritte  aber  sagte:  'Ich  steige  auf  die 
höchsten  Berge,  in  deren  Mitte  alle  Winde  wehen,  und  öffne  ein  Feder- 
kissen. Mag  dann  der  Wind  noch  so  stark  wehen  und  mögen  die  Federn 
noch  so  fein  und  das  Kissen  ganz  offen  sein,  ich  bin  doch  so  behende, 
daß  ich  alle  Federn  darin  zurückhalte  und  auch  nicht  eine  einzige  heraus- 
kommt.'    Und  diesem  ward  der  Birnbaum  gegeben. 

Vgl.  das  Märchen  von  den  vier  kunstreichen  Brüdern  (nr.  129). 


lese  s.  206.        125.    Der  Teufel  und  seine  Großmutter. 

1815  nr.  39  =  1819  nr.  125.  Aus  Zwehrn  den  4.  September 
1814.  —  Zur  Großmutter  des  Teufels  vgl.  oben  1,  289  und  Edv. 
Lehmann  im  Archiv  f.  Religionswissenschaft  8.  411—430. 

Abweichend  ist  eine  vor  1822  gehörte  Erzählung  aus  Deutsch- 
böhmen: 

Die  drei  Soldaten  waren  auf  ihrer  Flucht  unter  einen  Birnbaum 
gekommen,  wo  der  eine  in  der  Not  ausrief:  'Ich  wollte,  daß  uns  der 
Teufel  holte!'  Worauf  der  Teufel  sogleich  erschien,  den  Vertrag  mit  ihnen 
abschloß  und  sie  aus  ihrer  Lage  befreite.  Sie  mußten  nun  ein  Jahr  in 
der  Hölle  bleiben,  bis  die  Zeit  kam,  wo  ihnen  der  Teufel  die  Rätsel  vor- 
legen sollte;  doch  durften  sie  zuweilen  in  der  Gegend  spazieren  gehen. 
Dem  Lucifer  (der  stets  zurückbleibt  und  nur  die  Teufel,  seine  Boten,  aus- 
sendet) war  aber  gleichfalls  nicht  wohl  dabei  zu  Mute,  er  dachte:  der 
Teufel  legt  den  Kerlen  keine  rechte  Rätsel  vor  und  wird  von  ihnen  ge- 
prellt. Eines  Tages  fingen  die  dreie  spazieren,  waren  betrübt;  sonder- 
lich die  beiden,  die  nichts  gesprochen  hatten,  warfen  dem  einen  vor,  daß 
er  sie  mit  dem  leichtsinnigen  Wort,  das  ihm  entfahren,  ins  Unirlück  ge- 
bracht habe.     'Du  mußt   uns  nun  auch  helfen1,    sprachen  sie,  'sonst  soll 


125.    Der  Teufel  und  seine  Großmutter.  13 

dir's  schlimm  ergehen'.  —  'Ei  was',  antwortete  er,  'von  den  drei  Rätseln 
wird  sich  eins  wenigstens  raten  lassen'.  Ging  darauf  ein  wenig  allein, 
die  Sache  mit  sich  selbst  zu  überlegen,  und  als  er  einen  hohen  Birnbaum 
bemerkte,  stieg  er  hinauf  und  besah  sich  die  Gegend.  Indem  erblickt  er 
den  Lucifer  und  den  Teufel,  die  auch  spazieren  gingen  und  sich  gerade 
unter  den  Birnbaum  setzten,  da  auszuruhen.1)  'Hör  einmal',  sprach 
Lucifer.  'was  für  Bätsei  hast  du  wohl,  die  du  ihnen  aufgeben  willst? 
Mir  ist  bang,  sie  ratens;  so  abgedankte  Soldaten  sind  teufelsklug'.  'Da 
kannst  du  ruhig  sein',  antwortete  der  Teufel,  'das  raten  sie  nimmermehr. 
Erstens  will  ich  ihnen  eine  Bockshaut  geben,  aber  in  niederländisch 
Tuch  verwandeln;  zweitens  will  ich  auf  einem  Ziegenbock  geritten 
kommen,  der  wird  ihnen  als  das  schönste  Bferd  erscheinen ;  drittens  will 
ich  ihnen  einen  Becher  aus  Pech  zeigen,  den  sie  für  den  schönsten  Gold- 
becher halten  werden'.  Da  denkt  der  oben  auf  den  Baum  'Jetzt  ists 
schon  gut',  sagt  aber  den  zwei  andern  nichts  davon.  Am  bestimmten 
Tag  kommt  der  Teufel,  die  zwei  andern  werden  richtig  von  ihm  genarrt, 
aber  der  dritte  sagt  ihm  ins  Angesicht:  'Dein  niederländisch  Tuch  ist  eine 
stinkende  Bockshaut;  dein  Pferd  ein  alter  Ziegenbock,  für  dich  gut,  für 
uns  zu  schlecht;  dein  Goldbecher  ein  alter  Pechkübel,  weiter  nichts. 
Nun  verlang  ich  Geld  von  dir  Zeit  meines  Lebens'.  Da  muß  der  Teufel 
im  höchsten  Ärger  Polge  leisten  und  Geld,  so  viel  sie  begehren,  an  den 
Ort  hintragen,  wo  sie  den  ersten  Vertrag  geschlossen  hatten. 

Aus  der  Schweiz  bei  Jegerlehner,  Was  die  Sennen  erzählen  S.  7 
=  Jegerlehner,  Sagen  aus  dem  Oberwallis  S.  82  nr.  110  'Drei  lustige 
Tage  und  dann  des  Teufels'  =  Bächtold  S.  260  (statt  der  Großmutter 
des  Teufels  rät  die  Jungfrau  Maria  dem  dritten  Burschen,  seinen  Kopf 
mit  einem  Basenstück  zu  bedecken  und  das  Gespräch  der  Raben  auf 
dem  Baume  zu  belauschen;  Katze,  Besen,  Kuhhaut).  Aus  Nieder- 
österreich bei  Vernaleken,  KHm.  nr.  37  'Hans  löset  Rätsel'  (vier 
Soldaten ;  Rätsel  vom  Kater,  Katzenkopf,  Pferdefuß ;  kranke  Prinzessin 
durch  Ausgraben  einer  Kröte  geheilt).  Aus  Steiermark  ebd.  nr. 
38  'Die  drei  Müller'  (Zwerge  im  Schloß  werden  erlöst  durch  die 
Antworten:  Mein  Fleisch,  Mein  Blut,  Auf  meinen  Beinen).  Aus  dem 
Odenwalde  bei  Wolf,  Hausmärchen  S.  162  (Episode  des  Märchens 
'Das  weiße  Hemd,  das  schwere  Schwert  und  der  goldene  Ring' :  der 
Prinz,  der  die  Tiersprache  versteht,  erfährt  von  drei  Atzein,  daß  das 
Haus  aus  Armsünderknochen  erbaut,  das  Essen  von  der  Königstafel 
geholt  ist  und  das  Licht  vom  gestohlenen  Karfunkelstein  herrührt; 
den     elf    Genossen    schlägt    der    Zauberer     die     Köpfe     ab).      Aus 


*)  Gespräch  der  Geister  belauscht:  oben  1,  46.  2,469.  473.  481. 


14  125.    Der  Teufel  und  seine  Großmutter. 

Schlesien  bei  Peter  2,  192  =  Kühnau  2,  712  'Der  Teufel  als 
Dienstgeber'  (der  jüngste  Bruder  belauscht  infolge  eines  Traumes 
hinterm  Dornstrauche  die  Teufel :  Kuhklaue,  Kuhstall,  Katzenschwanz). 
Aus  Westfalen  bei  Kuhn  2,  256  nr.  19  'Die  drei  Fragen'  =  Harten- 
Henniger  S.  105  (ein  graues  Männlein  offenbart  dem  Schneider,  daß  die 
Walfischrippe  des  Teufels  Gabel,  der  Stein  seine  Schüssel  und  die  Peitsche 
seine  Geldtasche  sei).  Vom  Harze  bei  Pröhle,  KVm.  nr.  19  'Der  goldene 
Becher,  die  goldene  Tischdecke  und  die  goldene  Trompete'  (Katze, 
Pferdehaut,  Pferdekopf;  der  Unteroffizier  belauscht  in  der  hohlen 
Eiche  die  Teufel).  *Am Urdsbrunnen  5,  131.  Aus  Posen  bei  Knoop, 
Ostmark.  Sagen  1,  120  nr.  62  'Die  Kuhhaut'  (der  Bettler  offenbart, 
daß  die  Kirche  des  Teufels  eine  Kuhhaut  ist).1)  Aus  Holstein  bei 
Wisser,  Plattdeutsche  Vm.  S.  42  'De  dre  Gesell'n  un  de  Düwel'. 

Dänisch  bei  Grundtvig,  Folkesev.  2,  213  nr.  19  'Den  sorte 
Skole'  =  Leo-Strodtmann  2,  280  :  der  klügste  unter  den  Schülern 
des  Teufels  belauscht  unter  einer  Grassode  die  Krähen  auf  dem 
Galgenberge  und  errät  die  Pferdehaut,  Topfscherben  und  den  Pferde- 
schädel; als  der  Teufel  den  zuletzt  das  Zimmer  Verlassenden  be- 
halten will,2)  verwandelt  er  sein  Strumpfband  in  einen  Mann;  er 
überlistet  jenen,  der  für  den  gehäuften  Scheffel  Geld  nur  einen  ge- 
strichenen zurückverlangt3) ;  dann  folgen  die  Abenteuer  der  drei  Hand- 
werksburschen (oben  nr.  120)  und  des  Bärenhäuters  (nr.  101).  Dazu 
Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  57  'Den  sorte  Skole'  und  148  'Fandens 
sporsmäl'.  Berntsen  1,  22  nr.  2  'Den  lille  sorte  Mand'  (Schneider, 
Schuster  und  Dragoner  im  Walde  verirrt;  Gespräch  dreier  Trolle 
belauscht :  Leder,  Kattun,  Hirsch ;  dann  folgt  unsre  nr.  120) ;  2,  135 
nr.  19  'Fortunatuspungen'  (drei  Brüder  im  Wirtshaus ;  Hans  belauscht 
auf  den  Rat   einer  alten  Frau  nachts   auf   dem  Kirchhof   die  Eulen: 


x)  In  einer  schlesischen  Sage  (Kühnau  2,  715  nr.  1336;  auch  nr. 
1323)  antwortet  ein  Kind  in  der  Wiege  auf  das  Rätsel,  das  der  Teufel 
einer  Abendgesellschaft  vorlegt. 

2)  Der  letzte  verfällt  dem  Teufel:  Bolte,  Der  Teufel  in  Sala- 
manca  (Archiv  f.  Litgesch.  14,  445).  J.  Grimm,  Myth.3  S.  976.  3,  302. 
Gredt,  Luxemburger  Sagenschatz  1883  nr.  148.     Jecklin  2,  119.  151. 

3)  Dergestrichene  Scheffel:  Müllenhof  f  nr.  414  'Der  gestrichene 
Scheffel'.  Kopisch,  Werke  1,  231  (1856).  Kuhn,  Westf.  Sagen  1,  375  nr. 
420  'Die  Studenten  und  der  Teufel'.  Knoop,  Sagen  der  Provinz  Posen 
1913  nr.  171.  Kristensen,  Molbohistorier  nr.  458.  Grundtvigs  hsl.  Register 
nr.  96  'Fanden  narret'.  Wigström,  Folkdiktning  2,  199.  Aarnes  Register 
nr.  1182. 


125.    Der  Teufel  und  seine  Großmutter.  15 

Maulwurfsfell,  Walfischzahn,  Katze;  erhält  den  Wunschbeutel). 
Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  1,  230  nr.  30  'I  Pagt  med  Fanden' 
(Schneider  lauscht  unter  der  Brücke:  Pferdehaut,  Scherbe,  Pferde- 
schädel; Bärenhäuter).  Kristensen,  Danske  folkeaev.  nr.  42  'De  tre 
ejenforblsendelser'  (Raben  auf  dem  Kirchhofe:  Pferdehaut,  Pferde- 
schädel, Katzenschädel)  und  nr.  49  'De  syv  spergsmäl'  (ein  Soldat 
erlöst  einen  Bauern,  den  der  Teufel  holen  will,  indem  er  diesem  die 
Zahlen  1 — 7  auslegt)1).     Kristensen,  Fra  Bindestue  1,  118  nr.  21  'De 


x)  Der  Teufel  fragt  nach  der  Bedeutung  der  Zahlen  1  bis  7 
(oder  10  oder  12):  Müllenhoff  S.  303  nr.  415.  Diermissen,  Muskist  1862 
S.  67.  Haltrich  nr.  33.  Zs.  f.  Volksk.  6,  323  (7  Wahrheiten).  Dänisch: 
Kristensen,  Danske  Sagn  6,  1,  254.  Zs.  f.  Volkskunde  4,  255.  11,  4043. 
Schwedisch:  Wigström,  Folkdiktning  2,232.  Steffen,  Sv.  sagböcker  2,  88. 
Norwegisch:  Bugge-Berge  1,  21.  Katalanisch:  Folk-lore  catalä  3,  89. 
Spanisch:  Archivio  2,  104.  Revista  de  foJklore  chileno  1,  168.174.  Portu- 
giesisch: Vasconcellos,  Ensaios  ethnogr.  3,  209.  Archivio  2,  100.  10,  512. 
Baskisch :  Cerquand  2,  26.  Vinson  p.  13.  Italienisch :  Archivio  11,  266. 
12,  86  (15.  Jahrh.)  1,  416.  2,97.  7,493.  10,499-508.  11,265.  305.  12,  378. 
532.  571.  14, 488.  Eivista  delle  tradiz.  pop.  ital.  1,  93.  198.  2,  103.  Busk 
p.  255.  Finamore  1,  2,  126.  Andrews  nr.  45.  Revue  des  trad.  pop.  17, 
496.  Rumänisch:  Hasdeu,  Cartile  poporane  1880  p.  574  =  Kremnitz 
S.  196  =  Archivio  2,  229.  Griechisch:  Hahn  2,  210.  Kretschmer  nr.  45. 
NtoikX.  'Avdhxru  2,  28  —  Garnett  2,  94.  Cechisch:  Kubin,  Pov.  kladske  1,  30 
nr.  11  mit  Anm.  Ed.  Peck  nr.  35.  Polnisch:  Tradition  6,  284.  Kleinrussisch: 
Archivio  2,  228  (hier  hilft  ein  Heiliger  die  Fragen  beantworten;  vgl.  R. 
Köhler,  Kl.  Sehr.  3,  370  und  Zs.  f.  Volksk.  13,  86).  Suchevyc  S.  135  nr.  78. 
Dragomanov  S.  36  nr.  27.  Rudcenko  2,  25  nr.  11.  Manzura  S.  128.  Weiß- 
russisch: Romanov  4,  212  nr.  57.  4,  83  nr.  46.  4,  52  nr.  40.  Kauka- 
sisch: Archivio  2,  230.  Weselofsky,  Razyskanija  6—10,  S.  432. 
—  In  der  Legenda  aurea  c.  2  antwortet  der  h.  Andreas  statt 
des  Bedrängten  auf  des  Teufels  Rätselfragen;  vgl.  R.  Köhler  2,  14 
und  Klapper,  Erzählungen  des  Mittelalters  1914  nr.  200;  ferner 
Kosegarten,  Legenden  1804  2,  51  'Der  Bischof  und  die  Jungfrau'; 
Langbein,  Die  Versuchung  (Stl.  Schriften  4,  62  =  Minerva  1815,  166); 
Rouanet,  Autos  del  siglo  16.  1901  1,  468  nr.  28;  R.  H.  Barham,  Ingoldsby 
legends:  'The  lay  of  saint  Nicholas';  Schevill  in  University  of  California 
Publications  in  modern  philology  2,  235  (1911);  A.  Grün,  Volkslieder 
aus  Krain  1850  S.  106  'St.  Ulrich'.  In  der  Legende  vom  h.  Bar- 
tholomäus (Legenda  aurea  c.  123.  Thomas  Cantipratanus,  De 
apibus  2,  c.  53,  5)  dagegen  stellt  nicht  der  Teufel,  sondern  der  als 
Bettler  verkappte  Heilige  die  drei  Fragen.  —  Eine  Prinzessin 
fragt  nach  der  Zahlenbedeutung:  Wlislocki,  Volksdichtungen  der  Zigeuner 
1890  S.  308  =  Zs.  f.  vgl.  Litgesch.  2,  355.  Vgl.  die  Untersuchung  bei 
Weselofsky,  Razyskanija  6—10,  S.  79—82. 


16  125.    Der  Teufel  und  seine  Großmutter. 

fire  JRavnes  Meddelelser'  (Pferdehaut,  Schädel,  Knochen).  2,  160  nr.  28 
'De  otte  Sporgsmaal'  (Zahlendeutung).  Skattegraveren  12,  44  'I  pagt 
med  Fanden'  (alte  Äpfelfrau  teilt  die  Lösung  mit:  Pferderippe,  Borke, 
Pferdehaut;  Bärenhäuter).  Bei  Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  2,  282 
nr.  43  'Baadsmand  Ole'  erhalten  drei  arme  Gesellen  eine  Wunsch- 
börse vom  Teufel  und  sollen  ihm  nach  zehn  Jahren  gehören,  wenn  sie 
ihm  nicht  eine  unlösbare  Aufabe  stellen1).  —  Schwedisch:  Aberg 
nr.  109  'Om  huäla  som  sku  far  uä  mä  pojkin'  (Was  ist  süßer  als 
Honig,  weicher  als  Schwandaunen,  härter  als  Stein)2).  Allardt  nr.  82 
'Bon,  som  sku  ti  häng  opp  se'  (Zahlendeutung);  nr.  83  (desgleichen); 
nr.  88  'Studenten  och  fanden'  (Reime).  Hackmans  Register  nr.  812. 
Bondeson,  Sv.  folksagor  nr.  54  'Bonden  som  försvor  sig  tili  päcker' 
(Zahlendeutung)  =  Bondeson,  Halländska  sagor  nr.  19  'Bonnen  som 
försvor  seg  te  päkker'.  —  Serbokroatisch:  Ristic-Loncarski  S.  66 
nr.  10  (Pferdefleisch  und  Harn.  Flöten  aus  Pferderipj^en ;  der  jüngste 
Bruder  erhält  einen  Zauberhut  und  Säbel).  —  Slovakisch:  Nemcovä 
2,  111  nr.  42  =  Dobsinsky  5,  31  nr.  54  (der  Tisch  aus  Pferdehaut 
und  Knochen,  der  Becher  ein  Pferdehuf).      Sbornik   mus.    slov.   spol. 

J)  Den  Teufel  schafft  man  sich  durch  unmögliche  Aufgaben 
vom  Halse.  Er  muß  ein  krauses  Haar  strecken  (Montanus,  Schwank- 
bücher 1899  S.  602.  Jegerlehner,  Oberwallis  S.  86.  Asmus-Knoop  S.  96. 
Firmenich  3,  645.  Schiller,  S^hles.  Vm.  S.  58.  Volkskunde  10,  143. 
Steffen,  Sv.  sagböcker  2,  92.  Aberg  nr.  113.  Nicolai'des  p.  106.  Anthro- 
pophyteia  1,  168  nr.  143  serbisch.  Nemcovä  nr.  18  =  Waldau  S.  574. 
Kubin,  Pov-  kladske  1,  112  nr.  59.  2,  109  nr.  27.  Czambel  S.  472  nr.  235. 
Wisla  5,  454.  Mater,  antropol.  8,  193.  Suchevyc  S.  127  nr.  73.  Dobro- 
voljskij  1,  142  nr.  78.  Oncukov  S.  476  nr.  205.  Etnogr.  Obozr.  51,  10 
gagausisch.  Kingscote  S.  285  nr.  26),  einen  Bauchwind  fangen  (Zs.  f.  vgl. 
Litgesch.  7,  458.  11,  72.  Oncukov  S.  476  nr.  205.  Haas,  Schnurren  S.  68 
nr.  61.  Nieri  p.  201  nr.  83),  einen  Strick  aus  Sand  drehen  (oben  2,  513. 
Haas,  Schnurren  S.  67  nr.  60  =  Z.  f.  d.  Myth.  2,  147),  ein  leckes  Schiff 
auspumpen  (Quickborn  4,  46.  Allardt  nr.  84.  85.  Hackman  nr.  1175), 
Frösche  auf  die  Bäume  setzen  (Schell,  Bergische  Sagen  nr.  201.  Bl.  f. 
pomm.  Vk.  10,  118),  die  Wagenachse  tragen,  als  ein  Rad  gebrochen  ist 
(Müllenhoff  S.  193.  Strackerjan2  1,  343.  Bl.  f.  pomm.  Volksk.  4,  125), 
der  Weiber  Schleifstein  bringen  (Haas,  Schnurren  S.  66  nr.  59  =  Jahn, 
Volkssagen  nr.  330),  drei  alte  Weiber  verkaufen  (H.  Sachs,  Fabeln  5,  9 
nr.  600.  6,  79  nr.  881.  Dähnhardt,  Natursagen  1,  196.  Stroebe  1,  301. 
Aarnes  Register  nr.  1170),  in  jede  Schlinge  einen  Hasen  jagen  (Aarne 
nr.  1171),  Wasser  im  Sieb  holen  (Aarne  nr.  1180)  u.  a. 

2)  Zu  diesem  Rätsel  vgl.  oben  2,  357  f.  und  Kristensen,  Folke- 
gaader  S.  61.  197.  Skattegraveren  5,  119.  Aberg  nr.  339.  Hackmans 
Register  nr.  921**.     Unten  zu  nr.  127. 


125.    Der  Teufel  und  seine  Großmutter.  17 

17,  93  nr.  42  (Tischtuch  aus  Pferdehaut,  Teller  aus  Muscheln,  Braten 
von  der  Katze,  Becher  ein  .Pferdehuf).  —  Polnisch:  Swietek  S.  365 
nr.  31  (Geige  eine  Totenhand,  Kleid  des  Teufels  eine  Pferdehaut, 
Tabaksdose  ein  Totenkopf).  —  Finnisch:  Aarnes  Begister  nr.  812. 
Auch  in  den  Sagen  von  Hexentänzen  ist  die  Geige  oder  der 
Dudelsack  des  Spielmanns  ein  Pferdeschädel,  seine  Pfeife  ein  Katzen- 
schwanz ■  (J.  Grimm,  Mythol.3  S.  809.  1002.  1025.  3,  307);  was  der 
Teufel  dort  als  glänzendes  Gold  gab,  ist  bei  Licht  besehen  Mist  und 
Kot  (J.  Grimm  S.  1023.  3,  310),  nichts  Besseres  die  dort  gereichten 
Speisen  (Zingerle,  Sagen2  nr.  742.  Henne  am  Rhyn,  Volkssage  1879 
S.  460).  So  berichtet  auch  eine  münsterländische  Sage,  welche  die 
Brüder  Grimm  vor  1816  aus  der  Familie  v.  Haxthausen  erhielten1), 
von  den  Musikanten  unterm  Galgen: 

Et  wären  es  drey  Musikanten,  de  spierlden  up  ne  graute  Hochtied, 
dat  duhrde  drey  Dage,  da  gongen  se  late  (spät)  in  de  Wacht  na  Huse. 
Do  kam  eer  en  Kutskwagen  in  de  Möte,  darin  säten  vierl  Heerens  un 
Damens;  de  segden:  'Guden  Avend,  ji  Musekanten !  Will  ji  wull  met  us 
gohn,  wi  hebt  dor  en  graut  Tractement,  un  spierlen?  "Wi  willt  ju 
auk  so  vierl  Geld  gierwen,  asse  ji  men  hebben  willt'.  —  'Ne',  sed 
de  Mester  dervon,  'dat  doh  ick  nich;  dann  wi  hebt  all  drey  Dag 
■an  drey  Nachte  spierlt,  wi  sind  möde'.  Over  de  Burssen  de  lotet 
sick  verschünen  (überreden)  un  goht  in  den  Wagen  Sitten  un  fleigt 
asse  en  Donnerwerder  dör  de  Lucht  un  kummt  da  up  en  grant 
Schiott.  Da  sind  by  de  hunnert  Mann  un  lerwet  ganz  lustig  und  drinket 
den  Wien  ut  goldenen  Bierkers  (Bechern)  un  danset  bes  et  Nachts  een 
Uhr.  De  Musekanten  hadden  over  olle  Figgelinen ;  da  gafden  de  Heerens 
eer  annere,  de  sollen  se  proberen,  un  de  gefallt  eer  so  gut,  un  möken 
dermet  en  Tusk.  Do  gift  se  eer  de  ganzen  Tasken  füll  Geld  un  wiset 
se  no  en  graut  Zimmer  met  Bettstedden  met  Behang,  un  eere  Böcke 
hanget  se  an  en  Klederstock  un  schlopt  rüig  in.  —  Asse  se  ower  en 
annern  Morgen  upwaket,  da  ligget  se  up  de  Galge  midden  tüsken  en 
armen  Sünder,  un  eere  Bocke  hanget  an  de  Pinne  an  de  Galge,  un  eer 
Geld  iss  lutter  Kohdreck,  un  eere  Figgeline  dat  is  en  ollen  Knubben 
(Klotz)  Holt,  un  eere  golden  Bierkers  dat  sind  Kohklohnen  (Kuhklauen). 
Da  wören  se  so  riek,  asse  se  west  wören  vor  de  Hochtied,  un  hadden 
kine  Figgelinen  mehr. 

x)  Wilhelm  Grimm  hat,  wie  sein  mit  Rotstift  gemachter  Vermerk  (1. 75) 
beweist,  dies  Stück  an  die  Stelle  des  'Vogel  Phönix'  in  der  ersten  Auflage 
der  KHM.  (1812)  setzen  wollen;  1819  wurde  freilich  'Der  Fuchs  und  die 
Katze'  nr.  75.  ________ 

Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III.  2 


18  126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü. 


1856   S.  208. 


126.  Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü. 

1815  nr.  40  —  1819  nr.  126.  Aus  dem  Paderbörnischen 
durch  die  Familie  von  Haxthausen1).  Die  Verse,  wie  gewöhnlich 
die  Reden  der  Vornehmen,  sind  hochdeutsch;  das  pflegen  die 
Erzähler  fast  immer  so  zu  halten,  wo  sie  beide  Sprachen  verstehen, 
wie  dies  im  Paderbörnischen  häufig  ist,  und  die  höhere  Mundart 
bezeichnet  dann  die  Sprache  der  Vornehmen  und  der  Poesie. 

Das  wertvolle  Märchen  gehört  zu  dem  von  R.  Köhler,  Cosquin 
und  Golther  untersuchten  Kreise  der  goldhaarigen  Jungfrau, 
die  der  Held  einem  Könige  gewinnen  und  als  Braut  zuführen  muß 
und  die  er  dann  selber  heimführt,  enthält  aber  verschiedene  Unklar- 
heiten. Was  für  Bedeutung  die  gefundene  Schreibfeder  und  die 
Schriften  der  Königin  haben,  in  denen  die  Brüder  Grimm  gestickte 
Kleider  oder  Runenstäbe  vermuteten,  bleibt  zunächst  ungewiß ; 
das  in  der  weißen  Schlange  (nr.  17)  und  der  Bienenkönigin  (nr.  62) 
vorkommende  Motiv  der  mit  Hilfe  der  dankbaren  Tiere  gelösten 
Aufgaben  ist  unvollständig  ausgenützt.  Wir  scheiden  folgende 
Teile :  A)  Der  Held,  dem  bei  der  Taufe2)  ein  Bettler  einen  Schlüssel 
geschenkt,  erhält  dadurch  ein  redendes  und  ratgebendes  Roß3); 
B)  findet  eine  Schreibfeder  und  C)  erhält  von  einem  dankbaren 
Fisch  eine  Flöte;  D)  trifft  einen  Gesellen,  Ferenand  ungetrü4),  mit 
dem  zusammen  er  in  den  Dienst  des  Königs  tritt,  und  E)  holt  auf 
Betreiben  seines  ungetreuen  Gesellen  für  den  König  eine  schöne 
Prinzeß,  nachdem  er  nach  seines  Schimmels  Anweisung  die  Riesen 
und    Vögel    durch    Spenden    von    Brot    und    Fleisch    sich    geneigt 


x)  Die  Originalhandschrift  schließt:  'Warscheinlich  ist  dies 
Mährchen  nicht  vollständig.  Ich  habe  es  fast  wörtlich  von  dem  Mädchen, 
das  uns  die  Geschichte'  .  .  . 

2)  Über  das  Gevatterbitten    vgl.  den  Gevatter  Tod  (1,  377). 

3)  Das  getreue  Pferd  gleicht  dem  Bayard,  Falada,  Schemik 
(Schimmel)  der  böhmischen  Sage  und  dem  Grani  der  nordischen. 

4)  Dieser  ungetreue  Gefährte  zwingt  in  einigen  Fassungen  den 
Helden  geradezu,  mit  ihm  die  Rolle  zu  tauschen  (oben  2,  2841.  — 
R.  Köhler  1,  394.  Macculloch  p.  56.  240.  Child,  Ballads  5,  1.  42  nr.  271. 
Lengert,  Engl.  Studien  17,  350.  Hahn,  Geisteswelt  der  Kols  S.  15  nr.  8), 
wie  die  Dienerin  die  rechte  Braut  in  nr.  28  und  89.  Als  neidischer  Rat- 
geber des  Königs  erscheint  auch  Ritter  Rot  oder  ein  älterer  Bruder 
des  Helden  (Cosquin  2,  301). 


126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü.  19 

gemacht  hat,  dann  auch  ihre  Schriften  und  die  ins  Wasser  gefallene 
Schreibfeder.  F)  Die  zauberkundige  Prinzeß  enthauptet1)  und  belebt 
ihn,  entledigt  sich  aber  des  Königs,  der  das  Gleiche  begehrt. 
G)  Der  hilfreiche  Schimmel  verwandelt  sich  in  einen  Prinzen. 

Aus  Steiermark  bei  Schiossar  1885  S.  206  'Der  alte 
Schimmel'.  Aus  Kärnten  bei  Franzisci,  Culturstudien  1879  S.  92 
'Das  goldene  Schwalbennest'  (Bartloser;  Ameisen,  Fisch,  Adler) 
=  Märchen  2,  32  und  S.  87  =  Märchen  1,  26  =  Carinthia  1867,  79 
'Schönhannchen  mit  dem  goldenen  Haar'  (wie  Gräfin  Aulnoy). 
Heanzisch  bei  Bunker  nr.  72  'Getreu  und  Ungetreu  '(A B  D  E F G). 
Aus  Siebenbürgen  bei  Haltrich  nr.  10  'Das  Zauberroß'  (Drachen- 
töter,  B  E).  Aus  dem  Biesengebirge  bei  Arnim  S.  76  nr.  12 
'Von  der  Schönsten  unter  der  Sonne'  (Eingang  wie  bei  Grimm ; 
Petrus  findet  einen  Goldstein  mit  dem  Namen  der  Schönen,  füttert 
Riesen  und  Fische  und  erhält  durch  den  Vogel  Greif  Wasser  des 
Lebens  und  des  Todes;  der  Neider  fehlt).  Aus  Hannover  bei 
Busch  S.  87  'Der  Herrgott  als  Pate'  (A  B ;  als  der  König  außer  dem 
Vogel  auch  die  schöne  Jungfrau  und  den  klugen  Schimmel  fort- 
nimmt, kehrt  der  Held  verkleidet  wieder  und  entführt  sie  in  das 
Schloß  der  Jungfrau).  Aus  Holstein  bei  Wisser  3,  82  'De  dree 
Balsamn'  (ABEF;  das  Patenkind  des  Teufels  nimmt  das  goldene 
Hufeisen  und  die  Feder  auf;  Fisch  liefert  die  von  der  Jungfrau 
verlangten  Balsame).  Aus  Mecklenburg  bei  Bartsch  1,  483  nr.  7 
'Clarawunde'  (Held  findet  Feder,  rettet  Raben,  Fisch,  Riesen).  Aus 
Pommern:  Bl.  f.  pomm.  Vk.  2,  73  'Prinz  Getreu'  (B  D  E  F). 
Aus  Westpreußen:  B ehrend  nr.  15  'Das  Wunderpferd'.  Aus  Ost- 
preußen: Lemke  2, 114  nr.  18  'Der  Junge  mit  dem  Schimmel'  (B  E  F). 
Auch  Pröhle,  M.  f.  d.  Jugend  nr.  18  'Von  den  ungetreuen  Wirtstöchtern 
und  der  Prinzessin  mit  goldenen  Haaren',  das  oben  S.  3  zu  nr.  122 
angeführt  wurde,  gehört  teilweise  her. 

Im  Dänischen  gibt  es  ein  Volksbach  vom  Jahre  1710 
'Aerens  Fornevej  for  en  Skytte  navnlig  Bryde'  (Nyerup,  Morskabs- 
lcesning  1816  S.  231),  dessen  Held  Bryde  mit  Hilfe  eines  redenden 
Esels  für  einen  Fürsten  die  schöne  Florabella  holt,  die  von  der  Hexe 
in  einen  Seidenfaden,    Strohhalm    und   in   ein   Brot  verwandelt  war; 


*)  Der  rote  Faden  am  Halse  des  Wiederlebendiggemachten  er- 
scheint bei  Konrad  von  Würzburg,  Engelhart  v.  6386;  vgl.  G-oethes 
Faust  v.  4203.  Bottermann,  Arnims  altdeutsche  Studien,  Diss.  Göttingen 
1895  S.  68. 

2* 


20  126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü. 

als  der  Fürst  ihn  auf  einen  falschen  Verdacht  hin  hängen  lassen 
will,  wird  er  von  einem  Troll  fortgeschleppt,  dem  Bryde  früher 
Gutes  erwiesen  hatte.  Ähnlich  in  S.  Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  10 
'Den  kloge  hest'.  Grundtvig,  Minder  2,  1  '  Vulle  Bondedreng'  (Vulle 
dient  einem  Zwerge,  von  dem  er  eine  Büchse,  ein  Pferd  und  andre 
Wundergaben  erhält,  und  darauf  einem  Könige.  Auf  der  Fahrt  zur 
sonnengleichen  Prinzessin,  die  der  König  auf  den  Bat  des  Ritters 
Rot  veranlaßt,  helfen  dankbare  Tauben,  Elfen,  Zwerge  und  Fische 
einen  Acker  bestellen,  ein  Schiff  bauen,  einen  Hengst  zähmen  und 
ihr  Schloß  fortschaffen.  Als  Vulle  gehängt  werden  soll,  spielt  er  auf 
seiner  Fiedel;  die  Zwerge  kommen  und  hängen  den  Ritter  Rot;  das 
enthauptete  Pferd  wird  zu  einer  Prinzeß,  die  der  König  heiratet, 
während  Vulle  die  Schöne  erhält).  Grundtvig,  Folkeaeventyr  2,  1 
'Mons  Tro'  =  Leo-StrodtmaDn  2,  1  (Einleitung  wie  bei  Grimm. 
Auf  den  goldenen  Federn,  die  er  gegen  des  Pferdes  Rat  aufgehoben, 
steht  das  Bild  der  Prinzessin,  und  dies  gewahrt  der  König.  Fische, 
Wölfe  und  Riesen  gefüttert,  helfen.  Tro  wird  mit  Todes-  und 
Lebenswasser  besprengt,  der  König  nur  mit  dem  Todeswasser). 
Kristensen  1,  149  nr.  21  'Den  gyldne  Fjer'  (Einleitung  wie  bei  Grimm. 
Tro  hebt  wider  des  Esels  Warnung  die  Feder  auf ;  der  König 
gebietet  ihm  auf  Utros  Rat,  den  Goldvogel  zu  holen,  der  sich  in 
eine  Jungfrau  verwandelt.  Wasser  des  Lebens  und  Todes)  und  1, 
161  nr.  22  'Hans  og  det  graa  Äsen'  (ähnlich;  doch  fehlt  der  N eider, 
der  Fürst  kommt  zwischen  brennenden  Teertonnen  um).  Kristensen, 
Fra  Mindebo  S.  112  nr.  19  'Hesten  Blank'  (Königin  in  ein  Brot,  ihr 
Sohn  in  einen  Maulesel  verwandelt).  —  Schwedisch:  Hylten- 
Cavallius  1,  458  Var.  zu  nr.  3c  (der  Held  muß  für  den  König  auf 
Anstiften  seines  neidischen  Bruders  zwei  Goldböcke  und  die  ent- 
führte Königin  holen).  Ströbe  1,  216  'Treu  und  Untreu'.  Wig- 
ström,  Sv.  landsm.  5,  1,  55  'Skytten  Bryte'  (erhält  vom  Troll  Esel, 
Pfeife  und  Büchse;  Prinzessin  verwandelt  in  Seidenknäul,  Brot 
und  Bremse).  Nordländer  S.  103  'Prins  Trogen'  (Pferd  hilft  die 
Prinzeß  für  den  König  holen;  dankbare  Wölfe,  Riesen,  Hecht; 
Wasser  des  Lebens).  Aberg  nr.  201  'Om  tjäisarns  sonn,  som  för 
ti  fri'  (ein  unehelicher  Sohn  des  Zaren  sucht  seinen  Vater  auf,  an 
der  Quelle  vom  Gefährten  gezwungen  zu  tauschen;  dankbare  Biene, 
Ameise,  Hecht).  Hackman  nr.  531.  —  Norwegisch:  Ein  Soge- 
Bundel  1869  S.  65  'Halvpenning' :  ein  Knabe,  den  der  König  für 
einen  halben  Pfennig  gekauft  und  aufgezogen  hat,   wird  vom  Ritter 


126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü.  21 

Eaud  verleumdet  und  soll  die  Schöne  von  Babylon  holen;  ein  Alter 
berät  ihn,  eine  Hexe  schenkt  ihm  einen  Hund;  dankbare  Enten  und 
Fliegen  und  fünf  Brüder,  denen  er  das  Erbe  geteilt  hat,  helfen  ihm 
ein  Schloß  bauen,  den  Ring  aus  dem  Meere  holen  und  die  Jungfrau 
von  zwei  gleichen  unterscheiden.  Skar  6,  38  'Den  brune  folen'. 
Im  Märchen  von  der  Grimsschecke  (Asbjörnsen-Moe  nr.  37  =  Brese- 
mann  2,68  =  Thorpe  S.  253  =  Dasent  S.  313)  hat  der  von  seinem 
Roß  beratene  Bursch  nicht  eine  Braut  für  den  König,  sondern 
dessen  vom  Troll  entführte  Tochter  zu  holen;  bevor  er  sie  zur  Frau 
erhält,  muß  er  einen  Berg  wegschaffen,  ein  Höllenpferd  gewinnen, 
die  versteckte  Prinzessin  zweimal  finden  und  sich  selber  vor  ihr 
verstecken.  —  Noch  weiter  entfernt  sich  das  isländische  Märchen 
von  Rosald  und  Geirald  (Rittershaus  S.  219  nr.  52)  und  das  von 
Snati-Snati  (Arnason  2,  360  =  Rittershaus  S.  31  nr.  7)  sowie  das 
fseröische  von  Snati  (Jakobsen  S.  408  nr.  42);  statt  des  Pferdes 
hilft  ein  Hund  dem  vom  neidischen  RauÖur  beim  König  verleumdeten 
Jüngling  drei  goldene  Kleinode1)  der  Riesen  zu  erringen,  worauf 
ihm  der  König  seine  Tochter  vermählt.  Der  Hund  ist  ein  ver- 
zauberter Prinz,  die  dankbaren  Tiere  fehlen.  —  Schottisch:  Mac 
Innes  p.  161  nr.  6  'The  ship  that  went  to  America'  (John  wird 
von  einem  grauen  Mann,  der  ihn  von  seinem  Vater  erkauft  hat  und 
der  sich  in  ein  Pferd  oder  Schiff  verwandelt,  beraten ;  als  der  König 
die  Schreibfeder  aus  dem  ehernen  Schlosse  bei  ihm  sieht,  muß  er 
die  Herrin,  das  Schloß,  die  Schlüssel  und  drei  Wasser  holen.  — 
Irisch  bei  Larminie  S.  211  'The  red  pony'  (rät  dem  Helden,  die 
Schachtel  mit  der  Goldlocke  auf  dem  Wege  liegen  zu  lassen).  — 
Zigeunerisch  aus  Wales  bei  Groome  S.  107  nr.  28  'The  beautiful 
mountain'.  — -  Französisch  bei  der  Gräfin  Aulnoy  (Contes  des  fees 
1702  S.  55  lLa  belle  aux  cheveux  d'or'  =  Cab.  des  fees  2,  44  — 
Kletke  1,  344.  E.  G.  Loehr,  Die  Prinzessin  mit  dem  goldenen 
Haar,  Augsb.  1855),  wo  ein  Hündchen  statt  des  beratenden  Pferdes 
auftritt;  dem  Helden  helfen  ein  dankbarer  Karpfen,  Rabe  und  Eule 
den  Ring  finden,  einen  Riesen  töten  und  Schönheitswasser  herbei- 
schaffen; er  heiratet  die  Schöne,  nachdem  sich  der  eifersüchtige 
König  aus  Versehen  mit  einem  Gifttrunke  statt  des  Schönheits- 
wassers gewaschen  hat.     In  der  Normandie  bekannt   nach  Du  Meril, 


J)  Über    den  vom  König    befohlenen  Raub    solcher   Kostbarkeiten 
vgl.  Cosquin  1,  46  und  R.  Köhler  1,  546. 


22  126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü. 

Etudes    S.    4741.     Aus   Lothringen   bei   Cosquin    1,  32  nr.  3   'Le  roi 
d'Angleterre    et    son    filleul'^  (der    Held  wird    auf    dem    Wege   zum 
Könige,  seinem  Paten,  von  einem  Buckligen  gezwungen,  mit  ihm  zu 
tauschen,    und    muß    drei   Kleinode    des    Kiesen    und    die    entführte 
Tochter  des  Königs  holen,    wobei  ihn  eine  alte  Frau   und  der  Riese 
berät.     Fische,    Ameisen,    Ratten,  Raben,   Riesen  gefüttert,  hilfreich. 
Wasser  des  Lebens  und  des  Todes).     Ebd.   2,  290  nr.  73   'La   belle 
aux    cheveux    d'or'     (der     Held     wird     von    seinem     Maultier,     das 
eigentlich    sein    Pate,    der  Herrgott  selber,    ist,    gewarnt,    die  Feder 
aufzuheben ;    er   muß    für    den    König    den    Vogel,    dem    die    Feder 
gehört,  und  die  goldhaarige  Schöne  holen ;  vor  dem  Galgen  wirft  er 
Schnupftabak  auf  den  König,  sodaß  dieser  tot  niederfällt).     Aus  der 
Bretagne  bei  Sebillot,  Contes  3,  130  nr.  13  'La  belle   aux  cles  d'or' 
(der    redende    Schimmel,    auf    dem    der   Held   aus    dem  Dienste  des 
Teufels  entflieht,  unterweist  ihn,   wie   er   die  Schöne,   ihre   Schlüssel 
und  ihre  Burg  für   den   König   holen    und    dem  Feuertode  entgehen 
kann,  und  verwandelt  sich  in  eine  Jungfrau,  die  ihm  Unglück  in  der 
Ehe   mit   der   Schönen   voraussagt).     Ebd.   3,   143   nr.  13   bis   'Petit- 
Jean'  (erhält  von  seiner  Patin,  der  h.  Jungfrau,  einen  Esel,  entführt 
auf  seinem  Schiffe  die  Prinzeß,  holt  deren  Schlüssel  und  Palast  und 
heiratet   jene,   nachdem   der   König  verbrannt   ist).     Revue  des  trad. 
pop.  14,  549  'Le  pecheur  de  Saint-Cast'   (Pferd  warnt  vor  der  Gold- 
kette, hilft  die  Prinzeß  Dore,  ihre  Schlüssel,  ein  wildes  Roß  und  das 
Wasser    des    Lebens,     Todes    und    der    Schönheit     holen).       Luzel, 
Veillees  bretonnes  S.  148  'Petit  Louis  fils  d'un  charbonnier  et  filleul 
du   roi   de   France'    (s.    Cosquin    2,    294).     Luzel,    Contes    1,  66     'La 
princesse  de    Tronkolaine'  (=    Archives    des    missions    scientifiques 
3.  serie  1,  2.     Cosquin   1,  45);   1,   98  'Tregont-ä-Baris'    (=    Archives 
2,  7,  181);  1,  143  'N'oun-doare'   (Krone  aufgehoben;    die  Stute  wird 
zu  einer  Königstochter,   nachdem    der  Held    die  Prinzessin   für    den 
König  geholt;  Fisch,  Vogel,  Dämon);    1,  158   'Les   quatorze  juments 
et    le    cheval    du    monde'    (die  Tochter  des  Königs    ist   dem  Helden 
feindlich);    1,  259    'La   princesse  du  palais  enchante'    (statt    des   rat- 
gebenden   Pferdes    ein  Greis  im  Brunnen;   Reise  zur  Sonne,  Fragen 
aufgetragen    wie    oben     1,     292;     Löwe,     Menschenfresser,     Ameise 
helfen    die    Prinzessin    gewinnen).     Luzel,    Archives    2,    7,    290    'La 
princesse    de    Tremenezaour'    (Cosquin    2,    296).      Troude    et    Milin 
S.  65  'La  perruque   du  roi   Fortunatus'   (die   Perücke,    die  der  Held 
gegen  den  Rat  seines  Pferdes    aufhebt,    ist    Anlaß,    daß    der    König 


126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü.  23 

ihm  befiehlt,  die  Tochter  des  Besitzers  zu  holen;  Waldtiere,  Ameisen, 
Gänse  dankbar).  —  Rätoromanisch  bei  Decurtins  2,  38  nr.  29 
'II  tschess'  =  Jecklin  1,  132  'Die  Adlerbraut'  (der  Patensohn  des 
Königs  muß  unterwegs  mit  einem  Zwerge  tauschen  und  die  von 
einem  Drachen  entführte  Tochter  des  Königs  befreien.  Ein  Greis 
ist  sein  Ratgeber,  Bär,  Leopard  und  Adler  seine  Helfer  im  Kampfe). 
—  Italienisch  bei  Straparola  3,  nr.  2  (=  Keller,  Ital.  Novellenschatz 
5,  22) :  Livoretto  entführt  im  Auftrage  des  Sultans  von  Kairo  die 
schöne  Bellisandra  aus  Damaskus,  als  diese  sein  Zauberpferd 
bewundert  und  besteigt;  ein  dankbarer  Fisch  und  Falke  schaffen 
für  ihn  ihren  King  und  Lebenswasser  herbei;  sie  tötet  den  Jüngling 
und  belebt  ihn  wieder;  wie  der  Sultan  Gleiches  begehrt,  ersticht  sie 
ihn,  wirft  den  Leichnam  in  den  Schloßgraben  und  heiratet  Livoretto. 
Ähnlich  bei  Gonzenbach  nr.  30  'Ciccu'  (hilft  auf  Geheiß  seines 
Rosses  einer  Biene,  einem  Fisch  und  Adler;  muß  in  den  Feuerofen 
springen)  und  nr.  83  'Caruseddu'  (Ameisen,  Fisch,  Vogel).  Pitre  1, 
298  nr.  34  'Lu  cavaddu  infatatu'.  Finamore  1,  51  nr.  11  'La  bella 
Filinde.'  Grisanti  S.  220  nr.  14  Tl  cavalluccio'.  De  Nino  3,  209  nr. 
39  'II  cavalluccio  fatato'.  Tuscan  fairy  tales  nr.  8  'The  siren'. 
Comparetti  nr.  5  'Granadoro',  nr.  14  'La  signora  delle  sette.  vele', 
nr.  16  'La  bella  dei  capelli  d'oro'.  Gigli  S.  239  nr.  6  'I  fratelli 
invidiosi'.  Andrews  nr.  2  'Le  roi  dAngleterre'  (das  Patkind  des 
Königs  muß  unterwegs  mit  einem  Grindkopf  tauschen  und  des 
Königs  Tochter  befreien,  wobei  ihn  sein  Pferd  berät).  Visentini  nr. 
5  'I  tre  giganti'  (ein  rothaariger  Wirt  raubt  dem  Jüngling  den  Brief 
des  Königs;  eine  Alte  hilft  ihm  beim  Schäferdienst  die  Kiesen 
überwinden;  Turnier  wie  in  nr.  136).  Archivio  2,  481  'Crimintinu' 
(sardisch).  —  Maltesisch:  Hg  1,  60  nr.  18  'Der  böse  Ratgeber 
des  Königs,  die  Elefantenzähne,  der  singende  Vogel,  das  tanzende 
Wasser  und  die  Tochter  der  Schönheit'  und  1,  120  nr.  35  'Der 
jüngste  der  dreizehn  Brüder'.  —  Katalanisch:  Maspons,  Rondal- 
layre  3,  21  'En  Pere  revolt'.  —  Spanisch:  Caballero,  Cuentos  1877 
S.  55  =  1878  S.  23  'Bella  flor'  (Jose  muß  für  den  König  die  Jung- 
frau Bella-flor  holen ;  Ameisen,  Adler,  Fisch  helfen ;  Bad  in  siedendem 
Öl ;  der  ratspendende  Schimmel  ist  ein  dankbarer  Toter).  — 
Baskisch:  Cercpaan  d  nr.  102.  Vinson  p.  80  'Malbrouc'  (dankbare 
Tiere,  Riese  getötet,  Prinzeß  befreit).  —  Griechisch:  Hahn 
1,  233  nr.  37  'Der  Königssohn  und  der  Bartlose'  (der  Prinz  muß 
unterwegs   mit   dem  Diener   tauschen    und    die   Goldgelockte  holen; 


2-i  126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü. 

Pferd  hilfreicli;    Ameisen,   Bienen,   Raben  dankbar)  und  2,  3  nr.  63 
'Der   junge   Jäger   und    die   Schöne   der   Welt'    (vermischt    mit  den 
Dienern   mit   wunderbaren  Eigenschaften.     Den   Helden  berät  nicht 
ein  Pferd,  sondern  seine  Mutter).     Pio  p.  212  =  Misotakis  S.  20  'Der 
Sohn  des  Jägers   und   der  Minister'.     Kampuroglu   nr.  7  (Deltion    1, 
304)  'Die  Königin   der   Gorgonen'  —  Garnett  2,  229.     NeosAA^viy.ä 
lAvdZeicta     1,  1,  46  nr.  10  =  Legrand  p.  57  'L'homme  sans  barbe' 
=  Garnett   2,   28.   —    Albanesisch:   Jarnik   1881  S.  6  =  Meyer 
nr.  13  'Der  Jüngling  und  der  Bartlose'  (Archiv  f.  Litgesch.  12,  137. 
ß.   Köhler   1,   394).     Pedersen   S.   53   nr.   8  'Briefe   nach  der  Toten- 
welt'.   Dozon  p.  83   nr.    12   'La   loubie   et    la  belle   de  la  terre'    = 
Garnett    2,  305    =    Leskien    nr.  49.    —    Rumänisch    bei    Schott 
S.  184  nr.  17  'Juliana  Kosseschana'  (Petru  gewinnt  mit  Hilfe  seines 
Pferdes    die    Schöne,    vor    deren    Vater    er    sich    dreimal    versteckt, 
muß  sie  dann  einem  Könige  ausliefern,  der  die  unterwegs  gefundene 
Goldkrone  bei  ihm  sieht,  und   bleibt   in   der   siedenden  Stutenmilch 
unversehrt,   während   der  König   in    diesem  Bade  umkommt).     Picot, 
Revue    de   linguist.    5,   248.    Säinenu   p.  504.     P.    Schullerus    nr.   86 
'Die    tapfere    Königstochter'    (Archiv   f.   siebenb.    Landesk.    33,    566. 
Die    dritte    Schwester   zieht   in  Männerkleidern    in    den  Krieg    wie 
bei   der  Aulnoy,   Belle-belle   (oben   2,    85)    und    wird   schließlich   in 
einen   Mann    verwandelt.      Ihr    Pferd    rät    vergeblich,    die     goldene 
Rippe    und    den    goldenen    Zopf    nicht    aufzuheben.      Sie   muß    das 
Goldferkel,  die  Schöne  und  das  Schwert  Gottes  für  den  König  holen. 
Bad  in  siedender  Milch.    Dankbare  Tiere  fehlen).  —  Serbokroatisch 
aus  Bosnien:   Vojinovic  nr.  1  =  Jagic  nr.  1  (Archiv  f.  slav.  Phil.  1,  270. 
R.  Köhler  1,   407)  'Ein  Prinz  und  ein  Araber'  (der  uneheliche  Sohn 
eines  Kaisers    sucht  seinen  Vater,   wird   vom  Xeger  gezwungen  mit 
ihm  zu  tauschen   und   muß   für  ihn   eine  Braut   werben,   wobei   ihm 
dankbare   Ameisen,   Fische   und   Adler   helfen ;    enthauptet   und   von 
der    Schönen    belebt).      Ähnlich    Dvorovic    S.    110    (Zigeuner    statt 
Neger) ;    Stefanovie    S.   39    nr.    7    =   Archiv   1,    271    (der   verwaiste 
Jüngling    sucht    seinen    Vetter,    vom    Bartlosen    gezwungen);     Bos. 
Vila   11,    196.   253    (1896).     Aus  Kroatien:   Kres   5,   87   nr.   39   (der 
vermeintliche  Diener   löst   die  Aufgaben   der  Prinzeß   mit  Hilfe   der 
dankbaren   Tiere,    der    Zigeuner    nicht   und    wird    getötet);    Strohal 
1,  236  nr.  77  (der  Teufel  hilft  dem  Helden;  Krähen,  Bienen,  Fisch). 
Aus  Bosnien:    Bos.  prijatelj    1,   114   nr.  2  (Krähe   hilft   die    Xachti- 
gall  und  die  Jungfrau   holen)    =    AVratislaw    p.    239     nr.    42    'The 


126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü.  25 

bird  catcher'.  Bos.  pripovijedke  S.  11  =  Mijatovics  S.  189  nr.  18 
'One  good  turn  deserves  another'  (Eisenhans ;  Diener  am  Brunnen ; 
Bären,  Wölfe,  Tauben  weiden,  drei  goldene  Äpfel  der  Prinzeß 
gewinnen).  Stefanovic  S.  164  nr.  20  =  Jagic  nr.  53  (Archiv  5,  64). 
R.  Köhler  1,  464)  'Veljko  Lovic  und  Kusljo'  (Pferd  warnt,  die 
A7ogelfedern  zu  nehmen;  der  Held  holt  den  Vogel,  den  Käfig,  die 
Kaiserstochter,  ihr  Schloß  und  ihre  Schlüssel).  Wuk  nr.  12  'Der 
goldwollige  Widder'  (der  Kaiser  legt  dem  Jäger  Aufgaben  auf). 
Stefanovic  S.  221  nr.  25  =  Jagic  nr.  58  (Archiv  5,  75.  R.  Köhler  1,  467) 
'Vierundzwanzig  Brüder'  (Lagerstätten  mit  den  Hexentöchtern  ver- 
tauscht; Schwert,  Federn  gefunden;  Schöne  geholt;  Bad  in  siedender 
Milch).  Aus  Kroatien :  Valjavec  S.  5  nr.  2  =  Archiv  f.  slav. 
Phil.  5,  76  =  Krauß  1,  341  nr.  80  'Der  Jüngling  und  das  Vilapferd' 
=  Leskien  nr.  42  (ähnlich.  Sieben  Brüder).  Aus  Slawonien : 
Zbornik  jsl.  16,  131  nr.  12  (zwölf  Brüder  wollen  zwölf  Schwestern 
heiraten;  goldenes  Haar,  Feder,  Hufeisen;  Jungfrau,  Vogel,  Füllen 
geholt;  Bad  in  Stutenmilch).  Slav.  Blätter  1,  245  'Die  zwölf 
Brüder'.  —  Bulgarisch  aus  Panagjuriste :  Colakov  S.  247 
=  Archiv  f.  slav.  Phil.  5,  79  =  Leskien  S.  41;  aus  Süd- 
mazedonien: Sbornik  nar.  umotv.  3,  222  (Bartloser  am  Brunnen; 
Löwenzähne,  Steuer  von  wilden  Menschen  und  Jungfrau  holen; 
Raben,  Ameisen,  Bienen  helfen  Lebenswasser  bringen,  Kornarten 
sondern,  die  Jungfrau  herausfinden);  aus  Westbulgarien:  Sapkare v 
S.  401  nr.  244  (Teufel ;  Ameisen,  Adler,  Fische) ;  aus  Südmazedonien 
ebd.  S.  146  nr.  97  (Drache  hütet  Quelle;  Adler,  Hasen,  Bären, 
Ameisen,  Wespen  helfen)  und  S.  360  nr.  213  (Pferd  stehlen,  Gold- 
äpfel, Jungfrau;  Lebenswasser);  aus  Dibra  bei  Sapkarev  S.  5  nr.  5 
(Feder  gefunden,  Vogel,  Jungfrau,  Ring,  wilde  Stute  holen).  — 
Cechisch  aus  Böhmen:  Nemcovä  2,  3  nr.  13  (27  Brüder  aus 
Vogeleiern  hüten  des  Königs  Wiese;  der  jüngste  erbietet  sich  die 
verschwundene  Braut  des  Königs  zu  holen,  dann  ihren  Schrein,  den 
Schlüssel,  ein  Schwert;  enthauptet  und  belebt;  Pferd  und  dank- 
barer Hund,  Adler,  Fisch).  Radostov2  2,  321  =  Waldau  S.  368 
'Die  falschen  Brüder'  (Lagerstätte  mit  den  Hexen töchtern  ver- 
tauscht; Schimmel  hilft  dem  jüngsten,  ebenso  Fisch,  Riesen,  Adler). 
Kar.  poh.  a  pov.  1878  S.  51  nr.  14  (goldenes  Hufeisen,  Feder  und 
Haar  gefunden;  Pferd  hilft).  Popelka  1883  1,34  =  Popelka,  Poh. 
a  pov.  S.  115  (zwölf  Brüder  suchen  zwölf  Schwestern ;  Hufeisen, 
GJoldhaar).     Popelkova  S.  68    (zwölf  Brüder;    Goldhaar,    Feder,    Huf- 


26  126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü. 

eisen;  Pferd,  Vogel,  Jungfrau;  Milchbad).  Aus  Mähren:  Miksicek, 
Pohadky  S.  10  nr.  1  (zwölf  Brüder  bei  einer  Hexe  mit  zwölf 
Töchtern;  Feder,  goldenes  Haar;  Vogel,  Pferd,  Jungfrau,  Bad). 
Kulda  2,  132  nr.  101  (Hufeisen  und  Totenkopf  gefunden,  die  vom 
Drachen  gestohlene  Königstochter  aufgesucht,  Fragen  aufgetragen, 
Bad  in  Stutenmilch).  Tille  nr.  26  (Narodop.  Sbornik  7,  103: 
spukende  Prinzessin  in  der  Kirche ;  goldene  Feder  gefunden,  Vogel, 
Jungfrau,  Schloß,  Schlüssel  geholt).  Väclavek,  Val.  poh.  2,  33  nr.  5 
(Lagerstätte  mit  den  Hexentöchtern  vertauscht ;  der  Held  holt  einen 
Käfig  voll  Wild,  ein  Fäßchen  mit  Getränken,  Jungfrau,  King, 
Wasser  der  Schönheit,  des  Todes  und  des  Lebens).  Kulda  3,  7  nr.  1 
(Patenkind  Gottes  erhält  ein  Pferd,  findet  Krone,  befreit  die  ent- 
führte Königin  mit  Hilfe  von  Riesen,  Fischen  und  Vögeln ;  Wasser 
des  Lebens).  Ed.  Peck  nr.  66  und  13  (Feder,  Tintenglas,  goldenes 
Messer).—  Slovakisch:  Skultety-Dobsinsky  S.  116  nr.  12  =  2.  Aufl. 
S.  259  nr.  21  (goldenes  Hufeisen,  Feder,  Haar;  Vogel,  Jungfrau). 
Kemcova,  Slov.  poh.  2,  233  nr.  59  (Feder;  Vogel,  Jungfrau,  Lebens- 
wasser). Dobsinsky  1,  73  nr.  7  (Schwarzhaariger  Prinz  im  Lande 
der  Rothaarigen,  muß  mit  dem  Diener  am  Brunnen  tauschen, 
tötet  Drachen,  holt  Prinzeß,  nachdem  er  drei  Aufgaben  mit  Hilfe 
von  Ameisen,  Vögeln  und  Fischen  gelöst;  Lebenswasser).  Sbornik 
mus.  slov.  spol.  18,  4  (Pferd  vom  Taufpaten;  Blume  statt  Feder; 
Prinzessin,  Schlüssel,  Schloß  im  Apfel,  Kopfputz).  —  Wendisch: 
Veckenstedt  S.  233  'Der  Prinz  und  sein  Zauberpferd'.  — 
Polnisch  aus  dem  Gouv.  Plock :  Chelchowski  1,  95  nr.  15 
(Eisenhans,  unten  nr.  136 ;  treuloser  Kutscher ;  der  goldene 
Luchs  hilft  Hengste  und  Stiere  in  goldene  verwandeln  und  erhält 
ihn  im  Kerker,  wo  ihn  die  Prinzeß  aufsucht)  und  1,  282  nr.  46 
(ähnlich  ;  statt  des  Luchses  ein  goldener  Mensch).  Aus  den  Beskiden: 
Kosinski  nr.  55  (Zbiör  5,  252.  Feder;  Vogel,  Käfig,  verjüngendes 
Wasser,  Spiegel,  Jungfrau ;  dann  der  treue  Johannes,  oben  1,  51). 
Aus  dem  Gouv.  Kowno:  Lud  9,  172  (Held  Radziwilla,  eigentlich  ein 
holzgeschnitztes  Kind,  weiß  Rätselfragen  zu  lösen,  holt  Vogel,  Apfel- 
baum, Sonnentochter  und  deren  Schätze).  Aus  Nordungarn:  Mater, 
antropol.  1,  419  nr.  2  (30  Brüder  aus  Vogeleiern  hüten  des  Kaisers 
Kornfeld;  der  jüngste  gewinnt  ein  Pferd,  muß  eine  goldene  Katze, 
Hahn,  Pferd  holen ;  beim  Zauberer  gefangen,  schiebt  er  dessen  Frau 
in  den  Bratofen  und  entrinnt;  holt  die  geraubte  Jungfrau,  badet  im 
Pechkessel).      Aus    Galizien :     Wisla    8,    524    (der    jüngste    Bruder 


126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü.  27 

belauscht  die  nachts  tanzenden  Hexen ;  vertauscht  die  Lagerstätten 
der  Brüder  mit  den  Hexentöchtern  nach  dem  Rat  seines  Pferdes, 
rindet  goldenes  Hufeisen  und  Haarlocke).  12,  723  nr.  6  (der  Held 
fängt  eine  Stute,  findet  Hufeisen  und  Feder,  holt  drei  Antworten  von 
der  Sonne,  Pferd  und  Vogel,  badet  in  siedendem  Wasser  und  wird 
des  Königs  Schwiegersohn).  Gouv.  Kielce :  Kolberg,  Lud  19,  234.  — 
Großrussisch  aus  dem  Gouv.  Samara:  Sadovnikov  S.  73  nr.  12 
(der  von  drei  Greisen  gefundene  Knabe  'Trechsyn'  =  Dreisohn  hebt 
auf  seinem  Ritte  Tuch,  Pfauenfeder  und  Papier  auf,  soll  die  Sonne 
und  die  Meeresmutter  aufsuchen ;  Pech-  und  Milchbad)  und  S.  187 
nr.  60  (der  jüngste  Bruder  fängt  eins  der  nachts  das  Feld  zer- 
tretenden Pferde;  Feuervogel,  Jungfrau,  Hochzeitskleid;  Bad  in 
Pech,  Milch  und  Wasser).  Aus  dem  Gouv.  Tula:  Erlenwein  S.  98 
nr.  27  (Vogel,  Jungfrau,  Wagen,  Pferde  holen).  Afanasjev  3  1,  263 
nr.  103a  (Jäger  findet  Feder);  1,  264  nr.  103b  (etwas  mehr  vom 
Wunderpferd).  Ralston  p.  287.  Aus  dem  Gouv.  Nizegorod : 
Chudjakov  3,  126  nr.  111  (entstellt;  eine  Hexe  schiebt  der  Kaiserin 
einen  Hund  statt  ihres  Kindes  unter,  diese  wird  auf  dem  Meere 
ausgesetzt).  Aus  dem  Gouv.  Orel  ebd.  3,  103  nr.  105  (Dienerin 
zwingt  die  Frau  unterwegs  zum  Rollentausch).  Gouv.  Jelisavetpol : 
Sbornik  Kavkaz.  42,  2,  12  nr.  3  (Trjomsyn  von  drei  Räubern  auf- 
gezogen; Goldfeder;  holt  Vogel,  Jungfrau,  Meerstuten;  Bad  in 
siedender  Milch).  Bei  Afanasjev3  1,  109  nr.  67a;  1,  111  nr.  67b; 
Chudjakov  2,  33  nr.  44;  3,  143  nr.  15  hilft  ein  Ungetüm,  das 
der  Held  wie  bei  Grimm  nr.  136  'Eisechans'  befreit  hat, 
diesem  drei  Drachen,  die  eine  Prinzessin  gefangen  halten, 
erlegen;  ebenso  erzählt  schon  ein  Volksbuch  des  18.  Jahrh. 
von  Bulat  dem  Helden  (Rovinskij  1,  170;  vgl.  5,  99.  130. 
Dietrich  S.  131  nr.  10)  diese  Einleitung  vom  Eisenhans,  der  dem 
Prinzen  Iwan  zum  Zauberpferd  und  zum  Siege  über  drei  Heere 
verhilft;  die  Falschheit  des  Dieners  wird  erst  bei  der  Hochzeit  durch 
die  Prinzessin  enthüllt.  —  Kleinrussisch:  Sadok-Baracz  S.  180 
(treuloser  Diener;  Vogel,  Pferd,  Jungfrau  holen;  der  getötete  Held 
belebt).  Aus  Kordungarn :  Hnatjuk  2,  nr.  25  (Etnograf.  Zbirnyk  4,  129. 
Patenkind  des  Kaisers  vom  Räubersohn  überwältigt,  muß  Löwenmilch, 
Lebenswasser,  Jungfrau  holen;  Ameisen,  Vögel,  Fische  lösen  die 
Aufgaben  der  Hexe  und  holen  Lebenswasser).  Aus  der  Bukowina: 
Dragomanov  S.  317  nr.  19  (ähnlich;  die  Muttergottes  und  St.  Nikolaus 
helfen ;  Grindkopfmärchen).    Aus  Ostgalizien :  Ihnatij  z  Niklovyc  S.  64 


28  126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü. 

nr.  15  =  Dragomanov  S.  332  nr.  24  (zwölf  Brüder  suchen  zwölf 
Schwestern;  Zar  begehrt  die  Frau  des  jüngsten;  Goldfeder,  Hufeisen, 
Milchbad).  Rozdolskyj  nr.  41  (Etnogr.  Zb.  7,  61.  Feder  und  Hufeisen 
gefunden);  nr.  45  (7,  84.  Pferd  von  der  nachts  das  Heu  verzehrenden 
Herde,  Vogel  geholt);  nr.  62  (7,  123:  zur  Sonne,  Meereskönigin  und 
den  Stuten  geschickt);  nr.  71  (7,  149.  Dreisohn  soll  das  Pferd  und  die 
darauf  sitzende  Jungfrau  holen  und  hundert  Meeresstuten  melken) ; 
nr.  20  (ebd.  1,  76:  Hengst,  Vogel,  Meerjungfrau,  Stuten  holen; 
wie  das  tapfere  Schneiderlein,  oben  1,  149  reißt  der  Held  in  der 
Schlacht  das  Wegkreuz  aus).  Suchevj^c  S.  88  nr.  58  (Dreisohn; 
Vogel,  Meeresjungfrau,  Mond,  Lebenswasser).  Südungarn,  Arad: 
Etnogr.  Zbirnyk  25,  76  nr.  17  (Lebenswasser  für  den  erblindeten 
Vater;  Hufeisen;  Pferd  und  Jungfrau  mit  Hilfe  eines  dankbaren 
Toten  geholt;  treulose  Brüder).  Kolberg,  Pokucie  4,  130  nr.  24 
(zwölf  Brüder  suchen  zwölf  Schwestern ;  Hufeisen,  Jungfrau,  Enterich, 
Pferdehaar ;  Milchbad).  Aus  dem  Gouv.  Wolhj^nien :  Rokossowska 
nr.  9  (Mater,  antropol.  2,  26:  vermischt  mit  dem  Grindkopfmärchen). 
Nowosielski  1,  327  (Prinz  und  Pferd  zugleich  nach  Genuß  eines 
Krautes  geboren ;  Feder  gefunden ;  Feuervogel,  Prinzeß,  Geige 
holen,  Berg  fortschaffen;  Milchbad).  Aus  dem  Gouv.  Podol: 
Cubinskij  2,  301  nr.  78  (Pferd,  Bing,  Milchbad;  der  Herr  gibt  ihm 
seine  Tochter).  Aus  dem  Gouv.  Jekaterinoslaw:  Manzura  S.  45 
nr.  27  (Trjomsyn  bei  drei  Räubern  erzogen,  Kutscher;  Meer- 
jungfrau; Milchbad)  und  Dragomanov  S.  286  Kr.  10.  Drago- 
manov S.  336  nr.  25  =  v.  Löwis  nr.  13.  Aus  dem 
Gouv.  Charkow:  Cubinskij  2,  290  nr.  76  (Dreisohn  Boris; 
Feuervogel,  Jungfrau,  Perlenkette;  zur  Sonne).  Aus  dem  Gouv. 
Lublin :  Kolberg,  Chelmskie  2,  95  nr.  9  (Patrosyn  ist  vom  Vater 
geboren,  der  von  der  Arznei  seiner  Frau  kostete,  von  Krähen  fort- 
getragen und  von  Räubern  erzogen;  holt  Vogel,  Jungfrau,  deren 
Schätze  mit  Hilfe  dankbarer  Tiere ;  als  er  in  einer  Nacht  ein  Kind 
zeugen  soll,  bringt  ihm  ein  Kranich  ein  solches).  Aus  dem  Gouv. 
Poltawa:  Etnogr.  Zbirnyk  14,  128  nr.  15  (Vogel,  Jungfrau,  zum 
Monde,  Schätze;  Milchbad;  Drachin  hilft).  Aus  dem  Gouv.  Kiew: 
Uubinskij  2,  337  nr.  86  (Tromsyn  ist  aufgezogen  von  Gott,  Petrus 
und  Paulus,  tritt  in  den  Dienst  eines  Rothaarigen,  dringt  verwandelt 
in  Taube,  Bär,  Fisch,  Mücke  zur  Schönen,  um  deren  Ring  und 
Schwert  dem  Kaiser  zu  bringen,  vom  Sohne  des  Rothaarigen 
getötet,   von    Gott   belebt).    —     Weiß  russisch:      Glinski    1,    151 


126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü.  29 

nr.  8  (Prinz  und  Diener,  Schwan  und  Adler).  Aus  dem  Gouv. 
Wilno :  Karlowicz  S.  36  nr.  25  (Goldvogel,  dessen  drei  Schwestern, 
Stute;  Ölbad).  Karlowicz  S.  119  nr.  82  (Patenkind  des  Königs, 
treuloser  Diener;  Ameisen,  Bienen,  Fliegen  helfen  die  Prinzeß 
gewinnen).  Aus  dem  Gouv.  Mogilew :  Romanov  3,  232  nr.  38  (Findling 
und  Fohlen  wachsen  zusammen  auf;  Vogel,  Frage  an  Gott,  Meer- 
jungfrau, Schrein,  Lebenswasser);  3,  239  nr.  39  (12  Brüder  aus 
Enteneiern ;  Pferd  aus  der  nachts  erscheinenden  Herde  ;  Kleider 
tausch  mit  den  Hexentöchtern;  Wunderkrug  der  Hexe,  Dudelsack, 
Jungfrau,  Schrein,  Schlüssel  holen;  Milchbad);  3,  238  (Bez.  Homel); 
3,  247  nr.  41  (Trjomsyn  von  drei  Brüdern  gefunden);  6,  297  nr.  33 
(Trjomsyn  bei  drei  Einsiedlern,  reißt  dem  Feuervogel  drei  Federn 
aus,  gewinnt  Zaubergegenstände).  Aus  dem  Gouv.  Mogilew  ebd.  6, 
360  nr.  41  (zwölf  Brüder  aus  Eiern;  der  jüngste  fängt  die  Stute 
mit  zwölf  Fohlen ;  Hexentochter;  holt  Jungfrau,  Hochzeitskleid,  King, 
Kerzen,  Geige,  Pferde;  ermordet  und  vom  Pferde  belebt).  Aus  dem 
Gouv.  Minsk:  Sejn  S.  276  nr.  133  (100  Söhne  aus  Eiern,  100  Hexen- 
töchter. Entführung  der  Meerjungfrau) ;  S.  279  nr.  134  (Feuer- 
vogel, Jungfrau,  zum  Mond,  Kästchen  aus  dem  Meere,  Milchbad); 
S.  50  nr.  23  (unvollständig).  Aus  dem  Gouv.  Grodno :  Federowski 
2,  328  nr.  387  (Pferd  rät  dem  Helden,  die  Feder  aufzuheben, 
belebt  den  Zerstückelten);  2,  299  nr.  330  (ganz  kurz). 
Aus  dem  Gouv.  Minsk:  Sejn  2,  52  nr.  24  (Eisenhans;  Diener 
am  Brunnen ;  der  Held  und  die  Prinzeß  in  einem  Faß  auf 
dem  Meer  ausgesetzt).  Aus  dem  Gouv.  Mogilew:  Komanov  6,  395 
nr.  45  (ähnlich).  Aus  dem  Gouv.  Smolensk:  Dobrovoljskij  S.  471 
nr.  12  (ähnlich).  —  Litauisch:  Dowojna-Sylwestrowicz  1,  152 
(Blume  und  Haarlocke  aufgenommen);  1,  438  (Feder,  King,  Huf- 
eisen; Vogel,  Jungfrau,  Pferde;  Milchbad);  2,  330  (drei  Blumen); 
2,  159  (nachts  Pferde  gefangen;  Feder,  Hufeisen);  1,  450  (der  kluge 
Knabe,  wie  Archiv  f.  slav.  Phil.  27,  618;  Blume  aufgehoben; 
Jungfrau  und  Kleidertruhe);  1,  407  (der  Held  von  den  Brüdern 
geblendet,  löst  Aufgaben  mit  dankbaren  Ameisen,  Bienen,  Raben). 
—  Lettisch:  Weryho  1892  S.  206  nr.  28  (Feder;  Vogel,  Stute, 
Jungfrau;  Bad).  —  Estnisch:  Kallas  S.  115  nr.  1  (Eisenhans; 
keine  übernatürlichen  Aufgaben).  —  Finnisch  bei  Salmelainen 
1,  181  nr.  15  =  Ermans  Archiv  f.  Rußland  13,  478  =  Grässe, 
Märchenwelt  S.  188  =  Schreck  S.  151  nr.  17  'Die  Gaben  des 
Unholds'  =  Beauvois,  Revue  Orientale  et  americaine  4,  386  (Cosquin 


30  126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü. 

2,  299).  Aarnes  Register  nr.  531.  —  Wo t jakisch:  Izvestija 
archeol.  Kazan.  3,  227  nr.  1  (Feder  des  Goldvogels,  Pferdeherde, 
Ring  der  Prinzessin,  Pechbad).  —  Ungarisch:  Kümo  p.  197 
'Le  crapaud'  (der  Knecht,  der  für  hundert  Gulden  ein  Silbergefäß 
gekauft  und  die  darin  befindliche  Kröte  großgezogen  hat,  holt  mit 
Hilfe  dieser  und  eines  dankbaren  Hundes,  Fisches  und  Taube  die 
schöne  Helene  für  den  König,  deren  Ring  und  Lebens-  und  Todes- 
wasser). Sklarek  1,  nr.  11  'Feenprinzessin  Goldhaar'  =  Ungarische 
Revue  1887,  563.  Horger  nr.  36  =  Rona-Sklarek  2,  nr.  10  'Der 
zwölfte  Sohn'.  Vikar  nr.  14  'Janko'  (12  Brüder;  Tausch  der  Kopf- 
bedeckungen mit  Hexentöchtern;  goldenes  Haar,  Feder,  Huf- 
eisen usw. ;  die  nach  dem  Milchbade  gewonnene  Frau  vom 
Drachen  geraubt).  Berze-Nagy  nr.  23  'Morgenröten- Janos'  (dazu 
Mädchen  ohne  Hände  und  Prophezeiung  vom  Neugeborenen). 
Jones-Kropf  nr.  48,  besonders  p.  269  (Goldhaar,  Hufeisen).  — 
Zigeunerisch  aus  der  Bukowina  bei  Miklosich  nr.  9  'Die  über- 
wundene Amazone'  —  Groome  p.  104  nr.  27  'Tropsyn'  (wohl  entstellt 
aus  russischem  Tromsyn,  Dreisohn).  Groome  p.  107  nr.  28.  — 
Armenisch  aus  dem  Gouv.  Jelisawetpol :  Sbornik  mat.  kavkaz.  24, 
2,  175  nr.  21  (der  Held  fängt  den  Fasan  mit  dem  leuchtenden  Stein 
im  Kopf,  muß  einen  Leuchtturm  bauen,  listet  drei  Dews  eine  Tarnkappe, 
Teppich  und  Tischtuch  ab,  löst  mit  dankbaren  Tieren  fünf  Aufgaben 
und  holt  die  Jungfrau  für  den  Kaiser) ;  13,  2,  323  (das  kluge  Meerfohlen 
hilft  dem  Hirten  die  schöne  Jungfrau  gewinnen).  —  Ajsorisch  ebd. 
18,  3,  72  (der  jüngste  Prinz  holt  für  seinen  Vater  die  Erde,  die  unter 
dem  Vogelkäfig  eines  zwölfköpfigen  Dews  und  einer  Jungfrau  liegt ; 
ein  dankbarer  Fisch  gesellt  sich  in  Gestalt  eines  Jünglings  zu  ihm ; 
Feder  aufgehoben;  Vogel  und  Jungfrau;  Milchbad).  —  A warisch 
ebd.  14,  2,  94  (die  Zauberin  hilft  dem  Prinzen,  der  an  ihrer  Brust 
saugt,  zu  dem  Meerpferde ;  goldene  Feder ;  Feuervogel,  Meerjungfrau 
in  Taubengestalt;  Milchbad).  Schiefner  nr.  1  'Das  Meerroß';  vgl. 
R.  Köhler  1,  537.  —  Türkisch:  Künos,  Stambul  S.  189  nr.  25 
'Der  verzauberte  Rosenzweig  und  die  Weltschöne'  =  Ungarische 
Revue  1889,  39.  Künos  S.  150.  313.  —  Gag  ausisch:  Radioff 
10,  68  nr.  43.  -  Tatarisch:  Radioff  4,  373  'Die  Waise'.  Zap. 
Krasnojarsk.  2,  226  nr.  53  (Stute  im  Getreide  gefangen,  gibt  ihr 
jüngstes  Fohlen ;  Flügel  des  Vogels,  Sonnenjungfrau ;  Fragen  auf- 
getragen, Kamm  aus  dem  Meere,  Bad  in  Pech,  Milch  und  Spiritus). 
—  Indisch  aus  Ceylon:   Parker  2,  299  nr.  145  'The  gern  Yaksani' 


126.    Ferenand  getrü  im  Ferenand  ungetrü.  31 

(der  Besuch  bei  den  verstorbenen  Eltern  des  Königs  ähnelt  nr.  8 
des  Siddhi-kür).  —  Aus  Kambodja:  Leclere  1895  p.  99  'JSTeang 
Chouk'  (entstellt).  —  Von  den  Philippinen:  Journal  of  american 
folklore  21,  50  'Benito  the  faithful  servant'.  —  Arabisch  aus 
Ägypten:  Spitta-Bey  nr.  4  'Le  pecheur  et  son  fils'  (s.  Cosquin  2, 
365).  Jahn,  Mehri-Sprache  1,  81  'Der  Sohn  des  Jägers'.  D.  H.  Müller, 
Die  Mehri-  und  Soqotri-Sprache  2,  50  nr.  2  'Der  Vogelsteller'.  Oestrup 
S.  73  nr.  5  'Le  fils  cadet  du  marchand'.  Destaing  2,  24  nr.  50  'La 
jument  noire'.  —  Aus  Nigeria:  Tremearne,  The  tailed  head-hunters 
1912  p.  330  'Salifu  and  the  wonderful  mare'  (AEF;  der  10.  'Königs- 
sohn löst  mit  Hilfe  der  redenden  Stute,  die  ihm  als  einziges  Erbteil 
zugefallen  ist,  drei  Aufgaben  seiner  neidischen  Brüder;  die  von  ihm 
entführte  Königstochter  bringt  durch  Trugheilung  den  ältesten 
Bruder  um  und  heiratet  den  Helden).  Entfernter  steht  Tremearne, 
Hausa  superstitions  p.  441  nr.  96  'The  boy  who  cheated  Death'  (ma- 
gische Flucht  vor  Frau  Tod,  Wettreiten  mit  dem  tückischen  Prinzen). 
—  Bei  den  südafrikanischen  Ba-Ronga:  Junod  p.  276  nr.  25 
'Les  aventures  de  Djiwaö'.  —  Bei  den  Menoruinee- -Indianern : 
Skinner,  Journal  of  am.  folklore  26,  76  'The  one  who  always 
gets  the  keys'. 

Das  Alter  des  Märchens  ergibt  sich  daraus,  daß  es  bereits  im 
12.  Jahrhundert  in  die  Trist  an  sage  aufgenommen  war:  auch  hier 
zieht  der  Held  aus,  um  die  blonde  Isolde,  von  der  Schwalben  ein 
Haar  zum  alten  König  Marke  gebracht  haben,  aufzusuchen  und  ihm 
als  Gattin  zuzuführen;  der  Ausgang  ist  freilich  tragisch1).  Im  14. 
Jahrhundert  erscheint  es  in  der  Gaungu-Hrölf  s  Saga  (Fornaldar 
Sögur  NorÖrlanda  3,  235.  1830.  Golther  in  den  M.  Bernays  gewid- 
meten Studien  zur  Literaturgeschichte  1893  S.  169)  verbunden  mit 
dem  Rollentausche  zwischen  dem  Königssohn  und  dem  treulosen 
Diener  (R.  Köhler  2,  341.  Rittershaus  S.  219):  der  Jarl  Thorgnyr 
sitzt  am  Grabe  seiner  Frau,  da  fliegt  eine  Schwalbe  über  ihn  hin 
und  läßt  ein  langes  goldenes  Haar  zu  seinen  Füßen  niedersinken.  Er 
gelobt,  die  Maid,  von  der  das  Haar  stammt,  zum  Weibe  zu  gewinnen, 
und  verheißt  dem  norwegischen  Recken  Hrölfr  seine  Tochter,  wenn  er 
ihm  jene  herbeischaffe.  Hrölfr  überwindet  auch  den  Berserker  König 
Eireks   und   entführt   die   schöne   IngigerÖr;    aber   der   verräterische 

x)  Vgl.  R.  Köhler  2,  328  'Tristan  und  Isolde  und  das  Märchen  von 
der  goldhaarigen  Jungfrau  und  von  den  Wassern  des  Todes  und  des 
Lebens'.     Golther,  Die  Sage  von  Tristan  und  Isolde  1887  S.  16. 


32  126.    Ferenand  getrü  un.  Ferenand  ungetrü. 

Vilhjalmr  schlägt  ihm  im  Schlafe  beide  Füße  ab,  läßt  die  Königs- 
tochter Schweigen  über  die  Untat  geloben  und  bringt  dem  Thorgnyr 
die  Braut.  Ehe  er  jedoch  den  Lohn  dafür  empfängt,  erscheint  Hrölfr, 
den  ein  Zwerg  geheilt  hat,  entlarvt  den  Betrüger  und  wird  nach 
Thorgnyrs  Tode  IngigerÖrs  Gatte.  —  In  einer  hebräischen  Hand- 
schrift der  Bodleianischen  Bibliothek,  die  vor  1200  in  Frankreich 
oder  England  entstanden  ist,  steht  neben  andern  Beispielen  zu  den 
zehn  Geboten  die  Geschichte  des  Rabbi  Jochanan  (Levi,  Revue  des 
etudes  juives  33,  239.  Gaster,  Folk-lore  7,  232).  Dieser  kauft  für 
tausend  Goldstücke  ein  schönes  Kästchen,  in  dem  sich  ein  kleiner 
Skorpion  befindet,  und  füttert  diesen  groß,  bis  er  selber  ganz  ver- 
armt. Da  beginnt  der  Skorpion,  der  ein  Sohn  Adams  ist.  zu  reden 
und  stellt  seinen  Pflegern  einen  Wunsch  frei;  der  Rabbi  begehrt 
alle  Sprachen,  auch  die  der  Tiere,  zu  verstehen,  seine  Frau  verlangt 
Reichtum.  Wie  der  König  von  der  Weisheit  Jochanans  vernimmt, 
befiehlt  er  ihm,  die  Schöne  mit  den  goldenen  Haaren  herbeizuholen, 
von  der  ein  Rabe  ihm  ein  Haar  hat  auf  die  Schulter  fallen  lassen. 
Auf  seinem  Wege  teilt  der  Rabbi  sein  Brot  mit  einem  Hunde  und 
einem  Raben  und  kauft  einen  eben  gefangenen  Fisch  frei.  Die 
Königin  begehrt,  ehe  sie  ihm  folgt,  Wasser  aus  dem  Paradies  und 
der  Hölle ;  von  jedem  holt  der  dankbare  Rabe  ein  Krüglein.  Sodann 
einen  ins  Meer  gefallenen  Ring;  der  Fisch  bringt  es  bei  dem  Le- 
viathan  dahin,  daß  der,  welcher  ihn  verschlungen,  ihn  wieder  ans 
Land  speien  muß ;  indem  aber  kommt  ein  Wildschwein  daher  und 
schlingt  ihn  abermals  hinunter;  nun  setzt  der  Hund  dem  Schwein 
nach  und  zerreißt  es  in  -zwei  Stücke,  so  daß  Jochanan  den  Ring 
wiederfindet.  Daheim  ist  inzwischen  des  Rabbi  Frau  gestorben. 
Weil  er  dem  König  die  Braut  gebracht  hat,  steht  er  in  Gnaden  bei 
ihm  und  wird  darum  von  Neidern  ermordet.  Aber  die  junge 
Königin,  die  ihm  sehr  gewogen  ist,  begießt  ihn  mit  dem  Paradies- 
wasser, wovon  er  alsbald  das  Leben  wieder  erhält.  Im  Vertrauen 
auf  solche  Belebung  zieht  der  König  in  den  Kampf  und  wird  samt 
seinen  Hofleuten  erschlagen.  Die  Königin  aber  schüttet  das  Höllen- 
wasser auf  ihn,  wovon  er  alsbald  zu  Asche  verbrennt.  Dann  spricht 
sie  zum  Volk:  'Seht,  es  war  ein  gottloser  Mensch,  sonst  wäre  er 
wieder  lebendig  geworden',  und  heiratet  den  Jochanan.  Im  jüdisch- 
deutschen Maasebuch  1602  cap.  143  (danach  Helvicus,  Jüdische 
Historien  1617  1,  57  nr.  14;  Philipp  Wahrmund,  Compendiöses 
Historien-Buch   1722  cap.  16;   Grünbaum,   Jüdisch-deutsche    Chresto- 


126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrü.  33 

mathie  1882  S.  448;  Tendlau,  Fellmeiers  Abende  1856  S.  5;  Mit- 
teilungen f.  jüd.  Volkskunde  2,  9)  heißt  der  Rabbi  Chanina,  und  das 
von  ihm  gepflegte  Tier  ist  ein  Frosch. 

Das  von  einem  Vogel  herbeigetragene  oder  auf  dem  Flusse 
heranschwimmende  goldige  Haar,  dessen  Anblick  den  König  im 
jüdischen  Märchen  wie  in  der  Tristansage  mit  Verlangen  nach  dessen 
Eigentümerin  erfüllt,  ist  ein  uralter  Zug,  der  schon  im  ägyptischen 
Brüdermärchen  vorkommt  (Cosquin  1,  LXV.  2,  302.  R.  Köhler  1,  571. 
2,  345.  Chauvin  6,  5.  Reinisch,  Somali-Sprache  1,  328.  Jahn,  Mehri- 
Sprache  1,  44.  D.  H.  Müller,  Mehri-Sprache  1,  84.  2,  57.  F.  Hahn, 
Kols  nr.  18).  In  ähnlicher  Weise  bewirkt  die  goldene  Feder1), 
die  der  Held  trotz  der  Abmahnung  seines  Pferdes  vom  Boden  auf- 
hebt, den  Auftrag,  den  Goldvogel,  von  dem  die  Feder  stammt,  oder 
die  Schöne,  deren  Bild  darauf  zu  sehen  ist,  für  den  König  herzuholen. 
Vgl.  R.  Köhler  1,  392.  411.  468.  542.  Cosquin  2,  296.  Chauvin  6,  5. 
Bei  Bechstein  S.  102  'Die  drei  Federn'  (wohl  nach  Kretzschmer- 
Zuccalmaglio,  Deutsche  Volkslieder  2,  48  nr.  20)  sieht  der  Held  nach- 
einander drei  Federn  auf  dem  Wege,  hebt  wider  den  Bat  seines 
Pferdes  die  dritte  auf  und  wird  König ;  hätte  er  bis  zur  vierten  ge- 
wartet, so  wäre  er  Kaiser  geworden.  —  Von  dem  erzwungenen 
Bollentausch  des  Helden  mit  dem  untreuen  Diener  oder  Gesellen 
war  schon  S.  18.  31  die  Bede.  —  Die  List,  durch  die  sich  die  Schöne 
des  alten  Gemahls  entledigt,  ist  eine  Trugheilung  ähnlich  der  von 
Medea  gegen  den  alten  Pelias  angewandten  Vorspiegelung.  Dazu 
dient  teils  das  Wasser  des  Lebens,  mit  dem  sie  den  getöteten  Jüng- 
ling besprengt,  das  sie  aber  nicht  beim  .Leichnam  des  Königs  an- 
wendet, teils  ein  Bad  in  siedender  Stutenmilch,  die  das  Zauberroß 
des  Helden  kühl  bläst,  oder  ein  gewaltiges  Feuer,  in  dem  der  Held 
unverletzt  bleibt,  weil  er  sich  mit  dem  Schaume  seines  Pferdes  be- 
strichen hat.  Vgl.  R.  Köhler  1,  468.  Toldo,  Studi  di  filologia  romanza 
9,  230.  Dandin,  Dacakumäracaritam,  übers,  von  Haberlandt  1903 
S.  85.  Sinhäsana-dvätrincika  (Indische  Studien  15,  364).  Ehrenreich 
1906  S.  75. 

Das  Motiv  D  tritt  auch  in  Basiles  'C  o  r  v  e  1 1  o'  und  den  mit  diesem 
verwandten  Märchen  auf,  die  hinsichtlich  der  vom  Helden  zu  erfüllenden 
Aufgaben    dem    'Meisterdiebe'    (unten    nr.  192)    nahe    stehn.     Gleich 


x)  Mehrfach  ist   diese  Feder    missverstanden ;    unsere    westfälische 
Fassung  macht  eine  Schreibfeder  daraus. 

Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  3 


34  126.    Ferenand  getrü  an  Ferenand  ungetrü. 

dem  treuen  Ferdinand  wird  bei  Basile  3,  nr.  7  der  wackere  Diener 
Corvetto  von  seinen  Neidern  beim  König  verleumdet  und  von  diesem 
beauftragt,  einem  riesigen  Unholde  dessen  Pferd,  Zimmertapeten 
(Bettdecke)  und  Palast  zu  rauben;  die  letzte  Aufgabe  lautete  ur- 
sprünglich wohl  wie  in  den  jüngeren  Fassungen:  den  wilden  Mann 
selber  herbeischaffen.  Pitre,  Fiabe  sie.  1,  290  nr.  33  'Tridicinu' x) 
=  Crane  p.  90  nr.  18  (Bettdecke,  Pferd,  Kissen).  Pitre  1,  305  nr.  35 
'na  riggina'.  De  Nino  3,  167  nr.  30  'Tredecinu'  (Bettdecke,  Becher, 
Pferd,  Orco).  Finamore,  Archivio  3,  372  nr.  11  'La  favoletta  del 
drago'.  Nerucci  nr.  41  'Orlandino'  (Decke,  Ring,  Papagei,  Pferd, 
endlich  Orco  und  Orchessa).  Imbriani  1877  p.  340  'El  Tredesin'. 
Visentini  nr.  4  'Tredicino'  (Decken,  Papagei,  Wolf  selber).  Widter- 
Wolf  nr.  9  'Tredesin'  (Jahrbuch  f.  roman.  Lit.  7,  134;  vgl.  R. 
Köhler  1,  305).  Coronedi-  Berti  1883  nr.  38  'La  fola  del  gob 
Tabagnein'  (Decke,  Puten,  Schuhe,  Geldbörse,  Pferd).  Bagli 
1887  p.  57  'L'uomo  selvaggio'  (Decke,  Stäbchen,  Papagei, 
Waldmensch).  Zanazzo  p.  192  'La  fata  Morgana'  (Stäbchen, 
sprechender  Vogel,  Decke,  Fee).  Im  sicilischen  Märchen  von 
Caruseddu  (Gonzenbach  nr.  83;  vgl.  Zs.  f.  Volksk.  6,  171  und 
R.  Köhler  1,  467.  546)  ist  noch  die  aus  Perraults  Petit  poucet  (oben 
1,  124)  bekannte  Vertauschung  der  Kopfbedeckungen  der  Brüder 
mit  denen  der  Hexenkinder  und  die  oben  behandelte  Gewinnung 
der  goldhaarigen  Jungfrau  verknüpft.  Rätoromanisch:  Bundi  2,  18 
'Tredeschin'  (Pferd,  Bettdecke,  Papagei  des  Türken).  Maltesisch: 
Ilg  1,  94  nr.  27  'Der  Segen  des  Vaters'  (Decke,  Pferd,  Wald- 
mensch); 1,  120  nr.  35  'Der  jüngste  der  dreizehn  Brüder'  (Decke, 
Riesentochter,  Teppich,  Riese).  —  Französisch :  Luzel,  Contes  bretons 
p.  1  'Le  geant  Goulaffre'  (Halbmond,  Käfig,  Riese).  Luzel,  C.  de  la 
Basse-Bretagne  2,  231  'Le  perroquet  sorcier'  (Riesentöchter  getötet; 
Kamel,  Karfunkel,  Papagei,  Riese  selber).  Sebillot,  C.  de  la  Haute- 
Bretagne  1,  131  nr.  19  'La  Perle'  (Riesentöchter ;  Flucht  mit  Stiefeln, 
Mond  und  Gerte).  Carnoy,  Picardie  p.  241  'Les  trois  freres  et  le 
geant'  (Riesentöchter;  Goldbart,  Säbel,  Riese  von  je  einem  Bruder 
geraubt)  =  Sebillot,  C.  des  provinces  p.  66  nr.  9.  —  Portugiesisch: 
Coelho,    Contos    pop.    nr.    21    'Joäo   Pequenito'.     Coelho,  Contos  nac. 


*)  Über  den  Namen  des  Helden  'Dreizehn',  der  entweder  der 
Jüngste  von  dreizehn  Brüdern  ist  oder  soviel  Kraft  wie  dreizehn  Männer 
hat,  vgl.  R.  Köhler  1,  307.  383.  547  und  Kretschmer,  Neugriech.  Märchen 
S.  336.     In  serbokroatischen  Märchen  (unten  S.  36)  sind  es  31  Brüder. 


126.    Ferenand  getrii  im  Ferenand  ungetrü.  35 

nr.  16  '0  Joäsinho  pequeno'.  —  Baskisch:  Webster  p.  16  'The 
Tartaro  and  Petit  Perroquet'  und  p.  77  'Malbrouk'  =  Vinson  p.  80. 

—  Griechisch:  Hahn  nr.  3  'Von  dem  Schönen  und  vom  Drakos' 
(Pferd,  Decke,  Drache)  und  2,  178  Var.  1—4.  Pio  p.  196  =  Geld- 
art p.  174  '(konstantes  an  the  dragon'.  Deltion  1,  699  '0  (DiOQEVxIvog 
=  Garnett  2,  83.  Kretschmer  nr.  48  'Hauptmann  Dreizehn'.  Revue 
de  l'hist.  des  relig.  10,  85  'Le  capitaine  Treize'.  Paton,  Folklore 
12,  93  'Thirteen'  (Bettdecke,  Pferd,  Unhold).  —  Rumänisch: 
Schullerus  nr.  52  'Chelteu'  (Pferd,  Hemd,  Teufelin.  Archiv  f.  sieben- 
bürg. Landesk.  33,  502).  —  Deutsch:  Kuhn-Schwartz  S.  324  nr.  3 
'Die  drei  Burschen  und  der  Riese'  =  Harten-Henniger  1,  10  nr.  1 
(auf  des  Hauptmanns  Befehl  holt  der  1.  Soldat  des  Riesen  Spiegel, 
der  2.  das  Laken,  der  3.  den  Riesen  selber).  —  Dänisch: 
Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  52  'Troldeskattene'.  Kamp, 
Folkeminder  p.  93  'Esben  og  Troldheksen'  (Taube,  Schwein, 
Lampe,  Teppich).  Berntsen  2,  90  nr.  14  'Bitte-Bsek'  (Widder,  Schwein, 
Glocke,  Spiegel).  Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  1,  130  nr.  18  'Herlig- 
hederne  i  Hedekuset'  (Pferd,  Klingelstock,  Lampe,  Schwein);  1,  138 
nr.  19  'Guldsvin,  Guldsender  og  Mundharpe'.  Kristensen,  Danske 
Folkeseventyr  nr.  18  'Bjsergmandens  herligheder'  (Schwein,  Pferd, 
Lampe).  Kristensen,  Fra  Bindestue  2,  149  nr.  26  'Guldbuk,  Solviser 
og  Harpe'.  Kristensen,  Fra  Mindebo  S.  53  nr.  9  'Kikkert,  Taske  og 
Hest'.  Skattegraveren  6,  107  'Lille-Bsek'  (Widder,  Lampe,  Klingel- 
stock). —  Schwedisch :  Hylten-Cavallius  nr.  3  a — c  'Der  Knabe,  der 
die  kostbaren  Schätze  des  Riesen  stahl'  (Schwert,  Hühner,  Lampe, 
Harfe.  Lampe,  Bock,  Pelz.  Pferd,  Lampe,  Jungfrau).  Bondeson, 
Sv.  Fs.  nr.  36  'Pack'  (elf  Töchter  des  Bergriesen,  Schwein,  Stock, 
Kanne,  Decke,  Glocke).  *  Bondeson,  Historiegubbar  p.  288.  *  Nord- 
länder, Sagor  p.  40  nr.  16.  Äberg  nr.  70.  71.  284  'Pinni'.  Allardt 
nr.  20  'Helli' ;  23  'Jäpus' ;  53  'Lüla  Hurti'.  Hackmans  Register 
nr.  328.  —  Norwegisch:  Asbjörnsen-Moe  nr.  1  'Von  Aschenbrödel, 
welcher  die  silbernen  Enten,  die  Bettdecke  und  die  goldene  Harfe 
des  Trollen  stahl'  =  Dasent  1859  p.  247.  Olsen  p.  197  'Tosten 
i   trollbotnen'.      Skar    6,    8    'Harpa    som    let   yver    sjau    kongerikje'. 

—  Isländisch:  Arnason  2,  360  =  Poestion  S.  171  =  Ritters- 
haus S.  31  nr.  7  'Snati-Snati'  (Goldgewand,  Brettspiel,  Lampe). 
Rittershaus  S.  88  nr.  23  a — d  'Die  drei  Kostbarkeiten  des 
Königs'  (den  geraubten  Lichtstein,  Ring,  Gewand  dem  Könige 
wiederbringen).    —    Färöisch:    Jakobsen    p.  408    nr.   42    'Snati'    und 

3* 


36  126.    Ferenand  getrü  un  Ferenand  ungetrii. 

p.  288  nr.  14e  '0skudölgur\  —  Englisch :  'Jack  and  the  beanstalk'  (oben 
2,  511);  doch  stiehlt  der  Held  aus  eignem  Antriebe  des  Riesen  Gold, 
Henne  und  Harfe,  nicht  im  Auftrage  des  Königs.  —  Schottisch :  Folk- 
lore Journal  3,  270.  —  Irisch:  Folk-lore  4,  184  'Whittlegaire'  (Bett- 
decke, Stiefel,  Schwert,  Hengst).  —  Bulgarisch:  Sbornik  min.  9,  144 
=  Strauß  S.  160  (Silberäpfel  der  Juda,  Juda).  —  Serbokroatisch: 
Vojinovic  nr.  9  =  Jagic,  Archiv  1,  282  nr.  9  'Die  neidischen  Brüder'; 
vgl.  E.  Köhler  1,  414.  Bos.  Vila  14,  218.  Strohal  2,  258  nr.  13 
'Einunddreißig'  (Pferde,  dann  Räuberhauptmann).  —  Großrussisch : 
Afanasjev3  1,  302  nr.  107.  —  Kleinrussisch:  Cubinskij  1,  36  nr.  8 
(Backtrog  Schwert,  Laute).  Aus  Südungarn :  Etnograf.  Zbirnyk  29, 
209  nr.  30  (31  Söhne  suchen  31  Schwestern;  Laib  Brod  und  Flasche 
Wein,  die  ein  Regiment  sättigen ;  Goldvogel,  Jungfrau,  Pferde, 
Milchbad).  Kolberg,  Pokucie  4,  141  nr.  25  (zwölf  Brüder;  goldene 
Henne,  Pferd,  Riese).  —  Weißrussisch :  Glihski  2,  5  nr.  1  =  Chodzko 
p.  249  (Laute,  Schwert,  Hexentochter).  —  Polnisch :  Lud  8,  53  nr.  14 
(Geige,  Schwert).  —  Cechisch:  Radostov  8,  3  =  2.  Ausg.  2,  321 
nr.  62  =  Waldau  S.  368  'Die  falschen  Brüder'  (Vogel,  Hund,  Faß). 
Ed.  Peck  nr.  13  'Trojsyn'  (Feder,  Messer,  Tintenfaß;  Seejungfrau, 
Stute,  Milchbad).  —  Slovakisch :  Sbornik  muz.  slov.  spol.  18,  3  nr.  43 
(Jungfrau,  Schloß  in  Apfel  verwandelt,  Kopf  band).  —  Litauisch: 
Leskien-Brugman  S.  359  nr.  5  'Vom  Nachschrapselcken'  (Laute, 
Kätzchen,  Stiefel).  —  Estnisch :  Kreutzwald  1,  102  nr.  8  'Schlau- 
kopf (Ring,  Schwert,  Gerte;  goldene  Gänse,  Gefässe)  =  Kirby  1, 
187.  —  Finnisch:  Salmelainen  4,  126  nr.  20.  21.  Chudjakov,  Mater. 
S.  121  nr.  1.  2.  Aarnes  Register  nr.  328.  —  Awarisch:  Scbiefner 
S.  25  nr.  3  'Die  Kart  und  Tschilbik';  vgl.  R.  Köhler  1,  546 
(Bettdecke,  Kessel,  Ziege,  Hexe).  —  Mongolisch:  Bennigsen  S.  72 
(Meisterdieb  holt  Pferd,  Goldvogel  mit  Hilfe  des  grauen  Wolfes, 
von  den  neidischen  Brüdern  ermordet,  vom  Wolfe  belebt).  — 
Arabisch  ausBlida:  Revue  des  trad.  pop.  29,  129  'Bousetta'  (Henne, 
Teppich,  Fee).  —  Kabylisch :  Riviere  p.  225  'Amor  Ennefc'  (Teppich, 
Mühle,  Schlüssel,  Sieb,  Hexe) ;  vgl.  Cosquin,  Revue  des  trad.  pop.  25, 
66.  78.  Berberisch:  Destaing  2,  103  nr.  65  'Mqidech  et  l'ogresse'. 

Das  Märchen  erscheint  auch  auf  einen  weiblichen  Meister- 
dieb übertragen  im  Dänischen  bei  Grundtvig,  Minder  1,  194 
'Ederland  Honsepige'  =  Stroebe  1,  30  (Leuchter,  Pferd,  Schwein), 
Skattegraveren  9,  103  'Bjaergmandens  herligheder'  und  Kristensen, 
Aeventyr  4,  246   nr.  44  'Bitte- Virp'.     Englisch:   Folk-lore  Journal  2, 


127.    Der  Eisenofen.  37 

68  =  Jacobs  1,  125  nr.  22  'Molly  Whuppie'  (des  Eiesen  Schwert, 
Börse  und  Ring);  vgl.  Clouston  2,  489,  Macculloch  p.  354. 
Schottisch:  Campbell  2  1,  259  nr.  17  'Maol  a  Chliobain';  vgl.  E. 
Köhler  1,  195  (Kamm,  Schwert,  Bock;  Bettdecke,  Hahn  usw.). 
Irisch:  Kennedy,  Fireside  stories  p.  3  'Hairy  Rouchy'  (Bettdecke, 
Schwert,  Kobold).  Curtin,  Hero  tales  of  Ire! and  1894  (?)  = 
Jacobs,  Celtic  fairy  tales  2,  135  nr.  39  'Smallhead  and  the  king's 
son'.  Katalanisch:  Maspons  2,  37  'Espigneta  de  mill'.  Südslawisch: 
Krauß,  Tausend  Sagen  1,  54  nr.  15  'Zofika'  (goldene  Wiege,  Lamm, 
Tisch).  Slowakisch:  Sbornik  mus.  slov.  spol.  17,  20  nr.  34  (Apfel, 
Birne,  Goldbörse  der  Hexe;  Hexentochter  in  den  Ofen).  Magyarisch: 
Berze  Nagy  nr.  11  =  Eöna-Sklarek  2,  93  nr.  9  'Königs- 
tochter Enzella'  (goldener  Kohl,  Musikwerk,  Tauben;  Aschen- 
puttel). Bei  den  Ojibwa-Indianern  in  Wisconsin  im  Journal  of 
american  folk-lore  15,  33  'The  bear  maiden'  (die  jüngste  Schwester 
holt  die  von  der  Hexe  geraubte  Sonne,  den  Mond  und  das  Pferd). 
—  Im  italienischen  Märchen  'Lu  serpende'  bei  Pinamore  1,  1,  25 
muß  die  als  Mann  verkleidete  Jungfrau  (oben  2,  85.  Coelho  nr.  19) 
dem  König  eine  Schlange  fangen  und  dann  zum  Sprechen  bringen; 
darauf  enthüllt  diese  die  Buhlerei  der  Königin.  Wieder  anders  bei 
Coronedi-Berti  1883  nr.  11  kLa  fola  dla  Filugrana',  wo  Vittoria  das 
Pferd,  den  Vogel  und  die  Schmucknadel  der  Pilugrana  holt.  Vgl. 
dazu  das  oben  2,  85  angeführte  Märchen  'Belle-belle'   der  Aulnoy. 


127.    Der  Eisenofen.  lisses,»« 

1815  nr.  41  =  1819  nr.  127.  Aus  Zwehrn  am  7.  Juli  1813. 
—  Das  Märchen  gehört  zu  dem  oben  2,  245  nr.  88  behandelten 
Kreise  des  erlösten  Tierbräutigams,  und  zwar  zu  der  dritten 
Gruppe ;  es  enthält  die  Motive  A3-  4  B  C  D  E. 

Eine  andere  abweichende  Erzählung  aus  Kassel,  von  Gretchen 
Wild  1807  mitgeteilt,  stand  1812  in  der  ersten  Ausgabe  als  nr.  59 
'Prinz  Schwan' : 

Es  war  ein  Mädchen  mitten  in  einem  großen  Wald  (mutterselig 
allein),  da  kam  ein  Schwan  auf  es  zugegangen,  der  hatte  einen  Knäuel 
Garn  und  sprach  zu  ihm:  'Ich  bin  kein  Schwan,  sondern  ein  verzauberter 


38  127.    Der  Eisenofen. 

Prinz;  aber  du  kannst  mich  erlösen,  wenn  du  den  Knäuel  Garn  ab- 
wickelst, an  dem  ick  fortfliege.  Dock  küte  dick,  daß  du  den  Faden  nicht 
entzwei  brichst,  sonst  komm  ick  nickt  bis  in  mein  Königreick  und  werde 
nickt  erlöst.  "Wickelst  du  aber  den  Knäuel  ganz  ab,  dann  bist  du  meine 
Braut.'  Das  Mädcken  nakm  den  Knäuel,  und  der  Sckwan  stieg  auf  in 
die  Luft,  und  das  Garn  wickelte  sick  leicktlick  ab.  Es  wickelte  und 
wickelte  den  ganzen  Tag,  und  am  Abend  war  sckon  das  Ende  des 
Fadens  zu  seken,  da  blieb  er  unglücklick erweise  an  einem  Dornstrauck 
kängen  und  brack  ab.  Das  Mädcken  war  sekr  betrübt  und  weinte;  es 
■wollt'  auck  Nackt  werden,  und  der  Wind  ging  so  laut  in  dem  Wald, 
daß  ikm  angst  ward  und  es  anfing  zu  laufen,  was  es  nur  konnte.  Und 
als  es  lang  gelaufen  war,  sak  es  ein  kleines  Lickt,  und  als  es  dabei  kam, 
war  es  ein  Haus,  und  es  klopfte  an  die  Türe  1).  Ein  altes  Müttercken  kam 
keraus,  das  verwunderte  sick,  wie  es  sak,  daß  ein  Mädcken  vor  der  Tür 
■war:  'Ei  mein  Kind,  wo  kommst  du  so  spät  ker?'  —  'Gebt  mir  dock  keut 
nacht  eine  Herberg',  sprack  es,  'ick  kabe  mick  in  dem  Wald  verirrt ; 
auck  ein  wenig  Brot  zu  essen.'  —  'Das  ist  ein  sckweres  Ding,'  sagte  die 
Alte,  'ick  gäbe  dirs  gern,  aber  mein  Mann  ist  ein  Mensckenf  resser ,  wenn 
der  dick  findet,  so  frißt  er  dick  auf,  da  ist  keine  Gnade;  dock  wenn  du 
draußen  bleibst,  fressen  dick  die  wilden  Tiere.  Ick  will  seken,  ob  ick 
dir  durchkeifen  kann'.  Da  ließ  sie  es  kerein  und  gab  ikm  ein  wenig 
Brot  zu  essen  und  versteckte  es  dann  unter  das  Bett.  Der  Menscken- 
fresser  aber  kam  allemal  vor  Mitternackt,  wenn  die  Sonne  ganz  unter- 
gegangen ist,  nack  Haus  und  ging  morgens,  eke  sie  aufsteigt,  wieder 
fort.  Es  dauerte  nickt  lang,  so  kam  er  kerein:  'Ich  wittre,  ick  wittre 
Mensckenfleisck' 2),  sprack  er  und  suckte  in  der  Stube,  endlick  griff  er 
auck  unter  das  Bett  und  zog  das  Mädcken  kervor :  'Das  ist  nock  ein 
guter  Bissen.'  Die  Frau  aber  bat  und  bat,  bis  er  versprack,  die  Nacht 
über  es  noch  leben  zu  lassen  und  morgen  erst  zum  Frühstück  zu  essen. 
Vor  Sonnenaufgang  aber  weckte  die  Alte  das  Mädcken:  'Eil  dick,  daß 
du  fortkommst,  ek  mein  Mann  auf wackt !  Da  schenk  ick  dir  ein  goldnes 
Spinnrädchen,  das  halt  in  Ehren!  'Ich  heiße  Sonne.'8)  Das  Mädchen 
ging  fort  und  kam  abends  an  ein  Haus,  da  war  alles  wie  am  vorigen 
Abend,  und  die  zweite  Alte  gab  ihm  beim  Abschied  eine  goldene  Spindel 
und  sprach:  'Ich  heiße  Mond.'  Und  am  dritten  Abend  kam  es  an  ein 
drittes  Haus,  da  sckenkte  ikm  die  Alte  einen  goldenen  Haspel  und  sagte  : 
'Ick  keiße  Stern;    und    der  Prinz  Sckwan,    ob    gleick    der  Faden    nock 


x)  Soksl.für:  darauf  eilte  es  zu  und  fand  ein  Haus  und  klopfte  an. 

2)  Vgl.    oben  1,    289.     Ebenso    ruft    der    Sonnensokn    bei    Luzel, 
Contes  1,  275. 

3)  Über   Peisen   zu    Sonne,    Mond  und  Sternen   vgl.  oben  1,  233. 
2,  272. 


127.    Der  Eisenofen.  39 

nicht  ganz  abgewickelt  war,  war  doch  schon  so  weit,  daß  er  in  sein  Beieh 
gelangen  konnte ;  dort  ist  er  König  und  hat  sich  verheiratet  und  wohnt 
in  großer  Herrlichkeit  auf  dem  Glasberg.  Du  wirst  heut  abend  hin- 
kommen, aber  ein  Drache  und  ein  Löwe  liegen  davor  und  bewahren  ihn. 
Darum  nimm  das  Brot  und  den  Speck  und  besänftige  sie  damit!'  —  So 
geschähe  es  auch.  Das  Mädchen  warf  den  Ungeheuern  das  Brot  und 
den  Speck  in  den  Bachen,  da  ließen  sie  es  durch,  und  es  kam  bis  an  das 
Schloßtor,  aber  in  das  Schloß  selber  ließen  es  die  "Wächter  nicht  hinein. 
Da  setzte  es  sich  vor  das  Tor  und  fing  an  auf  seinem  goldenen  Bädchen 
zu  spinnen;  die  Königin  sah  von  oben  zu,  ihr  gefiel  das  schöne  Bädchen, 
und  sie  kam  herunter  und  wollte  es  haben.  Das  Mädchen  sagte,  sie  solle 
es  haben,  wenn  sie  erlauben  wollte,  dass  es  eine  Nacht  neben  dem  Schlaf- 
zimmer des  Königs  zubrächte.  Die  Königin  sagte  es  zu,  und  das  Mädchen 
ward  hinaufgeführt;  was  aber  in  der  Stube  gesprochen  wurde,  das  konnte 
man  alles  in  dem  Schlafzimmer  hören.  Wie  es  nun  Nacht  war  und  der 
König  im  Bett  lag,  sang  es  : 

'Denkt  der  König  Schwan 

Noch  an  seine  versprochene  Braut  Julian'? 

Die  ist  gegangen  durch  Sonne,  Mond  und  Stern, 

Durch  Löwen  und  durch  Drachen. 

Will  der  König  Schwan  denn  gar  nicht  erwachen?' 

Aber  der  König  hörte  es  nicht;  denn  die  listige  Königin  hatte 
sich  vor  dem  Mädchen  gefürchtet  und  ihm  einen  Schlaftrunk  gegeben, 
da  schlief  er  so  fest  und  hätte  das  Mädchen  nicht  gehört,  und  wenn  es 
vor  ihm  gestanden  wäre.  Am  Morgen  war  alles  verloren,  und  es  mußte 
wieder  vor  das  Tor;  da  setzte  es  sich  hin  und  spann  mit  seiner  Spindel, 
die  gefiel  der  Königin  auch,  und  es  gab  sie  unter  derselben  Bedingung 
weg,  daß  es  eine  Nacht  neben  des  Königs  Schlafzimmer  zubringen  dürfe. 
Da  sang  es  wieder: 

'Denkt  der  König  Schwan 

Nicht  an  seine  versprochene  Braut  Julian'? 

Die  ist  gegangen  durch  Sonne,  Mond  und  Stern, 

Durch  Löwen  und  durch  Drachen. 

Will  der  König  Schwan  denn  gar  nicht  erwachen?' 

Der  König  aber  schlief  wieder  fest  von  einem  Schlaftrunk,  und 
das  Mädchen  hatte  auch  seine  Spindel  verloren.  Da  setzte  es  sich  am 
dritten  Morgen  mit  seinem  goldenen  Haspel  vor  das  Tor  und  haspelte. 
Die  Königin  wollte  auch  die  Kostbarkeit  haben  und  versprach  dem 
Mädchen,  es  sollte  dafür  noch  eine  Nacht  neben  dem  Schlafzimmer  bleiben. 
Es  hatte  aber  den  Betrug  gemerkt  und    bat  den  Diener  des  Königs,    er 


40  127.    Der  Eisenofen. 

möchte  diesem  heut  abend  was   anderes  zu  trinken  geben.     Da   sang  es 
noch  einmal: 

'Denkt  der  König  Schwan 

Nicht  an  seine  versprocbene  Braut  Julian'? 

Die  ist  gegangen  durch  Sonne,  Mond  und  Stern, 

Durch  Löwen  und  durch  Drachen. 

Will  der  König  Schwan  denn  gar  nicht  erwachen?' 

Da  erwachte  der  König,  wie  er  ihre  Stimme  hörte,  erkannte  sie 
und  fragte  die  Königin:  'Wenn  man  einen  Schlüssel  verloren  hat  und 
ihn  wieder  findet,  behält  man  dann  den  alten  oder  den  neugemachten?' 
Die  Königin  sagte:  'Ganz  gewiß  den  alten.'1)  —  'Nun,  dann  kannst  du 
meine  Gemahlin  nicht  länger  sein;  ich  habe  meine  erste  Braut  wieder 
gefunden'.  Da  mußte  am  andern  Morgen  die  Königin  zu  ihrem  Vater 
wieder  heimgehen,  und  der  König  vermählte  sich  mit  seiner  rechten 
Braut,  und  die  lebten  so  lang  vergnügt,  bis  sie  gestorben  sind. 

Diese  Erzählung  enthält  die  Motive  A3C  D  E  des  Tierbräutigams ; 
sie  hat  also  mit  der  Zwehrner  Fassung  und  dem  Löweneckerchen  (nr.  88) 
die  Wanderung  zu  Sonne,  Mond  und  Stern  und  die  Erkaufung  der 
drei  Nächte  von  der  zweiten  Frau  gemeinsam.  Dagegen  fehlen  diese 
Teile  in  einer  Fassung  aus  den  Maingegenden,  die  Jeanette 
Hassenpflug  am  29.  Sept.  1812  zu  Kassel  erzählte,  und  die  1812  als 
nr.  66  'Hurleburlebutz'  gedruckt  wurde  (A2,4B);  sie  gehört  der 
ersten  Gruppe  des  Tierbräutigams  (oben  2,  234)  an : 

Ein  König  verirrte  sich  auf  der  Jagd,  da  trat  ein  kleines  weißes 
Männchen  vor  ihn:  'Herr  König,  wenn  Ihr  mir  Eure  jüngste  Tochter 
geben  wollt,  so  will  ich  Euch  wieder  aus  dem  Wald  führen.'  Der  König 
sagte  es  in  seiner  Angst  zu;  das  Männchen  brachte  ihn  auf  den  Weg, 
nahm  dann  Abschied  und  rief  noch  nach :  'In  acht  Tagen  komm  ich  und 
hol  meine  Braut'.  Daheim  aber  war  der  König  traurig  über  sein  Ver- 
sprechen, denn  die  jüngste  Tochter  hatte  er  am  liebsten;  das  sahen  ihm 
die  Prinzessinnen  an  und  wollten  wissen,  was  ihm  Kummer  mache.  Da 
mußt  ers  endlich  gestehen,  er  habe  die  jüngste  von  ihnen  einem  kleinen 
weißen  Waldmännchen  versprochen,  und  das  komme  in  acht  Tagen  und 
hole  sie  ab.  Sie  sprachen  aber,  er  solle  gutes  Muts  sein,  das  Männchen 
wollten  sie  schon  anführen.  Darnach  als  der  Tag  kam,  kleideten  sie  eine 
Kuhhirtstochter  mit  ihren  Kleidern,  setzten  sie  in  ihre  Stube  und  be- 
fahlen ihr:  'Wenn  jemand  kommt  und  will  dich  abholen,  so  gehst  du 
mit.'     Sie  selber  aber  gingen  alle  aus  dem  Hause  fort.     Kaum  waren  sie 


a)  Über    das  Wiederfinden    des    alten    Schlüssels    vgl.    oben  2, 
59.  246. 


127.    Der  Eisenofen.  41 

weg,  so  kam  ein  Fuchs  in  das  Schloß  und  sagte  zu  dem  Mädchen :  'Setz 
dich  auf  meinen  rauhen  Schwanz,  Hurleburlebutz,  hinaus  in  den  Wald!'1) 
Das  Mädchen  setzte  sich  dem  Fuchs  auf  den  Schwanz,  und  so  trug  er 
es  hinaus  in  den  Wald ;  wie  sie  aber  auf  einen  schönen  grünen  Platz 
kamen,  wo  die  Sonne  recht  hell  und  warm  schien,  sagte  der  Fuchs: 
'Steig  ab  und  laus2)  mich!'  Das  Mädchen  gehorchte,  der  Fuchs  legte 
seinen  Kopf  auf  ihren  Schoß  und  ward  gelaust;  bei  der  Arbeit  sprach  das 
Mädchen:  'Gestern  um  die  Zeit  wars  doch  schöner  in  dem  Wald.'  — 
'Wie  bist  du  in  den  Wald  gekommen  ?'  fragte  der  Fuchs.  —  'Ei,  da  hab 
ich  mit  meinem  Vater  die  Kühe  gehütet.'  —  'Also  bist  du  nicht  die 
Prinzessin.  Setz  dich  auf  meinen  rauhen  Schwanz,  Hurleburlebutz,  zurück 
in  das  Schloß!'  Da  trug  sie  der  Fuchs  zurück  und  sagte  zum  König: 
'Du  hast  mich  betrogen,  das  ist  eine  Kuhhirtstochter.  In  acht  Tagen 
komm  ich  wieder  und  hol  mir  deine.'  —  Am  achten  Tage  aber  kleideten 
die  Prinzessinnen  eine  Gänsehirtstochter  prächtig  an,  setzten  sie  hin  und 
gingen  fort.  Da  kam  der  Fuchs  wieder  und  sprach :  'Setz  dich  auf 
meinen  rauhen  Schwanz,  Hurleburlebutz,  hinaus  in  den  Wald!'  Wie  sie 
in  dem  Wald  auf  den  sonnigen  Platz  kamen,  sagte  der  Fuchs  wieder: 
'Steig  ab  und  laus  mich!'  Und  als  das  Mädchen  den  Fuchs  lauste,  seufzte 
es  und  sprach;  'Wo  mögen  jetzt  meine  Gänse  sein!'  —  'Was  weißt  du 
von  Gänsen?'  —  'Ei,  die  hab  ich  alle  Tage  mit  meinem  Vater  auf  die 
Wiesen  getrieben.'  —  'Also  bist  du  nicht  des  Königs  Tochter.  Setz  dich 
auf  meinen  rauhen  Schwanz,  Hurleburlebutz,  zurück  in  das  Schloß !'  Der 
Fuchs  trug  sie  zurück  und  sagte  zum  König:  'Du  hast  mich  wieder  be- 
trogen, das  ist  eine  Gänsehirtstochter.  In  acht  Tagen  komm  ich  noch 
einmal,  und  wenn  du  mir  dann  deine  Tochter  nicht  gibst,  so  soll  dirs 
übel  gehen.'  —  Dem  König  ward  angst,  und  wie  der  Fuchs  wiederkam, 
gab  er  ihm  die  Prinzessin.  'Setz  dich  auf  meinen  rauhen  Schwanz, 
Hurleburlebutz,  hinaus  in  den  Wald!'  Da  mußte  sie  auf  dem  Schwanz 
des  Fuchses  hinausreiten,  und  als  sie  auf  den  Platz  im  Sonnenschein 
kamen,  spracherauch  zu  ihr:  'Steig  ab  und  laus  mich!'  Als  er  ihr  aber 
seinen  Kopf  auf  den  Schoß  legte,  fing  die  Prinzessin  an  zu  weinen  und 
sagte:  'Ich  bin  eines  Königs  Tochter  und  soll  einen  Fuchs  lausen.  Saß 
ich  jetzt  daheim  in  meiner  Kammer,  so  könnt  ich  meine  Blumen  im 
Garten  sehen!'  Da  hörte  der  Fuchs,  daß  er  die  rechte  Braut  hatte,  ver- 
wandelte sich  in  das  kleine  weiße  Männchen,  und  das  war  nun  ihr 
Mann;  bei  dem  mußt  sie  in  einer  kleinen  Hütte  wohnen,  ihm  kochen  und 
nähen,  und  es  dauerte  eine  gute  Zeit.     Das  Männchen  aber  tat  ihr  alles 


x)  Vgl.  Schambach-Müller  S.  265  nr.  5  (Sett  deck  up  miuen  rüen 
Swanz,  hurlehurlehen).  Bisweilen  fällt  die  Jungfrau  vom  Bücken  des 
Wolfes  herab:  Bunker  nr.  84;  Arnim  S.  99  nr.  15;  Müllenhof f  S.  385  nr.  3. 

2)  Zum  Lausen  des  Kopfes  vgl.  oben  1,  207. 


42  127.    Der  Eisenofen. 

zu  Liebe.  —  Einmal  sagte  das  Männchen  zu  ihr:  'Ich  muss  fortgehen; 
aber  es  werden  bald  drei  weiße  Tauben  geflogen  kommen,  die  werden 
ganz  niedrig  über  die  Erde  hinstreifen.  Davon  fang  die  mittelste,  und 
wenn  du  sie  hast,  schneid  ihr  gleich  den  Kopf  ab ;  hüt  dich  aber,  daß  du 
keine  andere  ergreifst,  sonst  entsteht  ein  groß  Unglück  daraus.'  Das 
Männchen  ging  fort;  es  dauerte  auch  nicht  lang,  so  kamen  drei  weiße 
Tauben  daher  geflogen.  Die  Prinzessin  gab  acht,  ergriff  die  mittelste, 
nahm  ein  Messer  und  schnitt  ihr  den  Kopf  ab.1)  Kaum  aber  lag  der  auf 
dem  Boden,  so  stand  ein  schöner  junger  Prinz  vor  ihr  und  sprach: 
'Mich  hat  eine  Fee  verzaubert,  sieben  Jahr  sollt  ich  meine  Gestalt  ver- 
lieren und  sodann  als  eine  Taube  an  meiner  Gemahlin  vorbeifliegen 
zwischen  zwei  andern,  da  müsse  sie  mich  fangen  und  mir  den  Kopf  ab- 
hauen, und  fange  sie  mich  nicht  oder  eine  unrechte  und  ich  sei  einmal 
vorbeigeflogen,  so  sei  alles  vorbei  und  keine  Erlösung  mehr  möglich. 
Darum  hab  ich  dich  gebeten,  ja  recht  acht  zu  haben;  denn  ich  bin  das 
graue  Männlein  und  du  meine  Gemahlin.'  Da  war  die  Prinzessin  ver- 
gnügt, und  sie  gingen  zusammen  zu  ihrem  Vater,  und  als  der  starb, 
erbten  sie  das  Peich. 

Der  Versuch  der  Königstöchter,  dem  unwillkommenen  Freier 
eine  Magd  als  Braut  unterzuschieben,  die  sich  dann  zu 
leicht  an  ihres  Vaters  unkönigliches  Handwerk  erinnert,  begegnet 
auch  in  den  Braunschweiger  Feenmärchen  1801  S.  322  'Das  singende 
klingende  Bäumchen';  bei  Zingerle  l2,  150  'Die  singende  Rose'; 
Bechstein  1874  S.  69  'Das  Nußzweiglein';  Pröhle,  M.  f.  die 
Jugend  nr.  4  'Das  goldene  Salzfaß' ;  Zs.  für  Volkskunde  3,  189  'Der 
Wolf  mit  dem  Wockenbriefe' ;  Colshorn  nr.  20  'Vom  klinkesklanken 
Lowesblatt' ;  Schambach-Müller  S.  265  'Das  klingende  und  singende 
Blatt';    Müllenhoff    S.  384    'Vom    goldenen  Klingelklangel' ;    Lemke 

2,  117  nr.  19  'Der  weiße  Wolf  und  die  Prinzessin';  Dänisch: 
Grundtvig,  Minder  2,  35  'Hvidebjorn';  Berntsen  1,  170  'Kong  Hvid- 
ulv';  Kristensen,  D.  Folkesev.  nr.  53  'Hvibekongens  son'.  Norwegisch: 
Skar  6,  116  'Kvitebjörn  kong  Valemon'.  Braset,  Hollraöventyra 
S.  165.  Isländisch :  Rittershaus  S.  30  'Der  braune  Hund'. 
Weißrussisch:  Federowski  1,  178  nr.  599.  Litauisch:  Leskien- 
Brugman  S.  438    nr.    23    'Vom    weißen    Wolf.    Magyarisch:  Erdelyi 

3,  nr.  3  =  Jones-Kropf  p.  188  'The  king  and  the  devil'.  —  In 
zwei  dänischen  Märchen  (Kamp,  Folkeminder  S.  294  'Prins  Hvide- 
björn';  ähnlich  Kristensen,  Danske  Folkecev.  nr.  51  'Lindormen')  legt 
der  Bär  oder  Drache  der  Braut  unterwegs  die  uns  aus  der  Sage  vom 


*)  Entzauberung  durch  Enthauptung:    oben  1,  19.  515.    2,  37.  234. 


127.    Der  Eisenofen.  43 

eingemauerten  Kinde  bekannte  Rätselfrage1)  vor:  Was  ist  das 
Weichste,  das  Süßeste,  das  Härteste?  Und  nur  die  Königstochter 
weiß  die  rechten  Antworten :  Der  Mutterschoß,  die  Mutterbrust,  des 
Vaters  Herz.  Daraus  scheinen  die  Fragen  einer  norwegischen  Fas- 
sung (Bergh,  Nye  folke-eventyr  S.  1  'Kong  Hvidevallbjörn')  ab- 
geschwächt: Hast  du  schon  weicher  gesessen,  hellere  Steine  gesehen, 
süßeren  Trank  getrunken?  Ähnlich  bei  Asbjörnsen  nr.  90  'Hvide- 
björn  Kong  Valemon'  =  Dasent  1874  p.  353  und  Allardt  nr.  16 
'Om  tomten  och  prinsässan'.  Schon  in  der  Völsungasaga  c.  12  (deutsch 
von  Edzardi  1897  S.  62)  unterscheidet  Alf  die  Königstochter  Hiordis 
von  der  verkleideten  Magd,  indem  er  beide  fragt,  wie  sie  den  Tages- 
anbruch merken,  wenn  sie  die  Gestirne  nicht  sehen.2)  Auch  in  einem 
schottischen  Märchen  'The  battle  of  the  birds'  (Campbell  l2,  28  und 
54  nr.  2.  R.  Köhler  1,  162)  und  einer  irischen  Variante  'The  giant 
and  his  royal  servants'  (Kennedy,  Fireside  stories  p.  56)  entdeckt 
ein  Riese,  daß  ihm  statt  des  verheißenen  Königssohnes  die  Söhne 
eines  Kochs  und  eines  Mundschenken  übergeben  sind,  indem  er 
jeden  fragt,  was  sein  Vater  mit  dieser  Rute  tun  würde. 

Den  dunklen  und  feurigen  Ofen,  worein  der  Königssohn  ver- 
wünscht ist,  wollte  W.  Grimm  auf  die  Hölle  beziehen,  die  Unterwelt, 
wo  der  finstre  Tod  haust,  aber  auch  die  Schmiedeesse  steht.  Auch 
das  Wort  Eisenofen  schien  ihm  altertümlich  und  nicht  sowohl  auf 
einen  eisernen  zu  deuten  als  auf  das  ahd.  eitofan,  mhd.  eitoven 
(Feuerofen,  von  eit  =  Esse,  Feuer). 

Zum  Glasberg  vgl.  oben  2,  273;  zu  dem  Schreiten  über 
schneidende  Schwerter  die  'Mesterbitt'  in  der  holsteinischen 
Fassung  bei  Wisser  3,  31  und  die  Brücke  von  Rasiermessern  im 
ungarischen  Märchen  bei  Mailäth  2  2,  189. 

x)  R.  Köhler,  Aufsätze  1894  S.  37.  Wossidlo,  Mecklenburgische 
Volksüberlieferungen  1,  222  nr.  974  'Was  ist  süßer  denn  süß?' 
Ferner:  Walliser  Sagen  1907  1,  238  nr.  221.  Jegerlehner,  Was  die  Sennen 
erzählen  S.  144.  Schönwerth  3,  67.  Busch,  Ut  61er  Welt  S.  16.  Voges, 
Sagen  aus  Braunschweig  1895  nr.  14.  Zs.  d.  histor.  V.  f.  Niedersachsen 
1878,  93.  Mitt.  f.  schles.  Volkskunde  11,  96.  Finnisch:  Salmelainen  1, 
166  =  Schiefner,  Bulletin  de  l'academie  de  St.  Petersbourg  12,  376  (1855) 
=  Melanges  russes  2,  608.  —  Anders  oben  2,  357  und  3,  16. 

2)  Andere  Fragen  richtet  in  'Jungfrau  Maleen'  (nr.  198)  der  Königs- 
sohn an  die  falsche  Braut,  und  anders  weist  Elphin  im  Mabinogi  von 
Taliesin  (Lady  Guest,  Mabinogion  1877  p.  478)  den  abgehackten  Finger, 
der  für  die  Untreue  seines  Weibes  zeugen  soll,  als  den  einer  Magd  zuiück. 


1856  S.  212. 


44  128.    Die  faule  Spinnerin. 

128.    Die  faule  Spinnerin. 

1815  nr.  42  =  1819  nr.  128.  Aus  Zwehrn  am  29.  Mai  1813. 
—  Der  Baum  im  Wald  ist  ein  Spindelbaum  oder  Spillbaum,  lat. 
fusarius  (Steinmeyer,  Ahd.  Glossen  3,  37.  Grimm,  DWb.  10,  1,  2500), 
frz.  fusain,  euonymus  europaeus  L.,  also  ein  Glück  oder  Unglück 
bedeutender  Wünschelbaum,  isländisch  hespu-tre  und  hespulägt-tre. 
Von  redenden  und  wahrsagenden  Bäumen  handelt  J.  Grimm, 
Myth. 3  S.  618;  Waldis,  Esopus  1,  nr.  39,  1;  Liebrecht  zu  Dunlop 
S.  504  und  Gervasius  von  Tilbury  S.  63.  163;  Zachariae,  Zs.  f. 
Volkskunde  16,  129.  Zu  der  Täuschung  durch  die  aus  dem 
Baume  redende  Frau  vgl.  unten  nr.  139. 

Aus  Holstein:  Wisser,  Niedersachsen  16,  21  'De  Haspelholt 
halt'  (schall  ophängt  wardn)  =  Wisser,  Plattdeutsche  Vm.  S.  77.  — 
Schwedisch:  Aberg  nr.  328  'Gummans  väffstol'  (Hugger  tu  riva 
riva,  so  ska  tu  int  länger  fä  liva  liva)  und  nr.  329.  Hackmans 
Register  nr.  1405.  —  Albanesisch:  Mitkos  nr.  7  =  G.  Meyer 
nr.  6  'Die  listige  Faule'  (Archiv  f.  Litgesch.  12,  110;  R.  Köhler  1,  388. 
Garnwinde,  Garnwinde,  wer  abschneidet  die  Garnwinde,  der  stirbt 
samt  Weib  und  Kinde).  —  Rumänisch:  Schullerus  nr.  120  'Der 
sind  die  Krähen  nicht  übers  Dach  geflogen'  (Archiv  f.  siebenbg. 
Ldesk.  33,  642.  Siebenbürgisch-sächsisches  Tageblatt  1896  nr.  685. 
Wer  einen  Haspel  macht,  dem  stirbt  seine  Frau).  —  Serbo- 
kroatisch: Srpski  dialek.  Zbornik  4,  32  nr.  2.  Hadzi-Vasiljevic  1, 
342  nr.  5.  —  Bulgarisch:  Sbornik  min.  18,  1,  520  nr.  3.  — 
Polnisch:  Lud  13,  339  nr.  2.  —  Slowakisch:  Sbornik  mus.  slov. 
spol.  16,  17  nr.  13.  —  Lettisch:  Treuland  S.  290  nr.  147.  M.Böhm 
S.  16  nr.  16.  — ■  Finnisch:  Aarnes  Register  nr.  1405. 

Auf  andre  Weise  wird  in  den  drei  Spinnerinnen  (nr.  14)  der 
Ehemann  zu  der  Einsicht  gebracht,  daß  das  Spinnen  seiner  Frau 
Schaden  zufüge.  In  dem  mhd.  Gedicht  von  der  Minne  eines 
Albernen  (Altdeutsche  Wälder  3,  160  =  v.  d.  Hagen,  Gesamt- 
abenteuer 2,  141  nr.  29)  belehrt  die  junge  Frau  aus  dem  hohlen 
Baum  den  Mann  über  seine  Pflichten;  vgl.  Contes  licencieux  de 
l'Alsace  1906  nr.  55;  Hnatjuk,  Geschlechtleben  1,  243.  2.  187. 
189.  195.  432.  —  Ebenso  rät  in  einem  Predigtmärlein  (Etienne 
de  Bourbon,  Anecdotes  1877  nr.  237 ;  Johannes  Junior,  Scala  celi  1480 
Bl.  110a;  Vincentius,  Speculum  morale  3,  3,  1;   Gritsch,  Quadragesi- 


129.    Die  vier  kunstreichen  Brüder.  45 

male  nr.  48  L;  Herolt,  Promptuarium  exemplorum  1481  lit.  M,  18; 
Mensa  philosophica  1508  Bl.  39a;  J.  Grimm,  Myth. 3  S.  1153; 
Schumann,  Nachtbüchlein  1893  S.  378.  414)  eine  Wahrsagerin  einer 
über  ihren  harten  Ehemann  klagenden  Frau,  frühmorgens  in  ihren 
Krautgarten  zu  gehen  und  dort  die  Alrune  (aurone,  verona)  anzurufen: 

Alrun,  ich  ruf  dich  an, 
Das  du  minen  herten  man 
Bringest  darzu, 
Das  er  mir  kein  leid  mer  thu. 

In  der  dritten  Nacht  hat  sich  die  Alte  im  Hanf  verborgen  und 
antwortet : 

Brau,  wiltu  ein  guten  man  han, 
So  soltu  schnei  heim  gan; 
Schwig,  lid  und  myd: 
Also  vertribstu  dem  man  den  kyb. 

Danach  Pauli,  Schimpf  und  Ernst  1522  c.  135.  H.  Sachs, 
Die  Frau  mit  dem  Speck  (1537.  Fabeln  ed.  Goetze  3,  177  nr.  77) 
und  Fastnachtspiele  6,  1  nr.  63  =  Folio  4,  3,  31.  Val.  Schumann, 
Nachtbüchlein  1559  2,  nr.  28.  J.  Rhodius,  Speculum  mulierum  1604 
S.  58.  Mahrold  1608  nr.  9  (Frey  1896  S.  268).  Sommer, 
Emplastrum  Cornelianum  1609  nr.  82  (Euphorion  15, 17).  Casalicchio, 
L'utile  col  dolce  1,  nr.  70.  Conlin,  Der  christliche  Weltweise  2,  311 
(1711).  Langbein,  Die  Wahrsagerin  (Sämtl.  Schriften  6,  225). 
Aurbacher,  Laienbürger  1898  S.  66.  Vgl.  Hrincenko,  Iz  ust  naroda 
S.  211  nr.  236.  237. 


129.    Die  vier  kunstreichen  Brüder.  issö  s.  212. 

1819  nr.  129:  aus  dem  Päd  erb örni sehen.  Eingesetzt  für 
1815  nr.  43  'Der  Löwe  und  der  Frosch'  (unten  nr.  129  a). 

Das  Märchen  berührt  sich  mit  nr.  71  'Sechse  kommen  durch 
die  ganze  Welt',  wo  in  einigen  Fassungen  gleichfalls  Menschen  mit 
wunderbaren  Eigenschaften  eine  Jungfrau  aus  Gefangenschaft 
befreien,  und  in  seinem  ersten  Teile  mit  den  drei  kunstfertigen 
Brüdern  (nr.  124),  die  freilich  keine  solche  gemeinsame  Tat  unter- 
nehmen.    Es  läßt  sich  in  Deutschland  bis  ins  17.,   in  Italien  bis  ins 


46  129.    Die  vier  kunstreichen  Brüder. 

14.  Jahrhundert  zurückverfolgen;  seine  Herkunft  aus  Indien  ist 
durch  Benfey  (Kl.  Schriften  3,  108)  und  F.  v.  d.  Leyen  (Archiv  f. 
neuere  Sprachen  116,  13)  dargelegt  worden. 

In  der  Panciatichischen  Handschrift  des  alten  italienischen 
Novellino  (Papanti,  Catalogo  dei  novellieri  italiani  in  prosa 
1871  1,  XLIV  nr.  23  =  Le  Novelle  antiche  ed.  Biagi  1880  p.  201 
nr.  156;  vgl.  A.  d'Ancona,  Studi  di  critica  letteraria  1880  p.  356. 
509  =  ßomania  3,  193)  wandern  vier  Königssöhne  in  die  Ferne; 
der  erste  studiert  zu  Paris  die  Wissenschaften,  der  andre  wird  in 
Sicilien  ein  Bogenschütz,  der  dritte  in  Katalonien  ein  geschickter 
Dieb,  der  vierte  in  Genua  Schiffsbauer.  Dann  kehren  sie  heim  und 
vereinigen  sich,  um  von  einer  Insel  eine  von  einem  Drachen  geraubte 
Jungfrau  und  reiche  Schätze  zu  holen.  Den  in  der  Hs.  ver- 
stümmelten Schluß  kann  man  aus  den  späteren  Fassungen  ergänzen, 
welche  nur  die  Zahl  und  die  Künste  der  Brüder  abändern.1)  —  Bei 
Morlini  (Novellae  1520,  rep.  1855  nr.  80  'De  fratribus,  qui  per 
orbem  pererrando  ditati  sunt'),  dem  Straparola  7,  nr.  5  (Benfey  3, 
112.  Bua,  Giornale  stör,  della  lett.  ital.  16,  256)  genau  folgt,  sind 
es  drei  Söhne  eines  armen  Mannes ;  der  jüngste,  der  die  Vogel- 
sprache gelernt  hat,  vernimmt  von  einer  Elster,  wo  ein  Schatz  ver- 
graben liegt,  und  von  einem  andern  Vogel,  wie  die  auf  der  Insel 
Chios  gefangene  Prinzeß  Aglaea  befreit  werden  kann;  der  zweite 
baut  ein  Schiff,  das  sie  dahin  bringt;  der  erste,  ein  gewandter 
Kriegsmann,    stößt    seine   beiden  Dolche   in   die  Mauer    des    Turms, 


l)  Auf  die  Verbreitung  des  Märchens  weist  auch  seine  Ausnutzung 
zu  einer  fabelhaften  Vorgeschichte  der  Stadt  Prato,  die  Giovanni  da 
Prato  in  seinen  um  1400  verfaßten  Roman  'II  Paradiso  degli  Alberti' 
(ed.  Wesselofsky  1867  2,  102—171;  vgl.  die  Bemerkungen  ebd.  1,  2, 
238—263;  russisch  in  Wesselofskys  Gesammelten  Werken  3,  443—460) 
einflicht.  Vier  etruskische  Jünglinge  treffen  auf  einem  gemeinschaft- 
lichen Bitte  einen  schönen  Sperber  in  einem  Dornstrauch  am  Wasser 
verstrickt  und  dem  Ertrinken  nahe,  Laerte  sieht  die  Gefahr  des  Vogels, 
Celio  rettet  ihn  und  wärmt  ihn  am  Busen,  Settimio  erinnert  zu  Hause 
an  den  vergessenen  Sperber,  und  Besio  gibt  ihm  durch  einen  Melissen- 
zweig, von  dem  der  Sperber  frißt,  unwillkürlich  seine  frühere  Gestalt 
wieder.  Es  war  nämlich  Melissa,  eine  Tochter  des  Odysseus,  die  von  der 
eifersüchtigen  Circe  in  einen  Sperber  verwandelt  worden  war.  Nun  begehren 
alle  vier  Melissa  zur  Frau  und  erbitten  im  Tempel  Jupiters  Entscheidung. 
Da  die  Götter  Saturn,  Mars,  Apollo  und  Merkur  geteilter  Meinung  sind, 
wird  auf  den  Bat  der  Venus  und  Minerva  die  Entscheidung  der  Jung- 
frau selber  überlassen. 


129.    Die  vier  kunstreichen.  Brüder.  47 

klettert  hinauf  und  läßt  an  einem  Seil  die  Jungfrau  und  die  Schätze 
hinab.  Dann  aber  geraten  die  drei  in  einen  Streit,  wem  die  Schöne 
zufallen  soll,  und  dieser  Streit  ist  noch  unentschieden.  —  Basile  5, 
nr.  7  (Benfey  3,  115),  der  in  Einzelheiten  sich  den  orientalischen 
Fassungen  nähert,  berichtet  von  fünf  Brüdern,  einem  Diebe,  Schiff- 
bauer, Bogenschützen,  einem,  der  ein  Tote  erweckendes  Kraut,  und 
einem,  der  die  Vogelsprache  kennt.  Der  Schütze  erlegt  den 
Drachen,  der  in  einer  Wolke  die  zu  Schiffe  Entrinnenden  verfolgt, 
der  Kräuterkundige  ruft  die  vor  Schrecken  tot  niedergesunkene 
Jungfrau  ins  Leben  zurück.  An  dem  Streite  der  Brüder  beteiligt 
sich  ihr  Vater,  dem  der  König  auffälligerweise  die  Prinzeß  zuspricht. 
Die  älteste  deutsche  Überlieferung  findet  sich  bei  E.  G. 
Happelius,  Der  ungarische  Kriegs-Roman  (Ulm  1685  S.  537 — 541. 
547 — 555)  als  portugiesische  Fabel.  Wie  in  der  paderbörnischen 
Fassung  Grimms  legen  die  drei  von  der  Wanderschaft  ins  väterliche 
Dorf  heimkehrenden  Bauernsöhne  vor  dem  Vater  und  dem  Edel- 
manne  eine  Probe  ab ;  der  Sternseher  errät,  daß  der  Rabe  auf  fünf 
Eiern  sitzt,  der  Dieb  holt  sie  unbemerkt  heraus,  der  Jäger  durch- 
schießt und  der  Tischler  flickt  sie.  Auf  Bitten  des  Edelmannes, 
der  seine  Tochter  aus  Geiz  einem  reichen  Unbekannten  zur  Frau 
gegeben  hatte  und  nun  Sehnsucht  nach  ihr  fühlt,  ermittelt  dann  der 
Sternseher,  daß  ein  böser  Geist  sie  auf  einer  200  Meilen  entfernten 
Insel  in  einer  tiefen  Kluft  gefangen  halte,  und  führt  ihn  und  seine 
Brüder  nach  langer  Seefahrt  zu  jenem  Abgrunde  hin.  Der  Dieb 
zieht  die  Tochter  an  einem  Seile  herauf,  ohne  daß  der  in  ihrem 
Schöße  schlafende  Dämon  erwacht.  Wie  sie  aber  auf  dem  Meere 
sind,  kommt  jener  nachgeflogen  und  stürzt  mit  solcher  Gewalt  auf 
das  Schiff,  daß  die  Planken  brechen.  Da  erschießt  ihn  der  Jäger 
und  bessert  das  Leck  aus.  Als  alle  drei  Brüder  auf  das  Mädchen 
Anspruch  erheben,  weist  es  den  Dieb  zurück;  die  beiden  andern 
würfeln,  und  der  Sternseher  gewinnt.  Einen  zum  Vorhergehenden 
nicht. passenden  tragischen  Schluß  hat  wohl  erst  der  moralisierende 
Autor  hinzugefügt.  —  Bei  Lothar  1820  S.  13  'Mantel,  Spiegel  und 
Fläschchen'  besitzen  die  drei  Brüder  nicht  Kunstfertigkeiten,  sondern 
Zaubergegenstände,  die  sie  der  schönen  Königstochter  vergeblich 
als  Brautgaben  anbieten;  als  sie  aber  plötzlich  stirbt,  siehts  der  eine 
im  Spiegel,  der  andre  fährt  auf  dem  Wunschmantel  zu  ihr,  und  der 
dritte  erweckt  sie  mit  seinem  Lebensbalsam  und  wird  ihr  Gatte. 
Offenbar    hat    auf    dies    wie    auf    das    schlesische    Märchen    bei 


48  129.    Die  vier  kunstreichen  Brüder. 

Peter  2,  151  'Der  König  und  seine  drei  Söhne'  (Teppich,  Fernrohr, 
Apfel)  die  Geschichte  'Pari  Banou'  der  1001  Nacht  (Chauvin  6,  133) 
eingewirkt.  Westfälisch:  Von  den  vier  Brüdern  (Zs.  f.  dt. 
Mythol.  1,  338.  Allwirzer,  Küfer).  —  VI ä misch:  Joos  1,  164  nr.  93 
'Van  drij  Broeders'  (Teppich,  Brille,  Apfel  retten  die  Jungfrau  vom 
Tode)  und  1,  174  nr.  96  'Van  vier  Broeders'  (wie  Grimm).  De  Mont 
en  de  Cock,  Rond  den  Heerd  S.  26  =  Vertelsels  S.  55  'Van  drie 
Gebroeders'  (Brille,  Tischtuch,  Apfel;  dazu  die  drei  Handwerks- 
burschen, oben  nr.  120,  und  ein  Polyphemabenteuer).  —  Dänisch: 
Skattegraveren  2,  131  'Mestertyven'  (Zimmermann,  Jäger,  Dieb 
holen  die  vom  Troll  entführte  Königstochter;  dazu  Meisterdiebs- 
streiche, vgl.  unten  nr.  192).  Grundtvig,  G.  d.  Minder  2,  27  nr.  6 
'Mester  Flik'  (ebenso  vier  Brüder,  ein  Denker,  Meisterdieb,  Schütz 
und  Flicker).  Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  3,  129  nr.  27  'De  fire 
Slags  Haandvasrk'  (Arzt,  Denker,  Dieb,  Jäger  retten  drei  geraubte 
Königstöchter ;  vorher  der  gelernte  Jäger,  oben  2,  504  und  die  Probe  des 
Eierdiebstahls).  Grundtvig,  Folkeseventyr  1876  nr.  17  (Register  nr.  9) 
=  Leo  1,  110  'Das  Siebengestirn'  (Schiffsbaumeister,  Steuermann, 
Horcher,  Jäger,  Kletterer,  Meisterdieb  streiten  um  die  gerettete 
Prinzeß  und  werden  mit  ihr  zu  Sternen,  wie  im  serbischen  Märchen).  — 
Schwedisch:  ein  Volksbuch  'Wännerna:  Räkenmästaren,  Snickaren, 
Mälaren,  Läkaren,  Smeden  och  Ingenting;  eller  genom  döden  fingo 
de  älskande  hwarandra'  (Stockholm  1824  u.  ö.  Bäckström,  Folk- 
böcker  3,  144.  Wohl  nach  dem  Siddhi-Kür).  —  Isländisch: 
Arnason  2,  471  =  Poestion  S.  285  'Wachtgut  und  seine  Brüder' 
(Hältgut,  Hautgut,  Spürtgut,  Klettertgut  befreien  fünf  Königstöchter); 
Rittershaus  S.  177  nr.  42  'Die  kunstreichen  Brüder'  (der  Guthauende, 
-wachende,  -singende,  -kletternde,  -spürende,  -schlafende).  Arnason 
2,  367  =  Poestion  S.  104  'Die  drei  Königssöhne'  —  Rittershaus 
S.  182  nr.  43  'Die  drei  Freier  um  eine  Braut'  (Streit  um  die  durch 
Fernrohr,  Flugmantel  und  Lebensapfel  Gerettete;  der  zweite  Teil 
ist  mit  unsrer  nr.  63  'Die  drei  Federn'  verwandt).  —  Bretonisch: 
Luzel  3,  312  'Les  six  freres  paresseux'  (Kletterer,  Schiff sbauer, 
Flicker,  Jäger,  Geiger,  Rätselrater  retten  die  vom  Drachen  entführte 
Prinzeß  und  beleben  die  Ertrunkene;  ihr  Streit  bleibt  unentschieden). 
Sebillot,  Contes  1,  53  nr.  8  'Les  quatre  fils  du  meunier1  (Schneider, 
Jäger,  Dieb,  Sternkundiger  retten  die  vom  Drachen  Geraubte. 
Eierdiebstahlsprobe).  —  Italienisch:  Schneller  nr.  14  'Die  drei 
Liebhaber'  (Spiegel,  Sessel,  Apfel)  und  nr.  31  'Die  Frau  des  Teufels' 


129.    Die  vier  kunstreichen  Brüder.  49 

(Scharfsehender,  Horcher,  Starker,  Schleicher).  Widter-Wolf  nr.  6  'Die 
vier  kunstreichen  Brüder'  (Jahrb.  f.  roman.  Lit.  7,  30;  B.  Köhler  1,  298. 
Tischler,  Jäger,  Dieb,  Zauberer.  Eierdiebstahl  als  Probe).  Coronedi- 
Berti  1883  nr.  12  'La  fola  dla  tor  d'Fedelcina'  (Fernglas,  Wagen, 
Lebensapfel).  Comparetti  nr.  19  'Itre  ragazzi'  (vermischt  mit  dem 
Erdmänneken,  oben  nr.  91).  Nerucci  nr.  40  'I  tre  regali  o  la  novella 
Je'  tappeti'  (Teppich,  Fernglas,  Traube).  Pitre,  Nov.  toscane  nr.  10 
'II  negromante'  (Horcher,  Wasserspeier,  Dieb,  Kletterer,  Flicker, 
Jäger,  Baumeister;  die  Verfolgung  ist  wie  im  Maasebuch  ausgemalt). 
Gonzenbach  nr.  45  'Von  den  sieben  Brüdern,  die  Zaubergaben 
hatten'  (Läufer,  Horcher,  Starker,  Dieb,  Baumeister,  Schütz,  Gitarren- 
spieler. Der  jüngste  Bruder  heiratet  die  Prinzeß).  Pitre,  Fiabe 
sicil.  1,  196  'II  mago  Tartagna'  und  1,  197  'I  sette  fratelli'.  — 
Katalanisch:  Maspons  1,39  'Los  tres  germans'.  —  Griechisch: 
Hahn  1,  263  nr.  47  'Von  den  drei  um  die  Braut  streitenden 
Brüdern'  (Fernrohr,  Teppich,  Apfelsine.  Der  König  heiratet  selber 
das  Mädchen).  AsXxiov  1,  296  '0  %qiGY,a%äqa%oc,  =  Garnett  2,  99. — 
Albanesisch:  Dozonp.  27nr.4'Lepou'  (die  vom  Teufel  entführte  Prin- 
zessin wird  durch  sieben  Brüder  befreit ;  der  1.  horcht,  der  2.  öffnet  die 
Erde,  der  3.  Dieb,  der  4.  wirft  einen  Schuh  bis  ans  Ende  der  Welt, 
der  5.  errichtet  einen  Turm,  der  6.  schießt,  der  7.  fängt  alles  auf),  vgl. 
Clouston  1,279. —  Serbokroatisch:  Stefanovicnr.13  =  OstojicS.  103 
=  Jagic  nr.  46  'Abermals  die  Plejaden'  (Archiv  für  slav.  Phil.  5,  36 ; 
vgl.  B.  Köhler  1,  438).  M.  Stojanovic  S.  230  nr.  59  =  Krauß  1, 
120  nr.  32  'Das  Siebengestirn'  und  1,  124  nr.  33  'Die  Glucke'.  Krauß, 
Tausend  Sagen  1,  196  nr.  63  'Drei  Liebhaber  beleben  ihre  verstorbene 
Liebste  wieder'.  Bos.  nar.  prip.  1,  36  =  Leskien  S.  308  nr.  66  'Der 
Kaiser,  seine  Tochter  und  ihre  drei  Freier'  (Teppich,  Fernrohr,  Salbe ; 
keiner  der  drei  Grafen  erhält  die  Tochter).  —  Bulgarisch:  Sbornik 
min.  11,  3,  138  (acht  Brüder  befreien  die  vom  Teufel  entführte 
Prinzessin;  der  1.  entdeckt  die  Spur,  der  2.  horcht,  der  3.  öffnet 
den  Stein,  der  4.  wirft,  der  5.  stiehlt,  der  6.  errichtet  ein  Haus,  der 
7.  schießt,  der  8.  fängt  alles  auf).  5,  3,  149  (sechs  Brüder;  der  1. 
baut  einen  durch  die  Luft  fahrenden  Wagen,  der  2.  Horcher,  der  3. 
Dieb,  der  4.  drückt  Wasser  aus  dem  Mühlstein,  der  5.  baut  einen 
Turm,  der  6.  Schütz).  16—17,  3,  280  nr.  3  =  Leskien  S.  84  nr.  20 
(sechs  Brüder;  der  1.  trinkt  das  Meer  aus,  der  2.  trägt  Lasten,  der 
3.  baut  einen  Turm,  der  4.  Schütz,  der  5.  belebt  mit  dem  Hauch, 
der  6.  horcht).     Period.  Spisanie  35,    762  (sechs  Brüder;   der  6.,  der 

Grimm.  Märchen -Anmerkungen  III.  4 


50  129.    Die  vier  kunstreichen  Brüder. 

ein  vom  Himmel  fallendes  Glas  Wein  auffängt,  wird  Gatte  der 
Prinzessin).  —  Cechisch:  Radostov  2,  3  =  3.  Aufl.  S.  497  nr.  54 
=  Waldau  S.  77  'Das  weise  Urteil'  (Wagen,  Spiegel,  Äpfel)  =  Naake 
p.  194.  Kulda  2,  233  nr.  123  =  Erben,  Öitanka  S.  39  =  Wenzig 
S.  140  'Die  vier  Brüder'  (Flicker,  Hadernsammler,  Sterngucker, 
Jäger;  ihren  Streit  entscheidet  die  Prinzessin).  Slavie  1878  S.  33 
nr.  9  'Die  vier  Brüder'  (Zimmermann,  Jäger,  Leimsieder,  Dieb).  — 
Slovakisch:  Cod.  div.  auct.  A.  S.  91  nr.  31  =  Dobsinsky  3,  6 
(Wahrsager,  Drechsler,  Schütz,  Dieb).  Dobsinsky  4,  26  (der  erste 
sieht  alles,  der  2.  baut  eine  Mauer,  der  3.  schießt  den  Drachen). 
Czambel  S.  344  §  178  (Einschläferer,  Finder,  Träger;  dazu  Ver- 
räterei der  älteren  Brüder  wie  oben  2,  301  DE).  —  Polnisch: 
Malinowski  2,  43  (Dieb,  Jäger,  Micker  des  zerschossenen  Eis,  Viel- 
wisser ;  die  Prinzessin  wählt  den  Dieb).  Zbiör  wiadom.  5,  238  nr.  42 
(Dieb,  Jäger,  Zauberer;  dann  Erzählung  vom  Meisterdieb).  — 
Kaschu bisch:  Lorentz,  Teksty  S.  230  nr.  308  (Dieb,  Sternseher, 
Förster,  Schneider).  S.  353  nr.  459.  S.  498  nr.  637.  S.  542  nr.  674. 
S.  558  nr.  688.  S.  496  nr.  634  (Sterngucker,  Schütz,  Dieb).  —Weiß- 
russisch: Romanov  6,  91  nr.  10  (Schütz,  Schiffbauer,  Winzer, 
Horcher,  der  fünfte  vermag  alles  herbeizuschaffen,  Dieb,  Seher).  6, 
101  nr.  11  (Schiffbauer,  Steuermann,  Schmied,  Schütz,  der  fünfte 
holt  die  erlegten  Vögel,  der  6.  späht  von  der  geschmiedeten  Säule, 
Dieb;  sie  holen  die  ferne  Schöne  für  den  König).  —  Großrussisch: 
1786  und  1819  in  der  'Arznei  gegen  Schwermut  und  Schlaflosigkeit' 
gedruckt,  dann  auch  als  Volksbuch  erschienen.  Abgedruckt  bei 
Sacharov  S.  174;  überarbeitet  von  N.  Polevoj,  vgl.  Rovinskij  4,  178. 
Den  ältesten  Text  wiederholt  Afanasjev3  1,  192  =  Dietrich  S.  30 
'Von  den  sieben  Simeonen,  den  leiblichen  Brüdern'  (Schmied, 
Kletterer,  Schiffbauer,  Taucher,  Schütz,  Springer,  Dieb  holen  die 
schöne  Helena  für  den  Zaren).  Goldschmidt  S.  169  'Von  den  sieben 
Brüdern'.  Aus  dem  Gouv.  Perm  bei  Afanasjev  1,  188  nr.  84a  (Dieb, 
Schmied,  Schütz,  Vogelholer,  Seher,  Schiffbauer,  Arzt  wollen  die 
Jungfrau  für  den  Zaren  gewinnen,  diese  erwählt  aber  den  Dieb). 
Aus  dem  Gouv.  Twer  ebd.  1,  189  nr.  84b  (der  1.  schmiedet  eine 
20  Klafter  hohe  Säule,  der  zweite  stellt  sie  auf,  der  3.  steigt  hinauf 
und  hält  Umschau,  Schiffbauer,  Kaufmann,  Dieb ;  sie  holen  die 
Schöne  für  den  Zaren).  Aus  dem  Gouv.  Kursk  ebd.  1,  191  nr.  84c 
(Schmied,  Späher,  Schiffbauer,  Steuermann,  Taucher,  Heraufholer, 
Dieb).     Das    von    Afanasjev    als    Variante    angeführte   Märchen    bei 


129.    Die  vier  kunstreichen  Brüder.  51 

Chudjakov  1,  100  nr.  24  behandelt  einen  andern  Stoff.  —  Finnisch: 
Aarne  nr.  653.  —  Ungarisch:  Erdelyi  2,  362  =  Stier  1850  S.  61 
nr.  9  'Drei  kostbare  Dinge'  (Fernrohr,  Mantel,  Pomeranze).  Nyelvör 
4,  422.  Berze  Nagy  nr.  75  'Die  vier  Brüder'  (nach  Grimm ;  vgl.  Rona 
in  der  Festschrift  für  G.  Heinrich  1912  S.  374).  —  Zigeunerisch: 
Wlislocki,  Volksdichtungen  S.  310  'Die  vier  bösen  Brüder'  (Spiegel, 
Salbe,  Tuch).  Zs.  f.  dt.  Philologie  22,  113  'Die  drei  klugen  Brüder' 
(Läufer,  Scharfsichtiger,  Schütz  erringen  drei  Prinzessinnen).  Groome, 
nr.  13  'The  watchmaker'  (Spiegel,  Mantel,  Apfel).  —  Hebräisch: 
Maase-Buch  (Rödelheim  1753)  Bl.  81a;  vgl.  R.  Köhler  1,  299,  Grün- 
baum, Jüdischdeutsche  Chrestomathie  1882  S.  446  und  Tendlau, 
Fellmeiers  Abende  1856  S.  16  'Die  sieben  Künste'  (die  sieben 
Brüder  befreien  durch  ihre  Brille,  Geige,  Gewandtheit  der  Hand, 
Sack,  Rute,  Flinte  und  Geschicklichkeit  im  Werfen  die  entführte 
Königstochter,  obwohl  sie  der  verfolgende  Zauberer  in  Vogelgestalt 
nochmals,  wie  in  Pitres  toskanischer  Fassung  und  bei  Misotakis 
fortträgt). 

Unter  den  außereuropäischen  Fassungen  stellen  wir  die  in- 
dische als  die  ursprünglichste  voran.  In  der  Vetälapancavincati  er- 
zählt das  Totengespenst,  um  den  König  zum  Bruche  des  Schweigens 
zu  bringen,  als  5.  Geschichte  die  von  den  drei  Freiern1).  Die  schöne 
Mahädevi  will  nur  einen  Mann  heiraten,  der  eine  unübertreffliche 
Gabe  besitzt.  Ein  Brahmane,  der  einen  durch  die  Luft  fahrenden 
Zauberwagen  hat,  wirbt  bei  dem  Vater  um  sie ;  ein  andrer,  der  die 
Kunst  zu  erkennen  versteht,  bei  dem  Bruder;  ein  ausgezeichneter 
Bogenschütze  bei  der  Mutter.  Die  drei  Freier  erhalten  jedesmal 
eine  Zusage  und  geraten,  als  sie  zusammentreffen,  in  Streit.  Da 
entführt  nachts  ein  böser  Geist  das  Mädchen.  Nun  können  die 
Freier  ihre  Künste  erweisen ;  der  Wissende  gibt  den  Berg  an,  wo 
der  Drache  die  Geraubte  verbirgt,  der  Besitzer  des  Wagens  stellt 
diesen  zur  Verfügung,  der  Schütz  tötet  den  Räuber  und  bringt  die 
Jungfrau  zurück.  Nun  beginnt  der  Streit  um  sie  von  neuem:  wer 
von  den  dreien  soll  sie  erhalten?    —    In  der  vielfach  abweichenden 


l)  Deutsch  von  Benfey,  Kl.  Schriften  3,  96;  in  Somadevas 
Kathäsaritsägara  transl.  by  Tawney  2,  258  eh.  79  =  F.  v.  d.  Leyen, 
Indische  Märchen  S.  49  (vgl.  Archiv  f.  n.  Sprachen  115,  13).  Jüngere 
Fassungen  bei  Oesterley,  Baitäl  Pachisi  1873  nr.  5  'Die  geschickten  Be- 
werber' mit  Anm.  und  v.  d.  Leyen  S.  142.  —  Über  die  Erweckung  der 
scheintoten  Frau  vgl.  Bolte,  Z.  f.  Vk.  20,  378. 

4* 


52  129.    Die  vier  kunstreichen  Brüder. 

mongolischen  Bearbeitung,  dem  Siddhi-Kür  (Jülg,  Kalmükische 
Märchen  1866  S.  5  nr.  1  ;  vorher  Bergmann,  Nomadische  Streifereien 
1,  257.  1804  =  Benfey  3,  99),  pflanzen  sechs  Wandergenossen,  ein 
begüterter  Jüngling,  ein  Arzt,  Maler,  Rechenmeister,  Holzkünstler 
und  Schmied,  bei  ihrer  Trennung  Lebensbäume,  um  daraus  später 
das  Schicksal  der  einzelnen  zu  erfahren.  Der  erste  heiratet  eine 
schöne  Jungfrau,  wird  aber  vom  Chan,  der  sie  besitzen  möchte,  um- 
gebracht. Als  die  Genossen  seinen  Baum  verdorrt  finden,  erwecken 
der  Rechner,  Schmied  und  Arzt  den  Jüngling  wieder;  und  der 
Schreiner  und  Maler  verfertigen  einen  Wundervogel,  in  dem  jener 
zum  Palaste  fliegen  und  seine  Gattin  holen  kann.  Sie  geraten  aber 
in  Streit  und  zerstückeln  die  Frau.  —  Weniger  verändert  sind  die 
neueren  indischen  Fassungen  bei  Dracott  p.  101  'Three  wise  men 
and  the  king's  daughter'  und  Parker  2,  378  nr.  74  'The  three 
suitors',  die  hinterindischen  bei  Aymonier  1878  p.  44  (Sternseher, 
Schütz,  Taucher,  Totenerwecker)  und  p.  45  (drei  Freier  der  toten 
Mandarati,  vgl.  Vetala  2,  Tawney  2,  242  und  v.  d.  Leyen,  Ind. 
Märchen  S.  27.  130),  Ledere,  Cambodge  1895  p.  161  'L'etudiant 
Tissab-Moc'  (Sternseher,  Schütz,  Taucher,  Totenerwecker)  und  p.  170 
'Neang  Montea-Vatdey'  (drei  Freier  erwecken  die  Tote)  und  die 
malaiische  bei  Bezemer  1904  S.  257  'Die  drei  Prinzen'  (Zimmer- 
mann, Schmied,  Blasrohrmacher);  doch  ist  die  Frage  am  Schlüsse 
und  die  einrahmende  Erzählung  fortgefallen.  Hindustanis ch  nach 
Kadiris  Papageimärchen:  G.  Small,  The  Tota-Kahäni  1875  p.  137 
nr.  22  (Wissender,  Schreiner,  Schütz).  Eine  Anspielung  in 
einem  japanischen  Romane  bei  Clouston,  Populär  tales  2,  284. 
Aus  Beludschistan  in  Folk-lore  4,  205  nr.  12  'The  three  wonder- 
ful  gifts'  (Lebenswasser,  fliegendes  Bett,  Zauberspiegel).  —  Persisch 
in  Nachschabis  Tuti-nameh  nr.  35  (Pertsch,  Zs.  der  dt.  morgenld. 
Ges.  21,  538.  Clouston  1,  282),  bei  Qadiri  nr.  22  (Iken,  Touti 
Nameh  1822  S.  93  'Der  Kaufmann,  dessen  Tochter  ver- 
schwunden war'.  Wissender,  Schreiner,  Schütz).  Lescallier,  Le 
tröne  enchante  1817  1,  177.  Sindibad  Näma  bei  Clouston  1,  283. 
Gaudefroy-Demombynes,  101  nuits  p.  144  nr.  11.  —  Türkisch:  Tuti 
JSTameh  übers,  von  Rosen  2,  165  'Geschichte  der  schönen  Zohra'. 
Sendabad  bei  Decourdemanche,  Revue  des  trad.  pop.  14,  411  'La 
fille  du  roi  de  Cachemire,  Tafrite  et  les  quatre  freres'  (Aufspürer, 
Krieger,  Weiser,  Arzt);  vgl.  Clouston,  The  book  of  Sindibad  1884 
p.  106.  271  und  Chauvin  8,  76.  —    Syrisch:  Revue  des  trad.  pop. 


129.    Die  vier  kunstreichen  Brüder.  53 

23,  329  'Les  trois  freres'  (Sternseher,  Arzt,  Techniker).  —  Mada- 
gassisch: Revue  des  cours  litteraires  de  la  France  1865,  210  = 
Giovanni  da  Prato  ed.  Wesselofsky  1,  2,  287  =  Heidelberger  Jahr- 
bücher 1870,  668  (Scharfsichtiger,  Starker,  Arzt).  —  Afrikanisch: 
Beinisch,  Saho-sprache  1,  50  (1889).  Veiten,  Märchen  der  Suaheli 
S.  71  'Die  Geliebte  der  drei  Brüder'  (Fläschchen,  Spiegel,  Matte). 
Junod,  Ba-Bonga  p.  304  'Les  trois  vaisseaux'  (Korb,  Spiegel, 
Lebenspulver).  Schönhärl,  Togo  S.  122  'Über  Eltern  und  ihre  vier 
Kinder'  (Dieb,  Jäger,  Flicker  holen  die  vom  Begenbogen  entführte 
Schwester  zu  Schiff  ab  und  erschießen  den  Verfolger);  vgl.  die 
S.  111  erzählte  Bettung  eines  vom  Baubvogel  fortgetragenen  Knaben. 
Die  von  W.  Grimm  angezogene  Erzählung  bei  Kölle  p.  145  nr.  4 
betrifft  nur  die  verschiedenen  Berufe,  die  sechs  Brüder  erwählen, 
aber  nicht  die  Werbung  um  eine  Frau1). 

Dagegen  ist  in  Indien  noch  eine  verwandte  Erzählung  ent- 
standen, die  statt  der  Befreiung  einer  geraubten  Prinzessin  oder  der 
Wiederbelebung  einer  im  Sterben  liegenden  die  Erschaffung 
eines  Mädchens  durch  drei  oder  vier  kunstreiche  Gesellen2)  schildert 
und  gleichfalls  von  einer  sinnvollen  Bahmengeschichte  eingeschlossen 
ist:  eine  stumme  Königstochter  wird  durch  die  Geschichte  und  die 
am  Schlüsse  ausgesprochene  Frage  zum  Beden  gebracht3).  Im 
Vikramacaritam,  das  bisher  nur  aus  der  mongolischen  Nach- 
bildung im  Ardschi  Bordschi  (Jülg,  Mongolische  Märchen  1868  S.  101 
'Die  hölzerne  Frau';  vgl.  v.  d.  Leyen,  Ind.  Märchen  S.  145  und 
Benfey,  Pantschatantra  1,  489)  bekannt  ist,  weiden  vier  Hirten  ihre 
Herden  zusammen  auf  derselben  Wiese.     Als    einst    der  eine  früher 


*)  Ein  Gegenstück  liefert  ein  Haussa-Märchen  bei  Landeroin-Tilho 
p.  241  'Les  deux  jeunes  hommes  et  les  quatre  jeunes  filles'.  Hier  fragt 
eine  Fee  drei  Mädchen,  welche  um  den  verstorbenen  Jüngling  trauern: 
'Wenn  ich  ihn  wieder  erwecke,  wird  er  uns  vieren  gehören  ?'  und  belebt 
ihn,  nachdem  jene  die  Frage  bejaht  haben.  Welche  aber,  schließt  der 
Erzähler,  wurde  dann  seine  Hauptfrau? 

2)  Die  Tätigkeit  des  griechischen  Bildhauers  Pygmalion  (Ovid, 
Met.  10,  243.  Wickram,  Werke  8,  295)  ist  hier  also  gespalten  und  auf 
mehrere  Meister  verteilt,  wie  bei  Kuhn-Schwartz  S.  324  (oben  S.  35) 
Corvettos  dreifache  Überlistung  des  Riesen  auf  drei  Soldaten  übertragen 
wird. 

3)  Dieser  Rahmen  hat  in  einem  neuaramäischen  Märchen  aus  Syrien 
bei  Bergsträsser  2,  18  nr.  6  einen  andern  Inhalt  empfangen.  Die  Prin- 
zessin wird  dadurch  zum  Reden  gereizt,  daß  der  Papagei  des  Jünglings 
sie  kahlköpfig  und  übelriechend  nennt.     Small,  Tota-Kahänl  p.  50  nr.  5. 


54  129.    Die  vier  kunstreichen  Brüder. 

als  seine  Gefährten  kommt,  schnitzt  er  zum  Zeichen  seiner  Anwesen- 
heit aus  Holz  eine  weibliche  Figur,  und  geht  wieder  fort.  Der 
zweite  bemalt  die  Figur  mit  gelber  Farbe  und  geht  auch  fort;  der 
dritte  verbessert  sie,  macht  sie  einem  Weibe  ähnlich;  der  vierte  be- 
seelt sie  und  begibt  sich  fort  wie  die  andern.  Als  dann  alle  zum 
gewohnten  Orte  zurückkehren  und  das  schöne  Weib  sehen,  geraten  sie 
in  heftigen  Streit  um  ihren  Besitz.  Wem  sie  gebühre,  fragt  König 
Vikramäditja  die  Göttertochter  Naran-Däkini,  um  sie  zum  Sprechen 
zu  bringen,  was  vorher  keiner  vermochte.  Auch  jetzt  schweigt  sie ; 
als  aber  die  in  Rosenkranz,  Altar,  Opferkrug  und  Lampe  ver- 
wandelten Gefährten  des  Königs  antworten,  sie  komme  dem  ersten 
zu,  ergreift  sie  aufgebracht  das  Wort :  'Der  die  Figur  zuerst  machte, 
ist  ihr  Vater,  der  sie  bemalte,  ihre  Mutter,  der  sie  verbesserte,  ihr  geist- 
licher Lehrer,  der  ihr  das  Leben  einhauchte,  ihr  Mann' x).  —  Weit- 
aus kunstvoller  ist  eine  siamesische  Märchensammlung  gestaltet,  die 
eine  Prinzessin  Kankras,  um  ihren  Vater  vom  Tode  zu  retten,  dem 
Könige  von  Pataliput  erzählt  (Bastian,  Geographische  und  ethno- 
logische Bilder  1873  S.  254—270  =  Globus  10,  151.  1866).  Vier- 
mal trägt  der  kluge  Held  der  stummen  Königstochter  Erzählungen 
vor,  die  mit  einer  Frage  enden,  auf  welche  sein  in  einen  Vorhang, 
eine  Lampe,  einen  Spucknapf  oder  das  Kopfkissen  gebannter  Milch- 
bruder möglichst  verkehrte  Antworten  gibt,  und  reizt  dadurch  vier- 
mal die  Prinzeß  zu  Erwiderungen.  Die  erste  Erzählung  handelt  von 
vier  Mädchen,  die  einen  gepfählten  Käuber  abnehmen  und  heilen ; 
die  zweite  von  der  hölzernen  Jungfrau  und  dem  Zimmermann, 
Zeichner,    Schnitzer    und    Beieber;    die    dritte    von    der    durch    den 


l)  Mit  Recht  erinnert  F.  v.  d.  Leyen  (Archiv  f.  neuere  Sprachen 
116,  4)  an  den  Bericht  der  Edda  von  der  Schöpfung  des  Menschen  durch 
verschiedene  Götter;  Mann  und  Frau  liegen  als  leblose  Baumstümpfe  da, 
Odin,  Loki  und  Hoenir  finden  sie,  Odin  gibt  Atem,  Hoenir  Seele,  Loki  Ge- 
sicht und  Farben  und  Glieder  (J.  Grimm,  Mythologie3  S.  537.  3,  161. 
V.  d.  Leyen,  Märchen  in  der  Edda  S.  11).  Der  Entscheidung  der  indi- 
schen Prinzessin  vergleichbar  istHygins  220.  Fabel:  Die  Sorge  bildet  aus 
Flußschlamm  einen  Menschen,  Jupiter  verleiht  ihm  Leben  (spiritum),  und 
nun  streiten  Jupiter,  Sorge  und  Erde,  wer  von  ihnen  dem  Menschen  den 
Namen  geben  solle.  Da  entscheidet  Saturn,  der  Mensch  solle  sein  ganzes 
Leben  hindurch  der  Sorge  gehören,  die  ihn  geschaffen  habe,  der  Körper 
gebühre  dem  Jupiter,  der  ihm  den  Geist  eingehaucht  habe,  sein  Name 
aber  solle  nach  der  Erde  (ex  humo)  Homo  lauten,  da  er  aus  ihr  ge- 
schaffen sei. 


129.    Die  vier  kunstreichen  Brüder.  55 

Sternseher,  Bogenschützen,  Taucher  und  Beieber  befreiten  Prinzessin; 
die  vierte  vom  Streite  der  vier  empfindlichen  Damen.  —  Persisch 
bei  Lescallier,  Le  tröne  enchante  p.  177;  vgl.  Archiv  f.  n.  Spr. 
116,  5.  Hier  erzählt  der  König  der  Lampe,  dem  Gürtel,  der  Gieß- 
kanne und  dem  Bettfuß  der  Prinzessin  1.  von  den  Freiern  mit 
wunderbaren  Eigenschaften,  2.  von  den  vertauschten  Köpfen,  3.  von 
der  belebten  Braut,  4.  von  der  hölzernen  Jungfrau  und  dem  Holz- 
schnitzer, Juwelier,  Weber  und  Mönch.  —  In  einem  ceylo- 
nesischen Märchen  (Steele,  Kusa  Jatakaya  1871  p.  247  'How  to 
restore  speech  to  a  dumb' ;  vgl.  Benfey,  Kl.  Sehr.  3,  232)  wird  die 
Jungfrau  von  vier  Reisegesellen,  einem  Zimmermann,  Maler,  Kauf- 
mann und  Juwelier,  geschaffen ;  als  die  Lampe,  in  die  der  Erzähler 
einen  seiner  Begleiter  verwandelt  hat,  töricht  antwortet,  erklärt  die 
Prinzessin,  das  Mädchen  gehöre  dem  Wirte,  aus  dessen  Holzblock 
es  geschnitzt  wurde.  —  Afghanisch  bei  Thorburn,  Bannü  1876 
p.  175  'The  silent  princess';  vgl.  Melusine  1,  178.  —  Tatarisch 
am  Kaukasus:  Sbornik  Kavkaz.  21,  2,  51  nr.  6  'Der  heilige  Fisch' 
(der  freigelassene  Fisch  begleitet  in  menschlicher  Gestalt  den  Fischer 
zur  schweigenden  Prinzessin  und  erzählt  dem  Papagei  von  der 
Heilung  einer  Jungfrau  durch  einen  Späher,  Flieger  und  Arzt,  so- 
dann von  der  geschnitzten,  bekleideten  und  belebten  Figur).  Ebd. 
21,  2,  57  nr.  7  'Der  goldene  Fisch'  (nur  die  zweite  Erzählung).  In 
den  Anmerkungen  S.  16  wird  noch  eine  tatarische  Version  (Sbornik 
von  Berichten  über  die  kaukasischen  Bergvölker  4,  31),  eine 
mingrelische  (Sbornik  Kavkaz.  9,  2,  75)  und  eine  turkmenische  (ebd. 
10,  2,  326)  angeführt.  —  Grusinisch  ebd.  19,  2,  119  nr.  6  (ein  von 
der  unkeuschen  Königin  verleumdeter  Diener  läßt  vor  der  Prinzessin 
durch  einen  Ball  und  zwei  Leuchter,  die  aus  seiner  Tabaksdose 
springen,  drei  Geschichten  erzählen:  1.  eine  Frau  setzt  die  Köpfe 
ihres  von  Räubern  enthaupteten  Mannes  und  seines  Gastes  verkehrt 
auf;  2.  die  belebte  Holzfigur;  3.  die  zu  teilende  Belohnung  für  die 
Heilung  eines  Prinzen).  —  Aus  dem  Kaukasus  bei  Hse  Frapan, 
Die  Liebesbrücke  (Deutsche  Rundschau  25,  4,  448.  1899.  Der  Erzähler 
der  Geschichte  von  der  hölzernen  Frau  und  dem  Zimmermann, 
Schneider  und  Priester  will  durch  die  Frage  an  die  Feuerzange  die 
stumme  Fatima  zum  Reden  bringen).  —  Syrisch:  Revue  des  trad. 
pop.  23,  331  'Les  trois  amis'  (Schreiner,  Schneider,  Priester).  — 
Arabisch:  Schleicher,  Somali-Texte  1900  S.  38  nr.  18  'Der 
schlimme      Brautvater'      (Holzschnitzer,      Schneider,      Beter).       Aus 


56  129.    Die  vier  kunstreichen  Brüder. 

Marokko:  Revue  des  trad.  pop.  27,  97  'La  princesse  siiencieuse' 
(Holzschnitzer,  Schmied,  Schneider,  Spezereikrämer,  Priester).  — 
Türkisch:  Künos,  Stambul  S.  54  'Die  schweigende  Sultanstochter' 
(drei  Geschichten  erzählt  der  Prinz  der  von  ihm  mitgebrachten 
Nachtigall:  1.  Rettung  der  sterbenden  Jungfrau  durch  Sterndeuter, 
Arzt  und  Schnelläufer;  2.  die  drei  geäfften  Liebhaber  wie  bei 
Boccaccio,  Dec.  9,  1  und  H.  Sachs,  Schwanke  3,  252;  3.  Streit  des 
Zimmermanns,    Schneiders    und    Softas    um   die    hölzerne    Jungfrau). 

—  Auch  in  dem  griechischen  Märchen  'Das  goldene  Kästchen' 
(Pio  p.  93  =  Misotakis  S.  42  =  Geldart  p.  106)  bringt  der  Jüngling 
durch  drei  von  seinem  Zauberkästchen  erzählte  Geschichten  die 
Prinzeß  zum  Reden:  1.  die  Rettung  der  Sterbenden,  2.  die  Er- 
schaffung der  hölzernen  Jungfrau,  3.  Befreiung  der  vom  Zauberer 
entführten  Königstochter  durch  sieben  Brüder,  einen  Horcher, 
Starkhändigen,  Dieb,  Träger,  Turmbauer,  Schützen  und  Fänger. 
Bei  Pio  p.  230  =  Garnett  2,  338  antwortet  die  Prinzessin,  als  der 
Zauberstab  dreimal  geredet  hat,  worauf  der  Jüngling  über- 
flüssigerweise    die     Erschaffung     der     hölzernen    Jungfrau     erzählt. 

—  Bulgarisch  aus  Mazedonien:  Sbornik  min.  6,  3,  168 
nr.  2  (auf  die  drei  an  verschiedenen  Abenden  erzählten  Geschichten 
antwortet  die  jedesmal  anderswo  versteckte  Puppe).  —  Großrussisch 
aus  Sibirien :  Zapiski  Krasnojarsk.  2, 136  nr.  32  (der  Jüngling  erzählt 
dreimal  von  dem  durch  Zimmermann,  Drechsler,  Schneider  und 
Schuster  geschaffenen  Mädchen,  und  sein  Vogel  antwortet  aus  dem 
Kasten,  dem  Lampenfuß  und  dem  Kleide  der  Prinzessin).  —  Böh- 
misch: Nemcova  3,  49  nr.  35  =  Benfey,  Pantschatantra  1,491  'Der 
kluge  Goldschmied'    =    Naake  p.  243  (dreimal  dieselbe  Geschichte). 

—  Deutsch  ganz  knapp  bei  Wisser,  Plattdt.  Vm.  S.  99  'De  Fisch- 
prinzessin un  de  Snider'. 

Eine  andre  Umrahmung  hat  die  Geschichte  von  der  hölzernen 
Jungfrau  in  einem  siebenbürgischen  Märchen  bei  Haltrich4  nr.  42 
empfangen;  hier  wetten  Verstand  und  Glück  miteinander,  wer  von 
beiden  größeren  Einfluß  auf  das  Schicksal  der  Menschen  habe ;  der 
Verstand  ermöglicht  dem  Helden,  die  stumme  Prinzessin  zum  Reden 
zu  bringen,  aber  ohne  das  Glück  wäre  dieser  doch  an  den  Galgen 
gehängt  worden.  Ebenso  pommerisch  bei  Jahn  1,  83  nr.  15  'Glück 
und  Verstand'  —  Dähnhardt,  Märchenbuch  2,  1;  dänisch  bei 
Grundtvig  1884  p.  136  'Lykken  og  Forstanden' ;  cechisch  bei 
Krolmus  1,  593  =  Erben,  Slov.  cit.  S.  19  =  Erben,  Ceske  pohadky 


129.    Die  vier  kunstreichen  Brüder.  57 

S.  75  (der  Arzt  trägt  die  mit  dem  Holzschnitzer  und  Schneider  er- 
lebte Geschichte  dem  Hunde  der  Prinzessin  vor). 

Die  Rahmenerzählung  fehlt  in  dem  persischen  Tutinameh 
Nachschabis  nr.  6  (Clouston,  Flowers  from  a  persian  garden  1894 
p.  130),  bei  Qadiri  nr.  5  (Iken  1822  S.  37),  in  der  malaiischen  Be- 
arbeitung nr.  6  (Brandes,  Tijdschrift  voor  indische  Taalkunde  41, 
458.  Bezemer  1903  p.  223  'Het  levende  beeld')  sowie  in  der  türki- 
sch en  bei  Bösen  1,  151  'Geschichte  der  hölzernen  Jungfrau  und  ihrer 
Liebhaber'.  Als  schließlich  Zimmermann,  Goldschmied,  Schneider  und 
Mönch  ihren  Handel  vor  Gericht  bringen  und  ein  Gottesurteil  an- 
rufen, klafft  der  Baum,  an  dem  das  Mädchen  lehnt,  auseinander  und 
nimmt  es  in  sich  auf.  —  Indisch  bei  F.  Hahn,  Kols  1906  nr.  13 
'Wessen  Frau  ist  sie?'  Hinterindisch  bei  Aymonier  p.  45 
(Zimmermann,  Schnitzer,  Maler,  Zauberer)  und  Leclere  1895  p.  166 
'La  statue  vivifiee'  (Zimmermann,  Bildhauer,  Zauberer,  Totenerwecker). 

—  Beludschisch:  Folklore  3,  524  nr.  6  'The  four  men  who  made 
the  figure  of  a  woman'  (Zimmermann,  Schneider,  Goldschmied,  Beter). 

—  Tatarisch  bei  Radioff  4,357  'Die  drei  Gefährten'  (Zimmermann, 
Maler,  Derwisch.  Jungfrau  wieder  zu  Holz)  und  6,  252  'Die 
Künstler'  (Zimmermann,  Schneider,  Goldschmied,  Beter.  Schluß 
ebenso).  —  Syrisch:  Revue  des  trad.  pop.  23,  331  'Les  trois  amis' 
(Tischler,  Schneider,  Priester).  —  Arabisch:  ebd.  15,  114  'Le 
menuisier,  le  commercant  et  le  t'aleb'.  Socin,  Divan  aus  Central- 
arabien  1901  2,  126  nr.  107  (Abh.  der  sächs.  Ges.  d.  W.  44.  Tischler, 
Schneider,  Goldschmied,  Priester).  —  Afrikanisch:  Veiten,  Suaheli 
S.  234  'Der  Zimmermann  und  das  Amulett'  (zweimal  wird  die  Holz- 
frau entführt ;  ihr  Mann  bringt  die  Verstummte  durch  Erzählen  ihrer 
Geschichte  zum  Reden  und  verlangt  das  zweitemal  durch  einen  Vogel 
ihr  Amulett  zurück;  wie  sie  es  ablegt,  wird  sie  wieder  zum  Baum). 

Noch  ist  die  Probe  zu  beachten,  die  bei  Grimm,  Happelius  und 
in  andern  Fassungen  unseres  Märchens  der  Vater  den  vier  Söhnen 
mit  dem  Auskundschaften,  Stehlen,  Durchschießen  und  Flicken  der 
Vogeleier  auferlegt.  So  stiehlt  im  Fablei  von  Barat  und  Haimet 
(Montaiglon-Raynaud,  Recueil  des  fabliaux  4,  93  nr.  97 ;  vgl.  Ulrich, 
Romanische  Schelmennovellen  1905  S.  56  und  R.  Köhler  2,  593  über 
Voss  und  Hebel ;  dazu  unten  zu  nr.  192)  ein  Schelm  einer  brütenden 
Elster  unvermerkt  die  Eier  aus  dem  Nest  und  legt  sie  ihr  wieder 
unter.  Von  dem  Meisterdiebe  Elbegast  erzählt  der  jüngere  Titurel 
(Str.  4105  ed.  Hahn  1842).  daß  er  'stelende  was  den  vögeln  eyer  üz 


58  129  a.    Der  Löwe  und  der  Frosch. 

der  brüete'.  0.  Melander,  Joci  atque  seria  1603  nr.  2  'De  Germano 
quodam  et  Hispano'.  Ebenso  Sebillot,  Contes  1,  57  'Les  quatre  fils  du 
meunier'.  Russisch:  Afanasjev1  5,  nr.  6 'Klimka'.  Zigeunerisch:  Groome 
p.  41  nr.  11  'The  two  thieves'.  Kalmükisch:  Eamstedt  1,3  nr.  3  = 
Revue  des  trad.  pop.  27,  323.  Syrisch:  Prym-Socin  S.  170  nr.  42. 
Lidzbarski  S.  242.  Indisch  :  Knowles  p.  110  mit  Anm.  Madagassisch: 
Renel  2,  118.  Arabisch:  Socin-Stumme,  Houwära  nr.  9  (Abh.  der 
sächs.  Ges.  36,  107).     Kabylisch:  Riviere  p.  13  'Les  deux  freres'. 


129  a.   Der  Löwe  und  der  Frosch. 

(1815  nr.  43.) 

Es  war  ein  König  und  eine  Königin,  die  hatten  einen  Sohn  und 
eine  Tochter,  die  hatten  sich  herzlich  lieb.  Der  Prinz  ging  oft  auf  die 
Jagd  und  blieb  manchmal  lange  Zeit  draußen  im  Wald ;  einmal  aber  kam 
er  gar  nicht  wieder.  Darüber  weinte  sich  seine  Schwester  fast  blind; 
endlich,  wie  sies  nicht  länger  aushalten  konnte,  ging  sie  fort  in  den  "Wald 
und  wollte  ihren  Bruder  suchen. 

Als  sie  nun  lange  Wege  gegangen  war,  konnte  sie  vor  Müdigkeit 
nicht  weiter;  und  wie  sie  sich  umsah,  da  stand  ein  Löwe  neben  ihr,  der 
tat  ganz  freundlich  und  sah  so  gut  aus.  Da  setzte  sie  sich  auf  seinen 
Rücken,  und  der  Löwe  trug  sie  fort  und  streichelte  sie  mit  seinem 
Schwänze  und  kühlte  ihr  die  Backen.  Als  er  nun  ein  gut  Stück  fort- 
gelaufen war,  kamen  sie  vor  eine  Höhle;  da  trug  sie  der  Löwe  hinein, 
und  sie  fürchtete  sich  nicht  und  wollte  auch  nicht  herabspringen,  weil 
der  Löwe  so  freundlich  war.  Also  gings  durch  die  Höhle,  die  immer 
dunkler  ward  and  endlich  ganz  stockfinster  ;  und  als  das  ein  Weilchen 
gedauert  hatte,  kamen  sie  wieder  an  das  Tageslicht  in  einen  wunder- 
schönen Garten.  Da  war  alles  so  frisch  und  glänzte  in  der  Sonne,  und 
mittendrin  stand  ein  prächtiger  Palast.  Wie  sie  ans  Tor  kamen,  hielt 
der  Löwe,  und  die  Prinzessin  stieg  von  seinem  Rücken  herunter.  Da 
fing  der  Löwe  an  zu  sprechen  und  sagte:  'In  dem  schönen  Haus  sollst 
du  wohnen  und  mir  dienen;  und  wenn  du  alles  erfüllst,  was  ich  fordere, 
so  wirst  du  deinen  Bruder  wiedersehen.' 

Da  diente  die  Prinzessin  dem  Löwen  und  gehorchte  ihm  in  allen 
Stücken.  Einmal  ging  sie  in  dem  Garten  spazieren,  darin  war  es  so 
schön,  und  doch  war  sie  traurig,  weil  sie  so  allein  und  von  aller  Welt 
verlassen  war.     Wie  sie  so  auf  und  ab  ging,    ward    sie   einen  Teich  ge- 


129  a.    Der  Löwe  und  der  Frosch.  59 

wahr,  und  auf  der  Mitte  des  Teichs  war  eine  kleine  Insel  mit  einem  Zelt. 
Da  sah  sie,  daß  unter  dem  Zelt  ein  grasgrüner  Laubfrosch  saß  und  hatte 
ein  Rosenblatt  auf  dem  Kopf  statt  einer  Haube.  Der  Frosch  guckte  sie 
an  und  sprach:  'Warum  bist  du  so  traurig?'  —  'Ach,'  sagte  sie,  'warum 
sollte  ich  nicht  traurig  sein!'  und  klagte  ihm  da  recht  ihre  Not.  Da  sprach 
der  Frosch  ganz  freundlich:  'Wenn  du  was  brauchst,  so  komm  nur  zu 
mir,  so  will  ich  dir  mit  Rat  und  Tat  zur  Hand  gehen.'  —  'Wie  soll  ich 
dir  das  aber  vergelten?'  —  'Du  brauchst  mir  nichts  zu  vergelten,'  sprach 
der  Quakfrosch,  'bring  mir  nur  alle  Tage  ein  frisches  Rosenblatt  zur 
Haube!'  Da  ging  nun  die  Prinzessin  wieder  zurück  und  war  ein  bißchen 
getröstet;  und  so  oft  der  Löwe  etwas  verlangte,  lief  sie  zum  Teich,  da 
sprang  der  Frosch  herüber  und  hinüber  und  hatte  ihr  bald  herbeigeschafft, 
was  sie  brauchte. 

Auf  eine  Zeit  sagte  der  Löwe:  'Heut  abend  äß  ich  gern  eine 
Mückenpastete;  sie  muß  aber  gut  zubereitet  sein.'  Da  dachte  die  Prin- 
zessin: 'Wie  soll  ich  die  herbeischaffen!  Das  ist  mir  ganz  unmöglich', 
lief  hinaus  und  klagte  es  ihrem  Frosch.  Der  Frosch  aber  sprach:  'Mach 
dir  keine  Sorgen !  Eine  Mückenpastete  will  ich  schon  herbeischaffen.' 
Darauf  setzte  er  sich  hin,  sperrte  rechts  und  links  das  Maul  auf,  schnappte 
zu  und  fing  Mücken,  soviel  er  brauchte.  Darauf  hüpfte  er  hin  und  her, 
trug  Holzspäne  zusammen  und  blies  ein  Feuer  an.  Wies  brannte, 
knetete  er  die  Pastete  und  setzte  sie  über  Kohlen,  und  es  währte  keine 
zwei  Stunden,  so  war  sie  fertig  und  so  gut,  als  einer  nur  wünschen 
konnte.  Da  sprach  er  zu  dem  Mädchen:  'Die  Pastete  kriegst  du  aber 
nicht  eher,  als  bis  du  mir  versprichst,  dem  Löwen,  sobald  er  eingeschlafen 
ist,  den  Kopf  abzuschlagen  mit  einem  Schwert,  das  hinter  seinem  Lager 
verborgen  ist.'  —  'Nein,'  sagte  sie,  'das  tue  ich  nicht;  der  Löwe  ist  doch 
immer  gut  gegen  mich  gewesen.'  Da  sprach  der  Frosch :  'Wenn  du  das 
nicht  tust,  wirst  du  nimmermehr  deinen  Bruder  wiedersehen,  und  dem 
Löwen  selber  tust  du  auch  kein  Leid  damit  an.' 

Da  faßte  sie  Mut,  nahm  die  Pastete  und  brachte  sie  dem  Löwen. 
'Die  sieht  ja  recht  gut  aus,'  sagte  der  Löwe,  schnupperte  daran  und  fing 
gleich  an  einzubeißen,  aß  sie  auch  ganz  auf.  Wie  er  nun  fertig  war, 
fühlte  er  eine  Müdigkeit  und  wollte  ein  wenig  schlafen;  also  sprach  er 
zurPrinzess:  'Komm  und  setz  dich  neben  mich  und  krau  mir  ein  bischen 
hinter  den  Ohren,  bis  ich  eingeschlafen  bin !'  Da  setzt  sie  sich  neben  ihn, 
kraut  ihn  mit  der  Linken  und  sucht  mit  der  Rechten  nach  dem  Schwert, 
welches  hinter  seinem  Bette  liegt.  Wie  er  nun  eingeschlafen  ist,  so  zieht 
sie  es  hervor,  drückt  die  Augen  zu  und  haut  mit  einem  Streich  dem 
Löwen  den  Kopf  ab.  Wie  sie  aber  wieder  hinblickt,  da  war  der  Löwe 
verschwunden,  und  ihr  lieber  Bruder  stand  neben  ihr,  der  küßte  sie  herz- 
lich und  sprach:  'Du  hast  mich  erlöst;  denn  ich  war  der  Löwe  und  war 


60  130.    Einäuglein,  Zweiäuglein  und  Dreiäuglein. 

verwünscht  es  so  lang  zu  bleiben,   bis    eine  Mädcbenhand    aus  Liebe  zu 
mir  dem  Löwen  den  Kopf  abhauen  würde.' 

Darauf  gingen  sie  miteinander  in  den  Garten  und  wollten  dem 
Frosch  danken.  Wie  sie  aber  ankamen,  sahen  sie,  wie  er  nach  allen 
Seiten  herumhüpfte  und  kleine  Späne  suchte  und  ein  Feuer  anmachte.  Als 
es  nun  recbt  hell  brannte,  hüpfte  er  selber  hinein,  und  da  brennts  noch 
ein  Bißchen,  und  dann  geht  das  Feuer  aus,  und  steht  ein  schönes  Mädchen 
da,  das  war  auch  verwünscht  worden  und  die  Liebste  des  Prinzen.  Da 
ziehen  sie  miteinander  heim  zu  dem  alten  König  und  der  Frau  Königin, 
und  wird  eine  große  Hocbzeit  gehalten,  und  wer  dabei  gewesen,  der  ist 
nicht  hungrig  nach  Haus  gegangen. 


Aus  der  Maingegend.  Am  31.  Mai  1814  durch  Lulu  Jordis 
geb.  Brentano  aufgezeichnet,  die  das  Märchen  von  ihrer  Mutter 
Maximiliane  geb.  Laroche  gehört  hatte ;  vgl.  Steig,  Brentano  und  die 
Brüder  Grimm  1914  S.  276  =  Histor.-politische  Blätter  151,  81.  — 
Über  Erlösung  durch  Kopfabhauen  vgl.  oben  1,  9.  515.  2,  37, 
auch  nr.  66  (Häsichenbraut)  und  135  (Die  weiße  und  die  schwarze 
Braut).  Kittredge,  Journal  of  american  folk-lore  18,  1 — 14.  —  Tonne- 
lat,  Les  contes  des  freres  Grimm  1912  p.  42  erinnert  sich,  das 
Märchen  auch  in  französischer  Sprache  gelesen  zu  haben. 


1856  s. 2i3.  130.  Einäuglein,  Zweiäuglein  und  Dreiäuglein. 

1819  nr.  130:  aus  der  Oberlausitz  (eingesetzt  für  1815  S.  227 
nr.  44  'Der  Soldat  und  der  Schreiner',  unten  nr.  130a).  Zuerst 
mitgeteilt  von  Th.  Pescheck  in  Büschings  Wöchentlichen  Nachrichten 
für  Freunde  des  Mittelalters  2,  17—26  (1816)  =  L.  Haupt,  Sagen- 
buch der  Lausitz  2,  199,  dann  von  Wilhelm  Grimm  'in  seine  Weise 
umgeschrieben'.  Das  dabei  beobachtete  Verfahren  erläutert  Hamann, 
Die  literarischen  Vorlagen  der  KHM  1906  S.  77  und  gibt  S.  130 
einen  Parallel-abdruck  beider  Texte. 

Die  Geschichte  Zweiäugleins  ähnelt  der  Aschenbrödels  (nr.  21) 
und  ist  oben  1,  168  auch  bereits  mit  ihr  verglichen  worden.  Es 
wird  von  Mutter  und  Schwestern  mißhandelt  (A1),  doch  von  einer 
weisen  Frau  (B1)  und  einer  Ziege  getröstet  und  gespeist  (B3);  aus 
dem  Eingeweide  des  getöteten  Tieres  erwächst  ein  Gold  und  Silber 
abschüttelnder  Baum  (B4),  und  als  der  Freier  sich  einstellt,  vermag 
sie  allein  dessen  Verlangen  nach  den  Goldäpfeln  zu  erfüllen  (D3) 
und  wird  seine  Gattin  (E). 


130.    Einauglein,  Zweiäuglein  und  Dreiäuglein.  61 

In  der  zu  Straßburg  zwischen  1559  und  1566  gedruckten 
Gartengesellschaft  des  Martin  Montanus  (cap.  5  =  Montanus, 
Schwankbücher  hsg.  von  Bolte  1899  S.  250,  vgl.  S.  591)  steht 
die  älteste  Aufzeichnung  des  Märchens,  betitelt  'Ein  schöne 
History  von  einer  Frawen  mit  zweyen  Kindlin'.  Hier  ist  der 
Haß  der  Stiefmutter  wider  Margretlin  so  groß,  daß  sie  mit  der 
andern  Tochter  Annelin  das  Kind  in  den  Wald  führt  und  dort 
allein  läßt.  Auf  den  Rat  seiner  Patin  hat  es  aber  Sägmehl  unter- 
wegs ausgestreut  und  findet  dadurch  den  Weg  nach  Hause.  Das 
zweitemal,  wo  es  Spreu  mitnimmt,  gehts  ebenso;  als  es  den  dritten 
Tag  Hanfsamen  fallen  läßt,  fressen  die  Vögel  den  weg,  und 
Margretlin  irrt  bis  zum  Abend  im  Walde  umher,  bis  es  an  ein 
Häuslein  kommt,  wo  ein  Erdkühlein  wohnt.  Dies  nimmt  das 
Mädchen  bei  sich  auf,  läßt  sich  morgens  und  abends  von  ihr  melken 
und  bringt  ihr  Samt  und  Seide  zur  Kleidung.  Nach  einem  Jahre 
kommt  ihre  Schwester  in  den  Wald,  erblickt  das  Häuslein,  pocht  an 
und  bittet  solange,  bis  sie  ihr  wider  das  Gebot  des  Erdkühleins 
auftut  und  alles,  was  ihr  begegnet  ist,  erzählt.  So  hört  die  Stief- 
mutter von  dem  Erdkühlein,  holt  es  zu  sich  und  läßt  es  vom 
Metzger  schlachten.  Aus  dem  Schwanz,  Hörn  und  Hufen,  die 
Margretlin  in  die  Erde  pflanzt,  wächst  ein  schöner  Apfelbaum  auf. 
Ein  vorüberreitender  Herr  begehrt  für  seinen  fieberkranken  Sohn 
ein  paar  Äpfel;  als  aber  Annelin  und  die  Mutter  sie  pflücken 
wollen,  heben  sich  die  Äste  empor  und  neigen  sich  erst,  als 
Margretlin  hinzutritt.  Da  fragt  der  Herr,  wie  das  zugehe,  und 
ladet,  als  er  alles  vernommen,  sie  ein,  mit  ihm  zu  kommen;  gern 
folgt  sie  und  nimmt  ihren  Wunderbaum,  der  sich  bald  ausgraben 
läßt,  mit.  —  Hier  gleicht  also  der  Eingang  der  Erzählung  von 
Hansel  und  Gretel  (nr.  15),  während  die  neidische  Schwester  weder 
einäugig  noch  dreiäugig  *)  ist  und  der  einschläfernde  Zauberspruch, 
der  an  den  windbannenden  Spruch  in  nr.  89  mahnt,  fehlt. 


J)  In  Vonbuns  Beiträgen  zur  deutschen  Mythologie  aus  Churrätien 
1862  S.  53  singt  das  Fänkenmannli,  während  es  die  süßen  Gemskäslein 
bereitet,  dem  in  seiner  Höhle  befindlichen  einäugigen  Hirtenknaben  jedes- 
mal zu :  'Einäugelein,  schlaf  ein !'  Einst  aber  findet  sich  dessen  zwei- 
äugiger Bruder  aus  Neugier  ein  und  schließt  bei  dem  Spruche  nur  ein 
Auge.  —  In  der  magyarischen  Fassung  des  Mädchens  ohne  Hände  (Jones- 
Kropf  p.  183)  schläfert  die  Heldin  den  Prinzen  durch  einen  ähnlichen 
Spruch  ein,  gleitet  aber  aus  und  weckt  ihn  durch  ihre  Berührung. 


62  130.    Einäuglein,  Zweiäuglem  und  Dreiäuglein. 

In  einer  am  Rheine  (vor  1856)  erzählten  Fassung  sind  es 
acht  Schwestern,  deren  jede  ein  Auge  mehr  hat.  In  der 
siebenbürgischen  bei  Haltrich 4  nr.  36  'Das  Zauberhorn'  sieht 
die  dreiäugige  Schwester,  wie  ein  Stier  für  Gretchen  spinnt;  darauf 
wird  er  getötet,  ersteht  aus  dem  von  Gretchen  aufbewahrten  Hörn 
wieder,  bekämpft  den  Bären,  in  den  sich  die  Stiefmutter  verwandelt 
hat,  und  wird  endlich  zu  einem  schönen  Prinzen.  Auch  in  der 
ostpreußischen  Fassung  bei  Lemke  3,  157  'Die  gute  Kuh' 
spinnt  die  Kuh  für  die  Heldin,  die  Stiefschwester  tritt  aber  erst 
beim  Pflücken  der  Goldäpfel  hervor. 

Dänisch  in  Grundtvigs  hsl. Reg. 47 (Coxp. 235)  'Mette  Trsehsette' 
(A1  B1  •  3  C3  ■  2  D1  E.  Die  dreiäugige  Schwester,  durch  den  Spruch 
nicht  eingeschläfert,  belauscht  die  Heldin  am  Grabe  der  Mutter,  wie 
zwei  Tauben  ihr  Speise  bringen).  Ebenso  bei  F.  Carlsen,  Efterretninger 
om  Gammelkjoge  gaard  2,  144  (1878)  =  Folk-lore  18,  195  'Mette 
Trsehaette'.  Bei  Kristensen,  Danske  Folkaseventyr  1,  57  nr.  8 
'Den  lille  Guldsko'  (vgl.  Cox  p.  282.  A^C^D1  E)  bietet  der 
hilfreiche  Stier  dem  hungernden  Mädchen  nicht  nur  Speisen  aus 
seinem  rechten  Ohre,  sondern  fordert  sie  auch  auf,  mit  ihm  zu 
fliehen.  Als  sie  trotz  seiner  Warnung  im  Kupfer-,  Silber-  und  Gold- 
walde x)  einen  Zweig  abbricht,  muß  der  Stier  mit  dem  kupfernen, 
silbernen  und  goldenen  Stier  kämpfen  und  erliegt  dem  letzten. 
Sie  schneidet  ihm  das  rechte  Ohr  ab,  das  ihr  im  Königsschlosse 
kostbare  Kleider  liefert.  Dem  Diener,  den  ihr  der  Prinz  beim 
Verlassen  der  Kirche  nachsendet,  antwortet  sie,  sie  komme  aus 
Wasserland,  Kammland,  Handtuchland.  Ähnlich  'Den  lille  rode 
Kalv'  aus  Grundtvigs  hsl.  Sammlung  bei  Cox  p.  236  (A1  B3  C3  • 2  D1  E). 
—  Dieselben  Züge  finden  wir  wieder  in  einer  unvollständigen 
schwedischen  Aufzeichnung  von  Claus  Laurentii  aus  Calmar 
v.  J.  1612  (Schuck  im  Samlaren  8,  178.  1887.  Ahlström  1895  S.  63): 
um  der  Heirat  mit  einem  verhaßten  Knechte  zu  entgehen,  flieht 
die  Bauerntochter  auf  ihrem  Stier.  Im  Eichen-,  Hasel-  und  Linden- 
walde bricht  sie  wider  das  Verbot  ein  Blatt  ab  und  hat  nun  drei 
Kleider  von  Messing,  Silber  und  Gold,  der  Stier  aber  wird  von 
Wölfen  zerrissen.  Ebenso  bei  Bondeson,  Historiegubbar  S.  192 
'Flickan  och  Kon',    wo   aus   dem   vergrabenen   Herzen   der  Kuh   ein 


*)  Zu  der  Reihe  Kupfer,    Silber,    Gold  vgl.  R.  Köhler  1,  412.  437; 
auch  unten  S.  78. 


130.    Einäuglein,  Zweiäuglein  und  Dreiäuglein.  63 

Apfelbaum  entsprießt,  dessen  Früchte  nur  die  Heldin  pflücken  kann. 
Steffen  1,  18  'Guldoxen  ä  silfveroxen  ä  diamantoxen'.  Aberg  nr.  19 
'Karin  Trsetjola'.  Bei  Nordlander  1892  S.  44  'Fröken  Skinnpäls 
rör  i  askan'  ist  ein  Bär  an  die  Stelle  des  Ochsen  getreten,  in  dessen 
Haut  sich  das  Mädchen  nachher  hüllt.  —  Ein  Stier  ist  es  im 
norwegischen  Märchen  bei  Asbjörnsen-Moe  nr.  19  'Kari  Trästak' 
=  Stroebe  2,  146  =  Dasent  1859  p.  411  'Katie  Woodencloak' 
(A1BC3-2D1E)  und  bei  Söegaard,  I  Fjeldbygdene  p.  17  'Kraake 
Lange'  bei  Cox  p.  397  (A1  B3  C3  D1.  Die  Stiefschwester,  der  ihre 
Mutter  noch  zwei  Augen  in  den  Nacken  gesetzt  hat,  belauscht  die 
Speisung  durch  den  Ochsen.  Auf  des  Ochsen  Grab  darf  die  Heldin 
drei  Wünsche  tun.  Angeschlossen  wird  die  Erzählung  von  der 
untergeschobenen  Braut;  der  Jüngling,  der  die  Magd  aus  ihrer 
Niedrigkeit  zieht,  ist  ihr  Bruder;  er  rühmt  dem  Könige  ihre 
Schönheit,  aber  die  Stiefmutter  stürzt  sie  auf  der  Brautfahrt  ins 
Meer  usw.).  —  Englisch  aus  Aberdeenshire  im  Eolk-lore  Journal 
2,  72 'The  red  calf  (A1  B  C» D* E).  —  Gälisch  bei  Campbell  nr.  43 
'The  sharp  grey  sheep' ;  vgl.  E.  Köhler  1,  258.  272  (A1  B  C3  D1  E :) 
Dreiäuglein  verrät  das  speisebringende  Schaf,  das  geschlachtet  und 
wieder  belebt  wird,  aber  lahm  bleibt,  weil  das  Mädchen  die 
Hufe  zu  sammeln  vergessen  hat.  In  der  von  Kenneth  MacLeod  bei 
Cox  p.  534  mitgeteilten  Fassung  aus  Inverness-shire  wird  das  Schaf 
als  die  Mutter  der  Heldin  bezeichnet.  Diese  schläfert  ihre  lauschende 
Stiefschwester  zweimal  mit  dem  Spruche  ein : 

'Shut  one  eye,  Shut  your  eyes 

Shut  two  eyes,  In  deep  sleep!' 

vergißt  aber  beim  dritten  Male  zu  sagen:  'two  eyes'.  Das  Schaf 
wird  geschlachtet,  ersteht  aber  aus  den  gesammelten  Knochen  wieder 
als  eine  schöne  Frau.  Es  folgt  die  Begegnung  beim  Tanz,  die 
Schuhprobe,  die  falsche  Braut  und  Hochzeit. 

Französisch  bei  Sebillot,  Contes  1,  15  nr.  3  'Le  taureau 
bleu'  (A1  B  C3  D1  E.  Die  Heldin  flieht  auf  dem  Ochsen  durch  den 
Kupfer-,  Silber-  und  Goldwald  wie  in  den  skandinavischen  Fassungen, 
wird  Jaquette  de  bois  genannt).  Über  Luzel,  Contes  3,  134  'Le 
chat  noir'  vgl.  oben  1,  173.  Aus  der  Bourgogne  bei  Beauvois 
p.  239  'La  petite  Annette'  (A1  B1  •  3  ■ 4  D3  E.  Jungfrau  Maria  gibt  ein 
Stäbchen,  mit  dem  des  Widders  Ohr  berührt  wird;  dreiäugige 
Stiefschwester  lauscht.  'Endors-toi  d'un  oeil,  endors-toi  de  deux 
yeux!'     Aus     der    Leber     des    Widders    ein    Apfelbaum).     Ähnlich 


64  130.    Einäuglein,  Zweiäuglein  und  Dreiäuglein. 

Sebillot,  Contes  1,  331  nr.  58  'La  petite  brebiette  blanche'  (aus  den 
Füßen  des  Schafes  entsteht  ein  Schloß)  und  2,  167  nr.  29  'Le  petit 
mouton  Martinet'  (A1  B1'  3  E):  Die  Stiefschwester  sieht  das  drittemal, 
wie  der  Widder  auf  die  Worte  Fanchettes: 

'Par  la  vertu  de  mon  mouton  Martin, 

Qu'  il  vienne  une  table  oü  j'aie  tout  ä  souhait' 

Speisen  spendet ;  aus  dem  Kopfe  des  Widders  wird  ein  Schloß ;  die 
Stiefmutter  wird  getötet.  Orain  p.  3  'La  fee  du  puits'  (ähnlich). 
Luzel,  Legendes  2,  264  'Le  petit  agneau  blanc'  (entstellt.  A1  B1"  4 
D3  E.  Aus  Kopf  und  Füßen  des  Lammes  eine  Weinquelle  und  vier 
Fruchtbäume).  Cosquin  1,  246  nr.  23  'Le  poirier  d'or'  (entsprießt  aus 
den  Knochen  des  geschlachteten  Widders)  und  1,  248  'Les  clochettes 
d'or'  (angehängt  die  untergeschobene  Frau).  —  Aus  Korsika  bei 
Ortoli  p.  81  'Les  trois  pommes  de  Mariucella'  (A1  B3  • 4  E.  Von  den  drei 
Äpfeln  in  der  geschlachteten  spinnenden  Kuh  ißt  die  Heldin  einen, 
aus  dem  zweiten  wird  ein  Hahn,  der  die  Unterschiebung  der  Stief- 
schwester als  Königsbraut  verrät,  aus  dem  dritten  ein  Apfelbaum. 
Die  Stiefmutter  versteckt  die  rechte  Braut  im  Faß  wie  bei  Basile 
3,  nr.  10).  Auch  von  den  oben  1,  173  angeführten  italienischen 
Märchen  gehören  einige  zugleich  hierher:  Busk  p.  31  'Vaccarella'. 
Imbriani  p.  195  nr.  14  'La  bella  e  la  brutta'  (spinnende  Kuh;  Katze 
verrät  die  Unterschiebung  der  Braut  wie  bei  Imbriani  nr.  13  'II 
luccio';  Glastreppe  der  Feen  wie  oben  1,  215)  und  nr.  15  'La 
bella  Caterina'.  De  Gubernatis,  Novelline  nr.  1  'La  bella  e  la  brutta' 
(spinnende  Kuh;  Glastreppe).  Nerucci  nr.  32  La  ragazza  serpe' 
(vermischt  mit  der  untergeschobenen  Braut).  —  Serbokroatisch: 
M.  Stojanovie,  Pucke  pripovijetke  S.  183  nr.  38  (A1  B3B4  C3  Di  E;  die 
Kuh  spinnt  auf  Zureden  einer  weißen  Frau ;  im  Magen  der  Kuh  ist 
ein  Koffer  mit  Kleidern).  Kesetar,  Serbokroat.  Kolonien  Süditaliens 
S.  237  (A1  B3-4  O2  D1).  —  Wendisch:  Sewcik  S.  37.  —  Groß- 
russisch: Afanasjev3  1,  76  nr.  56.  57;  vgl.  Ealston  p.  183.  295 — 297. 
De  Gubernatis,  Die  Tiere  S.  138.  Gouv.  Olonetz :  Oneukov  S.  313  nr.  129 
'Einäuglein,  Zweiäuglein,  Dreiäuglein'  (B3,4.  Schuhprobe).  Sbornik 
Kavkaz.  16, 1,  181  nr.  1  (die  Sterbende  vermacht  der  Tochter  die  Kuh  ; 
AXB3,4D3;  die  der  Waise  auferlegten  Aufgaben  erfüllt  ein  Häschen; 
Besuch  beim  Prinzen,  Schuhprobe ;  die  Stiefmutter  verwandelt  die 
Braut  in  ein  Tier  und  schiebt  ihre  Tochter  unter ;  die  Amme  vernimmt 
den  Tausch  vom  Häschen  und  meldet  ihn  dem  Prinzen).  —  Litauisch 
bei  Leskien-Brugman    S.  447    nr.  25    'Von   dem  Mädchen,    das    eine 


130.    Einäuglein,  Zweiäuglein  und  Dreiäaglein.  65 

Hexe  zur  Stiefmutter  hatte'  (A1  B1  ■  3  ■  4  D1  E.  Mutter  im  Grabe 
rät;  spinnende  Kuh;  ein-,  zwei-  und  dreiäugige  Stiefschwester 
lauschen;  aus  dem  Eingeweide  der  Kuh  ein  Weinbrunnen  und  ein 
Apfelbaum).  —  Estnisch  bei  Kallas  nr.40  'Der  Bösen  Tochter  und 
das  Waiaenmädchen'  (A1B14C3D1E.  Mutter  im  Grabe  antwortet. 
Angehängt  die  untergeschobene  Braut)  und  nr.  42  (Mutter  im  Grabe, 
Wunderkuh,  Apfelbaum).  —  Ungarisch:  Horger  nr.  2  (Anfang). 

Eine  arabische  Erzählung  bei  Dulac,  Journal  asiatique  1885, 
11  =  Basset,  Contes  d'Afrique  p.  102  'La  vache  des  orphelins'  hat 
die  Besonderheit,  daß  zwei  Geschwister  von  der  Kuh  gespeist  und 
von  ihren  Stiefgeschwistern  belauscht  werden ;  als  die  Stiefmutter  die 
Kuh  schlachten  läßt,  entsteht  aus  ihren  Knochen  ein  Aloebaum.  Ähn- 
lich kabylisch  bei  Biviere  p.  67  'Les  deux  orphelins'.  —Indisch 
bei  Knowles  p.  127  'The  wicked  stepmother'  (Ziege  =  rechte  Mutter, 
einäugige  Stiefschwester,  Knochen  vergraben ;  der  König  findet  in 
einem  Fisch  den  Nasenring  des  Mädchens,  forscht  nach  ihr  und 
heiratet  sie).  Frere  nr.  1  'Bunchkin'  =  Bassow  S.  31  (sieben 
Schwestern  stillen  ihren  Hunger  an  einem  Bomelobaum  und  einem 
Milchbrunnen  am  Grabe  ihrer  Mutter,  bis  die  Stiefmutter  beides  zer- 
stört). —  Malaiisch  aus  Celebes  bei  Adriani,  Tijdschrift  voor 
indische  taalkunde  40,  367  (1898.  Mit  Nachweisen).  Matthes,  Bijdragen 
tot  de  taalkunde  van  Nederl.  Indie  4.  r.  10,  471  =  Bezemer  1904 
S.  373  (Fisch,  Baum).  Schwarz,  Tontemboansche  texten  2,  81  nr.  24 
'Het  Stiefkind  en  de  koe'.  —  Madagaskar:  Benel  1,  35.  154. 
2,  258.  —  Im  brasilischen  Märchen  bei  Bomero  p.  59 
'0  papagaio  do  limo  verde'  kommen  die  lauschenden  Schwestern 
Dreiäuglein,  Zweiäuglein,  Einäuglein  vor  (vgl.  oben  2,  265) ;  ebd.  p.  52 
'Maria  Borralheira'  die  hilfreiche  Kuh  und  die  Schuhprobe. 

In  einer  andern  Märchengruppe  wird  ein  Knabe  auf  gleiche 
Weise  von  einer  Kuh  (oder  einem  Stier  oder  Bferd)  genährt,  mit 
der  er  entrinnt,  als  sie  geschlachtet  werden  soll.  Sieben- 
bürgisch  bei  Haltrich  nr.  18  'Der  starke  Hans'  (die  Kuh  ist  seine 
verwandelte  Mutter,  die  dritte  Stiefschwester  hat  zwei  Augen  im 
Nacken,  wie  der  Alraun  bei  Arnim,  Werke  1,  34).  Dänisch: 
Kristensen,  Folkesev.  fra  Jylland  4,  138  nr.  26  'Den  blaa  stud'  und 
Danske  Folkeseventyr  S.  174  nr.  26  'Tyren  og  Brinsessen  pä  Glas- 
bjserget'.  Norwegisch:  Asbjörnsen-Moe  1854  S.  415.  418.  Moe 
hsl.  bei  Cox  p.  455  'Gutten  og  Stuten'.  Söegaard.  I  Fjeldb}rgderne 
1868  p.  13    'Vesle    brune    Okse'.     Isländisch:    Bittershaus    S.   36 

Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III.  5 


66  130.    Einäuglein,  Zweiäuglein  und  Dreiäuglein. 

nr.  8 'RauÖiboli'.  Rumänisch:  Staufe  hsl.  nr.  25  'Kuhsohn'  (Zs.  f. 
Volksk.  9,  86);  P.  Schullerus  nr.  44  'Der  Knabe  und  der  Ochs' 
(Archiv  33,  490.  Die  dritte  Tochter  hat  ein  Auge  im  Nacken). 
Serbokroatisch:  Krauß  2,  346  nr.  139  'Held  Hirte  und  das 
scheckige  Kühlein'.  Valjavec  S.  49  nr.  15=  Leskien  nr.  44  'Eine  Vila 
kämmt  die  Frau'.  Zs.  Vila  1866  2,  815  (als  der  Stier  im  Kampfe 
mit  Drachen  unterliegt,  nimmt  der  Knabe  aus  seinem  linken 
Hörne  Speise,  aus  dem  rechten  Viehherden).  Tordinac  S.  10 
nr.  6.  Kica  7,  nr.  48  S.  1.  Wendisch:  Erben,  Cit.  S.  86 
(oben  1,  107).  Cechisch  aus  Mähren:  Elpl  S.  71  nr.  17  (Knabe 
entflieht  mit  dem  Pferde  der  Stiefmutter;  dann  Grindkopf- 
thema). Polnisch:  Kozlowski  S.  312  nr.  5  (Knabe  und  Mädchen 
fliehen  auf  der  Kuh  vor  dem  Stiefvater).  Kleinrussisch: 
Rozdolskyj  nr.  37  (Etnogr.  Zbirn.  7,  48.  Kuh).  Zdziarski,  Garsc 
basni  S.  13  nr.  7  (Kuh).  Großrussisch:  Afanasjev3  2,  209  nr. 
165  a  (Pferd).  Aus  dem  Gouv.  Jenissejsk:  Zapiski  Krasnojarsk.  2, 
236  nr.  56  (Pferd.  Drachenkampf).  1,  17  nr.  4  (treulose  Mutter, 
Grindkopf  'Neznajko').  Sadovnikov  nr.  65  =  v.  Löwis  nr.  34  'Van- 
juschka  und  Annuschka  (Stier).  Lettisch:  Ulanowska  nr.  25  (Zbiör 
18,  302.  Sterbend  empfiehlt  die  Mutter  das  Mädchen  der 
Kuh.  B^DSE).  Ungarisch:  Gaal-Stier  S.  61  nr.  8  'Weiß- 
nitle'  (Pferd;  Grindkopf).  Arany  S.  111  'Die  rote  Kuh'  (Ein- 
äuglein, Zweiäuglein,  Dreiäuglein;  kupferne,  silberne  und 
goldene  Brücke).  Zigeunerisch  aus  England:  Groome  p.  205 
'De  little  bull-calf  (Cox  p.  450).  Tatarisch:  Sbornik  mater. 
Kavkaz.  35,  2,  88  nr.  3  (Pferd).  Indisch:  Campbell,  Santal  folk 
tales  p.  15.  Dracott  p.  83  nr.  22  A1  B3).  Hahn,  Geisteswelt  der 
Kols  S.  28  nr.  16  'Der  Knabe  und  der  Ochse'.  Arabisch:  Spitta- 
Bey  p.  152  'Histoire  du  prince  et  de  son  cheval'.  Artin  Pacha 
p.  115  nr.  7.  Müller,  Mehri-  und  Soqotri-Sprache  3,  114  'Begehrt' 
(Stute).  Reinisch.  Die  Somali-Sprache  1,  259  'Geschichte  zweier 
Brüder'  (Stute;  Brüdermärchen  wie  nr.  60).  Kafferisch:  Theal 
p.  169  'The  wonderful  horns'. 


130  a.    Der  Soldat  und  der  Schreiner.  67 

150  a.   Der  Soldat  und  der  Schreiner. 

(1815  nr.  44.) 

Es  wohnten  in  einer  Stadt  zwei  Tischler,  deren  Häuser  stießen  an- 
einander, und  jeder  hatte  einen  Sohn.  Die  Kinder  waren  immer  bei- 
sammen, spielten  miteinander  nnd  hießen  darum  das  Messerchen  und 
Gäbelchen,  die  auch  immer  nebeneinander  auf  den  Tisch  gelegt 
werden.  Als  sie  nun  beide  groß  waren,  wollten  sie  auch  voneinander 
nicht  weichen.  Der  eine  war  aber  mutig  und  der  andere  furchtsam ;  da 
ward  der  eine  Soldat,  der  andere  lernte  das  Handwerk.  Wie  die  Zeit 
kam,  daß  dieser  wandern  mußte,  wollt  ihn  der  Soldat  nicht  verlassen, 
und  gingen  sie  zusammen  aus.  Sie  kamen  nun  in  eine  Stadt,  wo  der 
Tischler  bei  einem  Meister  in  die  Arbeit  ging;  der  Soldat  wollte  da  auch 
bleiben  und  verdingte  sich  bei  demselben  Meister  als  Hausknecht.  Das 
war  gut  gewesen ;  aber  der  Soldat  hatte  keine  Lust  am  Arbeiten,  lag  auf 
der  Bärenhaut,  und  es  dauerte  nicht  lang,  so  wurde  er  von  dem  Meister 
weggeschickt.  Der  Fleißige  wollt'  ihn  aus  Treue  nun  nicht  allein  lassen, 
sagte  dem  Meister  auf  und  zog  mit  ihm  weiter.  So  gings  aber  immer 
fort;  hatten  sie  Arbeit,  so  dauerte  es  nicht  lang,  weil  der  Soldat  faul 
war  und  fortgeschickt  wurde,  der  andere  aber  nicht  ohne  ihn  bleiben 
wollte. 

Einmal  kamen  sie  in  eine  große  Stadt;  weil  aber  der  Soldat  keine 
Hand  regen  wollte,  ward  er  am  Abend  schon  verabschiedet,  und  sie 
mußten  dieselbe  Nacht  wieder  hinaus.  Da  führte  sie  der  Weg  vor  einen 
unbekannten  großen  Wald;  der  Furchtsame  sprach:  'Ich  geb  nicht  hinein; 
dai'in  springen  Hexen  und  Gespenster  herum.'  Der  Soldat  aber  ant- 
wortete :  'Ei  was,  davor  furcht  ich  mich  noch  nicht,'  ging  voran,  und  der 
Furchtsame,  weil  er  doch  nicht  von  ihm  lassen  wollte,  ging  mit.  In 
kurzer  Zeit  hatten  sie  den  Weg  verloren  und  irrten  in  der  Dunkelheit 
durch  die  Bäume,  endlich  sahen  sie  ein  Licht.  Das  suchten  sie  auf  und 
kamen  zu  einem  schönen  Schloß,  das  hell  erleuchtet  war,  und  haußen  lag 
ein  schwarzer  Hund,  und  auf  einem  Teich  neben  saß  ein  roter  Schwan. 
Als  sie  aber  hineintraten,  sahen  sie  nirgends  einen  Menschen,  bis  sie  in 
die  Küche  kamen;  da  saß  noch  eine  graue  Katze  bei  einem  Topf  am 
Feuer  und  kochte.  Sie  gingen  weiter  und  fanden  viele  prächtige  Zimmer, 
die  waren  alle  leer,  in  einem  aber  stand  ein  Tisch,  mit  Essen  und  Trinken 
reichlich  besetzt.  Weil  sie  nun  großen  Hunger  hatten,  machten  sie  sich 
daran  und  ließen  sichs  gut  schmecken.  Darnach  sprach  der  Soldat: 
'Wenn  du  gegessen  hast  und  satt  worden  bist,  sollst  du  schlafen  gehen,' 
machte  eine  Kammer  auf,  darin  standen  zwei  schöne  Betten.  Sie  legten 
sich,  aber  als  sie  eben  einschlafen  wollten,  fiel  dem  Furchtsamen  ein,  daß 

5* 


68  130  a.    Der  Soldat  und  der  Schreiner. 

sie  noch  nicht  gebetet  hätten.  Da  stand  er  auf  und  sah  in  der  Wand 
einen  Schrank,  den  schloß  er  auf,  und  war  da  ein  Kruzifix  mit  zwei 
Gebetbüchern  dabei.  Gleich  weckte  er  den  Soldaten,  daß  er  aufstehen 
mußte,  und  sie  knieten  beide  nieder  und  taten  ihr  Gebet ;  darnach  schliefen 
sie  ruhig  ein. 

Am  andern  Morgen  kriegte  der  Soldat  einen  heftigen  Stoß,  daß  er 
in  die  Höhe  fuhr.  'Du,  was  schlägst  du  mich,'  rief  er  dem  andern  zu, 
der  aber  hatte  auch  einen  Stoß  gekriegt  und  sprach:  'Was  stößt  du  mich! 
Ich  stoß  dich  nicht.'  Da  sagte  der  Soldat :  'Es  wird  wohl  ein  Zeichen 
sein,  daß  wir  hervor  sollen.'  Wie  sie  nun  herauskamen,  stand  schon  ein 
Frühstück  auf  dem  Tisch.  Der  Furchtsame  sprach  aber :  'Eh  wir  es  an- 
rühren, wollen  wir  erst  nach  einem  Menschen  suchen.'  —  'Ja,'  sagte  der 
Soldat,  'ich  mein  auch  immer,  die  Katze  hätts  gekocht  und  eingebrockt, 
da  vergeht  mir  alle  Lust.' 

Sie  gingen  also  wieder  von  unten  bis  oben  durchs  Schloß,  fanden 
aber  keine  Seele;  endlich  sagte  der  Soldat:  'Wir  wollen  auch  in  den 
Keller  steigen.'  Wie  sie  die  Treppe  herunter  waren,  sahen  sie  vor  dem 
ersten  Keller  eine  alte  Frau  sitzen ;  sie  redeten  sie  an  und  sprachen : 
'Guten  Tag ;  hat  sie  uns  das  gute  Essen  gekocht  ?'  —  'Ja,  Kinder,  hats 
euch  geschmeckt?'  Da  gingen  sie  weiter  und  kamen  zum  zweiten  Keller, 
davor  saß  ein  Jüngling  von  vierzehn  Jahren ;  den  grüßten  sie  auch,  er 
gab  ihnen  aber  keine  Antwort.  Endlich  kamen  sie  in  den  dritten  Keller, 
davor  saß  ein  Mädchen  von  zwölf  Jahren,  das  antwortete  ihnen  auch 
nicht  auf  ihren  Gruß.  Sie  gingen  noch  weiter  durch  alle  Keller,  fanden 
aber  weiter  niemand.  Wie  sie  nun  wieder  zurükkamen,  war  das  Mädchen 
von  seinem  Sitz  aufgestanden;  da  sagten  sie  zu  ihm:  'Willst  du  mit  uns 
hinaufgehen  ?'  Es  sprach  aber :  'Ist  der  rote  Schwan  noch  oben  auf  dem 
Teich  ?'  —  'Ja,  wir  haben  ihn  beim  Eingang  gesehen.'  —  'Das  ist  traurig, 
so  kann  ich  nicht  mitgehen.'  Der  Jüngling  war  auch  aufgestanden,  und 
als  sie  zu  ihm  kamen,  fragten  sie  ihn :  'Willst  du  mit  uns  hinauf  gehen?' 
Er  abe^  sprach:  'Ist  der  schwarze  Hund  noch  auf  dem  Hof?'  —  'Ja, 
wir  haben  ihn  beim  Eingang  gesehen.'  —  'Das  ist  traurig,  so  kann  ich 
nicht  mit  euch  gehen.'  Als  sie  zu  der  alten  Frau  kamen,  hatte  sie  sich 
auch  aufgerichtet.  'Mütterchen,'  sprachen  sie,  'wollt  Ihr  mit  uns  hinauf- 
gehen?' —  'Ist  die  graue  Katze  noch  oben  in  der  Küche?'  —  'Ja,  sie  sitzt 
auf  dem  Herd  bei  einem  Topf  und  kocht.'  —  'Das  ist  traurig;  eh  ihr 
nicht  den  roten  Schwan,  den  schwarzen  Hund  und  die  graue  Katze  tötet, 
können  wir  nicht  aus  dem  Keller  heraus.' 

Als  die  zwei  Gesellen  wieder  oben  in  die  Küche  kamen,  wollten  sie 
die  Katze  streicheln;  sie  machte  aber  feurige  Augen  und  sah  ganz  wild 
aus.  Nun  war  noch  eine  kleine  Kammer  übrig,  in  der  sie  nicht  gewesen 
waren,  wie  sie  die  aufmachten,  war  sie  ganz  leer,  nur  an  der  Wand  ein, 


130  a.   Der  Soldat  und  der  Schreiner.  69 

Bogen  und  Pfeil,  ein  Schwert  und  eine  Eisenzange.  Über  Bogen  und 
Pfeil  standen  die  Worte:  'Das  tötet  den  roten  Schwan',  über  dem 
Schwert :  'Das  haut  dem  schwarzen  Hund  den  Kopf  herunter'  und  über 
der  Zange :  'Das  kneift  der  grauen  Katze  den  Kopf  ab.'  —  'Ach,'  sagte 
der  Furchtsame,  'wir  wollen  fort  von  hier' ;  der  Soldat  aber :  'Nein,  wir 
wollen  die  Tiere  aufsuchen.'  Sie  nahmen  die  Waffen  von  der  Wand  und 
gingen  in  die  Küche,  da  standen  die  drei  Tiere,  der  Schwan,  der  Hund 
und  die  Katze,  beisammen,  als  hätten  sie  was  Böses  vor.  Wie  der 
Furchtsame  das  sah,  lief  er  wieder  fort;  der  Soldat  sprach  ihm  ein  Herz 
ein,  er  hingegen  wollte  erst  etwas  essen.  Wie  er  gegessen  hatte,  sagte 
er :  'In  einem  Zimmer  hab  ich  Harnische  gesehen,  da  will  ich  einen  zu- 
vor anlegen.'  Als  er  in  dem  Zimmer  war,  wollt'  er  sich  forthelfen  und 
sprach:  'Es  ist  besser,  wir  steigen  zum  Fenster  hinaus.  Was  kümmern 
uns  die  Tiere!'  Wie  er  aber  zum  Fenster  trat,  war  ein  stark  Eisengitter 
davor.  Nun  könnt'  ers  nicht  länger  verreden,  ging  zu  den  Harnischen 
und  wollte  einen  anziehen,  aber  sie  waren  alle  zu  schwer.  Da  sagte  der 
Soldat:  'Ei  was,  laß  uns  so  gehen,  wie  wir  sind!'  —  'Ja,'  sprach  der 
andere,  'wenn  unser  noch  drei  wären!'  Wie  er  die  Worte  sprach,  da 
flatterte  eine  weiße  Taube  außen  ans  Fenster  und  stieß  daran.  Der 
Soldat  machte  ihr  auf,  und  wie  sie  herein  war,  stand  ein  schöner  Jüng- 
ling vor  ihnen,  der  sprach :  'Ich  will  bei  euch  sein  und  euch  helfen'  und 
nahm  Bogen  und  Pfeil.  Der  Furchtsame  sprach,  er  hätts  am  besten  mit 
dem  Bogen  und  Pfeil,  nach  dem  Schuß  wärs  gut  und  er  könnte  hin- 
gehen, wohin  er  Lust  hätte,  sie  aber  müßten  mit  ihren  Waffen  den 
Zaubertieren  näher  auf  den  Leib.  Da  gab  der  Jüngling  ihm  den  Bogen 
und  Pfeil  und  nahm  das  Schwert. 

Da  gingen  alle  drei  zur  Küche,  wo  die  Tiere  noch  beisammen 
standen,  und  der  Jüngling  hieb  dem  schwarzen  Hund  den  Kopf  ab,  und 
der  Soldat  packte  die  graue  Katze  mit  der  Zange,  und  der  Furchtsame 
stand  hinten  und  schoß  den  roten  Schwan  tot.  Und  wie  die  drei  Tiere 
niederfielen,  in  dem  Augenblick  kam  die  Alte  und  ihre  zwei  Kinder  mit 
großem  Geschrei  aus  dem  Keller  gelaufen:  'Ihr  habt  meine  liebsten 
Freunde  getötet,  ihr  seid  Verräter,'  drangen  auf  sie  ein  und  wollten  sie 
ermorden.  Aber  die  drei  überwältigten  sie  und  töteten  sie  mit  ihren 
Waffen;  und  wie  sie  tot  waren,  fing  auf  einmal  ein  •wunderliches  Ge- 
murmel ringsherum  an  und  kam  aus  allen  Ecken.  Der  Furchtsame 
sprach :  'Wir  wollen  die  drei  Leichen  begraben ;  es  waren  doch  Christen, 
das  haben  wir  am  Kruzifix  gesehen.'  Sie  trugen  sie  also  hinaus  auf  den 
Hof,  machten  drei  Gräber  und  legten  sie  hinein. 

Während  der  Arbeit  nahm  aber  das  Gemurmel  im  Schloß  immer 
zu,  ward  immer  lauter,  und  wie  sie  fertig  waren,  hörten  sie  ordentlich 
Stimmen  darin,  und  einer  rief;    'Wo  sind  sie,    wo    sind  sie?'     Und  weil 


70  130  a.    Der  Soldat  und  der  Schreiner. 

der  schöne  Jüngling  nicht  mehr  da  war,  ward  ihnen  Angst,  und  sie 
Hefen  fort.  Als  sie  ein  wenig  weg  waren,  sagte  der  Soldat:  'Ei,  das  ist 
Unrecht,  daß  wir  so  fortgelaufen  sind;  wir  wollen  umkehren  und  sehen, 
was  dort  ist.'  —  'Nein,'  sagte  der  andere,  'ich  will  mit  dem  Zauberwesen 
nichts  zu  tun  haben  und  mein  ehrliches  Auskommen  in  der  Stadt  suchen.' 
Aber  der  Soldat  ließ  ihm  keine  Ruhe,  bis  er  mit  ihm  zurückging. 

Wie  sie  vors  Schloß  kamen,  war  alles  voll  Leben ;  Pferde  sprangen 
durch  den  Hof,  und  Bediente  liefen  hin  und  her.  Da  gaben  sie  sich  für 
zwei  arme  Handwerker  aas  und  baten  um  ein  wenig  Essen.  Einer  aus 
dem  Haufen  sprach :  'Ja,  kommt  nur  herein !  Heut  wird  allen  Gutes 
getan.'  Sie  wurden  in  ein  schönes  Zimmer  geführt,  und  ward  ihnen 
Speise  und  Wein  gegeben.  Darnach  wurden  sie  gefragt,  ob  sie  nicht  zwei 
junge  Leute  von  der  Burg  hätten  kommen  sehen.  'Nein,'  sagten  sie. 
Als  aber  einer  sah,  daß  sie  Blut  an  den  Händen  hatten,  fragte  er,  woher 
das  Blut  käme.  Da  sprach  der  Soldat:  'Ich  habe  mich  in  den  Finger 
geschnitten.'  Der  Diener  aber  sagte  es  dem  Herrn;  der  kam  selber  und 
wollt  es  sehen,  es  war  aber  der  schöne  Jüngling,  der  ihnen  beigestanden 
hatte,  und  wie  er  sie  mit  Augen  sah,  rief  er :  'Das  sind  sie,  die  das 
Schloß  errettet  haben.'  Da  empfing  er  sie  mit  Ereuden  und  erzählte, 
wie  es  zugegangen  wäre :  'Im  Schloß  war  eine  Haushälterin  mit  ihren 
zwei  Kindern,  die  war  eine  heimliche  Hexe;  und  als  sie  einmal  von  der 
Herrschaft  gescholten  wurde,  geriet  sie  in  Bosheit  und  verwandelte  alles, 
was  Leben  hatte  im  Schloß,  zu  Steinen.  Nur  über  drei  andre  böse  Hof- 
bediente,  die  auch  Zauberei  verstanden,  hatte  sie  keine  rechte  Gewalt 
und  konnte  sie  nur  in  Tiere  verwandeln,  die  nun  oben  im  Schloß  ihr 
Wesen  trieben ;  dabei  fürchtete  sie  sich  vor  ihnen  und  flüchtete  mit  ihren 
Kindern  in  den  Keller.  Auch  über  mich  hatte  sie  nur  soviel  Gewalt 
gehabt,  daß  sie  mich  in  eine  weiße  Taube  außerhalb  des  Schlosses  ver- 
wandeln konnte.  Wie  ihr  zwei  ins  Schloß  kamt,  da  solltet  ihr  die  Tiere 
töten,  damit  sie  frei  würde,  und  zum  Lohn  wollte  sie  euch  wieder  um- 
bringen. Aber  Gott  hat  es  besser  gemacht,  das  Schloß  ist  erlöst,  und  die 
Steine  sind  wieder  lebendig  geworden  in  dem  Augenblick,  wo  die  gott- 
lose Hexe  mit  ihren  Kindern  getötet  wurde;  und  das  Gemurmel,  das  ihr 
gehört,  das  waren  die  ersten  Worte,  welche  die  Freigewordenen 
sprachen.' 

Darauf  führte  er  die  zwei  Gesellen  zu  dem  Hausherrn,  der  hatte 
zwei  schöne  Töchter,  die  wurden  ihnen  gegeben,  und  sie  lebten  vergnügt 
ihr  Lebenlang  als  große  Bitter. 


Aus  dem  Münster land.  —  Manches  darin  ist  gut  und  recht 
märchenhaft,  doch  scheint    das  Ganze  gelitten   zu  haben,   teils  durch 


131.    Die  schöne  Katrinelje  und  Pif  Paf  Poltrie.  71 

Lücken,  teils  durch  Verwirrung.  Insbesondre  fällt  auf,  daß  die 
Helden  nicht  von  einer  verzauberten  Person  zur  Erlösung  des 
Schlosses  angeleitet  werden,  sondern  zufällig  in  den  Streit  der  bos- 
haften Zauberer  hineingeraten.  In  der  zweiten  Auflage  blieb  das 
Märchen  fort.  Abgedruckt  bei  Bahlmann,  Münsterländische  Märchen 
1898  S.  10. 


131.   Die  schöne  Katrinelje  und  Pif  Paf  Poltrie.  ^s. 213. 

1815  nr.  45  =  1819  nr.  131.  Aus  dem  Paderbörnischen 
durch  die  Familie  v.  Haxthausen  am  27.  Mai  1812.  Danach  Rochholz, 
Alemannisches  Kinderlied  1857  S.  164  und  Böhme,  Deutsches  Kinder- 
lied 1897  S.  247  nr.  1227  'Der  Brautschatz'. 

Sehr  ähnlich  aus  Oldenburg  in  der  anonymen  Sammlung 
'Aus  dem  Kinderleben'  1851  S.  71  'Die  Freite'.  Etwas  verschieden 
in  Bremen  (1822).  Der  Vater  Bürstenbinder  heißt  Ohnethee,  der 
Bräutigam  Pichelpachelpaltrie,  die  Mutter  Dorothee,  der  Bruder  Ohne- 
stolz, die  Schwester  Kieseltraut  und  die  Braut  Katherliese.  Die  Be- 
grüßungen, Fragen  und  Antworten  wie  in  unserm  Märchen,  nur  die 
Reime  etwas  verschieden : 

"Wo  ist  denn  die  Mutter  Dorothee? 

'Sie  ist  in  der  Küche  und  kocht  den  Tee.' 

Wo  ist  der  Bruder  Ohnestolz  ? 

'Er  ist  im  Stall  und  hackt  das  Holz.' 

Wo  ist  die  Schwester  Kieseltraut? 

'Sie  ist  im  Garten  und  hackt  das  Kraut.' 

Wo  ist  die  Katherliese? 

'Sie  ist  im  Hanf  und  pflückt  Radiese.' 

Hernach  geht  die  Mutter  zu  der  Gevatterin  und  spricht : 
Guten  Tag,  Frau  Gevatterin. 

'Schönen  Dank,  Frau  Gevatterin,  wo  will  sie  hin?' 
Nach  Witzenhausen  (in  Hessen),  Frau  Gevatterin. 
'Was  will  sie  da  machen,  Frau  Gevatterin?' 
Rosmarin  holen,  Frau  Gevatterin. 
'Was  will  sie  damit  machen,  Frau  Gevatterin?' 
Weiß  sie  nicht,  daß  meine  Tochter  eine  Braut  ist,  Frau 
Gevatterin  ? 


72  131.    Die  schöne  Katrinelje  und  Pif  Paf  Poltrie. 

'Wen  hats  denn,  Frau  Gevatterin?' 

Rat  sie  einmal,  Frau  Gevatterin! 

'Einen  Doktor?'  —  Viel  besser. 

'Einen  Professor?'  —  Noch  besser. 

'Wohl  gar  einen  Besenbinder?'  —  Sie  hats  geraten. 

'Was  kriegts  alle  mit,  Frau  Gevatterin?' 

Eine  Metze  Hotzeln,  eine  Metze  Schnitzeln,  einen  Bieter- 
wamsrock, Schürzenfleckeln,  einen  Heller  an  barem 
Geld.  Ists  nicht  genug,  Frau  Gevatterin  ?  Kostet  eine 
Tochter  nicht  viel,  wenn  sie  heiraten  tut? 

Der  erste  Teil  dieses  gereimten  Gespräches,  die  Braut- 
werbung, ist  ein  altes  Gesellschaftsspiel.  Einen  nieder- 
deutschen Text  davon  hat  1587  der  Braunschweiger  Kantor 
0.  S.  Harnisch  (Newe  lustige  teutsche  Liedlein,  Helmstedt  1587  nr. 
12  =  1588  nr.  28)  dreistimmig  gesetzt;  Abdruck  bei  Uhland,  Volks- 
lieder 1844  nr.  273,  Böhme,  Altdeutsches  Liederbuch  nr.  233  und  Erk- 
Böhme,  Liederhort  2,  657  nr.  863.  Hier  fragt  der  Freier  ebenso  nach 
dem  Vater  des  begehrten  Mädchens : 

Wor  is  juwe  Vader  Hoenthei? 
'Hei  is  im  Hof  und  drift  dat  Vei.' 
Guden  Dach,  Her  Hoenthei, 
Hir  bin  ick,  Her,  und  kom  to  deck, 
Und  dat  du  wollest  geven  meck 
Dine  Dochter1)  to  der  E. 

Er  wird  aber  weiter  gewiesen  an  die  Mutter,  den  Bruder  und 
die  Schwester: 

'Dat  müsten  deck  gar  und  ganz  wol  bescheiden 

Wolle  Vader  Hoenthei, 

Wolle  Moder  Godegei, 

Wolle  Broder  Volenstolt, 

Wolle  Süster  Giseldrut, 

Wolle  sei  dann  noch  sülven 

De  schnucker  schnacker  wacker  Köckernölcken  van  Truthei.' 

So  fragt  er  die  Genannten  der  Reihe  nach: 

Wor  is  juwe  Moder  Godegei? 

'Sei  is  im  Hof  und  melkt  dat  Vei.'  — 

Wor  is  juwe  Broder  Volenstolt? 

'Hei  is  im  Hof  und  haut  dat  Holt.'  — 


a)  Irrig  hat  der  Druck:  Süster. 


131.    Die  schöne  Katrinelje  und  Pif  Paf  Poltrie.  73 

Wor  is  juwe  Süster  G-iseldrut? 
'Sei  is  im  Hof  und  weit  (!)  dat  Krut.'  — 
Wor  is  juwe  wacker  Köckernölckn? 
'Sei1)  is  im  Hof  und  sckelt  Zipölckn.' 

In  dem  ähnlichen  Liede  aus  dem  Kuhländchen  'Wem  gilt 
der  Besuch?'  (Meinert,  Volkslieder  in  der  Mundart  des  Kuhländchens 
1817  S.  241)  begrüßt  der  Fremde  den  Hausvater,  Viehtreiber,  die 
Wirtin,  Köchin  und  Kuhmagd,  ohne  eine  Werbung  vorzubringen : 
'Wie  ies  denn  ounsa  Voter,  dar  lange  Mon?  —  Diett  ai  jeäner 
Schaier  meißt  har  dos  Koen\ 

Eine  Schweizer  Aufzeichnung  bei  Kochholz,  Kinderlied  S.  167 
nr.  279  läßt  auch  die  Begrüßung  der  Hausgenossen  fallen : 

Wo  ist  denn  der  Vatter,  der  alte  Mann? 
'Er  ist  i  der  Chuchi  und  schärt  die  Pfann.' 
Wo  ist  denn  die  Muetter,  die  alti  Frau? 
'Sie  ist  i  der  Chammer  und  rutscht  im  Strau.' 
Wo  ist  denn  der  Sohn,  der  Grugelhuet? 
'Er  ist  üfm  Acher  und  zieht  de  Pflueg.' 
Wo  ist  denn  die  Tochter,  die  Lützelhübsck? 
'Sie  ist  i  der  Stube-n  und  mutzt  sech  hübsch.' 
Wo  ist  denn  die  Chöchi,  de  Hasefratz? 
'Sie  ist  i  der  Chuchi  und  spickt  die  Chatz.' 

Vgl.  noch  die  unten  zu  nr.  140  angeführte  paderbörnische 
Fassung. 

Der  zweite  Teil  unsres  Scherzdialogs  von  der  Bes  enbinders- 
hochzeit  ist  aus  Anhalt-Dessau  übereinstimmend  mit  der 
Bremer  Fassung  überliefert  bei  Fiedler,  Volkslieder  und  Volksreime 
1847  S.  84  =  Wegener,  Volkstümliche  Lieder  aus  Norddeutschland 
1879S.48nr.  163.     Man  hat  auch  in  Bremen  noch  den  Reim  (1822): 

Bürstenbinders  Tochter  und  Besenbinders  Sohn 

Die  haben  sich  versprochen,  sie  wollen  einander  hon. 

Die  Mutter  kam  gelaufen  und  schrie  im  Laufen  laut: 

'Victoria,  Victoria!  meine  Tochter  ist  ne  Braut. 

Und  wenns  erst  zusammen  sind  und  haben  dann  kein  Haus, 

So  setzens  sich  ins  Körbel  ein  und  gucken  oben  heraus.' 

Ebenso  Simrock,  Das  deutsche  Kinderbuch3  nr.  324.  Böhme, 
Kinderlied  S.  129.  Erk-Böhme,  Liederhort  2,  677  nr.  884  'Bettelhoch- 


J)  Im  Druck  steht:  Hei. 


74  132.    Der  Fuchs  und  das  Pferd. 

zeit'.  Schweiz :  Brenner,  Baslerische  Kinderreime  1902  nr.  164. 
Schwaben:  E.  Meier,  Volkslieder  1855  S.  65  nr.  362.  Baden :  Bender, 
Oberschefflenzer  Volkslieder  1902  S.  251.  Hessen:  Hess.  Blätter  f. 
Volkskunde  1902,  48.  Hessler,  Hessische  Landeskunde  2,  290. 
Halle:  Kretzschmer,  Volkslieder  1840  1,  259  nr.  147.  Schlesien: 
Weinhold,  Zs.  f.  Volkskunde  3,  229.  Böhmen:  Hruschka-Toischer, 
Volkslieder  aus  Böhmen  1891  S.  203  nr.  183.  Rheinprovinz :  Köhler- 
Meier,  Volkslieder  von  der  Mosel  1,  345  nr.  334.  In  Prosa  aus 
Brandenburg :  Kuhn,  Märkische  Sagen  S.  267  'Die  glückliche  Besen- 
bindersfrau'. —  Auch  in  dem  einst  beliebten  Singspiele  'Harlequins 
Hochzeit'  (1693  v.  425  bei  Bolte,  Die  Singspiele  der  englischen 
Komödianten  1893  S.  161)  wird  die  Heirat  einer  Besenbindertochter 
satirisch  vorgeführt1).  Zu  der  Aufzählung  der  ärmlichen  Mitgift 
vgl.  Zs.  f.  Volkskunde  13,  224  nr.  14. 


1856  s.2u.  ^32.    Der  Fuchs  und  das  Pferd. 

1815  nr.  46  =  1819  nr.  132.  Aus  dem  Münsterlande 
durch  die  Familie  v.  Haxthausen  (die  Originalhandscbrift  ist 
erhalten). 

An  das  Märchen  vom  alten  Sultan  (oben  1,  424)  erinnert  die 
Einleitung  von  dem  seines  altgewordenen  Haustieres  über- 
drüssigen Bauern  2).  Die  Haupthandlung,  nach  der  das  Pferd  mit 
Hilfe  des  Fuchses  den  Löwen  überlistet  und  ihn  gebunden  an 
seinem  Schweife  fortschleppt,  finden  wir  mehrfach  erzählt,  nur  daß 
meist  an  die  Stelle  des  Löwen  ein  Wolf  getreten  ist.  Im 
pommerschen  Märchen  'Wie  der  Fuchs  den  Wolf  an  den  Bauern 


!)  Puckert  dagegen  läßt  in  dem  nach  dem  Finnischen  bearbeiteten 
Liede  'Annikas  Freier'  (Poetische  Werke  1868  3,  217)  das  bescheidene 
Mädchen  statt  des  goldstrahlenden  und  des  silbernen  Jünglings  den  Reis- 
mann wählen,  vgl.  Schröter,  Finnische  Runen  1834  S.  143.  Neus,  Ehstnische 
Volkslieder  1850  S.  116.  Kalewipoeg,  deutsch  von  Reinthal  1861  S.  105. 
Hurt,  Setukeste  laulud  1,  52  (1904). 

2)  Merkwürdig  stimmt  dazu  der  Eingang  eines  weißrussischen 
Märchens  bei  Federowski  2,  31  nr.  34  (Dähnhardt,  Natursagen  4,  84),  wo  der 
von  seinem  Herrn  verstoßene  alte  Graul  dem  Löwen  begegnet  und  ihn 
durch  Kraftproben  wie  das  tapfere  Schneiderlein  (oben  1,  149)  in 
Schrecken  setzt. 


132.    Der  Fuchs  und  das  Pferd.  75 

verriet'  (Jahn,  Volkssagen  nr.  559)  verspricht  der  vom  Bauern 
gefangene  Fuchs  diesem  einen  Wolfspelz  als  Lösegeld  und  verschafft 
es  ihm,  indem  er  den  Schwanz  des  Wolfes  an  den  des  Hengstes 
bindet.  Im  ostpreußischen  Zs.  f.  Volkskunde  15,  345  rät  der 
Fuchs  dem  hungrigen  Wolfe,  sich  an  den  weidenden  Schimmel  her- 
anzuschleichen und  sich  seinen  Schweif  um  den  Hals  zu  binden. 
Ähnlich  bei  B.  L.  Fischer,  Mundart  des  Samlandes  1896  S.  254  nr.  3 
'Wi  de  Foaß  dem  Wulf  möt  da  öle  Kobbel  anföad'.  Weißrussisch 
bei  Sejn  2,  265  und  Kolmacevskij  S.  236. 

Eine  etwas  abweichende  Gestalt  hat  das  Märchen  in  Nord- 
europa  gewonnen.  Seine  Urform  gibt  Aarne,  Leitfaden  der  vgl. 
Märchenforschung  1914  S.  80  nr.  47  folgendermaßen  an:  Der  Fuchs 
frißt  ein  totes  Pferd;  da  kommt  der  Bär  und  fragt  ihn,  wie  er  es 
gefangen  habe.  Der  Fuchs  sagt,  er  habe  sich  am  Schwänze  des  in 
der  Sonne  Kegenden  Pferdes  festgebissen  und  so  gerissen,  daß  das 
Pferd  zu  laufen  anfing  und  lief,  bis  es  tot  umfiel.  Der  Bär  geht, 
um  dasselbe  Mittel  zu  versuchen,  und  das  Pferd  galoppiert,  als  der 
Bär  mit  seinen  Zähnen  am  Schwanz  hängt,  davon. 

In  der  norwegischen  Fassung  Asbjörnsens  (nr.  74,  4 
'Mikkel  vilde  smage  hestekjod'  ==  Dasent  1874  p.  127)  haben  auf- 
fälligerweise der  sonst  stets  tölpelhafte  Bär  und  der  sonst  so  arglistige 
Fuchs  ihre  Rollen  vertauscht,  und  ein  ätiologischer  Schluß  ist  an- 
gehängt. Wie  der  Fuchs  vom  Pferd  fortgerissen  wird,  ruft  ihm  der 
Hase  zu:  'Wo  fährst  du  hin,  Michel?'  'In  der  Eilpost,  lieber  Jens', 
antwortet  der  Fuchs.  Da  lacht  der  Hase  sich  die  Lippen  entzwei 
und  hat  seitdem  eine  Hasenscharte1).  Schwedisch:  Hylten- 
Cavallius,  Wärend  och  Wirdarne  2,  XXVI  (Fuchs  vom  Hasen  ver- 
lacht). Allardt,  Nyländska  folkseder  1889  S.  100  (desgleichen). 
Rancken-Vefvar,  Djursagor  frän  Österbotten  (Sv.  lanclsmälen  1905,  44) 
nr.  8  Vargen  ock  räven'  (Wolf  vom  Pferde  geschleift),  nr.  9  (Fuchs 
geschleift),  nr.  36  'Räven  ock  hären'  (Hase  lacht).2)  —  Finnisch: 
Krohn  1,  373.  Aarnes  Register  nr.  47;  vgl.  Krohn,  Bär  und  Fuchs 
(Journal  de  la  soc.  finno-ougrienne  6,  70)  und  Dähnhardt,  Natursagen 

*)  Zu  dieser  Erklärung  der  gespaltenen  Lippe  des  Hasen 
vgl.  Dähnhardt,  Natursagen  3,  22  f.  492.  4,  98  f.  237. 

2)  Auch  im  serbokroatischen  Märchen  bei  Valjavec  S.  278  nr.  66  = 
Krauss  1,  5  nr.  2  'Der  Esel  als  König  der  Tiere'  wird  der  Wolf,  der 
seinen  Schweif  an  den  des  Löwen  gebunden  hat,  von  diesem  zu  Tode 
geschleift.  Aber  die  Fabel  gehört  einem  ganz  andern  Kreise  an;  der 
durch  den  prahlenden  Esel  eingeschüchterte  Löwe  entspricht   dem  Tiger 


76  132.    Der  Fuchs  und  das  Pferd. 

4,  237  F.  —  Estnisch:  Kunder,  Eesti  muinasjutud  1885  S.  22.  — 
Lappisch:     Qvigstad-Sandberg     nr.    54     'Ulven    og    rseven',     vgl. 

5.  XIII1  (Wolf  und  Fuchs).  —  In  einem  afghanischen  Märchen 
bei  Thorburn  p.  222  verheißt  der  Esel  dem  Wolf,  der  ihn  fressen 
will,  ihn  reiten  zu  lehren,  nimmt  ihn  auf  den  Rücken  und  trägt  ihn 
ins  Dorf,  wo  der  Wolf  übel  empfangen  wird.  Im  Negermärchen 
bei  Harris,  Nights  with  Uncle  Remus  p.  6  nr.  2  'Brother  Fox  catches 
Mr.  Horse'  läßt  sich  der  Fuchs  auf  den  Rat  des  Kaninchens  an  den 
Schwanz  des  scheinbar  schlafenden  Pferdes  anbinden;  Foulet  (Le 
roman  de  Renard  1914  p.  558)  'erblickt  darin  eine  direkte  Über- 
tragung gedruckter  europäischer  Literatur.  Bei  den  Chickasaw- 
Indianern  (Journal  of  amer.  folklore  26,  292),  wo  der  Fuchs  den 
Wolf  an  den  Schwanz  des  Pferdes  bindet,  und  den  Berbern 
(Destaing,  Beni-Snoüs  1,  254  nr.  4),  wo  der  Schakal  sich  an  den 
Schweif  des  sich  tot  stellenden  Esels  anknüpft,  ist  die  Entlehnung 
noch  deutlicher;  ganz  unzweifelhaft  aber  im  neugriechischen 
Märchen  'Die  Träume  der  Füchse'  (Kretschmer  nr.  21),  wo  der  Esel 
des  Popen  die  vom  Fuchse  gestohlenen  Riemen  seinem  Herren 
wiederzuschaffen  verheißt. 

In  der  9.  Branche  des  altfranzösischen  Roman  de  Renart 
(v.  1640  ed.  Martin;  vgl.  J.  Grimm,  Reinhart  Fuchs  1834  S.  CXXXI. 
Sudre,  Les  sources  du  roman  de  Renart  1892  p.  200.  Foulet  1914 
p.  444)  nämlich  streckt  sich  der  Esel  Tymer,  der  seinem  Herren, 
dem  Bauern  Lietart,  den  vom  Fuchse  gestohlenen  Riemen  und  das 
Fuchsenpaar  herbeischaffen  soll,  scheintot  vor  Renarts  Burg  Mal- 
pertuis  zu  Boden.  Hermeline,  die  Gattin  Renarts,  öffnet  die  Tür, 
erblickt  die  willkommene  Speise  und  ruft  Renart,  der  anfangs  miß- 
traut und  den  Toten  durch  Bisse  prüft.  Tymer  rührt  sich  nicht. 
Nun  binden  sich  beide  mit  den  Riemen  an  den  Esel  fest  und  ziehen 
ihn  fast  bis  zur  Schwelle,  da  gewahrt  Renart  seitwärts,  wie  der 
Tote    ein    Auge    aufschlägt;    schnell    läßt    er    sich    losbinden.      Die 

in  der  Sukasaptati  (Textus  simpl.  nr.  42—44.  Benfey,  Pantsch.  1,  505), 
den  der  Affe  verlacht,  weil  er  sich  vor  der  bösen  Frau  fürchte ;  aber  als 
diese  den  Affen  schilt,  weil  er  ihr  nur  einen  Tiger  statt  der  versprochenen 
drei  zum  Verzehren  bringe,  ergreift  der  Tiger  entsetzt  die  Flucht.  Vgl. 
Möghavijaya  4,  c.  13  (Z.  f.  Vk.  16,  268;  dazu  ZdmG.  61,  69  nr.  2); 
O'Connor  nr.  13  (Tiger,  Affe,  Schakal);  Steel-Temple  p.  132;  Folk-lore  19, 
118;  Grierson  7,  60.  9,  2,277;  Rosen,  Tuti-nanieh  2, 136;  Sbornik  Kavkaz. 
17,  2,  164;  Wlislocki,  Volksdichtungen  S.  404  =  ZdmG.  42,  139;  Krauss 
1,  283  nr.  67  (Drache,  Fuchs,  Zigeuner). 


132.    Der  Tuchs  und  das  Pferd.  77 

Füchsin  spottet  des  Furchtsamen  und  knüpft  sich  noch  fester.  Jetzt 
erhebt  sich  plötzlich  Tymer  und  schleift  die  jammernde  Hermeline 
mit  sich  fort  in  das  Bauernhaus. 

Auf  diese  mittelalterliche  Dichtung    hätte  sich  Krohn  (Journal 

6,  70)  berufen  können,  wenn  er  die  Fassungen,  in  denen  der  Fuchs 
und  nicht  der  Bär  oder  Wolf  geschleift  wird,  für  die  älteren  erklärt. 
Doch  wendet  A.  v.  Löwis  (Dähnhardt,  Natursagen  4,  236)  mit  Recht 
ein,  daß  die  9.  Branche  als  eine  junge  literarische  Bearbeitung  mit 
der  Überlieferung  sehr  frei  schaltet  und  verschiedene  Zutaten  und 
Abänderungen  anbringt.     Die  ursprüngliche  Form  finden  wir  in  der 

7.  Extravagante  von  Steinhöwels  lateinisch-deutschem  Äsop  ed. 
Oesterley  1873  S.  203  'De  lupo  et  asino'  (=  Grimm,  Keinhart  Fuchs 
S.  424 ;  vgl.  Hervieux,  Fabulistes  latins  22,  279.  308  und  Camerarius, 
Fabulae  Aesopicae  1570  p.  203),  wo  wie  im  französischen  Epos  der 
Esel  allein  ohne  Ratgeber  seine  tapfere  Tat  ausführt,  sein  Gegner 
aber  nicht  der  Fuchs,  sondern  der  Wolf  ist.  Als  der  Wolf  den  Esel 
überfällt,  bittet  dieser,  ihn  doch  nicht  auf  der  Landstraße  zu  fressen, 
sondern  aus  Gerten  einen  starken  Strick  zu  drehen  und  ihn  daran  in 
den  Wald  zu  führen;  dort  möge  er  nach  seinem  Gefallen  mit  ihm 
verfahren.  Dem  Wolfe  gefällt  der  Vorschlag,  er  bindet  das  Seil  dem 
Esel  um  die  Brust,  und  der  Esel  schnürt  es  dem  Wolf  um  den  Hals. 
Als  der  Wolf  aber  in  den  Wald  gehn  will,  zieht  ihn  der  Esel  vor 
seines  Herren  Haus;  dieser  läuft  mit  seinen  Knechten  heraus,  und 
sie  schlagen  auf  den  Wolf,  der  mit  knapper  Not  dem  Tode  entrinnt. 
Steinhöwels  Werk  ist  ins  Französische  (1484),  Englische  (1484.  Neu- 
druck von  J.  Jacobs  1889),  Niederländische  (1485),  Spanische  (1489) 
und  Cechische  (um  1487,  hsg.  v.  Ant.  Truhlaf  1901  S.  138)  übertragen; 
auf  ihm  beruht  ein  1547  verfaßtes  Meisterlied  des  Hans  Sachs 
'Der  Esel  fing  ein  Wolf  (Fabeln  ed.  Goetze-Drescher  4,  261  nr.  405). 
—  Diese  Erzählung  bietet  ein  Seitenstück  zu  der  äsopischen 
Fabel  'Der  Esel  und  der  Wolf  (nr.  334  ed.  Halm),  wo  der  gleich- 
falls Überfallene  Esel  den  Wolf  bittet,  ihm  einen  Dorn  aus  dem  Fuße 
zu  ziehen,  und  ihm  darauf  einen  furchtbaren  Hufschlag  auf  den  Kopf 
versetzt ;  vgl.  Oesterley  zu  Kirchhof,  Wendunmut  7,  nr.  43.  Haltrich- 
Wolff,  Zur  Volkskunde  der  Siebenbürger  Sachsen  S.  502.  Thiele,  Der 
lat.  Aesop,  Einl.  S.  58.  Hervieux  22,  173  'De  leone  et  equo'  und  272 
'De  vulpe  et  mulo'.  Sudre,  Sources  du  roman  de  Kenart  p.  332. 
338.     Etnogr.  Zbirnyk  37—38,  56  nr.  41  (Wolf  und  Stute).  65  nr.  17. 


78  133.    Die  zertanzten  Schuhe. 


1856  s.  215.  153.    Die  zertanzten  Schuhe. 

1815  nr.  47  =  1819  nr.  133.  Aus  dem  Münsterland 
durch  die  Familie  v.  Haxthausen ;  die  Originalhandschrift  ist  betitelt 
'Die  zwölf  Prinzessinnen'. 

Der  Zug,  daß  der  Soldat  einen  Schwamm  unter  das  Kinn 
bindet,  in  welchen  er  den  Schlaftrunk  laufen  läßt,  ist  aus  einer  andern 
päd  er bö mischen  Erzählung  aufgenommen,  die  noch  folgendes 
Abweichende  hat. 

Es  sind  nur  drei  Königstöchter,  deren  Schuhe  jeden  Morgen  entzwei 
gefunden  werden.  Wer  die  Ursache  herausbringt,  soll  die  jüngste  zur 
Gemahlin  haben,  wer  es  aber  nicht  vermag,  das  Leben  verlieren.  Zwölf 
sind  schon  aufgehängt,  da  meldet  sich  der  Soldat  als  der  dreizehnte. 
Er  schleicht  ihnen  nachts  durch  den  heimlichen  Gang  nach  (den  un- 
sichtbarmachenden Mantel  hat  er  noch  nicht).  Die  drei  Fräulein  gehen 
bis  zu  einem  See;  da  stehen  drei  große  Riesen,  jeder  nimmt  eine  von 
ihnen  auf  den  Nacken  und  trägt  sie  durch  das  Wasser  zu  einem 
kupfernen  Schloß *).  Der  Soldat  kann  nicht  nach,  da  erblickt  er  einen 
Löwen  und  einen  Fuchs,  die  haben  einen  Mantel  und  ein  Paar  Stiefeln, 
wenn  man  die  antut,  so  kommt  man  hin,  wo  man  sich  hinwTünscht.  Die 
beiden  streiten  sich,  wer  die  Wunschdinge  haben  soll;  da  spricht  er: 
'Geht  dreißig  Schritte  weit,  dann  fangt  an  zu  laufen !  Wer  am  ersten 
wieder  hier  ist,  soll  sie  haben'.  Kaum  sind  sie  fort,  so  zieht  er  die  Stiefel 
an,  hängt  den  Mantel  um  und  wünscht  sich  zu  den  drei  Königstöchtern2). 
Er  setzt  sich  unsichtbar  zu  der  ältesten  und  ißt  ihr  alles  vor  dem  Mund 
weg.  Nach  dem  Essen  fängt  der  Tanz  an,  und  sie  tanzen  so  lang,  bis 
ihre  Schuhe  Löcher  haben;  dann  tragen  die  Kiesen  sie  wieder  über  den 
See  zurück.  Er  wünscht  sich  in  sein  Bett,  so  daß  sie  ihn  wie  in  tiefem 
Schlafe  finden.  In  der  zweiten  Nacht  geht  es  ebenso,  das  Schloß  ist 
silbern,  und  der  Soldat  setzt  sich  zu  der  zweiten.  In  der  dritten  Nacht 
ist  es  golden,  und  er  sitzt  bei  der  dritten,  der  zugesagten  Braut.  Am 
dritten  Tag  entdeckt  der  Soldat  dem  König  alles  und  erhält  die  jüngste 
Schwester  und  nach  des  Alten  Tod  das  Reich. 

Eine  dritte  Erzählung  aus  Hessen  hat  viel  Eigentümliches.  Eine 
Königstochter  vertanzt  alle  Nacht  zwölf  Paar  Schuhe,  jeden  Morgen  muß 
ein  Schuster  kommen    und    zwölf  Paar    neue    anmessen,    die  abends  ab- 


*)  Über  die  Reihe  kupfern,  silbern,  golden  vgl.  S.  621  — . 

2)  Über  die  den  Streitenden  abgenommenen  Wunsch  dinge  vgl. 
oben  2,  331;  auch  Prato,  Ena  novella  monferrina  1882  p.  17 — 41  und 
Zachariae,  Zs.  f.  Volksk.  16,  132  und  Gott.  gel.  Anz.  1916,  572. 


133.    Die  zertanzten  Schuhe.  79 

geliefert  werden;  dazu  hält  er  zwölf  Gesellen.  Niemand  weiss,  wie  die 
Schuhe  nachts  zerrissen  werden.  Als  eines  Abends  der  jüngste  von  den 
Gesellen  die  Schuhe  herbeiträgt  und  die  Jungfrau  gerade  nicht  in  ihrer 
Kammer  ist,  denkt  er:  'Du  mußt  herausbringen,  wie  die  Schuhe  zerrissen 
werden',  nnd  legt  sich  unter  ihr  Bett.  Nachts  elf  Uhr  öffnet  sich  die 
Falltüre,  es  kommen  elf  Königstöchter  herauf,  die  küssen  sich  einander, 
tun  die  neuen  Schuhe  an  und  steigen  dann  zusammen  hinab.  Der  Gesell 
der  sich  uusichtbar  machen  kann,  gebt  nach ;  sie  kommen  an  ein  Wasser, 
wo  sie  ein  Schiffer  in  seinen  Kahn  nimmt.  Dieser  klagt,  daß  das  Schiff 
schwerer  sei.  'Ach,'  sagen  die  zwölf  Jungfrauen,  'wir  haben  doch  nichts 
mitgenommen,  kein  Tuch,  kein  Päckchen.'  Sie  landen  und  gehen  in  zwölf 
verscbiedene  Gärten,  jeder  gehört  einer  davon ;  sie  brechen  die  schönsten 
Blumen  und  schmücken  sich  damit.  Nun  gehen  sie  zu  einem  Schloß, 
wo  zwölf  Königssöhne  sie  empfangen  und  mit  ihnen  tanzen;  alle  sind 
lustig,  nur  eine  nicht,  die  ist  ieidmütig  (es  ist,  als  habe  sie  den  schönen 
Schusterbuben  gesehen  und  sich  in  ihn  verliebt).1)  Sie  kehren  wieder 
zurück,  weil  die  Schuhe  durchgetanzt  sind.  Oben  werfen  sie  die  zwölf 
Paar  zum  Fenster  hinaus,  wo  schon  ein  ganzer  Haufen  Schuhe  liegt.  Der 
Gesell  schleicht  sich  fort;  am  andern  Morgen  kommt  der  Meister  und  will 
der  Königstochter  die  neuen  Schuhe  anmessen,  sie  liegt  aber  noch  im 
Bett  und  heißt  ihn  wiederkommen.  Als  er  wiederkommt,  sagt  sie,  sie 
wolle  keine  Schuhe  mehr,  sie  brauche  nur  ein  Paar,  das  solle  er  ihr  durch 
seinen  jüngsten  Gesellen  schicken.  Der  aber  sagt:  'Ich  gehe  nicht;  erst 
ist  die  Reihe  am  ältesten.'  Dieser  putzt  sich  und  geht  hin;  sie  will  ihn 
aber  nicht,  sondern  den  jüngsten.  Der  spricht  wieder:  'Ich  gehe  nicht 
eher,  als  bis  es  an  mich  kommt.'  So  geht  der  zweite,  dritte  und  alle  einer 
nach  dem  andern  hin,  bis  sie  den  elften  auch  zurückgeschickt  hat.  Da 
sagt  der  jüngste:  'Soll  ich  hin,  so  geh  ich,  wie  ich  da  bin,  und  ziehe 
keine  bessere  Kleider  an.'  Wie  er  hinkommt,  fällt  sie  ihm  um  den  Hals 
und  sagt:  'Du  hast  mich  von  den  elfen  erlöst,  in  deren  Gewalt  ich  ge- 
wesen und  von  denen  ich  gepeinigt  worden  bin;  ich  liebe  dich  von 
Herzen,  du  sollst  mein  Gemahl  werden.' 

Aus  Niedersachsen  bei  Schambach-Müller  S.  283  'Die  zer- 
tanzten Schuhe'  (auf  den  Rat  eines  Zwerges  stellt  sich  der  Bauer 
schlafend  und  folgt  unsichtbar  den  sechs  Königstöchtern).  Aus  Ost- 
preußen   bei  Lemke  2,  62    nr.  7    'Der  dwatsche  Hans'    (folgt    der 


l)  Die  Liebe  der  Prinzessin  zum  Schusterburschen  stellt 
Thomas  Deloneys  Erzählung  'The  gentle  craft'  (1598.  ed.  byA.  F.  Lange 
1903)  dar,  die  in  England  zum  Volksbuch  ward  und  als  Schauspiel  auch 
in  Deutschland  Verbreitung  fand  (Bolte,  Das  Danziger  Theater  1895 
S.  114). 


80  133.    Die  zertanzten.  Schuhe. 

Prinzessin,  da  er  sich  durch  ein  wunderbares  Handtuch  unsichtbar 
machen  kann,  in  ihr  unterirdisches  Schloß,  wo  sie  nicht  tanzt,  sondern 
liest  und  schläft).  Aus  dem  Temescher  Banat  bei  Zeynek, 
N.-Lausitzisches  Magazin  42,  341  'Der  Mantel'  (den  Tarnmantel  erhält 
Hans  für  den  Dienst  bei  der  Hexe;  zum  Wahrzeichen  bricht  er  einen 
kupfernen,  silbernen  und  goldenen  Zweig  ab). 

Dänisch  in  Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  23  'Troldebruden'. 
Grundtvig,  Minder  3,  11  'Prindsessen  med  de  tolv  Par  Guldsko'  = 
Stroebe  1,  97;  hier  folgt  der  Bursch  mit  seinem  unsichtbar  machen- 
den Stocke  der  Prinzessin,  die  allnächtlich  zwölf  Tänze  mit  dem 
Trold  hält,  und  tötet  diesen,  bevor  er  sie  heiratet,  durch  einen  Nadel- 
stich und  belebt  die  in  Bäume  verwandelten  Menschen.  — 
Schwedisch:  Aberg  nr.  223  (Om  prinsessan  i  det  underjordiska 
slottet'.  —  Norwegisch:  Braset  2,186  'Kaangsdöttrin  som  va  bort 
om  dansa  om  netha'.  —  Isländisch  in  eigentümlicher  Umformung 
bei  Ärnason  1,  105.  107.  110.  115;  Maurer  S.  10;  Lehmann-Filhes 
1,  49;  Rittershaus  S.  316  nr.  85,  1 — 5  'Die  verwünschte  Eiben- 
königin'. Der  Wintergast  muß  am  ersten  Sommertage  das  Geheimnis 
des  Königs  Oddur  erraten  haben  oder  das  Leben  verlieren;  ersieht 
in  der  Weihnachtsnacht  den  König  in  einen  Sumpf  springen,  folgt 
ihm  und  gewahrt,  wie  Oddur  dort  sich  in  Frauengewänder  hüllt  und 
von  einem  unterirdischen  Könige  als  Gattin  begrüßt  wird.  Als  er 
dies  am  ersten  Sommertage  erzählt,  dankt  ihm  Oddur,  überträgt  ihm 
die  Regierurig  und  verschwindet.  So  bei  Rittershaus  nr.  85,  1 ;  in 
andern  Fassungen  ist  es  ein  Knecht,  der  die  angebliche  Wirt- 
schafterin, eine  zum  Magddienst  bei  den  Menschen  verwünschte  Eibin, 
in  der  Weihnachtsnacht  beobachtet  und  sie  dadurch  erlöst.  — 
Französisch:  Deulin,  Contes  du  roi  Cambrinus  1874  p.  61  'Les 
douze  princesses  dansantes'  (sehr  ähnlich  der  rumänischen  Fassung). 
—  Portugiesisch:  Consiglieri  Pedroso  p.  85  nr.  21  'The  seven 
iron  slippers'  (nur  eine  Prinzessin ;  der  Soldat  folgt  ihr  in  Nebelkappe 
und  Siebenmeilenstiefeln).  —  Griechisch:  Deltion  1,  693  nr.  20 
Tb  ä(pav%0  OKOVcpdroi  =  Garnett  2,  199.  —  Rumänisch:  Wlis- 
locki,  Zs.  f.  vgl.  Litgesch.  11,  470  (eine  dankbare  Tote  berät  den 
Burschen ;  vermischt  mit  der  Merlinsage).  Ispirescu  nr.  22  =  E.  B.  M., 
Roumanian  fairy  tales  p.  1  'The  slippers  of  the  twelve  princesses' 
=  Brun  1894  nr.  3  'Les  douze  filles  de  l'empereur';  vgl.  Säinenu 
p.  777  f.  Archivio  1,  479.  Melusine  8,  215.  —  Slowenisch: 
Gabrscek  S.  226  nr.  29  (dazu  Leichenfresserin).  —  Serbokroatisch 


133.    Die  zertanzten  Schuhe.  81 

aus  Kroatien:  Stojanovic,  Pueke  pripov.  S.  154  nr.  34  (verbunden  mit 
der  Hexenfahrt  auf  einen  Berg,  wie  auch  in  einer  isländischen,  zwei 
mährischen  und  einer  magyarischen  Fassung).  Kres  5,  143  nr.  42 
(Einleitung  ähnlich  oben  2,  190,  Schluß  von  der  Prinzessin  im  Sarge). 
Aus  Slawonien-  Zbornik  jslav.  18,  144  nr.  53  (die  Prinzessin,  die 
mit  den  Vilen  getanzt,  wird  von  ihrem  Gatten  geschlagen,  bis  Feuer 
von  ihr  fliegt).  18,  145  nr.  54  (vorher  Tierschwäger,  nachher 
Leichenfresserin  wie  Wolf,  DHM.  S.  258).  Aus  Serbien:  Nikolic 
S.  221  nr.  23  =  Chudjakov,  Mater.  S.  36  (der  Held  nimmt 
drei  streitenden  Teufeln  Teppich,  Tarnkappe  und  Knüppel  im  Sack 
ab;  Schluß  Hochzeit).  Aus  Syrmien:  Bos.  Vila  5,  74  (Hochzeit). 
Aus  Bosnien  ebd.  10,  108  (dazu  Prinzeß  im  Sarge).  =  Ostojic  S.  66 
=  Leskien  S.  296  nr.  64  'Die Nachtschwärmerin'.  —  Bulgarisch: 
Sbornik  za  nar.  umotvor.  1,  137  nr.  2  =  Leskien  S.  78  (der  Held 
gewinnt  die  Zaubergaben  wie  im  Serbischen  und  löst  übernatürliche 
Aufgaben).  2,  187.  6,  173.  7,  159.  11,  132.  Strauß  S.  255.  — 
Öechisch  aus  Mähren:  Miksicek  1,  221  =  Kulda  2,  153  nr.  5 
'Das  verschlafene  Haus'  (der  Held  im  Faß  fängt  einen  Wolf,  erhält 
drei  Wunschdinge;  Prinzessin  versinkt  in  die  Hölle).  Ed.  Peck 
nr.  52  (ebenso).  Kulda  2,  96  nr.  86  (Gräfin  mit  ihren  beiden 
Töchtern  versinkt).  Stränecka  S.  3  nr.  1  (der  Bursch  folgt  mit 
Tarnkappe,  Gerte  und  Ranzen  der  Königstochter,  die  jede  Nacht 
zwölf  Paar  Schuhe  zerreißt.  Sie  sinkt  zum  Schluß  in  die  Hölle). 
Vaclavek,  Val.  poh.  S.  9  (Held  heiratet  die  Prinzessin).  Pfikryl 
S.  273  (Prinzessin  versinkt  fluchend).  Böhmen:  Popelkovä,  Na  besede 
S.  149  nr.  16  (Zauberranzen;  Prinzessin  gehängt,  durch  Verbrennung 
des  Leichnams  erlöst).  —  Slowakisch:  Sbornik  mus.  slov.  spol.  17, 
19  nr.  34  (die  dritte  Schwester,  die  nicht  mittanzt,  soll  den  Goldapfel, 
Birne  und  Beutel  der  Hexe  holen ;  s.  oben  S.  37).  17,  92  nr.  41 
(zwölf  Prinzessinnen  tanzen  in  der  Hölle,  auf  Befehl  des  Königs  von 
Pferden  zerrissen).  —  In  einem  polnischen  Märchen,  das  Dobrowsky 
vor  1822  den  Brüdern  Grimm  mitteilte,  zertanzen  drei  Königstöchter, 
darunter  zwei  Zauberinnen,  alle  Tage  zwei  Paar  Schuhe;  sie  waren 
nachts  über  Land  geflogen.  Aus  Österr.  Schlesien  bei  Malinowski 
1,  28  (dazu  Prinzessin  im  Sarge).  Aus  dem  Krakauer  Lande:  Kol- 
berg 8,  141  nr.  55  und  56.  Swietek  S.  352  nr.  25  (Heirat).  Wisla 
8,  435  (ebenso).  Lud  9,  179 — 183  (dazu  Prinzessin  im  Sarge).  Mater, 
i  prace  komis.  je,zyk  1,  42  nr.  3  (die  Prinzessin  fällt  schließlich  tot 
nieder).    —    Kleinrussisch:    Sadok  Barg,cz2    S.  34    (der  Teufel 

Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  Q 


82  133.    Die  zertanzten  Schuhe. 

muß  dem  Helden  die  Verschreibung  der  Prinzessin  herausgeben). 
Bozdol'skyj  nr.  63  (Etnogr.  Zbirnyk  7,  129).  Etnograf.  Zbirnyk  15, 
194  nr.  316  (dazu  Prinzessin  im  Sarge).  29,  60  nr.  7  (aus  Südungarn ;  der 
Held  verschmäht  die  Prinzessinnen).  —  Großrussisch  aus  dem 
Gouv.  Orenburg:  Afanasjev3  2,  223  nr.  167  (ähnlich  Müller-Scham- 
bach). Aus  Gouv.  Perm  ebd.  2,  225.  Aus  Gouv.  Samara:  Sadovnikov 
S.  52  nr.  7  =  v.  Löwis  nr.  36  (Wunschdinge  drei  streitenden 
Brüdern  abgenommen;  Hochzeit).  Aus  Gouv.  Wologda:  Ivanickij 
S.  176  nr.  7  (wie  im  Portunatusmärchen  entlockt  die  Frau  dem 
Helden  die  Kleinode).  Gouv.  Tomsk:  Zap.  Krasnojarsk.  2,  173 
nr.  40.  —  Litauisch:  Veckenstedt  1,  196  nr.  46  'Beslea' 
(der  Jüngling  schneidet  dem  Sohne,  den  die  Königstochter 
dem  Drachen  geboren,  den  Schwanz  ab  und  wirft  ihn  ihr  am  andern 
Morgen  ins  Gesicht.  Ob  echt?)  —  Lettisch  aus  Livland:  Treuland 
S.  190  nr.  113.  —  Finnisch:  Aarnes  Begister  nr. 306.  —  Magyarisch: 
Erdelyi  2,  352  —  Stier  1850  S.  51  'Der  unsichtbare  Schäferjunge' 
=  Jones-Kropf  p.  141  nr.  28.  —  Zigeunerisch  aus  Nordungarn: 
Groome  p.  141  nr.  41  'The  three  girls'  (nach  B.  v.  Sowa).  — 
Türkisch:  Künos,  Ossman-Török  nepköltesi  gyüjtemeny  1,  nr.  20 
=  Stambul  S.  107  nr.  15.  Sbomik  Millera  S.  192  nr.  20. 

Die  heimlich  zur  Nachtzeit  tanzenden  Prinzessinnen,  in  denen 
Sartori,  Zs.  f.  Volkskunde  4,  205  tanzende  Nebel-  und  Wolkenwesen 
erblickt,  gehen  wohl  auf  die  Vorstellungen  vom  nächtlichen  Tanze 
der  Elfen  und  von  den  Hexenversammlungen  zurück  (J.  Grimm, 
Mythologie3  S.  438.  1008).  Um  die  Schuld  der  dem  Helden  zu- 
gedachten Jungfrau  abzuschwächen,  heißt  es  bisweilen,  sie  sei  als  die 
jüngste  von  den  Schwestern  mitgenommen,  oder  es  sollten  durch  das 
Tanzen  verzauberte  Prinzen  erlöst  werden.1)  Meist  befreit  der  Held 
die  Königstochter  von  dem  auf  ihr  lastenden  Banne  und  führt  sie 
als  Braut  heim;  doch  schließen  auch  mehrere  slawische  Fassungen  mit 
der  Verdammnis  derselben.  In  den  isländischen  Varianten  dagegen 
kehrt  die  in  Menschengestalt  dienende  Elbin,  nachdem  ihr  Wesen 
erkannt  ist,  froh  zu  den  Ihrigen  zurück.     Vgl.  Polivka,  Pohadkoslovne 


1)  In  dem  entstellten  englischen  Märchen  'Kate  Crackernuts'  bei 
Jacobs  1,  198  nr.  37  muß  ein  kranker  Königssohn  allnächtlich  im  grünen 
Hügel  mit  den  Feen  tanzen,  bis  eine  Jungfrau  ihm  dreimal  nachschleicht 
und  die  Mittel  erhält,  ihre  verzauberte  Schwester  und  den  Prinzen  zu 
heilen. 


133.    Die  zertanzten  Schuhe.  83 

Studie  S.  107—141  (Zs.  f.  Volkskunde  16,  207),  der  auch  an  die 
erotische  Bedeutung    des    Schuhes    erinnert    (Sartori,    Zs.  f.  Volksk. 

4,  157). 

Eine  verwandte  Gruppe  bilden  die  Märchen  von  der  Braut 
des  Hexenmeisters,  deren  bekanntester  Vertreter  Andersens 
'Beisekamerad'  ist.  Hier  gibt  eine  Prinzessin,  die  in  einen  häßlichen 
Zauberer  verliebt  ist1),  ihren  Freiern  auf,  ihre  Gedanken  zu  erraten 
oder  einen  verborgenen  Gegenstand  herbeizuschaffen ;  dies  gelingt 
dem  Helden  mit  Hilfe  eines  Dieners,  der  sich  zuletzt  als  ein  dank- 
barer Toter2)    offenbart.     Deutsch    aus  Südwestungarn:   Bunker 

5.  237  nr.  86  'Der  Hansl  und  der  Tote'.  Aus  der  Bheinprovinz : 
Siinrock,  Der  gute  Gerhard  1856  S.  89  =  Simrock,  Märchen  S.  56 
'Gedanken  erraten'.  Vom  Harz:  Ey  S.  64  'Die  verwünschte 
Prinzessin'  =  Zaunert  S.  237.  Aus  Holstein  bei  Wisser,  Eutiner 
Kalender  1917,  49  'Der  dankbare  Tote'.  —  Dänisch:  Andersen, 
Der  Beisekamerad  1836  =  Gesammelte  Märchen  1847  3,  85 
(Christensen,  Danske  Studier  1906,  164.  Brix,  Andersen  1907 
S.  223).  Berntsen  1,  80  nr.  9  'Den  hvide  Mand  og  Kongesonnnen'. 
2,  43  nr.  5  'Folgesvenden'.  Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  1,  309 
nr.  40  'Den  gronne  Dreng  og  de  tre  Hexe'.  4,  64  nr.  10  'Ligets 
HJEelp'.  Grundtvigs  hsl.  Begister  nr.  67c  'Den  dodes  hjselp'.  — 
Schwedisch:  Aberg  nr.  96  'Om  den  frikostiga  härm'.  Allardt 
nr.  81  lFöljis-vänn'.  Hackmans  Begister  nr.  507.  —  Norwegisch: 
Asbjörnsen  nr.  100  'Folgesvenden'  (zuerst  1855  gedruckt)  =  Stroebe 
2,  25  =  Dasent  1874  p.  71.  Haukenses  S.  62  'Kongesonnens  drom'. 
—  Englisch:  Halliwell,  Populär  rhymes  p.  67  'Jack  the  giant 
killer'  =  Hartland,  English  fairy  tales  p.  3  =  Jacobs  1,  99  nr.  19. 
Groome,  Folk-lore  9,  237.  Vgl.  E.  Köhler  1,  226  und  Gerould, 
The  grateful  dead  1907  p.  70.  —  Irisch:  Kennedy,  Legendär 
fictions  p.  32  'Jack  the  master  and  Jack  the  servant'  =  Knortz 
1886  S.  75  nr.  41.  Hyde  p.  18  'The  King  of  Ireland's  son\  Dottin, 
Contes  et  legendes  d'Irlande  p.  55  'Le  mort  reconnaissant  et  la 
magicienne'  =  Gaelic  Journal  10,  593.  Larminie  p.  155  'Beauty  of 
the  world'.     Curtin,  Myths  of  Ireland  p.  186  'Shaking-head'.    Curtin, 


*)  Vgl.  Kittredge,    Studies  and  notes    in  philology  of  the  Harvard 
university  8,  250  (1903). 

2)  Vgl.  über  diesen  Stoff   Bolte,    Zs.   f.  Volksk.  25,  33    'Der  dank- 
bare Tote'. 

6* 


84  134.    Die  sechs  Diener. 

Hero  tales  p.  122.  312.  —  Rumänisch:  Schott,  Die  beiden 
Kreuzbrüder  (Hausblätter  hsg.  von  Hackländer  und  Hoefer  1857,  4, 
470.  Der  Tote  bricht  einen  Zweig  im  eisernen  und  kupfernen 
Walde  ab  und  raubt  in  Katzengestalt  beim  Drachen  Taschentuch, 
Löffel  und  King  der  Prinzessin).  —  Serbokroatisch:  Vuk  Kara- 
dzic 1870  S.  217  nr.  3  =  1897  S.  221  nr.  56  —  Jagic  nr.  21 
(Archiv  f.  slav.  Phil.  2,  621)  —  Krauss  1,  385  nr.  85  'Der 
Vilaberg'  (statt  der  Prinzessin  eine  Wila,  deren  Blick  den  Jüng- 
ling stumm  und  blind  macht;  der  vom  Galgen  Losgekaufte 
nötigt  die  Wilen,  ihn  zu  heilen  und  ihm  eine  Gattin  zu  geben).  Bos. 
Vila  23,  239.  253.  269.  —  Finnisch:  Salmelainen  4,  nr.  11,  2. 
Aarnes  Register  nr.  507  'Der  Kopf  des  Unholdes'.  —  Durch  die 
Portugiesen  ist  das  Märchen  auch  zu  den  Kaf fern  an  der  Delagoa- 
bai  gelangt:  Junod,  Les  Ba-Ronga  p.  317  nr.  30  'La  falle  du  roi'. 

Die  in  dieser  Märchengruppe  auftretende  Jungfrau,  die  allnächt- 
lich einen  Dämon  besucht  und  ihre  Freier  in  den  Tod  schickt,  steht 
in  der  Mitte  zwischen  der  gleichfalls  Rätsel  aufgebenden  buhlerischen 
persischen  Königstochter  (oben  1,  198)  und  der  mit  bösen  Geistern 
oder  Drachen  behafteten  Braut  in  den  orientalischen  Fassungen  des 
dankbaren  Toten  (Zs.  f.  Volksk.  25,  49).  Denn  wie  in  diesen  der 
Genosse  des  Jünglings  in  der  Hochzeitsnacht  die  aus  dem  Munde  der 
Braut  hervorkriechende  Schlange  tötet,  ja  die  Braut  in  zwei  Hälften 
spaltet  und  wieder  zusammensetzt,  so  wird  bei  Bunker,  Ey,  Andersen 
und  Asbjörnsen  die  Prinzessin  erst  in  der  Hochzeitsnacht  durch  ein 
Bad  völlig  entzaubert. 


1856  s  217  134.   Die  sechs  Diener. 

1819  nr.  48  aus  dem  Pader börnischen.  —  Siehe  oben  2, 
79  zu  nr.  71  'Sechse  kommen  durch  die  ganze  Welt'.  Vgl.  Benfey, 
Kl.  Schriften  3,  151  und  Kittredge,  Studies  and  notes  in  philology 
and  lit.  of  the  Harvard  university  8,  226  (1903).  —  Die  2,  80  ab- 
gedruckte Fassung  von  1783  ist  in  E.  M.  Arndts  Märchen  1902 
2,  223  'Der  starke  Hans'  verbunden  mit  der  Christophoruslegende 
und  dem  Märchen  von  den  drei  Hunden.  Die  Erzählung  der  Gräfin 
Aulnoy  (2,  85)  ist  vielleicht  aus  einer  Version  hervorgegangen,  in  der 


135.    Die  schwarze  und  die  weiße  Braut.  85 

ein  Geschlechts  Wechsel  des  Helden  stattfand  wie  im  griechischen 
Märchen  bei  Hahn  nr.  58  =  Kretschmer  nr.  56,  im  rumänischen  oben 
S.  24  und  in  der  altirischen  Erzählung  bei  Gaidoz,  Revue  de  bhist. 
des  religions  57,  317 ;  vgl.  Benfey,  Pantschatantra  1,  42  und 
Hertel,  ZdmG.  61,  18.  —  Zu  den  Varianten  unserer  nr.  71 
sei  nachgetragen:  Jegerlehner,  Oberwallis  S.  129  —  Bächtold 
S.  19.  Westpreußisch :  Preuß  S.  56  'Prinzessin  Bernstein'. 
Schwedisch :  Lindskoug  nr.  4  'De  tre  proven'.  Italienisch :  Zanazzo 
p.  123  nr.  21  'La  barca'.  Coronedi-Berti  nr.  4  =  1883  nr.  17. 
Griechisch :  Hahn  nr.  63  =  Kretschmer  nr.  57.  Serbokroatisch : 
Zbornik  jslav.  17,  347.  19,  40.  61  nr.  12.  Bos.  Vila  27,  227.  Krauß, 
Tausend  Sagen  1,  345  nr.  97.  Bulgarisch:  Sapkarev8 — 9,19  nr.  13 
=  Leskien  S.  34  nr.  5.  Cechisch:  Kubin,  Podkrkonosi  1,  nr.  134. 
Ed.  Peck  nr.  32.  Pfikryl  S.  233.  Polnisch:  Wisla  13,  558.  Kaschu- 
bisch :  Lorentz,  Teksty  S.  302  nr.  400.  S.  429  nr.  547.  Kleinrussisch : 
Rudcenko  2,  78  nr.  25  —  v.  Löwis  nr.  4.  Zigeunerisch  aus  Böhmen : 
Jesina  S.  199.  Armenisch:  Chalatianz  S.  51  =  Folklore  22,  476. 
Ingusch:  Sbornik  Daskov.  3, 151.  Mongolisch:  Bennigsen  S.  55  nr.  29. 


135.   Die  schwarze  und  die  weisse  Braut.     1856  s.  217. 

1815  nr.  49:  aus  dem  Mecklenburgischen  und  Pader- 
börnischen.  Von  Jacob  Grimm  erzählt  (Die  Ente  am  Gossenstein). 
Nach  der  einen  Erzählung  wird  der  Bruder  nicht  bloß  unter 
die  Schlangen  gesetzt,  sondern  wirklich  umgebracht  und  unter  die 
Pferde  im  Stall  begraben.  Die  Ente  kommt  abends  ans  Gatterloch 
geschwommen  und  singt: 

Macht  auf  die  Tür,  daß  ich  mich  wärme! 

Mein  Bruder  liegt  unter  den  Pferden  begraben. 

Hauet  den  Kopf  der  Ente  ab! 
wodurch    die    Handlung    des    Königs,    daß   er  ihr  den  Kopf  abhaut, 
woran    ihre    Lösung    gebunden    war,    besser    begründet    wird.     Am 
Ende  wird  der  Bruder  im  Stall  ausgegraben  und  stattlich  unter  die 
Erde  gebracht ;  vgl.  den  singenden  Knochen  (nr.  28). 

Über      die      Bestandteile      des      dem     Kreise      der     unter- 
geschobenen Braut   zugehörenden   Märchens   vgl.  oben  1,  85  zu 


86  135.    Die  schwarze  und  die  weiße  Braut. 

nr.  11:  Die  gute  Schwester  erhält  vom  lieben  Gott  Schönheit  und 
Reichtum,  die  böse  Häßlichkeit  (B).  Der  einfache  Gegensatz  von 
Schwärze  und  Weiße  für  Häßlichkeit  und  Schönheit,  Sündlichkeit 
und  Reinheit  läßt  an  die  Mythe  von  Tag  und  Nacht  (und  der  Nacht 
Tochter)  denken  und  an  die  Bertasage,  die  mit  unserm  Märchen 
ebenso  wie  mit  dem  von  der  Gänsemagd  (2,  273)  verwandt  ist; 
Berta  (die  weiße,  biort)  drückt,  wie  W.  Grimm  bemerkt,  schon  im 
"Wort  den  Tag  und  das  Tagesbrechen,  des  Tages  Anbruch  aus1). 
Beim  Bruder  sieht  der  König  ein  Bild  der  Schönen2)  und  sendet 
ihn  aus,  um  in  seinem  Namen  um  sie  zu  werben  (C2).  Der  Name 
Regirier  ist  in  dieser  Geschichte  vielleicht  schon  alt ;  aus  den  alten 
Marschällen,  Stallmeistern  und  Wagenführern  sind  in  der  späteren 
Yolksansicht  Kutscher  geworden,  wie  aus  den  Helden  Soldaten. 
Darum,  daß  der  Bruder  bei  den  Pferden  ist  und  unter  ihnen 
begraben  wird,  erinnert  er  an  das  Roß  Falada  in  nr.  89,  dessen 
Stelle  er  hier  vertritt.  Eigentümlich  ist  das  undeutliche  Sprechen 
des  Bruders,  das  unterwegs  die  Stiefmutter  ausnutzt,  um  der  Braut 
das  Plochzeitskleid  auszuziehen  und  sie  ins  Wasser  zu  stoßen  (D1* 3). 
Die  Ertrunkene  kommt  als  Ente  nachts  zurück,  sich  am  Küchenfeuer 
zu  wärmen 3)  und  redet  mit  dem  Küchenjungen  wie  in  nr.  11  und  13 
mit  dem  Hündchen  oder  der  Magd,  bis  das  drittemal  der  König 
kommt  und  durch  Enthauptung  der  Ente4)  den  Zauber  löst  (E2). 
Nun    wird    der    gefangen  gesetzte  Bruder  (E)  befreit    und    die  An- 


J)  Indem  die  ins  Wasser  Gestoßene,  sagt  W.  G-rimm,  als  schnee- 
weiße Ente  aufsteigt  und  fortlebt,  erscheint  sie  als  Schwanenjungfrau; 
ebenso  ist  die  nordische  Schwanhild  weiß  und  rein  wie  der  Tag  im  Gegen- 
satz zu  ihren  rabenschwarzen  Stiefbrüdern.  Auch  gibt  es  eine  altdeutsche 
Erzählung  von  einem  weißen  und  schwarzen  Dieterich,  Zwillingsbrüdern, 
und  eine  schwarze  und  eine  weiße  Tochter  kommen  in  einem  schwedi- 
schen Volksliede  (Geijer  und  Afzelius  nr.  16  'Den  underbara  harpan')  vor. 

2)  So  begehrt  Pipin  in  der  Weihen  stephaner  Chronik  (Aretin  1803) 
ein  Bild  der  fernen  Berta  und  sendet  seinen  Hofmeister,  damit  er  prüfe, 
ob  sie  dem  Bildnis  gleiche :  'Ist  die  Jungfrau  als  schön,  als  man  sie  hat 
gemalt,  so  will  ich  sie  gern  haben  zu  einem  Weibe'.  Liebe  durch 
Bild:  Chauvin,  Bibl.  arabe  5,  132. 

3)  So  kehren  Ertrunkene  der  altnordischen  Sage  mit  ihren  nassen 
Kleidern  nachts  heim,  setzen  sich  ans  Feuer  und  winden  die  Rocke  aus 
(Eyrbyggja  Saga  S.  274.  276). 

4)  Entzauberung  durch  Enthauptung:  oben  1,  9,  ferner  z.  B. 
Giuudtvig,  Polkviser  2, 199  nr.  62.  Landstad,  Norske  folkeviser  nr.  1,  v.  62. 
Asbjörasen  nr.  29.  31. 


135.    Die  schwarze  und  die  weiße  Braut.  87 

stifterin  des  Unheils  wie  oben  1,  108  in  einem  Nagelfasse  zu  Tode 
gemartert  (G). 

In  einem  heanzischen  Märchen  bei  Bunker  nr.  64  =  Zs.  £. 
Volksk.  8,  84  'Die  Waisen'  ruft  nicht  der  Kutscher,  sondern  die  im 
Wagen  neben  der  Königsbraut  sitzende  häßliche  Begleiterin :  'Madl, 
tunk  ti,  taß  ti  ta  Beign  nit  aunspritzt  und  taß  ti  t  Sun  nit  aunplitzt ! 
Sunst  pist  tu  tes  Tätas'.  Aus  Meiningen  bei  Bechstein  1845 
S.  225  =  1874  S.  203  'Zitterinchen' ;  hier  hört  der  Diener  nachts 
eine  weiße  Gestalt  mit  Ketten  rasseln  und  ihr  Hündchen  nach 
ihrem  Bruder,  ihrem  Bilde  und  nach  der  alten  Kammerfrau  fragen. 
Aus  Holstein  bei  Wisser,  Plattdeutsche  Vm.  S.  72  'De  lütt  Ent' 
(B  C2  D4  E  F2). 

Drei  vi  am  i  sehe  Fassungen  bei  Wolf,  DMS  nr.  19 'Die  beiden 
Bräute',  bei  Firmenich  3,  664  'Van  de  swerte  Mergriet'  und  bei  De 
Cock  und  de  Mont,  Wondersprookjes  S.  164  nr.  20  'Van  de  schoone 
schildersdochter,  de  booze  zwarte  Griete  en  Kokodeike',  haben  den 
gleichen  Verlauf  (C2D1-3EF2)  und  lassen  neben  der  falschen  Braut, 
der  'schwarzen  Grete',  ein  treues  Hündchen  Gillegillegouwken  oder 
Kokodeike  die  Seereise  mitmachen.  In  der  ersten  Version  holt  nicht 
der  Bruder  die  Königsbraut,  sondern  ein  Gesandter,  den  die  schwarze 
Margarete  mit  ihrer  Mutter  unterwegs  tötet ;  in  der  zweiten  sagt  die 
Magd  dem  Bruder,  die  Braut  sei  aus  Versehen  ins  Wasser  gestürzt, 
und  er  willigt  ein,  sie  für  seine  Schwester  auszugeben ;  in  der  dritten, 
fehlt  der  Begleiter;  der  König  sieht  das  Bild  der  Schönen  auf  d«r 
Tabaksdose  ihres  Vaters.  —  Dänisch,  wie  schon  1,101  angeführt, 
bei  Grundtvig,  Minder  3,  112  'Den  lille  And',  Berntsen  1,  lö^r/Den 
lille  hvide  And',  Kristensen  1,  111  'Jomfru  Klaroje'  und  1,  llQiADea 
lille  Vildand'  =  Stroebe  1,  21  nr.  4  und  Fra  Bindestue  1,  41  'Deft 
hvide  And',  ferner  bei  Grönborg  S.  101  'Soster  i  Fjederham  OgBrodei' 
i  Blätärn'.  —  Schwedisch:  Hylten-Cavallius  nr.  7c-  ^ungfjrau; 
Swanhwita  und  Jungfrau  Bäfrumpa'.  Volksbuch  'Sewe.  eller-den. 
talande  Hunden'  1828  (Bäckström  3,  38).  Aberg  nr.  23  'Qm  s.tyd^rpnj 
som  fikk  gullhär  o  gullkläning' ;  nr.  57  'Om  stalldrängen,$,rsyster;;.§Qm 
blef  gift  med  en  kung'  (Meerweib  tauscht  Kleider  mit  deA.HeJdjin); 
nr.  66  'Prinsen,  som  fria  til  stalldrändjis  systron'  (die;.  Hex  Bedeutet 
des  Bruders  Mahnung,  sich  vor  der  Sonne  zu  schützen,  der  Heldin 
falsch  wie  im  Deutschen).  Hackmans  Register  rnrr.L40^3a. Ij—  Nor; 
wegisch:  Asbjörnsen  nr.  55  'Bruskebruden'  =  J_)as.ent ^I8$9^pT.37i, 
Bergh,    Sogur    S.  1  'Stygbödne'.     Skar  6,  124    'Den  umskapte -Piim* 


88  135.    Die  schwarze  und  die  weiße  Braut. 

sessa'  (B  C2  D3-  4  E  F2).  —  Seltsam  verzerrt  und  mit  dem  Motiv  der 
geduldigen  Frau  verquickt  erscheint  die  Bertasage  in  dem  isländi- 
schen Märchen  von  Finna  der  Voraussichtigen  (Arnason  2,  383  = 
Poestion  S.  186.  Maurer  S.  282.  Rittershaus  S.  85):  infolge  eines 
Fluches  der  Stiefmutter  muß  Geir,  der  die  kluge  Finna  gefreit  hat, 
mit  seiner  Schwester  Ingibjörg  drei  Kinder  zeugen1),  und  erst  als 
seine  Gattin  geduldig  dazu  schweigt  und  auch  ihrem  Bruder  Schweigen 
gebietet,  ist  der  Fluch  gelöst.  —  Mit  vielen  hübschen  Zügen  erzählt 
die  Gräfin  d'  Au  In  oy(Contes  des  fees  1702  S.  274  =  Cabinet  des  fees 
2,  230.  1785.  Kletke  1,  167)  das  Märchen  'Rosette'  (C^'^EF5). 
Statt  des  einen  Bruders  der  Heldin  führt  sie  zwei  ein,  die  dem 
Pfauenkönig  das  Bildnis  der  Rosette  zeigen,  und  läßt  Rosette  auf  der 
Seefahrt  von  niemandem  begleiten  als  ihrer  Amme,  deren  Tochter 
und  dem  Hündchen  Fretillon.  Sie  wird  in  ihrem  Bette  schlafend  ins 
Meer  geworfen  und  landet  gleich  dem  Könige  Scyld  Scefing  in  der 
angelsächsischen  Sage  (Grundtvig  bei  J.  Grimm,  Kl.  Schriften  4,  185), 
der  auf  einem  Strohbund  schlafend  angeschwommen  kommt.  Ihr 
Hündchen  holt  ihr  Speisen  aus  der  königlichen  Küche  und  veranlaßt 
die  Erkennung  der  wahren  Braut.  Nur  einen  schwachen  Nachhall 
bietet  Blanchebelle  in  der  Sammlung  'Les  illustres  fees'  (Cabinet  des 
fees  5,  5).  In  der  gasconischen  Fassung  bei  Blade  1,  227  'Le  drac' 
(C2D1-3EF2.  R.  Köhler  1,  125)  sind  es  ebenfalls  zwei  Brüder,  die 
dem  Königssohn  ihre  Schwester  holen  sollen;  der  Kleidertausch  in 
der  Kutsche  wie  im  Deutschen,  die  Stiefmutter  und  deren  Tochter 
werden  gleich  nach  der  Ankunft  ertränkt,  die  rechte  Braut  nach  ihrer 
Rettung  aus  dem  Sumpfe  nochmals  vom  Meerdrachen  geraubt.  Bei 
Sebillot  3,  197  nr.  20  'La  sirene'  (C2D1-3EF2)  kommt  die  von  der 
Nixe  an  einer  Kette  gehaltene  Schwester  aus  dem  Flusse  auf  das 
Boot,  auf  dem  ihr  Bruder  nackt  mit  Honig  bestrichen  gebunden  liegt, 
und  wehrt  ihm  die  Fliegen  ab.  Luzel,  Contes  2,  371  nr.  9  'Les 
enfants  de  la  Croix-Ruduno'.  Du  Meril,  Etudes  S.  473.  —  Ita- 
lienisch bei  Basile  4,  nr.  7  'Die  zwei  Kuchen'  (B  C2D1- 3E  F2): 
Marziella,  die  von  ihrer  Tante  ins  Meer  gestürzt  und  von  der  Meer- 
frau an  eine  Kette  gelegt  ist,  füttert  die  am  Ufer  weidenden  Gänse 
des  Königs,    die  daheim  von    ihrer  Schönheit    erzählen.     Ebenso  bei 


*)  In  der  rumänischen  Fassung  bei  Schullerus  nr.  36  befiehlt  ein 
König  seinen  drei  Söhnen,  ihre  drei  Schwestern  zu  heiraten ;  der  jüngste 
Sohn  und  die  jüngste  Tochter  erklären  dies  für  Sünde  und  werden  ver- 
stoßen. 


135.    Die  schwarze  und  die  weiße  Braut.  89 

Gonzenback  nr.  33  'Von  der  Schwester  des  Muntifiuri'  (C2Dl-  3  EP2), 
wo  der  Bruder  enthauptet  wird  und  die  Schwester  nachts  an  seinem 
Grabe  klagt,  und  nr.  34  'Von  Quaddaruni  und  seiner  Schwester'  (B  C2 
D1'  3  E  F2),  wo  uie  rechte  Braut  mit  ihrer JBase  allein  im  Boote  fährt 
und  wie  im  Deutschen  die  liebevollen  Worte  des  am  Strande  entlang 
gehenden  Bruders  nicht  recht  versteht.  Pitre  2,  55  nr.  59  'La  figghia 
di  Biancuciuri',  nr.  60  'Ciciruni',  nr.  61  'Burdilluni'.  Imbriani2 
S.  314  nr.  25  'Oraggio  e  Bianchettina'  =  Paul  Heyse  S.  101  =  Crane 
S.  58  nr.  12  (C2  D1,  3  E  F2.  Der  Bruder  ruft  vom  Ufer  der  Schwester 
zu ;  die  Gänse  erzählen  von  dem  schönen  Mädchen  aus  dem  Meere.) *) 
De  Nino  3,  104  nr.  19  'La  giovane  ingraziata'  (der  Bruder  fehlt. 
Augen  ausgestochen.  Schluß  abweichend).  De  Gubernatis,  Die  Tiere 
S.  579  (C2D1-3EF2.  Die  Ente  beweint  ihre  sieben  Brüder;  der 
König  tötet  die  Sirene  und  durchhaut  die  Kette).  Finamore  1,  65 
nr.  15  'Fiore  e  Cambedefiore'  (BC2D1-3EF).  Zanazzo  p.  204  'Bei 
Miele  e  Bei  Sole'.  Archivio  2,  36  'Lu  re  Ingria'  (C  D1- 3  E  F2)  aus 
Sardinien ;  ebd.  10,  245  'El  pesse-can'  (C2  D1-  3  F)  aus  Dalmatien  mit 
der  gleichen  Reihe  von  Verwandlungen  wie  in  dem  oben  1,  89  zu  nr.  11 
zitierten  griechischen  Märchen:  aus  dem  Herzen  des  Haifisches,  der 
die  rechte  Braut  verschluckt  hat,  entsprießt  ein  goldener  Baum,  den 
die  Kaiserin  fällen  läßt,  und  aus  einem  Scheit  in  der  Hütte  eines 
armen  Mannes  wieder  das  Mädchen.  Bei  Schneller  nr.  22  'Das  Mädchen 
mit  den  goldenen  Zöpfen'  (C2  D1,  3  F)  darf  ähnlich  wie  bei  Gonzenbach 
nr.  33,  Finamore,  B.  Schmidt,  Kres,  Gerle  kein  Sonnenstrahl  auf  die 
Braut  fallen2),    und    der  Bruder    muß    auf    Betreiben    der    falschen 


1)  Dieser  Schluß,  daß  die  Gänse  verkünden:  'Cocö,  la  bella  padrona 
ch'  io  ho',  begegnet  auch  bei  De  Gubernatis,  Novelline  di  Santo  Stefano 
nr.  9  'Le  oche'. 

2)  Ein  Sonnenstrahl  verwandelt  das  Mädchen  in  eine  Schlange: 
Nerucci  nr.  32  'La  ragazza  serpe',  Pitre,  Fiabe  2,  74  nr.  61  'Burdilluni', 
Archivio  23,  417;  er  macht  sie  schwanger:  Athaide  Oliveira  1,  9  nr.  3 
'A  filha  do  sol';  abgeschwächt  bei  Strauß,  Bulgarische  Volksdichtungen 
1895  S.  146  'Jana  und  die  Sonne';  Etlar  1891  S.  197  'Klaus  Soldat'. 
Prinz  Anilioos  (Ohnesonne),  der  nachts  die  Zauberin  Irene  besucht, 
stirbt,  als  ihn  ein  Sonnenstrahl  trifft:  Heuzey,  Le  mont  Olympe  1860 
p.  453;  ebenso  König  Trojan  bei  Woycicki-Lewestam  S.  3,  Schles.  Pro- 
vinzialblätter  4,  92  (1865)  und  in  einem  Gedicht  von  E.  Ferrand  (Kletke, 
Album  deutscher  Dichter  1862  S.  372).  Nach  nordischer  Sage  werden 
Riesen  und  Zwerge  durch  die  aufgehende  Sonne  zu  Stein  verwandelt 
(Gering,  Edda  S.  86  und  156:  Alvissrnöl  36  und  Helgakvipa  Hjorvarbs- 
sonar  29.  J.  Grimm,  Myth.  3,  158). 


90  135.    Die  schwarze  und  die  weiße  Braut. 

Königin  eine  Reihe  schwieriger  Aufgaben  lösen.  —  Katalanisch 
bei  Maspons,  Cuentos  p.  18  =  Sebillot,  C.  espagnols  p.  77  'Sang  et 
neige'.  —  Portugiesisch  bei  Consiglieri-Pedroso  S.  90  nr.  22 
"Themaiden,  from  whose  head  pearls  feil  on  combing  herseif'  (CD1-3 
E  F) ;  die  vom  Walfisch  verschluckte  Jungfrau  wird  von  einem  Diener 
gerettet  und  fragt  den  Hund  Cylindra  nach  ihrem  Bruder.  Aus 
Brasilien  bei  Romero  nr.  29  'A  rainha  que  sahiu  do  mar'  (Augen  aus- 
gestochen). —  Rumänisch:  Schullerus  nr.  36  'Die  Tochter  und  der 
Sohn  des  Königs'  (Archiv  33,  469.  C2  D3  E  F1  G;  Augen  ausgestochen 
und  gekauft).  Obert  nr.  31  (Ausland  1858,  90);  vgl.  oben  279.  — 
Albanesisch:  Pitre,  Cartelli  p.  371  nr.  2  'La  bella  fata'  (die  in 
der  Hochzeitsnacht  untergeschobene  Schöne  zeigt  dem  Könige  nach 
dreizehn  Jahren  ihre  damals  empfangenen  beiden  Söhne).  — 
Griechisch  bei  B.  Schmidt  S.  98  nr.  13  'Der  Riese  vom  Berge'. 
Hier  rühmt  der  Vater  des  Mädchens  auf  dessen  Begehren  dem 
Riesen  seine  Tochter;  durch  einen  Sonnenstrahl  wird  sie  unterwegs 
in  eine  Eidechse  verwandelt.  —  Serbokroatisch  im  Kres  5,  199 
nr.  45 :  Die  Heldin  soll  nach  der  Verwünschung  ihrer  Mutter  zur 
Schlange  werden,  sobald  die  Sonne  sie  beleuchte.  Der  Bruder,  bei 
dem  sein  Herr  die  Photographie  der  Schönen  gesehen  hat,  fährt  sie 
in  einem  geschlossenen  Wagen,  aber  von  der  Köchin  überredet, 
blickt  sie  hinaus,  verwandelt  sich  in  eine  Schlange  und  wird  von 
der  Köchin  enthauptet ;  doch  aus  der  Asche  des  Schlangenkopfes 
entstehen  drei  Rosen,  die  hinter  das  Bild  der  Jungfrau  gesteckt, 
wieder  menschliche  Gestalt  annehmen.  Stojanovic,  Nar.  pripov. 
S.  150  'Die  weiße  und  die  schwarze  Braut'  (wohl  aus  Grimm 
übersetzt;  Reginer  heißt  Vladko).  —  Slowakisch  bei  Rimanski 
102  nr.  8  =  Xemcovä  1,  155  nr.  16  =  Ausg.  1908  1,  281  = 
Dobsinsky  4,  43  nr.  43.  Anicka,  welche  die  goldenen  Enten 
(Wasserjungfrauen)  liebt,  ist  deshalb  'von  Rosen  umwachsen',  ihre 
unfreundliche  Stiefschwester  Kata  aber  von  Dornen.  Die  Stief- 
mutter stürzt  Anicka  auf  der  Fahrt  zu  dem  Herrn,  der  sich  nach 
ihrem  Bilde  in  sie  verliebt  hat,  ins  Wasser  ;  erzürnt  jagt  der  Herr 
die  falsche  Braut  fort  und  läßt  Anickas  Bruder  im  Schornstein  er- 
sticken; als  dort  nachts  eine  Ente  erscheint  und  klagt,  hält  er  sie 
fest,  bis  sie  zur  Jungfrau  wird.  Bei  Skultety-Dobsinsky  S.  156 
nr.  16  =  2.  Ausg.  S.  376  nr.  28  besitzt  der  Bruder  der  goldhaarigen 
Otolienka  ein  Haar  von  ihr,  das  (ebenso  wie  die  Feder  des  Gold- 
vogels bei  R.  Köhler  1,  467.  542)    das  Verlangen  des  Herrn  erregt; 


135.    Die  schwarze  und  die  weiße  Braut.  91 

aber  die  Hexe  hackt  der  Braut  im  Wagen  Hände  und  Füße  ab  und 
wirft  sie  ins  Meer;  der  Bruder  wird  bis  zum  Gürtel  eingegraben; 
die  zur  Ente  gewordene  Jungfrau  erhält  für  die  geweinten  Perlen 
und  die  gelächeiten  Rosen  ihre  Glieder  zurück  und  sucht  den 
Bruder  auf;  die  Hexe  wird  in  ein  Nagelf  aß  gesteckt.  —  Cechisch: 
Die  Sagen  der  böhmischen  Vorzeit,  Prag  1808  S.  141 — 185  enthalten 
eine  moderne  schlechte  Überarbeitung,  deren  Eingang  von  Blumen 
und  Perlenkämmen  handelt;  die  Schöne  muß  vor  freier  Luft  und 
Sonnenstrahl  gehütet  werden,  doch  unterwegs  zerbricht  die  böse  Hjexe 
das  Kutschenfenster,  daß  Luft  und  Sonne  eindringt,  da  wird  sie  in 
eine  goldene  Ente  verwandelt.  Ebenso  bei  Gerle  2,  325  'Die  goldene 
Ente' ;  vgl.  Tille,  Ö.  poh.  do  r.  1848 S.  14.  Vgl.  oben 2, 277.  —Wendisch: 
Nawuka  S.35  nr.23  (B  C2  D1- 3  F2;  Stiefmutter  durch  Pferd  zu  Tode  ge- 
schleift). —  Polnisch  aus  dem  Krakauer  Land  bei  Kolberg  8,  54  nr.  22 : 
nicht  der  Bruder,  sondern  ein  Gärtnerssohn  zeigt  dem  Könige  das 
Bild  der  goldhaarigen,  Perlen  weinenden  und  Posen  lachenden 
Jungfrau ;  die  untergeschobene  Stiefschwester  wird  zurückgeschickt, 
die  ausgestochenen  Augen  für  Perlen  eingetauscht ;  der  König  findet 
die  Schöne  im  Walde  auf  der  Jagd.  —  Kaschubisch:  Lorentz,  Teksty 
S.49nr.88(BC2D1-3EF1G).  S. 568 nr. 699  (BC2D1-3E1F1G).  — Klein- 
russisch aus  Ostgalizien  bei  Kolberg,  Pokucie  4, 7 :  die  Hexentochter,  die 
der  Jungfrau  Maria  ein  Leinen  für  ihr  Kind  verweigert,  wird  von  Petrus 
und  Paulus  damit  gestraft,  daß  Frösche  aus  ihrem  Munde,  Schlangen 
aus  der  Nase  und  Eidechsen  aus  den  Augen  fallen,  der  gutherzigen 
Stiefschwester  aber  goldene  Ringe,  Armspangen  und  Perlen.  Der 
Bruder  der  Schönen  kommt  aus  dem  Dienste  des  Kaisers  in  die 
Kapelle,  wo  sie  sich  aufhält;  aber  die  Hexe  versetzt  sie  hinter  den 
Glasberg  zur  vierundzwanzigköpfigen  Unholdin  und  stellt  ihre  Tochter 
in  die  Kapelle,  wo  sie  des  Prinzen  Soldaten  abholen.  Als  der  Prinz 
den  Betrug  entdeckt,  zieht  er  mit  einem  eisernen  Stabe  aus,  die 
rechte  Braut  zu  suchen ;  dann  ähnlich  wie  im  Trommler  (nr.  193). 
Aus  dem  Gouv.  Poltawa  bei  Cubinskij  2,  454  nr.  139  (kein  Bild; 
Verwandlung  in  Ente  beim  Baden;  eine  alte  Frau  entzaubert  sie) 
und  140  (die  Gaben  stammen  von  zwei  befreiten  Hechten  her;  der 
Koch  des  Prinzen  kriecht  im  Walde  in  das  neue  Nest  des  ver- 
zauberten Vogels  und  findet  ein  Kind);  ebd.  2,  24  nr.  6:  die  Braut 
des  Prinzen,  der  beim  Lachen  Gold,  beim  Weinen  Perlen  entfallen 
und  unter  deren  Tritt  Blumen  aufsprießen,  wird  durch  ihr  Kammer- 
mädchen geblendet  und  erhält  die  Augen    für   gestickte  Handtücher 


92  135.    Die  schwarze  und  die  weiße  Braut. 

wieder  (wie  bei  Weryho  lett.  nr.  22);  aber  die  falsche  Braut  holt 
die  in  einem  Ei  verborgene  Seele  der  rechten  aus  der  Schwarz- 
pappel und  schließt  das  Ei  in  einen  Koffer;  ein  Knabe,  den  der 
Prinz  in  der  Kapelle  beim  Sarge  gefunden,  nimmt  es  und  zerbricht 
es;  da  lebt  die  Tote  wieder  auf.  Ebd.  2,  27  nr.  7  ist  der  Eingang 
dem  Märchen  vom  dankbaren  Toten  entlehnt;  die  geblendete  Schöne 
erbaut  ein  Wirtshaus,  wo  der  König  sie  sieht  und  liebgewinnt; 
die  eifersüchtige  Königin  läßt  sie  erstechen,  aber  sie  gebiert  ein 
Knäblein,  das  die  Mutter  zum  Leben  erweckt.  —  Weißrussisch 
bei  Glihski  3,  94  nr.  5  =  Chodzko  S.  315  =  Godin  S.  90  'Von  der 
Jungfrau  mit  den  Perlentränen,  den  unverwelklichen  Rosen  und  den 
goldenen  Fischlem*  (B  C2  D1,  3  E  F);  als  die  in  eine  Ente  verwandelte 
rechte  Braut  nachts  den  Sarg  des  Bruders  aufsucht,  verbrennt  der 
König  das  von  ihr  abgelegte  Gefieder.  Aus  dem  Gouv.  Grodno  bei 
Pederowski  2,  280  nr.  319 :  zwei  Greise  begaben  die  Stiefschwestern, 
der  Bruder  als  Pferdehirt  des  Königs  malt  das  Bild  der  Schönen, 
Entengefieder  verbrannt.  —  Großrussisch  bei  Afanasjev  nr.  147: 
die  Braut  fährt  mit  ihrem  Bruder  Prinz  Dmitrij  übers  Meer  zu 
Prinz  Iwan,  der  ihr  Bildnis  bei  jenem  gesehen  hat;  von  der  Amme 
in  eine  Ente  verwandelt,  besucht  sie  nachts  den  eingekerkerten 
Bruder;  Iwan  verbrennt  ihr  Federkleid1).  Aus  dem  Gouv.  Rjazan 
bei  Chudjakov  3,  139  nr.  113  (der  Bruder  nicht  verurteilt ;  das 
goldene  Fischlein  erscheint  in  dem  Schlafzimmer  des  Königspaares) 
und  2,  71  nr.  56:  (zuerst  Motive  aus  Einäuglein  oben  nr.  130  und 
Aschenputtel  nr.  21;  ein  Jahr  nach  der  Hochzeit  lockt  die  Stief- 
mutter die  Heldin  ins  Dampfbad  und  verwandelt  sie  in  einen 
Luchs ;  der  Herr  sieht,  wie  die  Kinderfrau  das  Kind  aufs  Feld  zum 
Luchs  trägt,  und  verbrennt  die  abgelegte  Luchshaut2).  Ähnlich,  nur 
kürzer  bei  Afanasjev3  2,  153  nr.  149.  —  Litauisch  bei  Dowojna 
Sylwestrowicz  1,  292  (der  Schustersohn  bringt  dem  Prinz,  mit  dem 
er    zusammen    erzogen    ist,    die    Bilder    von    drei  Prinzessinnen  und 


*)  Dagegen  gehören  die  nr.  194a— b  Afanasjevs  (=  A.  Meyer  2,  136), 
die  gleichfalls  mit  der  Liebe  zum  Bildnis  der  Schönen  beginnen,  zum 
Cymbelin -Kreise;  vgl.  Boccaccio,  Dec.  2,  nr.  9.  R.  Köhler  1,  212.  375. 
581.  2,  463.  Child,  Ballads  nr.  268.  G.  Paris,  Bomania  32,  481.  Modern 
lang,  notes  24,  218.  Pypin,  Ocerk  liter.  istorii  star.  pov.  i  skazok  rus. 
S.  277. 

2)  Das  Motiv  von  der  in  ein  Tier  verwandelten  jungen  Mutter,  die 
nachts  zu  ihrem  weinenden  Säuglinge  zurückkehrt,  begegnete  schon  oben 
1,  96  in  nr.  11  und  13. 


135.    Die  schwarze  und  die  weiße  Braut.  93 

entführt  die  jüngste  zu  Schiff;  dann  wie  der  treue  Johannes  nr.  6) 
und  1,  394  (Prinz  kommt  als  Kaufmann  zur  Prinzeß).  —  Lettisch 
bei  Weryho  S.  170  nr.  22  (die  Braut  im  Walde  von  ihrer  Freundin 
geblendet,  die  dem  Prinzen  meldet,  jene  sei  krank  und  sende  sie 
als  Stellvertreterin;  Bruder  eingekerkert;  Augen  für  Teppiche  ein- 
getauscht ;  Wiedersehen  im  Wirtshause).  —  Estnisch  bei  Kallas  nr.  48 
'Das  in  eine  Ente  verwandelte  Mädchen'  (Bild  vom  Bruder  gemalt; 
Ente  von  der  Wirtin  entzaubert).  Dähnhardt  3,  435  (Braut  vertauscht 
wie  Aschenputtel;  Kindbetterin  von  der  Stiefmutter  in  eine  Wölfin 
verwandelt;  der  Mann  verbrennt  die  Wolfshaut).  —  Finnisch  bei 
Salmelainen  1,  77  nr.  8  =  Bertram,  Jenseits  der  Scheeren  S.  18  = 
Schreck  S.  74  'Das  dem  Meere  entstiegene  Mädchen'  —  Hertzberg 
S.  67  =  Chudjakov,  Materialy  S.  51  nr.  8  (C2D1-3EF2):  das  im 
Meere  gefangene  Mädchen  stickt  eine  Mütze,  Hemd  und  Hosen  und 
sendet  sie  nachts  durch  ihr  Hündchen  Pilkka  dem  Königs- 
sohne, um  ihren  Bruder  aus  der  Schlangengrube  zu  befreien; 
als  der  Prinz  auf  den  Rat  einer  weisen  Frau  ihre  Kette 
durchschneidet,  verwandelt  sie  sich  in  einen  Wurm,  eine  Mücke, 
eine  Eidechse,  einen  Raben,  aber  er  hält  sie  fest ;  die  Hexe  wird 
in  der  Badestube  verbrannt  (wie  bei  Dähnhardt).  Suomi  2,  14,  46. 
Aarnes  Register  nr.  403a.  —  Lappländisch  bei  Friis  nr.  4  = 
Poestion  S.  39  nr.  6  'Altjis-ene'  =  Revue  4,  535;  vgl.  Jones  in 
Notes  and  queries  7.  ser.  2,  104  und  Liebrecht,  Germania  15,  168 
(Ente;  ähnlich  der  finnischen  Fassung).  —  Ungarisch:  Berze 
Nagy  nr.  27  'Die  aus  einem  Zweige  gekommene  Prinzessin'.  —  Bei 
den  Zigeunern  in  Südungarn  (Wlislocki,  Volksdichtungen  1890 
S.  313  nr.  53  'Der  falsche  Bruder')  ist  das  Märchen  entstellt  vor- 
handen ;  statt  der  bösen  Amme  oder  Stiefmutter  bringt  der  neidische 
Bruder  dem  Könige  als  Braut  ein  häßliches  Mädchen,  und  die  Heldin 
muß  die  Schafe  des  Königs  hüten.  —  Türkisch  im  Sbornik  V. 
Miller  S.  202  nr.  69 :  der  Pferdeknecht  des  Kaisers  verfertigt  ein 
Bildnis  seiner  Schwester  und  verbirgt  diese,  als  die  Hexe  sie  auf 
der  Fahrt  geblendet,  bei  sich;  aber  die  Hexe  gibt  ihr  drei  Gift- 
körner ein,  und  erst  als  der  Kaiser  auf  der  Jagd  zur  Gruft  kommt 
und  die  Körner  aus  ihrem  Munde  nimmt,  erwacht  sie;  die  aus- 
gestochenen Augen  werden  ihr  eingesetzt,  und  nach  dreitägigem 
Gebet  kann  sie  wieder  sehen.  —  Indisch  bei  Frere  nr.  19  'Muchie 
Lal'  (D2,  3  F) :  die  Frau  des  Prinzen  besucht  ihre  Stiefmutter  und 
Stiefschwester,    wird    von   ihnen    in  den  Fluß  gestoßen  und  von  der 


94  136.    Der  Eisenhans. 

siebenköpfigen  Schlange  aufgenommen ;  der  Gatte  verstößt  die  in  ihrem 
Schmucke  zu  ihm  kommende  Schwester  und  sucht  die  rechte  Frau, 
die  inzwischen  einen  Sohn  geboren  hat.  Ähnlich  in  der  Zeitschrift 
Folk-lore  13,  79  'Puli  Räja  or  the  tiger  prince'.  Parker  2,  143 
nr.  106  'The  Machiyalle-gama  princess'  (D3).  Stokes  nr.  1  'Phul- 
matti  Rani'  (D3  F)  und  21  'The  Bel-princess'  (D3  F).  —  Arabisch: 
Müller,  Mehri-Sprache  3,  63  nr.  16  'Die  Tochter  des  Armen'  (D3; 
gehört  mehr  zu  Gr.  89).  Tradition  20,  46.  —  Entstellungen  zeigt 
das  Kabylenmärchen  bei  Riviere  S.  51  nr.  5  'H'ab  Sliman'  (B  C2 
D1  E) :  statt  des  Königs  freit  ein  Schulmeister  um  das  Mädchen, 
das  von  der  Stiefmutter  geblendet  und  von  Raben  geheilt  sich  in 
eine  Taube  und  in  einen  Rosenstrauch  verwandelt ;  als  ihr  Bruder 
diesem  mit  der  Sichel  naht,  gibt  sie  sich  zu  erkennen  und  stirbt.  — 
Negermärchen  aus  Deutsch- Westafrika  bei  Karsten,  Wer  ist  mein 
Nächster  1903  S.  32:  die  Braut  wird  durch  die  Sklavin  vom  Schiff 
ins  Meer  gestoßen,  von  einem  Walfisch  verschlungen  und  ans  Land 
ausgespien;  der  Prinz  läßt  die  Sklavin,  die  er  inzwischen  geheiratet, 
hängen.  Aus  Westindien  Revue  des  trad.  pop.  4,  535:  ein  häß- 
liches Weib  überredet  die  unter  einem  Baume  zurückgelassene 
Schöne,  zu  baden  und  die  Kleider  mit  ihr  zu  tauschen,  ertränkt  sie; 
dann  die  Verwandlungen. 

Vgl.  Arfert,    Das  Motiv    von    der    unterschobenen  Braut    1897 
S.  11—17. 


1856  s 218  136.    Der  Eisenhans. 

Nach  einer  Erzählung  aus  den  Maingegenden  und  in  F. 
v.  Arnims  Märchen  aus  dem  (Böhmer)  Gebirge  1844  nr.  17  'Der 
eiserne  Hans'.  —  In  den  früheren  Ausgaben  (1815  nr.  50  =  1819 
nr.  136)  stand  die  nachfolgende  von  der  Familie  v.  Hasthausen  mit- 
geteilte Überlieferung  aus  dem  Münsterlande,  mit  der  Über- 
schrift: 'De  wilde  Mann'.1) 


*)  =  Bahlmann,  Münsterländische  Märchen  1898  S.  19  und  Harten- 
Henniger,  Niedersächsische  Volksmärchen  1908  1,  112. 


136.    Der  Eisenhans.  95 

Et  was  emoel  en  wilden  Mann,  de  was  verwünsket  un  genk  bie 
de  Bueren  in  den  Goren  (Garten)  un  int  Korn  un  moek  alles  to  Schande. 
Do  klagden  se  an  eeren  Gutsheeren,  se  können  eere  Pacht  nig  mehr  be- 
talen ;  un  do  leit  de  Gutsheer  alle  Jägers  bie  ene  kämmen :  we  dat  Dier 
fangen  könne,  de  soll  ne  graute  Belohnung  hebben.  Do  kümmt  do  en 
ollen  Jäger  an,  de  segt,  he  wüll  dat  Dier  wull  fangen.  Do  mött  se  em 
ne  Pulle  met  Fusel  (Branntwein)  un  ne  Pulle  met  Wien  un  ne  Pulle  met 
Beer  gierwen  (geben),  de  settet  he  an  dat  Water,  wo  sick  dat  Dier  alle 
Dage  wäskt.  Un  do  geit  he  achter  en  Baum  stöhn,  do  kümmt  dat  Dier 
un  drinket  ut  de  Pullen,  do  leckt  et  alle  de  Mund  un  kickt  herum,  ov 
dat  auck  well  süht.  Do  werd  et  drunken,  un  do  geit  et  liegen  un  schlöpd. 
Do  geit  de  Jäger  to  un  bind  et  an  Händen  un  Böten;  do  weckt  he  et 
wier  up  un  segd :  'Du  wilde  Mann,  goh  met !  Sök  säst  du  alle  Dage 
drinken !'  Do  nermt  he  et  mit  noh  dat  adlicke  Schloß ;  do  settet  se  et  do 
in  den  Thornt,  un  de  Heer  geit  to  andre  Nobers,  de  sollt  seihn  (sehen), 
wat  he  för'n  Dier  fangen  hed. 

Do  spült  ene  von  de  jungen  Heerens  met'n  Ball  un  let  de  in  den 
Thornt  fallen,  un  dat  Kind  segd:  'Wilde  Mann,  schmiet  mie  den  BaU 
wier  to!'  Do  segd  de  wüde  Mann:  'Den  Ball  most  du  sölvst  wier 
hahlen'.  —  'Je,'  segd  dat  Kind,  'ick  heve  kinen  Schlüttel.'  —  'Dann  mack 
du,  dat  du  bie  dien  Moder  eere  Tasken  kümmst,  un  stehl  eer  den 
Schlüttel!'  —  Do  schlüt  dat  Kind  den  Thornt  oppen,  un  de  wilde  Mann 
löpd  derut.  Do  fänk  dat  Kind  an  to  schreien:  '0  wilde  Mann,  bliev  doch 
hier!  Ich  kriege  süs  Schläge.'  Do  nüemt  de  wilde  Mann  dat  Kind  up 
de  Nacken  un  lopd  darmet  de  Wildniß  herin.  De  wilde  Mann  was  weg, 
dat  Kind  was  verloren. 

De  wilde  Mann  de  tut  dat  Kind  en  schlechten  Kiel  (Kittel)  an  un 
schickt  et  noh  den  Görner  an  den  Kaisers  Hof ;  do  mot  et  f  rogen,  ov  de 
kinen  Görners-Jungen  van  dohn  (nötig)  hed.  Do  segd  de,  he  wöre  so 
schmeerig  antrocken,  de  annern  wullen  nig  bie  em  schlopen.  Do  seg  he, 
he  wull  int  Strauh  liegen,  un  geit  alltied  des  Morgens  froh  in  den  Goren, 
do  kümmt  em  de  wilde  Mann  entgiergen,  do  seg  he:  'Nu  waske  die,  un 
kämme  die!  Un  de  wilde  Mann  mäckt  de  Goren  so  schön,  dat  de  Görner 
et  sölvst  nig  so  gut  kann.  Un  de  Prinzessin  süt  alle  Morgen  den  schönen 
Jungen;  do  seg  se  to  den  Görner,  de  kleine  Lehrjunge  soll  eer  en  Busk 
Blomen  brengen.  Un  se  f rög  dat  Kind,  van  wat  för  Standt  dat  et  wöre. 
Do  seg  et,  ja,  dat  wüs  et  nig;  do  giv  se  em  en  broden  Hohn  vull  Du- 
coeten.  Es  he  in  kümmt,  giv  he  dat  Geld  sinen  Heeren  un  seg:  'Wat 
sali  ick  do  met  dohn!  Dat  brückt  ji  men  !'  Un  he  moste  eer  noh  enen 
Busk  Blomen  brengen;  do  giv  se  em  ne  Aant  (Ente)  vull  Ducoeten,  de 
giv  he  wier  an  sinen  Heeren.  Un  do  noh  en  moel  do  giv  se  em  ne  Gans 
vull  Ducoeten,  de  giv  de  Junge  wier  an  sinen  Heeren.  Do  ment  de  Prinzessin 


96  136.    Der  Eisenlians. 

he  hev  Geld,  un  he  liev  nix,  nn  do  hierothet  se  em  int  geheem.  Un  do  weeren 
eere  Oeldern  so  beise  un  setten  se  in  dat  Brauhuse,  do  mot  se  sick  met 
Spinnen  ernähren,  un  he  geit  in  de  Kücke  un  helpt  den  Kock  de  Broden 
dreien  und  steld  manxden  (zuweilen)  en  Stück  Fleesk  un  brengd  et  an 
sine  Frau. 

Do  kümmt  so'n  gewoltigen  Krieg  in  Engelland,  wo  de  Kaiser  hin 
mott  un  alle  de  grauten  Heerens.  Do  seg  de  junge  Mann,  he  wull  do 
auck  hen,  ov  se  nig  noh  enPerd  in  Stall  hedden;  un  se  saden,  se  hedden 
noh  ent,  dat  gönk  up  drei  Beenen,  dat  wör  em  gut  genog.  He  settet 
sick  up  dat  Perd,  dat  Perd  dat  geit  alle:  husepus,  husepus.  Do  kümmt 
em  de  wilde  Mann  in  de  Möte  (entgegen) ;  do  döt  sick  so'n  grauten  Berg 
up,  do  sind  wull  dusend  Regimenter  Soldaten  un  Offzeers  in;  do  dät  he 
schöne  Kleeder  an  un  krigd  so'n  schön  Perd.  Do  tut  (zieht)  he  met  alle 
sin  Volk  in  den  Krieg  noh  Engelland.  De  Kaiser  enfänk  en  so  fröndlick 
und  begerd  en,  he  mög  em  doh  biestoen.  He  gewinnt  de  Schlacht  un 
verschleit  alles.  Do  dät  sick  de  Kaiser  so  bedanken  vor  em  un  frägd, 
wat  he  för'n  Heer  wöre.  He  segd:  'Dat  fragedmie  men  nig!  Dat  kann 
ick  jug  nig  seggen.'  —  He  ritt  met  sin  Volk  wier  ut  Engelland;  do 
kümmt  em  de  wilde  Mann  wier  entgiergen  un  döt  alle  dat  Volk  wier  in 
den  Berg,  un  he  geit  wier  up  sien  dreibeenige  Perd  Sitten.  Do  seget  de 
Luide:  'Do  kümmt  usse  Hunkepus  wier  an  met  dat  dreibeenige  Perd,' 
un  se  froget:  'Wo  hest  du  achter  de  Hierge  (Hecke)  lägen  un  best 
schlopen?'  'Je,'  segd  he,  'wenn  ick  der  nig  wör  west,  dann  hädde  et  in 
Engelland  nig  gut  gohn.'  Se  segget;  'Junge,  schwieg  stille,  süs  giv  die 
de  Heer  wat  upd'  Jack.' 

Un  so  genk  et  noh  tweenmoel,  un  ton  derdenmoel  gewient  he 
alles ;  do  kreeg  he  en  Stick  in  den  Arm,  do  niermt  de  Kaiser  sinen  Dock 
(Tuch)  un  verbind  em  de  Wunden.  Do  neidigt  (nötigen)  se  em,  he  mög 
do  bliewen.  'Ni,  ick  bliewe  nig  bie  ju;  un  wat  ick  sin,  geit  ju  nig  an.' 
—  Do  kümmet  em  de  wilde  Mann  wier  entgiergen  un  deih  alle  dat  Volk 
wier  in  den  Berg,  un  he  genk  wier  up  sin  Perd  Sitten  un  genk  wier  noh 
Hues.  Do  lachten  de  Luide  und  segden:  'Do  kümmt  usse  Hunkepus  wier 
an.  Wo  hest  du  doh  lägen  un  schlopen?'  He  seg:  'Ick  heve  fürwohr 
nig  slopen;  nu  is  ganz  Engelland  gewunnen,  un  et  is  en  wohren  Frerden 
(Frieden).' 

Do  segde  de  Kaiser  von  den  schönen  Pitter,  de  em  hev  biestohen. 
Do  seg  de  junge  Mann  to  en  Kaiser:  'Wöre  ick  nig  bie  jug  west,  et  wöre 
nig  guet  gahen.'  Do  will  de  Kaiser  em  wat  upn  Buckel  gieiwen.  'Ji,' 
seg  he,  'wenn  ji  dat  nig  gieiwen  willt,  will  ick  ju  minen  Arm  wiesen.' 
Uu  asse  he  den  Arm  wiest  un  asse  de  Kaiser  de  Wunde  süt,  do  wert  he 
ganz  verwundert  un  segd:  'Villicht  büst  du  Gott  sölvst  ader  en  Engel, 
den  mie  Gott  toschickt  hev,'  un  bat  em  um  Verzeihnüß,  dat  he  so  grov 


136.    Der  Eisenlians.  97 

met  em  handelt  hädde,  nn  schenket  em  sin  ganse  Kaisers-Gut.  Un  de 
wilde  Mann  was  erlöset  un  stund  ase  en  grauten  Künig  för  em  un  ver- 
telde  em  de  ganse  Sacke,  un  de  Berg  was  en  gans  Künigs-Schloß,  un 
lie  trock  met  sine  Frau  derup,  un  lerweten  vergnögt  bis  an  eren  Daud. 

Das  Märchen,  dem  diese  beiden  Fassungen  angehören,  ist  von 
R.  Köhler  1,  330,  Breul  (Sir  Gowther  1886  S.  118)  und  Moe  (bei 
Heiland,  Finmarkens  amt  2,  600  =  Norges  land  og  folk  20,  2.  1906) 
der  Grindkopf,  von  Grundtvig  (Register  nr.  8)  das  Goldhaar, 
von  Panzer,  Hilde-Gudrun  1901  S.  251  Goldener  betitelt  worden. 
Seine  Hauptmotive  sind:  A.1  Ein  Königssohn  läßt  den  von  seinem 
Vater  gefangenen  wilden  Mann,  den  Eisenhans  frei;  A.2  Der  Prinz 
flieht  vor  den  Nachstellungen  seiner  feindseligen  oder  buhlerischen 
Stiefmutter;  A.3  Der  wilde  Mann  verhilft  einem  kinderlosen  Ehe- 
paare zu  einem  Sohne,  doch  muß  dieser  ihm  nach  einer  bestimmten 
Frist  übergeben  werden.  —  B.  Der  Knabe  erwirbt  beim  Eisenhans, 
dessen  Verbot  er  übertritt,  goldene  Haare  und  wird  entweder  (B1) 
in  Güte  entlassen  oder  (B2)  entflieht  auf  einem  sprechenden  Posse. 
—  C.  Er  dient,  nachdem  er  sein  Goldhaar  mit  einem  Hut  oder 
Tuch  verdeckt  hat,  als  Gärtner  an  einem  Königshofe,  wo  sich  die 
Prinzessin  in  ihn  verliebt.  —  D.  Bei  einem  Turnier  erscheint  er 
dreimal  auf  einem  prächtigen  Roß,  das  ihm  der  Eisenhans  geliefert, 
und  erringt  die  Hand  der  Königstochter.  —  E.  Er  erweist  seinen  Adel 
als  Sieger  in  einer  Schlacht,  als  Drachentöter,  als  Bringer  eines 
Heilmittels  für  den  kranken  König  (vgl.  nr.  97)  oder  auf  einer  Jagd, 
wo  er  seine  spottenden  Schwäger  beschämt.  —  F.  Der  Eisenhans 
oder  das  hilfreiche  Pferd  wird  erlöst. 

In  Vulpius'  Ammenmärchen  1791  1,  173  'Der  eiserne  Mann 
oder  der  Lohn  des  Gehorsams'  (A1  C  D  F)  fehlt  zwar  das  Goldhaar 
des  Knaben,  aber  dieser  erringt  durch  drei  kostbare  Äpfel,  die  ihm 
der  eiserne  Mann  geschenkt,  die  Gunst  der  Königstochter.1)  Aus 
dem  Oberelsaß  in  Stöbers  Alsatia  1873 — 74,  149  'Vom  bösen 
Büblein,  das  zuletzt  König  wird'  (B2  F  C  E).  Aus  dem  Schwarz- 
wald   in    der  Alemannia  26,  91  nr.  14    'Der  Grindlappen'    (B2  C  E). 


!)  J.  Kerners  Märchen  'Goldener'  (Dichterwald  1813  =  "Werke  ed. 
Gaismaier  3,  276.  Gottschalk,  Volksmärchen  1,  286.  1814.  Bechstein, 
Märchenbuch  1845  S.  159)  beruht,  wie  der  Dichter  ausdrücklich  bemerkt, 
auf  keiner  Volksüberlieferung.  Vgl.  auch  Wilhelm  Grimms  Äußerung  1814 
im  Briefwechsel  aus  der  Jugendzeit  1881  S.  392. 

Grimm  ,  Märchen-Anmerkungen  III.  7 


98  136.    Der  Eisenhans. 

Aus  Tirol  bei  Ziagerle  KHM.  I2,  138  nr.  28  Werweiß'  (A^'CE 
D  F).  I2,  157  nr.  32  'Goldener'  (Kesselheizer  bei  einer  alten  Frau, 
BJCE).  2,  198  'Der  Grindkopf'  (A3  B2  C  D  E  F).  Aus  Nieder- 
österreich bei  Vernaleken,  KHM.  nr.  8  'Der  Wunderschimmel' 
(A1  B2  C  E  F),  nr.  23  'Der  Waldkater'  (A3  B  C  E),  nr.  60  'Da  Seppl 
mit  di  goldenen  Hoar'  (B2F).  Heanzisch  bei  Bunker  nr.  76  'Der 
König  mit  dem  Brandmal'  =  Zs.  f.  Volksk.  8,  192  (D  C ;  die  Pferde 
gibt  dem  Michel  sein  verstorbener  Vater).  Siebenbürgisch  bei 
Haltrich  nr.  11  'Goldhaar'  (A3B1CE).  Aus  Österreich  isch- 
Schlesien  bei  Peter  2,  180  'Der  treue  Hansel'  (B2  C  D  E  F)  und 
2,  185  'Hasenjackel'  (A1  D ;  Held  heiratet  die  Königstochter,  weil  er 
mit  Hilfe  des  wilden  Mannes  drei  Jahre  lang  die  Hasen  gehütet). 
Aus  Oberschlesien  bei  Przibilla  S.  89  'Der  Hundewärter'  (Gaudeif, 
oben  2,  60;  dann  B2  C  D  E).  Aus  der  Nähe  von  Halle  bei 
Sommer  S.  86  'Der  eiserne  Mann'  (A1  B  C  E ;  drei  Bälle  wie  bei 
Vulpius).  Aus  Unterfranken  bei  Spiegel  1914  nr.  4  'Der  Grind- 
hansel' (A3B2FC;  dann  Pervonto,  oben  1,  487).  Vom  Odenwald 
bei  Wolf,  Hausmärchen  S.  269  'Das  treue  Fiillchen'  (Einleitung  wie 
oben  nr.  90;  B2DE;  C  D  E  F)  und  S.  369  'Der  Hinkelhirt'  (A2  G 
ED;  Zauberpfeifchen,  Drachen  getötet).  Aus  dem  Rheinlande 
bei  Simrock  nr.  24  'Des  Teufels  Schürenbrand'  (oben  2,  423 ;  B2 
CDF).  Aus  Hannover  bei  Busch  S.  96  'Friedrich  Goldhaar'  (A3 
B2CEF)  und  Schambach-Müller  S.  278  'Häuschen  Glasköpfchen' 
(B  C  E ;  eine  alte  Zauberin  statt  des  wilden  Mannes).  Aus  dem 
Saterlande  bei  Bröring  2,  288  'Des  Königs  Kuhhirte'  (CE).  Aus 
Holstein  bei  Müllenhoff  S.  420  nr.  12  'Der  starke  Franz'  (B3  F 
C  E).  Aus  Pommern  bei  Jahn,  Schwanke  S.  87  'Der  Wollensack' 
(A1  B ;  dann  der  Hasenhüter,  unten  nr.  165) ;  Bl.  f.  pomm.  Volkskunde 
4,  183  'Der  Fischersohn'  (A2B2CD).  Aus  Ostpreußen  bei  Lemke 
2,  255  'Der  Schäferknecht  mit  den  goldenen  Haaren'  (B1  E ;  Drachen- 
zungen).— -Vlämisch:  De  Mont  en  de  Cock,  Wondersprookjes  p.  40 
'Van  Siegfried  den  Koningszoon  van  Duitschland'  (tötet  als  Schäfer 
Räuber  und  Riesen,  D  E)  und  p.  294  (Glasberg).  Vermast  p.  85 
'Van  het  paard  met  de  gouden  manen  (A1  B2  C  D  E)  und  p.  125 
'Mijnheer  von  den  Glazenberg'  (legt  seinem  Diener  fünf  Auf- 
gaben auf,  eine  alte  Frau  hilft;  B2FCD).  Volkskunde  3,  110 
'Jan  de  Rotter'  (A3B2CEF;  Drache  getötet).  Revue  des 
trad.  pop.  16,  217  'Le  garcon  au  bonnet  rouge'  (B2  C  E  D).  — 
Dänisch:    Grundtvigs   hsl.   Register  nr.  8   'Guldhäret'.     Winther  1, 


136.    Der  Eisenhans.  99 

31  'Prindsen  og  havmanden'.  Grundtvig,  Minder  2,  nr.  311  'Hans 
med  guldhäret'.  =  Stroebe  1,  55  nr.  12.  Grundtvig,  Folkeaev.  1, 
175  nr.  15  'Vildmanden'  =  Leo  1,  228  (A'B'CDE).  Madsen  S.  76 
'Gartnerdrengen'  (A3BCDE).  Berntsen  1,  34  nr.  4  'Hans  Have- 
dreng'  (B2  C  D  E  F).  Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  3,  144  nr.  30  'Den 
fangne  Jiernmand'  (A1BC;  Goldäpfel  wie  bei  Vulpius).  3,  193  nr. 
36  'Drengen  med  det  gyldne  Haar'  (Alte  Frau  statt  des  Eisenhans ; 
B'CDE).  4,  138  nr.  26  'Den  blaa  Stud'  (vorher  das  'Erdkühlein', 
oben  S.  61).  4,.  159  nr.  30  'Esben  hos  Katten'  (vgl.  oben  2,  33). 
4,  29  nr.  50  'Vildmanden'  (A'B'CED).  Skattegraveren  3,  200 
'Drengen  med  solvhäret'  (B2  C  D  F).  7,  135  'Skurrekop'  (A1  B  ODE; 
Goldäpfel).  8,  163  'De  tre  guldaäbler'  B2  C  D  E).  —  Schwedisch: 
Hylten-Cavallius  nr.  20  'Prinsessan  uppä  glasberget'  =  Turley, 
Schwed.  Volksmärchen  'Die  Prinzessin  auf  dem  gläsernen  Berge' 
(A1  C  D)  =  Stroebe  1,  263  nr.  16  —  Fuchs,  Volksmärchen  aus  aller 
Welt  1906  S.  176.  Moe  bei  Heiland  2,  602.  Wigström,  Sv.  lands- 
mälen  5,  1,  42  'Trollet  Boriax  ock  kungasonen'  (A1  B  C  D).  Aberg 
nr.  129  'Askfis'  (B2  C  D ;  vgl.  oben  1,  155),  nr.  130  'Pojken  som 
tjänade  hin  onde'  (B2  C  E),  nr.  131  (A2  B2  C  E),  nr.  135  (B2  E), 
nr.  199  'Fägelkungen'  (A1  B1  C  E ;  Vogel  statt  des  wilden  Mannes). 
Stroebe  1,  275  'Königin  Kranich'.  Hackmans  Register  nr.  314  und 
502.  —  Norwegisch:  Asbjörnsen-Moe  nr.  14  'Enkesonnen' 
(B2  CEF)  =  Bresemann  1,  86  =  Thorpe  p.  293  =  Dasent  1859 
p.  358.  —  Färöisch:  Jakobsen  S.  624  nr.  72  'Hans  vid  guld- 
härinun'  (B  C  D  F),  vgl.  S.  296  nr.  16  'Bossadrongurin'.  — 
Isländisch:  Pittershaus  S.  95  nr.  24  'borsteinn  mit  dem  Gold- 
haar' (B2CEF).  —  Französisch:  Luzel,  Contes  2,  295  'Le  Murlu 
ou  l'homme  sauvage'  (A1BCE;  kein  Goldhaar,  Drachenzungen). 
Sebillot,  Contes  3,  74  nr.  9  'Jean  le  Teignous'  (A3B2CDE). 
Revue  des  trad.  pop.  9,  341  'Le  petit  oiseau'  (Vogel  statt 
des  Eisenhans.  A1  B  C).  Cosquin  1,  133  nr.  12  lLe  prince  et  son 
cheval'  (B2  C  D  E)  Carnoy,  C.  francais  p.  42  'L'homme  de  fer' 
(lothringisch.  A^CD).  Deulin,  Cambrinus  1874  p.  151  'Caillou 
qui  biques !'  Meyrac  p.  493  'Jean  le  Tigneux'  (B2  F  C  D  E).  Jeger- 
lehner,  Sagen  aus  dem  Unterwallis  1909  S.  138  'Les  trois  pomraes 
d'or  =  Jegerlehner,  Am  Herdfeuer  der  Sennen  S.  156  'Die  drei 
goldenen  Äpfel'  (B2CDE).  —  Italienisch:  Straparola  5,  nr.  1  = 
F.  W.  V.  Schmidt,  Märchen  des  Straparola  1817  S.  92  =  Kletke, 
Märchensaal  1,  71  nr.  16  =  Keller,  Ital.  Novellenschatz  5,  100  (1851) 

7* 


100  136.    Der  Eisenhans. 

'Der  Waldmann'  (A1B1E.  Der  von  einer  "Fee  entzauberte  Wald- 
raensch  begleitet  den  Prinzen  Guerrino  und  hilft  ihm,  die  ihm  vom 
König  Zifroi  gestellten  Aufgaben  lösen :  zwei  wilde  Pferde  bändigen 
und  die  goldgelockte  Prinzessin  unter  den  beiden  verschleierten 
Schwestern  herausfinden).  Schneller  nr.  20  'Der  Prinz  mit  den 
goldenen  Haaren'  (B2  C  D  E  F).  Eolk-lore  Eecord  3,  44  'The  little 
mare'  (A2B2CDE.  Bisme  brandmarkt  seine  Schwäger).  R.Köhler, 
Jahrbuch  f.  roman.  Lit.  8,  253  'Der  Grindkopf';  vgl.  Köhler,  Kl. 
Sehr.  1,330  (A3B'CE;  drei  Marmorstatuen  schenken  Wunschbeutel, 
Zauberrute  und  Samenkörner).  Imbriani,  Novellaja  fior.  2  nr.  2  'II 
contadino  che  aveva  tre  figlioli'  (B2F;  der  Eingang  mit  der 
Menschenfleischprobe  wie  bei  Meyrac;  die  hilfreiche  Stute  ist  die 
entführte  Tochter  des  Königs,  die  der  Held  heiratet).  De  Nino  3, 
234  nr.  45  'La  capigliera  d'oro'  (von  drei  Feen  wird  der  schlafende 
Köhlerjunge  mit  Goldhaar,  Gitarre  und  Schwert  begabt ;  C  E). 
Finamore  1,  1,  75  nr.  17  'Lu  tignusjelle'  (A3  B2  C  D  E).  Ortoli  p.  108 
'Le  petit  teigneux'  (B2  C  D ;  Pferd  Bayard  wie  bei  Jegerlehner). 
Gonzenbach  nr.  26  'Vom  tapferen  Königssohn'  (angehängt  an  das 
Märchen  von  der  treulosen  Mutter ;  von  einem  Einsiedler  unter- 
wiesen, gewinnt  der  Grindkopf  die  Königstochter,  die  aber  seine 
Schwester  ist,  und  besiegt  seines  Vaters  Feinde;  DE);  vgl.  nr.  61 
'Von  einem  mutigen  Königssohn'  (oben  2,  305;  dann  DE)  und  67 
'Paperarello'  (treulose  Mutter;  C  E).  Pitre,  Fiabe  sie.  2,  136  nr.  79, 
Variante  'Biamunti'  (wie  Gonzenbach  nr.  26)  und  2,  111  nr.  P  8 
'Lu  tignusu  (CD).  —  Katalanisch:  Maspons  3,  21  nr.  1  'En  Pere 
revolt'.  —  Portugiesisch  aus  Brasilien:  Bomero  nr.  8  'O  passaro 
preto'  (A1B1CD.  Vogel  statt  des  wilden  Mannes)  und  nr.  38  '0 
Carece'  (A3B2CDE.  Drachenzungen  ausgeschnitten).  —  B  askisch: 
Webster  p.  22  'The  grateful  Tartaro  and  the  herensage'  (A1  B1  C  E ; 
Drachenzungen  ausgeschnitten)  und  p.  111  'Ezkabi-Fidel' (B2  C  D  E). 
—  Griechisch:  Pio  p.  179  '0  äyQiäd-Qonoc,'1  =  Misotakis  S.  1  'Der 
wilde  Mann'  =  Garnett  2,  261  (A1  B  D).  Hahn  2,  197  Var.  2  zu 
nr.  6  'Vom  Prinzen  und  seinem  Fohlen'  (A3  B2  C  D  E)  und  nr.  45 
'Der  Traum  des  Prinzen'  (B2  D ;  vorher  Traum  des  Knaben  wie  oben 
1,  324).  Kretschmer  nr.  41  'Der  unglückliche  König'.  —  Alba- 
nesisch  aus  Sicilien:  Pitre,  Cartelli  del  popolo  sie.  1913  p.  411  nr.  9 
'Nini'  (C  E).  —  Rumänisch:  Staufe  nr.  10  'Der  glückliche  Aben- 
teurer' (Zs.  f.  Volksk.  9,  85 :  D)  und  nr.  36  'Der  junge  Gärtner  und 
die  Fürstentochter'  (C  E ;    drei  Nachtwachen    am  Grabe    des  Vaters). 


136.    Der  Eisenhans.  101 

*Roumanian  fairy  tales  p.  27.  Säinenu  p.  285  f.  —  Serbokroatisch: 
Vuk  Stefanovic  Karadzic  S.  208  nr.  52  'Cefa  der  Glatzkopf  =  Jagic 
er.  17  (Archiv  f.  slav.  Phil.  2,  618;  vgl.  R.  Köhler  1,  419:  C  E, 
Schlacht),  ßos.  nar.  pripov.  redovn.  omlad.  S.  11  nr.  4  =  Mijatovies 
p.  189  nr.  18  'One  good  tiirn  deserves  another'  (A1,  untreuer  Diener, 
CD).  Aus  Kroatien:  Valjavec  p.  136  nr.  9  =  Leskien  S.  199  nr.  45 
(A1  C,  Hasenhüter,  D  F).  Kres  4,  247  nr.  16  =  Krauss  1,  220  nr.  46 
'Das  wunderbare  Pferd'  (A2  B2  C  D  E).  Krasic  2,  16  nr.  11  (der 
12.  Sohn  entflieht  nach  Tausch  der  Bettplätze  auf  dem  sprechenden 
Pferde  einer  Hexe,  D,  setzt  beim  Turnier  über  den  Graben).  Aus 
Slavonien:  Zbornikjslav.il,  290  nr.  20  (Schafhirt  erhält  vom  Drachen 
Goldkrone,  Gärtner;  Jagd,  Schlacht).  Aus  Bosnien:  Krauss,  Tausend 
Sagen  1,  183  nr.  61  (Augen  des  Bockes  von  den  Vilen  geholt,  Pferd, 
Goldgewand,  Kappe  aus  Schafsgekröse,  C  E,  Schwäger  beschämt). 
Aus  Serbien:  Atan.  Nikolic  1,  nr.  15  =  2.  Aufl.  S.  227  nr.  24  (B2 
C  E).  —  Bulgarisch  aus  Mazedonien:  Sapkare  v  8 — 9,  124  nr.  92 
=  Leskien  S.  21  nr.  7  (Zauberpferd  gefangen,  D  E).  Sprostranov 
S.  107  nr.  20  (drei  Nächte  am  Grabe  des  Vaters,  C,  Schwäger  be- 
schämt). Sbornik  min.  8.  167  'Drei  Samovilen,  der  alte  Blinde  und 
der  Grindkopf'  (Augen  des  Herrn  geholt,  Zauberpferd,  B2  C  E,  Ele- 
fantenmilch). —  Slovakisch:  Skultety-Dobsinsky  S.  270  =  2.  Ausg. 
S.  536  nr.  39  (A\  Speicherdieb  gefangen,  B^E).  Czambel  S.  313 
nr.  159  (Wunschbeutel,  Plöte  und  Gürtel  Räubern  abgenommen,  C  E, 
Fortunatmotiv  wie  oben  1,  499).  Dobsinsky  6,  16  (drei  Jungfrauen 
durch  drei  Qualnächte  befreit,  Haare  goldig,  Küchenjunge,  C).  — 
Cechisch  aus  Böhmen:  Rubes  S.  253  =  Waldau  S.  50  'Der  wilde 
Mann'  (A1  B1  C  E  D  F),  danach  Milenowsky  S.  147  'Vom  wilden 
Manne',  vgl.  Zs.  f.  dt.  Mythologie  2,  444  nr.  6.  Radostov  10,  3  = 
2.  Aufl.  2,  41  =  3.  Aufl.  S.  617  (einen  der  Zwillinge  hat  der  schwarze 
Ritter  sich  ausbedungen,  B2,  magische  Flucht,  C,  Gärtner  als  Bär 
verkleidet,  F).  Nemcovä  3,  133  nr.  45  'Prinz  Bajaja'  (A2  0,  Prinz 
stellt  sich  stumm,  E,  Drachentöter,  Schlacht,  D).  Pohadky  a  pov.  nas. 
lidu  S.  16  nr.  9  (B2  C).  Popelkovä,  Na  besede  S.  176  nr.  191  (A2 
C  E).  Hsl.  Sammlung  Pfihoda  nr.  8  (Orakel  wie  oben  1,  322; 
Alexander  verschlagen  wird  Gärtnerbursch  und  goldhaarig,  C).  Kubin, 
Podkrkonosi  1,  nr.  86.  Aus  Mähren:  Kulda  1,  69  nr.  24  (Sohn 
und  Fohlen  nach  Genuß  von  Äpfeln  geboren,  A2  C  E).  Miksicek  1, 
190  (B2CD)  =  Mensik,  Jemnic.  S.  146  nr.  47.  Tille  S.  39  nr.  21 
(E,  Drachentöter,  Schlacht,  F).     Kulda  1,  46  nr.  17  =  Wenzig  S.  1 


102  136.    Der  Eisenhans. 

'Hänslein  mit  dem  Strauße'  (C  D  E,  Zaubergaben  der  beschenkten 
Bettler).  Mensik,  Jemnic.  S.  206  nr.  64  (Goldener  Mann,  A1, 
verbotenes  Zimmer,  Goldhirsch,  Zaubergerte,  Schafhirt,  Trompete 
und  Trommel  von  den  schwarzen  Männern,  E).  Elpl  S.  71  nr.  17 
(ähnlich).  Pfikryl  S.  413  (B2,  magische  Flucht,  C  E  F).  Hsl.  Samm- 
lung Ed.  Peck  nr.  1  (Einleitung  wie  Hans  mein  Igel  oben  2,  482; 
Hexe  verleiht  goldenes  Haar,  C  E).  Aus  Glatz :  Kubin  1,  75  nr.  39 
(Pferd  im  Erbsenfeld  gefangen,  Haare  in  der  Quelle,  CEF).  — 
Wendisch:  Schulenburg,  Volkssagen  S.  69  'Der  goldene  Apfel'. — ■ 
Polnisch  aus  dem  Krakauer  Land:  Kolberg,  Lud  8,  9  nr.  6  (A1, 
Schwanjungfrau,  Aufgaben  des  Vaters).  8,  52  nr.  21  (Knabe  und 
Fohlen  nach  Genuß  eines  Apfels  geboren,  A2  C).  S\vie,tek  S.  346  nr.  24 
(Stiefsohn  soll  getötet  werden,  B2  C  E).  Wisla  17,  445  nr.  4  (B2  F  C, 
Muttermal  der  Prinzeß  erraten,  E).  8,  253  nr.  6  (A2  C,  in  Bärenhaut, 
E,  Schwäger  beschämt).  —  Kleinrussisch  aus  Poltawa:  Rudcenko 
1,  109  nr.  48  'Neznajko'  (d.  h.  Ich  weiß  nicht,  wie  bei  Zingerle  Wer 
weiß.  Sohn  dem  Drachen  versprochen;  A3B2CE>  Aus  dem  Gouv. 
Kiew  ebd.  1,  100  nr.  47  (verirrter  Kaufmann  verspricht  dem  Drachen, 
wovon  er  zu  Hause  'nicht  weiß'.  B2  C  E).  Aus  Galizien :  Etnogr. 
Zbirnyk  7,  57  nr.  40  (Höllenheizer,  B2  C  D).  Aus  Nordungarn:  ebd. 
4,  106  nr.  20  'Nemtuda'  (B2  C  D  E).  Aus  Südungarn  ebd  25,  70 
nr.  16  [der  Prinz  läßt  einen  Vogel,  nicht  einen  Mann  aus  dem  Käfig, 
C  E  F).  Aus  dem  Gouv.  Wolhynien :  Cubinskij  2,  214  nr.  58  (Ne- 
znajko.  A2  C  E).  Aus  dem  Gouv.  Jekaterinoslaw :  Manzura  S.  40 
'Neznajko' (Fischersohn  dem Meerdrachen  verschrieben,  B2  C  E,  Drachen- 
töter).  Aus  Gouv.  Wolhynien:  Kokossowska  S.  26  nr.  9  (Meer- 
UDgeheuer,  A1,  untreuer  Diener  Neznajko,  C  E).  Aus  Nordungarn : 
Etnogr.  Zbirnyk  9,  54  nr.  27  (A1,  Mutter  des  Knaben  im  Käfig; 
treulose  Mutter).  Aus  Gouv.  Jekaterinoslaw :  Cubinskij,  Trudy  2,  219 
nr.  59  (A3  B2  C  D  E).  Ostgalizien  :  Öuchevyc  S.  93  nr.  60  (der  jüngste 
Prinz  kommt  in  den  ehernen,  silbernen,  goldenen  Wald;  Pferd,  Ich 
weiß  nicht,  C  E,  Jagd).  Rozdolskyj  S.  11  nr.  4  (Pferde  im  Weizen- 
feld, DE,  Drachentöter).  Aus  Gouv.  Poltawa:  Etnogr.  Zbirnyk  14,15 
nr.  2  'Neznajko'  (B2,  magische  Flucht,  CE).  Sadok  Baracz  S.  98 
(B2CE).  —  Weiß  russisch  aus  Gouv.  Minsk:  Sejn  2,  52  nr.  24 
(die  Cuda-Juda  im  Weizenfelde  gefangen,  vom  Prinzen  freigelassen, 
A1,  treuloser  Diener,  Cuda-Juda  rettet  Prinz  und  Prinzessin  aus  dem 
Meere).  Aus  Gouv.  Smolensk:  Dobrovoljskij  1,471  nr.  12  (ähnlicher 
Eingang,  A*E;  Spannenlang-Ellenbart  hilft  die  Pferde  hüten).     Afa- 


136.    Der  Eisenhans.  103 

nasjev  5,  nr.  38  =  3.  Aufl.  1,  116  nr.  69  (messingner  Vogel  im 
Weizenfeld,  A1  C  E).  Aus  Gouv.  Mogilev:  Eomanov  3,  148  nr.  186 
(A2CE,  Drachentöter).  Eederowski  1,  113  nr.  340  'Nieznajko'  (A2 
C  E,  Drachentöter).  Romanov  6,  395  nr.  45  (ehernes  Ungeheuer  im 
Weizenfeld,  A1  C  E,  untreuer  Diener,  Pferde  gehütet).  6,  26  nr.  4 
(Zauberpferd  hinter  zwölf  Türen  verborgen,  C  E,  Schwäger  beschämt). 
—  Großrussisch :  Eovinskij  1,  762  nr.  169  =  Afanasjev  2,  217 
=  Dietrich  S.  40  nr.  4  'Ritter  Iwan  der  Bauernsohn'  (B2  C  D  E ;  Der 
Held  trägt  eine  Blase  über  dem  Haar  und  nennt  sich  'Ich  weiß  nicht'). 
Goldschmidt  S.  22  'Der  Stern  der  Zarewna'  =  Ralston  p.  256.  Aus 
dem  Gouv.  Bjäsan:  Chudjakov  2,  33  nr.  44  (A1,  treuloser  Diener; 
Pferde  mit  Hilfe  des  wunderbaren  Männleins  geheilt,  Prinzessin  von 
drei  Drachen  befreit).  Aus  Moskau  ebd.  1,  21  nr.  4  'Prinz  Dimitrij' 
(Blase  überm  Goldhaar,  C  E).  Aus  Gouv.  Wologda:  Ivanickij  S.  175 
nr.  6  (wilder  Mann,  A1  E,  Drachentöter).  Afanasjev  5,  nr.  37  = 
3.  Aufl.  1,  109  nr.  67  (Waldmann,  A1,  untreuer  Diener,  Pferde  ge- 
hütet, E).  1,  110  nr.  67  b  aus  Gouv.  Woronesch  (Nikanor  im  Erbsen- 
feld, A1,  untreuer  Diener,  E).  1,  114  nr.  68  (=  1.  Aufl.  2,  nr.  91 
aus  Gouv.  Perm:  A1  E,  Drachentöter).  Aus  Gouv.  Orel:  Chudjakov  3, 
143  nr.  115  (Männlein  im  Weizenfeld,  untreuer  Diener,  C).  Aus 
Gouv.  Olonetz:  Oncukov  S.  274  nr.  112  (A1,  Prinz  vom  goldenen 
Hirsch  verlockt,  Hirt  beim  alten  Erzstirn).  S.  358  nr.  150  (Mann  mit 
Erzstirn  und  Bleibauch,  A1  C,  dann  Fortunatmotiv  wie  oben  1,  480). 
Aus  Gouv.  Jenisejsk:  Zap.  Krasnojarsk.  1,  17  nr.  4  'Neznajka'  (Held 
und  Fohlen  nach  Genuß  eines  Fisches  geboren,  A2  C  E,  Drachentöter). 
Aus  Gouv.  Moskau:  Cudinskij  S.  16  (C  E,  Drachentöter).  Aus  dem 
Kaukasus:  Sbornik  Kavkaz.  15,  2,  3  nr.  1  (Prinzeß  in  Vogelgestalt 
raubt  die  Goldäpfel,  ihr  Bruder  zieht  davon  auf  einem  Zauberpferd, 
Pferdehirt,  C  E,  Schwäger  beschämt).  Afanasjev3  2,  209  nr.  165  a 
'Xeznajko'  (A2CE;  Held  in  Stierhaut  und  Blase).  2,  212  nr.  165b 
(aus  Gouv.  Archangelsk.  C  E).  Bronicyn  S.  61  =  Naake  p.  117 
'Ivan  Kruchina'  (A2B2CD).  Aus  Gouv.  Perm:  Afanasjev3  2,  220  (der 
Jüngling  erhält  durch  Baden  in  zwei  Quellen  Stärke  und  Goldhaar 
und  kommt  in  den  Palast  des  Cuda-Juda ;  B2  C  E).  Aus  Nordost- 
sibirien, Kolym:  Etnogr.  Obozr.  72—73,  175—181  (A2  C  E  F).  Über 
hsl.  Fassungen  vgl.  Zivaja  Starina  20,  98.  102.  ■ —  Litauisch: 
Leskien-Brugman  S.  379  nr.  9  'Von  dem  Prinzen,  der  bei  dem  Satan 
in  Diensten  stand  und  den  König  aus  der  Hölle  befreite'  (B2  C  D 
E  F).     Jurkschat  1,  129  nr.  63  'Die  drei  Rößlein    (B2  C  D  E  F).    Do- 


104  136.    Der  Eisenhans. 

wojna  S3rUvestrowicz  2,  22  (Zwillinge,  der  Held  zieht  löjährig  zum 
Gevatter,  erhält  drei  Wunschhaare,  C  E).  1,  61  (B2  C  E  F).  Karlo- 
wicz  S.  61  nr.  44  (Prinz  dem  Teufel  vom  Vater  versprochen,  Höllen- 
heizer, B2,  magische  Flucht,  CE).  —  Lettisch:  Weryho  S.  202 
nr.  27  (Wunschdose  ererbt,  Schweinehirt,  C  E).  —  Estnisch:  Kallas 
nr.  7  'Der  entflohene  Königssohn'  (Verhdl.  20,  119.  B2  C  E  F).  — 
Finnisch:  Salmelainen  1,  nr.  12,  III  =  Schreck  S.  128  nr.  15  'Der 
in  einen  Hengst  verwandelte  Jüngling'  (B2  CEF)  —  Chudjakov, 
Materialy  S.  90.  Aarnes  Kegister  nr.  314.  502.  Suomi  2,  14,  35.  — 
Lappländisch:  Friis  nr.  18  =  Germania  15,  176  nr.  6  'Der  Rie3e 
und  der  kleine  Junge'  =  Poestion  S.  84  nr.  21  (B2  C  D  E  F).  — 
—  Magyarisch:  Gaal-Stier  S.  61  nr.  8  'Weißnitle'  (A2CDE; 
Schwäger  gebrandmarkt).     Berze  Nagy  nr.  65  'Nemtudomka'.    Sklarek 

1,  114  nr.  12  'Der  goldbärtige  Mann  (Ä'CDE;  dankbare  Tiere 
helfen  gleichfalls  dem  Helden).  Sklarek  1,  130  nr.  13  'Der  behaarte 
Mann'  (A^CE)  =  Kyelvör  4,  279.  Sklarek  1,  135  nr.  14  'Der 
goldhaarige  Gärtnersbursch'  (B2  C  D  E)  =  Merenyi  2,  65  Arany- 
Gyulai  3,  332  'Der  Milchbrunnen'.  —  Zigeunerisch  aus  Serbien: 
Tih.  Gjorgevic  S.  116  'Eines  Zigeuners  listiger  Trug'  (ein  goldener 
Mann  aus  dem  Sumpfe,  A1  C,  untreuer  Diener,  Stallknecht,  Gaben 
der  Schwestern  des  goldenen  Mannes).  —  Armenisch:  Zs.  f. 
ATolksk.  20,  76  nr.  3  'Der  Knabe  mit  dem  goldenen  Haar'  (A3  B2  C 
DE).  Sbornik  Kavkaz.  24,  2,152  nr.  20  (Zwillinge,  A3B2CE;  Held 
holt  Hirschmilch,  goldene  Nachtigall,  goldhörnige  Antilope,  Lebens- 
wasser, von  den  Schwägern  im  Schlaf  ermordet,  vom  dankbaren 
Löwen  und  Adler  belebt).  —  Kabardinisch:  ebd.  21,  2,  196  nr.  4 
(A2CE;  'Narun'  d.  h.  Ich  weiß  nicht).  —  Grusinisch  aus  Gouv. 
Kutais:  ebd.  18,  3,  383  (goldhaarige  Zwillinge;  Gärtner,  C  E,  dann 
Brüdermärchen  oben  1,  542).  24,  2,  85  nr.  4  (CE;  heilender  Apfel 
geholt,  Schwäger  beschämt).  —  Tatarisch  aus  Südsibirien:  Radioff 

2,  607  'Südäi  Märgän  und  Joltai  Märgän'  (treulose  Frau,  hilfreiches 
Pferd;  die  jüngste  Schwester  wählt  den  Bärenmenschen,  Schwäger 
beschämt).  3,  261  'Kosy  Korpösch'  (geht  auf  den  Rat  einer  Alten 
als  Grindkopf  zu  seiner  Braut  Bajan ;  nachts  erleuchtet  seih  goldenes 
Haar  das  Zelt).  3,  297  'Kan  Schentäi  (zieht  auf  den  Rat  seines 
Pferdes  als  Grindkopf  zur  Hochzeit  einer  Fürstentochter  und  besiegt 
deren  Freier).  —  Aramäisch  aus  dem  Tür  'Abdin  bei  Prym-Socin 
2,  90  nr.  26  (Grindkopf  von  der  Prinzessin  erwählt,  holt  Löwenmilch, 
brandmarkt  die  Schwäger;    also  nur  DE)  und  2,  152  nr.  39  (gehört 


136.    Der  Eisenhans.  105 

zum  Erdmänneken,  oben  2,  314.  Der  von  den  treulosen  Brüdern  im 
Stich  gelassene  Held  erscheint  als  Kahlkopf,  eine  Blase  auf  dem 
Haar,  dreimal  im  Turnier).  Bergsträsser  nr.  20  (A2  C  D  E.  Der  Grind- 
kopf hat  einen  Zauberring  bei  der  Flucht  aus  dem  Vaterhause  mit- 
genommen). —  Kirgisisch  aus  Bajan-Sul:  Otec.  Zapiski  1830  43, 
252  (Afanasjev3  2,  221).  —  Kalmükisch:  Siddhi-Kür  nr.  5  bei  Jülg 
1866  S.  30  =  Bergmann,  Nomadische  Streifereien  1,  298  (A^D; 
der  Pflegesohn  des  Einsiedlers  soll  mit  der  Eürstentochter  zusammen 
den  Drachen  vorgeworfen  werden).  —  Indisch:  Stokes  nr.  10  'The 
monkey  prince'  (vermischt  mit  dem  Tierbräutigam,  oben  nr.  88)  und 
nr.  20  'The  boy  who  had  a  moon  on  his  forehead  and  a  star  on  his 
chin'  (B2CDE;  Schwäger  gebrandmarkt);  vgl.  Cosquin  1,  150. 
Minajev  nr.  46  (A3B2;  statt  des  Pferdes  die  Leichen  der  vom  Unhold 
Getöteten).  Parker  1, 137  nr.  15  'The  prince  and  the  yakä'  (A  E,  un- 
treuer Diener,  Drachentöter).  —  Siamesisch:  Bastian,  Die  Völker 
des  östl.  Asiens  4,  350  'Chaoh  Gnoh'  (1868.  B1  C  D  E.  Schwäger  ver- 
stümmelt); vgl.  Cosquin  1,  146.  —  Malaiisch:  Folk-lore  14,  385 
'The  story  of  Indra  Bangsäcoan'  (wird  nach  der  Weisung  eines 
Zauberers  Ziegenhirt,  holt  Tigermilch  für  die  kranke  Prinzeß,  tötet 
auf  einem  grünen  Pferde  den  Greifen  und  besiegt  das  Heer  der 
neuen  Nebenbuhler;  als  Einleitung  die  Sendung  nach  der  wunder- 
baren Schalmei,  die  sein  Vater  im  Traum  gesehen;  vgl.  oben  1,  511). 
—  Arabisch:  Schmidt-Kahle,  Palästina  nr.  53  'Kahlköpfchen  und 
das  Wunderpferd'  (A2  B2  C  D  E).  Spitta-Bey  nr.  12  'Histoire  du 
prince  et  de  son  cheval'  (A2  B2  C  D  E ;  Schwäger  gebrandmarkt). 
Artin-Pacha  1895  nr.  7  'Le  cheval  enchante' (A2  B2  C  E).  Abel,  Eine 
Erzählung  im  Dialekt  von  Ermenne  (Abh.  der  sächs.  Ges.  d.  Wiss.,  phil.- 
hist.  Kl.  19,  8).  Stumme,  Schluh  von  Tazerwalt  S.  146  nr.  17  'Von 
einem  Sultan,  seinem  Sohne,  einem  Garten  und  von  zwei  Mädchen 
nebst  ihren  Westen'  (A1  C  D.  Muhammed  läßt  den  nachts  seines 
Vaters  Garten  verwüstenden  Unhold  gegen  einen  Zauberring  frei; 
ähnlich  unsrer  nr.  91  'Erdmänneken').  Revue  des  trad.  pop.  27,  433 
'Le  roi  bücheron'  (C  D  E).  Frobenius,  Dekameron  S.  76  'Der 
Rassenreine'  (C  D  E).  —  Suaheli:  Steere  p.  379  'The  spirit 
who  was  cheated  by  the  sultan's  son'  (A3  B2 ;  keine  Zeit 
niedrigen  Dienstes,  der  Held  baut  sich  ein  Haus  und  wird 
des  Königs  Schwiegersohn).  —  Pawnee -Indianer:  Dorsey  1904 
nr.  4L  'The  boy  and  the  horse'  (der  mitleidige  Knabe  erhält  vom 
Adler     ein     redendes     Pferd,     auf    dem   er     sich     im    Kriege     aus- 


106  136.    Der  Eisenbaus. 

zeichnet,  und  beiratet  die  Häuptlingstochter);  vgl.  Wake,  Journal 
of  amer.  folklore  20,  216. 

Die  einzelnen  Züge  des  Märchens  lassen  sich  bis  ins  Mittel- 
alter zurückverfolgen.  Im  13.  Jahrhundert  berichtet  Snorre  Stur- 
luson  (Heimskringla,  Hälfdanar  saga  svarta,  Kap.  8 ;  vgl.  Bugge, 
Arkiv  for  nordisk  filologi  16,  1.  Heiland,  Finmarkens  amt  2,  581  \ 
daß  der  norwegische  König  Halfdan,  als  beim  Julfest  plötzlich 
alle  Speise  und  Trank  verschwand,  einen  finnischen  Zauberer 
gefangen  setzte,  um  von  ihm  den  Täter  zu  erfahren.  Der  Finne 
aber  schwieg  trotz  den  Martern  und  bewegte  Halfdans  jungen  Sohn 
Harald  den  Haarschönen,  ihn  aus  dem  Kerker  zu  befreien  und  mit 
ihm  zu  einem  Häuptling  zu  fliehen,  wo  er  bis  zum  Tode  seines 
Vaters  lebte.  Zu  dieser  Erzählung  fügt  das  um  1380  geschriebene 
Flatöbuch  (Fornmanna  Sögur  10,  170)  hinzu,  daß  Halfdan  den  Joten 
Dovre,  der  seine  Schatzkammer  bestahl,  in  einer  Falle  fing;  Harald 
als  fünfjähriger  Knabe  ließ  ihn  frei,  dafür  nahm  ihn  der  Riese  mit 
sich  und  erzog  ihn,  bis  er  an  seines  Vaters  Statt  den  Thron  bestieg. 
Über  die  hiervon  abhängige  Bord  Snsefellsäss  und  die  Kjalnesinga 
saga  vgl.  Heiland  2,  589.  Auch  bei  Saxo  Grammaticus  p.  19.  30  ed. 
Holder  wird  Hading  als  landflüchtiger  Königssohn  von  dem  Riesen 
Vagnhoved  aufgezogen  und  in  wunderbarer  Weise  beim  Kampfe 
unterstützt;  bei  der  von  Ragnild  vorgenommenen  Gattenwahl  tritt 
er  vermummt  auf,  erst  an  einem  Ringe,  den  sie  früher  in  seine 
Wunde  am  Beine  gelegt,  erkennt  sie  ihn  (Olrik,  Kilderne  til  Sakses 
Oldhistorie  1,  40). 

Der  Grund,  aus  dem  der  König  das  dämonische  Wesen  fesseln 
läßt,  scheint  ursprünglich  das  Verlangen  nach  seinem  pro- 
phetischen Wissen  gewesen  zu  sein.  So  ließ  Midas  (Herodot 
8,  c.  138.  Röscher,  Mytholog.  Lexikon  2,2954)  den  Seilenos  fangen, 
indem  er  (nach  Xenophon  und  Theopomp)  Wein  in  die  Quelle  goß, 
aus  der  jener  trank1),  König  Numa  die  Walddämonen  Faunus  und 
Picus    (Ovid,    Fasti  3,  291.     Röscher   2,    657),    Salomo    den    Geister- 


x)  Das  Berauschen  des  wilden  Mannes  durch  Wein  oder  Brannt- 
wein begegnete  uns  schon  oben  S.  95  in  der  mÜDsterländischen  Fassung, 
ferner  bei  Straparola  5,  nr.  1  und  magyarisch  bei  Sklarek  1,  115  nr.  12. 
Vgl.  dazu  oben  2,  851;  Sklarek  1,  292;  Mannhardt,  Wald-  und  Feldkulte 
1,  96.  112.  2,  117  (1875—77).  —  Zu  der  Gestalt  des  Eisenhans  vgl.  die 
oben  2,  541  erwähnten  dämonischen  Eisenkerle;  auch  Laistner,  Zs.  f. 
dt.  Altertum  38,  121. 


136.    Der  Eisenbans.  107 

fürsten  Aschmedai  (Babylonischer  Talmud,  Traktat  Gittin  bei  Vogt, 
Salomon  und  Marko lf  1,  213.  Eisenmenger,  Entdecktes  Judentum 
1,  351.  ZdinG.  31,  220)  oder  König  Kodarchus  den  Waldmann 
Merlin  (Vita  Merlini  bei  San-Marte,  Die  Sagen  von  Merlin  1853 
S.  280),  womit  Moe  bei  Heiland  2,  627  die  Haffs  saga  (c.  7. 
Eornaldar  Sögur  2,  31)  und  andere  skandinavische  Überlieferungen 
von  einem  gefangenen  Meermännchen  (Lehmann-Filhes  1,  65)  ver- 
gleicht. In  den  Grimnismöl  (Gering,  Edda  S.  69.  F.  v.  d.  Leyen, 
Das  Märchen  in  den  Göttersagen  der  Edda  1899  S.  53)  läßt  König 
Geirrod  Odin,  der  als  Fremdling  unter  Grimnirs  Namen  zu  ihm 
kommt,  festnehmen  und  acht  Tage  lang  zwischen  zwei  Feuer  setzen, 
bis  ihm  der  zehnjährige  Königssohn  Agnar  einen  Labetrunk  reicht 
und  die  Folterung  eines  Unschuldigen  tadelt.  Ähnlich  wird  im 
cechischen  Märchen  bei  Waldau  S.  193  der  gefangene  Wassermann 
an  den  heißen  Ofen  gesetzt. 

Seltener  wird  die  Flucht  des  Helden  aus  dem  Vaterhause 
durch  die  Bosheit  einer  Stiefmutter  veranlaßt,  so  in  Wolfs  Haus- 
märchen S.  369,  in  sicilischen,  russischen,  magyarischen,  arabischen 
und  kalmükischen  Fassungen.  Ein  drittes  Motiv  der  Entfernung 
(A3)  ist  ein  Versprechen,  das  die  lange  kinderlos  gebliebenen 
Eltern  vor  der  Geburt  des  Helden  einem  dämonischen  Wesen 
gegeben  haben,  ihm  nach  einer  bestimmten  Frist  den  Sohn  zu  über- 
liefern.1) Es  begegnet  in  fünf  deutschen  Fassungen,  ferner  in 
niederländischen,  dänischen,  französischen,  italienischen,  griechischen, 
russischen,  cechischen,  armenischen,  indischen.  Aus  dieser  Form 
unseres  Märchens  ist  im  12.  Jahrhundert  eine  geistliche  Umarbeitung, 
die  Legende  von  Robert  dem  Teufel,  erwachsen.2)  Die  kinder- 
lose Herzogin  gelobt,  wie  Etienne  de  Bourbon  (Anecdotes  historiques 
ed.  Lecoy  de  la  Marche  1877  p.  145)  berichtet,  dem  Teufel  ihren 
Sohn  zu  weihen,  falls  er  ihr  einen  solchen  verschaffe.  Robert  wird 
ein  Räuber  und  häuft  Frevel  auf  Frevel,    bis  ihn  Reue  ergreift  und 


1)  Vgl.  oben  2,  319.  329. 

2)  Vgl.  Liebrecht,  Zur  Volkskunde  1879  S.  106  und  die  ausführ- 
liche Untersuchung  von  Breul,  Sir  Gowther  1886  S.  45 — 134;  endlich 
Studien  zur  vgl.  Litgeschichte  4,  308.  334  (1904).  Den  altfranzösischen 
Roman  hat  A.  Keller,  Altfranzösische  Sagen  1840  2,  58  =  1876  S.  234 
verdeutscht.  Auch  ein  armenisches  Märchen  'Der  büßende  Graf  bei 
Wlislocki  1891  nr.  56  gehört  hierher;  der  verarmte  Jüngling  schließt  aber 
selber  einen  Vertrag  mit  dem  Teufel,  nicht  seine  Eltern. 


108  136.    Der  Eisenhans. 

ein  Einsiedler  ihm  als  Buße  auferlegt,  am  Kaiserhofe  den  Stummen 
und  Narren  zu  spielen  und  mit  den  Hunden  zu  essen.  Als  aber 
ein  Heer  der  Ungläubigen  heranzieht,  eilt  er  als  weißer  Ritter  drei- 
mal dem  Kaiser  zu  Hilfe  und  verschwindet.  Das  drittemal  trifft 
ihn  ein  Gefolgsmann  mit  der  Lanze  in  den  Schenkel.  Der  Sene- 
schall  gibt  sich  für  den  unbekannten  Retter  aus  und  soll  mit  der 
stummen  Tochter  des  Kaisers  getraut  werden ;  da  löst  Gott  ihre 
Zunge,  sie  offenbart  Roberts  Geheimnis,  der  Einsiedler  verkündet 
diesem  Vergebung  seiner  Sünden,  und  Robert  wird  zum  Eidam  des 
Kaisers  erhoben. 

Der  flüchtige  Königssohn  lebt  dann  bei  dem  wilden  Mann, 
übertritt  aber  sein  Gebot1),  indem  er  sich  über  den  Gold- 
brunnen neigt  und  sein  Haar  goldig  färbt.  Er  wird  darauf 
entweder  in  Güte  entlassen  und  empfängt  später  von  seinem  Pfleger 
Beistand  in  Gefahren  (B  *),  oder  er  entflieht  auf  einem  redenden 
Roß  und  wirft  auf  dessen  Geheiß  dem  verfolgenden  Riesen 
zauberische  Hindernisse  in  den  Weg  (B2).  Diese  magische 
Flucht  ist  offenbar  ein  fremder  Zug,  der  durch  die  Erinnerung  an 
andere  Märchen  (oben  2,  140)  und  zugleich  mit  dem  aus  'Ferenand 
getrü'  (oben  S.  18)  stammenden  sprechenden  Pferde  in  unsere  Er- 
zählung eingedrungen  ist;  vgl.  Panzer,  Hilde-Gudrun  S.  258. 

Aus  demselben  Märchen  'Ferenand  getrü'  haben  einige  bisher 
noch  nicht  erwähnte  Fassungen  ein  weiteres  Motiv  (B  3j  entlehnt, 
den  Rollentausch,  zu  dem  der  Held  unterwegs  von  dem  ver- 
räterischen Diener  gezwungen  wird,  und  der  in  der  'Gänsemagd' 
(oben  2,  284  *)  ein  weibliches  Seitenstück  findet.  In  dem  schottischen 
Vers-Roman  des  15.  Jahrh.  'Roswall  and  Lillian'  (Lengert,  Engl. 
Studien  16,  321.  17,  341)  muß  der  Sohn  des  Königs  von  Neapel,  der 
drei  von  seinem  Vater  gefangene  Ritter  aus  Mitleid  befreit  hat  und 
darum  auf  Reisen  geschickt  wird,  seinem  treulosen  Hofmeister 
Kleider  und  Namen  überlassen  und  dazu  Schweigen  geloben ;  doch 
liefern  ihm  jene  Ritter,  als  er  unter  dem  Namen  Dissawar  am  Hofe 
des  Königs  von  Bealm  dient,  drei  Turnierrüstungen,  eine  weiße, 
eine  rote  und  eine  grüne,  und  Rosse  und  decken  am  Hochzeitstage 
der  schönen  Lillian  den  an  Roswall  verübten  Verrat  auf2). 


1)  Über  das  Motiv  der  verbotenen  Tür   und   des   vergoldeten 
Fingers  vgl.  oben  1,  21. 

2)  Auf  der  schottischen  Dichtung  beruhen  ein  Gedieht 'Haquin  und 
Dobra'  von  L.  H.  v.  Nicolay  (Vermischte  Gedichte  8,  101.  1810)  und  eine 


186.    Der  Eisenhans.  109 

Im  gälischen  Märchen  'Bodach  na  craoibhe  moire' 
(Campbell  1,  XCII  =  2.  Aufl.  1,  LXXXVI.  A^CE)  muß  der 
Held  mit  einem  rothaarigen  Koch  tauschen.  Isländisch:  Ritters- 
haus S.  219  nr.  52  'Eösald  und  Geirald'  (sehr  abgeschwächt). 
Serbokroatisch:  Mijatovics  p.  189  'One  good  turn  deserves 
another' (A1  B3  C  E).  Bulgarisch  aus  Mazedonien :  Sbornik  min.  3, 
222  'Kiösut'  der  Kahlkopf  (nur  teilweise  hergehörig).  Russisch : 
Dietrich  S.  131  nr.  10  'Von  Bulat  dem  braven  Burschen'  (A^CE) 
=  Vogl  1841  S.  55  =  Eovinskij  1,  170  nr.  45.  Afanasjev3  1,  233 
nr.  67a.  1,  239  nr.  67b  =  v.  Löwis  nr.  24  'Der  Zarensohn  und  sein 
Diener'  (A^DE).  Chudjakov  2,  33  nr.  44.  3,  143  nr.  115. 
Weißrussisch:  Glihski  1,  183  =  3.  Aufl.  1,  151  nr.  8  =  Chodzko 
p.  193  'Histoire  du  prince  Slugobyl  et  du  chevalier  invisible' 
(Nievidek  dankt  für  die  Rettung  seiner  von  einem  Adler  befreiten 
Tochter;  B3  E).  Estnisch:  Kallas,  Verh.  20,  115  nr.  1  'Der 
Schützling  des  Steinkönigs'.  Indisch  aus  Ceylon:  Parker  1,  137 
nr.  15  'The  prince  and  the  yakä'  (A1B3CE;  Zungen  aus- 
geschnitten). Tatarisch:  Radioff  4,  385  'Der  Peri'  (A1  B3  C  E). 
Ferner  Engl.  Studien  17,  352—356. 

Die  Zeit  des  Knechtesdienstes,  die  der  Held  in  ent- 
stellender Verkleidung  als  Grind  köpf  am  Fürstenhofe  verlebt, 
nur  von  der  Prinzessin  geliebt,  nachdem  ihr  ein  Zufall  sein 
Goldhaar  entdeckt  hat,  bietet  ein  männliches  Seitenstück  zu 
Allerleirauh  (oben  2,  45),  die  in  Tierfelle  gehüllt  als  Küchen- 
magd im  Königshause  dient  und  nur  bei  besonderer  Gelegenheit 
dreimal  in  Prachtkleidern  auf  dem  Fest  erscheint,  um  unerkannt 
wieder  zu  entschlüpfen,  und  zu  Aschenputtel,  von  dessen  männlichen 
Verwandten  oben  1,  183  die  Rede  war.  Gleich  diesen  kehrt  der 
Grindkopf  heimlich  nach  dem  königlichen  Leben  in  seinen  alten 
Zustand  zurück,  sodaß  er  nur  an  einem  äußeren  Zeichen  erkannt 
wird.     In  Wien  hörte  J.  Grimm  1814  (Briefwechsel  aus  der  Jugend- 


englische  Ballade  'The  lord  of  Lorn  and  the  false  Steward'  (ChiJd,  Eng- 
lish  pop.  ballads  5,  1,  42  nr.  271);  doch  fehlt  in  letzterer  die  Befreiung 
der  gefangenen  Ritter;  die  Entdeckung  wird  ähnlich  wie  in  der  'Gänse- 
magd' (oben  2,  275)  durch  eine  von  der  Herzogstochter  belauschte  Klage 
des  als  Stallknecht  dienenden  Jünglings  herbeigeführt:  'Weh  dir,  Wallach! 
Du  hast  den  Herren  von  Lorn  geschlagen.  Als  Edelmann  ward  ich  ge- 
boren und  sollte  ein  Graf  werden;  mein  Vater  sandte  mich  übers  Meer, 
aber  der  falsche  Hofmeister  betrog  mich.' 


110  136.    Der  Eisenhans. 

zeit  1881  S.  389)  von  dem  Magdeburger  Eckstein  ein  Märchen  von 
einem  Königssohn  namens  Stiefelstoß,  der  in  einen  Bären  verwandelt 
unter  der  Treppe  liegt;  wer  ins  Haus  geht,  stößt  und  tritt  ihn  und 
putzt  sich  die  Stiefel  an  seinem  Fell  ab.  In  zwei  Eskimo-Märchen 
bei  Rink  1866  nr.  1  'Kagsagsak'  und  7  'Atlunguak'  wird  ein  armer 
Knabe  in  den  Hundestall  verstoßen  und  von  allen  mißhandelt,  bis 
er,  von  einem  hilfreichen  Tiere  gestärkt,  Heldentaten  gegen  Bären 
ausführt.  W.  Grimm  vermutet,  das  Märchen  habe  eine  alte  Grund- 
lage und  handle  ursprünglich  von  einem  göttlichen  Wesen,  das  in 
die  Gewalt  eines  Unterirdischen  geriet  und  niedrige  Arbeiten  ver- 
richten mußte,  bis  es  wieder  zu  seiner  höheren  Stellung  gelangte ; 
die  goldenen  leuchtenden  Haare  weisen  darauf  hin.  Andre,  wie 
Laistner  (Zs.  f.  dt.  Altertum  38,  116),  Beneze  (Orendel,  Wilhelm 
von  Orense  und  Robert  der  Teufel.  1897),  Panzer  (Hilde-Gudrun 
1901  S.  264)  haben  aus  dem  Grindkopfmärchen  eine  Reihe  mittel- 
alterlicher Romane  ganz  oder  teilweise  abgeleitet:  den  Apollonius 
von  Tyrus,  Jourdain  de  Blaie,  den  Cliges  des  Chrestien  von  Troyes, 
Aioul,  Philipps  Abenteuer  vor  Montluisant  in  Charles  le  Chauve, 
Moniage  Guillaume,  Elie  de  Saint  Gilles,  Karl  und  Galiene  im 
Mainet  und  in  den  daratis  abgeleiteten  Dichtungen,  das  Abenteuer 
Huons  von  Bordeaux  bei  Yvonin,  Gautier  d'Aupais,  Bovon  de 
Hampton,  Hörn  und  Rimenild,  Loher  und  Maller,  Orendel,  König 
Rother,  die  Hildesage  in  der  Gudrun,  eine  Episode  aus  dem  Wolf- 
dietrich D  (Heldenbuch  4,  124  v.  135),  die  Orvar-Odd-saga,  die  Er- 
zählung von  Iron  und  Apollonius  in  der  Thi'Örekssaga,  auch  die 
jüdische  Sage  von  dem  durch  Aschmedai  verdrängten  Salomo,  der 
als  Koch  beim  Ammoniterkönig  dient  und  die  Liebe  von  dessen 
Tochter  Naama  gewinnt.1)  Allein  die  zeitweilige  Erniedrigung  eines 
vertriebenen  Helden,  der  am  fremden  Königshofe  als  Küchenjunge, 
Stallknecht  oder  Gärtner  unerkannt  lebt,  um  dann  desto  glanzvoller 
hervorzutreten,  und  das  daraus  nahezu  von  selbst  entspringende 
Motiv  der  unscheinbaren,  entstellenden  Tracht,  sowie  eines  dämoni- 
schen Helfers  sind  so  verbreitete  dichterische  Vorstellungen,  daß 
man  schwerlich  in  all  diesen  Fällen  eine  Bearbeitung  oder  Aus- 
strahlung unseres  Märchens  annehmen  darf.  Eine  einigermaßen 
sichere  Entlehnung  aus  diesem    ist   dagegen  die  Verkappung  mittels 

J)  So  im  Emek  hammelech  (Eisenmenger,  Entdecktes  Judentum 
1,  357.  1711)  und  im  Ma'asehbuch  (Wünsche,  Midrasch  Ruth  Rabba  1883 
S.  79). 


136.    Der  Eisenlians.  111 

einer  über  den  Kopf  gezogenen  Tierblase,  durch  die  der  Prinz  im 
arabischen  Märchen  vom  sorgenfreien  König  Hormoz  (1001  Tag 
übersetzt  von  F.  v.  d.  Hagen  3,  101.  1827  =  Cabinet  des  fees  15,  98. 
Chauvin  6,  50  nr.  217)  als  grindköpfiger  Gärtner  der  geliebten 
Rezia  naht.  Dasselbe  Motiv  ist  in  die  griechische  Bearbeitung  des 
Apollonius-Romans  bei  Hahn  nr.  50  'Von  dem  weiberscheuen  Prinzen' 
(Klebs,  Apollonius  aus  Tyrus  1899  S.  457),  in  rumänische  Märchen 
bei  Säinenu  S.  317.  327.  331  und  in  manche  Fassungen  des  Zauber- 
lehrlings (oben  2,  63  bretonisch  'Koadalan'  und  polnisch :  Mitt.  der 
schles.  Ges.  f.  Vk.  2,  3,  15)  und  des  Erdmännekens  (oben  2,  305: 
Hahn  nr.  26.  70  u.  a.)  eingedrungen.1) 

Die  Vermählung  der  Königstochter  mit  dem  seinen  Stand 
sorgfältig  verbergenden  Helden  ist  entweder  die  Folge  einer  öffent- 
lichen Gatten  wähl2),  die  der  König  seinen  Töchtern  überläßt  und 
bei  der  die  jüngste  dem  Gärtnersjungen  ihren  Goldapfel  zuwirft,  oder 
eines  ritterlichen  Turniers,  auf  dem  der  Jüngling  als  fremder 
Pitter  dreimal  in  verschiedener  Rüstung  erscheint  und  den  Sieg 
davonträgt.  Das  letztere  Motiv  ist  aus  mehreren  mittelalterlichen 
Ritterromanen  wohlbekannt:  aus  Chrestiens  Cliges,  Richard  Coeur 
de  Lion,  Ipomedon,  Lanzelet,  Straparola  3,  nr.  4  u.  a. ;  vgl.  Engl. 
Studien  17,  360,  Child,  Populär  ballads  5,  1,  47  und  Weston,  The 
three  days'  tournament  1902  p.  21 — 34.  Verwandt  damit  ist  das 
Märchen  von  dem  Glas  berge,  zu  dem  der  Freier  der  Prinzessin 
emporsprengen  muß  wie  Siegfried  im  dänischen  Liede  zu  Brunhild 
(oben  1,  233.  2,  340);  das  gelingt  dem  Dummling,  der  für  drei 
Nachtwachen  am  Grabe  seines  Vaters  drei  prächtige  Pferde  erhalten 
hat.3)      Anstatt    des    Glasberges    wird    auch    das    dritte   oder   vierte 


*)  Insbesondre  ist  die  Herleitung  der  Hildesage,  die  Panzer  in 
seinem  anregenden,  kenntnisreichen  Buche  S.  267  versucht,  auf  be- 
gründeten Widerspruch  gestoßen;  vgl.  R.  Much,  Archiv  f.  neuere 
Sprachen  108,  395—416.  Symons,  Litbl.  f.  german.  Phil.  1902,  325. 
Ehrismann,  Zs.  f.  dt.  Philologie  37,  515.     Droege,  Zs.  f.  dt.  Altert.  54,  163. 

2)  Zuwerfen  des  Apfels  als  Liebeszeichen:  oben  2,  381.  Chauvin 
6,  3.  201.  8,  151. 

3)  Deutsch:  Zingerle  2,  395  'Der  Aschetagger'  (Fels).  Sommer 
1,  96  'Der  dumme  Wirrschopf'.  Strackerjan  2,  304  =  2.  Aufl.  2,  449 
'Der  Glasberg'.  Müllenhoff  S.  437  Anm.  Wisser,  Plattdeutsche  Vm. 
S.  230  und  Zs.  f.  Volkskunde  25,  305.  Bartsch  1,  492  'Der  dumme  Krischan' 
=  Zaunert  S.  268.  Knoop,  Hinter pommern  S.  192  'Der  dumme  Hans'.  Haas, 
Rügen  1903  S.  262  =  1912  S.  193.  —  Dänisch:  Grundtvig,  Minder  1,  200 


112  136.    Der  Eisenhans. 

Stockwerk,1)  ein  Graben2)  oder  ein  Mast  mit  einem  Tuch  daran3) 
genannt.  Auch  das  Märchen  vom  Hirten,  der  drei  Riesen  (oder 
Drachen)    erschlägt    und    in    ihren    Schlössern    drei    kostbare    Rosse 


'Den  sorte  best'  und  hsl.  Register  nr.  3  'Prinsessen  paa  glarbjterget'. 
Madsen  p.  41  'Knaesben  Askefis'.  Kamp  1,  99  nr.  9  'Prinsessen  paa 
Glasbjeerget'  (vom  Drachen  geraubt).  Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  2,126 
nr.  17  (drei  Hnnde).  Kristensen,  Danske  folkeaev.  nr.  26  (hilfreicher 
Stier).  Skattegraveren  6,  139  (hilfreiche  Alte).  8,  193  (Königin  vom 
Troll  geraubt).  Schwedisch:  Äberg  nr.  209.  211.  240.  Allardt  nr.  128. 
Hackmans  Register  nr.  530.  Norwegisch:  Asbjörnsen-Moe  nr.  51 
'Jomfruen  paa  Glasberget'  =  Bresemann  2, 189  =  Dasent  1,  105.  Berge 
1914  p.  57.  Paröisch:  Jakobsen  S.  280  nr.  14  '0skadölgur'.  Ita- 
lienisch: Rivista  delle  tradiz.  pop.  ital.  1,  590  'Le  montagne  di  vetro' 
(Variante  zu  unsrer  nr.  93).  Bulgarisch:  Sprostranov  S.  107  nr.  20 
(Grindkopf).  Wendisch:  Veckenstedt  S.  72  (Prinzessin  vom  Greifen  ge- 
raubt). Kaschubisch:  Lorentz,  Teksty  S.  162  nr.  218.  S.  585  nr.  721. 
Polnisch:  Ciszewski  S.  194  nr.  142.  Zbiör  wiad.  16,  79  nr.  23. 
Mater,  antropol.  13,  139  nr.  9.  10,  259  nr.  33.  Kleinrussisch:  Cu- 
binskij  2,  269  nr.  70  (Glasbrücke  zum  Palast).  2,  274  nr.  71.  2,  276 
nr.  72  (Berg).  Zdziarski,  Gaisc  basni  S.  19  nr.  12.  Mater,  antropol.  13, 
179  nr.  167.  Rozdoljskyj  S.  36  nr.  10.  Etnogr.  Zbirnyk  7,  136  nr.  65. 
7,  139  nr.  67.  Kolberg,  Pokucie  4,  108  nr.  20.  Großrussisch:  Afa- 
nasjev3  1,  293  nr.  106  b  (die  Prinzessin  durch  zwölf  'Gläser'  küssen). 
Sbornik  Kavkaz.  42,  2,  1  (Fels).  Lettisch:  Treuland  S.  223  nr. 
119.  S.  230  nr.  120.     Ulanowska  S.  298  nr.  24.     Estnisch:   Kreutzwald 

1,  160  nr.  13  =  v.  Löwis  1916  S.  149  =  Kirby  2,  40.  Magyarisch: 
Gaal-Stier  1857  nr.  6  (vgl.  oben  2,  339).  Zigeunerisch:  Wlislocki, 
Volksdichtungen  1890  S.  323  'Das  Zauberpferd'  (Prinzessin  vom  Drachen 
geraubt).  Türkisch:  Künos,  Stambul  S.  125  nr.  17  (zu  unsrer  nr.  111), 
dazu  Ungar.  Revue  8,  330.  Vgl.  Macculloch  p.  363.  442  über  den 
Glasberg. 

!)  Lemke  2,  54.  58  =  Zs.  f.  Ethnologie  15,  Verh.  S.  340.  Bunker 
S.202nr.76=Zs.  f.  Volksk.  8, 192.- Cechisch:Slavia  1878,  95 nr.35 (Burg- 
mauer). PfikrylS.499.    Slovakisch:  Ökultety-Dobsinsky  S.  310nr.32  = 

2.  Aufl.  S.  585  nr.  43  (Turm).     Polnisch:  Toeppen  S.  148.  Chelchowski 

2,  132  nr.  82  (3.  Stockwerk).  Kleinrussisch:  Dragornanov  S.  262  nr  4 
(2.  Stockwerk).  Hrincenko  1,  170  nr.  161.  Af  anasjev  4,  nr.  47  =3.  Auil 
1,  298  nr.  106  c.  Etnogr.  Zbirnyk  14, 169  nr.  21  (3.  Stockwerk).  Malinka 
S.  300  nr.  26  (5.  Stockwerk).  Weißrussisch:  Dobrovoljskij  1,  590  nr. 
30  (3.  Stockwerk).  S.  594  nr.  31  (Balkon).     Dmitriev  S.  176  =  Afanasjev 

3,  nr.  5  =  3.  Aufl.  1,  289  nr.  105c  (3.  Stockwerk).  Romanov  6,  470 
nr.  53  (desgl.).  Werjdio  S.  75  nr.  23  (desgl.).  Großrussisch:  Afa- 
nasjev3 1,  287  nr.  105a.  105b.  1,  292  nr.  106.  1,  300  (hohes  Stockwerk). 
Ralston  p.  256.  Chudjakov  2,  55  nr.  50  (Balkon).  Kolosov  S.  59 
(3.    Stockwerk).       Oncukov     S.    178    nr.    68     (desgl.).       Chavannes,    Die 


136.    Der  Eisenhans.  118 

erbeutet,4)    schließt    mit    dem    dreimaligen    Siege    des    unbekannten 
Ritters  im  Turnier. 

Auf  diese  erste  'Adelsprobe'  folgt  in  den  meisten  Auf- 
zeichnungen die  Vermählung  mit  der  Königstochter;  volle  An- 
erkennung erhält  der  Held  aber  erst,  nachdem  er  in  drei  Schlachten 
wiederum  als  unbekannter  Helfer  das  feindliche  Heer  besiegt  oder 
ein  Heilmittel  für  den  erkrankten  König  (wie  oben  1,  510  und  2, 
399)  herbeigeschafft  und  seine  hochmütigen  Schwäger  beschämt  hat. 


Wissensch.  im  19.  Jahrh.  9,  100.  Goldschmidt  S.  22.  Leskien-Brugmau 
S.  525.  Litauisch:  Karlowicz  S.  55  nr.  38.  Leskien-Brugman  S.  357 
Dr.  4.  Lettisch:  Weryho  S.  195  nr.  25  (Turm).  Estnisch:  Kallas  nr. 
15 — 17  (Verhdl.  20,  125).  Einnisch:  Salmelainen  1,  nr.  6  =  Grässe, 
Märchenwelt  S.  226  =  Schreck  S.  50.  Aarnes  Register  nr.  530.  Lappisch  : 
Qviostad-Sandberg  nr.  25.  Zigeunerisch:  Groome  nr.  45  =  Journal 
of  the  Gypsy-lore  soc.  1,  84.  Awarisch:  Schiefner  nr.  4;  vgl.  R.  Köhler 
1,  551.  Mingrelisch:  Sbornik  Kavkaz.  24,  2,  47  nr.  15  (20.  Stockwerk). 
Tschetschenisch:  Zs.  f.  Ethnologie  14,  Verh.  S.  268  'Die  drei  Brüder'. 
Georgisch:  Wardrop  p.  140.  Aramäisch:  Revue  des  trad.  pop.  25,  20 
'Le  testament  du  roi'.  Birmanisch:  ZdmG.  57,  9  =  Revue  18,  388 
'Le  prince  et  les  chevaux  volants1. 

2)  Serbokroatisch:  Valjavec  S.  38  =  Leskien  S.  193  nr.  43. 
Mijatovics  p.  248  'The  dream  of  the  king's  son' ;  vgl.  R.  Köhler  1,  432. 
Bulgarisch:  Sapkarev  8,  112  =  Leskien  S.  21.  Polnisch:  Kolberg, 
Lud  8,  1  nr.  1  ('Festung'  überspringen).  Kleinrussisch:  Etnogr. 
Zbirnyk  7,  138  nr.  66  (Mauer).  Großrussisch:  Zapiski  Krasnojarsk.  1, 
105  nr.  54  (Schranke  überspringen  und  das  Taschentuch  der  Prinzessin 
entreißen). 

3)  Cechisch:  Pfikryl  S.  498  (Ring  an  einer  Schnur).  Polnisch: 
Ciszewski  S.  142  nr.  141  (desgl.)  Schiller  nr.  4  (Mast).  Mater,  antropol. 
8,  159.  Weißrussisch:  Glihski3  1,  32  nr.  2  (Turnier).  Eederowski  2, 
91  nr.  66  (Säule).  Über  das  Drama  von  Z.  Sarnecki  vgl.  Zdziarski, 
Pierwiastek  ludowy  S.  509.  Großrussisch:  Zapiski  Krasnojarsk.  2,  79 
nr.  23  (Tuch  auf  einer  Säule).  Magyarisch:  Erdelyi-Stier  1850  S.  91 
nr.   14. 

4)  Deutsch:  E.  Meier  nr.  1  'Der  Schäfer  und  die  drei  Riesen'; 
nr.  29  'Hans  und  die  Königstochter',  dazu  S.  306.  Zingerle  2,  91.  96.  326. 
372.  Preuß,  Westpreußen  S.  18.  —  Vlämisch:  Wodana  1,  158  =  Wolf, 
DMS.  nr.  2  'Vom  dummen  Peter'.  Irisch:  Curtin,  Myths  p.  157  'The 
13.  son  of  the  king  of  Erin'.  Westermanns  Monatshefte  84,50.  Larminie 
p.  196  (Eingang).  Folklore  6,  309.  Französisch:  Cosquin  2,  89  nr.  43  'Le 
petit  berger'.  Italienisch:  Comparetti  nr.  22  'II  pastorello  fortunato' 
und  62  'Lo  specchio  incantato'.  Visentini  nr.  5  'I  tre  giganti'.  Zigeune- 
risch: Groome  nr.  61  'The  dragon'  =  Journal  of  the  Gypsy-lore  soc. 
3,  84. 

Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III.  8 


114  137.    De  dre  schwatten  Prinzessinnen. 

Im  ersten  Falle  erfolgt  die  Entdeckung  durch  eine  Wunde,  die 
der  König  (oder  einer  seiner  Leute)  seinem  Retter  beim  Versuche 
ihn  festzuhalten  beigebracht  hat;  im  zweiten  entlarvt  er  die  Schwäger, 
die  ihm  für  das  Heilmittel  (oder  die  Jagdbeute)  die  Goldäpfel  ihrer 
Gattinnen  übergeben  oder  sich  durch  Brandmarkung1)  als  Sklaven 
hatten  zeichnen  lassen. 


1856  s.  2i9.         <i373    £>e  ^re  schwatten  Prinzessinnen. 

1815  nr.  51  =  1819  nr.  137.  Aus  dem  Münsterland  durch 
die  Familie  v.  Haxthausen ;  die  Originalhandschrift  ist  erhalten. 

Aus  teilweiser  Entstellung  strahlt  der  alte  Kern  des  Märchens 
hervor:  auf  den  Rat  der  besorgten  Mutter  beleuchtet  der  Fischer- 
sohn nachts  die  drei  verwünschten  Königstöchter,  die  er  ein  Jahr 
lang  nicht  ansehen  soll;  als  ein  Tropfen  von  der  geweihten  Kerze 
auf  sie  fällt,  erwachen  sie  und  klagen  über  die  mißlungene  Erlösung.2) 
Ebenso  erzählen  die  mittelalterlichen  Gedichte  von  Parthenopeus 
und  von  Friedrich  von  Schwaben  (oben  2,  269.  347);  doch  während 
hier  die  Helden,  ähnlich  der  neugierigen  Psyche  bei  Apuleius  (oben 
2,  268),  nach  weiteren  Mühen  und  Prüfungen  mit  der  Geliebten 
vereinigt  werden,  versinkt  in  unserm  Märchen  das  Schloß  samt  den 
Jungfrauen  auf  Nimmerwiedersehen  in  die  Erde. 


J)  Solche  Brandmarkung  neidischer  Brüder  oder  Schwäger  er- 
scheint auch  in  mehreren  Fassungen  unsrer  nr.  57,  91,  97;  vgl.  R.  Köhler, 
Zs.  f.  Volkskunde  6,  164  zu  Gonzenbach  nr.  61;  Wetzel,  Söhne  Giaffers 
.1895  S.  215;  Chauvin  7,  152;  Müller,  Mehri  S.  149;  Hein-Müller,  Mehii 
S.  15.  139;  North  indian  notes  5,  172  nr.  475.  Kretschmer,  Neu^riech. 
Märchen  'S.  331. 

2)  Dazu  bemerkt  Wilhelm  Grimm  1815 :  Der  Zauber  in  seiner 
Entwicklung  oder  im  Gang  zu  seiner  bestimmten  Auflösung  durch  über- 
mächtige Eingriffe  gestört,  zieht  Verderben  oder  gänzliche  Vernichtung 
nach  sich.  Er  will  heimlich  bleiben,  scheut  Licht;  darum  sind  die  drei 
Prinzessinnen  schwarz  und  werden  allmählich  weiß.  Er  scheut  auch 
die  Rede,  und  es  ist  ganz  dasselbe,  wenn  beim  Heben  des  Schatzes  das 
erste  gesprochene  Wort  ihn  siebenmal  tiefer  zu  versinken  zwingt  (Grimm, 
DS.  nr.  213.  Wuttke,  Volksaberglaube  §  641.  Jegetlehner.  Sagen  aus 
dem  Oberwallis  1913  S.  298  zu  nr.  3). 


138.    Knoist  un  sine  dre  Sühne.  115 

Vermutlich  war  dem  Barschen  verboten,  von  (nicht  mit)  den 
verwünschten  Jungfrauen  zu  reden  (vgl.  oben  2,  321).  Das  stufen- 
weise Weißwerden  dor  schwarzen  Prinzessinnen  findet  sich  z.  B. 
auch  in  einer  zum  'König  vom  goldenen  Berge'  (oben  2,  320.  330) 
gehörenden  Erzählung  bei  Panzer  1,  191  'Die  drei  verwunschenen 
Frauen',  wo  der  Jüngling  drei  Qualnächte  ertragen  soll,  sowie  in 
Varianten  der  'Rabe'  (oben  2,  335  Motiv  A2)  und  dänisch  bei 
Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  1,  321  nr.  41  'De  freiste  Prinsesser 
und  nr.  42  'Staalmanden'  (vgl.  oben  2,  542). 


158.   Knoist  un  sine  dre  Sühne. 

1815  nr.  52  =  1819  nr.  138.  Aus  dem  Sauerland  und  in 
der  dortigen  Mundart  durch  ein  Fräulein  von  Haxthausen.  Es  wird 
singend  und  mit  sehr  lang  gezogenen  Silben  erzählt.  Werrel  (Werl) 
ist  ein  Wallfahrtsort  in  Westfalen,  Soist  ist  Soest  im  Bergischen. 
Es  wird  auch  als  Rätsel  aufgegeben  und,  wenn  man  lang  geraten 
hat  und  nach  der  Auflösung  fragt,  geantwortet:  'eine  Lüge'1). 

Nach  einer  andern  Erzählung  gehn  sie,  nachdem  der  Nackende 
den  gefangenen  Hasen  in  die  Tasche  gesteckt  hat,  in  die  Kirche, 
wo  der  'bocken  Pastor'  und  der  'hageböcken  Köster'  das  Weihwasser 
austeilen.  'Dar  keimen  se  bie  een  graut  graut  Waater,  dat  was  so 
breed,  dat  en  Haan  daröver  schret;  do  wören  drei  Schippe  up,  dat 
eene  was  leck,  dat  andere  was  leck,  dat  derde  was  kien  Boaden  in. 
In  dat,  wo  kien  Boaden  was,  setten  se  sick  alle  drei  in;  de  eene 
versop,  de  annere  verdrank,  de  derde  kam  der  gar  nig  wier  ut.'  — 
Ähnlich  in  den  Münsterischen  Geschichten  1825  S.  232  'Knost  un  sine 
drei  Söne',  wo  die  einzelnen  Sätze  wie  das  Evangelium  in  der  Kirche 
gesungen  werden.  Danach  Firmenich  1,  296  und  Simrock,  Kinder- 
buch, 3.  Aufl.  nr.  1027.  —  Aus  Heede  im  Kbl.  für  nd.  Sprach- 
forschung 7,  73  (1882)  'Olle-Bloum  sine  Vesper'  —  Medersachsen 
17,  436.  —  Aus  dem  Saterlande  bei  Strackerjan  2,  297  =  2.  Aufl. 


155G  S.  ->20. 


!)  So  bei  Simrock,  Rätselbuch3  S.  99  (=  Volksbücher  7,  305  nr.  170). 
Es  ist  sozusagen  eine  Parodie  auf  das  Rätsel  vom  Vogel  Federlos 
(Müllenhoff-Scherer,  Denkmäler  nr.  7,  4.  Wossidlo  1.  52  nr.  99).  Tirolisch : 
Zs.  f.  Volkskunde  5,  159  nr.  206.  Wossidlo  1,  136  nr.  467. 

8* 


116  138.    Knoist  an  sine  dre  Sühne. 

2,  441  'Hageböken  Evangelium'.  Bröring,  Saterland  2,  158  (1901). 
Siebs,  Zs.  f.  Volkskunde  3,  409.  —  Ähnlich  Niedersachsen  17,  167 
(1912)  'Dat  hageboekene  Evangillium'.  —  Aus  dem  Tecklenburger 
Kreise  (Westfalen)  ebd.  17,  279  'De  Schaulske  Vesper'. 

In  der  beliebten  Form  einer  Predigtparodie1)  werden  hier 
alte  Züge  von  Lügenmärchen  (wie  unten  in  nr.  158  und  159)  zu 
einem  Ganzen  verbunden.  Die  Hasenjagd  der  drei  schadhaften 
Gesellen  begegnet  schon  in  einer  gereimten  Lügenpredigt  des 
15.  Jahrh.  (Zs.  f.  dt.  Alt.  36,  152  v.  75),  wo  im  Lande  Kuckormürre 
die  Fußlosen  nach  den  Hasen  laufen  und  die  Nackten  sie  in  ihren 
Busen  stoßen.  Ein  Meisterlied  in  des  speten  Frawenlobs  Thon 
(Frankfurter  Liederbüchlein  1582  nr.  141,  Str.  3.  Mittler  nr.  1319) 
erzählt  : 

Ich  stund  ein  kleine  Weil  darbey, 
Eiu  Lahmer  erlieff  drey  Hasen  frey, 
Ein  Nackender  nam  jms  alle  drey 
Und  sties  sie  in  den  Busen  so  behende; 
Das  sah  ein  blinder  Stum,  der  sprach  .  .  . 

Ähnlich  um  1560  der  Finckenritter  (Bl.  A  4a.  Facsimiledruck 
von  Bolte  1913)  in  der  3.  Tagreise :  'Ich  zohe  fürt,  da  begegneten 
mir  erstlich  drey  Gesellen,  der  ein  was  nackend,  der  ander  blind, 
der  dritt  gieng  auff  einer  Steltzen.  Der  Blind  der  sähe  ein  Hasen, 
der  auff  der  Steltzen  erlieff  jhn,  vnnd  der  Nacket  schöbe  jhn  inn 
Busen.'  Ferner  das  alte  ditmarsische  Lügenlied  bei  Erk-Böhme, 
Liederhort  3,  46  nr.  1104,  Str.  3  (vgl.  unten  nr.  159): 

It  wolden  dre  Kerls  einen  Hasen  fangen, 
Se  quemen  up  Kröcken  und  Stölten  gangen; 
De  eine  konde  nicht  hören, 
De  ander  was  blind,  de  drüdde  stumm, 
De  verde  konde  nich  en  Vot  rören. 

Ebenso  in  den  hochdeutschen  Lügenliedern  bei  Erk-Böhme  nr. 
1104,  Str.  3  (Kopp,  Ältere  Liedersammlungen  1906  S.  82.  Mittler 
nr.  1309)  und  nr.  1106,  Str.  7,  Uhland  nr.  241,  Str.  15  und  3—5 
(Mittler    nr.  1318.    Böhme,    Ad.  Liederbuch  nr.  278b),    Kretzschmer- 


*)  Vgl.  F.  Lehr,  Studien  über  den  komischen  Einzelvortrag  in  der 
älteren  deutschen  Literatur  1:  Die  parodistische  Predigt  (Diss.  Marburg 
1907).  Zs.  f.  Volkskunde  12,  224.  14,  364.  471.  19,175.  Alemannia  14,  hl. 
Volkskunde  (Gent)  20,  73.  117.  178.  232.    21,  37.  80.  101.150.    239.  22,80. 


138.    Knoist  un  sine  dre  Sühne.  117 

Zuccalmaglio  1,  207  nr.  118,  Str.  5  (Mittler  nr.  1310.  Walter  nr.  139), 
sowie  bei  A.  Peter,  Volkstümliches  aus  Österreichisch-Schlesien  1,  74 
nr.  198,  23  und  Rochholz,  Alemannisches  Kinderlied  S.  264.  Le- 
walter, Kinderlied  nr.  785  (Rätsel).  Eine  steirische  Scherzpredigt  bei 
Rosegger,  Alpensommer  1908  S.  222  ==  Zs.  f.  Volkskunde  19,  183; 
eine  deutsch-böhmische  in  Veckenstedts  Zs.  f.  Volkskunde  2,  395 ; 
Mitt.  f.  sächs.  Volkskunde  5,  126;  Schweiz.  Archiv  für  Volkskunde 
18,  136.  Im  siebenbürgischen  Märchen  bei  Haltrich  nr.  59  streiten 
'die  drei  lustigen  Brüder',  der  Blinde,  der  Lahme  und  der  Nackte, 
um  den  gefangenen  Hasen  und  -müssen  von  dem  Richter  jeder  eine 
Lügengeschichte  vortragen.  — -Niederländisch  in  einem  Lügen- 
liede  bei  Kalff,  Het  Lied  1884  p.  488.  —  Dänisch  bei  Kristensen, 
Danske  Folkegaader  1914  S.  216  und  280  'Det  er  Logn'.  —  Eng- 
lisch aus  Yorkshire  bei  Henderson  1866  p.  337  nr.  12  'Lying  tale', 
wo  die  Hörer  zum  Schluß  rufen:  'Das  ist  eine  Lüge'.  —  Französisch 
aus  der  Bretagne  bei  Sebillot,  Litt,  orale  p.  389  'Menteries'  (die  drei 
Jäger  bringen  den  Hasen  in  ein  Haus  mit  drei  löcherigen  Töpfen). 
—  Italienisch  bei  De  Nino  3,  307  (Schluß  von  nr.  61  'Occhio  in 
fronte') : 

C'erano  tre  frati,  Due  nudi  e  uno  spogliato ; 

Due  nudi  e  uno  spogliato.  Siamo  iti  a  caccia 

Irono  a  caccia  senza  pistola,  Senza  schioppetta,  senza  pistola; 

Irono  a  caccia  senza  schioppetta,  Abbiamo  fatto  tre  lepri, 

Bassarono  a  una  casa.  Due  presi  e  uno  scappato.' 

Rispose  quello  che  non  ci  stava  :  —  'Griusto  giusto,  ci  stanno  tre  pignatte, 

'Siamo  tre  frati,  Due  rotte  e  una  sfasciata.' 

Bernoni,  Tradizioni  pop.  veneziane  p.  18  =  Crane  p.  263  'The  three 
brothers'.  Ive,  Fiabe  rovignesi  1878  nr.  4  'I  tri  fardai'.  Mailly 
nr.  203.  Ortoli,  Corse  p.  278  'Les  six  freres'  (sechs  Hasen  ;  fünf  löcherige 
Töpfe,  einer  ohne  Boden;  ein  Knochen  springt  dem  einen  Bruder  ins 
Auge;  sechs  ungeschickte  Ärzte).  —  Türkisch:  Künos,  Stambul 
1905  S.  399  'Kunterbunt'.  —  Estnisch  bei  Wiedemann,  Aus  dem 
Leben  der  Ehsten  1876  S.  290  als  Rätsel:  uEine  feurige  Kutsche 
kommt  am  Berge  herab,  darauf  sitzt  ein  Blinder,  ein  Fußloser,  ein 
Nackter;  ein  Hase  begegnet  ihnen;  der  Blinde  sieht  ihn,  der  Fußlose 
fängt  ihn,  und  der  Nackte  steckt  ihn  in  den  Busen.'  (Auflösung: 
die  untergehende  Sonne,  die  Nacht,  die  Morgenröte,  der  Mond).  — 
Künstlicher  ist  ein  gereimtes  Rätsel  bei  Harsdörffer,  Schauplatz  lust- 
und  lehrreicher  Geschichte  1660  2,  207  nr.  155  angelegt:  ein  Stummer 


118  138.    Knoist  un  sine  dre  Sühne. 

ruft  durch  den  Blinden  und  Lahmen  einen  handlosen  Geiger,  damit 
er  seinem  tauben  Sohne  vorspiele.  Danach  Abraham  a  S.  Clara, 
Huy  und  Pfuy  der  Welt  1707  S.  200  (Werke  10,  605).  Vgl.  Müller- 
Fraureuth,  Lügendichtungen  1881  S.  101  f.  und  Uhland,  Schriften  3, 
228.  232.  330.1) 

Von  den  drei  wunderlichen  Schiffen  berichtet  der 
Fhickenritter  in  der  4.  Tagreise  (Bl.  A  6b):  'Also  zohe  ich  für  vnnd 
käme  an  ein  großen,  mechtigen,  erschröckenlichen,  tieffen  vnnd  schiff- 
reichen Bach,  da  was  kein  Wasser;  darinn  giengen  drejr  geladener 
Schiff,  das  ein  hat  kein  Boden,  das  ander  hat  keine  Wend,  das  dritte 
was  nicht  da.  Ich  gedacht,  wie  ich  jhm  thete,  das  ich  vber  das 
Wasser  kerne,  vnd  saß  in  das  Schiff,  das  nicht  da  was,  vnnd  für 
hinüber.'  Das  neu  Schlauraffenland  Str.  6 — 7  (Uhland,  Volkslieder 
nr.  241  =  Mittler  nr.  1318  =  Böhme  nr.  278b).  Ich-erzählungen 
und  Scherzpredigten:  Zs.  f.  Volkskunde  19,  177  f.  182  f.  Kbl.  f.  nd. 
Sprachf.  7,  73.  Blätter  f.  pomm.  Volksk.  10,  159.  Lewalter,  Kinder- 
lied in  Kassel  nr.  493.  590.  602.  603.  730;  vgl.  S.  375.  Frömmel, 
Kinderreime  2,  53.  55  (1900). 

Den  hölzern  en  Pf  arr  er  kennt  schon  das  Lügenmärchen  von 
den  Wachteln  aus  dem  14.  Jahrh.  (Wackernagel,  Dt.  Lesebuch  l5. 
1149.  1873)  v.  67: 

Die  hunde  sint  mit  muose  behuot, 
da  sint  die  kircktüre  guot 
gemürt  üz  butern,  got  weiz! 
und  schinet  diu  sunne  also  heiz, 
daz  schadet  in  niht  umbe  ein  här. 
ein  eichin  pfaffe,  daz  ist  war, 
ein  büechin  messe  singet. 
swer  da  ze  opfer  dringet, 
der  antlaz  im  geben  wirt, 
daz  im  der  rücke  geswirt, 


*)  Im  dänischen  Lügenliede  (Rasrnussen-Nyerup, Udvalg af  danske 
viser  1821  2,  92  Str.  8)  tanzt  der  Lahme,  der  Stnmme  singt,  der  Blinde 
■webt  Goldgewirk.  Im  schottischen  (Buchan,  Ancient  ballads  of  Scot- 
land  1828  1,  259  'The  man  to  the  Green  Joe,'  Str.  6)  werfen  24  Hand- 
lose (handless  men,  nicht  headless)  den  Ball,  da  springt  Fußlos  herbei 
und  Hingt  ihn  weg;  Mundlos  lacht  mit  Lust,  und  Zunglos  spricht  seinen 
Spruch. 


138.    Knoist  un  sine  dre  Sühne.  119 

den  segen  man  mit  kolven  gap.1) 
ze  hant  huop  ich  mich  herap : 
Ton  dem  antlaz  ich  erschrac. 
siben  wachtel2)  in  den  sac! 

Auch  im  Ysengrimus  ed.  A^oigt  1884  1.  6,  v.  381 :  'Teutonicus 
miser  et  rudis  est  ut  papa  salignus.'.  Der  Meißner  (MSH.  3, 
108a  Str.  13):  'Mir  ist  ein  hülzin  bischof  vil  lieber,  dan  ein 
stummer  herre,  der  niht  git  durch  ere.'  Geiler  sagt :  'Vor  zeyten 
waren  gülden  priester  und  hultzen  kelch,  nue  sein  die  priester 
hültzen  und  die  kelch  gülden'  (De  generibus  ebriosorum  1515  bei 
Zarncke,  Die  dt.  Universitäten  1,  151.  Zimmerische  Chronik  2,  589. 
Müller-Fraureuth,  Lügendichtungen  S.  90).  Man  hat  natürlich  an  die 
geschnitzten  und  bemalten  Heiligenbilder  in  Kirchen  und  Häusern 
zu  denken,  ohne  daß  man  mit  Rochholz,  Schweizersagen  1,  362  und 
Deutscher  Glaube  und  Brauch  2,  134  gleich  in  die  germanische 
Keidenzeit  zurückzugehen  braucht.  In  Schwaben  sagt  man  von  einem 
ungelenken,  unbehilflichen  Menschen :  'Er  steht  da  wie  ein  hölzerner 
Herrgott,  wie  ein  pappeter  Jesus'  (Fischer,  Schwab.  Wtb.  3,  1498). 
In  den  schon  angeführten  Scherzreden  Zs.  f.  Volkskunde  19,  177  f. 
182  f.  Lewalter  nr.  493.  730  erscheint  ein  lederner,  hölzerner, 
papierener  Pfaff ,  der  eine  buchnhagnfeichtne  Messe  liest ;  im  steiri- 
schen  Gasseispruch  ebd.  6,  133  hat  'a  rupferner  Pforra  a  haberne 
Mess  gelesen' ;  vgl.  Veckenstedts  Zs.  f.  Vk.  2,  395.  Schweizer 
Archiv  f.  Volkskunde  18,  143.  Wolf,  Hausmärchen  S.  423. 
Böhme,  Kinderlied  S.  307  nr.  1515.  Brenner,  Baseler  Kinderreime 
nr.  185. 


*)  Vgl.  Lassberg,  Liedersaal  3,  553  v.  80:  'Min  houpt  wart  mir 
gczwagen  j  mit  hagenbuochner  kragen.'  v.  d.  Hagen,  Gesamtabenteuer 
3,  81  v.  1434 :  'Dri  guote  knütele  eichen  j  ze  guoter  mäze  wol  gewegen  | 
diewaBren  da  der  beste  segen.'  —  Chaucer,  Canterbury  tales,  the  Harleian 
ms.  7739  ed.  by  Furnivall  (1S85)  p.  143  in  der  unechten  Tale  of  Gamelyn 
v.  503 :  'Gamelyn  sprengeth  holywater  with  an  oken  spire.'  Rochholz, 
Kinderlied  1857  S.  528  verweist  noch  auf  den  Rosengarten  D  434  (S.  137 
ed.  Holz),  wo  der  Mönch  Ilsan  mit  dem  Schwerte  Beichte  hören  will, 
und  auf  Halbsuters  Lied  auf  die  Schlacht  bei  Sempach  (Liliencron,  Die 
histor.  Volkslieder  1,  126  Str.  8):  'Und  wo  sitzt  denn  der  pfaffe,  dem 
einer  bichten  muß  ?  .  .  .  Mit  haleparten  wirt  er  üch  gen  den  segen.' 

2)  Die  Wachteln  bedeuten  Lügen,  wie  man  noch  heute  hört: 
'Er  lügt  in  seinen  Sack';  s.  Haupt,  Zs.  f.  dt.  Alt.  4,  578.  Unland, 
Schriften  8,  367  =  Germ.  1,  328  f.  Müller-Fraureuth,  Lügendichtungen 
S.  89. 


120  139.    Dat  Mäken  von  Brakel. 


1856  s.  221.  139.    Dat  Mäkcn  von  Brakel. 

1815  nr.  53  =  1819  nr.  139.  Aus  dem  Paderbörnischen 
durch  die  Familie  v.  Haxthausen.  St.  Anna  nämlich  ist  die  Schutz- 
patronin von  Brakel,  und  ihre  Kapelle  liegt  nicht  weit  von  der 
Stadt.  Mudder  ist  aus  dem  Hochdeutschen  herübergekommen, 
Möhme  aber  der  gemeine  Ausdruck.  Man  hat  dort  noch  einen  andern 
Spottvers  1): 

0  hilge  sünte  Anne, 

Help  mie  doch  bald  tom  Manns  ! 

0  hilgo  sünte  Viet, 

Et  is  ietz  die  liogeste  Tied  ! 

St.  Vitus  ist  der  Schutzpatron  des  nahliegenden  Korvey  (bei  Höxter). 
—  In  einer  neueren  Fassung  (Niedersachsen  19,  202.  1914)  betet  das 
Mädchen  von  Brakel : 

Hillge  Mutter  Anne, 
Help  du  mi  to'm  Manne, 
De  mi  nit  sleit 
Un  nit  to  Beire  geit ! 

Auch  von  der  Kapelle  zu  Bellinghausen  bei  Essen  (Nieder- 
sachsen 19,  239)  wird  der  Schwank  berichtet,  und  die  Verse 
lauten  hier: 

Hilge  Moder  Anna,  ich  bä  di  an, 
Gif  mi  bald  enen  goden  Mann ! 

Ebenso  Hannoverland  1912,  201.  Im  Hannoverschen  wird  er- 
zählt, daß,    als    das  Mädchen  Gott  um  ein  Zeichen    bittet,    ein  Hirt, 


x)  Bei  Erasmus  Widmann,  Musicalische  Kurzweil  1611  nr.  30  wird 
Sankt  Florian  von  den  ledigen  Jungfern  angerufen,  in  E.  Meiers 
Schwäbischen  Volksliedern  185B  S.  157  St.  Johann  und  St.  Anton, 
in  Boseggers  Gedicht  'A  betendi  Jungfrau'  (Schriften  in  steirisclier  Mund- 
art 1895  1,  314)  St.  Kilian,  sonst  aber  vorwiegend  St.  Andreas 
(B.  Köhler  3,  271.  Sartori,  Sitte  und  Brauch  3, 10).  In  des  Knaben  Wunder- 
horn  1,  341  (1806)  steht  ein  Echolied  mit  Antworten  an  die 
Betende  'Andreas,  lieber  Schutzpatron',  1772  von  J.  W.  v.  Beust  verfaßt 
(Böhme,  Volkstümliche  Lieder  1895  nr.  683.  J.  Meier,  Kunstlieder  im 
Volksmunde  1906  S.  4  nr.  23).  Über  andre  Andreaslieder  von  Chr.  Weise 
1668,  J.  F.  Bothmann  1711,  Picander  1732,  Sperontes  1736  vgl.  Spitta, 
Vjschr.  f.  Musikwissenschaft  1,  65;  Alemannia  3,168;  Jb.  f.  Gesch.  Elsaß- 
Lothr.  12,  105. 


139.    Dat  Mäken  von  Brakel.  121 

der  das  ganze  Gebet  hinter  einer  Hecke  mit  angehört,  einen  alten 
Schuh1)  herüberwirft,  wofür  es  Gott  freudiglich  dankt.  Ähnlich  wirft 
in  einem  mecklenburgischen  Schwanke  bei  Wossidlo,  Aus  dem 
Lande  Reuters  1910  S.  197  der  auf  dem  Apfelbaume  sitzende  Junge 
einen  Stein  in  den  Teich,  als  er  die  Magd  beten  hört:  'Peter  heet 
he,  bi  'n  Preester  deent  he,  blag'  Strümp  hett  he  ;  leew'  Gott,  giff 
'n  Teeken  von 'n  Himmel!'  —  Auch  eine  Sage  aus  Westfalen  ge- 
hört hierher  (1822) :  Et  was  mohl  en  Meken  in  Sauste  (Soest),  dat 
kneide  sick  alle  Morgen,  wenn  de  Luhe  olle  uidt  de  Kerke  würen, 
für  dat  graute  Herrgottsbild  und  behede.  Da  was  dei  Küster 
nigelig  (neugierig)  un  gink  mohl  hinner  dat  Bild  stohen.  Da  seh 
dat  Meken: 

'0  du  graute  leiwe  Gott  von  Sauste, 

Bescher  mie  doch  usen  Knecht  den  Jausten  (Jost) !' 

Da  seh  dei  Küster:  'Meken,  du  krigst  en  nu  nig.'  Da  seh  dat 
Meken:  '0  du  graute  leiwe  Gott,  so  boit  (beiß)  mie  doch  nig!'  — 
Im  bayrischen  Walde  soll  eine  Jungfrau  vor  dem  Bilde  des 
h.  Hermann  inbrünstig  um  einen  Mann,  aber  nur  keinen  Roten,  ge- 
betet haben;  da  sagte  der  hinterm  Altar  hantierende  Mesner:  'Es  ist 
kein  andrer  mehr  da',  und  die  wählerische  Dirne  lenkte  schnell  ein : 
'Na,  in  Gotts  Nam,  nachher  tuts  der  auch.'  (Bronner,  Bayerisches 
Schelmenbüchlein  1911  S.  23).  —  Bei  Aurbacher,  Ein  Volksbüchlein 
2,  137  'Soll  ich  oder  soll  ich  nicht?'  kniet  eine  siebzigjährige  Witwe 
vor  dem  Marienbilde  und  fragt,  ob  sie  noch  einmal  heiraten  solle; 
der  Mesner  macht  am  Haupt  des  Christkindes  eine  Vorrichtung  und 
bewegt  dieses,  als  das  Mütterlein  andern  Tags  wiederum  fragt,  zum 
Zeichen  der  Verneinung.  Da  ruft  das  Weib  zornig:  'Was  gehts  denn 
dich  an,  du  Gschnapperl?  Wenns  nur  der  Mutter  recht  ist.'  — 
Ähnlich  vlämisch  De  Mont  en  de  Cock,  Vertelsels  S.  161  'Van  het 
meisje,  dat  o.  1.  vrouw  om  een  man  bad'.  Volkskunde  23,  132  nr.  3. 
Vincx  p.  154  nr.  26.  —  Englisch:  Addy  nr.  30  'The  maid  who 
wanted  to  marry1.  —  Eranzösisch:  Leroux,  Dictionnaire  comique 
1786  s.  v.  Babouin  =  Revue  des  trad.  pop.  7,  444  (Taisez-vous,  petit 
babouin,  laisser  parier  votre  mere;  eile  est  plus  sage  que  vous). 
Revue  12,  335   (Tais-toi  donc,    petit  gars.     Ces  choses   ne    te    regar- 


x)  An  eine  besondre  erotische  Bedeutung  des  Schuhes  denkt 
Liebrecht,  Germania  1,  210  und  Orient  u.  Occ.  3,  372;  vgl.  Aigremont, 
Fuß-  und  Schuhsymbolik  und  -erotik  1909  S.  55. 


122  139.    Dat  Mäken  von  Brake!. 

dent  pas  encore).  Wallonia  b,  184  'Une  parole  de  mame  Jesus.' 
Sebillot,  Joyeuses  bist.  p.  269  'L'enfant  de  ehoeur  et  la  fille 
amoureuse.'  Perron,  Proverbes  de  la  Franche-Comte  1876  p.  30 
(Sainte  vierge  Marie,  Aussi  blanche  que  du  papier,  Aussi  douce  que 
du  miel,  Faut-il  le  prendre  ou  le  laisser?).  Niedersachsen  19,  239 
und  286.  —  Italienisch:  Balladoro  p.  195  'Mandeme  un  Piero  o 
un  Togno.'  Maüly  nr.  196.  —  Spanisch:  Fulano,  Cuentos  andaluces 
p.  189  'Lavirgeny  el  nifio  Jesu.'  —  Serbokroatisch  aus  Dalmatien: 
Krauß,  TSM.  1,  406  nr.  120  'Die  Wittib  vor  dem  Standbild  des  h. 
Laurentius'. —  Cr  roß  russisch:  Oncukov  S.  544  nr.  263  —  Finnisch  : 
Aarnes    Register    nr.    1476    (Setz    dir    deinen   Fuß   auf  den  Nacken). 

Eine  Weiterbildung  dieses  Schwankes  ist  Immermanns  Gedicht 
'St.  Antonius'  (Werke  ed.  Boxberger  11,94),  wo  der  Liebhaber  hinter 
dem  Heiligenbild  verborgen  antwortet,  und  ein  Negermärchen  aus 
Louisiana  bei  Fortier  p.  82  nr.  21  'The  statue  of  St.  Anthony',  wo 
der  Knecht  dem  Jüngling  hinterbringt,  daß  die  hübsche  Nachbars- 
tochter dem  Holzbild  ein  Loch  ins  Ohr  gebohrt  und  ihre  Liebe  be- 
kannt hat.  Dagegen  hetzt  bei  Abraham  a  S.  Clara,  Lauberhütt 
1723  1,  56  ein  Rauchfangkehrer  seinen  Hund  auf  den  verliebten 
Schuhknecht. 

Anderwärts  foppt  der  versteckte  Schalk  die  Beterin,  indem  er 
ihr  ihren  Geiz  oder  ihre  Schleckerei  vorwirft;  so  schon  in  Val. 
Schumanns  Nachtbüchlein  1559  nr.  42  'Von  einem  calfacter  zu  Wien 
und  einem  alten  reychen  weyb,  wie  sie  ihn  kleydet.'  —  Den  an- 
dächtigen Männern  ergehts  nicht  besser.  Von  einem  Küster  in  dem 
nordholländischen  Dorfe  Wormer  teilt  Hendrik  Soeteboom,  Oudheden 
van  Zaanland,  Stavoren,  Vronen  en  Waterland  1,  376  (Amsterdam 
1702)  eine  ähnliche  Geschichte  mit.  Ein  Bäcker  in  dem  Dorf  war 
dafür  bekannt,  daß  er  sein  Brot  zu  leicht  machte,  und  verlor  deshalb 
seine  Nahrung.  Er  ging  nun  oft  in  die  Kirche  und  verrichtete  vor 
der  Jungfrau  Maria,  die  mit  dem  Jesuskind  im  Arm  an  einem  Pfeiler 
stand,  seine  Andacht  und  bat  sie  um  ihre  Hilfe,  damit  seine  Nahrung 
wieder  besser  würde.  Der  Küster  Klint,  der  das  bemerkte,  stellte 
sich  einmal  hinter  den  Pfeiler,  und  als  der  Bäcker  wieder  sehr  eifrig 
seine  Bitte  vortrug,  rief  jener  mit  einer  feinen  Kindersprache: 
'Bäcker,  ihr  müßt  euer  Brot  was  schwerer  machen.'  Darauf  ant- 
wortete der  Bäcker  schnell:  'Schweig,  Junge,  und  laß  deine  Mutter 
sprechen !'  und  ging  damit  fort.  Gleiches  wird  in  dem  aus  dem 
Holländischen    übersetzten  Schwankbuche    'Der  Geist  von  Jan  Tarn- 


139.    Dat  Mäken  von  Brakel.  123 

baur'  (um  1690.  Berlin  Yt  9901,  3)  S.  176  von  dem  Bäcker  Andreas  Quat- 
pfenning  zu  Steinwyck  und  in  der  Oberpfalz  (Bauernfeind,  Aus  dem 
Volksleben  1910  S.  188)  von  einem  zum  Wassertrinken  ermahnten 
Säufer  erzählt.  — ■  In  einer  Kölner  (Leipziger  Illustrierte  Zeitung 
1909,  25.  Februar)  und  einer  Ulmer  Geschichte  (Merkens,  Was  sich 
das  Volk  erzählt  2,  105  nr.  128)  heißt  die  um  Wein  betende  Frau 
das  antwortende  Jesuskind  entrüstet  schweigen.  Simrock,  Märchen 
nr.  7  'Das  fromme  Gebet'  (der  trinklustigen  Alten)  und  nr.  50  'Die 
Besserung'.  Hier  lautet  die  Zwiesprache  zwischen  dem  Studenten 
und  seiner  kargen  Wirtin : 

Ach  wer  doch  nur  im  Himmel  war  ! 

'In  den  Himmel  kommst  du  nimmermehr.' 

Warum  denn  nicht,  du  lieber  Gott? 

'Weii  du  kein  Fleisch  tust  in  den  Pott.' 

So  will  ichs  besser  machen  gleich. 

'Dann  kommst  du  auch  ins  Himmelreich.' 

Österreichisch  im  Urquell  n.  F.  2,  249  'Das  beantwortete  Gebet' 
(karger  Bauer).  Blätter  f.  pomm.  Volkskunde  10,  22  'Der  liebe  Gott 
im  Schornstein'.  Jahn,  Schwanke  S.  74  'Die  fromme  Edelfrau'  (und 
der  Küster).  Wossidlo,  Aus  dem  Lande  Eeuters  S.  97  'Peter  Ott'. 
H.  Kruse,  Seegeschichten  2,  171  (1889)  'Die  Stimme  von  oben'. 
'Eine  Holzdiebin  und  der  Eigentümer'  bei  Schild,  Der  Großätti  us 
'ein  Leberberg2  3,  40  nr.  52.  —  Vlämisch:  De  Mont  en  de  Cock, 
Vertelsels  p.  162  'Trieneken  Sckandeveyle'.  —  Dänisch:  Skatte- 
graveren  2,  213.  214.  Kristensen,  Fra  Bindestuen  1,  128  'Praesten 
og  hans  dreng'.  Kristensen,  Vore  fpedres  kirketjeneste  1899  S.  210 
nr.  73  'Praestens  kone'.  —  Englisch:  Addy  nr.  3  'The  Tailor  and 
his  apprentices'  (dem  Schneider,  der  die  Lehrlinge  bis  in  die  Nacht 
arbeiten  läßt,  ruft  einer  von  diesen  zu:  If  thou  keepest  thy  lads  at 
work  tili  eleven,  thou  shalt  not  enter  the  kingdom  of  heaven).  — 
Französisch:  Fleury,  Basse-JSTormandie  p.  202  'Buveuses'.  Sebillot, 
Joyeuses  hist.  p.  271  'Perrotte  et  l'enfant  de  ehoeur'  —  Pevue  des 
trad.  pop.  22,  114.  Thuriet,  Traditions  pop.  du  Doubs  p.  110  'Le 
bon  dieu  de  bois'  (Gedicht.  Die  Alte  ruft:  Morveux,  laisse  parier 
ton  pere!  Ton  pere  en  sait  plus  long  que  toi).  Perron,  Proverbes 
de  la  Franche-Comte  1876  p.  30  (Sainte  Marie,  baille-moi  quelque  fois 
du  lard,  des  pois;  du  vin  tous  les  jours  !). 

Im  portugiesischen  Märchen  bei  Coelho  1879  nr.  68  'A 
senhora  da  graca'  stellt  die  Trinkerin  ihren  ergrimmten  Mann  an  eine 


124  139.    Dat  Mäken  von  Brakel. 

Stelle,  wo  es  ein  Echo  gibt,  und  heißt  ihn  laut  rufen:  'Sag  mir, 
Maria  voller  Gnaden,  wer  hat  den  Wein  getrunken,  die  Frau  oder 
die  Katze?'  Als  es  zurückschallt  'Die  Katze',  schlägt  der  Mann  die 
Katze  tot.     Das  erinnert  an  die  faule  Spinnerin,  oben  S.  44. 

Gröber  klingt  ein  italienischer  Schwank  des  15.  Jahrh.  vom 
geäfften  Beter.  In  den  Facezie  del  piovano  Arlotto  (ed.  Baccini 
1884  nr.  22;  deutsch  von  Wesselski  1910  1,  54  mit  der  Anm.  1, 193) 
naht  ein  einfältiger  Schuster  dem  Bilde  Johannes  des  Täufers  mit 
der  Frage,  ob  sich  seine  Frau  ehrbar  halte  und  sein  Sohn  gut  ein- 
schlagen werde ;  als  ihm  der  boshafte  Mesner  zuruft,  sein  Weib  habe 
ihn  oft  hintergangen  und  sein  Sohn  werde  am  Galgen  sterben,  bricht 
der  ergrimmte  Schuster  in  Schmähungen  wider  den  Heiligen  aus. 
Danach  Domenichi,  Facetie  1548  Bl.  F4a  =  1581  S.  317  ;  B.  de  la 
Monnoye,  Oeuvres  choisies  1770  2,  190  'De  pio  quodam  cerdone, 
quem  aedituus  delusit';  H.  Estienne,  Apologie  pour  Herodote  1,  194 
chap.  14,  14.  2,  310  chap.  39, 12 ;  Zincgreff-Weidner,  Apophthegmata 
4,  257  (nach  Estienne).  Ähnlich  Pitre,  Fiabe  siciliane  3,  328  nr.  182 
'Lu  viddanu  santöcchiu'  (Bauer  und  Crucifixus).  —  Anders  die  Farce 
de  George  le  Veau  (Viollet  Le  Duc,  Ancien  theatre  francais  1,  380; 
vgl.  Bolte-Seelmann,  Nd.  Schauspiele  1895  S.  *29).  Bonaventure  des 
Periers,  Nouvelles  recreations  1858  p.  381  nr.  124  'Coinme  un  Escossois 
fut  guary  du  mal  de  ventre  au  moyen  que  luy  donna  son  hostesse' 
(der  Gefoppte  schießt  auf  das  Bild  des  h.  Eutropius).  Kirchhof, 
Wendunmut  5,  nr.  71  (Pfui  dich,  lieber  Liendel).  Bei  E.  Meier, 
Volksmärchen  aus  Schwaben  nr.  51  erhält  der  faule  Frieder  vom 
Marienbilde  die  Antwort:  'Wer  nicht  arbeitet,  soll  auch  nicht  essen.' 
Bei  Wolf,  DMS.  nr.  37  wird  der  trunkene  Peter  vom  Crucifixus  zu- 
rechtgewiesen. In  einer  weißrussischen  Erzählung  (Serzputovskij  S.  138 
nr.  68;  vgl.  Zs.  f.  Vk.  13,  420.  Revue  des  trad.  pop.  6,  143)  hört 
Petrovskij  von  dem  hinter  dem  Jesusbilde  versteckten  Priester,  er  sei 
ein  Lump,  und  schreit  ergrimmt :  'Ich  bin  ein  geborner  Edelmann,  du 
bist  ein  Jude.'  In  einem  berberischen  Schwanke  bei  Wesselski, 
Nasreddin  2,  63  nr.  403  =  Basset,  Fourberies  de  Si  Djeha  nr.  24 
gebietet  Si  Dscheha  dem  Juden,  der  Gott  bittet,  sich  ihm  zu  zeigen, 
der  Frau  Si  Dschehas  hundert  Dinare  zu  zahlen  und  läßt  ihn  dann 
an  einem  Strick  emporklimmen,  den  er  losläßt. 

Bemerkenswert  ist  der  Schwank  von  dem  Gebet  der  untreuen 
Frau,  die  ihren  Mann  durch  leckere  Speisen  blind  zu  machen 
denkt,  weil  er  aus  Indien  herstammt   und   seit  dem  15.  Jahrhundert 


139.    Dat  Mäken  von  Brakel.  125 

in  Europa  große  Verbreitung  gefunden  hat.  Der  1199  schreibende 
Jainamönch  Pürnabhadra1)  erzählt  im  Paiicäkhyänaka  B.  3,  c.  17 
von  einer  Ehebrecherin,  die  im  Tempel  der  Göttin  Devi  ein  Opfer 
darbringt  und  sich  vor  der  Statue  verneigend  fragt:  'Ehrwürdige, 
auf  welche  Weise  kann  mein  Mann  blind  werden?'  Allein  ihr  Gatte 
Tajiiadatta  hat  Verdacht  geschöpft,  ist  ihr  nachgegangen  und  ant- 
wortet ungesehen:  'Wenn  du  dem  Manne  beständig  Butterkuchen 
und  andre  gute  Speisen  reichst,  wird  er  schnell  blind  werden.'  In 
der  späteren  Pancäkhyänavärttika2)  c.  28  heißt  der  Brahmane  Harl- 
datta,  in  dem  vermutlich  daraus  schöpfenden  Textus  ornatior  der 
Cukasaptati3)  c.  12  Ksemamkara;  in  einer  Erzählung  der  Holhan  bei 
Bompas  p.  482  nr.  22  'The  cunning  potter'  und  in  einer  andern  der 
North  indian  notes  5,  51  nr.  79  fThe  Thakur  and  the  goldsmith' 
ist  es  ein  Handwerker.  In  einem  Märchen  der  Baschkiren  (Revue 
des  trad.  pop.  23,  59  'Le  vieillard  ruse')  erscheint  eine  Nachbarin 
als  Helferin  des  betrogenen  Gatten.  Gagausisch:  Radioff  10,  150 
nr.  84.  84a.  Suaheli:  Lademann  nr.  35  (Archiv  12,  78.  Statt  des 
Mannes  straft  der  Sohn  die  Buhlerin).  Die  erste  europäische  Be- 
arbeitung des  Stoffes  ist  eine  gereimte  italienische  Novelle,  die  der 
zu  Anfang  des  15.  Jahrh.  lebende  Simone  Prudenzani  zu  Orvieto 
als  nr.  10  seines  Liber  solatii  abfaßte.  Hier  befragt  Donna  Fiore 
den  Geist  der  hohlen  Eiche ;  ihr  dort  versteckter  Gatte,  der  ein- 
äugige Magagnato,  erteilt  ihr  den  bekannten  Rat,  erschießt  aber 
später  die  schamlose  Ehebrecherin  mit  der  Armbrust,  während  ihr 
Buhle  Carglicosta  ein  gewaltiges  Lösegeld  zahlen  muß.4)  In  einem 
1541  entstandenen  deutschen  Meisterliede  des  Nürnbergers  Hans 
Vogel5)  wendet  sich  die  Frau  an  den  h.  Leonhard  und  wird  von 
dem  beleidigten  Gatten,  der  den  Pfaffen  erschießt,   in  den  Bach  ge- 


*)  R,  Schmidt,  Pancatantram  1901  S.  246;  vgl.  Benfey,  Pantsch  a- 
tantra  1,  385.  2,  276  und  Hertel,  Das  Pancatantra  1914  S.  15  'Butter- 
blinder  Brahmane'. 

2)  Hertel  1914  S.  133  f.  146  f. 

3)  R.  Schmidt,  Der  Textus  ornatior  der  Cukasaptati  1896  S.  28. 
Vgl.  A.  Fries,  Madunka  (Lyrik-Almanach  1910  S.  32). 

4)  S.  Debenedetti  im  15.  Supplemento  des  Giornale  storico  della  lett. 
italiana  1913  p.  45  und  vorher  in  Miscellanea  di  studi  critici  in  onore  di 
V.  Crescini  1912  p.  523.  Über  die  Komödie  'Milesia'  des  Florentiners 
Donato  Giannotti  (f  1573)  vgl.  Creizenach,  Gesch.  des  Dramas  2,  228. 

5)  Montan us,  Schwankbücher  1899  S.  517;  vgl.  Bolte,  Archiv  f. 
neuere  Sprachen  127,  282. 


126  139.    Dat  Mäken  von  Brakel. 

stoßen.  Ihm  folgte  H.  Sachs  1549  mit  einem  Meisterliede  'Der  plint 
meßner  mit  dem  pfaffen'  (Fabeln  5,  12  nr.  602)  und  1554  mit  einem 
ebenso  betitelten  Fastnachtspiele  (Folio  4.  345  b  =  17,  183  ed. 
Keller-Goetze  =  Fastnachtspiele  6,  81  nr.  69.  Stiefel,  Zs.  f.  Voiksk. 
8,  73.  10,  71).  Verblaßt  ist  Montanus,  Gartengesellschaft  c.  72  (1899 
S.  330,  vgl.  S.  611).  Schreger,  Zeitvertreib  1753  S.  602.  Bunker 
nr.  19.  ZdmG.  42,  130  'Der  versoffene  Hans'  (aus  Siebenbürgen). 
Zs.  f.  Voiksk.  7,  324  nr.  12  (vom  Marchfelde).  Simrock  nr.  CO. 
Waldbrühl,  Rhingscher  Klaaf  1869  S.  280.  Pröhle,  KVM.  nr.  51. 
Jahrbücher  f.  Landeskunde  von  Schleswig-Holstein  4,  164  nr.  70  = 
Grässe,  Preuß.  Sagenbuch  2,  1009  (Anfang  verstümmelt).  Blätter  f. 
pomm.  Voiksk.  7,  163.  Zs.  f.  Voiksk.  8,  225  (aus  Pommern).  Knoop, 
Sagen  aus  Posen  S.  2 !  2.  —  Niederländisch:  Dykstra  2,  121.  Joos 
2,  109  nr.  23.  Cornelissen-Vervliet  nr.  33.  De  Mont  en  de  Cock, 
Vertelsels  p.  285.  —  Italienisch:  Eillosi,  Novelle  1797  p.  42  'L'orbo 
che  ci  vede'  (gereimt).  Coronedi-Berti  1883  nr.  41.  Nie.  Tommaseo 
1.  85  (1904).  Grisanti,  Isnello  2,  202.  Ilg  2,  73.  —  Rumänisch: 
Schullerus,  Siebenbg.  Archiv  33,  517.  Wlislocki,  ZdmG.  42,  131 
(Ballade  aus  Siebenbürgen).  —  Serbokroatisch:  Bos.  Vila  2  (1887),  156. 
Hadzi-Vasiljevic    S.    341    nr.    4.      Anthropophyteia    1.    191    nr.    159. 

1,  448  nr.  338-  339.  Bos.  pripov.  redovn.  omlad.  S.  87  nr.  24  (Mann 
als  Beichtvater  verkleidet).  —  Bulgarisch :  Sapkarev  S.  54  nr.  48.  — 
Slovakisch:  ZdmG.  42,  129.  —  Cechisch:  Popelkova,  Nabesede  S.240nr. 
29  (Kapuziner  im  Walde).  Kubin  2, 13  nr.  9.  —  Polnisch:  Swietek  S.  420 
nr.  48  (Petrus).  Ciszewski,  Krakowiacy  S.  214  nr.  160  (Nikolaus). 
S.  215  nr.  161.  Gonet  S.  237  nr.  1  (Pfarrer).  —  Kleinrussisch: 
Sadok  Baracz  S.  30  (Nikolaus).  Kolberg,  Pokucie  4,  185  nr.  36 
(Knecht    als    Bettler).      Hnatjuk,    Geschlechtleben    2,    186    nr.    260. 

2,  194  nr.  263.  2,  188  nr.  261.  Etnogr.  Zbirnyk  8,  98  nr.  47. 
Cubinskij  2,  654  nr.  116.  Rokossowska  S.  37  nr.  12  (Johannes). 
Zt'Vk.  8,  218.  —  Weißrussisch:  Federowski  2,  344  nr.  403 
(Knecht  als  Teufel).  Dobrovoljskij  1,  699.  Sejn  2,  219  nr.  102.  —  Groß- 
russisch: Afanasjev3  2,  402  nr.  241  (Eiche).  Oncukov  S.  139  nr.  50 
und  S.  338  nr.  139  (Nikolaus).  ZfVk.  8,  221.  Kryptadia  1,  240.  4. 
249.  —  Lettisch:  Böhm   1910  nr.  40. 

In  dem  indischen  Märchen  bei  Frere  nr.  7  "The  wanderings 
oc  Vicram  Maharajah'  =  Passow  1874  S.  16L  rächt  sich  der  in  einen 
Papagei  verwandelte  Held  an  seiner  Feindin  Champa  Rani,  welche 
das  Götzenbild  um  ihre  Vez'setzuns:  in  den  Himmel  anfleht,  indem  er 


139.    Dat  Mäken  von  Brakel.  127 

statt  der  Göttin  antwortet,  sie  solle  ihre  Habe  den  Armen  geben 
und  ihr  Haus  dem  Erdboden  gleichmachen.  Ähnlich  Parker  2,  435 
nr.  173  'How  the  parrot  explained  tbe  law-suit'  und  Schiefner-Ealston, 
Tibetan  tales  p.  173.  —  Im  mongolischen  Siddhi-kür  (Jülg  1866 
nr.  11.  Kletke,  Märchensaal  3,  10  nr.  6)  dagegen  versteckt  sich  ein 
armer  Mann  in  der  hohlen  Buddhastatue  und  gebietet  dem  reichen 
Beter,  seine  Tochter  an  den  zu  vermählen,  der  am  nächsten  Morgen 
zuerst  vor  seiner  Tür  erscheinen  werde;  er  stellt  sich  dann  selber 
ein  und  erhält  die  Jungfrau  zum  Weibe,  verliert  sie  aber  und  dazu 
sein  Leben.  Ähnlich  annamitisch  bei  A.  des  Michels  1888  nr.  1 
'La  fille  epii  veut  epouser  un  roi',  nur  daß  hier  das  Mädchen  selber 
das  Gebet  verrichtet. 

Wie  die  Neckerei  des  Beters  bisweilen  zum  Nachteil  des 
Foppers  ausschlägt,  zeigt  der  oben  1,  65  erwähnte  Schwank  von  Nasr- 
eddin  und  den  999  Goldstücken  des  Juden ;  vgl.  Wesselski,  Nasreddin 
1911   1,  220  nr.  54;  Kubin  2,  176  nr.  51;  Serzputovskij  S.  138  nr.  68. 

Verschiedene  Märchen  vom  Meister diebe  (unten  nr.  192) 
leiten  damit  ein,  daß  die  Mutter  oder  der  Vater  des  Helden  das 
Heiligenbild  fragt,  was  der  Sohn  werden  soll,  und  den  Bescheid  des 
dahinter  stehenden  Schalks  empfängt:  'Ein  Dieb'.  So  in  unsrer  nr.  68 
'De  Gaudeif  un  sien  Meester',  im  vlämischen  'Jan  de  Dief  (Wolf, 
Wodana  1,  173  =  Wolf,  DMS.  nr.  5)  und  De  Mont  en  de  Cock, 
Vertelsels  p.  442  'Leer  kern  stelen.'  Gälisch:  Campbell2  1,  330  nr. 
17 d  'The  shifty  lad,  the  widow's  son'.  Französisch:  Sebillot,  Folk- 
lore de  France  4,  164.  Sebillot,  Contes  1,  209  'Le  fin  voleur'. 
Sebillot,  Litt,  orale  de  la  Haute  -  Bretagne  p.  112  'Le  fin  voleur'. 
Fleury,  Basse-Normandie  p.  167  'Jacques  le  voleur'.  Jegerlehner, 
Sagen  aus  dem  Unterwallis  S.  8  'Demande  d'une  vocation'.  Cechisch : 
Kubin,  Podkrkonosi  1,  nr.  56. 

Die  in  all  diesen  Schwänken  vorausgesetzte  Überzeugung,  daß 
die  Macht  des  Heiligen  auch  in  seinem  hölzernen  oder  steinernen 
Abbilde  lebe  und  daß  dieses  unter  besondern  Umständen  sich  be- 
wegen oder  reden  könne,1)  offenbart  sich  in  mittelalterlichen  Legenden 


x)  Vgl.  Trede,  Das  Heidentum  in  der  römischen  Kirche  1889 — 1891 
1,  149.  2,  94.  3,  264.  4,  394—398.  Silvagni,  La  corte  e  la  societä  romana 
2, 292  (1883).  —  Im  französischen  Fablei  'L'oie  au  chapelain'  (Montaiglon- 
Paynaud  6,  nr.  143)  macht  der  gefräßige  Kaplan  dem  Pfarrer  weis,  das 
Jesulein  in  der  Kirche  habe  seine  Grans  verzehrt.  Ähnlich  Pineau,  C.  du 
Poitou  p.  227  nr.5;  Meyrac  p.  416  f.  (Schinken) ;  Haltrich4  nr.  46  (Speck) ; 


128  139.    Dat  Mäken  von  Brakel. 

häufig.  Sankt  Kümmernis  läßt  ihren  Goldschuh  für  den  armen  Spiel- 
mann fallen  (unten  nr.  157  a),  das  Bild  des  Christkindes  ladet  den 
Knaben  zu  seinem  Mahle  (nr.  209),  eine  Marienstatue  hält  den  King, 
den  der  Jüngling  an  ihren  ausgestreckten  Finger  gesteckt  hat,  fest 
(Poncelets  Verzeichnis  der  Marienwunder  in  den  Analecta  Bollandiana 
21,  264  nr.  290.  Landau,  Zs.  f.  vgl.  Litgesch.  1,  13.  Mussafia,  Denk- 
schriften der  Wiener  Akademie,  phil.  hist.  Kl.  44,  1,  35) ;  eine  andere 
schützt  durch  eine  Bewegung  des  Knies  den  zu  ihr  Geflüchteten  vor 
einem  Pfeilschuß  (Poncelet  21,  277  nr.  501)  oder  rettet  den  durch 
den  Teufel  vom  Gerüste  herabgestürzten  Maler  (Poncelet  21,  267 
nr.  345.  v.  d.  Hagen,  Gesamtabenteuer  nr.  77.  Klapper,  Erzählungen 
des  MA.  1914  nr.  52),  wieder  eine  andere  bezeugt  durch  ihre  Rede, 
daß  der  vom  Juden  verklagte  Christ  die  Schuldsumme  zur  gesetzten 
Frist  vor  ihr  niedergelegt  habe  (Poncelet  21,  247  nr.  41),  oder  erwidert 
den  Gruß  des  frommen  Klerikers  mit  den  Worten:  'Dominus  tecum' 
(Poncelet  21,  285  nr.  622). 

Ein  unfreundliches  Gegenstück  zu  der  letztgenannten  Legende 
bietet  eine  Sage,  die  Justi  in  seinem  Taschenbuche 'Die  Vorzeit' 1820, 
259  von  dem  hl.  Bernhard  von  Clairvaux  berichtet1).  Als  dieser 
einmal  (1147)  zu  Speier  war,  ging  er  in  den  Dom,  um  dem  Marien- 
bilde seine  Verehrung  zu  bezeigen.  Er  fiel  dreimal  vor  ihm  auf  die 
Knie  und  brach  voll  Andacht  in  die  Worte  aus:  '0  du  huldreiche, 
du  milde,  du  holdselige  Mutter  Gottes!'  Das  Bild  fing  hierauf  an 
zu  reden:  'Sei  mir  willkommen,  mein  Bernhard!'  Der  Heilige  aber, 
den  das  verdroß,  verwies  der  Himmelskönigin  das  Reden  mit  den 
Worten :  'Schweig,  ein  Weib  soll  nicht  reden  in  der  Gemeinde !' 
Das  Bild  ist  noch  im  Dom  zu  sehen,  wie  die  drei  metallenen  Platten, 
welche  die  drei  Steilen  bezeichnen,  wo  der  h.  Bernhard  kniete. 


Ciszewski  S.  268  nr.  216.  217.  Kubin  2,  256  nr.  85.  Lud  6,  360  nr.  8. 
Sbornik  min.  1,  121  nr.  4.  Oncukov  S.  105  nr.  41.  Ulanowska  S.  490  nr.  22 
(drei  Heiligenstatuen).  Revue  des  trad.  pop.  7,  488  nr.  77  (magyarisch). 
Globus  69,  46  (japanisch). 

J)  Nach  Eysengrein,  Chronologicarum  rerum  urbis  Spirae  libri  XVI 
1564  Bl.  d  4a;  vgl.  Chr.  Lehmann,  Chronica  von  Speier  1711  S.  438  a 
(B.  5,  cap.  52).  Eine  ähnliche  Sage  vom  hl.  Bernhard  in  Afflighem 
steht  in  Miernes  Patrolooia  latina  185,   880. 


140.    Das  Hausgesinde.  129 


140.    Das  Hausgesinde.  1856  s  »■ 

1815  nr.  54  =•  1819  nr.  140.  Aus  dem  Paderbörnisclien 
durch  die  Familie  v.  Haxthausen  am  27.  Mai  1812  (wie  nr.  131). 

Eine  fast  genau  übereinstimmende  Passung  enthält  die  um 
1750  gedruckte  Sammlung  'Alle  Arten  von  Scherz-  und  Pfänder- 
spielen in  lustigen  Compagnien  von  Bruder  Lustigen'  (Frankfurt 
und  Leipzig  o.  J.  Zs.  f.  Volkskunde  19,  408)  S.3  nr.  1  'Ein  Frage- 
Spiel': 

Willst  du  mit  nach  Walpe1)?  —  Ja. 

Ich  nach  Walpe,  du  nach  Walpe;  wilst  du  mit,  so  komm! 

Hast  du  denn  auch  einen  Mann?  —  Ja. 

Wie  heißt  dein  Mann?  —  Gramm. 

Mein  Mann  Gamm,  dein  Mann  Gamm,  ich  nach  Walpe,  du  nach  Walpe, 
wilst  du  mit,  so  komm ! 

Hast  du  denn  auch  ein  Kind?  —  Ja. 

Wie  heißt  dein  Kind?  —  Bley. 

Mein  Kind  Bley,  dein  Kind  Bley,  mein  Mann  Gamm  etc. 

Hast  du  denn  auch  eine  Wiege?  —  Ja. 

Wie  heißt  deine  Wiege?  —  Hippedeugen. 

Meine  Wiege  Hippedeugen,  deine  Wiege  etc. 

Hast  du  denn  auch  einen  Knecht?  —  Ja. 

Wie  heißt  dein  Knecht?  —  Machmirsrecht. 

Mein  Knecht  Machmirsrecht,  dein  Knecht  etc. 

Hast  du  denn  auch  eine  Magd?  —  Ja. 

Wie  heißt  deine  Magd?  —  Kehrmirnheerd. 

Meine  Magd  Kehrmirnheerd,  deine  Magd  Kehrmirnheerd,  mein  Knecht 
Machmirsrecht,  dein  Knecht  Machmirsrecht,  meine  Wiege 
Hippedeugen,  deine  Wiege  Hippedeugen,  mein  Kind  Bley, 
dein  Kind  Bley,  mein  Mann  Gamm,  dein  Mann  Gamm,  ich 
nach  Walpe,  du  nach  Walpe.     Wilst  du  mit,  so  komm! 

Ähnlich  aus  Bremen:  Am  Urquell  5,107;  aus  Halle  bei  Erk- 
Irmer,  Volkslieder  1,  4,  44  nr.  40  (Willst  du  mit  nach  Walbe);  aus 
dem  Magdeburgischen  bei  Wegener,  Vtl.  Lieder  1879  S.  60  nr. 
182  (nach  Weewerlingen). 


J)  Steckt  in  Walpe  ein  verkürzter  Ortsname  wie  Walporzheim, 
oder  darf  man  an  den  Walperzug  (Grimm,  DWb.  13,  1322)  am  Wal- 
purgistage,  dem  1.  Mai,  denken? 

Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  9 


130  140.    Das  Hausgesinde. 

Aus  einem  'Volkspilgerliede'  hat  Mus  aus,  Volksmärchen  5, 
130  (1787.  Melechsala)  folgende,  wohl  etwas  ausgeschmückte  Stelle 
aufbewahrt:  Aus  welcher  Gegend  kommt  ihr?  'Von  Sonnenaufgang.' 
Wohin  gedenkt  ihr?  'Nach  Sonnenniedergang.'  In  welches  Reich? 
'In  die  Heimat.'  Wo  ist  die?  'Hundert  Meilen  ins  Land  hinein.' 
Wie  heißt  du?  'Springinsfeld  grüßt  mich  die  Welt,  Ehrenwert  heißt 
mein  Schwert,  Zeitvertreib  nennt  sich  mein  Weib,  Spätestagt  ruft  sie 
die  Magd,  Schlechtundrecht  nennt  sich  der  Knecht,  Sausewind  tauft 
ich  mein  Kind,  Knochenfaul  schelt  ich  den  Gaul,  Sporenklang  heißt 
sein  Gang,  Höllenschlund  lock  ich  den  Hund,  Wettermann  kräht 
(heißt)  mein  Hahn,  Hupfinsstroh  heißt  mein  Floh.  Nun  kennst  du 
mich  mit  Weib  und  Kind  und  allem  meinem  Hausgesind.'  r)  —  Mit 
einigen  Abweichungen  in  den  von  F.  Pocci  und  K.  v.  Räumer  her- 
ausgegebenen Kinderliedern  1852  nr.  9  =  Böhme,  Kinderlied  S.  270 
nr.  1266  b :  'Widewidewenne  heißt  meine  Putthenne,  Kannichtruhn 
heißt  mein  Huhn,  Wackelschwanz  heißt  meine  Gans,  Schwarzundweiß 
heißt  meine  Geiß,  Dreibein  heißt  mein  Schwein,  Wettermann  heißt 
mein  Hahn,  Kunterbunt  heißt  mein  Huhn,  Ehrenwert  heißt  mein 
Pferd,  Gutemuh  heißt  meine  Kuh,  Kuckheraus  heißt  mein  Haus, 
Schlupfheraus  heißt  meine  Maus,  Wohlgetan  heißt  mein  Mann,  Sause- 
wind heißt  mein  Kind,  Sammettatz  heißt  meine  Katz,  Hupfinsstroh  heißt 
mein  Floh,  Leberecht  heißt  mein  Knecht,  Spätbetagt  heißt  meine 
Magd;  nun  kennt  ihr  mich  mit  Mann  und  Kind  und  meinem  ganzen 
Hausgesind.'  —  Ähnlich  aus  Österreichisch-Schlesien  bei  Peter, 
Volkstümliches  1,  nr.  129  (1865). 

In  den  meisten  Fassungen  des  verbreiteten  Kinderspruches 
wird  die  bloße  Aufzählung  des  Hausgesindes  umgewandelt  in  eine 
Erzählung,  wie  der  Redende  allmählich  zu  diesem  Besitze  gelangt 
ist :  'Ds  erst  Jahr,  wo-n-i  agf ange  ha  huse,  da  ha-n-i  es  Huen  übercho' 
(Züricher,  Kinderlied  im  Kanton  Bern  1902  nr.  450)  oder:  'Ick  was 
so  lang  en  armen  Mann,  bes  mi  Guod  en  Hähnken  gaf '  (Münsterische 
Geschichten  1825  S.  272),  'Als  ich  ein  armes  Weib  war,  zog  ich  über 
den  Rhein,  beschert  mir  Gott  ein  Hühnelein'  (Arnim  -  Brentano, 
Wunderhorn  3,  Anh.  S.  41),  'Ich  diente  dem  Bauern  wohl  ein  Jahr, 
da  gab  er  mir  ein  Huhn'  (Pröhle,  Märchen  f.  d.  Jugend  S.  199,  nr.  57), 

J)  So  zählt  Vidrich  vor  dem  Kampfe  mit  dem  Riesen  Langbein 
(Grundtvig,  DgF.  1,  100  nr.  7  b,  Str.  15.  Grimm,  Altdänische  Helden- 
lieder 1811  S.  19)  die  Namen  von  Vater,  Mutter,  Schild,  Helm,  Schwert 
und  Pferd  auf. 


140.    Das  Hausgesinde.  13  L 

'Wenn  ich  will  heiratn,  muß  ich  ein  Weib  haben'  (Köhler-Meier, 
Volkslieder  von  der  Mosel  1,  156  nr.  151),  oder  es  wird  auch  von 
einer  andern  Person  berichtet:  'Et  was  enmäl  en  Edelmann,  de 
schafft  sich  sämtlich  Veih  woll  an'  (Bl.  f.  pomm.  Volkskunde  2,  163). 
—  Aus  der  Schweiz:  L.  Tobler,  Schweiz.  Volkslieder  1, 152  nr.  57. 
A.  Tobler,  Volkslied  im  Appenzellerlande  1903  S.  15.  Schweizerisches 
Archiv    f.  Volkskunde  7,  292.    Züricher,    Kinderlied    in    Bern    1902 

5.  60.  161.  Kochholz,  Alemannisches  Kinderlied  1857  S.  167. 
Schwäbisch:  Birlinger,  Schwäbisch- Augsburgisches  Wtb.  S.  453. 
Kretzschmer-Zuccalmaglio,  Volkslieder  2,  678.  Bayrisch:  Feldigl, 
Fromm  und  fröhlich  Jahr  4,  79  'Wenn  i  amal  reich  werd'.  Öster- 
reichisch: Tschischka-Schottk}r,  Österr.  Volkslieder  1844  S.  30  = 
Kretzschmer-Zuccalmaglio,  VI.  2,  665.  Gottschee:  Hauff  en,  Gott- 
schee  1895  S.  366  nr.  127.  Siebenbürgisch:  Schuster,  Siebenbg. 
Volkslieder  1865  S.  364  nr.  165  und  250.  Firmenich  2,  814.  Kbl.  f. 
siebbg.  Landesk.  9,  67.  Fränkisch:  Ditfurth,  Frank.  Volkslieder 
1855  2,  301  nr.  398  a — b.  Schleicher,  Volkstümliches  aus  Sonneberg 
1858  S.  105  'Ging  ich  amoul  nach  Meerenland'.  Sächsisch:  Dähn- 
hardt,  Volkstümliches  2,  47  nr.  220.  Mitt.  f.  sächs.  Volksk.  3,  313 
(1905).  A.  Müller,  VI.  aus  dem  Erzgebirge  1883  S.  218  'IwrschLand 
fuhr  ich'.  John,  VI.  aus  dem  sächs.  Erzgebirge  1909  nr.  123.  124. 
Fiedler,  Volksreime  in  Anhalt-Dessau  1847  S.  36  'Als  ich  drei  Jahr 
alt  war'.  Kheinländisch:  Köhler-Meier,  VI.  von  der  Mosel  nr.  151. 
Jahrb.  f.  nd.  Sprachforschung  32,  77.  Kbl.  f.  nd.  Spr.  8,  21.  Zs.  des 
Aachener  Geschichtsv.  10,  194.  Westfälisch:  Münsterische  Ge- 
schichten 1825  S.  272.  Bahlmann,  Münsterische  Lieder  1896  S.  39. 
Niedersachsen  10,478(1905).  Oldenburgisch:  Strackerjan2  2,  135 
'Ick  was  so  lang  n  armen  Mann'.  Kbl.  f.  nd.  Sprachf.  3,  58.  8,  21. 
Aus  dem  Kinderleben  1851  S.  62  'As  ik  n  lütje  Dären  was'. 
Schleswig-holsteinisch:  Diermissen,  Ut  de  Muskist  1862  nr.  23. 
88.  201.  Jahrbücher  f.  Landeskunde  Schleswig-Holst.  3,  452  'Ik  wull 
enmal  en  Hohn  hebbn'.  6,  393  'As  ick  noch  lütt  Deern  weer'.  7,  377 
'Ik  deen  bi  een  Jahr'.  Heimath  (Kiel)  1876,  119.  Meyer,  Platt- 
deutsche Kinderreime  1908  S.  71.  78.  82.  Schumann,  Volksreime  aus 
Lübeck  1899  S.  144  nr.  573a— e.  Magdeburg:  Wegener,  Vtl. 
Lieder  aus  Norddeutschland  1879  S.  58  nr.  180—181.  Braun- 
schweig: Zs.  f.  Volkskunde  10,  337  'Et  war  emal  en  Mann. 
Brandenburg:    Firmenich  1,  125.  130.     Erk-Irmer,  Volkslieder  1, 

6,  10  nr.  7  'As  ick  noch  so  kleene  woar'  und  2,  3,  56  nr.  50  'As  ick 

9* 


132  140.    Das  Hausgesinde. 

moal  en  riker  Mann  was'.  Mecklenburg:  Kbl.  f.  nd.  Sprachf.  4, 
22.  Germania  21,  66.  Firmenich  3,  65.  Pommern:  BL  f.  pomm. 
Volkskunde  2,  163.  3,  15.  9,  90.  Preußen:  Frischbier,  Preuß. 
Volkslieder  1877  nr.  31  'Als  öck  emal  e  Hennke  hadd'  =  Frommann, 
Dt.  Mundarten  7,  208.  Jüdischdeutsch:  Ginzburg  u.  Marek, 
Evrejskija  narodnyja  pesni  v  Rossii  1901  nr.  127.  Friesisch: 
Dykstra  en  van  der  Meulen,  Aide  snypsnaren  1882  S.  13.  —  Nieder- 
ländisch: Hoffmann  v.  F.,  Ndl.  Volkslieder  1856  nr.  184  'Daar  was 
er  eens  een  mannetje'.  J.  van  Vloten,  Ndl.  baker-  en  kinder- 
rijmen4  1894  S.  138  'Daar  was  ereis  een  mannetje'.  139  'Aleer  ik  was 
een  edelman'.  Driemaandelijksche  Bladen  5,  21  (1906)  'Der  was  er 
n  man,  die  was  niet  wis'.  Willems,  Oude  vlaamsche  liederen  nr.  255 
'Des  avonds  in  den  reine'.  Lootens-Feys,  Chants  pop.  namands 
nr.  119  'Tsooren  was  een  rijk  man'.  Bols,  100  oude  vlaamsche  liederen 
nr.  98  'En  als  ik  wil  gaan  huishoun'.  F.  van  Duyse,  Het  oude  ndl. 
lied  2,  1369  nr.  376  a— f.  Ghesquiere,  300  speien  met  zang  1905 
nr.  235  'Stierf  mij'  meerken'.  De  Cock  en  Teirlinck,  Kinderspel  en 
kinderlust  in  Zuid-Nederland  4,  279  nr.  42—43(1904).—  Dänisch: 
Thiele,  Folkesagn  3,  163  (1820).  Grundtvig,  Minder  2,  147  nr.  287 
'Ä  ved  mä  sä  gammel  en  mand'.  3,  187  'Jeg  har  tjent  saa  rig  en 
mand'.  Feilberg,  Fra  Heden  1863  S.  140  'Ä  tehn  hos  den  rige  mand'. 
Madsen,  Folkeminder  fra  Hanved  Sogn  1870  S.  144.  Skattegraveren 
5,  145 — 156  'De  morsomme  navne'.  Kristensen,  Dyref abier  1896 
S.  168  nr.  392 — 432  'Havde  jeg  mig  bare  en  god  ven',  'Der  boer  en 
mand  ved  Gammelstrand'  und  lJeg  tjente  sä  henge  hos  den  Telebond- 
mand'.  —  Norwegisch:  Stoylen,  Barnerim  og  leikar  1899  S.  9 
nr.  56 — 62  'Eg  tente  meg  so  lenge  hjaa  ein  telebondemann'.  — 
Englisch:  Chambers,  Pop.  rhymes  of  Scotland  1870  p.  31  'I  had  a 
wee  cock,  and  I  loved  it  well'.  —  Französisch:  Terry  et  Chau- 
mont,  Eecueil  d'airs  de  cramignons  liegeois  1889  p.  192  nr.  90 
'Madame  Bertrand  va-t-au  marche'.  Bujeaud,  Chants  pop.  des  pro- 
vinces  de  l'ouest  1866  1,  43  'Ma  mer'  m'envoie-t-au  marche'. 
Durieux  et  Bruyelle,  Chants  du  Cambresis  1864  1,  122  'Mon  pere 
m'envoie  au  marche'.  —  Serbokroatisch:  Valjavec  S.  308  nr.  24. 
Zbornik  jslav.  18.  360.  —  Slowenisch:  Strekelj,  Slovenske  narodne 
pesmi4,339  nr.  7518— 7532.— Wendisch:  Nawuka  S.  70  nr.  6.  — 
Cechisch:  Erben,  Pisne  S.  427  nr.  126.  Susi],  Moravske  nar.  pisne 
S.  621.  —  Slowakisch:  Dobsinsky,  Obycaje,  povery  p.  169  (Spiel). 
Kollar,  Zpiewanky  2,  49.  —  Russisch:  ein  Druck:  Rossijskaja  Erota 


140.    Das  Hausgesinde.  133 

3,  173.  Sejn,  Velikoruss.  1,  28  L  nr.  979—981  (der  Knecht  be- 
kommt im  ersten  Jahr  ein  Huhn,  im  2.  eine  Ente,  im  3.  einen 
Enterich,  im  7.  eine  Ziege).  Dobrovoljskij,  Smolensk.  4,  489  nr.  62. 
Eudcenko  1,  49  nr.  28  (der  Mann  kauft  Huhn,  Ente,  Gans,  Lamm, 
Ziege.  Kuh,  Hund,  Kater,  Ochsen,  Wagen;  die  Tierlaute  werden  jedes- 
mal wiederholt). 

Die  vielerlei  Abweichungen  dieses  Märchens,  das  W.  Grimm  ein 
Gespräch  mit  dem  Widerhall  nennt,  und  die  zahlreichen,  oft  in  die 
alte  Sprache  und  Sage  reichenden,  poetischen  Namen  durchzugehen, 
möchte  zu  weit  führen.1)  Als  Beispiele  mögen  dienen  eine  pader- 
börnische  Fassung  (1822),  welche  an  die  oben  S.71zu  nr.  131  an- 
geführten Stücke  erinnert : 

Wie  heißt  der  Wirt?  'Schmuckelbart,  er  steht  vorm  Spiegel,  putzt 
seinen  Bart.'  —  Die  Frau?  'Juckelpelz,  sie  steht  hinterm  Ofen  und  laust 
ihren  Pelz.'  —  Der  Koch?  'Smorlilus,  er  steht  in  der  Küche  und  rührt 
sein  Mus.'  —  Der  Soldat?  'Reicherheld,  er  sitzt  im  Wirtshaus  und  hat  viel 
Geld.'  —  Der  Schreiber?  'Federkiel,  der  sitzt  am  Tisch  und  schreibt 
nicht  viel.'  —  Der  Knecht?  'Kinkelwurst,  er  steht  im  Keller  und  löscht 
seinen  Durst.'  —  Die  Tochter?  'Agnes,  sie  sitzt  in  der  Kammer  und 
macht  die  Käs.'  —  Die  Magd?  'Flederwisch,  sie  steht  in  der  Stube  und 
scheuert  den  Tisch.'  —  Der  Junge?  'Galgenstrick,  er  steht  im  Stall  und 
streicht  sein  Vieh.' 

Eine  aus  dem  Aargau  bei  Rochholz,  Alemannisches  Kinderlied 
S.  167  :  'Nienegnue  heißt  mi  Chue,  Heimlifeiß  heißt  mi  Geis,  Dürlistock 
heißt  mi  Bock,  Rübelhoor  heißt  mis  Schoof,  Haberstrau  heißt  mi  Frau, 
Rüfegrind  heißt  mis  Chind.'  —  Ferner  das  schon  genannte  Kinderlied 
aus  des  Knaben  Wunderhorn  3,  Anh.  S.  41 :  'Bibberlein  heißt  mein 
armes  Hühnelein, 2)  Entecpuentlein  die  Ente,  Wackelschwänzlein  die 
Gans,  Schmortopf  das  Schwein,  Klipperbein  die  Ziege,  Gutemuh  die 
Kuh,  Guckheraus  das  Haus,  Kegelbahn  der  Mann,  Goldenring  das 
Kind,  Hatergsagt  die  Magd,  Haberecht  der  Knecht,  Wettermann  der 
Hahn,  Hüpfinsstroh  der  Floh.'  —  Im  Wunderhorn  4,  214  (=  Arnim, 
Werke  21.    1854)    =    Alemannia    11,  68    (oberschwäbische    Hs.    des 


*)  Zu  boshaftem  Spotte  benutzt,  in  dem  Schwanke  'Die  Scheune 
brennt'  (Wossidlo  1,  253  nr.  999.  Zs.  f.  Volksk.  26,  8.  370.  27,  .  .  .)  ein 
Knecht  oder  Gast  die  sonderbaren  Namen,  die  der  verschrobene 
Bauer  seinem  Hausgesinde  und  Besitztümern  beigelegt  hat. 

2)  Jung  Stilling,  Jugend  1779  S.  78  führt  nur  die  Zeile  'Gerberli 
hieß  mein  Hüneli'  an. 


134  140.    Das  Hausgesinde. 

18.  Jahrh.):  'Bibele  heißt  mein  kleins  Hühnele,  Dribledreble  das 
Entle,  Langerhals  die  Gans,  Weißesfleisch  die  Geiß,  Blasebalg  das 
Kalb,  Aufundzu  die  Kuh,  Ehrenwert  das  Pferd,  Guckheraus  das 
Haus,  Aufderbschau  die  Frau,  Goldigringle  das  Kindle.'  —  Die  gleich- 
falls oben  erwähnte  Fassung  bei  Pröhle,  M.  f.  d.  Jugend  nr.  57 : 
'Unverzagt  heißt  meine  Magd,  Leberecht  heißt  mein  Knecht,  Schütte- 
ling  heißt  mein  Kind,  Zeitvertreib  heißt  mein  Weib,  Hinundher  heißt 
mein  Pferd,  Ruhruh  heißt  meine  Kuh,  Jägerlein  heißt  mein  Schwein, 
Trippeltrappel  heißt  mein  Schaf,  Langhals  heißt  meine  Gans,  Kückel- 
hahn  heißt  mein  Hahn.'  —  Das  holsteinische,  bereits  von  Schütze, 
Holsteinisches  Idiotikon  2,  117.  4,  156  angeführte  Lied  lautet  nach 
Gr.  F.  Meyer,  Plattdeutsche  Kinderreime  1908  S.  82: 

Br  kam  vun  de  Reis  ut  Engelland, 
Un  min  Famili  is  wull  bekannt; 
Klappermitdekann  heet  min  Mann, 
Tiedverdrief  heet  min  Wief, 
Spelvordedör  heet  min  Gör, 
Tünunsteg  heet  min  Knech, 
Spinnichgern  heet  min  Deern. 
Lusbung  heet  min  Jung, 
Flessensteert  heet  min  Peerd, 
Peddb^tto  heet  min  Koh, 
Trappeltrin  heet  min  Swin, 
Trippeltr^g  heet  min  Zqg, 
Kiekünnertschapp  heet  min  Katt, 
Lopdenhoffrund  heet  min  Hund, 
Weest  du  mehr,  segg  dat  rut, 
Sünst  is  dat  Rimels  ut. 

Niederländisch  bei  Hoffmann  v.  F.  nr.  184: 

Tjiptjip  mijn  hennetje, 
Kokkelekaan  zoo  heet  mijn  haan, 
Ble  zoo  heet  mijn  schaapje, 
Ducdalf  zoo  heet  mijn  kalf, 
Nametoe  zoo  heet  mijn  koe, 
Viasstaart  zo  heet  mijn  paard, 
Welbehagen  zoo  heet  mijn  wagen, 
AI  berecht  zoo  heet  mijn  knecht, 
"Weibereid  zoo  heet  mijn  meid, 
Zeergetrouw  zoo  heet  mijn  vrouw, 
Welbemind  zoo  heet  mijn  kind. 


140.    Das  Hausgesinde.  135 

Ein  anderes  Lied  (1822)  beginnt:  'Kockeloery  heet  mijn  haan, 
Prijs  heet  mijn  hennetjen'.  —  Dänisch  bei  Madsen,  Eolkeminder 
1870  S.  144: 

Skrukkelidön  hedder  min  hön, 
Plask-i-vand  hedder  min  and, 
Skraffelhals  hedder  min  gaas, 
Stamp-i-jord  hedder  mit  faar, 
Grynt-i-sti  hedder  mit  svin, 
Klän-vän  hedder  min  ko, 
Klämmer-i-bäs  hedder  min  hest, 
Staa-i-lo  hedder  min  karl, 
Staa-i-k^kken  hedder  min  pig, 
Lig-i-seng  hedder  min  kon, 
Lig-i-vug  hedder  min  barn. 

Englisch  bei  Chambers,  Populär  rhymes  p.  31: 

My  cock,  lily  cock,  lily  cock,  coo, 

My  hen,  chuckie,  chuckie, 

My  duck,  wheetie,  wheetie, 

My  sheep,  maie,  maie, 

My  dog,  bouffie,  bouffie, 

My  cat,  cheetie,  cheetie, 

My  pig,  squeakie,  squeakie. 

Französisch  bei  Terry  et  Chaumont,  Cramignons  p.  192: 

La  poul'  qui  fait  ri  qui  qui  qui, 

Le  coq  qui  fait  ro  co  co  co, 

L'canard  qui  fait  qwinc  qwinc  qwinc  qwinc, 

Le  chien  qui  fait  haw'  haw'  haw'  haw', 

Le  chat  qui  fait  miaw'  miaw'  miaw'  miaw'. 

Einzelne  dieser  sinnvollen  Namen  lassen  sich  in  ältere  Zeit 
zurückverfolgen;  nicht  Zeitvertreib,  aber  Leidvertreib  heißt  das 
Weib  im  andern  Morolf  v.  159.  1145 ;  Lassberg,  Liedersaal  2,  704 
v.  352;  v.  d.  Hagen,  Gesamtabenteuer  2,  238  v.  728;  MSH.  1,  92  b; 
Liederbuch  der  Hätzlerin  S.  LXXTI,  31  u.  ö.  Eür  den  Knecht  ist 
statt  Haberecht  und  Leberecht  schon  im  13.  Jahrhundert  der  Name 
Kuprecht  üblich:  Wartburgkrieg  (MSH.  2,  4b);  1524  bei  Schade, 
Satiren  und  Pasquille  3,  196;  in  einem  an  unsre  Haustierreihe  an- 
klingenden Spottliede  auf  den  Pfaffen,  der  die  Bauern  an  ihre  Ab- 
gaben mahnt,  in  Aufseß-Mones  Anzeiger  1832,  299  und  Des  Knaben 
Wunderhorn    4,  56    (1854);    vgl.  Wackernagel,    Kl.  Schriften   3,   173 


136  140.    Das  Hausgesinde. 

und  Vogt,  Schlesische  Weihnachtspiele  1901  S.  115.  Im  Gedicht 
vom  Hausrat  (Pfeiffer,  Altdeutsches  Übungsbuch  1866  S.  138)  heißt 
der  Hund  Grin,  die  Katze  Zise,  der  Knecht  Wise,  das  Pferd  Kerne, 
die  Magd  Hetze.1)  Wenn  der  Tannhäuser  (MSH.  2,  94a)  sein  Ge- 
sinde Zadel,  Zweifel,  Schade  und  Unbereit  nennt,  so  ist  das  schon 
der  Übergang  der  epischen  Namen  in  die  bewußte  Allegorie,  wie 
z.  B.  in  dem  Spruch:  'Vielborgen  hat  eine  Stiefmutter,  heißt  Ver- 
kaufdeingut, die  gebiert  eine  Tochter,  heißt  Gibswohlfeil,  dieselbe 
Tochter  hat  einen  Bruder,  der  heißt  Zumtorhinaus'  (Lehmann, 
Florilegiuin  politicum  1641  2,  797).  In  der  Mitte  steht  noch  das 
bekannte:  'Sparebrot  (Vater)  ist  tot,  Schmalhans  heißt  der  Küchen- 
meister' (Wander,  Sprichwörterlexikon  4,  653);  vgl.  Wackernagel, 
Kleinere  Schriften  3,  97  (1874).  —  In  der  Gylfaginning  c.  34  (Gering, 
Die  Edda  S.  323)  heißt  der  Saal  der  Hei  Eljudnir,  ihre  Schüssel 
Hungr,  ihr  Messer  Sult,  ihr  Knecht  Ganglati,  ihre  Magd  Ganglot, 
ihr  Tor  fallendes  Unheil,  ihr  Bett  Kor,  ihr  Vorhang  bleiches  Unglück. 
In  der  Gautrekssaga  sind  andre  bedeutsame  Familiennamen:  der 
Vater  Skapnartungur,  die  drei  Söhne  Fiolmodi,  Ymsigull,  Gillingr, 
die  Mutter  samt  den  vier  Töchtern  Totra,  Snotra,  Hiotra,  Fiotra;  in 
einer  andern  Sage  der  Mann  Stedie,  die  Frau  Brynia,  die  Tochter 
Smidia,  der  Sohn  Thöllur.2)  In  der  Eigsbula  (Gering,  Edda  S.  HO),  aus 
der  Bochholz  (Alem.  Kinderlied  S.  156)  allzu  kühn  unsern  Kinder- 
spruch ableiten  will,  wird  eine  sinnvolle  Genealogie  der  drei  Stände 
der  Unfreien,  Freien  und  Edlen  vorgeführt  (vgl.  unten  zu  nr.  180). 
Einfacher  ist  die  Benennung  der  Tiere  nach  ihrem  Laute,  der 
ohne  weitere  Deutung  nachgeahmt  wird,3)  in  einigen  der  angeführten 
Lieder.  Die  französischen  Aufzeichnungen  gehen  in  das  Lied  von 
den  verschiedenen  Musikinstrumenten  (Geige,  Trompete,  Trommel) 
über,  von  dem  Tardel  in  seinen  Zwei  Liedstudien  (Progr.  Bremen 
1914  S.  30)  ausführlich  gehandelt  hat. 


x)  Nichts  derartiges  enthalten  die  von  Hampe  gesammelten  Ge- 
dichte vom  Hausrat  aus  dem  15.  und  16.  Jh.  (1899)  und  das  Basler  Ge- 
dicht vom  Hausrat  von  1569  (ed.  Major  1912). 

2J  Über  die  Namengebung  der  altnordischen  Theologen  vgl.  B.  M. 
Meyer,  Altgermanische  Beligionsgesckichte  1910  S.  538—556,  der  S.  391 
auch  den  indischen  Versucher  Mära  und  seine  Töchter  Durst,  Verlangen 
und  Unruhe  heranzieht  (Windisch,  Mära  und  Buddha  1895  S.  197). 

3)  Wackernagel,  Voces  variae  animantium  1869. 


141.    Das  Lämmchen  und  Fischchen.  —  142.    Simeliberg.  137 


141.    Das  Lämmchen  und  Fischchen.  1856  s  225 

1815  nr.  55  =  1819  nr.  141.  Aus  dem  Fürstentum  Lippe, 
wo  es  Frau  von  Haxthausen  in  frühester  Jugend  gehört  hatte.  — 
Das  Ende  ist  wohl  unvollständig;  der  Erzählerin  schwebte  nur  vor, 
daß  die  Stiefmutter  glaubt  das  Lämmchen  gegessen  zu  haben  und 
vom  Koch  auch  noch  das  Fischlein  zubereitet  verlangt.  Der  Koch 
aber,  als  es  anfängt  zusprechen  und  zu  klagen,  tötet  es  nicht,  bringts 
zum  Lämmchen  und  täuscht  die  Stiefmutter  wieder,  deren  Bosheit 
dem  Vater  zu  Ohren  kommt  und  bestraft  wird. 

Auch  nr.  11  (Brüderchen  und  Schwesterchen)  und  135  (die 
weiße  und  die  schwarze  Braut)  handeln  von  zwei  durch  eine  arge 
Stiefmutter  verfolgten  und  in  Tiergestalt  gebannten  Geschwistern ; 
nur  wird  dort  die  Schwester  erst,  nachdem  sie  des  Königs  Gattin 
geworden,  von  jener  ins  Wasser  gestürzt  und  durch  einen  Fisch  ver- 
schlungen oder  in  eine  Ente  verwandelt.  Die  Reimverse  des  vom 
Schlachtmesser  bedrohten  Lammes  (oder  Rehes)  und  der  im  Wasser 
befindlichen  Schwester  kehren  in  der  oben  1,  84  mitgeteilten  han- 
noverschen Fassung  und  in  italienischen,  slavischen  und  türkischen 
Varianten  wieder.  —  Über  den  Abzählreim  im  Eingänge  des 
Märchens  vgl.  oben  2,  484. 


142.    Simeliberg.  isse  s.  225. 

1815  nr.  56  =  1819  nr.  142.  Im  Mai  1814  durch  Ludowine 
von  Haxthausen  vom  Köterberge  (s.  2,  380)  im  Münsterlande  er- 
halten, zusammen,  mit  dem 'Erdmänneken'  (oben  2,  297),  wie  aus  dem 
Dankschreiben  bei  Reifferscheid,  Freundesbriefe  von  W.  und  J. 
Grimm  1878  S.  23  hervorgeht.1)  —  Inhalt:  A.  Ein  armer  Mann  sieht, 


*)  Wilhelm  Grimm  schreibt  am  29.  Mai:  'Unter  diesen  [Er- 
zählungen] gebe  ich  wieder  den  beiden  von  den  drei  Königstöchtern,  die 
erlöst  werden,  und  dem  Märchen  von  dem  Köterberg  den  Vorzug;  sie 
sind  auch  so  gut  erzählt,  daß  ich  nicht  gern  etwas  daran  ändern  möchte. 
Das  letztere  hat  eine  merkwürdige  Ähnlichkeit  mit  einer  orientalischen 
Erzählung  der  1001  Nacht.'     Vgl.  Bolte,  Zs.  f.  Volkskunde  25,  322. 


138  142.    Simeliberg. 

wie  Räuber  ihre  Schätze  in  einem  Berge  verstecken,  der  sich  auf  das 
Losungswort  'Berg  Semsi,  tu  dich  auf  und  'tu  dich  zu'  öffnet  und 
schließt,  und  eignet  sich  von  ihrem  Golde  an.  B.  Sein  reicher  Bruder, 
von  dem  er  sich  einen  Scheffel  zum  Geldmessen  leiht,  entlockt  ihm 
das  Geheimnis;  (C)  geht  gleichfalls  in  die  Höhle,  ruft  aber  'Berg 
Semeli'  statt  'Semsi'  und  wird  von  den  heimkehrenden  Räubern  um- 
gebracht. —  Die  Brüder  Grimm  erblickten  im  Semeliberg  eine  Ent- 
stellung von  Simeliberg,  das  sie  aus  dem  schweizerischen  Liede 
vom  Vreneli  ab  em  Guggisberg  (Spazier,  Wanderungen  durch  die 
Schweiz  1790  S.  340.  Kuhn,  Kühreihen  1810  S.  20.  Erk  -  Böhme, 
Liederhort  2,  237  nr.  420.  Greyerz,  Im  Röseligarte  1,  34  und  Schweizer. 
Archiv  f.  Volkskunde  6,  190.  16,  193)  kannten  und  in  einer  Fuldaer 
Urkunde  um  867  bei  Pistorius,  Berum  Germanicarum  veteres  scrip- 
tores  ed.  Struvius  1726  3,  632  wiederzufinden  glaubten.  Hier  aber 
ist  die  Rede  von  'montes,  qui  a  quibusdam  Similes  (d.  h.  die 
Gleichen),  a  quibusdam  vero  Steinberg  et  Bernberg  vocantur.'  Ob 
der  schweizerische  Bergname  von  simel  (mhd.  sinwel,  rund)  oder  von 
einem  Simon  (Schweiz.  Archiv  16,  196)  herstammt,  ist  streitig  ;  für  den 
deutschen  Ursprung  des  Märchens,  in  welchem  ja  Semeli  nur  als  eine 
Entstellung  von  Semsi  auftritt,  bietet  er  jedenfalls  eine  schwache 
Stütze.  Dieses  ist  vielmehr  gleich  den  weiterhin  zu  musternden 
Varianten  aus  dem  arabischen  Märchen  von  'Ali  Baba  und  den 
vierzig  Räubern'  geflossen,  an  das  W.  Grimm  sich  schon  1814  er- 
innert hatte ;  nur  der  Schluß,  die  durch  eine  kluge  Frau  vereitelte 
Rache  der  Räuber  am  Helden  (D),  fehlt.1) 

Am  Harz  wird  das  Märchen  nach  Otmar  (Volks-Sagen  1800 
S.  225)  von  der  Dummburg  oder  Hochburg  erzählt,  wo  Geister  statt 
der  Räuber  Schätze  hüten ;  doch  rührt  die  Lokalisierung  in  der 
Dummburg  wohl  nur  von  Otmar  her;  denn  Adalbert  Kuhn  hörte,  wie 
er  im  Literar.  Cbl.  1856,  839  berichtet,  einen  Knaben  aus  Heteborn, 
eine  halbe  Stunde  von  der  Dummburg,  das  Märchen  nicht  von  dieser, 
sondern  wie  in  vielen  andern  Gegenden  vom  Sesamberg  erzählen. 
Bei  Otmar  vergißt  der  habsüchtige  Nachbar  im  Berg  die  Formel 
'Türlein  öffne  dich'  und  besinnt  sich  nur  auf  die  andre  'Türlein 
schließe  dich'.  —  Entstellt  ist  die  schwäbische  Fassung  bei  Meier 
nr.  53  'Simson  tu  dich  auf  (in  der  Höhle  sind  Prinz  und  Prinzessin 
gefangen);  die  rheinländische  bei  Simrock,  Märchen  S.  279  nr.  62 


J)  Vgl.  G.  Polivka,  Zbornik  jslav.  12,  1—48  (Zs.  f.  Volksk.  18,  218). 


142.    Simeliberg.  139 

'Kleesam'  (9  B  C  D)  schließt  sich  dagegen  dem  arabischen  Vorbilde 
eng  an ;  die  kluge  Sklavin  Morgiane  ist  zur  listigen  Tochter  des  Holz- 
hackers Marianne  geworden.  Bei  Prökle,  M.  f.  d.  Jugend  S.  122 
nr.  30  'Sim-Sim-seliger  Berg'  (A  B  C  D)  leitet  ein  sprechender  Rabe 
den  Bauer  zur  Räuberhöhle.  Aus  Posen  bei  Knoop,  Ostmärkische 
Sagen  1,  157  nr.  78  'Die  Räuber  im  Walde'  (A  B  C  D.  'Eiche,  Eiche, 
goldens Knäuel,  öffne  dich').  Am  Urdsbrunnen  5,  151.  Aus  Pommern  : 
Bl.  f.  pomm.  Vk.  8, 89  nr.8  'Sesam,  tue  dich  auf  (AB  CD).  Aus  Ho  Ist  ein 
bei  Wisser,  Plattdeutsche  M.  S.  230  'Simson  tu  dich  auf ;  doch  wird 
das  Motiv  A  mit  den  nachts  Hafer  stehlenden  Unholden  und  dem 
Ritt  auf  den  Glasberg  verknüpft. 

Vlämisch:  Witteryck-Delplace  nr.  2  'De  twee  boomsnaiers' 
(A  C  D.  'Azarm  ga  open').  Cornelissen-Vervliet  nr.  27  'Kavie,  kavoe, 
ga  op  en  toe'  (A  B  C).  De  Mont  en  de  Cock,  Vertelsels  p.  331  'Van 
den  berg  Semzi  en  de  kabouters'  (A;  Berg  Semzi  und  Semini  ver- 
wechselt). —  Holländisch:  Volkskunde  17,  95  'Van  het  roovershol' 
(AB  CD.  'Halleluja  vlaig  oop'n')  nebst  zwei  Varianten  (statt  'See- 
zaad  open  u'  ruft  der  Bruder  des  Holzhackers :  'Koolzaad,  Raapzaad, 
Mosterdzaad  open  u').  —  Dänisch:  Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  129 
'Skattebjserget'  (Se  sä,  luk  dig  op).  Kristensen,  Fra  Mindebo  p.  138 
nr.  24  'Det  glemte  losen'  (A  C.  'Bjsergehimmel  luk  op').  — 
Schwedisch:  'Vedhuggaren  Ali  och  Massurs  röfwareband,  eller 
den  stora  skatten'  (Stockholm  1824  u.  ö.  Bäckström  3,  26).  Chauvin 
5,  82.  —  Norwegisch:  Berge  1914  S.  44  Dei  fyrretjuge  rovarane' 
(ABC.  Berg  blaa,  lat  deg  upp).  —  Isländisch:  Arnason  2,  9. 
Rittershaus  S.  228  nr.  55  'Die  zwölf  Käuber'  (A  B  C  D.  'Tu  dich  auf, 
mein  Stein').  —  Englisch:  Entertainment  for  the  nursery  1832 
p.  166  (aus  1001  Nacht).  ■ —  Französisch:  Carnoy,  Picardie  p.  273 
'La  caverne  des  sept  voleurs'  (A  B  C  D,  verbunden  mit  Elementen  des 
'Bürle'  nr.  61;  'Jean-Marie  porte,  ouvre-toi').  Orain,  Gallo  p.  257 
'Les  quarante  voleurs'  (AB  CD  'Je  suis  le  lievre  blanc,  ouvre-lui  sans 
crainte').  Revue  des  trad.  pop.  9,  107  'Secundum,  ouvre-toi'  (A  B). 
—  Italienisch:  Visentini  nr.  7  'La  fante  avveduta'  (A  B  C  D 
'Apriti  porta').  Nerucci  nr.  54  'Cicerchia  o  i  ventidua  ladri'  (A  C  D 
'Cicerchia,  apriti').  Ortoli  p.  137  'Le  tresor  des  sept  voleurs'  (A  B  C  D. 
'Serchia,  ouvre-toi').  Gonzenbach  2,  122  nr.  79  'Die  Geschichte  von 
den  zwölf  Räubern'  (A  C  'Grapiti,  cicca'j  und  2,  197  'Lu  cuntu  di  li 
du'  cumpari'  (ABC.  'Apriti,  cicca');  dazu  2,  251  und  Zs.  f.  Volks- 
kunde   6,  169.     Pitre,    Fiabe  sie.    2,  391     nr.  108    'Mastru   Juseppi' 


140  142.    Simeliberg. 

(A  C  D.  'Gräpiti  pipi').  Grisanti  2,  181  'Apriti  succerchio,  e  chiuditi 
succerchio'  (AB  CD);  vgl.  2,  18  L  'Apriti  succercliio,  e  chiuditi 
succerchio'  (AB  CD);  vgl.  2,  191  'Le  due  comari'  ('Apriti,  pipi'; 
sonst  abweichend).  Prato,  Romania  13,  173  nennt  noch  zwei 
Fassungen  aus  Livorno  'Apriti  cicerchia'  und  eine  aus  Messina  'I  due 
fratelli'.  —  Maltesisch:  Hg  1,  104  nr.  30  'Die  sieben  Räuber' (A  B  C, 
verbunden  mit  Motiven  der  beiden  Wandrer,  oben  2,  476.  'Falltüre, 
schließe  dich')  und  1,  109  nr.  31  'Der  Karren  Seegras'  (A  B  C  D, 
ebenso.  'Berg,  schließe  dich').  —  Mallorkinisch:  Ludwig  Salvator 
S.117  'Die  zwölf  Diebe' (A  B  C  D. 'Öffne  bitsoch').  —  Katalanisch: 
Maspons  y  Labrös,  Rondallayre  2,  64  m\  14  'Los  lladres'  (A  B  C  D 
'Abrete  pefia').  —  Portugiesisch:  Athaide  Oliveira  1,  292  nr.  129 
'0  thesouro  escondido'  (A  C  D.  'Abre-te  Semsam').  —  Griechisch 
aus  Lesbos:  Folk-lore  7,  155  'The  forty  thieves'  (ADBC  'Ach  Ka- 
rakiz',  'Kapla  Karakiz',  dazu  Menschenfleischprobe  wie  oben  2,  254 
und  vergessene  Braut).  Kretschmer,  Lesb.  Dialekt  S.  514  nr.  17  = 
Kretschmer,  Neugriech.  Märchen  nr.  7  'Die  vierzig  Schläuche'  (A  C  D). 
Geldart  p.  9  'The  two  brothers  and  the  forty-nine  dragons' (A  B  C  D). 
Das  kyprische  Märchen  vom  Trimmatos  bei  Sakellarios  nr.  1  (oben 
1,  402)  enthält  nur  das  Motiv D.  —  Aromunisch:  Weigand  2,  257 
nr.  124  'Ali  Baba  und  die  vierzig  Räuber'  (A  C  D ;  ein  Knabe  sticht, 
um  zu  naschen,  in  die  Honigschläuche).  —  Serbokroatisch  aus 
Kroatien:  Valjavec  S.  204  nr.  29  (A  B  C  D ;  Gott  weist  den  Armen 
zu  der  Hütte  der  zwölf  Räuber).  Strohal  3,  141  nr.  3  (A  B  C  D.  'Tor 
öffne  dich,  Tor  schließe  dich').  M.  Stojanovic,  Pucke  pripov.  S.  59 
nr.  2  (ABC;  ein  Greis  lehrt  den  Armen  den  Zauberspruch).  Aus 
Bosnien:  Tordinac  S.  22  nr.  8  (drei  Brüder.  A  B  D).  Aus  Montenegro  : 
Krauß,  Tausend  Sagen  1,  105  nr.  33  'Der  Schatz  in  dem  Häuschen'.  — 
Bulgarisch  aus  Mazedonien :  Sapkarev  S.  7  nr.  6  (zwei  Diener  einer 
menschenfressenden  Prinzessin  ;  A  B  C  D).  S.  327  nr.  185  (Eiche  öffne 
dich!  ABCD).  —  Slowenisch  aus  Görz :  Gabrscek  S.  280  nr.  36 
(Trink  nicht  den  Branntwein  auf  dem  Tische!  ABCD).  —  Cechisch 
aus  Mähren:  Miksicek  1,  99  nr.  10  'Die  Ölfässer  (ABCD).  Mensik, 
Jemnic.  S.  88  nr.  29  (ABCD)  =  Yäclavek,  Poh.  a  pov.  z.  morav. 
Val.  2,  1 1  nr.  3.  Kulda  3,  61  nr.  6  (Zwei  Gevattern ;  Zentrum  öffne  dich ! 
A  B  C).  Pfikryl  S.  411  (A  D).  Aus  Böhmen :  Radostov  1,  14  =  2.  Aufl. 
1, 113('Sesäno  öffne  dich',  A  B  C  D).  Hsl.  Sammlung  des  Y.  Pfihoda  nr.  12 
(AD,  dann  Mageionensage).  Kubin,  Podkrkonosi  nr.41.  156.  Aus  Glatz  : 
Kubin  2, 1  LI  nr.  28  (Mana  öffne  dich !  A  B  C).    Ebd.  1,  78  nr.  40  (A.  Siselo 


142.    Simeliberg.  141 

heraus!  oder:  Sezamo  heraus!).  1,  91  nr.  48  (Livacor  d.  i.  Rübezahl 
schlägt  mit  einem  Stock  an  den  Felsen :  Sezamo  öffne  dich !  und  heißt 
den  Bauer  sich  Edelsteine  nehmen).  2,  88  nr.  23  (Beräno  öffne  dich ! 
Ein  Wagen  voll  Dukaten  fährt  heraus).  2,  52  nr.  19  (Rebeno  öffne 
dich!).  —  Slowakisch:  Dobsinsky  3,  67  (Hopsa  horsa,  Erde  öffne 
dich!  AB  CD).  Sbornik  mus.  slov.  spol.  1,  168  (Sonne,  Mond,  Sterne 
öffne  dich!  AB  CD).  16,  20  nr.  15  (Esion  öffne  dich!  A  B  C  D).  — 
Kaschubisch:  Bronisch  S.  40  nr.  3  (Cuyzama  öffne  dich!  AB  CD). 
Lorentz,  Teksty  S.  601  nr.  740.  —  Polnisch:  In  einem  von  Dobrowsky 
von  1822  den  Brüdern  Grimm  mitgeteilten  Märchen  haben  Räuber  ihr 
Raubnest  in  einer  Höhle.  Die  Höhle  öffnet  sich,  sobald  sie  sagen:  'Öffne 
dich, Felsen,  angelweit !'  Ein  Dummer  bemerkt  es  und  sagt  es  ihnen  nach. 
Aus  Posen  :  Kolberg,  Lud  14,  137  nr.  27  (Figa  Berg  öffne  dich !  A  B  C  D). 
Oberschlesien :  Mitt.  der  schles.  Ges.  f.  Vk.  6, 45  nr.  3.  Österr.-Schlesien : 
Malinowski  1,  46  (Efata.  ABC  D).  Aus  dem  Krakauer  Land :  Kol- 
berg, Lud  8,  84  nr.  32  (Susanna  öffne  dich !  ABC  D).  Ciszewski, 
Krakowiacy  S.  99  nr.  78  (Öffne  dich  Salsemo !  ABC).  S.  100  nr.  79 
(ABC).  S.  101  nr.  80  (A  B  C  D).  S.  102  nr.  81  (Cezanna  öffne  dich. 
ABC,  die  kartenspielenden  Räuber  mit  heißem  Öl  begossen).  S.  104 
nr.  82  (Cezanna  öffne  dich.  ABC).  S.  105  nr.83  (Öffne  dich  Siezama! 
AB  CD).  S.  105  nr.  84  (Cezama  öffne  dich!  AB  CD).  AusGalizieu: 
Zbiör  5,  263  nr.  64  (Sezami !  A  B  C  D).  5,  52  nr.  37  (Diamant !  A  B  C  D). 
Mater,  antropol.  6,  388  nr.  56  (ein  armes  Mädchen,  ABC,  Räuber- 
bräutigam, Flucht  der  Braut).  6,  400  nr.  61  (Babilon !  A  B  C  D). 
Wisla  12,  732  nr.  13  (Öffne  dich !  ABC).  Aus  dem  Gouv.  Plock : 
Chetchowski  1,  183  nr.  29  (Alibaba.  Sadzamin  öffne  dich!  B  C  D. 
Die  Tochter  heißt  Maryjanna).  —  Kleinrussisch  aus  Nord un gar n : 
Etnogr.  Zbirnyk  3,  108  nr.  39  (ABC;  12  Räuber,  durch  die  Wache 
festgenommen).  Aus  Galizien :  Siemienski,  Podania  i  legendy  polskie 
S.  104  nr.  101  'Die  Höhlen  im  Schwarzen  Berge'  =  Woycicki,  Klechdy 
1837  1,  114  =  3.  Aufl.  S.  161  =  Woycicki-Lewestam  S.  52  'Die 
Grotten  im  schwarzen  Berge'  (A  B  C.  'Türlein,  tu  dich  auf).  Baliiiski- 
Woycicki,  Powiesci  ludowe  1842  S.  99  (der  Fels  öffnet  sich  dem, 
der  auf  die  Frage  Wie  lebst  du,  wie  ißt  und  trinkst  du?'  ant- 
wortet: 'Ich  lebe  kein  Leben,  esse  mich  nicht  satt  und  trinke  un- 
schuldiges Blut' ;  so  wird  eine  geraubte  Prinzessin  befreit).  Aus 
Gouv.  Kijev:  Rudcenko  2,  139  nr.  33  (Tür  öffne  dich!  AB  CD) 
—  Weißrussisch  aus  dem  Gouv.  Mogilev:  Romanov  3,  312  nr.  66 
(zwölf  Räuber,  A  B  C  D  ;  dankbare  Toten  retten).  3,  317  (Sofijin  öffne 


142  142.    Simeliberg. 

dich!  Tochter  entdeckt  die  Räuber  in  den  Fässern).  —  Groß- 
russisch aus  dem  Gouv.  Perm:  Afanasjev  2,  305  nr.  201  (Türen 
öffnet  euch !  A  B  C  D).  Chudjakov  3,  93  nr.  100  (Tür  öffne  dich ! 
A  B  C  D).  Aus  Moskau:  Cudinskij  S.  41  nr.  4  (Alibaba  und  sein 
Bruder  Mustafa,  Hauptmann  beim  Tanz  erstochen.  ABC  D).  — 
Litauisch:  Jurkschat  1,  76  nr.  38  'Berg,  tu  dich  auf  (A.  Ein 
Mädchen  anstelle  des  Helden).  Eine  ausführlichere  Fassung  teilte 
Hugo  Weber  in  Eisenach  1891  an  Reinhold  Köhler  mit:  Es  waren 
eine  reiche  und  eine  arme  Schwester.  Als  der  Mann  der  armen 
Schwester  eines  Abends  auf  die  Jagd  ging,  sah  er  zwölf  Männer 
kommen  und  verkroch  sich  ins  Gebüsch.  Da  hörte  er  sie  sagen : 
'Berg  Minsel,  tu  dich  auf !'  Da  öffnete  sich  der  Berg,  sie  gingen 
hinein  und  kamen  nicht  lange  danach  wieder  heraus.  Der  Jäger 
wartete,  bis  sie  weit  weg  waren,  und  sprach,  wie  jene  gesprochen 
hatten:  'Berg  Minsel,  tu  dich  auf!'  Der  Berg  öffnete  sich,  und  er 
trat  ein,  fand  einen  Haufen  Geld  und  füllte  damit  Taschen  und 
Mütze.  Daheim  angekommen,  sandte  er  seine  älteste  Tochter  zu  der 
reichen  Schwägerin  und  bat  sie,  ihm  einen  halben  Scheffel  zu  leihen; 
als  er  ihn  zurückschickte,  bestrich  er  den  Boden  mit  Teer  und  ließ 
einige  Dukaten  daran  ankleben.  Da  lief  die  reiche  Frau  zum 
Schwager  und  setzte  ihm  mit  Fragen  solange  zu,  bis  er  ihr  das  Ge- 
heimnis der  Räuberhöhle  entdeckte.  Am  andern  Morgen  kam  der 
reiche  Schwager  mit  einigen  Eseln  angeritten  und  forderte  den  Jäger 
auf,  mit  ihm  zu  dem  Berge  zu  gehen.  Beide  holten  sich  dort  Schätze  ; 
als  aber  am  folgenden  Tage  der  Reiche  wieder  mit  seinen  Eseln  er- 
schien, sagte  der  Jäger:  'Ich  habe  nun  genug;  ein  drittes  Mal  zu 
gehn  gibt  ein  Unglück.'  Da  machte  sich  der  andre  allein  auf  den 
Weg,  ließ  die  Esel  vor  dem  Berg  stehn  und  füllte  drin  die  Säcke ; 
aber  wie  er  zur  Tür  hinauswollte,  hatte  er  das  Wort  vergessen.  Die 
Räuber  kehrten  heim,  fanden  ihn  und  rissen  ihn  in  Stücke  und 
hieben  den  Eseln  die  Köpfe  ab.  — ■  Lettisch:  Treuland  S.  280 
nr.  138  (Wachse  Berg 'Kalns  augüt',  öffne  dich  !  ABC).  —  Finnisch: 
Aarnes  Register  nr.  676.  —  Magy  arisch:  Horger  nr.  48.  — 
Türkisch:  Künos,  Stambul  S.  231  'Der  arme  und  der  reiche  Bruder' 
(A  C.  Vierzig  Dews.  Tschanga  und  Tschunga);  vgl.  Ungarische  Revue 
1888,  334.  Jubilej  Sbornik  Millera  S.  197  nr.  42. 

Die  arabische  Gestalt  des  Märchens  'Ali  Baba  und  die 
vierzig  Räuber'  gehört  zu  den  Geschichten  in  Gallands  'Mille  et  une 
nuits'  (1712),  für  die  bis  vor  kurzem  keine  arabische  Vorlage  bekannt  war 


142.    Simeliberg.  143 

(Chauvin  5,  79.  Habichts  Übersetzung  1840  9,  3.  13,  306.  Henning 
21,  59  nach  Burton  1894  10,  209;  vgl.  Zotenberg,  Notices  et 
extraits  28,  1,  196.  199  f.  1888);  erst  D.  B.  Macdonald  hat  im 
Journal  of  the  R.  Asiatic  Society  1910,  1,  327.  1913,  1,  41  einen 
arabischen  Text  aus  einer  Oxforder  Hs.  herausgegeben,  den  Nöldeke 
Zs.  f.  Assyriologie  28,  242  bespricht.  Ali  Baba,  ein  armer  Holz- 
hacker, hört  auf  einem  Baume  sitzend,  wie  vierzig  Räuber  einen 
Felsen  durch  das  Zauberwort  'Sesam  tu  dich  auf  öffnen,  dringt 
selber  dort  ein  und  belädt  seine  drei  Esel  mit  dem  gefundenen 
Golde.  Seine  Frau  will  dieses  messen  und  leiht  dazu  von  seinem 
reichen  Bruder  Kasim  ein  Maß  (Wagschale).  Kasims  Frau  aber 
streicht  aus  Neugier  etwas  Talg  auf  dessen  Boden  und  findet  ein 
Goldstück  festgeklebt.1)  Kasim  nötigt  nun  seinen  Bruder,  ihm  das 
Geheimnis  zu  entdecken,  und  zieht  mit  zehn  Eseln  zu  der  Höhle, 
vergißt  aber  das  Zauberwort  und  wird  von  den  zurückkehrenden 
Bäubern  überrascht  und  gevierteilt.  _  Ali  Baba,  der  auf  Bitten  seiner 
Schwägerin  ihm  nachgeht,  holt  Nesims  Leichnam  und  läßt  ihn 
feierlich  bestatten,  nachdem  auf  den  Bat  seiner  klugen  Sklavin 
Morgiane  (Mardschäne)  ein  Flickschuster  (Schneider),  den  sie  mit 
verbundenen  Augen  ins  Haus  führt,  die  Stücke  des  Toten  zusammen- 
genäht und  den  Verdacht  eines  gewaltsamen  Endes  entfernt  hat. 
Aber  dem  Bäuberhauptmann  gelingt  es  mit  Hilfe  jenes  Schusters 
Kasims  Haus  ausfindig  zu  machen,  wobei  Morgiane  zweimal  das 
Kreidezeichen  an  der  Tür  entdeckt  und  die  Nachbarhäuser  auf 
gleiche  Weise  zeichnet.  Er  verkleidet  sich  als  Kaufmann  und  bittet 
Ali  Baba  um  Herberge  für  sich  und  seine  neunzehn  mit  Ölschläuchen 
beladenen  Maultiere.  Wiederum  entdeckt  Morgiane,  welche  nachts 
öl  für  ihre  Lampe  bedarf,  daß  in  den  Schläuchen  37  Bäuber  stecken 
und  nur  ein  Schlauch  Ol  enthält;  sie  siedet  dies  und  gießt  es  in 
die  Schläuche,  sodaß  die  Räuber  alle  umkommen.  Nur  der  Haupt- 
mann entrinnt  und  kehrt  in  andrer  A^erkleidung  zurück;  da  er  beim 
Mahle  Speisen  ohne  Salz  verlangt  (um  nicht  durch  den  Genuß  davon 
zur  Schonung  seines  Wirtes  verpflichtet  zu  werden),  schöpft  Morgiane 
Verdacht,  erkennt  den  Bäuber  und  erdolcht  ihn.  Zum  Lohne  ver- 
mählt Ali  Baba  sie  mit  seinem  Sohne  (Neffen). 


a)  Das  zum  G-eldmessen  entliehene  Scheffelmass  begegnet 
oben  1,  520.  2,  6  und  in  einigen  Varianten  zu  nr.  33a  and  61.  Vgl. 
R.  Köhler  zu  Gonzenbach  2,  2442.  2512  und  Zs.  f.  Volksk.  6,  69.  Chauvin 
5,  83*. 


144  142.    Simeliberg. 

Diese  arabische  Erzählung  ist  seit  dem  Ende  des  18.  Jahr- 
hunderts in  deutschen,  niederländischen,  schwedischen,  englischen, 
französischen,  spanischen,  polnischen  und  russischen  Volksbüchern1) 
verbreitet  und  wiederholt  für  die  Bühne  bearbeitet2)  worden.  Aus 
dem  Volksmunde  noch  arabisch:  Burton  8,  234  und  Caise,  'Le 
bücheron  et  le  genie'  (Feuilleton  du  Teil  1893,  221  nach  Chauvin 
4,  86),  Desparmet  1,  183  'La  caverne  des  ghouls'  (A  C  D.  Ouvre 
toi  Elqcibra).  Indisch  aus  Kaschmir:  Knowles  p.  267  'The  robbers 
robbed'  (A  C  D).  Von  den  Tagalogs  auf  den  Philippinen :  Journal 
of  amer.  folklore  20,  113  nr.  12  'The  fifty-one  thieves'  (A  C  D,  'Open 
the  door').  Afrikanisch:  Tremearne,  Hausa  superstitions  p.  204 
nr.  14  'Dodo,  the  robber  and  the  magic  door'.  Held,  M.  der  afrikan. 
Neger  S.  67  'Die  fliehenden  Kinder'  (Hererosage).  —  Bei  den 
afrikanischen  Negerstämmen  ist  die  Geschichte  zur  Tierfabel 
geworden.  Bei  den  Masai  (Hollis,  The  Masai  1905  p.  212)  ruft  der 
Hase  vor  der  Höhle  der  Löwin  Tels,  tu  dich  auf  und  'Fels  schließe 
dich',  die  Hyäne  aber  ahmt  ihm  zu  ihrem  Unheil  nach.  Merker, 
Die  Masai  1904  S.  215  (Schakal).  Nassau,  Fetichism  in  West-Africa 
1904  p.  358  'The  thieves  and  their  enchanted  house'.  Basset, 
Afrique  p.  217  'Le  lezard  et  la  tortue'  (Pierre,  ouvre-toi)  =  Bouche, 
Etüde  sur  la  langue  nago  1880  p.  43.  Frobenius,  Der  schwarze 
Dekameron  S.  202  (Reineke  und  Gierschlung.  'Kurie',  'Kurkib'. 
Aus  dem  Sudan)  und  278  (Kongo).  Aus  Jamaika:  Jekyll  p.  23 
'Black-bird  and  woss-woss';  p.  120  'Open  Sesame'. 

Nach  Nöldeke  (Zs.  f.  Ass}rriologie  28,  250)  stammt  das  durch 
Gallands  maronitischen  Gewährsmann  Hannä  und  die  um  1800  ent- 
standene Oxforder  Hs.  überlieferte  Märchen  aus  Syrien  und  ist 
schwerlich  sehr  alt.  Eine  allgemeine  Ähnlichkeit  mit  der  berühmten 
Geschichte  vom  Schatzhaus  des  Rhampsinit  (unten  zu  nr.  192)  läßt 
sich  nicht  verkennen:  hier  wie  dort  ein  Einbruch  in  die  wohl- 
verwahrte   Schatzkammer,    beim    zweiten    Raube   Tötung    des    einen 


*)  Chauvin  5,  79.  Polnisch:  Galland  Antoni  Tysiae  Nocy  i  jedna 
1768,  1772  u.  ö.    Russisch:  1763,  1771. 

2)  Pixerecourt,  Ali  Baba  ou  les  quarante  voleurs,  melodrame  1822. 
Opern  von  Marschner  um  1822  (Text  von  Th.  Hell),  Crusell  (Silla  slaf  vinnan 
1824,  nach  Pixerecourt),  Cherubini  (Ali  Baba  1833;  Text  von  Scribe  und 
Melesville,  nach  einer  hsl.  Oper  Koukourgi  1793),  Bottesini  (1871),  J. 
Strauß  (Indigo;  Text  von  M.  Steiner.  1871),  A  Lecocq  (1-87.  Text  von 
Vanloo  und  Busnach). 


143.    Up  Reisen  gohn.  145 

Diebes,  darauf  Bergung  seines  Leichnams  durch  seinen  Bruder  und 
endlich  Vereitelung  der  Entdeckung  durch  verschiedene  Listen.1) 
Nur  ist  hier  die  Rolle  des  Meisterdiebes  auf  den  biederen  Ali  Baba 
und  seine  gewitzte  Magd  verteilt. 

Die  Entdeckung  und  Tötung  der  in  Fässern  (Schläuchen) 
versteckten  Räuber  begegnet  auch  in  verschiedenen  Fassungen 
des 'Räuberbräutigams'  (oben  1,  372):  Andrews,  C.  ligures  nr.  43  'La 
femme  du  voleur',  polnisch  bei  Chetchowski  1,  15  nr.  1  (Sezam  öffne 
dich),  kaschubisch  bei  Lorentz,  Teksty  S.  601  nr.  740  (zwölf  ölfässer)  und 
S.  607  nr.  748,  litauisch  bei  Schleicher  S.  22  nr.  11.  Dieselbe  List  wird 
in  einer  holsteinischen  Sage  bei  Müllenhoff  nr.  7  (Säcke),  im  weiß- 
russischen Märchen  bei  Federowski  3,  43  nr.  91  und  in  einem  klein- 
russischen Liede  auf  die  Eroberung  von  Asow  berichtet ;  vgl.  Drago- 
manov,  Rozvidky  1,  129.  Russkij  filolog.  Vestnik  56,  38.  63.  120. 
Arabisch  von  der  Einnahme  von  Samarkand  und  andern  Städten 
(Revue  des  trad.  pop.  13,  243  nr.  99  mit  Anm.  Mas'oudi,  Prairies 
d'or  ed.  Barbier  de  Meynard  3,  189.  Revue  africaine  1886,  308). 
Ägyptisch  bei  Maspero  1889  p.  147  'Comment  Thoutii  prit  la  ville  de 
Joppe'  (Soldaten  in  Tongefäßen).  Auch  die  Eroberung  Trojas  ver- 
mittels des  hölzernen  Pferdes  in  der  Iliupersis  gehört  schließlich 
hierher. 


145.   Up  Reisen  gohn.  lese  s.  226. 

1819  nr.  143,  aus  dem  Münsterland;  eingesetzt  für  1815 
nr.  57  'Die  Kinder  in  Hungersnot'  (unten  nr.  143a). 

Eine  andere  Erzählung  aus  dem  Paderbör  nisch  en  (vor  1822) 
enthält  neue  Scherze: 


x)  Wie  Morgiane  das  Kreidezeichen  an  der  Haustür  verviel- 
fältigt, so  tut  es  der  Meisterdieb  in  verschiedenen  unten  zu  nr.  192 
angeführten  Märchen ;  auch  der  dienstbare  Geist  Aladdins  mit  der 
Wunderlampe  (oben  2,  541)  handelt  so.  Archiv  f.  slav.  Phil.  27, 
622  (vom  klugen  Knaben).  Bei  Grimm,  DS.  nr.  404  und  Boccaccio, 
Dec.  3,  nr.  2  schneidet  der  durch  Abschneiden  einer  Locke  ge- 
kennzeichnete Stallknecht  König  Agilulfs  allen  seinen  schlafenden 
Genossen  ebenfalls  eine  Locke  ab;  kan aresisch  bei  Clouston  2,  164. 
Chauvin  5,  832.  7,  116.  Bei  Junod,  Bas-Ronga  p.  161  verteilt  Moutipi  die 
Perlen  seines  Halsbandes  an  andre  Knaben,  um  der  Ermordung  zu  ent- 
gehen. 

Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III.  10 


146  143.    XJp  Reisen  gohn. 

Et  was  wol  en  dummer  Jungen,  de  däh  jommer,  wat  em  sine 
Möhrne  heiten  hadde,  men  jummers  unrecht.  As  he  sick  nu  vermehet 
(vermietet)  hadde,  segde  em  sin  Heer,  he  mög  up't  Feld  gähn  un  säen 
un  seggen  dabie:  'Alle  Jahre  hundertfältige  Früchte  !'  He  gänk  hen,  do 
gaimen  da  grade  Luhe  met  ener  Lieke  (Leiche),  do  segde  he:  'Alle  Jahre 
hundert!'  As  dat  de  Luhe  hören,  gaven  se  em  wat  drup.  He  quam  to 
Huus  un  säe  to  de  Möhme:  'O  Möhme,  wo  hat  miegahen!  Ick  heve  dohn, 
wat  mie  min  Heer  heiten  hat.'  Do  sehde  de  Moder:  'Häddest  motten 
seggen,  sie  ruhe  in  Frieden!'  He  gänk  wedder  hen,  darup  quam  da  en 
Filier  (Schinder)  her  met  en  daut  Pferd,  do  segde  he  wedder:  'Sie  ruhe 
in  Frieden !'  De  Filier  verstand  dat  unrecht  und  gav  em  wat  drup.  He 
gänk  wedder  na  Hues  un  klaget  sine  Möhme,  da  säe  se:  'Du  hättest 
müssen  sagen,  weg  mit  dem  Aas !'  He  gänk  up  en  andermal  wedder 
up't  Feld,  as  da  grads  Hochtitsluhe  herkeimen,  do  fänk  he  an:  'Weg  met 
dat  As!'  Se  prugelnt  en  dugent  (tüchtig)  dur.  '0,  Möhme,'  säg  he 
wedder,  'wo  ist  mie  gahen'  un  vertelde.  Se  säg:  'Hättest müssen  sagen, 
hier  ist  Lust  und  Freude.'  He  gänk  hen,  up  sinen  Wege  sah  he,  dat  en 
Hues  brenne,  do  fänk  he  wedder  an:  'Hier  ist  Lust  und  Freude!'  Do 
kregens  her  un  prügeln  en;  do  he  dat  sine  Moder  klaget  hadde,  säe  se: 
'Hättest  müssen  einen  Eimer  voll  Wasser  nehmen  und  ausgießen  helfen.' 
Do  dachte  he,  as  he  da  bie  de  Immenkörbe  kam,  an  den  Emmer  mit 
Water  un  gütt  se  daut.  De  Herr  van  de  Immen  nahm  en  Stoek  un 
fegede  em,  dat  he  leip.  '0  Möhme,  wo  schlecht  ist  miegahen!'  Se  säe: 
'Hättest  müssen  sagen,  gib  mir  was  mit!'  Dor  quam  he  mol  bie  enen 
Kohstall  vorbie,  de  wurde  juste  utemistet,  do  nahm  he  sinen  Petzel  (Kappe) 
af  un  säe:  'Giv  mie  wat  met!' 

Der  Schwank  von  dem  Einfältigen,  der  Worte,  die  ihm  für 
einen  bestimmten  Fall  gelehrt  sind,  bei  dem  ersten  besten,  durchaus 
nicht  passenden  Fall  anwendet  und  dann  die  ihm  für  diesen 
empfohlenen  wieder  bei  einem  unpassenden,  begegnet  in  verschiedenen 
Einkleidungen.1)  Zuerst  um  1560  bei  Montanus,  Gartengesellschaft 
cap.  50  'Ein  Narr  wollt  ein  Sack  mit  Mehl  in  der  Mühlen  holen' 
(Schwankbücher  1899  S.  301,  vgl.  S.  602)  und  danach  lateinisch  bei 
Hulsbusch,  Sylva  sermonum  iucundissimorum  1568  p.  26.  Neuerdings 
aus  Tirol  bei  Zingerle  2,  10  'Der  Gang  zur  Apotheke' ;  aus  Sieben- 
bürgen bei  Haltrich4  nr.  68  'Wie  soll  ich  denn  sagen '?' ;  aus  Nieder- 
österreich bei  Leeb  1,  130  nr.  194  'Der  vergessene  Nix'  und  in 
Blümmls  Beiträgen  zur  deutschen  Volksdichtung  1908  S.  123  'Die 
Nixschwämme';    aus    Hessen    bei    Hoffmeister    S.  96   'Vom  Juden- 


*)  Andre  Narrenstreiche  oben  1,  320  f. 


143.    Up  Reisen  gohn.  147 

jungen';  aus  Hannover  bei  Busch  S.  35  nr.  16  'Der  dumme  Hans' ; 
Colshorn  nr.  19  'Wurst  wider  Wurst'  =  v.  Harten-Henniger  1,  99;  aus 
Mecklenburg  bei  Wossidlo,  Reuter  S.  207  'Döshans';  aus  Rügen  bei 
Haas  1903  nr.  220  =  1912  nr.  225  'Von  den  Jung,  de  Nicks  halen  sull'.— 
Niederländisch:  Lootens  nr. 4  =  Germ.  14,  88  'Aus  einem  Körnchen 
drei';  Joos  2,  155  nr.  48  'Van  nen  Jongen  en  zijne  aardige  Woorden'. 
2,  157  nr.  49  'Van  Riksken  die  naar  Leuven  gong'.  2,  159  nr.  50 
'Van  nen  Jongen  die  verkeerd  handelt'.  Cornelissen-Vervliet  nr.  39 
'Van  lompen  Toon' ;  de  Mont  en  de  Cock,  Vertelsels  p.  264  'Van  den 
Jongen,  die  altijd  verkeerd  sprak'.  —  Dänisch:  Grundtvig,  Minder 
1,  104  'Den  tossede  Dreng'  und  hsl.  Register  nr.  109  'Tossen'; 
Kristensen,  Aev.  2,  177  nr.  23  'Drengens  Rejse  til  Melle'  =  Stroebe 

1,  164;  3,  241  nr.  43  'Den  tossede  Karls  Giftermaal';  Skattegraveren 
11,  192  'Den  tossede  Karl'  und  12,  216  'Drengens  Mollerejse'.  Ein 
ähnliches  Gespräch  bei  Kristensen,  Dyrefabler  S.  215  und  Bondeson, 
Sv.  folksagor  nr.  16.  —  Schwedisch:  Bondeson,  Sv.  folksagor  nr.  17 
'Den  dumme  pojken'.  Bondeson,  Hall,  sagor  nr.  30  'Mäldapägen'. 
Hazelius  S.  89  'Aldrig  tili  lags'.  —  Norwegisch:  Asbjörnsen-Moe 
nr.  87  'Galematthis'.  —  Isländisch:  eingemischt  in  die  der  Er- 
zählung Saxos  von  Amleth  zu  vergleichende  Brjämssaga  bei  Arnason 

2,  505  =  Poestion  nr.  13;  vgl.  Maurer  S.  287  und  Rittershaus  S.  429 
nr.  122;  doch  auch  selbständig  bei  Rittershaus  S.  431.  —  Englisch: 
Jacobs  2,  195  nr.  84  'Stupid's  cries'.  Hartland,  Folk  tales  p.  257 
'Stupid's  mistaken  cries'  =  Folk-lore  Record  3,  2,  153.  Journal  of 
am.  folk-lore  3,292  'The  forgetful  boy'.  —  Irisch:  Kennedy,  Fire- 
side  stories  p.  30  'The  unlucky  messenger'.  —  Französisch: 
Sebillot,  C.  de  la  Haute-Bretagne  1,  229  nr.  34  'Comment  il  arrive 
malheur  ä  Jean  le  diot'.  Revue  des  trad.  pop.  9,  347  'Jean  le  diot'. 
11,  321  'De  mal  en  pis  comme  Tribuet'.  20,  94  'Jean  l'innocent'. 
Wallonia  1,  197.  Gittee-Lemoine  p.  86  'Le  cornacu'.  Melusine  1, 
110  'Jacques  l'idiot'.  Tradition  21,  198.  Revue  des  trad.  pop.  23, 
350  'Le  grand  nigaud'.  Moncaut  p.  101  'Ambreise  le  sot'.  Blade  3, 
137  =  1867  nr.  7  'Le  voyage  de  Jeannot'.  Carnoy,  Picardie 
p.  186  'Pierrot  Sans  memoire'.  —  Italienisch:  Balladoro 
p.  71  nr.  64  'Na  quarta'.  Rivista  delle  trad.  pop.  it.  1,  358. 
Archivio  10,  48  nr.  2.  Pitre,  Fiabe  sie.  3,  362  nr.  190,  7  'Giufä  e 
la  ventri  lavata'  =  Monnier  p.  13.  —  Katalanisch:  Maspons  1,  79 
'Lo  beneyt'.  —  Mallorkinisch:  Ludwig  Salvator  S.  125  'Der 
Magenpeter'.     Alcover  1,  21  'Un  festetjador.  1,  145    'En  Pere  de  sa 

10* 


148  143.   Up  Reisen  gohn. 

butza'.  —  Portugiesisch:  Coelho  1879  nr.  53  'Os  simplorios' 
(Davon  leere  ich  sieben  am  Tage,  soll  die  heiratsfähige  Tochter  sagen, 
wenn  sie  einen  Rocken  voll  Flachs  sieht;  sie  sagt  es  aber  vor  einem 
Napf  voll  Wein).  —  Rumänisch:  S^äinenu  p.  942.  —  Griechisch: 
Hahn  nr.  111  'Der  dumme  Junge,  welcher  Geld  gewinnt'. —  Serbo- 
kroatisch: Krauß  2,  238  nr.  107  'Pavluha'  (dazu  Grimm  nr.  32). 
Vuk  Vrcevie,  Pripovijetke  po  najvise  kratke  S.  77  nr.  173.  Bos.  Vila 
6,  219.  11,  324.  12,  108.  Zbornik  jsl.  16, 139  nr.  16.  19,  98  nr.  53.19, 
353  nr.  4.  —  Bulgarisch:  Sapkarev  8 — 9,308  nr.  170.  Sbornikmin. 
14, 114  nr.  5. —  Böhmisch:  Popelkova  S.56  (Leinwand  an  eine  Heiligen- 
statue verkauft;  dann  ähnlich  unsrer  nr.  32).  Vaclavek,  Val.  poh.  a 
pov.  2,  17  nr.  3.  Mensik,  Jemnic.  S.  337.  Pfikryl  S.  278.  — 
Slovakisch:  Dobsinsky  7,  10  nr.  7.  —  Polnisch:  Kolberg,  Lud 
8,  199  nr.  80  (dazu  Grimm  nr.  59).  Malinowski  2,  38  (desgl.).  Chel- 
chowski  2,  81  nr.  72.  Wisla  19,  390  nr.  4.  Mater,  kom.  jezyk.  1,  32. 
—  Kleinrussisch  aus  Galizien  gereimt:  Etnogr.  Zbirnyk  5,  224. 
Zs.  Kievskaja  Starina  70,  2,  89  (desgl ).  Cubinskij  2,  439  nr.  12 
(Prosa).  Malinka  S.  361  nr.  79.  Manzura  S.  80  nr.  53.  Mater, 
antropol.  2,  51  nr.  23  (Gouv.  Wolhynien).  Etnograf.  Zbirnyk  6,  342 
nr.  680  (aus  Galizien;  dazu  Grimm  nr.  59).  Suchevye  S.  150  nr.  87. 
Weiß  russisch:  Romanov  3,  424  nr.  24.  Sejn  2,  236  nr.  109.  110. 
Federowski  3,  95  nr.  185.  3,  245  nr.  487.  —  Großrussisch:  eine 
gereimte  Bearbeitung  aus  dem  18.  Jahrh.  steht  in  der  Sammlung  des 
Kirsa  Danilov  hsg.  von  P.  Scheffer  1901  S.  167;  ein  neueres  Lied 
aus  Twer  in  Sejns  Russischen  Volksliedern  1,  279;  vgl.  Sumcov, 
Anekd.  S.  113.  Prosaisch  Afanasjev3  2,  366  nr.  226  a — b  =  Leger 
p.  231  =  Clouston,  Book  of  noodles  p.  128.  Chudjakov  2,  116 
nr.  69.  Ivanickij  S.  202  nr.  35.  Oncukov  S.  321  nr.  134.  — 
Lettisch:  Zbiör  wiadom.  18,  264  nr.  14.  —  Estnisch:  Zs.  Walgus 
1891  nr.  18  (Pola,  in  Versen);  vgl.  Etnogr.  Obozr.  15,  2,  45.  — 
Ungarisch:  Kriza  nr.  8  =  Jones-Kropf  p.  80  'The  children  of  two 
rieh  men'.  —  Georgisch:  Wardrop  p.  165  nr.  8  'The  fool's  good 
fortune'.  —  Türkisch:  Wesselski,  Nasreddin  1,  223  zu  nr.  57.  381 
(Kuh  und  Jungfrau  angepriesen).  —  Arabisch:  1001  Tag  übersetzt 
durch  v.  d.  Hagen  5,  108  (1827.  Xallun);  vgl.  Chauvin  7,  155.  — 
Hürkanisch:  Schiefner,  Mem.  de  l'acad.  de  St.  Petersbourg  7.  serie 
17,  8  S.  96  'Der  Mulla  Nasraddin' =  Melusine  1,252. —  Japanisch: 
Globus  69,  47  'Der  dumme  Tempo'  =  Seidel,  Asiat.  Volksliteratur 
S.  44  =  Etzel,  Aus  Jurte  und  Kraal  1911  S.  47.    —    Chinesisch 


143.    Up  Reisen  gohn.  149 

aus  dem  Tripitaka:  Chavannes  3,  72  nr.  408  (ein  Mönch  erhält  von 
einem  Reichen  für  einen  Glückwunsch  ein  Geschenk,  ein  andrer  aber 
von  dem  inzwischen  Verarmten  Prügel).  Dähnhardt,  Schwanke  S.  12 
nr.  8  'Dummkopf  auf  Besuch'. 

Diesen  Narrenstreichen  ähneln  die  Volksscherze  von  dem 
Schwerhörigen,  der  alle  Fragen  verkehrt  auslegt  und  beantwortet 
(Wickram,  Werke  3,  366.  8,  344.  Euphorion  15,  9.  Aarne,  Schwanke 
über  schwerhörige  Menschen,  FFCommunications  20 — 21.  1915;  dazu 
Revue  des  trad.  pop.  13,  277.  440.  Mtsbl.  des  badischen  Schwarz- 
waldvereins 12,  93.  1909.  Niedersachsen  10,  17.  11,208.  Kretschmer 
nr.  17.  Zbornik  jslav.  19,  94  nr.  42.  Grgjic-Bjelokosic,  Stotina 
S.  79.  Kica  9,  nr.  18  S.  1.  Lud  16,  300.  Bezemer,  Volksdichtg. 
S.  186.  Renel,  Madagascar  2,  7  nr.  58),  oder  von  der  Schneidersfrau, 
die  ihres  Mannes  Worte  absichtlich  mißversteht  und  statt 
Faden  Fladen,  statt  Zwirn  Birn  kauft  (Wickram  3,  365  zu  Roll- 
wagenbüchlein o.  16.  Bode,  Vorlagen  zum  Wunderhorn  1909  S.  310. 
Finkenritter  1913  S.  8.  20),  oder  von  Ayrers  Jan  Posset  (Dramen  ed. 
Keller  5,  2873.  2892),  der  seinem  Herrn  statt  Schreibzeug  Feuer- 
zeug, statt  Papier  Bier,  statt  Tinten  zu  trinken  bringt.  Ähnlich  Kica 
8,  nr.  38  S.  1.  In  einem  slovakischen  Schwank  (Dobsinsky  4,  32 
nr.  40;  vgl.  oben  2,  404)  kauft  der  Mann  eine  Gans  (husku)  ein, 
während  die  Frau  einen  Rock,  sollte  er  auch  eng  (uzku)  sein,  ver- 
langt hatte.  Dasselbe  Mißverständnis  in  klein-  und  großrussischen 
Erzählungen  (Etnogr.  Zbirnyk  6,  70  nr.  203.  Rudcenko  1,  176 
nr.  65.  66.  Ivanickij  S.  203  nr.  37).  Schon  Theophrast,  Characteres 
c.  14  merkt  solche  Beispiele  von  Stumpfsinn  oder  Zerstreutheit 
(dvaio^rjoia)   an. 

Auch  die  Streiche,  welche  die  Schüler  des  indischen  Guru 
Paramartan  in  dem  tamulischen  Volksbuche  (Oesterley,  Zs.  f.  vgl. 
Litgesch.  1,  48.  1887)  ihrem  Meister  spielen,  lassen  sich  vergleichen. 
Es  sind  ihrer  fünf,  Dummkopf,  Pinsel,  Klotz,  Tropf  und  Narr.  Als 
sie  einmal  mit  dem  Meister  über  einen  Fluß  gegangen  sind,  zählt 
einer,  und  da  er  sich  selbst  nicht  mitzählt,  so  bringt  er  nur  fünf 
heraus,  und  sie  glauben,  einer  sei  ertrunken.  Ein  Reisender  gibt 
jedem  einen  Schlag  auf  den  Rücken  und  heißt  sie  zählen,  da 
kommen    die    sechse  wieder  zum  Vorschein.1)     Geradeso  können  die 


*)  Oesterley,  Zs.  1,50.     R.  Köhler  1,  112.     Grillenvertreiber  2,  cap. 
25  (1603.  Finger  in  dicke  Milch).     Birlinger,  Volkstümliches  1,  438  (Nasen 


150  143.    Up  Reisen  gohn. 

im  Kreise  sitzenden  Laienbürger  ihre  Beine  nicht  finden,  bis 
ihnen  darauf  geschlagen  wird,1)  und  in  Poggios  Facetiae  (1798  1,  63. 
iSemerau  1905  nr.  55)  vermißt  der  Bauer  Mancinus  einen  seiner 
Esel,    weil    er   sich   selber  auf  diesen  gesetzt  hat.2)     Guru  verliert 


in  Kuhfladen).  Hauff en,  Gottschee  S.  119.  Polsterer,  Fuülitates  2, 14  nr.  2. 
Müllenhof f  S.  94  nr.  111  (Kopisch,  Werke  1,  280).  Wossidlo,  Reuter  S.  183. 
Germania  26, 118.  27,231.  Alemannia  13,174.  Am  Urquell  2, 192.  4, 181.  Bl.f. 
pomm.  Volksk.  9,  52.  Knoop,  Hinterpommern  S.  95  nr.  199.  200.  231.  Jahn, 
Volkssagen  nr.  644.  Cornelissen  nr.  82.  Teirlinck  p.  128.  Kristensen, 
Molbohistorier  nr.  105.  Äberg  nr.  359.  Hazlitt,  Shakespeares  Jest-books 
3,  12  (Gotham  nr.  10)  =  Jacobs,  EFT.  2,  209.  Campbell2  2,  391  nr.  48. 
Blade  3,  130  =  Blümml  S.  74.  Sebillot,  C.  de  la  H. -Bretagne  1,  244. 
Sebillot,  Joy.  hist.  p.  19.  Beauquier,  Blasou  pop.  p.  112.  Melusine  2,  466. 
Revue  des  trad.  pop.  1,  335.  8,383  nr.  44. 11,  650.  12,  491  nr.2.  Wallonia 
1,  120.  3,  152.  5,  103.  Romania  9,  138.  Ispirescu  S.  105  (Magazin  96,  613). 
Zs.  Karadzic  2,  85.  Kica  9,  nr.  12,  S.  2.  Väclavek,  Val.  poh.  2,  57  nr.  10 
(Nasen  im  Schnee).  Böhm,  Lettische  M.  nr.  35.  Zbiör  wiadom.  18,  258. 
Lorentz,  Teksty  S.  19  nr.  47  (Nasen  im  Kuhfladen)  =  S.  627  nr.  360. 
Aarnes  Register  nr.  1287.  Wlislocki  1890  S.  402.  Knowles,  Kashmir 
p.  322  nr.  2.    Swynnerton  p.  436.     Clouston,  Noodles  p.  28.     ZdmG.  36,  15. 

1)  Laiebuch  1597  c.  29  =  1914  S.  110  nach  Schumann,  Nacht- 
büchlein 1559  c.  8  =  1893  S.  31;  vgl.  S.  391.  Waldis,  Esopus  4,  nr.  90, 
51.  Zimmerische  Chronik2  1,  315.  Melander,  Jocoseria  1604  1,  71  nr.  75. 
Doctae  nugae  1713  p.  66.  Birlinger,  Volkstümliches  1,  454.  Keller,  Schwaben 
S.  144.  Merkens  2,  nr.  26.  Strackerjan  2,  286  =  2.  Aufl.  2, 429.  Haas,  Schnurren 
S.  55.  Germania  14,  390.  18,  179.  Nyerup,  Morskabsleesning  S.  275. 
Kristensen,  Molbohistorier  nr.  105.  Jacobs,  EFT.  2,  209  =  Dähnhardt, 
Schwanke  S.  96  nr.  40.  Campbell2  2,  401.  Jacobs,  CFT.  2,  104.  Melusine 
1,  150.  2,  8.  46.  3,  228.  Blade  3,  136.  Balladoro  nr.  127.  Rivista  delle 
trad.  pop.  ital.  1,  478.  596.  Georgeakis-Pineau  p.  116.  Kica  9,  nr.  12 
S.  2.  Lorentz,  Teksty  S.  227  nr.  303.  S.  500  nr.  639.  Veckenstedt, 
Zamaiten  1,  48.     Aarnes  Register  nr.  1288. 

2)  H.  Sachs,  Fabeln  4,  70  nr.  283  (1546).  Schumann,  Nachtbüchlein 
nr.  24.  Montanus,  Gartengesellschaft  nr.  70.  Lehmann,  Exilium  melan- 
choliae  1643  S.  127.  Erk- Böhme,  Liederhort  nr.  148  a.  Dt.  Musenalmanach 
1831,  324.  Blümml,  Beiträge  zur  Volksdichtung  S.  149  nr.  28.  J.  Soet, 
Clement  Marot  1655  S.  59.  Clucktboeck  1576  S.  133  =  Groot  Klugtboek 
1680  S.  131.  Mery  tales  and  quicke  answers  1567  nr.  60  (Hazlitt  1,  80). 
Thresor  des  recreations  1611  p.  196.  Moulinet,  Facecieux  devis  1612 
p.  91.  Balladoro  p.  216.  Pitre,  Proverbi  sie.  4,  366.  Cervantes,  Don 
Quixote2,c.57.  Abbott, Macedonian  folklore  p.292.  Vuk  Vrcevic,  Pripovijetke 
po  najvise  kratke  S.  76  nr.  171.  Krauss,  Zigeunerhumor  S.  202.  Tordinac 
S.  4.  Sapkarev  8—9,  90  nr.  71.  Cbrzanowski,  Facecye  Mik.  Reja  1894 
p.  339.  Bar-Hebraeus,  Stories  ed.  Budge  1897  p.  145  nr.  569.  Hanauer, 
Holy  land  p.  84.     Wesselski,  Nasreddin  1,  267  nr.  261.     Decourdemanche, 


143  a.    Die  Kinder  in  Hungersnot.  151 

seinen  Turban  und  ist  unwillig,  daß  ihn  die  Schüler  nicht  auf- 
gehoben haben ;  man  müsse  alles  aufheben,  sagt  er.  Einer  läuft 
zurück,  holt  den  Turban,  findet  aber  auch  einen  Pferdeapfel,  hebt 
ihn  auf  und  tut  ihn  in  den  Turban.  Guru  gibt  den  Schülern  nun 
ein  Verzeichnis  von  dem,  was  sie  aufheben  sollen.  Bald  darauf 
fällt  er  in  eine  Grube,  und  nun  ziehen  sie  ihn  nicht  heraus,  weil 
er  nicht  im  Verzeichnis  steht,  und  er  muß  sich  erst  unten  noch 
darauf  schreiben,  gerade  wie  in  Ayrers  Jan  Posset  (Oesterley,  Zs. 
1,  54.  Bei  Pauli  nr.  139  und  H.  Sachs,  Schwanke  6,  nr.  893  ist 
die  Frau  an  Stelle  des  Dieners  getreten.  Harten,  Historien  1603 
S.  70.  Manderssen  in  Guarnas  Bellum  grammaticale  ed.  Bolte  1908 
S.  *  24.  Vade-mecum  f.  lustige  Leute  2,  nr.  167.  1768.  Langbein, 
Gedichte  2,  161.  Schmeller,  Mundarten  S.  442.  Dykstra  1,  114. 
Tallemant  des  Reaux,  Historiettes  7,  507.  Romania  11,  413.  14, 
136.     Archiv  f.  slav.  Phil.  13,  399). 


145  a.    Die  Kinder  in  Hungersnot. 

(1815  nr.  57.) 

Es  war  einmal  eine  Frau  mit  ihren  zwei  Töchtern  in  solche  Armut 
geraten,  daß  sie  auch  nicht  ein  Bißchen  Brot  mehr  in  den  Mund  zu 
stecken  hatten.  Wie  nun  der  Hunger  bei  ihnen  so  groß  ward,  daß  die 
Mutter  ganz  außer  sich  und  in  Verzweiflung  geiiet,  sprach  sie  zu  der 
ältesten:  'Ich  muß  dich  töten,  damit  ich  etwas  zu  essen  habe.'  Die 
Tochter  sagte:  'Ach  liebe  Mutter,  schont  meiner!  Ich  will  ausgehen 
und  sehen,  daß  ich  etwas  zu  essen  kriege  ohne  Bettelei.'  Da  ging  sie 
aus,  kam  wieder  und  hatte  ein  Stückchen  Brot  mitgebracht,  das  aßen 
sie  miteinander ;  es  war  aber  zu  wenig,  um  den  Hunger  zu  stillen. 
Darum  hub  die  Mutter  zur  andern  Tochter  an:  'So  mußt  du  daran.' 
Sie  antwortete  aber:  'Ach  liebe  Mutter,  schont  meiner!  Ich  will  gehen 
und  unbemerkt  etwas  zu  essen  anderswo  ausbringen.'  Da  ging  sie  hin, 
kam  wieder  und  hatte  zwei  Stückchen  Brot  eingebracht,  das  aßen  sie 
miteinander;  es  war  aber  zu  wenig,  um  den  Hunger  zu  stillen. 


Fables  turques  p.  199.  Prym-Socin,  Tür  'Abdin  2,  183.  —  In  klein- 
russischen Schwänken  bei  Hrincenko  1,  229  nr.  185  und  Manzura  S.  103 
handelt  sichs  um  das  Zählen  von  Schafen  und  Rindern,  in  einer  Er- 
zählung von  G.  Kvitka-Osnovjanenko  (Wisla  6,  273.  Sumcov,  Anekdoty 
S.  43)  um  Kosaken,  in  einer  galizischen  Anekdote  (Zbiör  wiadom.  17, 
305)  um  die  Kleidungsstücke  eines  schlafen  gehenden  Dummlings. 


152  144.    Das  Eselein. 

Darum  sprach  die  Mutter  nach  etlichen  Stunden  abermals  zu 
ihnen:  'Ihr  müsset  doch  sterben,  denn  wir  müssen  sonst  verschmachten.' 
Darauf  antworteten  sie;  'Liebe  Mutter,  wir  wollen  uns  niederlegen  und 
schlafen  und  nicht  eher  wieder  aufstehen,  als  bis  der  jüngste  Tag 
kommt.'  Da  legten  sie  sich  hin  und  schliefen  einen  tiefen  Schlaf,  aus 
dem  sie  niemand  erwecken  konnte.  Die  Mutter  aber  ist  weggekommen, 
und  weiß  kein  Mensch,  wo  sie  geblieben  ist. 


J.  Prätori us  im  Abenteuerlichen  Glückstopf  1669  S.  191 
gibt  die  Sage,  wie  er  sie  gehört  hat.  Die  Mutter  soll  zu  Grafelitz 
über  Eger  in  Böhmen  gelebt  haben.  —  Dazu  stimmt  das  von 
Wolf  (Nid.  Sagen  1843  nr.  163)  nacherzählte  vlämische  Volks- 
lied von  den  schlafenden  Kindern  zu  Stockum ;  vgl.  Prudens 
van  Duyse,  Het  Klav  erblad  1848  p.  13  'De  hinderen  van 
Stockhem'.  Von  einer  Mutter,  die  in  einer  Hungersnot  ihre 
sieben  Kinder  umbringt,  erzählt  das  Lied  vom  unbarmherzigen 
Junker  'Es  war  einmal  ein  große  Stadt'  (Erk-Böhme,  Deutscher 
Liederhort  1,  625  nr.  210;  vgl.  nr.  209  g  und  Das  Land  6,  14.  1898). 
Von  der  hartherzigen  Schwester  berichtet  die  Kinderlegende 
'Gottes  Speise'  (unten  nr.  205).  — ■  Zu  dem  langen  Schlafe  der  Kinder 
vgl.  R.  Köhler  2,  240. 

Im  griechischen  Märchen  von  Asterinos  und  Pulja  (Hahn 
nr.  1  =  Pio  p. -1  =  Geldart  p.  31),  das  sonst  unserer  nr.  11 
'Brüderchen  und  Schwesterchen'  entspricht,  brät  die  Frau  statt  der 
von  der  Katze  gefressenen  Taube  ihre  eigene  Brust,  und  das 
Menschenfleisch  mundet  ihrem  Manne  so  gut,  daß  er  seine  eignen 
Kinder  fressen  will.  Ebenso  serbokroatisch  bei  Nikolic  1,  128  und 
Naselja  srpskih  zemaljä  3,  487 ;  bulgarisch  bei  Sapkarev  8 — 9,  203 
nr.  119  und  Sbornik  min.  3,  212.  4,  1  nr.  513;  slovakisch  bei 
Skultety  Dobsinsky  S.  230  nr.  24  =  2.  Aufl.  S.  506  nr.  37,  Czambel 
S.  329  nr.  165,  0.  Broch,  Studien  slovak.-kleinruss.  S.  44 ;  türkisch 
im  Jubil.  Sbornik  Miller  S.  198  nr.  52;  gagausisch  bei  Radioff  10, 
159  nr.  92. 


1856  s.  227.  144.    Das  Eselein. 

1815  nr.  58.    —  Dem    lateinischen  Gedichte  Asinarius  nach- 
erzählt, das  J.  Grimm  1814  in  einer  Straßburger  Handschrift  aus  der 


144.    Das  Eselein.  153 

zweiten  Hälfte  des  15.  Jahrh.  aufgefunden  hatte1).  Über  die  Art  der 
Bearbeitung  vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  1906  S.  45. 
Ins  Schwedische  übersetzt  als  'Prins  Asna'  (Stockholm  1823;  vgl. 
Bäckström,  Sv.  folkböcker  3,  50). 

Mone,  der  1839  das  lateinische  Gedicht  aus  einer  Heidelberger 
Handschrift  abdruckte,  schrieb  es  voreilig  einem  Brabanter  Gotfridus 
de  Thenis  (Tirlemont)  zu,  der  in  der  zweiten  Hälfte  des  14.  Jahr- 
hunderts [?]  einen  lateinischen  'Punctus'  in  Hexametern  (Reineri 
Phagifacetus  ed.  Jacob,  Lübeck  1838  p.  31)  verfaßte2);  dieser  sonst 
völlig  unbekannte  Dichter  sollte  auch  der  Autor  des  Luparius, 
Brunellus,  Militarius,  Rapularius,  der  Probra  mulierum  und  des 
Alexander  magnus  gewesen  sein,  nur  aus  dem  Grunde,  weil  diese 
Gedichte3)  in  derselben  Sammelhandschrift  wie  der  Punctus  stehen. 
Heut  sind  acht  Handschriften  des  Asinarius  bekannt: 

A.  München,  Cod.  lat.  4413,  Bl.  60c-70b  ohne  Titel  (früher  in 
Augsburg),  14.  Jahrh.  Es  fehlen  die  Verse  118-120.  170.  333.  381-382. 
Vgl.  Catalogus  codicum  ms.  bibliothecae  reg.  Monacensis  3,  2,  162  (1871). 
—  B.  Heidelberg,  Salmansweiler  Hs.  VIII.  29b,  geschrieben  1462  von 
Konrat  Worheim,  rector  parvulorum  parochialis  ecclesiae  Franckfordiae, 
Bl.  18a— 23a.  Vgl.  Mone,  Anzeiger  1834,  161  und  seinen  Abdruck  des 
Asinarius  ebd.  1839,  551—561.  —  C.  Straßburg,  Ms.  Johann.  C  105, 
bei  der  Belagerung  1870  verbrannt ,  J.  Grimms  Abschrift  der  Verse  1—60. 
135-138.  179-182.  191—194.  309-313.  365-404  ist  im  Berliner  Ms. 
germ.  qu.  923  erhalten.  —  D.  Kopenhagen  kgl.  Bibliothek,  Gamle  kgl. 
samling  4°  1634    (früher    in    Bordesholm),    geschrieben    um    1470.     Vgl. 

E.  Voigt,  Kl.  lat.  Denkmäler  1878  S.  6.  —  E.  Breslau  Universitäts- 
bibliothek, Hs.  IV.  Q.  126,  Bl.  18a- 28b,  geschrieben  1475  in  Krakau. 
Ausgefallen    sind   die  Verse  176,  262,  378.     Vgl.    E.  Voigt  1878  S.  7.  — 

F.  Berlin  kgl.  Bibliothek,  Ms.  lat.  qu.  94,  Bl.  238a,  geschrieben  1475, 
vielleicht  in  Leipzig.  Enthält  nur  die  Verse  380—404.  Vgl.  V.  Rose, 
Die  latein.  Hss.  2,  1257  nr.  989.  —  G.  Krakau  Universitätsbibliothek, 
Hs.  BB.   IX.  9,  S.  270—287,    geschrieben    1491    nach  S.  438.     Es  fehlen 


1)  Briefwechsel  zwischen  J.  und  W.  Grimm  aus  der  Jugendzeit 
1881  S.  343. 

2)  Anzeiger  für  Kunde  des  deutschen  Mittelalters  1834,  159  'Gotf  rit 
von  Thienen'.  Vgl.  Histoire  litt,  de  la  France  24,  431.  Biographie  nat. 
de  Belgique  8,  146.  Gröber,  Grundriß  der  roman.  Philologie  2, 1,  415.  383. 
Zwei  Hss.  des  Punctus  liegen  in  Leiden. 

8)  Abgedruckt  sind  sie  bei  E.  Voigt,  Kleinere  lateinische  Denkmäler 
der  Tiersage  1878  S.  58.  81.  Anzeiger  1834,  266  (Militarius).  1839,  561 
(Rapularius;  unten  nr.  146).   1836,  199  (Probra  mulierum). 


154  144.    Das  Eselein. 

die  Verse  189,  200—250.  Vgl.  Wislocki,  Katalog  rekopisow  bibl.  uni- 
wersytetu  Jagiellonskiego  2,  535  nr.  2233  (1881).  Klapper,  Mitt.  der 
schles.  Ges.  f.  Volkskunde  19,  29.  —  H.  St.  Petersburg  kais.  öff. 
Bibliothek,  aus  der  1.  Hälfte  des  15.  Jahrh.,  einst  dem  Johannes  Johannis 
de  Slupcza  clericus  Gneznensis  dioecesis  gehörig,  Bl.  214  a — 223a  mit 
polnischen  Glossen.  Vgl.  A.  Brückner,  Die  mittelalterliche  lateinische 
Poesie  in  Polen  (Bozprawy  Akad.  Umiej  Ser.  2,  1,  348). 

Die  Dichtung  ist  also  spätestens  im  14.  Jahrhundert  entstanden ; 
ob  in  Frankreich  oder  den  südlichen  Niederlanden,  bleibt  vorläufig 
ungewiß.  Der  nachfolgende  Text  beruht  auf  der  Handschrift  A  mit 
Hinzuziehung  von  B  C  E  F  GL 

Asinarius. 
Rex  erat  ignotae  quondam  regionis  et  urbis, 

Et  nomen  regis  pagina  nulla  tenet. 
Is  sibi  consortem  regni  thalamique  sodalem 
Sortitus  fuerat  nobilitate  parem. 
5     Quos  licet  imperii  maiestas  alta  bearet 

Amplaque  congeries  nobilitaret  opum, 
His  tarnen  adversa  partum  Lucina  negabat, 

Gratis  enim  Veneris  excoluere  iocos. 
Hinc  dolor,  hinc  gemitus  ambos  vexabat,  eo  quod 
10  Heredem  regni  non  habuere  sui. 

Denique  regina  misero  compassa  marito 
Talia  multiplici  voce  frequenter  ait: 
'Quid  facimus?  nil  proficimus,  iam  vivere  taedet 
Nocturnisque  pudet  saepe  vacasse  iocis. 
15     Femina  sum  misera  sterilique  simillima  terrae, 
Quae  sine  spe  messis  semina  iacta  vorat. 
Pertruso  sacco  iuste  me  comparo,  qui,  quod 

Ore  patente  capit,  hoc  aliunde  vomit. 
Heu,  quid  nobilitas,  quid  opes,  quid  gloria  regni 
20  Prosunt,  heredem  si  mihi  fata  negant!' 

Continuis  igitur  precibus  pia  numina  pulsans, 

Vt  mater  hat,  nocte  dieque  rogat- 
Quod  petit,  assequitur,  breviter  fit  mater  aselli, 
Eius  enim  partus  pulcher  asellus  erat. 

Lesarten. 

1  quiclam  A  —  urbe  A  —  2  Sed  BCEG  —  regis  nomen  C  —  fabula  BEG  — 
docet  CEG  —  3  Hie  BEG  —  thalami  regnique  E  —  5  Quem  A  —  7  lucluna  A,  natura 
E  —  negarat  C  —  9  eoque  B  —  II  misera  B  —  12  Tali  sint  compari  B,  Tali  sive  pari 
CEG  —  13  nil]  vel  B,  vel  quid  G  —  14  Nocturnis  A  —  piget  BCEG  —  seque  A  — 
ludis  E  —  15  sterili  A,  sceleri  G  —  nee  ulli  sum  placens  ipsa  E  —  16  iaetat  agricola 
E  —  vorat]  ferent  A  —  17  Pertuso  C,  Protruso  E  —  quidquid  A,  qui  quid  C  —  19 
gratia  B    —    20  si]  cum  A    —  fesla  B  —  21  pulsant  A,  pulsat  G  —    23  quod  fit  mater 


144.    Das  Eselein.  155 

25     0  qualis  partus,  ubi  femina  gignifc  asellum, 

0  res  miranda,  plus  miseranda  tarnen! 
Hoc  fetu  viso  mater,  quae  plauserat  ante 

Se  concepisse,  nunc  peperisse  dolet. 
Ergo  non  esse  mater  quam  mater  aselli 
30  Mallet  et,  ut  detur  piscibus  esca,  rogat. 

At  rex  comperto  mandato  matris  iniquo: 

'Absit',  ait,  'monstrum  non  moriatur  idem. 
Non  moriatur',  ait,  'reginae  filius,  immo 

Vt  vivat  iubeo  filius  iste  meus. 
35     Quem  dedit  heredem  quisquis  fuit  ille  deorum, 

In  solio  regni  rex  erit  ille  mei, 
Portabitque  Caput  eius  diadema  paternum, 

Et  debetur  ei  gloria  tota  patris.'  — 
Tunc  iussu  regis  roulto  nutritur  amore, 
40  Vtpote  qui  regis  nobile  pignus  erat. 

Proficit  et  crescit,  aures  extendit  in  altum, 

Iam  coepit  iuvenis  indolis  esse  bonae. 
Iam  patris  in  regno  vocitatur  et  est  domicellus, 

Iam  reverendo  timet  aulicus  omnis  eum, 
45     Oppida  iam  gyrat,  iam  regni  circuit  urbes, 

Iam  delectatur  lusibus  atque  iocis 
Et  citharoedorum  mage  delectatur  in  arte 

Et,  si  sors  faveat,  discere  gestit  eam. 
Ergo  frequenter  adit,  quem  noverat  arte  peritum, 
50  Qui  famosus  erat  arte  magister  in  hac. 

Quem  sie  aggreditur  et  verbis  talibus  usus : 

'Esto  magister',  alt,  'o  citharista,  meus ! 
Artem,  quam  nosti,  fac  scire  tuum  domicellum, 

Vt  non  inferior  te  sit  in  arte  tua!' 
55     Dixerat  hie  ista,  respondit  ad  hoc  citharista: 

'Quid  petis  a  servo,  mi  domicelle,  tuo? 
O  rex,  quid  quaeris,  quod  non  tibi  competit?  Eheu 

Erras,  deeiperis,  irrita  vota  geris. 
Discere  nequaquam  potes  hanc  artem,  quoniam  sunt 


sed  B,  et  fit  mater  sed  CEG  —  25  ut  A  —  27  fetu  visio  A,  fato  viro  C,  fetu  E,  facto 
partu  G  —  quem  B  —  senserat  A  —  28  iam  BEG,  vel  non  C  —  29  mater  mallet  A  — 
30  Valuit  A  —  30  iubet  CEG  —   32  lusserat  ut  A,  Absit   ait  BCEG    —    ne  A,  quod  CE 

—  morietur  BC  —  33  ait]  idem  B,  item  Mone  —  37  Portabit  A  —  diademata  A  — 
primum  A,  supernum  B,  paterni  C  —  39  nimio  BEG    —    nutritus  BC    —    honore  BCEG 

—  41  attollit  BCEG  —  42  Et  C  —  43  regnavit  et  domicellus  C  —  44  reverende  EG  — 
anglicus  A,  aditus  BG,  edilus  E  —  46  laudibus  E,  cantibus  G  —  47  Sed  BEG  —  citha- 
rorum  AC  —  dilatatur  C  —  48  glisit  A,  quaerit  B,  gliscit  EG  —  cani  C  —  49  ante  B, 
esse  CEG  —  50  erat]  in  hac  BCEG  —  in  tiac]  erat  BCEG  —  51  aggrediens  verbis  est 
Mone  —  52  Est  A  —  54  sim  A,  sicut  C  —  55  hec  B  —  ei  A,  ad  hec  EG  —  57  quid- 
quid  A  —  arte  A,  ast  heu  B,  eheu  C,  heu  quid  E,  heu  G  —  58  Liras  EG  —   61  Et  BC 


156  144.    Das  Eselein. 

60  Enormes  digiti,  nii  domicelle,   tui. 

Ac  si  pace  tua  liceat  mihi  vera  fateri, 

Quod  natura  negat,  tu  domicelle  petis. 
Non  potes  absque  manu  citharae  distinguere  chordas, 

Quae,  puto,  dissilient,  si  pede  tangis  eas. 
65     More  suo  rudit  asinus,  nunquam  bene  ludit, 

Sacciferi  vox  est  ista  caneutis  ya.' 
Dixerat  hoc  mimus,  fremit  et  tabescit  asellus 

Et  motum  cordis  vix  domat  ipse  sui. 
'Annon  est,'  inquit,  'mea  linea  sanguinis  alti? 
70  An  nescis,  quod  sum  rex  dominusque  tuus? 

Vnde  tibi  verbi,  nequam,  praesumptio  tanti, 

Vt  mihi  tarn  dure  non  vereare  loqui? 
Quid  tibi,  leccator,  de  me,  quid,  scurra,  videtur? 

Me  forsan  pignus  imperiale  negas?' 
75     'Non,'  ait  ille,  'nego,  scd  nee,  domicelle,  negabo, 

Immo  te  dominum  credo  scioque  meum'. 
'Ergo  meis',  inquit,  'praeeeptis  promptus  oboedi, 

Si  patris  in  regno  vis  habitare  meü' 
Mimus  ad  haec:  'Domine,  mentis  compesce  furorem! 
80  En  ego  praeeeptis  pareo  sponte  tuis.' 

PraeciDit  ergo  lyrae  dulces  citharista  canores, 

Ast  asinus  docilis  concinit  arte  pari; 
Tempore  nempe  brevi  tantum  profecit  in  arte, 

Vt  doctore  suo  doctior  ipse  foret. 
85     Nunc  mimi  more  satis  arguto  canit  ore, 

Nun  parat  informi  pollice  dulce  melos. 
Cumque  die  quadam  spatiando  cireuit  amnes, 

Deformem  voltum  prodidit  unda  sibi. 
Dum  caput  et  capitis  aures  considerat,  inquit: 
90  'Pape,  nimis  miror,  forma  quid  ista  velit.' 

Luminibusque  suis  percurrens  crura  pedesque 

Respicit,  et  corpus  displicet  omne  sibi. 
Infrendens  igitur  furiis  agitatur  iniquis, 

Talia  blasphemo  sibilat  ore  sibi: 


—  62  tu]  hoc  BCEG  —  63  pote  A  —  64  dissimilet  A,  dissimilent  EG  —  66  isla]  orta 
B,  seva  G  —  canoris  A,  caventer  B  —  eya  A,  valde  B,  raro  EG  —  67  fremit  mimus  A, 
mimus  tremit  B,  nimium  fremit  E,  nimium  furit  G  —  tabescit]  lies  tumescit  ?  —  68  inquis  A 

—  mihi  BEG  —  71  nequam  verbi  BEG  —  72  Et  B  —  tibi  A  —  velis  arte  A  —  73  lecartor  B 

—  76  sociumque  A  —  77  semper  A  —  79  Servus  BEG  —  adest  A  —  lyra]  fehlt  A  — 
81  citherea  A  —  tenores  EG  —  82  animo  docili  A  —  83  nam  parvo  multum  BEG  —  85 
mimus  A  —  86  Nunc  et  in  B  —  deformi  A  —  dulces  B  —  88  unda]  ipse  B  —  89  et] 
fehlt  A  —  91    In  membrre  A  —  92  suum  B  —  93  lnfremens  B  —  94  plasphemans  A  — 


144.    Das  Eselein.  157 

9B     'Vix  assem  nieruit,  quisquis  fuit  iste  deorum, 
Qai  me  compegit,  qui  dedit  esse  mihi. 
Numquid  asellus  ego  potiar  diademate  regis? 

Num  dici  potero  rex  et  asellus  ego  ? 
Absit,  ut  hanc  asini  frontem  diadema  Coronet, 
100  Nee  saetas  asini  purpura  munda  tegat. 

Ergo  bulla  meo  non  pendeat  aurea  collo, 

Non  decet  hanc,  fateor,  aurea  virga  manum. 
Heu,  patre  defuneto  regni  privabor  honore, 
Cogor  praeterea  multa  molesta  pati. 
105     Est  igitur  melius,  ut  vivo  patre  recedam, 

Ne  post  expellat  me  violenta  manus.'  — 
Conveniens  igitur  de  servis  omnibus  unum, 
Cuius  prodiderant  experimenta  fidem, 
Huic  exponebat,  animo  quaecumque  gerebat, 
110  Huncque  suae  comitem  praeeipit  esse  viae. 

Annuit  ille  suo  dans  assensum  domicello 
Iureque  iurando  ferre  fatetur  opem. 
Musica  tunc  asinus  imponens  vasa  ministro 

Nocteque  cum  bipede  quadrupes  intrat  iter, 
115     Contiguique  maris  veniunt  ad  litus,  et  ecce 
Navis  adest.     Metces  nautica  rite  datur, 
Carbasa  tenduntur,  sulcantur  terga  profundi 
Cymbaque  ventorum  prosperitate  volat. 
Nauta  refert:  'Iuvenem  regem  tantum  quia  duxi, 
120  Sufficiet,  domine,  gloria  tanta  mihi.' 

Immensoque  mari  longe  lateque  vagari 

Coepit  et  effugii  quaerit  in  orbe  locum. 
Extremos  tandem  libet  orbis  visere  fines, 

Phoebus  ubi  fessos  in  mare  mergit  equos, 
125    Rex  quidam  regni  caput  exaltarat  ibidem, 
Virtutum  clarus  stemmate,  clarus  avis. 
Huic,  ut  faraa  docet,  fuit  unica  filia  tantum, 

Heres  praeter  eam  non  fuit  alter  ei. 
Si  fortuna  iuvet,  si  fata  sinant,  pater  ipäam 
180  Heredem  regni  sanxerat  esse  sui. 


95  assem]  esse  G  —  97  Quidquid  A  —  ego]  ait  B  —  pacior  dyademata  A  —  98  Non 
B,  Ac  EG  —  99  frontem  asini  A  —  100  und  102  sind  in  BEG  vertauscht  —  100  aures  A 
■ —  101  pendat  A,  pendet  B  —  aureo  A  —  102  hec  A  —  104  propterea  B  —  106  Quam 
EG  —  me]  fehlt  B  —  107  Convenit  ergo  mihi  A  —  unus  A  —  109  exponebant  A  — 
110  suum  comitem  praeeepit  A  —  115  mari  A  —  ante  A  —  116  nataque  A,  navita  B  — 
petit  A  —  117  submergunt  A  —  118—120  fehlen  in  A  —  120  gracia  G  —  121  Emen- 
soque  B,  Emersoque  EG  —  124  mersit  B  —  125  exaHavit  EG  —  126  Vir  tantum  A  — 
plenus  C,  carus  EG  —  avis]  erat  BCEG  —  129  iuvat  AB    —    volunt  A    —   pater]  ut  G 


158  144.    Das  Eselein. 

Virgo  puellares  ea  iam  compleverat  annos, 

Iam  dederant  teneros  membra  pudica  pilos, 
Vbera  mammarum  dederant  iam  Signa,  quod  ipsa 

Vix  queat  absque  viro  sola  cubare  toro. 
135     Cum  veniens  asinus  regalem  pergit  ad  aalam, 

Clamitat  et  pulsat  sicque  locutus  ait: 
'Ianua  pandatur,  peregrinus  ut  ingrediatur! 

Hospes  prae  foribus  est.     Aperite  fores!' 
Ianitor  audito  strepitu  pulsantis  aselli: 
140  'Quid  clamas,'  inquit,  'tu  quis  es,  unde  venis? 

Sic  importune  quid  regis  ad  ostia  pulsas? 

Cur  tanta  valvas  improbitate  feris  ?' 
Eespondens  asinus:  'Aperi  velociter,'  inquit, 

'Prae  foribus  certe  mimus  honestus  adest.' 
145     Haec  ubi  dicta  dedit,  citharam  pede  tangere  coepit 

Et  patulo  dulce  concinit  ore  melos. 
Ianitor  ut  dulcem  concentum  percipit  aure, 

Prosilit,  ut  videat,  quis  Sit  hie  et  quid  agat, 
Personamque  videns  rudis  et  deformis  aselli 
150  Hunc  tarn  composite  psallere  posse  stupet. 

Et  miratus  liomo  penetrat  penetralia  regis 

Prodere,  quae  vidit,  prodigiosa  volens. 
Tunc  ait:  'Ecce  novi  quiddam,  rex  inclite,  venit, 

Et  si  nosse  velis,  insinuabo  tibi. 
155     Stat  foris  ante  fores  mimus  rarissimus',  inquit, 

'Rarior,  ut  credo,  non  erit  alter  eo. 
Hie  rarus  mimus,  o  rex,  est  foedus  asellus, 

Qni  psallit  citliara,  psallit  et  ore  simul. 
Hie  petit  introitum;  si  rex  inbet,  ingrediatur.' 
160  Et  rex  respondens:  'Ingrediatur',  ait. 

Tunc  mimus  chordas  asinino  pollice  tangens 

Ingreditur  modulos  artieulando  novos. 
Hunc  rex  intuitus  in  risum  laxat  babenas 

Et  tanti  risus  fit  modus  absque  modo. 


—  illam  E  —  131   und   133  sind  in  B  vertauscht    —    131   dum  iam  BEG,  ut  quae  Mone 

—  132  teneros]  revera  B,  vere  Mone  —  pudenda  BEG  —  crines  G  —  133  viam  mortui) 
B,  iamque  viam  Mone  —  ipsa]  pubis  Mone  —  135  Hinc  BE,  Huc  G  —  reginae  tendit 
C  —  136  Clamat  A  —  140  Quid  facis  E  —  141  inopportuno  A  —  quid]  fehlt  A  — 
curianuasA  —  ad]  fehlt  B  —   142  Cum  A  —  validos  A  —  importunitate  G  —   fores  A 

—  145  Hunc  ubi  tunc  videt  A  —  146  dulces  A,  dulei  B  —  148  et  unde  vadat  A  — 
149  et]  fehlt  A  —  assellus  A  —  151  Nil  quoque  miratus  A  —  miratur  E  —  152  Pro- 
videre  rara  A  —  quod  B  —  viderat  BEG  —  153  O  rex  ecce  G  —  novus  A,  venit  B  — 
quidam  A,  quoddam  EG  —  rex  in  civitate  A    —    novi  BG,    troni  E    —    154  Quod  BEG 

—  157  gnarus  A  —  159  iubes  ingredietur  E  —  160  respondet  B  —  161  asinus  G  — 
a  summo  BE  —  pulsans  BEG  —  163  Tunc  A,  Quem  BEG  —  an  risu  B  —    165  videns 


144.    Das  Eselein.  159 

165    Ac  regina  suo  ridens  ridente  marito 

Nil  risu  poterat  impediente  loqui. 
Omnis  condicio  iuvenum  senumque  cachinnat, 

Perstrepit  et  risu  curia  tota  sonat. 
Dum  sie  exsultant  omnes  et  ludit  asellus, 
170  Clauditur  interea  sole  ruente  dies. 

Legitimo  cuisu  regalis  cena  paratur, 

Consedit  castris  diseubitura  cohors. 
Hex  et  regina  regali  sede  locantur, 

Discumbit  matris  filia  pene  latus. 
175     lüde  locantur  et  hi,  quos  militiae  chlamys  ambit, 

Hinc  servi  resident  inferiore  loco. 
Accedens  igitur  ex  officialibus  unus 

Cum  servis  asinum  iussit  babere  locum. 
'Absit',  asellus  ait,  'ut  sim  conviva  clientum, 
180  Non  bene  servilis  congruit  ordo  mibi. 

Non  sum  vulgaris  asinus  nee  sum  stabularis, 

Vrbana  potius  nobilitate  te^or.' 
'Visne,'  minister  ait,  'cum  militibus  sociari?' 

'Absit',  asellus  ait,  'nee  locus  iste  placet. 
185     Hactenus  absque  mora  me  regia  mensa  sodalem 

Extulit  et  largas  praebuit  illa  dapes.' 
'Quid  tibi  vis  faciam?'  dapifer  l'espondet  asello. 

'Vt  socier  mensae  regis,'  asellus  ait. 
Qnod  rex  comperiens  ait:  'Huc  accedat  asellus!' 
190  Qui  subito  regis  voce  vocatus  adest. 

Tunc  rex  subridens  ioculariter  ore  sereno 

Dixit:  'Aselle,  placet  filia  nostra  tibi?' 
Protinus  attollens  asinus  caput  in  domicellam 

Dirigit  obtutus  sieque  locutus  ait: 
195     'Pape,  quid  inquiris,  o  rex,  quid  nosse  laboras? 

Cur  non  deberet  ista  placere  mihi? 
Immo  placet,  placet  illa  mihi,  multum  placet,  inquam. 

Ferreus  est  certe,  cui  placet  ista  nihil. 
Candida  delectat  facies  permixta  rubore, 


EG  —  riden  A  —  166  Nee  A  —  praepedienle  B,  perpediente  E  —  167  bannizat  A  — 
168  et]  ex  E  —  ridet  aulaque  tola  pari  A  —  paret  B,  sonat  Mone  —  169  et]  quoque 
B,  quia  CG,  quos  Mone,  luditque  E  —  171  Digno  modo  A,  De  solito  G  —  172  Confluit 
in  castra  BEG  —  174  penes  E  —  175  locant  alios  B  —  ornat  BEG  —  179  non  sum 
BEG  —  180  convenit  BCEG  —  181  nee]  non  CEG  —  sum]  fehlt  A  —  182  regor  BEG 
—  185  modo  E  —  sedem  A  —  186  lares  A  —  188  Sorcior  ut  A,  Potiar  ut  B,  Socier 
ut  E,  Sortiar  ut  G,  Vt  potiar  Mone  —  mense  AEG  —  189  Hoc  E  —  191  Cui  C  — 
iocierans  A,  ioculanter  C,  iocanter  E,  ioealiter  G  —  194  Erigit  intuitus  A,  Et  tutus  obli- 
quos  C,  Dirigit  obtuitus  EG  —  195  quidem  inquit  A  —  197  Primo  BC  —  multum  placet 
mihi  et  A  —  inquit  EG  —   198  Fatuus  G    —    199  colore  A    —    201   cervix]  fehlt  A    — 


160  144.    Das  Eselein. 

200  Ac  si  contemplor  lilia  mixta  rosis, 

Caesariesque  placet,  delectat  eburnea  cervix 

Et  corpus  fateor  omne  placere  mihi.' 
'Vis  fore,'  rex  inquit,  'huius  conviva  puellae?' 
Cui  mox  respondens  exsul  asellus  ait: 
205     'Hoc  placet,  hoc,  inquam,  cor  aselli  pauperis  äuget, 
Congruit  haec  sedes  et  locus  iste  mihi; 
Hie  contentus  ero,  si  convescar  domicellae, 

Hoc  mihi  sufiieiens  pondus  honoris  erit.' 
'Vt  placet',  inquit  rex,  'esto  conviva  puellae, 
210  Escaque,  praeeipio,  vos  eibet  una  dnos.' 

'O  rex,  iure  tibi  regratior,'  inquit  asellus, 

'Quod  cedit  per  te  gloria  tanta  mihi.' 
Ascendensque  gradum  sedem  sortitur  in  alto, 
Convivamque  locat  hunc  domicella  sibi. 
215     Inter  cenandum  bene  servit  asellus  eidem 

Comminuens  panem  collyridasque  seeans. 
Ipse  scyphos  paterasque  levans  offert  bibiturae 

Et  mensale  tenet,  dum  domicella  bibit. 
Singula  quid  memorem  ?     Breviter  simul  omnia  tangam  : 
220  Omnia  composite  doctus  asellus  agit. 

Nonnihil  ergo  suus  placuit  conviva  puellae, 

Sed,  ni  fallor,  adhuc  plus  placiturus  erit. 
Discumbendo  placet,  plus  coneumbendo  placebit, 
Huic  dum  dilecto  nupserit  illa  viro. 
225     Regem  praeterea  probitas  delectat  aselli, 
Is  quia  plus  asino  morigeratus  erat. 
Hunc  quoque  militia  laudum  rumoribus  eifert, 

Et  dignura  laude  praedicat  ampla  polis. 
Cumque  moras  aliquas  exsul  fecisset  ibidem, 
230  Cogitat  ad  patrios  velle  redire  lares. 

Irrumpens  igitur  tristis  penetralia  regis 
Demisso  capite  taliter  orsus  erat: 
'Dulcius  exsilio  solet  esse  solum  genitale, 

Quaeque  placent  aliis,  dico  placere  mihi. 
235     Si  salva  pace  mihi  detur  copia  fandi 

Enseque  praecineto,  rex,  tibi  dico  vale.' 
Ad  quem  rex  inquit:  'Divortia  nulla  supersunt, 
Nee  dirimi  patiar  nos  nisi  Sorte  necis. 


205  nunquam  E  —  angit  A,  urget  BE  —  210  habet  BC  —  213  sede  A  —  alta  A  — 
215  cenantes  A  —  216  Convivans    A,  Comminuensque  B,  Cominuansque  E    —    dapes  E 

—  tollit  et  usque  secat  A  —  calidas  atque  E  —  217  ciphum  preparans  offert  bibiture 
puellae  A  —  218  cum  BEG  —  220  sicut  AE  —  egit  AE  —  222  nisi  BEG  —  223  ex- 
cumbendo  A  —  224  Uli  A,  Hec  cum  E  —  si  nupserit  A  —  marito  A,  iure  B  —  226  Hie 
BE  — 227  militiae  B  —  offert  A  —  228  tandem  A  —  polus  A  —  229  aliquis  A  —  231 
ergo  BE  —  232  Dimisso  A    —    talibus  usus  ait  BE    —    234  Quodque  placet  eunetis  BE 

—  235  detur  mihi  BE  —  236  Nunc  in  praesenti  B,  En  In  praesenti  E   —    238  durum  A 


144.    Das  Eseleiu.  161 

Pono  Iovem  testem,  quod  nulla  licentia  restat 
240  Discidiique  datur  copia  nulla  tibi. 

Non  es  tu,  fili,  nostro  contentus  honore? 
Non  es  contentus  filius  esse  meus? 
Die,  fili,  quid  obest,  cur  tristis  et  unde  doloris 
Pdvulus  iste  scatet  ?  Dicito,  quaeso,  mihi ! 
245    Non  eris  hie  exsul  nee  iani  reputaberis  hospes 
Nee  debes  cive  quolibet  esse  minor. 
Congeriemque  boni  cuiuslibet  aeris  habebis, 
Haec  sine  mensura  metior  hercle  tibi. 
Num  vestes  vel  equos  aut  cetera  talia  quaeris, 
250  Quae  sitit  et  quaerit  deliciosus  homo? 

Testor  ego  superos  et  cetera  numina  ruris, 

Si  placet,  et  regnum  dimidiabo  tibi.' 
Pollicitis  asinus  nequaquam  flectitur  istis, 
Omnia  natalis  sprevit  amore  soli. 
255     'Vna  tibi,'  rex  inquit,  'adhuc  datur  optio,  fili; 
Quam  si  respueris,  semper  asellus  eris. 
Vis,  ut  nostra  tuas  tibi  filia  detur  in  ulnas, 
Tecum  nocturnis  ut  vacet  ipsa  iocis  ?' 
Tunc  velut  evigilans  de  somno  clamat  asellus: 
260  'Ista  placet,  fateor,  pactio  sola  mihi, 

Iste  mihi  finis  maeroris  et  anxietatis, 
Ianua  laetitiae,  porta  salutis  erit. 
Si  factis  tua  dieta  probes,  o  maxime  regum, 
Dicere  tunc  potero,  quod  Iove  maior  ero. 
265    Iuppiter  in  caelis  Iunone  sua  potiatur, 
Sufficit  in  terris  regia  virgo  mihi. 
Sint  tua,  qnae  tua  sunt,  o  rex,  tibi  euneta  reserves, 

Virgo  mihi  detur,  nil  peto  praeter  eam. 
Hac  contentus  ero  dumtaxat  virgine  sola 
270  Nee  querar  exsilium,  rex  reverende,  meum. 

Haec  mihi  sit  patria,  Sit  honor,  sit  gloria  regni, 

Iam  quoque  sufficiens  massa  mihi  sit  opum. 
Respondi  tibi,  rex,  quod  in  hoc  retinebis  amicum; 
Tantum  dignare  tu  socer  esse  meus !' 
275     Advocat  ergo  suam  maiestas  regia  natam ; 

Paret,  adest  illa,  rexque  paterque  rogat: 


—  241  tu]  mi  BE.  —  243  cur  abeis  A,  quid  abest  E  —  et]  fehlt  A  —  244  Stimulus  B  — 
cadat  B  —  245  hie  hospes  B,  hospes  E  —  reputaveris  exsul  BE  —  246  Non  a  me  E  — 
certe  A  —  miser  A,  poteris  E  —  247  boni  fili  A,  filii  B,  sitis  fili  E  —  habebis]  fehlt  AE  — 
248  Hoc  E  —  heirte  A,  aera  B,  ercle  E  —  249  Dum  A  —  251  enim  A  —  omnia  E  — 
252  SicupisEG  —  254  spernit  EG  —  255  sibi  A  —  257  Visne  B  —  sulcias  B  —  259 
quasi  A  —  a  sumpno  A  —  260  Haec  mihi  haec  B,  Haec  placet  et  EG  —  263  dederis  A 

—  notes  G  —  divum  B  —  264  nunc  A  —  poteris  B  —  265  societur  B  —  267  Sunt  AE  — 
tibi  BEG  —  268  decus  B  —  269  dumtaxat]  contentus  G  —  270  queror  A,.  curo  G  — 
273  Quam  tibi  despondi,    rex  inquit,  habebis  amicam   BEG    —    274  gener  BEG    —    276 

Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  11 


162  144.    Das  Eselein. 

'Tune  viro  iuveni  vis  nubere,  filia  regis? 

Si  vis,  huic  ergo,  filia,  nube  viro!' 
Virgo  suo  more  faciem  suffusa  rubore 
280  Patris  ad  lxanc  vocem  lumin a  flectit  humo 

Nilque  locuta  brevi  secum  deliberat  hora, 

Quid  respondere  debeat  ipsa  patri, 

Tandem  prorumpens  orisque  repagula  laxans : 

'Expedit,  ut  patris  iussio  fiat,'  ait. 

285     'Non  mea,  sed  patris  fiat  decreta  voluntas; 

Mi  pater,  ex  voto  pendeo  tota  tuo. 

Cui  me  vovisti,  sum,  si  vis,  ipsius  uxor, 

Sis  socer  ipsius,  Sit  gener  ipse  tuus.' 
Tunc  asino  gaudens  rex  inquit:  'Habeto  puellam, 
290  Vt  sis  sponsus  ei,  sponsa  sit  ipsa  tibi !' 

Suscipiens  asinus  patre  comitante  puellam, 

Instituit  celebrem  rexque  generque  diem. 
Tunc  polis  ornatur  tantoque  nitescit  honore, 
Vt  placeat  plane  plus  polis  ipsa  polo. 
295     Confluit  instar  apum  mimorum  magna  caterva, 
Desudat  quisquis  doctus  in  arte  sua. 
Crura  levans  sursum  suspensa  caputque  deoisum 

Ambulat,  atque  manus  dat  pedis  officium. 
Post  invitatur  plebs  et  pransura  locatur, 
300  Fit  quoque  laetitiae  baiula  tota  dies. 

Cumque  soporiferam  clarus  daret  Hesperus  horam, 

Qua  Veneri  licitae  femina  virque  vacant, 
Virginis  intrepidus  tlialamum  tunc  intrat  asellus, 
Vt  tenerae  sponsae  mulceat  ipse  sinum. 
305     Ergo  subit  tlialamum  dilectae  virginis,  in  quo 
Lumina  sunt  posita  rege  iubente  duo; 
Vt  videat,  quid  agant  hie  asellus  et  haec  domicella, 

Sub  velo  servus  nocte  locatus  erat. 
Omnibus  egressis,  cum  nullus  adesse  putatur, 
310  Munitur  vectis  obice  valva  domus. 


Parat  ad  haec  A  —  279  Ergo  suo  mala  B,  Ergo  suam  virgo  C  —  facie  AEG  —  282 
responderi  delectat  A  —  283  operisque  A  —  285  liberata  AB,  liberta  E,  libera  G  — 
288  illius  BEG  —  ille  B  —  289  dixit  B  —  291  Sufficiens  A  —  patrem  B  —  convivante 
A  —  292  celebrem]  diem  A  —  paterque  BEG  —  suus  A  —  293  tanto  BG  —  294  pape 
B,  pene  tunc  E,  plene  G  —  placet  ipse  polo  A  —  295  Concinit  B,  Constitit  E,  Constat 
G  —  opum  BG  —  297  Levat  caput  A,  llluviam  pedes  B,  Crura  pedes  E,  Muria  suspensa 
pedes  G,  llle  pedes  Mone  —  suspendit  pedes  A,  suspensus  caputque  B,  erigensque 
caputque  Mone  —  299  tota  ad  pransa  A  —  vocatur  G  —  300  die  AB  —  301  Postquam 
somniferam  A  —  satyrus  B,  satis  EG,  satyri  Mone  —  dabat  A  —  302  licita  B  —  302 
vacat  A  —  303  intrepidum  A  —  304  sponsae  teneris  B,  sponte  tenerum  E,  sponsam 
teneram  G  —  sue  A,  suum  E,  suam  G  —  305  immo  A,  aulam  E  —  307  agat  B  —  308 
Post  velum  BEG    —    velatus  A    —    adest  EG    —    309  probatur   B    —    310  noctis  obice 


144.    Das  Eselein.  163 

Extemplo  sponsus  asininum  ponit  amictum 

Et  posita  veteri  pelle  novus  fit  homo. 
Virgo  videns  hominis  formosi  nobile  corpus, 

Cuius  tunc  asini  turpis  iinago  fuit, 
315     Mox  incredibilem  sponsi  mirata  decorem 

In  laquenm  Veneris  praecipitata  ruit. 
Tunc  simul  ambo  suis  stringunt  sua  colla  lacertis 

Et  sua  concedunt  oribus  ora  suis. 
Protinus  in  lectum  salit  hie  sequiturque  puella; 
320  Quod  sequitur,  norunt,  novit  et  ipse  torus. 

Nee  reor  omnino  custodem  posse  latere, 

Qui  qaalesque  ioci  nocte  geruntur  ea. 
Ille  cupidineum  pro  tempore  temperat  aestum, 

Vxorisque  vices  exhibet  illa  viro. 
325     Dumque  redit  pulsis  rutilans  Aurora  fugatis, 

E  gremio  sponsae  prosilit  ille  suae, 
lüde  revestitur  asinino  rursus  amictu 

Et  fit  a&ellus  idem,  sicut  et  ante  fuit. 
Mane  pater  veniens  pulsansque  fores  ait:  'Eia, 
330  Prae  foribus  pater  est.     Filia,  pande  fores!' 

Illa  seras  laxans  festina  patremque  salutans: 

'O  bene  venisti,  mi  pater,'  inquit,  'ave ! 
O  pater,  innumeras  merito  refero  tibi  grates, 

Quod  nupsi  caro  te  mediante  viro.' 
335     'Estne  tibi  carus,'  inquit  pater,  'iste  maritus?' 

Tunc  hilari  voltu  sie  ait  illa  patri: 
'In  toto  mundo  non  est  mihi  carior  isto, 

Et  toto  vere  diligo  corde  virum.' 
Non  tarnen  insinuat,  quae  sit  persona  mariti 
340  Quodque  sub  informi  pelle  latei-et  homo. 

Dum  mora  parva  foret,  natam  generumque  relinquens 

Ipse  vale  facto  surgit  abitque  foras. 
Impiger  insequitur  regis  vestigia  servus, 

Qui  sub  cortina  nocte  cubabat  ea, 


ianua  G  —  311  deponit  BC  —  312  Deposita  B,  Exuta  C  —  fit  novus  A  —  313  formari 
E,  fore  G  —  314  tunc]  iam  ABG,  tarn  E  —  pridem  BEG  —  315  impossibilem  A  — 
mutata  A,  gavisa  E  —  316  fuit  B  —  317  iungunt  E  —  318  contendans  A,  contendunt 
EG  —  moribus  A  —  319  hie]  fehlt  A  —  320  ipsa  choors  A  —  321  custodem]  fehlt 
BED  —  posse  latere  laborem  B,  fuisse  latere  labore  E,  posse  carere  iabore  G  —  322 
Quin  quales  A,  Qualescunque  B  —  gerantur  B  —  ibi  BEG  —  323  Illa  B  —  caput 
iuvenis  A,  cupide  meum  B,  viri  cupide  Mone,  cupidinem  G  —  cepit  honeste  A,  temperat 
esca  G  —  324  vires  A  —  325  venit  G  —  327  Atque  Mone  —  vestitur  A  —  328  item 
Mone  —  329  pulsans  ait  ejaque  fores  B  —  ecce  C  —  330  est  pater  A  —  331  fores  AE  — 
festive  B,  festinans  G  —  salutat  A  —  332  ei  BEG  —  333  referam  B  —  335  Nunc  tibi 
sit  A  —  quaerit  B  —  336  ipse  A  —  pater  B  —  337  illo  BEG,  ullus  Mone  —  340  sub- 
formi  A  —  latere  A  —  344  quod  A  —    post  curtinam  BG    —    cubaret  AEG,  curabat  B, 

11* 


164  144.    Das  Eselein. 

345     Quem  rex  nocturnum  vigilem  decreverat  esse, 
Vt  specularetur,  hie  quid  et  haec  facereut. 
Ergo  quod  audierat,  quae  viderat,  expositnrus 

Instillat  regis  auribus  ista  sui: 
'0  rex  invicte,  rex  inclite,  rex  venerande, 
350  Dignanter  servi  pereipe  verba  tui! 

Praeterita  nocte  sub  cortina  reeubanti 

Res  est  visa  mibi  prodigiosa  satis. 
Cum  gener  iste  tuus  se  solum  tempore  noctis 
Coniuge  cum  sola  crederet  esse  sua, 
355    Ilico  nudatur  asinini  velleris  usu, 

Tunc  datur  effigies  imperialis  ei. 
Quid  referam,  domine,  quae  gesserit  illa  vel  ille! 

Quos  Veneri  tota  nocte  vacasse  scias. 
Cumque  vale  faceret  sponsus  sponsae  Venerique, 
360  Eursus  amicitur  pelle  priore  sua. 

Nunc  age,  mi  domine,  si  vis,  quod  suggero,  nosse, 

En  ea  Ventura  nocte  probare  potes. 
Hac  igitur  nocte  thalamum  secretius  intra, 
In  quo  pausabunt  nata  generque  tuus, 
365     Et  quando  reperis  asininum  vellus  ibidem, 

Ipsum  clam  genero  subtrahe,  trade  f  oco ! 
Cumque  togam  turpem  fervens  assumpserit  ignis, 

Ille  manebit  liomo  mortis  ad  usque  diem.' 
Rex:  'Ita  fiat',  ait,  'quod  suades,  nocte  probabo; 
370  Forte,  quod  optavi,  nox  dabit  ista  milii.'  — 

Rex  igitur  thalamum  sub  opacae  tempore  noctis 

Intrat,  et  ecce  torum  nata  generque  premunt. 
Et  quod  post  Venerem  mos  est  obrepere  somnum, 
Oppressi  fuerant  ambo  sopore  gravi. 
375     Leniter  incedens  rex  appropriansque  cubili 
Formosum  corpus  cernit  inesse  toro; 
Cui  mox  exuvias  asinini  velleris  aufert 


latebat  Mone  —  ibi  EG  —  346  quid  facerent  hie  et  haec  BE  —  347  Ergo  quid  A,  Ergo 
quae  BEG,  Is  quaeque  Mone  —  quae]  et  BG  —  349  generöse  BG,  gloriose  E  —  351 
cubitanti  BEG  —  352  ista  A  —  353  solus  A  —  354  credidit  A  —  356  Et  BEG  —  357 
quid  B  —  gesserat  A  —  358  veneris  A  —  360  priori  sue  A  —  361  mi]  fehlt  A  —  quod] 
tibi  A  —  362  Ipse  hac  Mone  —  probare  potes]  fehlt  B,  videre  velis  Mone  —  363  Hac 
igitur  nocte  AEG,  fehlt  B,  Tu  modo  sponsorum  C  —  364  pulsabunt  A,  pulsabit  E  —  365  En 
A  —  dum  repperies  BE,  dum  reppereris  C  —  vellusque  A  —  eidem  C  —  366  Ipsam  A, 
Pellem  B  —  367  Cum  pellem  A  —  vehemens  consumpserit  BCEG  —  369  ait  ita  fiat  A 
—  370  illa  B  —  371  ergo  B,  vero  E  —  ocaci  A,  opaco  BE,  optato  G  —  372  petunt 
A,  premit  BG  —  373  Et  quia  CE,  Quos  quia  Mone  —  mox  coepit  B  —  abrumpere  A, 
premere  B,  obrumpere  C,  surripere  E,  obrepuere  G,  prendere  Mone  —  somnus  B, 
soporem  G  —  375  intendens  A,  accedens  CE  —  aperiensque  cubile  A  —  376  corpus  A, 
cernens  BEG,  cernit  C  —  aceubitare  BEG,  aecumbere  C    —    toro]  virum  BCEG    —    377 


144.    Das  Eselein.  165 

Et  genero  minime  comperiente  fugit 
Fornacemque  iubet  accendi  fomite  multo, 
380  In  qua  fit  peius  rege  iubente  cinis. 

B.ex  quoque  nosse  volens,  quid  facturus  foret  ille, 

Nocte  manet  tota  pervigil  ante  fores. 
Ergo  gener  mane  surgens  somno  satiatus 

Pelle  volens  asini  sicut  et  ante  tegi, 
385     Quam  non  inveniens  multo  stimulante  dolore 

De  sola  coepit  anxius  esse  fuga 
Egrediturque  foras.     Sed  rex  foris  obstat  aitque: 

'Quo  properas,  fili?  Quid  pateris,  quid  habes? 
Omnino  certe  cassabitur  ista  voluntas 
390  Atque  tuum  penitus  impedietur  iter. 

Subtracta  pelle  tu  nolo  queraris  aselli, 

Cum  sis  formosus  et  bene  comptus  bomo. 
Me  vivente  meum  modo  regnum  divido  tecum, 

Post  mea  tu  totum  funera  solus  babe.' 
395     Cui  gener:  'Ista  liberjs  faciam  tecumque  manebo, 

Et  precor,  ut  finem  dent  bona  coepta  bonum.' 
Ergo  bipartitur  res  publica,  portio  semis 

Offertur  genero,  pars  manet  una  socro. 
His  ita  patratis  nondum  rota  volvitur  anui, 
400  Cum  rex  emeritus  occidit  ense  necis. 

Tumque  Neoptolemus  regni  monarcha  creatur, 

Solus  enim  regnum  vindicat  omne  sibi. 
Idem  praeterea  patris  sortitur  bonorem 

Sicque  regit  regum  rex  duo  regna  duum. 


Qui  BEG  —  In  EG  folgt:  Mox  impleturus  consilium  famuli  —  379  accendere  fodit  in 
illam  B  —  380  sit  B  —  vellus  A  —  383  surgens  mane  A  —  surgit  C  —  nocte  B,  ludo 
Mone  —  384  Vcllere  F  —  385  Qui  A,  Quod  E  —  cruciatus  multo  dolore  B,  multo 
dolore  repletur  EFG,  maeret  magnoque  dolore  Mone  —  pudore  A  —  387  astat  E  — 
389  En  modo  EG,  Cui  modo  F  —  391  Subtractam  pellem  B  —  tu]  fehlt  ABCEFG  — 
voceris  A,  conqueraris  B,  claudaris  C,  censeris  E,  casseris  FG  —    asellus  AE,    aselle  FG 

—  392  Dum  A  —    natus  C    —    393  Me  manente  A,  Vis  manere  B,  Visne  manere  Mone 

—  mecum  meum  A,  mecum  rex  modo  B,    meum  tecum  modo  C,    meum  totum  modo  FG 

—  395  inquit  ita  faciam  BCE  —  396  copia  mea  A,  cepta  opera  F  —  In  E  folgt:  Post 
mortemque  meam  fiant  omnia  tua  —  397  Sicque  C  —  bipartita  BCG  —  semis  A,  regni 
BEG,  regis  C  —  398  sibi  A,  seni  BC,  socro  EFG  —  399  ita  praeteritis  A,  bipartitis  B, 
iam  finitis  E,  finitis  FG  —  400  immeriti  A,  decrepitus  C  am  Rande  —  Die  Verse  401  f. 
folgen  in  A  auf  403  f.  —  401  Tunc  A,  Cumque  C  —  paratur  C,  vocatur  F  —  402  ist 
in  A  durch  drei  ungefüge  Zeilen  ersetzt:  Et  regit  sceptra  terre  regnique  sui,  Et  illud 
regnum  regit  sua  magna  potestate,  Vsque  finierat  tempore  vite  sue  —  omne]  ipse  E,  esse 
FG  —  403  Cuius  A,  Posthaec  C  —  404  Hicque  A,  Qui  B,  Atque  Mone  —  nempe  A, 
regnum  EFG  —  Unterschrift:  Explicit  A;  Explicit  liber  dictus  Asinarius  vel  Diadema 
B;  Explicit  Asinarius  deo  gratias  C;  Item  iste  Asinarius  est  finitus  nee  non  scriptus  in 
Cracovia  per  Georgium  Schleyffir  de  Brega  filium  carnificis,  qui  ipsum  terminavit  in 
ieiunio  feria  sexta  ante  palmarum  anno  domini  MCCCCLXXV.  Et  cetera  rinthfleysch  etc. 
E;  Explicit  Asinarius  poeta  foeliciter  1475  F;  Explicit  Asinarius  poeta  G. 


166  144.    Das  Eselein. 

Das  breit,  doch  nicht  ungefällig  erzählte  Märchen  *)  ist  bereits 
oben  2,  234  in  der  ersten  Gruppe  des  Tierbräutigam- Kreises 
angeführt  worden.  Gleich  'Hans  mein  Igel'  (nr.  108)  ist  der  Held, 
dessen  Eltern  sich  lange  vergeblich  ein  Kind  gewünscht  hatten,  als 
Tier  geboren2)  und  zieht  allein  aus,  sich  eine  Braut  zu  holen.  Daß 
er  gerade  durch  sein  Lautenspiel  Beifall  und  Gunst  findet,  mahnt 
an  die  in  mittelalterlichen  Holzschnitzereien  und  Miniaturen  häufig 
auftretende  Figur  des  musizierenden  Esels,3)  an  das  Lied  von 
unmöglichen  Dingen :  'Der  Esel  wird  die  Laute  schlagen'  (Erk- 
Böhme,  Liederhort  nr.  1108;  ebenso  Eyring,  Proverbiorum  copia  1, 
282.  446)  und  an  Sprichwörter  wie:  'Welcher  Esel  nicht  kann  Lauten 
(Pauken)  schlagen,  muß  die  Sack  zur  Mühle  tragen';  'Was  tut  der 
Esel  mit  der  Sackpfeifen.'4)  Die  Erzählung  wendet  sich  bald  zur 
fröhlichen  Lösung,  da  aus  der  Belauschung  des  nächtlichen  Geheim- 
nisses keine  Störung  des  ehelichen  Glückes  erfolgt,  wie  in  den 
Märchen  von  Amor  und  Psyche,  Melusine,  dem  Schwanenritter  u.  a. 
Während  Hans  mein  Igel  bei  der  Verbrennung  des  Felles  kohl- 
schwarz wird  und  geheilt  werden  muß,  will  hier  der  Jüngling  von 
Schmerzen  gequält  zwar  entfliehen,  wird  aber  durch  den  Schwieger- 
vater bald  beruhigt.  —  Über  ein  indisches  Märchen,  welches 
unserm  ganz  nahe  kommt,  vgl.  oben  2,  240. 

1)  Die  kecke  Art,  wie  der  Esel  einen  Platz  am  Tische  des  Königs 
fordert  und  neben  die  Königstochter  gesetzt  wird,  hat  vermutlich  G. 
Freyta^  (Das  Nest  der  Zaunkönige  1873  S.  59)  bei  seiner  Schilderung 
von  Immos  Aufnahme  beim  Grafen  Gerhard  vorgeschwebt. 

2)  Also  nicht  wie  der  Krautesel  (nr.  122)  durch  eine  Hexe  verwandelt. 

3)  Vgl.  Wickram,  Werke  4,  IX.  8,  347.  Auf  einem  Hamburger 
Grabstein  ist  ein  Dudelsack  spielender  Esel  dargestellt  (Niedersachsen 
16,  468.  1911).  Schon  im  Altertum  galt  der  Esel  als  ganz  unmusikalisch  ; 
Lucian,  Dialogi  meretricii  c.  14  p.  321:  ÖVOC,  CtVToZvQt^CüV.  Paroemio- 
graphi  ed.  Leutsch  2,  193  nr.  39:  övog  XvQl^üiV.  1,  291  nr.  33  övog 
ÄVQCtg  dxov(t)V.  Erasmus,  Adagia  1599  S.  825.  Vgl.  auch  Zs.  f.  Volks- 
kunde 13,  221  und  Mones  Anzeiger  1839,  560  (zwei  Meisterlieder). 

4)  Wander,  Sprichwörterlexikon  1,  858  nr.  97.  382  f.  524  f.  547. 
593.  —  Cechisch  aus  dem  16.  Jahrh. :  'als  ob  er  einen  Narren  auf  Eier 
setzte  oder  einen  Esel  zur  Geige'  (Flajshans,  Pfislovi  2,  57)  und  noch 
jetzt:  'er  versteht  davon  soviel  wie  der  Esel  von  der  Harfe  und  die 
Henne  vom  Bier'  (Celakovsky,  Mudroslovi  S.  562).  Polnisch  bei  Pej  im 
Wizerunek  1558:  'der  Esel  möge  Spreu  fressen,  aber  die  Laute  in  Ruhe 
lassen'  und  bei  Petrycy  Sebastjan,  Acht  Bücher  der  Politik  des  Aristoteles 
1605:  'Es  ist  vergeblich,  den  Esel  zur  Laute  zu  zwingen'  (Adalberg, 
Ksi^ga  prz3Tslöw  S.  363).     Litauisch:  Scheu-Kurschat  S.  261  nr.  17. 


145.   Der  undankbare  Sohn.  167 


145.    Der  undankbare  Sohn.  isse  s  223. 

1815  nr.  59  =  1819  nr.  145.  Nach  Job..  Paulis  Schimpf  und 
Ernst  1522  cap.  437  (ed.  Oesterley  1866).  Ganz  in  der  Art  wie 
Großvater  und  Enkel  (oben  2,  135),  der  zarten  Kindheit  vor  allem 
naheliegend. 

Schon  im  13.  Jahrhundert  erzählt  der  Dominikaner  Etienne 
de  Bourbon  (Anecdotes  historiques  ed.  Lecoy  de  la  Marche  1877 
nr.  163)  die  Geschichte  als  nicht  lange  zuvor  zu  Chinon  geschehen; 
erst  nach  einer  Pilgerfahrt  ins  heilige  Land  sei  die  Kröte  von  dem 
undankbaren  Sohne  abgefallen.  Nach  seinem  Ordensgenossen 
Thomas  von  Cantimpre  (Bonum  universale  de  apibus  2,  7,  4  = 
R.  Köhler  1,  473.  Büsching  in  F.  Schlegels  Deutschem  Museum  4, 
82.1813.  Kaufmann,  Thomas  von  Chantimpre  1899  S.  131.  W.vanderVet, 
Het  bienboec  van  Tho.  van  Cantimpre  1902  S.  311),  der  sich  gleich- 
falls auf  einen  Augenzeugen  beruft,  lebte  der  Sohn  in  der  Normandie 
und  in  Paris  und  ward  erst  nach  Jahren  durch  Fürbitte  der  Heiligen 
der  Kröte  ledig.  Der  Cisterzienser  Cäsar ius  von  Heisterbach 
(Dialogus  miraculorum  6,  c.  22  ed.  Strange  1851  =  Wolf,  DMS. 
nr.  35  =  Annalen  des  hist.  V.  f.  den  Niederrhein  47,  175.  Homiliae 
1,  141.  Schönbacb,  Wiener  SB.  163,  1,  22)  berichtet  einen  ähnlichen 
Fall  aus  dem  Mosellande;  der  undankbare  Sohn,  welcher  Heinrich 
heißt,  läßt,  als  seine  bedürftige  Mutter  kommt,  das  Huhn  durch  den 
Knecht  in  der  Truhe  verbergen ;  dieses  verwandelt  sich  in  eine 
Schlange,  die  sich  um  seinen  Hals  ringelt;  um  sie  los  zu  werden, 
läßt  er  sich  zu  verschiedenen  Kirchen  fahren,  und  seine  Mutter,  der 
Kränkung  vergessend,  geleitet  ihn.  —  Vgl.  Speculum  exemplorum 
1487  dist.  5,  34  (nach  Thomas).  *Herolt,  De  eruditione  Christi 
fidelium,  de  quarto  praeeepto  (Thomas).  Klapper,  Erzählungen  des 
Mittelalters  1914  nr.  142  (in  dyocesi  Rothoraagensi).  Catalogue  of 
romances  in  the  dep.  of  ms.  in  the  British  museum  3,  545  nr.  58. 
3,  600  nr.  23.  Vincentius  Bellovacensis,  Speculum  morale  1.  3,  10,  25 
(1624  p.  1493).  Arnoldus,  Gnotosolitos  1476  1.  1,2,4,59.  Bromyard, 
Summa  praedicantium  F  5,  35  (Cäsarius).  Bernardinus  de  Bustis, 
Rosarium  sermonum  1503  1,  124.  Hollen,  Preceptorium  1489  Bl.  76a. 
Pelbartus,  Pomerium  sermonum  1562,  S.  de  tempore,  pars  hiemalis 
Bl.  22b.  Johannes  Junior,  Scala  celi  1480  Bl.  97a  (s.  v.  Filii).  Manlius, 
Locorum     communium     collectanea    1590     p.     226.     —     Deutsch: 


168  145.    Der  undankbare  Sohn. 

Selentroist  1484  Bl.  60  =  Frommanns  Deutsche  Mundarten  1,  215 
nr.  55—56.  Pfeiffer,  Altdeutsches  Übungsbuch  1866  S.  194.  Meister- 
lied von  der  krotten  und  von  dem  Romer,  der  seinem  sun  sein  hab 
und  gut  übergab,  in  des  Nachtigals  senfften  ton,  Nürnberg  1509 
(Goedeke,  Grundriß2  1,  316  nr.  53).  Geüer,  Evangelibuch  1517  Bl. 
195;  Passion  1513  Bl.  50b  (J2b,2);  Postill  4,  37,  g.  Luther,  Tisch- 
reden 1,  206  ed.  Förstemann.  Kirchhof,  Wendunmut  5,  nr.  110. 
Nie.  Florus,  Erinnerung  vom  Ampt  der  Kinder  gegen  jhren  Eltern 
1579  Bl.  16a  =  Zs.  f.  den  dt.  Unterricht  11,  800.  Bütner,  Epitome 
hist.  1596  Bl.  497.  Hondorf,  Promptuarium  exemplorum  2,  62a  (1599). 
Lautenberger  1617  (Alemannia  4,  264).  Zanach,  Histor.  Erquick- 
stunden 4,  1,  547  (um  1620).  Hager,  Jugendt-Spiegel  1634  S.  94. 
Horst,  Dämonomagie  1817  2,  479.  Seidl,  Schriften  2,  70  (1877). 
Becker-Roose-Thiele,  Litauische  und  preuß.  Volkssagen  1847  S.  107 
nr.  37;  vgl.  Berliner  Ms.  germ.  oct.  316  nr.  9.  Pröhle,  M.  f.  d. 
Jugend  nr.  45  'Die  geizige  Schwiegertochter'.  *)  — Niederländisch: 
De  Vooys,  Middelnederlandsche  Legenden  1900  S.  346.  Van  der  Vet, 
Het  Bienboec  1902  S.  311.  Jan  van  Vloten,  Nederlandsche  Proza- 
stukken  1851  S.  294.  Nie.  Beets,  Gedichten5  3,  168  'Jan  Janszen' 
(Volkskunde  15,  1621).  —  Englisch:  The  Roxburghe  ballads 
ed.  by  Chappell  2,  74  (1874).  —  Französisch:  Tresor  de 
l'äme  (Legrand,  Fabliaux  1829  4,  126).  Histoire  litt,  de  la  France 
23,  193.  Doctrinal  de  sapience  Bl.  21b.  Mirouer  et  exemple  des 
enfants  ingrats  (Petit  de  Julleville,  Repertoire  du  theatre  comique 
1886  p.  61).  Hymans,  Les  images  populaires  flamandes  au  16e  siecle, 
Liege  1869  p.  19 :  L'enfant  ingrat,  Kupferstich  von  J.  Sadeler  mit 
Versen.  Melusine  1,  403  nr.  1  'Les  enfants  ingrats';  8,  10  'L'enfant 
ingrat'  (gereimt).  Sebillot,  Folklore  de  France  3,  295.  Luzel,  Legendes 
2,  179  'Le  fils  ingrat'.  Thuriet,  Trad.  du  Doubs  p.  287.  Dardy, 
Albret  2,  87.  Du  Meril,  Etudes  1862  p.  473.  —  Italienisch: 
Storia  di  Stefano,  canto  15  (ed.  Rajna  1880  p.  145  ;  vgl.  Romania  10,2 
•II  figlio  iügrato').  —  Portugiesisch:  Braga  2,  128  nr.  170  "0 
capäo  tornado  sapo'  (v.  J.  1657).  —  Serbokroatisch  im  Koriz- 
menjak,  einem  1507  gedruckten  glagolitischen  Buche,  das  aus  einem 
lateinischen  Werke  des  Frater  Rubertus  übersetzt  ist  (Archiv  f.  slav. 


*)  In  einer  badischen  Sage  (Baader  1851  nr.  64  =  Bad.  Sagenbuch 
2,  79.  1899)  verwandelt  sich  das  den  Bettlern  versagte  und  in  einen 
Kasten  geworfene  Brot  in  Kröten  und  Schlangen,  welche  die  geizige 
Frau  auffressen.     Ebenso  serbokroatisch  im  Zbornik  jslav.  11,  281  nr.  5. 


146.   Die  Rübe.  169 

Phil.  6,  427  =  Dähnhardt,  Natursagen  4,  262).  J.  Habdelic  1674 
nach  Thomas  Cantimpr.  (Maretic,  Zbornik  jslav.  7,  226).  Zs. 
Karadzic  2,  187.  215.  In  einem  Büchlein  des  dalmatinischen 
Frater  Jos.  Banovac  (1674,  2.  Aufl.  1747  'Erzählungen  auf  die 
Fastenfeste')  =  Archiv  f.  slav.  Phil.  3,  215  'Der  undankbare 
Sohn  und  die  Kröte'  wird  das  mit  der  Schüssel  zugedeckte  Huhn 
zu  einer  Schildkröte ;  vgl.  R.  Köhler  1,  473.  Vuk  Stef.  Karadzic, 
Serbisches  Lexikon  s.  v.  Korhaca  (Schildkröte  entstanden  aus 
versteckten  Kuchen,  Huhn  und  Schüssel).  Bos.  Vila  12,  228  (1897. 
Frosch  aus  dem  versteckten  Huhn).  —  Wendisch:  Schulenburg, 
Volkssagen  S.  292  'Die  Kröte'  =  Friedel-Mielke,  Landeskunde  der 
Provinz  Brandenburg  3,  234.  — ■  Kleinrussisch:  Dragomanov 
S.  10  nr.  31  (Huhn  wird  zur  Schildkröte).  Am  Urquell  3,  18 
(ebenso);  vgl.  Dähnhardt  2,  264.  Die  geizige  Tochter  wird  auf  den 
Fluch  der  Mutter  selber  zur  Schildkröte  bei  Cubinskij,  Trudy  1,  66. 
Zytje  i  Slovo  1,  147  (Nordungarn.  Christus  und  Petrus  verwandeln 
den  Geizhals  in  einen  Frosch).  —  Magyarisch:  Klimo  p.  100 
(geizige  Frau  wird  zur  Schildkröte). 


146.    Die  Rübe.  issest. 

1815  nr.  60  =  1819  nr.  146.  —  Schon  der  äußeren  Form  nach 
ein  altes  Märchen ;  es  ist  nämlich  nacherzählt  einem  lateinischen  Ge- 
dichte des  Mittelalters  in  elegischem  Versmaß,  Raparius  über- 
schrieben, das  Jacob  Grimm  1814  in  einer  Straßburger  Handschrift 
aufgefunden  hatte;  s.  Briefwechsel  zwischen  J.  und  W.  Grimm  aus 
der  Jugendzeit  1881  S.  343.  361,  auch  Hamann,  Die  literarischen 
Vorlagen  1906  S.  48. 

Wir  teilen  den  Raparius  nach  der  ältesten  der  vier  seither  bekannt 
gewordenen  Handschriften  mit  und  verzeichnen  die  ziemlich  umfänglichen 
Abweichungen  der  übrigen:  A.  Wiener  Hs.  1365  aus  dem  Anfange  des 
14.  Jahrh.  432  Verse.  Abgedruckt  von  A.  "Wolf,  Germania  7,  43—54; 
vgl.  Mussafia  ebd.  7,  237.  —  B.  Heidelberger  Hs.,  in  Frankfurt  1452  ge- 
schrieben, aus  Salmansweil  stammend,  386  Verse.  Abgedruckt  von 
Mone,  Anzeiger  für  Kunde  des  teutschen  Mittelalters  8,  561—580(1839); 
vgl.  3,  162.  —  C.  Göttinger  Cod.  theol.  114  aus  dem  15.  Jahrh.  422  Verse. 
Abgedruckt  von  Oesterley,  Jahrbuch  für  roman.  Lit.  12,  241—268(1871). 


170  146.   Die  Rübe. 

—  D.  Straßbarger  Hs.  Johann.  C.  102  aus  dem  15.  Jahrb.,  1870  ver- 
brannt, 392  Verse.  J.  Grimms  teilweise  Abschrift  im  Berliner  Ms.  germ. 
qu.923  enthält  die  Verse  1—94.  97—98.  293— 398  nach  der  Zählung  von  B. 

—  C  stellt  eine  Umarbeitung  von  A  dar,  aus  der  auch  die  Fassungen 
BD  geflossen  sind,  welche  besonders  im  ersten  Teile  gegen  C  zusammen- 
stimmen. 

Raparius. 
Fama  fuisse  duos  testatur  frivola  fratres, 

Quos  uni  mater  edidit  una  viro. 
Militiae  titulus  hos  insignaverat  ambos, 

Ex  quibus  unus  erat  dives  et  alter  inops. 
5     Militis  officium  cum  nomine  dives  habebat, 
Alter  egestatis  triste  ferebat  onus. 
Ne  tarnen  omnino  possit  mendicus  haberi, 

Pro  dolor,  insolitum  discere  coepit  opus; 
Mollius  ergo  solum  rastro,  modo  scindit  aratro, 
10  Nunc  radicosa  manu  rura  ligone  ferit 

Et  patulis  sterilem  sulcis  commendat  avenam, 

Utpote  cui  parva  copia  farris  erat; 
Seminat  et  semen,  cuius  fit  rapula  fructus, 
De  quo  fructificat  immoderata  seges. 
15     Rapula  crevit  ei  reliquis  enormior  una, 

Quae  dici  pleno  nomine  rapa  potest, 
Tarn  dilatata  foliis,  tarn  corpore  grandis, 

Ut  nemo  penitus  viderit  ante  parem. 
Ipsius  umbra  viris  duodenis  sufficiebat, 
20  Ne  sub  ea  solis  ureret  aestus  eos. 

Tarn  fuit  enormis,  ut  carrum  sola  repleret 

Vixqne  boves  traherent  quatuor  illud  onus. 


Lesarten. 

1  frivola]  prodiga  B,  provida  D  —  mater]  mulier  B,  viro  C  —  viro]  mater  C  — 
3  titulis  D  —  insigniverat  BC  —  4  Ex]  De  C  —  5  fehlt  D  —  habebat  cum  nomine 
dives  A,  tenuit  c.  n.  d.  B  —  6  bis  12  in  BD: 

Ast  alter  quaestu  paupere  vixit  inops. 
Hie  igitur  rebus  subtractis  desiit  esse 

Miles  et  elegit  rusticus  esse  [ni]mis. 
Ergo  valefaciens  Marti  non  militat  ultra, 

Sed  potius  Cereri,  pro  pudor,  ipse  vacat. 
Ut  sibi  procuret  miserae  dispendia  vitae, 
Villani  more  rura  ligone  ferit. 
7  mendicus  posset  C  —  9  Mollibus  C  —    rastris  C    —    arastro  A,  aratri  C    —    10  ruga 
sepius  longe  vertebat  C  —  serit  AB  —    12  farris  copia  parva  fuit  C    —     13  Sicque  serit 
BD  —  fit]  sit  C  —  Proventumque  capit  seminis  inde  sui  BD  —   17  bis  20  in  BD: 
Ipsaque  tanta  fuit,  qualem  non  viderat  ante 
Sed  neque  vidisse  creditur  ullus  homo. 
21    quod  currum  BD,  ut  pratum  C  —  22  bis  24  in  BD: 

Et  traherent  pondus  vix  duo  tale  boves. 


146.    Die  Kübe.  171 

Ast  pauper  viso  tarn  grandi  pondere  fracta 

Obstapet  et  secam  dicere  coepit  ita: 
25     'O  deus  omnipotens,  caeli  terraeque  creator, 

A  quo  conditus  est  primus  et  omnis  homo, 
Qui  caelnm  sole,  luna  stellisqne  venustas 

Et  qui  multiplici  germine  pingis  humum 
Quique  facis  variis  habitabile  piscibus  aequor, 
30  Arbitrio  parent  cancta  creata  tuo. 

Absque  tuo  nutu  folium  non  proicit  arbor, 

Nee  sine  te  fruetus  giguit  ager  vel  homus, 
Nee  sine  te  crevit  haec  rapula  prodigiosa, 

Quae  normam  vincit  transgreditarque  modum. 
35     Deprecor,  ut  fruetus  hie  Sit  mihi  causa  salutis, 

Sit  paupertatis  finis  opumque  dator. 
Si  nihil  in  terra  iubet  esse  deus  sine  causa, 

Hunc  fruetum  frustra  non  generavit  humus. 
Hactenus,  heu  domine,  sub  paupertate  fatisco, 
40  Quae  me  confundit  degeneremque  facit. 

Magne  deus,  novi,  quoniam  de  compede  tali 

Me  potes  eximere,  si  tarnen  ipse  voles.' 
Ergo  6ub  tali  portento,  quid  sit  agendum, 

Consulit  uxorem.     Protinus  uxor  ad  haec: 
45     'Vilis  erit  pretii,  si  rapula  veneat  ista, 

Proderit  immo  minus  ventre  vorata  tuo. 
Expedit,  ut  regi  rarissima  rapula  detur, 

Nam  debent  regi  munera  rara  dari. 


25  bis  44  in  BD: 


Rusticus  hac  visa  quasi  portento  stimulatur 

Insolitaeque  rei  de  novitate  stupet; 
Dumque  stupet,  dicit:  'Non  aeeidit  hoc  sine  causa' 

Nee  tarnen  est  sortis  praescius  ipse  bonae. 
Qui  dum  miratur,  quorsum  sors  ista  feratur, 

Indicium  fati  conicit  ipse  boni. 
Et  quia  mens  hominum  non  est  praesaga  futuri, 

Consurgunt  in  eo  spesque  timorque  simul. 
Sed  cum  sors  dubia  dederit  sperare  timenti, 

Ore  quidem  cauto  se  penes  ista  terit: 


'O  deus  omnipotens,  qui  solus  euneta  creasti, 

Qui,  quorsum  tendant  singula,  nosse  potes, 
Quo  sine  nulla  comam  deponere  creditur  arbor, 

Quo  sine  nee  minimum  posset  ad  ima  rui, 
Te  rogo,  summe  deus,  qui  euneta  creata  gubernas, 

Ne  solita  prives  me  pietate  tua. 
Quicquid  obesse  potest,  remove,  largire,  quod  opto, 

Rarus  ut  hie  fruetus  sit  mihi  praeco  boni! 
Hactenus  en  miserae  patior  dispendia  vitae. 

Deprecor  ergo,  deus,  amodo  verte  vices!' 
Haec  cum  dixisset  homo,  quid  videatur  agendum, 

Discutit,  ista  sibi  nemine  teste  loquens: 
27  stellis  lunaque  C  —  30  onusta  C  —  34  fehlt  C  —    39  fatiscor  C    —    41   fehlt  C    — 
42  eripere  C  —  43  tormento  C  —  45  venditur  BD  —  46  meo  BD  —  47  bis  52  in  BD: 


172  146.    Die  Rübe. 

Forsan  es  a  rege  magno  ditandus  honore, 
50  Quem  dare  pro  parvis  munera  magna  decet.' 

'Hoc  placet,  hoc  plane  faciam,'  vir  ait  mulieri, 

'Utile  consilium  propositamque  tuum.' 
Mox  igitur  carram  componit  et  ordinat  aptum, 
Applicat  et  carro  quattuor  ipse  boves. 
55    Pondere  sub  tauto  stridens  gemit  axis  et  ipse 
It  celer,  ut  regi  munera  rara  ferat. 
Solibus  ergo  tribus  sie  incedens  vir  honestus 

Ecce  die  quarto  regia  castra  petit. 
Se  praesentari  regi  petit,  impetrat,  intrat, 
60  Utpote  qui  munus  grande  daturus  erat. 

Hoc  etenim  regum  sibi  curia  sauxit,  ut  omnis, 

Qui  nihil  attulerat,  stet  foris  ante  fores. 
Nee  tarnen  introitum  negat  illi  sanetio  legum, 
Qui  cum  muneribus  limiua  regis  adit. 
65     Ergo  vir  iste  sui  regis  vectatur  in  aulam, 
Qui  coram  rege  stans  reverenter  ait: 
'Accipe,  mi  domine,  quoddam  mirabile  munus, 

Quod  soli  regi  censeo  iure  dari.' 
Protinus  inspecto  fruetu  tarn  ridiculoso: 
70  'Pape,  quid  hoc  monstrum,'  rex  ait,  'esse  potest, 

Unde  tibi,  boue  vir,  haec  rapula  prodigiosa? 

Unde  tibi  talis  rapula,  quaeso,  refer! 
Mnlta  quidem  mira  scio  me  vidisse  frequenter, 
Sed  nunquam  vidit  tale  quid  ullus  horno. 
75     Non  est  fortassis  haec  rapula  filia  terre, 


Hanc  igitur  regi  dabo  rem  tam  prodigiosam, 

Res  etenim  regem  prodigiosa  decet.' 
Se  penes  haec  pauper  homo  cum  deliberat,  inquit: 

'Nil  reor  utilius  restat,  ut  illud  [hoc  placet,  hoc  et  B]  agam.' 
49  es  a]  eris  C  —  ditatus  C  —  52  proposilum  consiliumque  C  —  53  bis  66  in  BD: 
Accelerans  igitur  currum  parat  ocius  aptum 

Et  super  imponi  tale  iubebat  onus 
Combinansque  boves  binos  fgeminos  B]  festinat  ad  aulam, 
Offerat  ut  regi  munera  rara  suo. 
55  stridet  et  A  —  57  Mensibus  A  —  onustus  C  —  61   regis  sibi  cura  C  —  62  nisi  attu- 
lerit  C  —  63  Non  C  —  interdum  A  —  65  Ergo  ubi  iste  suam  A  —  profectus  ad  aulam 
C  —  67  bis  68  in  BD: 

'Suscipe  mi  domine,  munuscula  pauperis  huius, 

Quae  nulli  potius  quam  tibi  danda  reor! 
Si  pretiosa  minus  censes,  non  rara  negabis 
Et  regi  merito  iudico  rara  dari.' 
69  tam  grandi  pondere  fruetus  B  —  70  monstri  C  —  71   bis  77  in  BD: 
Multa  quidem  mira  me  conspexisse  recordor, 

Sed  nunquam  tale  vidit  homo  nee  ego 
Die,  rogo,  die,  unde  fruetus  provenerit  ille, 

Unde  tibi  species  prodigiosa  nimis! 
Credo,  quod  hie  fruetus  fiat  tibi  causa  salutis. 
72  fehlt  A  —   73  rara  C  —  78  Iudiciumque  A  —  79  bis  98  in  BD: 


146.    Die  Rübe.  173 

E  caelo  potins  hanc  cecidisse  reor. 
Haec  erit,  ut  video,  tibi  fons  et  origo  salutis, 

Indiciumque  reor  ominis  esse  boni. 
Die  age  simpliciter,  tibi  qui  consanguinei  sunt, 
80  Quaeve  tibi  patria,  quod  genitale  solum?' 

Hisque  peroratis  a  rege  subintulit  ille: 

'Natus  in  imperii  sum  dicione  tai, 
Estqae  parentela  mihi  nobilis  et  generosa. 

Miles  erat  genitor,  miles  et  ipse  fui. 
85     Testis  adest  miles  geminae  mihi  nobilitatis, 

Qaem  mihi  germanum  fecit  uterque  parens, 
Qui  quamvis  opibus  multis  fastuque  tumescit, 

Sed  tarnen  haud  fratrem  se  negat  esse  meum. 
Hunc  tua  maiestas  primos  habet  inter  amicos, 
90  Vix  est  in  regno  ditior  ullus  eo. 

Et  mea  continua  sie  me  confundit  egestas, 

Ut  coram  notis  sit  mihi  nullus  honor, 
Et  mihi  cottidie  tantis  cruciatibus  angor, 

Ut  sit  non  parva  vivere  poena  mihi. 
95     Quanta  putas,  domine,  quod  sit  mihi  gloria  fratris, 

Cum  me  substernat  indiga  vita  meis  ! 
Quem  natura  parem  mihi  fecerat,  ecce  superbat, 

Ast  me  pauperies  rusticitasque  premit. 
Pro  dolor,  expeiior,  quam  sit  sententia  vera: 
100  Dives  ubique  placet,  pauper  ubique  iacet. 

Ecce  meus  frater  regi  placet  et  placet  orbi, 

Heu  mihi,  me  miserum  despicit  esse  solum. 


'Die  age  die,  quis  sis  vel  progenies  tua  quodve 

Officium  teneas  quodve  tibi  sit  opusl' 
Regis  homo  verbis  tarn  dulcifluis  animatus 

Ilico  responsis  talibus  ista  tulit: 
'Sum  pauper  factus,  non  paupere  de  patre  natus; 

De  patre  sum,  domine,  milite  natus  ego. 
Dives  adhuc  superest  frater,  quem  tu  bene  nosti, 

Qui  me  germanum  denegat  esse  suum.' 
85  germen  C  —  87  magnis  opibus  flatuque  C    —    88  denegat  C    —    91   quottidie  C    — 
93  Heu  C  —  95  domine  mihi  sit  crux  C  —  96  Dum  C  —  98  Et  C  —  99  Pro  pudor  D 
—  100  Pauper  ubique  iacet]  Ovid,  Fasti   1,  208  —   101   bis  113  in  BD: 
Frater  enim  meus  ipse  tibi  placet  et  placet  orbi, 

Praedicat  et  pompa  non  medioeris  eum. 
Heu,  paupertatis  iaeeo  sub  sorde  [faece  B]  sepultus 

Et  titulo  careo  nobilitatis  ego. 
Vulgus  enim  census  pluris  quam  nobilitatem 

Aestimat,  ideirco  pauper  ubique  iacet. 
Materno  dum  me  gremio  natura  beavit, 

Tunc  ego  non  casso  nomine  miles  eram. 
Cum  mihi  fortuna  spondebat  prosperitatem; 

Florebam  rebus,  strenuitate  magis; 
Ast  ubi  crudelem  mihi  se  fortuna  novercam 

Exhibuit,  eunetas  praeeipitavit  opes; 


174  146.   Die  Rübe. 

Cum  me  desererent  et  opes  et  copia  rernm, 
Deposui  gladinm  militiaeque  iocum 
105     Et  modo  pro  gladio  manus  utitur  ista  ligone, 
Ut  fodiam  propria  rura  labore  meo. 
Hostes  qui  quondam  cunctos  terrere  solebam, 

Nunc  stimulis  pungo  posteriora  boum. 
Qui  quondam  studui  tractare  negotia  belli, 
110  Nunc  pauper  propria  semino  rura  manu. 

Euricolae  more  miseram  sie  transigo  vitam, 

Inde  mihi  victus,  vestis  et  inde  mihi. 
Inde  mihi,  domine,  quam  cernis,  rapula  praesens, 
Quälern  non  vidit  sive  videbit  homo. 
IIB     Et  quia  magna  decent  magnos,  pro  munere  magno 
Haec  volui,  prineeps  maxime,  ferre  tibi.' 
Ilico  privatas  aperiri  rex  iubet  arcas, 

Quas  impraegnarat  grandis  acervus  opum. 
Rex  igitur  variis  hominem  tunc  rebus  onustum 
120  Gazarum  magno  pondere  farcit  eum. 


Exhinc  militiae  quasi  factus  inutilis  esse 

Contemptus  coepi  rusticitate  mea. 
Ah,  quis  pauperior  est  paupere  milite!     Nemo 

Nosse  potest,  miles  quid  patiatur  inops. 
Idcirco  tibi,  rex,  non  milito  rebus  ademptis, 

Sed  cogor  potius  rusticitate  frui. 
Nunc  enim  aratro  rura  seco,  nunc  scindo  ligone, 

Ut  quamvis  tenuem  det  labor  iste  stipem. 
Inde  mihi  fruetus  praesentis  maxima  moles. 
107  cunctos]  gladio  C  —   109  studui]  sevi  C  —   111  Rusticolo  C    —    transeo  C   —    114 
Quam  nunquam  C  —   115  Ast  B    —    116  Me  decet  id  regum  BD    —    117  bis  144  in  B 
(vielleicht  auch  D): 

Auribus  haec  regis  pariter  dum  disserit  ille, 

Demulcet  blando  rex  pius  ore  virum: 
'Hoc  tarnen  aeeepto  munus  carum  quoque  rarum, 

Ut  grates  referam  restituamque  vicem. 
De  reliquo  nee  pauper  eris  nee  inops  nee  egebis, 

Nam  dabitur  rerum  copia  multa  tibi. 
Pone  metum,  spe  coneepta  constantior  esto! 

Nam  bene  nunc  agitur  res  tua  sorte  bona. 
Crede  mihi,  tantis  a  me  ditabere  rebus, 

Ut  bene  germano  par  habeare  tuo.' 
Protinus  advehitur  pretiosi  massa  metalli 

Praefatoque  viro  rege  iubente  datur. 
Nee  contentus  eo  iubet,  ut  diversa  supellex 

Detur,  et  effectum  verba  iubentis  habent. 
Additur  agrorum  possessio  magna  daturque 

Cum  grege  balantum  sexus  uterque  boum. 
Indigus  ut  guttis  pluvialibus  amnis  inundat, 

Sic  homini  subito  crescit  acervus  opum. 
Ne  foret  ingratus,  homo  regem  pronus  adorat, 

Inde  vale  faciens  in  sua  laetus  abit 
Uxorique  suae  tarn  dulcia  munera  prodit, 

Ut  fieret  tanti  testis  et  ipsa  boni: 
'Hei  coniux',  inquit,  'mihi  congaude,  quia  nobis 

Optima  pro  vili  semine  messis  adestl' 


146.    Die  Eübe.  175 

Gazis  addit  equos,  nee  equis  redimicala  desunt, 

Addit  et  armentam  lanigerumque  pecus. 
Singula  quid  memorem,  bona  quanta  viro  dederit  rex? 

Dicere  sufficiat  multa  dedisse  viro. 
125     Qui  varia  rerum  variarum  merce  refertus 

Disponit  proprios  dives  adire  lares, 
Ergo  valefaciens  iegi  gratesque  rependens 

Omnibus  evectis  ad  sua  vertit  iter. 
Ecce  revertenti  coniunx  oecurrit  eique 
130  Oscula  continaans  dulcia  dixit  ave. 

'Dissere',  dixit,  'item,  si  quid  profecaris  ipse 

Aut  quid  contulerit  haec  mora  longa  tibi, 
Die  age,  die,  qnid  sis  mercedis  adeptus!'     At  ille 

Gloria  demonstrat,  quae  bona  nactus  erat. 
135     Arrisit  en',  ait,  'mihi  iam  fortuna  seeunda, 

Contulit  et  regis  baec  mihi  larga  manus. 
Ecce  vide,  bona  quanta  meto  de  semine  vili, 

Haec  bona  quanta  dedit  rapula  magna  mihi! 
O  mulier,  grandis  tibi  copia  suppetit  omnis, 
140  Amodo  nequaquam  pauper  eris  vel  inops. 

Prosperitas  aderit  ingensque  opulentia  nobis, 

Paupertatis  enim  non  patiemur  onus. 
Nunc  igitui  nostros  dissolvent  gaudia  luctus, 

Gaudia  succedunt,  nam  labor  omnis  abest.' 
145     Tunc  accersiri  iubet  affines  et  amicos, 

Omnibus  eventus  pandat  ut  ipse  suos. 
Ecce  propinquorum  grandis  collecta  gregatur, 

Hisque  ministratur  copia  multa  dapum. 
Cumque  videret  eos  ioeundos  et  temulentos, 
150  Successus  proprios  dicere  coepit  ita: 

'Auscultate,  precor,  noti,  mea  verba  notate! 

Fortunam  vobis  insinuabo  meam. 
Nostis  enim  euneti,  me  quanta  domarit  egestas, 

Sed  salvatus  ab  hac  sum  bonitate  dei. 


118  Ut  sibi  pro  raro  munere  magna  daret  C  —  120  sarcit  C  —  131  Dicere  C  —  quod 
A  —  132  quod  A  —  134  Gloria]  lies  Omnia?  —  135  En,  ait,  arrisit  C  —  136  haec 
regis  et  C  —  137  meo  de  semine  vulsi  C  —  138  Ouod  pietas  domini  contulit  alma  mihi 
C  —  139  gaude,  cui  copia  C  —  141  ingens  opulentia  rerum  C  —  142  Quas  mittente 
deo  tollere  nemo  potest  C  —  143  nostros  solentur  C  —  144  in  C  wie  v.  142  —  145 
Hie  B  —   146  bis   159  in  B  (und  D?): 

Historiamque  refert  omnibus  ipse  rei. 
Postque  iubet  eunetis  convivia  larga  parari, 

Cum  [1.  Tarn]  dape  quam  potu  pocula  festa  creat. 
Affuit  et  miles  convescens  inter  amicos. 
151  verba  pacienter,  amici  C  —  153  domaret  C  —    159  Hoc  C    —    160  Quem  supra  B 


176  146.    Die  Rübe. 

1B5    Accidit,  ut  rara  mihi  rapula  cresceret  horto, 

Haec  eadem  crevit  grandis  et  absque  mora. 
Hanc  ego  donavi  pro  magno  munere  regi, 
Pro  qua  divitias  has  dedit  ille  mihi.' 
Haec  dicente  viro  simul  affuit  inter  amicos 
160  Miles,  quem  fratrem  diximus  esse  viri. 

Hie  quoque  pestifero  coepit  tabescere  zelo, 

Cum  vidit  fratris  crescere  lucra  sui. 
Germanique  sui  subitum  miratus  honorem 
Eius  respectu  se  putat  esse  nihil. 
165     Hoc  equidem  proprie  sibi  vindicat  invidus  omnis, 
Ut  putet  alterius  lucra  nocere  sibi. 


—    161   bis   164  in  B  (und  D?): 

Isque  videns  fratrem  tenus  hac  se  pauperiorem 

Tantum  ditari  deliciisque  frui 
Vidit  et  invidit  se  conieetans  spoliari, 

Dum  fratris  vidit  crescere  lucra  sui. 
161   Is  C  —    163  miratur  C  —  165  Hoc  etenim  B  —   proprium  BC    —    166  putat  A    — 
166  bis   172  in  B  (und  D?): 

Alterius  lucrum  damna  putare  sua; 
Huc  accedit  et  hoc  dumtaxat  vera  locutum, 

Qui  primum  dixit:  Semper  avarus  eget. 
Huc  aures  adhibe,  quisquis  censeris  avarus, 

Quisquis  avaritiae  sub  iuga  sponte  venis, 
In  te  sermonis  iaciuntur  spicula  nostri, 

Forte  salutiferum  vulnus  et  ipsa  dabunt. 
Die  aie,  cui  servas  thesauros,  quos  coacervas, 

In  quibus  heu  fernere  spemque  [fidemque]  locas? 
Forsitan  hos  furi  servas  aut  forte  tyranno, 

Ut  für  surripiat  aut  violenta  manus. 
Turpis  es  idolatra,  Satan  simulacra  frequentas 

Contemptoque  colis  turpiter  aera  deo. 
Quid  tibi  fossus  humi  census,  quid  clausus  in  arca? 

Aestimo,  nullius  utilitatis  erit. 
Sis  igitur,  dives,  habitis  contentus  eisque 

Utere,  dum  poteris  utilis  esse  tibi, 
lnvidiaeque  tuae  mordacem  comprime  dentem 

Lucraque  fraterna  non  tua  damna  putes! 
Si  ditatur  inops,  quid  in  hoc,  miser  invide,  perdis? 

Nil,  nisi  quod  gratis  invidus  esse  velis. 
Si  ditatur  inops,  frustra  cruciaris,  avare; 

Lucra  metit  frater,  perdis  et  inde  nihil. 
Ista  relinquentes  ad  materiam  redeuntes  [1.  redeamus] 

Et  coeptum  rursus  aggrediamur  iter. 
Auf  167  folgen  in  C  vier  Verse: 

Si  ditatur  inops,  non  tua  perdis  ob  hoc. 
Invide,  crede  mihi,  fortuna  tibi  nihil  aufert, 

Munere  de  cuius  proficit  alter  homo. 
Ergo  tui  fratris  quare  torqueris  honore? 
168  expedit]  convenit  C  —    172  Aptius  C  —   173  bis   184  in  B  (D?) 
Ille  videns  fratris  inopinam  prosperitatem, 

Et  quod  pro  voto  res  bene  cedit  ei, 
Se  velut  exhaustum  dolet  et  quasi  rebus  ademptum, 

Possessas  nihili  pendere  coepit  opes. 
Contexens  igitur  fratri  sua  retia  tendit, 

Ut  venetur  opes  calliditate  sua. 
Corde  tenus  multa  volvens  iterumque  revolvens 

Talia  comploso  ruminat  ore  sibi: 
'Hie  sibi  pro  messe  vili  bona  multa  reeepit, 

Plura  reeepturus  praemia  multa  dabo,' 


146.    Die  Rübe.  177 

Invide,  die,  quare  fratris  torqueris  bonore? 

Laetari  potius  expedit  in.de  tibi. 
Huius  fortuna  non  est  tibi  causa  ruinae 
170  Lucraque  fraterna  non  tibi  damna  struent. 

His  super  invidiae  morbo  breviter  memoratis 
Ipsius  bistoriae  nunc  repetamus  iter.  — 
Convivis  igitur  dapibus  vinoque  refertis 

Et  satur  et  laetus  in  sua  quisque  redit. 
175     Tunc  bominis  frater  etiam  sua  saepta  revisit 
Invidiae  secum  dira  venena  ferens. 
Sic  aurum  sitiens,  multo  licet  obrutus  auro, 

Tantalus  ut  mediis  qnaerit  aquas  in  aquis. 
Tunc  ut  opes  opibus  venetnr  et  augeat,  ecce 
180  Pete  novum  texens  calliditatis  ait: 

'Si  meus  bic  frater,  quem  tanta  premebat  egestas, 

Tantas  pro  vili  merce  reeepit  opes, 

Muneribus  regem  placabo  satis  pretiosis, 

Quae  rex  restituet  centuplicata  mibi.' 

185     Protinus  argento  proprio  se  privat  et  auro, 

Scilicet  ut  regem  muneret  ipse  suum. 

Gemmarum  tollit  pretiosa  monilia,  quorum 

Pasce  Iaborabant  scrinia  clausa  diu. 
Complicat  et  vestes  operoso  sebemate  textas, 
190  De  quibus  ornari  regia  membra  decet. 

Omnibus  bis  adiungit  equos  pbaleris  coopertos, 

Quorum  eingebaut  fulva  metalla  iubas. 
Taübus  et  paribus  miles  speciebus  onustus 
Pergit  et  evehitur  regis  ad  usque  fores. 
195     Cumque  salutasset,  quo  debuit  ordine  regem, 
Singula  demonstrans  munera  miles  ait: 
'Accipe,  mi  domine,  tibi  quae  miles  tuus  offert! 

Quae  ne  despicias,  rex  reverende,  precor. 
Parva  quidem  sunt  baec  minimeque  decentia  regem; 
200  Cum  dives  fuero,  tunc  potiora  dabo.' 


173  refectis  C  —   175  saepta]  teeta  C  —    177  ut]  his  A  —  184  Et  C  —  multiplicata  C  — 

185  bis  201  in  B  (D?): 

Mox  igitur  massam  pretiosi  congerit  aeris, 

Taliter  ut  regis  sumat  et  urbis  opes. 
Vestes  addit  equis  auro  textas  phaleratis, 

Omnis  et  ornatus  congregat  omne  genus. 
Retibus  utitur  his  novus  aueeps  divitiarum, 

Sed  deerit  voto  praeda  cupita  suo. 
Surgit,  abit,  defert  commercia  singula  secum 

Et  regi  dona  dat  pretiosa  suo. 
Munere  rex  huius  aeeepto  divitis  inquit: 

186  Taübus  C  —  muleeat  C  —  191  his]  fehlt  C    —    193  et  paribus]  egregius  C  —   194 
fores]  domum  C  —    195  deeuit  A    —    198  non  despicies  C    —    202  Hercle  C    —    data] 

Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III.  12 


178  146.    Die  Rübe. 

Comminus  his  visis  'Grates,'  rex  inquit,  'liabeto. 

Certe  placent,  fateor,  munera  data  mihi. 
Cardine  sub  caeli  non  creditur  esse  superstes, 

Qui  dederit  regi  tot  pretiosa  suo.' 
205     Rex  quoque,  quid  tanto  possit  confene  datori, 

Reginam  fertnr  consuluisse  suam. 
Ast  ea  regalis  pollens  ratione  sophiae 

Haec  responsa  viro  reddidit  ipsa  suo: 
'Inclite  rex,  opibus  nimiis  est  ille  refertus 
210  Et  dono  penitus  nescit  egere  tuo. 

Argentumque  tuum  pariter  fastidit  et  aurum, 

Si  gemmas  dederis,  grandinis  instar  erunt; 
Si  vestes  dederis,  si  bellica  dona  quiritum, 

Omnia  despiciet,  nil  reputabit  ea. 
215     Ne  tarnen  omnino  regia  munera  despiciat  vir, 

Restat,  ut  enormis  rapula  detur  ei. 
Hanc  non  despiciet,  qui  cetera  despicit,  immo 

Supplebit  rari  muneris  illa  vicem.' 
Dixerat  haec  mulier,  cui  rex  respondit  et  infert  : 
220  'Utile  consilium  propositumque  tuum.' 

Nee  mora,  profertur  ea  rapula  rege  iubente, 

Ipsaque  fit  munus  imperiale  viro. 
'En  ego,'  rex  inquit,  'te  munero  munere  raro, 


4anta  C  —  202  bis  204  in  B  (D?): 

'O  vere  largum  corde  manuque  virum! 
Tempora  prisca  parem  multis  e  milibus  unum 
Non  norunt  regi  tanta  dedisse  suo.' 
204  tot]  tarn  C  —  205  Rex  quid  restituat  ignarus  quidve  rependat  B  —    207  bis  211   in 
B  (D?): 

Quo  super  illa  bene  postquam  deliberat,  infert  [1.  infit], 

Extemplo  verba  reddit  et  illa  viro : 
'O  rex,  hie  locuples  nimis  est  opibusque  refertus, 

Et  scito,  quod  dono  non  ille  tuo  satiatur.' 
Aurum  si  dederis  aut  vestes,  spernit  utrumque. 
212  dederis]  gemmae  B  —  213  bis  215  in  B  (D?): 

Non  aeeeptat  equos,  sibi  nam  non  arma  peluntur. 

Omnibus  iste  satis  plenus  abundat  homo; 
Nam  pelagus  nunquam  pluvialibus  indiget  undis, 

Cum  plene  propriis  semper  abundet  aquis. 
Si  quidquam  dederis,  adeo  fastidiet  iste, 

Ut  satur  escarum  respuat  omne  genus. 
Sed  ne  nil  largo  videare  dedisse  datori, 
215  omnia  A  —  regia]  lies  tua?  —  216  Expedit,  ut  grandis  B  —  217  bis  222  in  B  (D?): 
Auribus  haec  regis  reginae  verba  monentis 

Non  placuere  nihil;  rex  'Ita  fiel'  ait. 
Accitoque  viro  rex:  'O  ditissime,  magnas', 

Inquit,  'ago  grates;  nam  tua  dona  placent. 

Sum  tarnen  ambiguus,  quid  pro  mercede  rependam, 

Unde  tibi  reddam  restituamque  vicem. 

218  Implebit  C    —    ista  C    —    219  cui]  sibi  C    —    infert]  lies  infit?    —    220  propositum 

consiliumque  C  —  221   ea]  haec  C  —  223  Si  C  —  Sed  vice  mercedis  B  —  raro]  magno 


146.    Die  Rübe.  179 

Quo  mihi  non  quidquam  rarius  esse  potest. 
225    Hanc  etenim  nuper  quidam  dederat  mihi  pauper, 

Cui  bona  multa  dedit  dapsilis  ista  manus.' 
Accipit  ille  miser  non  acceptabile  munus; 

Nempe,  quod  accepit,  rapula  vilis  erat. 
Sic  decet,  o  fratres,  ut  supplantetur  avarus, 
230  Quem  farcire  nequit  grandis  acervus  opum. 

Mundus  enim  totus  homini  si  detur  avaro, 

Se  tarnen  infelix  credit  habere  nihil. 
Sic  homo  praefatus,  inopem  quem  copia  fecit, 

Privatur  propriis,  dum  peregrina  sitit. 
235     Dum  lucra  venatur,  stultus  sua  perdit  et  ecce, 

Qui  dederat  magna,  vile  recepit  o'.us. 
Sic  homo  delirus  propria  deluditur  arte, 

Dum  vult  ditari,  perdit  et  id,  quod  habet. 
An  non  delirat  bomo  mittens  in  mare  fontem? 
240  Fonti  tollit  aquas,  ut  mare  ditet  aquis. 

Hand  secus  hie  miles,  ut  regem  munere  ditet, 

Sic  meruit  propriis  se  spoüare  bonis. 
Iamque  domum  remeat  et  amaram  convocat  iram 

Et  gratis  regi  tanta  dedisse  dolet. 
245     Infrendens  igitur  tantum  sie  murmurat  ore: 

'Ecce  mei  fratris  haec  fero  damna  dolo. 
Hie  exaltatur,  ego  (pro  pudor)  opprimor,  ergo 

Non  impune  feret  per  caput  istud,'  ait. 


BC  —  224  Quod  A  —  nee  cuiquam  A,  nee  quiequam  B  —  225  Hoc  BC  —  226  Praemia 
tunc  digna  contulit  B  —  227  bis  247  in  B  (D?): 

Confestim  rapam  praesentat  machina  carrae  [1.  carri] 

Ipsaque  fit  munus  imperiale  viro. 
Ecce  vir  hie  quali  fortunae  luditur  arte! 

Dum  venatur  opes,  perdit  idem,  quod  habet, 
Et  paupertatis  in  fossam  praeeipitatur, 

Quam  licet  ignarus  foderat  ipse  sibi. 
Ille  videns  non  aequa  dari  nee  digna  rependi 

Confestim  regi  tanta  dedisse  dolet 
Turbatusque  nimis  sie  secum  murmurat  ista: 

'Quid  miser  aggrediar,  quid  faciam,  quid  agam! 
Quis  mihi  mendico,  quis  compatietur  egeno, 
Qui  propria  Video  me  spoliasse  manu! 
Non  mea  für  timidus,  non  praedo  tulit  violentus, 

Für  et  praedo  mihi  pessimus  ipse  fui.' 
Extunc  livoris  in  fratrem  spicula  torquet, 

Ac  si  pestiferae  sit  reus  ipse  rei: 
'Haec  tua  sunt',  inquit,  'frater,  comrr.enta  tuoque 

Talia  de  famulo  fraude  doloque  fero.' 
Et  velut  a  fratre  compressus  vulnere  crudo: 
227  Accepit  A  —  228  aeeeperat  C  —  229  o  fratres]  offerens  A  —  229  sarcire  C  — 
233  Sic  tunc  affatur  C  —  234  Privatum  C  —  239  fontes  C  —  241  regem  qui  munere 
ditat  C  —  242  Non  meminit  C  —  243  quem  amaram  comeat  esse  C  —  245  Et  frendens 
C  —  tanto  A  —  247  exultatur  A,  exaltatus  C  —  dolor  C  —  deprimor  A  —  inops  C  — 
248  feres  B  —  249  bis  272  in  B  (D?): 

12* 


180  146.   Die  Rübe. 

Convocat  ergo  suos,  quos  noverat  esse  fideles, 
250  Plusque  leone  furens  dicere  coepit  ita: 

'Nostis  enim,  quanta  fuen't  mihi  gloria  pridem, 
Tarn  mihi  quam  vobis  haec  generalis  erat. 
Nunc  leccatoiis  cuiusdam  calliditate 

In  praeceps  eadem  gloria  tota  ruit, 
255     Qua  sublimabar,  est  omnis  adempta  facultas. 

Heu  paupertatis  nunc  grave  porto  iugum, 
Heu  cecidi  miser,  tarnen  est  vestrum  meminisse, 

In  casu  pariter  vos  cecidisse  meo. 
Nunc  si  sunt  ulla  pietatis  viscera  vobis 
260  Et  si  quis  vobis  est  pietatis  honor, 

Semper  vos  vindicta  meum  iaculetur  in  bostem 
Et,  quod  commeruit,  retribuatis  ei !' 


Sicque  domum  rediens  furiis  agitatus  iniquis 

In  damnum  fratris  corde  manuque  furit 
Accitisque  suis,  quos  noverat  esse  fideles, 

Quorum  praebuerant  experimenta  fidem, 
Alloquiturque  viros  compellans  famine  tali: 

'Nunc  decet,  o  socii,  vos  meminisse  mei. 
Nostis  enim,  quid  sim,  quibus  et  natalibus  ortus 

Et  quanto  fuerim  gurgite  mersus  opum; 
Nunc  impostoris  deceptus  calliditate 

Omnibus  exhaustum  me  nihil  esse  queror. 
Sit,  rogo,  communis  vobis  injuria  nostra 

Compatiendo  quidem,  non  faciendo  malum. 
Est  eadem  mecum  vobis  iniuria  facta, 

Qui  vobis  semper  rexque  priorque  fui. 
Ergo  fides  veslra  facti  ratione  probetur, 

Dat  quoque  verus  amor  experimenta  sui.' 
Plura  locuturo  fletus  fuit  impedimentum, 

Nam  rigat  ipsius  lacrima  crebra  genas. 
Taliter  afflicto  praesentes  compatiuntur, 

Uniusque  dolor  fit  generale  malum. 
Aiunt  ergo  viro,  cur  fleret,  scire  volentes: 

'Unde  tibi,  bone  vir,  hie  dolor  unde  tibi? 
Die,  et  erit  curae  nobis  impendere  curam. 

Divide,  quod  portas,  et  leve  pondus  erit.' 
Obstruit  vir  [1.  his]  dictis  pauper  fontem  lacrimarum 

Respondens:  'Ferre  si  mihi  vultis  opem, 
Quod  peto,  spondete,  vos  scilicet  esse  paratos, 

Ut,  quidquid  iubeo,  vos  faciatis  idem!' 
Hi  spondent,  tandemque  fide  mediante  suorum 

Mitius  infestant  ira  furorque  virum. 
Tunc  ait:  'Ite,  locum  vicinae  quaerite  vallis, 

Quae  fruticum  multis  vernat  amieta  comis! 
Donec  ibi  veniam,  sit  ibidem  sessio  vestra. 

Assumpto  citius  vos  sequar  hoste  meo. 
Hie  per  vos  pereat  traiectus  viscera  ferro 

Aut  laqueo  furis  more  necetur  homo.' 
'Qui  tuus  est,'  aiunt,  'nobis  est  par  inimicus; 

Impia  facta  luet,  tu  modo  trade  virum.' 
Protinus  armantur,  adeunt  penetralia  saltus 

Observantque  loca  lusibus  apta  malis. 
251   fuerat  C  —  252  nobis  C    —    253    cuiusdam]    deceptus  C    —    258  In  caveam  C    — 
meo]  reor  C    —    260  Aut  C     —     261    Si    per    C    —    iactetur  C    —    262  Ut  que  C    — 
263  et  nostris]  hie  et  meus  C;  lies  et  nobis?  —  267  nemorosa  iosapha  C  — 268  vallis  nunquamC 


146.    Die  Rübe.  181 

'Qui  tuus  est,'  aiunt,  'et  nostris  est  inimicus, 

Et  quodcumque  iubes,  hoc  faciemus  ei.' 
265     Haec  cum  dixissent,  animatar  voce  suorum 

Et  quasi  mentis  inops  talia  rursus  ait: 
'Haud  procul  est  vallis  nemorosis  consita  lignis, 

Quae  nullis  unquam  frugibus  apta  fuit. 
Hanc,  precor,  assumptis  intrate  viriliter  armis, 
270  Sed  causam  penitus  nemo  sciat  nisi  vos. 

Donec  ego  veniam,  nolite  recedere  quoqnam! 

Ocius  assumpto  vos  sequar  hoste  meo.'  — 
Frater  adit  fratrem  fellitus  feile  carentem 

Et  verbis  false  dulcibus  usus  ait: 
275     '0  germane,  mihi  praeter  te  nemo  superstes, 

Quem  mihi  fraterno  foedere  iungat  amor. 
Nos  sumus  una  caro,  nee  nos  natura  bipartit, 

Nos  olim  mater  edidit  una  viro. 
Eorsan  inest  anima  personis  una  duabus, 
280  Quas  individuus  iungit  et  unit  amor. 

Est  mihi  secretum,  quod  nolo  prodere  cuiquam, 

Et  tarnen  id  fratrem  nolo  latere  meum. 
Est  prope  condensa  vallis  nee  ab  urbe  remota, 

Frondibus  arboreis  obsita,  fruge  carens. 
285     Haec  est  tarn  multa  thesauri  mole  referta, 

Ut  tibi  proficiat  sufficiatque  mihi. 
Hunc  ego  fraterno  tecum  partibor  amore, 

Immo  deum  testor,  pars  tua  maior  erit. 


—  270  Sed  tarnen  penitus  C  —  271   quoque  A  —  273  fietaque  salute  salutat  B  —    274 
fraude  C  —  ista  refert  C  —  274  bis  276  in  B: 

Verbaque  depromit  dulcia  plena  dolis, 
Ac  si  det  mella  medicus  condita  veneno, 

In  quibus  ignaro  potio  mortis  erit. 
Pape,  quid  insanis,  scelerate  susurro  bilinguis! 

Cur  fratrem  ficto  fallis  amore  tuo! 
Scorpius  est  hominis,  homini  qui  fingit  amorem, 

Et  quasi  sica  latens  est  simulata  fides. 
Sic  fratris  frater  turpis  venator  et  aueeps 

Dulcibus  his  verbis  retia  tendit  ei: 
'0  bone  frater',  ait,  'praeter  quem  nemo  superstes, 

Quem  sie  naturae  condicione  vocem, 
Tu  vitae  spes  sola  meae  baculusque  seneetae. 
273  iungit  C  —  278  olim]  uni  C  —  mulier  B  —  279  bis  287  in  B  (D?): 
Rem  tibi  secretam,  frater  carissime,  pandam, 

Quam  de  te  nullus  experiatur  homo. 
Quae  tibi  sum  soli  dicturus,  prodere  noli, 

Fac  precor,  ut  tutis  auribus  ista  loquar! 
Est  ostensa  mihi  pretiosi  massa  metalli, 

Cujus  te,  si  vis,  portio  magna  manet. 
Impiger  ergo  veni,  nee  te  dilatio  tentetl 
281  pandere  C  —    282  Altamen  C  —    celare  C    —    286  Ut  mihi  C    —    mihi]  tibi  C    — 
288  Testor  enim  superos  B  —  289  bis  291   in  BC: 


182  146.    Die  Rübe. 

Nunc  age,  mmpe  moras,  absit  dilatio,  surge, 
290  Pergamus  nostram  Demine  teste  viam!' 

His  bomo  blanditiis  irretitus  simulati?, 

Fiatris  enim  verbis  nescit  inesse  dolos; 
Annuifc  ergo  suo  fratri  simul  ac  monitori, 
Surgit  abitque  carens  suspicione  mali. 
295     It  frater  cum  fratre  suo,  loca  nota  subintrat, 
In  quibus  armati  delituere  viri. 
Exsiliunt  bi  more  canum  iustumque  nefande 

Tractantes  etiam  mortificare  parant. 
Ut  propra  rapuere  canes  Actaeona  quondam, 
300  Civibus  hand  aliter  praeda  fit  ille  suis. 

Iam  vincire  student  bominem  conamine  toto, 

Contendunt  praedam  iam  iugulare  suam; 
Sed  fortuna  suum  iuvat  et  tutatur  alumnum, 

Saepit  et  horrendum  ciiminis  huius  iter.  — 
305     Accidit  in  terram  quendam  properare  scholarem, 
Qui  per  eam  vallem  solus  iturus  erat. 
Venit  equo  residens  sua  cantica  voce  resultans, 

More  viatorum  sie  breviabat  iter. 
Cum  levat  bic  vocem,  simul  echo  reeiproce  vocetn 
310  Heddit  et  auditur  longius  iste  sonus. 

Ast  ubi  vox  eadem   lictorum  perculit  au  res, 
De  sola  fit  eis  proditione  timor. 


His  iuramentis  [irretitus  B]  homo  magnae  simplicitatis 
Ad  laqueum  tendit  eius  ad  instar  avis. 
292  fehlt  B  —  293  bis  295  in  BC: 

Ad  loca  declinat,  loca  scilicet  insidiosa  [insidiarum  B] 
297  bis  298  in  BCD: 

A^-sunt  carnifices,  coneurrunt  more  latronum  [latranum  B], 
Iniciunt  [Immittunt  B]  praedae  bracchia  saeva  suae. 
299  nocuere  B  —  Actaeona]  oceana  C  —  300  Sic  datus  es;  praedae  civibus  iste  BC 
301   bis  321   in  BCD: 

Comminus  interea  resonat  vox  dulce  canentis, 

Et  terram  feriens  ungula  crebra  sonat. 
Venit  enim  iuvenis  quidam  pelulansque  scholaris 

More  viatorum  dulce  canendo  melos. 
Nee  mora,  captivus  in  saecum  praeeipitatur, 

Arboris  excelsae  fronde  ligatur  homo. 
Ocius  effugiunt  hi  pendentemque  relinquunt, 
Nam  propter  fraudes  has  timuere  nimis, 
Nititur  et  quisquis  socium  praecurrere  quamvis, 

In  fraudemque  rei  sie  latuere  viri. 
Sic  perturbatus  hie  pendel,  et  ecce  scholaris 

Transit  eques,  sed  et  hunc  pendulus  audit  homo. 
Et  quia  pertusa  fuerat  pars  maxima  sacci, 

Nam  Saccus  ruptus  dicitur  arte  viri, 
Namque  viri  membra  nequit  hie  concludere  cuncla, 
Utpote  quem  tempus  triverat  a  que  labor. 
307  resultans]  lies  refundens  oder  retexens?  —  322  bis  324  fehlt  BD  —  322  rimam  C 
323  Mox  ut  C  —  Auf  324  folgt  in  BCD: 

Prospiciens  igitur  hominem  cognovit  eundem, 


146.    Die  Rübe.  183 

Et  quia  non  licuit  opus  hoc  implere  scelestum, 
In  solam  pavidi  spem  posuere  fugam. 
315    Ne  tarnen  hie  fugiat,  in  saecum  mittitur  atque 
Vivus  in  arborea  fronde  Jigatar  homo. 
Hie  pendet,  fagiunt  lictores,  insuper  ipse 

Criminis  incentor  non  manet,  immo  fugit. 
Ecce  scholaris  ibi  cupiens  pausare  sub  umbra 
320  Arboris,  in  cuius  fronde  pependit  homo. 

Et  qaia  rimosum  latas  idem  saccas  habebat, 
Per  rimas  iuvenem  pendulus  ille  videt. 
Hox  abi  rasaram  capitis  videt,  ecce  scholarem 

Compeiit  et  clamans:  'Quisquis  es,'  inquit,  'ave!' 
325     Ast  nbi  devenit  vox  ista  scholaris  ad  aures, 
Invasit  nimius  terror  et  horror  eum. 
Tunc  surgens  stupidus  loca  proxima  gyrat  ocellis, 

Cuius  ab  ore  sonet  vox  ea,  nosse  volens. 
Cumque  diu  staret  stupidus  nullumque  videret, 
330  Aestimat  illudi  daernonis  arte  sibi. 

Ocius  ergo  loco  discedere  cogitat  illo, 

Stare  timor  prohibet,  sed  vetat  ire  pudor. 
Stat  licet  invitus  Vincente  pudore  timorem 
Seque  salutanti  personat  ille  loqui: 
335     'Quisquis  es  aut  ubi  sis,  a  quo  vox  ista  resultat, 
Vellem,  si  possem,  scire  libenter  ego.' 
Ex  saeco  loquitur  iterato  pendulus  ille: 

'Nil  timeas,  iuvenis,  sit  proeul  iste  timor. 
Enge  triste  caput,  si  vis  speetare  loquentem! 
340  Possideo  laetus  aera,  sperno  solum. 

In  saeco  sedeo,  sedet  hie  Sapientia  mecum, 

Hie  pendens  didici  tempore  multa  brevi. 


Sed  latuit  nomen  offieiique  gradus. 
Tunc  quasi  Socraticus  [securus  C]  hunc  laeta  voce  salutat 

Et,  quasi  nil  triste  perpetiatur,  ait: 
'Salve,  mi  frater,  hominum  carissime,  salve! 

Huc  ades,  ut  spero,  sorte  favente  bona.' 
325  bis  326  fehlt  BD  —  325  ubi]  cito  C  —  ipsa  C  —  327  bis  328  in  BCD: 
Erigit  ille  caput  slupidosque  regirat  ocellos, 

Ambigit,  naec  cuius  vox  sit  et  unde  sonet. 

329  fehlt  BD   —  multumque  C  —  auf  329  folgt  in  BCD: 

Et  [Dum  BD]  super  hoc  dubitat,  utrum  fugiat  maneatve ; 
Nam  monet  ire  timor  et  vetat  ire  pudor. 

330  bis  336  fehlt  BD  —  331   discedas  A  —  cogitat  discedere  ille  C    —    332  fehlt  C    — 
334  ille]  ista  C  —  335  Tu  quis  es  aut  non  C  —  Auf  336  folgt  in  BCD: 

Sic  sibi  nutantem  solidat  constantia  mentem, 
Dixit:  'Item  resonet  vox  tua,  quisquis  ades.' 

337  De  saeco  rursus  audita  reeiproea  vox  est  BC,    auditur    vox    quoque    seeundo    D    — 

338  fehlt  BD  —  Ne  C    —    339    Si  dubitas,  ubi  sim,  erige  triste    [suspice,  tolle  B]    caput 
BCD  —  340  fehlt  BD    —    342  Hie  studiis  BD,    Hicque  sedens  C    —    344  tarnen  AC    — 


184  146.    Die  Rübe. 

Pape,  scholas  quaerunt  longe  lateque  schoiares, 

Hie  tantum  veras  noveris  esse  scholas. 
345     Utque  scias,  Saccus  quid  contulerit  mihi  praesens, 

De  multis  saltem  suggero  pauca  tibi. 
Hie  artes  multas  doeuit  me  philosophia, 

Ut  Sit  nota  mihi  machina  tota  poli. 
Hie  ego  stellarum  didici  cognoscere  Signa, 
850  Quatenus  ex  ipsis  quaeque  futura  sciam. 

Hie  me  naturas  fateor  didicisse  ferarum, 

Hie  mibi  natura  panditur  omnis  avis. 
Addo,  quod  herbarum  didici  discernere  vires, 

Ut  bene  coniciam,  quae  bona,  quae  mala  sit. 
355     Hie  arbustarum  didici  vires  lapidumque 

Et  didici,  quid  sit  utilitatis  in  bis, 
Et  didici  tumidi  maris  indagare  profundum. 

Hoc  totum  Saccus  contulit  ille  mihi. 
Audisti,  qualis  sacci  natura  sit  huius, 
360  Qui  possessori  dat  bona  tanta  suo. 

Hie  certe  Saccus  pretioso  dignior  ostro, 

Hegali  melior  utiliorque  stola. 
Experior  certe  deliros  esse  schoiares, 

Qui  multas  quaerunt  circumeuntque  scholas. 


Auf  344  folgen  in  C  die  Verse  365  bis  366,  dann  in  BCD: 

Hie  si  fas  sit  adhuc  horam  subsistere  parvam, 

Omnia  plena  dabit  philosophia  mihi. 
Tunc  cum  prodiero,  puto,  me  sapientior  inter 
Terrigenas  omnes  non  erit  ullus  homo. 
345  bis  347  fehlt  in  BD  —  auf  347  folgt  in  BCD: 

Pectore  clausa  meo  latet  orbita  totius  anni. 
348  Sic  quoque  siderei  fabrica  BD  —  Auf  349  folgt  in  BCD: 
Lumina  magna  duo  vi  complector  rationis 

Nee  sensus  fugiunt  astra  minora  meos. 
Sed  neque  me  signa  possunt  duodena  latere. 
350  bis  356  fehlen  BD  —  scire  futura  queam  C  —  353  cognoscam  C  —  357  Quas  vires 
habeant  singula  membra  mea  B,  signa  scio  C,  quas  et  arena  maris  D  —  in  D  folgt: 
Flatus  ventorum  bene  cognovi  variorum, 

Cuilibet  et  morbo  quae  medicina  valet. 
Vires  herbarum  bene  cognovi  variarum 

Et  quae  sit  volucrum  vis  simul  et  lapidum. 
Septem  per  partes  cognovi  quaslibet  artes; 
Si  foret  hie  Cato,  cederet  atque  Plato. 
Quid  dicam  plura !     Novi  bene  singula  iura, 

Caesareas  Ieges  hie  studui  varias, 
Qualiter  et  fraudes  vitare  queam  muliebres. 
Dann  in  BCD: 

Quod  mare,  quod  terras  et  quod  colit  aera,  novi, 

Gratulor  haec  isto  me  didicisse  loco. 
Hie  totum  didici,  totus  quod  continet  orbis. 
358  continet  iste  meus  BD  —  359  bis  360  fehlen  BD  —  361   Nobilis  hie  BCD    —    fulvo 
pretiosior  auro  C  —  362  bis  371   in  BCD: 

De  cuius  gremio  gratia  tanta  fluit. 
Si  semel  intrares,  daret  experientia  nosse, 
Hie  quantum  Saccus  utilitatis  habet. 


146.    Die  Rübe.  185 

365     Quidam  Parisius  aut  oppida  cetera  gyrant, 
Expendunt  multa  proficiantque  parum. 
Hie  ego  momentum  transegi  sie  sine  sumptu 

Et  didici,  quidquid  sehe  novisse  fuit. 
Hie  tibi  si  detur  saltem  brevis  hora  studendi, 
370  Disces,  quid  locus  hie  utilitatis  habet.' 

His  nugis  simplex  iuvenis  male  traditus  orat, 
Quatenus  in  saeco  possit  habere  locnm. 
Pendulus  'Absit,'  ait,  'nee  enim  sie  deeipies  me; 
In  saccam,  socie,  non  ita  venit  homo.' 
375     Et  contra  iuvenis  vocem  prorumpit  in  istam: 
'Sacci,  ni  fallor,  istius  hospes  ero. 
Iam  novi,  quanta  Saccus  virtute  redundet, 

In  cuius  pausat  philosophia  sinu. 
Iam  satis  es  sciolus,  adeo  iam  doctus  es,  ut  te 
380  In  mundo  nnllus  doctior  esse  queat. 

Quisquis  es  in  saeco,  quaero  miserere  miselli, 

Quatenus  in  saeco  sit  mihi  pausa  brevis! 
Si  te  forte  precum  non  flectunt  verba  mearum^ 
Muneris,  ut  spero,  te  bene  flectit  amor. 
385     Et  ni  sponte  velis  flecti  mercedis  amore, 

Pendere  curabo,  quiequid  habere  voles.' 
Tunc  at  invitus  e  saeco  prodiit  ille 

Pendulus  ac  iterum  verba  rependit  ei : 
'Niteris  in  vanum,  non  est  mihi  tibia  tanti, 
390  Ut  pretio  Saccus  veneat  iste  tuo 

Utque  scholas  istas  me  velle  relinquere  speres. 


Credulus  his  nugis  infelix  ille  scholaris 
372  Orat,  ut  BCD.     Es  folgt  in  BCD:    Tunc  velut  invitus  ex  saeco    prodeat,  ille    —    374 
Dixit:  In  hunc  saecum  BCD  —  375  bis  407  in  BCD: 

At  si  condigna  merear  mercede  potiri, 

Hie  patiar  parva  te  residere  mora. 
Sed  precor,  exspeeta,  donec  pertranseat  hora; 

Discendi  modica  portio  [pars  quia  D]  restat  adhuc.' 
Ille  rei  cupidus  modicam  non  susiinet  horam : 

'Gratis',  ait,  'praesens  tempus  et  hora  perit. 
Eia  rumpe  mores,  si  vis  praestare  cupitum! 

Urit  enim  pectus  diva  sophia  meum. 
En  foris  experior,  quod  habet  dulcedinis  intus 

Saccus  hie,  unde  mihi  tarn  bonus  exit  odor.' 
Taliter  oranti  respondet  pendulus  ille: 

'Me,  frater,  cogis  linquere  grande  bonum, 
Utque  satisfaciam  tibi,  me  demitle  deorsum, 

Et  voti  compos  efficiere  tui.' 
Non  differt  ille,  solvit  saecumque  virumque, 

Denique  pendendi  tanta  libido  fuit. 
Nonne  vides  hominem  sua  damna  sibi  fabricantem, 

Sponte  sua  laqueum  dum  parat  iste  sibi? 
Impiger  in  saecum  iuvenis  descendit  apertum. 


186  146.    Die  Rübe. 

Absit,  deciperis,  spes  tua  tota  perit. 
Malo  mori,  socie,  quam  perdere  delicias  has, 

Si  mihi  sim.  nequam,  cui  bonns  esse  queo. 
395     Non  tibi  delicias  sacci  me  vendere  speres, 

Absit,  in  bunc  saccum  non  ita  venit  bomo. 
Non  mihi  continget  istum  venumdare  saccum, 

In  cuius  pausat  philosophia  sinu. 
At  quia  discendi  multo  nammaris  amore, 
400  Cedo  tibi  gratis  ad.  breve  tempus  ego. 

Cumque  satis  fueris  potitus  fönte  sophiae, 

Delicias  sacci  tunc  mihi  xedde  mei! 
Ocius  ascende  ramum  restemque  rescinde, 

Ut  voto  compos  efficiare  tuo !' 
405     Hoc  miser  audito  pendenti  laetus  oboedit, 

Ut  sacci  possit  utilitate  frui. 
Exit  hie,  ast  alter  festinat,  ut  ingrediatur, 

Seque  trahi  sursum  postulat,  ille  negat. 
'Differ,'  ait,  'modicum,  socie!  Non  sie  habet  ordo, 
410  In  saccum,  socie,  non  ita  venit  homo.' 

Deponensque  caput  ad  humum  talosque  supinans 

'Haec  est  lex  sacci,  sie  eris  intus,'  ait. 
Haec  dicens  miserum  libravit  in  aethera  suisum 

Ac  in  nodoso  stipite  vinxit  eum. 
415     Stans  igitur  coepit  sie  insultare  scholari 

Et  derisoris  voce  locutus  ait: 
'Ecce,  quod  optasti,  quod  quaesisti,  quod  amasti, 

Nunc  compos  voti  factus  es  ipse  tui. 
Iam,  puto,  coepisti  doctissimus  esse  sophista, 
420  Ut  toto  similis  non  sit  in  orbe  tibi. 

O  te  felicem  nimis  egregiumque  magistrum, 

Quem  fovet  in  gremio  philosophia  suo ! 
Experiar  certe,  quantum  modo  delicieris, 


393  Malo]  Mallem  A  —  399  AI]  Et  A  —  408  ille  negat]  absque  mora  BCD  —  409  socie, 
non  sie  habet]  etenim  sie  congruus  B,  nee  enim  se  sie  habet  C,  nee  sie  tibi  congruit  D 
—  411  Deponasque  A  —  Deprimit  ergo  caput  homini  talosque  [saecumque  D]  supinat 
BCD  —   412  bis  432  in  BCD: 

'Frater,  in  nunc  saccum  sie  homo  venit,'  ait. 
Ocius  hunc  miserum  libravit  in  aera  sursum: 

'Sic  est  mos  sacci,  sie  eris  intus',  ait: 
Insultans  risu  pendenti  sie  ait:  'Eia, 

In  sacrum,  socie,  quomodo  venit  homo? 
Iam  puto,  coepisti  doctissimus  esse  sophista  [poeta  B], 

Te  tua,  ni  fallor,  experimenta  docent. 
Ergo  sede,  donec  sapientior  efficiaris; 

Nam  vere  stullus  esse  probare  modo.' 
His  dictis  conscendit  equum  pendentis  abitque  [loca  deserit  illa  BD] 
Quique  pedes  venit,  in  sua  tendit  eques.  — 


146.    Die  Rübe.  187 

Quem  talis  sacci  claustra  beata  tenent. 
425     Philosophare  modo,  propone,  quod  hie  didicisti, 
Quantumcumque  potes,  philosophare  modo! 
Utere  sorte  tua,  quam  toto  corde  petisti 

Quamque  deus  tribuit,  utere  sorte  taa! 
Nunc  superest,  ut  pace  tua  mea  teeta  revisam, 
430  Iam  non  in  saecum  curo  venire  meum.' 

His  dictis  aseendit  equum  pendentis  abitque 

Et  ciamans  inquit:  'Magne  sophista,  vale!' 


In  C  folgt: 


Incolumis,  laetus  et  iugi  pace  quietus 
Decursat  vitam  sorte  favente  bona, 

Divitiis  floret,  in  prosperitate  superbit, 

Donec  cuncla  simul  mors  inimica  tulit. 


Die  riesige  Eübe  gehört  gleich  dem  oben  2,  515  erwähnten 
großen  Kohlkopfe  zu  den  Scherzen  der  Lügenmärchen.  So  erzählt 
in  den  'Neuwen  Zeytungen  auß  der  gantzen  Welt'  (am  Laiebuch 
1597;  vgl.  v.  Bahders  Ausgabe  1914  S.  LX;  abgedruckt  Zs.  f.  dt. 
Alt.  16,  449  v.  461)  ein  Wandrer  dem  Wirte: 

.  .  .  Bei  Straßburg  hab  icli  gsehn 
Ein  ruben  auf  dem  felde  stehn, 
Die  ist  gewachsen  also  groß, 
Daß  ich  mit  einem  schnellen  ros 
In  treien  summertagen  lang 
Nicht  hab  können  tun  ein  umbgang. 

Ebenso  heißt  es  im  Volksbuch  von  dem  lügenhaften  Auf- 
schneider Urban  Fettsack  (Scheibles  Schaltjahr  4,  126.  1847.  Auch 
ins  Schwedische  übersetzt,  Lund  1790) :  Als  ich  nun  weiter  fort- 
wanderte und  nach  Straßburg  kam,  sah  ich  daselbst  auf  dem  Feld 
eine  solch  große  Rübe  stehen,  als  ich  noch  niemals  eine  gesehen,,  und 
ich  glaube,  daß  einer  mit  einem  Roß  in  drei  langen  Sommertagen 
dieselbe  nicht  umreiten  könne.'  'Rüben  gen  Straßburg  füren'  be- 
deutet daher  in  Jobins  Vorrede  zu  Fischarts  Ehezuchtbüchlein  1578 
(Werke  ed.  Hauffen  3,  123)  soviel  wie  eine  unnütze  Arbeit.  Auch 
in  Fischarts  Aller  Practick  Großmutter  1572  (1876  S.  24)  und  in 
Arnolds  Lustspiel  in  straßburgischer  Mundart  'Der  Pfingstmontag' 
1816  S.  177  wird  das  Straßburger  Gemüs  gerühmt:  'Kruttköpf 
vierdelszentnerschwer  un  zwölfpf ündji  Retti'.  Ein  elsässisches  Lügen- 
märchen berichtet  von  einer  Rübe  so  groß,  'daß  emol  e  Has  in  e 
Loch  dri  gsprunge  isch,  un  Hund  un  Jäger  noh,    un   sin  siebe  Johr 


188  146.    Die  Rübe. 

drin  umrae  gloffe,  ob  sie  wieder  use  kho  sin'  (Stöbers  Alsatia 
1873—74,  147);  in  einem  Lobenfelder  Märchen  (Alemannia  24,  182) 
fressen  sich  Rind  und  Kuh  in  die  gewaltige  Rübe  hinein,  daß  am 
dritten  Tage  nur  noch  die  Schwänze  zu  sehen  sind ;  vgl.  E.  Meier, 
Vm.  aus  Schwaben  nr.  24.  Bei  Wisser,  Plattdeutsche  Vm.  S.  187 
müssen  sieben  Mann  eine  solche  Rübe  auf  den  Wagen  heben.  Sie  zu 
kochen,  bedarf  man  natürlich  eines  noch  größeren  Kessels;  vgl.  die 
Neuwen  Zeytungen  von  1597  und  Müller-Fraureuth,  Lügendichtungen 
1881  S.  125;  dazu  Jones-Kropf,  Folktales  of  the  Magyars  p.  361; 
Aberg  nr.  344 — 345;  Hackmans  Register  nr.  1920a;  Aarnes  Register 
nr.  1920a. 

Das  Märchen  selbst  zerfällt  in  zwei  Teile:  A.  Ein  armer  Bauer 
(oder  ein  verarmter  Ritter),  der  eine  auf  seinem  Acker  gewachsene 
außerordentlich  große  Rübe  dem  Könige  zum  Geschenke  bringt,  er- 
hält dafür  eine  stattliche  Belohnung;  als  sein  reicher,  aber  habgieriger 
Bruder  in  der  Hoffnung  auf  noch  höheren  Lohn  dem  Herrscher  kost- 
barere Gaben  darbringt,  überreicht  ihm  dieser  die  seltene  Rübe  als 
Entgelt.  B.  Wütend  lockt  der  Getäuschte  den  Bruder  in  den  Wald 
und  läßt  ihn  in  einen  Sack  stecken  ;  der  aber  beredet,  wie  das  Bürle 
(oben  2,  10:  H),  einen  vorüberreitenden  Studenten,  mit  ihm  zu 
tauschen,  und  entrinnt  wohlbehalten. 

Den  ersten  Teil  berichtet  Erasmus  in  seinem  'Convivium 
fabulosum' (Colloquia  1523  =  Opera  1540  1,645)  von  einem  französi- 
schen Bauern  Conon  und  König  Ludwig  XL ;  der  mißgünstige  Hof- 
mann ist  jedoch  nicht  mit  dem  Bauern  verwandt. 

Ludovicus  Galliarum  rex,  eius  nominis  undecimus,  cum  rebus  domi 
turbatis  peregrinaretur  apud  Burgundiones,  occasione  venationis  nactus 
est  familiaritatem  cum  Conone  quodam,  nomine  rustico,  sed  animi  sim- 
plicis  ac  sinceri.  Nam  hoc  genus  hominibus  delectantur  monarchae.  Ad 
huius  aedes  frequenter  diverterat  rex  ex  venatu  et,  ut  plebeis  rebus  non- 
nunquam  delectantur  magni  principes,  apud  eum  magna  cum  voluptate 
vescebatur  rapis.  Mox  ubi  Ludovicus  restitutus  iam  rerum  potiretur  apud 
Gallos,  submonuit  Cononem  uxor,  ut  regem  veteris  hospitii  commone- 
faceret,  adiret  illum  et  rapas  aliquot  insignes  illi  dono  adferret.  Tergi- 
versatus  est  Conon,  se  lusurum  operam,  principes  enim  non  meminisse 
talium  officiorum.  Sed  vicit  uxor;  deligit  Conon  rapas  aliquot  insignes, 
accingitur  itineri.  Verum  ipse  per  viam  captus  illecebra  cibi.  paulatim 
devoravit  omnes,  una  duntaxat  excepta  insigniter  magna.  Ubi  Cono 
prorepsisset  in  aulam,  qua  rex  erat  iturus,  statim  agnitus  est  a  rege  et 
accersitus.     Ille  magna    cum    alacritate    detulit  munus;    rex  maiore  cum 


146.    Die  Rübe.  189 

alacritate  accepit  mandans  cuidam  e  proximis,  ut  diligenter  reponeretur 
inter  ea,  quae  haberet  carissima.  Cononem  iubet  secum  prandere,  a 
prandio  egit  Cononi  gratias  et  cupienti  repetere  rus  säum  iussit  pro  rapa 
numerari  mille  coronatos  aureos.  —  Huius  rei  fama  cum,  ut  fit,  per  omne 
regis  famulitium  esset  pervagata,  quidani  ex  aulicis  dono  dedit  regi 
equum  non  iuelegantem.  Rex  intelligens  illum  provocatum  benignitate, 
quam  praestiterat  Cononi,  captari  praedam,  vultu  maiorem  in  modum 
alacri  accepit  munus  et  convocatis  primoribus  consultare  coepit,  quo 
munere  pensaret  equum  tarn  bellum  tamque  pretiosum.  Interim  qui  do- 
narat equum,  spes  opimas  animo  concipiebat  sie  cogitans:  Si  sie  pensavit 
rapam  donatam  a  rustico,  quanto  munificentius  pensaturus  est  equum  talem 
oblatum  ab  aulico!  Cum  regi  veluti  de  magna  re  consultanti  alius  aliud 
responderet  diuque  vana  spe  laetatus  esset  captator,  tandem  rex:  'Venit,' 
inquit,  'in  mentem,  quod  illi  donem.'  Et  accersito  ex  proeeribus  quopiam 
dicit  in  aurem,  ut  adferat  id,  quod  reperiret  in  cubieulo  (simulque  locum 
designat)  serico  diligenter  obvolutum.  Adfertur  rapa;  eam,  ut  erat  ob- 
voluta,  rex  sua  manu  donat  aulico  addens  sibi  videri  bene  pensatum 
equum  eimelio,  quod  sibi  constitisset  mille  coronatis.  Digressus  aulicus 
dum  tollit  linteum,  pro  thesauro  reperit  non  carbones,  quod  aiunt,  sed 
rapam  iam  subaridam.     Ita  captator  ille  captus  risui  fuit  omnibus. 

Auf  Erasmus  gehen  zurück  die  Berichte  bei  Gast,  Convivales 
sermones  1,  169  (1549);  Maiolus,  Dies  caniculares  1613  p.  737  C; 
Schertz  mit  der  Warheyt  1550  Bl.  la.  Kirchhof,  Wendunmut  2,  c.  39 
(1602).  Lundorf,  Wißbadisch  Wiesenbrünnlein  2,  126  nr.  52  (1611). 
Gerlach,  Eutrapeliae  2,  80  nr.  226  (1662).  Lehmann,  Exilium 
melancholiae  1669  S.  149  (ungenannter  König;  Rettig  und  Quitte). 
C.  A.  M.  v.  W.,  Zeitvertreiber  S.  24.  Abraham  a  S.  Clara,  Bescheid- 
essen 1717  S.  399  =  Werke  9,  462.  Helmhack,  Fabelhannß  nr.  136 
(1729).  Vademecum  für  lustige  Leute  1,  nr.  118  (1767).  Chr.  F. 
Weiße,  Lieder  uud  Fabeln  für  Kinder  1807  S.  224  'Die  große  Rübe'. 
H.  Wescht,  Fastnachtspiel  von  der  geschenkten  Rübe  (1575.  Goedeke, 
Grundriß  22,  396).  Grosser,  Die  merckwürdigen  Belohnungen  des 
ehemaligen  Frantzösischen  Königs  Ludovici  XL  (Görlitzer  Schul- 
komödie 1724.  Neues  Lausitz.  Magazin  43,  125).  Niederländisch: 
Cluchtboeck,  Antwerpen  1576  p.  66  nr.  83  (Tijdschrift  voor  nederl. 
taalkunde  10,  133).  Englisch:  Merry  tales  and  quicke  answeres 
1567  cap.  23  (Shakespeare's  Jest-books  ed.  Hazlitt  1881  p.  34).  Mel- 
bancke,  Philotimus  1583  (Koppel,  Studien  zur  Gesch.  der  italien. 
Novelle  1892  S.  60).  Französisch:  Garon,  Chasse-ennuy  1,  61 
nr.  59.     Nouveaux  contes  ä  rire  1702  p.  129  =  1752  2,  28  'Le  navet 


190  146.   Die  Rübe. 

de  Louis  XI'  =  Contes  ä  rire  et  aventures  plaisantes  1881  p.  292. 
Baraton,  Poesies  diverses  1705  p.  11  'La  rave'.  Italienisch: 
Domenichi,  Facetie  1562  Bl.  72b  =  1571  p.  153.  Brunetto,  Lettere 
1548  Bl.  15a.  Cäsalicchio,  L'utile  col  dolce  p.  382  (3,  3,  3). 
Spanisch:  Juan  Aragon  es  nr.  5  (ßiblioteca  de  autores  esp.  3,  167). 
—  Auf  Franz  I.  von  Frankreich  ist  die  Geschichte  übertragen  bei 
Giraldi  Cinthio,  Hecatommithi  1565  6,  nov.  9;  auf  Heinrich  IV.,  der 
auf  Roquelaures  Bat  dem  Bauern  für  den  großen  Kürbis  ein  Pferd 
schenkt,  bei  Blade,  Agenais  1874  p.  47  'Les  deux  presents'  =  Blade, 
Gascogne  3,  272;  auf  Karl  V.  im  Vermaekelyken  Klugtvertelder, 
Gent  o.  J.  p.  16  =  Wolf,  DSM.  nr.  287  'Kaiser  Karl  und  der  Rüben- 
käs'  und  in  Pasquils  jests  1604  nr.  51  (Hazlitt,  Shakespeare's  jestbooks 
3,  51);  auf  einen  namenlosen  König,  der  eine  Traube  und  ein  Roß 
zum  Geschenk  erhält,  bei  L.  H.  v.  Nicolay,  Vermischte  Gedichte  5,9 
(1794)  =  Bamler,  Fabeln  und  Erzählungen  1797  S.  45  'Die  Traube'; 
auf  einen  ungenannten  großen  Herren,  den  der  Köhler  mit  Erdäpfeln 
bewirtet,  bei  Simrock,  Märchen  nr.  46  'Das  Gegengeschenk';  vgl. 
Hackmans  Register  nr.  1960  D. 

In  einem  k  1  e  i n  ru  ss  i  s  c h  e  n  Schwanke  aus  Südungarn 
(Etnogr.  Zbirnyk  30,  293  nr.  149)  erhält  der  Bauer  für  seinen  großen 
Kürbis  vom  Kaiser  zwei  Ochsen,  sein  reicher  Nachbar  für  zwei 
Ochsen  den  Kürbis.  Ähnlich  Kolberg,  Chelmskie  2,  117  nr.  18. 
In  einer  andern  Fassung  aus  dem  Gouv.  Cernigov  bei  Malinka  S.  357 
n r.  73  bringt  der  Bauer  zur  Weihnacht  dem  Herrn  eine  Gurke,  der 
Reiche  aber  im  Sommer  einen  ganzen  Wagen  voll  Gurken.  Ebenso 
Dragomanov,  Rozvidky  2,  222,  Cubinskij  2,  522  nr.  18  und  Hrincenko, 
Iz  ust  naroda  S.  400  nr.  369.  Weißrussisch  bei  Sejn  2,  299 
nr.  139  (drei  Knaben  bringen  einen  im  Acker  gefundenen  Diamanten, 
ihr  neidischer  Onkel  Haare,  die  er  seinem  Weibe  ausgerissen).  Bei 
den  Großrussen  (Wesselofsky  in  der  Zs.  Altes  und  neues  Ruß- 
land 1876  nr.  4  S.  313  —  Dragomanov,  Rozvidky  2,  225)  lohnt  der 
Zar  Iwan  der  Schreckliche  dem  Bauern,  der  ihm  eine  große  Rübe 
und  ein  Paar  Bastschuhe  überreicht,  indem  er  allen  Edelleuten  ge- 
bietet, sich  bei  jenem  Bastschuhe  machen  zu  lassen;  dem  Reichen, 
der  ihm  ein  Pferd  bringt,  schenkt  er  die  Rübe.  Dies  berichtet  schon 
der  Engländer  Collins  im  17.  Jahrh.  (Savcenko  S.  59).  Kryptadia  1. 
nr.  21  (1883).  Bei  Afanasjev3  2,  429  nr.  249ww  sieht  der  Bauer, 
wie  ein  Herr  50  Rubel  für  einen  Kanarienvogel  zahlt,  und  bringt 
ihm    einen    Gänserich.      Finnisch:    Aarnes    Register    nr.    1960  D. 


146.    Die  Eübe.  191 

Singalesisch:     Parker     2,     333     nr.    148    'The  Ratemahatmayä's 
presents'. 

Von  dem  mißratenen  Versuch  den  Glückserwerb  zu  über- 
bieten, da  doch  das  unschuldige  Herz  fehlt,  erzählen  auch  andre 
Märchen;  so  der  oben  2,  74  angeführte  italienische  Schwank  von 
den  beiden  Genuesern  im  katzenlosen  Lande,  der  auch  in  einem 
provenzalischen  Gedicht  von  G.  Azais  (Revue  des  langues  rom.  27, 
194  'Un  present  de  roi')  wiederkehrt.  Nach  dem  im  7.  Jahrhundert 
geschriebenen  Midrasch  Wajikra  rabba  (übersetzt  von  Wünsche  1884 
S.  169  cap.  25,  19,  3.  Hurwitz,  Sagen  der  Hebräer  1826  S.  69. 
Jolowicz,  Blüten  rabbinischer  Poesie  1845  1,  83.  Levi,  Parabeln 
aus  Talmud  und  Midrasch  1877  S.  173.  Gelbhaus,  Über  Stoffe 
altdeutscher  Poesie  1887  S.  71)  fragte  Hadrian  in  Tiberias  einen 
hundertjährigen  Juden,  warum  er  Feigenbäume  pflanze,  da  er  deren 
Früchte  kaum  erleben  werde.  Als  aber  die  Bäumchen  nach  einigen 
Jahren  Feigen  trugen,  brachte  der  Greis  einen  Korb  voll  dem 
Kaiser,  der  ihm  dafür  den  Korb  mit  Goldstücken  füllte.  Da 
schleppte  auch  sein  habgieriger  Nachbar  einen  Sack  Feigen  zum 
Kaiser,  um  gleichen  Lohn  zu  erhalten;  der  aber  ließ  ihn  vors  Tor 
stellen  und  ihm  die  Feigen  ins  Gesicht  werfen.1)  In  Palästina  lebt 
diese  Geschichte,  auf  den  Kalifen  Harun  er  Raschid  übertragen,  fort 
(Hanauer  p.  161).  In  einer  arabischen  Geschichte  aus  Mesopotamien 
(Meissner  nr.  35.  Beitr.  5,  63)  wird  sie  verbunden  mit  der  sinn- 
reichen Teilung  des  Huhns  (oben  2,  360).  Ähnlich  belohnt  in  der 
152.  Novelle  Sacchettis  (vgl.  Francia,  F.  Sacchetti  1902  p.  117) 
Bernabö  Visconti  einen  spanischen  Ritter  für  das  Geschenk  eines 
zierlich  abgerichteten  Esels  durch  die  Gegengabe  eines  stattlichen 
Pferdes,  während  ein  Florentiner,  der  ihm  darauf  zwei  Esel  schickt, 
nur  Spott  erntet.  In  dem  magyarischen  Schwanke  vom  Ofener 
Hundemarkt  (Die  österreichisch-ungarische  Monarchie,  Ungarn  1,  335.. 
1888)  kauft  König  Matthias  einem  Schafhirten,  dem  die  Türken  alles 
bis  auf  seine  sechs  Hunde  geraubt,  diese  ab,  jagt  aber  seinen 
Nachbarn,  der  darauf  mit  einer  großen  Menge  von  Hunden  kommt, 
davon.     So  lohnt  schon   in  der  äsopischen  Fabel  vom  Holzhauer  und 


*)  Zu  diesem  letzten  Zuge  vgl.  "VVesselski,  Nasreddin  1,  227  nr.  71, 
sowie  R.  Köhler  1,  494  und  Clouston,  Populär  tales  2,  467.  Kuttner, 
Jüdische  Sagen  4,  23  (Midrasch  Kohelet  2,  20).  Cento  novelle  antiche 
nr.  74.     A.  dAncona,  Studj  1880  p.  332  =  Romania  3,  180. 


192  146.    Die  Rübe. 

Hermes  (Halm  nr.  308)  der  Gott  dem  Wahrhaftigen  und  Bescheidenen, 
der  nur  seine  in  den  Fluß  gefallene  Axt  wiederbegehrt,  durch  das 
Geschenk  der  goldenen  und  silbernen  Axt,  die  jener  als  ihm  nicht 
gehörig  zurückgewiesen  hatte;  der  Lügner  aber,  der  die  Frage  des 
Hermes,  ob  er  die  goldene  Axt  verloren  habe,  bejaht,  erhält  auch  die 
eiserne  nicht  zurück.  Vgl.  Steinhöwel,  Äsop  S.  254  ed.  Oesterley ; 
Waldis,  Esopus  3,  nr.  72;  H.  Sachs,  Fabeln  6,  188  nr.  964;  Kirch- 
hof, Wendunmut  7,  nr.  15;  Puchmajer  (Zbornik  jslav.  21,  11  nr.  12); 
Leo  Tolstoj,  Der  Bauer  und  der  Wassergeist;  Jurkschat  1,  19  nr.  4 
(vgl.  Basanowicz  nach  der  Zahorska  Kronika  6,  20);  Castren,  Finn. 
Mythologie  1853  S.  75;  oben  2,  227. 

Die  im  zweiten  Teile  des  Raparius  vorkommende  Erlösung 
aus  dem  Sacke  ist  genau  die  List,  durch  die  Unibos  (oben  2,  7) 
sich  aus  der  Tonne  rettet,  worin  die  Bauern  ihn  ersäufen  wollen, 
indem  er  einem  vorübergehenden  Sauhirten  weismacht,  daß  wer  sich 
hineinlege,  zu  großer  Würde  abgeholt  werden  solle.  Statt  der 
Tonne  ist  es  bei  Valentin  Schumann,  in  der  Geschichte  Camprianos, 
Scarpacificos,  Bertoldos  und  vieler  andrer  Seitenstücke  zu  unserm 
Bürle  (nr.  61)  ein  Sack,  aus  dem  sich  der  schlaue  Held  durch 
Tausch  mit  einem  Einfältigen  befreit.  Auch  die  vom  Biesen  in 
einen  Sack  gesperrte  Meisterdiebin  Molly  Whuppie  (oben  S.  37) 
macht  die  Riesenfrau  so  neugierig,  daß  diese  statt  ihrer  hinein- 
kriecht. Einen  Sack  des  Ruhmes1)  hält  der  Meisterdieb,  als  Engel 
verkleidet,  dem  Pfarrer  vor  und  läßt  ihn  hineinkriechen  (unten  zu 
nr.  192).  In  der  Tierfabel2)  dagegen  erlöst  sich  der  Fuchs  aus  dem 
Brunneneimer  dadurch,  daß  er  den  dummen  Wolf  berückt,  im  andern 
Eimer  hinunter  ins  Himmelreich  einzugehen,  damit  ihn  dieser  heraus- 
ziehe; als  sie  sich  unterwegs  in  den  Eimern  begegnen,  sagt  der 
Fuchs  spöttisch:  'So  gehts  in  der  Welt,  der  eine  auf,  der  andere 
nieder.' 

Merkwürdig  gemahnt  die  Vorspiegelung  des  im  Sacke  Ge- 
fangenen,   er    lerne    am  Baume    hangend  Weisheit    (Raparius 


J)  In  einem  Negermärchen  (Kölle  p.  179  nr.  10  =  Bleek,  Reineke 
Fuchs  in  Afrika  S.  97)  steckt  der  Verstand  in  einem  zugebundenen  Sack; 
ein  Wiesel  öffnet  ihn  und  nimmt  sich  davon. 

2)  J.  Grimm,  Beinhart  Fuchs  1834  S.  58.  356.  425.  Voretzsch,  Zs.  f. 
roman.  Phil.  15,  358.  Sudre,  Sources  da  roman  de  Renart  1892  p.  226. 
Foulet,  Le  roman  de  Renard  1914  p.  289.  Kurz  zu  Waldis,  Esopus  4, 
nr.  8.     Sv.  landsmäl  3905,  47  nr.  12  (Fuchs  und  Hase). 


147.    Das  junggeglühte  Männlein.  1^3 

v.  341),  an  die  Art,  auf  die  Odin  geheimer  Wissenschaft  mächtig 
wird.  Nach  der  Edda  (Hövamöl  Str.  138.  Gerings  Übersetzung 
S.  105)  opfert  er  sich  selbst,  indem  er  sich  an  der  Weltesche 
Yggdrasil  aufhängt  und  sich  mit  dem  Speere  verwundet: 

Ich  weiß,  daß  ich  hing  am  windbewegten  Baum 

Neun  Nächte  hindurch  —  —  — 

Zu  gedeihn  begann  ich  und  bedacht  zu  werden. 

Angesichts  der  Bezeichnung  'cpiasi  Socraticus',  die  der  oben  am 
Baum  Hängende  in  den  Hs.  BD  des  Raparius  (S.  183  zu  v.  324)  er- 
hält, könnte  man  sogar  an  Aristophanes  Wolken  erinnern,  wo 
Sokrates  in  einem  Hängekorb  schwebend  spekuliert ;  allein  jener 
Schreiber  des  15.  Jahrhunderts  hat  schwerlich  etwas  von  den  Aristo- 
phanischen Komödien  gewußt  und  vermutlich  an  das  28.  Exemplurn 
der  Disciplina  clericalis  des  Petrus  Alfonsus  gedacht,  wo  Sokrates 
(wie  sonst  Diogenes)  sich  in  die  Einsamkeit  des  Waldes  zurückzieht 
und  in  einer  Tonne  wohnt. 


147.    Das  junggeglühte  Männlein.  is«  s.  231. 

1815  nr.  61  =  1819  nr.  147. —  Nach  Hans  Sachs,  Ursprung 
der  Affen  (1562.  Folioausgabe  4,  3,  69b  =  17,  290  ed.  Keller-Goetze 
=  Fabeln  und  Schwanke  ed.  Goetze  2,  304  nr.  290.  Zuvor  schon 
1536  in  einem  Meisterliede  behandelt:  Fabeln  3,  142  nr.  57);  vgl. 
Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  der  KHM.  1906  S.  51.  —  Dra- 
matisiert bei  F.  Roeber,  Marionetten  1885  S.  1 14  'Das  Märchen  vom 
h.  Andreas'. 

Hans  Sachs  benutzte  augenscheinlich  einen  Spruch  von  Hans 
Folz  'Von  wannen  die  Affen  kommen'  (Zs.  f.  dt.  Altertum  8,  537), 
der  auch  einem  kurzen  Gedicht  auf  einem  Holzschnittbogen  des 
Nürnbergers  Georg  Glockendon  (f  1515.  Wendeler,  Archiv  f. 
Litgesch.  7,  330  =  Dähnhardt,  Natursagen  2,  162)  zu  Grunde  liegt. 
In  neueren  Fassungen  fehlt  meist  der  Schluß,  daß  die  schwangeren 
Frauen  aus  Entsetzen  vor  der  Mißgestalt  der  verbrannten  Alten  ähn- 
liche Mißgeburten  zur  Welt  bringen.  Im  oberpfälzischen 
Märchen  bei  Panzer  2,  18  =  Merkens  1,  74  läßt   der  Schmied,    der 

Grimm,  Märchan -Anmerkungen  ITI.  13 


194  147.    Das  junggeglülite  Männlein. 

über  seine  Werkstatt  geschrieben  hat  'Meister  über  alle  Meister', 
Christus  flehentlich  bitten,  zurückzukehren  und  die  verbrannte  und 
in  Stücke  geschlagene  Nachbarin  zu  beleben ;  der  Herr  legt  die 
Trümmer  nochmals  ins  Feuer  und  auf  den  Amboß,  aber  er  kann 
nichts  andres  als  einen  Affen  herausbringen.  Aus  Wald  eck  bei 
Curtze  S.  83  nr.  18  'Der  Eiesenbezwinger'  übertragen  auf  einen 
Schmiedegesellen  und  verbunden  mit  den  Abenteuern  des  Hasen- 
hüters und  Grindkopfes.  Aus  Luxemburg  bei  Gredt  1885  nr.  854, 1 
(Geselle).  Aus  Pommern  bei  Jahn,  Volksmärchen  1,  255  nr.  48 
'St.  Peter  und  der  Schmied'  (Christus  fehlt)  und  Knoop  1885  S.  203 
'Wie  eine  alte  Frau  umgeschmiedet  wird'  (Geselle).  —  Vlämisch: 
De  Mont  en  de  Cock,  Vertelsels  p.  108  'De  Oorsprong  van  den  Aap' 
(St.  Elooi  verjüngt  die  Alte,  ein  anderer  Schmied  versucht  das  Gleiche 
vergeblich  an  seiner  Frau).  Vincx,  Grappige  Vertelsels,  tweede  reeks 
1,  58  (1904.  Dähnhardt  2,  288).  Teirlinck,  Contes  flamands  p.  89 
'Creation  des  singes'  (Christus).  —  Dänisch:  Grundtvigs  hsl.  Re- 
gister nr.  119  'Vorherre  og  smeden'.  Kristensen,  Sagn  og  Overtro 
fra  Jylland  1,  239  nr.  329  'Lsekattens  Oprindelse  (Christus  macht  die 
Alte  zum  Hermelin)  und  nr.  330  'Den  ferste  Ugle'  (die  Alte  wird 
zur  Eule).  For  Ide  og  Virkelighed  1870, 1,  364  'Hvordan  Uglen  blev 
til'  (aus  Jütland.  Eule).  —  Schwedisch:  Aberg  nr.  155  'Smied  för 
alla  smieder'  (unvollständig)  und  nr.  123  'Smens  tri  önskningar1  (die 
Frau  bleibt  tot ;  dann  der  Spielhansel  oben  nr.  82).  Hackmans 
Register  nr.  753.  —  Norwegisch:  Asbjörnsen-Moe  nr.  21  =  Brese- 
mann  1,148  'Vom  Schmiede,  den  der  Teufel  nicht  in  die  Hölle  lassen 
durfte'  =  Stroebe  2,  280  =  Dasent  1859  p.  120  (die  Frau  bleibt 
tot;  dann  der  Spielhansel).  M.  Moe,  Norske  Univ.  og  Skole- 
annaler  1880,249.  —  Französisch:  Gittee-Lemoine  p.  76  'L'origine 
du  singe'  =  La  Tradition  3,  250.  Wallonia6, 154  'La  vieille  devenue 
singe'.  —  Italienisch:  De  Nino  4,  79  'Gesü  Cristo,  gli  apostoli  e 
Sant'  Eligio'.  Archivio  4,  477  nr.  6  'Come  nacque  l'orso'.  —  Portu- 
giesisch: Leite  de  Vasconcellos,  Ensaios  ethnograpbicos  4,  263 
nr.  6  (1910)  =  Giornale  di  filologia  romanza  4,  194  (1883).  — 
Serbisch:  Rica  8  (1912),  nr.  13  'Des  Teufels  Freund'  (der  Teufel 
als  Greis  läßt  sich  vom  Gesellen  verjüngen ;  der  Meister  versucht 
es  bei  der  Raiserin).  —  Öechisch:  Slavische  Blätter  1,241  (1865) 
=  Dähnhardt  2,  163.  —  Polnisch:  Rolberg,  Lud  8,  97.  21,  192 
(Teufel  statt  Christus).  Wisla  14,  68  (Jesus  schmiedet  die  häßliche 
Tochter    des    Schmiedes  um;    die    Tochter  der  Schmiedsfrau,  an  der 


147.    Das  junggeglühte  Männlein.  195 

der  Mann  das  Gleiche  versucht,  verbrennt;  aus  ihrer  Asche  wächst 
Tabak).  —  Kaschubisch:  Lorentz,  Teksty  S.  155  nr.  208.  S.  526 
nr.  657.  —  Kleinrussisch:  Cubinskij  1,  154.  —  Weißrussisch 
aus  dem  Gouv.  Wilno:  Karlowicz  S.  58  nr.  39.  —  Estnisch: 
Dähnhardt  2,  167  nr.  7a — b.  —  Finnisch:  Salmelainen  4,  nr.  1  = 
Schreck  S.  159  nr.  18  'Die  wundersame  Schmiede'.  Suomi  3,  14,  81. 
Aarnes  Register  nr.  753. 

Während  in  diesen  Erzählungen    der  vorwitzige  Versuch,    das 
Wunder  des  Heilands  oder  des  Apostels   nachzuahmen,    für    die    ins 
Schmiedefeuer  geworfene  Frau  schlimme  Folgen  hat,  wird  diese  ander- 
wärts durch  den  herbeigerufenen  Meister  schließlich  doch  verjüngt.1) 
So  in  dem  mittelenglischen  Gedichte  'The  sm}rth  and  his  dame' 
bei  Hazlitt,  Remains  of  the  early  populär  poetry  3,  201,    Horstmann, 
Altengl.  Legenden    n.  F.  1881  S.  322    und  Kurz,    Die    junggeglühte 
Frau,  Progr.  Gotha  1908.  4°.     Hier  beschämt  Jesus  einen  hoffärtigen 
Schmied  in  Ägypten,    der    sich  Meister   ohnegleichen  nannte,    indem 
er  dessen  lahme  Schwieger    ins  Feuer    legt,    mit    dem    Hammer    be- 
arbeitet und  zu  einer  schönen  Frau  von  dreißig  Jahren  macht.    Trotz 
seiner  Warnung  versucht  der  Schmied  das  Gleiche  mit  seinem  blinden 
Weibe,  das  unter  seinen  Händen    stirbt;    er    rennt   wie    wahnsinnig 
dem  Herrn  nach;    dieser  läßt  sich  erweichen,    kehrt  um    und  segnet 
den    verkohlten    Leichnam,    der    nun    jung    und    schön    aufersteht. 
Deutsch:  Simrock,  Deutsche  Märchen  S.  148  nr.  31b  'Der  Meister 
über  alle  Meister'.     Französisch:  Luzel,  Legendes  ehret.  1,  22  'La 
fiancee  de  Saint-Pierre'.     *Cadic,    Contes    de    Bretagne    (Revue    des 
trad.  pop.  18,  602).     Italienisch  aus  Wälschtirol :  Hörmann,  Zs.  des 
Ferdinandeums  1870,  226    'Wie  es  der  Herr    einem  andern  Schmied 
gemacht  hat'  (nachdem  Jesus  den  Petrus  umgeschmiedet  hat,  will  es 
der  Schmied  mit  seinem  alten  Vater  ebenso  machen).    Aus  Venetien : 
Widter-Wolf  nr.  5  'Der  Herrgott,  St.  Peter  und  der  Schmied'  (Jahr- 


J)  Dies  ist  ein  Seitenstück  zu  der  Toten  erweck  ung,  die  der 
Bruder  Lustig  (oben  2,  150:  E)  dem  Apostel  Petrus  nachzumachen  ver- 
sucht. Zu  den  2,155  angeführten  italienischen  Fassungen  gehören  noch: 
Bagli  1887  p.  18  nr.  7  'San  Giovanni  ruba  un  fegato  di  agnello'.  Nioc. 
Tommaseo  1,  94  nr.  2  'Pipetta'.  Pitre,  Fiabe  e  leggende  nr.  48  'Mastru 
Franciscu  e  l'ancilu'.  —  In  cechischen  Schwänken  bei  Polivka,  Povidky 
opavsk.  S.  94  nr.  30  und  S.  115nr.43  und  Kubin,  Podkrkonosinr.  63. 252  foppt 
ein  Spaßvogel  die  Köchin  und  die  Magd,  die  verjüngt  werden  wollen; 
ähnlich  in  einem  bretonischen  Schwank  Revue  des  trad.  pop.  11,  299. 

13* 


196  147.    Das  junggeglühte  Männlein. 

buch  f.  roraan.  Lit.  7,  28;  vgl.  R.  Köhler  1,  296).  Aus  Verona: 
Nicc.  Tommaseo  2,  122  nr.  3  'El  maestro  de  tuti  i  maestri'.  *Gor- 
tani,  Tradizioni  pop.  friulane  1904  1,  82  'Li  mestri  sore  duc  i 
mestris'.  Aus  Sicilien :  Archivio  7,  384  nr.  3  'Lu  primu  mastru  di  lu 
munnu'.  Pitre,  Fiabe  e  leggende  nr.  47  'Lu  mastru  supra  tutti  li 
mastri'  (Jesus  schmiedet  den  h.  Joseph  um).  K  a  sc  hu  bisch  : 
Lorentz,  Teksty  S.  474  nr.  608  (der  Gesell  verjüngt  den  Hund,  dann 
den  Meister;  da  aber  die  Tochter  dazwischen  kommt,  bleibt  ein 
Fuß  lahm).  —  Eine  weißrussische  Fassung  bei  Sejn  2,  144  = 
Dähnhardt  2,  158  und  zwei  polnische  (Mater,  arch.  etnogr.  1,  61 
nr.  6.  Kolberg  21,  192  nr.  11)  stimmen  darin  zur  waldeckischen,  luxem- 
burgischen und  hinterpommerschen  Aufzeichnung,  daß  nicht  Christus, 
sondern  ein  als  Schmiedegeselle  verkappter  Teufel  den  Greis  ver- 
jüngt; der  Teufel  rettet  auch  nachher  den  Schmied,  dessen  Kur 
mißlungen  ist,  vom  Galgen.  Ähnlich  großrussisch  bei  Afanasjev, 
Legendy  S.  104  nr.  31  =  Ralston  p.  57  'The  smith  and  the  demon' 
und  aus  dem  Gouvernement  Nowgorod  in  Zivaja  Starina  4,  12 
(1891);  weißrussisch  bei  Federowski  1,  11  nr.  21  (Bruch- 
stück); kleinrussisch  aus  Ostgalizien  im  Etnogr.  Zbirnyk  15,  11 
nr.  17,  bei  L.  Borovikovskij,  Otecest.  Zapiski  1840  =  Afanasjev. 
Legendy  S.  196 ;  Hrincenko  2,  73  nr.  69  (ähnlich  dem  büßenden 
Teufel  oben  2,  294  dient  ein  Wolf  dem  Schmiede  drei  Jahre  und 
verjüngt  seinen  Hund,  seine  Mutter  und  andre  alte  Weiber) ;  i  m  er  e  t  i- 
nisch  im  Sbornik  Kavkaz.  13,  2,  27.  Ein  Negermärchen  aus 
Virginien  bei  Groome,  Gypsy  folk-tales  p  291  ==  Athen  «um  1887, 
20.  august  p.  245  'De  New  Han'. 

Wir  haben  also  zwei  bis  ins  15.  Jahrb.  hinaufreichende 
Varianten  des  Märchens,  von  denen  die  erste  ätiologisch  den  Ursprung 
der  Affen  oder  Eulen  begründet.  Der  beiden  gemeinsame  Grund- 
gedanke, daß  die  Nachahmung  eines  Verjüngungswunders  dem  un- 
befugten Menschen  (in  der  Regel  einem  Schmiede)  mißlingt,  kehrt  im 
Spielhansel  (oben  2,  150;  auch  Pitre,  Fiabe  e  leggende  1888  p.  194  und 
Zytje  i  Slovo  2,  182  nr.  11)  und  in  der  Legende  von  Eligius  wieder, 
dessen  Name  uns  schon  in  vlämischen  und  italienischen  Aufzeichnungen 
begegnete.  Der  h.  Eli  giu  s  (Eloi,  Loy),  der  659  als  Bischof  von  Noyon 
starb,  wird  in  Frankreich  und  Belgien  um  seiner  früheren  Tätigkeit 
als  Goldschmied  willen  als  Schutzpatron  der  Schmiede  und  der  Pferde 
verehrt.  Zahlreiche  Bildwerke  des  15.  und  16.  Jahrh.  stellen  ihn 
dar,  wie  er  einem  Pferde  einen  Fuß  abgenommen  hat,    um  ein  Hui- 


147.    Das  junggegluhte  Männlein.  197 

eisen  darauf  zu  schlagen *),  bisweilen  auch,  wie  er  dabei  einem  als 
Frau  verkleideten  Teufel  mit  der  Zange  in  die  Nase  kneift2].  Die 
gleichzeitige  Volkssage,  von  der  die  alte  Lebensbeschreibung  in 
Mignes  Patrologia  latina  87,  477  noch  nichts  weiß,  lautet  im  'Sumer- 
teil  der  Heyligen  Leben',  Augspurg  1472  Bl.  65b,  2:  'Darnach  hieß 
im  der  küng  sein  pferd  mit  silberin  hüfeysen  beschlahen.  Da  schneyd 
Sant  Loy  dem  pferd  die  füß  ab  nach  den  gelidern,  vnd  da  er  es  be- 
schlagen het,  da  saczt  er  im  die  füß  wider  an  on  allen  gebrechen. 
Das  sach  sein  knecht,  der  wolt  es  ouch  tun,  da  mocht  er  es  nit 
getün  vnd  verderbet  das  pferd.  Da  machet  Sant  Loy  das  pferd 
wider  gesunt  vnd  strauffet  den  knecht.  Da  sprach  er:  Lieber  herr, 
ich  wolt  es  ouch  gelernet  haben.  Da  sprach  Sant  Loy:  Lieber  sun, 
es  ist  nit  czimlich,  das  doch  nit  zimpt  ze  thün.'  Vgl.  die  Legende 
von  St.  Loy  im  Münchener  cod.  germ.  3899,  Bl.  100.  —  Schweizerisch  : 
Henne  am  Rhyn,  Die  dt.  Volkssage  1879  S.  469.  Schwäbisch: 
E.  Meier,  Sagen  1,  293  nr.  330  (Elogius);  Birlinger,  Volkstümliches 
1,  405  nr.  632  (St.  Loy).  Viämisch :  De  Mont  en  de  Cock,  Vertelsels 
S.  364  'Sint-Elooi  en  de  Smid'  (Meister  über  die  Meister) ;  Wolf, 
DMS.  nr.  17  'Von  Elig  dem  Schmiede'  (zu  Elig,  der  sich  Meister  über 
alle  Meister  nennt,  kommt  Jesus  in  der  Gestalt  eines  Schmiedegesellen 
und  beschämt  ihn);  Cornelissen-Vervliet  nr.  12  'Van  Sint-Elooi  enden 
Smid';  Volkskunde  2,  168.  Irisch:  Kennedy  1866  p.  345  'How 
St.  Eloi  was  punished  for  the  sin  of  pride'  =  Brueyre  p.  329  = 
Knortz  S.  123,  vgl.  Gaidoz,  Melusine  5,  104.  Französisch:  Luzel, 
Legendes  1,  93.  Blade,  Contes  2,  152  —  Blade,  Agenais  p.  61  'Le 
voyage  de  Notre  Seigneur'.  Melusine  7,  25  pl.  1  (Bilderbogen  aus 
Epinal).  *Guibert,  Legendes  du  Limousin  1865  p.  75.  —  Statt  des 
Eligius  erscheint  St.  Martin  in  der  Revue  des  trad.  pop.  18,  593; 
St.  Vin  centius  Ferrer  bei  Bertran  y  Bros,  Rondallistica  1888  p.  76 
nr.  10;    Christus    bei    Carnoy,    Picardie    p.  67    Les   diables  et  le 


')  Gaidoz,  Melusine  5,  100.  170.  6,  125.  7,  25.  77.  8,  30.  122.  153. 
208.  R.  Köhler  1,132.  Lehrs,  Repertorium  für  Kunstwissenschaft  16,  43. 
Chevalier,  Repertoire  des  sources  hist.  1905  1,  1311.  —  Sehr  kühn  ver- 
gleicht J.  Grimm,  Myth.3  S.  XXXVI.  141  die  Sage  von  dem  nächtlichen 
Reiter  Odin  und  dem  Schmiede  (Unland,  Schriften  8,  612.  Dähn- 
hardt  2,  170.  Schreiber,  Gedichte  1817  S.  14  'Meister  Olaf'.  Killinger, 
Sagen  2,  85). 

2)  Melusine  7,  88.  8,  30.  Nyrop,  St.  Eligius  (Aarboger  for  nordisk 
oldkyndighed  1899,  155). 


198  147.    Das  junggeglühte  Männlein. 

forgeron',  im  wälschtiroler  Märchen  bei  Hörmann,  Zs.  des  Ferdi- 
nandeums  1870,  224,  im  rumänischen  bei  Obert  nr.  27  (Ausland  1857, 
1075)  und  im  ungarischen  bei  Sebestyen,  Legenden  nr.  7 ;  ein  Engel 
bei  Haas,  Schnurren  aus  Rügen  1899  nr.  50 ;  ein  namenloser  Geselle 
im  oberpfälzischen  bei  Schönwerth  3,  77  und  im  heanzischen  Zs.  f. 
Volkskunde  24,  30.    *Cerquand  nr.  76. 

Das  Verjüngen  von  Greisen  samt  dem  mißglückenden  Nach- 
ahmen erinnert  an  die  griechische  Sage  von  Medea,  Äson  und  Pelias 
(Röscher,  Lexikon  der  griech.  Mythologie  2,  2491.  2505),  auch  an  den 
Narrenstreich  eines  indischen  Bettelmönches,  der  gesehen  hat,  wie 
ein  krummer  Stab  durch  Öl  und  Wärme  gerade  gebogen  wird,  und 
seinen  alten  Lehrer  ebenso  behandelt  (Bharatakadvatrinoikä  bei 
Weber,  Mtsber.  der  Berliner  Akademie  1860,  69).  Zu  den  beliebten 
Volksscherzen  aber  gehört  die  Verjüngungskur  alter  Weiber  durch 
Baden  in  einem  Jungbrunnen  *),  durch  Umschmelzen  in  einem  Glut- 
ofen, durch  Abschleifen  der  Runzeln  und  Falten  in  besonderen 
Mühlen2)  oder  durch  Aufsetzen  neuer  Köpfe3).  In  einem  vor  1540 
zu  Zürich  gedruckten  Fastnachtspiel  'Wie  man  alte  Weiber  jung 
schmiedet'  erscheint  ein  kunstreicher  Meister,  zu  dem  sich  ein  hundert- 
jähriges Weiblein  auf  einer  Schiebkarre  hinfahren  läßt;  nachdem  sie 
in  der  Schmiede  drei  Feuer  ausgestanden  hat,  tritt  sie  als  ein  schönes 
Jungfräulein  heraus,  zahlt  freudig  dem  Meister  seinen  Lohn  und 
sieht  sich  alsbald  von  Freiern  umworben,  unter  denen  sie  den  vor- 
nehmsten auswählt.  Von  ähnlichen  Aufführungen  hören  wir  aus 
Lübeck  und  Thorn  (1440),  Möskirch  (1483),  Königsberg  (1542), 
Deventer  (1544.  1555)  und  neuerdings  aus  Rußland;  1525  verfaßte 
der  Portugiese  Gil  Vicente  seine  'Liebesschmiede'4).     Ein  Augsburger 

*)  Grimm,  Myth.3  S.  554.  3,  167.  Wendeler,  Archiv  f.  Litgesch.  7, 
329.  Bulte,  Archiv  f.  slav.  Phil.  18,  1321.  Toldo,  Studi  d.  filol.  romanza 
9,  230.     Dähnhardt  2,  154.  28S.  Macculloch  p.  93. 

2)  Bolte,  Die  Altweibermühle  (Archiv  f.  neuere  Sprachen  102,241); 
vgl.  Hoffmann-Krayer  ebd.  104,  355.  Kück-Sohnrey,  Feste  und  Spiele 
1909  S.  186.  Haberlandt,  Österreichische  Volkskunst  1911  Taf .  97.  Reiser, 
Sagen  des  AUgäus  2,  46.  Veckenstedts  Zs.  f.  Volksk.  4,  32.  Über 
Land  und  Meer  117,  275  (1917).  Heurck,  Imagerie  pop.  flamande  1910 
p.  579.  664.  Norlind,  Svenska  allmogens  lif  1912  S.  215.  Cesky  Lid  18, 
404.    Etnograf.  Zbirnyk  6,  324. 

8)  Bolte,  Jahrbuch  f.  Gesch.  Elsaß-Lothringens  13, 165.  Archiv  102, 
2423.     Diederichs,  Deutsches  Leben  der  Vergangenheit  2,  nr.  1098. 

4)  Archiv  f.  slav.  Phil.  18, 133.  Creizenach,  Geschichte  des  neueren 
Dramas  3,  274.     Maksimov,    Necistaja,    nevedomaja  i  krestnaja  sila  1903 


148.    Des  Herrn  und  des  Teufels  Getier.  199 

Bilderbogen  des  16.  Jahrh.,  der  in  Böhmen  und  Bußland  nachgeahmt 
ward,  erzählt  von  einem  auf  der  Insel  Senecla  befindlichen  Altweiber- 
ofen des  Vulcanus1). 


148.    Des  Herrn  und  des  Teufels  Getier.       «es.»! 

1815  nr.  62  =  1819  nr.  148.  Nach  Hans  Sachs,  Der  dewffel 
hat  die  gais  erschaffen,  hat  in  dewffel-augen  eingeseezt  (1556.  Folio- 
ausgabe 1,  5,  499  b  =  5,  143  ed.  Keller  =  Fabeln  und  Schwanke 
ed.  Goetze  1,  489  nr.  172;  vgl.  das  Meisterlied  ebd.  6,  224  nr.  984); 
vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  der  KHM.  1906  S.  51.  127, 
der  auch  zwei  Mißverständnisse  der  Vorlage  nachweist. 

Ein  uralter  Grund,  sagt  W.  Grimm,  bricht  allenthalben  durch 
diese  Fabel;  sie  gehört,  wie  aus  Dähnhardts  reichen  Nachweisen  in 
den  Natursagen  1,  127 — 205  erhellt,  zu  der  großen  Gruppe  dua- 
listischer Schöpfungssagen.  Aus  Eifersucht  ahmt  der  Teufel  Gottes  ' 
Schöpfertätigkeit  nach,  ohne  sie  erreichen  zu  können ;  er  bildet 
einen  Wolf,  eine  Ziege,  ein  Pferd,  vermag  sie  aber  erst  durch  den 
Namen  Gottes  zu  beleben ;  statt  des  Menschen  erschafft  er  einen 
Affen,  statt  der  Biene  die  Wespe,  statt  der  Nuß  die  Eichel;  oder 
er  wird  bei  solchem  Wettstreite  geradezu  geprellt.  In  einer  Fassung 
aus  Tirol  bei  Alpenburg,  Mythen  S.  254  schafft  der  Teufel  die 
Gemsen,  reißt  ihnen  aber  dann  die  langen  Schwänze  ab.  Aus  Trier: 
Görres,  Wallfahrt  nach  Trier  1845  S.  199.  Merkens  2,  38  nr.  35. 
Aus  Westpreußen:  Preuß  S.  7  'Die  Erschaffung  der  Ziege'. 
Lemke  2,  13  nr.  22.  Bulgarisch:  Dragomanov,  Rozvidky  3,  131. 
Cechisch:  C.  Lid  3,  30.  Polnisch:  Knoop,  Sagen  der  Prov.  Posen 
1913  S.  159  nr.  244  und  Volkstl.  aus  der  Tierwelt  S.  59.  Swie>k 
S.  582.  Russisch:  Jastrebov,  Materialy  S.  13  =  Dähnhardt  1, 
181.  Etnogr.  Zbirnyk  12,  27  nr.  26  =  Zytje  i  Slowo  2,  185  nr.  13. 
Bulasev  S.  406.,  Cubinskij,  Trudy  1,  49  =  Romanov  4,  168  nr.  22 
=  Sadovnikov  S.  251  nr.  82  —  Etnogr.  Obozrenie  6,  140.  Wot- 
jakisch:  Veselovskij,  Razyskanija  11 — 17,  367. 

Die  Wölfe    als   Gottes  Hunde    vergleichen    sich    den  Wölfen 

S.  299.  —  In  der  französischen  'Farce  nouvelle  des  femmes  qni  fönt  refondi  e 
leurs  maris'  (Viollet  Leduc,  Ancien  theatre  franeois  1,  63)  bringen  Jean- 
nette und  Perrette  ihie  alten  Männer  zum  Wunderschmiede. 

!)  Bolte,  Archiv  f.  slav.  Philologie  18,  130.  Cesky  Lid  18,  401. 
Rovinskij,  Russkija  narodnyja  kartinki  1,  nr.  210. 


200  148.    Des  Herrn  und  des  Teufels  Getier. 

Odins  (Vidris  grey) ;  Grimm,  My th.  3  S.  134.  —  In  einer  tirolischen 
Sage  bei  Alpenburg,  Mythen  S.  288  und  Vonbun,  Sagen  Voralbergs 
1889  S.  145  reißt  der  Teufel  der  Ziege  ebenfalls  den  Schwanz 
aus,  doch  aus  anderm  Grunde.  Wieder  aus  einem  andern  Grunde 
in  polnischen  Sagen  (Wisla  1893,  385;  Zbiör  7,  109  nr.  6— 7)  und 
weißrussisch  (Federowski  2,270  nr.302);  vgl.  Dähnhardt  1,  153.  165. 

Die  Zeitbestimmung  'wenn  das  Laub  abfällt',  d.  h.  im 
Herbst,  ist  noch  in  der  Schweiz  üblich;  dort  heißt  es  'bis  zur  Laub- 
riesete'  (Stalder,  Idiotikon  2,  159.  Schweizerisches  Idiotikon  6,  1362. 
1369).  Häufig  wird  der  Teuf  el  mit  dieser  Bestimmung  geprellt,  da 
die  Eiche  noch  immer  alte  Blätter  behält,  wenn  auch  schon  das 
junge  Laub  hervorsproßt:  oberbayrisch  Zs.  f.  Ethnologie  20,  Verh. 
S.  475;  tirolisch  bei  Alpenburg,  Mythen  S.  391,  Zingerle,  Sagen2 
nr.  657,  Perger,  Pflanzensagen  S.  292 ;  steirisch  bei  Krainz,  Mythen 
S.  266;  österreichisch  bei  Baumgarten,  Überlieferung  der  Heimat 
1,  130;  Urquell  2,  72  =  Merkens  2,  185;  siebenbürgisch  bei  Fr. 
Müller,  Sagen2  nr.  310;  bergisch  bei  Schell,  Sagen  S.  536  =  Mon- 
tanus,  Vorzeit  (1870)  1,  193;  braunschweigisch  Zs.  f.  Volksk.  24, 
415;  mecklenburgisch  bei  Bartsch  1,  521  nr.  33;  Niederhöffer  4, 
140  =  Henne  am  Rhyn  1879  S.  95;  Wossidlo,  Volkstümliches 
1,  40  nr.  63 ;  Urquell  5,  88 ;  brandenburgisch  bei  Schwartz  S.  45. 
Dänisch:  Thiele,  Folkesagn  1843  1,  268.  2,  303;  Skattegraveren  3, 
29.  Französisch:  Revue  des  trad.  pop.  7,  593  'Notre-seigneur  et  le 
diable'.  17,  317  =  Sebillot,  Folklore  de  France  3,  370.  Cechisch : 
hsl.  Sammlung  Homolka  nr.  19.  Polnisch:  Woycicki  1839  S.  105  = 
Klechdy  1,  149  (Grimm,  Myth. 3  S.  970);  Knoop,  Posener  Märchen 
(Progr.  Rogasen  1909)  S.  11  nr.  5  'Der  Teufel  und  der  Bauer'; 
Hessische  Blätter  f.  Volkskunde  4,  29;  Wisla  13,  220  nr.  269 
(St.  Martin  und  Teufel).  Kleinrussisch:  Etnogr.  Zbirnyk  12,  68  nr.  71 
=  Dähnhardt  1,  183;  Dragomanov,  Malorus  pred.  nr.  45;  Cubinskij 
1,  104;  Hrincenko  1,  40  nr.  75.  Polivka,  Zs.  f.  Volkskunde  14,  347. 
Lettisch:  Lerchis  -  Puschkaitis  2,  7  nr.  4  —  Dähnhardt  1,  184. 
Armenisch :  Veckenstedts  Zs.  f.  Vk.  2,  28.  Sbornik  Kavkaz.  32,  2,  82 
nr.  7.  —  In  einer  weißrussischen  Legende  bei  Dobrovoljskij  1,  240 
nr.  20  bedeuten  die  abfallenden  Blätter,  welche  die  Mutter  Gottes 
dem  Teufel  überläßt,  während  sie  die  grünen  behält,  die  Seelen  der 
Verworfenen;  diese  muß  dann  ihr  Sohn  Jesus  erlösen. 

Über  das  Einsetzen  anderer  Augen  vgl.  oben  2,  552. 


149.    Der  Hahnenbalken.  201 


149.    Der  Hahnenbalken.  isös  s.  232, 

1815  nr.  63  =  1819  nr.  149.  Nach  einem  Gedicht  von  Friedrich 
Kind  'Der  Hahnenbalken'  (W.  G.  Beckers  Taschenbuch  zum  ge- 
selligen Vergnügen  1812,  274  =  Kind,  Gedichte  2.  Aufl.  1817  1,  231 
'Der  Balken')  erzählt.  Der  oberste  Gipfelbalken  im  Dachwerk  heißt 
Hahnenbalken,  weil  der  Hahn  darauf  zu  sitzen  pflegt;  hanboum  in 
Wolframs  Parzival  194,  7;  doch  vgl.  Grimm,  DWB.  4,  2,  165. 
Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  der  KHM.  1906  S.  52. 

Ähnlich  berichtet  schon  Joh.  Prätorius,  Philosophia  colus 
1662  S.  59:  Zu  Frankenhausen  machte  ein  Zauberer  viel  Ver- 
blendungen und  Wesen,  heftete  eine  Tafel,  die  mit  Kalk  und  Röte 
besprützet.  an  eine  Wand,  und  wer  dieselbige  anschauete  durch  ein 
Löchlein,  der  sähe  Wunder  und  Abenteur.  Nun  hatte  er  auch  einen 
Hahn  mit  einem  großen  und  langen  Schnabel  übern  Markt  in  der 
Luft  herfliegen,  darvor  jedermann  erschrak  und  sich  hoch  ver- 
wunderten. Eine  Magd  J)  sähe  den  Hahn  auffliegen  und  sprach :  'Ich 
sehe  nicht,  daß  der  Hahn  einen  Balken,  sondern  ein  Grase-Stengelein 
in  dem  Schnabel  schleifet.'  Solches  verdroß  den  Schwarzkünstler. 
Am  folgenden  Tage,  wie  er  abermal  seine  Teufel-Schule  exercierete, 
kommt  die  gute  Magd  mit  einer  Bürten  Gras  beladen  auf  ihren 
Rücken,  wirft  sie  von  sich  vor  allen  Volke,  hebet  und  schürzet  sich 
auf  bis  an  den  Nabel,  als  wäre  sie  durch  einen  tiefen  See  oder  Teich 
gangen,  und  ging  also  übern  Markt.  Die  Leute  sahen  das  Wunder, 
aber  sie  hatte  keinen  Menschen  gesehen ;  und  also  hat  ihr  der 
Zauberer  gelohnet,  weil  sie  seinen  Fuhrmann,  den  Haushahn  mit  dem 
Baume,  verspottet  hatte. 

J)  Prätorius  vergißt  hier  zu  sagen,  daß  die  Magd  eiu  vier- 
blättriges Kleeblatt  bei  sich  trug,  obwohl  er  die  Geschichte  als  An- 
merkung zu  einem  1654  verfaßten  Gedichte  'Refutatae  soperstitiones  aniles 
de  tetraphyllo  seu  cytiso  quadrifoliaceo'  anführt.  Vierblättriger  Klee  öffnet 
die  Augen,  so  daß  man  Zauber  und  Hexen  erkennen  kann  (Wuttke,  Volks- 
aberglaube §  130.  373.  Lütolf,  Sagen  1862  nr.  354.  Kuhn  -  Schwartz. 
Norddeutsche  Sagen  S.  458  nr.  432.  Kamp,  Folkminder  S.  167.  Rolland, 
Flore  populaire  4,  146.  Sebillot,  Folklore  de  France  3,  483.  Kronfeld, 
Der  Krieg  im  Aberglauben  1915  S.  243).  Nach  französischem  Volks- 
glauben wohnt  die  gleiche  Kraft  einem  Eidechsenschwanz  inne  (Rolland, 
Faune  populaire  3,  12.     Sebillot,  Folklore  de  France  3,  285). 


202  149.    Der  Hahnenbalken. 

In  einer  mündlichen  Überlieferung  aus  dein  Paderborn i- 
schen  (vor  1822)  fehlt  die  Rache  des  Zauberers.  Er  hatte  danach 
dem  Hahn  einen  Strohhalm  ans  Bein  gebunden,  und  in  den  Augen 
der  Menschen  schien  es  ein  groß  Stück  Holz ;  doch  ein  Mädchen,  das 
eine  Tracht  Klee  auf  dem  Kopf  hatte,  sah,  daß  es  nur  Stroh  war; 
denn  es  lag  ein  doppeltes  Kleeblatt  unter  dem  Klee,  wodurch  es 
vom  Zauber  frei  gehalten  wurde.  —  Aus  der  Schweiz:  Lütolf, 
Sagen  aus  den  fünf  Orten  1862  nr.  307c  'Vom  Hahn'  und  nr.  175. 
Aus  Schwaben:  Baader  1851  nr.  278  'Gaukler'  =  Mones  Anzeiger 
1835,  409  nr.  28.  Meier,  Volkssagen  1,  251  nr.  281  'Das  vierblättrige 
Kleeblatt'.  Birlinger,  Volkstümliches  1,  336  nr.  563  'Zauberer 
blindet'.  Aus  Österreich:  Vernaleken,  Mythen  S.  312  (ohne  die 
Rache).  Baumgarten,  Aus  der  volksmäßigen  Überlieferung  der  Heimat 
1,  140.  Aus  Tirol:  Alpenburg,  Alpensagen  S.  330  nr.  349  'sFritzl'. 
Aus  Siebenbürgen:  F.  Müller,  Sagen  1857  nr.  31  'Der Zauberer'. 
Aus  Nordböhmen:  Endt,  Sagen  aus  dem  Erzgebirge  1909  S.  97 
nr.  93  'Der  starke  Hahn'.  Kühnau  3,  230  nr.  1590  'Der  zaubernde 
Gaukler  aus  Altenbuch'.  Aus  dem  Voigtland:  Eisel,  Sagenbuch 
1871  nr.  396.  Aus  Erfurt:  Kruspe,  Sagen  der  Stadt  Erfurt  1877 
1,  52  (Faust);  vgl.  Scheibles  Kloster  5,  485.  Aus  Lothringen: 
Rolland,  Flore  populaire  4,  147  (1903).  Aus  Westfalen:  Kuhn  2. 
255  nr.  18  'Die  Gaukelei',  Firmenich  1,  277  'De  Augenverkaikeligge' 
(Gedicht).  Montanus,  Die  Vorzeit  1870  1,  172  'Begaukeln  des 
Auges'.  Aus  Hildesheim:  Schambach-Müller  S.  171  nr.  190  'Augen 
verblenden'  =  Seifart  2,63.  Aus  Oldenburg:  Strackerjan2  1,  354.  Aus 
Holstein:  Müllenhoff  S.  556  nr.  563  'Ogen  verschoelen'.  Aus 
Mecklenburg:  F.  Jacoby,  Die  geblendeten  Leute  und  das  behexte 
Mädchen  zu  Neubrandenburg  (Gedicht.  Der  Zauberer  will  durch  den 
Baum  kriechen,  lähmt  das  Mädchen)  bei  Niederhöffer  1,  126.  Aus 
Hinterpommern:  Kuhn-Schwartz  S.  121  nr.  139  'Taschenspieler 
rächt  sich'  (er  kriecht  über  eine  gefällte  Eiche  statt  unten  durch). 
Knoop  1885  S.  86  nr.  181  'Vierblättriges  Kleeblatt'  (ebenso;  die 
Rache  fehlt). 

Dänisch:  Kamp,  Folkeminder  nr.  365  'Firkloveret'  (der  Gaukler 
will  mitten  durch  den  Baumstamm  kriechen).  —  Schwedisch: 
Wigström,     Folkdiktning    1,     165     (ebenso).     —     Französisch:1) 

')  In  einer  bretonischen  Erzählung  'Le  sorcier  et  le  crapaud'  (Revne 
des  trad.  pop.  14,  557)  verschlingt  der  Gaukler  vor  vielen  Zuschauern 
Schlangen;  eine  Frau  mit  einem  Kieebüudel  auf  den  Schultern,  worin  eine 


149.    Der  Hahnenbalken.  203 

Rolland,  Faune  populaire  3,  80  und  6,  99  (ein  Salamander  im  Gras- 
bündel hebt  die  Verblendung  auf)  =  Fleury,  Basse-Normandie  p.  93. 
Sebillot,  Traditions  2,  220.  —  ßu manisch:  Gaster,  Germania  25, 
294  (der  Gaukler  kriecht  über  den  Balken;  der  Töpfer  glaubt  statt 
seiner  Töpfe  Schafe  zu  sehen  und  schlägt  darauf  los).  —  Wendisch: 
Schulenburg,  Volkssagen  S.  198  'Der  Zauberer  und  die  Magd'.  — 
Cechisch:  Maly4  S.  193  =  Wenzig  S.  160  'Zitek  der  Hexenmeister' 
(nicht  volkstümlich). 

Die  erste  der  beiden  Sinnestäuschungen1)  berichtet  auch 
Grimm  eishausen  im  Wunderb  arlichen  Vogelnest  1672  2,  Kap/ 17 
(Simplicianische  Schriften  ed.  Tittmann  2,  254):  zwei  in  geheimen 
Künsten  erfahrene  Gesellen  henken  einem  Hahn  einen  Strohhalm 
samt  einem  Zettel  von  Jungfernpergament  mit  einem  Faden,  den  eine 
Jungfer  an  einem  Samstag  abends  gesponnen,  an  den  Hals,  welches 
hernach  schien,  als  trüg  er  einen  großen  Balken.  Und  schon  im 
13.  Jahrh.  erzählt  Etienne  de  Bourbon  (Anecdotes  historiques  1877 
nr.  233)  gleiches :  'Quidam  incantator  sie  adiurabat  demones,  quod  ipsi 
imprimebant  in  fantasia  hominum,  quod  videbatur  eis,  quod  unus 
gallus,  qui  filo  trahebat  festucam,  traheret  maximam  trabem  cum 
magnis  funibus  et  quod,  cum  incantator  modicam  ligaturam  feni  divi- 
deret  per  plures  particulas,  videretur  aspicientibus,  quod  divideret 
equum  suum  per  frusta  et  cum  eis  mitteret  frusta  dieta  per  hospicia 
eis  reeeptis.  Postea  recedente  illusione  nil  inveniebant  nisi  modicas 
ligaturas  feni.' 

Verbreiteter  ist  die  zweite  Gaukelei.  Zufolge  der  griechi- 
schen Lebensbeschreibung  des  Bischofs  Leo  von  Catania  (Acta  Sanc- 
torum  Febr.  3,  227  b)  gab  es  im  8.  Jahrhundert  in  Sicilien  einen  be- 
rühmten Zauberer  Heliodorus;  dieser  verblendete  zum  bloßen  Zeit- 
vertreib einst  vorübergehende  Frauen  so,  daß  sie  meinten  einen  Fluß 
vor    sich    zu    sehen    und    ihre    Kleider    bis    zum   Knie    emporhoben. 

Kröte  sitzt,  ruft:  'Das  sind  ja  nur  Bindfäden';  wie  er  ihr  aber  wütend 
die  Tracht  entreißt,  gesteht  sie:  'Wahrhaftig,  es  sind  Schlangen.' 

l)  Über  solche  scheinbare  Verwandlung  von  Gestalten  vgl. 
E.  Salveite,  Des  sciences  oecultes  1856  p.  212—217  und  Chauvin  5,  161 
zu  1001  Nacht  nr.  84  (Henning  2,  81),  wo  ein  Zauberer  den  geschlachteten 
Widder  in  einen  menschlichen  Leichnam  verwandelt;  ähnlich  Meißner, 
Mitt.  des  oriental.  Seminars  zu  Berlin  8,  74.  Auch  der  Magier  Simon  in 
der  Passio  Petri  et  Pauli  (Acta  apostolorum  apoerypha  1891  1,  146)  ver- 
blendet Nero,  daß  er  einen  Widder  an  seiner  Statt  enthaupten  läßt. 
Andre  Sinnestäuschungen  oben  2,  540  nr.  116. 


204  149.    Der  Hahnenbalken. 

Chaucer  (Canterbury  Tales  v.  14019  =  The  frank lin's  tale  2,  454) 
erwähnt  Zauberkünstler  (tregetours),  die  bei  Festlichkeiten  plötzlich 
den  Saal  mit  Wasser  füllten,  auf  dem  ein  Boot  schwamm,  und  Löwen, 
Blumen,  Weintrauben  oder  ein  Schloß  erscheinen  und  im  Augenblick 
wieder  verschwinden  ließen;  vgl.  Hans  von  Montevilla  bei  Simrock, 
Volksbücher  13,  113.  121;  Yule,  The  book  of  Ser  Marco  Polo  1871 
1,  342;  Eichard  Schmidt,  Fakire  und  Fakirtum  1908  S.  50.  58.  In 
der  französischen  Histoire  de  Valentin  et  Orson  eh.  30  (Troyes  1726 
p.  87)  heißt  es  vom  Zauberer  Adramain :  'Adramain  leva  une  chape 
par-dessus  un  pilier,  en  teile  Sorte  qu'il  sembla  ä  ceux  qui  etoient 
presens  que  par  la  salle  couloit  une  riviere  fort  rapide,  et  en  icelle 
sembloit  voir  poissons  en  abondance.  Et  quand  ceux  du  palais  virent 
l'eau  si  grande,  ils  leverent  tous  leur  robes,  corarae  s'ils  eussent  eu 
peur  d'etre  noyes.'  Diese  Stelle  des  1521  von  Ziely  verdeutschten 
Romans  benutzte  der  Interpolator  der  Ausgabe  B  des  Faustbuches 
von  1587,  um  sie  in  das  Gastmahl  beim  Grafen  von  Anhalt  ein- 
zufügen; vgl.  den  Abdruck  in  Scheibles  Kloster  2,  1022  mit  der  Aus- 
gabe von  Petsch  1911  S.  90  Kap.  44a.  Auch  auf  den  berühmten 
Zauberer  Vergil  ward  derselbe  Streich  übertragen,  da  man  diese 
Rache  an  einer  kaltherzigen  Schönen  anständiger  fand  als  die  im 
Volksbuche  von  Virgil  erzählte  (Thoms,  Altenglische  Sagen  deutsch 
von  Spazier  1830  1,  XXIII.  Comparetti-Dütschke,  Virgil  im  Mittel- 
alter 1875  S.  2813).  Von  andern  Hexenmeistern  wird  dies  Kunst- 
stück bei  Endt,  Sagen  aus  dem  Erzgebirge  S.  42  f.  52.  55.  158,  bei 
Maurer,  Isländische  Volkssagen  S.  163  (Sera  Eirikr)  und  Gaster, 
Germania  25,  294  (rumänisch)  erzählt,  von  der  schwedischen  Wahl- 
frau (skogssnufva)  bei  Nicolovius,  Folklifwet  i  Skytts  Härad  1847 
S.  101  =  Mannhardt,  Wald-  und  Feldkulte  1,  129. »)  1382  ward  zu 
Neapel,  wie  Jean  Froissart,  Chroniques  9,  470  ed.  Kervyn  de  Letten- 
hove  berichtet,  ein  Zauberer  enthauptet,  der  durch  ein  solches  Blend- 
werk die  Königin  Johanna  von  Neapel  und  den  Herzog  Otto  von 
Braunschweig  im  Castel  del  Uovo    dazu    gebracht   hatte,    sich    ihren 


*)  Etwas  andres  ist  es,  wenn  der  Zaubrer  eine  Frau  in  dem  Augen- 
blick, wo  sie  ihr  Kleid  gehoben  hat,  festzaubert;  so  bei  Knoop,  Sagen 
aus  der  Provinz  Posen  1803  S.  20'2  der  dumme  Hans  und  in  vielen 
Varianten  der  goldenen  Gans  (oben  2,  41):  Hahn  2,  153,  Vojinovic  S.  100, 
Kolberg,  Lud  19,  230,  Etnogr.  Zbirnyk  4,  137,  Rokossowska  S.  115, 
Dowojna  Sylwestrowicz  2,  318,  Kunos,  Adakaie  2,  276,  Ungar.  Revue 
8,  334. 


149.    Der  Hahnenbalken.  205 

Feinden  zu  ergeben:  'Car  il  fist  la  mer  si  haute,  que  il  sanibloit  que 
eile  montast  desus  le  castiel ;  s'en  furent  si  eshide  eil  qui  ou  castiel 
estoient,  que  il  leur  sambloit  que  il  deuissent  estre  tout  noyet.'  Zu 
gleichem  Zauber  bietet  Mephistopheles  im  2.  Teile  von  Goethes  Faust 
v.  10713  die  Undinen  auf.  Im  französischen  Epos  Huon  von  Bordeaux 
vermag  Auberon  dem  Fliehenden  einen  breiten  Strom  vorzuzaubern, 
durch  den  der  Furchtlose  aber  trocknen  Fußes  hindurchschreitet 
(Voretzsch,  Epische  Studien  1,  263.  1900).  Ein  italienischer  Gaukler 
bestrich  einem  die  Schläfe  mit  einer  Salbe  und  hieß  ihn  dann  ein 
Geldstück  von  der  Erde  aufheben ;  da  taumelte  der  Mann,  fiel  hin 
und  meinte  im  Wasser  zu  ertrinken  (Matthioli  Commentarii 
in  libros  Dioscoridis  de  medica  materia  1570,  Widmung  Bl.  4a  = 
Delrio,  Disquisitiones  magicae  lib.  3,  1,  4,  5).  Eine  eigentümliche 
Wendung  nimmt  die  arabisch-persische  Sage  von  der  Königin  Balqls 
von  Saba.  Nach  Bel'ämi  (im  10.  Jahrh.  Chronique  de  Tabari  trad. 
par  Zotenberg  1,  437)  ließ  Salomo  in  seinem  Schloß  einen  Kristall- 
boden bauen,  unter  dem  Wasser  floß,  weil  ihm  berichtet  worden 
war,  Balqis  habe  Ziegenfüße ;  da  hob  sie  ihr  Gewand  und  zeigte 
wohlgeformte  menschliche  Beine. J)  In  der  christlichen  Sibyllen- 
legende des  12.  Jahrh.  ist  dann  aus  dem  scheinbaren  Wasser  wirk- 
liches geworden,  das  die  Königin  durchwatet,  weil  sie  sich  scheut, 
das  als  Steg  dienende  Kreuzholz  zu  betreten.  Nach  einigen 
Fassungen  wurden  hierbei  durch  ein  Wunder  ihre  Gänsefüße  in 
menschliche  verwandelt.  2J 

Nicht  fremde  Zaubermacht,  sondern  die  eigene  Verwirrung 
und  Torheit  ist  es,  die  nach  der  langobardischen  Sage  bei  Paulus 
Diaconus  1,  c.  20  (Grimm,  DS.  2  nr.  395)  den  auf  der  Flucht  zu  einem 
Flachsfelde  gelangenden  Herulern  hier  Wasser  vorgaukelt,  in 
das  sie  sich  stürzen.  Dieser  Zug  kehrt  in  Aurbachers  'Abenteuern 
der  sieben    Schwaben'   (Ein    Volksbüchlein    1827    1,   227.      Hauffen, 

v)  Ähnlich  bei  Gildemeister,  Österr.  Vierteljahresschrift  f.  kath. 
Theologie  12,  423  (Koran  27,  44),  Hammer,  Rosenöl  1,  154  und  Weil, 
Biblische  Legenden  der  Muselmänner  1845  S.  243.  Die  gleiche  Täuschung 
durch  einen  kristallenen  Fußboden  erfährt  Durjodhana  im  Mahabharata 
(Lassen,  Indische  Altertumskunde  1,  676);  ein  ähnlicher  Palast  im  Prem- 
Sagär  (Garcin  de  Tassy,  Histoire  de  la  litt,  hindoui  1847  2,  174).  Vgl. 
W.  Hertz,  Gesammelte  Abhandlungen  1905  S.  421.  427. 

2)  W.Hertz  S.  442  f.  Wesselofsky,  Zur  Geschichte  der  Entwicklung 
der  christlichen  Legende,  Kap.  2  (Zürn al  min.  nar.  prosvesc.  184,  241 — 288). 
F.  v.  d.  Leyen,  Archiv  115,  282.     Hanauer,  Holy  Land  p.  97. 


206  150.    Die  alte  Bettelfrau. 

Gottschee  S.  120.  A.  Keller,  Die  Schwaben  in  der  Geschichte  des 
Volkshumors  1907  S.  343)  und  unter  den  Teterower  Stückchen 
(Wossidlo,  Aus  dem  Lande  F.  Reuters  S.  178)  wieder  wie  in  schwedi- 
schen und  französischen  Schildbürgerstreichen :  Bondeson,  Halländska 
sagor  nr.  33  'Dai  sy  Smaulänningana';  Carnoy,  C.  francais  p.  307  'Les 
six  compagnons'  =  Romania  8,  252;  Sebillot,  Litt,  orale  de  la  Haute- 
ßretagne  p.  253  'Les  Jaguens  ä  l'auberge' ;  Sebillot,  C.  pop.  De  la 
Haute-Bretagne  1,  243  und  Joy.  hist.  p.  18.  48.  55;  Revue  des  trad. 
pop.  12,  491.  Doch  auch  bulgarisch:  Sbornik  min.  14,  116.  16  —  17, 
Mater.  S.  328;  serbokroatisch  Zhornik  jslav.  11,  140  nr.  4,  Danica  10 
(1869),  32  nr.  3,  Bos.  Vila  25  (1910),  162;  polnisch  Wisla  6,  273. 
7,  82.  Lud  16,  337;  kaschubisch  Lorentz,  Teksty  S.  271  nr.  360; 
kleinrussisch  Sumcov,  Razyskanija  anekd.  S.  18,  Etnogr.  Zbirnyk  6, 
239  nr.  6.  16,  446;  weißrussisch  Serzputovskij  S.  57;  lettisch  Böhm 
S.  58  =  v.  Löwis  1916  S.  113.  Ulanowska  S.  257  nr  9;  estnisch 
Kreutzwald  2,  102  =  v.  Löwis  1916  S.  133.  —  Die  westfälischen 
Bauern  aber  springen  auf  dem  Wege  zur  Frühmette  in  den  Zitter- 
teich, weil  sie  die  im  Wasser  flimmernden  Sterne  für  die  Lichter 
der  Kirche  halten  (Kuhn  1,  103  nr.  104);  ähnlich  die  Dutten  zu 
Altschüffen,  die  den  Eingang  zum  Himmel  suchen  (Kuhn  1,  283 
nr.  326.  Grimm,  Myth.  3  S.  512),  und  die  Affen  vor  dem  Meeres- 
schaum im  chinesischen  Märchen  (St.  Julien,  Les  Avadänas  1,  194 
nr.  54.     Liebrecht,  Zur  Volkskunde  S.  114). 


1856  s.  233.  150.    Die  alte  Bettelfrau. 

1815  nr.  64  =  1819  nr.  150.  Ein  Bruchstück  und  verworren. 
Wird  in  Jung  Stillings  Jünglingsjahren  1778  S.  88  erzählt;  vgl. 
Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  1906  S.  31. 

Es  scheint,  sagt  W.  Grimm,  ein  altes  Volksmärchen,  wobei  die 
es  vortragende  Amme  oder  Mutter  den  zuhörenden  Kindern  viel- 
leicht auch  den  Gang  der  krummen,  gebückten  Alten  mit  dem  Stock 
in  der  wackelnden  Hand  vormacht.  Der  Schluß  fehlt;  vermutlich 
rächt  sich  das  Bettelweib  durch  eine  Verwünschung,  wie  man  mehr 
Sagen  von  eintretenden  pilgernden  Bettlerinnen  hat,  die  man  nicht 
ungestraft    beleidigt;    s.    das    Bettelweib    von   Locarno    in    Heinrich 


151.    Die  drei  Faulen.  207 

v.  Kleists  Erzählungen  1811  (Werke  ed.  E.  Schmidt  3,  354.  438). 
Schon  in  einem  Liede  der  Edda  (oben  S.  107)  kehrt  der  in 
Bettlergewand  verhüllte  Odin  unter  dem  Namen  Grimnir  in  die 
Königshalle  ein  und  wird  von  Geirrod  zwischen  zwei  Feuer  gesetzt, 
daß  ihm  die  Kleider  anfangen  zu  brennen.  Zu  spät  merkt  der 
König,  dessen  junger  Sohn  dem  Fremden  mitleidig  ein  Hörn  zu 
trinken  bringt,  des  Pilgers  Göttlichkeit,  will  ihn  aus  der  Flamme 
ziehen,  fällt  aber  in  sein  eigenes  Schwert. 


151.    Die  drei  Faulen.  lsses.  233. 

1815  nr.  65  =  1819  nr.  151.  Nach  Paulis  Schimpf  und 
Ernst  1522  cap.  261  (ed.  Oesterley  1866). 

Die  Gesta  Pomanorum  (c.  91  ed.  Oesterley  =  c.  22  ed. 
Dick ;  Herrtage  p.  238.  Madden  p.  191)  nennen  den  König  Polemius 
und  ändern  die  Ordnung  der  drei  faulen  Söhne,  so  daß  der,  welcher 
sich  lieber  verbrennen  lassen  will,  der  erste  ist;  welcher  sich  lieber 
will  auf  henken  lassen,  der  zweite;  der  dritte  aber  spricht:  'Läge  ich 
in  meinem  Bett  und  mir  fielen  die  Dachtropfen  in  beide  Augen, 
ehe  ich  mich  auf  eine  Seite  wendete,  ehe  ließ  ich  mir  von  den 
Tropfen  die  Augen  ausschlagen.'  Danach  Holkoth,  In  librum 
sapientiae  Salomonis  1586  p.  748  moralitas  47 ;  Bromyard,  Summa 
praedicantium  A  8,  17  (Acidia);  Pithsanus,  De  oculo  morali  1475 
cap.  8,  nr.  4;  Alexander  ab  Ales,  Destructorium  viciorum  1496  1.  5, 
cap.  2,  3.  Bei  Johannes  Junior,  Scala  celi  1476  Bl.  5  b  sind  es  fünf 
Erben  einer  Grafschaft;  der  erste  ist  zu  faul,  beim  Essen  den  Mund 
zu  schließen,  da  reißen  ihm  die  Vögel  das  Brot  fort;  der  zweite 
zieht  das  Bein  nicht  vom  Feuer  zurück,  der  dritte  läßt  sich  die 
Ohren  von  Mäusen  benagen,  der  vierte  wird  gehängt,  obwohl  er  den 
Strick  leicht  zerschneiden  könnte,  dem  fünften  schlagen  die  Regen- 
tropfen überm  Bett  die  Augen  aus.  —  In  Steinhöwels  Aesopus 
(um  1480),  extravag.  13  'De  patre  et  tribus  filiis'  =  S.  223  ed. 
Oesterley  1873  ist  unsre  Fabel  mit  zwei  andern  zusammengeschweißt: 
ein  Vater  hinterläßt  seinen  drei  Söhnen  einen  Birnbaum,  einen  Bock 
und  eine  Mühle;  den  Baum  sollen  sie  so  teilen,  daß  keiner  mehr  hat 
als  der  andre ;  den  Bock  soll  erhalten,  wer  ihn  am  größten  wünschen 


208  151.    Die  drei  Faulen. 

kann,  und  die  Mühle,  wer  als  der  größte  Lügner  (nugax)  erkannt 
wird.  Bei  dem  Streit  um  den  Birnbaum  ist  Gesta  Romanorum  c. 
196  benutzt,1)  bei  dem  Bocke  die  oben  2,  515  angeführte  lateinische 
Dichtung,  bei  der  Mühle  der  Wettkampf  der  drei  Faulen.  Der  eine 
Bruder  will  jahrelang  unter  einer  Traufe  geschlafen  haben,  so  daß 
die  Tropfen  zu  dem  einen  Ohr  hinein  und  zum  andern  herausflossen ;-) 
der  andre  würde,  wenn  er  vierzehn  Tage  gefastet  hätte  und  zu 
einem  reichbesetzten  Tisch  käme,  keinen  Brocken  essen,  wenn  ihm 
nicht  zwei  den  Mund  aufbrächen  und  der  dritte  die  Speise  ein- 
schübe;  der  dritte  würde,  wenn  er  bei  größtem  Durste  im  Wasser 
stünde,  sich  nicht  neigen,  sondern  es  müßte  ihm  ein  andrer  den 
Trunk  eingießen.  —  Steinhöwels  Erzählung  formte  bald  darauf  Hans 
Folz  zu  einem  Fastnachtspiel  'von  dreien  brudern,  die  rechtent 
vor  eim  konig  umb  ein  mul,  pock  und  umb  ein  paum'  (Keller,  Fast- 
nachtspiele aus  dem  15.  Jh.  1,  75;  vgl.  Stiefel,  Archiv  f.  neuere 
Sprachen  90,  1);  er  verbessert  (1,  86,  u)  seine  Vorlage  dahin,  daß 
die  Mühle  dem  zufallen  soll,  dem  nicht  bloß  die  größte  Lügerei, 
sondern  auch  Faulheit  beiwohne,  während  H.  Sachs  im  Meister- 
liede  'Die  drey  faulen  Brüder'  (1551.  Fabeln  ed.  Goetze  5,  249 
nr.  760)  die  Lügenhaftigkeit  ganz  fallen  läßt.  —  Dagegen  gehen 
auf  die  Gesta  Romanorum  außer  Pauli  noch  zurück:  Josefs  nieder- 
deutsches Gedicht  von  den  sieben  Todsünden  ed.  Babucke  1874 
S.  37,  ein  Meisterlied  Wolf  Wagners  'Die  drey  Sön'  im  Rosenton 
H.  Sachsen  (1555.  Dresdener  Hs.  M.  195,  Bl.  243  a),  Eyring,  Pro- 
verbiorum copia  2,  614  'Faulheit  lont  mit  Armut',  ein  Meisterlied 
Ambrosius  Metzgers  (1626.  Göttinger  Cod.  philol.  196,  S.  421). 
Manderssen,  Jocoseria  poetica  1689  nr.  293  (Guarna,  Bellum  gram- 
maticale  hsg.  von  Bolte  1908  S.*24).  Ähnlich  faßt  Abraham  a  S. 
Clara,  Bescheidessen  1736  S.  484  das  Märchen:  ein  menschliches 
Faultier  hatte  drei  Söhne  und  erklärte  in  seinem  letzten  Willen 
denjenigen  zum  Haupterben,  welcher  der  trägste  sein  würde.  Nach 
des  Vaters  frühem  Tod  wurden  sie  vor  Gericht  geladen  und  wegen 
der  Faulheit  ins  Verhör  genommen.  Der  erste  gestand,  daß,  wenn 
sein  Fuß    auch    auf    glühenden  Kohlen    läge,    er    ihn    nicht    einmal 


Jj  Vgl.  über  diese  Erzählung  und  andre  Erbteilungen  Zachariae, 
Zs.  f.  Volkskunde  25,  821». 

2)  Darauf  bezieht  sich  Fischart,  der  in  der  Flöhbatz  1577  v.  1885 
(Werke  1,  57  ed.  Hauffen)  von  einer  Faulen  sagt:  'Sie  wendet  sich  nicht 
umb  ein  Hör  wie  der,  dems  Wasser  troff  inns  Or'. 


151.    Die  drei  Faulen.  209 

zurückziehen  würde;  der  zweite  erklärte,  daß  er  auf  der  Leiter, 
welche  zum  Galgen  führt,  stehen  bleiben  und  selbst  den  Strang  am 
Halse  nicht  abschneiden  würde,  und  zwar  bloß  darum,  weil  er  zu 
trag  wäre  ein  Messer  aus  der  Tasche  hervorzuholen ;  der  dritte  gab 
vor,  daß  er  zu  träge  wäre  die  Augen  zu  schließen,  geschweige  die 
Hand  vorzuhalten,  wenn  es  Nadeln  regnete  und  er  auf  dem  Rücken 
läge.  Der  kurtzweilige  Polyhistor,  Cosmopoli  1719  S.  167  'Die  selbst 
gerühmte  Faulheit'  (drei  Schwaben).  Becker,  Die  drei  faulen 
Prinzen  (Berlin  Mgo.  310).  Im  kaschubischen  Märchen  bei 
Lorentz,  Teksty  S.  100  nr.  147  soll  der  Faulste  der  drei  Söhne  das 
Gut  erben;  da  bleibt  der  dritte  Sohn  im  Bett  liegen  und  will  nicht 
einmal  reden. 

Andre  Beispiele  außergewöhnlicher  Trägheit,  wie  man  sie  den 
Schlaraffen  (unten  nr.  158)  nachrühmt,  werden  aufgezählt  bei  A.  Keller, 
Alte  gute  Schwanke  1876  nr.  24 — 25,  Hans  Sachs,  Die  drey  Faulen 
(1550.  Fabeln  5,  136  nr.  691),  Wagenfeld,  Bremische  Volkssagen  1845 
nr.  26  (Tardel,  Niedersächs.  Jahrbuch  1912,  1),  Asmus-Knoop  S.  75. 
Valentin  Schumann  (Nachtbüchlein  1559  nr.  43  =  ed.  Bolte  1893 
S.  410)  flicht  in  seine  Prosaauflösung  von  H.  Sachsens  Spruch  von 
Sant  Peter  mit  dem  Herrn  und  faulen  Baurenknecht  (1556.  Folio  1, 
5,  493  =  Fabeln  1,  485  nr.  170.  Meisterlied  von  1547  in  den  Fabeln 
4,  241  nr.  395)1)  ein  schon  von  Michael  Be heim  vor  1474  gereimtes 
Beispiel  von  den  drei  unterm  Birn-  oder  Pflaumenbaum  liegenden 
Faulen  (Festschrift  für  Kelle  1908  1,  408)  ein;  der  erste  wünscht: 
'Lieben  Pflaumen,  fallet  mir  ins  Maul!',  der  andre:  'Wie  möchtest  du 
sie  kauen!',  der  dritte:  'Ei,  verdrießt  euch  nicht  die  Red!'  Ebenso 
Hulsbusch,  Sylva  sermonum  iucundissimorum  1568  p.  265 ;  Bütner, 
627  Historien  von  Claus  Narren  1572  15,  nr.  48 ;  Ergötzliche  Burger- 
lust 1659  1,  66  =  Gerlach,  Eutrapeliae  1662  1,  218  nr.  533:  Drei 
faule  Gesellen  stellten  mit  einander  eine  Wette  an,  wer  unter  ihnen 
der  faulste  wäre.  Der  erste  sprach:  'Wenn  man  mir  das  Essen  auf 
den  Tisch  setzte,  ich  möchte  nicht  essen.'  Der  andere :  'Und  wenn 
man  mirs  in  den  Mund  steckte  und  kaute  mirs,  ich  möchte  es  nicht 
hinunterschlucken.'  Der  dritte  wollte  vor  Faulheit  kaum  den  Mund 
auftun  und  sprach  gleichwohl:  'Ach,  wie  mögt  ihr  reden!',  und  dieser 


*)  In  einem  polnischen  Märchen    bei  Chelchowski  2,  126  nr.  81 

gibt  Jesus  ebenfalls  dem  Faulen  unterm  Birnbaum  ein  fleißiges  Mädchen 

zur  Frau;    wie    der  Hungrige  aufsteht,    läßt  Jesus    ein  Brot  fallen,    dem 

jener  eine  halbe  Meile  weit  nachläuft,  bis  das  rollende  Brot  liegen  bleibt. 

Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  14 


210  151.    Die  drei  Faulen. 

behielt,  wie  billig,  das  Gewett.  Dasselbe  erzählt  Abraham  a  S.  Clara, 
Judas  der  Ertzschelm  1,  375  (1752),  nur  daß  der  zweite  spricht: 
'Wenn  man  mir  auch  die  Speisen  mit  Gewalt  in  den  Mund  steckte, 
so  würde  ich  sie  doch  nicht  hinunterschlucken."  *Vorrath  artlicher 
Ergötzlichkeiten  1702  S.  67.  *Lyrum  larum  lyrissimum  o.  J.  nr.  314. 
—  Mündlich  hörten  die  Brüder  Grimm  vor  1822 :  Drei  faule  Mädchen 
sitzen  unter  einem  Nußbaum;  das  erste  spricht:  'Wenn  auch  alle  die 
reifen  Nüsse  herabfielen,  ich  möchte  kein  Reis  schütteln';  das  zweite: 
'Wenn  sie  auch  da  lägen,  wer  wollte  sie  aufklauben !' ;  das  dritte : 
'Ach  wer  mag  davon  reden!'  —  Ein  Preis  wird  ausgesetzt  in  der 
Erzählung  bei  Bütner-Steinhart,  Epitome  historiarum  1596  Bl.  73a 
nr.  110,  die  Zanach  (Didacus  Apoliphtes),  Historische  Erquickstunden 
4,  1,  414  und  Blanckardus,  Neuer  historischer  Lustgarten  1701  S.  87 
nr.  27  wiederholen:  ein  Kaufmann,  der  von  Frankfurt  nach  Leipzig 
reitet,  wird  vor  dem  Tor  von  vier  Bettlern  angesprochen  und  ver- 
heißt dem  Faulsten  einen  Nürnbergischen  Gulden.  Da  will  der  erste 
keinen  Finger  darum  regen,  der  zweite  seinen  Beutel  nicht  auf- 
machen, der  dritte  (wie  in  den  Gesta  Romanorum),  wenns  auch  regnet 
und  schneit,  seine  Augen  nicht  zumachen,  der  vierte  will  seine  Füße 
eher  abbrennen  und  sich  aufhängen  lassen,  als  daß  er  sich  rührte. 
Im  hannoverschen  Schwank  von  den  vier  Tagedieben  bei  Colshorn 
nr.  83  rühmen  sich  die  Bettler  ihrer  Faulheit,  weil  der  vorüber- 
reitende Kaufmann  dem  Faulsten  einen  Taler  versprochen  hat ;  als  er 
aber,  um  sie  auf  die  Probe  zu  stellen,  weiter  reitet,  rennen  sie  ihm 
nach  und  strafen  sich  so  selber  Lügen.  Anderwärts  bleibt  der  dritte 
Faule  liegen  und  bittet  den  Herrn,  ihm  das  Geldstück  in  die  Tasche 
zu  stecken;  Bütner-Steinhart,  Epitome  hist.  1596  Bl.  73a  nr.  111  = 
Zanach,  Historische  Erquickstunden  4,  1,  416;  niederrheinisch  bei 
Schell,  Bergischer  Volkshumor  S.  106  'Preis  der  Faulheit',  luxem- 
burgisch bei  Firmenich  1,  541  'Wie  wor  de  Faulsten',  kölnisch  bei 
Mertens,  Was  sich  das  Volk  erzählt  2,  96  nr.  119,  mecklenburgisch 
bei  Dähnhardt,  Schwanke  nr.  78  'Wecker  is  de  fuulst',  A.  Böttger 
bei  Hub,  Komische  Dichtung  3,  564.  —  Vlämisch:  De  Mont  en  de 
Cock,  Vertelsels  p.  238  '  De  drie  luiaards'  (wie  Grimm).  Joos  2, 161 
nr.  51  'Van  twee  luieriken'  (der  Herr  soll  ihm  das  Geld  in  die  Tasche 
stecken) ;  2,  162  nr.  52  'Van  drij  luieriken'  (unterm  Feigenbaum).  — 
Schwedisch:  Allardt  nr.  202  'Latin'  (Geld  in  die  Tasche).  — 
Norwegisch:  Aasen,  Prover  1899  p.  94  'Ein  Stor-Leting'  = 
Beauvois  p.  137    (Taler  in  die  Tasche).  —  Französisch:    Sebillot, 


151.    Die  drei  Faulen.  211 

C.  de  la  Haute-Bretagne  1,  59  'Les  quatre  fils  du  meunier'  (vgl. 
oben  S.  48).  Monseur  p.  46  'Les  trois  paresseus'  (unterm  Pflaumen- 
baum). —  Italienisch:  Straparola  8,  nr.  1  =  Rumohr,  Sammlung 
für  Kunst  und  Historie  2, 171  (1823),  vgl.  Rua,  Giornale  storico  della 
lett.  ital.  16,  257;  da  der  von  drei  Wandrern  gefundene  Ring  dem 
Faulsten  zufallen  soll,  erzählt  der  eine,  wie  er  eine  gestohlene  Feige 
in  den  Mund  gesteckt  und  schweigend  geduldet  hat,  daß  ihm  das 
vermeintliche  Geschwür  aufgeschnitten  wurde;  der  andre  hat  unter 
der  Traufe  liegend  ein  Auge  eingebüßt,  der  dritte  mit  seiner  Frau 
gewettet,  wer  von  ihnen  nachts  zuerst  spreche,  müsse  die  Tür  zu- 
machen (vgl.  R.  Köhler  2,  576.  Volkskunde  16,  203.  239.  Zs.  f. 
Volksk.  16,  1362.  Wesselski,  Nasreddin  1,  263  nr.  237).  *Garzoni, 
La  sinagoga  de  gl'ignoranti  1605  p.  70  (Filarco).  Pitre,  Fiabe  sie.  3, 
126  nr.  145  'Li  tri  minchiuna  di  Palermu'  (die  Streiche  des  ersten  und 
zweiten  Gesellen  wie  bei  Straparola).  Archivio21,360.  Giamb.Basile  1,12. 

—  Spanisch:  Bei  Juan  Ruiz  Arcipreste  de  Hita,  copla  431  (Bibl. 
de  autores  esp.  57,  240.  1864)  fragt  ein  Mädchen  zwei  Freier,  wer 
von  ihnen  der  faulste  sei ;  der  eine  erzählt,  daß  er  hinke  und  heiser 
sei,  weil  er  auf  der  Treppe  den  Fuß  nicht  ausgestreckt  und  trotz 
großen  Durstes  beim  Schwimmen  den  Mund  nicht  aufgemacht  habe ; 
der  andre  hat  ein  Auge  verloren,  weil  er  nachts  unter  der  Traufe 
sich  nicht  rührte.  —  Serbokroatisch:  Vrcevic,  Narodne  basne 
p.  95  =  Krauß  2,  183  nr.  90  'Die  zwei  Faulenzer'  (unterm  Birn- 
baum). —  Zigeunerisch:  Wlislocki,  Volksdichtungen  1890  S.  309 
'Die  beiden  faulen  Brüder' (unterm  Nußbaum).  —  Finnisch:  Suomi 
2,  16,  225.  3,  20,  286.     Aarnes  Register    nr.  1950  'Die  drei  Faulen'. 

—  Ein  türkisches  Märchen  hörte  Moriz  Hartmann  in  Konstanti- 
nopel erzählen  (Kölnische  Zeitung  1854,  nr.  175):  Einem  Mann  war 
die  Arbeit  so  zuwider  geworden,  daß  er  sich  am  Ende  nicht  mehr 
entschließen  konnte,  den  Arm  in  die  Höhe  zu  heben.  Er  lag  in  der 
Straße,  ließ  die  Sonne  auf  sich  scheinen  und  hungerte.  Da  er  arm 
war,  auch  keinen  Sklaven  hatte,  der  ihm  einen  Bissen  in  den  Mund 
steckte,  so  sah  er  ein,  daß  er  vor  Hunger  elendiglich  sterben  müßte ; 
doch  zog  er  den  Tod  der  Arbeit  vor.  Durch  die  Gasse,  in  der  er 
lag,  kam  täglich  der  Henker,  wenn  er  zum  Richtplatz  ging.  Mehr- 
mals wollte  er  ihn  anreden,  aber  auch  dazu  war  er  zu  träge;  endlich 
nahm  er  sich  zusammen  und  sprach:  'Lieber  Henker,  ich  will  nicht 
arbeiten  und  lieber  sterben ;  nimm  mich  mit  auf  den  Richtplatz  und 
richte  mich  hin!'     Der  Henker  erbarmte  sich  sein  und  nahm  ihn  mit. 

U* 


212  151.    Die  drei  Faulen. 

Als  sie  an  das  Tor  kamen,  trafen  sie  den  Kapudan  Pascha.  'Henker, 
was  hat  dieser  Mann  getan,  den  du  da  zum  Richtplatz  führst?'  fragte 
dieser.  'Nichts  hat  er  getan,'  antwortete  der  Henker,  'aber  er  ist  zu 
träge  zum  Arbeiten,  und  weil  er  Hungers  sterben  müßte,  so  hat  er 
mich  gebeten,  ihn  hinauszuführen  und  hinzurichten.  Ich  will  es  ihm 
zu  Gefallen  tun,  da  ich  seine  Familie  kenne.'  'Laß  ihn  los,'  sprach 
der  Kapudan  Pascha,  'ich  habe  daheim  ein  großes  Magazin  von  Zwie- 
back ;  da  setze  ihn  hinein,  er  kann  essen,  soviel  er  will.'  Der  Träge 
fragte:  'Ja,  aber  ist  auch  der  Zwieback  schon  geweicht?'  'Nein,' 
antwortete  der  Pascha.  'Also  gehen  wir  unseres  Weges,'  sagte  der 
Träge  zu  dem  Henker. 

Unvollständig  ist  die  letzte  Erzählung  in  Dschelaleddin 
Rumis  Mesnewi  6,  550  nr.  100  (Wiener  SB.  7,  831),  wo  wie  in  den 
Gesta  Romanorum  ein  Mann  sein  Vermögen  dem  Lässigsten  unter 
seinen  drei  Söhnen  vermacht.  Ein  Sanskritwerk  des  14.  Jahrh.,  die 
Purushaparishä  des  Vidyäpatikavi  (B.  1,  c.  8.  Berichte  der  k. 
sächs.  Ges.  d.  Wiss.  phil.-hist.  Ol.  9,  33. 1857)  leitet  die  Prüfung  der 
vier  Trägen  auf  neue  Weise  ein;  der  Minister  läßt  die  Halle  der 
Almosenempfänger  anzünden,  um  die  Gauner  und  die  Hilfsbedürftigen 
zu  unterscheiden ;  da  laufen  die  Gauner  davon,  der  erste  Faule  aber 
ruft  nur:  'Was  ist  das  für  ein  Lärm?'  der  zweite:  'Ich  glaube,  es 
brennt',  der  dritte:  'Und  niemand  deckt  uns  mit  nassen  Tüchern  zu', 
der  vierte:  'Seid  doch  still,  ihr  Schwätzer!' 

In  einem  tamulischen  Schwanke  (Schlegels  Indische  Bibliothek 
2,  265.  1827  =  A.  W.  Schlegel,  Werke  3,  81.  1846  =  Dubois, 
Pantcha-tantra  1826  p.  351,  vgl.  Clouston  2,  33)  streiten  vier  Brah- 
manen,  welcher  von  ihnen  der  törichteste  sei,  weil  diesem  der 
Gruß  des  ihnen  begegnenden  Kriegers  gegolten  hat *) ;  und  der  dritte 
erzählt  dieselbe  Schweigwette  mit  seiner  Frau,  die  bei  Straparola  als 
Beweis  der  Faulheit  angeführt  wird.  Als  einen  Beweis  von  Torheit 
berichtet  auch  ein  chinesischer  Schwank  bei  St.  Julien,  Avadänas  2, 
68  nr.  94  'Le  mari  entre  deux  femmes',  daß  ein  Mann,  der  zwischen 
seinen  zwei  Frauen  schläft,  nachts  nicht  aufsteht,  als  ihm  durch  ein 


*)  Der  Streit  um  einen  Gruß  begegnet  auch  in  den  oben  S.  211 
angeführten  italienischen  Schwänken  des  Archivio  21,  360  und  des  Giamb. 
Basile  1,  12;  ferner  Revue  des  trad.  pop.  21,  441  nr.  723  (arabisch),  Thor- 
burn,  Bannü  1876  p.  196.  203;  Schott  S.  285  nr.  38  und  Zs.  f.  Volksk.  9, 
85  nr.  4  (rumänisch),  Haltrich,  Zur  Volkskunde  der  Siebenbürger  Sachsen 
1885  S.  116  nr.  16. 


151  a.    Die  zwölf  faulen  Knechte.  213 

Loch  im  Dach  Regen  in  die  Augen  fällt.  Liebrecht,  Zur  Volkskunde 
S.  119  verweist  dazu  (neben  den  falschen  Zitaten  D'Ouville,  Contes 
2,  117  und  Journal  asiat.  1.  Serie  6,  238)  auf  den  griechischen 
Philogelos  des  Hierokles  nr.  213  (ed.  Eberhard  1869):  als  ein  Fauler 
seinem  Schuldner  begegnet  und  den  ihm  geliehenen  Denar  zurück- 
verlangt, fordert  ihn  der  ebenso  träge  Schuldner  auf,  sein  Schnupf- 
tuch aufzubinden  und  sich  das  Geld  herauszunehmen.  'Nein,'  sagt 
der  andre,  'dann  erlasse  ich  dir  die  Schuld.' 

Einen  andern  Fall  von  dem  faulen  Heinz  (vgl.  oben  1,  321; 
unten  nr.  164)  erzählt  Fischart  1582  im  Gargantua  c.  6  =  1891 
S.  117:  'Eben  wie  jener  Knecht,  da  man  in  frü  weckt,  die  Vögelcken 
pipen  schon  inn  die  Eörcken.  0,  lat  pipen,  sagt  er,  lat  pipen,  die 
Vögelcken  hefen  kleine  Häuptcken,  hefen  bald  utgeschlapen,  aber 
sein  Häubtchen  sey  gar  grot,  thu  im  mehr  Schlapen  noht.'  Ebenso 
im  Oberuferer  Weihnachtspiel  v.  385  (Schröer,  Deutsche  Weih- 
nachtspiele aus  Ungern  1858  S.  82);  Schlossar,  Volkslieder  aus 
Steiermark  S.  44;  Neue  preuß.  Provinzialblätter,  andre  Folge  7,  346 
(1855);  Frischbier,  Volksreime  nr.  915;  Zs.  f.  den  dt.  Unterricht  7, 
272.  8,  408.  595.  9,  146.    Zs.  f.  Volkskunde  25,  4001. 


151  a.    Die  zwölf  faulen  Knechte. 

1857  eingefügt;  nach  Kellers  Fastnachtspielen  des  15.  Jahr- 
hunderts 2,  562 — 566  (1853)  'Spil  von  den  zwelf  pfaffenknechten'. 
—  Teilweise  stimmt  dazu  der  vielleicht  von  Hans  Rosenplüt 
herrührende  Spruch  'Von  den  zwelff  fauln  pfaffenknecht'  (Ich  kam 
zu  einem  külen  prunnen.  143  Verse)  in  der  Hs.  5339  a  des 
Germanischen  Museums  BL  320b,  welcher  um  1550  von  Hans  Betz 
zu  Nürnberg  als  'Die  faul  schelmzunft  der  zwelf  pfaffenknecht'  (Eins 
maks  an  eim  külen  prunnen.  190  Verse)  und  außerdem  von  einem 
Anonymus  in  dem  Münchner  Cod.  germ.  379,  BL  151b  (Ich  gieng  zu. 
einem  külen  prunnen.  Nur  sieben  Pfaffe nknechte)  überarbeitet  ward  ; 
vgl.  Wagner,  Wendeler  und  Steinmeyer  in  Wagners  Archiv  f.  d. 
Geschichte  deutscher  Sprache  1,  71.  436.  440  (1874). 


1856  S.  235. 


214  152.   Das  Hirtenbüblein. 

läse  &  236.  152.    Das  Hirtenbüblein. 

1819  nr.  152.  Aus  Bayern.  —  Aus  der  Grimmschen  Erzählung 
ist  die  vlämische  bei  Joos  3,  67  'Van  nen  herdersknaap',  die 
schwedische  bei  Aberg  nr.  262  'Den  kloka  vallpoitjin'  und  die 
serbische  bei  Kiea  8,  2  nr.  1  'Der  weise  Hirtenknabe'  abgeleitet. 
Ein  ähnliches  Schweizer  Märchen  erwähnt  Götzinger,  Deutsche 
Dichter5  1,  343:  Der  König  fragt  einen  Bauern  1.  Wie  hoch  ist  der 
Himmel  (einen  Steinwurf),  2.  Wo  ist  die  Mitte  der  Erde  (hier), 
3.  Was  denk  ich  (Ihr  denkt,  ich  werde  Eure  Gedanken  nicht  erraten). 
In  Aurbachers  Büchlein  für  die  Jugend  1834  S.  91  fragt  der 
Bischof  das  Hirtenbüblein:  1.  Wieviel  Sterne  sind  am  Himmel, 
2.  wieviel   Tropfen    im   Meer,    3.   wieviel  Blätter  an   allen   Bäumen? 

Diese  Weisheitsprobe  durch  drei  schwierige  Fragen,  die  ein 
Knabe  überraschend  zu  lösen  weiß, *)  gleicht  den  Proben  der  klugen 
Bauerntochter  (oben  2,  357):  bisweilen  ist  sogar  die  Aufgabe,  nicht 
nackt  und  nicht  bekleidet  zum  Könige  zu  kommen  (2,  363), 
von  dorther  in  unser  Märchen  eingedrungen,  z.  B.  in  die  schwäbische 
Fassung  'Hans  ohne  Sorgen'  (Meier  nr.  28),  die  bayrische  'Der  kluge 
Müller'  (Spiegel  nr.  22),  die  friesische  'Hans  zonder  sorgen'  (Dykstra 
2,  68),  eine  unten  zu  erwähnende  heanzische,  mecklenburgische  und 
mehrere  französische  Varianten.2) 

Ähnlich  fragt  schon  in  dem  mhd.  Gedicht  Strickers  vom 
Pfaffen  Amis  (Lambel,  Erzählungen  und  Schwanke  1872  S.  22 
v.  98 — 180)  der  Bischof  den  lebenslustigen  Untergebenen  1.  Wieviel 
ist  des  Meeres?  'Ein  Fuder'.  Wer  beweist  Euch  das?  'Heißt  alle 
Wasser  erst  stillstehn,  die  ins  Meer  fließen,  so  will  ichs  messen 
und  Euch  zeigen'.  2.  Wieviel  Tage  sind  seit  Adam  verflossen  ? 
'Sieben;  sind  die  zu  Ende,  so  heben  sie  wieder  an,  und  das  wird 
fortgehen,    solange  die  Welt  steht'.     3.  Wo  ist  die  Mitte  der  Erde? 


J)  Vgl.  R.  Schevill,  Some  forms  of  the  riddle  question  and  the 
exercise  of  the  wits  in  populär  fiction  and  formal  literature  (University 
of  California  publications  in  modern  philology  2,  183—238.  1911).  Eine 
Monographie  über  unser  Märchen  bereitet  Dr.  W.  Anderson  in  Kasan  vor. 

2)  Umgekehrt  entlebnt  eine  irische  Fassung  der  klugen  Bauern- 
tochter (Larminie  p.  174;  oben  2,  350)  mebrere  Fragen  aus  unserm 
Märchen,  eine  siebenbürgische  (Haltrich4  nr.  46;  oben  2,  349)  die  heraus- 
fordernde Insebrift  'Wir  leben  ohne  Sorgen'.  Zur  letzteren  vgl.  auch 
Wossidlo  1,  242  nr.  989. 


152.    Das  Hirtenbüblein.  215 

'Wo  meine   Kirche    steht;    laßt   Eure    Knechte  mit  einem  Seil  nach- 
messen, und  reicht   es  an   einem  Ende  halmesbreit  vor,  will  ich  die 
Kirche    verloren    haben.'       4.    Wie    weit    ist    von    der    Erde    zum 
Himmel?     'So  weit    ist  vom  Himmel    zur   Erde,    daß    ein    Mann   gar 
wohl  hinaufrufen  könnte;    steigt  hinauf,  und  wenn  Ihr  nicht  meinen 
Ruf  hört,  so  kommt  wieder  herab  und  nehmt  meine  Kirche  zurück !' 
5.  Wie  breit  ist  der  Himmel?     'Tausend  Klafter  und  tausend  Ellen; 
denn    nehmt   Ihr    Sonne    und   Mond    ab    und    was    der    Himmel  an 
Sternen  hat,  und  rückt  ihn  dann  überall  zusammen,  so  wird  er  nicht 
breiter  sein.'  —  Im  Eulenspiegel  (1515  Kap.  28),  dessen  Verfasser 
sich  im  Vorworte  ausdrücklich  auf  den  Pfaffen  Amis  beruft,  kommen 
dieselben  fünf  Fragen  und    Antworten    vor;    jene    werden    ihm    von 
dem  Rektor  der  Universität  Prag  vorgelegt.     Aus  dem  Eulenspiegel 
wiederum    schöpfte    der     unbekannte    Verfasser    des    2.   Teiles    des 
spanischen  Romans  'Lazarillo  de  Tormes'  (1555  Kap.  18  =  Aribau, 
Novelistas  auteriores  a  Cervantes  1846  p.  108)  seine  Schilderung  des 
Examens  Lazaros  auf  der  Universität  Salamanca.  —  Bei  B.  Fernandez 
de  Velasco,    Deleyte   de  la   discrecion  y  facil  escuela  de  la  agudeza 
1743  p.  22  errät  ein  Pfarrer  drei  Gedanken  Philipps  II.,  der  auf  der 
Jagd  bei  ihm  eingekehrt  ist.    —    In  der  englischen  Übersetzung 
der  Gesta  Romanorum    (c.  19  ed.  Madden  1858   p.  55    =    ed.  Swan 
1905   p.  XL   nr.  90.     Grässe,    Gesta   Rom.    1842    2,  230)    fragt    der 
Kaiser  Andronicus  einen  bei  ihm  verdächtigten  Ritter    1.  Wie  weit 
ists  vom  Himmel  zur  Hölle?    (einen  Seufzer),    2.  wie  tief  das  Meer? 
(einen  Steinwurf),    3.    wieviel   Flaschen  Salzwasser   sind  darin?    (sag 
erst,  wieviel  Flaschen  Süßwasser).  —  Slowakisch:  Czambel  S.  331 
nr.  167  (ein  Slowake  soll  den  Herren  in  Pest  sagen,    wie    hoch    der 
Himmel    und    wo    der    Mittelpunkt    der    Erde  ist;    er  fragt  sie,  wie 
sein  nach  Amerika  gewanderter  Kamerad  heißt).    —    Slowinzisch 
aus  Pommern:  Lorentz,  Teksty  pomorskie  S.  102  nr.  149  und  S.  251 
nr.  337  (der  weise  Schäfer  sagt  dem  Könige,  wie  tief  das  Meer,  wo 
die  Mitte  der  Erde  und  wie  hoch  der  Himmel  ist,  oder  wieviel  Tage 
seit  der  Erschaffung  der  Welt  verflossen  sind).  —  Kleinrussisch 
aus  Galizien:    Etnogr.  Zbirnyk  8,  119   nr.  65    (der  verklagte  Diener 
beantwortet  drei  Fragen  des  Königs:  Sterne,  Mittelpunkt,  Wert  des 
Königs).  —  In  einem  großrussischen  Märchen  bei  Afanasjev  3  2,  282 
nr.  187  sucht  ein  Invalide  den  Zaren  auf,  beantwortet  seine  Fragen, 
wie   hoch   der   Himmel,    wie   breit  die  Erde  und  wie  tief  das  Meer, 
und    wird    dadurch    belohnt,    daß    der   Zar   dieselben  Fragen    seinen 


216  152.    Das  Hirtenbiiblein. 

Hofleuten  vorlegt,  die  sich  nun  für  gutes  Geld  bei  dem  Soldaten 
Rat  holen.  Ähnlich  aus  dem  Gouv.  Samara  bei  Sadovnikov  S.  116 
nr.  25,  kleinrussisch  im  Etnogr.  Obozr.  31,  4—8  (1896  nr.  4) 
und  imeretinisch  im  Sbornik  Kavkaz.  33,  3,  10  nr.  3.  —  Die 
Armenier  in  Siebenbürgen  erzählen  von  einem  Sultan,  der  einem 
christlichen  Einsiedler  die  Fragen  vorlegt  1.  Wie  weit  ists  zum 
Himmel?  (eine  Tagereise,  denn  der  gekreuzigte  Jesus  sprach  zum 
Schacher:  Heut  noch  wirst  du  im  Himmel  sein),  2.  Wie  hoch 
schätzest  du  mich?  (29  Silberlinge),  3.  Welches  ist  die  beste 
Religion?  (sag  vorher,  welches  deiner  beiden  Augen  dir  lieber  ist). 
Wlislocki,  M.  der  Armenier  S.  83  nr.  SO  =  Zs.  f.  vgl.  Litgesch.  4,  106. 

Vielleicht  aber  gehen  diese  Erzählungen  auf  eine  etwas 
künstlichere  Urgestalt  zurück,  die. uns  aus  Bürgers  Ballade  'Der 
Kaiser  und  der  Abt'  geläufig  ist  und  wohl  aus  dem  Orient 
herstammt.  Hier  ist  der  von  einem  strengen  Herrscher  Befragte  (A) 
nicht  imstande,  die  vorgelegten  Fragen  zu  beantworten,  sondern 
wendet  sich  an  einen  klugen  Mann  niedrigen  Standes,  der  mit  seinen 
Kleidern  angetan  dem  Könige  die  verlangte  Auskunft  erteilt  (B) 
und  dafür  das  Amt  des  Befragten  erhält  (C x)  oder  gar  den  ungerechten 
Herrscher  selber  absetzt  (C2). 

Die  älteste  Form  überliefert  uns  der  arabische  Historiker 
Ibn  'Abd  el-Hakem  (f  871),  der  in  seiner  'Eroberung  Ägyptens' 
das  Ende  des  Königs  Bauiah,  des  biblischen  Pharao  Necho,  nach 
einheimischer  Tradition  berichtet. a)  Bauiah,  der  seinen  Wesieren 
ihren  Lohn  nicht  gönnte,  legte  ihnen  drei  Fragen  vor,  die  sie  bei 
Todesstrafe  in  Monatsfrist  beantworten  sollten:  1.  Wieviel  Sterne 
stehn  am  Himmel,  2.  wieviel  Tagelohn  erhält  die  Sonne,  3.  was  tut 
Gott  an  jedem  Tage?  Traurig  gingen  die  Wesiere  alle  Tage  vor 
die  Stadt  Memphis  und  berieten  sich.  Ein  Töpfer,  der  dort  seinen 
Ofen  hatte,  erbot  sich,  die  Fragen  an  ihrer  Stelle  zu  beantworten, 
wenn  sie  ihm  gute  Kleider  und  ein  Reittier  gäben  und  unterdes 
seinen  Ofen  besorgten.  Er  suchte  den  Sohn  des  früheren,  in 
Unglück  geratenen  Königs  auf  und  verhieß  ihm  den  Thron  seines 
Vaters  ;  dann  trat  er  vor  den  König  und  zeigte  ihm  einen  Sack  voll 
Sand:  'Dies  ist  die  Zahl  der  Sterne;  laß  einen  nachzählen,  und  du 
wirst    finden,    daß    ich   recht    habe.      Die    Sonne   aber  erhält  gleich 

1)  Torrey,  The  egyptian  protot3Tpe  of  'King  John  and  the  abbot' 
(Journal  of  the  American  oriental  society  20,  209—216.  1899);  über  den 
Autor  vgl.  Brockelmann,  Gesch.  der  arab.  Literatur  1,  148.  2,  692. 


152.    Das  Hirtenbüblein.  217 

jedem  Tagelöhner  für  ihre  tägliche  Arbeit  einen  Qlrät.'  Die 
Antwort  auf  die  dritte  Frage  verschob  er  auf  den  nächsten  Tag; 
da  forderte  er  den  König  auf,  mit  ihm  vor  die  Stadt  zu  reiten,  und 
zeigte  ihm  seinen  Töpferofen  und  den  für  ihn  arbeitenden  Wesier: 
'Siehe,  das  tut  Gott  alle  Tage,  er  erniedrigt  und  erhöht  die  Menschen 
und  endet  ihr  Leben.  Der  Wesier  arbeitet  an  meinem  Ofen,  ich 
der  Töpfer  trage  Hofkleider  und  reite  auf  königlichem  Roß,  und 
dir  hat  jetzt  der  Prinz  die  Tore  von  Memphis  verschlossen.'  Voller 
Hast  kehrte  der  König  zur  Stadt  zurück,  aber  das  Volk  setzte  ihn 
ab,  da  verlor  er  den  Verstand  und  saß  fortan  blöde  faselnd 
am  Stadttore. 

Die  Grausamkeit  des  Königs  und  seine  Strafe  wird  in  einer 
neueren  indischen  Erzählung  aus  Ceylon  bei  Parker  1,50  nr.  18 
'The  three  questions'  noch  gesteigert.  Der  König  legt  die  drei 
Fragen,  die  er  von  einem  Fremden  gehört  hat,  seinen  Statthaltern 
vor  und  läßt  sie  enthaupten,  als  sie  keinen  Bescheid  geben  können, 
ebenso  seine  Minister.  Sein  geistlicher  Rat,  an  den  er  sich  darauf 
wendet,  erbittet  einen  Tag  Aufschub  und  kehrt  mit  seinem  Ziegen- 
hirten zurück.  Dieser  erwidert  auf  die  1.  Frage  nach  dem  Mittel- 
punkte des  Landes:  'Hier',  indem  er  seinen  Stab  in  die  Erde  stößt; 
auf  die  Frage  nach  der  Zahl  der  Sterne:  'Zähle  die  Haare  dieses 
Ziegenfelles' ;  für  die  Beantwortung  der  dritten,  was  der  König  der 
Dewas  tue,  läßt  er  sich  des  Königs  Kleider,  Krone  und  Schwert 
anlegen,  setzt  sich  auf  den  Thron  und  gebietet,  dem  Könige  das 
Haupt  abzuschlagen:  'Solche  Vergeltung  übt  der  König  der  Dewas.' 

Die  unerwartete  Entthronung  des  gewalttätigen  Herrschers 
durch  den  klugen  Jüngling,  mit  dem  er  im  Scherz  Kleid  und  Sitz 
getauscht  hat,1)  wird  in  der  singalesischen  Chronik  Mahävansa  1, 
c.  35  vom  König  Yasalälaka-Tisse  und  seinem  Läufer  Subha  be- 
richtet und  mag  auf  ältere  Vorbilder  zurückgehen.  Sie  erinnert  an 
die  Überlistung  des  Königs  Vikramäditya  durch  einen  Zauberer 
und  die  Demütigung  des  stolzen  Salomo  und  des  Kaisers  Jovinianus 
durch     einen    seine     Gestalt    annehmenden    Engel.2)       Etwas    abge- 

x)  Der  weise  Heikar  will  auf  die  Frage  Pharaos,  wem  sein  Herr 
Sancharib  gleiche,  nur  antworten,  wenn  der  König  vom  Thron  aufstehe 
(1001  Nacht  22,  27  Henning.  Chauvin  6,  36). 

2)  Vgl.  Varnhagen,  Ein  indisches  Märchen  auf  seiner  Wanderung 
durch  die  asiatischen  und  europäischen  Literaturen  (1882)  und  Long- 
fellows  Tales  of  a  wayside  inn  und  ihre  Quellen  1884  S.  18— G0;  auch 
Wetzel,  Reise  der  Söhne  Giaffers  1895  S.  208  und  Chauvin  5,  286.. 


218  152.    Das  Hirtenbüblein. 

schwächt  ist  sie  in  einer  neueren  arabischen  Erzählung  aus 
Mesopotamien1)  und  in  einem  lateinischen  Predigtmärlein  des 
13.  Jahrh.,  das  bei  Etienne  de  Bourbon  (Anecdotes  historiques  ed. 
Lecoy  de  la  Marche  1877  nr.  86),  Vincentius  Bellovacensis  (Spe- 
culum  morale  1,  4,  10  'De  effectibus  misericordie')  und  Martinus 
Polonus  (Promptuarium  exemplorum  c.  9,  4;  hinter  seinen  Sermones, 
Argentorati  1484)  gleichlautend  erzählt  wird.  Ein  reicher  und 
weiser  Mann  soll  dem  Könige,  der  einen  Anlaß  Geld  zu  erpressen 
sucht,  sagen,  wo  der  Mittelpunkt  der  Erde  sei,  wieviel  Maß  das 
Meer  enthalte  und  wie  groß  Gottes  Barmherzigkeit  sei.  Auf  den 
Bat  des  Philosophen  Elendentrost  (Auxilium  misero)2)  stößt  er  am 
bestimmten  Tage  seinen  Stock  in  die  Erde :  'Hier  ist  der  Mittel- 
punkt; beweise  das  Gegenteil!'  Dann  verlangt  er,  daß  der  König 
alle  Flüsse  verstopfe,  bis  er  das  Meer  gemessen  habe,  und  fordert, 
daß  der  König  ihm  für  die  dritte  Antwort  seinen  Ornat  und  Thron 
überlasse;  als  dies  geschehen,  ruft  er:  'Seht,  wie  groß  ist  Gottes 
Barmherzigkeit,  der  mich  aus  dem  Kerker  auf  den  Königsstuhl  er- 
hoben hat!' 

In  der  christlichen  Parabel  wird  also  der  Glückswechsel 
zwischen  dem  Frager  und  Befragten,  den  die  angeführte  arabische 
und  indische  Erzählung,  doch  auch  andre  christliche  und  jüdische 
Überlieferungen3)    als    die    stete    Beschäftigung    des    "Weltenlenkers 

J)  Meißner,  Iraq  nr.  48  (Beiträge  zur  Assyriologie  5,  89).  Der 
Jüngling,  der  statt  des  gefragten  Mannes  zum  Kalifeu  geht,  gibt  auf  die 
Fragen  nach  der  Mitte  der  Erde  und  der  Zahl  der  Sterne  dieselben  Ant- 
worten wie  der  Singalese  oder  Nasreddin,  drittens  zeigt  er  den  Unter- 
schied zwischen  Hoch  und  Niedrig,  indem  er  auf  dem  Königsthrone  zu 
sitzen  begehrt;  er  wird  darauf  des  Kalifen  Schwiegersohn  und  heiratet 
auch  die  Tochter  des  geretteten  Mannes ;  das  war  ihm  durch  einen  Traum 
von  zwei  Granatäpfeln  vorher  angedeutet  worden. 

2)  Dieser  geheimnisvolle  Nothelfer,  der  nicht  selber  vor  den 
König  tritt,  führt  in  der  katalanischen  Fassung  den  Namen  Seneca. 

3)  Als  bei  einem  Besuche  König  Karls  IH.  in  St.  Gallen  ein  Ritter 
den  berühmten  Notker  fragt,  was  wohl  jetzt  Gott  im  Himmel  mache,  er- 
widert dieser:  'Er  tut,  was  er  immer  getan  und  was  er  dir  auch  gleich 
tun  wird;  er  erhebt  die  Niedrigen  und  erniedrigt  die  Hohen'.  Und  am 
selben  Tage  stürzt  der  Spötter  vom  Pferde  und  bricht  ein  Bein  (Ekke- 
hard  IV.,  Casus  S.  Galli.  MGScr.  2,  96,  48).  Dazu  verweist  Gaster, 
Germ.  25,  288  nr.  4  auf  den  Midrasch  Bereschit  Rabba  §  68,  4,  wo  eine 
Antwort  des  Rabbi  Jose  ben  Chalaphta  auf  dieselbe  Frage  erwähnt  wird: 
'Gott  baut  Leitern ;  manche  steigen  hinauf,  manche  hinab;  er  macht  Arme 
zu  Reichen  und  Reiche  zu  Armen,  er  erhöht  und  erniedrigt.' 


152.    Das  Hirtenbüblein.  219 

bezeichnen,  als  Gottes  Barmherzigkeit  aufgefaßt.  Mehrfach  aber 
tritt  an  Stelle  der  dritten  Frage  nach  Gottes  Beschäftigung  eine 
neue,  welche  zu  einer  ähnlichen  Demütigung  des  Herrschers  führt. 
In  der  Scala  celi  des  südfranzösischen  Dominikaners  Johannes 
Gobii  Junior  (Ulm  1480  Bl.  158  b  cap.  de  principibus)  fragt  ein 
König  seine  Lehnsleute,  wie  hoch  sie  ihn  schätzen ;  als  die  andern 
zögern,  ergreift  der  Ärmste  unter  ihnen  das  Wort:  'Da  Christus, 
Euer  Herr,  um  dreißig  Silberlinge  verkauft  ward,  behaupte  ich,  daß 
Ihr  nur  neunundzwanzig  wert  seid.'  —  In  der  ungedruckten  kata- 
lanischen Chronik  'Flos  mundi'  c.  125  (Ms.  esp.  46  der  Pariser 
Nationalbibliothek.  A.  Graf,  Borna  del  medio  evo  2,  586.  1883) 
sollen  drei  Bitter  dem  Kaiser  Nero  sagen,  1.  was  Gott  im  Himmel 
mache,  2.  wieviel  Tagereisen  die  Sonne  täglich  zurücklege,  3.  was 
er  wert  sei;  den  Batlosen  hilft  der  Philosoph  Seneca.  —  Bei  dem 
1400  verstorbenen  italienischen  Novellisten  Sacchetti  (Nov.  4  = 
Keller,  Ital.  Novellenschatz  1,  52;  vgl.  Francia,  F.  Sacchetti  1902 
p.  112)  fragt  der  mailändische  Gewaltherrscher  Bernabö  Visconti 
(f  1385)  einen  Abt  1.  Wie  weit  ists  zum  Himmel,  2.  Wieviel  Wasser 
ist  im  Meer,  3.  was  geschieht  in  der  Hölle,  4.  was  bin  ich  wert? 
Doch  fügt  der  Verfasser  hinzu,  daß  nach  andern  diese  Geschichte 
einem  Papste  begegnet  sei,  der  an  einen  Abt  die  1.,  2.  und  4.  Frage 
richtete  und  dazu  eine  weitere  nach  seinem  merkwürdigsten  Er- 
lebnis. Der  Müller,  der  im  ersten  Falle  als  Helfer  auftritt,  nennt 
zwei  beliebige  hohe  Zahlen,  meint,  in  der  Hölle  werde  ebenso  ge- 
köpft, gehängt  und  gezwickt  wie  auf  Erden,  und  schätzt  den  Fürsten 
auf  29  Silberlinge ;  im  zweiten  Falle  antwortet  ein  Gärtner  des 
Abtes:  1.  dreißig  Schrei  hoch,  2.  verstopfet  zuerst  die  Ströme,  4.  28 
Silberlinge,  5.  daß  ich  aus  einem  Gärtner  ein  Abt  wurde.  —  In  der 
altrussischen  Geschichte  vom  Kaufmann  Dimitrij  Basarga  sollen 
die  Kaufleute  drei  Bätsei  des  heidnischen  Kaisers  Nesmejan  Gorde- 
jevic  lösen  oder  seinen  Glauben  annehmen  Basargas  siebenjähriger 
Sohn  Borzosmysl  antwortet  darauf:  1.  Von  Osten  nach  Westen  sind 
24  Stunden,  2.  bei  Tage  schwindet  der  zehnte  Teil  der  Erde,  weil 
die  Sonnenhitze  das  Wasser  auftrocknet;  nachts  aber  wächst  durch 
den  Tau  das  Verlorene  wieder,  3.  die  Erde  ist  viel  tiefer  als  der 
Himmel,  denn  der  Leib  Christ  ist  drei  Ellen  tief  eingegraben,  und 
noch  können  wir  ihn  nicht  erwarten.  Vgl.  A.  Wesselofsky,  Izvestija 
russ.  Sprache  u.  Lit.  9,  2,  63;  V.  Sipovskij,  Busskija  Povesti  17. — 19. 
cv.  1,  297;   A.  Markov,  Etnogr.  Obozr.  62,  1  (1904  nr.  3),  der  einen 


220  152.    Das  Hirtenbübleia. 

Zusammenhang    mit    dem    großrussischen    Liede    vom    Fürsten   Gleb 
Volodevic  nachweist. 

Schon  vor  Sacchetti  hatte  das  Predigtmärlein  in  Deutschland 
einen  schwankhaften  Charakter  erhalten.  Um  1340  hat  der  Augs- 
burger Konrad  Derrer  folgende  Erzählung  in  lateinischer  Sprache 
aufgezeichnet,1)  in  welcher  wiederum  ein  Schäfer  für  den  Abt  ant- 
wortet und  zum  Lohn  sein  Amt  erhält,  die  Fragen  aber  dem 
deutschen  Volkswitz  entstammen : 

Ein  reicher  Edelmann  erbaute  ein  Kloster.  Als  er  darauf  in  Not  ge- 
riet, sagten  seine  Kate,  er  solle  dem  Abt  einige  Fragen  vorlegen  und 
wenn  er  sie  nicht  löse,  wegen  seiner  Unwissenheit  von  ibm  eine  große 
Summe  fordern.  Da  fragte  der  Herr  den  Abt:  'Welche  sechs  Dinge  sind 
nichts  wert,  welches  sind  die  drei  besten  Steine  und  welches  die  drei 
schlechtesten,  welche  vier  Dinge  kann  man  nicht  halten,  wie  weit  sind 
Glück  und  Unglück  von  einander  entfernt?'  Weil  aber  der  Abt  keine 
Antwort  wußte,  rief  er  seinen  Schäfer  und  setzte  ihn  an  seine  Statt. 
Als  nun  der  Edelmann  kam,  saß  der  Schäfer  in  der  Kutte  auf  dem  Stuhl 
des  Abtes  und  sprach:  'Die  sechs  Dinge,  die  nichts  taugen,  sind  Salz 
säen  und  Kieselsteine  mähen,  aus  leerem  Becher  trinken  und  einem 
Blinden  winken2),  bei  Tische  Mangel  tragen  und  in  der  Mühle  Harfe 
schlagen.'  Weiter  antwortet  er:  'Die  drei  besten  Steine  sind  der  Altar, 
der  Wetzstein  und  der  Mühlstein3),  die  drei  schlechtesten  sind  der  Hagel- 
stein, der  Stein  im  Aug  und  der  Stein  in  der  Blase.'  Zum  dritten  ant- 
wortet er:  'Die  vier  Dinge,  die  niemand  festhalten  kann,  sind  der  Wolf 
an  der  Braue,  der  Bär  an  der  Klaue,  die  Schlange  am  Zagel,  der  Habicht 
am  Schnabel.'  Endlich  antwortet  er:  'Glück  und  Unglück  sind  soweit 
von  einander  wie  Heut  und  Gestern.'     Und  da  man  ihn  fragte,   warum, 


*)  Aus  dem  Münchner  Cod.  lat.  903  abgedruckt  von  Leidinger,  Zs. 
des  histor.  Vereins  für  Schwaben  31,  104  (1904). 

2)  Vgl.  Euling,  DasPriamel  1905  S.  563:  'Wer  einem  plinten  winkt 
und  aus  einem  leren  pecher  trinkt  und  der  kißling  seet  und  auf  einer 
plossen  wisen  meet  .  .  .  und  einen  kalen  wil  bescbern,  der  arbeit  eitel 
unnütz  arbeit  gern.'  Ein  tiroliscbes  Kätsel  Zs.  f.  Volkskunde  5,  159  nr. 
207:  'Einem  blinden  Manne  winken,  aus  einem  leeren  Glase  trinken,  den 
Wind  in  eine  Truhen  sperren  und  den  Schnee  im  Ofen  dörren,  was  ist 
das?  Viermal  nichts.'  —  Freidank  126,  27:  'Mich  dunket  niht,  daz  ieman 
sül  ze  lange  harpfen  in  der  mül'.  Helbling  3,  v.  192:  'Niht  guot  ist  ze 
gigen  in  der  müln  gedoeze.'     Zingerle,  Sprichwörter  1864  S.  63. 

3)  Den  Mühlstein  vergleicht  mit  Edelsteinen  Poggius,  Facetiae 
nr.  75;  danach  Pauli,  Schimpf  und  Ernst  nr.  164;  H.  Sachs,  Fabeln  6, 
321  nr.  462;  Tabarin,  Oeuvres  1858  1,  189. 


152.    Das  Hirtenbiiblein.  221 

sprach  er:  'Gestern  war  ich  ein  Schäfer,  und  heut  bin  ich  ein  Abt.'  Da 
sprach  der  Herr,  der  das  Kloster  gestiftet  hatte;  'Also  sollt  Ihr  immer 
Abt  bleiben.' 

Bei  dem  ziemlich  unbeholfenen  ostfriesischen  Dichter 
Josef  des  15.  Jahrb..  (Von  den  sieben  Todsünden  v.  1630—1687 
ed.  Babucke,  Progr.  Norden  1874  S.  18)  löst  ein  Schweinehirt 
namens  Beineke  vier  Fragen,  die  der  König  seinem  Abt  aufgegeben 
hatte:  1.  wo  die  Erde  am  höchsten  sei,  2.  wann  Unglück  ein  Ende 
nehme,  3.  wieviel  der  König  wert  sei,  4.  wer  seiner  Ältermutter  das 
Magdtum  genommen  habe.  Während  die  2.  und  3.  Krage  und 
Antwort  den  übrigen  Fassungen  entspricht,  begegnen  die  1.  und  4. 
nur  hier1).  Ein  Müller  ist  es  in  dem  wohl  von  Hans  Folz  verfaßten 
'Spil  von  einem  keiser  und  eim  apt'  (Keller,  Fastnachtspiele  aus 
dem  15.  Jahrh.  1,  199  nr.  22),  der  das  Wasser  im  Meere  auf  drei 
Kufen  schätzt,  wenn  diese  nur  groß  genug  seien,  dann  den  Kaiser 
vier  Groschen  oder  28  Pfennige  wert  achtet  und  die  Frage,  wer  je 
das  Glück  am  nächsten  gewann,  auf  sich  selber  bezieht.  In 
Joh.  Paulis  Schimpf  und  Ernst  1522  nr.  55  'Der  Sauhirt  ward  ein 
Abt'  werden  dem  Abt  von  seinem  Vogt  die  Fragen  vorgelegt, 
1.  wie  hoch  er  ihn  schätze,  2.  wo  die  Mitte  der  Erde  und  3.  wie 
weit  Glück  vom  Unglück  entfernt  sei.  Der  Hirt  kommt  in  dem 
Kleide  des  Abts  und  antwortet  1.  28  Silberlinge,  weil  unser  Heiland 
für  dreißig  verkauft  worden  und  er  den  Kaiser  zu  29  schätze ;  2.  in 
seinem  Haus,  wie  beim  Pfaffen  Amis;  3.  nicht  länger  als  eine 
Nachtzeit  sei  Glück  und  Unglück  von  einander  entfernt,  denn  gestern 
sei  er  ein  Hirt  gewesen,  heute  aber  sei  er  ein  Abt.  Danach  Schertz 
mit  der  Warheit  1540  Bl.  61b  (Stiefel,  Archiv  95,  91),  H.  Sachs, 
Die  drei  Frag  dem  Abt  1546  (Fabeln  4,  103  nr.  304)  und  Eyering, 
Proverbiorum  copia  1601  1,  165  'Bald  anders'  und  3,  23  'Heut  ein  Hirt, 
morgen  ein  Abt'.  Hulsbusch  1568  p.  252.  Birlinger,  Aus  Schwaben  2, 
371.  Abweichend  bei  Wal dis,  Esopus  1548  3  nr.  92  'Wie  ein  Sew- 
hirt  zum  Abte  wirt' :  1.  wie  hoch  der  Himmel,  2.  wie  tief  das  Meer, 


J)  Zur  ersten  Antwort  'Wo  Christus  gen  Himmel  fuhr'  vgl.  Legenda 
aurea  c.  2,  9:  'Ubi  terra  est  altior  omni  coelo  ?  In  coelo  empyreo,  ubi 
residet  corpns  Christi';  zur  vierten,  die  in  der  Hs.  ausgerissen  ist, 
ß.  Köhler  2,  7  'Die  Erde  als  jungfräuliche  Mutter  Adams',  ferner  Nestle, 
Archiv  f.  Religionswissenschaft  11,  414  und  Vollmer,  Adambuch  S.  42 
(Progr.  Hamburg  1908). 


222  152.    Das  Hirtenbüblein. 

3.  wieviel  Kufen  darin  '),  4.  wie  weit  Glück  von  Unglück.  In  des 
Herzogs  Heinrich  Julius  Comoedia  von  einem  Edelmann,  welcher 
einem  Abt  drej  Fragen  auffgegeben  (1594.  Schauspiele  S.  475 
ed.  Holland  =  S.  109  ed.  Tittmann)  gibt  der  Narr  Bescheid  über 
die  Mitte  der  Welt,  den  Wert  des  Edelmanns  und  seine  Gedanken. 
Ein  Bauer  antwortet  statt  des  Gefangenen  der  Königin  bei 
J.  P.  de  Memel,  Lustige  Gesellschaft  1656  nr.  658  =  1701  nr.  607 
=  Kurzweiliger  Zeitvertreiber  1668  S.  70  =  Schauplatz  der 
Betrieger  1687  S.  547  nr.  244  'Der  betrübte  Gefangene'  =  Stoeterogge, 
Recueil  von  allerhand  Collectaneis  7,  140  (1719).  Von  einem  König 
von  Frankreich  erzählt  Schuppius,  Regenten -Spiegel  c.  10 
(Schriften  1663  S.  95);  die  zweite  und  dritte  Frage  ist  wie  in  der 
englischen  Ballade,  die  erste  lautet  wie  in  unserm  Märchen,  wieviel 
Sterne  am  Himmel  seien;  ein  Müller,  der  hier  die  Antwort  gibt, 
nennt  eine  große  bestimmte  Zahl  und  heißt  den  König  nachzählen. 
Danach  Ernst,  Hist.  Lusthaus  2,  766  (1703).  Curieuser  Zeitvertreib 
1693  nr.  63.  Polischinello  1695  nr.  18  'Eines  Müllers  Verschlagenheit'. 
Buch  ohne  Nahmen  (c.  1700)  S.  441  nr.  950.  Vademecum  für  lustige 
Leute  1,  nr.  11  (1767).  Berliner  Ms.  germ.  qu.  616,  217  (Müller). 
G.  Cober,  Cabinet-prediger  1719  2,  323  nr.  65  'Der  getröstete  Land- 
mann' (Müller  des  Abts)  =  Gräter,  Idunna  und  Hermode  1814,  131. 
Angenehmer  Anekdotenwirt.  Nördlingen  1815  S.  47.  C.  H.  W., 
Unterhaltende  Räthsel-Spiele,  Merseburg  1824,  S.  15:  1.  Wie  weit 
ists  in  den  Himmel?  Eine  Tagereise,  weil  unterwegs  kein  Wirtshaus 
ist.  2.  Wie  tief  das  Meer?  Einen  Bleiwurf.  3.  Was  ist  besser  als 
ein  goldener  Wagen  ?  Der  Regen,  der  zwischen  Pfingsten  und 
Johannis  vom  Himmel  fällt. 2)  —  Endlich  kommt  das  Märchen  als 
Erklärung  des  Sprichworts  'Wie  Kunz  hinter  das  Vieh  kömmt' 3)  im 
jüdischen  Maasebuch  c.  126  vor  (Helvicus,  Jüdische  Historien 
1617  1,  166  nr.  40.  Grünbaum,  Jüdisch -deutsche  Chrestomathie 
1882  S.  440 ;  vgl.  Steinschneider,  Serapeum  25,  69.  Kuttner, 
Jüdische    Sagen  2,  72    nr.  41.     1903.     Mitt.  f.  jüd.  Volkskunde  2,    5 


v)  Die  Antwort  'eine  Kufe,  wenn  sie  nur  groß  genug  wäre1,  erinnert 
an  die  Lüge ndi cht nng  des  Schnepperers  (Zs.  f.  dt.  Phil.  22,  317  v.  15), 
wo  Heinczlein  eine  große  Flasche  schmiedet,  'er  schopffet  gancz  und  gar 
darein  das  mer,  die  Tunaw  und  den  Rein,    in  aller  weit  wassers  zuran'. 

3)  Vgl.  dazu  oben  2,  359. 

3)  Vgl.  Eyering,  Proverbiorum  copia  1,  775  'Da  fragt  Cuntz  on 
sorgen  wenig  nach'.     Wander  2,  1724. 


152.    Das  Hirtenbüblein.  223 

nr.  1):  einem  Rat  des  Königs  werden  die  drei  Fragen  vorgelegt, 
wovon  die  zwei  ersten  etwas  abweichen,  1.  wo  die  Sonne  aufgehe, 
2.  wie  weit  es  vom  Himmel  bis  zur  Erde  sei ;  hierauf  folgen  durch 
einen  Schäfer  die  schwachen  Antworten,  die  Sonne  gehe  gen  Morgen 
auf  und  gen  Abend  nieder,  und  vom  Himmel  sei  es  gerade  so  weit 
zur  Erde  als  von  der  Erde  zum  Himmel.  —  Niederländisch: 
Nieuwe  Snakeryen  (Keulen  um  1700)  S.  324  'De  moolenaar  waarzegger' 
(Berlin  Zh  6144).  Kluchtvertelder  (Gent  um  1890)  S.  5.  —  Dänisch 
hsl.  aus  dem  16.  Jahrh  :  Danske  Studier  1907,  145  'Abbeden  og  hans 
kok'  (ähnlich  Schuppius.  1.  Wieviel  Sterne,  2.  wieviel  Tropfen  im 
Meer,  3.  was  denk  ich). 

In  der    englischen    Ballade   des  16.  Jahrh.  'King  John  and 
the  bishop'  (Child,  Ballads  1,  403  nr.  45  a  =  Percy's  Folio  Ms.   1867 

1.  508)  legt  der  kirchenfeindliche  König  Johann  dem  Bischof  von 
Canterbury  drei  Fragen  vor,  die  er  bei  Verlust  von  Land  und  Leben 
in  zwanzig  Tagen  beantworten  soll:  1.  Was  er,  der  König,  mit  der 
goldenen  Krone    auf   dem  Haupte   bis   zu   einem  Pfennig  wert   sei, 

2.  wie  bald  er  um  die  ganze  Welt  reiten  könne,  3.  was  er  gerade 
denke.  Der  Bischof  weiß  sich  nicht  zu  helfen,  da  verspricht  ein 
Schäfer  seinen  Beistand,  kleidet  sich  als  Abt,  tritt  vor  den  König 
und  gibt  nun  die  Antworten :  1.  Da  der  Herr  Jesus  für  30  Silberlinge 
verkauft  worden,  sei  der  König  nur  29  wert ;  2.  wenn  er  mit  der  Sonne 
ausziehe   und   reite,   komme   er   in  24  Stunden  um  die  ganze  Welt ; 

3.  der  König  denke,  er  sei  der  Bischof  von  Canterbury,  und  er  sei 
doch  nur  ein  armer  Schäfer.  *)  —  Tarlton's  Jests  1590  =  1844  p.  59 
'The  tale  of  pope  Boniface,  and  why  he  wore  a  miliers  cap  and  a 
malkin  in  purgatorie'  (vgl.  Koppel,  Studien  zur  Gesch.  der  ital. 
Novelle  1892  S.  62).  —  Französisch:  Nicolas  de  Troyes,  Parangon 
des  nouvelles  nouvelles  1536  nr.  36  =  1869  p.  177  nr.  40  'D'ung 
seigneur  qui  par  force  vouloit  avoir  la  terre  d'ung  abbe,  s'il  ne  luy 
donnoit  responce    de  trois  choses  qu'il  demandoit,    laquelle  il  fit  par 


v)  In  einer  kürzeren  Fassung  aus  dem  17.  Jahrhundert  (Child  nr. 
45b)  und  in  der  neuen  Bearbeitung  von  Tho.  Percy  (Reliques  of  ancient 
poetry  1767  2,306.  Bodmer,  Altenglische  Balladen  2, 111.  1781.  Dönniges, 
Altschottische  Volksballaden  1852  S.  152.  v.  Marees,  Alt  engl.  Dichtungen 
1857  S.  7.  Ritter,  Archiv  f.  neuere  Sprachen  22,  222.  A.  v.  d.  Velde, 
Magazin  f.  d.  Lit.  des  Auslandes  1889,  155;  vgl.  Hoenig,  Engl.  Studien 
18,  307),  die  bei  uns  durch  Bürger  (Werke  ed.  Consentius  1914  2,  320) 
seit  1784  heimisch  wurde,  ist  für  den  Bischof  ein  Abt  eingetreten. 


224  152.    Das  Hirtenbüblein. 

le  moyen  de  son  mounier'  (Wert  des  Herren,  Mitte  der  Erde, 
Gedanken).  Farce  du  meunier  et  du  gentil-homrae  1628  (dieselben 
Fragen);  vgl.  Petit  de  Julleville,  Theatre  comique  fr.  1886  p.  179 
und  Toldo,  Studi  di  filologia  romanza  9,  199.  Ouville,  Elite  des 
contes  1703  1,  296  =  1876  p.  46  =  1883  1,  184  'D'un  seigneur 
de  village  et  de  son  meunier'  =  Recreations  franc.  1658  1,  292  = 
1662  1,  161  =  1681  1,  207  =  Nouveaux  contes  ä  rire  1699  p.  230 
'Le  meunier  astrologue'  =  1702  p.  238  =  Contes  ä  rire  1752  1,150; 
vgl.  R.  Köhler  1,  494.  Moisant  de  Brieux,  Origines  de  quelques 
coutumes  anciennes  1672  =  1874  1,  147  'D'evesque  devenir  meunier' 
(gegen  Cotgrave,  A  french  dictionary  1660  Bl.  Ooo  3  a,  3  'Musnier'). 
Chasse-chagrin  1679  p.  40.  —  Italienisch:  Teofilo  Folengo  (f  1544), 
Orlandino  canto  8;  vgl.  R.  Köhler  1,  492:  der  Koch  des  Abtes 
antwortet  1.  Wie  weit  ists  vom  Himmel  zur  Erde?  Nur  einen 
Sprung,  wie  ihn  der  Teufel  machte;  2.  Wie  weit  vom  Osten  nach 
Westen?  Eine  Tagereise;  3.  Wieviel  Wassertropfen  im  Meere? 
4.  Was  denk  ich?  M.  Zezza,  Opere  poetiche  1818  2,  39  'Puö  sapere 
un  villan  piü  d'un  signore  ?'  —  Spanisch:  Timoneda,  Patrahuelo 
1576  nr.  14  =  Bibl.  de  autores  esp.  3,  154  (Koch  des  Abtes:  Wert 
des  Königs,  Mitte  der  Erde,  Gedanke);  vgl.  Menendez  y  Pelayo, 
Origenes  de  la  novela  2,  LVI  (1907). 

Die  im  19.  Jahrhundert  aus  dem  Volksmunde  aufgezeichneten 
Fassungen  bieten  kaum  neue  Motive.  Deutsch:  B.  Naubert,  Volks- 
mährchen  3,  323  'Der  Müller  von  Eisenbüttel'  (Kaiser  und  Abt).  Auf 
den  alten  Fritz  übertragen  nach  F.  L.  Jahn,  Werke  1884  1,  4  = 
Zs.  f.  Volksk.  24,  83.  Schwäbisch  bei  E.  Meier  1852  S.  305  'Der 
Bischof  ohne  Kreuz'  (Wie  weit  ist's  in  den  Himmel,  wie  tief  das 
Meer,  wie  viel  Blätter  an  deiner  Linde?);  Birlinger,  Aus  Schwaben 
2,  370  'Die  Rätsel'  (Wieviel  ist  der  Kaiser  wert,  der  Mairegen,  wie 
weit  ist  Glück  und  Unglück  von  einander?  Mittelpunkt  der  Welt). 
Bayrisch  bei  Sepp  S.  554  'Gustav  Adolf  und  der  Abt  von  Benedikt- 
beuern'.  Heanzisch  bei  Bunker  nr.  21  'Kaiser  Josef  und  der  ge- 
scheite Koch'  (Sterne  und  Haare  des  Schimmels  zählen,  Glück  und 
Unglück)  =  Zs.  f.  öst.  Vk.  4,  174.  Bunker  nr.  22  'Kaiser  Josef  und 
die  Franziskaner'  (der  Zigeuner  nennt  den  Himmel  seufzerhoch  und 
das  Meer  stein vvurf tief,  kommt  nicht  nackt  und  nicht  bekleidet  und 
predigt,  daß  die  Zuhörer  vor  ihm  weinen  und  die  hinten  lachen)  = 
Zs.  f.  öst.  Vk.  4,  175.  Wolf,  Hess.  Sagen  nr.  262  'Drei  Rätsel' 
(Kaiser  Leopolds  Narr  antwortet  dem  türkischen  Kaiser,  wo  die  Welt 


152.    Das  Hirtenbüblein.  225 

abgehe,  wie  hoch  der  Himmel  sei,  was  Gott  denke.  Der  Schäfer 
statt  des  Abtes,  wie  tief  das  Meer,  wieviel  Sterne,  wie  weit  Glück 
und  Unglück).  Schell  1897  S.  117  nr.  74  'Die  Speckermönche  zu 
Düsseldorf  (Was  ist  nicht  krumm  und  nicht  gerade?  Kegelkugel. 
Was  ist  nicht  im  Wege  und  nicht  daneben?  Karrengleis.  Wo  ist 
der  Mittelpunkt  der  Erde?  Hier)  =  Annalen  f.  den  Niederrhein  38, 
98.  Pröhle,  Allgem.  Mtschrift  f.  Wissenschaft  u.  Lit.  1854,  541 ;  vgl. 
Pröhle,  G.  A.  Bürger  1856  S.  115.  Holsteinisch:  Müllenhoff  nr.  208 
'Der  Müller  ohne  Sorgen'  =  Merkens  1,  231  nr.  270  (Wie  schwer 
der  Mond,  wie  tief  das  Wasser,  was  denk  ich?).  Mecklenburgisch: 
Bartsch  1,  496  'Der  glückliche  Pater'  (nicht  nackt  und  nicht  be- 
kleidet: 1.  wie  tief  das  Meer,  2.  wie  hoch  der  Himmel,  3.  wie  schwer 
der  Mond,  4.  was  der  König  wert,  5.  wo  der  Mittelpunkt  der  Erde, 
6.  was  der  König  denkt);  Wossidlo  1,  237  nr.  987  'Wie  hoch  ist  der 
Himmel?'  (7  Varianten).  Pommeriscb:  Jahn,  Vra.  1,  155  nr.  27  'Der 
alte  Fritz  und  der  Pastor'.  Asmus-Knoop  S.  9  'Der  alte  Fritz  und 
der  Pastor'  =  Bl.  f.  pomm.  Vk.  2,  135.  Westpreußisch:  Zs.  des  histor. 
V.  f.  Marienwerder  35,  87  'Abt,  Schäfer  und  Herzog'.  Behrend  nr.  16 
'Der  kluge  Müller'. 

Vlämisch:  De  Mont-de  Cock,  Vertelsels  S.  253  'Keizer  Karel 
en  het  klooster  zonder  zorg'  (Müller.  Wie  tief  das  Meer,  wie  weit 
die  Sonne,  was  denk  ich?).  Joos  2,  129  'Van  het  klooster  zonder 
zorg'  (Koch).  Cornelissen  nr.  56  'Van  Keizer  Karel  en  het  klooster 
zonder  zorg'.  Vermast  S.  111  'Keizer  Karel  en  de  monniken' (Mittel- 
punkt der  Erde,  wieviel  der  Kaiser  wert,  was  er  denkt).  Ons  Volks- 
leven  12,  113.  —  Dänisch:  Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  97  'De  tre 
sporgsmäl'.  Grundtvig,  Minder  1,  103  'Kongen  og  melieren'  (Hirt) 
=  Firmenich  3,  834.  Samlinger  til  jydsk  Historie  og  Topografi  1, 
165  (1866)  'Ribe  bisp  og  byhyrde  for  kong  Valdemar'  (wieviel  bin  ich 
wert,  Mittelpunkt  der  Erde,  meine  richtigen  und  falschen  Gedanken). 
Feilberg,  Jysk  ordbog  s.  v.  Sporgsmäl,  Tanke,  V«rd  sorge,  Stjserne, 
Evighed.  Skattegraveren  6,  153  'Fcerehyrden  den  klogeste'  9,  141. 
11,  46  'Biskoppen  og  rögteren'.  11,  47  'Kongen  og  rögteren'. 
Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  4,  288  nr.  57  'Uden  sorg'  (des  Müllers 
Hirt:  der  beste  Vogel,  Wert,  Gedanken  des  Königs).  Kristensen, 
Kirketjeneste.  1899  S.  217.  Kristensen,  Fra  Bindestue  1,  90  nr.  16 
'Uden  sorg  og  bekymring'  (Hirt  des  Pastors.  Mairegen  mehr  wert 
als  des  Königs  Thron).  —  Schwedisch:  Kungen,  Presten  och 
Klockaren,  Imitation  efter  Tyskan,  Malmö  1829  u.  ö.  (Bäckström  3,  82). 

Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  15 


226  152.    Das  Hirtenbiiblein. 

Sv.  landsmälen  5,  1,  109  'Rungen  ock  klockaren'  5,  2,  22.  Bondeson 
Halländska  sagor  nr.  27  'Prästen  ä  kläkkarn'.  Bondeson,  Sv.  folk- 
sagor  nr.  6  'Humlegubben  och  biskoppen'  und  7  'Grefven  och 
fäherden'.  Aberg  nr.  285  'Om  kungen  och  biskoppen'  (Müller).  286 
'Om  mölnarn  som  bläi  biskop'.  287  'Om  prästen  som  skulle  svara 
kungen  pä  tre  frägor'.  288  'Om  den  inmariga  klokkarn'.  Allardt 
nr.  157  'Om  bon,  som  va  so  riker,  at  an  alder  bihovd  andras  jölp' 
(Knecht  des  Bauern  beantwortet  fünf  Fragen).  158  'Mölnarn,  som 
int  hadd  nogo  bisvser'  (Knecht:  wieviel  Sandkörner  im  Meer,  wie  hoch 
der  Himmel,  was  denk  ich?).  Hackmans  Register  nr.  922.  —  Nor- 
wegisch: Asbjörnsen  nr.  86  'Prsesten  og  Klokkeren'  =  Stroebe  2, 
277  =  Dasent  1874  p.  158  (wie  weit  von  Osten  nach  Westen). 
Braset,  Hollraoventyra  S.  226  'Guten,  som  dsem  itt  villa  sl?pp-fram 
fer  prsesten'  (Wert,  Gedanke).  —  Isländisch:  Rittershaus  nr.  115 
'Der  König  und  der  Bischof  (des  Bischofs  Bruder  antwortet  auf  die 
1.  Frage,  in  wieviel  Zeit  er  die  Erde  umsegeln  könne:  In  den  sieben 
Wochentagen).  —  Schottisch:  Campbell2  2,  406  nr.  50  'The  three 
questions'  (Müller  antwortet  für  den  Schulmeister);  vgl.  R.  Köhler  1, 
267.  A.  Small,  Roman  antiquities  discovered  in  Fife  1823  p.  289  = 
Child,  Ballads  1,  404a  (Jakob  V.  und  der  Müller  des  Pfarrers  von 
Markinch).  —  Französisch  aus  Flandern  und  Belgien:  Deulin,  C. 
d'un  buveur  de  biere  p.  185  'Le  mayeur  Sanssouci'.  Revue  des 
trad.  pop.  6,  694:  Desrousseaux,  Le  bon  berger  (Gedicht).  Bull,  de 
folklore  2,  11  nr.  1  'Les  cinq  questions'  (Müller  des  Abts:  wieviel 
Sterne,  wie  groß  der  Mond,  Mittelpunkt  der  Welt,  Wert,  Gedanke 
des  Königs).  2,  13  nr.  2  'Les  trois  questions'.  2,  251  nr.  3  'L'abbe 
d'Alne'  (Müller).  2,  252  nr.  4  'La  grandeur  et  le  poids  de  la  lune'. 
nr.  5  'Le  soleil  et  la  lune'.  Aus  der  Bretagne:  Luzel  3,  370  L'abbe 
Sans-souci'.  Sebillot,  Joy.  histoires  p.  174  Le  seigneur  Sans-souci' 
—  Revue  9,  283  nr.  41  (Bauer;  nicht  gegangen  noch  geritten; 
Mittelpunkt,  wie  tief  die  Erde,  wann  ist  Jesus  geboren?)  Revue 
des  trad.  pop.  6,  482  L'abbe  Sans-souci'  (Müller;  nicht  gegangen 
noch  geritten,  Mittelpunkt,  Gedanke).  9,  282  nr.  40  'L'abbe  Sans- 
souci'. 18,  363  nr.  3  Le  fermier  Sans-souci'.  Dardy  2,  209  nr.  55 
L'eveque  et  le  meunier'.  Pineau,  C.  du  Poitou  p.  237  L'abbe 
Sans-soins'.  Lespy,  Proverbes  du  pays  de  Bearn  1876  p.  102.  Cenac 
Moncaut  p.  50  Le  meunier  et  le  marquis';  vgl.  R.  Köhler  1,  82  und 
3,  72  zur  4.  Frage:  welche  Zahl  ist  in  zwei  Eiern  enthalten? 
Blade  3,   297    'L'eveque   et    le    meunier' ;    vgl.  Puymaigre,    Folklore 


152.    Das  Hirtenbüblein.  227 

1885    p.   241    =    Archivio    3,    98.      Armana    prouvencau    1874,    33 
(Gärtner    des  Pfarrers:    Mitte,   Mond,  Wert,   Gedanke  des  Bischofs). 
—  Italienisch:  Imbriani,  Nov.  fiorentina  2  p.  621  nr.  5  'El  coeugh' 
=    Crane    p.    275.      Pitre,  Fiabe  sie.  2,  323  nr.  97   'L'abbate    senza 
pinseri'  =  Crane  p.  276;  vgl.  Pitre  4,  392.    437.     Mango  p.  79  nr.  1 
'L'uccello  fuggito'    (1.  Entfernung  des  Himmels :  großes  Knaul  Bind- 
faden.    2.    Wieviel    Steine    hat    der    Palast?     2000000).     *Fanfulla 
della  domenica  8,  nr.  19.  20.  27.    —    Spanisch:    Trueba,    Cuentos 
populäres  1875  p.  287   'La  gramatica  parda' ;    vgl.  Archiv  f.  Litgesch. 
9,  423.    —    Portugiesisch:  Braga  1,  157  nr.  71   'Frei  Joäo   sem 
cuidados'    (Müller).       2,    86    nr.    160     'Dom    Simäo'     (Gärtner).     — 
Baskisch:    Cerquand  4,  121    nr.  108.     Vinson    p.    106    'Le    eure' 
(Müller)  =  Blümini,  Schwanke  S.  14  nr.  4.   —   Rumänisch:  Ruinän. 
Revue  1888,  114  'Der  gelehrte  Herr  Pfarrer'  =  Zs.  f.  vgl.  Litgesch. 
7,  221.     Ebd.  7,  222.     Schullerus  nr.   69    'Der  Pfarrer  ohne  Sorgen' 
(Archiv  33,  537.     Schafhirt).     Gaster,  Letteratura  pop.  romana  p.  146. 
—    Griechisch:    Kretschmer    nr.  37    'Der   Bischof    und   der   Abt' 
(Gärtner).    —    Slowenisch:    Görz,    Nar.   pripov.   Sosk.  plan.  2,  53 
nr.  8    =    Gabrscek    S.    150  nr.   18  'Der  Müller,  sein  Koch  und  der 
König'    (1.    wieviel    Sterne,     2.    wie    weit    der    Himmel,    3.    Wert. 
4.    Gedanke   des    Königs).      Baudouin  de  Courtenaj^,   Mater,  südslav, 
Dialekte  2,  3  nr.  1  'Don  Piero  ohne  Sorgen'  (1.   wie  hoch  der  erste 
Stern,    2.    wieviel    Sterne,     3.     Gedanke    des    Kaisers.      Müller).    — 
Serbokroatisch  aus  Kroatien:  Valjavec  S.  262  nr.  57 'Der  Mönch 
und  der  Sultan'  (1.  Mitte  der  Welt.    2.  Was  macht  Gott?  Er  wundert 
sich,   daß   der  Mönch   zu  Pferd   und    der  Sultan    auf  dem  Esel  sitzt. 
3.   Gedanke   des   Sultans).     Zbornik  jslav.  19,  274   'Kaiser  Josef  IL 
und    der    Guardian    von    St.  Leonhard'    (Wo    geht    die    Sonne    auf? 
Wert  und  Gedanke  des  Kaisers).     Krauss  2,  252  nr.  112  'Müllerund 
Kaiser'     (Wie    weit    zum    Himmel,     Wert,    Gedanke    des    Kaisers). 
Dalmatien:  Srbsko  dalmat.  Mag.  1864  23,  98  'Kaiser  und  Abt'  (desgl. 
Koch).      Slawonien:    Zbornik    jslav.    11,    287    nr.   16    (Das    Längste, 
Höchste  und  Tiefste?     Weg,  Himmel,  Erde.    Was  denkt  der  Kaiser? 
Koch).     Bosnien:  Bos.  Vila  13,  284  (1898).     Vuk  Vrcevic  1868  S.  103 
nr.  225    'Der  Kaiser   und   der  Klosterbäcker'  (Kaisers  Bart,  Himmel, 
Gedanke).     Montenegro:  Rovinskij  2,  2,  608  nr.  13  (1.  Wieviel  Sterne? 
soviel   als  Haare  am  Esel,    2.  Wert  des  Königs?  drei  Regentage  im 
Sommer,  3.  Gedanke).     Serbien :  Kica  7,  1  nr.  38  (als  die  Pfarrer  des 
Bischofs  Gedanken   erraten   sollen,   nimmt   einer    einen   verkleideten 

15* 


22R  152.    Das  Hirten bübleirt. 

Zigeuner  mit).  Srpski  dialektol.  Zbornik  2,  439  nr.  9  'Der  Kaiser 
und  der  Schäfer'  (Was  tut  Gott?  Der  Schäfer  geht  statt  des 
Mönches  zum  Kaiser,  heißt  diesen  zugleich  mit  ihm  Brot  in  die 
Milchschüssel  einbrocken  und  mahnt  ihn:  'Iß,  was  du  eingebrockt 
hast,  und  nicht,  was  ich  eingebrockt  habe!'  Wie  soll  icli  das 
wissen?  'Wenn  du  nicht  weißt,  was  du  eben  getan,  wie  kannst 
du  wissen,  was  Gott  tut?).  Herzegowina:  Zs.  Karadzic  1,  148 
'Der  Wesier,  Bischof  und  Frater'  (ähnlich  Valjavec.  Der  Koch 
tauscht  seinen  Esel  mit  dem  Pferd  des  Wesiers).  Skopska  Crnagora: 
Srpski  etnogr.  Zbornik  6,  493  nr.  15  (1.  Sterne,  2.  Mittelpunkt,  3. 
Gedanke  des  Kaisers.  Müller).  —  Gechisch:  Ant.  Puchmajer, 
'König  Georg  und  Vanek  Vseboj'  (Gedicht).  Glatz:  Kubin  2,  190 
nr.  55  (zwei  Ritter  wollen  Frieden  machen,  wenn  der  eine  rät,  1.  wie 
schwer  der  Mond,  2.  wie  weit  das  Paradies  ist,  3.  was  er  denkt. 
Holzhauer).  Ostböhmen:  PKhoda  nr.  26  'Kaiser  Josef  IL  und  das 
sorgenlose  Kloster'  (1.  Wert  des  Kaisers,  2.  Haare  seines  Schimmels, 
3.  wie  weit  Glück  von  Unglück.  Hirt).  —  Slowakisch:  Eine 
literarische  Bearbeitung  von  1792 :  Zs.  f.  vgl.  Litgesch.  4,  108.  — 
Polnisch  aus  Oberschlesien:  Malinowski  2,  231  (Wie  tief  das 
Meer,  wie  hoch  der  Himmel,  wie  weit  Glück  von  Unglück).  Galizien : 
Ciszewski,  Krak.  S.  250  nr.  200  (Mitte,  Sterne,  Gedanke.  Koch). 
Swie_tek  S.  431  nr.  53  'Ein  Soldat  ohne  Sorgen'  (Sterne,  Haare  an 
des  Kaisers  Pferd,  Gedanke.  Müllerbursch).  Mater,  antropol.  10, 
289  nr.  55  (Mitte  der  Erde.  Schweinehirt).  Wisla  13,  338  (Ritt 
um  die  Erde,  Wert,  Gedanke.  Schäfer).  —  Slow  inzisch  aus 
Pommern :  Lorentz,  Slov.  Texte  S.  42  nr.  44  'Der  alte  Fritz,  der 
Pfarrer  und  der  Schäfer'  (desgl.).  — ■  Kaschubisch:  Ramult, 
Slownik  S.  295  nr.  2  (für  den  Guardian  zu  Kartaus  antwortet  der 
Schäfer:  Pitt  um  die  Erde,  Wert,  Gedanke).  Lorentz,  Teksty  pomorskie 
S.  115  nr.  161  (desgl.).  —  Kleinrussisch  aus  Galizien:  Etnogr. 
Zbirnyk  6,  113  nr.  287  'Der  Pfarrer  ohne  Sorgen'  (Sterne,  Mitte, 
Gedanke,  Diener).  6,  113  nr.  288  (Wert  des  Gutsherren,  Mitte, 
Gedanke.  Müller).  6,  1 14  nr.  289  'Kaiser  und  Schweinehirt'  (drei 
Brüder:  Mitte  der  Erde;  Hitze,  Flamme  und  Rauch  einer  verbrannten 
Klafter  Holz  abwägen).  8,  118  nr.  64  'Der  Basilianermönch  und  der 
König'  (Gedanke.  Bettler).  Ukraine:  Öubinskij  2,  639  nr.  98  'Der 
sorglose  Pfarrer'  (Himmel,  Sterne,  Gedanke.  Soldat).  —  Weiß- 
russisch: Federowski  3,  13  nr.  28  (Ritt  um  die  Erde,  Wert, 
Gedanke  des  Königs.    Müller).     Gouv.  Smolensk:  Dobrovoljskij  S.  386 


152.    Das  Hirtenbüblein.  229 

nr.  28  'Peter  der  Große  und  das  Kloster  ohne  Sorgen'  (Sterne,  Wert, 
Gedanke.  Mönch). —  Großrussisch:  ein  Gedicht  von  A.  N.  Majkov 
'Der  Hirte,  spanische  Legende'  (Werke  7.  Aufl.  2,  103)  ähnelt  dem 
Grimmschen  Märchen;  auf  die  3.  .Frage  'Wieviel  Tage  hat  Gott' 
antwortet  der  Knabe:  'Die  Zeit  stiehlt  Gott  die  Tage;  befiehl  der 
Zeit,  eine  Weile  still  zu  stehn,  dann  kann  man  die  Tage  zählen.' 
Gouv.  Nowgorod:  Zivaja  Star.  14,  49  'Der  sorglose  Pfarrer'  (Sterne 
zählen,  Rauch  eines  Holzhaufens  wägen,  Gedanken  des  Kaisers  er- 
raten. Abgesetzter  Küster).  Gouv.  Olonetz:  Rybnikov  1,  314  nr.  49 
'Kaiser  Salaman'  (Bauer  will  seinen  Söhnen  sein  Gut  geben,  wenn 
sie  ihm  sagen,  was  am  schnellsten  läuft,  was  das  reinste  Brot  ist, 
mit  welchem  Tier  der  Bauer  redet.  Der  Knabe  Salaman  antwortet: 
Sonne,  Hostie,  Pferd,  und  weiß  auch  das  Getreidemaß  des  Bauern  und 
das  einträglichste  Vieh :  Zähne,  Schafe).  2,715  (Zar  Ivan  der  Schreck- 
liche soll  den  Thron  verlassen,  wenn  er  die  Rätsel  der  fremden 
Fürsten  nicht  löst:  Was  ist  das  Tapferste,  das  Liebste,  das  Süsseste? 
Ein  Syblis  lehrt  ihn  die  Antworten  :  die  Augen,  die  Sonne,  das  Wasser); 
vgl.  Afanasjev3  2,  286.  Oncukov  S.  404  nr.  164  'Das  sorglose  Kloster' 
(Wert  und  Gedanke  des  Kaisers.  Laienbruder).  Gouv.  Jenisejsk: 
Zap.  Krasnojarsk.  1,  37  nr.  16  'Der  Kaiser  und  der  Trunkenbold' 
(Sterne,  Wert).  Gouv.  Woronez:  Afanasjev  3  2,  288  (Tropfen  im  Meer, 
Sterne  am  Himmel,  Gedanke  des  Kaisers.  Soldat).  *Russkij  Archiv 
1869,  9,  989  =  Ermans  Archiv  f.  Rußland  24,  146  (1865)  'Das 
kummerlose  Kloster'  —  Grässe,  Märchenwelt  S.  187  (Müller  vor 
Peter  L).  Sbornik  Kavkaz.  33,  3,  13  'Peter  der  Große  und  der 
Pfarrer'  (Himmel,  Wert,  Gedanke.  Diakon).  —  Litauisch: 
Veckenstedt,     Zamaiten     2,    36    nr.    93     'Sztukkoris'     (Mittelpunkt). 

—  Finnisch:  Salmelainen  4,  nr.  14.  Suomi  3,  7,  66.  Aarnes 
Register  nr.  922.  —  Magyarisch:  Ethnolog.  Mitt.  aus  Un- 
garn 1,  365  =  Zs.  f.  vgl.  Litgesch.  4,  110  'Der  goldene 
Pflug'.  Zs.  f.  vgl.  Litgesch.  5,  467  'Das  Pfäfflein  von  Cinkota'; 
vgl.  *  Aurora  für  1827.  —  Türkisch:  Künos,  Zs.  f.  vgl. 
Litgesch.  5,  468.  Wesselski,  Nasreddin  1,  36  nr.  70;  dazu  S.  226 
und  R.  Köhler  1,  492  (der  Hodscha  beantwortet  die  Fragen  dreier 
Mönche  nach  dem  Mittelpunkt  der  Erde,  der  Zahl  der  Sterne  und 
seiner  Barthaare;  die  letztere  ist  gleich  der  Zahl  der  Haare  im 
Eselsschwanz).  —  Mingrelisch:  Sbornik  Kavkaz.  24,  2,  16  nr.  5 
'Bischof  Bogo'  (Wert  des  Kaisers,  Ritt  um  die  Erde,  unerhörte  Lüge). 

—  Mongolisch:  *Schiefner,  St.  Petersburger  Zeitung  1849  nr.  79 


230  152.    Das  Hirtenbüblein. 

(Germ.  7,  506).  —  Indisch:  Parker  1,  153  'The  four  difficult 
questions'  (Mönch  für  den  Abt;  Tiefe  des  Meers,  Zahl  der  Sterne, 
Mittelpunkt,  Gedanke).  —  Arabisch  aus  Mesopotamien:  Meißner 
nr.  48  (Beiträge  5,  89).  Nuzhat  el-chawätir  5,  173  (Beirut  1877. 
Zs.  f.  Volksk.  5,  64 3).  Aus  Kairo:  Parker  1,  154  (Haschischesser: 
Mittelpunkt,  Stern enzahl  =  Eselshaare). 

Die  Sitte,  drei  Wahrheiten  zu  sagen,  um  sich  dadurch  aus 
der  Not  zu  helfen,  begegnet  schon  in  einer  äsopischen  Fabel  vom 
Wolf  und  Fuchs  (Babrios  nr.  53.  Fabulae  ed.  Halm  nr.  271. 
Schakal  und  Ziege  bei  Frobenius,  Dekameron  S.  192),  ferner  in 
Thorkills  Fahrt  zu  Ugarthilokus  bei  Saxo,  Grammaticus  B.  8  und  in 
den  Gesta  Romanorum  c.  58;  vgl.  P.  E.  Müller,  Critisk  undersögelse 
af  Danmarks  sagnhistorie  1823  S.  145,  Liebrecht,  Zur  Volkskunde 
1879  S.  6  und  Gering,  Islendzk  Aeventyri  2,  179 — 185;  dazu  noch 
Zs.  f .  Vk.  6, 323  nr.  3 ;  Grundtvig,  D.  f  olkeaev.  2, 8  L  =  Leo-Strodtmann  2, 106 
Wildering  kongeson  og  Miseri  mö' ;  Kristensen,  Jyske  folkesagn  S.  333 
nr.  458  'Kongens  tanke' ;  Vinson,  Folklore  basque  p.  10 ;  auch  unten  zu 
nr.  165.  — Verlust  des  Kopfes  steht  auch  im  altnordischen  Liede 
von  Wafthrudnir  7  (Gering,  Edda  S.  60.  J.  Grimm,  Myth.  3  S.  862) 
auf  Nichtlösung  der  Rätselfragen,  ebenso  in  der  dänischen  Ballade 
'Svend  Vonved'  (Grundtvig,  DgF.  1,  235  nr.  18.  W.  Grimm,  Alt- 
dänische Heldenlieder  1811  S.  227),  im  indischen  Rätselwettstreit 
zwischen  Astävakra  und  Bandin,  dem  Redner  des  Königs  Janaka 
(H.  Jacobi,  Mahäbhärata  1903  S.  42 :  III,  133.  Holtzmann,  Indische 
Sagen  1.  Aufl.  1847  3,  109)  und  in  der  Pehlewi-Erzählung  vom 
Rätselkampfe  zwischen  Gösht-i  Fryäno  und  dem  Zauberer  Akht  (The 
book  of  Arda  Viraf  ed.  by  Haug  and  West  1872  p.  249).  r)  Dagegen 
erhält  der  Jüngling,  der  drei  Fragen  zu  beantworten  weiß,  die 
Hand  der  Königstochter  in  den  Gesta  Romanorum  c.  70  und 
bei  Klapper,  Erzählungen  des  MA.  nr.  11;  vgl.  oben  1,  200;  ein 
Nachhall  ist  die  Dürnberger  Hochzeitssitte,  daß  der  Brautführer 
zunächst  eine  Reihe  von  Rätseln  lösen  muß  (Hartmann,  Volks- 
schauspiele   1880    S.  120).      Auch  der   Bauernjunge  im  isländischen 


')  An  ein  Rätsel  der  Heivararsaga  (Unland,  Schriften  3,184.  7,  131) 
vom  einäugigen  Odin  und  seinem  achtfüßigen  Rosse  erinnert  das  29.  Rätsel 
des  Zauberers  'Was  hat  zehn  Füße,  drei  Köpfe,  sechs  Augen,  vier  Hörner' 
usw.  (p.  261),  dessen  Lösung  (Pflüger  und  Ochsengespann)  dem  Helden 
durch  einen  Engel  Aüharmazos  mitgeteilt  wird.  Über  andre  Rätselwett- 
streite s.  oben  2,  3701. 


152.    Das  Hirtenbüblein.  231 

Märchen    bei    Rittershaus    nr.  1,     der    bei    Todesstrafe    des    Königs 
Gedanken  erraten  soll,  gehört  hierher. 

Von  den  Fragen  unsres  Märchens1)  heben  wir  einige  hervor, 
die  auch  in  anderm  Zusammenhange  vorkommen:  1.  Das  Hirten- 
büblein, das  die  Tropfen  im  Meere  erst  zählen  will,  nachdem 
der  König  alte  Flüsse  verstopft  hat,  erneuert  eine  List  des  Amasis, 
der  das  Meer  austrinken  sollte  (oben  2,  369;  dazu  Clouston,  Persian 
garden  1894  p.  306.  312;  Chamberlain,  Aino  1888  nr.  32;  E.  J.Robinson, 
Tales  and  poems  of  South  India  1886  p.  37 ;  Kathämanjari  nr.  76 
nach  W.  Taylor,  Oriental  historical  ms.  2.  1858).  —  2.  Wie  hoch 
ist  der  Himmel?  Das  Straßburger  Rätselbüchlein  ed.  Butsch  1876 
nr.  242  antwortet:  'Ein  halb  tagreis,  dann  Christus  für  zu  mittag 
hinuf;  wer  im  mer  zeyt  not  gewest,  er  hets  nit  verzogen'.  Ebenso 
Waldis.  Die  Rätselsammlung  in  der  Zs.  f.  dt.  Alt.  3,  32  nr.  15 
dagegen  sagt:  'Das  waiß  nach  got  nyemant  dan  der  teufel,  der  hat 
es  gemessen  und  mag  nit  wider  hinuff  kommen'.  In  einer  verbreiteten 
Legende  nämlich  fragt  der  Teufel,  der  in  Gestalt  einer  schönen 
Jungfrau  einen  frommen  Bischof  zu  verführen  sucht,  den  Einlaß 
begehrenden  Pilger,  wie  weit  es  vom  Himmel  zur  Hölle  sei;  und 
dieser,  in  Wahrheit  der  h.  Andreas,  erwidert:  'Diesen  Raum  hast  du 
ja  selbst  bei  deinem  Sturze  gemessen'  (Legenda  aurea  c.  2,  9;  dazu 
oben  S.  151).  Ebenso  antwortet  die  Schäferin  dem  Teufel  bei 
Bunker,  Volksschauspiele  1915  S.  258;  vgl.  Folengo  oben  S.  224  und 
B.  de  Torres  Naharro,  Propaladia  (1517.  ed.  Menendez  1900  2,378): 
,Einen  Sprung'.  Minder  gelehrt  sind  die  Antworten  'einen  Seufzer' 
(engl.  Gesta  Romanorum),  'einen  Ruf  (Amis),  'dreißig  Schrei' 
(Sacchetti),  'eine  lange  Leiter'  (Campbell),  'einen  Kalbsschwanz,  falls 
er  lang  genug  ist'  (Demands  joyous  bei  Halliwell,  Populär  rhymes 
p.  153),  'drei  Fuchsschwänze,  wenn  sie  lang  genug  sind'  (Pauli, 
Schimpf  und  Ernst  c.  96),  'ein  Knäuel  Bindfaden'  (Mango).  — 
3.  Wie  tief  ist  das  Meer?  Einen  Steinwurf  (englische  Gesta; 
E.  Meier;  Bunker;  Wolf  nr.  262b;  Müllenhoff;  Bartsch;  Wossidlo). 
—  4.  Wieviel  Sterne  stehn  am  Himmel?  Die  Unzählbarkeit  wird 
durch  die  Gleichsetzung  mit  den  Sandkörnern  im  Sacke,  den  Blättern 
an  der  Linde  oder  den  Haaren  des  Esels  versinnlicht.  Bei  Milä  y 
Fontanals,  Observaciones  1853  p.  187  nr.  13  bildet  diese  Frage  die 
Antwort    des    Mädchens    auf    die   Frage   des  Königssohnes    'Wieviel 


l)  51  Fragen  verzeichnet  Schevill  1911  S.  227. 


232  152.    Das  Hirtenbüblein. 

Blätter  hat  der  Baum'.  In  dem  Liede  von  den  unmöglichen  Dingen 
(Erk-Böhme  nr.  1090a)  heißt  es:  'Und  soll  ich  dir  die  Sterne  zähln, 
die  an  dem  Himmel  scheinen,  so  mußt  du  mir  ein  Leiter  baun,  daß 
ich  darauf  künnt  steigen'.  Ähnlich  im  ^irischen  Märchen  bei  Larminie 
p.  176.  —  5.  Wieviel  Sekunden  hat  die  Ewigkeit?  Über  das 
zuerst  bei  Seuse  auftauchende  Bild  vom  Sandberg  und  Vöglein  vgl. 
R.  Köhler  2,  37;  dazu  Pelbart,  Sermones  de  tempore,  Aestiv.  66  Z; 
Beuschel,  Weltgerichtsspiele  1906  S.  123.  339;  Fischer -Tümpel, 
Kirchenlied  5,  377;  Bunker,  Volksschauspiele  1915  S.  157;  Zs.  f. 
Volkskunde  18,  188.  —  Ein  Lied  des  Kölner  Psälterleins  (Haxthausen, 
Geistl.  Volkslieder  1850  S.  57)  hebt  dagegen  an:  'Ins  Feld  geh, 
zähle  alles  Gras,  die  Zahl  wirst  linden  ohne  Maß ;  zur  Ewigkeit  doch 
was  ist  das?  Im  Meer  die  Tropfen  häufig  zwar,  im  Himmel  viel 
der  Sternen  klar  ;  die  Ewigkeit  hat  viel  mehr  Jahr.'  —  6.  Wie  weit 
ists  von  einem  Ende  der  Welt  bis  ans  andre?  Das  Straßburger 
Rätselbüchlein  nr.  263:  'Ein  tagereis,  als  die  sonn  bezeugt  mit  irem 
uffgang  des  morgens  und  nidergang  des  nachts'.  Simrock,  Rätsel- 
buch nr.  372.  Schwedisch  :  Zs.  f.  dt.  Mythol.  3,  352  nr.  90.  Spanisch  : 
Torres  Naharro,  Propaladia  2,  378  (1900).  —  7.  Wo  ist  der  Mittel- 
punkt der  Erde?  Hier.  —  Vgl.  Haug.  Vedische  Rätselfragen 
S.  43  (SB.  der  Münch.  Akad.  1876).  Polissoniana  1722  p.  19  = 
Rolland,  Devinettes  1877  nr.  353.  Mittelpunkt  der  Erde  zu  sein 
behaupten  viele  Orte,  das  altmärkische  Dorf  Poppau,  das  mecklen- 
burgische Tulendorf  wie  das  antike  Delphi  und  Phlius  (Temme, 
Altmark  S.  33  =  Grässe,  Preuß.  Sagenbuch  1,  192  nr.  205.  Wossidlo, 
Mecklenburg.  Volksüberl.  1,  328.  Pausanias  10,  16,  3  und  2,  13,  7. 
Daremberg-Saglio,  Dict.  des  antiquites  4,  1,  197).  —  8.  Wieviel 
wiegt  der  Mond?  Ein  Pfund,  denn  er  hat  vier  Viertel.  —  Simrock, 
Rätselbuch  nr.  253.  Hartmann,  Volksschauspiele  1880  S.  192. 
Colshorn  nr.  26.  —  9.  Wieviel  ist  der  König  wert?  29  Pfennige. 
—  Vgl.  R.  Köhler  3,  533  nr.  40  und  Wackernagel,  ZfdAlt.  3,  33 
nr.  38.  Rolland,  Devinettes  nr.  355.  Dieselbe  Antwort  erhält 
'der  hoffärtige  Kaiser'  in  dem  niederländischen  Gedichte  des 
14.  Jahrh.  im  Belgisch  Museum  10,  57  von  einem  Knaben.  In  der 
bulgarischen  Bearbeitung  von  Äsops  Leben  (Archiv,  f.  slav.  Phil.  7,  94) 
schätzt  Josopus,  der  für  seinen  Herren  Xathius  eintritt,  den  König 
Digenes  auf  weniger  als  dreißig  Silberlinge  und  die  Königin  auf 
weniger  als  ein  Schaf.  Zur  Vergleichung  mit  dem  Mairegen 
(Kristensen,   Fra   Bindestue   1,  90.     Birlinger  2,  370)  s.  oben  2,  359 


153.    Die  Sterntaler.  233 

die  Frage,  wieviel  des  Königs  Bart  wert  sei.  —  10.  Welches  ist 
der  beste  Vogel?  —  Die  Gans,  denn  sie  macht  den  Kohl  süß  und 
das  Bett  weich  (Kristensen,  Aev.  4,  288).  'Den  besten  Vogel,  den 
ich  weiß,  das  ist  ein  Gans',  hebt  G.  Forster,  Frische  Liedlein  2,  nr.  6 
an;  dazu  die  Anmerkung  von  E.  Marriage  1903  S.  227  und  Jürgensen, 
Martinslieder  1910  S.  141.  In  Molfhak  Spangenbergs  'Ganskönig' 
Kap.  1  (1607)  erwählen  die  Vögel  die  Gans  zu  ihrem  Herrscher. 
In  einem  1842  in  der  Zs.  Majak  gedruckten  großrussischen 
Märchen  (Chudjakov,  Großrussische  Rätsel  1864,  Einl.  S.  18)  fragt 
der  Alte  seine  drei  Schwiegertöchter,  welches  Vogels  Stimme  am 
weitesten  zu  hören  sei;  die  jüngste  nennt  die  Gans,  die  zweite  den 
Kranich,  die  älteste  sagt:  'Wenn  ein  Vögelchen  vom  Meer  kommt, 
so  tränke  und  füttere  es.  ohne  etwas  dafür  zu  nehmen ;  dann  wird 
seine  Stimme  weiter  hörbar  sein  als  die  der  Gans  oder  des  Kranichs.'  — 
11.  Was  ist  das  Schnellste,  Süßeste,  Kostbarste?  —  Vgl. 
oben  2,  857  f.  3,  16.  43;  dazu  Kristensen,  Folkegaader  S.  61.  197. 
Skattegraveren  5,  119.  Kubin,  Povidky  kladske  2.  194—196. 
Povidky  lidu  opav.  a  han.  S.  154  nr.  58.  Zbiör  wiadom.  antropol.  5,  207 
nr.  12.     Zivaja  Star.  14,  48  nr.  4. 


153.    Die  Sterntaler.  rsss  s.  238. 

1812  nr.  83  'Das  arme  Mädchen'  =  1819  nr.  153.  —  Nach 
dunkler  Erinnerung  aufgeschrieben ;  möge  es  jemand  ergänzen  und 
berichtigen !  —  Jean  Paul  gedenkt  seiner  in  der  Unsichtbaren  Loge 
1,  214  (1793)  =  Sämtliche  Werke  1840  1,  139. »)  Auch  A.  v.  Arnim 
hat  es  in  den  Erzählungen  1812  S.  231  f.  =  Werke  1,  242  (Die 
drei    liebreichen    Schwestern    und    der    glückliche    Färber)    benutzt. 

*)  Hier  erzählt  einer  den  Kindern  von  einem  abends  ohne  Obdach 
umherirrenden  armen  blutjungen  Mädchen,  das.  wenn  ein  Stern  sich 
putzte  und  herunterfuhr,  unten  einen  hübschen  Taler  fand,  auf  den  ein 
silberner  Engel  aufgesetzt  war,  welcher  Engel  immer  glänzender  und 
breiter  wurde,  bis  er  gar  die  Flügel  aufmachte  und  vom  Taler  aufflog 
gen  Himmel  und  dann  der  Kleinen  droben  aus  den  vielen  Sternen  alles 
holte,  was  sie  nur  haben  wollte,  und  zwar  herrliche  Sachen,  worauf  der 
Engel  sich  wieder  auf  das  Silber  setzte  und  sehr  nett  sich  da  zusammen- 
schmieste. 


234  153.    Die  Sterntaler. 

Ein  Gedicht  von  Bauernfeld  'Die  Sterntaler'  (Werke  1905  1,  27) 
beruht  auf  Grimm,  ebenso  eins  von  Roose  im  Berliner  Ms.  germ.  oct. 
316  und  ein  schwedisches  Volksbuch  'Stjern- Riksdalrarne' 
(1846)  nach  Bäckström,  Sv.  folkböcker  3,  52.  In  Belgien  scheint 
eine  ähnliche  Sage  bekannt  zu  sein  nach  *Coremans,  L'annee  de 
l'ancienne  Belgique  p.  371  (Revue  des  trad.  pop.  17,  573). 

Sternschnuppen  (Sternbutze,  mhd.  sternfürb,  sternschoz) 
gelten  vielfach  als  Glückszeichen.  Wie  sie  dem  griechischen 
Schiffer  günstigen  Wind  verkünden  (Theokrit  13,  50;  vgl.  Ilias  4,  75 
und  Seneca,  Nat.  quacst.  1,  1,  12),  so  fällt  in  dem  oben  1,  492  an- 
geführten holsteinischen  Märchen  bei  Müllenhoff  S.  409  nr.  8  eine 
dem  Mädchen  in  den  Schoß,  das  Seide  aus  Flachs  spinnen  soll. 
Nach  schwäbischem  Volksglauben  (Birlinger,  Volkstümliches  1,  190) 
sind  die  Sternschnuppen  Dochtbutzen,  die  von  den  Engeln  an  den 
Himmelslichtern  abgezwickt  werden;  wer  einen  findet,  wird  ein 
reicher  Mann,  denn  der  Butzen  ist  von  Gold  und  Silber.  In  der 
Oberpfalz  (Schönwerth  2,  61.  79)  erzählt  man,  daß  dort,  wo  eine 
Sternschnuppe  niederfalle,  ein  Kreuzer,  der  nie  weicht,  so  oft  man 
ihn  auch  ausgibt,1)  oder  ein  Napf  Geld  zu  finden  sei.  Nach 
tirolischem  Glauben  fällt  sie  auf  die  Stelle,  wo  ein  Schatz2)  verborgen 
liegt  (Zingerle,  Sitten  1857  S.  134);  ebenso  schlesisch  und  böhmisch 
(Drechsler,  Sitte  2,  135.  A.  John,  Westböhmen  S.  234.  Grohmann, 
Aberglaube  S.  32).  Personifiziert  wird  die  Sternschnuppe  als  ein 
gottgesandter  Engel  (Bartsch,  Mecklenburg  2,  201.  Andree,  Ethno- 
graphische Parallelen  1,  112.  1878),  anderwärts  freilich  als  ein  vom 
Himmel  herabgestoßener  böser  Geist  (Dähnhardt,  Natursagen  1,  134. 
Zs.  f.  dt.  Mythol.  1,  179.  Revue  des  trad.  pop.  11,  656.  16,  565. 
19,  43.  Zedlers  Universallexikon  39,  1990:  türkisch)  oder  als  ein 
Gelddrache  (Birlinger,  Vtl.  1,  189.  Drechsler  2,  135.  Bartsch 
1,  256.     2,  201). 3) 

*)  In  einer  abessinischen  Sage  (Archiv  f.  Religionswissenschaft  11, 
312)  wird  aus  der  Sternschnuppe  ein  glückbringendes  graues  Tierlein. 

3)  Eine  freie  Umdeutung  Eichendorffs  ist  es  wohl,  wenn  in  seinem 
Lustspiel  'Die  Freier'  (Werke  4,  643.  1864)  ein  Mädchen  meint,  wo  der 
erste  Stein  herunterfalle,  da  komme  ihr  Bräutigam  her. 

3)  Allgemein  verbreitet  ist  ferner  der  Glaube,  es  erfülle  sich  der 
Wunsch,  den  man  im  Augenblicke,  wo  die  Sternschnuppe  fällt,  aus- 
spreche: Wuttke,  Volksaberglaube  §  451.  Tobler,  Appenzeller  Sprachschatz 
S.  408b.  Zs.  f.  dt.  Myth.  4,  6.  Schweiz.  Archiv  12,  279.  E.  H.  Meyer, 
Bad.  Volksleben  S.  516.     Zingerle,  Sitten  S.  134.     Schleicher,    Sonneberg 


154.    Der  gestohlene  Heller.  235 


154.   Der  gestohlene  Heller.  i656  s.  238. 

1812  nr.  7  =  1819  nr.  154  Von  Gretchen  Wild  in  Kassel 
1808.  —  Vgl.  Wackernagel,  Kl.  Schriften  2,  407  =  Altdeutsche 
Blätter  1,  181.  Nacherzählt  von  Bechstein,  Neues  Märchenbuch 18 
1871  nr.  9  'Das  Hellerlein'. 

Ähnliche  Bußen  Verstorbener  für  einen  geringfügigen 
Diebstahl  erscheinen  bei  Bechstein,  Sagen  des  Rhöngebirges  1842 
S.  271  nr.  135  'Das  Dreierlein'  und  Knoop,  Posener  Geld-  und 
Schatzsagen  (Progr.  Rogasen  1908)  S.  17  nr.  29  'Der  gestohlene 
Heller';  vgl.  dort  nr.  28  'Das  wiedererscheinende  Kind'  und  nr.  30 
'Der  verborgene  Sechser'. 


1856  S.  134.  Zs.  f.  Vk.  9,  231.  E.  John,  Erzgebirge  1909  S.  249. 
Drechsler,  Schlesien  2,  135.  Strackerjan2  1,  19.  Bartsch  2,  202.  Zs.  f .Vk. 
5,  461.     Kristensen,  Sagn  og  overtro  fra  Jylland  2,  2,  23.    Skattegraveren 

8,  16.  J.Wolf,  Beiträge  1,  248.  Sebillot,  Folklore  de  France  1,  50. 
Bevue  des  trad.  pop.  17,  573.  Weil,  Bibl.  Legenden  der  Muselmänner 
S.  210.  Ein  von  Bodenstedt  verdeutschtes  Gedicht  der  Gräfin  Bostoptschin 
in  den  Liedern  aus  der  Fremde  1857  S.  7.  —  Endlich  bedeutet  der 
fallende  Stern,  daß  in  diesem  Augenblicke  ein  Mensch  stirbt,  und 
Fromme  sprechen  dann  ein  Gebet:  Plinius  2,  28.  Eusebios  von  Alexandreia 
bei  Useuer,  Religionsgeschichtliche  Untersuchungen  l2,  79  Anm.  J.  Grimm, 
Myth.3  S.  685.  3,  210.  454.  Wuttke,  Volksaberglaube  §  264.  Erk-Böhme, 
Liederhort  nr.  218  'Es  fielen  drei  Sterne  vom  Himmel  herab'.  Schweiz. 
Archiv  2,  217.  E.  Meier,  Sagen  aus  Schwaben  2,  506.  Meyer,  Bad. 
Volksleben  S.  516.  Haltrich,  Zur  Volkskunde  1885  S.  300.  A.  John, 
Westböhmen  S.  234.  Grohmaun  S.  31.  Drechsler,  Schlesien  2,  135. 
Kuhn-Schwartz,  Norddeutsche  Sg.  S.  457.  Strackerjan2 1,  18.  Bartsch 
2,  201.  Zs.  f.  Volksk.  5,  431.  8,  290  (isländisch).  22,  158  (rumänisch). 
Volkskunde  17,  51.  19,  134.  Skattegraveren  8,  16.  Wigström,  Folk- 
diktning  1,  152.  Sebillot,  Folklore  de  France  1,  49.  Beranger,  Chansons 
1861  p.  272  'Les  etoiles  qui  filent'.  Revue  des  trad.  pop.  11,  656.  13, 
178.     16,  565.     17,  572.     18,  99.     21,  104.     26,  161.     28,  82.     Pitre,  Usi  3, 

9.  Bibl.  de  las  trad.  pop.  esp.  8,  268.  Polites,  JJaQadoOElc,  2,  860 
nr.  273.     Andree,  Ethnogr.  Parallelen  1,  111. 


236  155.    Die  Brautscliau. 


1856  s.  23a  155.    Die  Brautschau. 

1819  nr.  155.  —  Aus  der  Schweiz,  mitgeteilt  von  Wyß, 
Idyllen  1815  8.  321  in  der  Anmerkung  zu  seiner  Dichtung  'Die 
Apfelprobe'1);  vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  der  KHM. 
1906  S.  79.  Danach  und  nach  einer  mündlichen  Zürcher  Über- 
lieferung bei  Sutermeister  nr.  40  'Die  Käsprobe'.  —  Aus  Schwaben 
bei  Meier  nr.  30  'Die Brautschau'.  Ein  englisches  Gedicht  mit  dem 
Anfange  'There  lived  in  York,  an  age  ago,  A  man  whose  name  was 
Pimlico'  wird  in  Notes  and  Queries  6.  series  9,  357  (1884)  angeführt. 

Etwas  Ähnliches  hat  Schütze,  Holsteinisches  Idiotikon  1,  334 
(1800)  =  Müllenhof f  S.  586  'Der  Freier'.  Ein  junger  Mann  besuchte 
drei  Schwestern  und  fand  ihre  Wochen  voll  Flachs.  Heimlich  steckte  er 
einen  Schlüssel  in  den  Flachsüberzug  der  ältesten  und  fand  ihn  am 
folgenden  Tage  im  Flachs  wieder.  Ebenso  gings  ihm  bei  der 
zweiten.  Die  dritte  aber  sagte  ihm  am  nächsten  Tage:  :Se  hebben 
Eeren  Slötel  in  minen  Wocken  steeken  laten.'  wDu  bist  die  rechte', 
sprach  er  und  nahm  die  Fleißige  zur  Frau.2)  —  Ebenso  dänisch 
in  Skattegraveren  12.  218  'Naglen  i  blärene';  schwedisch 
bei  Aberg  nr.  340  'Om  flickan,  som  var  sä  flink  att  spinna'  und 
nr.  341;  Hackmans  Register  nr.  1453;  norwegisch  bei  Braset 
1,  98;  finnisch  in  Aarnes  Register  nr.  1453.  Ein  nieder- 
österreichischer Schwank  von  einem,  der  sich  eine  Braut 
suchen  will  und  sich  einen  Strohhalm,  wie  sie  unterm  Bett  liegen, 
zum    Zähnestochern    ausbittet,    in  der  Zs.   f.   dt.  Mythol.  4,  25.     Im 


1)  Über  die  Freundesprobe  durch  einen  geschenkten  Apfel 
vgl.  oben  2,  392.  R.  Köhler,  Zs.  f.  Volksk.  6,  173  zu  Gonzenbach 
nr.  90.  Pitre,  Cartelli  1918  p.  447  nr.  13.  —  Kaiser  Karl  erprobt  durch 
Äpfel  den  Gehorsam  seiner  Söhne  (Vitry,  Exempla  1890  nr.  123), 
Salomo  das  Geschlecht  der  Kinder  (oben  2,  58.  Folklore  1,  133. 
354.  Stapfer  bei  Bächtold,  Gesch.  der  dt.  Lit.  in  der  Schweiz  1892 
S.  387),  andre  das  eines  als  Frau  verkleideten  Räubers  (Volkskunde 
19,  26.  Dykstra  2,  91.  Kristensen,  Gamle  folkefoitsellinger  om  det 
j.yske  almueliv  5,  184.  1894  und  Sagn  og  overtro  2,  1,  148).  Über  die 
Wahl  zwischen  Apfel  und  Gulden  als  Probe  der  Zurechnungs- 
fähigkeit  s.  oben  1,  203. 

2)  Ähnlich  wird  in  einem  Kölner  Schwanke  bei  Metkens,  Was  sich 
das  Volk  erzählt  1,  145  nr.  166  die  Keuschheit  des  Pfarrers  durch  eine 
in  sein  Bett  gelegte  Feuerzange  erprobt. 


155.    Die  Brautschau.  237 

englischen  Schwank  bei  Addy  nr.  12  'The  choice  of  a  servant' 
wird  die  neue  Magd  durch  einen  im  Wege  liegenden  Besen 
erprobt. 

Drei  lispelnde  Schwestern,  denen  die  Mutter  während 
des  Besuches  des  Freiers  Schweigen  anempfohlen  hat,  brechen  dieses 
plötzlich,  als  der  Faden  am  Spinnrade  reißt  oder  eine  Spinne 
sichtbar  wird.  Davon  berichtet  schon  ein  Meisterlied  des  Hans  Sachs 
v.  J.  1555  (Zs.  f.  Volkskunde  3,  60  =  Schwanke  ed.  Goetze  G,  171 
nr.  953)  und  eine  Reihe  jüngerer  Volksschwänke:  Sutermeister  nr.  22 
'Die  drei  Töchtere'.  Müllenhoff  S.  413  'De  dre  Süstern'  ==  Simrock, 
Märchen  S.  268.  Wossidlo  1910  S.  98  'Die  drei  lispelnden  Schwestern'. 
Haas,  Schnurren  von  Rügen  1899  nr.  91.  Blätter  f.  pommersche 
Vk.  1,  181.  3,  58.  5,  22.  9,  57.  10,  101.  Hai  trieb  4  S.  204  nr.  53. 
Am  Urquell  3,  293.  342.  Bolte,  Zs.  f.  Vk.  3,  58.  7,  320.  Dähnhardt, 
Schwanke  nr.  16.  Dänisch  bei  Grundtvig,  Folkeaventyr  1884  p.  47. 
Kristensen,  Skjjemtesagn  1900  S.35.  Schwedisch  bei  Nordland  er,  Sv. 
landsm.  7,  8,  3.  Norwegisch  :  Braset  1,  103.  Sardinisch  bei  Mango 
nr.  13 'Le  tre  stupide';  vgl.  Imbriani,  Conti  pomiglianesi  p.  223  nr.  7 
A  muzzella.  Serbokroatisch  in  Bos.  Vila  4,  12.  Grdic-Bjelokosic, 
Stotina  S.  57.  Zbornik  jslav.  19,  94  nr.  10.  Großrussisch 
bei  Ivanickij  S.  200  nr.  31;  Zap.  Krasnojarsk.  1,  40  nr.  21; 
Cudinskij2  S.  138.  Weißrussisch  bei  Sejn  2,  314  nr.  149; 
Federowski  3,  165  nr.  295 — 296.  Kleinrussisch  bei  Sadok  Baracz 
S.  134  (verspottet  den  masurischen  Dialekt).  Hrincenko  2,  300  nr.  24. 
Polnisch:  Zbiör  wiadom.  17,  125  nr.  1.  Slowakisch:  Slov. 
Pohl'ady  16,  321  nr.  28.  C  e  c  h  i  s  c  h  :  Radostov  5,  3  =  2.  Aufl.  1,  150 
nr.  18.  Lettisch  bei  Böhm  nr.  12  =  v.  Lövvis  1916  S.  118. 
Finnisch  in  Aarnes  Register  nr.  1457.  Peruanisch  bei 
Duine  1896  p.  43. 

Um  zu  beweisen,  daß  sie  scharf  sehen  kann,  zeigt  ein  halb- 
blindes Mädchen  dem  Freier  eine  Nähnadel,  klappt  aber  mit  der 
Hand  in  die  Butter  auf  dem  Tische,  die  sie  für  die  Katze  ansieht : 
So  aus  Hannover  bei  Busch  S.  12  'Ilsabein'  =  Kbl.  f.  nd.  Sprach- 
forschung 22,  16;  aus  Mecklenburg  bei  Wossidlo  1910  S.  99  'Die 
Scharfsichtige'.  Anthropophyteia  6,  277  nr.  2.  Serbisch:  Srpski 
etnograf.  Zbornik  16,  379  nr.  14.  Kleinrussisch :  Hrincenko  1,  125 
nr.  142;  Hnatjuk,  Geschlechtleben  2,  30  nr.  63;  großrussisch: 
Oncukov  S.  480  m\  210;  Zap.  Krasnojarsk.  1,  40  nr.  22.  Finnisch: 
Aarnes  Register  nr.  1456. 


238  155.    Die  Brautschau. 

Während  bei  diesen  Brautproben  Ordnungsliebe,  Fleiß,  scharfes 
Auge  und  deutliche  Bede  verlangt  wird,  kommt  es  in  der 'Erbsen- 
probe' (nr.  182a)  darauf  an,  die  vornehme  Abkunft  durch  die 
Zartheit  und  Empfindlichkeit  der  Haut  zu  erweisen.  Eine  solche 
gehörte  vielfach  ebenso  zur  vollkommenen  Schönheit  wie  die  Durch- 
sichtigkeit des  weißen  Halses,  der  den  roten  Wein  durchschimmern 
läßt  (R.  Köhler  2,  348).  In  der  indischen  Baital  Fachisi  nr.  10 
(übersetzt  von  Oesterley  1873  S.  90,  vgl.  199)  und  in  der  Vetala- 
Pantschavinsati  nr.  10  (Tawney,  Kathasaritsagara  2,  281  c.  85)  lust- 
wandelt ein  König  mit  seinen  drei  Frauen,  da  fällt  der  einen  eine 
Lotosblüte  auf  den  Fuß,  und  dieser  bricht;  die  zweite  wird  von  den 
Mondstrahlen  getroffen  und  bekommt  Geschwüre,  die  dritte  hört  das 
Stampfen  einer  hölzernen  Mörserkeule  und  sinkt  ohnmächtig  um.1) 
Die  Cukasaptati  nr.  5  und  9  (R.  Schmidt,  Textus  simplicior  1894 
S.  11.  22)  freilich  erklärt  es  für  eitel  Heuchelei,  wenn  die  ehe- 
brecherische Königin  die  männlichen  Fische  nicht  anblicken  will  und 
bei  dem  Schlag  mit  einer  Blume  ohnmächtig  wird;  und  in  der 
persischen  Erzählung  bei  Ciistoforo  Armeno  (J.  Wetzel,  Reise  der 
Söhne  Giaffers  1583  S.  228  =  ed.  Fischer-Bolte  1895  S.  120, 
vgl.  217)  verstellen  sich  drei  von  den  vier  vor  den  König  geführten 
Jungfrauen  ähnlich:  die  eine  heuchelt  Ohnmacht,  als  der  König  ihr 
Rosenblätter  an  die  Brust  wirft  und  ein  Rosenästchen  dabei  ihr  ins 
Gesicht  springt,  und  deckt  vor  der  Bildsäule  eines  Mannes2)  ihr 
Antlitz  mit  den  Händen;  die  zweite  ruft:  'Herr,  geht  weg!  Denn 
die  Haare  an  eurem  Pelz  stechen  mich' ;  die  dritte  hält,  wie  sie  im 
See  Fische  springen  sieht,  ein  Tuch  vors  Gesicht,  weil  Männlein 
unter  den  Fischen  sein  könnten.  Siamesisch  bei  Bastian, 
Geographische  und  ethnologische  Bilder  1873  S.  267.  Bei  D'Ouville 
(Elite  des  contes  1680;  ed.  Brunet  1883  2,  149  'De  la  delicatesse  de 
quatre  femmes'  =  Amusemens  francois  ou  contes  ä  rire  1752  1,  204 
'La  fausse  delicatesse')  streiten  vier  Nachbarinnen,  die  durch  ein 
Rosenblatt,    eine    Falte    im  Bettlaken,    drei   nach   der   falschen   Seite 


*)  Das  erinnert  an  die  griechischen  Erzählungen  von  den  Syba- 
riten,  deren  einer  Blasen  auf  dem  Rücken  bekommt,  als  er  auf  Rosen- 
blättern gelegen  hat  (Aelian,  Varia  bist.  9,  24);  ein  andrer  bekommt 
einen  Bruch,  als  er  einen  Arbeiter  hacken  sieht,  ein  dritter  Seitenstiche, 
als  ihm  davon  erzählt  wird  (Timäus  bei  Atbetiäus  12,  3  p.  518  D  =  Müller, 
Fragm.  hist.  Graec.  1,  205). 

2)  Vgl.  dazu  Wetzel  ed.  Fischer-Bolte  S.  217. 


157.    Der  Sperling  und  seine  vier  Kinder.  239 

gekämmte  Haare  und  eine  gesprungene  Ader  viel  gelitten  haben,  um 
den  Preis  der  Empfindlichkeit.  Im  italienischen  Märchen  bei 
De  Nino  3,  348  nr.  70  'La  Vendetta'  verhext  eine  Alte  drei  Königs- 
töchter, indem  sie  ihnen  die  Bettücher  verkehrt  legt,  ein  Haar 
ausreißt  oder  eine  Jasminblüte  gegen  die  Brust  wirft.  Im  wälsch- 
tiroler  Märchen  bei  Schneller  nr.  45  'Die  Empfindlichste'  endlich 
begegnet  ein  heiratslustiger  Prinz  drei  auf  dieselbe  Weise  gequälten 
Mädchen  und  wählt  die  dritte   zur  Frau. 

In  einem  Schwanke  aus  Ostgalizien  (Zbior  wiadom.  17,305 
nr.  3)  denkt  ein  Dummling,  der  auf  einer  Bank  geschlafen,  nach, 
warum  ihn  alle  Glieder  schmerzen,  da  erblickt  er  eine  Gansfeder 
auf  der  Bank  und  meint:  Wenn  eine  einzige  Feder  so  drücken 
kann,  wievielmehr  muß  ein  ganzes  Federbett  drücken!  Seitdem 
schlief  er  nie  mehr  auf  Federn. 


156.    Die  Schlickerlinge.  rase  s.  239. 

1819  nr.  156.  Aus  dem  Mecklenburgischen.  —  Ähnlich 
singt  bei  Wossidlo,  Aus  dem  Lande  Fritz  Reuters  1910  S.  56  die 
Magd  beim  Tanz: 

Von  mine  Fru  ehren  Futikan  (Pfui  dich  an) 
Heff  ik  so'n  bunten  Bock  von  an. 

Ebenda  S.  56  'Knüpfen  vors  Knie'.  —  Gehört  zu  den  Märchen,  die 
auf  einfache  Art  eine  alte  Lehre  geben,  wie  jenes  von  der  Brautschau 
(nr.  155).  Das  Spinnen  ist  die  eigentliche  Arbeit  der  Hausfrau  nach 
alten  Sitten,  ihr  Leben  und  Weben. 


157.    Der  Sperling  und  seine  vier  Kinder.      lsseassa 

1812  nr.  35,  seit  1819  nr.  157.  —  Aus  Schuppius,  Fabul- 
Hans  1660  Bl.  B  10  b  =  Schriften  (o.  J.)  S.  837;  diese  Schrift  ist 
jedoch  nur  eine  neue  Ausgabe  der  7.  Predigt  in  J.  Mathesius 
Historien  von  Dr.  Martin  Luther  (1563),  betitelt  'Von  Jothams 
Märlein'  =  Mathesius,  Ausgewählte  Werke  ed.  Loesche  3,  151 
(2.  Aufl.  1906),    und    die    Erzählung    gehört    offenbar    zu    den    von 


240  157.    Der  Sperling  und  seine  vier  Kinder. 

Mathesius  gedichteten  Fabeln,  die  er  am  7.  Mai  1557  an  Paul  Eber 
sandte  (Mathesius,  Ausgewählte  Werke  4,  5G9).  Aus  Mathesius 
schöpfte  Nathan  Chytraeus  (Hundert  Fabeln  1571  nr.  16  'Sperling'), 
den  dann  Rollenhagen  im  Froschmeuseler  1595  El.  Aa5a  = 
1,  260  ed.  Goedeke  1876  (2,  2,  cap.  7  'Doctor  Sperlings  Rat')  in 
Reime  brachte  und  breiter  ausführte,  und  A.  v.  Arnim  in  der 
Gräfin  Dolores  2,  172  (Werke  8,  190)  'Die  Schule  der  Erfahrung'. 
Vgl.  Hamann,  Die  literar.  Vorlagen  der  KHM.  1906  S  28  und  Steig, 
Brentano  und  die  Brüder  Grimm   1914  S.  117. 

Aber  die  Fabel  geht  tiefer  ins  Mittelalter  zurück.  Im  Esope 
nr.  92  erzählt  Marie  de  France  (Fabeln  ed.  Warnke  1898),  wie 
ein  Rabe  sein  Kind  lehrt,  sich  vor  dem  Menschen  zu  hüten,  wenn  er 
sich  nach  einem  Stein  oder  Stock  bücke.  'Wenn  ich  aber  sehe,' 
fragt  das  Junge,  'daß  er  sich  nicht  bückt  und  nichts  in  den  Händen 
hat,  muß  ich  mich  da  auch  entfernen'?'  Da  fürchtet  der  alte  Rabe 
nicht  mehr  für  seines  Kindes  Leben,  da  es  sich  selber  helfen  könne. 
Ebenso  in  der  lateinischen  Fabel  'Quomodo  corvus  filios  docuit'  im 
Romulus  ed.  Oesterley  1870  app.  nr.  55  und  Hervieux,  Les  fabulistes 
latins  2,  612  nr.  70.  Aus  einem  mlat.  Gedichte  'Joealis'  führt 
E.  Du  Meril,  Poesies  ined.  du  m03ren  äge  1854  p.  144  die  Anspielung  an : 

Cornix  mater  ait  pullo:  Si  forte  lapillum 
Quisquam  tollit  humo,  fugias  velocius  illum! 

Bei  Hugo  von  Trimberg,  Renner  v.  14955  ed.  Ehrismann  und 
Bonaventure  des  Periers,  Nouvelles  recreations  1558  nr.  87  'De  la  pie 
et  de  ses  piauz'  ist  aus  dem  Raben  eine  Elster  geworden;  beim 
Franzosen  erwähnen  die  Jungen  das  Zielen  mit  der  Armbrust,  das 
Aufheben  des  Steins  und  als  das  Gefährlichste,  wenn  der  Mensch 
beständig  einen  Stein  in  der  Hand  trägt.  Ein  Meisterlied  der 
Kolmarer  Hs.  (ed.  Bartsch  1862  S.  263)  'Driu  exempel  Ysopi'  macht 
aus  dem  Raben  eine  alte  Krähe'),  während  Hans  Sachs  1548  in  seinem 
Meisterliede  'Die  Wölfin  mit  ihrem  Jungen'  (Schwanke  4,  380  nr.  496) 
die  Geschichte  von  einer  Wölfin  berichtet;  diese  warnt  vor  den 
Menschen  mit  Jagdbüchse,  Schweinsspieß  und  Hellebarde,  heißt  aber 
ihren  Sohn  den  Landsknecht  mit  dem  langen  Spieß  unverzagt 
angreifen.     W.  Grimm  (Tierfabeln  bei  den  Meistersängern,  Abh.  der 

a)  In  einer  kleinrussischen  Fabel  Etnogr.  Zbirnj'k  37 — 38,  380  nr. 
282—283  fragt  eine  Krähe  ihre  Jungen,  indem  sie  sie  über  einen  Fluß 
trägt,  wie  sie  sie  im  Alter  pflegen  werden,  und  läßt  die  älteren  fallen, 
weil  sie  übertriebene  Versprechungen  machen. 


157  a.    Die  heilige  Trau  Kümmernis.  241 

Berliner  Akad.  1855,  248  =  Kl.  Schriften  4.  393)  zieht  hierzu  noch 
andere  Tierfabeln  heran,  in  denen  der  Löwe  (Pauli  c.  20  ed.  Oesterley. 
H.  Sachs,  Schwanke  3,  308  nr.  152)  oder  die  Hirschkuh  (Marie  de 
France  nr.  91)  ihre  Jungen  unterweisen. 

Schottisch  bei  Campbell2  3,  133  nr.  71  'The  hoodie 
catechising  the  young  one'.  —  Griechisch  bei  Carnoy  et  Nicolaides 
p.  186  'Le  moineau  et  ses  enfants'.  —  Armenisch  bei  Vartan, 
Choix  de  fables  1825  nr.  32  'Le  corbeau  et  ses  petits\ 


157a.    Die  heilige  Frau  Kümmernis. 

(1815  nr.  66.) 

Es  war  einmal  eine  fromme  Jungfrau,  die  gelobte  Gott,  nicht  zu 
heiraten,  und  war  wunderschön,  so  daß  es  ihr  Vater  nicht  zugeben  und 
sie  gern  zur  Ehe  zwingen  wollte.  In  dieser  Not  flehte  sie  Gott  an,  daß 
er  ihr  einen  Bart  wachsen  lassen  sollte,  welches  alsogleich  geschah. 
Aber  der  König  ergrimmte  und  ließ  sie  ans  Kreuz  schlagen,  da  ward  sie 
eine  Heilige. 

Nun  geschah  es,  daß  ein  gar  armer  Spielmann  in  die  Kirche  kam, 
wo  ihr  Bildnis  stand,  kniete  davor  nieder.  Da  freute  es  die  Heilige,  daß 
dieser  zuerst  ihre  Unschuld  anerkannte,  und  das  Bild,  das  mit  güldenen 
Pantoffeln  angetan  war,  ließ  einen  davon  los  und  herunterfallen,  damit 
er  dem  Pilgrim  zugute  käme.  Der  neigte  sich  dankbar  und  nahm  die 
Gabe. 

Bald  aber  wurde  der  Goldschuh  in  der  Kirche  vermißt  und  geschah 
allenthalben  Frage,  bis  er  zuletzt  bei  dem  armen  Geigerlein  gefunden, 
auch  es  als  ein  böser  Dieb  verdammt  und  ausgeführt  wurde,  um  zu 
hangen.  Unterwegs  aber  ging  der  Zug  an  dem  Gotteshaus  vorbei,  wo 
die  Bildsäule  stand;  begehrte  der  Spielmann  hineingehen  zu  dürfen,  daß 
er  zu  guter  Letzt  Abschied  nähme  mit  seinem  Geiglein  und  seiner  Gut- 
täterin die  Not  seines  Herzens  klagen  könnte.  Dies  wurde  ihm  nun 
erlaubt. 

Kaum  aber  hatt  er  den  ersten  Strich  getan,  siehe,  so  ließ  das  Bild 
auch  den  andern  güldnen  Pantoffel  herabfallen  und  zeigte  damit,  daß  er 
des  Diebstahls  unschuldig  wäre.  Also  wurde  der  Geiger  der  Eisen  und 
Bande  ledig,  zog  vergnügt  seiner  Straßen.  Die  heilige  Jungfrau  aber 
hieß  Kümmernis. 


Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  \ß 


242  157  a.    Die  heilige  Frau  Kümmernis. 

Nach  Andreas  Strobl,  Ovum  paschale  (Salzburg  1700)  S.  216; 
vgl.  Hamann,  Die  literar.  Vorlagen  der  KHM.  1906  8.  57.  J.  Prätorius, 
Wünschelrute  1667  S.  152  wird  zu  Grimms  Deutschen  Sagen  nr.  330 
'Die  Jungfrau  mit  dem  Bart'  als  Quelle  angeführt.  'Neigt  sich  (beißt 
es  1815)  wie  nr.  81,  3,  87  und  Kinderlegenden  9  aus  der  Heiligen- 
legende ins  Märchen.' 

Die  Legende  von  der  h.  Kümmernis  oder  Comeria  (auch 
Wilgefortis,  Ontkomer,  Liberata,  Hülpe  u.  a.  genannt)  ist  im  15.  Jahr- 
hundert entstanden  aus  einem  Missverständnis  der  alten  romanischen, 
bekleideten  und  mit  einer  Krone  versehenen  Christusbilder,  die  den 
Heiland  als  den  lebenden  Himmelskönig  am  Kreuze  darstellen  ;  die 
Darstellung  des  nackten,  schmerzgequälten  Crucifixus  mit  der  Dornen- 
krone kam  im  Abendlande  erst  im  13.  Jahrhundert  auf. x)  Das  Volk  sah  in 
jenen  alten  Bildern  eine  gekreuzigte  Königstochter,  die  gleich  der  h. 
Paula  (Acta  Sanctorum  Febr.  3,  174)  und  Galla  zum  Schutze  ihrer  Jung- 
fräulichkeit bärtig  geworden  war,  obwohl  z.  B.  das  Saalfelder  Stein- 
bild von  1516  die  deutliche  ßeischrift  'Salvator  mundi'  trug.  Der 
Kultus  dieser  von  der  Kirche  niemals  anerkannten  Heiligen,  von  der 
die  Acta  Sanctorum  unter  dem  20.  Juli  (Julii  t.  5,  50 :  Liberata)  be- 
richten, erstreckt  sich  über  Deutschland,  die  Schweiz,  Belgien,  Eng- 
land, Frankreich.   Spanien  und  Portugal. 

Die  zweite  Sage  von  dem  einem  armen  Geiger  geschenkten 
goldenen  Schuh  des  Heiligenbildes  begegnet  schon  zu  Anfang 
des  13.  Jahrh.  in  Verbindung  mit  einem  solchen  alten  Christusbilde, 
dem  berühmten  Volto  Santo  im  Dome  zu  Lucca,  das  den  aus  Holz 
geschnitzten  Heiland  in  langem  Gewände  zeigt;  der  Schuh  des 
rechten  Fußes  ist  gelöst  und  wird  von  einem  darunter  stehenden 
Kelche  aufgenommen  (Sloet,  De  heilige  Ontkommer  of  Wilgeforthis 
1884  S.  73  Taf.  12—14.  Schnürer,  Freiburger  Geschichtsblätter  9,  76 
Fig.  1.  1902).  Von  dieser  Statue  berichtet  nämlich  damals  der 
Bologneser  Buoncompagno  in  seiner  Rhetorica  antiqua:  'quod  argen- 
teum  subtellarem  proiecerit  histrioni,  qui  ante  ipsam  tangebat 
chitaram  in  dulcore'  (Schönbach,  Sitzungsberichte  der  Wiener  Akademie 
145,  89.  1902).  Dargestellt  wird  die  Geigerszene  auf  einem  etwa 
gleichzeitigen  französischen  Elfenbein-TrijDtychon  (Kevue  de  l'art 
chretien  10, 119.  1866),  auf  belgischen  und  böhmischen  Kirchengemälden 

')  W.  Grimm,  Kl.  Schriften  3,  184  und  in  seiner  Ausgabe  der 
Goldenen  Schmiede  Konrads  von  Würzburg  1840  S.  XLVH.  Kraus, 
Gesch.  der  christl.  Kunst  2,  1,  311—324  (1897). 


157  a.    Die  heilige  Frau  Kümmernis.  243 

(Acta  S.  Julii  5,  59.  63)  sowie  auf  einem  römischen  Kupferstich  von 
1723  (Freiburger  Geschichtsblätter  10, 177  Taf.  4),  erzählt  im  Lübecker 
Passional  1492  und  öfter,  während  Hans  Burgkmair  auf  einem  Holz- 
schnittbogen 'die  Bildnus  zu  Luca'  mit  der  Kümmernislegende  ver- 
einigt (Jahresbericht  des  Neisser  Altertumsvereins  7,  29.  1903).  *)  In 
Prag  ist  ihr  Altar  in  der  Loretankirche  am  Hradschin  und  gleich- 
falls diese  Legende  bekannt ;  ihr  Name  wurde  bokemisiert  in  Sv. 
Starosta  (starost  =  Kummer). 

Aus  der  umfangreichen  Literatur  sei  nur  noch  einiges  hervor- 
gehoben: Mones  Anzeiger  7,  583.  Benign.  Kybl,  Wunderspiegel  1, 
505.  Menzel,  Christliche  Symbolik  1854  S.  110.  528.  535.  Walliser 
Sagen  1907  1,  245.  Menghin,  Südtirol  S.  83  nr.  39.  E.  Meier,  Sagen 
aus  Schwaben  1,  44  (1852).  Panzer,  Beitrag  2,  420  (1855).  Köhler, 
Yolksbrauch  im  Vogtlande  1867  S.  618.  Sepp,  Altbayerischer  Sagen- 
schatz 1876  S.  175.  Weinhold,  Zs.  f.  Volkskunde  9,  322.  R.  Andree, 
Votive  und  Weihegaben  1904  S.  14.  Gusinde,  Mitteil,  der  schles. 
Ges.  f.  Vkunde  6,  81.  Unser  Egerland  4,  13.  5,  11.  6,  44  52. 
7,  11.  25.  8,  38.  9,  24.  Mitt.  des  nordböhm.  Excursionsklubs  17, 
317.  327.  Deulin,  Cambrinus  1874  p.  179  La  viole  d'amour'. 
Schnürer,  Die  ältesten  Legenden  der  hl.  Kümmernis  (Festschrift  für 
G.  v.  Hertling  1913  S.  96—107).  Otte,  Kirchliche  Kunstarchäo- 
logie des  dt.  Mittelalters5  1,  580  (1883).  Kraus,  Geschichte  der 
christl.  Kunst  2,  1,  434. 

Zu  der  letzten  Spiel mannsbitte  vgl.  oben  2,  501.  Man 
hat  mehr  als  eine  Sage  von  Heiligenbildern,  die  aus  Gnade  einen 
Finger  der  Hand  ausstrecken,  um  den  Ring  daraus  fallen  zu  lassen. 
In  den  beiden  Künigeskinnern  (nr.  113)  nickt  der  steinerne  Christoph 
mit  dem  Kopf.  Der  Leichnam  des  h.  Sebald  zu  Nürnberg,  als  ein 
frecher   Gesell    ihn    am    Bart    zupft  und  fragt :  'Alter,  wie  schmeckt 


*)  Ein  Lied  in  den  Mitteilungen  zur  Volkskunde  des  Schönhengster 
Landes  5,  157  (1909),  ein  andres  auf  die  h.  Wilgefort  bei  Kirschner, 
Volksgesänge  aus  dem  Aussiger  Gau  1898  S.  38.  J.  Kerner  hat  in  einem 
Gedicht  'Der  Geiger  zu  Gmünd'  (1816;  dazu  sein  Briefwechsel  1,  433. 
1898  und  eine  Oper  von  Stich  1875)  statt  der  hl.  Kümmernis  Cäcilia, 
Guido  Görres  (Gedichte  1844  S.  128  'Der  arme  Spielmann')  die  Jungfrau 
Maria  eingesetzt.  In  Belgien  wird  die  Geigerlegende  von  der  bl.Philo- 
mena  (de  Cock  en  Teirlinck,  Brabantsch  Sageuboek  2,  344.  1911),  in 
Bulgarien  (Strauß,  Die  Bulgaren  S.  311)  vom  hl.  Spiridon,  in  einer 
kleinrussischen  Legende  aus  Ostgalizien  (Etnograf.  Zbirnyk  13,  246  nr.  427) 
vom  gekreuzigten  Heiland  erzäblt. 

16* 


244  158.    Das  Märchen  vom  Schlauraffenland. 

dir  der  Most?'  regt  die  Hand  und  gibt  ihm  eine  Ohrfeige,  daß  die 
fünf  Finger  auf  der  Wange  unvertilgliche  Spuren  eindrücken 
(Wagenseil,  De  civitate  Noribergensi  1697  S.  45).  Über  die  sich 
bewegenden  Heiligenstandbilder  vgl.  oben  S.  127. 


läse  s.  239      158.    Das  Märchen  vom  Schlauraffenland. 

1815  nr.  67  =  1819  nr.  158.  Nach  einem  Gedichte  des  14.  Jahr- 
hunderts 'So  ist  diz  von  lügenen'  (Chph.  Heinr.  Müllers  Sammlung 
deutscher  Gedichte  aus  dem  12.  — 14.  Jahrh.  3,  Anhang  S.  XIV.  1784; 
vgl.  Haupt  und  Hoffmann,  Altdeutsche  Blätter  1,  163.  1836  und  Erk- 
Böhme,  Liederhort  nr.  1100).  Doch  sind  bei  der  Übertragung  ein 
paar  kleine  Versehen,  auf  die  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen 
1906  S.  54  aufmerksam  macht,  *)  mit  untergelaufen;  auch  hat  W.  Grimm 
für  den  Anfang  'Ich  sach  eins  mäles  in  der  äffen  zit'2)  ohne  weiteres 
eingesetzt  'In  der  Schlauraff  en  zeit',  obwohl  die  Dichtung  sich 
ganz  in  den  Formen  des  Lügenmärchens  bewegt  und  Anklänge  an 
die  berühmten  Schilderungen  des  Schlaraffenlandes  bis  auf  die  Linde 
mit  heißen  Fladen  und  den  Honigfluß  fehlen.3)  Zu  dem  Schlüsse 
vergleicht  E.  Du  Meril,  Etudes  1862  p.  452  die  in  der  Normandie 
bekannte  Formel:  'Alors  le  coq  chanta  kickeriki,  et  mon  conte  a  fiui ' 

Die  hier  spaßhaft  gewendete  Idee  eines  Fabellandes  steigt  ohne 
Frage  in  ein  hohes  Alter  auf.4)     In  gläubigem  Kinderernst  erscheint 


*)  Ein  bitterscharfes  Schwert  (ein  vil  boesez  swert,  d.  h.  ein  sehr 
stumpfes);  zwei  Kinder  die  würfen  zwei  Zicklein  (dö  sach  ich  zwei  rinder 
zwo  geize  bringen) ;  im  Hof  standen  vier  Rosse,  die  droschen  Korn  aus 
allen  Kräften  (dö  sach  ich  vier  rösser  üz  howe  [Heu]  körn  dreschen). 

2J  Affenzeit  ist  ebenso  wie  Affenberg  und  Affental  (Wackernagel, 
Kl.  Schriften  3,  125)  eine  lustige  Umschreibung  des  frei  Erdachten. 

3)  Poeschel  in  Paul-Braunes  Beiträgen  5,419.  Allerdings  hat  man 
schon  im  17.  Jahrhundert  den  Namen  'Schlauraffenland'  auch  auf  aller- 
hand Schilderungen  von  unmöglichen  Dingen  übertragen  (Müller-Frau- 
reuth,    Lügendichtungen  1881  S.  14.     Bolte,    Zs.  f.  Volkskunde  20,  193). 

4)  Vgl.  Poeschel,  Das  Märchen  vom  Schlaraffenlande  (Paul-Braunes 
Beiträge  5,  389—427.  1878)  und  Erich  Schmidt,  Charakteristiken  23,  53-73 
'Das  Schlaraffenland'  (1912).  Ferner  E.  Rohde,  Der  griechische  Roman2 
1900  S.  210;  Schenkl,  Germ.  7,  193;  A.  Graf,  Miti  del  medio  evo  1,  1 
(1892)  'II  mito  del  paradiso  terrestre'  und  1,  229  'II  paese  di  Cuccagna'; 
Eolte,  Zs.  f.  Volkskunde  20,  187  'Das  Schlaraffenland' ;  Müller-Frau  reu  th, 
Das  Märchen  vom  Schlaraffenland  (Dresdner  Anzeiger  1912,  Sonntags- 
beilage nr.  33  f.) 


158.    Das  Märchen  vom  Schlauraffenland.  245 

sie  im  Märchen  vom  Zuckerhäuschen,  das  mit  Fladen  gedeckt, 
mit  Zimmet  gebalkt  ist  (oben  1,  115  nr.  15  'Hansel  und  Gretel'. 
Pröhle,  KVM.  nr.  40  'Kickams  Haus'.  Zs.  f.  Volkskunde  15,  346), 
und  schließt  sich  an  die  noch  tieferen  Mythen  von  dem  verlorenen 
Paradies,  worin  Milch  und  Honig  strömen.  Vom  goldenen  Zeit- 
alter unter  der  Herrschaft  des  Kronos,  da  die  Menschen  ohne 
Schmerz  und  Sorgen  genossen,  was  der  Acker  willig  bot,  erzählen 
Hesiod,  Werke  und  Tage  v.  109  und  Ovid,  Metam.  1,  89.  Als  ein 
Land  märchenhaften  Überflusses  erscheint  bei  Herodot  3,  17  das 
ferne  Äthiopien,  noch  mehr  geographische  Fabeleien  wurden  durch 
Ktesias  u.  a.  auf  das  Wunderland  Indien  gehäuft.  Vom  irdischen 
Paradiese,  seinen  Juwelen  und  Früchten,  seinen  Milch-  und  Honig- 
strömen und  dem  Jugendquell,  den  der  Welteroberer  Alexander  ver- 
gebens suchte,  berichten  mittelalterliche  Sagen;  und  die  Entdecker 
des  15.  und  16.  Jahrhunderts  hofften  in  Amerika  nicht  nur  das  Gold- 
land des  Dorado,  sondern  auch  den  Jungbrunnen  der  Insel  Bimini 
zu  finden,  nach  welcher  1513  der  Spanier  Ponce  de  Leon  auszog. — 
Solche  schwärmerisch  ausgemalten  Schilderungen  entgingen  nicht  der 
lustigen  oder  gesalzenen  Parodie.  Von  den  attischen  Komödien  des 
5.  Jahrhunderts,  die  solch  herrliche  Schlemmerei  aus  dem  Zeitalter 
des  Kronos  auf  der  Bühne  vorführten,  sind  freilich  nur  Bruchstücke 
überliefert.  In  den  Amphiktyonen  des  Telekleides  z.  B.  floß  der 
Gießbach  von  Wein,  die  Fische  brieten  sich  selber  und  trugen  sich 
auf,  gebratene  Vögel  und  feines  Backwerk  flog  einem  in  den  Mund. 
In  den  @r]Qia  des  Krates  sind  die  Geräte  belebt;  zum  Tische  sagt 
man :  Komm  und  decke  dich !  zum  Backtroge :  Knete  den  Teig !  zum 
Kruge:  Schenk  ein !  Bei Pherekrates  in  den  MetaAZT/g  führen  die 
Suppenströme  gleich  Löffel  mit  sich,  herrliches  Obst  hängt  über  den 
Häuptern,  und  alles,  wovon  man  ißt  und  trinkt,  verdoppelt  sich  als- 
bald. In  den  JSeiQfjveg  des  Nikophon  regnet  es  Mehl,  Brot  und 
Brei.1)  Noch  wollüstiger  beschreibt  später  der  Schalk  Lukian  in 
seiner  'Wahren  Geschichte'  2,  3.  6  das  rebenbewachsene  Käseiland 
im  Milchmeer  und  die  Insel  der  Seligen. 

Unter  den  fahrenden  Klerikern  des  Mittelalters  lief  die  lustige 
Sage  um  von  dem  Wunschreiche  Cucania,  als  dessen  Abt  sich  der 


*)  Meineke,    Fragmenta    comicorum  Graecorum  2,  1,  361.  237.  299. 
851  =  Kock,  Comicorum  Atticorum  fragmenta  1,  209.  133.  174.  777. 


246  158.    Das  Märchen  vom  Schlauraffenland. 

trinkfrohe  Dichter  der  'Confessio  Goliae'  um  1163  bezeichnet.1)  Eine 
nähere  Beschreibung  liefert  jedoch  erst  das  französische  Fablei 
de  Cocaigne  aus  dem  13.  Jahrhundert  (Meon,  Fabliaux  4,  175.  1808): 
statt  der  Arbeit  wird  dort  der  Schlaf  bezahlt;  die  Häuser  sind  aus 
Fischen,  Speck  und  Würsten  erbaut;  überall  sind  Tische  gedeckt, 
gebratene  Gänse  watscheln  durch  die  Straßen,  ein  Bach  führt  weißen 
und  roten  Wein,  sowie  goldene  und  silberne  Becher  mit  sich;  vier- 
mal im  Jahre  feiert  man  Ostern  und  Fasching,  die  Fastenzeit  aber 
nur  alle  zwanzig  Jahre  einmal;  dreimal  in  der  Woche  regnet  es 
Torten,  gefüllte  Börsen  holt  man  vom  Felde;  das  unvergleichlichste 
Wunder  aber  ist  der  Jungbrunnen,  la  fontaine  de  jovent.  Das 
mittelenglische  Gedicht  'Cokaygne'  (Mätzner,  Altenglische  Sprach- 
proben 1,  147.  1867)  schildert  das  Schlaraffenleben  von  Mönchen  und 
Nonnen,2)  zu  dem  aber  nur  gelangt,  wer  sieben  Jahre  im  Schweine- 
mist bis  zum  Kinn  gewatet  und  Gottes  nicht  gedacht  hat  (vgl.  oben 
2,  4311),  während  eine  niederländische  Dichtung  'van  dat  edele 
lant  van  Cockaengen'  (Priebsch,  Tijdschrift  voor  nederl.  Taalkunde  13, 
185)  sich  genauer  an  das  französische  Vorbild  anschließt.  —  Iu 
Italien  faßt  ein  wohl  von  Giulio  Cesare  Croce  verfaßtes  'Capitolo 
di  Cuccagna'  in  57  Terzinen  die  hier  längst  verbreiteten  Volks- 
vorstellungen   zusammen  ;3)   sein  'Trionfo  de'  poltroni'  (Zenatti  p.  63, 


')  Carmina  Burana  ed.  Schindler  p.  254.  J.  Grimm,  Kl.  Schriften 
3,  78  =  Abh.  der  Berliner  Akad.  1843,  2361  führt  Cueania  zurück  auf 
Kuchen  (ahd.  chuocho),  weil  im  Schlaraffenlande  die  Häuser  mit  Kuchen 
und  Fladen  gedeckt  sind;  Diez  und  Littre  denken  an  ein  romanisches 
Stammwort  coca,  couque,  das  gleichfalls  auf  die  lateinische  Wurzel 
coquere  zurückgeht.  Auch  das  'kokänisch  gewant'  imSeifrid  Helbling8, 
v.  738  gehört  hierher. 

3)  Vgl.  Matthaei,    Das  weltliche  Klösterlein    (Diss.   Marburg  1908). 

8)  Nach  einer  Ausgabe  von  1581  abgedruckt  bei  Zenatti,  Storia  di 
Campriano  contadino  1884  p.  55.  LXI:  'Son  stato  nel  paese  di  Cuccagna'; 
Vinetia  1625  (Mones  Anzeiger  7,  406);  Giovannino  il  Tranese  1715  (Giam- 
battista  Basile  2,  84.  1884).  Alessandro  da  Siena,  Historia  nuova  della 
cittä  di  Cuccagua  (vor  1500).  Martin  cieco  da  Lucca,  Trionfo  della 
Cuccagna  (bei  Calmo,  Lettere  1888  p.  400).  Pietro  di  Piccioli,  La  nuova 
Cucagua,  Trevigi  1658  ('L'altro  zorno.  magnando  una  castagna'  .  .  .). 
Vgl.  ferner  Folengo,  Opere  maccheroniche  ed.  Portioli  1,  64.  Calmo, 
Lettere  2,  nr.  31  (1548).  Garzoni,  Piazza  universale  1587  p.  657.  Lippi, 
B  Malmantile  1815  1,  131.  Graf,  Miti  1,  236.  Gueiriui,  Croce  1879  p.  453. 
Novati,  Giornale  storico  della  lett.  ital.  5,  263  und  Lares  2,  167.     Bossi  in 


158.    Das  Märchen  vom  Schlauraffenland.  247 

Str.  7)  beschreibt  den  schon  in  Boccaccios  (Dec.  8,  nr.  3)  Freudenland 
Bengodi  erwähnten  Berg  von  geriebenem  Käse,  auf  dessen  Gipfel 
Maccaroni  und  Klöße  in  einem  großen  Kessel  kochen  und  dann  den 
Berg  hinabrollen: 

El  ghe  se  un  monte  de  formazo  grattao, 

ghe  n'  e  de  dolze  e  ghe  n'  e  de  salao, 

e  a  torno  ghe  se  un  lago  d'  onto  sottil  descolao, 

e  in  cima  un  calderon  ch'  e  molto  ben  fortificao. 

E  tutti  quanti  che  vuol  de'  maccaroni 

vaga  lä  auanti  che  ghe  se  i  so  pironi, 

ch'  e  sempre  apparecchiai  a  posta  lä  per  i  poltroni, 

che  iio  i  e  troppo  caldi,  guanche  freddi,  ma  i  e  boni. 

So  berichtet  auch  der  unter  Basiles  Namen  schreibende  Paler- 
mitaner  Giuseppe  di  Montagna  in  'La  Cuccagna  conquistata'  (1640) 
von  der  alma  cittä  di  Cuccagna: 

Sedi  Cnccagna  suttu  una  montagna 
di  fnrmaggiu  grattatu,  et  havi  in  cima 
di  maccaruni  una  caudara  magna. 

Der  Käseberg  nimmt  auch  auf  einem  öfter  aufgelegten  Bilder- 
bogen 'La  Cuccagna,  descrittione  del  gran  paese  de  Cuccagna,  dove 
che  piu  dorme  piu  guadagna' !)  die  Mitte  ein ;  darunter  sieht  man 
u.  a.  einen  Palast  für  die  Schlafenden  und  ein  Gefängnis  für  die  beim 
Arbeiten  Betroffenen;  die  Faulen  ziehen  mit  ihrem  König  Panigon 
umher.     Dazu  die  Unterschrift: 

Questo  un  paese  d'altro  ch'  Alamagna 
Doue  si  guazza  l'hosteria  pagando, 
Quiui  si  da  buon  tempo  ognun  mangiando 
Senza  dinari,  e  chiamasi  Cuccagna. 


seiner  Ausgabe  von  Calmos  Lettere  1888  p.  398—410.  —  Auch  das 
venezianische  Märchen  von  Utopien,  dessen  Goethe  1795  in  der  ersten 
Epistel  v.  56  gedenkt,  ist  damit  verwandt. 

*)  Einen  Stich  des  16.  Jahrh.  ohne  Namen  (37  :  50  cm)  besitzt  das 
Dresdener  Kupferstichkabinet,  einen  von  'Mathco  Florino  Formis'  ge- 
zeichneten aus  dem  17.  Jahrhundert  die  K.  Bibliothek  zu  Berlin;  ein 
dritter  im  18.  Jahrh.  bei  Carlo  Losi  in  Rom  gedruckter  ist  reproduziert 
bei  E.  van  Heurck  <fc  Boekenoogen,  L'imagerie  populaire  flamande  1910 
p.  641.  Nicht  gesehen  habe  ich  die  Blätter  des  venezianischen  Kupfer- 
stechers Nicolö  Nelli:  II  paese  di  Cucagna  1564,  11  trionfo  di  Carnavale 
nel  paese  di  Cucagna,  La  venerabil  Poltroneria  regina  di  Cucagna  1565. 


248  158.    Das  Märchen  vom  Schlauraffenland. 

Qui  chi  manco  lauorar  piu  guadagDa 
Et  chi  non  e  poltron,  si  li  da  bando 
Qui  senza  alcuno  pensier  si  ua  cantando 
La  Ghirimetta  che  d'amor  si  lagna. 

Qui  producon  da  lor  pagnotte  i  forni, 
Piouendo  pioue  lasagne  et  offelli 
Et  folgorando  cascan  fegatelli. 

Fonti  e  fiumi  di  grechi  et  moscatelli 
Surgon  d'ogni  parate,  e  i  prati  adorni 
Sono  di  torte  frittate  e  friticelli. 

Et  altre  cose  belle, 
Come  uedete  in  questa  geografia 
Fatta  da  un  ser  cotal  detto  Bugia. 

In  Neapel  führte  man  ehedem  am  Donnerstag  vor  Fastnacht 
die  Cuccagna  als  eine  mit  Gänsen,  Würsten  und  andern  Eßwaren 
besetzte  Pyramide  durch  die  Straßen  und  gab  sie  darauf  dem  Volke 
preis1).  —  In  Spanien,  wo  schon  Juan  Ruiz  Erzpriester  von  Hita 
(copla  112  und  331.  Biblioteca  des  autores  esp.  57,  225.  260)  um 
1340  einen  'escolar  goloso  compafiero  de  Cucafia'  erwähnt,  lebt  der 
Name  für  eine  ähnliche  Volksbelustigung,  einen  dem  französischen 
mät  de  Cocagne  entsprechenden  Klettermast  mit  Lebensmitteln,  fort. 
Das  Schlaraffenland  heißt  in  einem  Zwischenspiele  von  Lope  de  Rueda 
(Obras  1,  50.  1895)  und  in  zwei  Romanzen  (Duran  nr.  1347.  1733. 
Depping,  Romancero  castellano  1844  2,  430.  477)  'tierra  de  Jauja', 
neuerdings  auch  'tierra  del  Piripao'. 

In  Deutschland  bietet  schon  das  oben  nr.  138  erwähnte 
Wachtelmäre  V.  50  (Unland,  Schriften  3,  228)  in  der  Schilderung  des 
Landes  Kurrelmurre  schlaraf fische  Züge:  Fladenhäuser,  Wurst- 
zäune, gebratene  Gänse  mit  dem  Messer  im  Schnabel  und  dem 
Pfeffer  im  Nabel,  ins  Maul  fliegende  Schwalben.  Sie  kehren  wieder 
in  den  Lügenreimen  vom  ausreitenden  Backofen  (Zs.  f.  dt.  Alt.  36, 
152  v.  69:  Kuckormürre)  und  in  Geilers  Predigten  über  das  Narren- 
schiff   (Navicula  s.  Speculum    fatuorum   1511    Bl.   Aa.    2b):    'Terram 

*)  Poeschel,  Beiträge  5,  409.  Eine  solche  Lustbarkeit  schildert 
H.  Sachs  1536  in  dem  Gedichte  'Sturm  des  vollen  Bergs'  (1,  5,  543  a  = 
Fabeln  ed.  Goetze  1, 138  nr.  43),  das  Hans  Witzstat  unter  neuem  Titel 'Vom 
Baccho  und  seinen  Gesellen'  (o.  J.  Berlin  Yh  901)  plünderte  und  Fischart 
im  Gargan tua  c.  4  (1891  S.  76.  143)  benutzte;  auch  iu  Wielands  Pervonte 
(Werke  ed.  Hempel  12,  66)  spielt  die  'Kockanje'  eine  Rolle. 


158.    Das  Märchen  vom  Schlauraffenland.  249 

promissionis  ridiculosam  et  fabulosam  (schluraffenland),  ubi  tecta  ex 
laganis  sunt  confecta,  montes  incaseati,  lapides  zuccarei,  fontes  lacte 
et  fluvii  melle  fluentes,  ubi  albi  panes  triticei  in  arboribus  pendent 
cum  phialis  optimo  vino  plenis,  sepesque  ex  farciminibus  texti  et 
assatae  columbae  in  ora  volant  hominum.'  Audi  Hans  Rosenplüt  er- 
wähnt im  'Spruch,  das  alles  in  der  Welt  gut  gehet',  einen  paumen, 
der  trug  [  die  allerpesten  semel  gut  und  clug,  |  der  do  in  einen 
weyer  hing,  |  der  laut  da  mit  milich  ging;  |  darein  viln  die  semein 
herab,  |  ein  loffel  man  yederman  gab,  [  zu  essen  genug  semel  und 
milch.'  Im  Zusammenhang  mit  Brant  redet  1515  die  Quaestio  de 
generibus  ebriosorum  (Zarncke,  Die  deutschen  Universitäten  1,  121. 
1857)  von  'der  preiten  geselschafft,  die  do  schiffen  und  segeln  mit 
halben  wind  versus  Narragoniam,  in  Schlauraffenland,  do  die 
heußer  mit  bratwürsten  gezeunet  und  mit  Honig  bekleibt  und  mit 
fladen  gedeckt  seyn,  da  uns  die  gebraten  tauben  in  die  meuler 
fliegen.'  Durch  denselben  Autor  ist  ein  ungefähr  gleichzeitiger  ge- 
reimter 'Spruch  von  Schlauraffenlanndt'  (aus  der  Wiener  Hs.  3027, 
El.  118b  in  Brants  Narrenschiff  hsg.  von  Zarncke  1854  S.  CXXI1) 
angeregt,  der  sich  im  Eifern  und  Schelten  auf  die  faule  Bruderschaft 
gar  nicht  genug  tun  kann.  Brant  hatte  nämlich  im  108.  Kapitel 
seines  Narrenschiffs  (1494)  den  Namen  Schluraffe  oder  Schluderaffe, 
d.  h.  faules,  träges  Geschöpf,1)  auf  die  gedankenlose  und  üppige 
Rotte  angewendet,  die  zu  Schiff  miteinander  gen  Narragonia  und 
Schluraffenland  fährt,  ohne  doch  diese  Gegend  irgendwie  anschaulich 
zu  machen.  Das  tat  erst  ein  unbekannter  Nürnberger  Meistersänger, 
der  ohne  moralisierende  Zusätze  'ein  abentheurisch  Lied'  im  roten 
Zwingerton2)  abfaßte  und  ähnlich  dem  französischen  Fablei  ein  ab- 
gerundetes, lockendes  Bild  von  jenem  Lande  grenzenlosen  Genusses 
entwarf.  Ihn  benutzte  Hans  Sachs,  der  1530  in  seinem  Schwanke 
'Das  Schlauraff enlandt'  (Folio  1,  5,  544a  =  Fabeln  1,  8  nr.  4.  110 
Verse)  eine  köstliche,  humorvolle  und  mit  gesundem  Gefühle  alle 
grobianischen    und    sexuellen  Unflätereien    seines  Vorgängers   unter- 


')  Über  die  Geschichte  des  Wortes,  das  bereits  1347  als  Familien- 
name erscheint  und  erst  im  17.  Jahrh.  die  Form  Schlaraffe  erhielt,  vgl. 
Grimm,  DWb.  9,  493—498. 

2)  'In  disem  land  kan  ich  nymmer  beleyben',  7  Str.  Fliegendes 
Blatt,  Nürnberg,  Kanegund  Hergotin  o.  J.  (1527-1538).  In  Berlin  Yd 
7821,  18.  Abgedruckt  in  Zarnckes  Brant  S.  455;  Facsimiledruck  von 
Clemen  (Zwickau  1912). 


250  158.    Das  Märchen  vom  Schlauraffenland. 

drückende  Schilderung  gibt.  Drei  Meilen  hinter  Weihnachten  liegt 
das  Land,  zu  dem  man  sich  durch  eine  drei  Meilen  dicke  Hirsebrei- 
mauer hindurchessen  muß;  die  Häuser  sind  mit  Fladen  gedeckt,  aus 
Speck  und  Lebzelten  gefacht,  die  Zäune  aus  Bratwürsten  geflochten, 
aus  den  Brunnen  rinnt  Malvasier,  auf  den  Weidenbäumen  an  den 
Milchbächen  reifen  Semmeln,  den  Hungrigen  schwimmen  gesottene 
Fische  zu  oder  fliegen  gebratene  Tauben  in  den  Mund,  Bauern 
wachsen  auf  Bäumen,  unter  denen  schon  Stiefel  für  sie  bereitstehen, 
Pferde  legen  Eier,  Esel  Feigen;  die  Greise  erquickt  ein  Bad  im 
Jungbrunnen,  die  Schläfer  erhalten  stundenweise  Bezahlung,  den 
Faulsten  macht  man  zum  König ;  doch  vernünftige,  arbeitsame  und 
ehrbare  Gesellen  werden  ausgewiesen.  Hans  Sachsens  trefflicher 
Schwank  verbreitete  sich  rasch  in  Einzeldrucken  und  Bilderbogen 
bis  nach  den  Niederlanden ;  in  nächster  Verwandtschaft  zu  ihm 
stehn  zwei  Fassungen  eines  Liedes  im  Lindenschmidston.1)  Ihn 
zitiert  Fischart  im  Gargantua  c.  6  (1891  S.  143):  'In  dem  Land  kan 
ich  nicht  meh  bleiben,  der  Lufft  thut  mich  in  Schlauraffen  treiben, 
drey  Meil  hinter  Weihenacht,  da  seind  die  Lebkuchen  wand,  Schweine- 
pratentröm,  Malvasirpronnen,  Bachschnittbach,  Bachfischbäch,  Eyer  im 
Schmaltz  für  Hartz,  da  die  Taubenschlagmäuler  gepraten  Wachteln 
fangen,  da  der  Milchramregen,  der  Zuckererbsenhagel,  der  Speisold 
und  Schlaflon  regieret;  o  der  Pratwürstzäun,  Honiggips,  Fladen- 
dächer!' Und  schon  Luther  führt  1533  und  1537  'das  ertichtet 
Jüngelbad  im  Schlauraffenland'  an  (Werke,  Weimarer  Ausg.  38,  150. 
45,  172).  Ein  1551  in  München  von  der  Kanzel  herab  verkündetes 
Ostermärlein  (Historisch-politische  Blätter  4,  375.  1839)  berichtet  von 
törichten  Leuten,  die  auf  Krebsen  nach  Jerusalem  reiten  wollen : 
'Oho,    dacht  ich,    so  kam  ich  lestlich  in  das  schlaurafferlandt.'     Von 


*)  'Nun  höret  zu  und  schweiget  still',  37  Str.  mit  Einleitung:  'Ein 
Land  das  ist  mir  wohlbekannt',  4  Bl.  o.  J.  (Berlin  Ye  481)  =  Hoffmaun 
v.  F.,  Altdeutsche  Blätter  1,  168.  —  'Nun  höret  zu  und  schweiget  still', 
34  Str.  Gedruckt  1611  (Zürich)  =  Wackernagel,  Zs.  f.  dt.  Alt.  2,  464  = 
Mittler,  Volkslieder  1855  nr.  1334  =  Simrock,  Kinderbuch3  nr.  1023  = 
Böhme,  Ad.  Liederbuch  nr.  278  a  =  Erk-Böhme,  Liederhort  3,  40  nr.  1096. 
—  Vgl.  dazu  Stiefel,  Hans  Sachs-Forschungen  1894  S.  37 — 52  und  Kochs 
Studien  zur  vgl.  Litgesch.  2,  154;  Bolte,  Zs.  f.  Volkskunde  20,  189.  — 
Auf  dem  ersten  der  beiden  Lieder  beruht  Bechstein,  Märchenbuch  1845 
S.  189  =  1874  S.  173  'Vom  Schlaraffenland'  =  Tewaag  1888  S.  83. 
L.  Fulda,  Schlaraffenland,  Märchenschwank  in  drei  Aufzügen,  1900. 


15S.    Das  Märchen,  vom  Schlauraffenland.  251 

den  zahlreichen  Zeugnissen  der  folgenden  Zeit1)  sei  nur  das  Mandat 
des  Königs  von  Schlauraffenlandt  auf  einem  Nürnberger  Bilderbogen 
des  17.  Jahrh.  (Diederichs,  Deutsches  Leben  der  Vergangenheit  in 
Bildern  2,  nr.  1115.  Zs.  f.  Volksk.  20,  191),  der  New  außgebildete 
Auffschneider  (Nürnberg  bey  Paulus  Fürsten.  Zs.  f.  Volksk.  20,  193), 
das  Gespräch  zwener  lustiger  Welt-Brüder  1750  S.  113,  sowie  das 
schlesische  Lügenlied  über  das  Schnädäffland  (Peter,  Volkstümliches 
1,  73  nr.  198,  9 — 20)  angeführt.  —  Während  in  dem  Liede  bei  Erk- 
Böhme  nr.  1096  Str.  2  der  Berg,  durch  den  sich  jeder  zum  Schla- 
raffenland Reisende  durchbeißen  muß,  wie  im  mittelenglischen  'Poem 
of  Cocaygne'  aus  Dreck  besteht,  folgt  S.  v.  Birken  in  Androfilo  und 
Sylvia  1656  S.  72  der  appetitlicheren  Version  des  Hans  Sachs  von 
der  Hirsebreimauer;  Tewes  berichtet  dort:  'Ich  habe  mich  drey 
Meilen  durch  den  Heidelbrey  ins  Schlauraffenland  durchgefressen.' 
Bei  Arndt,  Märchen  1818  1,  75  springt  Klas  Avenstaken  in  den 
Pfannkuchenberg  und  ißt  so  lange,  bis  er  wieder  herauskommt.  In 
Osterreich  wird  erzählt,  daß  man  durch  einen  ungeheuer  langen 
Darm  schliefen  müsse;  wer  stecken  bleibt,  ist  verloren;  wer  aber 
glücklich  und  standhaft  sich  durcharbeiten  kann,  wird  in  ein  Land 
kommen,  wo  es  nichts  als  Wohlleben  und  gute  Tage  gibt  (Höfer, 
Wörterbuch  der  österr.  Mundart  1815  3,  92). 

In  den  Niederlanden  erwuchs  aus  der  Dichtung  des  Hans 
Sachs  eine  breite  Prosaübersetzung  'Van't  Luye  lecker  landt',2)  und 
zwar  'int  Jaer  doemen  schreef  du}rsent  Zuycker  koecken,  vijf  hondert 
Ej'er  vladen,  ende  ses  en  veertich  gebraden  Hoenderen,  inde  Wijn 
maendt,  doen  de  Pasteyen  wel  smaeckten',  d.  h.  im  Jahre  1546, 
später  auch  eine  metrische  Wiedergabe  auf  einem  Amsterdamer 
Bilderbogen3),  dessen  Holzschnitt  der  Nürnberger  Illustration  des 
deutschen  Schwankes  unverkennbar  nachfolgt:  'Lustig,  Rinderen,  nu 
met  hoopen  door  den  Bry-Berg  heen  gekroopen'  (100  Verse).  Ein 
auf  Peter  Bruegels  Bild  von  1567  zurückgehender  Stich  dagegen 
enthält  drei  unter  einem  Baum  liegende  Schläfer,  einen  Geistlichen, 
einen  Bauer  und  einen  Ritter;  dazu  die  Unterschrift: 


*)  Vgl.  Glimm,  DWb.  9,  493;    Müller-Fraureuth,  Lügendichtungen 
1881  S.  96;  Bolte,  Zs.  f.  Volksk.  20,  192. 

2)  Gedruckt    in    'Veelderhande    geneuclüicke    dichten'    (Antwerpen 
1600;  Neudruck  Leiden  1899)  Bl.  F8a  =  Zs.  f.  dt.  Altert.  36,  297. 

3)  E.  van  Heurck    et  Boekenoogen,    Hist.    de    l'imagerie    populaire 
fiamande  1910  p.  129;  vgl.  Zs.  f.  Volksk.  20,  190. 


252  1B8.    Das  Märchen  -vom  Schlauraffenland. 

Dier  daer  luy  en  lecker  syfc,  boer,  crisman  oft  elercken, 
Die  gheraeckfc  daerin,  smaekt  ciaer  van  als  sonder  weicken, 
Die  tuijnen  zijn  worsten,  die  huijsen  met  vlaijen, 
Cappuijnen  en  kieckens  t'vliechter  al  ghebraijen. 

Auf    einem    andern    Amsterdamer    Bilderbogen    des  17.  Jahrh.    sind 
die    Freuden    des    Luilekkerlandes,    unter    denen    auch    das    Tabak- 
rauchen erscheint,  auf  acht  kleinere  Holzschnitte  verteilt :  'Van  alles 
kunt  gij  hier  krijgen,    rijdende   valt   uw  t  geld  te  moet,    Men  hoeft 
het  niet  te  verzwijgen,    alles  komt  uw  te  gemoet'.      Ebenso    enthält 
ein  um  1850  zu  Turnhout  gedruckter  Bogen  'Luilekkerland,  Pays  de 
Cocagne'  zwanzig  Einzelbilder,  nur  in  erheblich  roherer  Ausführung, 
mit  gereimten  Unterschriften. x)     Ein  Lied    des  17.  Jahrh.  vom  Luy- 
Lekker-Land  :3)    'My    lust  van  hier   te  varen  na  een  ri,  ri,  ri,  rijcke 
kust'  (5  Str.)    folgt    wie    die    bei   Harrebomee  3,  235    verzeichneten 
Sprichwörter    der    Überlieferung,    während    ein    neueres    vlämisches 
Handwerkerlied    'Sa,  wevers  met  g'heel  hoopen'  (5  Str.)  bei  Lootens 
et  Feys,  Chants  populaires  flamands  1879  p.  181  ein  weit  bescheideneres 
Wunschland    (Het  weeldig    land)    ausmalt:    die    Geneverflasche,    die 
man    vor    die  Tür  stellt,    regnet  voll;    auf  der  Kegelbahn  steht  eine 
Weißbiertonne  mit  goldenem  Hahn ;  den  Heiratslustigen  schenkt  der 
Pfarrer  die  Aussteuer,  und  der  Küster  richtet  ihnen  die  Hochzeit  aus. 
—    In    Dänemark    führt    das    Schlaraffenland    den    Namen    Over- 
daadighedsverden,     in    Schweden    Lättingarsland,    in    England 
Lubberland,      doch     sind     uns     besondre    Märchen     darüber     nicht 
bekannt      geworden.       In     Polen      weist     Podworzecki      (Wrozki, 
Krakau     1589;     bei    Adelberg,     Ksie_ga     przyslow    S.    77)    auf    die 
goldene  Zeit  hin:    'Schon    sind    nicht    mehr  jene  Jahre,  da  man  aus 
Würsten    Zäune   flocht,    die    Häuser    mit    Speckseiten    und    Klößen 
deckte  und  in  den  Strömen  Met  und  Honig  floß.'     Ähnlich   Cnapius 
(1632;  nach  Wurzbach,  Historische  Sprichwörter  der  Polen  S.  251): 
'Wo  sind  die  Zeiten  hin,  da  die  Würste  auf  der  Welt  herumflogen !' 
Kaschubisch:  Lorentz,  Teksty  S.  86  nr.  124  (das  Schlaraffenland 
genannte  Königreich  wird  beschrieben).     Finnisch:  Aarnes  Register 


1)  L.  Maeterlinck,  Le  genre  satirique  dans  la  peinture  flatnande  1907 
p.  313.  Jahrbuch  der  kunsthistor.  Sammlungen  des  österr.  Kaiserhauses 
25,  125.  E.  van  Heurck  p.  458  und  128.  Heidrich,  Altniederländische 
Malerei  nr.  176.  Zs.  f.  Vk.  25,  299  nr.  1  und  63. 

2)  D'Enchuyser  Yboeken  p.  132.  Groot  Hoorns  Liede-Boeck  2,  284 
=  Kalff,  Het.  lied  in  de  middeleeuwen  1884  p.  490. 


158.    Das  Märchen  vom  Scblauraffenland.  253 

nr.    1930.      Chinesisch:     St.    Julien,     Avadänas    2,    120    nr.    112 
'L'homme  d'un  caractere  rare'  =  Schnell  1903  S.  172. 

In  einem  cechischen  Märchen  aus  Nordostmähren  bei  Tille 
S.  150  nr.  51  weiß  ein  Priester  seiner  Gemeinde  so  anschaulich  zu 
schildern,  wie  schön  sie  es  einst  im  Himmel  haben  wird,  daß  die 
Bauern  ihn  sogleich  zum  Pfarrer  wählen.  Solch  schlaraffische  Züge 
trägt  ein  derbes  bayrisches  Lied  des  18.  Jahrh.  vom  Bauern- 
himmel  'Wir  gnießen  die  himmlischen  Freuden',  das  der 
Augustinerpater  Marcellin  Sturm  um  1780  mit  dem  Anfange  'Nach 
Kreuz  und  ausgestandnen  Leiden'  umformte.1)  Da  wachsen  im 
himmlischen  Garten  Spargel,  Fisolen,  Äpfel,  Birnen  und  Trauben, 
Rehböcke  und  Hasen  laufen  von  selber  zur  Küche,  Sankt  Lukas 
schlachtet  den  Ochsen,  Martha  kocht,  die  Engel  backen  Brot,  Lau- 
rentius  röstet  Leberwürste,  Martin  bringt  ein  gebratenes  Gänslein, 
Petrus  fischt  zum  Fasttage  Karpfen,  Hechte  und  Forellen,  der  Wein 
fließt  reichlich,  Cäcilia  spielt  mit  ihrem  Chor  auf,  nach  Tisch  geht 
man  zum  Scheibenschießen  und  Kegelschieben.  Gegenüber  dieser 
übermütigen  und  üppigen  Verweltlichung  der  Seligkeit  im  Paradiese 
klingt  eine  in  Schlesien  und  Böhmen  heimische  Schilderung  des 
Jenseits  rührend  bescheiden.2)  Die  auf  Erden  von  der  Sorge  ums 
tägliche  Brot  und  von  der  Furcht  vor  Amtmann,  Gendarm  und 
Kaplan  geplagten  armen  Leute  freuen  sich  auf  den  Ort,  wo  es  keine 
Robot  und  keine  Steuern  gibt: 


!)  Erk-Böhme,  Liederhort  nr.  1765  (Nicolai  1778  2,  nr.  19.  Arnim- 
Brentano  1,  365.  Erk  2,  3,  12  nr.  9.  Pröhle  nr.  123.  Alsatia  1853,  208 
=  Mittler  nr.  1321.  Schmitz  1,  136).  Sturms  Umdichtung  ebd.  nr. 
1764  (Walter  nr.  137.  Kretzschmer  1,  279  nr.  157.  2,  628  nr.  347. 
Norrenberg  nr.  80.  J.  Meier,  Kunstlieder  im  Volksmund  1906  nr.  231). 
Ähnlich:  '0  wie  gehts  im  Himmel  zu'  (Arnim-Brentano  2,  403;  dazu 
Bode  1909  S.  261.  Zs.  f.  Volksk.  5,  362.  Mittler  nr.  1322.  Kretzschmer 
2,  583  nr.  322.  Erk  3,  1,  56  nr.  53.  Ditfurth  2,  293  nr.  388.  Münsterische 
Geschichten  S.  214.  Simrock  nr.  340.  Gassmann  1906  nr.  112).  — 
Ein  bayrisches  Lied  des  17.  Jahrh.  vom  Bauer  im  Himmel  (Bolte,  Der 
Bauer  im  dt.  Liede  1890  nr.  29)  enthält  noch  keine  zusammenhängende 
Schilderung. 

2)  Hoffmann  v.  F.,  Schlesische  Volkslieder  nr.  269.  Erk-Böhme 
nr.  1763.  Amft  nr.  164,  Meinert  S.  99.  Firmenich  2,  361.  Mittler  nr. 
1323—25.  Peter  1,  334.  Hruschka-Toischer  S.  260  nr.  289  mit  Anm. 
S.  514.     Zs.  f.  öst.  Volksk.  14,  190. 


254  158.    Das  Märchen  vom  Schlauraffenland. 

Wenn  ber  warn  ei  Himmel  kumma, 

Hot  die  Plog  an  End  genumma. 

Ei  dam  Himmel  is  a  Laba, 

Nischt  zu  frassa  ols  Kucha  und  Baba  (Napfkuchen). 

Laberwürsta,  Zwiebelfischa 

Hot  ma  täglich  ufern  Tiseha. 

Das  Doppelbier  wird  nie  sauer,  Knastertabak  kann  man  rauchen  wie 
die  großen  Herren,  die  Weiber  können  Kaffee  trinken,  soviel  sie 
wollen,  Sonntags  gibts  im  Kretscham  Musik  und  Tanz. 

Is  dos  nich  a   hübsches  Laba? 
Wenns  doch  Gott  bal  weide  gaba! 
Drüm  laßt  uns  die  Gebota  hala, 
Doß  ber  s  Türla  nich  verfahla! 

Auch  der  Soldatenhimmel  wird  in  einem  hessischen  Liede 
(Zs.  f.  Volkskunde  21,  407)  ähnlich  beschrieben. 

Unser  Märchen  will  indes  kein  erträumtes  Wunschland  mühe- 
losen Genusses  schildern,  sondern  durch  Aufzählung  unerhörter, 
unsinniger  Dinge  aus  einer  verkehrten  Welt,  die  der  Erzähler 
selber  geschaut  zu  haben  behauptet,  ergötzen.  Es  stellt  sich  also 
dem  Lügenmärchen  vom  himmlischen  Dreschflegel  (oben  2,  506 
nr.  112)  und  dem  ditmarsischen  Liede  (nr.  159)  an  die  Seite.  Schon 
in  einem  lateinischen  Gedichte  des  849  verstorbenen  Reichenauer 
Abtes  Walafrid  Strabo  (Dümmler,  Poetae  aevi  Carolini  2,  392  nr.  41 
'Similitudo  impossibilium'.  Unland,  Schriften  3,  319)  werden 
unmögliche  Aufgaben  gestellt,  wie  sie  später  auch  der  Tannhäuser 
und  Boppe  (MSH.  2,  91b.  385b)  als  Forderungen  der  Geliebten 
erwähnen.  Im  13.  Jahrhundert  versuchen  sich  Reinmar  der  Alte 
(MSH.  1,  197b  nr.  53)  und  Reinmar  von  Zweter  (MSH.  2,  206a 
nr.  161.  162.  Roethe  1887  S.  490.  608)  in  der  Aufzählung  unglaublicher 
Dinge,  ebenso  der  Manier  (MSH.  2,  245  nr.  12.  Strauch  1876  S.  166) 
und  manche  Namenlose:  der  Lügensere  (Zs.  f.  dt.  Alt.  2,  560.  v.  d. 
Hagens  Germania  8,  308) ;  Luderei  (Laßberg,  Liedersaal  2,  385.  Pfeiffer, 
Ad.  Übungsbuch  1866  S.  158);  Euling,  Wolfenb.  Hs.  1908  S.  86; 
Wachtelmäre  (Wackernagel,  Lesebuch  l5,  1149);  Suchen vvirts  Gedichte 
ed.  Primisser  1827  S.  148;  Meisterlieder  der  Kolmarer  Hs.  ed.  Bartsch 
1862  S.  394.  432.  518;  der  Windbeutel  (Keller,  Erzählungen  aus  ad.  Hss. 
1855  S.  490);  von  den  russin  leuten  (ebd.  S.  487);  der  Backofen  (Zs. 
f.  dt.  Alt.  36,  150);  Fastnachtspiele  aus  dem  15.  Jahrh.  ed.  Keller  1,  93; 


158.    Das  Märchen  vom  Schlau  raff  enland,  255 

Frankfurter  Liederbüchlein  1582  (ed.  Bergmann  1845)  nr.  140  'Von 
einem  Schlüsselkorb'  und  141  =  Zs.  f.  dt.  Alt.  2,  563  =  Mittler 
nr.  1319;  'Das  new  Schlauraffenland'  (flieg.  Blatt  in  Frankfurt  a.  M.) 
bei  Ubland,  Volkslieder  nr.  241  =  Böhme,  Ad.  Liederbuck  nr.  278b 
=  Mittler  nr.  1318;  Chr.  Weise,  Überflüssige  Gedanken  1673  7,  9 
=  Bergliederbüchlein  nr.  3 — 4  (Kopp,  Ältere  Liedersammlungen  1906 
S.  11)  =  Erk-ßöhme  nr.  1108;  ferner  die  unten  zu  nr.  159 
angeführten  Varianten.  Hans  Sachs,  Schwanke  1,  113  nr.  35  verlegt 
'der  alten  Weib  Roßmarkt'  ins  Schlaui-affenland.  Luther  in  Cordatus 
Tagebuch  1885  S.  152  nr.  639  (==  Tischreden  ed.  Förstemann  1, 
199:  Milchbäche,  Semmelbäume)  und  S.  378  nr.  1428  (Schlauraffen- 
land). Brentano,  Schriften  5,  455.  —  Bei  Wyß,  Schweizer 
Kuhreihen  1818  S.  77  nr.  47  =  Greyerz,  Im  Röseligarte  3, 
66  (1910)  kommt  der  Floh  ins  Schlaraffenland  ;  die  Kühe  gehn 
auf  Stelzen,  die  Geißen  haben  Stiefel  angelegt,  der  Esel 
tanzt  auf  einem  Seil,  die  Bauern  haben  ihre  Weiber  feil  von 
Weihnachten  bis  Mai,  die  Kühe  fliegen  ins  Storchnest  und  brüten 
die  Eier;  es  war  ein  heißer  Sommer,  alles  ist  erfroren.  Stuhl  und 
Bänke  schlagen  sich,  der  Schrank  schreit  mörderlich,  der  Ofen 
spricht  zur  Türe :  'Wären  wir  draußen !'  Ähnlich  nach  einem 
fliegenden  Blatte  des  18.  Jahrh.  bei  Eric-Böhme  nr.  1097  'Schnudelputz- 
Hausstand'  (12  Str.)  und  nr.  1098  'Schnützelputz-Häusel'  (Frankfurter 
gelehrte  Anzeigen  1776,  120.  Büsching  u.  v.  d.  Hagen  1807  nr.  23. 
Erk  2,  1,  54  nr.  45.  Kretzschmer-Zuccalmaglio  1,  213  nr.  122.  Mittler 
nr.  1317).  Ein  Solothurner  Lügenlied,  das  mehrfach  an  unser 
Märchen  anklingt,  bei  Wackernagel,  Deutsches  Lesebuch  2,  IX 
(1836)  =  Mittler  nr.  1315  =  Erk-Böhme  nr.  1101  =  Tobler, 
Schweizerische  Volkslieder  2,  191  (1884).  Aus  dem  Kuhländehen  bei 
Meinert,  Der  Fylgie  1,  282  (1817)  =  Mittler  nr.  1316.  Frommanns 
Dt.  Mundarten  5,  417.  Ginsburg  und  Marek,  Jüdische  Volkslieder 
in  Rußland  1901  nr.  131.  —  Einen  ganzen  Lügenroman  in  Prosa 
enthält  das  um  1560  zu  Straßburg  erschienene  Volksbuch  vom 
Finkenritter  (hsg.  von  ßolte,  Zwickau  1913),  dessen  Fischart  mehrmals 
gedenkt.  Im  Bienenkorb  1579  Bl.  200b  heißt  es:  'Zur  Zeit  da  die 
Häuser  flogen,  die  Thier  redten,  die  Bach  branten  und  man  mit  Stro 
lescht,  die  Bauren  boln,  die  Hund  mit  Spießen  heraußloffen,  nemlich 
zur  Zeit  des  strengen  Finckenritters.'  Durch  die  vierte  Tagreise 
dieses  Helden  ist  das  Lügenmärchen  des  Trebbiner  Stadtschreibers 
Bartholomäus  Krüger    im  35.  Kapitel  von  Hans  Ciawerts  wercklichen 


256  158.    Das  Märchen  vom  Schi aur äff enland. 

Historien  (1587.  Neudruck  1882  S.  66)  angeregt.1)  Nach  mecklen- 
burgischer Volkssage  (Wossidlo  2,  404)  bringt  der  Storch,  dem  man 
ein  Messingschild  mit  einem  Gruß  an  die  Leute  umgehängt  hat,  bei 
denen  er  den  Winter  zubringt,  die  Antwort  zurück :  Wir  wohnen  in 
Schlaraffenland,  Deutschland  und  Holland  ist  nicht  bekannt. 

Noch  fügen  wir  ein  hierher  gehöriges  Märchen  aus  dem 
Paderbörnischen  (vor  1822)  an,  dessen  Eingang  an  das  Erd- 
männeken (oben  nr.  91)  erinnert:  Ick  gink  mol  spatzeiern,  da  kam 
ick  in  grauten  Wald;  do  entmode  mie  (begegnete  mir)  so  en  graut 
Dinges,  dat  hadde  so  en  langen,  langen  Stert,  de  schlörde  wall  tegen 
Ellen  da  hinner  her.  Da  was  ick  so  wellmök  (mutwillig)  un  pecke 
an  den  dicken  Tost  Höre  un  leit  der  mie  so  hinnerher  schlüren. 
Dat  dürde  nig  lange,  da  keimen  wie  an  en  graut  Schlot,  da  gink 
dat  Dinges  herinner;  ick  seg  nie  (nicht)  mol,  wo  et  bleif,  et  gink  dür 
so  vele  Zimmers  un  schlürde  mick  in  olle  Ecken  herümer,  dat  olle 
de  Brudlacken  (Spinngewebe)  an  mie  sitten  bleiwen.  Up  einmal 
bleif  ick  in  eine  Ecke  hangen,  un  ose  ick  tosach,  do  hadde  ick  en 
grauten  Tost  Höre  in  de  Hand,  de  hadde  ick  den  Dinges  utritten. 
Da  leh  ick  sei  so  gigen  mie  un  bleif  do  sitten,  un  de  Dören  wören 
up  einmol  olle  ümme  mick  tau,  un  ick  wüste  nie,  wo  dat  Ding 
bliefwen  was.  Up  einmol  stund  do  so'n  klein  Männeken  für  mie, 
dat  segde :  'Guden  Obend.'  Da  seh  ick:  'Grauten  Dank.'  'Worümme 
küm  gi  hier  her?'  Ick  seh:  'Für  min  Piaseier.'  Da  seh  dat 
Männeken:  'Wat  he  gi  anrichtet!  Gi  hewet  usen  Heren  de  Macht 
benumen.'  'Ick  ?'  seh  ick,  'et  wulle  gor  nie  nohegiewen,  da  hewe  ick 
en  betten  von  Schwanz  utrieten.'  'Dat  wert  mol  en  Unglücke 
beduen ;  et  liegt  do  un  randeirt  (ringt)  mit  den  Liewen,  et  wille 
olle  Eingerlank  verrecken.'  'Wat  schert  mie  den  dat!  Ick  wull 
ment,  dat  ick  ut  dusen  Dinges  weder  heruter  würe.'  Da  seh  dat 
Männeken :  'Ick  sin  Künig  von  16  Twergen.  Wat  gifst  du  mie, 
wenn  ick  die  wedder  herut  bringen  lote  ?  Sei  sind  olle  up  Scholen 
west  un  hewet  olles  dur  studeiert.'  Da  seh  ick :  'Mine  Möhme  hat 
ne  Koh,  un  ick  hewe  ne  Siee  (Ziege);  eint  von  den  Deilen  salst  du 
hewen.'  Da  gingen  acht  Twerge  mit  mie;  ose  wie  für  de  Döre  keimen, 
da  lag  do  en  grauten  Hund;    do  macken  sei  en  Stock   von    Höpper- 


*)  Vgl.  über  deutsche  Lügenlieder  und  Lügenmärchen  Unland, 
Schriften  3,  223  und  Müller-Fraureuth,  Lügendichtungen  1881  S.  12.  89 ; 
über  die  Schwanke  von  der  verkehrten  Welt  auch  Bolte,  Zs.  f.  Volks- 
kunde 15,  158.  17,  425. 


158.    Das  Märchen  vom  Schlauraffenland.  257 

tänen  (Froschzähnen),  da  schlögen  sei  em  einmol  up  de  Schnute,  dat 
hei  wit  trüge  stauf  (zurück  stob,  fuhr).  Da  gingen  wie  ne  ganze 
Ecke  Wegs,  da  keimen  wie  an  en  graut  Water,  da  mackten  de 
Twerge  en  Seil,  un  dat  was  macket  von  Frugenbart  (Frauenbart)  un 
Fischhare, *)  un  da  tröken  sei  mie  mit  heröwer.  Da  gingen  wie 
olltied  dür  den  grauten  Wald,  un  sei  wüsten  ackrot  (accurat),  wo 
ick  mit  den  Dinges  her  scklürt  was.  Up  den  sülvigen  Weg  was 
ick  bis  für  meiner  Möhme  Dör,  da  vertellde  ick  ur,  wo  ick  west 
was.  Da  gaf  sei  mie  de  Siee,  da  sette  ick  de  Twerge  na  de  Rige 
up,  de  grötesten  eist  bis  to  lest  den  klenesten,  do  Seiten  sei  na  der 
Rige  ose  Orgelpipen;  un  da  gaf  ick  der  Siee  en  Schub,  dat  sei  da 
binnen  hönne  stauf,    un  ick  hewe  sei  min  Levvedage  nie  wier  seien. 

Lustige  Reisebeschreibungen  enthalten  mehrere  'Nachtsprüche' 
im  Schweiz.  Archiv  f.  Volkskunde  18,  135 — 145.  Lügenmärchen  aus 
Schwaben  bei  Meier  nr.  76;  aus  dem  Odenwald  bei  Wolf,  Haus- 
märchen S.  422;  aus  Norddeutschland  bei  Pröhle,  M.  für  die  Jugend 
S.  163  nr.  40  'Die  Länder  Knötchenbach,  Kuhreibtsich,  Katzeu- 
klapperich  und  Lamm fälltsich';  aus  Siebenbürgen  bei  Haltrich4  nr.  57. 

Übereinstimmung  mit  deutschen  Lügenliedern  zeigen  mehrere 
modernisierte  niederländische  Stücke  des  18.  Jahrh. :  'De 
droomende  Reysiger'  (Apollo's  St.  Nikiaasgift,  um  1740,  S.  52.  De 
Mars-drager  of  nieuwe  Tover-lantaren  1754  S.  91.  Berlin  Zf.  7569, 
1,  nr.  4);  'De  zingende  Reyziger  op  een  esel  sonder  staert'  (De 
nieuwe  Amsterdamse  Mercurius  1743  S.  3  =  Scheltema,  Nederlandsche 
Liederen  1885  S.  252.  De  Schiedamsche  Molenaer  1729  S.  17); 
'Van  de  groote  Man'  (De  roemruytige  Haagsche  Faam  1721  S.  16); 
Bols,  Oude  vlaamsche  Liederen  1897  nr.  79.  80 ;  Nederlandsch  Museum 
1889,  279;  Kalff,  Het  Lied  1884  p.  487;  J.  van  Vloten,  Nederl. 
Baker-  en  Kinderrijmen  1894  p.  151.  —  Dänisch:  Nyerup- 
Rasmussen.  Udvalg  af  danske  Viser  1821  2,  91  nr.  36  'Quodlibet'. 
Grundtvig,  Minder  2,  147.  Skattegraveren  2,  161.  212.  Kristensen, 
Skjsemteviser  1901  S.  252  nr.  84.  Kristensen,  Börnerim  1896  S.  412. 
Kristensen,  Molbohistorier  1892  S.  162.  —  Schwedisch:  Arwidsson, 
Sv.  fornsänger  3,  131  nr.  53  'Den  förvända  werlden'.  3,  136  nr.  55 
'Den  bakvända  visa'.  —  Norwegisch:  Landstad,  Norske  folkeviser 
S.  833.  Moe  og  Mortensen,  Fornkvsedi  1877  S.  33.  —  Französisch: 
E.  Du  Meril,   Etudes  1862  p.  452  (fatrasies).     Arnaudin,  Chants  pop. 


J)  Vgl.  das  Seil  aus  Spreu  oben  2,  513. 
Grimm,  Märchen  -Anmerkungen  III.  17 


258  159.    Das  Ditmarsische  Lügenmärchen. 

de  la  Grande-Lande  1,  333.  338  (1912).  —  Polnisch:  Tetzner,  Die 
Slawen  in  Deutschland  1902  S.  49G.  —  K  asch  u bisch :  Tetzner 
S.  467  =  Urquell  n.  F.  1,  176.  —  Magyarisch:  Stier- Gaal 
1857  S.  193  nr.  18. 


läse  s.  m        159.    Das  Ditmarsische  Lügenmärchen. 

1815  nr.  68  —  1819  nr.  159.  Nach  dem  niederdeutschen 
Liede  des  16.  Jahrh.  bei  Vieth,  Beschreibung  des  Landes 
Dithmarschen  1733  S.  111  =  J.  Adolfi  Neocorus,  Chronik  des  Landes 
Dithmarschen  1827  2,  568  =  Färoeischer  Robinson  1756  S.  349  = 
Müllenhoff,  Schleswig-Holstein  S.  474  =  Unland,  Volkslieder  1844 
nr.  240a  =  Mittler,  Volkslieder  1854  nr.  1308  ==  Erk- Böhme, 
Liederhort  2,  46  nr.  1103;  hochdeutsch  bei  Simrock,  Kinderbuch3 
nr.  1025  und  Böhme,  Kinderlied  1897  S.  258.  Vgl.  Müller-Fraureuth, 
Lügendichtungen  1881  S.  95,  Anm.  37.  Ein  Mißverständnis  ist  es, 
wenn  'se  segelten  by  groten  hupen'  wiedergegeben  wird:  'Etliche 
schifften  über  große  Äcker  hin'  statt  'haufenweise'  (Hamann  1906  S.  56). 

Eine  hochdeutsche  Fassung  von  12  Strophen  enthält  das 
Bergliederbüchlein  nr.  113  (Kopp,  Ältere  Liedersammlungen  1906 
S.  82)  =  Unland  nr.  240b  =  Mittler  nr.  1309  =■-  Böhme,  Ad. 
Liederbuch  nr.  277a  =  Erk-Böhme  nr.  1104.  Ähnlich  aus  Pommern 
bei  Erk-Irmer,  Volkslieder  1,  2,  38  nr.  39  =  Mittler  nr.  1311  = 
Erk-Böhme  nr.  1105.  Nach  einem  fliegenden  Blatte  des  18.  Jahrh. 
bei  Büsching  und  v.  d.  Hagen,  Volkslieder  1807  S.  262  =  Mittler 
nr.  1312  =  Erk-Böhme  nr.  1106.  Desgleichen  bei  Kretzschmer- 
Zuccalmaglio,  Volkslieder  1840  1,  207  nr.  118  —  Mittler  nr.  1310. 
Walter,  Volkslieder  1841  nr.  139  (9  Str.)  Adamek,  Volkslieder  aus 
dem  Netzegau  1913  nr.  97  (2  Str.)  Weckerlin,  Chansons  pop.  de 
l'Alsace  1883  2,  312  =  Erk-Böhme  nr.  1107.  E.  M.  Arndt,  Märchen 
1902  (zuerst  1843)  2,  355. 

Über  die  Hasenjagd  des  Blinden,  Stummen  und  Lahmen  vgl. 
oben  S.  116;  über  die  verwandten  Lügenmärchen  oben  S.  254. 
Zum  Schluß  vgl.  das  französische  Sprichwort  aus  der  Normandie  bei 
E.  Du  Meril,  Etudes  1862  p.  453:  'Ouvrez  la  fenetre.  que  les 
mensone.es  s'en  aillent.' 


160.  Rätselmärchen.  —  161.  Sclineeweißchen  und  Rosenrot.        259 


160.   Rätselmärchen.  isso  s.  2*2. 

1815  nr.  69  =  1819  nr.  160.  Aus  einem  Volksbuch  mit 
Rätseln,  das  Jacob  Grimm  am  2.  Februar  1814  zu  Mümpelgart 
gekauft  hatte  (Briefwechsel  aus  der  Jugendzeit  1881  S.  238).  Auch 
in  dem  um  1505  gedruckten  Straßburger  Rätselbuch  ed.  Rutsch  1876 
S.  29  nr.  29  und  in  der  Augsburger  Sammlung  ed.  Wackernagel, 
Zs.  f.  dtsch.  Altertum  3,  34.  Chudjakov  erwähnt  das  Märchen  in  der 
Einleitung  seiner  Sammlung  großrussischer  Rätsel  S.  20,  doch  ohne 
Seitenstücke  anzuführen. 

Die  Verwandlung  in  Blumen  auf  dem  Felde  kommt  auch 
im  Liebsten  Roland  (1,  501)  vor  (vgl.  auch  2,  125),  und  die  Auflösung 
hier  erinnert  an  die  Bienenkönigin,  die  den  Honigmund  herausfindet 
(2,  28).     Aarne,  Register  nr.  407. 

Ein  andres  Rätselmärchen  oben  1,  188,  wieder  andre  bei 
Wossidlo,  Mecklenburgische  Volksüberlieferungen  1,  191  —  255  und 
R.  Köhler  1,  350  'Das  Rätselmärchen  von  dem  ermordeten  Geliebten'. 


161.    Schneeweißchen  und  Rosenrot,  rasest. 

1837  nr.  161.  —  Nach  Karoline  Stahl,  Fabeln,  Märchen  und 
Erzählungen  für  Kinder  (Nürnberg  1818  und  1821)  S.  206  'Der 
undankbare  Zwerg'  von  Wilhelm  Grimm  'nach  seiner  Weise'  erzählt. 
Schneeweißchen,  ein  armes  Kind,  findet  im  Wald  einen  Zwerg,  der 
mit  seinem  Bart  in  einen  gespaltenen  Baum  eingeklemmt  ist;  gut- 
herzig holt  es  eine  Schere  und  macht  ihn  frei.  Der  Zwerg  zieht 
hierauf  einen  Sack  mit  Geld  unter  dem  Baum  hervor  und  geht,  ohne 
etwas  davon  zu  geben  oder  nur  zu  danken,  damit  fort.  Bald  darauf 
findet  Schneeweißchen  mit  seinem  Schwesterchen  Rosenrot  denselben 
Zwerg  mit  Fischfang  beschäftigt;  sein  Bart  hatte  sich  in  die  Angel- 
schnur verwickelt,  und  ein  Fisch,  der  angebissen,  zog  nun  das 
schreiende  Männchen  ins  Wasser.  Die  Kinder  halten  es  fest,  aber 
Bart  und  Schnur  ist  nicht  zu  entwirren.  Schneeweißchen  läuft  beim, 
holt  die  Schere  und  schneidet  die  Angelschnur  entzwei.  Da  etwas 
von  dem  Bart  dabei  verloren  geht,  so  murrt  der  Zwerg  darüber,  und 
ohne  Dank  macht  er  sich  mit  einem  Sack  voll  Perlen  auf  den  Weg. 
Zum  drittenmal  befreien  ihn  die  Kinder,  als  ein  Adler  ihn  auf  dem 

17* 


260  162.    Der  kluge  Knecht. 

Feld  packen  und  forttragen  will.  Auch  hier  geht  der  Zwerg  mit 
einem  Sack  voll  Edelsteine  ohne  Klang  und  Sang  fort.  Endlich 
finden  sie  ihn  unter  den  Tatzen  eines  Bären  ;  da  sagt  das  falsche 
Geschöpf:  'Lieber  Bär,  ich  gebe  dir  mein  Geld,  Perlen  und  Edelsteine 
und  diese  beiden  Kinder  da,  die  sind  ein  besserer  Bissen  als  ich ; 
laß  mich  nur  los !'  Der  Bär  aber  kehrt  sich  nicht  daran,  frißt  den 
Zwerg  und  geht  seiner  Wege.  Sclmeeweißchen  und  Rosenrot  finden 
nun  die  Reichtümer  des  undankbaren  Zwergs,  tragen  sie  heim  und 
befreien  ihre  Eltern  und  Geschwister  aus  aller  Not.   —   Der  Spruch 

'Sclmeeweißchen,  Rosenrot, 
schlägst  dir  den  Freier  tot,' 

der  aus  einem  Volkslied  genommen  ist,  findet  sich  in  einer  Erzählung 
von  F.  Kind  'Das  Schmetterlings -Cabinet'  in  dem  Taschenbuch 
Minerva  für  das  Jahr  1813  S.  27  und  mag  sich  auf  das  Märchen  beziehen. 

Vlämisch:  Vincx  S.  146  'Rozenroodje'  (die  Schwester  fehlt; 
statt  des  Bären  ein  Prinz,  der  von  dem  boshaften  Zweige  in  einen 
Zwerg  verwandelt  ist).  —  Französisch  aus  der  Bretagne : 
Sebillot,  Contes  3,  150  'Blanche-neige'  (und  Rose-rouge.  Bär).  Aus 
dem  Berner  Jura:  Schweizer.  Archiv  f.  Volksk.  16,  120  'Blanche-rose 
et  Rose-rouge'  (statt  des  Bären  ein  Rehbock).  —  Finnisch:  Aarnes 
Register  nr.  426. 

Das  Märchen,  welches  die  moralisierende  Absicht  Sanftmut  zu 
lehren  verrät,  enthält  gleichwohl  alte,  echte  Züge:  das  Einklemmen 
unholder  Wesen  (oben  1,  69.  2,  99.  299),  die  zum  eigenen  Schaden 
unternommene  Befreiung  eines  solchen  (2,  420),  die  boshafte  Natur 
des  Zwerges,  die  Entzauberung  eines  Bären.  Vielleicht  entstammt 
es  einer  französischen  Erzählung  des  18.  Jahrhunderts.  Die  Namen 
der  beiden  Schwestern  werden  sonst  als  Eigenschaften  ein  und 
derselben  Jungfrau  erwähnt:  oben  1,  166  und  453. 


1856  s.  243.  162.    Der  kluge  Knecht. 

1837  nr.  162.  —  Quelle  ist  'Der  101.  Psalm  durch  Martin 
Luther  ausgelegt'  (Wittenberg,  Hans  Lufft  1534  in  4°)  Bl.  G3b 
=  Luther,  Werke  Erlanger  Ausgabe  39,  302  (fehlt  noch  in  der  Weimarer 
Ausgabe).  Abgedruckt  bei  N.  Chyträus,  Hundert  Fabeln  1591  nr.  14 
=    1650    S.    35.      Ohne    Zweifel    kannte    Luther    das   Märchen    aus 


163.  Der  gläserne  Sarg.  —  164.  Der  faule  Heinz.  261 

mündlicher  Überlieferung.     Vgl.  Hamann,  die  literarischen  Vorlagen 
der  KHM.  1906  S.  81. 

Vater  und  Sohn  bei  Simrock,  Das  deutsche  Kinderbuch,  3.  Aufl. 
nr.  1019.  Der  Schwank  wird  in  der  Mark  Brandenburg  auch  von 
einem  Bauernjungen,  der  Mäuse  fangen  wollte,  erzählt.  Ebenso 
lettisch  bei  Böhm,  Schwanke  1911  nr.  6  'Wie  der  Knecht  Mäuse  fing'. 


165.    Der  gläserne  Sarg. 

1837  nr.  163.  —  Aus  einem  Roman  'Das  verwöhnte  Mutter- 
Söhngen  oder  Polidors  gantz  besonderer  und  überaus  lustiger 
Lebens-Lauff  auf  Schulen  und  Universitäten  von  Sylvano'  (Ereiberg 
1728)  S.  22—32.  Einen  wörtlichen  Abdruck  lieferte  H.  Ullrich, 
Zs.  f.  Volkskunde  3,  452  'Des  Schneiders  Glück';  vgl.  ebd.  6,  102 
und  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  der  KHM.  1906  S.  82.  — 
An  dem  Inhalt,  sagt  W.  Grimm,  ist  nichts  geändert,  aber  die  breite 
Erzählung  nicht  beibehalten;  sie  beruht  gewiß  auf  einer  echten  Sage, 
wenn  sie  auch  überarbeitet  und  einiges  zugesetzt  ist.  Ein  Zauberer, 
der  die  Prinzessin,  die  seine  Liebe  verschmäht,  aus  Rache  in  Schlaf 
versenkt  und  in  der  Gestalt  eines  Stieres  mit  ihrem  Befreier  kämpft, 
erscheint  auch  in  dem  Märchen  von  den  drei  Schwestern  (oben  2, 
197);  in  unsrer  Erzählung  aber  sieht  der  Schneider  dem  Kampfe  des 
Stieres  mit  dem  in  einen  Hirsch  verwandelten  Bruder  der  Schönen 
bloß  zu  und  gelangt  ohne  eignes  Zutun  zum  Glück.  Doch  ist  ein 
Zusammenhang  mit  den  Märchen  von  den  Tierschwägern  unver- 
kennbar; vgl.  unten  zu  nr.  197.  —  In  einem  gläsernen  Sarge 
wird  auch  Sneewittchen  beigesetzt  (Böklen,  Sneewittchenstudien  1, 
113.  1910).  Zum  Zauberschlafe  der  Prinzessin  vgl.  1001  Tag 
3,  7  (1827)  =  Chauvin  7,  71  und  Cosciuin  1,  176  (1887). 


1856    S.  243. 


164.    Der  faule  Heinz.  issest 

1837  nr.  164.  —  Die  Grundlage  ist  genommen  aus  Eucharius 
Eye  ring,  Proverbiorum  Copia,  etlich  viel  hundert  lateinischer  und 
deutscher  Sprichwörter  (Eisleben  1601)  1,  70 — 73  'An  Anschlegen 
verleust  man  am  meisten'.  Eine  noch  ausführlichere  Erzählung  ebd. 
2,  392—394  'Er  leidt  selbst  gemachte  Hungersnot'.     Der  Schluß  von 


262  164.    Der  faule  Heinz. 

der  langsamen  Schnecke  kommt  in  den  Briefen  der  Prinzessin 
Elisabeth  Charlotte  von  Orleans  (3,  160.  323  ed.  Holland)  vor;  vgl. 
dazu  Keller,  Erzählungen  aus  altdeutschen  Hss.  1855  S.  584  'Von 
der  snecken  und  Abraham  a  S.  Clara,  Judas  3,  24  (1692):  'Eylen 
thut  kein  gut,  sagte  der  Schneck,  der  sieben  Jahr  über  die  Brücken 
gekrochen  und  gleichwol  gestolpert.'  Wander,  Sprichwörterlexikon 
1,  777.  5,  1220.  Über  die  stilistischen  Abänderungen  W.  Grimms 
vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  1906  S.  83. 

Eyerings  Erzählung  geht  zurück  auf  einen  indischen 
Schwank,1)  der  in  Deutschland  zuerst  1480  in  den  Beispielen  der 
alten  Weisen  ed.  Holland  1860  S.  130  erscheint  und  danach  von 
Hans  Sachs  1538  in  einem  Meisterliede  'Der  Einsiedel  mit  dem 
Honigkrug'  (Fabeln  3,  206  nr.  94)  und  1560  in  einem  Spruchgedicht 
(Folio  4,  3,  54  b  =  Fabeln  2,  237  nr.  268)  bearbeitet  ward.  Der 
Einsiedler  will  von  dem  Geld  für  den  im  Walde  gesammelten  Honig 
zehn  Schafe  kaufen  und  durch  weitere  Steigerung  endlich  ein  großes 
Vermögen  erwerben,  dann  eine  schöne  Frau  nehmen  und  den  Sohn, 
den  sie  ihm  gebären  wird,  mit  seinem  Stab  strafen,  wenn  er  nicht 
gehorcht.  Montanus,  Gartengesellschaft  (um  1560)  c.  53  'Ein  Wald- 
bruder sagt,  wie  er  Frau  wollt  nehmen  und  Kinder  ziehen'  — 
Schwankbücher  1899  S.  303.  Fischart,  Gargantua  1575  cap.  36  = 
1891  S.  356.  Manlius,  Locorum  communium  collectanea  1562  p.  370 
=  1594  p.  375  =  deutsch  von  Bagor  1566  1,  Bl.  Pp  4  b.  Came- 
rarius,  Fabulae  Aesopicae  1564  p.  227  'Vasculum  mellis'.  Peregri- 
nation  oder  Reyse-spiegel  Anankylomitens  1632  S.  28  =  1655  S.  46. 
Chrys.  Schultze,  Esther  1636  Akt  5,  1  =  Schwartz,  Zs.  f.  vgl. 
Litgesch.  9,  345.  Kindermann,  Die  böse  Sieben  1662  Bl.  A  9  b. 
Kurzweiliger  Zeitvertreiber  1668  S.  467  =  Fasciculus  facetiarum 
1670  S.  298  nr.  8.  Schuppius,  Schriften  1684  S.  275  =  Merkens, 
Deutscher  Humor  alter  Zeit  1879  S.  422.  J.  P.  de  Memel,  Lustige 
Gesellschaft  1701  nr.  946.  Caprimulgius  Bidiculantius,  Polischinello 
1695  nr.  8  'Der  nicht  gelungene  Anschlag'.  Zeitvertreib  1748 
S.   173. 

»)  Vgl.  die  Untersuchungen  von  Max  Müller,  Essays  3,  303  (1872) 
'Über  die  Wanderung  der  Märchen';  Joly,  Histoire  de  deux  fables  de 
La  Fontaine  p.  91  (Memoires  de  l'academie  de  Caeu  1877);  Clouston, 
Populär  tales  2,  432  (1887)  'Don't  count  your  chiekens  until  fchey  are 
hatched';  A.  de  Cock,  Volkskunde  9,  1.  10,  78;  Brechenmacher,  Der 
Schwäbische  Schulmann  38,  17—27  (1917). 


164.    Der  faule  Heinz.  263 

Ob  dieser  Schwank  bereits  in  der  ältesten  Fassung  des 
indischen  Pancatantra  stand,  ist  nach  den  Untersuchungen 
Hertels  zweifelhaft,  da  ihn  der  im  11.  Jahrb.  lebende  Somadeva 
nicht  in  sein  großes  Märchenwerk  aufgenommen  hat.  Er  findet  sich 
jedoch  in  dem  aus  Kaschmir  stammenden  Tanträkhyäyika  5,  nr.  1 
'Der  Vater  des  Sömasarman'  (übersetzt  von  Hertel  1909  2,  148;  vgl. 
1,  140),  danach  ist  Ksemendras  Brihatkathämanjari  (übersetzt  von 
Mankowski  1892  5,  nr.  1);  ferner  im  Südlichen  Pancatantra  (ed. 
Hertel  1906  5,  nr.  2;  vgl.  ZdmG.  60,  801:  5,  nr.  2),  Hitopadesa 
(übersetzt  von  Fritze  1888  S.  115:  4,  nr.  7:  Gerstentopf  im  Töpfer- 
laden), im  Textus  simplicior  des  Pancatantra  5,  nr.  8  (Benfey  2,  345, 
vgl.  1,  499.  Fritze  1884  S.  382.  Jacobs,  Indian  fairy  tales  1892 
p.  38  nr.  5)  wie  im  Textus  ornatior  Pürnabhadras  (deutsch  von 
E.  Schmidt  S.  301:  5,  nr.  7)  und  im  Auszuge  Meghavijayas  5,  nr.  7 
(Zs.  f.  Volkskunde  16,  270).  Aus  der  verlorenen  Pahlavi-Über- 
setzung,  die  der  Perser  Barzöl  um  570  vom  Pancatantra  anfertigte, 
sind  der  alte  syrische  Kalilag  und  Damnag  (ed.  Bickell  1876 
B.  4,  c.  1;  ed.  SchultheU  1911  2,  83)  und  die  um  750  von  Abdallah 
ibn  Almokaffa  abgefaßte  arabische  Übertragung  geflossen,  auf 
der  die  griechische,  hebräische,  spanische  und  mittelbar  alle  andern 
europäischen  Fassungen  beruhen1) :  Calila  und  Dimna  oder  die  Fabeln 
Bidpais,  deutsch  von  Wolff  1837  2,3;  die  jüngere  syrische  Fassung, 
englisch  von  Keith-Falconer  1885  p.  170;  das  persische  Anwär-i-Suhaili 
transl.  by  Eastwick  1854  p.  409,  by  Wollaston  1877  p.  316;  das 
türkische  Humajam  Kameh,  deutsch  von  Souby  Bey  1903  S.  14 ; 
Cabinet  des  fees  18,  36  'Le  santon  qui  a  casse  sa  cruche'  (Galland- 
Cardonne  nach  dem  Türkischen);  der  griechische  Stephanites  und 
Ichnelates  des  Synieon  Sethi  c.  5  p.  336  ed.  Stark  1697  =  p.  240 
ed.  Puntoni  1889;  der  spanische  Calila  e  Dymna  c.  8  'Del  religioso 
que  vertiö  la  miel  et  la  manteca  sobre  su  cabeza'  (Gayangos, 
Escritores  en  prosa  anteriores  al  siglo  15.  1884  S.  57a);  das 
lateinische  Dircctorium   vitae   humanae   von  Johannes  de  Capua  c.  7 


l)  Vgl.  für  die  indischen  Fassungen  des  Werkes  den  Stammbaum 
in  Heitels  Tanträkhyäyika  1909  1,  40;  für  die  späteren  Verzweigungen 
die  Tabellen  bei  Landau,  Die  Quellen  des  Dekameron  1884  zu  S.  18; 
Jacobs,  The  morall  philosophic  of  Doni  by  Sir  Thomas  North  1888 
p.  LXXX;  Chauvin,  Bibliographie  arabe  2,  IX  (1897);  Hervieux,  Les 
fabulistes  latins  5,  75  (1899).  —  Über  die  Fassungen  unsrer  Fabel  vgl. 
Benfey,  Pantschatantra  1,  499  §  209.  2,  548  und  Chauvin  2,  101.  218. 


264  164.    Der  faule  Heinz. 

(Hervieux,  Fabulistes  latins  5,  259  und  635);  die  16.  Fabel  Baidos 
'De  viro  et  vase  olei'  (Hervieux  5,  358)  usw.  —  Ferner  indisch: 
Stokes  p.  31  nr.  7  'Foolish  Sachüli'  (trägt  einen  Buttertopf)  = 
Clouston  2,  442  =  Volkskunde  9,  4.  Swynnerton,  Indian  nights' 
entertainments  1892  p.  23  nr.  13  'Lull  the  idiot'    =  Folk-lore  6,  403 

—  Seidel,  Asiat.  Volksliteratur  1898  S.  325.  North  indian  notes  and 
queries  1,  46  nr.  348  'Castles  in  the  air'.  Dracott  p.  68  'Sheik  Chilli'. 
Parker  1,  197  nr.  26  'The  kital  seds'.  1,  304  nr.  53  'The  pots  of 
oil'.  Bompas  p.  140  nr.  39.  Tibet:  O'Connor  p.  31;  vgl.  Cosquin, 
Romania  40,  417.  Clouston,  Noodles  p.  158.  Zurnal  min.  nar.  prosv. 
289,  281.  —  Malaiisch:  Volkskunde  10,  79  'De  kluizenaer  en  de 
oliekruik'.  —  Arabisch:  1001  Nacht  (Henning  15,  187.  Chauvin 
2,  218  nr.  3  'Gal'äd  et  Slmäs'  und  6,  10  nr.  3).  Hartmann,  Zs.  f. 
Volkskunde  5,  42.  C.  Reinhardt,  Ein  arabischer  Dialekt  in  'Oman 
1894  S.  331  'Luftschlösser'.  —  Aramäisch:  Lidzbarski  1896  S.  140 
'Die  Übereilung'.  —  Türkisch:  Vierzig  Wesiere,  englisch  von  Gibb 
1886  p.  393.  XXXVII;  vgl.  Chauvin  8,  173  nr.  196.  Eigentümlich 
umgewandelt  im  Tuti-Nameh  übersetzt  von  Rosen  1858  2,  220  'Vom 
Holzhauer,  der  zur  Unzeit  tanzte'.  —  Zigeunerisch:  Wlislocki, 
Volksdichtungen  der  Zigeuner  1890  S.  391  'Der  Bettler  mit  den 
drei  Töpfen'  (Milch,  Honig,  Wein)    =    Zs.  d.  morgenl.  Ges.  42,  137. 

—  Rumänisch:  A.  Pann,  Planul  simigiului  (Gaster,  Literatura 
popularä  romänä  1883  S.  153). 

An  die  Fassung  des  Hitopadesa  erinnert  in  1001  Nacht 
(Henning  2,  85.  Chauvin  5,  162  nr.  85)  AI  'Assär,  der  fünfte  Bruder 
des  Barbiers,  der  seine  Zukunft  auf  einen  Korb  mit  Glas  waren 
baut  und  in  seinen  Plänen  soweit  kommt,  seiner  künftigen  Frau 
seine  Hoheit  zu  zeigen,  wobei  er  den  Korb  umstößt.  Danach 
Addison,  Spectator  nr.  535  'Alnaschar',  deutsch  von  Augustin  1866 
S.  275,  und  Imbert,  Historiettes  et  nouvelles  en  vers  1774  p.  43 
'Alnascar'.  Zytje  i  Slovo  4,  179  nr.  15.  Hrincenko  1,  225 
nr.  185.      Ungarisch:    ZdmGes.  42,  139    'Der  Töpfer  und  sein  Topf. 

—  Eine  Fabel  vom  Schuster  und  Milchtopf  erwähnt  Rabelais, 
Gargantua  1,  c.  33.  —  Einen  Eier  korb  stößt  der  Plänemacher  um 
bei  E}rering,  Proverbia  1,  652  'Die  Beernhaut  verkaufen'.  Ruckard, 
Die  lachende  Schule  1725  nr.  8;  W.  v.  Waldbrühl  (Zuccalmaglio), 
Rhingscher  Klaaf  1869  S.  295  'Di  Eiermahn'.  Vlämisch:  De  Mont  en 
de  Cock,  Vertelsels  p.  381  —  Volkskunde  9.  7  'Van  den  Man,  die 
zou    Burgemeester    worden'    (stößt    nachts    im    Gespräch    mit    seiner 


164.    Der  faule  Heinz.  265 

Frau  den  Korb  mit  der  brütenden  Henne  um).  Dänisch :  Grönborg, 
Vendelbomäl  1884  p.  74  'Drengen  med  Gäseaegget'  (der  Junge  findet 
ein  Gänseei  wie  der  Tagelöhner  bei  Dähnhardt,  Schwanke  nr.  74). 
Italienisch:  Schneller  nr. 47  'Die  Bruthenne'  (Ehepaar  im  Bett).  Serbisch : 
Gavrilovic  S.  95,  18.  Arabisch:  Oestrup,  C.  de  Damas  1897  p. 24.  —  Eine 
schlaf  eude  Hindin  findet  bei  Waldis,  Esopus  1548  4  nr.  90  ein  Wandrer; 
statt  sie  aber  zu  erschlagen,  überlegt  er,  was  er  für  einen  Gewinn 
aus  ihr  ziehen  werde,  und  verscheucht  sie  durch  einen  unbedachten 
Schrei.  Ähnlich  erzählt  ein  1567  gedichtetes  Meisterlied  Lorenz 
Wesels  'Der  Wandrer  mit  dem  Hasen'  (Zs.  f.  Volkskunde  21,  171). 
Schwedisch:  Djurklou,  Ur  Nerikes  folkspräk  1860  p.  86  =  Sagor 
1883  p.  76  'Pojken  ä  räfven'.  Entfernt  ähnlich  ist  der  isländische 
Schwank  vom  Gastgeschenk  der  Jungfrau  Maria  bei  Rittershaus 
S.  356  nr.  99  (Kuh).  Revue  des  trad.  pop.  12,  412.  Rumänisch : 
Schullerus  nr.  108  'Der  Zigeuner  und  der  Hase'  (Archiv  f.  siebenbg. 
Landesk.  33,  619).  Kleinrussisch:  Etnogr.  Zbirnyk  6,  182  nr.  408. 
Weißrussisch:  Sejn  2,  314  nr.  148.  Großrussisch:  Afanasjev  2,  433 
nr.  219  . .  i  i  i .  . .  Oncukov  S.  551  nr.  271 ;  vgl.  Polivka,  Zs.  f.  österr. 
Volksk.  3,  377  und  Archiv  f.  slav.  Phil.  22,  307.  31,  385.  Tatarisch: 
Radioff  4,  260  nr.  11  'Der  Hase'  =  Seidel,  Asiat.  Volksliteratur 
1898  S.  192. 

Vom  Bauer  und  der  Nachtigall  handelt  J.  A.  Schlegels 
Fabel  'Das  ausgerechnete  Glück'  (Fabeln  und  Erzählungen  1769 
S.  65  =  Ramlers  Fabellese  2,  341.  1783);  J.  C.  Krügers  Lustspiel 
'Herzog  Michel'  (1750);  C.  F.  Pockels,  Martin  Hans  oder  die  Luft- 
schlösser (Olla  potrida  1785,  3,  109).  Monolog  eines  Dieners  über 
ein  Lotterielos  bei  Collin  d'Harleville,  Les  chäteaux  en  Espagne, 
acte  3,  sc.  8  (1803). 

Daneben  erscheint  in  Europa  seit  dem  13.  Jahrhundert  das 
Seitenstück  der  auf  dem  Wege  zum  Markt  Luftschlösser  bauenden 
Frau  mit  dem  Mi  Ich  topfe1).  Lateinisch  als  Predigtmärlein  aus 
Tours  bei  Delisle,  Bibl  de  l'ecole  des  chartes  29,  601  (1868).  38,  662. 
Jaccpies  de  Vitry,  Exempla  nr.  51.  Etienne  de  Bourbon,  Anecdotes 
hist.  1877  p.  226  nr.  271.     Nicolaus  Pergamenus,  Dialogus  creaturarum 


J)  Dagegen  stößt  in  Hans  Sachsens  Meisterlied  'Die  Antlaseier' 
(1554.  Fabeln  6,  93  nr.  894;  vgl.  2,  194  nr.  255,  nach  Pauli  nr.  520)  die 
zu  Markt  ziehende  Bauerntochter  ihren  Milchkrag  in  der  Schlaftrunken- 
heit um  und  stolpert  aus  der  gleichen  Ursache  mit  dem  Eierkorbe. 


266  164.    Der  faule  Heinz. 

nr.  100  (p.  250  ed.  Grässe  1880).  Ens,  Epidorpidum  libri  II  1612 
p.  206  'Mulier  inani  spe  ditescendi  inflata'  (Gedicht)  =  Lange, 
Democritus  ridens  1649  p.  150.     J.  Eegnier,  Apologia  Phaedri   1643 

1,  nr.  25  'Pagana  et  eius  mercis  emptor'.  Desbillons,  Fabulae 
Aesopicae  6,  nr.  12  'Puella  rustica  et  lactis  cymbium'  (nach  Lafontaine). 
Deutsch:  Kirchhof,  Wendunmut  1,  nr.  171  (1563).  Mala  gallina 
malum  ovum  (um  1710)  S.  141  mit  Kupferstich.  Gleim,  Die  Milchfrau 
(Werke  1811  3,  419).  J.  ß.  Michaelis,  Werke  2,  60  (1791).  Schindler, 
Mundarten  Bayerns  S.  545  'Das  zerstörte  Luftschloß'.  Holländisch: 
Antwerpener  Cluchtboek  1576  p.  135  (Tijdschrift  voor  nederl.  Taal- 
kunde  10,  137).  Dänisch:  Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  3,  368  nr.  68 
'Luftslottcne' ;  Kristensen,  Fra  Bindestue  1,  163  nr.  30  'Gode 
Bcregninger'.  Englisch:  Baldwin,  Fables  ancient  &  modern  p.  61 
'The  country  maid  and  her  milkpail' ;  vgl.  Knust  zu  Juan  Manuel 
1900  S.  317.  Französisch:  Philippe  de  Vigneulles,  Nouvelles  1514  nr.  78 
(Athenaeum  francais  1853,  1137;  angehängt  die  drei  Wünsche,  vgl.  oben 

2,  222).  Des  Periers,  Nouvelles  recreations  1558  nr.  12  'La  bonne 
femme  qui  portoit  une  potee  de  lait  au  marche'  =  Thresor  des 
recreations  1611  p.  230.  Lafontaine,  Fables  7,  nr.  10  'La  laitiere  et 
le  pot  au  lait'  (Oeuvres  ed.  Regnier  2,  145.  Robert,  Fables  inedites 
2,  89).  Ein  Gedicht  'Innocente  et  gracieuse'  (Archiv  f.  neuere  Spr. 
19,  383.  1856).  Italienisch:  Pitre,  Fiabe  sie.  1,  77  zu  nr.  8  Lu 
furasteri  e  lu  tratturi'  (oben  2,  351).  Pitre,  Novelle  pop.  toscane 
nr.  45  'La  ricotta'.  Maltesisch:  Hg  2,  103  nr.  139  'Die  Verkäuferin 
der  Schafkäschen'.  Spanisch:  Juan  Manuel,  Conde  Lucanor  c.  29 
ed.  Keller  =  c.  7  ed.  Knust  und  BirchJJirschfeld  1900  S.  35.  316; 
deutsch  bei  Eichendorff,  Werke  6,  496 :  Mädchen  mit  Honigtopf. 
Gil  Vicente,  Auto  de  Mofina  Mendez  (Obras  1,  115.  Ersch-G ruber, 
Encyclopädie  1,  67,  330.  F.  Wolf,  Studien  1859  S.  932.  Rivista  di 
lett.  pop.  1,  125).  Lope  de  Rueda,  Las  aeeitunas  (Rapp,  Spanisches 
Theater  1,  315.  1868.  Puibusque,  Histoire  comparee  des  litt,  espagnole 
et  francaise  1,  220 —  233).  La  Enciclopedia  5  de  marzo  1879  p.  499. 
Samaniego,  Fabulas  2,  nr.  11  'La  lechera'  p.  362.  Portugiesisch: 
Braga  2,  61  nr.  150  'A  bilha  de  azeite'  (=  Gil  Vicente).  Coelho, 
C.  nacionaes  nr.  8  '0  pote  de  azeite'  (dergleichen).  Serbokroatisch: 
Yuk  Vrcevic,  Podrugacice  S.  21  =  Bogdanovic  S.  307  nr.  76.  Kica 
1906  nr.  8  =  Gavrilovic  S.  96.  Slovenisch:  Polü'ady  1896  S.  321 
nr.  29.  Cechisch:  Krameryus,  Obnoveny  Ezop  1805  nr.  26.  Groß- 
russisches   Flugblatt   'Die   zerstreute   Milchfrau'  nach  Lafontaine  bei 


165.   Der  Vogel  Greif.  267 

Rovinskij,  Russ.  nar.  kartinki  4,  192  nr.  80 — 81.  Polivka,  Archiv 
19,  259  nr.  148. 

Für  den  Milchtopf  ist  häufig  der  Eierkorb  der  Bäurin  ein- 
getreten. Lateinisch:  Luscinius,  Joci  1524  nr.  77  =  Gast,  Convivalium 
sermonum  über  1543  Bl.  Xlb  'De  villica'  =  1554  1,  307.  Hulsbusch, 
Sylva  sermonum  1568  p.  293  'Rustica  defert  ova  ad  mercatum'. 
Deutsch:  Die  stoltze  Beuerin,  Meisterlied  im  Spiegelton  Frauenlobs 
(Dresdener  Hs.  M  5.  369).  S.  Franck,  Sprichwörter  1541  1,  147b 
'Ein  schloß  in  den  lufft  bauen',  vgl.  1,  3a.  2,  50a.  Laiebuch  1597 
c.  33  'Von  einer  Laiin,  welche  mit  Eyern  gen  Marckt  gieng'  (1914 
S.  120)  =  Schildbürger  c.  33  (Bobertag,  Volksbücher  1888  S.  392) 
=  Grillen vertreiber  1,  132  (1670).  Eyering,  Proverbiorum  copia  2, 
173  'Ein  Schloß  in  den  lufft  bawen'.  Sommer,  Emplastrum  Cornelianum 
1609  nr.  23  (nach  Luscinius;  vgl.  Euphorion  15,  7).  Melchior 
Kündig,  St.  Beatus  1635  (Bächtold,  Gesch.  der  dt.  Literatur  in  der 
Schweiz  1892,  Anmerkungen- S.  114).  Vademecum  für  lustige  Leute 
1,  nr.  90  (1767).  Dänisch:  Andersen,  Konen  med  fegene  (Samlede 
Skrifter  12,  212.  1876.  Gedicht).  Italienisch:  Domenichi,  Facetie 
1581  p.  285  (nach  Luscinius).     Balgarisch:  Sbornik  6,   126. 

Verwandt  ist  die  hagre  Liese  (unten  nr.  168). 


165.    Der  Vogel  Greif.  lsse  s.  244. 

1837  nr.  165.  Diese  eigentümliche  Fassung  des  Teufels  mit 
den  drei  goldenen  Haaren  (nr.  29)  erhielten  die  Brüder  Grimm 
durch  Wilhelm  Wackernagel  von  dem  Schweizer  Friedrich  Schmid 
aus  dem  A  arg  au.     Abgedruckt  bei  Sutermeister  nr.   19. 

Inhalt:  A.  Der  Held  vermag  die  Krankheit  der  Königstochter 
durch  die  überbrachten  Äpfel  zu  heilen,  weil  er  dem  begegnenden 
Männlein  auf  seine  Frage  freundlich  antwortet,  während  die  beiden 
älteren  Brüder  es  barsch  abwiesen.  Das  Männlcin  hilft  ihm  auch 
bei  den  Aufgaben,  die  er  vor  der  Heirat  mit  der  Königstochter 
lösen  soll:  (B)  ein  Schiff  bauen,  das  über  Wasser  und  Land  geht, 
(C)  dann  hundert  Hasen  hüten  und  endlich  (D)  eine  Feder  des 
Vogels  Greif  bringen.  Das  Motiv  A  begegnete  bereits  oben  2,  39 
(A),  B  oben  2,  87  (B),  D  oben  1,  282  (B);  und  mehrere  der  dort 
erwähnten  Märchen  sind  hier  nochmals  anzuführen. 


268  165.    Der  Vogel  Greif. 

In  den  Ammenmärchen  1791  1,  93  nr.  3  'Trudehen'  sind  die 
Aufgaben  verschieden.1)  Ein  König  ist  krank  und  kann  nur  durch 
Feigen  geheilt  werden ;  er  verspricht  dem,  der  sie  bringt,  seine 
Tochter  zur  Gemahlin.  Von  drei  Brüdern  gelingt  es  dem  jüngsten. 
Ehe  ihn  aber  die  Königstochter  nimmt,  legt  sie  ihm  schwere  Auf- 
gaben vor,  die  er  durch  Hilfe  dankbarer  Tiere  vollbringt.  Er  muß 
erstens  einen  Ring  aus  dem  Wasser  holen;  ein  Fisch  trägt  ihn 
herbei,  den  er  vorher  aus  dem  Sand  in  sein  Element  gebracht  hatte. 
Zweitens  soll  er  ein  Kränzchen  aus  dem  Himmel  und  einen  Brand 
aus  der  Hölle  bringen ;  jenen  holt  ein  weißes  Täubchen,  diesen  ein 
schwarzes,  die  er  beide  einmal,  als  sie  sich  gebissen,  auseinander 
gejagt  hatte.  Drittens  soll  er  neun  Malter  von  neunerlei  Getreide 
auseinanderlesen;  das  vollbringen  Ameisen,  die  er  einmal  gesättigt 
hatte.  Viertens  soll  er  neunhundert  Hasen  hüten ;  ein  Pfeifchen,  das 
er  erhalten  hat,  lockt  sie  immer  wieder  zusammen.  Endlich  soll  er 
einen  Sack  voll  Wahrheiten  sagen.  —  Aus  Solothurn:  B.  Wyß, 
Schwyzerdütsch  S.  51  =  Sutermeister  nr.  45  'Der  Figesack'  (A  C, 
Getreidearten  sondern,  Sack  mit  Wahrheiten  füllen).  —  Aus 
Schwaben:  Birlinger,  Volkstümliches  1,  346  'Der  Palmen'  (A  C). 
Meier  nr.  31  'Das  Schiff,  das  zu  Wasser  und  zu  Lande  geht'  (B, 
dann  die  vier  kunstreichen  Gesellen  oben  2,  87).  Aus  Vorarlberg: 
Vonbun,  Sagen  1858  nr.  71  'Die  drei  Buben'  (A).  Dörler,  ZföVk. 
14,  88  nr.  6  'Hans,  der  glückliche  Hasenhüter'  (C,  Sack  voll  Neuig- 
keiten, Nebenbuhler  riecht  übel).  Heanzisch:  Bunker  nr.  100 
'Der  Hasenhirt'  =  ZföVk.  4,  283  (C,  drei  Speicher  voll  Weizen,  Brot 
und  Wein  in  drei  Nächten  leeren).  Aus  Niederösterreich: 
Polsterer,  Schwanke  S.  92  nr.  55  'Das  kunstreiche  Luftschiff  (B, 
fünf  kunstreiche  Gesellen,  oben  2,  87).  Aus  Böhmen:  Vernaleken, 
KHM.  nr.  40  'Der  pfiffige  Hans'  (C,  Erbsen  und  Bohnen  sondern, 
Eier  aus  einem  See  holen).  Mitteilg.  z.  Schönhengst.  Vk.  1906,  28.  Aus 
dem  Odenwald:  Wolf,  Hausmärchen  S.  134  'Der  Hasenhirt'  (A  C, 
Sack  mit  Wahrheiten  füllen);  S.  322  'Die  Mandelkörbchen'  (A,  Hirse 
zusammenlesen,  Schlüssel  aus  dem  Meer  holen,  hundert  Schafe  einen 
Monat  auf  einem  Fleck  weiden).  Wolf,  DMS.  nr.  25  'Von  dem 
Schiff,  das  zu  Wasser  und  zu  Lande  fuhr'  (B,  fünf  kunstreiche 
Gesellen,  oben  2,  87).  Aus  Franken:  Bechstein  1845  S.  128  = 
1874    S.    130    'Der    Hasenhüter'    (C,    Erbsen    und    Linsen    sondern. 

l)  In  der  Einleitung  das  Märchen  vom  Wasser  des  Lebens  (oben 
2,  394),  hernach  das  von  der  weißen  Schlange  (1,  131). 


165.   Der  Vogel  Greif.  269 

Kammer  voll  Brot  essen,  Sack  voll  Lügen).  Voigtland:  Eisel 
nr.  561  (C,  Wahrheit  sagen;  oben  2,  528).  Schlesisch:  Peter  2, 
185  'Hasenjackel'  (C,  sonst  zu  nr.  136  gehörig).  Westfälisch: 
Kuhn  2,  226  nr.  7  'Die  grüne  Feige'  (A  C,  drei  Säcke  voll  Wahr- 
heiten). Vom  Harze:  Pröhle,  KVM.  nr.  76  'Das  Schiff,  das  auf 
dem  trockenen  Lande  geht'  (B,  dann  die  drei  Federn,  oben  2,  32); 
ebd.  S.  XLVII.  Kuhn-Schwartz  S.  331  nr.  7  'Das  weiße  Kätzchen' 
(oben  2,  32).  Aus  Hannover:  Schambach-Müller  S.  289  nr.  18 
'Das  Schiff,  das  ohne  Wind  und  Wasser  fährt'  (B,  vier  kunstreiche 
Gesellen).  Aus  Oldenburg:  Strackerjan  2,  326  nr.  628  'Hans  Bär' 
=  2.  Aufl.  2,  472  (C,  verschmolzen  mit  Gr.  90,  68  und  110).  Aus 
Holstein:  Müllenhoff  S.  457  nr.  21,  Anm.  (B,  sechs  Gesellen). 
Wisser,  Plattdt.  Vm.  S.  139  'Dre  Sack  vull  Lögen'  (A  C,  drei  Säcke 
voll  lügen).  Aus  Pommern:  Jahn,  Schwanke  S.  87  'Der  Wollen- 
sack' (C,  Sack  voll  erzählen ;  Einleitung  wie  Gr.  136).  Bl.  f.  poram. 
Vk.  3,  50  'Der  dumme  Hans'  (B,  Weizen  aufsammeln,  Bienen  und 
Hasen  hüten,  Sack  voll  Wahrheiten  sagen).  Aus  Westpreußen: 
Behrend  nr.  12  'Der  Sack  voll  Wahrheit'  (B,  vier  Gesellen,  Sack 
voll  Wahrheit).  Aus  Posen:  Konrad  S.  106  'Der  Hasenhirt'  (C). 
Friesisch:  Dykstra  2,  76  'De  pruimejongen'  (A  C,  drei  Säcke 
voll  Narrheit).  —  Dänisch:  Grundtvig,  Minder  2,  20  'Sundhets- 
trseet'  (A,  Bing  aus  dem  Meer,  Schloß  aus  Wachs,  drei  Höllenbrände 
herbeischaffen)  =  Stroebe  1,  68.  Grundtvig,  Register  nr.  18 
'Sundhetsfrugterue'.  Grundtvig,  Folkesev.  3,  144  'Sundhetsfrugterne' 
(A,  Ring  aus  dem  Meer  holen,  Schloß  bauen,  Höllenbrand  holen). 
Carit  Etlar  1847  S.  124  =  Thorpe,  Yule-tide  stories  1853  p.  369 
'Temptations'  (0,  Sack  voll  Wahrheiten).  Madsen  S.  47  'Kncesben 
Askfis'  II  (C,  erschlägt  als  Kuhhirt  drei  Drachen).  Kristensen,  Aev. 
fra  Jylland  1,  73  nr.  10  'Jesper  Harehyrde'  (C,  Kessel  voll  Wahr- 
heiten). 1,  83  nr.  11  'Den  tredje  Ssekfuld'  (A,  Kornsorten  sondern, 
C,  drei  Säcke  voll  predigen).  3,  210  nr.  38  'Under  Galgen  St.-Hans 
Nat'  (B,  Raben  belauscht,  dankbare  Tiere).  Skattegraveren  8,  65 
'De  gode  folgesvende'  (B,  fünf  Gesellen).  —  Schwedisch:  Bondeson, 
Halländska  sagor  nr.  4  'Askeprinsen  ä  hans  bröra'  (B).  Wigström, 
'Kungens  harar'  (Hazelius,  Ur  de  nordiska  folkens  lif  1,  112.  C 
Tonne  voll  Wahrheit).  Steffen  2,  16  'Skeppet  som  gick  öfver  vatten 
och  land'  (B,  sechs  Gesellen).  Folkminnen  och  folktankar  2,  141 
'Skeppet  som  gick  över  vatten  och  land  (B,  vier  Gesellen).  Aberg 
nr.  32  'Om  skipe,  som  gikk  över  vatn  o  land'  (B,  drei  Gesellen),  33 


270  16B.    Der  Vogel  Greif. 

'Öepe,  som  sigla  över  vatn  o  land'  (B,  drei  Gesellen),  34  'Om  poitji 
som  valla  kungns  hara'  (C,  drei  Kübel  füllen)  und  209  'Om  poitjin 
som  bläi  djift  nie  kungno  dotro'  (vgl.  Gr.  136).  Hackmans  Register 
nr.  513b  (B),  570  (C)  und  610  (A).  —  Norwegisch:  Asbjörnsen 
nr.  98  'Gjsete  Kongens  Harer'  (C,  Braukufe  voll  lügen)  =  Stroebe 
2,  225.  Arne,  Slagelse-Egnen  S.  63  (C)  'Tosse-Hans'.  —  Isländisch: 
Arnason  2,  479  =  Rittershaus  nr.  118  'Der  gefüllte  Wunschsack' 
(Thorstein  füllt  den  Sack  mit  Worten,  indem  er  berichtet,  was  die 
Königstochter,  Königin  und  der  König  getan,  um  ein  Halsband, 
Krone  und  Schachbrett  zu  erhalten).  Arnason  2,  482  (Zaubernadel, 
Schere  und  Axt  verkauft)  =  Poestion  nr.  20  'Ullarvindill'.  —  Aus 
Schottland:  Chambers,  Pop.  rhymes  1870  p.  103  'Jock  and  his 
hüls'  =  Brueyre  p.  60  (0).  Campbell2 1,  244  nr.  16  'The  king  of 
Lochlin's  three  daughters'  (B,  zwei  wunderbare  Gesellen,  weitere 
Abenteuer),  vgl.  R.  Köhler  1,  191.  —  Französisch:  Luzel  2,  146 
'Le  prix  des  belles  pommes'  (A  C,  Eichhörnchen,  Sack  voll  Wahr- 
heiten). 2,  161  'Les  trois  fils  de  la  veuve  ou  les  gardeurs  de  perdrix' 
(die  Pfeife  erhält  der  Hüter  der  Rebhühner  von  Christus,  den  er 
über  den  Bach  getragen,  und  füllt  den  Sack  mit  Wahrheiten). 
Sebillot,  Contes  3,  56  nr.  7  'Le  bäteau  qui  va  sur  terre  comme  sur 
mer'  (B,  vier  Gesellen,  C).  Orain,  Gallo  p.  11  'Le  panier  de  peches' 
(A  C).  Kiyptadia  2,  45  nr.  13  'Le  gardeur  de  lievres'  (A  C,  voll 
Wahrheiten).  Revue  6,  584  'Les  oranges'  (A  C,  Getreide  sondern, 
Sack  voll  Wahrheiten).  Madelaine  1,  21  'La  fille  du  roi  de  Paris' 
(C).  Dardy  2,  27  nr.  8  'La  fille  du  roi  et  les  peches'  (A  C).  Pineau, 
Contes  p.  35  'Le  petit  vacher'  (C,  drei  Säcke  voll  Wahrheiten ;  vorher 
Gr.  64).  Deulin,  C.  d'un  buveur  p.  145  'Manneken-Pis'  (A  C,  Ring 
wiederschaffen,  Sack  mit  Lügen  füllen).  Blade  2,  11  'Les  trois 
pommes  d'orange'  (A  C).  3,  12  'Le  navire  marchant  sur  terre'  (B, 
vier  Gesellen)  =  Blümml  nr.  32.  —  Italienisch:  Pitre,  Nov.  tose, 
nr.  17  'Della  figlia  del  re,  che  chi  buttava  giü  l'albero,  l'aveva  per 
isposa'  (Baum  fällen,  Getreide  sondern,  C).  Visentini  nr.  25  'Le 
streghe'  (A,  Zauberfiedel  bringt  Prinzessin  zum  Lachen)  und  26  "La 
pianta  fatata'  (Baum  fällen,  C,  Getreide  sondern,  Sack  mit  Wasser 
und  Rauch  füllen).  Rivista  delle  trad.  pop.  ital.  2,  466  'Compare 
PeddhY  (C).  Archivio  2,  499  'La  cnlbulitta  di  li  iichi'  (A,  Wache  will 
die  Hälfte  des  Lohns).  Zanazzo  p.  123  nr.  21  'La  barca'  (B,  zwei 
Gesellen).  Bagli  p.  60  nr.  5  'AI  trai  liver'  (A,  Ring  aus  dem  Meer, 
C,  Sack  voll  Wahrheiten).     Coronedi-Berti   1883   nr.  17    'La  fola  del 


165.    Der  Vogel  Greif.  271 

falegnam'  =  Prop.  7,  1,  204  nr.  4  (J3,  zwei  Gesellen).  Knust  nr.  10 
(Jb.  f.  roman.  Lit.  7,  395.  B,  sechs  Gesellen).  Gonzenbach  nr.  80 
'Ciccu'  (A)  und  75  'Von  einem,  der  mit  Hilfe  des  h.  Joseph  die 
Königstochter  gewann'  (B,  fünf  Gesellen;  oben  2,  89).  —  Katalanisch: 
Maspons  2,  75  nr.  17  'Las  peras'  (A).  Aus  Mallorka:  Ludwig  Salvator 
S.  137  'Der  Lügensack'  (Pinie  fällen,  Getreide  sondern,  dreizehn 
Hähne  hüten,  Sack  mit  Lügen  füllen).  —  Portugiesisch:  Coelbo, 
C.  pop.  nr.  45  'Os  figos  verdes'  (AG).  —  Baskisch:  *Cerquand  4, 
nr.  107.  —  Griechisch:  Halm  2,  243  nr.  37  Var.  (C,  Getreide 
sichten,  Ring  holen,  Prinzessin  erkennen;  dankbare  Tiere  wie  oben 
2,  19).  Kretschmer  nr.  34  'Der  Derwisch'  (C,  Palast  bauen,  drei 
Säcke  mit  Lügen  füllen ;  vorher  Aladdin  wie  oben  2,  547).  — 
Slowenisch  aus  Steiermark:  Kres  4,  611  nr.  32  —  Krauß  1,  190 
nr.  46  'Drei  Brüder  ziehen  in  die  Welt,  um  deutsch  zu  lernen'  (oben 

2,  563.     C,  Mulde  voll  Worte).      Aus  Görz :    Nar.  pripov.  sosk.  plan. 

3,  36  nr.  3  (C).  Gabrscek  S.  233  nr.  3  (G).  —  Serbokroatisch 
aus  Kroatien :  Valjavec  S.  136  nr.  9  (Einleitung  wie  bei  Peter  2,  185 
nr.  12;  ein  Bär  wie  sonst  der  Eisenhans  aus  dem  Kerker  gelassen, 
C  mit  Hilfe  des  Bären.  Aus  Bosnien:  Krauß,  TSM.  1,  276  nr.  86 
'Die  Gaben  dreier  alter  Waldfrauen'  (A,  dann  Grindkopfmärchen, 
oben  nr.  136).  Preindlsberger-Mrazovic  S.  117  nr.  14  (die  Prinzessinnen 
bekommt,  wer  einen  zehn,  zwanzig,  dreißig  Ellen  breiten  Graben  zu 
Pferde  überspringt,  BC).  Antropophyteia  2,  340  nr.  421  (C).  4,393 
nr.  421  (AG).  Aus  Serbien:  Kica  7,  nr.  4,  2  'Das  Pfeifchen'  (AG). 
—  Bulgarisch:  Sbornik  min.  6,  176  (die  zertanzten  Schuhe,  C 
mit  Hilfe  eines  aus  der  Zauberschüssel  erscheinenden  Negers;  dann 
Hirse,  Korn  und  Weizen  sondern).  —  Gechisch  aus  Mähren: 
Mensik,  Jemnic.  S.  67  nr.  24  (AG).  Kulda  1,  166  nr.  35  =  Wenzig 
S.  59  'Wie  der  Wagner  König  ward'  (B,  aber  statt  des  Schiffes  ein 
selbstfahrender  Wagen;  drei  Gesellen,  Prinzessin  lacht;  G,  drei 
Scheffel  Wahrheit  messen).  Sedläöek  1,  73  'Drei  Säcke  Wahrheit' 
(Gedanken  der  Prinzessin  erraten,  G).  Pfikryl  S.  363  'Des  Wagners 
Söhne'  (ähnlich  Kulda).  Aus  Österr.-Schlesien :  Polivka  S.  25  nr.  7 
(der  Müller  soll  zum  Baron  kommen  weder  zu  Fuß  noch  zu  Pferd, 
nicht  nackt  und  nicht  bekleidet,  und  Geschenk  nicht  Geschenk 
bringen ;  ein  Bauer  rät ;  G,  ein  Sack  voll  Wahrheit).  Aus  Böhmen : 
Pfihoda  nr.  6  (A,  der  Held  trunken  im  Walde  verlassen;  dann 
Fortunatus  wie  oben  1,  470).  — Wendisch:  Schulenburg,  Volkstum 
S.  41  'Die  Flöte'  (C)     —    Polnisch    aus    Oberschlesien:    Mitt.  der 


272  165.    Der  Vogel  Greif. 

schles.  Ges.  f.  Vk.  3,  13.  Aus  Galizien:  Ciszewski,  Krakowiacy 
S.  182  nr.  133  (C).  S.  183  nr.  134  (C).  Zbiör  5,  255  nr.  57  (C). 
Swi^tek  S.  363  nr.  29  (der  verachtete  Jüngste  reitet  den  Diamant- 
berg hinauf,  soll  in  zwölf  Stunden  die  goldenen  Schafe  aus  der 
ganzen  Welt  sammeln,  in  achtzehn  Stunden  die  Hasen,  C).  Mater, 
antropol.  1,  62  nr.  17  'Von  den  Feigen'  (AC).  —  Kleinrussisch 
aus  Galizien:  Hnatjuk,  Geschlechtleben  2,  252  nr.  286  (C).  Kolberg, 
Pokucie  4,  92  nr.  18  (Merkmale  der  Prinzessin  erraten  wie  oben 
2,  528;  C).  Aus  Südungarn:  Etnograf.  Zbirnyk  29,  1  nr.  1  (ß  C  mit 
Hilfe  der  wunderbaren  Gefährten).  Aus  der  Ukraine :  Zbiör  13,  202 
nr.  2  (C;  ein  drei  Stock  hohes  Haus  zu  Pferde  überspringen). 
Tarasevskyj,  Geschlechtleben  1,  399  nr.  296  (C).  —  Großrussisch: 
Zavetnyja  ras.  skazki  S.  150  nr.  53  =  Kryptadia  1,  187  nr.  53  'Le 
chalumeau  merveilleux'  (C).  Aus  dem  Gouv.  Archangelsk:  Oncukov 
S.  540  nr.  258  (C).  —  Litauisch:  Jurkschat  1,  27  nr.  6  'Das 
fliegende  Schiff  (B,  sechs  Gesellen).  1,  43  nr.  12  (C).  Aus  dem 
Gouv.  Kowno :  Dowojna  Sylwestrowicz  2,  451 — 458  (Einleitung  wie 
oben  2,  388.  C).  —  Finnisch:  Salmelainen  2,  28  nr.  1  (Schiefner, 
Melanges  russes  2,  611.  B).  Suomi  2,  13,  118  (B).  Aarnes  Register 
nr.  513b  (B)  und  570  (C).  —  Lappisch:  Friis  nr.  21  =  Poestion 
nr.  24  'Aschenputtel,  Riese  und  Teufel'  (Goldbaum  nachts  bewacht, 
B,  vier  Gesellen).  —  Ungarisch:  Klimo  p.  167  Les  lievres  du  roi' 
(C  ;  nach  Benedek).     Berze  Nagy  nr.  38. 

Die  erste  der  Freierproben  unsres  Märchens,  das  über  Wasser 
und  Land  fahrende  Schiff,  beruht  auf  einem  uralten  Volks- 
wunsche, der  vielleicht  in  den  heidnischen  Kultus  zurückreicht.  Um 
1133  ward  von  den  Tuchwebern  in  Corneli-Münster  (Inda)  ein  Schiff 
erbaut,  mit  Rädern  versehen  und  nach  Aachen  und  Mastricht  gezogen, 
wo  es  mit  Jubel  und  Tanz  empfangen  wurde  (MGScr.  10,  310).  In 
dem  um  1215  entstandenen  Gedicht  Moriz  von  Craon  (Zwei  alt- 
deutsche Rittermären  hsg.  von  E.  Schröder  1894  S.  22  v.  927.  723) 
läßt  der  Held  ein  Schiff  herstellen, 

daz  solte  gän  äne  were 

über  velt  als  ufern  mere  .  .  . 

sin  gestehe  daz  was  ein  wagen, 

lihte  getrsemet 

und  als  ein  schif  geschrsemet, 

daz  ze  Kölne  solte  fliezen  .  .  . 

Er  bläht  dar  in  mit  liste, 


165.   Der  Vogel  Greif.  273 

daz  ez  lützel  liute  wiste, 
ros,  diu  ez  ziehen  solten, 
swan  si  varn  wolten. 
zwischen  tuochen  und  den  diln 
da  rillte  man  siln 
unde  spien  diu  ros  dar  in. 

Mit  solchen  die  Straßen  entlang  fahrenden  Schiffen  zogen  1235  die 
Kölner  der  dem  Kaiser  Friedrich  II.  angetrauten  Prinzessin  Isabel 
von  England  entgegen  (MG.  Scr.  28,  130, 33).  J.  Grimm  (Myth.3 
S.  236—244.  3,  86.  Wolf,  Beiträge  1,  158)  erinnert  an  spätere 
Schiffsumzüge  zur  Fastnacht,  an  das  Narrenschiff  Brants  (Zarncke 
1854  S.  LX.  Verwijs,  Van  vrouwen  ende  van  minne  1871  p.  94) 
und  das  bei  Tacitus,  Germ.  9  erwähnte  Schiffsbild  der  Isis  bei  den 
Sueben.  Auf  Bilderbogen  des  17.  Jahrh.  finden  wir  eine  holländische 
Eisyacht  und  ein  über  Berge  und  Täler  steuerndes  Luftschiff1)  dar- 
gestellt (Zs.  f.  Volkskunde  15,  1631).  Merkwürdig  lebt  das  zusammen- 
zufaltende Schiff  SkiÖblaSnir  aus  der  Edda  (Gering  S.  333.  365. 
Grimm,  Myth.3  S.  197),  das  die  Zwerge  dem  Freyr  gebaut  haben,  in 
holsteinischen,  dänischen  und  norwegischen  Märchen  fort  (Müllen- 
hoff  S.  456.  Kamp  1,  20.  Asbjörnsen  nr.  24  'Lillekort').  Über 
ähnliche  Sagen  vom  h.  Olav  vgl.  Liestöl,  Norske  trollvisor  1915  S.  42. 
Bei  dem  mit  Lügen  anzufüllenden  Sack  wird  man  an 
den    kecken    Lügenerzähler    denken,    der    oben  2,    506    den    König 


x)  Dies  Luftschiff  gehört  zu  den  Bildern  aus  der  'Verkehrten 
Welt'  und  trägt  die  Unterschrift :  'Oft  ein  Klügling  schifft  im  Sinn  über 
Berg  und  Tal  dahin'.  So  verspottet  auch  Hans  Sachs  3558  (Folio  2,  4, 
89a  =  Fabeln  1,  588  nr.  199)  die  närrischen  Lappenhäuser  Bauern,  die 
zwei  Jahre  lang  an  einem  Luftschiffe  aus  Gänsefedern  und  Haberstroh 
bauen  und  damit  von  einem  Berg  in  den  Morgennebel  hinein  fahren 
wollen,  aber  jämmerlich  niederstürzen.  Der  Finkenritter  (um  1560  Bl.  B3a, 
Neudruck  1913)  segelt  mit  einem  gleichen  Nebel-  oder  Windschiff  über 
Stock  und  über  Stauden,  und  Ähnliches  berichten  die  Lügenlieder  bei 
Erk-Böhme  nr.  1103  und  1106.  Den  Glauben  aber  an  solche  großen  Luft- 
fahrzeuge, der  gleich  den  oben  2,  135  und  bei  Parker,  Ceylon  2,  18  er- 
wähnten Fliegermythen  der  Verwirklichung  lange  voraufeilte,  treffen  wir 
schon  im  9.  Jahrhundert  bei  dem  Erzbischofe  Agobard  von  Lyon  (Migue, 
Patr.  lat.  104,  147.  Grimm,  Myth.3  S.  604),  der  über  das  Wolkenschiff 
der  Zauberer  aus  dem  Lande  Magonia  berichtet,  im  13.  Jahrh.  bei  dem 
Augsburger  Konrad  Derrer  (Zs.  des  histor.  V.  f.  Schwaben  31,  105  nr.  14) 
und  im  19.  in  pommerschen  Volkssagen  (Jahn  nr.  56.  57)  an.  Vgl.  noch 
Delrio,  Disquisitiones  magicae  1603  3,20.  Feldhaus,  Luftfahrten  einstund 
jetzt  1908  S.  33.  Minor,  Zs.  f.  Bücherfreunde  n.  F.  1,  64  (1909). 
Q  r  i  m  m ,  Märchen-Anmerkungen  III.  18 


2?4  16ü.  Der  starke  Hans.  —  167.  Das  Bürle  im  Himmel. 

schließlich  in  solchen  Zorn  bringt,  daß  er  ihm  Einhalt  gebietet  und  ihn 
als  Schwiegersohn  annimmt.  Dieselbe  Aufgabe  wird  z.  B.  bei 
Oestrup,  Damas  p.  35  (oben  2,  508),  bei  Schiefner,  Awarische  Texte 
nr.  4  (S.  39.  XIV  =  R.  Köhler  1,  554),  bei  Luzel  3,  346  (oben  1, 
191.  Sack  voll  Wahrheiten)  gestellt  und  besagt  im  Grunde  dasselbe 
wie  die  Forderung,  sich  durch  drei  Wahrheiten,  die  der  Fordernde 
im  voraus  zu  bestreiten  gewillt  ist,  aus  einer  Lebensgefahr  zu  erretten ; 
vgl.  oben  S.  226.  Nicht  auf  unser  Märchen  zielt  Heinrich  Julius 
von  Braunschweigs  Comoedia  von  Vincentio  Ladislao  1594  VI,  2 
'Mein  Herr  wird  nun  einen  Sack  voll  Lügen  wieder  gesamlet  haben, 
die  er  weiter  vorbringen  kan'. 


1856  s.  245.  166.   Der  starke  Hans. 

1837  nr.  166.  — Von  einem  Schweizer  Hagenbach  aufgefaßt 
und  von  W.  Wackernagel  mitgeteilt. 

Eine  A  arg  au  er  Variante  bei  Sutermeister  nr.  8  'Der  Bueb 
mit  dem  isige  Spazierstecke'.  Vgl.  die  Anmerkungen  zu  den  ver- 
wandten Märchen  vom  jungen  Riesen  (2,  285)  und  vom  Erdmänneken 
(2,  297).  Unser  Märchen  enthält  die  oben  2,  300  bezeichneten  Teile 
A2  ß1  D  E  F  und  die  aus  nr.  71  bekannten  Gefährten  mit  wunderbaren 
Eigenschaften. 


1856  s  245.  167.    Das  Bürle  im  Himmel. 

1837  nr.  167.  —  Von  Friedrich  Schmid  in  der  Nähe  von 
Aar  au  auf  das  beste  erzählt.  Abgedruckt  bei  Sutermeister  nr.  35. 
Gereimt  bei  Simrock,  Legenden  1855  S.  55  =  Werke  1907  1,  101 
'Der  Bauer  im  Himmel'  und  üitfurth,  Alte  Schwank  und  Märlein 
1877  S.  173  'Das  Bäuerlein  im  Himmel'. 

Dänisch:  Skattegraveren  1,  12  nr.  11  'En  herremand  i 
himmerig'.  —  Katalanisch:  Mestres,  Folklore  cataki  1  (1895),  nr.  31 
'El  rieh  y  el  pobre'.  —  Serbokroatisch  aus  Warazdin:  Krauß  2, 
171  nr.  86  'Der  Arme  und  der  Reiche  im  Himmer. 


168.   Die  hagere  Liese.  275 

Im  schwäbischen  Märlein  bei  Birlinger,  Volkstümliches  1,  362 
nr.  586  'Petrus  und  das  Bäuerlein  =  Merkens,  Was  sich  das  Volk 
erzählt  1,  68  nr.  80  ist  es  nicht  ein  reicher  Mann,  der  so  große 
Himmelsfreude  erregt,  sondern  ein  Pf  äff  lein,  da  ein  solches  nur 
alle  fünfzig  Jahre  einmal  komme1).  Ähnliches  berichtet  Schubarts 
Gedicht  'Märchen'  (1774.  Sämtliche  Gedichte  1829  3,  50  =  1884 
8.  343).  —  Vgl.  R.Köhler,  Aufsätze  über  Märchen  1894  S.  71  'Sanct 
Petrus  der  Himmelspförtner'. 


168.   Die  hagere  Liese.  isse  s.  245. 

1840  nr.  168.  —  Nach  Kirchhofs  Wendunmut  1,  nr.  371 
(1563)  'Ein  Weib  wirt  mutwillig  geschlagen';  vgl.  Hamann,  Die 
literarischen  Vorlagen  1906  S.  85.  Ayrer  hat  aus  dieser  und  einer 
vorhergehenden  Erzählung  Kirchhofs  (1,  nr.  363)  sein  singets  Spiel 
von  dreyen  bösen  Weibern  im  Ton  des  englischen  Rolands  geformt 
(Dramen  ed.  Keller  5,  3051;  vgl.  Bolte,  Die  Singspiele  der  englischen 
Komödianten  1893  S.  12). 

Derselbe  Schwank  erscheint  schon  in  Hans  Sachsens  Meister- 
lied 'Der  Köbler  mit  der  Kue'  (1551.  Fabeln  5,  219  nr.  740).  In 
Montan us  Gartengesellschaft  c.  78  (Schwankbücher  1899  S.  337) 
geraten  Eheleute  einander  in  die  Haare,  weil  sie  darüber  uneins 
werden,  was  sie  mit  den  Schweinen  draußen  machen  sollten,  wenn 
sie  ihnen  gehörten.  Ein  um  1560  Wickrams  Rollwagenbüchlein 
als  nr.  106  angehängter  Schwank  (Werke  3,  132)  erzählt  von  einem 
Schwaben,  der  mit  seiner  Frau  ratschlagt,  ob  er  eine  Stute  kaufen 
solle,  und  sein  Söhnlein  prügelt,  weil  dies  dann  auf  dem  Füllen 
reiten    will.     Danach  Hulsbusch,    Sylva    sermonum  1568    p.  45 ;   vgl. 

l)  Eine  bissige  Satire  der  Reformationszeit  läßt  den  h.  Franzis- 
kus am  Himmelstore  immer  noch  auf  den  zweiten  Franziskaner  warten : 
Hilarius  Cortaesius,  Volantillae  (Paris  1533)  p.  81  =  Naogeorgus,  Sylva 
carminum  in  nostri  temporis  corruptelas  1553  p.  44  'De  beato  Francisco 
iocus';  danach  Sandrub,  Delitiae  historicae  1618  nr.  125  und  La  Monnoye, 
Oeuvres  choisies  2,  189  (1770).  Ähnlich  Waldis,  Esopus  1548  4,  nr.  4. 
H.  Sachs,  Fabeln  5,  62  nr.  639  'Der  staubig  St.  Franciscus'  (1550).  Probst, 
Von  dem  Mann,  der  so  hoch  gewesen  ist  (Milt.  f.  Gesch.  der  Stadt  Nürn- 
berg 19,  123). 

18* 


276  169.    Das  Waldbaus. 

Reuter,  Läuschen  un  Rimels  1,  nr.  54  'De  Gedankensün'n'  und  den 
mecklenburgischen  Volksschwank  vom  gefundenen  Gänseei  und 
Fohlen  (Dähnhardt,  Schwanke  S.  147  nr.  74).  Bei  Kirchhof  2,  nr.  131 
schlägt  sich  ein  Schneider  mit  seiner  Frau,  weil  sie  aus  ihrem  eben 
zur  Schule  gebrachten  Sohne  einen  Gelehrten  machen  will.  Neue 
Acerra  philologica  5,  nr.  51  (1708):   zwei  Brüder  zu  Padua. 

VI  am  i  seh:  Volkskunde  9,  7  'Van  den  man,  die  zou  burge- 
meester  worden'.  —  Friesisch  bei  Dykstra  2,  118  'Om  rijk  te 
worden'  (Streit  über  die  Kuh).  —  Rumänisch:  Schullerus  nr.  28 
'Der  Zigeuner  mit  dem  Pferd'  (Archiv  f.  siebenbg.  Landesk.  33,  449. 
Ähnlich  Wickram).  —  Serbisch:  Wesselski,  Nasreddin  1911  1,249 
(Hufeisen  gefunden).  Vuk  Vrcevic,  Srp.  pripov.  kratke  S.  33  nr.  77 
=  Krauß,  Zigeunerhumor  S.  125  'Das  gefräßige  Zigeunerkind';  S.  126 
'Die  unfolgsame  Zigeunerin'.  —  Litauisch:  Jurkschat  1,  127  nr.  Gl 
'Die  Weißrussen  und  der  Käse'  (wünschen  einen  Käse  zu  finden  und 
streiten  über  dessen  Verwendung).  —  Estnisch:  Kbl.  f.  nd.  Sprach- 
forschung 19,  18  (1897).  —  Finnisch:  Aarnes  Register  nr.  1430. — 
Türkisch:  üecourdemanche,  Sottisier  de  Nasr-Eddin-Hodja  1878  nr.  84 
=  Wesselski,  Nasreddin  1911  1,  86  nr.  163  (Eselsei).  —  Indisch: 
Grierson,  Linguistic  survey  5,  2,  85  (Maithlll.  Ehepaar).  Ledere, 
Contes  laotiens  p.  216  (Vater  und  Sohn).  —  Mongolisch:  Siddhi- 
Kür  nr.  21  (Jülg,  Mongolische  Märchen  1868  S.  40.  Benfej',  Pant- 
schatantra  2,  548).  —  Suaheli:  Mendner  nr.  6  'Der  törichte  Mann'. 

Verwandt  ist  das  Luftschlösser  bauende  Ehepaar  in  nr.  164, 
das  jedoch  sein  Mißgeschick  friedlicher  hinnimmt.  —  Ein  Streit  von 
vier  in  Zukunftsträume  versenkten  Opiumrauchern  begegnet  in  dem 
türkischen  Roman  'Die  vierzig  Veziere',  übers,  von  Behrnauer  1851 
S.  177,  von  Gibb  1886  p.  404;  vgl.  Chauvin  8,  178  nr.  209.  Aus 
ebenso  nichtigem  Grunde  zanken  in  einem  arabischen  Schwanke  zwei 
Wandrer,  die  sich  ihre  Wünsche  mitteilen  (Revue  des  trad.  pop.  13, 
481  nr.  111)  oder  feststellen  wollen,  wie  groß  das  Brot  in  Marokko 
sei  (Stumme,  Schluh  von  Tazerwalt  1895  S.  179  nr.  24,  1). 


1856  s -^-  169.   Das  Waldhaus. 

1840  nr.  169.  —  Dies  Märchen  hat  Karl  Goedeke  zu  D  eligse  n 
bei  Alefeld  nach  mündlicher  Überlieferung  niedergeschrieben  und  den 
Brüdern  Grimm  mitgeteilt.     Das  Zusammenleben  der  Menschen  und 


170.    Lieb  und  Leid  teilen.  277 

Haustiere,  wie  es  die  alte  Tiersage  voraussetzt,  ist  gut  geschildert ; 
sie  werden  wie  zur  Familie  gehörig  betrachtet  und  gepflegt.  Ver- 
wandelte Menschen  darin  zu  sehen,  war  erst  später  Veranlassung, 
und  der  Alte,  der  die  Stelle  der  Frau  Holle  vertritt,  wollte  nur  das 
gute  Herz  des  Mädchens  prüfen. 

Aus  Lobenfeld  hat  Pf  äff  (Festschrift  zur  Doktorjubelfeier 
Weinholds  1896  S.  73  'Hinkel  und  Kätzel')  eine  badische  Fassung 
mitgeteilt:  die  in  der  AValdhütte  ausgesetzten  Geschwister  fordern 
vom  Wolf,  der  nachts  Einlaß  begehrt,  auf  den  Rat  von  Hahn  und 
Katze,  er  solle  zuvor  ein  Haus  bauen,  es  ausstatten  und  Wasser 
tragen ;  dabei  bricht  er  den  Hals.  Als  ihre  Stiefgeschwister  eben- 
falls in  eine  Waldhütte  ziehen  und  der  Wolf  nachts  kommt,  weigern 
ihnen  Hahn  und  Katze  den  Rat,  weil  sie  keine  Speise  erhalten  haben,  und 
der  Wolf  zerreißt  sie.  —  Isländisch:  Arnason  2,  450  =  Poestionnr.  15 
=  Rittershaus  S.  261  nr.  66  'Das  Aschenbrödel';  auch  Rittershaus  S.  265 
nr.  67  'Die  drei  Schwestern'.  —  Serbokroatisch:  Wuk  nr.  34 
'Die  Stiefmutter  und  ihr  Stiefkind'.  Stojanovic,  Nar.  prip.  S.  115  = 
Cox,  Cinderella  p.  400  'Tochter  und  Stieftochter'.  —  Cechisch: 
Xemcova-Tille  3,  64  nr.  37  =  Waldau  S.  519  'Die  dankbaren  Tiere'. 
--  Vgl.  oben  1,  207  zu  nr.  24  'Frau  Holle'. 


170.    Lieb  und  Leid  teilen.  issss.  sm 

1840  nr.  170.  —  Aus  Georg  Wickrams  Rollwagenbüchlein 
1555  nr.  17  =  Werke  hsg.  von  Bolte  3,  23  'Einer  leidt  mit  seiner 
Frauen  Lieb  und  Leidt';  vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen 
1906    S.  86. 

Wickrams  Vorbild  war  wohl  ein  Meisterlied  des  Hans  Sachs 
•Der  mon  dorft  sein  weib  nit  schlagen'  (1551.  Fabeln  ed.  Goetze 
5,  231  nr.  748),  dessen  Schluß  freilich  nicht  so  witzig  ausgefallen  ist. 
Der  Mann  bindet  die  keifende  Frau  an  eine  Säule  und  wirft  mit 
Äpfeln  nach  ihr;  vor  dem  Richter  verantwortet  er  sich,  er  habe  nur 
gescherzt:  'So  oft  ich  sie  traf,  war  ich  froh;  fehlte  ich,  so  rief  sie: 
Gefehlt,  du  Tropf!'  In  einem  andern  Meistergesänge  'Drei  los 
antwort  eins  losen  mans'  (1546.  Fabeln  4,  158  nr.  336)  folgt  der 
vom  Richter  verwarnte  Schneider  seiner  Frau,  wie  ihm  geheißen  war, 


278  171.    Der  Zaunkönig. 

aber  mit  Schlägen ;  in  einem  dritten  'Die  guetten  wort'  (1551.  Fabeln 

4,  218  nr.  739)  schlägt  der  Mann,  der  sein  Weib  nur  mit  guten 
Worten  strafen  sollte,  ihr  ein  Gebetbuch  an  den  Kopf.  Noch  gröber 
rächt  sich  in  Montanus'  Wegkürzer  1557  nr.  2  (Schwankbücher  1899 

5.  12)  ein  elsässischer  Rebmann  an  seiner  naschhaften  und  hinter- 
listigen Frau,  indem  er  sie  bei  einem  Tanze  so  plötzlich  fahren  läßt, 
daß  sie  die  Stiege  hinunterfällt.  Bruno  Seidelius,  locus  mariti 
(Delitiae  poetarum  Germanorum  6,  115.  1612.  Verbis  bonis  sanare). 
B.  Krüger,  Hans  Ciawert  1587  c.  8  =  1882  S.  21  (folgen). 
Hennenberger,  Erclerung  der  preußischen  Landtaffel  1595  S.  482  — 
Grässe,  Sagenbuch  des  preuß.  Staates  2,  626  nr.  681  'Wie  ein  armer 
Gesell  sich  verbürgt  hat,  sein  Weib  nur  mit  guten  Worten  zu  strafen'. 
Melander,  Joci  atque  seria  2,  67  nr.  52  (1604)  =  Verdeutschung 
2,  25  nr.  23  (1605.  Mit  guten  Worten  strafen);  danach  Lundorp, 
Wißbadisch  Wisenbrünlein  2  (1611),  nr.  57.  Kurtzweiliger  Zeit- 
vertreiber durch  C.  A.  M.  von  W.  1666  S.  369  =  1668  S.  415  = 
1683  S.  445  ==  Wickram,  Werke  3,  366.  Fabulanus  Kurtzweill. 
Tischreden  (Wiener  Hs.  14914,  geschrieben  in  München  um  1770) 
S.  981  nr.  44  'Alles  muß  nach  meinem  Kopfe  gehn'.  Lyrum  Larum 
1701  nr.  113.  Abendstunden  2,  365  (1767)  'Der  gehorsame  Mann'. 
Wander,  Sprichwörterlexikon  4,  888  nr.  4:  'Ick  straf  min  Fru  mit 
gauden  Wührden,  seggt  jener  Bur,  un  Schmitt  ehr  dei  Bibel  an  'n 
Kopp'.  —  Französisch:  Bouchet,  Serees  1,  nr.  9  (2,  166  ed.  Roybet. 
Elle  me  dit  que  tout  iroit  ä  sa  teste).  B.  de  Verville,  Le  moyen  de 
parvenir  c.  102—103  (1889  p.  367.  Der  Mann  schlägt  mit  der  Elle, 
der  Bibel,  der  geräucherten  Ochsenzunge).  Les  recreations  franooises 
1,  101  (1662). 


^ses.  246.  171.    Der  Zaunkönig. 

1840  nr.  171.  —  Nach  einer  Auffassung  von  dem  Pastor 
J.  Mus  saus,  die  in  den  Jahrbüchern  des  Vereins  für  mecklen- 
burgische Geschichte  5,  74  nr.  1  'Die  Königswahl  unter  den  Vögeln' 
=  Bartsch  1,  518  nr.  25  =  Raabe,  Plattdeutsches  Volksbuch  1854 
S.  151  abgedruckt  ist,  und  nach  einer  andern  von  Karl  Goedeke 
in  Lachendorf  bei  Celle  aufgenommenen.  Vgl.  Hamann,  Die  literarischen 


171.    Der  Zaunkönig.  279 

Vorlagen  1906  S.  87.  Eine  gute  Untersuchung  über  das  Märchen 
liefert  A.  v.  Löwis  bei  Däknhardt,  Natursagen  4,  160 — 184  (1912). 
Es  ist  ein  eigentümlicher  Zug  der  Tierfabel,  die  Königswürde 
entweder  dem  größten  und  mächtigsten  oder  umgekehrt  dem 
kleinsten  und  zierlichsten  Geschöpf  einer  Gattung  zu  übertragen 
(J.  Grimm,  Eeinhart  Fuchs  1834  S.  XLIV).  Wie  Zwerge  oder  der 
Däumling  oder  das  kluge  Schneiderlein  starke  Riesen  durch  List 
besiegen,  so  gewinnt  hier  der  kleinste  Vogel1)  die  Oberhand  über 
den  Adler,  den  alten,  ursprünglichen  Herrscher  der  Vögel;  vgl.  oben 
2,  435.  So  berichtete  schon  eine  äsopische  Fabel,  die  freilich 
in  unsern  Sammlungen  derselben  nicht  zu  finden  ist,  nach  dem 
Zeugnisse  Plutarchs,  Praecepta  gerendae  reipublicae  c.  12  p.  806  e: 
'Wie  Äsops  Zaunkönig  (ßaoiMoxog)  auf  des  Adlers  Achseln  empor- 
getragen plötzlich  aufflog  und  ihm  zuvorkam'.  Darauf  beziehen  sich 
auch  die  Worte  des  Aristoteles,  Historia  animalium  9,  c.  11:  'Der 
Zaunkönig  (iQQyiXoc,)  wird  Ältester  und  König  (ßaoiAEvg)  genannt, 
weshalb  ihm  auch,  wie  man  erzählt,  der  Adler  feind  wurde'  und  des 
Plinius  Historia  nat.  10,  74,  203:  'Dissident  .  .  .  aquilae  et  trochilus, 
si  credimus,  quoniam  rex  appellatur  avium'  (G.  Knaack,  Berliner 
Philologische  Wochenschrift  1888,  507).  Auf  letzteren  geht  neben 
vielen  kürzeren  Erwähnungen2)    eine   etwas  ausführlichere  Erzählung 


*)  Unland  (Schriften  3,  83)  meint,  daß  der  goldfarbene  Reif  um  den 
Kopf  des  schmucken  Sommerzaunkönigs,  der  deshalb  auch  Goldhähnchen 
heiße,  in  Verbindung  mit  der  Lust  am  Widerspiel  den  Königsnamen  des 
Zaunschlüpfers  veranlaßt  habe;  allein  dieser  Reif  eignet  vielmehr  zwei 
Meisenarten,  die  Goldhähnlein  heißen  (Fischer,  Schwab.  Wtb.  3,  602. 
Brehms  Tierleben,  3.  Aufl.  Vögel  1,  154.  1900). 

2)  Z.  B.  Konrad  von  Megenberg,  Buch  der  Natur  1861  S.  184.,  16; 
'Trochilus  heißt  ain  künigel'  .  .  .  nach  Thomas  Cantimpratanus,  Libei  de 
natura  rerurn  (Germania  6,  80);  Geiler,  Postill  1522  Bl.  155:  'Zun- 
schlipferlin,  das  sich  wider  den  Adler  strueßet'  (Frisch  2,  466a);  Bellon, 
Livre  7  de  la  nature  des  oyseaux  1555  p.  342.  Vallaneey,  Collectanca 
de  rebus  hibernicis  13,  97  ( Brand- Hazlitt,  Populär  antiquities  1870  3,  188). 
—  Unter  den  Namen  des  Vogels  sind  noch  bezeichnend:  Schneekönig, 
Dornkönig,  Mäusekönig,  Sommerkönig,  steirisch  Kinivogerl ;  niederdeutsch 
Mespelköningske,  Netelkoning,  Winterkonic;  niederländisch  Tuinkoningje; 
dänisch  Fuglekonge,  Spurrekonge,  Gjerdekonge;  schwedisch  Kungsfogel, 
Sparfkung;  englisch  Kinglet;  französisch  roitelet,  roi  des  oiseaux,  roi  de 
froidure,  roi  Bertaud,  roi  Bertrand,  empereur;  italienisch  regillo,  reatino, 
re  meschino,  re  di  siepe,  redimacchia;  spanisch  reyezuelo;  serbokroatisch 
kraljic,  kraljicak,  stris,  strijez;  cechisch  krälicek,  pod  plotnicek  (plot  = 
Zaun),  stfiz,  stfizlik;  polnisch  mysi  krölik  (Mäusekönig),  cesarzuk,  strzyz. 


280  171.    Der  Zaunkönig. 

bei  Alexander  Neck  am,  De  naturis  rerum  1,  c.  78  p.  122  ed. 
Wright  1863  aus  dem  Ende  des  12.  Jahrh.  zurück:  'Condixerunt 
inter  se  aves,  ut  illa  regiae  celsitudinis  gloriam  sorfciretur,  quae 
sublimi  volatu  omnes  alias  vinceret.  Parra  igitur  sub  ascella  aquilae 
latitans  opportunitatem  ex  tempore  nacta  est.  Cum  enim  aquila 
Iovis  penetralibus  vicinior  dominium  sibi  vendicaret,  ausa  est  parra 
capiti  aquilae  insidere,  victricem  se  esse  asserens.  Sicque  nomen 
reguli  obtinuit.'  —  Daß  die  Vögel  dem  Zaunschlüpfer  wirklich  die 
Königswürde  übertrugen,  fügt  eine  hebräische  Tierfabel  des  in  der 
zweiten  Hälfte  des  13.  Jahrh.  lebenden  Barach  ja  Nikdani  (Parabolae 
vulpium  ed.  Hanel  1661  p.  147  =  W.  Grimm,  Kl.  Schriften  4,  364 
=  Zs.  f.  dt.  Mythologie  1,  2)  hinzu.  Noch  lebendiger  malt  'Der 
Vögel  Gespräch',  ein  deutsches  Gedicht  des  15.  Jahrh.,  das  zu 
der  Gruppe  der  mittelalterlichen  Vogelparlamente  gehört  (abgedruckt 
von  Pfeiffer,  Germ.  6,  81  aus  dem  Cgm.  714;  vgl.  Seelmann,  Jahr- 
buch f.  nd.  Sprachforschung  14,  104),  in  der  Einleitung  den  auf  des 
Falken  Vorschlag  vorgenommenen  Wettflug  aus;  das  Vöglein  steigt 
über  den  Adler  empor,  flüchtet  aber,  durch  seine  Drohungen 
erschreckt,  in  die  Hecke  zurück  und  kommt  erst  hervor,  als  ihm  die 
Kohlmeise  versichert,  daß  alle  Vögel  bereit  seien,  es  als  König  zu 
ehren.  Endlich  benutzt  auch  der  Jesuit  Jakob  Bidermann  (f  1639) 
die  Fabel  in  seinen  Acroamata  academica  lib.  1,  c.  1  —  ed.  Colon.  17U2 
p.  1 :  'Ingeniorum  certamina in  volucrum  fabella'.  Schiller  in  der  ersten 
Fassung  der  Räuber  1781  I,  2  (Archiv  für  Litgesch.  9,  291):  'Du 
hängst  dich  an  den  Adler  Spiegelberg  wie  der  Zaunkönig  und 
kommst  mit  ihm  zur  Sonne'. 

Neuere  Aufzeichnungen  aus  Deutschland:  Aurbacher, 
Büchlein  für  die  Jugend  1834  S.  242  'Das  Zaunköniglein'.  Simrock, 
Kinderbuch  1848  nr.  394  =  3.  Aufl.  nr.  800.  Ch.  Gilow,  De  Diere 
1871  S.  668.  Zs.  f.  dt.  Myth.  1, 225.  Aus  der  Grafschaft  Mark:  Woeste 
1848  S.  93  'Die  Königswahl  der  Vögel'  =  Firmenich  3,  189.  = 
Schell,  Bergischer  Volkshumor  S.  81.  Aus  Waldeck:  Curtze 
S.  171  'De  Tuunkünnig'.  Aus  Hannover:  Schambach-Müller  S.  319 
'Der  Zaunkönig'.  Firmenich  1,  186  'De  lütje  Vogel  ohne  Namen'. 
Pröhle,  KVM.  nr.  64  'Der  Zaunkönig  und  die  Hühnerwieke'.  Aus 
Oldenburg:    Strackerjan    2,    106    =    2.  Aufl.  2,  170.     Aus    Mecklen- 

wolowe  oezko  (Ochsenäuglein);  kleinrussisch  kropyajanka,  korötyk,  volove 
oko,  orisek  (orech  =  Nuss);  großrussisch  krapivnik  (krapiva  =  Nessel), 
koroljok  (kleiner  König);  litauisch  karalelis,  nyksztukelis  (Däumling). 


171.    Der  Zaunkönig.  281 

bürg:  K.  Schiller,  Zum  Tier-  und  Kräuterbuche  2,  17  (1861). 
Wossidlo  2,  53.  366.  Aus  Brandenburg:  Halling,  Mones  Anzeiger 
1835,  312.  Kuhn,  Märkische  Sagen  S.  293  'Die  Königswahl  der 
Vögel'  =  Friedel-Mielke,  Landeskunde  der  Provinz  Brandenburg  3, 
235  (1912).  Firmenich  3,  119  'Tuunkönig'.  Gereimt  von  F.  Schwerin, 
Vöggel-Sproak  un  Snack  1858  S.  14  'De  Tunkönig'.  Aus  Pommern: 
Mones  Anzeiger  1835,  14.  Jahn,  Volkssagen  nr.  595  'Wie  der  Zaun- 
könig ein  König  der  Vögel  geworden  ist'.  Asmus-Knoop  S.  70  'Der 
Zaunkönig'.  Haas  1891  nr.  146  =  1903  nr.  178  =  1912  nr.  181 
'Der  Zaunkönig  und  die  Eule'.  Aus  dem  Samlande:  Reusch,  Sagen2 
S.  39    nr.  34. 

Niederländisch:  Firmenich  3,  769  'De  ooijevaar,  de  uil 
en  het  winterkoningje'.  L.  Sloet,  De  dieren  1888  p.  209.  De  Mont 
en  de  Cock,  Vertelsels  p.  98  'Van  waar  het  koninksken  zijnen 
naam  heeft'  und  99  'Waarom  de  uil  's  nachts  moet  vliegen'.  Joos 
1,  26  'Van 't  koninksken  en  den  uil'.  Leopold,  Van  de  Scheide  tot 
de  Weichsel  1,  19  =  Teirlinck,  Contes  flamands  p.  92.  Cornelissen- 
Vervliet  p.  222  nr.  63  'Waarom  de  uilen  's  nachts  vliegen'.  Volks- 
kunde 15,  72  'Van  het  winterkoninkje'  (drei  Fassungen).  —  Dänisch  : 
Grundtvigs  hsl.  Nachlaß  Bd.  75:  'Fuglekongen'  (aus  Möen).  Kamp, 
Folkeminder  p.  103  'Fuglekongen'.  Skattegraveren  2,  31  nr.  232. 
Kristensen,  Sagn  og  overtro  2,  1,  375  nr.  673  'Fuglenes  konge'. 
Kristensen,  üanske  Sagn  2,  261  nr.  44 — 47.  —  Schwedisch: 
Allardt  S.  113  nr.  109  'Hur  natlappen  blef  kung  öfver  fäglarna'.  — 
Englisch  aus  der  Grafschaft  Leitrim:  Folklore  5,  197  'St.  Stephen's 
day\  —  Schottisch:  Campbell2  1,  285  nr.  17a,  15  'The  eagle  and 
the  wren'  =  Douglas  p.  28  =  Brueyre  p.  371.  Campbell,  Clan 
traditions  1895  p.  120.  —  Irisch:  Morgenblatt  1841,  nr.  156,  S.  623. 
Ysten  Sioned  1882  p.  50  'Die  Eule'  (Litbl.  f.  german.  Philologie 
1883,  154).  Folk-lore  Record  4,  108  (1881).  Thompson,  Birds  of 
Ireland  2,  350.  Kelly,  Curiosities  of  indo-european  folk-lore  p.  78 
(Dähnhardt,  Natursagen  4,  171).  —  Französisch:  Sebillot,  Folk- 
lore de  France  3,  167.  Rolland,  Faune  pop.  2,  293.  Revue  des 
trad.  pop.  1,  389  'L'aigle  et  le  roitelet'  (Champagne).  12,  549  'La 
legende  du  roitelet'  (Auvergne).  Blade,  Contes  3,  218  'L'aigle  et  le 
roitelet'.  Pradere,  La  Bretagne  poetique  p.  203.  In  einem  bretonischen 
Liede  (Melusine  1,  193)  kommen  alle  Vögel  zu  des  Zaunkönigs 
Hochzeit,  nur  der  Adler  nicht.  —  Italienisch:  Gubernatis,  Die 
Tiere    S.    500.      Nerucci,    Cincelle    nr.    1    'Far'e    patti'    (Schluß)    = 


282  171.    Der  Zaunkönig. 

Imbriani,  Novellaja  fior.2  p.  613.  Pitre,  Fiabe  e  leggende  1888  nr. 
116  'Lu  riiddu'.  Pitre,  Usi  e  costumi  3,  383  -Scricciolo  e  regolo'. 
Ein  Gedicht  von  Giov.  Meli,  L'aguila  e  lu  riiddu.  —  Rumänisch: 
Marianu,  Ornitologia  1,  306 — 311.  Papahagi  p.  795  (Dähnhardt  4, 
183.  171.  Revue  des  trad.  pop.  8,  595).  —  Serbokroatisch: 
Glasnik  muz.  bos.  herceg.  12,  347.  —  Slovakisch:  Slov.  Pohl'ady 
12,  722  nr.  17.  —  Cechisch  wird  die  äsopische  Fabel  im  16.  Jahr- 
hundert erwähnt:  Veleslavin.  Polit.  S.  498,  vgl.  Flajshans,  Pfislovi  1, 
632.  Sumlork  1,  182.  —  Wendisch:  Zs.Luzican  1877,62.  Schulen- 
burg, Volkssagen  S.  81  'Der  Zaunkönig'.  Veckenstedt  S.  424. 
—  Polnisch:  Zbiör  5,  166  (Dähnhardt  4,  171).  Knoop,  Tier- 
welt S. 57  nr.  489.  —  Kleinrussisch:  Dragomanov  p.  386  =  Bulasev 
p.  474.  Jastrebov  p.  19  (Dähnhardt  4,  168.  183;  vgl.  Sumcov,  Sovrem. 
malorus.  etnografija  2,  19).  In  Nordungarn  Verchratskyj  S.  113.  114. 
119.  122.  127.  144.  164.  Ihnatyj  z  Niklovyc  S.  96  nr.  25  =  Etnogr. 
Zbirnyk  12,  28  nr.  29.  Etnograf.  Zbirnyk  37—38,  362  nr.  266.  37—38, 
410,  nr.  311.  —  Litauisch:  Jurkschat  1,  41  nr.  11  'Der 
Eule  Wachsamkeit'.  Mitt.  der  litau.  literar.  Gesellschaft  2,  48 
(1883—87)  'Der  König  der  Vögel'.  Scheu-Kurschat  nr.  71  'Der 
Zaunkönig  wird  König  der  Vögel'.  Dowojna  Sylwestrowicz  2,  326 
(Z.  von  Kwarabas  zum  Gott  der  Vögel  bestimmt). 

Verschiedentlich  ist  an  die  Stelle  des  Zaunkönigs  ein  andrer 
kleiner  Vogel  getreten:  ein  Rotkehlchen  in  der  griechischen 
Überlieferung  bei  Politis,  UaQaöÖGEig  nr.  33!  und  in  der  bretonischen 
bei  Sebillot,  Traditions  2,  215  (beree);  ein  Kuckuck  im  Klein- 
russischen (Cubinskij  1,  763);  der  Popek  (pyrotula  maior),  der  auf 
einer  Taube  übers  Meer  fliegt,  im  Polnischen  (Swie^tek  S.  588  nr.  13); 
ein  Habicht  im  Rumänischen  (Jacimirskij,  Skazocnoje  bogatstvo 
S.  96);  eine  Nachtigall  im  Rumänischen  und  Magyarischen  (Marianu 
J,  314.  Revue  8,  595  *);  ein  Hänfling  bei  den  Ojibway  in  Nord- 
amerika (Swainson,  Folk-lore  of  british  birds  p.  65.  Algic  rcsearches 
2,  216);  ein  Kolibri  bei  den  Malaien  (Bezemer,  Volksdichtung  S.  388 
'Die  Vögel  erwählen  sich  einen  König'  —  Bijdragen  tot  de  taalkunde 
van  Nederlandsch  Indie  45,  230  nr.  17.  1895);  eine  Fledermaus 
bei  den  Schweden  in  Finnland  (Allardt  nr.  109)  und  bei  den  Mongolen 
(Potanin,  Ocerki  4,  173.  Potanin,  Okraina  2,  313  nr.  2.  Dähnhardt 
4,  169);  der  kleine  Vogel  Bogorgeno  bei  den  Mongolen  (Potanin 
4,  629  =  Sumcov,  Sovrem.  malorus.  etnogr.  2,  20).  In  einem 
kaby lischen   Märchen   bei   Riviere   p.    139   prahlt   der   Zaunkönig 


171.    Der  Zaunkönig.  283 

gegenüber  dem  Kamel,  in  einem  jüdischen  aus  dem  Gouv.  Jelisavetpol 
(Sbornik  kavkaz.  18,  3,  151)  dünkt  sieb  die  Ameise  auf  der  Hand 
Salomos  als  das  Mächtigste. 

Zum  Eingange  unsres  Märchens  vergleiche  man  die  Deutung 
der  Handwerksgeräusche  bei  Hoffmeister,  Hessische  Volks- 
dichtung 1869  S.  109;  der  Schleifstein  ruft  'He  tauget  nix,  un  sä 
tauget  nix',  der  Pechdraht  des  Schusters  'Erbsen  und  Speck  die  mag 
ich  nicht',  der  Hammer  des  Schmiedes  'Sinn  se  balde  weiche',  die 
Nadel  des  Schneiders  'Hätt  ichs',  der  Hobel  des  Schreiners  'Da  host 
es'.  Ähnlich  Reusch,  Samland  1863  S.  127;  Haltrich,  Zur  Volkskunde 
der  Siebenbürger  1885  S.  151.  Über  die  Mühlradsprache 
handelt  J.  Grimm,  Kl.  Schriften  7,  163  =  Zs.  f.  dt.  Altertum  5,  511; 
Toppen,  Neue  preu_ß.  Provinzialblätter  1846,  436;  Wackernagel,  Variae 
voces  animantium  1869  S.  11  und  Kl.  Schriften  3,  4;  Böhme, 
Deutsches  Kinderlied  1897  S.  229;  Manderssen,  Jocoseria  1689  nr.  79 
(Guarna,  Bellum  grammaticale  1908  S.  *25).  Über  die  Deutungen 
der  Vogelrufe  s.  Wackernagel,  Variae  voces  S.  12  und  Kl. 
Schriften  3,  3.  197;  Rochholz,  Alemannisches  Kinderlied  1857  S.  75; 
Böhme,  Kinderlied  S.  218;  Wossidlo,  Mecklenburg.  Volksüber- 
lieferungen 2,  45;  Dähnhardt,  Natursagen  3,  355. 

Bedeutsam  drückt  die  Formel  'Als  noch  die  Tiere 
sprachen'  den  Untergang  eines  im  Glauben  der  Poesie  einstmals 
vorhandenen  engeren  Verkehrs  mit  den  Tieren  aus.  Schon  Aimoin, 
De  gestis  Francorum  1,  c.  10  (Bouquet,  Recueil  des  historiens  des 
Gaules  3,  35.  1741)  sagt:  'Eo  in  tempore,  quo  humanae  copia  eloquentiae 
eunetis  inerat  animantibus  terrae'.  Einfacher  ausgedrückt  in  den 
Chroniques  de  Saint  Denis  1,  c.  13  (Bouquet  3,  165):  'En  ce  tems, 
que  les  bestes  parloient'.  Rabelais,  Gargantua  2,  c.  15:  'Au  temps 
que  les  bestes  parloyent,  ü  n'y  ha  pas  trojrs  iours'.  Fischart, 
Gargantua  c.  36  (1891  S.  356):  'In  illo  tempore,  da  die  Thier  redten'. 
Waldis,  Esopus  1548  1,  nr.  39:  'Vor  Zeiten,  als  die  Beume  redten, 
wie  auch  daselbs  die  Steine  theten.'  Straparola,  Facetieuses  nuits 
13,  nr.  1  (1857  2,  341):  'Au  tems  passe,  que  les  bestes  parloient.' 
Croce,  Bertoldop.  39:  'Quando  le  bestie  parlavano'.  Rückert,  Die  Beichte 
der  Tiere:  'Als  die  Tiere  noch  sprachen'  (Poetische  Werke  1868  3, 
93.  Nach  Swift).  Rußwurm,  Sagen  aus  Hapsal  1861  S.  188:  'Vor 
Alters  konnten  die  Bäume  reden'.  F.  Müller,  Siebenbürgische 
Sagen  1885  nr.  224:  'Es  gab  eine  Zeit,  da  konnten  alle  Tiere  sprechen.' 


284  172.    Die  Scholle. 


1S56S.247.  172,    Die  Scholle. 

1840  nr.  172.  —  Nach  Mussäus,  Jahrbücher  des  V.  f.  mecklen- 
burgische Geschichte  5,  77  nr.  2  'Die  Königswahl  unter  den  Fischen' 
(1840)  =  Firmenich  1,  71  =  Raabe,  Plattdeutsches  Volksbuch  1854 
S.  154  —  K.  Schiller,  Zum  Tier-  und  Kräuterbuch  3,  21  (Schwerin 
1864)  =  Bartsch  1,  518  nr.  26  =  Sloet,  De  dieren  1888  S.  374; 
vgl.  Hamann.  Die  literarischen  Vorlagen  1906  S.  88.  —  Gereimt  1859 
von  F.  Reuter,  De  Afgunst  (Läuschen  un  Rimels  2,  nr.  59  =  Werke 
hsg.  von  Seelmann  1,  360).  Nacherzählt  von  Beckstein,  Neues 
Märchenbuch18  1871  nr.  23  'Der  Fischkönig'.  Toppen,  Neue  preuß. 
Provinzialblätter  1846,  447.  Untersucht  ist  das  Märehen  von  A.  v.  Löwis 
bei  Dähnhardt,  Natursagen  4,  192—197  (1912). 

Westfälisch:  Kuhn,  Sagen  aus  Westfalen  2,  80  'Die  Flunder'. 
Mecklenburgisch:  Wossidlo  2,  23  und  346  nr.  104.  P om- 
ni er  is  eh.:  Jahn,  Volkssagen  nr.  598  'Die  Flunder'.  Riehl,  Land  und 
Leute  S.  117.  Asmus-Knoop  S.  70  'Warum  die  Flunder  ein  schiefes 
Maul  hat'.  Haas,  Rügensche  Sagen  1891  nr.  149  'Die  Steinbutte'  = 
1903  nr.  180  =  1912  nr.  183.  Haas,  Pommersche  Sagen  nr.  208 
•Die  Scholle  bei  der  KönigswahP  =  C.  Gilow,  DeDiere  1871  S.  538. 
Blätter  f.  pomm.  Volkskunde  2,151.  5,139.8,42.  9,  41.  —  Friesisch: 
C.  Johansen,  Die  nordfriesische  Sprache  1862  S.  28.  Kern-Willms, 
Ostfriesland  wie  es  denkt  1871  nr.  604  (Scholle  ärgert  sich  über  die 
Garneele).  —  Niederländisch:  Dykstra  2,  139  'De  haring  en  de 
bot'.  Joos  1,  29  'Van  den  bot  en  zijn  smoeleken'.  Ons  volksleven 
J,  56  'Waarom  de  pladijs  nen  krommen  snuit  heeft'  —  Cornelissen- 
Vervliet  p.  224.  De  Mont  &  de  Cock,  Vertelsels  p.  97  'Waarom  de 
bot  een  scheef  muiltje  heeft'.  —  Schwedisch:  Hylten-Cavallius, 
Wärend  2,  XIX  (die  Flunder  nennt  den  Hecht  häßlich).  —  Eng- 
lisch: Folklore  Journal  4,  16  'The  herring  and  the  flounder'.  In 
einer  Lobrede  auf  den  Hering  erzählt  Thomas  Nashe,  Leuten  Stuffe 
1599  (Works  ed.  by  McKerrow  3,  201.  1905.  E.  Phipson,  Animal  lore 
of  Shakespeare' s  time  1883  p.  372),  wie  die  Fische,  denen  die  Vögel 
wegen  der  Ermordung  eines  Falken  den  Krieg  erklärt  haben,  sich 
einen  König  wählen.  Die  Wahl  fällt,  da  Walfisch  und  Delphin  über 
die  drohende  Gefahr  nur  spotten,  auf  den  Hering,    der  seitdem  eine 


173.    Rohrdommel  nnd  Wiedehopf.  285 

kleine  Krone  auf  dem  Kopfe  trägt  *).  Aber  die  Scholle  und  der  Butt 
stimmen  nicht  in  den  Heilruf  auf  den  neuen  König  ein,  sondern 
ziehen  ein  schiefes  Maul,  und  zur  Strafe  dafür  behalten  sie  das 
schiefe  Maul. 

Einige  von  den  hier  genannten  Fassungen  dieser  Herleitung 
des  schiefen  Mauls  der  Scholle  erwähnen  die  Königswahl  nicht, 
sondern  nur  das  Wettschwimmen2).  Dähnhardt  (Beiträge  zur  ver- 
gleichenden Sagen-  und  Märchenforschung,  Progr.  Leipzig  1908  S.42) 
stellt  noch  andre  Erzählungen  von  einem  Wettschwimmen  zusammen, 
bei  dem  der  Kaulbarsch  gleich  dem  Zaunkönig  in  nr.  171  oder 
dem  zu  nr.  187  erwähnten  Krebs  sich  an  den  Schwanz  seines  Gegners, 
des  großen  Lachses,  festbeißt  oder  festbindet :  lettisch  bei  Lerchis- 
Puschkaitis  5,  59  =  Zivaja  Starina  5,  443;  schwedisch  bei  Aberg 
nr.  197  und  in  Hackmans  Register  nr.  250;  finnisch  bei  Schreck 
S.  238  und  in  Aarnes  Register  nr.  250;  lappländisch  bei  Friis  nr.  2 
=  Poestion  nr.  4. 


175.    Rohrdommel  und  Wiedehopf.  lsses.  247. 

1840  nr.  173.  —  Nach  Muss aus,  Jahrbücher  des  V. f.  mecklenb. 
Geschichte  5,  77  nr.  3  'Die  Kuhhirten'  (1840)  =  Bartsch  1,  520 
nr.  31.  Vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  1906  S.  88  und 
Singer,  Schweizer  Märchen  1,  45. 

Aus  dem  A  arg  au  bei  Rochholz,  Alemannisches  Kinderlied  1857 
S.  91  =  Sutermeister  nr.  56  'Die  beiden  Hirten'.  Aus  der  Alt- 
mark bei  F.  Schwerin,  Vöggel-Sproak  un  Snack  1858  S.  19  'Huppk 
un  Drossel'  (gereimt).  Aus  der  Mark  Brandenburg  bei 
Engelien-Lahn     S.    111     nr.    1     'Wiedehopf,     Kuckuk     und     Wild- 

J)  Ein  Gedicht  des  17.  Jahrh.  bei  Toppen,  Volkstümliche  Dichtungen 
1873  S.  83  =  Altpreuß.  Mtschr.  9,  524  beginnt :  'Hering  in  aller  Welt  ich 
heiß,  über  alle  Fische  hab  ich  den  Preiß,  bin  ihr  König  von  großer 
Macht'.  Bei  Dykstra  2,  139  singt  der  siegreiche  Hering :  'Haring,  haring 
spant  de  kroon  boven  alle  visschen  schoon.'  —  Dagegen  trägt  nach 
P.  Lauremberg  (Verneuwerte  Acerra  philologica  1650  S.  517.  3,  nr.  80) 
nur  der  König  der  Heringe  ein  Zeichen  gleich  einer  Krone  am  Kopfe. 

2)  Eine  estnische  Sage  (Dähnhardt  3,  25)  leitet  das  schiefe  Maul 
der  Butte  aus  einer  spöttischen  Antwort  her,    die   sie  Gott  gegeben  hat. 


286  174.   Die  Eule. 

taube'.  Aus  Mecklenburg  bei  Wossidlo  2,  45  'Rohrdommel 
und  Wiedehopf.  *W.  Heyse,  Punschendörp  S.  129.  Aus 
Pommern  bei  Drosihn,  Deutsche  Kinderreime  1897  nr.  146. 
Aus  Ostpreußen  bei  Frischbier,  Altpreuß.  Mtschr.  22,  290.  Lemke 
2,  19  (Bruchstück).  —  Dänisch:  Kristensen,  Danske  Sagn  2,  205 
nr.  63  (Schnepfen).  —  Rumänisch:  Marianu,  Ornitologia  2,165. — 
Polnisch  aus  Kujawien:  Knoop,  Volkstümliches  aus  der  Tierwelt 
1905  S.  54  nr.  476  (zwei  Bauern  in  Wildtaube  und  Wiedehopf  ver- 
wandelt). 

Vgl.  Dähnbardt,  Natursagen  3,  394  und  Wossidlo  2,  362. 


1856  s .247.  174.   Dic  Eule. 

1840  nr.  174.  —  Aus  Kirchhofs  Wendunmut  1  nr.  167  (1563. 
Neudruck  von  Oesterley  1869),  den  auch  Seifart,  Sagen  aus  Hildes- 
heim  1854  S.  112  benutzt;  vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen 
1906  S.  88. 

Kirchhof,  der  das  Geschichtchen  mitten  unter  einer  Reihe  von 
Stichelschwänken  auf  einzelne  Ortschaften  anführt,  benennt  auch 
die  'kleine  Stadt'  genauer;  es  ist  das  durch  seine  tapfere  Verteidi- 
gung gegen  den  Herzog  Erich  von  Braunschweig  in  der  Hildesheimer 
Stiftsfehde  (1519 — 1522)  bekannte  Schloß  und  Städtlein  Peine,  das 
eine  Eule  im  Stadtwappen  führte  und  deshalb  in  den  zeitgenössischen 
Liedern  als  das  Ulennest  oder  die  Ule  bezeichnet  wird  (Liliencron, 
Die  historischen  Volkslieder  3,  271  nr.  324.  332—334.  Lüntzel,  Die 
Stiftsfehde  1846  S.  273).  In  Daniel  Fridericis  Komödie  Tobias 
(Rostock  1637  S.  60)  flucht  der  Narr:  'Gath,  dat  ju  d'Stört  vnd  Süke 
röhr,  Gaht,  dat  ju  d'Vhl  van  Pein  wegföhr!'  Spottlustige  Nachbarn 
übertrugen  darum  auf  Peine  den  verbreiteten  Schwank  von  der  Ve  r- 
brennung  eines  Hauses1),  in  dem  sich  ein  vermeintes,  menschen- 
fresserisches Tier  befindet;    vgl.    oben  2,  721.    —    Schon  bei  Bebel, 

*)  Wie  die  Stadt  Wimpfen  niederbrannte,  weil  ein  Esel,  dem  eine 
Ente  (aga)  in  den  After  gebissen,  an  einem  Feuer  vorüber  in  die  Scheune 
lief,  erzählt  Konrad  Derrer  'De  mirabili  combustione'  (Zs.  des  histor.  V. 
f.  Schwaben  31,  102).  Über  den  Schwank  von  der  durch  die  Katze 
angezündeten  Scheune  vgl.  Zs.  f.  Volkskunde  26,  8.  370. 


174.   Die  Eule.  287 

Facetiae  2,  nr.  144  (1508)  'De  quodam  histrione'  wird  ein  Kalb  auf 
diese  Weise  umgebracht,  weil  man  es  im  Verdacht  hat,  den  Land- 
fahrer bis  auf  die  Füße  aufgefressen  zu  haben;  dieser  aber  hatte 
einem  Gehängten  die  Stiefel  samt  den  Füßen  abgeschnitten  und 
letztere  im  Nachtquartier  zurückgelassen.  Danach  Gastius,  Convi- 
vales  sermones  1543  1, 124;  Larivey  in  der  französischen  Übersetzung 
Straparolas  (Les  facetieuses  nuits  1573  12,  nr.  3  =  2,  334  ed.  1557 
'Un  basteleur,  ostant  les  chausses  ä  un  pendu,  lui  couppe  les  pieds' 
etc.),  Thresor  des  recreations,  Rouen  1611  p.  76,  M.  de  Roquelaure, 
Roger  Bontems  en  belle  humeur  1757  2,  42;  Domenichi,  Facetie, 
motti  e  burle  1581  p.  26;  Franta,  Frantova  prava  1518  =  ed.  Zibrt 
1905  S.  16;  vgl.  Spina,  Die  alttschechische  Schelmenzunft  1909  S.  158. 
Unabhängig  von  Bebel  ist  wohl  das  Meisterlied  von  einem  Freyhet 
und  von  Cuntz  Zwergen  (Goedeke,  Liederbuch  aus  dem  16.  Jahrh. 
1867  S.  363  =  Ambraser  Liederbuch  1845  nr.  139),  auf  dem  das 
Fastnachtspiel  von  Contz  Zwergen  (Keller,  Fastnachtspiele  Nachlese 
1858  S.  17  nr.  123)  und  zwei  Schwanke  des  Hans  Sachs  (Fabeln  5, 
112  nr.  675  'Der  Freihirt  mit  dem  Kalb'  1550.  Fabeln  2,  136  nr.  239 
'Warumb  die  Pauern  Lanczknecht  nit  gern  herbergen'  1559  =  Folio 
2,  4,  104  b)  beruhen.  Grimmeishausen,  Landstörtzerin  Courage  cap. 
26  (1670)  =  3,  308  ed.  Keller  =  3.  130  ed.  Kurz  =  1,  108  ed. 
Tittmann.  Ernst  Wohlgemuth,  500  frische  Hauptpillen  1669  S.  71. 
In  neueren  Volksschwänken  wird  nur  das  Kalb  umgebracht,  aber 
nicht  das  Haus  angezündet:  schweizerisch  im  Schweiz.  Archiv  f.  Vk. 
5,  126  'Die  Stiefel  mit  den  Totenbeinen'.  Stöbers  Alsatia  1875,  205; 
danach  Reinhart,  Bassledang  1877  S.  14  'Das  Schneiderlein  von 
Hagenau';  hessisch  Zs.  f.  dt.  Mythologie  3,  36  =  Firmenich  3,  558 
'Der  Fuhrmann';  schlesisch  Zs.  f.  Volkskunde  21,  138  'Die  Geburt 
des  Kalbes';  oldenburgisch  Strackerjan  2,  362  =  2. Aufl.  2,  509  'De 
Mann  un  dat  Kalf ;  pommerisch  Bl.  f.  pomm.  Volksk.  7,  120.  8,  104. 
9,  50;  ostpreußisch  Neue  preuß.  Provinzialblätter  12,  173  (1851). 
Dänisch:  Tuxen,  Molbo-historier  1866  S.  93  'Menneskerederen'. 
Schwedisch:  Allardt  nr.  207 — 208  'Huru  Bemböle  fikk  namn'.  Hack- 
mans  Register  nr.  1281.  Isländisch:  Arnason  2,  531.  Irisch: 
S.  Lover,  Legends  and  stories  of  Ireland  1848  1,  171  'Paddy  the 
piper'.  Polnisch :  Mik.  Rej,  Facecye  (nach  Brant),  vgl.  Chrzanowski 
in  Rozprawy  der  Krakauer  Akademie,  philo!.  Kl.  2.  Ser.  8,  354(1894). 
Finnisch  :  Aarnes  Register  nr.  1281. 

Auch  den  Ganslosern  und  Laien  (Laiebuch  1597  cap.  44,  S.  141 


288  175.    Der  Mond. 

ed.  Bahder)  sagte  man  nach,  daß  sie  die  teuer  erkaufte  Katze  in- 
folge einer  mißverstandenen  Auskunft  für  ein  menschenfressendes  Un- 
geheuer hielten  und  darum  das  Haus,  in  dem  sie  saß,  in  Brand 
steckten;  vgl.  oben  2,  72.  —  In  den  Exempla  des  Jacques  de  Vitry 
ed.  Crane  p.  128  nr.  306  und  in  Paulis  Schimpf  und  Ernst  1522 
nr.  37  zündet  ein  ungeduldiger  Narr,  um  der  Fliegen  plage  in 
seinem  Hause  ledig  zu  werden,  das  Haus  an.  Ebenso  H.  Sachs,  Der 
Pauer  mit  den  Mücken  (1551.  Fabeln  ed.  Goetze  5,  229  nr.  74G), 
Fischart,  Flöhhatz  1573  v.  3459  (Scheuer  der  Patten  wegen  ver- 
brannt), Gargantua  1575  c.  27  (1891  S.  291.  Scheuer,  Mäuse)  und 
Sebiz,  Von  dem  Feldbau  1579  S.  8.  Pollenhagen,  Froschmeuseler 
2,  2,  15  v.  139  (Fliegen).  Fabulae  Aesopicae  ed.  Camerarius  1570 
p.  330  'Rusticus  et  muscae'.  Lundorp,  Wißbadisches  Wisenbrünlein 
2,  nr.  5  (1611.  Mühle).  Peregrination  oder  Reyse-Spiegel  1631  S.  55 
(Berlin  Yt  8291).  Schottelius,  Bellum  grammaticale  1673  S.  41 
(Mücken).  Die  deutschen  Mundarten  ed.  Frommann  2,  5471  (1855. 
Spillkäfer:  Wenn  das  nicht  für  die  Wanzen  ist).  E.Meier,  Vm.  aus 
Schwaben  nr.  15  'Der  Spielmann  und  die  Wanzen'.  Menghin,  Aus 
Südtirol  1884  S.  166.  Schell,  Bergischer  Volkshumor  1907  S.  62 
(Wenn  das  nicht  gut  für  die  Wanzen  ist).  Merry  tales  of  the  mad 
men  of  Gotham  nr.  6  (Hazlitt,  Shakespeare's  Jestbooks  3,  9). 
Wesselski,  Nasreddin  1,  72  nr.  137  (Flöhe)  und  1,  244  (Mäuse). 


1^56  s.  247.  175.   Der  Mond. 

1857  nr.  175  eingesetzt  für  'Das  Unglück'  (unten  nr.  175a). — 
Nach  Pröhle,  Märchen  für  die  Jugend  1854  nr.  39  'Das  Monden- 
licht'; vgl.  Pröhle,  Allgem.  Monatsschrift  f ür  Wiss.  und  Lit.  1854,  535. 

Das  Stück  atmet,  sagt  W.  Grimm,  den  Geist  der  ältesten  Zeit 
und  könnte  im  finnischen  Epos  Kalevala,  Rune  47  vorkommen: 
Louhi,  die  auch  den  Sampo  im  Kupferberg  verbarg,  nimmt  Sonne 
und  Mond  gefangen.  In  einem  Märchen  aus  der  Gegend  von 
Archangelsk  (Salmelainen  2,  1—28.  Schiefner,  Bulletin  de  l'Acad.  imp. 
de  St.  Petersbourg  12,  374.  1855)  sind  Sonne,  Mond  und  Morgenrot 
schon  drei  Jahre  in  der  Gewalt  dreier  Drachen ;  sie  leuchten  nur  so 
lange,    als  die,    welche  sie  geraubt    haben,    aus    dem  Meer  ans  Ufer 


175  a.    Das  Unglück.  289 

kommen,  um  eine  Königstochter  in  Empfang  zu  nehmen.  Die  drei 
Drachen  werden  nacheinander  von  drei  kühnen  Jünglingen  mit  Hilfe 
von  Wölfen  getötet,  und  damit  Morgenrot,  Mond  und  Sonne  der  Welt 
wiedergegeben.  Nach  einer  weißrussischen  Überlieferung  bei 
Federowski  2,  269  nr.  301  fingen  drei  starke  Brüder  den  ursprünglich 
niedrig  hängenden  Mond  und  banden  ihn  an  eine  Eiche,  damit  er 
nur  ihnen  leuchte;  als  die  Menschen  über  die  Finsternis  klagten, 
ließ  Gott  durch  einen  Engel  den  Mond  hoch  am  Himmel  aufhängen. 
Die  Bulgaren  (Sbornik  min.  13,  3,  183  nr.  2)  erzählen,  einst  habe 
der  Mond  dicht  über  der  Erde  gestanden  und  so  stark  wie  die  Sonne 
geleuchtet ;  da  bewarf  ihn  ein  Weib  mit  Kuhmist,  so  daß  er  Flecken 
bekam,  und  Gott  hob  ihn  empor.  Ähnlich  wotjakisch:  Zivaja 
Starina  10,  196.  In  einem  englischen  Märchen  'The  buried  moon' 
(Folk-lore  2,  157  =  Jacobs,  English  fairy  tales  2,  102  nr.  66)  wird 
die  Mondfrau,  wie  sie  verhüllt  durch  die  Sümpfe  wandert,  von  den 
Ungeheuern  der  Nacht  an  einen  Baum  gefesselt  und  mit  einem  Fels- 
block bedeckt;  als  die  Menschen  endlich  ihre  Freundin  befreien 
wollen,  rät  eine  weise  Frau  ihnen,  einen  Stein  in  den  Mund  und 
einen  Haselzweig  in  die  Hand  zu  nehmen  und  an  dem  Ort  zu  suchen, 
wo  ein  Sarg,  ein  Kreuz  und  ein  Licht  steht ;  das  tun  sie,  heben  den 
Stein  und  befreien  die  Gefangene.  —  Über  Narrenschwänke  von  der 
vermeintlichen  Rettung  des  Mondes  vgl.  R.  Köhler  1,  498  und 
Wesselski,  Nasreddin  1,  241. 


175  a.    Das  Unglück. 

(1840  nr.  175.) 

Wen  das  Unglück  aufsucht,  der  mag  sich  aus  einer  Ecke  in  die 
andere  verkriechen  oder  ins  weite  Feld  fliehen,  es  weiß  ihn  dennoch  zu 
finden.  Es  war  einmal  ein  Mann  so  arm  geworden,  daß  er  kein  Scheit 
Holz  mehr  hatte,  um  das  Feuer  auf  seinem  Herde  zu  erhalten.  Da  gieng 
er  hinaus  in  den  Wald  und  wollte  einen  Baum  fällen,  aber  sie  waren 
alle  zu  groß  und  stark;  er  gieng  immer  tiefer  hinein,  endlich  fand  er 
einen,  den  er  wohl  bezwingen  konnte.  Als  er  eben  die  Axt  aufgehoben 
hatte,  sah  er  aus  dem  Dickicht  eine  Schar  Wölfe  hervorbrechen  und  mit 
Geheul  auf  ihn  eindringen.  Er  warf  die  Axt  hin,  floh  und  erreichte  eine 
Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III.  19 


290  176.   Die  Lebenszeit. 

Brücke.  Das  tiefe  Wasser  aber  hatte  die  Brücke  unterwühlt,  und  in  dem 
Augenblick,  wo  er  darauf  treten  wollte,  krachte  sie  und  fiel  zusammen. 
Was  sollte  er  thun?  Blieb  er  stehen  und  erwartete  die  Wölfe,  so  zer- 
rissen sie  ihn.  Er  wagte  in  der  Not  einen  Sprung  in  das  Wasser,  aber 
da  er  nicht  schwimmen  konnte,  sank  er  hinab.  Ein  paar  Fischer,  die  an 
dem  jenseitigen  Ufer  saßen,  sahen  den  Mann  ins  Wasser  stürzen, 
schwammen  herbei  und  brachten  ihn  ans  Land.  Sie  lehnten  ihn  an  eine 
alte  Mauer,  damit  er  sich  in  der  Sonne  erwärmen  und  wieder  zu  Kräften 
kommen  sollte.  Als  er  aber  aus  der  Ohnmacht  erwachte,  den  Fischern 
danken  und  ihnen  sein  Schicksal  erzählen  wollte,  liel  das  Gemäuer  über 
ihn  zusammen,  und  erschlug  ihn. 

Aus  Kirchhofs  Wendunmut  1,  nr.  178  'Von  einem,  der  ins 
holtz  gieng'  (1563,  Neudruck  von  Oesterley  1869),  der  aus  dem 
Buch  der  Beispiele  der  alten  Weisen  (ed.  Holland  1860  S.  22) 
schöpfte,  das  wiederum  auf  das  arabische  Kaiila  und  Dimna  (Silvestre 
de  Sacy  1816  1,  4.  Knatchbull  1819  p.  86.  Ph.  Wolff  1837  S.  5) 
zurückgeht;  vgl.  Benfey,  Pantschatantra  1,  99.  2,  529;  Kalilag  und 
Damnag  ed.  Bickell  S.  CVI;  Chauvin  2,  86  nr.  19  und  8,  79  (Syn- 
tipas  nr.  49) ;  Liebrecht,  Zur  Volkskunde  S.  32  (zu  Grualtherus  Mapes 
2,  19)  und  S.  112  (zu  Avadänas  nr.  20).  —  Oesterley  vergleicht  noch 
Luscinius,  Joci  1524  p.  207 ;  Cognatus,  Narrationum  silva  1567  p.  66 
und  Vartan,  Fables  1825  nr.  40.  —  Im  Wendunmut  wird  der  Tage- 
löhner durch  seine  Habsucht  unglücklich,  während  die  Brüder  Grimm 
die  Unabwendbarkeit  des  Schicksals  betonen;  vgl.  Hamann,  Die 
literarischen  Vorlagen  1906  S.  89. 


i^  s.  248.  176.    Die  Lebenszeit. 

1840  nr.  176.  Dieses  Märchen  erzählte  ein  Bauer  aus  Zwehrn 
bei  Kassel  auf  dem  Feld  im  Jahr  1838. 

Merkwürdigerweise  kommt  es  auch  bei  Babrios  (nr.  74. 
Halm,  Fabulae  Aesopicae  nr.  173  "Innoc,,  ßovg,  xiiov  xal  äv&Qümog) 
vor  mit  einigen  Abweichungen.  Nicht  Esel,  Hund  und  Affe  treten 
darin  auf,  sondern  Pferd,  Stier  und  Hund.  Sie  erscheinen  zitternd 
vor  Frost  bei  dem  Hause  des  Menschen,  der  ihnen  seine  Türe 
öffnet  und  sie  an  seinem  Feuer  sich  wärmen  läßt.  Dem  Pferd  gibt  er 
Gerste,  dem  Stier  Hülsenfrucht,  dem  Hund  Speise  von  seinem  Tisch. 


176.    Die  Lebenszeit.  291 

Dankbar  für  die  erwiesene  Wohltat,  machen  sie  dem  Menschen  ein 
Gastgeschenk,  indem  sie  ihm  einen  Teil  ihrer  Lebensjahre  überlassen. 
Das  Pferd  sogleich,  darum  ist  der  Mensch  in  der  Jugend  übermütig, 
dann  der  Stier,  darum  müht  sich  der  Mensch  in  der  Mitte  des 
Lebens  und  sammelt  Reichtümer.  Der  Hund  schenkt  die  letzten 
Jahre,  darum  sind  die  Alten  immer  mürrisch,  schmeicheln  nur  dem, 
der  ihnen  Nahrung  gibt  und  achten  die  Gastfreundschaft  gering. 
Unser  Märchen  ist  bedeutungsvoller  an  sich  und  innerlich  zusammen- 
hängender als  das  griechische;  die  Abgabe  der  Jahre  wird  natürlicher 
begründet,  denn  man  weiß  dort  nicht,  wie  der  Mensch,  dessen  Alter 
man  nicht  erfährt,  und  dem  Mut  und  Freudigkeit  nicht  zu  fehlen 
scheint,  Gebrauch  von  dem  Geschenk  des  Pferdes  machen  soll.  (Vgl. 
W.  Grimm,  Kleinere  Schriften  4,  389  und  395  —  Zs.  f.  dt.  Altertum  12, 
228.  1865).  Dem  hessischen  Märchen  steht  ein  lateinisches  Gedicht  des 
Spaniers  Jayme  Juan  Falco  (1522 — 1594)  'De  partibus  vitae'  näher 
(Falconis  Opera  poetica,  Mantuae  Carpentanorum  1600  Bl.  60  —  P. 
Köhler  1,  43  =  Jahrbuch  f.  Litgeschichte  1,  197.  1865).  Auch  hier 
bestimmt  der  Schöpfer  (Juppiter)  die  Lebenszeit  der  Menschen  und 
des  Esels  auf  dreißig  Jahre,  nimmt  aber  dem  Esel  auf  seine  Bitte 
zwanzig  Jahre  ab,  dem  Hunde  fünfundzwanzig  von  seinen  40  und 
dem  Affen  sechzehn  von  seinen  24  und  legt  sie  dem  Menschen  zu.1) 

Hinc  homo  ter  denos  cum  nondum  venit  ad  annos, 
30     Cantat,  amat,  donat,  semper  gaudere  paratum 
Pectus  habet,  sequitur  pompas,  convivia,  ludos, 
Morborum  ignarus,  curarum  funditus  expers 
Nimirum  vivit  sua  tempora.     Cum  tarnen  itur 
Ulterius  paulum  atque  asini  iam  vivitur  aevum, 
35    Nil  oneris  fugimus,  nihil  evitamus  acerbi, 
Ut  res  hie  illic  partas  censusque  novos  ad 
Tecta  reportemus,  memores  natüm  atque  nepotum. 
Quinquaginta  annos  cum  vita  attingit  et  ultra 
Progreditur,  canis  est  actus,  atque  eius  avarum 
40    Venimus  ad  morem,  iam  non  augemus  ut  ante, 
Sed  servamus  opes  et  nobis  parta  negamus. 
Extremum  vitae  est,  quod  simia  sponte  reliquit 


l)  Die  verschiedene  Lebenslange  der  Tiere  stammt  wohl  nur  aus 
dem  Wunsche  des  Dichters  her,  den  lateinischen  Ausdruck  zu  variieren 
(tot  annos,  quot  sunt  in  mense  dies  —  Septem  lustra  et  semis  —  Olympiades 
sex  —  triginta  autumnos). 

19* 


292  176.    Die  Lebenszeit. 

Et  misero  transscriptum  homini  est.     Hinc  ora  manusque 
Sulcatus  rugis  aevoque  ligatus  et  annis, 
45     Non  facti  est  dictive  capax,  non  aptus  ad  ullnm 
Vel  belli  vel  pacis  opus,  tantum  modo  parvis 
Neptibus  indulget,  gaudet  mulcere  nepotes, 
Illorum  irridet  nugas,  ridetur  et  illis. 

Auf  Falco  geht  vermutlich  eine  französische  Fabel  von  Delaunay 
(La  verite  fabuliste,  comedie,  avec  un  recueil  de  fables,  1731.  Fable  1) 
'Jupiter  et  les  animaux'  zurück,  die  von  Hagedorn  (Werke  1757 
2,  115  =  1768  3,  45  'Jupiter,  die  Tiere  und  der  Mensch')  ins 
Deutsche  und  von  Ben  Seeb  (1764 — 1811.  In  der  Zs.  Meassef  5, 
388,  Königsberg  1788:  'Die  Lebenstage  des  Menschen';  vgl.W.  Grimm, 
Kl.  Sehr.  4,  396)  ins  Hebräische  übertragen  wurde.  Bei  Hagedorn 
werden  dem  Hunde  25  Jahre  von  35,  dem  Affen  8  von  24  ab- 
genommen, bei  Ben  Seeb  dem  Affen  10  Jahre  von  20.  Bei 
Aurbacher  Ein  Volksbüchlein  (1827.  1835.  1879  1,  58  'Die  Tiere 
und  der  Mensch')  erhalten  alle  drei  Tiere  gleichmäßig  30  Jahre  und 
geben  jedes  20  davon  zurück.  Aus  Pommern  bei  Jahn,  Schwanke 
und  Schnurren  S.  42  'Die  Lebensalter'  (der  Mensch  erhält  20  Esels- 
jahre, zehn  Hunde-  und  zehn  Affenjahre).  E.  V.,  Des  Menschen 
Lebensjahre,  eine  alte  Legende  (Das  neue  Blatt  1880,  586).  E. 
Redenhall,  Der  Mensch  und  seine  Jahre  (Allgem.  deutsche  Criminal- 
zeitung  9,  12.  1885).  Dorfzeitung  (Hildburghausen)  1882  nr.  237 
S.  1243.  —  Italienisch:  De  Nino,  Usi  abruzzesi  4,  3  'Dopo  la 
creazione  degli  animali,  l'etä  dell'uomo'. —  Serbokroatisch:  Bos. 
Vila  2,  170  (1887.  Je  20  Jahre  von  Esel  und  Hund,  10  vom  Affen). 
—  Bulgarisch:  Sbornik  min.  2,  168  =  Sapkarev  S.  337  nr.  194  = 
Strauß,  Die  Bulgaren  S.  43  'Die  Verteilung  der  Lebensjahre'  (Ochs, 
Hund,  Affe  geben  je  20  Jahre)  =  Schischmanoff,  Legendes  religieuses 
1896  p.  36  nr.  28.  —  Cechisch  aus  Böhmen:  Slavia  1873,  2,  2 
(je  25  Jahre  von  Esel,  Hund  und  Affen).  —  Kleinrussisch:  Etnogr. 
Zbirnyk  37—38,  324  nr.  244.  245.  Etnogr.  Obozr.  13—14,  91  = 
Bulasev  S.  144.  —  Litauisch:  Scheu-Kurschat  nr.  61  'Das  Alter 
des  Menschen'    (Pferd,  Hund,  Affe). 

Das  Märchen  wurzelt  in  der  verbreiteten  Vergleichung  mensch- 
licher Charaktere  und  Altersstufen  mit  Tieren  (Zs.  f.  Volkskunde 
17,  437).  Nach  dem  Midrasch  Koheleth  (Landsberger,  Die  Fabeln 
des  Sophos,  syrisches  Original  des  Syntipas  1859  S.  LIX)  gleicht 
der  Mensch  anfangs  einem  Königssohne,  dann  einem  Schweine,  zehn- 


177.    Die  Boten  des  Todes.  293 

jährig  einem  Böcklein,  zwanzigjährig  einem  Blosse,  später  einem  Esel, 
Hunde  und  Affen.  Wie  hier  finden  wir  in  Sprüchen  und  Bildern 
des  15.  und  16.  Jahrhunderts  häufig  jene  drei  symbolischen  Tier- 
gestalten zu  einer  zehngliedrigen  Eeihe  erweitert,  so  etwa  im 
Liederbuche  der  Hätzlerin  S.  LX1X:  Kitz,  Kalb,  Stier,  Löwe,  Fuchs, 
Wolf,  Katz,  Hund,  Esel,  Gans.  Vgl.  Wackernagel,  Die  Lebensalter 
1862  S.  35.  Zacher,  Zs.  f.  dt.  Phil.  23,  401.  Wickram,  Werke  5, 
XVIII.  Englert,  Zs.  f.  Volksk.  15,  399.  17,  16.  E.  van  Heurck, 
Imagerie  populaire  flamande  1910  p.  59.  441.  Radioff,  Volksliteratur 
der  türk.  Stämme  6,  191  'Die  kluge  Wesirstochter'.  Serbokroatisch 
Bos.  Vila  7,  29:  mit  20  Jahren  ist  der  Mensch  unschuldig  wie  ein 
Lamm,  mit  30  wild  wie  ein  Wolf,  mit  40  klug  wie  ein  Fuchs,  mit 
60  sanft  wie  ein  Schaf,  mit  100  gebrechlich  wie  ein  Ei. 


177.    Die  Boten  des  Todes.  isss  s.  349. 

1840  nr.  177.  —  Nach  Kirchhof,  Wendunmut  1,  2,  nr.  124 
(1563,  Neudruck  von  Oesterley  1869).  Paralleler  Abdruck  der  Vor- 
lage und  der  Grimmschen  Fassung  bei  Hamann,  Die  literarischen 
Vorlagen  1906  S.  129,  vgl.  S.  90.  —  Eine  Untersuchung  'Death's 
messengers'  von  R.  Morris  im  Folk-lore  Journal  7,  179 — 191. 

Schon  der  englische  Dominikaner  Johannes  von  Bromyard 
(f  um  1390)  berichtet  in  seiner  'Summa  praedicantium'  (Druck  o.  J. 
im  Artikel  'Mors';  M  11,  5)  wohl  nach  älteren  Quellen:  'Quidam 
pepigit  cum  Morte  fedus  (cum  illis,  qui  dicunt:  Percussimus  fedus 
cum  morte,  Esaie  28),  quod  nullo  modo  eum  toll  er  et,  nisi  prius  tres 
vel  quattuor  nuncios  ei  mitteret.  Accidit  postmodum  socium  illum 
infirmari.  Cui  medicus  veniens  eum  premunivit,  quod  animam  suam 
disponeret,  quia  signum  mortis  invenit  in  pulsu  et  urina;  ipse  etiam 
dixit  se  perdidisse  appetitum  comedendi  et  nihil  se  posse  retinere. 
Ad  quem  cito  post  Mors  intrans  illum  vocavit.  Cui  ille:  Adhuc  non 
veniam,  quia  nuncios  non  misisti,  sicut  dixisti.  Cui  illa:  Imo  oranes 
misi,  sicut  promisi.  Unum  namque  nuncium  premisi,  quando  febris 
te  agitavit;  alio  etiam  nuncio  te  premunivi,  quando  medicus  dixit 
mala  signa  esse  in  pulsu  et  urina;  tertio  te  premunivi  per  appetitus 
perditionem.  Iniuste  ergo  conquereris.  Surge  igitur  et  veni !'  — 
Ebenso    der    ungarische    Franziskaner    Pelbartus     (Sermones    de 


294  177.    Die  Boten  des  Todes. 

tempore,  aestiv.  45  B,  nach  Vincentius  Ferrer ;  vgl.  Katona,  Temesvari 
Pelbart  peldäi  1902  S.  78)  und  Pauli,  Schimpf  und  Ernst  1522 
c.  267.  Ausführlich  erzählt  Hugo  von  Trimberg  im  Renner 
v.  23  711 — 769,  wie  ein  Mann  den  Tod  bei  der  Taufe  seines  Kindes 
zu  Gevatter  bittet  (vgl.  oben  1, 379.  ZfdPh.  36,  371)  und  die  Verheißung 
von  ihm  empfängt,  er  solle  mehrere  Boten  erhalten,  ehe  er  mit  dem  Tode 
von  hinnen  müsse.1)  Als  nach  Jahren  der  Gevatter  erscheint  und 
der  Mann  klagt,  er  habe  keine  Botschaft  empfangen,  erwidert  der 
Tod  (v.  23  745): 

Do  einez  iuch  in  die  siten  stach  Und  swinde  gemüete    iu  wonte  bi, 

Und  do  ir  sprächet:  Awe  mir,  ach,  Do  sande  ich  iu  boten  dri. 

We  mir,  we,  waz  sol  diz  sin !  Do  iu  diu  bein  niht  wären  snel 

Seht,  daz  was  min  botelin.  Und  do  sich  rimpfende  wart  daz  vel 

Do  iu  diu  oren  begonden  diezen  Und  do  diu  stimme  iu  heiser  wart 

Und  diu  ougen  überfliezen  Und  do  iu  gräwende  wart  der  bart, 

Und  gein  der  sunnen  tunkel  sin,  Do  sande  ich  iu  vier  botelin. 

Do  sande  ich  iu  zwei  botelin.  Gevater,  ich  hän  die  triuwe  min 

Do  iu  die  zene  täten  we  Vil  wol  an  iu  behalten. 
Und  iuch  der  huoste  mer  twanc  denne  e 

Auch  in  Hans  Sachsens  Meisterlied  'Der  Tod  schickt  eim  drei 
Boten'  (1548.  Fabeln  und  Schwanke  4,  399  nr.  508)  ist  der  Tod, 
Gevatter  des  Mannes,  dem  er  drei  Boten,  nämlich  graues  Haar 
gebeugten  Rücken  und  Krankheit,  sendet.  Auf  humanistischer 
Erfindung  beruht  der  Eingang  der  lateinischen  Fabel  'De  mortis 
nuntiis'  bei  Camerarius  (Fabulae  Aesopicae  1570  p.  375):  der  Tod 
(Letum),  dem  der  starke  Herakles  soeben  die  Seele  der  Alkestis 
wieder  entrissen  hat,  liegt  matt  neben  ihrem  Grabe,  da  labt  ihn  ein 
vorübergehender  Mann  aus  Pherä,  und  zum  Dank  verheißt  der  Tod 
seinem  Wohltäter,  ihn  nicht  ungewarnt  aus  dem  Leben  abzurufen. 
Ganz  fortgefallen  ist  der  Vertrag  zwischen  Mann  und  Tod  in 
einer  oft  nachgeahmten  Fabel  des  Abstemius  'De  sene  mortem 
differre  volente'  (1499.  Neveleti  Mythologia  Aesopica  1610  p.  575 
nr.  99).  Ebenso  Waldis,  Esopus  1548  3,  nr.  25  'Vom  alten  Mann 
und    dem    Tod'.     Zachariä,    Fabeln  in  B.  Waldis  Manier  1771  S.  18 

l)  Dagegen  schließt  bei  Brom3Tard  M  11,  6,  bei  Thoms  in  Haupts 
und  Hoffmanns  Altdeutschen  Blättern  2,78  nr.  10  und  bei  Wright  (Latin 
Stories  nr.  33  'De  tribus  praemunitionibus'  =  Percy  Society  8,  35.  1842) 
ein  Mann  einen  Pakt  mit  dem  Teufel,  daß  er  ihn  vor  seinem  Ende  drei- 
mal warne;  der  Teufel  als  Bettler  veikleidet  macht  ihn  auf  seine  grauen 
Haare,  den  Husten  und  die  gebückte  Haltung  aufmerksam. 


177.    Die  Boten  des  Todes.  295 

Der  Bräutigam  und  der  Tod'.  Guicciardini,  Höre  de  ricreatione 
1583  Bl.  146  a  'La  morte  non  solo  non  perdonare  a  creatura  alcuna, 
ma  adhora  admonirne  in  piu  modi  della  venuta  sua'  (Rinaldo 
Tornaquinci) ;  deutsch  von  Federman  1574  S.  240,  französisch  von 
Belleforest  1605  S.  139.  M.  Hammer,  Histor.  Rosengarten  1654  S.  47. 
Haudent,  366  apologues  d'Esope  1547  2,  nr.  156  'D'un  vieil  homme 
et  de  la  mort'.  La  Fontaine,  Fables  8,  nr.  1  'La  mort  et  le  mourant'. 
Casalicchio,  L'utile  col  dolce  2,  nr.  4.  L'Estrange,  Fables  1694 
nr.  350  'An  old  man  that  was  willing  to  put  off  death'.  Arwaker, 
Select  fables  1708  4,  nr.  14.  Desbillons,  Fabulae  Aesopicae  1763  7, 
nr.  23  'Senex  et  mors'.  In  dem  Gedichte  'The  three  warnings'  von 
Hester  Thrale-Piozzi  (in  Anna  Williams'  Miscellanies  1766)  will 
der  Tod  Dobson  gerade  an  seinem  Hochzeitstage  holen,  gewährt  ihm 
aber  auf  seine  Klagen  Aufschub  und  verheißt,  ihm  vor  seiner 
Wiederkehr  drei  Warnungen  zu  senden.  Danach  Mylius,  Kleine 
Romane  2,  347  (1783).  Vademecum  für  lustige  Leute  3,  nr.  219 
(1767).  Auch  in  einem  griechischen  Volksliede  bei  Passow 
(Tqayovdia  §(0[tai'xd  1860  nr.  426.  Liebrecht,  Zur  Volkskunde 
S.  184)  will  der  Hirt  dem  Charos  nicht  ohne  Boten  folgen. 

In  der  geistlichen  Literatur  des  Mittelalters  begegnet  die 
Mahnung,  auf  die  Boten  des  Todes  zu  achten,  häufig.  Der  alte 
Meistersänger  Barthel  Regenbogen  läßt  sie  in  dem  Gebet  eines 
Sterbenden  (MSH.  3,  345  =  Bartsch,  Meisterlieder  der  Kolmarer 
Hs.  S.  32  =  Wackernagel,  Das  dt.  Kirchenlied  2,  263  nr.  426) 
durch  den  Tod  selber  aufzählen : 

Gra  schöpf,  gra  bart,  der  dritte  bot  ist  daz  gegiht, 

Zanlos,  toup,  blint,  der  vünfte  böte  sumt  sich  niht, 

Dempfig  und  hust,  der  sehste  bot  ist  bös  gesiht, 

Der  sibent  bot  macht  dich  ein  kint,  daz  du  dich  uiht  erkennest. 

Johann  Gerson  (Opera  3,  914.  Antv.  1706)  predigt:  'Vides  signa 
iudicii  tui  per  Universum  corpus  tuum  et  animam  tuam;  caput  tuum 
floret  et  fit  canum,  lumen  oculorum  debilitatur,  memoria  defecit, 
ingenium  induratur.'  Hollen  (Praeceptorium  1489  Bl.  91b,  1  nach 
Hugo  in  libro  de  claustro  anime)  nennt  drei  Boten  des  Todes: 
Canicies,  Infirmitas  und  Senectus.  Bromyard  (Summa  praedicantium 
M  11,  4):  'Mors  curialius  venit  ad  senes  quam  ad  quoscunque  alios, 
sc.  eos  premuniendo,  ne  eos  non  paratos  inveniat.  Multos  enim  certos 
nuncios  premittit,  sicut  tisim,  tussim,  faciem  rugosam,  caniciem  capitis, 


296  177.    Die  Boten  des  Todes. 

que  secundum  libros  medicorum  est  vexillum  mortis,  nasum  et  ungulas 
lividas,  oculorum  caliginem,  dorsi  inclinationem  et  totius  corporis  cum 
membris  suis  debilitationem'.  Hampole,  Pricke  of  conscience 
2,  2021:  'Or  tue  dede  come,  or  his  messangere  .  .  .  His  messangere 
may  be  called  seknes'.  Altenglisches  Gedicht  vou  den  Boten  des 
Todes  (Archiv  f.  neuere  Spr.  79,  432.  Englische  Studien  14,  182). 
Väterbuch  v.  33464  ed.  Beissenberger.  Olivier  de  la  Mar  che,  Le 
chevalier  delibere  1488,  spanisch  1565  copla  370  (Serapeum  1854,  85). 
William  Bullein,  Dialogue  against  the  fever  pestilence  1578 
(Early  engl,  text  Society,  extra  series  52,  115)  usw.,  vgl.  Folk-lore 
Journal  7,  188  f.,  auch  J.  Grimm,  Mythologie3  S.  8072. 

Der  Gedanke  aber  stammt  vermutlich  aus  Indien.  ImAnguttara- 
Nikäja  3,  35  p.  138  ed.  R.  Morris  lehrt  Buddha,  daß  der  Sünder  vor 
seiner  Wiedergeburt  vom  Todesgott  Yama  gefragt  wird,  ob  er  die 
drei  Boten  des  Todes,  grauhaarige,  kranke  und  verfallende  Männer 
und  Weiber  nicht  gesehen  habe;  dann  muß  er  bekennen,  daß  er 
diese  Boten  aus  Gedankenlosigkeit  nicht  beachtet  habe,  und 
empfängt  dafür  schwere  Strafen.  Auch  im  Mahädeva-Jätaka 
(Jätakas  1,  173  nr.  9)  und  im  Anwär-i-Suhaili  (transl.  by 
Eastwick  p.  72)  werden  die  grauen  Haare  als  Boten  des  Todes 
bezeichnet.  Zdanov,  Socin  1 ,  599  Anm.  erblickt  im  ersten  Teile 
des  Märchens  den  Kampf  des  Riesen  mit  dem  Tode  und  erinnert 
an  den  Spielhansel  (oben  2,  163);  zu  den  Boten  des  Todes  ver- 
gleicht er  Lukian,  Charon  c.  17  (äyysZoi  tov  d-aväxov). 

Die  neueren  Aufzeichnungen  des  Märchens  aus  dem  Volks- 
munde beginnen  alle  mit  dem  Vertrage.  Aus  Bayern  bei  Schneller, 
Mundarten  Bayerns  1821  S.  443  'Die  Boten  des  Todes';  aus  Sieben- 
bürgen bei  Haltrich4  nr.  12  'Unser  Herrgott  und  der  Kirchenvater. 
Colshorn  nr.  68  'Von   des  Todes  Boten'  nach  Kirchhofs  Wendunmut. 

—  Französisch  bei  Du  Meril,  Etudes  p.  473  und  464  nr.  4.  — 
Maltesisch  bei  Ilg   1,  192  nr.  54  'Der  Tod  und  seine  Gesandten'. 

—  Spanisch  bei  Caballero,  Cuentos  andaluces  p.  83  'Juan  Holgado 
y  la  muerte'  =  F.  Wolf,  Sb.  der  Wiener  Akad.  31,  198  =  Caballero, 
Ausgew.  Werke  16,  147  (verbunden  mit  Gevatter  Tod,  oben  1,  385).  — 
Kroatisch  im  Ausland  1875,  593;  doch  tritt  hier  die  Pest  (Mora)  an 
Stelle  des  Todes  auf,  ihre  Boten  sind  Fieber,  Schwindel,  Augen-  und 
Ohrenschwäche.  —  Abessinisch  bei  Guidi,  Giornale  della  soc. 
asiatica  italiana  5,  81  (1891):    'II  ricco  e  la  morte';    die    Boten   sind 


178.    Meister  Pfriem.  297 

liier    der    Tod    der    Ziege,    der    Hunde,  der  Kinder  und  der    Frau. 

Nach    Rene    Basset    (Revue    des    trad.  pop.   7,  408)    kommt    diese 

Erzählung    im    Orient    sonst    nicht    vor,  sondern    ist    aus  Europa  in 
Abessinien  eingedrungen. 


178.   Meister  Pfriem.  lms-w. 

1843  nr.  178.  —  Nach  einer  Erzählung  in  der  Neusten  Kinder- 
bibliothek (Hildburghausen  1827)  2,  143  f.  von  W.  Grimm  im 
Berliner  Taschenbuch  hsg.  von  H.  Kletke,  A.  Duncker,  E.  Hänel 
1843,  S.  168 — 173  mit  einem  Kupfer  von  Hosemann  veröffentlicht. 
Der  Hildburghauser  Anonymus  fußt  aber  offenbar  auf  Aurbachers 
'Volksbüchlein'  (München  1827.  —  2.  Aufl.  1835  S.  74.  3.  Aufl.  1879 
1,  60  'Hans  Pfriem'),  wo  der  Held  noch  richtig  als  Fuhrmann  und 
nicht  als  Schuster  bezeichnet  ist.  Auf  Aurbacher  geht  auch  die 
metrische  Bearbeitung  von  L.  Wiese  (Sagen- und  Mährchenwald  im 
Blüthenschmuck  1841  S.  257  'Hans  Phriem'  =  Kindermärchen  1867 
S.  211)  zurück. 

Dieser  Typus  eines  naseweisen  Nörglers  und  Besserwissers  war 
eine  volkstümliche  Gestalt  des  16.  und  17.  Jahrhunderts.  Eine  von 
0.  Schade  (Satiren  und  Pasquille  aus  der  Reformationszeit  3,  139. 
1858)  abgedruckte  Flugschrift  'Klag  und  antwort  von  Lutherischen 
und  Bebstischen  pfaffen  über  die  Reformacion,  so  neulich  zu 
Regenspurg  der  priester  halben  außgangen  ist  im  Jar  1524'  enthält 
die  Stelle :  'Welche  leer  euerm  gewalt,  eer  und  herligkait  mer  dienet 
und  füglicher  ist,  gott  geb  sie  sei  auß  gott  oder  auß  dem  teufel,  es 
habs  Claus  Narr  oder  Niclas  Pfriem  geredt,  die  nempt  ir  an'. 
1681  schildert  der  bayrische  Chorherr  Johann  Albert  Poyssl  von 
Loifling  in  einem  Gedichte  diesen  Niclas  Pfriem  ausführlicher  als 
einen  'feinen'  Mann,  der  sich  in  alle  Händel  mische,  alle  Pfifferling 
aufrühre,  alle  Bäche  trübe  und  alles  durch  die  Hechel  ziehe ;  in 
einem  zweiten  Teile  v.  J.  1682  berichtet  er,  wie  Pfriem  auf  seine 
Bitte  von  Petrus  in  den  Himmel  gelassen  wird  unter  der  Bedingung, 
daß  er  nicht  schmäle,  schnarche  und  das  Maul  bere. 

Ein  halben  Tag  kaum  Niclas  war 

Im.  Himmel  stül  gesessen, 

Schaugt  auf  die  Welt  herab  ohn  Gefahr, 

Seines  Gelübds  vergessen. 


298  178.    Meister  Pfriem. 

Sach,  wie  ein  Fuhrmann  steckt  im  Kot 
Mit  Roß  und  Wagen  in  der  Not, 
Die  Pferd  spannt  er  an  hinten, 
Sich  aus  der  Lach  zu  winden. 

Sofort  fährt  Pfriem  auf  den  Fuhrmann  mit  groben  Scheltworten  los; 
da  erinnert  ihn  Sankt  Peter  an  seine  Warnung  und  weist  ihn  aus 
dem  Himmel  (Archiv  für  neuere  Sprachen  122,  235).  —  Auch  Luther 
kannte  das  Märlein,  nur  nennt  er  den  kecken  Fuhrmann  Hans,  und 
nicht  wie  die  Bayern  Niclas  Pfriem.  Im  Dezember  1536  führte  er 
es  an,  als  er  bei  Tisch  über  die  'scioli  und  critici'  redete  (Luthers 
Tischreden  in  der  Mathesischen  Sammlung  ed.  Kroker  1903  nr.  718. 
Lutheri  Colloquia  ed.  Bindseil  1863  1,  429.  Loesche,  Analecta 
Lutherana  et  Melanthoniana  1892  nr.  338) : 

Gott  will  sein  Regiment  also  füren,  das  im  nimands  soll  ein- 
sprechen, und  die  Welt  kans  doch  nit  unterlassen.  Ideo  fingitur  fabula 
de  auriga  paupere  HansPfrim.  Cui  commissum  est  vivere  in  paradiso 
et  frui  illius  deliciis  ea  condicione,  ut  omnia  permitteret  vadere,  sicut 
vellent  Dei  voluntate.  Ingressus  invenit  haurientes  aquam  vase  sine 
fundo  et  inani  labore  defatigari;  praeterivit  et  vix  potuit  se  continere. 
Postea  vidit  duos  fabros  lignarios  portantes  lignum,  quod  in  domum  ferre 
non  poterant,  quia  neuter  praecedere  volebat,  sondern  gingen  die  quer; 
hoc  etiam  difficile  tacuit.  Tertio  invenit  aurigam  in  luto  haerentem ; 
qui  cum  quatuor  equis  non  posset  liberari,  spannet  er  zwei  pferd  hinden 
an;  hoc  ille,  cum  de  suo  foro  esset,  non  potuit  simulare,  incepit  illum 
increpare.  Et  ita  transgressus  est  condicionem  et  expulsus  est  paradiso. 
—  Cui  cum  Petrus  occurrisset,  interrogavit,  cur  exiret.  Respondit:  'Ich 
mus  heraus  und  hab  dennoch  unsern  Herrgott  nit  verrathen,  als  du.' 
Postea  Paulum  persecutorem  calumniatus  est,  tertio  Mosen  incredulum 
notavit:  er  wehre  nicht  ein  solcher  gewest.  Et  ita  omnes  homines 
cavillatus.  Tandem  venerunt  innocentes  pueri;  cum  illis  lusit,  schüttelt 
inen  die  Piren.  Et  tandem  permansit  in  paradiso,  simulans  postea 
egregie. 

Auch  in  einer  am  25.  Mai  1544  zu  Wittenberg  gehaltenen, 
aber    erst    1563   von   Andreas   Poach   in  Druck  gegebenen  Predigt1) 


*)  Vier  Predigten  von  der  Toten  Auferstehung  und  letzten  Posaunen 
Gottes  aus  1.  Cor.  15  geprediget,  Erfurt  1563.  —  Luthers  Werke, 
Weimarer  Ausg.  49,  423(1913)  =  Erlanger  Ausg.  2.  Aufl.  20,  2,  86(1881). 
Vgl.  auch  Leonh.  Meister,  Beiträge  zur  Geschichte  der  deutschen  Sprache 
2,  159—166  (1777).  B.  Ringwaldt,  Van  dem  trüwen  Eckardt,  Hamburg 
1598  Bl.  Q7b  (ins  Niederdeutsche  übersetzt). 


178.    Meister  Pfriem.  299 

weist  Luther  auf  dieselbe  Geschichte  hin:  'Solchen  Samen  wollen 
wir  entgegensetzen  einem  groben  Tölpel  und  unverständigen  Narren, 
der  doch  trefflich  klug  sein  will  und  wohl  Gott  im  Himmel 
reformieren  und  meistern  darf,  wie  man  von  dem  Fuhrmann  Hans 
Pfriemen  saget,  daß  er  im  Paradies  alles  habe  wollen  überklügeln 
und  meistern.'  Als  Erläuterung  dazu  gibt  Poach  in  seiner  Widmung 
Bl.  A4a  folgende  ausführliche  Fassung  des  'Getichts  von  Hans 
Pfriemen' : 

Gott  wil  sein  Regiment  also  füren,  das  im  niemand  sol  einreden; 
die  Welt  aber  kan  es  nicht  lassen,  sie  mus  dawiderreden,  was  Gott  redet 
und  thut.  Darumb  hat  man  dis  Getichte  gemacht  von  Hans  Pfriemen. 
Der  war  ein  armer  Furman,  dem  zugelassen  ward  von  Gott,  das  er 
möchte  im  Paradis  sein  und  mit  geniessen  aller  Freude  und  Lust,  so  im 
Paradis  ist  (wie  man  auch  sagt,  Furieute  füren  von  Mund  auff  gen 
Himel,  wenn  sie  nicht  so  gern  und  grausam  flucheten),  doch  mit  dem 
Bedinge,  das  er  kein  Einrede  thun  sölte  in  irgend  einer  Sachen,  sondern 
stillschweigen  und  im  gefallen  lassen,  was  er  im  Paradis  hören  und 
sehen  "würde.  Da  er  nun  im  Paradis  war  und  sich  darinne  umbsahe, 
fand  er  etliche,  die  schepfften  Wasser  mit  einem  Vaß,  welches  keinen 
Bodem  hatte.  Als  es  solchs  sähe,  ward  er  unwillig  und  dachte  bey  sich 
selbs:  'Wie  seltzam  und  nerrisch  gehets  hie  zu?  Warumb  machen  sich 
diese  müde  mit  vergeblicher  Erbeit?'  Denn  er  wolte  das  Pegiment  im 
Paradis  messen  nach  dem  Pegiment  auff  Erden,  wie  sich  Furieute,  Knecht 
und  Megde  zum  Wasserschepfen  stellen  und  stellen  müssen  bey  dem 
Pferdstal  und  Küestal,  und  hette  gern  dawider  geredt,  gedachte  doch 
daran,  mit  was  Bedinge  er  ins  Paradis  komen  were  für  über,  und  schweig 
stille.  Er  kam  fürbas  und  war  gewar,  das  zween  Zimmermenner  einen 
grossen,  langen  Balken  trugen,  denselben  hatten  sie  auff  die  Schultern 
gefasset  überzwericht  und  stiessen  damit  an  an  allen  Seiten  und  künden 
nicht  fortkomen.  Denen  sähe  er  zu,  dachte  in  seinem  Hertzen :  'Welche 
ungeschickte  Tölpel  sind  das?  Sie  solten  den  Balcken  in  die  Lenge 
fassen,  so  künden  sie  damit  fortkomen.'  Und  kund  sich  schwerlich  ent- 
halten, das  er  inen  nicht  einredet,  doch  enthielt  er  sich,  gieng  fort  und 
schweig  stille.  Da  er  fürbas  gieng,  fand  er  einen  Furman,  der  hatte  vier 
Pferde  vor  einem  Wagen  und  war  besteckt  blieben  im  Kot.  Da  er  nu 
aus  dem  Kot  nicht  komen  kund,  nam  er  zwey  Pferde,  so  vor  dem  Wagen 
giengen,  und  spannet  sie  hinden  an  den  Wagen  und  treib  die  hindersten 
Pferde  eben  so  seer  als  die  fördersten.  Als  sölchs  Hans  Pfriem  sähe, 
das  es  seines  Handwercks  war,  kund  er  sich  nicht  mehr  enthalten,  schalt 
den  Furman  und  sprach:  'Ey  du  großer  Narr,  was  machestu  da?  Wiltu 
den  Wagen  auff  stücken  reissen   und    die  Pferde  mutwillig    on  alle  Not 


300  178.    Meister  Pfriem. 

verderben  ?  Spanne  die  Pferde  alle  vier  vor  den  "Wagen  und  treib  sie 
mit  Gewalt  an,  so  bringestu  den  Wagen  aus  dem  Kot.'  —  Und  meinete 
der  Thor,  er  hette  es  wol  getroffen  und  recht  ausgerichtet  und  mit  seiner 
Klugheit  seinem  Gespan  aus  dem  Kot  geholffen ;  aber  er  hatte  gehandelt 
als  ein  Narr,  da  er  am  klügesten  sein  wolt,  und  wider  das  Bedinge  gethan 
und  verdienet,  das  er  aus  dem  Paradis  solt  gestossen  werden.  Darumb 
ward  zu  im  erstlich  Petrus  von  Gott  gesand,  das  er  im  den  Befehl 
bringen  sölte.  Derselbe  kam  und  sprach:  'Hörestu,  Hans  Pfriem?  Der 
Herr  leßt  dir  sagen,  weil  du  das  Bedinge  nicht  gehalten,  sondern  Gottes 
Gebot  übertretten  hast,  so  soltu  das  Paradis  reumen.'  Hans  Pfriem  ant- 
wortet: 'Wie?  Sol  ich  das  Paradis  reumen,  und  hab  es  doch  umb  Gott 
nicht  so  sehr  verschuldet  als  du?  Wie  kan  das  recht  sein?  Hastu  doch 
unsern  Herr  Gott  verrathen  und  bleibst  dennoch  im  Paradis,  und  ich  sol 
umb  eines  Wort  willen  eraus  gestoßen  werden?  Nein,  nicht  also.'  Petrus 
schemet  sich  und  zoch  ab.  Da  sandte  Gott  Paulum,  der  kam  und  sprach: 
'Hans  Pfriem,  du  solt  das  Paradis  reumen.'  Aber  Hans  Pfriem  weiset 
Paulum  auch  gröblich  ab  und  sprach:  'Du  hast  die  Gemeine  Gottes  ver- 
folget und  den  Son  Gottes  gelestert  und  geschmehet  und  bleibest  gleich- 
wol  im  Paradis,  und  ich  hab  ein  Wort  oder  zwei  gered  und  sol  heraus?' 
Paulus  schemet  sich  auch  und  lies  von  im  ab.  Da  ward  gesand  Maria 
Magdalena,  derselben  antwortet  Hans  Pfriem  gleicher  Weise  und  sprach : 
'Du  bist  ein  öffentliche  Sünderin  gewesen  und  heißest  mich  das  Paradis 
reumen  ?'  Es  ward  gesand  der  heilige  Mann  Moses,  als  den  er  billich 
fürchten  sölte,  weil  in  die  Feinde  fürchten  musten.  Aber  Hans  Pfriem 
bleib  auff  seiner  Meinung  und  sprach  zu  Mosi:  'Wiltu  mich  aus  dem 
Paradis  treiben?  Weißestu  nicht,  das  du  unsern  Herrn  Gott  durch  Un- 
glauben und  Zweiffei  geunheiliget  hast  für  den  Kindern  Israel,  da  du 
den  Fels  soltest  schlahen  mit  dem  Stabe,  das  er  Wasser  gebe?'  Als  nu 
Hans  Pfriem  keinen  Gesandten  hören  wolt  und  sie  alle  zu  taddeln  wüste, 
sandte  Gott  zu  im  die  unschuldigen  Kindlin.  Da  dachte  Hans  Pfriem : 
'Awe,  das  wil  arg  werden.  Wie  sol  ich  mich  nu  auffhalten,  das  ich  im 
Paradis  bleibe?  Die  unschuldigen  Kindlin  kan  ich  nicht  taddeln.  Were 
ich  nur  auf  dis  Mal  loß,  ich  wolt  hinfurt  wol  stillschweigen  und  wider 
das  Regiment  im  Paradis  keine  Einrede  mehr  thun.'  Dachte  bei  sich 
selbs:  'Ich  weis,  was  ich  thun  wil;  ich  wil  mit  den  Kindlin  spielen  und 
versuchen,  wie  ich  sie  mit  Güte  von  mir  bringe.'  Und  ehe  die  un- 
schuldigen Kindlin  nahe  zu  im  kamen,  steig  er  auff  einen  Baum  und 
schüttelte  viel  Epf f el  erab,  rief f  den  Kindlin  zu  und  sprach :  'Kompt  her, 
lieben  Kindlein,  kompt  her,  leset  getrost  auff!  Wenn  ir  die  Epffel  unter 
diesem  Baum  auffgelesen  habt,  so  wil  ich  auff  einen  andern  steigen  und 
mehr  erab  schütteln.'  Sölchs  gefiel  den  Kindlin  wol,  und  gerieten  also 
an  die  Epffel  und  vergassen  des  Befehls,  umb  welches  willen  sie  aus- 
gesand  waren;    und    las    ein    iglichs  Kindlin    seinen  Geren  vol,    giengen 


178.    Meister  Pfriem.  301 

davon  und  ließen  Hans  Pfriemen  bleiben.  Also  bleib  Hans  Pfriem  im 
Paradis  und  schweig  hernach  stille  und  lies  im  alles  gefallen,  was  im 
Paradis  durch  Gottes  Regierung  geschach. 

Poachs  Aufzeichnung  des  Märchens  ist  bald  darauf  in  einen 
hsl.  geistlichen  'Wendunmut'  aufgenommen  und  mit  Illustrationen 
versehen  worden  (aus  dem  Berliner  Mgo.  60,  Bl.  311a  abgedruckt  in 
der  Zs.  f.  dt.  Philologie  22,  325).  Ins  Niederdeutsche  übertrug  sie 
der  Hamburger  Herausgeber  von  B.  Bingwalts  Lehrgedicht  'Van 
dem  trüwen  Eckardt'  1598  Bl.  R3b:  'Ein  Geistlick  Gedichte  van 
dem  Fuhrmanne  Hans  Pren  [!],  beschreuen  vnde  vthgelecht  dörch 
Andream  Poach'.  Ein  streitbarer  Theolog  brachte  sie  in  Reime 
u.  d.  T.  'Hans  Pfriem,  Ein  gar  lustig  mercklich  Geticht,  wider  den 
vnzeyttigen  Fürwitz,  Götliche  Geheymnussen  zuerforschen'  (l3/4  Bogen 
o.  J.  Berlin  Yh  2366).  Endlich  ward  auch  der  Grimmaer  Schulmeister 
Martin  Hayneccius  durch  Poach  zu  einer  Komödie  angeregt,  die 
er  1581  lateinisch  als  'Hansofrarnea  sive  Momoscopus'  und  1582  in 
deutscher  Bearbeitung  u.  d.  T.  'Hans  Pfriem  oder  Meister  Kecks' 
(Neudruck  Halle  1882;  über  die  Schulaufführungen  in  Lochau,  Anna- 
berg und  Brieg  s.  Zs.  f.  dt.  Phil.  22,  331)  herausgab.  Ein  wenig 
hat  Hayneccius  allerdings  das  'alte  schöne  Mehrlin',  das  er  in  der 
Widmung  nach  M.  Job.  Boha  (soll  heißen  Andr.  Poach)  erzählt,  für 
die  Bühne  erweitert.  Dem  Helden  stellt  er  seine  Frau  Sostrata  zur 
Seite,  welche  sich  im  Paradiese  mit  Maria  Magdalena  unterhält  und 
von  ihm  ihrer  Plauderhaftigkeit  wegen  gehörig  gescholten  wird; 
ebenso  hat  der  himmlische  Pförtner  Petrus  eine  Gattin  Petrona,  die 
er  recht  derb  die  schandgeheite  Thorwärterin  titub'ert,  weil  sie  den 
alten  Fuhrpech  (ein  von  der  Wagenschmiere  hergenommener  Spott- 
name) habe  einschlüpfen  lassen.  Die  seltsamen  Dinge,  an  denen 
dieser  sein  blaues  Wunder  sieht,  sind  um  etliche  gemehrt;  er 
erblickt  noch,  wie  Wasser  durch  Spinneweben  geseiht  und  klein- 
gestoßen, wie  Netze  aus  Sand  geflochten  werden.  Breit  aus- 
gesponnen werden  die  Szenen,  in  denen  Hans  Pfriem  die  Heiligen, 
die  ihn  aus  dem  Paradiese  weisen  —  außer  den  schon  genannten 
treten  der  gute  Schacher  und  der  Zöllner  Zachäus  auf  —  abtrumpft, 
indem  er  ihnen  ihre  Sünden  vorhält  und  mit  echt  lutherischer 
Geringschätzung  von  der  Heiligenverehrung  redet.  Doch  ist  der 
Kern  des  Märchens  unversehrt  geblieben.  —  In  Andreas  Hartmanns 
Comoedia  vom  Zustande  im  Himmel  und  in  der  Hellen  (Magdeburgk 
1600  Bl.  G  7b),  die  auf    Ringwalds    Treuem   Eckhart   beruht,    schilt 


302  178.    Meister  Pfriem. 

Petrus  einen  trotzigen  Bauern:  'Du  Tropff,  du  bist  Hans  Pfriemers 
art'.  Endlich  ist  der  durch  Luther  sozusagen  kanonisierte  Hans  Pfriem 
in  das  protestantische  Weihnachtspiel  des  17.  Jahrhunderts 
aufgenommen  worden.  In  der  'Heiligen  Christfahrt',  die  Kroker  in 
den  Schriften  des  Vereins  für  die  Geschichte  Leipzigs  7,  213  (1904) 
nach  einem  Drucke  von  1720  herausgegeben  hat,1)  fährt  der  Fuhr- 
gespan oder  Pech  Hans  Pfriem  den  heiligen  Christ,  der  im  Geleit 
seiner  Engel  und  Heiligen  die  Kinder  examiniert  und  beschenkt,  im 
himmlischen  Kammerwagen  und  goldenen  Schlitten  von  Haus  zu 
Haus,  dem  Knecht  Ruprecht  vergleichbar  und  auch  darin  seiner 
Sinnesart  getreu,  daß  er  mit  St.  Peter  grobe  Scheltreden  wechselt. 
Des  gleichen  Amtes  waltet  er  in  den  Weihnachtspielen  aus  Arnstadt, 
Groß-Löbichau  und  Braunsroda.2) 

Unser  Märchen  ist  aus  zwei  verschiedenartigen  Bestandteilen 
zusammengewachsen.  Der  erste  begegnet  uns  schon  um  800  in  der 
griechischen  Legende  vom  h.  Arsenius,  dem  Erzieher  des  Arcadius 
und  Honorius.3)  Diesem  wurde  in  einem  Gesichte  die  Verkehrtheit 
des  menschlichen  Treibens  offenbart:  er  erblickte  einen  Mohren,  der 
sich  mühte,  eine  schwere  Last  Holz  aufzuheben  und  immer  mehr 
Holz  dazu  legte,  dann  einen  Mann,  der  Wasser  in  ein  löchriges 
Gefäß  schöpfte,  und  endlich  zwei  Reiter,  die  einen  Balken  quer  vor 
sich  haltend  in  ein  Tor  zu  kommen  suchten.  Und  auf  seine  Frage 
erhielt  er  die  Deutung,  dies  seien  drei  Arten  von  Menschen,  die 
unbußfertigen  Sünder,  die  Bekehrten,  welche  durch  neue  Sünden 
das  Verdienst  ihrer  Besserung  zu  Schanden  machen,  und  die 
Hoffärtigen.4)     Diese  Legende  ist  häufig,  auch  ohne  den  Namen  des 


*)  Ein  andrer  Druck,  der  sich  als  2.  Auflage  bezeichnet,  ist  nach 
Gottsched,  Nöthiger  Vorrath  1,  220  (1757)  schon  1666  zu  Jena  er- 
schienen. 

2)  Grosse,  Progr.  Arnstadt  1899  S.  3. 10.  Klopfleisch,  Zs.  f.  thüringische 
Geschichte  6,  272.  283  (1865).  Anz,  ebd.  19,  367.  Witzschel,  Kleine  Bei- 
träge 2,  159  (1878).     Vogt,    Die  schlesischen  Weihnachtspiele  1901  S.  79. 

3)  Acta  Sanctorum  Julii  4,  626  E  (cap.  3,  19). 

4)  Solche  geheimnisvollen  Strafen  im  Jenseits  werden  öfter  in 
Visionsmärchen  berichtet:  R.  Köhler  1,  52.  132  undZs.  f.  Volksk.  6,  173  zu 
Gonzenbach  nr.  88.  Klapper,  Mitt.  der  schles.  Ges.  f.  Vk.  20,  24.  Ritters- 
hans, Neaisländ.  Vm.  S.  340.  Sebülot,  Folklore  de  France  3,  151.  211. 
Archivio  23,  74.  Archiv  f.  siebenbürg.  Landesk.  33, 510.  Leskien,  Balkan- 
märchen nr.  67.  Krauß,  Tausend  Sagen  1,  321  nr.  94.  Sklarek  1,  nr.  39. 
Jonrnal  of  american  folklore  20,  111.  25,215.251.  Monteil  p.  106.  Basset, 
C.  berberes  2,  240  zu  nr.  47. 


178.    Meister  Pfriem.  303 

Arsenius,  wieder  erzählt  worden;1)  in  einem  Gedichte  des  Strickers 
heißt  ein  Einsiedler  den  an  der  göttlichen  Weltregierung  irre 
gewordenen  Büßer  auf  seinen  rechten  Fuß  treten  (Zs.  f.  Volkskunde 
6,  204.  Jegerlehner,  Oberwallis  S.  297),  worauf  er  die  drei  seltsamen 
Dinge  erblickt.  Diese  Züge  kommen  auch  selbständig  als  Abbilder 
fruchtloser  Arbeit  vor.  Der  an  Sisyphos  erinnernde  Mann  mit 
der  übergroßen  Bürde  Holz  versinnlicht  in  einer  Hs.  des  15.  Jahrh. 
das  Sprichwort  'Qui  trop  embrasse  mal  estraint'  (Lacroix  et  Sere, 
Le  moyen  äge  et  la  renaissance  2,  proverbes  p.  Vb);  der  Fuhrmann 
mit  den  vorn  und  hinten  angespannten  Pferden  erscheint  auf  einem 
Bilderbogen  des  Hans  Sachs  (23,  360  ed.  Goetze);  das  Schöpfen  in 
ein  Gefäß  ohne  Boden  stammt  aus  der  antiken  Sage  von  den 
Danaiden  und  vergleicht  sich  der  Redensart  'Wasser  in  den  Brunnen 
schütten'  (Murner,  Schelmenzunft  c.  28.  Wander,  Sprichwörterlexikon 
4,  1826.  1833),  und  die  unverständigen  Träger  des  Balkens  kehren 
in  verschiedenen  Schildbürgergeschichten  wieder  (E.  Meier,  Sagen 
nr.  403.  Müllenhoff,  Sagen  nr.  107.  Strackerjan,  Oldenburg  2,  281 
=  2.  Aufl.  2,  423.  Chr.  Weise,  Der  Tochter-Mord  1680  S.  84.  Cats, 
Sinnreiche  Werke  6,  131.  1714.  Wander  1,  224  nr.  19.  Weinholds 
Zs.  f.  Volkskunde  1,  329). 

Den  zweiten  Teil,  das  Eindringen  eines  kecken  und  schlauen 
Burschen  in  den  Himmel,  finden  wir  ähnlich  im  Schneider  im 
Himmel  (nr.  35),  Bruder  Lustig  (nr.  81)  und  Spielhansel  (nr.  82) ; 
doch  ist  ihm  eigen,  daß  der  Held  dem  Petrus,  der  ihn  hinausweist, 
und  auch  andern  Heiligen  ihre  einstigen  Verfehlungen  ungescheut 
vorhält.  Von  Bebeis  'Fabula  de  lanceariis'  (Facetiae  1,  nr.  84)  war 
schon  oben  1,  343  und  2,  189  die  Rede ;  1,  345  auch  von  W.  Grimms 
Versuch    (Zs.    f.    dt.    Mythol.    2,    4    =    Kl.   Schriften   4,  344)    unser 


J)  Vitae  patram  3,  38.  5,  18,  2.  7,  36,  3  (Migne  73,  763.  978.  1054). 
Jacobus  a  Voragine,  Legenda  aurea  c.  178.  Honorius  Augustodunensis, 
Speculum  ecclesiae  (Migne  172,  1058c).  Gesta  Romanorum  c.  165  mit 
Oesterleys  Anmerkung;  c.  109.  139  ed.  Dick;  c. 37  ed.  Herzstein.  Klapper, 
Erzählungen  des  Mittelalters  1914  nr.  186  'De  heremita  Romano'.  Laß- 
berg, Liedersaal  1,  591  nr.  79  =  Rosenbagen,  Die  Heidelberger  Hs.  1909 
S.  61  (Stricker;  ZfdPb.  22,  3341).  Der  Veter  Buoch  ed.  Palm  1863  S.  30. 
Väter  buch  ed.  Reissenberger  1914  S.  336.  Pfeiffer,  Germania  3,  412  nr.  1 
(elsässisch).  Herberger,  Herz-Postille  1852  2,  102b.  Neue  Acerra  pbilo- 
logica  1711  S.  808  (6,  nr.  45).  Kosegarten,  Dichtungen  3,  145  (1812). 
Passavanti,  Specchio  della  vera  penitenza  1856  p.  25  (2,  c.  5). 


304  178.    Meister  Pfriem. 

Märchen  mit  Thors  Kämpfen  wider  die  Riesen  in  Verbindung  zu 
bringen.  Näher  steht  das  französische  Fablel  'Du  vilain  qui  conquist 
paradis  par  piaist'  (Montaiglon-Raynaud  3,  209  nr.  81 ;  vgl.  Histoire 
litt,  de  France  23,  214),  wo  außer  Petrus  auch  Thomas  und  Paulus 
von  dem  Bauern  durch  Vorwürfe  beschämt  werden,  und  die  um 
1570  entstandene  deutsche  'Historia  von  Sancto'  (v.  219.  Zs.  f.  dt. 
Phil.  32,  354),  wo  dieselben  drei  Apostel  auftreten.  In  dem  ver- 
wandten Gedichte  'Wie  der  molner  in  das  himmelreich  quam' 
(Keller,  Erzählungen  aus  ad.  Hss.  1855  S.  97 ;  vgl.  Germania  32,  336. 
R.  Köhler,  Aufsätze  S.  52)  erscheinen  Petrus,  Paulus,  Christophorus 
und  Maria.  Vgl.  Curieuser  Zeitvertreib,  Colin  1693  nr.  134  (Petrus 
und  Müller.  Berlin  Yt  9941).  Simrock,  Märchen  nr.  3  'Der  Müller 
im  Himmel'.  Mathesius  (Syrach  1584  Bl.  48  b.  Cap.  8,  1.  Predigt) 
erzählt,  auf  eine  bekannte  Fabel  von  Waldis  (Esopus  4,  nr.  69. 
Sachs,  Fabeln  5,  312  nr.  796)  anspielend,  von  einem  feisten  Mönch, 
den  Petrus  vom  Himmelstor  zurückweist  und  ärgerlich  Hühnerfresser 
schilt.  'Lieber  Petre',  erwidert  der  Mönch,  'schneide  mir  nicht  den 
Bauch  auf;  der  Hahn  möchte  sonst  krähen.'  Worauf  ihn  Petrus 
beschämt  eintreten  läßt.  Vgl.  ein  Meisterlied  Jobst  Zolners  von 
1618  im  Weimarer  Mscr.  Fol.  418,  1080;  M.  Sax,  Christlicher  Zeit- 
vertreiber 4,  447  (1628) ;  Schola  curiositatis,  editio  III.  2,  163 ; 
Langbein,  St.  Petrus  und  der  Mönch  (Schriften  2.  Aufl.  4, 
139).  —  Französisch:  Deulin,  Contes  d'un  buveur  de  biere  1873 
p.  189  'Les  muscades  de  la  Guerliche'  (Petrus,  Paulus,  Augustinus. 
die  unschuldigen  Kinder).  Sebillot,  Litt,  orale  de  la  Haute-Bretagne 
p.  207  'Le  meunier  en  paradis'  (St.  Yves  verteidigt  ihn) ;  vgl.  Armana 
prouvencau  1864,  45  'Jarjaio  au  paradis'  und  Revue  des  1.  romanes 
15,  148  (1879).  Im  dänischen  Märchen  bei  Kamp,  Folkeseventyr  1, 
111  nr.  10  'Hvordan  Steffens  sjsel  kom  i  himmerig'  geht  Steffens 
Witwe  mit  seiner  Seele,  die  sie  in  einem  Sacke  aufgefangen,  zur 
Himmelstür  und  läßt  sie,  nachdem  sie  vergeblich  bei  Petrus,  Maria 
und  Christus  um  ihre  Aufnahme  gebeten,  heimlich  hinein.  Ebenso 
isländisch  bei  Arnason  2,  39  =  Rittershaus  S.  342  nr.  93  =  Zs.  f. 
roman.  Phil.  6,  137.  Dreister  fordert  die  Frau  in  der  englischen 
Ballade  'The  wanton  wife  of  Bath'  (Percy,  Reliques  of  ancient  poetry 
1866  3,  147.  v.  Maries,  Altenglische  Dichtungen  1857  S.  166. 
Anglia  17,  259)  den  Eintritt  ins  Paradies  für  sich  selber  und 
bringt  durch  ihre  boshafte  Zunge  alle  Heiligen  des  Alten 
und     des     Neuen     Testaments     zum     Verstummen.        Bekannt     ist 


179.    Die  Gäiisehirtin  am  Brunnen.  305 

Bürgers     diesem     Vorbilde      nachgeahmte      'Frau      Schnips'  (1782. 

Gedichte    ed.    Consentius    1914    1,    181.     2,  309).    Finnisch:  Aarnes 
Register  nr.  801. 


179.    Die  Gänschirtin  am  Brunnen.  isse  s.  251. 

1843  nr.  179.  —  Nach  einer  Erzählung  aus  Wien  von  Andreas 
Schumacher  in  Kletkes  Almanach  deutscher  Volksmärchen  1840  S.  36 
nr.  2  'Die  Gänselhüterin'.  Die  mundartliche  Fassung  steht  in 
Schumachers  Wiener  Gesellschafter  1833  und  danach  in  Kletkes 
Märchensaal  2,  320  (1845)  'D'Ganslhiadarin' ;  vgl.  Hamann,  Die 
literarischen  Vorlagen  der  KHM.  S.  91. 

Das  .Märchen  gehört  zu  der  Gruppe  von  Aschenputtel  (oben  1, 
165),  Allerleirauh  (2,  45)  und  Einäuglein  (3,  60)  und  enthält  die 
.Motive  A3  B1  C3  E.  Die  Hexe  entspricht  der  fürsorglichen  Fee  oder 
Patin,  die  alte  Haut1)  dem  Krähenpelz  oder  Eselsfell  in  Allerleirauh 
und  Peau  d'äne;  und  schöner  als  im  französischen  Märchen  wirkt 
die  Belauschung  der  vertriebenen  Jungfrau  am  Quell. 

Unvollständig  aber  ist  das  Motiv  'Lieb  wie  das  Salz'2) 
durchgeführt;  es  fehlt  die  Beschämung  des  alten  Königs,  der  durch 


x)  Auch  in  italienischen  Fassungen  von  Allerleirauh  (Corazzini 
p.  435.  Gubernatis,  Novelline  nr.  9.  Giambattista  Basile  1,  42),  in  einer 
afrikanischen  Variante  (oben  2,  55)  und  bei  Mary  Summer,  Contes  de 
l'Inde  ancienne  1878  p.  23  'La  fausse  vieille'  zieht  sich  die  Heldin  die 
Haut  eines  alten  Weibes  übers  Gesicht;  ebenso  bei  Renel,  C.  de 
Madagascar  1,  172  nr.  30  lLe  roi  du  nord  et  le  roi  du  sud'  ein  Jüngling. 
Dagegen  beschreibt  der  Roman  von  Malegis  nicht  näher,  auf  welche 
Weise  dieser  Zauberer  so  oft  die  Gestalt  eines  Greises  annimmt. 

2)  Auf  die  Verwandtschaft  mit  den  Fragen  Lears  an  seine  drei 
Töchter  bei  Shakespeare  machte  Schenkl,  Germania  11,  450  aufmerksam ; 
vgl.  Simrock,  Quellen  des  Shakespeare2  2,  233  (1872),  Bode,  Die  Lear- 
sage  vor  Shakspeare  (Diss.  Halle  1904)  und  Perrett,  The  story  of  king 
Lear  from  Geoffrey  of  Monmouth  to  Shakespeare  1904  S.  9  (Pa- 
laestra  35) ;  ferner  Cosquin,  Revue  des  trad.  pop.  28,  537—542. 
—  Auch  die  wegen  eines  Traumes  von  künftiger  Herrlichkeit 
(oben  1,  324)  verstoßene  Tochter  nimmt  später  den  Vater  liebevoll 
auf:  Imbriani,  C.  pomiglianesi  p.  42  'E  tre  figlie  d'o  re';  Pitre  1,  89 
'II  re  di  Francia1;  Athaide  Oliveira  1,  228  lA  prineeza  imperatriz'; 
Romero  nr.  3  (oben  2,  245);  Künos,  Stambul  S.  375  (oben  1,324);  ebenso 
in  einer  mährischen  Ballade  (Wenzig  S.  276.  Waldau,  Böhmische  Gra- 
Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III.  20 


306  179.    Die  Gänseliirtin  am  Brunnen. 

die  ungesalzenen  Speisen  den  Wert  des  Salzes  erkennt  und  ein- 
gesteht, die  Versicherung  seiner  jüngsten  Tochter,  sie  liebe  ihn  wie 
das  Salz,  sei  kein  Spott  gewesen.  So  erscheinen  die  Teile  A3F 
vereint  in  der  Tiroler  Erzählung  bei  Zingerle  l2,  55  nr.  31  'Not- 
wendigkeit des  Salzes',  der  schwäbischen  bei  E.  Meier  nr.  27 
'So  lieb  wie  das  Salz'  und  in  der  Alemannia  26,  88  nr.  13  'Das  Salz' 
sowie  in  Bechsteins  Neuem  Märchenbuch18  nr.22  'Das  Unentbehrlichste'. 
Meist  aber  sind  damit  noch  andre  der  oben  1,  168  angeführten  Motive 
verbunden,  so  in  der  2,  47  mitgeteilten  'Prinzessin  Mäusehaut' 
(A3-4C2D2EF). 

Niederländisch:  Lootens  S.  55  =  Germania  14,  91 
(A^iD^F).  Joos  2,  56  nr.  10  'Van  het  zout'  (A3F).  Volkskunde 
2,  208  'Vuilvelleken'  (A3B*  C1D1E  F).  2,  267  'Zoo  geren  as  zout' 
(A3F)  =  Teirlinck,  Contes  p.  67.  De  Mont  en  de  Cock,  Wonder- 
sprookjes  S.  155  'Sloddeken-vuil'  (A^ßiC^DiEF).  —  Schwedisch: 
Bondeson,  Sv.  folksagor  S.  16  nr.  4  'Salt  och  bröd'  (A3  F.  Zum 
Schluß  verstößt  der  König  die  beiden  älteren  Töchter,  die  versichert 
hatten,    sie    liebten    ihn    wie   Gott  im  Himmel  oder  wie  sich  selbst.) 

—  Englisch  aus  Suffolk:  Longmans'  Magazine  13,441  (1889) 'Cap 
o'rushes'  =  Folk-lore  1,  295  =  County  folk-lore  2,  40  (Gurdon, 
Suffolk  1893)  =  Jacobs  1,  51  nr.  11  (A^D^F).  Addy  nr.  50 
'Sugar  and  salt'  (A3  E  F).  =  County  folk-lore  6,  166  (Gutch,  Yorkshire 
1912).  —  Französisch:  Sebillot,  Litt,  orale  p.  45  'La  pouilleuse' 
(A3  C  D2  E  F).  Bevue  des  trad.  pop.  22,  312  'Le  sei  de  la  princesse' 
(ASC^EF).  Monseur  p.  XXX  (A3  F).  Wallonia  3,  41.  Gittee- 
Lemoine  p.  41  'Poivre  et  sei'  (A3  B1  C3  D2  E  F).  Blade,  Agenais  p.  31 
=  Blade,  Gascogne  1,  251  'La  gardeuse  de  dindons'  (A3,4C1D1EF. 
Der  Vater  wird  von  den  beiden  älteren  Töchtern  aus  dem  Lande 
getrieben  wie  König  Lear    und  durch    einen  treuen  Diener  ernährt). 

—  Rätoromanisch:  Decurtins,  Chrestomathie  2,  105  nr.  83  'La 
princeesa,  che  haveva  bugien  siu  bab  sco  il  sal'  =  Wettstein,  Zur 
Anthropologie  des  Kreises  Disentis  1902  S.  148  =  Singer,  Kommentar 


naten  2,  103)  die  dritte  Tochter,  welche  die  geringste  Mitgift  erhalten 
hatte.  Vgl.  Hartland,  The  outcast  child  (FLJ.  4,  308)  und  Macculloch, 
Childhood  p.  362.  —  Im  norwegischen  Märchen  bei  Skar  6,  45  antwortet 
die  Frau  auf  die  Frage,  wie  lieb  sie  ihren  Gatten  habe:  'Wie  den  Wind 
im  warmen  Sonnenschein.'  Ebenso  kleinrussiscli  bei  Bulasev  S.  160. 
Unflätig  erwidert  der  Ehemann  auf  dieselbe  Frage  bei  Montanas,  Garten- 
gesellschaft   nr.  54  und  Kirchhof,    Wendunmut  4,  nr.  195. 


179.    Die  Gänseliirtin  am  Brunnen.  307 

2,  26  (A3BC3EF.     Ein  Fisch  spendet  die  Schachteln  mit  Kleidern). 

—  Italienisch:  Ortoli  p.  48  'Marie  la  fille  du  roi'  (A3CD!E. 
Das  Salz  wird  in  der  Antwort  der  Prinzessin  nicht  erwähnt.  Prinz 
belauscht  die  Ziegenhirtin  im  Eselsfell).  Busk  p.  403  'The  value  of 
salt'  (A3F).  Pinamore  1,  130  nr.  26  'Lu  scartozze  de  sale'  (A3CDEF. 
Die  Hühner  singen  von  der  Schönheit  ihrer  Hüterin;  Prinz  lauscht 
und  raubt  das  abgelegte  Fell);  vgl.  1,  83  nr.  18  'Lu  rre  sselvagge'. 
Coronedi-Berti  nr.  3  (Propugnatore  7,  1,  200)  =  1883  nr.  24  'La 
föla  del  candlir'  (Zizola  soll  getötet  werden,  verbirgt  sich  aber  auf 
Veranstaltung  der  Mutter  in  einem  Leuchter).  Comparetti  p.  264 
nr.  61  'Occhi-marci'  =  Nerucci  nr.  13  (A3BC3EF.  Die  Amme  kauft 
ihr  die  Haut  eines  alten  Weibes).  Archivio  2,  45  'La  Sendraroeula' 
(A3  B  C1  D1  E.  Flüchtige  Heldin  in  Eselshaut  von  Hexen  beschenkt). 
Bernoni,  Fiabe  p.  68  nr.  14  'Come  '1  bon  sale'  (A3  B  C3  E  F.  Von 
einer  alten  Frau  erhält  die  Heldin  ein  Stäbchen,  das  sie  in  eine 
Greisin  verwandelt,  sobald  sie  es  in  den  Busen  steckt).  Pitre,  Fiabe 
sie.  1,  83  nr.  10  'L'acqua  e  lu  sali'  =  Kaden  S.  50  =  Crane  p.  333 
(A3  E  F.  Der  Zauberer  läßt  sich  vor  der  Hochzeit  der  Heldin  töten 
und  verwandelt  sich  in  Gold  und  Edelsteine).  1,  88  'II  padre  santo', 
'II  re  di  Francia',  'Lu  sali'.  —  Maltesisch:  Hg  1,  35  nr.  10  'Die 
klage  Königstochter'  (A3  F).  —  Spanisch:  Mila  1853  p.  181  nr.  5 
'La  hija  menor'  (A3-4C3EF)  =  F.Wolf,  Wiener  SB.  20,56(1856). 
Bibl.  de  las  trad.  esp.  8,  175  nr.  1  'Xuanön  del  cortezön'  =  Sebillot, 
C.  esp.  p.  47  nr.  6  (A3  E  F.  Der  verkleidete  Truthühnerhirt  vom 
Prinzen  belauscht).  —  Portugiesisch:  Braga  1,  122  nr.  50  '0  sal 
e  a  agua'  (A3  E  F).  Athaide  Oliveira  1,  419  nr.  182  'A  comida  e  o 
sal'  (A3,4EF).  Vasconcellos,  Ensaios  ethnographicos  2,  117  nr.  62 
(A3-4BEF).  2,  120  'A  cortieeira'  (A3 B  E  F).  —  Baskisch: 
Webster  p.  165  (A3EF).  *Cercpiand  nr.  104,  2.  — Rumänisch: 
P.  Schullerus    nr.  107   (Archiv  33,  618)   'Das   Salz    im  Brot'  (A3EF) 

—  Cechisch:  Kubin,  Podkrkonosi  1,  nr.  30.  —  Slovakisch: 
Nemcova,  Slov.  2,  69  nr.  37  =  Dobsinsky  3,  22  nr.  25  (A3  B  F ;  die 
jüngste  Tochter  bringt  dem  erkrankten  Vater  Salz  und  weist  mit 
einer  Wünschelrute  ein  Salzbergwerk  nach).  —  Polnisch  aus  dem 
Gouv.  Eadom:  Kolberg,  Lud  21,  200  nr.  16  (A3  C  F.  Im  Gasthaus, 
wo  die  jüngste  Tochter  dient,  setzt  sie  dem  Vater  Kartoffeln  ohne 
Salz  vor).  —  Finnisch:  Aarnes  Register  nr.  923.  —  Magyarisch: 
Sklarek  1.  nr.  34  'Das  verstoßene  Mädchen'  (A3  E  F).  Klimo  p.  172 
,Le    sei'    (nach    Merenyi.     A3CD1EF).    —    Indisch:    Swynnerton, 

20* 


308  180.    Die  ungleichen  Kinder  Evas. 

Indian  nights  p.  78  nr.  27  'The  king  and  bis  daughters'  (A3  E  F) 
Indian  Antiquary  22,  323  'The  princess  who  loved  her  father  like  salt' 
(1893).  Stokes  p.  164  nr.  23  'The  princess  who  loved  her  father  like 
salt'  (A3,  scheintoter  Prinz  geheilt,  C3EE);  vgl.  nr.  25  'The  fan  prince' 
(A3.  Auf  die  Frage  'Wer  gibt  dir  Nahrung?'  antwortet  die  jüngste 
Tochter:  'Gott'.  Oben  2,  265).  —  Berberisch:  Stumme,  ZdmG. 
48,  393  =  Seidel,  Geschichten  der  Afrikaner  S.  90  'Von  einem 
Könige  und  seinen  drei  Töchtern'  (A3  F).  —  Hottentottisch: 
Olpp,  Mitt.  der  geogr.  Ges.  zu  Jena  6,  25  nr.  22  (1888)  =  Seidel 
S.  135  'Liebe  bis  zum  Salz'  (A3EF). 

Die    bis    1893    bekannten    Fassungen    bespricht    M.    C.    Cox, 
Cinderella  p.  80—86.     469—471. 


1856   S.  251. 


180.    Die  ungleichen  Kinder  Evas. 

1843  nr.  180.  —  Nach  dem  1558  verfaßten  Schwanke  des  Hans 
Sachs  'Die  ungleichen  Kinder  Evä'  (Folio  2,  4,  83  a,  2  =  Fabeln 
ed.  Goetze  1,  565  nr.  194),  der  durch  übersichtliche  Kürze  und 
lebendige  Laune  die  drei  früheren  Bearbeitungen  des  Nürnberger 
Meisters  übertrifft.  Über  die  kleinen  Abweichungen  vgl.  Hamann, 
Die  literarischen  Vorlagen  1906  S.  92. 

Die  im  Beformationszeitalter  vielfach  dargestellte  anmutige 
Legende  von  der  Kinderlehre  Gottvaters  und  von  der  Entstehung 
der  Stände1)  taucht  zuerst  auf  in  einem  lateinischen  Hirtengedicht 
des  1448  geborenen  Karmelitermönches  Baptista  Spagnuoli,  nach 
seiner  Heimat  Baptista  Mantuanus  genannt.  Als  Student  zu 
Padua  um  1470  dichtete  dieser  nach  dem  Muster  Vergils  acht 
Hirtengespräche.  Als  ihm  später  (1498)  jenes  Jugendwerk  wieder 
in  die  Hände  fiel,  gab  er  es  in  überarbeiteter  Gestalt  und  um  zwei 


*)  Vgl.  dazu  J.  Grimm,  Die  ungleichen  Kinder  Evas  (Zs.  f.  dt. 
Altert.  2,  257.  1842  =  Kl.  Schriften  7,  106)  und  Mythologie3  S.  214.  540. 
3,  163.  Wackernagel,  Kleinere  Schriften  2,  132.  1873.  Matthias,  Zs.  f.  dt. 
Philologie  21,  419.  V.  Schumann,  Nachtbüchlein  hs^.  von  Bolte  1893 
S.  403.  Winzer,  Die  ungleichen  Kinder  Evas  in  der  Literatur  des  16.  Jhs. 
(Diss.  Greifswald  1908). 


180.    Die  ungleichen  Kinder  Evas.  309 

Eklogen  vermehrt  von  neuem  heraus1)  und  erntete  großen  Beifall. 
In  der  6.  Ekloge  'Cornix  de  disceptatione  rusticorum  et  civium'2) 
reden  zwei  Hirten  Fulica  und  Cornix  von  der  Ungleichheit  der 
Bauern  und  Städter,  und  der  erste  weiß  von  deren  Ursprung  zu 
berichten : 

Im  Anfange  gesellte  der  Schöpfer  dem  Manne  das  Weib  und  hieß 
sie  Kinder  zeugen.  Bald  gebar  das  Weib  einen  Knaben  und  ein  Mädchen 
und  mehite  alljährlich  so  das  Menschengeschlecht.  Nach  fünfzehn 
Jahren  kam  Gott  sie  zu  besuchen.  Das  Weib  blickte,  während  sie  die 
Kleinen  kämmte,  aus  der  Tür  und  sah  ihn  kommen;  Adam  aber  war 
fortgegangen,  die  Schafe  zu  hüten.  Da  ertötete  die  Frau,  weil  sie  der 
vielen  Kinder  halber  den  Vorwurf  der  Wollust  fürchtete,  und  versteckte 
einige  ins  Heu  und  Stroh.  Gott  aber  trat  ins  Haus,  grüßte  sie  und 
sprach:  'Bring  mir  deine  Kinder  her!'  Da  ließ  das  Weib  die  Ältesten 
vortreten,  und  Gott  liebkoste  sie  und  sprach  freundlich  zum  ersten:  'Da 
nimm  das  Szepter,  du  sollst  König  sein.'  Dem  zweiten  gab  er  ein  Schwert 
und  Waffen  und  sagte:  'Du  sollst  ein  Feldherr  sein.'  Dann  zog  er  Beil 
und  Butenbündel,  Stab  und  Spieß,  die  Abzeichen  römischer  Beamten, 
hervor  und  verteilte  schweigend  die  Würden  an  die  Kinder.  Solcher 
Gaben  froh,  eilte  die  Mutter  in  den  Stall  und  holte  die  dort  versteckten 
Kinder  und  sprach:  'Auch  diese  Kinder  hab  ich  geboren;  gib  ihnen,  all- 
mächtiger Vater,  doch  ein  Geschenk!'  Aber  ihr  Kopf  war  mit  Spreu 
bedeckt,  auf  den  Schultern  hingen  Strohhalme  und  Spinneweben.  Da 
schaute  Gott  sie  nicht  freundlich  an,  sondern  sprach  mit  ernstem  Antlitz: 
'Ihr  riecht  nach  Heu,  nach  Stroh  und  Erde.  Euer  soll  der  Bilug  sein, 
das  Ochsengespann  und  alles,  was  zum  Acker  gehört;  Billiger  sollt  ihr 
werden  und  Schäfer,  Schnitter,  Erdarbeiter,  Matrosen  und  Viehhirten, 
einige  aber  will  ich  in  die  Städte  setzen  als  Wurstmacher,  Fleischer, 
Weinschenke,  Bäcker  und  andre  dergleichen,  die  immerdar  im  Schmutze 
leben    und    für  die  Vornehmen  schwitzen  und  dienen.'     Der  allmächtige 


x)  Baptista  Mantuanus,  Bucolica.  Mantuae  1498  (und  über  50  weitere 
Auflagen;  eine  um  1500  im  Augustinerkloster  zu  Bebdorf,  dioc.  Eyste- 
tensis  gemachte  Abschrift  auf  der  Bariser  Nationalbibliothek,  Nouveau 
fonds  latin  11347,  Bl.  2a).  Der  älteste  Druck  u.  d.  T.  'Adolescentia' 
scheint  verloren.  —  Ins  Englische  übersetzt  von  Alexander  Barclay 
(The  fyfte  eglog  of  the  cytezen  and  uplondyshman,  London  o.  J.  — 
Percy  Society  22.  1848)  und  George  Tu rberville  (Eglogs  of  J.  B.  Mantuan, 
London  1567;  benutzt  von  T.  Harvey,  Bucolics,  Lond.  1656);  ins  Fran- 
zösische von  Michel  d'Amboise  (Bucoliques  de  B.  Mantuan,  Paris  1530) 
und  Laurent  de  la  Graviere  (Eglogues  de  B.  Mantuan,  Lyon  1554.  1558). 

2)  V.  53—104;  abgedruckt  in  V.  Schumanns  Nachtbüchlein  189:3 
S.  372. 


310  130.    Die  ungleichen  Kinder  Evas. 

Gott  sprachs  und  schritt  von  dannen  zum  Himmel.     So  ist  der  dienende 
Stand  und  der  Unterschied  zwischen  Bauern  und  Städtern  entstanden. 

Daß  der  italienische  Dichter  aus  einem  Volksmärchen  schöpft, 
legt  der  gelehrte  Pariser  Buchdrucker  Jodocus  Badius  Ascensius 
1502  in  seinem  Kommentar  zu  dem  Gedichte1)  dar,  indem  er  einige 
ähnliche  Schwanke  anführt: 

In  einer  Bauernfabel  (apologo  rusticano)  erzählt  der  Dichter,  wie 
der  Unterschied  von  Städtern  und  Bauern  von  Gott  geschaffen  sei. 
Ähnliches  berichten  andre  von  der  Verschiedenheit  des  Tagelohnes.  Als 
nämlich  die  Handwerker  Gott  fragten,  wieviel  Lohn  sie  fordern  sollten, 
und  dieser  den  Schustern  und  andern  Tagelöhnern  zwei  Groschen  zu- 
wies, den  Steinmetzen,  Zimmerleuten  und  Wagnern  aber  sechs,  fragten 
jene,  wieviel  Land  sie  denn  für  so  wenig  Lohn  kaufen  könnten.  Er  ant- 
wortete: 'Soviel  Morgen  jährlich,  als  für  euch  und  eure  Kinder  genügt.' 
Als  aber  die  andern  fragten,  wieviel  sie  kaufen  könnten,  antwortete  er, 
sie  sollten  täglich  soviel  Land  kaufen,  als  sie  ihre  Axt  rückwärts  durch 
die  Beine  zu  werfen  vermöchten.  Da  sie  nun  voll  Habgier  weit  zu 
werfen  strebten,  warfen  sie  sich  die  Axt  in  den  Hintern,  in  den  in  der 
Kegel  noch  jetzt  hoher  Tagelohn  geht.  —  Ferner  erzählt  man  von  der 
Entstehung  der  Frösche  und  Affen:  Als  eine  kinderreiche  Frau  (Eva  oder 
eine  andre)  sich  schämte,  Gott  bei  seinem  Besuche  alle  ihre  Kinder  zu 
zeigen,  versteckte  sie  einige  im  Ofen,  einige  unter  dem  großen  Kessel. 
Als  aber  Gott  die  andern  mit  Gaben  beschenkt  hatte  und  die  Frau  sagte, 
sie  habe  weiter  keine  Kinder,  verwandelte  Gott  die  im  Ofen  in  Affen 
und  die  unter  dem  Kessel  Versteckten  in  Frösche  und  Kröten.  —  Einem 
solchen  Märchen  und  Altweiberfabel  folgt  hier  der  Dichter. 

Das  Hauptmotiv  des  durch  Baptista  Mantuanus  in  Verse  ge- 
brachten Volksmärchens  ist  nicht  die  große  Kinderz ahl  des  ersten 
Menschenpaares,  über  die  sich  die  Erläuterer  der  Genesis  bisweilen 
Gedanken     gemacht    haben,2)     sondern     die     Herleitung     der     ver- 


*)  Abgedruckt  in  Schumanns  Nachtbüchlein  S.  373.  —  Auch  andre 
Gelehrte  wie  1510  Joh.  Murmellius  in  Münster  und  1536  Andreas  Vau- 
rentinus  in  Toulouse  schrieben  über  die  Bucolica  Erläuterungen  und 
hielten  Vorlesungen;  Wimpheling  spendete  1503  ein  empfehlendes  Vor- 
wort; Mutianus  Kufus  schätzte  den  Dichter  ebenso  wie  Luther  und 
Sabinus  (Michel,  Knaust  1903  S.  26.  272). 

2)  Luther  meint,  es  seien  wohl  bis  in  die  zweihundert  gewesen 
(Tischreden  4,  422  ed.  Förstemann  =  S.  287  nr.  574  ed.  Kroker  1903. 
Werke,  Weimarer  Ausg.  42,  251).  Die  alte  Vita  Adae  et  Evae  redet  nur 
von  63  Kindern  (W.  Meyer,  Abh.  der  Münchner  Akad.  14,  3,  229.  1879. 
Vollmer,  Adambuch  1908  S.  26.  Charles,  The  Apocrypha  and  P&eud- 
epigrapha  of  the  Old  Testament  1913  2,  130). 


180.    Die  ungleichen  Kinder  Evas.  311 

schiedenen  Stände  und  Berufe  aus  der  Urzeit.  Öfter  taucht 
im  Mittelalter  die  Frage  auf,  wie  der  Unterschied  von  Freien  und 
Unfreien,  Reichen  und  Armen  entstanden  sei.  Trotzig  heißt  es  in 
dem  verbreiteten  Sprichwort,  das  1382  ein  aufrührerischer  englischer 
Priester  John  Ball  zum  Text  einer  Predigt  wählte  .-1)  'Da  Adam 
reutet  und  Eva  spann,  wer  was  da  ein  Edelmann?'  Als  Kaiser 
Maximilian  I.  den  Spruch  einst  an  einem  Ofen  las,  schrieb  er  darunter 
die  Antwort :  'Ich  bin  ein  Mann  wie  ander  Mann,  allein  daß  mir 
Gott  die  Ehr  vergan'.2)  Mehrfach  führte  man,  wie  der  Sachsen- 
spiegel3) berichtet,  den  Ursprung  der  Unfreiheit  auf  den  über  den 
Brudermörder  Kain,  über  Harn  oder  Esau  verhängten  Fluch  zurück. 
Ein  Gedicht  des  15.  Jahrh.  'Wer  der  erst  Edelmann  gewest  ist',4) 
welches  den  Bauernstand  mit  warmen  Worten  preist,  nennt  Nimrod 
als  den  ersten  Adligen  und  Bauernschinder;  es  beginnt: 

Nun  wolt  ich  wissen  also  geren, 

Wann  die  Edelleüt  her  kumen  weren, 

Sintemal  das  dy  pösen  vnd  die  frumen 

Nit  mer  dann  von  Adam  vnd  Eua  sind  kumen. 

Da  Adam  reutet  vnd  Eua  span, 

Wer  was  die  zeit  da  ein  Edelman? 

Verbreiteter   aber  ist  die  Zurückführung    der   drei  Stände  der 
Freien,  Eitter  und  Leibeignen  auf  Noahs  Söhne,  wie  zu  Anfang  des 


!)  Holinshed,  Chronicus  1807  2,  749:  'WhenAdam  delv'd  and  Eve 
span,  who  was  than  a  gentleman  ?' 

2)  Loesche,  Analecta  Lutherana  1892  nr.  227  und  Agricola,  Sprich- 
wörter nr.  264.  Vgl.  Wander,  Sprichwörterlexikon  1,  27.  5,  711  f.  Ähn- 
lich schon  Frei  dank  135,10:  'Swie  die  liute  geschaffen  sint,  wir  sin  doch 
alle  Adames  kint.'  Euling,  Die  Wolfenhüttier  Handschrift  1908  S.  60: 
'Wo  was  ein  graff,  ritter  und  edelman,  do  Adam  hackt  und  Eva  span?' 

3)  Buch  3,  c.  42,  3  (l3,  333  ed.  Homeyer).  Über  die  Einteilung  des 
Volkes  in  Edle,  Freie,  Eio;ne  oder  Ritterbürtige,  Bürger,  Bauern  oder 
Schöffenbare,  Pfleghafte,  Landsassen  handelt  Homeyer,  Abb..  der  Berliner 
Akad.  1852.  18.  Waitz,  Dt.  Verfassungsgeschichte  l3, 149.  Kötschke,  Dt. 
Zs.  f.  Geschichtswissenschaft  n.  F.  2,  Vierteljahrsh.  S.  269  (1898).  Andre 
Einteilungen  sind  ehliches,  geistliches,  richterliches  Leben  (Hugo  von 
Trimberg  v.  18167),  Lehr-,  Wehr-  und  Nährstand  (Mathesius,  Sarepta  1564 
Bl.  66a). 

4)  Gedruckt  zu  Bamberg  durch  Hans  Sporer  um  1493  =  Serapeum 
24,  231. 


312  180.    Die  ungleichen  Kinder  Evas. 

12.  Jahrh.  Honorius  Augustodunensis1)  lehrt:  'Huius  [Sem]  tempore 
divisum  est  genus  humanuni  in  tria :  in  liberos,  milites,  servos. 
Liberi  de  Sem,  milites  de  Japhet,  servi  de  Cham.'  Ebenso  der 
Lucidarius  (S.  8,  13  ed.  Heidlauf),  Jansen  Enikel  in  seiner  Weltchronik 
v.  3045  (mit  Strauchs  Anm.),  Heinrich  Frauenlob  (nr.  33  ed.  Ettmüller  = 
MSH.  3,  358  a),  der  Teichner  (Karajan  1855  S.  40),  Michael  Beheim 
(Von  den  Wienern  S.  130,  23  ed.  Karajan:  Kam  Stammvater  der 
Bauern),  Wittenweiler  (Ring  S.  193  ed.  Bechstein),  Eelix  Hemmerlin, 
De  nobilitate  et  rusticitate  1450  c.  7  (Reber,  F.  Hemmerlin  1846 
S.  205.  226),  Gengenbach  (Der  Bundtschuh  1514  v.  89,  S.  25  ed. 
Goedeke.  Priester,  Edelmann,  Bauer),  H.  Sachs  (Fastnachtspiele  2, 
29  =  Folio  1,  5,  470b:  Edelmann,  Bürger,  Bauer).  Als  Hugo  von 
Trimberg  (Renner  v.  1315)  durch  ein  Dorf  reitet  und  die  ange- 
trunkenen Bauern  von  ihm  Bescheid  verlangen,  warum  der  eine 
edel,  der  andere  unedel  sei,  da  sie  doch  alle  von  einer  Mutter 
herstammten,  steigt  er  ab  und  beschwichtigt  sie  durch  diese  biblische 
Geschichte  von  Noahs  Söhnen.  —  Wohl  erst  im  15.  Jahrh.  entstanden 
ist  eine  bildliche  Darstellung,  die  nicht  nur  jene  drei  Stände,  sondern 
die  ganze  Vielheit  der  Berufe  in  der  Zeit  Adams  entspringen  läßt, 
ohne  sich  an  eine  biblische  Überlieferung  zu  binden.  Zwei  Tusch- 
zeichnungen dieser  Zeit2)  zeigen  1.  einen  mit  seinem  Knechte 
pflügenden  Bauern,  dazu  die  Verse : 

Da  got  himel  vnd  erden  beschuff 

Vnd  Adam  Eua  in  dise  werlt  beruff, 

Do  was  ein  pawr  der  erste  man. 

Nu  werdt  ir  vnterweist,  wo  der  adel  vieng  an 

Vnd  auch  etlich  holltragender  burger, 

Der  sich  nennt  von  dem  alten  gesiecht  her. 

*)  De  imagine  mundi  lib.  3  (Migne,  Patrol.  lat.  172, 166).  Nauclerus, 
Chronicon  1544  S.  12  fügt  hinzu,  nach  andern  seien  die  drei  Stände 
sacerdotes,  milites,  servi,  und  Noah  habe  zu  Sem,  Japhet  und  Harn  ge- 
sagt: 'Tusupplex  ora,  tu  protege  tuque  labora',  der  Teufel  aber  habe  einen 
bösen  Wunsch  angehängt:  'Tu  fornicator,  tu  praedo  tuque  lecator.'  — 
Dieselbe  Dreiheit  der  Sklaven,  Freien  und  Edlen  wird  in  der  altnordischen 
Rh?sbula  (Gering,  Edda  S.  110)  mythologisch  begründet.  Unter  dem 
Namen  Rigr  wandert  der  Ase  Heimdallr  zu  drei  Menschenpaaren  und 
gründet  den  Unterschied  jener  drei  Stände.  J.  Grimm,  Kl.  Sehr.  7,  113 
glaubte  eiuen  Einfluß  dieser  Erzählung  auf  unser  Märchen  annehmen  zu 
dürfen;  schwerlich  mit  Recht. 

2)  Im  Berliner  Ms.  germ.  fol.  642,  Bl.  32a  hinter  einem  deutschen 
Losbuche  (Wickram,  Werke  4,  313). 


180.    Die  ungleichen.  Kinder  Evas.  313 

2.  einen  Bauern,    der  hinter  dem  eggenden  Knecht    einherschreitend 
kleine  Menschlein  in  die  Furchen  streut;  Unterschrift: 

Dise  pewrlin  sind  mein  sat, 

Zu  hand  mir  darnach  aufgat 

Mein  sawm,  den  ich  geseet  hab, 

Vnd  hoff,  mir  werd  man  ig  stolczer  knab, 

Darauß  ich  den  adel  mag  gecziehen, 

Herren,  ritter,  knecht,  burger,  die  das  vnrecht  fliehen. 

Drei  ähnliche  Holzschnitte  finden  sich  auf  einem  Bilderbogen1) 
v.  J.  1520:  1.  Abel  und  Cayn  mit  drei  Pferden  pflügend,  2.  Adam 
streut  Samen  in  Gestalt  von  Menschlein  aus,  während  Eua  auf  einem 
die  Egge  ziehenden  Pferde  hinterher  reitet,  3.  aus  dem  Acker 
wachsen  mit  halbem  Leibe  hervor  Kaiser,  König.  Papst,  Kardinal, 
Bischof,  Mönch,  Bauer,  Narr,  Schmied,  Frau,  Mädchen  usw.  Das 
Gedicht  dazu  beginnt; 

Nun  nement  war  in  der  figur  : 

Am  anfang  so  hat  gesät  der  bur, 

Genennt  Adam  der  erste  man. 

Sein  sam  der  ist  also  gethan, 

Von  krafft  so  ist  er  aller  gleich, 

Wie  wol  darauß  wechst  arm  vnd  reich, 

Ain  yetlicher  in  seinem,  stat, 

Dar  zu  in  got  geordnet  hat  usw. 

Während  hier  nur  die  Abstammung  aller  Stände  von  dem 
Ackersmann  Adam  hervorgehoben  wird,  schildert  unser  Märchen 
ihre  Einsetzung  durch  Gott.2)  der  Eva  und  ihre  Kinderschar 
besucht.  Es  fand  in  Deutschland  während  der  Reformationszeit 
weite  Verbreitung.  Ob  es  freilich  schon  1516  in  dem  von  Hans 
Rudolf    zu    Freiberg    inszenierten  geistlichen  Schauspiele    verwertet 


x)  Getruckt  zu  Costentz  durch  Hansen  Schäffeler.  Anno  1520 
(Gotha,  Museum,  Sammelband  1,  40).  Auch  in  Wien,  Albertina  (Holz- 
schnitte des  15.  — IG.  Jahrh.  1,  nr.  46). 

2)  So  empfangen  auf  dem  Kupferstiche  in  J.  v.  d.  Heydens  Specu- 
lum  Cornelianum  1608  (Neudruck  1879)  nr.  23  ein  knieender  Krieger, 
König,  Geistlicher  und  Bauer  von  vier  aus  den  Wolken  herabgestreckten 
Händen  Schwert,  Zepter,  Bibel  und  Dreschflegel,  was  von  den  gewöhn- 
lichen Darstellungen  der  vier  Stände  (R.  Köhler  2,  61.  Melusine  6,  49. 
97.  7,  145.  190.  222.  Heurck-Boekenoogen,  Imagerie  flamande  1910  p.  695) 
abweicht. 


314  180.    Die  ungleichen  Kinder  Evas. 

war,  ist  sehr  zweifelhaft;1)  doch  lieferte  1529  Johannes  Agricola, 
Sprichwörter  nr.  264  einen  kurzen  Auszug  des  lateinischen  Gedichtes 
zur  Erläuterung  der  Reime  'Da  Adam  reutte  und  Eva  span,  wer 
was  da  ein  Edelman',  ohne  seine  Quelle  zu  nennen.  Ihn  nutzte  1541 
Seb.  Frank2)  zur  Erklärung  des  Sprichwortes  'Du  bist  zu  spat 
kommen,  biß  du  ein  JBaur',  1547  Hans  Sachs  zu  einem  Meister- 
liede3)  und  1559  Valentin  Schumann,  Nachtbüchlein  nr.  25  zu  einer 
breit  ausgemalten  Nacherzählung.4) 

Die  grundlegende  Umgestaltung  aber  ward  der  lateinische 
Brief,  den  Melanchthon  am  23.  März  1539  an  den  Grafen  Johann  IV. 
von  Wied  richtete  und  gleichzeitig  durch  den  Druck  veröffentlichte5). 
Kein  Engel  bringt  die  Botschaft  von  Gottes  vorhabendem  Besuch,  sondern 
Eva  schaut  zum  Fenster  hinaus  und  sieht  ihn  mit  den  Engeln 
nahen.  Sie  hatte  gerade  wegen  eines  bevorstehenden  Festtages  die 
Kinder  zu  waschen  begonnen,  war  aber  noch  nicht  mit  allen  fertig 
geworden.  Die  ungewaschenen  heißt  sie  also  sich  in  Heu  und  Stroh 
verstecken,  aber  die  gewaschenen  dem  Herrn  entgegentreten.  Mit 
ihnen  hält  nun  Gott  eine  förmliche  Kinderlehre.  Abel  sagt  das 
Credo  weitläufig  her,  nach  ihm  werden  Seth  und  die  Schwestern 
geprüft;  alle  bestehen  aufs  beste.  Dann  aber  befiehlt  der  Herr, 
auch  Cain  und  die  übrigen  herzurufen,  deren  Abwesenheit  dem  All- 
wissenden nicht  entgangen  war.  Cain  erscheint  trotzig  mit  Stroh- 
halmen und  Heufasern    im    ungekämmten  Haar,    er   kann,    das   Credo 


1)  A.  Moller,  Theatram  Freibergense  chronicum  1653  1,  162.  378 
scheint  in  seinem  Bericht  über  die  von  Gott  examinierten  sechs  gehor- 
samen und  sechs  ungehorsamen  Söhne  Adams  durch  die  berühmte 
Komödie  des  H.  Sachs  beeinflußt  zu  sein,  mit  der  die  Namen  auffällig 
übereinstimmen  (Creizenach,  Gesch.  des  n.  Dramas  3,  422 1).  Bei  J.  Bocerus, 
Fribergum  1577  Bl.  K7b  und  Mich.  Neander,  Orbis  terrarum  succincta 
explicatio  1597  S.  140  ist  davon  noch  nicht  die  Bede.  Straumer,  Brogr. 
Freiberg  1868  S.  5. 

2)  Sprichwörter  1,  48b.  Einen  andern  Bericht  Franks  führt  Roch- 
holz, Alemannisches  Kinder lied  1857  S.  161  an. 

3)  H.  Sachs,  Fabeln  und  Schwanke  4,  243  nr.  395a. 

4)  Aus  Agricola  schöpft  auch  Aurbacher,  Ein  Volksbüchlein  1827 
nr.  35  =  1879  1,  95  'Von  der  Ungleichheit  der  Stände'.  Eine  willkür- 
liche Umdichtung  liefert  A.  Silberstein,  Das  Loos  der  Menschen  (Magazin 
f.  die  Life  des  In-  und  Auslandes  1885;  579). 

5)  Corpus  Reformatorum  ed.  Bretschneider  3,  653  (1836)  =  "Winzer 
S.  18.  —  Danach  Melander,  Joci  atque  seria  1600  nr.  481;  deutsch  Lieh 
1603  und  Darmstadt  1617. 


180.    Die  ungleichen  Kinder  Evas.  315 

nur  verkehrt  und  verstümmelt  herausbringen  und  äußert  sich  frech. 
Darauf  läßt  der  Herr  den  Abel  herantreten,  legt  ihm  die  Hände  auf 
und  weiht  ihn  zum  Priester,  den  Seth  zum  König,  den  bäurischen 
Cain  aber  zum  Knecht.  Als  Eva  wehklagt,  tröstet  sie  Gott,  reicht 
den  Kindern  beim  Abschied  die  Rechte  und  wird  von  der  Mutter 
noch  eine  Strecke  weit  vom  Haus  begleitet,  bis  er  sie  heimkehren 
heißt  und  in  eine  Wolke  gehüllt  gen  Himmel  steigt.  Hier  ist  der 
witzelnde  Vortrag  des  italienischen  Humanisten  durch  den  schlichten 
Legendenton  ersetzt,  der  Gegensatz  zwischen  den  sauberen  Kindern 
und  den  im  Heu  versteckten  ungewaschenen  zu  einem  moralischen 
Unterschiede  der  wohlgezogenen  und  der  rüpelhaften  vertieft  und 
durch  eine  Katechismusprüfung,  die  Gottvater  selber  abhält,  eine 
Rechtfertigung  der  zehn  Jahre  zuvor  in  der  evangelischen  Kirche 
eingeführten  Kinderlehre  eingeflochten. 

Koch  im  November  desselben  Jahres  ward  die  neue  pro- 
testantische Legende  durch  Melanchthons  Freund  Joh.  Stigelius1) 
zu  einem  lateinischen  Hochzeitsgedichte  für  Heinrich  VIII.  von 
England  ;De  ordinatione  magistratus  et  subditorum  elegia'  ver- 
wendet, in  dem  zugleich  das  Gedicht  des  Mantuanus  durchklingt. 
Verdeutschungen  von  Melanchthons  Erzählung  veröffentlichten  Stephan 
Vigilius,  Caspar  Brusch  und  Nathan  Chythräus.2)  Lucas  Lossius 
bearbeitete  sie  in  seinem  lateinischen  Katechismus3)   zu  einem  wirk- 


x)  Stigelius,  Poemata  ed.  A.  Siber,  Jenae  1577  2,  337a.  In  ver- 
kürzter Gestalt  in  den  Poemata  ed.  J.  Fincelius,  Jenae  1566  1,  Bl.  J5b. 
—  Irrig  behauptet  Winzer  S.  17,  Melanchthon  habe  das  Gedicht  des 
Stigelius  benutzt. 

2)  Petrarca,  De  rebus  memorandis  verteütscbet  durch  St.  Vigi  lium, 
Augspurg  1541,  Widmung.  —  Caspar  Brusch,  Von  Eua  der  ersten 
Mutter  vnd  Abel,  Seth  vnd  Cain  jren  Sünen.  1544  (Müncheu.  Horawitz, 
C.  Bruschius  1874  S.  81).  —  N.  Chyträus,  Ein  schöne  vnd  liebliche 
Hystori,  woher  die  Edellent  vnd  Bawrn  jren  Ursprung  haben.  Rostock 
1568  (Celle)  =  Chyträus,  Hundert  Fabeln  aus  Esopo,  Rostock  1571  Bl.  226 
(Goedeke,  Grundriß'2  2,  453;  auch  Hamburg  1650,  Braunschweig  1672). — 
Vgl.  Winzer  S.  22-36. 

3)  L.  Lossius,  Quaestiunculae  methodicae  de  christiano  catechismo 
in  formam  dialogi,  Wittembergae  1545  (Wolfenbüttel)  BL  T3a:  'Dialogus 
pius  et  festivus  de  colloquio  inter  Deum  (ut  ferunt)  et  Evam  eiusque 
liberos  habito,  descriptus  ex  Epistola  Phil.  Melanthonis'.  Ferner  Witte- 
bergae  1551.  1560,  Francofurti  1553.  1558.  1560.  1568.  1573.  —  Der  Dialog 
steht  noch  nicht  in  der  1.  Ausgabe  Magdeburgae  1539  und  in  der  griechi- 
schen Übersetzung  Francoforti  1554.     Vgl.  Görges,  Progr.  Lüneburg  1885 


316  180.    Die  ungleichen  Kinder  Evas. 

liehen  Dialoge,  in  welchem  außer  Abel  auch  Seth  und  seine  Schwester 
Delbora1)  examiniert  werden.  Die  Einprägung  des  Katechismus  ist 
auch  in  der  deutschen  Bearbeitung  von  Johann  Baum  gart2)  das 
Hauptziel;  dem  frechen  und  flegelhaften  Kain,  der  nichts  von  Gebet 
und  Glauben  wissen  will,  droht  Gott  ernstlich  und  verheißt  den 
Kindern,  die  ihm  gleichen,  daß  sie  Capiteler,  Bernheutter,  Taglöner, 
Leimklicker,  Kalkschleger,  Spitzbuben,  Seuffer,  Schwelger,  Kofent- 
junker,  Pflastertreter,  Düpier,  Spieler,  Schinder,  Hundeschleger,  Diebe 
undSchelcke  sein  und  bleiben  sollen.  AuchErasmus  Alberus  hatte  sich 
1541  durch  Melanchthons  Vorbild  zu  einem  deutschen  Gespräch3)  an- 
regen lassen,  in  welchem  jedoch  die  Einsetzung  der  Stände  fehlt.  Der 
Besuch  Gottes  wird  durch  Adam  seiner  Hausfrau  angekündigt,  so 
daß  ihr  zu  Vorbereitungen  Zeit  bleibt.  Der  trotzige  Cain,  den  Abel 
von  einer  Balgerei  mit  Gassenbuben  herbeirufen  muß,  will  sich  nicht 


S.  17.  Ein  Nachdruck  ohne  Autornamen  steht  in:  Dialogi  dao  rerum 
verborumque  lepore  et  copia  insignes :  quornm  prior  continet  colloquium 
inter  I)eum  et  Euam  (ut  ferunt)  eiusque  liberos,  posterior  Salamonis  et 
Marcolphi  iueundissimam  decertationem  proponit.  Argentinae  o.  J.  = 
Frondes  caducae,  reprinted  at  the  Auchinleck  Press,  by  Alexander  Bos- 
well  1816.    4°. 

2)  Delbora  und  Calmana  erscheinen  als  Töchter  Adams  bei  Pseudo- 
Methodius  (Fabricius,  Codex  pseudepigraphus  Veteris  testamenti  1722 
1,  109.  2,  44),  Petrus  Comestor  (Historia  scholastica  1,  c.  25.  Migne  198, 
1076),  Vincentius  Bellovacensis  (Speculum  historiaie  1,  c.  56),  bei  Nau- 
clerus  (Chronicon  1544  p.  6),  J.  Puff  (Adam  und  Eva  1550  v.  1937.  2233. 
2489),  J.  Stricker  (Fall  Adams  1570),  A.  Quiting  (Kinderzucht  1591), 
M.  Johansen  (Cain  1652  S.  28.  106),  Postel  (Cain  und  Abel  1689)  u.  a. 
Eine  Tochter  Noaba  tritt  in  Bircks  Drama  (1547)  auf. 

2)  Joh.  Bau  mgart  (Pomarius),  Catechismus  .  .  .  Eine  Figur,  wie 
Gott  selber  Adam  vnd  Euen  Kinder  den  Katechismum  verhöret  vnd  die 
gesegnet,  Magdeburg  1559  (Goedeke2  2,  109.  Winzer  S.  37).  —  Eine  Be- 
arbeitung von  Joh.  Mathesius  ist  vor  Schnurrs  und  Ketzels  Schau- 
spielen abgedruckt  (Winzer  S.  41). 

3)  E.  Alberus,  Von  der  Schlangen  Verfürun?  vnd  Gnade  Christi 
vnsers  Heilands,  Ein  gesprech.  Berlin  1541  =  Matthias,  Zs.  f.  dt.  Phil. 
21,  419.  —  Leonhard  Jacobi,  Ein  gesprech  von  der  verfuhrung  der 
Schlangen.  Erff urd  1544.  Nachdrucke  Nürnberg,  F.  Gutknecht  o.  J.  und 
ebd.  Val.  Neuber  1559.  Vgl.  Matthias  21,  432.  —  Neue  Bearbeitung: 
Dialogus  Das  tröstlich  vnd  lieblich  Gespreche  zwischen  Gott,  Adam,  Eua, 
Abel  vnnd  Cain,  Leipzig  1553.  1555.  1559.  o.  J.,  Wittenberg  1553,  o.  O. 
1559,  Erfuit  1604.  Vgl.  Matthias  21,  434  und  Zs.  des  Harzvereins  21,  382. 
Schnorr  v.  Carolsfeld,  E.  Alberus  1893  S.  45. 


180.    Die  ungleichen  Kinder  Evas.  317 

waschen  und  strählen  lassen  und  besteht  im  Examen  übel;  zuletzt 
hält  Adam  als  Muster  eines  christlichen  Hausvaters  eine  Predigt.  — 
Zu  einem  Schauspiele  gestaltete  Melanchthons  Epistel  gleich  nach 
ihrem  Erscheinen  1539  der  Wittenberger  Student  Heinrich  Knaust,1) 
der  mit  der  Einsetzung  der  Stände  noch  den  Brudermord  Kains 
verband.  1547  folgte  der  Augsburger  Sixt  Birck2)  mit  einem 
lateinischen  Einakter  Eva,  1553  Meister  Hans  Sachs3)  mit  zwei 
deutschen  Stücken,  die  nicht  nur  wie  das  Meisterlied  von  1547  auf 
Agricola  fußen,  sondern  auch  Züge  aus  Vigilius'  Übersetzung  der 
Erzählung  Melanchthons,  Alberus  und  Knaust  verwerten.  In  dem 
kürzeren  'Spiele',  das  erst  nach  Abels  Tod  statthat,  läßt  Adam,  dem 
ein  Engel  den  Besuch  Gottes  angekündigt  hat,  den  Befehl  zum 
Scheuern  des  Hauses,  zum  Streuen  der  Maien  und  Schmücken  der 
Kinder  ergehen.  Eva  wird  also  nicht  wie  bei  Melanchthon  beim 
Waschen  der  Kinder  für  den  Festtag  vom  Besuch  überrascht,  auch 
fürchtet  sie  nicht  wie  bei  Mantuanus  und  Agricola  wegen  der  Menge 


1)  H.  Cd  ostin  us,  Tragedia  von  Verordnung  der  Stende  oder 
Regiment,  vnd  wie  Cain  Abel  seinen  Bruder,  Göttlicher  Ordnung  halben, 
erschlagen  vnd  ermord  hat.  Wittemberg  1539.  —  "Vgl.  Michel,  H.  Knaust 
1903  S.  25  und  Winzer  S.  42,  der  auf  die  Benutzung  von  Val.  Voiths 
Spiel  vom  Ursprung  des  Menschen  (1538)  hinweist. 

2)  Xystus Betulei us,  Eva,  mythologia Philipp!  Melanthonis  redacta 
in  actionem  ludicram  (Dramata  sacra  ex  veteri  testamento  desumpta, 
Basileae  1547  1,  67).     Vgl.  Winzer  S.  51. 

3)  H.  Sachs,  Wie  Gott  der  Herr  Adam  vrmd  Eua  jhre  Kinder 
segnet  1553,  23.  Sept.  (Folio  3,  1,  243a.  1561  =  11,  386  ed.  Keller  = 
Fastnachtspiele  5,16  nr.  52);  vgl.  Schnorr  v.  Carolsfeld,  Archiv  f.  Litgesch. 
12,  177.  Stiefel,  Germ.  36,  33.  —  Comedia  Die  vngeleichen  Kinder  Eue, 
wie  sie  Got  der  Herr  anredt,  1553,  16.  Nov.  (Folio  1,  1,  10b.  1558  =  1,  53 
ed.  Keller  =  Dichtungen  ed.  Goedeke-Tittmann  3,  173.  —  Bisher  un- 
bekannt ein  Sonderdruck  des  16.  Jahrh.  im  Britischen  Museum:  Tragedia 
von  |  Cain  vnd  Abel,  wie  sie  |  vngleiche  Kinder,  auch  j  wie  Cain  seinem 
Bruder  Abel  |  feind  ist,  vnd  jn  zu  todt  schlegt  |  beschrieben  durch  den 
berümpten  j  Deutschen  Poeten  Hans  |  Sachsen  bürger  zu  |  Nürmberg.  |  □  | 
23  Bl.  8°.  Eine  von  C.  Andreae  illustrierte  Ausgabe  Leipzig  1861.  4°). 
1569,  am  22.  Januar  agierte  der  Cantor  Sigm.  Hübner  in  Trautenau  das 
Spiel  von  den  ungleichen  Kindern  Adam  und  Eva  (Hütteis  Chronik  der 
Stadt  Trautenau  1881  S.  189).  Eine  hsl.  Bearbeitung  des  Stückes,  die  um 
1580  wohl  in  Regensburg  aufgeführt  wurde,  ist  im  Münchner  Cod.  germ. 
3635,  Bl.  30a — 33b  erhalten:  'Khurtze  anmeldung  der  Frumen  vnd  bösen 
Khinder  Adae'.  Einen  Auszug  lieferte  J.  D.  Falk,  Taschenbuch  des 
Scherzes  und  der  Satire  1799,  361  =  Satyrische  Werke  3,  161  (1826). 


318  180.   Die  ungleichen  Kinder  Evas. 

ihrer  Kinder  einen  Verweis  von  Gott  und  sucht  darum  einen  Teil 
davon  zu  bergen;  es  ist  viel  mütterlicher,  daß  Eva  die  schönen  aus- 
liest und  die  hässlichen  versteckt.  Die  vier  wohlgezogenen  Söhne, 
die  das  Vaterunser  beten  können,  erhalten  die  Ämter  des  Königs, 
Kitters,  Bürgermeisters,  Kaufmanns  und  dürfen  das  Paradies  betreten, 
den  vier  mißgestalten  werden  die  Berufe  des  Schusters,  Webers, 
Schäfers,  Bauern  zugewiesen.  In  der  'Comedia'  dagegen,  in  der 
Hans  Sachs  gleich  Knaust,  Stricker,  Quiting  und  Ketzel  den  Bruder- 
mord anhängt,  macht  er  von  Alberus'  vortrefflicher  Charakteristik 
des  mürrischen  und  tückischen  Kain  Gebrauch  und  stellt  den  sechs 
von  Abel  geführten  gehorsamen  Söhnen  die  vom  Teufel  aufgehetzte 
Rotte  Kains  gegenüber;  jene  sollen  bei  der  Einsetzung  der  Stände 
'Köng,  Fürsten  und  Potentaten,  Gelert,  Prediger  und  Prelaten' 
werden,  diese  aber  'Bauern,  Köbler,  Schefer  und  Schinder,  Badknecht, 
Holzhackr  und  Besenbinder,  Taglöner,  Hirten,  Büttel  und  Schergen, 
Kerner,  Wagenleut  unde  Fergen,  Jacobsbrüder,  Schustr  und  Lants- 
knecht,  auf  Ert  des  hartseligst  Geschlecht'.  In  seinem  fünf  Jahre 
späteren  Spruchgedichte,  das  dem  Grimmschen  Märchen  zugrunde- 
liegt, verzichtet  der  Dichter  wiederum  auf  die  Vorführung  von  Kain 
und  Abel;  ohne  Katechisation  verleiht  der  Herrgott  acht  hohe  und 
zwölf  niedere  Berufe  und  belehrt  Eva,  die  wie  im  Meisterliede  und 
im  Spiele  ihre  Verwunderung  über  die  ungleiche  Verteilung  äussert, 
dass  jeder  Stand  zum  Bestehen  des  Menschengeschlechtes  notwendig 
sei.  —  Der  Leipziger  Theolog  Xic.  Selneccerus  schließt  sich  in 
seiner  lateinischen  Komödie  'Theophania'  (1560;,  die  1597  durch 
B.  Schnurr  verdeutscht  wurde,1)  an  Melanchthon  an.  kennt  aber 
auch  Betulius  und  H.  Sachs.  Ebenso  benutzt  der  Dortmunder  Ar- 
nold Quiting2)  in  seiner  'Kinderzucht'  1591  H.  Sachsens  Comedia 
stark,  obwohl  er  nur  Pomarius  als  seine  Quelle  nennt.  Dagegen 
verfährt    der    begabte    Holsteiner    Pfarrer    J.  Stricker    in    seinem 


*)  B.  Schnarr,  Ein  Spil,  darinnen  von  dem  Zustand  vnserer 
ersten  Eltern  vnd  von  der  Bestellung  vnd  einsetzung  Der  Stand  vnd 
Empter  im  Menschlichen  Geschlecht  gehandelt  wirdt,  Nürnberg  1597 
(vgl.  Winzer  S.  63). 

2)  A.  Quiting,  Kinderzucht.  Ein  wunder  Liebliche  vnd  vberaus 
gantz  lustige  Figur,  wie  vnser  HErr  Gott  Adams  vnd  Euen  Kinder  nach 
schöpffung  der  Welt  den  heiligen  Catechismus  selbst  verhöret  vnd  die, 
so  den  Catechismum  kondten,  gesegenet,  vnd  die  denselben  nicht  kondten, 
verflucht  hat.  Dortmund  1591  (in  Stockholm.  Vgl.  AdB.  27,  57. 
Winzer  S.  54). 


180.   Die  ungleichen  Kinder  Evas.  319 

'Fall  Adams  und  Even',  dessen  ursprüngliche  niederdeutsche  Fassung 
von  1570  leider  verloren  ist1),  durchaus  selbständig;  die  Katechismus- 
prüfung Abels,  Seths  und  Kains  führt  er  zwar  im  4.  Akte  vor, 
streift  die  Einsetzung  der  Stände  aber  kaum.  In  W.  Ketzels 
'Spiel  von  Adams  vnnd  Eva  betrübten  Jammerfall',2)  das  viele  Ent- 
lehnungen aus  Schnurr  aufweist,  ist  dies  Motiv  noch  mehr  verwischt; 
im  4.  Akte  hält  Adam  das  Examen  mit  den  Kindern  ab,  weil  der 
Dichter  sich  scheut,  die  Person  Gottes  auf  die  Bühne  zu  bringen. 
Diesen  Schauspielen  reiht  sich  endlich  ein  kurzer  prosaischer  Bericht 
in  Widmanns  Faustbuch3)  und  eine  gereimte  Fassung  von  E. 
Eyering4)  an;  beide  gehen  auf  Agricola  und  H.  Sachs  zurück. 
Auch  über  die  Grenzen  Deutschlands  drang  die  von  den  pro- 
testantischen Schriftstellern  so  oft  bearbeitete  Legende.  Während 
in  England  und  Frankreich  das  Gedicht  des  Mantuanus  Aufnahme 
fand,5)  wurde  Melanchthons  Epistel  1562  von  Pawel  Lucin  ins 
Böhmische,6)  Lossius'  Dialog  1619  von  Arnold  Schult  und  1621  von 
Petrus  Petri  ins  Schwedische,  1693  von  Theod.  Thorlacius  ins  Is- 
ländische,7) Selneccers  Theophania  1575  von  Lorenz  Szegedi  ins 
Ungarische8)  übertragen.  Auch  in  eine  zu  Anfang  des  17.  Jahrh. 
erschienene  polnische  'Klage  der  Bauern  über  die  Herren'9)  ist  die 
Erzählung  eingeflochten. 


!)  Erhalten  ist  eine  hochdeutsche  Übertragung,  o.  0.  1602  (Stricker, 
De  düdesche  Schlömer  1889  S.  *11.     Winzer  S.  73). 

2)  W.  Ketzel,  Lapsus  et  reparatio  hominis.  Schmalkalden  1613 
(Winzer  S.  74). 

3)  G-.  R.  Widmann,  Historie  von  D.  Jon.  Faustus,  Kap.  29  1599 
1,  257  =  Scheibles  Kloster  2,  466  (1846).  Der  Herr  findet  das  Haus  ver- 
schlossen und  klopft  an;  Adam  und  Eva  erschauen  ihn  durch  eine  Lücke. 

4)  E.  Eyering,  Proverbiorum  copia  1,  773  (1601). 

£)  Oben  S.  3091  Der  Amerikaner  Charles  T.  Brooks  (f  1883)  über- 
setzte 'The  unlike  children  of  Eve'  von  H.  Sachs. 

6)  Jungmann,  Historie  literatury  ceske  1849  S.  202. 

7)  Klein ming,  Sveriges  dramatiska  litteratur  1879  S.  524.  Half- 
danus  Einari,  Sciagraphia  historiae  literariae  islandicae  1777  S.  218. 

8)  Toldy-Steinacker,  Geschichte  der  ungarischen  Dichtung  1863 
S.  201.  Seh  wicker,  Geschichte  der  ungarischen  Literatur  1889  S.  106. 
G.  Heinrich,  Egyefcemes  philologiai  közlöny  11,  163  (1S87). 

9)  Lament  chlopski  na  pany,  abgedruckt  von  J.  Kallenbach  in 
Badeckis  Biale  kruki  1  (Lemberg  1910);  vgl.  Lud  16,  109  (die  Bauern 
stammen  von  den  versteckten  Söhnen)  und  358  (nach  Baptista  Mantuanus). 


320  180.    Die  ungleichen  Kinder  Evas. 

In  den  neueren  Fassungen  aus  dem  Volksmunde  ist  bisweilen 
Christus  statt  Gottvater  und  eine  namenlose  Frau  statt  Eva  einge- 
treten. In  der  st  eiermärkischen  Germ.  10,429  'Die  ungleichen 
Kinder  Adams  und  Evas'  werden  500  von  den  900  Kindern  ver- 
steckt, von  ihnen  stammen  die  armen  Leute  ab.  Ähnlich  Grimm  ist 
die  pommerische  Überlieferung  bei  Jahn,  Schwanke  S.  45  'Die 
verschiedenen  Stände'.  — ■  Rätoromanisch:  Decurtins,  Chresto- 
mathie 2,  106  nr.  85  'Niessegner  et  ils  affons  ded  Adam  et  Eva'. 
Italienisch:  Archivio  2,  558  =  Salomone-Marino,  Costume  ed 
usanze  di  Sicilia  1897  p.  404  'Li  ricchi  e  li  poviri'  (Adam  zeigt  Gott  nur 
12  seiner  24  Kinder;  diese  werden  gesegnet,  die  andern  bleiben 
arm)  —  Crane  p.  362.  Bivista  delle  tradiz.  pop.  ital.  1,  510  (1893. 
Eine  Frau  versteckt  sieben  ihrer  Kinder  vor  Christus).  1,  672  'Süll' 
origine  della  divisione  delle  classe'  (drei  Kinder  im  Schweinestall, 
bleiben  arm).  Maltesisch:  Ilg  1,  221  nr.  72  'Warum  es  Reiche 
und  Arme  gibt'  (Christus  segnet  die  vier  versteckten  Kinder  nicht). 
Spanisch:  F.  Caballero,  Cuadros  de  costumes  1858  p.  127  'Mas 
honor  que  honores'  =  Ausgewählte  Werke  übers,  von  L.  G.  Lemcke 
14,  164  (1862.  Christus  und  die  Kinder  der  Apostel).  Bulgarisch 
aus  Prilep:  Sbornik  2,  192  =  Strauß,  Die  Bulgaren  S.  85  = 
Schischmanoff,  Legendes  p.  52  nr.  33  'Dieu  en  visite  chez  Eve' 
(19  Kinder  werden  gesegnet,  von  den  versteckten  stammen  die 
Handwerker  her).  Cechisch:  Slavia  1874,  Heft  4,  3  (sechs  Kinder 
werden  gesegnet,  von  den  versteckten  sechs  stammen  die  Armen  her). 
Eine  muham  me  danische  Sage  führt  W.  Menzel,  Mythologische 
Forschungen  1,  40  (1842)  leider  ohne  Quellenangabe  an:  Eva  gebar 
sehr  viele  Kinder  und  schämte  sich  dieser  großen  Zahl,  als  sie  ein- 
mal von  Gott  überrascht  wurde,  und  versteckte  einige  davon.  Nun 
rief  Gott  die  Kinder  zu  sich  und  teilte  alle  Würden  und  Güter  der 
Erde  unter  sie  aus.  Die  aber  versteckt  waren,  bekamen  nichts,  und 
von  ihnen  stammen  die  Bettler  und  die  Fakirs  ab. 

In  einer  Erzählung  aus  Südtirol  bei  Menghin  1884  S.  87 
'Evas  Kinder'  dagegen  werden  die  Kinder,  die  Eva  vor  Gott  ver- 
heimlicht, zu  Affen  verzaubert,  gerade  wie  in  der  oben  S.  310  von 
Badius  erwähnten  Volkssage.  In  einer  serbokroatischen  Sage 
bei  Krauß  2,  65  nr.  46  'Die  Entstehung  der  Affen'  sind  es  die  beim 
bethlehemitischen  Kindermord  unter  Mulden  verborgenen  Kinder, 
welche  diese  Verwandlung  erfahren.  Anders  berichtet  Folz  (oben 
S.  193),    woher    die    Affen    kamen.    —    Häufiger    noch   ist   die  Ver- 


180.    Die  ungleichen  Kinder  Evas.  321 

Wandlung  in  Zwerge  oder  Elfen.1)  In  einer  Sage  aus  Amrum 
bei  Müllenhoff  S.  279  nr.  379  'Die  Erschaffung  der  Unterirdischen' 
=  Clement,  Der  Lappenkorb  von  Gabe  Schneider  1846  S.  330  = 
C.  P.  Hansen,  ZfVk.  2,  409  nr.  1  werden  die  fünf  häßlichen  Kinder, 
die  eine  Frau  vor  Christus  im  Keller  versteckt,  zu  Unterirdischen. 
Dänisch:  Thiele,  Danmarks  Folkesagn  2,  175  'Troldfolkets 
Oprindelse'  (Evas  ungewaschene  Kinder)  =  Thorpe,  Northern 
mythology  3,  115.  Schwedisch:  Nordlander,  Sv.  fornminnes 
föreningens  tidskr.  14,  17  =  Dähnhardt,  Natursagen  1,  247. 
Norwegisch:  Haukenses  1,  118  'Huldrefolkets  oprindelse'.  Söegaard, 
I  fjeldbygderne  1868  S.  102  =  Dähnhardt  1,  247.  Isländisch: 
J.  Arnason  1,  5  'Huldumanna  Genesis'  =  Firmen  ich  3,  828  =  C. 
Andersen  1877  S.  1  =  Lehmann-Filhes  1,  3  (1889)  =  Kittershaus 
S.  302  nr.  78  'Eva  und  ihre  Kinder'.  Keightley-Wolff,  Mythologie 
der  Feen  1,  263  (1828).  Wallisisch:  Rodenberg,  Ein  Herbst  in 
Wales  1858  S.  97  'Entstehung  der  Feen'  (Frau  versteckt  die  Hälfte 
ihrer  Kinder  vor  Christus).  Serbokroatisch:  Migne,  Dictionnaire 
des  apocryphes  1,  335  (1856.  Als  Adam  von  seinen  30  Söhnen  und 
30  Töchtern  drei  Töchter  versteckt,  macht  Gott  diese  zu  Wilen); 
ebenso  S.  Baring-Gould,  Legends  of  Old  testament  characters  1,  55 
(1871).  Aus  der  Herzegovina  Zs.  Karadzic  2,  94  (die  von  Eva  ver- 
steckten Kinder  verliefen  sich  teils  im  Walde,  teils  im  Wasser  und 
wurden  zu  Wilen  und  Wasserpferden).  Litauisch:  Zähorskä  Kronika 
4,  35  nr.  13  (von  den  Gott  gezeigten  Kindern  kommen  die  Guts- 
besitzer her,  von  den  versteckten  die  Armen  und  die  Bauern). 
Wotjakisch:  Wichmann,  Journal  19,  126  nr.  29  Wie  der  Wasser- 
geist, der  Bär,  der  Waldgeist  und  der  Hausgeist  entstanden'  (aus 
den  vier  beim  Besuche  Gottes  von  der  Mutter  versteckten  Söhnen). 
Armenisch:  Revue  des  trad.  pop.  10,  1  'Les  peries'  (Jesus  fragt 
bei  der  Einziehung  des  Zehnten  nach  den  versteckten  Kindern. 
Eine  Variante  überträgt  die  Geschichte  auf  den  die  Arche  ver- 
lassenden Noah). 


1)  Nach  andrer  Überlieferung  sind  diese  aus  den  gefallenen 
Engeln  hervorgegangen:  Grimm,  Irische  Elfenmärchen  S.  XUI.  Dähn- 
hardt, Natursasren  2,  354. 


Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  21 


322  181.    Die  Nixe  im  Teich. 


1856  s.  253.  181.    Die  Nixe  im  Teich. 

1843  nr.  181.  —  Nach  einer  Erzählung  von  Moriz  Haupt  aus 
der  Oberlausitz  in  der  Zs.  f.  dt.  Altertum  2,  358  (1842);  vgl. 
Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  1906  S.  94. 

In  einer  vollständigeren  Fassung  aus  Dümpfel  in  der  Ober- 
pfalz (Schönwerth  2,  219)  verheißt  eine  Wasserfrau  dem  Fischer 
reichen  Fang  für  das,  was  er  zu  Hause  nicht  wisse.  Das  ist  ein 
Kind,  das  seine  Frau  unterm  Herzen  trägt.  Der  Sohn  wächst  heran 
und  zieht  in  die  Fremde.  Unterwegs  teilt  er  ein  gefallenes  Pferd 
zwischen  einem  Bär,  Fuchs,  Falken  und  einer  Ameise,  die  ihm  dafür 
die  Grabe  verleihen,  ihre  Gestalt  anzunehmen.  Er  kommt  in  eine 
Stadt,  wo  drei  sich  ganz  ähnliche  Königstöchter  leben;  wer  die 
mittelste  errät,  soll  sie  zur  Frau  erhalten  und  das  Königreich  dazu. 
Als  Falke  läßt  der  Jüngling  sich  von  der  Prinzessin  fangen,  gewinnt 
ihre  Zuneigung,  trifft  bei  der  Wahl  die  rechte  Schwester  und  wird 
ihr  Gemahl.  Auf  der  Jagd  aber  gerät  er,  als  er  aus  dem  Bache 
trinken  will,  in  die  Gewalt  der  Wasserfrau.  Die  Königin  bietet 
dieser  einen  goldenen  Kamm,  Ring  und  Pantoffel,  wenn  sie  ihren 
Gatten  aus  dem  Wasser  emporhebe.  Beim  dritten  Male  entfliegt  er 
als  Falke ;  doch  die  Königin  wird  durch  die  ergrimmte  Nixe  in 
einen  Drachen  verwandelt  und  erst  durch  einen  Zauberer  im  Glut- 
ofen entzaubert. 

Wir  finden  also  folgende  Motive  vereinigt:  A.  Ohne  es  zu 
wissen,  verspricht  ein  Mann  seinen  Sohn  einem  Wasserweibe  (vgl. 
oben  2,  329.  516).  —  B.  Der  Sohn  zieht  als  Jüngling  aus  und  erhält 
von  dankbaren  Tieren  die  Gabe  der  Verwandlung  (oben  1,  536.  2,  22. 
Cosquin  2,  172),  —  C.  gewinnt  die  Hand  einer  Königstochter,  — 
D.  fällt  aber  dann  in  die  Gewalt  der  Nixe  und  wird  durch  seine 
Frau,  die  jener  drei  goldene  Kleinode  schenkt,  befreit  —  E.  und 
nach  mehreren  Jahren  mit  seiner  Gattin  wieder  vereint. 

Aus  dem  Oden w aide  bei  Wolf,  Hausmärchen  S.  377  'Das 
graue  Männchen'  (A  B  C  D  entstellt;  ein  Männchen  statt  der  Nixe, 
eine  in  einen  Bären  verwünschte  Dame  statt  der  Tiere,  das  Männlein 
erhält  Uhr  und  Spiegel).  Aus  dem  Harz  bei  Pröhle,  KVM.  nr.  6 
'Der  Mann  ohne  Leib'  (B  C ;  vorher  Heilung  des  geblendeten  Helden 
wie  oben  2,  474;  Tötung  des  Entführers  der  Prinzessin,  dessen 
Leben  in  einem  Ei  steckt  wie  oben  1,  134.    2,  340;    der  Held  wird 


181.    Die  Nixe  im  Teich.  323 

vom  Nebenbuhler  ins  Wasser  gestürzt).  Aus  Pommern  bei  Jahn, 
Volksmärchen  1,  340  nr.  62  'Der  Kaufmann  und  die  Seejungfrau' 
(ABC  DE).  Aus  Ostpreußen  bei  Wisser,  Eutiner  Kalender  1917, 
42  'Die  dankbaren  Tiere'.  —  Dänisch:  Grundtvig,  Folkeseventyr 
1,  1  nr.  1  'Ridder  Grenhat'  =  Leo  1,  193  (ABCD;  ein  Greis  statt 
der  Nixe,  erzieht  den  Knaben  wie  der  wilde  Mann  in  nr.  136  und 
verleiht  ihm  die  Gabe  der  Verwandlung;  Ritter  Rot  stößt  ihn  ins 
Meer,  eine  Meerfrau  fängt  ihn  auf  und  läßt  ihn  frei,  als  die  beiden 
Prinzessinnen  verbrannt  werden  sollen).  Grundtvigs  hsl.  Register 
nr.  16  'Skovmandens  fosterson'.  Skattegraveren  1,  98  'Dyrenes  gaver' 
(vgl.  zu  nr.  197).  —  Schwedisch:  Allardt  nr.  43  'Om  pojkin,  som 
fadran  lova  ot  hävsfrün'  (AD;  Befreiung  durch  sein  Flötenspiel). 
Stroebe  1,  237  nr.  12  'Zuerst  geboren,  zuerst  vermählt'  (A;  der  von  der 
Meerfrau  geraubte  Prinz  wird  von  einem  Mädchen  erlöst,  das  im  Schlaf- 
gemach sich  nicht  nach  ihm  umdreht,  durch  einen  rollenden  Apfel  zur 
Meerfrau  geleitet  wird  und  diese  bewegt,  ihr  den  Gatten  abzutreten).  — 
Gälisch:  Campbell2  1,  72  nr.  4  'The  seamaiden'  (ABCD;  Eingang 
wie  oben  1,  534  nr.  60,  A4;  Leben  des  Unholds  im  Ei)  =  Brueyre 
p.  84,  vgl.  R.  Köhler  1,  175.  —  Französisch:  Cosquin  1,  166 
nr.  15  'Les  dons  des  trois  animaux'  (B  C ;  der  Drachentöter  vom 
Nebenbuhler  ins  Meer  gestürzt,  vom  Walfisch  beim  Geigenspiel 
eines  Bettlers  emporgehoben,  entflieht  als  Adler,  kommt  zur  Hochzeit 
der  Königstochter)  mit  lehrreicher  Anmerkung.  Luzel,  5e  rapport 
(Archives  des  missions  scientifiques  3.  Serie  1)  p.  36  'L'epervier  et  la 
sirene'  (ABCD;  Nebenbuhler).  Luzel,  Contes  2,  381  'La  sirene  et 
l'epervier'.  Deulin,  Cambrinus  p.  83  'La  dame  des  clairs'  (D;  drei 
Goldäpfel,  welche  die  Frau  ihrem  Kinde  gibt,  rollen  in  den  See;  der 
auftauchende  Mann  klimmt  an  den  Flechten  seiner  Frau  empor).  — 
Italienisch:  Straparola  3,  nr.  4  =  Val.  Schmidt  S.  158  nr.  9  = 
Keller,  Italiänischer  Novellenschatz  5,  49  (ABC  D.  Fortunio  fällt 
der  Sirene  zur  Beute  infolge  einer  Verwünschung  seiner  Pflege- 
mutter). Bei  Gubernatis,  S.  Stefano  nr.  23  'La  fanciulla  e  il  mago' 
(B  C  D)  ist  nicht  der  Jüngling,  sondern  die  Prinzessin  dem  Zauberer 
versprochen,  und  dieser  zieht  ihn  in  die  Erde  hinein,  bis  die 
Prinzessin  ihm  eine  gläserne,  silberne  und  goldene  Kugel  zuwirft. 
Spanisch:  Machado,  Bibl.  de  las  trad.  pop.  esp.  1,  183  'La  sirena' 
(ABCDE).  —  Griechisch:  Hahn  nr.  5  'Vom  Prinzen,  der  dem 
Drakos  gelobt  wurde'  (A  B  B  D)  nebst  der  Variante  2,  192.  — 
Lappländisch:    Friis  nr.  42  =  Poestion  nr.  51    'Der  Knabe,  die 

21* 


324  182.    Die  Geschenke  des  kleinen  Volkes. 

Meerfrau    und    Eitter    Rot'    (A  B  C  D ;    die    Königstochter  spielt  am 
Meere  Geige). 

Eine  Meerfrau  (Sirene)  hält  bei  Basile  4,  nr.  7  und  in 
andern  Varianten  der  weißen  und  der  schwarzen  Braut  (oben  S.  88, 
Gonzenbach  nr.  33  und  Zs.  f.  Volkskunde  6,  72)  die  ins  Meer  ge- 
stoßene Heldin  an  einer  Kette  gefangen ;  ihr  Gatte  ergreift  die  aus 
dem  Meer  Auftauchende  und  feilt  die  Kette  durch.  Dagegen  wird 
in  unserm  Märchen  die  Wasserfrau  durch  glänzendes  Goldgerät  oder 
durch  ihre  Liebe  zur  Musik  bewogen,  den  Helden  aus  den  Fluten 
emporzuheben. 


1856  s.  254       182.   Die  Geschenke  des  kleinen  Volkes. 

1850  eingesetzt  für  'die  Erbsenprobe'  (nr.  182a)  aus  E.  Sommer, 
Sagen  aus  Sachsen  und  Thüringen  1,  82  nr.  1  'Der  Berggeister 
Geschenke'  (1846.  Mündlich  aus  Halle);  vgl.  Hamann,  Die  lite- 
rarischen Vorlagen  1906  S.  101. 

Das  Märchen  taucht  im  17.  Jahrhundert  in  Italien  und  Irland 
auf  und  ist  mehrfach  dichterisch  gestaltet  worden.1)  Der  Beneventaner 
Arzt  Pietro  Piperno  (De  nuce  maga  Beneventana,  Neapoli  1647 
p.  41,  Casus  H  =  Pitre,  Fiabe  4,  432)  erzählt,  daß  ein  buckliger 
Schuster  Lomberto,  der  am  Abend  vor  dem  Fronleichnamsfeste  aus 
Benevent  nach  seinem  Heimatsdorfe  Altavilla  wanderte,  auf  dem 
Felde  am  Fluß  eine  tanzende  Schar  von  Männern  und  Frauen 
gewahrte,  die  er  für  Schnitter  hielt.  Er  mischte  sich  unter  sie  und 
setzte  ihrem  Gesänge  'Ben  venga  il  giovedi  e'l  venerdi'  die  Worte 
hinzu:  'E  lo  sabbato  e  la  domenica'.  Als  sie  dann  unter  dem  großen 
Nußbaume2)  tafelten,  schlug  ihm  einer  der  nächtlichen  Tänzer  so 
heftig  auf  seinen  Buckel,  daß  dieser  vom  Kücken  auf  die  Brust  glitt. 
Erschreckt  rief  Lomberto:    'Jesus,  Maria!'    und   plötzlich    waren  alle 


*)  Vgl.  W.  Menzel,  Odin  1855  S.  255.  Landau,  Märchen  auf  der 
Wanderung  (Magazin  f.  d.  Lit.  des  In-  und  Auslandes  1883,  477.  494). 
Clouston,  Populär  tales  1,  352  'The  hunchback  and  the  fairies'.  Monseur, 
Les  deus  bossus  et  les  nains  (Bulletin  de  folklore  2,  73.  256.  1893 — 95). 
Bedier,  Les  fabliaux2  p.  276. 

2)  Über  den  verrufenen  Nußbaum  zu  Benevent  vgl.  oben  2, 
481.     Lippi,  II  Malmantile  1815  2,  94.  176. 


182.   Die  Geschenke  des  kleinen  Volkes.  325 

Gäste  samt  dem  Tisch  und  den  Lichtern  verschwunden.  Da  merkte 
der  Schuster,  daß  er  es  mit  Hexen  zu  tun  gehabt,  und  eilte  weiter. 
Als  er  im  Morgengrauen  an  seine  Tür  pochte,  wollte  ihn  seine  Frau 
zuerst  nicht  einlassen,  weil  er  seinen  Buckel  nicht  mehr  hatte.  — 
Dagegen  berichtet  Francesco  Redi  (Opere  5,228.  1778  =  Imbriani, 
Novellaja  fiorentina  1877  p.  561)  in  einem  1689  an  Lorenzo  Bellini 
gesandten  Briefe  von  zwei  Buckligen.  Dem  einen  nahmen  die  Teufel 
auf  dem  Hexensabbat  unterm  Nußbaum  zu  Benevent,  wo  er  anmutig 
und  zierlich  mitgetanzt  hatte,  seinen  Buckel  mit  einer  Säge  aus 
Butter  ab  und  schlössen  die  Wunde  mit  einem  Marzipanpflaster. 
Ein  andrer  Buckliger  aber  aus  Peretola,  der  davon  hörte  und  sich 
gleichfalls  zum  Tanze  der  Hexen  begab,  führte  sich  dort  so  tölpelhaft 
auf,  daß  ihm  die  Teufel  zur  Strafe  den  Buckel  des  ersten  mit 
Höllenpech  auf  die  Brust  klebten.1)  —  Aus  der  irischen  Volksüber- 
lieferung scheint  Thomas  Parne  11s  Gedicht  'A  fairy  tale  in  the  ancient 
english  style'2)  geschöpft  zu  sein,  das  in  König  Arthurs  Zeit  und  in 
der  aus  Shakespeare  und  Spenser  bekannten  Feenwelt  spielt.  Um 
die  schöne  Edith  werben  zwei  junge  Ritter,  Edwin  und  Topaz,  der 
eine  bucklig,  der  andre  wohlgewachsen.  Über  seine  Mißgestalt 
trauernd,  wandert  Edwin  einsam  nachts  zu  einem  verfallenen  Schlosse 
und  sieht  eine  Schar  des  kleinen  Volks  mit  Lichtern  nahen.  Oberon 
fragt  ihn  freundlich  nach  seinem  Kummer  und  heißt  ihn  am  Tanze 
der  Elfen  teilnehmen,  und  Bobin  Goodfellow  schleudert  ihn  gegen 
die  Decke,  daß  sein  Höcker  dort  kleben  bleibt.  Als  beim  Hahnen- 
schrei die  lustige  Schar  verschwindet,  fühlt  sich  Edwin  seines  Buckels 
ledig  und  kehrt  froh  heim.  Sein  Nebenbuhler  aber,  der  die  Elfen 
gleichfalls  belauschen  will,  findet  üble  Aufnahme ;  er  wird  gegen  die 
Decke  geworfen  und  mit  Edwins  Höcker  begabt. 

Es   handelt   sich    in   diesen   Fassungen    um    folgende    Motive : 
(A1)    Ein  Wanderer,    der  am   Tanze   der  Hexen  oder  Unterirdischen 


1)  Eine  Novelle  'I  due  gobbi'  von  Gasparo  Gozzi  führt  Imbriani, 
ein  Gedicht  von  Frau  Veronese-Mantovani  Landau  an. 

2)  Parnell,  Poetical  works  1833  p.  25  ('This  tale  a  Sybil-nurse 
ared,  She  softly  strok'd  my  youngling  head',  heißt  es  zum  Schluß). 
Parnell  ward  1679  zu  Dublin  geboren  und  starb  1717.  Verdeutscht  ist 
sein  Gedicht  von  Boie,  Die  Elfenburg  (Vossischer  Musenalmanach  für 
1796,  158  =  Weinhold,  Boie  1868  S.  350)  und  von  Baggesen,  Der  Feyen- 
ball  (Poetische  Werke  in  deutscher  Sprache  5,  58.  1836).  Auch  Musäus 
hat  wohl  Parnells  Gedicht  für  sein  'Volksmärchen'  von  Ulrich  mit  dem 
Bühel  (1786.  4,  148)  benutzt. 


326  182.    Die  Geschenke  des  kleinen  Volkes. 

(Elfen)  teilnimmt,  dazu  aufspielt  oder  (A2)  ihren  Gesang  durch 
weitere  Wochentagsnamen  ergänzt  oder  (A3)  sich  gutwillig  scheren 
und  rasieren  läßt,  wird  dafür  (B1)  seines  Buckels  entledigt  oder  (B2) 
mit  Gold  begabt.  Sein  habgieriger  und  tölpelhafter  Gefährte  aber 
erhält  (C1)  diesen  Buckel,  meist  hinzu  zu  seinem  bereits  vorhandenen, 
oder  (C2)  empfängt  statt  Gold  Kohlen.  —  Die  Hallische  Erzählung 
besteht  also  aus  den  Motiven  A3  B2  C2,  Pipernos  Bericht  aus  A2 
B1,  Bedis  aus  A^C1,  Parnells  Gedicht  aus  A^C1. 

Andre  deutsche  Fassungen  stammen:  aus  Tirol  bei  Heyl, 
Volkssagen  1897  S.  530  'Von  den  zwei  buckligen  Schustern  und  den 
Hexen'  (A2  B1  C1.  Der  erste  läßt  bei  der  Aufzählung  der  Wochen- 
tage klüglich  den  Pfinztag  als  Hexentag  aus).  Aus  Kärnten  bei 
Franzisci,  Culturstudien  1879  S.  92  'Die  zwei  bucklichten  Musikanten' 
(A^C1)  =  Franzisci,  Märchen  S.  5  =  Carinthia  1868,  12.  Aus 
Aachen  bei  A.  v.  Beumont,  Aachens  Liederkranz  und  Sagenwelt 
1829  S.  333  'Die  buckligen  Musikanten'  —  A.  v.  Beumont,  Bhein- 
lands  Sagen  1837  S.  78.  Wolf,  DMS.  nr.  348  'Die  zwei  buckligen 
Musikanten  zu  Aachen'  (A1  B1  ■ 2  C1).  Jos.  Müller,  Aachens  Sagen 
1858  S.  122.  Grässe,  Sagenbuch  des  preuß.  Staats  2,  94.  Aus 
Eupen  bei  Firmenich  1,  495  'D'  Häcksen  op  gene  Twiyfel'  (Gedicht. 
A2B1C1).  Aus  dem  Bergischen:  Schell,  Sagen  1897  S.  496 
'Der  bucklige  Musikant'  (nach  W.  Müllers  Gedicht).  Kretzschmer- 
Zuccalmaglio,  Volkslieder  1840  2,  106  'Der  bucklichte  Fiedler'  (4  Str.) 
Erk-Böhme,  Liederhort  1,  37  nr.  15  (9  Str.).  W.  Müller  von  Königs- 
winter, Der  bucklige  Musikant  (Dichtungen  3,  196.  1873.  A1  B1). 
Aus  Luxemburg  bei  Warker,  Wintergrün  1890  S.  218  nr.  176 
'Hexenlohn  und  Hexenstrafe'  (A2  B1  C1.  Lundi,  mardi.  Mercredi. 
Jeudi).  Aus  Oldenburg  bei  Strackerjan  2,  324  =  2.  Aufl.  2,  470 
'Besser  dreist  als  verzagt'  (A1  B1  C1.  Gespensterschloß  wie  oben  nr.  4). 
Aus  Pommern  bei  Jahn,  Volkssagen  nr.  104  'Die  Unterirdischen 
und  die  Handwerksburschen'  (A1B1C1). 

Niederländisch:  Dykstra  2,  13  'De  aardmannetjes'  (A2B1,2 
C1).  —  Vlämisch:  Wolf,  DMS.  nr.  349  'Der  Doppelbuckel  zu 
Calkaer'  (A1  B1  C1.  Katzen).  A.  de  Cock,  Volkskunde  7,  57  'De  twee 
bultenaars  en  de  tooverheksen'  (fünf  Varianten).  Hond  den  heerd 
1876,  30.  De  Mont  en  de  Cock,  Vertelsels  p.  302  'De  twee  bulte- 
naars' (A2  B1  C1.  Zondag,  maandag.  Dinsdag.  Woensda^)  und  304 
'De  twee  bultenaars  en  de  katten'  (A'B1^).  Cornelissen-Vervliet 
nr.  19   'Van  de  bultenaars  en    de    witte    vrouwen    op    de    kruisbaan 


182.    Die  Geschenke  des  kleinen  Volkes.  327 

(A1  B1  C1).  Witteryck-Delplace  nr.  8  'Bulte  Wollekes  en  Lammen 
Speleman'  (A2  B1  C1.  Maandag,  Dijsendag,  woensdag.  Donderdag, 
vrijdag,  zaterdag).  —  Schottisch:  Macdougall,  Folk-tales  and  f airy 
lore  1910  p.  205  'The  hunchback  of  the  Willow  brake'.  —  Irisch  : 
Croker,  Fairy  legends  1825  nr.  2  =  Jacobs,  Celtic  fairy  tales  2,  156 
'The  legend  of  Knockgrafton'  =  Grimm,  Irische  Elfenmärchen  1826 
S.  12.  199  nr.  3  'Fingerhütchen'  (A^C1.  Montag,  Dienstag,  Mittwoch, 
Donnerstag,  Freitag)  =  Brueyre  p.  206.  Keightley,  Fairy  mythology  1860 
p.  438.  Kennedy,  Legendary  fictions  p.  103  =  Knortz  1886  nr.  3  'Die  Ge- 
schichte von  zwei  Buckligen'  (A2B1Cl).  Von  der  Insel  Man:  Folk- 
lore 19,  324.  —  Französisch:  C.  Tranois,  Histoire  de  Coulommer 
et  de  Guilchaud  (Revue  de  la  Bretagne  1834,  109.  Zwei  Schneider 
bei  den  Zwergen,  cornicanets.  A2  B1  C1.  Lundi,  mardi  et  mercredi. 
Jeudi  et  vendredi.  Samedi  et  dimanche).  Souvestre,  Le  foyer  breton 
1853  2,  113  'Les  korils  de  Planden'.  E.  du  Laurens  de  la  Barre, 
Les  veillees  de  l'Armor  1857  p.  62.  Ch.  Narrey,  Les  deux  bossus, 
legende  bretonne  (Le  monde  des  enfants  2,  161.  193.  225.  1869). 
Melusine  1,  113  'Les  fees  et  les  deux  bossus'  161.  241.  Revue 
celtique  1,  234.  Revue  des  trad.  pop.  5,  690  'Polichinelle'.  8,  549. 
9,  285.  10,  575;  vgl.  11,  234  'Les  chats-sorciers'.  Bulletin  de  folk- 
lore  ed.  Monseur  2,  73.  256  (11  Varianten).  Luzel,  Contes  pop.  2,  251  'Les 
deux  bossus  et  les  nains'  (A2B1C1).  Roman.  Forschungen  16,  345. 
Sebillot,  Contes  de  la  Haute-Bretagne  2,  84  nr.  17  La  danse  des  fees' 
(A^C1).  2,  308  nr.  59  'Les  sorciers  de  Knea'  (A2  B1  C1).  2,  311  nr.  60 
'Les  chats-sorciers  et  les  bossus'  (A2BX  C1).  Herpin,  La  cöte  d'Emeraude 
1894  p.  183  =  Bull.  2,  258.  Sebillot,  C.  des  provinces  nr.  48  'Les 
deux  bossus  et  les  nains'  (A2BJ  C1).  Sebillot,  Traditions  1,  279.  Orain, 
Gallo  p.  295  Les  deux  bossus  de  Plechatel'.  Sebillot,  Auvergne  p.  3. 
Carnoy,  Picardie  p.  18  Les  lutins  et  les  deux  bossus'  (A2B*  C1).  Carnoy, 
Legendes  de  France  1885  p.  259.  Chapiseau,  Beauce  2,  250  'Les  deux 
bossus'  (A^C1).  Thuriet,  Trad.  pop.  de  la  Haute-Saone  p.  27  'Le 
bossu  de  Fontenois  sur  le  pont  de  Vauchatru'  (A2  B1  C1).  Meyrac,  Ar- 
dennes  p.  413  Le  double  bossu'  (A2  B1  C1).  Armana  prouvencau 
1869,  61.  Sebillot,  Folk-lore  de  France  1,  22.  289.  437.  2,  100.  3,  122. 
4,  31.  —  Italienisch:  Gradi,  Saggio  di  letture  varie  1865  p.  125. 
Imbriani,  Novellaja  fior.  1877  p.  559  nr.  43  'I  due  gobbi'  =  Heyse 
1914  S.  121  =  Crane  p.  103  (A2  B1  C1).  Pitre,  Novelle  tose.  nr.  22 
'I  du'gobbi'  (A2B>  C1).  Gubernatis,  S.  Stefano  p.  185  nr.  3.  Busk  p.  96 
'The  two  hunchbacked  brothers'  (A2B*  C1).  Pitre,  Fiabe  sicil.  2,  94  nr.  64 


328  182.    Die  Geschenke  des  kleinen  Volkes. 

'Lu  scarparu  e  li  diavuli';  vgl.  4,  432.  Rivista  delle  trad.  pop.  ital.  1,  535. 
677.  —  Spanisch:  Thoms,  Lays  and  legends  of  Spain  p.  83  'Pepito 
the  hunchback'  =  Keightley  p.  461;  vgl.  Quarterly  Review  32,  206 
(1825).  Maspons,  Rondallayre  3,  108  'Los  dos  geperuts'  (A2  B1  C1). 
—  Portugiesisch:  Braga,  C.  tradic.  1,  177  nr.  82  'Os  corcundas' 
(A^C1).  Coelho,  Revista  d'  ethnologia  1881,  200  nr.  312.  — 
Baskisch:  Cerquand  2,  17  'Les  deux  bossus'.  Vinson  p.  14. 
Webster  p.  66  'The  witches  at  the  sabbat'.  —  Slowenisch: 
Baudouin  de  Courtenay,  Materialien  2,  91.  — ■  Cechisch:  Kulda 
3,  126  nr.  16  (zwei  Geister  schneiden  dem  einen  den  Höcker  ab  und 
setzen  ihn  dem  andern  an).  —  Russisch:  Oncukov  nr.  113.  — 
Litauisch:  Kartowicz  S.  73  nr.  51.  —  Lettisch:  Böhm  nr.  38 
'Die  beiden  Buckligen'.  —  Türkisch:  *The  wonder  world  stories 
1877  p.  139.  —  Mongolisch  bei  Jülg  1868  S.  3:  Siddhikür  nr.  14 
'Die  Knotennase'  (der  arme  Bruder  entwendet  den  tanzenden  Geistern 
einen  Zauberhammer;  der  reiche  begibt  sich  gleichfalls  dahin  und 
erhält  eine  Knotennase ;  vgl.  oben  nr.  142).  —  Japanisch:  Mitford, 
Tales  1,  284  (1871)  =  Melusine  1,  161  =  Kohl  1,  317  (1875)  = 
Brauns,  Japanische  Märchen  1885  S.  78  'Die  Warze  und  die  Kobolde' 
(A1  B1  C1.     Statt  des  Buckels  eine  Warze  auf  der   Stirn). 

Abseits  steht  eine  alte  arabische  Variante,  die  der  aus 
Kairo  gebürtige  Mohammed  ben  Hasan  ben  Ali  ben  'Otmän  an 
Naweigi  (1383 — 1455)  überliefert1).  Hier  ist  wohl  von  zwei  Buck- 
ligen, wie  bei  Redi  und  Späteren,  die  Rede,  aber  von  keinem  Tanze 
geisterhafter  Wesen  oder  Hexen,  an  dem  jene  teilnehmen;  vielmehr 
dringt  ein  Afrit  (Dämon)  in  Gestalt  eines  Elephanten  durch  die 
Mauer  eines  öffentlichen  Bades  zu  einem  einsam  zechenden  und 
singenden  Buckligen  ein.  Als  ihn  dieser,  statt  zu  erschrecken,  ein- 
lädt sein  Mahl  zu  teilen,  fragt  der  Geist  erfreut,  ob  er  sich  etwas 
wünsche.  'Meine  beiden  Höcker  auf  Rücken  und  Brust  wäre  ich 
gern  los'.  Da  streicht  der  Afrit  mit  der  Hand  darüber  und  wirft 
die  Buckel  an  die  Zimmerdecke  (wie  bei  Parnell),  so  daß  jener 
schlank   und  vergnügt    heimgehn   kann.     Ein    andrer  Buckliger,    der 


0  Aus  seinem  Buch  'Haibat  al  kumait' (Anthologie  der  Weinpoesie. 
Brockelmann,  G-esch.  der  arabischen  Literatur  2,  56),  Kairo  1299  der 
Hedschra  p.  49  übersetzt  von  Basset,  Bulletin  de  folklore  2,  256  'Les 
bossus  et  l'elephant';  auch  bei  Hasan  el  Aläti,  Kitäb  tarwih  en  nofus 
(Gemütserheiterung),  Kairo  18391,157.  Ohne  Quellenangabe  bei  Cardonne, 
Nouveaux  melanges  de  litt.  Orientale  1,  164  (1801). 


182.    Die  Geschenke  des  kleinen  Volkes.  329 

davon  hört,  stimmt  im  selben  Gemache  ein  Lied  an;  als  aber  der 
Afrit  aus  der  Wand  hervortritt,  verstummt  er  zitternd,  und  aus 
Ärger  heftet  der  Geist  ihm  die  beiden  Höcker  zu  den  zwei  vor- 
handenen an. 

Die  Musik  und  Tanz  liebenden  Elbe  (Erdmännlein,  Unter- 
irdischen. J.  Grimm,  Myth. 3  S.  438.  3,  130.  Wuttke,  Volksaberglaube 
§  50.  T.  Lund,  Dagligt  liv  i  Norden  i  det  16.  aarhundrede4  7,  227. 
10,  83)  unsres  Märchens  entsprechen  ganz  den  Feen  der  keltischen 
Volkssage  (Keightley,  Fairy  mythology.  W.  Hertz,  Spielmannsbuch 
1900  S.  64.  Sebillot,  Folklore  de  France  1,  201.  229.  264.  268); 
einer  späteren  Zeit  entstammt  die  Schilderung  der  nächtlichen  Tänzer 
als  teuflischer,  einen  Hexensabbat  feiernder  Geister  (oben  S.  17.  Wuttke 
§  209 f.  Sebillot  1,  203.  238.  T.  Lund  7,  223)  oder  gar  als  Katzen. 
Die  Elfen  beschenken  den  gutherzigen  Teilnehmer  ihrer  Fröhlichkeit, 
geben  aber,  wenn  sie  mißgelaunt  sind,  dem  Menschen  gern  eine  häßliche 
Gestalt  und  entstellen  ihn.  Das  eigentümliche  T  anzlied  der  Elfen 
mit  den  unvollständigen  Wochentagsnamen,  über  das  im  Archiv  für 
neuere  Sprachen  99,  14.  100,  154  gehandelt  wird,  ist  auch  in  andre 
französische  Märchen  eingedrungen,  wie  Melusine  1,  240  'Les  trois 
fees  et  les  jours  de  la  semaine'  (vgl.  unsre  Nr.  87),  Sebillot,  Contes 
de  la  Haute-Bretagne  3,  332  nr.  49  'Mercredi'  (Taufpate  für  den 
Knaben  gesucht)  und  Blade,  C.  de  la  Gascogne  1,  296  'Le  bätard' 
(E.  Köhler  1,  130;  oben  1,  301).1)  Nur  in  unsrer  Hallischen  Aufzeich- 
nung findet  sich  dafür  das  Scheren  des  Haares  durch  Geister- 
hand (Motiv  A3),  das  vermutlich  aus  den  oben  1,  241  erwähnten 
Gespenstersagen  herübergenommen  ist.  —  Der  Besuch  des  Schneiders 
und  des  Goldschmiedes  bei  den  Unterirdischen  verläuft  gerade  so 
verschieden  wie  das  Schicksal  der  beiden  Wanderer  in  nr.  107,  des 
armen  und  des  reichen  Bruders  in  nr.  142  (Simeliberg)  und  146 
(Die  Rübe),  der  guten  und  der  bösen  Schwester  in  nr.  13  (Die  drei 
Männlein  im  Walde),  24  (Frau  Holle)  und  169  (Das  Waldhaus),  der 
gastfreien  und  der  ungastlichen  Frau  in  nr.  87  (Der  Arme  und  der 
Reiche). 


a)  In  einem  serbokroatischen  Märchen  (Zbornik  jslav.  19,  133  nr.  11) 
beruhigt  ein  Bettler  die  Geister  auf  dem  Friedhof,  indem  er  ihr  Vater- 
unser zu  Ende  betet. 


330  182  a.    Die  Erbsenprobe. 

182a.   Die  Erbsenprobe. 

(1843  nr.  182.) 

Es  war  einmal  ein  König,  der  batte  einen  einzigen  Sohn,  der 
wollte  sich  gern  vermählen  und  bat  seinen  Vater  um  eine  Frau.  'Dein 
Wunsch  soll  erfüllt  werden,  mein  Sohn,'  sagte  der  König,  'aber  es  will 
sich  nicht  schicken,  daß  du  eine  andere  nimmst  als  eine  Prinzessin,  und 
es  ist  gerade  in  der  Nähe  [k]eine  zu  haben.  Indessen  will  ich  es  bekannt 
machen  lassen,  vielleicht  meldet  sich  eine  aus  der  Ferne.'  Es  ging  also 
ein  offenes  Schreiben  aus,  und  es  dauerte  nicht  lange,  so  meldeten  sich 
Prinzessinnen  genug.  Fast  jeden  Tag  kam  eine;  wenn  aber  nach  ihrer 
Geburt  und  Abstammung  gefragt  wurde,  so  ergab  sichs,  daß  es  keine 
Prinzessin  war,  und  sie  mußte  unverrichteter  Sache  wieder  abziehen. 
'Wenn  das  so  fortgeht,'  sagte  der  Prinz,  'so  bekomm  ich  am  Ende  gar 
keine  Frau.'  —  'Beruhige  dich,  mein  Söhnchen,'  sagte  die  Königin,  'eh 
du  dichs  versiehst,  so  ist  eine  da ;  das  Glück  steht  oft  vor  der  Türe, 
man  braucht  sie  nur  aufzumachen.'  Es  war  wirklich  so,  wie  die  Königin 
gesagt  hatte. 

Bald  hernach,  an  einem  stürmischen  Abend,  als  Wind  und  Regen 
ans  Fenster  schlugen,  ward  heftig  an  das  Tor  des  königlichen  Palastes 
geklopft.  Die  Diener  öffneten,  und  ein  wunderschönes  Mädchen  trat 
herein,  das  verlangte  gleich  vor  den  König  geführt  zu  werden.  Der 
König  wunderte  sich  über  den  späten  Besuch  und  fragte  sie,  woher  sie 
käme,  wer  sie  wäre  und  was  sie  begehre.  'Ich  komme  aus  weiter  Ferne,' 
antwortete  sie,  'und  bin  die  Tochter  eines  mächtigen  Königs.  Als  eure 
Bekanntmachung  mit  dem  Bildnis  eures  Sohnes  in  meines  Vaters  Reich 
gelangte,  habe  ich  heftige  Liebe  zu  ihm  empfunden  und  mich  gleich  auf 
den  Weg  gemacht,  in  der  Absicht,  seine  Gemahlin  zu  werden.'  'Das 
kommt  mir  ein  wenig  bedenklich  vor,'  sagte  der  König,  'auch  siehst  du 
mir  gar  nicht  aus  wie  eine  Prinzessin.  Seit  wann  reist  eine  Prinzessin 
allein  ohne  alles  Gefolge  und  in  schlechten  Kleidern?'  —  'Das  Gefolge 
hätte  mich  nur  aufgehalten,'  erwiderte  sie,  'die  Farbe  an  meinen  Kleidern 
ist  in  der  Sonne  verschossen,  und  der  Regen  hat  sie  vollends  heraus- 
gewaschen. Glaubt  ihr  nicht,  daß  ich  eine  Prinzessin  bin,  so  sendet  nur 
eine  Botschaft  an  meinen  Vater!'  —  'Das  ist  mir  zu  weitläuftig,'  sagte 
der  König,  'eine  Gesandtschaft  kann  nicht  so  schnell  reisen  wie  du.  Die 
Leute  müssen  die  nötige  Zeit  dazu  haben ;  es  würden  Jahre  vergehen, 
ehe  sie  wieder  zurückkämen.  Kannst  du  nicht  auf  andere  Art  beweisen, 
daß  du  eine  Prinzessin  bist,  so  blüht  hier  dein  Weizen  nicht,  und  du 
tust  besser,    je  eher  je  lieber  dich  wieder  auf  den  Heimweg  zu  machen.' 


182  a.    Die  Erbsenprobe.  331 

—  'Laß  sie  nur  bleiben,'  sagte  die  Königin,  'ich  will  sie  auf  die  Probe 
stellen  und  will  bald  wissen,  ob  sie  eine  Prinzessin  ist.' 

Die  Königin  stieg  selbst  den  Turm  hinauf  und  ließ  in  einem 
prächtigen  Gemach  ein  Bett  zurecht  machen.  Als  die  Matratze  herbei- 
gebracht war,  legte  sie  drei  Erbsen  darauf,  eine  oben  hin,  eine  in  die 
Mitte  und  eine  unten  hin,  dann  wurden  noch  secbs  weiche  Matratzen 
darüber  gebreitet,  Linnentücher  und  eine  Decke  von  Eiderdunen.  Wie 
alles  fertig  war,  führte  sie  das  Mädchen  hinauf  in  die  Schlafkammer. 
'Nach  dem  weiten  Weg  wirst  du  müde  sein,  mein  Kind,'  sagte  sie,  'schlaf 
dich  aus.     Morgen  wollen  wir  weiter  sprechen.' 

Kaum  war  der  Tag  angebrochen,  so  stieg  die  Königin  schon  den 
Turm  binauf  in  die  Kammer.  Sie  dachte  das  Mädchen  noch  in  tiefem 
Schlaf  zu  finden,  aber  es  war  wach.  'Wie  hast  du  geschlafen,  mein 
Töchterchen?'  fragte  sie.  'Erbärmlich,'  antwortete  die  Prinzessin,  'ich 
habe  die  ganze  Nacht  kein  Auge  zugetan.'  —  'Warum,  mein  Kind?  War 
das  Bett  nicht  gut?'  —  'In  einem  solchen  Bett  hab  ich  mein  Lebtag  noch 
nicht  gelegen,  hart  vom  Kopf  bis  zu  den  Füßen;  es  war,  als  wenn  ich 
auf  lauter  Erbsen  läge.'  'Ich  sehe  wohl,'  sagte  die  Königin,  'du  bist 
eine  echte  Prinzessin.  —  Ich  will  dir  königliche  Kleider  schicken,  Perlen 
und  Edelsteine:  schmücke  dich  wie  eine  Braut!  Wir  wollen  noch  heute 
die  Hochzeit  feiern.' 

Ohne  Quellenangabe ;  1850  ward  die  Erzählung  fortgelassen, 
weil  sie  wahrscheinlich  aus  Andersens  Märchen  'Prindsessan  paa 
serten'  stammt.  Über  dieses  vgl.  G.  Christensen,  Danske  Studier 
1906,  169-174. 

Schwedisch  aus  Westgotland  bei  Sundblad,  Gammeldags 
seder  och  bruk2  p.  191  'Prinsessan  som  lag  pä  sju  ärter'.  Litauisch 
bei  Jurkschat  1,  98  nr.  45  'Eine  feinfühlige  Prinzessin'.  —  Bei 
Cavallius-Stephens  1,  180  nr.  12  'Slottet,  som  stod  pä  guldstolpar' 
=  Oberleitner  S.  222  wird  dagegen  eine  vom  Prinzen  geliebte 
Bauerntochter  vor  der  Bettprobe,  der  die  Königin  sie  dreimal  unter- 
wirft, wie  im  'Gestiefelten  Kater'  (nr.  33a)  von  ihrer  Katze  unter- 
wiesen, morgens  über  das  harte  Lager  zu  klagen.1)  Ähnlich  bei 
Segerstedt  1884  p.  95  'Den  kloka  hunden'.  Bei  Bondeson,  Historie- 
gubbar  pä  Dal  p.  349  muß  ein  Knabe  auf  den  Rat  der  Katze 
ebenso  am  Königshofe  seine  edle  Abkunft  erweisen,  desgleichen  im 
italienischen    Märchen    bei    Imbriani    1877    nr.    10    =    Monnier 


J)  Die  Bettprobe  fehlt  in  einem  ähnlichen  hannoverschen  Märchen 
bei  Colshorn  1855  nr.  3  'Von  dem  Breikessel',  wo  auch  statt  des  hilf- 
reichen Vaters  eine  alte  Frau  die  Heldin  berät. 


332  182  a.    Die  Erbsenprobe. 

p.  254  'Le  roi  Happe-fumeV,  wo  aber  keine  Erbse  ins  Bett  gelegt 
wird. 

Im  siebenbürgischen  Märchen  vom  'Erbsenfinder'  (Haltrich4 
nr.  33)  macht  statt  des  Katers  ein  glücklicher  Zufall  den  armen 
Burschen  zum  Schwiegersohn  des  Königs.  Er  findet  eine  Erbse, 
und  weil  er  schon  von  dem  großen  Gewinn  träumt,  den  er  daraus 
ziehen  kann,  bittet  er  den  König,  ihm  tausend  Säcke  für  seine 
Erbsen  zu  leihen.  Der  König  läßt  ihm  ein  Strohlager  bereiten,  um 
zu  prüfen,  ob  er  wirklich  reich  sei;  werfe  er  sich  darauf  herum,  so 
sei  er  eben  Besseres  gewöhnt.  Aber  der  Bursch  verliert  seine 
Erbse  im  Stroh1)  und  wirft  beim  Suchen  das  Stroh  auseinander; 
das  Rauschen  hören  die  draußen  lauschenden  Mägde  und  meldens 
dem  König,  der  nun  von  der  Vornehmheit  des  Gastes  überzeugt  ist. 
Diese  Erzählung  ist  auch  den  Ungarn  (Kriza  nr.  7  =  Jones-Kropf 
p.  76  'The  student  who  was  forcibly  made  king'),  Rumänen 
(Kremnitz  S.  196  'Der  Erbsenkaiser')  und  den  Griechen  (Hahn 
nr.  17  'Der  Mann  mit  der  Erbse'.  Pio  p.  193  =  Geldart  p.  114 
'The  dragon')  bekannt.  Arabisch  aus  Mesopotamien  bei  Meißner 
nr.  37  (Beiträge  5,  69). 

Daß  die  Empfindlichkeit  der  Haut  mehrfach  als  ein 
Zeichen  edler  Geburt  angesehen  wurde,  ist  oben  S.  238  bemerkt 
worden.  Von  Nadirah,  der  Gattin  des  persischen  Königs  Schapur, 
erzählt  Masüdi  (Les  prairies  d'or  trad.  par  Barbier  de  Meynard  4, 
84.  Tabari,  Chronique  par  Zotenberg  2,  83),  daß  sie  nicht  einschlafen 
konnte,  als  ein  Myrtenblatt  unter  ihrer  Schulter  lag.  —  Auch  in  der 
indischen  Vetäla-pantschavincati  (Tawney,  Kathasaritsagara  2,  271. 
Oesterley,  Baital  Pachisi  nr.  23)  spürt  der  jüngste  der  drei  empfind- 
lichen Brüder  ein  Haar  durch  sieben  Matratzen  hindurch.  Im 
Roman  von  den  sieben  weisen  Meistern  (Sept  sages  ed.  Keller  v.  386 ; 
Hans  von  Bühel,  Dyocletianus  v.  323 ;  Simrock,  Volksbücher  12,  122 
usw.)  wird  dem  Königssohne  ein  Eschenblatt  unter  die  Bettstelle 
gelegt;  erwachend  spricht  der  Jüngling:  'Entweder  hat  das  Gewölbe 
sich  gesenkt,  oder  der  Boden  sich  erhoben.' 

l)  Über  den  vorteilhaften  Tauschhandel,  der  mit  einer  ver- 
lorenen Erbse  beginnt,  s.  oben  2,  201. 


183.    Der  Riese  und  der  Schneider.  333 


183.    Der  Riese  und  der  Schneider.  i856  s.  254. 

1843  nr.  183.  Von  einer  Bäurin  aus  Döbling  in  Unter- 
österreich. Nach.  F.  Ziska,  Büschings  Wöchentliche  Nachrichten  für 
Freunde  der  Geschichte  des  Mittelalters  4,  124  (1819)  und  Öster- 
reichische Volksmärchen  1822  S.  9 — 13  'Der  Schneider  und  der 
Riese';  vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  1906  S.  95. 

Die  Prahlereien,  mit  denen  der  Schneider  als  Diener  des 
törichten  Riesen  (Trolls,  Teufels)  diesen  von  seiner  Stärke  überzeugt, 
erinnern  an  die  Kraftproben  des  tapferen  Schneiderleins  (oben  1,  149 
Motiv  B),  doch  ist  der  Ausgang  kein  ebenso  rühmlicher.  A)  Statt 
des  Kruges  voll  Wasser  will  der  Held  gleich  die  Quelle  holen, 
B)  statt  einiger  Scheite  Holz  den  ganzen  Wald  abhauen,  C) 
statt  zwei  Wildschweine  zum  Abendessen  gleich  tausend  auf 
einen  Schuß  niederstrecken;  D)  als  er  sich  aber  auf  eine  Weiden- 
rute setzt,  um  sie  zu  biegen,  und  wieder  Atem  schöpft,  schnellt 
ihn  die  Gerte  so  weit  in  die  Höhe,  daß  er  nicht  mehr  zu  sehen  ist. 

Schweizerisch  :  Sutermeister  nr.  7  'Junker  Prahlhans'  (kann 
die  verheißene  Jagdbeute  nicht  liefern).  Tirolisch:  Zingerle  l2, 
81  nr.  18  'Starker  HansP  (überwindet  den  Teufel  durch  ähnliche 
Prahlereien  im  Werfen  und  Blasen).  Siebenbürgisch:  Haltrich4 
nr.  28  'Der  listige  Schulmeister  und  der  Teufel'  (AB);  s.  oben 
1,  150.  Holsteinisch:  Wisser,  Plattd.  Vm.  S.  58  'De  Snider  un 
de  Ries'  (Dreschen,  Mahlen,  Baum  tragen,  D).  Friesisch:  Ehren- 
trauts  Archiv  2,  324  (A).  Hinterpommern:  Knoop  1885  S.  190 
'Der  dumme  Hans  und  der  Riese'  (Dreschen,  Mahlen,  Baum  tragen). 
—  Dänisch:  C.  Etlar  1847  S.  29  'Bjergmandens  Dreng'  (A). 
Berntsen  1,  180  nr.  21  'Drengen  hos  Bjaergmanden'  (A).  Kamp, 
Folkeminder  S.  235  'Trolden  og  Drengen'  (A  B).  Kristensen,  Aev. 
fra  Jylland  1,  256  nr.  34  'Bjaergmandens  Dreng'  (AB).  1,  263  nr.  35 
'Min  Tjeneste  ved  Bjsergmanden'  (AB).  3,  122  nr.  24  'Tjenesten 
hos  Bjsergmanden'  (A  B).  Kristensen,  Fra  Bindestue  1,  78  nr.  13 
'I  Bjsergmandens  Tjeneste'  (A).  Grönborg  S.  76  'Povl  Sten'  (A). 
Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  54  'Drengen  hos  Trolden'.  — 
Schwedisch:  Bondeson,  Sv.  folksagor  nr.  2  'Vaktepojken  och 
jätten'  (A).  Allardt  S.  94  nr.  92  'Drängen  och  hin  onde'  (A). 
Hackmans  Register  nr.  1049.  1051.  —  Norwegisch:  Asbjörnsen- 
Moe  nr.  6  'Aschenbrödel,  der  mit  dem  Trollen  um  die  Wette  aß'  (A). 


334  183.    Der  Riese  und  der  Schneider. 

Braset,  Hollraöventyr  S.  34  'Gjetarguten  aa  bsergtraalle'  (A);  40 
'Guten  aa  bsergtraalle'  (A).  Olsen  S.  215  'Gutten  som  tjente  hos 
trollet'  (B).  Skar  6,  65  'Oskefis'  (AB).  —  Fseröisch:  Jakobsen 
S.  265  nr.  5  'Risin  og  Lokki'  (C),  vgl.  S.  591.  —  Gälisch:  Campbell, 
West  Highlands2  2,  328  nr.  45  'Mac-a-Rusgaich'  (B),  vgl.  R.  Köhler 
1,  261.  —  Französisch:  Cosquin  1,  258  nr.  25  'Le  cordonnier  et 
les  voleurs'  (B).  Kerbeuzek  1,  149  'Farouel'  (AB).  Sebillot,  Auvergne 
p.  65  'Pipete'  (B).  —  Italienisch:  Schneller  nr.  53  'Hans  der 
Starke'  (B)  und  54  (B).  Gonzenbach  nr.  41  'Vom  tapfern  Schuster' 
(A  B).  Gianandrea  nr.  7  'Giuanni  Benforte'  (B).  Jahrbuch  f.  roman. 
Lit.  8,  246  nr.  2  'Der  Vertrag  wegen  der  Reue'  (B),  vgl.  R.  Köhler 
1,  328.  Archivio  3,  533  'L'occhio-in-fronte'  (A).  Coronedi-Berti  1883 
nr.  32  'Zvan  fort'  (B).  Widter-Wolf  nr.  2  'Massafadiga'  (A.  Jahr- 
buch 7,  13;  R.  Köhler  1,  290).  —  Maltesisch:  11g  1,  140  nr.  39 
'Löwenkind  und  Menschenkind'  (B).  —  Mallorkinisch:  Ludwig 
Salvator  S.  257  'Der  Sklave  der  entfloh'  (AB).  —  Baskisch: 
Webster  p.  6  'Errua'  (B)  =  Vinson  p.  46  nr.  12  'Le  fou  et  le 
Tartaro'.  Webster  p.  11  (A)  =  Vinson  p.  49.  Cerquand  nr.  60.  — 
Rumänisch:  Kremnitz  S.  10  nr.  1  'Stan  Bolovan'  (AB).  Staufe 
nr.  24  'Der  Mann  unter  den  Drachen'  =  Zs.  f.  dt.  Mythologie  2, 
203  nr.  8  (B).  Schullerus  nr.  4  'Von  einem  gescheiten  Manne'  (A  B. 
Archiv  33,  398)  und  Archiv  33,  373  'Elias  und  der  Teufel'  (BA).  — 
Griechisch:  Hahn  1,  173  nr.  23  'Herr  Lazarus  und  die  Draken' 
(AB).  Kretschmer  nr.  33  'Der  Bartlose'  (AB).  —  Albanesisch: 
Dozon  p.  17  nr.  3  'L'ours  et  le  derviche'  (BC)  =  Leskien  S.  208 
nr.  47.  —  Serbokroatisch:  Schottky,  Bartlos  und  der  Riese 
(B,  Werfen.  Büschings  Wöchentliche  Nachrichten  für  Freunde  des 
Mittelalters  4,  1041.  1819).  Zs.  Vila  3,  717  (1867).  Tordinac  S.  27 
nr.  9  (A  B).  Zbornik  jslav.  16,  156  (A).  Ristic  Loncarski  S.  49 
nr.  8  (A).  Preindlsberger  S.  73  'Der  Zigeuner  und  die  Riesen' 
(BAD).  —  Bulgarisch:  Sbornik  nar.  umotvor  2,  182  =  Arnaudov 
S.  47  nr.  35  =  Strauß  S.  260  (DA).  —  Polnisch:  Mat.  antropol. 
etnogr.  4,  2,  235  nr.  9  (A).  —  Slovinzisch:  Lorentz  S.  17  nr.  15 
(A).  —  Ka schubisch:  Lorentz,  Teksty  S.  81  nr.  122  (AI  S.  454 
nr.  580  (A).  —  Kleinrussisch:  Venok  2,  370  =  Wratislaw 
p.  150  nr.  26  'The  devil  and  the  Gipsy'  (AB)  =  Erben  S.  140. 
Baracz  S.  32  (A).  Manzura  S.  90  (AC).  Rudcenko  2,  187  nr.  46 
(A).  Cubinskij  2,  120  nr.  40.  41  (AD).  Zivaja  Starina  5,  454 
nr.  2  (A).     Etnogr.  Zbirnyk  29,  141  nr.  17  (AB).    143  nr.  18  (AB). 


184.    Der  Nagel.  335 

—  Weißrussiscli:  Federowski  1,  130  nr.  346  (A).  —  Groß- 
russisch: Af anasjev  1,  nr. 86 (A).  Litauisch:  Jurkschat  1, 102  nr.  41 
'Das  Waislein  und  das  Rieslein',  vgl.  R.  Köhler  1,  479.  —  Finnisch: 
Salmelainen  4,  nr.  19  b.  Suomi  3,  2,  113.  Aarne,  Register  nr.  1049. 
1051.  —  Wot jakisch:  Wichmann  2,  63  nr.  5  'Der  Mann  und  der 
Teufel'  (B.  Journal  19).  — Zigeunerisch:  Miklosich  nr.  3  —  Groorne 
nr.  21  'The  deluded  dragon'  (AB).  —  Türkisch:  Künos,  Stambul 
S.  56  'Kara  Mustafa  der  Held'  (A).  —  Armenisch:  Sbornik  mater. 
Kavkaz.  24,  2,  248  (A).  —  Mingrelisch:  ebd.  24,  2,  39  nr.  24  (Krug 
Wein  aus  dem  Keller  holen).  13,  2,  28  nr.  3.  —  Kabardinisch: 
ebd.  12,  141  (D).  —  Persisch:  Malcolm,  Sketches  of  Persia  1828 
2,  88  =  Kletke,  Märchensaal  3,  54  (A).  —  Berberisch:  Mercier,  Le 
Chaouia  de  l'Aures  1896  p.  52  nr.  12  'Bechkerker  et  l'ogre'  (AB). 
Mehrfach  gesellen  sich  zu  den  Motiven  A  B  Züge,  die  wir 
schon  oben  1,  149  (B3-4-5)  in  den  Fassungen  des  tapferen 
Schneiderleins  antrafen:  der  schwache  Held  läßt  den  Riesen  vorauf- 
gehen, als  sie  beide  den  gefällten  Baum  heimtragen  wollen;  als  er 
durch  den  vom  Riesen  losgelassenen  Baumzweig  in  die  Luft  empor- 
geschleudert wird,  rühmt  er  sich  seines  gelungenen  Sprunges;  dem 
nächtlichen  Überfalle  des  Riesen  entgeht  er,  indem  er  sich  unter 
das    Bett    legt,    und    nachher    sagt  er,  ein  Floh  habe  ihn  gestochen. 


184.    Der  Nagel.  rssss.  254 

1850  nr.  184.  —  Nach  einer  Erzählung  in  L.  Aurbachers 
Büchlein  für  die  Jugend  1834  S.  71f.  'Vom  Reiter  und  seinem  Roß.' 
Vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  1906  S.  95.  Gereimt  von 
Rückert,  Der  Herr  und  sein  Knecht  (Gesammelte  Gedichte  1837  1, 
55  =  Poet.  Werke  1868  4,  306). 

Das  Märchen  scheint  erwachsen  zu  sein  aus  einem  seit  dem 
12.  Jahrh.  nachweisbaren  Spruch,  den  es  in  Handlung  umsetzt: 
'Ein  nagel  behalt  ein  isen,  ein  isen  ein  ros,  ein  ros  ein  man,  ein  man 
ein  burch,  ein  burch  ein  lant' ;  lateinisch : 

Ferrum  per  clavum  ferrumque  eqaus,  per  equum  vir, 
Perque  vir  um  castrum,  per  castrum  patria  durat 


336  184.    Der  Nagel. 

(Müllenhoff-Scherer,  Denkmäler8  1,  196  nr.  49,  5).     Freidank  79,  19: 

Ich  hoere  sagen  die  wisen: 

'Ein  nagel  behalt  ein  isen, 

ein  isn  ein  ros,  ein  ros  den  man, 

ein  man  ein  burc,  der  striten  kan, 

ein  burc  ein  lant  betwinget, 

daz  ez  nach  hnlden  dinget.' 

Der  nagel  der  ist  wol  bewant, 

der  isen,  ros,  man,  burc  und  lant 

solcher  ern  geholfen  hat, 

da  von  sin  name  so  hohe  stät. 

Reinmar  von  Zweter  (MSH  2,  212b  =  Roethe,  Reinmar  von 
Zweter  1887  S.  508  nr.  195)  nutzt  um  1245  den  Spruch  zu  einem 
Tadel  des  schwächlichen  Landgrafen  Heinrich  Raspe  von  Thüringen. 
Hugo  von  Trimberg,  Renner  v.  23  965  ed.  Ehrismann  (nach  Frei- 
dank). Straßburger  Rätselbuch  ed.  Butsch  1876  nr.  20  =  Zs.  f.  dt. 
Alt.  3,  28  =  Ratbökelin  Bl.  A4b  (Goedeke,  Gengenbach  1856  S. 
5643).  Lehmann,  Florilegium  politicum  1630  S.  263  =  1662  S.  289 
nr.  39 :  'Umb  eines  Huffeysens  willen  verdirbt  offt  ein  Reitpferd'. 
Harsdörffer,  Schauplatz  lust-  und  lehrreicher  Geschichte4  1660  1,  220 
nr.  61,  6  (spanisch).  J.  H.  Campe,  Hamburgischer  Kinderalmanach 
auf  das  Jahr  1780,  S.  156.  Wander,  Sprichwörterlexikon  2,  797.  3, 
860.  I.  v.  Düringsfeld,  Sprichwörter  der  german.  u.  roman.  Nationen 
1,  393  nr.  751  (1872).  —  Niederländisch  bei  Harrebomee, 
Spreekwoordenboek  2,  116a:  'Een  nagel  doet  wel  een  hoefijzer  ver- 
liezen,  een  hoefijzer  het  paard,  hetwelk  dan  wel  den  rijder  doet 
sneuvelen'.  —  Dänisch:  'For  en  sko  mister  man  tidt  en  best'.  — 
Englisch:  Outlandish  proverbs  1640  nr.  499  (Lessing,  Werke  19, 
499  ed.  Hempel  =  15,  418  ed.  Lachmann-Munker).  B.  Franklin,  The 
way  to  wealth  1757  (Works  1840  2,  98):  'A  little  neglect  may  creed 
great  mischief  ;  for  want  of  a  nail  the  shoe  was  lost,  for  want  of  a  shoe 
the  horse  was  lost,  for  want  of  a  horse  the  rider  was  lost,  being  over- 
taken  and  slain  by  the  enemy ;  all  for  want  of  a  little  care  about  a  horse- 
shoe  nail'.  —  Französisch:  Franklin,  La  science  du  bonhomme 
Richard,  2.  ed.  1778  p.  14.  —  Provenzalisch:  P.  Meyer,  Les 
derniers  troubadours  1871  p.  111  nr.   6: 

Auzitai  dir,  e  vay  mi  remenbrant, 
C'un  fer  pert  hom  per  fauta  d'un  clavel 
Et  per  un  fer,  can  ben  m'o  vauc  pensant, 


185.    Der  arme  Junge  im  Grab.  337 

Pert  lo  caval,  pueis  lo  cors  el  castel; 
Tot  aysi'n  pren  ad  homs  que  avars  es 
Car  per  lo  mens  pert  lo  mais  mantas  ves, 
Car  Drechura  que  Tort  baissa  confont 
Cant  a  pujat  gieta  l'aval  preon. 

Italienisch:  0.  Pescetti,  Proverbi  italiani  1611  (Rolland,  Faune 
populaire  4,  187) :  'Per  un  chiodo  si  perde  un  ferro  di  cavallo,  e  per 
un  ferro  si  perde  un  cavallo,  e  per  un  cavallo  si  perde  un  cavaliere.' 
Giusti-  Capponi,  Proverbi  toscani  1871  p.  85.  Pitre,  Proverbi  siciliani 
2,  58  (1880).  —  Maltesisch:  Vassalli,  Motti  e  proverbii  maltesi 
1828  nr.  81  'Per  risparmiar  un  chiodo,  perde  la  ferratura'.  —  Tür- 
kisch: Schlechta-Wssehrd,  Osmanische  Sprichwörter  1865  nr.  152 
=  E.  Köhler,  Kl.  Schriften  2,  60  'Der  Nagel  beschützt  das  Huf- 
eisen, das  Hufeisen  beschützt  das  Pferd,  das  Pferd  beschützt  den 
Mann,  der  Mann  beschützt  das  Land'. 


185.    Der  arme  Junge  im  Grab.  isse  s.  255. 

1843  nr.  185.  —  Nach  einer  Erzählung  in  Aurb ach ers  Büch- 
lein für  die  Jugend  1834  S.  167 — 172  'Des  armen  Waisen  Leben 
und  Tod'.     Vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  1906  S.  96. 

Die  Grundlage  der  tragisch  verlaufenden  Geschichte  bildet 
wohl  ein  lustiger  Schwank  bei  L.  Abstemius  (Hecatomythium 
seeundum  1520  Bl.  D5a  =  Neveleti  Mythologia  Aesopica  1610  p. 
618  nr.  199  'De  femina  maritum  ob  pullos  male  servatos  verberante'). 
Ein  einfältiger  Mann,  der  die  Küchlein  vor  dem  Habicht  hüten  soll, 
bindet  sie  mit  einem  Faden  zusammen,  so  daß  der  Habicht  sie  alle 
zusammen  davonträgt;  da  will  er  aus  Angst  vor  den  Schlägen  seiner 
Frau  sich  das  Leben  nehmen  und  verzehrt  die  eingemachten  Feigen, 
die  ihm  jene  vorsorglich  als  Gift  bezeichnet  hatte ;  wie  er  der  heim- 
kehrenden Frau  erzählt,  daß  er  den  Tod  erwarte,  muß  sie  des  Narren 
lachen  und  verzeiht  ihm.  Danach  J.  Pontauus,  Attica  bellaria  1644 
p.  91  =  J.  P.  Langius,  Democritus  ridens  1689  p.  144  nr.  49  — 
Doctae  nugae  Gaudentii  Jocosi  1713  p.  142  =  1725  p.  113.  Bei 
Morlini,  Novellae  1520  nr.  49  'De  matre,  quae  filium  custoditum 
reliquit'   handelt   es  sich    dagegen   um   einen  törichten  Knaben,    der 

Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  22 


338  186.    Die  wahre  Braut. 

wie  der  gescheite  Hans  (oben  1,  316)  den  Wein  auslaufen  läßt,  sich  auf 
die  Hühnereier  setzt,  um  sie  auszubrüten,  und  darauf  sich  mit  den 
eingemachten  Nüssen  vergiften  will.  Aus  Morlini  schöpft  Basile  1, 
nr.  4  'Vardiello',  aus  diesem  wieder  ein  deutsch-italienisches  Zwischen- 
spiel von  1691,  'Mißfallen  umb  zu  gefallen'  im  Münchner  cod.  germ. 
4080,  Bl.  49,  während  Casalicchio,  L'utile  col  dolce  1,  nr.  13(1687; 
deutsch  als  Utile  cum  dulci,  Augsburg  1706)  auf  Abstemius  zurück- 
geht. Ferner  deutsch:  Albertinus,  Hirnschleifer  1618  S.  210. 
Fasciculus  facetiarum  novissimarum  1670  S.  298  (12,  nr.  8).  Der 
kurtzweilige  Arlequin  1691  S.  67.  Philander,  Zeitverkürzer  1702 
nr.  101.  Rottmann,  Lustiger  Historienschreiber  1717  S.  33  (1,  nr.  21). 
Abraham  a  S.  Clara,  Bescheidessen  1717  S.  68.  Recueil  von  aller- 
hand Collectaneis  7,  123  (1719).  Gregander,  Leben  F.  W.  v.  Kyau 
3,  30  (1751).  Babst,  Pladdütsche  Gedichte  1812  S.  209  'De 
Aptekerburß'.  Vogl,  Erzählungen  eines  Großmütterchens  1846  S.  100. 
G.  Keller,  Die  mißlungene  Vergiftung  (Gegenwart  53,  13.  1898 ; 
vgl.  Bächtold,  Gottfried  Keller  4,37).  —  Dänisch:  Nyt  Vademecum 
til  Tidsfordriv  1783  nr.  590.  —  Englisch:  Simple  Simon's  misfor- 
tunes  (Ashton,  Chap-books  of  the  18  Century  1882  p.  258).  —  Por- 
tugiesisch: Coelho,  C.  nacionaes  nr.  14  '  Conto  do  bacorinho'  (Frau). 
—  Serbokroatisch:  Krauß  1,  265  nr.  57  'Vom  Jungen  Nimmer- 
satt'. —  Türkisch:  Mehmed  Tewfik,  Die  Schwanke  des  Nassr-ed- 
din  und  Buadem,  übersetzt  von  Müllendorff  1890  S.  51  (Buadem 
nr.  25);  vgl.  Wesselski,  Der  Hodscha  Nasreddin  1911  2,  237  nr.  522. 
Die  schwedische  Erzählung  in  Hackmans  Begister  nr.  1876 
und  die  finnische  in  Aarnes  Register  nr.  1876  'Die  Gänse  an  der 
Schnur'  scheinen  nicht  mit  unserm  Märchen,  sondern  mit  einem  Jagd- 
abenteuer Münchhausens  zusammenzuhängen,  über  das  in  der  Zs.  f. 
Volkskunde  24,  81  gehandelt  wird. 


1856    S.  255. 


186.     Die  wahre  Braut. 

1843  nr.  186.  Aus  der  Oberlausitz  1842  von  Moriz  Haupt 
in  der  Zs.  f.  dtsch.  Altertum  2,  481  mitgeteilt;  vgl.  Hamann,  Die 
literarischen  Vorlagen  1906  S.  98. 

Das  Märchen  gehört  mit  nr.  56,  113,  193  zum  Kreise  der 
vergessenen  Braut.     Es  enthält  folgende  Teile :    A)  Die  Heldin 


187.   Der  Hase  und  der  Igel.  339 

löst  mit  Hilfe  einer  guten  Fee  die  Aufgaben  der  bösen  Stiefmutter: 
Federn  schleißen,  Teich  ausschöpfen,  Schloß  bauen.  —  B)  Nach  dem 
Tode  der  Stiefmutter  gewinnt  ein  Prinz  ihre  Liebe,  vergißt  sie  aber 
infolge  eines  Kusses  [seiner  Mutter].  —  C)  Als  Hirtin  sucht  sie 
durch  ein  Gespräch  mit  ihrem  Kälbchen  seine  Erinnerung  wach- 
zurufen. —  D)  Dies  gelingt  ihr  aber  erst,  als  sie  ihn  bei  seinem 
Hochzeitsfeste  küßt. 

Zu  Teil  A  vgl.  Aschenputtel  (1,  168);  in  einer  klein- 
russischen Erzählung  (Mater,  antropol.  2,  71  nr.  41)  löst  das  Mädchen 
die  Aufgaben  mit  Hilfe  der  aus  dem  Grabe  erscheinenden  Mutter 
und  wird  von  der  Stiefmutter  erstochen.  Zu  BCD  vgl.  Die 
beiden  Königskinder  (2,  517),  wohin  auch  schon  die  zweite 
und  dritte  Aufgabe  der  Heldin  weist. 


187.     Der  Hase  und  der  Igel.  lsse  s.  255. 

1843  nr.  187.  Den  Brüdern  Grimm  1840  durch  Prof.  Firnhaber 
in  Kassel  mitgeteilt,  und  zwar,  wie  1856  in  den  Anmerkungen  be- 
hauptet wird,  nach  mündlicher  Überlieferung  in  der  Gegend  von 
Osnabrück;  vgl.  W.  Grimm  in  Wolfs  Zs.  f.  deutsche  Mythologie 
1,  381  (1853)  =  Kleinere  Schriften  4,  361.  Es  liegt  aber,  wie  H. 
Garbers  1900  in  der  Zs.  Niedersachsen  5,  299  nachwies,  die  1840 
von  Wilhelm  Schröder  (f  1878)  in  seinem  Hannoverschen  Volks- 
blatt Jahrg.  1,  nr.  51  veröffentlichte  Fassung  aus  der  Gegend  von 
Stade  zu  Grunde1),  die  seitdem  mehrfach  wiederholt  und  bei  Firme- 


*)  Schröder  gab  sie  wieder  heraus  als:  Hannoversche  Stern- 
schnuppen, ein  Werkchen  aus  den  komischen  Papieren  des  Hannoveraners 
Jocosus  1  (Hannover  1845)  =  Dat  Wettlopen  twischen  den  Swinegel  un 
den  Haasen  (ebd.  1868)  =  Haideland  und  Waterkant  4  (Berlin  1872).  — 
Abgedruckt  bei  Firmenich,  Völkerstimmen  1,  210  (1841?);  bei  Th.  v.  Ko  b  be, 
Humoristische  Blätter  1844;  anonym;  De  Wettlop  twischen  den  Hasen 
un  den  Schwinegel  up  de  Buxtehuder  Haide,  Rostock  1849  und  1850; 
von  J.  P.  T.  Lyser,  De  Swienegel  als  Wettrenner,  Hamburg  1853;  mit 
einer  hochdeutschen  Übersetzung:  Het  Wetloopen  tuschen  den  Haasen 
und  den  Swinegel  up  de  Buxtehuder  Heid,  in  Bildern  von  Gust.  Süss, 
Düsseldorf  1855.  —  Vgl.  Seelmann,  Jahrbuch  f.  nd.  Sprachforschung 
22,  112  und  28,  98,  auch  Illnstr.  Zeitung  1876  nr.  1701  und  Gartenlaube 
1878  nr.  42  S.  703. 

22* 


340  187.    Der  Hase  und  der  Igel. 

nicb,  Germaniens  Völkerstimmen  1,  214  in  die  Mundart  von  Sittensen 
im  Amte  Zeven  übertragen  ist.  Auch'  ein  hübsches  Gedicht  von 
Klaus  Groth  ' Wa  Swinegel  un  Matten  Has'  inne  Wett  lepen'  (Quick- 
born 1853  S.  185)  stellt  das  gleiche  Märchen  dar.  Bechstein, 
Märchenbuch  1874  S.  148  übersetzt  Schröder  ins  Hochdeutsche.  Ein 
ungedrucktes  Gedicht  von  F.  Becker  'Füchslein  und  Maulwürflein' 
im  Berliner  Ms.  germ.  oct.  316,  1,  Bl.  7a  (um  1850)  geht  wohl  auf 
das  Grimmsche  Märchen  zurück. 

Dies  Märchen  vom  Wettlaufe  des  unbeholfenen  und  des 
hurtigen  Tieres,  der  einen  unerwarteten  Ausgang  nimmt1),  zeichnet 
sich  durch  hohes  Alter  und  weite  Verbreitung  aus.  Dähnhardt 
(Beiträge  zur  vergleichenden  Sagen-  und  Märchenforschung,  Progr. 
Leipzig  1908  S.  10—46  =  Natursagen  4,  46—97.  1912)  hat  in  einer 
ausführlichen  Untersuchung  drei  Formen  festgestellt,  die  wohl  sämt- 
lich von  Byzanz  aus  ihre  Wanderung  über  die  Erde  angetreten 
haben:  1.  den  Sieg  der  beharrlichen  Schildkröte  über  den  nach- 
lässigen Hasen;  2.  Sieg  des  listigen  Igels  über  den  Hirsch  durch 
Verwandtenhilfe;  3.  Sieg  des  schlauen  Krebses  über  den  Fuchs 
durch  unbemerktes  Hängen  am  Gegner.  —  Bisweilen  gewahren  wir 
eine  Mischung  dieser  Typen,  und  als  Held  tritt  anstatt  der  nur  in 
südlichen  Ländern  beobachteten  Schildkröte  und  des  in  Altgriechen- 
land wie  in  Deutschland  ehedem  öfter  als  Haustier  gehaltenen  Igels2) 
auch  der  Krebs,  der  Frosch,  die  Kröte  oder  die  Schnecke  auf, 
während  die  Bolle  des  Gegners  je  nach  Landesart  dem  Hasen,  Beh, 
Pferd,  Fuchs,  Wolf,  Schakal,  Löwen,  Elefanten  oder  einem  großen 
Vogel  zufällt.  Die  hauptsächlichsten  Motive  sind:  A1  als  Ver- 
anlassung des  Wettkampfes  der  Spott  des  Gegners  über  die  Lang- 
samkeit des  Helden,  A2  ein  Streit  bei  der  Ernteteilung  (wie  in  nr. 
189),   A3  die  Königswahl  der  Tiere  (wie  in  nr.  171),  A4  eine  Braut- 

J)  In  der  lateinischen  Fabel  ■vom  Kampf  zwischen  Stier  und  Mücke 
(Hervieux,  Fabulistes  latins  22,  144  nr.  36.  22,  393:  Neckam  nr.  3)  und 
vom  Streit  zwischen  Wolf  und  Hase  (Odo  nr.  58  bei  Hervieux  4,  230. 
263.  448.  Bozon  nr.  21.  Libro  de  los  gatos  c.  58)  siegt  das  schwächere 
Tier  durch  behende  Flucht. 

2)  Vgl.  Brehm,  Tierleben3,  Säugetiere  2,  358-370.  Pauly-Wissowa, 
Bealencyclopädie  des  klass.  Altertums  5,  1922.  O.  Keller,  Die  antike 
Tierwelt  1,  18  (1909).  Igel  als  Haustier  der  Leineweber:  Pauli,  Schimpf 
und  Ernst  c.  603  und  Kirchhof,  Wendunmut  1,  c.  235.  Über  die  Fabel 
vom  Igel  und  Fuchs  s.  oben  2,  120,  über  ein  andres  Märchen  vom  Igel 
oben  2,  483. 


187.    Der  Hase  und  der  Igel.  341 

Werbung  (vgl.  Dähnhardt,  Natursagen  4,  56),  A5  Einsetzung  eines 
Schiedsrichters  (vgl.  Dähnhardt  4,  285.  256).  —  B1  Ort  des  Wettlaufs 
ist  entweder  eine  bestimmte  Wegstrecke  bis  zu  einer  Stadt,  (B2) 
der  Acker  oder  die  Tenne  oder  (B3)  ein  Fluß  oder  See.  —  C1  Zum 
Siege  verhilft  die  eigne  Beharrlichkeit,  C2  der  Beistand  der  den 
Läufer  ersetzenden  Verwandten  oder  C3  das  Anhängen  an  den 
Schwanz  des  größeren  Tieres.  —  D1  Schließlich  gesteht  der  Gegner 
die  Überlegenheit  des  Helden  zu,  (D2)  verzichtet  auf  den  Preis  oder 
(D3)  bricht  nach  mehrmaligem  Laufe  erschöpft  zusammen. 

Die  Urform  steht  in  den  Äsopischen  Fabeln  nr.  420  ed.  Halm 
yzlüvri  xai  Aayoiög,1)  etwas  ausgeschmückter  in  der  Variante  nr. 
420  b.  Einst  liefen  die  Schildkröte  und  der  Hase  um  die  Wette. 
Der  Hase,  der  jene  ob  ihres  trägen  Ganges  verhöhnt  hatte,  verließ 
sich  auf  seine  angeborene  Schnelligkeit  und  legte  sich  am  Wege 
schlafen;  die  Schildkröte  aber,  die  sich  ihrer  Langsamkeit  bewußt 
war,  lief  ohne  Unterlaß,  überholte  den  schlafenden  Hasen  und  gewann 
den  Sieg.  Eine  gereimte  deutsche  Bearbeitung  in  Fischarts  Ehe- 
zuchtbüchlein  (1578.  Werke  ed.  Hauffen  3,  161)  schließt  mit  der 
Lehre :  'So  vil  hat  Emsigkeit  und  Fleis  meh  dans  Leibs  Gschwindig- 
keyt  den  Preis'.2)  In  Waldis'  Esopus  3,  nr.  76  (1548),  aus  dem 
Eyring,  Proverbiorum  copia  3,  154  schöpfte,  wird  dagegen  die 
Geschichte    vom    Hasen    und    der    Schnecke    erzählt,    wie    ja    im 


1)  Angeführt  von  Tzetzes,  Chiliades  7, 105.  Lateinisch  von  Rimicius 
in  Aesopi  Phrygis  et  aliorum  fabulae,  Moguntiae  1536  p.  278  'De  lepore 
et  testadine'  =  Neveletus,  Mythologia  Aesopica  1610  p.  316  nr.  292. 
Haqueville,  Sermones  1530  Bl.  35  nr.  13  =  Guillaume,  Recherches  sur 
La  Fontaine  1822  p.  27.  Le  Jay,  Bibliotheca  rhetorum  1,  744  (1725). 
Metrisch  von  Desbillons,  Fabulae  Aesopicae  1768  lib.  5,  nr.  33  'Lepus  et 
testudo'.  Italienisch  bei  Verdizotti,  Cento  favole  1577  nr.  80  und 
C.  Pavesio,  150  favole  1587  nr.  150.  Luigi  Grillo,  Favole  nr.  66.  Fran- 
zösisch: Corrozet,  Fables  1544  nr.  94.  La  Fontaine,  Fables  1.  6,  nr.  10 
'Le  lievre  et  la  tortue'.  Fables  de  La  Fontaine  en  chansons  1749 
1.  3,  nr.  17.  Benserade,  Fable  nr.  67  (Labyrinthe  de  Versailles  1677). 
Arabisch  bei  Loqmän  nr.  20  (Chauvin  3,  31).  Syrisch  bei  Sophos 
hsg.  von  Landsberger  1859  nr.  38.  Berberisch  bei  Basset,  Loqman 
herbere  1890  nr.  20. 

2)  Eine  Anspielung  auf  die  Fabel  scheint  der  1399  geschriebene 
Ackermann  aus  Böhmen  (S.  26,  18  ed.  Knieschek  1877)  zu  enthalten. 
Dort  sagt  der  Tod  bei  einer  Aufzählung  der  rühmlichen  Taten  des 
Menschen:  'Wir  sahen  geren  den  wetlauf,  den  du  tettest  mit  dem  hasen.' 


342  187.    Der  Hase  und  der  Igel. 

Mittelalter    'snecke'    sowohl    das    lateinische   testudo   wie  limax  oder 
concha  wiedergibt.1) 

Ein  Has  belacht  ein  arme  Schneck 
Und  sprach:  'Du  liegst  so  tief  im  Dreck, 
Solltest  eim  Hund  also  entlaufen, 
Ja  in  der  Pfützen  würdst  ersaufen.' 
Da  sprach  die  Schneck:  '"Weil  du  nun  mich 
Verachtest  so  gar  jämmerlich, 
Des  ich  mich  nit  versehen  hätt, 
Will  mit  dir  laufen  in  die  Wett. 
Der  Fuchs  soll  stecken  uns  das  Ziel, 
Zwen  Schritt  zuvorn  dir  geben  will ; 
So  soll  man  sehn  heut  diesen  Tag, 
Was  die  Schneck  und  der  Has  vermag.' 
Dem  gschah  also;  er  (der  Hase)  nahm  drei  Schritt, 
Da  blieb  er  sitzen,  achtets  nit. 
Ein  süsser  Traum  ihn  da  ergriff, 
Wohl  in  die  dritte  Stunde  schlief, 
Gedacht:  'Derhalben  darfst  nit  Eil, 
Geh  gmach  und  nimm  dir  wohl  der  Weil!' 
In  dem  säumet  sich  nit  die  Schneck, 
In  einem  Gang  kroch  für  sich  weg, 
Bis  sie  zum  erst  erlangt  das  Ziel; 
Da  fehlt  dem  Hasen  noch  gar  viel. 
Die  Schneck  kam  bei  scheinender  Sonnen: 
Da  hätts  dem  Hasen  angewonnen. 

Mancher  sich  auf  sein  Stärk  verlässt, 
Ist  wahrlich  darumb  nit  der  best, 
Schläft  deste  länger,  säumet  gern. 
Man  sagt:  'Mit  Mußen  kompt  man  fern.' 

Eine  ungeschickte  Abänderung  hat  die  Fabel  im  4.  Jahrh.  bei 
dem  Rhetor  Libanios  in  einem  Musteraufsatze  (Progymnasmata. 
Opera  4,  853  ed.  Reiske)  erfahren,  auf  dem  die  zweite  der  armenischen 
Fabeln  des  Olympianos2)  beruht.  Libanios  setzt  für  den  flinken 
Hasen  ein  Pferd  ein;  dieses  reizt  durch  seinen  Spott  die  Schild- 
kröte,   es    zu    einer    öffentlichen    Probe    der    Schnelligkeit   herauszu- 


')  Doch  haben  auch  Guill.  Haudent  (Apologues  d'Esope  2,  nr.  40 
1547)  und  G.  Cognatus  (Narrationum  sylva  1567  p.  14  'De  limace  cum 
lepore  de  cursu  certante')  die  Schildkröte  in  eine  Schnecke  verwandelt. 

2)  Übersetzt  in  W.  Roths  Leben  und  Erstlingsschriften  1862  S.  67. 
ZdmG.  2,  121. 


187.   Der  Hase  und  der  Igel.  343 

fordern.  Als  der  festgesetzte  Tag  kommt,  hat  es  die  Schildkröte 
durch  stete  Übung  dahin  gebracht,  daß  sie  das  in  Trägheit  ver- 
sunkene Pferd  im  Lauf  überwindet. 

Dagegen  hat  sich  die  ältere  Form  der  griechischen  Fabel  in 
einer  serbokroatischen  Erzählung  bei  Vrcevic,  Basne  S.  109 
(Schildkröte  und  Hase;  vgl.  Zbornik  jslav.  18,  224  nr.  16)  und 
durch  die  arabische  Übersetzung  Loqmans  noch  heut  in  Nord- 
afrika lebendig  erhalten;  s.  Basset,  Etüde  sur  la  Zenatia  de 
l'Ouarsenis  1895  p.  70  'Le  lievre  et  la  tortue'.  In  Samoa  wird  sie 
von  einer  Schildkröte  und  einem  Huhn  erzählt,  die  um  den  Besitz 
einer  Quelle  streiten;  sie  machen  aus,  wer  am  nächsten  Morgen 
zuerst  dort  ist,  dem  soll  sie  gehören;  die  Schildkröte  macht  sich 
zeitig  auf  den  Weg,  das  Huhn  aber  schläft  bis  zum  Sonnenaufgang 
(Turner,  Samoa  1884  p.  217).  Ebenso  verläuft  in  einer  Fabel  der 
Odjib wa-Indianer  bei  Schoolcraft,  Algic  researches  p.  181  der 
Wettlauf  der  Schildkröte  und  des  Taubenfalken.  —  In  einer 
holländischen  Erzählung,,  die  im  übrigen  mit  mehreren  unten 
S.  352  aufgezählten  französischen  Fassungen  durch  das  Motiv  des 
geschlossenen  Stadttors  zusammenhängt  (Volkskunde  15,  75  nr.  28 
'Van  den  kikvorsch  en  de  slak'),  wetten  Frosch  und  Schnecke,  wer 
zuerst  in  die  Stadt  komme;  der  Frosch  hüpft  munter  voran,  findet 
aber,  da  es  schon  Abend  ist,  das  Tor  geschlossen;  die  Schnecke 
kriecht    unverdrossen    hinterher    und  klettert  über  das  Tor  hinüber. 

Unterhaltsamer  als  solche  Verherrlichung  der  Beharrlichkeit 
wirkten  die  Listen,  durch  die  in  den  andern  Formen  der  Fabel  der 
Schwache  den  stärkeren  Gegner  überwindet.  Für  die  zweite  Gruppe, 
in  welcher  die  Hilfe  der  Verwandten  die  Besiegung  des 
schnelleren  Gegners  ermöglicht,  liefert  ein  lateinisches  Gedicht  des 
13.  Jahrh.  von  des  Igels  Wettlauf1)  das  älteste  literarische  Zeugnis. 
Hirsch  und  Igel  bestellen  gemeinsam  ein  Feld,  geraten  aber  bei  der 
Teilung    der    Ernte    in    Streit,    weil    der    Hirsch    den    Acker    nicht 


*)  Aus  dem  Additional  ms.  11619  des  Britischen  Museum  gedruckt 
bei  Wright,  Latin  stories  1842  p.  171  =  Zs.  f.  dt.  Alt.  12,  527  (1865)  = 
Hervieux,  Fabulistes  22,  755  nr.  34.  —  In  einer  hsl.  Lüneburger  Samm- 
lung Versus  proverbiales  v.  J.  1494  steht: 

Ericius  fatur:  supra  omnia  sors  dominatur, 

Festinans  contra  celerem  [1.  cervum]  sumens  cibi  cursum. 

Glück  walt  als  spil,  spricht  man, 

Do  lief  der  ygel  den  berenn  [?]  an. 


344  187.    Der  Hase  und  der  Igel. 

gehörig  gegen  wilde  Tiere  bewacht  hat.  Sie  rufen  den  Eber  als 
Schiedsrichter  an,  und  dieser  fällt  den  Spruch,  wer  die  Flur  am 
schnellsten  durcheile,  dem  solle  der  Acker  gehören.  Als  der  Igel 
jammernd  nach  Hause  kommt,  weiß  seine  Frau  klugen  Rat;  sie  will 
sich  an  dem  andern  Ende  des  Feldes  aufstellen  und  den  Hirsch  zu 
schnellerem  Laufe  reizen ;  wenn  der  Igel  das  gleiche  tue,  werde  der 
Hirsch  verwirrt  den  Kampf  aufgeben.  Und  wie  die  Igelin  geraten, 
geschieht  es. 

1  Cervas  et  hericius  agram  consevere, 
quem  cum  seges  creverat,  vastaverunt  ferae. 
super  hoc  consilium  simul  iniere, 

quis  custodiret  agrum,  sortemque  dedere. 

2  cervus,  custos  segetis  primo  deputatus, 
hanc  cum  feris  reliquis  est  depopulatus. 
quod  cum  suus  socius  fuit  perscrutatus, 
rem  tulit  indigne,  damnum  portare  gravatus. 

3  'cerve  frater',  retulit,  'tu  nos  ambos  prodis. 
ego  te  solertior  Omnibus  sum  modis, 

en  minus  sollicite  rem  nostram  custodis, 
irasci  dum  tu  vicinis  pluribus  odis. 

4  si  placet,  custodia  mihi  deputetur, 

ne  pars  haec,  quae  remanet,  feris  devoretur. 

si  mihi  vis  credere,  cum  fructu  metetur.' 

'hoc  tibi,'  cervus  ait,  'pacto  non  cura  negetur.' 

5  custos  agri  pervigil  circuit  attente, 
perterrendo  bestias  buccina  clangeute, 
hinc  maturae  tempore  messis  imminente 
campum  partiri  studnit  cervoque  monente. 

6  tota  die  pertica  illum  metientes 

non  secum  conveniunt,  sed  sunt  dissidentes, 
confüctu  non  impari  mane  concurrentes, 
partibus  imparibus,  sibi  non  sunt  convenientes. 

7  aprum  die  tertio  cervus  secum  duxit, 
formam  litis  initae  prndenter  instruxit, 

ut  litem  dirimeret,  iudicem  conduxit, 
nam  nimis  ecce  diu  litis  discordia  fluxit. 

8  aper,  sagax  arbiter,  partes  convocavit. 
'stabitis  iudicio  vos  meo?'  rogavit. 

illis  concedentibus  diem  protelavit, 

nam  nox  instabat:  sie  ad  sua  quisque  meavit. 


187.    Der  Hase  und  der  Igel.  345 

9  mane  facta  siquidem  lis  est  renovata. 

ab  apro  sententia  fertur  promulgata: 
'haec  perfecta  semper  sit  agri  dominata, 
quae  citius  sepis  poterit  percurrere  prata.' 

10  'heu  me,'  fit  hericius,  'non  est  [tibi]  curae 
de  cervi  longissimo  et  de  meo  crure. 

hoc  est  impossibile,  contra  ius  naturae, 
ut  mibi  proveniat  illo  victoria  iure.' 

11  in  hunc  modum  queritans  flens  domum  perrexit. 
quem  ut  sua  mulier  dolentem  conspexit, 

quaerere  quid  boc[ce]  sit,  minime  neglexit: 
ille  rei  seriem  fido  sermone  retexit. 

12  tunc  ait  hericia  veritate  scita: 
'notum  tibi  satis  est,  quod  nos  sumus  ita 
conformes  et  similes  in  bac  ambo  vita, 
ut  meus  discernat  inter  nos  nulla  perita. 

13  igitur  consilium  sanum  tibi  dabo, 
vobis  simul  stantibus  ego  contra  stabo; 
cum  ad  me  cucurrerit,  tunc  ego  clamabo 
'perveni  citius ;  ex  hoc  tibi  prata  negabo.' 

14  hoc  idem  tu  facies,  donec  sit  confusus 
et  recedat  penitus  lassus  et  illusus.' 

hoc  artis  ingenio  cervus  est  conclusus, 
contra  spem  misero  fructus  conceditur  usus. 

15  igitur  a  simili  deus,  rector  poli, 
superbos  humiliat,  mites  iubet  coli; 
et  quia  non  omnia  praestat  uni  soli, 
corporis  exigui  vires  contemnere  noli! 

16  hoc  designat  fabula,  qaod  modo  narravit, 
uni  quod  omnipotens  cuncta  non  donavit, 

sed  ex  parte  erigit,  quos  ex  parte  stravit. 
consilio  pollet,  cui  vim  natura  negavit. 

Den  Eingang  dieser  Erzählung,  den  gemeinsamen  Ackerbau 
beider  Tiere  und  den  Streit  bei  der  Ernteteilung,  treffen  wir  auch 
in  der  unten  bei  Besprechung  der  dritten  Gruppe  anzuführenden 
armenischen  Fabel  des  13.  Jahrh.  wieder  an.  Daraus  haben  A.Weber 
(Indische  Studien  3,  23.  39.  1855)  und  Dähnhardt  (Natursagen  4, 
86 — 90)  auf  gemeinsamen  Ursprung  aus  byzantinischer  Überlieferung 
geschlossen ;  Dähnhardt  verweist  dazu  noch  auf  die  beiden  alt- 
griechischen Fabeln  von  der  Schlauheit  des  Igels,  der  durch  Sich- 
totstellen   sein    Leben    rettet    (oben   2,  120),  während  der  prahlende 


346  187.    Der  Hase  und  der  Igel. 

Fuchs  umkommt,  und  ein  andermal  die  Schlange,  bei  der  er  zu  Gast 
ist,  aus  ihrer  Behausung  verdrängt  (Oesterley  zu  Kirchhof,  Wend- 
unmut 7,  nr.  74.  Wossidlo  2,  357  nr.  209).  Ihm  war  entgangen, 
daß  schon  1879  0.  Crusius  (De  Babrii  aetate.  Leipziger  Studien  zur 
klassischen  Philologie  2,  222)  auf  ein  antikes  Zeugnis  für  die  Fabel 
aufmerksam  gemacht  hatte.  Eine  schwarzfigurige  Vase  des  5.  Jahrh. 
vor  Chr.,1)  die  als  Hauptbild  den  bärtigen  Dionysos  mit  seinem 
Gefolge  von  Silenen  enthält,  zeigt  auf  der  Rückseite  ein  reiches 
Palmettenornament,  umgeben  von  zwei  auf  Kranichen  reitenden 
keulenschwingenden  Pygmäen,  darunter  einen  Igel,  einen  Hasen  und 
einen  zweiten  Igel,  welche  sämtlich  nach  rechts  auf  einen  Fuchs 
zulaufen,  der  den  Kopf  zurückwendend  die  rechte  Vorderpfote  hebt. 
Man  wird  die  Vermutung  nicht  für  zu  kühn  halten,  daß  hier  der 
Wettlauf  des  Hasen  mit  einem  Igel  dargestellt  ist,  der  vorher  einen 
Genossen  auf  der  Wegstrecke  aufgestellt  hat;  der  Fuchs  scheint  als 
Kampfrichter  dabeizustehen.2)  Daß  uns  eine  literarische  Nachricht 
von  dieser  Fabel  mangelt,  darf  bei  der  lückenhaften  und  zufälligen 
Überlieferung  der  griechischen  Tiermärchen  nicht  Wunder  nehmen 
(Hausrath,  Neue  Jahrbücher  f.  d.  klass.  Altertum  1,  305). 

Zu  den  oben  auf  Wilhelm  Schröder  zurückgeführten  Erzählungen 
gesellen  sich  die  mecklenburgischen  Redensarten  bei  Wossidlo  2,  32 
nr.  172  und  212 :  'Ok  all  wedder  dor,  säd  de  Voß  to'n  Swinägel,  dor 
lepen  se  Weddbahn'  oder  'Dat  kümmt  up'n  Versöök  an,  säd  de 
Swinägel  to'n  Hasen';  ferner  in  dem  oben  1,  424  angezogenen  pader- 
börnischen    Märchen    vom    Bären    und    Fuchs.     —    Schwedisch: 


x)  E.  Gerhard,  Auserlesene  griechische  Vasenbilder  4,  89  Taf. 
317 — 318,  4;  vgl.  S.  Reinach,  Repertoire  de  vases  peints  2,  156. 

2)  Allerdings  wird  diese  Deutung  von  neueren  Archäologen  be- 
stritten, die  hier  nur  'raumfüllende  Tiergebilde'  erkennen  (Waser  in 
Roschers  Mytholog.  Lexicon  3,  3300).  Die  sog.  Northampton-Vase  gehört 
nämlich,  worauf  Carl  Robert  brieflich  aufmerksam  macht,  zu  einer  Gruppe 
kleinasiatischer  Tongefäße  (aus  Klazomenä?),  auf  denen  ähnliche  Tier- 
figuren in  Verbindung  mit  Ornamenten  wie  auf  den  älteren  Fikellura- 
Vasen  vorkommen  (Boehlau,  Aus  ionischen  Nekropolen  1898  S.  52. 
Endt,  Beiträge  zur  ionischen  Vasenmalerei  1899  S.  21.  Zahn,  Berliner 
philol.  Wochenschrift  1902,  1261.  Sieveking  und  Hackl,  Vasensammlung 
zu  München  1,  62.  1912).  Der  Fuchs  gleicht  z.  B.  dem  Hunde  bei  Sieve- 
king 1,  59  Abb.  69;  zwei  springende  Hasen  r.  und  1.  von  einer  Palmette 
ebd.  1,  62  Abb.  73.  Aber  gerade  auf  unserm  Bilde  fehlt  die  dort  übliche 
symmetrische  Anordnung. 


187.    Der  Hase  und  der  Igel.  347 

*Hembygden  1910,  215  (Hase  und  Igel).  Hackmans  Register  nr. 
275.  —  Englisch  aus  Northamptonshire :  T.  Sternberg  in  Notes 
and  Queries  3,  3.  1851  und  5,  364.  1852  (ganz  wie  in  der  Grimm- 
schen Fassung,  nur  läuft  statt  des  Hasen  der  Fuchs).  —  Franzö- 
sisch: Rolland,  Faune  pop.  3,  61  (Fuchs  und  Kröte  streiten  um  den 
Ertrag  des  gemeinsam  bearbeiteten  Ackers);  vgl.  Sebillot,  Folklore 
3,  299.  Rolland  3.  208.  Souche,  Proverbes,  traditions  et  conjurations 
(Bull,  de  la  soc.  de  statistique  des  Deux-Sevres  1882)  p.  19.  Revue 
des  trad.  pop.  6,  314  'Pourquoi  le  lievre  a  la  babine  fendue'  (Hase 
und  Schnecke).  6,  315  (Fuchs  und  Reh).  Sebillot,  Litt,  orale  de  la 
Haute-Bretagne  p.  237  (Fuchs  und  Schnecke);  gereimt  bei  Sebillot, 
La  Bretagne  enchantee  1900  p.  251  nr.  70  'Le  colimacon  et  le  renard'. 
—  Italienisch:  Archivio  24,  81  nr.  1  (Hase  und  Frosch).  —  Mal- 
tesisch: Stumme  S.  86  nr.  33  'Der  Schakal  und  der  Igel'  (bei  der 
Teilung  der  geernteten  Rüben  und  des  Weizens  übervorteilt  der 
Igel  den  Schakal,  wie  unten  in  nr.  189  der  Bauer  den  Teufel,  und 
stellt  bei  dem  vom  Schiedsrichter  angeordneten  Wettlaufe  seine  drei 
Brüder  am  Wege  von  der  Tenne  zum  Berge  auf).  —  Serbo- 
kroatisch: Valjavec  S.  287  nr.  72  (der  Igel  kugelt  sich  hinunter, 
das  Reh  zerschmettert  sich  den  Kopf  an  einem  Baum).  —  Polnisch: 
Sumcov,  Etnogr.  Obozr.  3,  nr.  10  S.  81  (Igel  und  Hase).  Zbiör 
wiadom.  11,  37  nr.  3  (Igel  und  Hase)  =  Ciszewski,  Lud 
rolniczo-görniczy  S.  187.  Chelchowski,  Powiesci  2,  97  (Igel  und 
Hase).  —  Kaschubisch:  Lorentz,  Teksty  pomorskie  S.  412 
nr.  528  (Kröte  und  Hase).  S.  37  nr.  76  (Igel  und  Hase).  — 
Slovinzisch:  Lorentz,  Texte  S.  38  nr.  39e  (Kröte  und  Hase).  — 
Kleinrussisch:  Etnogr.  Zbirnyk  37 — 38,  174  nr.  134  (Igel  und 
Hase).  —  Weißrussisch:  Mater,  kom.  jez.  2,  156  nr.  2  (Igel  und 
Hase).  —  Lettisch:  Zivaja  Starina  5,  442  (Igel  und  Hase);  vgl. 
Dähnhardt  4,  71.  —  Finnisch:  Aarnes  Register  nr.  1074  (Hase  und 
Wildschwein).  —  Zigeunerisch:  Wlislocki,  Volksdichtungen  S. 
415  (Schwalbe  und  Frosch  wollen  den  Bach  entlang  fliegen  und 
schwimmen).  —  In  Nordafrika  tritt  wie  in  Malta  ein  Schakal  an 
die  Stelle  des  Hasen,  so  in  Marokko  bei  Quedenfeldt,  Zs.  f.  Ethno- 
logie 18,  682  (1886),  bei  den  Zuaven  in  Algier  nach  Basset,  C. 
berberes  1,  14  nr.  6  'Le  herisson  et  le  chacal'  (Ernteteilung). 
Destaing,  Beni-Snoüs  1,  249  nr.  2.  Mercier,  Chaouia  1896  p.  70  nr. 
15  (Ernteteilung).  Wolf  und  Igel  laufen  um  die  Wette  bei  Stumme, 
Märchen  der  Berber  von  Tamazratt  1900  nr.  19. 


348  187.    Der  Hase  und  der  Igel. 

Im  übrigen  Afrika,  in  Amerika  und.  Asien  fällt  regelmäßig  der 
Schildkröte  die  Rolle  des  schwerfälligen,  aber  schlauen  Helden 
zu,  wie  in  der  äsopischen  Fabel.  Wenn  nach  John  Brinckman 
(Aus  dem  Volk  für  das  Volk  1,  8.  1854;  vgl.  Pröhle,  Feldgarben 
1859  S.  397)  ein  englisches  Fabelbuch  dieselbe  Geschichte  von  einem 
Windspiel  und  einer  Schildkröte  erzählt,  so  geht  diese  Variante 
vermutlich  auf  ein  amerikanisches  oder  asiatisches  Vorbild  zurück. 
Indisch  aus  Ceylon:  Steele,  Kusa  Jätakaya  p.  257  'Cunning  beats 
strength'  (Löwe  und  Schildkröte  wollen  über  einen  Fluß  setzen). 
The  Orientalist  1,  87  (ebenso)  =  Clouston  1,  271.  Parker  1,  241 
nr.  37  'The  lion  and  the  turtle'.  Bompas,  Santal  Paganas  p.  328 
nr.  115  'The  elephant  and  the  ants'.  Aus  einer  Bearbeitung  des 
Pantsch atantra  stammt  die  siamesische  Geschichte  vom  Vogel 
Phaya  Khruth  und  der  Schildkröte,  die  Bastian  (Geographische  Bilder 
1873  S.  287  =  Orient  und  Occident  3,  497;  vgl.  Dähnhardt  4,  63) 
aus  dem  Nonthuk-Pakkaranam  verdeutscht  hat,  und  die  von  Hertel, 
Journal  asiatique  1908,  393  nr.  14  'Garuda  et  les  tortues'  aus  dem 
in  der  Lao- Sprache  verfaßten  Mulla-  Tan  tai  übersetzte.  Im 
chinesischen  Tcia-päo-che-T'ienn-ki  (Journal  asiatique  1881,  2,  541 
=  Aus  fernen  Landen  1,  34.  1903)  ist  es  ein  Rabe,  der  mit  einer 
Schildkröte  wegen  der  Fluß-Überschreitung  wettet.  Annamitisch: 
Globus  81,  304  (Tiger  und  Schildkröte).  92,  33.  Anthropos  1,  82 
(1906)  'Un  sapo  y  un  tigre'.  Malaiisch:  Tijdschrift  voor  ind. 
taalkunde  37,  39.  133  (1894.  Zwerghirsch  und  Wasserschnecke)  — 
Bezemer,  Volksdichtung  S.  20.  Bijdragen  tot  de  taalkunde  van 
Nederlandsch  lndie  45,  222  nr.  12—14  =  Globus  67,  387  (Eisvogel  und 
Seeschnecke;  Strandläufer  oder  Hirsch  und  Seeschnecke).  Skeat, 
Eastern  forest  p.  33  (Seidenschwanz  und  Wasserschnecke).  Fidschi- 
Inseln:  The  Orientalist  1,  88  (Kranich  und  Taschenkrebs  =  Clouston 

1,  267.  —  Berberisch  bei  den  Schaui:  Mercier,  Le  Chaouia  1896 
p.  45  nr.  8  (Hase  und  Schildkröte).  Kabylisch  aus  Algier: 
Tradition  20,  270  (Schakal  und  Schildkröte).  Wadschagga  in 
Ostafrika:  Gutmann,  Volksbuch  der  Wadschagga  S.  208  nr.  153 
(Antilope  und  Schildkröte).     Wakonde:   Mitt.  des  Orient.  Seminars 

2,  3,  82  =  Dähnhardt  4,  51  =  Basset,  C.  d'Afrique  p.  277  (Elefant 
und  Schildkröte).  Soubiya:  Jacottet,  Etudes  sur  les  langues  du 
Haut-Zambeze  2,  40  nr.  10  (1899.  Gazelle  und  Schildkröte).  Gaca 
bei  Lourenzo-Marques :  Revue  des  trad.  pop.  10,  390  (Hase  und 
Schildkröte).     Madagaskar:    Renel    2,    150    nr.    98    (Wildschwein 


187.    Der  Hase  und  der  Igel.  349 

ertrinkt  beim  Wettschwimmen  mit  dem  Frosch).  Mossutho  in 
Transvaal :  C.  Hoffmann,  Der  afrikanische  Großvater  1907  S.  27  'Wie 
Schildkröte  des  Königs  Schwiegersohn  ward'  (die  auf  die  Wegstrecke 
verteilten  Eier  der  Schildkröte  antworten  dem  laufenden  Wildbock, 
ähnlich  oben  2,  5271).  Betschuanen:  Ausland  1858,  232  (Stein- 
bock und  Schildkröte).  Hottentotten:  Bleek,  Reineke  Fuchs  S.  25 
(Strauße  und  Schildkröten;  kein  eigentlicher  Wettlauf).  Fang  am 
Kongo:  Bull,  de  la  soc.  Neuchätelloise  de  geographie  16,  216 
r Antilope  und  Schildkröte).  Loango:  Pechuel-Loesche,  Die  Loango- 
Expedition  3,  1,  106  (1907.  Krabbe  und  Schildkröte).  Kamerun: 
B.  Schwarz,  Kamerun  1886  S.  162  (Elefant  und  Schildkröte). 
Meinhof,  M.  aus  Kamerun  S.  47  —  Seidel,  Afrikaner  S.  162.  v.  Held 
1904  S.  99  (Hase  und  Schildkröte).  Lederbogen  S.  40  nr.  18 
(Antilope  und  Schildkröte).  Mansfeld,  Urwald-Dokumente  1908 
S.  224  nr.  3  (ebenso).  —  Aus  Brasilien:  C.  F.  Hartt,  Amazonian 
tortoise  myths  1875  p.  7  =  Herbert  Smith,  Brazil  1879  p.  543  — 
Bolland,  Faune  pop.  3,  3  (Beh  und  Schildkröte).  Couto  de  Magalhäes, 
O  seivagem  1876  1,  185  =  Magalhäes,  Contes  indiens  du  Bresil 
1882  p.  18  =  Zs.  f.  Ethnologie  19  (1887),  341  (Beh  und  Schildkröte) 
=  Anthropos  1,  189  (1906).  Bomero  p.  273  'Jabuti  e  o  veado'. 
J.  de  Santa  Anna-Nery,  Folklore  bresilien  3,  191  (Hirsch  und  Schild- 
kröte). E.  St.  Vraz,  Cesty  svetem  1,  378  (Hirsch  und  Schildkröte; 
aus  Yacita).  Araukanisch  aus  Argentinien :  Zs.  f.  Volkskunde  16, 
160  nr.  3  (Fuchs  und  Frosch)  =  14.  Amerikanisten-Kongreß  S.  686 
(1906).  Bahama:  Edwards,  Bahama  songs  and  stories  1895  p.  69 
(Entstellt.  Seeschildkröte  und  Muschel).  Jamaika:  Jekyll  1907 
p.  39  (Esel  und  Kröte).  Negermärchen  aus  Nordamerika:  Harris, 
Uncle  Bemus  1902  p.  86  nr.  18  (Kaninchen  und  Schildkröte,  Bussard 
Schiedsrichter).  Hartt  1875  p.  12  —  Biverside  Magazine  1868,  Nov. 
(aus  Carolina.  Beh  und  Schildkröte1).  Lippincott's  Magazine  1877, 
751  (Hirsch  und  Schildkröte) ;  vgl.  Crane,  Journal  of  american  folklore 
1,  13.  Ebd.  11,  284  (Beh  und  Schildkröte).  Annuaire  des  trad. 
pop.  2,  61  (1887.  Louisiana.  Brautgewinnung  durch  Wettlauf). 
Cora-Indianer  in  Mexiko;  Preuß,  Nayarit-Expedition  1,  209  nr.  6 
(1912.  Wolf  und  Heuschrecke).  Boas,  Journal  of  am.  folklore  25, 
249  führt  noch  an:  Dorsey,  Traditions  of  the  Caddo  1905  p.  104 
(Coyote  und  Schildkröte)  und  Traditions  of  the  Arikara  1904  p.  143 ; 
Speck,  Algonquin  Indian  tales  p.  246;  The  Jesup  North  Pacific 
Expedition    8,    395    (Teit,    Mythology    of    the    Thompson    Indians); 


350  187.    Der  Hase  und  der  Igel. 

Lumholtz,  Unknown  Mexico  1,  306  (1902.  Frosch  und  Coyote); 
Goddard,  Anthropological  papers  of  the  American  Museum  of  natural 
history  8,  237  (1911.  Frosch  und  Antilope).  Cherokesen:  Mooney, 
Myths  of  the  Cherokee  p.  270  (Kaninchen  und  Schildkröte). 
Kootenay-Indianer  in  Britisch  Columbien :  Am  Urquell  3,  213 
(Reh  und  Frosch).  Zuhi:  Cushing,  Zuni  folk-tales  p.  277  =  Dähn- 
hardt  4,  59  (Mensch  und  Eichhörnchen). 

Diese  Form  unsres  Märchens  wird  in  Schweden  auch  auf 
ein  Mädchen  Tita  Grä  übertragen,  die  sich  verpflichtet,  in  des  Teufels 
Dienst  zu  treten,  wenn  dieser  sie  im  Laufe  überwindet.  Sie  stellt 
ihre  Schwester  Grä  Lora  am  Ziele  auf,  und  der  Teufel  rennt  so  lange 
hin  und  wieder  zurück,  bis  er  sich  die  Beine  bis  zum  Knie  abgelaufen 
hat  (Henriksson,  Plägseder  och  skrock  1889  S.  58;  ähnlich  Bondeson, 
Historiegubbar  1886  S.  109.  Hackmans  Register  nr.  1074).  In 
Finnland  täuscht  der  Bauer  Matti  den  Teufel  ebenso  mit  Hilfe 
seines  Bruders  oder  seiner  Frau  (Dähnhardt  4,  94  nr.  72  a.  Aarnes 
Register  nr.  1074). 

Auf  andre  Weise  wird  in  der  dritten  Gruppe  der  listige 
Fuchs  von  dem  kleinen  Krebs  betrogen.  Das  antike  Sprichwort  für 
einen  ganz  unglaublichen  Vorfall:  KaQXivog  Accyaiöv  aiQEi,  Cancer 
leporem  capit,  Der  Krebs  will  einen  Hasen  erlaufen,1)  das  in  ver- 
schiedenen mittelalterlichen  Lügensprüchen  widerklingt,  erscheint  hier 
in  Handlung  umgesetzt.  Statt  des  Hasen  tritt  aber  der  Fuchs  ein, 
der  durch  seine  Stärke  und  Klugheit  einen  gewichtigeren  Gegner 
abgibt,  und  durch  seinen  langen,  buschigen  Schweif  dem  Krebs  die 
Möglichkeit  bietet,  sich  unbemerkt  anzuhängen.  Als  Vorbild  mag 
auch  die  antike  Fabel  vom  Wettfluge  des  Adlers  und  des  Zaun- 
königs (oben  S.  279)  gedient  haben.    Eine  lateinische  Aufzeichnung 


*)  Diogenian  5,  96  (Paroemiographi  ed.  Leutsch-Schneidewin  1,  269. 
2,  73.  469).  Erasmus,  Adagioram  chiliades  1599  p.  37.  Eyering,  Pro- 
verbiorum copia  2,  447.  —  Vgl.  Erk-Böhme,  Liederhort  nr.  1103,  6: 
'De  krevet  de  dede  den  Hasen  entlopen.'  Reinmar  von  Zweter  ed.  Roethe 
1887  S.  490  nr.  159,  9:  'Ein  crebze  vlouc  mit  einer  tüben  ze  wette,  ein 
phunt  err  an  gewan.'  nr.  160,  6:  'Ein  snegge  wolte  springen  vür  den 
lebart  beidiu  berc  unt  tal.'  Marner  ed.  Strauch  XIV,  180:  'Ein  snegge 
tüsend  klafter  wol  vür  einen  lebart  spranc'  Freidank  139,  19:  'Swer 
lobt  des  snecken  springen,  der  kam  nie,  da  der  lebart  spranc'  Suchen- 
wirt 45,  100:  'Ein  igel  doch  mit  einem  raben  über  meer,  piz  er  gewan.' 
Harrebomee,  Spreekwoordenboek  2,  248:  'De  schildpad  zou  eerder  den 
haas  voorbij  loopen.' 


187.    Der  Hase  und  der  Igel.  351 

steht  in  den  Fabulae  Aesopicae  des  Joachim  Camerarius  1570  p.  289 
'Vulpes  et  testudo': 

Suscepto  cnrsus  certamine  inter  valpem  et  testudinem,  dicitur 
testudo  se  caudae  vulpinae  implicaisse  et  ita  hanc  a  currente  vulpe 
raptatam  fuisse  ad  locum  praefinitum,  a  quo  cum  proxime  abesset  vulpes, 
respexisse  fertur  et  per  iocum  dixisse,  non  se  putasse  tarn  celerem  esse 
testudinem,  cum  illa  de  cauda  ad  Signum  conversa  arrepere  perrexit  et 
non  animadvertente  vulpecula  illud  tenuit. 

Es  ist  jedoch  ungewiß,  ob  Camerarius  hier  eine  ältere  lateinische 
oder  gar  griechische  Fassung  benutzte  oder  eine  heimische  Fabel  in 
lateinisches  Gewand  kleidete.  Denn  daß  sie  schon  im  13.  Jahrh. 
bekannt  war,  beweist  ein  deutsches  Gedicht,  das  Maßmann 
(ZfdAlt.  1,  393 ;  vgl.  ZfdMythol.  2,  122.  Goedeke,  Mittelalter  S.  637  b) 
aus  einer  Wiener  Hs.  bekannt  gemacht  hat;  dieses  erzählt,  wie 
der  Fuchs  den  Krebs  im  Grase  liegen  sieht  und  seines  langsamen 
Ganges  spottet:  'Wann  wollt  Ihr  über  die  Wiese  kommen?  Ihr  könnt 
besser  rückwärts  als  vorwärts  gehen.'  Der  Krebs  antwortet  stolz,  er 
könne  besser  als  die  Götter  laufen,  und  bietet  ihm  einen  Wettlauf 
von  einer  Meile  an,  von  Lune  bis  Toskan.  Der  Fuchs  willigt  ein, 
und  es  wird  ein  Pfand  gesetzt.  Der  Krebs  will  etwas  voraus  geben 
und  hinter  dem  Fuchs  laufen.  Dieser  kehrt  ihm  also  den  Hinterteil 
zu,  und  der  Krebs  packt  seinen  Gegner,  ohne  daß  dieser  es  merkt, 
mit  der  Schere  an  den  Schwanz.  Der  Fuchs  läuft,  was  er  kann,  und 
als  er  am  Ziel  angelangt  ist,  kehrt  er  sich  um  und  ruft:  'Wo  ist 
nun  der  Krebs?'  Dieser,  der  vor  ihm  steht,  antwortet:  'Da  bin  ich, 
wie  seid  Ihr  so  langsam  gelaufen!'  Damit  hat  der  Fuchs  die  Wette 
verloren.  Auch  Fischart  erinnert  im  Ehezuchtbüchlein  (Werke  3, 
162,  23  ed.  Hauffen)  mitten  in  der  Fabel  vom  Hasen  und  der  Schild- 
kröte an  diese  Fassung;  der  Hase  sagt: 

Gut  ists,  das  ich  nickt  wie  der  Fuchs 
Hab  einen  Schwanz,  du  wirsts  sonst  flugs 
Dich  wie  der  Krebs  auch  bengen  dran, 
Das  ich  dich  zum  Zil  schlenckert  dan. 

Wenig  abweichend  ist  eine  märkische  Sage  bei  Kuhn  1843  S.  243 
=  Schwartz,  Sagen  aus  Brandenburg  S.  180  nr.  121  —  Gander 
nr.  324 ;  nur  der  Schluß  wird  etwas  verschieden  erzählt.  Der  Krebs, 
als  sie  dem  Ziele  nahe  sind,  kneipt  den  Fuchs  in  den  Schwanz,  so 
daß  dieser  wütend  um  sich  schlägt  und  jener  an  das  Ziel  geschleudert 


352  187.    Der  Hase  und  der  Igel. 

wird,  der  jetzt  als  Sieger  'Krebs  juchhe'  schreit.  An  der  Stelle 
ward  nachmals  ein  Dorf  gebaut,  das  den  Namen  Krebsjuchhe  erhielt, 
woraus  späterhin  Krebsjauche  entstanden  ist.  In  einer  p  o  mm  er- 
sehe n  Passung  (Bl.  f.  pomm.  Vk.  3,  65  'Fuchs  und  Krebs')  zahlt  der 
Fuchs,  nachdem  der  Lauf  mehrmals  mit  gleichem  Ausgange  wiederholt 
ist,  in  der  Schenke  zwei  Quart  Schnaps  als  Preis  der  Wette.  Auf 
dem  Heimwege  offenbart  der  redselig  gewordene  Krebs  seine  List, 
der  Fuchs  will  ihm  das  Genick  umdrehen,  aber  der  Krebs  springt  in 
den  nahen  Teich.  Siebenbürgisch:  Kbl.  des  V.  f.  siebenbürg. 
Landeskunde  17,  111  (1894)  'Wie  der  Krebs  den  Fuchs  überlistet'. 
Ein  ungedrucktes  Gedicht  von  G.  Thiele  'Krebs  und  Füchslein' 
(um  1850)  im  Berliner  Ms.  germ.  oct.  316,  3,  Bl.  3  a.  In  einer 
zweiten  pommerschen  Variante  (Bl.  f.  pomm.  Vk.  9,  38  =  Brunk, 
Garzigar  S.  6  'Foß  un  Schwinegel')  hängt  sich  ein  Igel,  in  einer 
Schweizer  (J.  Merz,  Der  poetische  Appenzeller  1828  —  Sutermeister 
nr.  60),  Tiroler  (Zs.  f.  Volks k.  10,  58)  und  Siebenbürger  (Haltrich, 
Vm.  nr.  112  =  Haltrich,  Zur  Volkskunde  1885  S.  56  nr.  19  und 
S.  510)  eine  Schnecke  an  den  Schwanz  des  Fuchses.  —  Schwedisch: 
Allardt,  Nyländska  folkseder  1889  S.  100  =  Dähnhardt  4,  94  nr.72b 
(Fuchs  und  Pferd).  —  Norwegisch:  Nicolaissen  1889  S.  52  (Fuchs 
und  Krebs).  —  Französisch:  Kolland,  Faune  pop.  3,  208  (Fuchs 
und  Schnecke).  Sauve  p.  319  (Fuchs  und  Schnecke).  Bei  Clement- 
Jannin,  Sobriquets  de  la  Cöte  d'Or  1,  55.  2,  88  =  Tradition  20,  273 
=  Kolland  3,  208;  vgl.  Sebillot,  FL.  3,  338  wetten  Wolf  und 
Schnecke,  wer  zuerst  in  Dijon  sein  werde ;  als  der  Wolf  vor  das 
Stadttor  kommt,  ist  dieses  geschlossen;  die  Schnecke  läßt  sich  von 
seinem  Schwänze  herunterfallen,  kriecht  unterm  Tor  durch  die  Mauer 
hinauf  und  ruft  von  oben:  'Wo  bleibst  du,  ich  warte  schon  lange.' 
Ebenso  Wallonia  6,  48  (Fuchs  und  Schnecke  vor  Lüttich).  — 
Italienisch:  A.  Cornazano,  Proverbii  in  facetie  1518  nr.  8,  ver- 
deutscht von  Wesselski  1906  S.  75  (Fuchs  und  Krebs.  'Du  kannst 
ja  ein  guter  Läufer  sein,  aber  du  siehst  nicht  danach  aus').  Nerucci, 
Cincelle  da  bambini  p.  8  =  Imbriani,  Nov.  fiorentina  1877  p.  613 
nr.  49  'Far'e  patti'  =  Marc  Monnier  p.  233  (Wolf  und  Krebs).  — 
Griechisch:  Georgeakis-Pineau  p.  95  'Le  renard  et  le  crabe'  (Fuchs 
und  Krebs  streiten  bei  der  Teilung  des  gemeinsam  gemähten  und 
gedroschenen  Getreides).  —  Serbokroatisch  aus  Bosnien:  Zs.  f. 
Ethnologie  20  (1888),  *121.  Krauß,  Am  Urquell  3,  214  (Fuchs  und 
Krebs).    —    Cechisch    aus    Mähren:    hsl.  Sammlung    des   Ed.  Peck 


187.    Der  Hase  und  der  Igel.  353 

nr.  24.  —  Wendisch  bei  Haupt-Schmaler,  Volkslieder  2,  160  = 
Haupt,  Sagenbuch  der  Lausitz  2,  222  nr.  321.  Der  Fuchs  kommt 
zu  einem  Teich  und  will  trinken.  Ein  Frosch  quakt  ihn  an,  und 
der  Fuchs  droht:  'Geh  weg,  oder  ich  verschlinge  dich.'  'Nicht  so 
hochmütig,'  erwidert  der  Frosch,  'ich  bin  hurtiger  als  du'.  Der 
Fuchs  lacht  ihn  aus  und  spricht:  'Wir  wollen  in  die  Stadt  laufen, 
da  wird  es  sich  zeigen.'  Der  Fuchs  kehrt  sich  um,  und  der  Frosch 
springt  in  seinen  Schwanz.  Reinhart  fängt  nun  an  zu  laufen ;  als  er 
nahe  beim  Tor  ist,  dreht  er  sich  um  und  will  sehen,  ob  der  Frosch 
nachkomme;  in  dem  Augenblick  springt  dieser  von  dem  Schwanz 
herab  und  in  das  Tor  hinein.  Als  der  Fuchs  sich  wieder  umgekehrt 
hat  und  in  das  Tor  kommt,  sitzt  der  Frosch  schon  am  Ziel  und  ruft 
ihm  zu:  'Bist  du  endlich  da?  Ich  bin  schon  auf  dem  Heimweg  und 
dachte,  du  würdest  gar  nicht  kommen'.  =  Nawuka,  Serbske  nar.  baje 
S.  71  nr.  7  (Fuchs  und  Frosch).  —  Kleinrussisch:  Etnogr.  Zbirnyk 
37—38,  479  nr.  369.  370  (Fuchs  und  Krebs).  J.  Franko,  Als  noch  die 
Tiere  sprachen  S.  13  nr.  4.  —  Großrussisch  aus  Gouv.  Tambov:  Afa- 
nasjev  3  1,  25  nr.  15  =  Gubernatis,  Die  Tiere  S.  613  =  Gerber  1891  nr.  22 
(Fuchs  und  Krebs).  — ■  Weißrussisch:  Federowski  2,  1,  31  =  Dähn- 
hardt  3,  84  (Löwe  und  Dorn).  Mater,  kom.  je^zyk.  2,  156  nr.  2.  — 
Litauisch:  Veckenstedt,  Zamaiten  2,  174  (Fuchs  und  Krebs).  — 
Lettisch:  Ziv.  Starina  5,  442  (Igel  und  Hase).  —  Finnisch:  K. 
Krohn  1,  388  (Fuchs  und  Krebs);  vgl.  Aarnes  Register  nr.  275  und 
Dähnhardt  4,  81.  —  Zigeunerisch  aus  Ungarn:  Wlislocki,  Volks- 
dichtungen 1890  S.  411  'Der  Fuchs  und  der  Krebs'.  —  Armenisch: 
in  den  Wartan  (f  1271)  zugeschriebenen  Fabeln  (Choix  de  fables  de 
Vartan  par  J.  Saint-Martin  1825  p.  15  nr.  8)  und  bei  Olympianos  nr.  22 
(W.  Roths  Leben  1862  S.  76)  streiten  Fuchs  und  Krebs  wie  im  griechi- 
schen Märchen  über  das  Korn,  das  sie  zusammen  gesät  und  eingeerntet 
haben.  —  Ebenso  in  der  neuaramäischen  Fassung  bei  Lidzbarski 
S.  91  nr.  9 :  auf  des  Fuchses  Vorschlag  wird  das  ausgedroschene 
Stroh  auf  die  eine  Seite  der  Tenne  gelegt  und  die  Körner  auf  die 
andre;  und  der  Haufen,  zu  dem  ein  jeder  zuerst  gelangt,  soll  ihm 
zufallen;  natürlich  bekommt  der  Krebs  das  Getreide.  —  Indisch 
in  der  Chiru-Sprache :  Grierson  3,  3,  233  (Tiger  und  Schnecke).  — 
In  zwei  anamitischen  Erzählungen  (A.  des  Michels,-  Contes 
plaisants  p.  47  und  Bull,  de  l'ecole  franc.  d'Extreme-Orient  1901  = 
Globus  81,  302)  hängt  sich  die  Kröte  beim  Wettlauf  mit  dem  Tiger, 
in  einem  Märchen  der  Ainos  (Chamberlain  p.  18)    sogar   der  Fuchs 

Grimm,  Märchen-Anmerkungen  TIL  23 


354  187.    Der  Hase  und  der  Igel. 

an  den  Schwanz  des  Tigers.  Noch  entfernter  steht  eine  Variante 
aus  den  Fidschi-Inseln  (The  Orientalist  1,  88  =  Clouston  1,  268); 
hier  setzt  sich  bei  einem  Wettfluge  von  Schmetterling  und  Kranich 
der  Schmetterling  auf  des  Vogels  Rücken  und  flattert,  sobald  der 
Kranich  sich  langsamer  fortbewegt,  voran  und  ruft  'Hier  bin  ich', 
bis  der  Vogel  vor  Ermattung  stirbt.  —  Mauritius:  Baissac,  Les 
contes  pop.  creoles  de  l'ile  Maurice  1885  (Hase  und  Schnecke. 
Schuchardt,  Litbl.  f.  germ.  Phil.  1885,  417).  In  den  Fassungen  aus 
Madagaskar  (Sibree,  Folk-lore  Journal  2,  79.  166.  Bull,  de 
corresp.  africaine  2,  180.  Kenel  2,  229  nr.  129  und  296  nr.  148) 
springt  einmal  der  Frosch,  das  andremal  das  träge  Chamäleon  dem 
Wildschwein  auf  den  Hals  und  gewinnt  so  den  Preis.  Bei  den 
Mambettu  nordöstlich  vom  Albert-Nyanza  (Casati,  Zehn  Jahre  in 
Äquatoria  1,  154)  steigt  das  Chamäleon  auf  den  Schwanz  des 
Elefanten,  stellt  aber  außerdem  (wie  in  der  zweiten  Gruppe  unsres 
Märchens)  viele  seiner  Brüder  am  Wege  entlang  auf.  Bei  denYao 
am  Nyassa  (Ferstl,  Mitt.  des  Seminars  f.  oriental.  Sprachen  3,  3,  102 
=  Held  S.  132  =  Basset,  C.  d'Afrique  p.  283)  klettert  die  Schild- 
kröte unbemerkt  auf  den  Rücken  des  Löwen  und  gewinnt  die  vier 
ausgesetzten  Elfenbeinzähne.  Bei  dem  Ga-Stamme  an  der  Gold- 
küste (Globus  93,  32.  1908)  wollen  die  Tiere  des  Waldes  den  zum 
Könige  machen,  der  im  Wettlaufe  siegt;  der  Elefant  langt  zuerst  am 
Ziel  an  und  will  sich  auf  den  Thron  setzen,  da  ruft  der  Zwerghirsch, 
der  sich  an  seinen  Schwanz  angeklammert  hat :  'Zerdrück  mich  nicht ; 
siehst  du  nicht,  daß  ich  hier  schon  sitze?'  Ähnlich  aus  Togo  vom 
Hund  und  Chamäleon  bei  Schönhärl  S.  77  nr.  24.  Schönhärl  S.  76 
nr.  23:  Fuchs  und  Krabbe.  Suaheli:  Mendner  1915  S.  31  nr.  21 
(Hund  und  Chamäleon).  —  Brasilianisch:  Hartt,  Amazonian  tortoise 
myths  p.  11.  Archivos  do  Museo  nacional  de  Rio  Janeiro  6,  137. 
1885 ;  vgl.  Andree,  Zs.  f.  Ethnologie  19  (1887)  S.  340.  674  (Reh  und 
Holzzecke).  E.  Nordenskiöld,  Indianerleben  1912  S.  292  (Strauß  und 
Zecke).  Araukanisch:  R.  Lenz  1896  S.  44  nr.  10  (Fuchs  und 
Bremse)  =  Lenz,  Introduccion  a  los  estudios  araucanos  1896 — 97 
p.  187.   314. 

Auf  ein  Wettschwimmen  zweier  Fische  übertragen  erscheint 
das  Märchen  in  Finnland.  Schwedisch  bei  Aberg  S.  223  nr.  197  und 
in  Hackmans  Register  nr.  250  (der  Kaulbars  hält  sich  am  Schwänze 
des  Hechts  fest);  finnisch  bei  Krohn  1,  430  =  Schreck  S.  238  nr.  12 
(Lachs    und    Kaulbars)    und    Aarnes   Register  nr.  250:    lappisch    bei 


1S3.    Spindel  usw.  —  189.    Der  Bauer  und  der  Teufel.  355 

Friis  nr.  2  =  Poestion  nr.  4  (Lachs  und  Meerbarsch);  lettisch  bei 
Lerchis-Puschkaitis  5,  59  nr.  2  =  Zivaja  Starina  5,  443;  vgl. 
Dähnhardt  4,  92.  Über  das  gleichartige  Wett fliegen  von  Adler 
und  Zaunkönig  vgl.  oben  S.  278. 

Entfernter  steht  die  von  W.  Grimm  angezogene  Fabel  von  dem 
aus  dem  Netze  springenden  Hecht,  der  den  rückwärts  kriechenden 
Krebs  verlacht  (Waldis,  Esopus  4,  nr.  79),  die  afrikanische  von  der 
Ratte  und  der  Kröte,  die  zwischen  den  Menschen  umherläuft,  weil 
sie  niemand  ihrer  Bitterkeit  wegen  anrühren  mag  (Koelle  p.  174  nr.  8 
=  Bleek  S  151  nr.  29),  und  die  bei  Dähnhardt  4,  93  genannten 
Wettstreite  von  Schnecke  und  Maikäfer  (Bl.  f.  pomm.  Vk.  3,  44),  von 
Hase  und  Erde  (Casati,  Zehn  Jahre  in  Äquatoria  1,  309)  und  von 
Elefant  und  Affe  (J.  L.  Wilson,  Western  Africa  1856  p.  382).  —  Eine 
seltsame  astrale  Deutung  unsres  Märchens  trägt  K.  von  den  Steinen, 
Zs.  f.  Volksk.  25,  260  'Orpheus,  der  Mond  und  Swinegel'  vor. 


188.   Spindel,  Weberschiffchen  und  Nadel,     issest 


259. 


1843  nr.  188. —  Nach  Aurbachers  Büchlein  für  die  Jugend 
1834  S.  160 — 166  'Die  Patengeschenke'.  Vgl.  Hamann,  Die  literarischen 
Vorlagen  1906  S.  96. 

Der  Königssohn  will  das  Mädchen  heiraten,  das  zugleich  das 
ärmste  und  das  reichste  ist.  Da  erweisen  Spindel,  Weberschiffchen 
und  Nadel  sich  der  Fleißigen  wie  gute  Geister  dankbar  und  führen 
ihr  das  Glück  zu.  —  Eine  geistliche  Ausdeutung  auf  die  Passion 
Christi  gibt  die  andächtige  Nähterin  ihrer  Elle,  Nadel,  Schere  und 
andern  Werkzeugen  in  dem  Liede  bei  Ditfurth,  Fränkische  Volks- 
lieder 2,  248  nr.  325  (1855)  und  im  Volksliederbuch  für  Männer- 
chor 1907  nr.  106. 


189.    Der  Bauer  und  der  Teufel. 

1843  nr.  189.  —  Nach  Aurbachers  Büchlein  für  die  Jugend 
1834  S.  249—251  'Der  Teufel  und  der  Bauer';  vgl.  Hamann,  Die 
literarischen  Vorlagen  1906  S.  97.  Ausgelassen  ist  ein  schlecht  er- 
dachter Schluß,  wonach  der  Teufel  und  der  Bauer  versuchen,  wer 
am  meisten  Hitze  aushalten  kann. 

23* 


1856   S.  259. 


356  189.    Der  Bauer  und  der  Teufel. 

In  einem  Nürnberger  Bildergedicht  aus  der  zweiten  Hälfte  des 
17.  Jahrhunderts  'Wunderliche  Zeitung  von  dem  neuen  Wunder- 
Krieg  und  erlangten  Weiber-Sieg'1)  wird  der  bei  der  Rüben-  und 
Kornernte  geprellte  Teufel,  als  er  rachsüchtig  wiederkommt,  von 
dem  bösen  Weibe  des  Bauern  mit  Rockenstiel  und  Ofengabel  in 
die  Flucht  gejagt.  Dagegen  verknüpft  die  folgende  Erzählung  'Wie 
ein  Bauer  den  Teuffei  betrog'  (Mancherley  artige  annehmliche  Hi- 
storien und  Geschichte,  oder  Zeit-Verkürtzer,  Augspurg  1675,  Bl.  B6a. 
Berlin  Yt  9641)  unser  Märchen  mit  der  schon  bei  Rabelais  ihm  an- 
gehängten Kratzwette,  bei  der  die  listige  Bäurin  dem  Teufel 
Angst  vor  der  Stärke  ihres  Mannes  einzuflößen  weiß : 2) 

Ein  Bauer  und  der  Teuffei  hatten  allebeyde  ein  Stück  Landes  zu- 
sammen, welches  der  Bauer  besäen  muste.  Auff  eine  Zeit  kam  der 
Teuffei  und  sagte,  sie  wolten  darumb  werffen,  wer  die  höchste  Augen 
hette,  der  solte  erwehlen,  von  dem,  was  gesäet  würde,  zunehmen  oben  oder 
in  der  Erden.  Sie  warffen,  und  warff  der  Teuffei  12  Augen,  gewan  also 
dieß  Jahr  und  forderte,  was  über  der  Erde.  Der  Bauer  noch  schlimmer, 
säet  lauter  Gelbe  Rüben,  gab  also  dem  Teuffei  das  Kraut,  und  er  behielt 
also  das  beste.  Das  ander  Jahr  spielten  sie  wieder,  und  gewann  der 
Teuffei  wieder,  forderte  damahls  also  das  unter  der  Erden.  Da  säete  der 
Bauer  Korn,  und  ward  der  Teuf  fei  wieder  betrogen,  welcher  auch  böse 
wurde  und  zum  Bauren  sagte,  er  muste  sich  mit  ihm  kratzen. 

Da  ward  der  arme  Bauer  betrübt.  Dieses  merckte  seine  Frau  und 
fragte,  was  ihm  wäre.  'Ach,'  sagte  der  Bauer,  'was  soll  mir  seyn!  Ich 
soll  mich  mit  dem  Teuffei  kratzen,  und  darumb  ist  mir  so  angst.'  — 
'Ho,  Ho,'  sagte  die  Frau,  'welche  Zeit?'  —  'Nachmittag  Glocke  2,'  sagte 
der  Bauer.  'Gehet  ihr  nur  aus,  ich  will  es  für  euch  abnehmen,'  sprach 
sie.  Und  wie  es  Zwey  schlug,  gieng  sie  an  den  Ort,  wo  das  Kratzen 
solte  angehen,    hub    sich    rings  umbher    auff,    legte    sich  nieder  auff  die 


*)  Abgedruckt  Zs.  f.  Volkskunde  8,  21.  Nach  dem  Druckvermerk 
'bei  Paulus  Fürsten  Wittib  und  Erben'  ist  das  Blatt  zwischen  1667  und 
1696  erschienen  (ebd.  20,  202).  —  Zu  dem  Kampfe  des  bösen  Weibes 
mit  dem  Teufel  vgl.  Bolte,  Zs.  f.  Volkskunde  15,  150;  auch  Brietzmann, 
Die  böse  Frau  1912  S.  193.  199  und  die  Bilder  bei  Diederichs,  Deutsches 
Leben  der  Vergangenheit  1,  nr.  397,  462  und  619. 

2)  Derselbe  Text  steht  auch  in  einem  aus  dem  Holländischen  über- 
setzten Schwankbuche  'Der  Geist  von  Jan  Tambaur,  gedruckt  in  diesem 
itzigen  Jahr'  S.  120  'Ein  Baur  der  den  Teuffei  betrog'  (Berlin  Yt  9901,  3). 
Holländisch:  De  geest  van  Jan  Tamboer  1,  138  'Van  een  Boer  die  de 
Duyvel  bedroogh'  (Amsterdam  1664.  Eine  Ausgabe  von  1656  verzeichnet 
Graesse,  Tresor  de  livres  rares  3,  450a). 


189.    Der  Bauer  und  der  Teufel.  357 

Erde  und  ließ  beyde  Casteel  fein  von  ander  stehen.  Da  kam  der  Teuffei 
und  rieff:  'Herausser,  Bauer,  heraus!'  —  'Ja,'  antwortete  des  Bauern 
seine  Frau,  'der  Schelm  ist  wieder  nach  dem  Schmid  und  lasset  sich  die 
Nägel  schärffen.  Er  hat  mir  mit  seinen  kleinen  Fingern  solche  zwey 
Biß  gemachet,  die  nimmermehr  zu  heylen  stehen.'  —  'So  habe  ich  nichts 
mit  ihm  zu  thun',  sagte  der  Teuffei  und  schied  davon. 

Andre  Fassungen  setzen  an  die  Stelle  des  pfiffigen  Bauern 
(Zigeuners)  einen  Heiligen  (Petrus,  Johannes,  Martin,  Crispin, 
Michael,  Sabbas)  und  an  die  des  geprellten  Teufels  einen  Berggeist 
oder  einen  Bären,  ja  einige  verwandeln  die  Erzählung  in  ein  Tier- 
märchen, dessen  Helden  Fuchs  und  Bär  (Wolf)  oder  Ziege  und 
Wolf  oder  Igel  und  Schakal  (Wolf)  sind.  Daß  dies  in  Frankreich, 
Schottland,  Skandinavien,  Finnland  und  Rußland  verbreitete  Tier- 
märchen erst  aus  dem  Schwanke  vom  geprellten  Teufel  hervorge- 
gangen ist,  hat  Krohn1)  dargelegt. 

Aus  der  Schweiz  bei  Jegerlehner,  Oberwallis  S.  232  'Der 
Hofnarr  Makolbus'  (Kartoffeln  und  Korn);  Schweiz.  Archiv  f.  Volksk. 
17,  95  'Teufel  und  Macolvi'  (ebenso)  =  Küffer,  Lenker  Sg.  S.  57. 
Aus  Tirol  bei  Alpenburg,  Alpensagen  nr.  63  'Ein  Zillertaler  be- 
trügt den  Teufel'  (Weizen,  Buben).  Aus  Kärnten  bei  Graber 
nr.  390  'Der  geprellte  Teufel'  (Rüben,  Weizen).  Aus  Sieben- 
bürgen im  Kbl.  f.  siebenbürgische  Landeskunde  9,  58  (1886. 
Zigeuner  und  Teufel).  Aus  der  Eifel  bei  Schmitz  2,  142  'Till 
Eulenspiegel  zu  Dahnen'  (teilt  mit  den  Bauern  Korn  und  Kartoffeln). 
Aus  dem  Amte  Beverstedt  bei  Köster,  Altertümer  der  Herzog- 
tümer Bremen  und  Verden  1856  S.  227  =  v.  Harten  und  Henniger 
2,  85  'Der  dumme  Teufel'  (Rüben,  Weizen).  Aus  Holstein  bei 
Müllenhoff  S.  278  nr.  377  'Die  geteilte  Wette'  =  Merkens,  Was 
sich    das   Volk    erzählt    1,    nr.    103    (Rüben,    Weizen,    Kratzwette).2) 

J)  Krohn,  Bär  nnd  Fuchs  (Journal  de  la  soc.  finno-ougrienne  6. 
1889)  S.  104—111.  Wünsche  (Der  Sagenkreis  vom  geprellten  Teufel  1905 
S.  70 — 79)  bietet  hierzu  nichts  Neues. 

2)  Der  Teufel,  als  er  sich  betrogen  sieht,  droht,  übermorgen  wolle 
er  kommen,  dann  solle  der  Bauer  sich  mit  ihm  kratzen.  Dem  Bauer 
wird  angst;  seine  Frau  aber  spricht  ihm  Mut  ein,  sie  wolle  schon  mit 
dem  Teufel  fertig  werden.  Der  Bauer  geht  fort,  und  als  der  Teufel 
kommt,  sagt  sie  ihm :  'Da  hat  mein  Mann  mit  dem  Nagel  seines  kleinen 
Fingers  diesen  großen  Riß  quer  in  meinen  schönen  eichenen  Tisch  ge- 
macht.' 'Wo  ist  er  denn?'  spricht  der  Teufe).  'Wo  anders  als  beim 
Schmied?  Da  läßt  er  sich  die  Nägel  schärfen.'  Worauf  der  Teufel 
sachte  sich  fortmacht. 


358  189.    Der  Bauer  und  der  Teufel. 

Aus  Pommern  bei  Asmus-Knoop  S.  24  'Der  dumme  Teufel'  (Rog- 
gen, Kartoffeln,  Erbsen;  Stiefel  voll  Geld).  Aus  Posen  bei  Knoop, 
Sagen  aus  Posen  1893  S.  107.  Rogasener  Familienblatt  1912,  51 
'Ein  Bauer  wettet  mit  dem  Teufel'  (Rüben,  Klee).  Aus  Ostpreußen 
bei  Lemke  2,  15  'Auf  die  Hälfte  säen'  (Roggen,  Kartoffeln,  Erbsen ; 
Stiefel  im  Schornstein). 

Niederländisch:  De  geest  von  Jan  Tamboer  1656  (oben  S. 
3562).  Landschoot,  Volksvertelsels  in  het  Meetjesland  1895  nr.  2  'De 
boer  en  de  duivel'  (Korn,  Rüben).  —  Dänisch:  Thiele,  Folkesagn 
1843  2,  240  'En  bonde  narrer  en  trold'  (Rüben,  Korn).  Kristensen, 
Sagn  fra  Jylland  S.  278  nr.  399  'Bonde  og  bjsergmand  i  fsellig' 
(Roggen,  Kartoffeln;  Buchweizen  soll  der  haben,  der  ein  unbekanntes 
Tier  zeigen  kann).1)  Skattegraveren  2,  68  'Bjsergmanden  og  bonden 
i fsellig'  (Kartoffeln,  Erbsen,  Schweine;  Kratzwette).  —  Schwedisch: 
Bondeson,  Halländska  sagor  nr.  17  'Drängen  ä  skam'.  Bondeson, 
Svenska  folksagor  nr.  47  'Sankte  Pär  och  den  onde'  (Petrus;  Wald, 
Roggen,  Kartoffeln,  Schweine).  Bergström-Nordlander,  Sv.  landsmälen 
5,  2,  19  'Björnens  ock  räfvens  samarbete'  (Rüben,  Korn).  Russwurm, 
Sagen  aus  Hapsal  1861  S.  XVII  zu  nr.  170  'Der  Bär  und  der  Bauer'. 
Aberg  nr.  27  'Gubben  och  bärgsrädet'  (Kartoffeln,  Hafer;  wunder- 
liches Tier);  nr.  136  'När  Petrus  o  den  unda  va  i  bolag  me  var- 
andra'    (Roggen,    Rüben,    Schweine).     Hackmans    Register    nr.  1030. 

—  Norwegisch:  Asbjörnsen  nr.  74  'Björnen  og  rseven,  3  De 
skulde  have  ager  i  sameie'  (Fuchs  und  Bär;  Korn,  Rüben)  =  Dasent 
1874  p.  126.  Aasen,  Prover  af  landsmaalet2  1899  S.  76  'Bjoinn  aa  rseven'. 

—  Schottisch:  Campbell2  3,  108  nr.  65  'The  keg  of  butter' (Fuchs 
und  Wolf;  Butter  vom  Fuchs  heimlich  ausgeleckt  wie  oben  1,  10; 
Hafer,  Kartoffeln ;  Name  auf  dem  Huf  der  Stute,  vgl.  oben  S. 
77)  ==  Brueyre  p.  362.  —  Wallisisch:  Folk-lore  15,  85  'Jack 
Kent'  (Jack  und  Teufel;  Rüben,  Weizen).  —  Französisch  bei 
Rabelais,  Gargantua  B.  4,  cap.  45 — 47  (1533.  Korn,  Rettige;  Kratz- 
wette); danach  Lafontaine,  Contes  4,  nr.  6  'Le  diable  de  Papefiguiere'. 
In  der  Normandie    erzählt    das  Volk    noch    heute,    wie    sich    der    h. 


l)  Das  für  den  Teufel  rätselhafte  Tier  ist  die  auf  allen  Vieren 
kriechende  Frau,  die  sich  nackt  mit  Teig  bestrichen  und  in  Vogelfedern 
gewälzt  hat;  vgl.  die  Nachweise  oben  1,  4111  und  dazu  Schweizerisches 
Archiv  17,  81.  18,  92.  Feilberg,  Zs.  f.  Volkskunde  8,  2662.  Hnatjuk, 
Geschlechtleben  1,  185.  2,  269.  Hackmans  Register  nr.  1091.  Aarnes 
Register  nr.  1091. 


189.   Der  Bauer  und  der  Teufel.  359 

Michael  mit  dem  Teufel  gestritten  habe,  wer  die  schönste  Kirche 
erbauen  könne.  Der  Teufel  baut  eine  steinerne,  Michael  fügt  die 
schönere  aus  Eis  zusammen.  Als  diese  hernach  schmilzt,  wollen 
beide  den  Boden  bebauen;  der  Teufel  wählt  das  obere  Kraut,  Mi- 
chael behält  das  in  der  Erde  steckende  (J.  Grimm,  Mythologie3  S. 
981.  Sauvage,  Legendes  normandes  1869  p.  25).  Fleury  p.  113 
(Martin  und  Teufel.  Korn,  Buben).  Sebillot,  Contes  3,  315  nr.  45 
'Le  diable  laboureur  et  marin'  (Mohrrüben,  Buben,  Tabak).  Gittee- 
Lemoine  p.  32  'Le  diable  dupe'  (Getreide;  Kratzwette).  Zeliqzon- 
Thiriot  p.  3  'L'espiegle  et  le  diable'  (Kampf  mit  langem  und  kurzem 
Stab;  Kartoffeln,  Getreide;  Alter  erraten,  Tabak).  Monseur  p.  58 
'Le  diable  et  le  paysan'  (Getreide,  Buben).  Sebillot,  Trad.  de  la 
Haute- Bretagne  1,  326  'Saint  Michel  et  le  diable'  (Schloß  aus  Eis 
und  aus  Stein;  Weizen,  Buben;  Kampf  mit  langem  und  kurzem 
Stab);  1,  181.  Madelaine,  Au  bon  vieux  temps  1,  193  'Les  navets' 
(Petrus.  Buben,  Korn,  unbekanntes  Tier).  Dardy  2,  215  nr.  58  'Le 
metayer  et  le  diable'.  Carnoy,  Picardie  p.  62  'Saint  Crepin  et  le 
diable'  (Buben,  Korn;  unbekannte  Pflanze).  Carnoy,  Legendes  de 
France  p.  19  'Saint  Martin  et  le  diable'.  Laisnel  de  la  Salle,  Le 
Berry  p.  148  (Martins  Eismühle ;  Kartoffeln,  Weizen) ;  p.  156  (Fuchs 
und  Wolf  teilen  Nüsse  und  Obst).  Laisnel  de  la  Salle,  Croyances 
du  centre  de  la  France  1,  130.  Berenger-Feraud,  Superstitions  et 
survivances  4,  425.  Froidure  d'Aubigne,  Contes  licencieux  de  l'Alsace 
1906  p.  119  nr.  28  'L'animal  inconnu'  (Kartoffeln,  Korn;  unbekanntes 
Tier).  Sauve  p.  289  (St.  Martin.  Getreide,  Buben).  Thuriet,  Jura 
p.  176  =  Thuriet,  Haute -Saone  1892  p.  596  'St.  Pierre  et  Satan 
fermiers  du  bon  Dieu'.  Bolland,  Faune  pop.  de  la  France  1,  150 
'Le  loup  et  le  renard'  (aus  Ardeche.  Buben).  Blade,  Agenais  p.  26 
'La  chevre  et  le  loup'  (Ziege  und  Wolf.  Buben,  Korn.  Wolf  in 
der  Kirche  und  im  Brunnen)  =  Blade,  Gascogne  3,  159;  vgl.  B. 
Köhler  1,  136.  Arnaudin  p.  57  'Le  bon  Dieu  et  le  diable'  (Buben, 
Getreide.  Windmühle  aus  Stein  und  aus  Eis).  Bevue  des  langues 
romanes  28,  47  'La  femme  est  plus  rusee  que  le  diable'  (Buben, 
Getreide;  Kratzwette).  Bevue  des  trad.  pop.  3,  166  'La  chaine  du 
diable'  (Gott  und  Teufel;  Korn,  Kartoffeln).  6,  169  'Le  diable  et  le 
cultivateur'  (Korn,  Kartoffeln).  6,  545  'Saint  Guenole  et  le  diable' 
(Steinhaus,  Eishaus ;  Buben,  Getreide ;  Kampf  mit  Knüttel  und 
Messer,  Heugabel  und  Pfriem).  9,  346  nr.  58  'Le  diable  dupe' 
(Kohl,  Mohrrüben).     9,   350  nr.  65   'Le  loup  et  le  renard'    (Getreide, 


360  189.    Der  Bauer  und  der  Teufel. 

Rüben).  Auch  bei  A.  Dumas  pere,  Contes  pour  les  petits  o.  J.  p. 
146  'Le  roi  des  quilles'  benutzt.  Maupassant,  Clair  de  lune  1909 
p.  101  'Legende  du  Mont-Saint-Michel'.  Roman.  Forschungen 
16,  326.  —  Italienisch:  Rainardo  e  Leserigrino  ed.  Teza  1869 
p.  13.  50  f.  (Ziege  und  Wolf).  Schneller,  Wälschtirol  nr.  2  'St. 
Johannes  und  der  Teufel'  (Dachschindeln  anfädeln,  Rüben.  Weizen). 

—  Maltesisch:  Stumme  nr.  33  'Der  Schakal  und  der  Igel'  (Rüben, 
Weizen;  Wettlauf  wie  oben  nr.  187).  —  Spanisch  um  1329  bei 
Juan  Manuel,  El  conde  Lucanor  nr.  43  ed.  Knust  1900  =  Eichen- 
dorff,  Werke  3864  6,  532  nr.  41;  vgl.  Chauvin  2,  159:  der  Böse 
übervorteilt  viermal  den  Guten,  indem  er  von  den  Schafen  die  Milch 
und  Wolle  nimmt  und  jenem  von  den  Schweinen  Milch  und  Borsten 
läßt,  dann  von  den  Rüben  den  unteren  Teil  beansprucht  und  jenem 
den  unteren  Teil  des  Kohls  gibt;  als  aber  die  Sklavin  dem  Bösen 
ein  Kind  gebiert,  darf  sie  es  nicht  säugen,  weil  dem  Guten  das,  was 
über  dem  Gürtel  ist,  gehört.  —  Portugiesisch:  Braga  1,  175 
nr.  81  '0  compadre  diabo'  (Weizen,  Kartoffeln;  Kratzwette).  — 
Baskisch:  Webster  p.  43  'Acheria  the  fox'  (Fuchs  und  Wolf,  unten 
in  der  Kanne  ist  Kot,  darüber  Sahne).  —  Serbokroatisch:  Wuk  1870 
S.  274  nr.  20=  1897  S.  280  nr.  70  =  Jagic,  Archiv  2,  640  nr.  35  'Der  h. 
Sabbas  und  der  Teufel'  =  Krauß  2,  411  nr.  153  (Zwiebeln,  Kohl, 
Erdäpfel,  Weizen,  Wein),  vgl.  R.  Köhler  1,  431.  Brastvo  12—13, 
149  nr.  15  (Sava  und  Teufel;  Zwiebeln,  Hanf,  Erdäpfel,  Apfelbaum, 
Rüben,  Weinreben,  Melonen;  der  Teufel  erhält  die  Früchte  der 
wilden  Rose,  des  Weißdorns  und  die  Brombeeren).  —  Bulgarisch: 
Sbornik  min.  2, 186  =  Sapkarev  8—9, 93  nr.  74  =  Strauß  S.  263  (Zwiebeln, 
Weizen).  Sbornik  min.  3,  302  nr.  2  (Bauer  und  Bär,  wie  Afanasjevnr.  7b). 

—  Slovakisch:  Slovenske  Pohl'ady  1892  S.  611  nr.  2  (Kraut, 
Rüben).  1895  S.  329  nr.  5  (Korn,  Erdäpfel).  —  Cechisch  aus 
Böhmen :  C.  Lid  20,  448  (Getreide,  Rüben,  Erdäpfel).  Aus  Mähren : 
Mensik,  Jemnic.  S.  157  (Erdäpfel,  Korn;  der  vom  Teufel  ge- 
rodete Acker  fällt  dem  Weibe  zu).  Kulda  2,  228  nr.  120  (Mohn, 
Mohrrüben;  Teufel  und  böses  Weib).  Pfikryl  S.  186  (Teufel  als 
Knecht  heiratet  eine  Witwe;  Mohn,  Mohrrüben).  —  Wendisch: 
Ad.  Cerny  S.  363  nr.  195  (Petrus  und  der  Teufel  stehlen  zusammen 
ein  Schwein,  Kraut  und  Rüben ;  der  Teufel  erhält  den  Schwanz,  die 
Wurzeln  des  Kohls  und  die  Blätter  der  Rüben).  —  Polnisch: 
Kolberg,  Lud  3,  185  nr.  39  (Hirse,  Rüben).  8,  230  nr.  96  (Erdäpfel, 
Kraut).    12,  228  (Teufel  und  Weib;  Weizen,  Rüben).    14,  237  nr.  57 


189.    Der  Bauer  und  der  Teufel.  361 

(Bier  gebraut,  Buben)  aus  Przyjaciel  ludu  1838  nr.  31,  bearbeitet 
von  Fr.  Morawski,  Bauer  und  Teufel;  vgl.  Zdziarski,  Pierwiastek 
ludowy  S.  242  und  Nitschmann,  Iris  1880  S.  168.  Kolberg,  Lud  21, 
198  nr.  14  (Hirse,  Buben).  Zbiör  5,  3,  209  nr.  16.  246  nr.  50  (Erd- 
äpfel, Getreide).  Wisla  6,  313  nr.  6  (Teufel  als  Knecht;  Korn, 
Buben).  Bawicz -Witanowski,  Lud  wsi  Stradomia  (Wisla  10,  366). 
Mater,  antropol.  13,  139  nr.  16  (Buben,  Weizen).  Malinowski  1,  45 
(Mohn,  Mohrrüben).  —  Kaschubisch:  Lorentz,  Teksty  S.  356 
nr.  462  (Bauer  und  Teufel;  Wruken,  Korn).  S.  608  nr.  749  (ebenso). 
—  Kleinrussisch:  Etnograf.  Zbirnyk  6,  71,  nr.  206  (Mohn,  Mohr- 
rüben). 14,  312  nr.  66  (Erdäpfel,  Mohn).  33,  49  nr.  131  (Korn,  Erd- 
äpfel). 37 — 38,  156  nr.  125  (Bauer  und  Bär;  Buben,  Mohn;  Bär  mit 
der  Heugabel  aus  dem  Stall  vertrieben).  37 — 38,  158  nr.  126  (Bauer, 
Bär  und  Fuchs;  wie  Afanasjev  nr.  7b,  dazu  Prellung  des  Fuchses; 
Weizen,  Buben).  Jubil.  Sbornik  Millera  S.  174  (aus  Odessa).  Zbiör  9, 
130  nr.  21  (Buben,  Hirse).  Budcenko  1,  52  nr.  29  (Erdäpfel,  Mohn). 
Hrincenko  2,  85  nr.  73  (Mohrrüben,  Mohn).  Öuckevye  S.  9  nr.  3 
(Gott  und  Teufel;  Buben,  Weizen).  —  Weißrussisch:  Glinski  3, 
191  nr.  11  (Teufel  im  Joch;  Bier,  Buben,  Erbsen).  Dobrovoljskij  1, 
638  nr.  4  (Wie  ein  Müller  den  Teufel  überlistete.  Weizen,  Buben). 
Sejn  2,  31  nr.  18  (Sperling  und  Maus;  Weizen,  Buben).  Federowski  1, 
171  nr.  558  (Buben,  Weizen).  Bomanov  3,  26  nr.  18  b  (Bauer,  Bär 
und  Fuchs;  wie  Afanasjev  nr.  7b.  Hirse,  Buben).  —  Großrussisch: 
Afanasjev3  1,  14  nr.  7  a  'Bauer,  Bär  und  Fuchs'  (aus  Gouv.  Tula. 
Buben;  der  Fuchs  befreit  den  Bauer);  nr.  7b  (Gouv.  Tambov.  Buben, 
Weizen;  Fuchs  befreit  den  Bauer  wie  im  Estnischen);  1,  15  nr.  7c 
(Gouv.  Astrachan.  Ebenso)  =  Hins  1883  p.  75  =  Brandt  1904  S.  87 
'De  boer,  de  beer  en  de  vos';  vgl.  Gubernatis,  Die  Tiere  S.  331.  426. 
Aus  Gouv.  Kursk:  Mater,  velikorus.  goverov.  9,  154  (Korn,  Buben; 
Fuchs  rettet  den  Bauer  vom  Bären).  Zap.  Krasnojarsk.  2,  159  nr.  38 
(Maus  und  Sperling;  Buben,  Weizen;  Krieg  der  Tiere).  —  Litauisch: 
Dowojna  Sylwestrowicz  1,  211  (Getreide,  Buben).  —  Lettisch: 
Bevue  des  trad.  pop.  2,  486  nr.  8  (Gott  und  Teufel ;  Buben,  Kohl). 
Zivaja  Starina  5,  84  (Gott  und  Teufel;  Buben).  —  Estnisch:  Bosen- 
plänter,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  estnischen  Sprache  8,  131  (1817)  = 
Grimm,  Beinhart  Fuchs  1834  S.  CCLXXXVIII  nr.  6  'Bär  und  Mann' 
(Buben,  Hafer!;  der  Fuchs  bringt  es  durch  List  dahin,  daß  der  Bär,  der 
dem  Mann  die  Ochsen  wegnehmen  will,  gebunden  und  getötet  wird) 
=    Bußwurm,    Sagen   aus   Hapsal    1861  nr.    170    'Der  Bär    und    der 


362  189.    Der  Bauer  und  der  Teufel. 

Bauer'  =  v.  Löwis  1916  S.  70.  Kallas  nr.  64  'Gott  und  der 
Böse'  (Rüben,  Gerste,  Kartoffeln,  Branntwein.  Verhandlungen  20, 
188).  —  Finnisch:  Salmelainen  3,  nr.  13  =  Schreck  S.  212  'Der 
Bauer  und  der  Bär'  (Rüben,  Weizen ;  Fuchs  rettet).  Krohn  1,  411 
nr.  49;  vgl.  Krohn,  Bär  und  Fuchs  (Journal  de  la  soc.  finno- 
ougrienne  6)  S.  103 — 108;  Aarnes  Register  nr.  1030.  —  Mor- 
dwinisch: Paasonen,  Proben  1,  148  nr.  16  'Fuchs  und  Bär  (Weizen, 
Rüben.  Journal  12)  =  Obrazcy  1883  2,  11  nr.  5  =  Anikin  S.  49. 
Obrazcy  2,  51  nr.  13  (Bauer,  Bär  und  Fuchs;  wie  Afanasjev  nr.  7b). 
Sachmatov  S.  322  (Jäger  statt  des  Fuchses).  —  Wot jakisch:  Wich- 
mann, Sprachproben  2,  116  nr.  23  'Der  Mensch  und  der  Bär'  (Rüben, 
Weizen)  und  2,  124  nr.  28  'Der  Wassergeist  und  der  Bär'  (Rüben, 
Roggen.  Journal  19).  Izvestija  archeol.  Kasan  3,  234  nr.  9  (Rüben, 
Erbsen).  —  Tschuwassisch:  Ahlquist,  Muistelmia  matkoilta 
Wenäjällä  vuosina  1859  S.  147.  Spir.  Michajlov,  Cuvas.  razgovory 
S.  50  (Gerste,  Rüben;  Tatzen  des  Bären  eingeklemmt).  —  Grusi- 
nisch: Sbornik  Kavkaz.  17,  128  (Gott  und  Teufel;  Getreide,  Knob- 
lauch), vgl.  Sumcov,  Razysk.  anekdot.  S.  179.  —  Kaukasisch: 
Bestuschev  im  Magazin  f.  Lit.  des  Auslandes  1834,  533  =  Kletke, 
Märchensaal  3,  94  'Der  arme  Teufel'  (Rettige  und  Rüben).  —  Indisch: 
Parker  1,  322  nr.  59  'The  Gamaräla  and  the  washerman'  (Reis,  Zwiebeln; 
Büffel,  Holz  von  verschiedenen  Bäumen).  —  Neuaramäisch:  Lidz- 
barski  1896  S.  73  'Der  Mossulaner  und  der  Teufel'  (Zwiebeln,  Weizen ; 
Kampf  mit  langem  und  kurzem  Stecken)  =  Zs.  f.  Assyriologie  9,  261.  — 
Arabisch:  Rückert,  Der  betrogene  Teufel  (Wendts  Musenalmanach 
1830,  50  =  Poetische  Werke  1868  4,  110;  englisch  bei  P.  Carus, 
History  of  the  devil  1900  p.  254)  nach  einer  unbekannten  Quelle; 
das  Magasin  pittoresque  8,  133  (bei  Laisnel  de  la  Salle,  Croyances 
du  centre  de  la  France  1,  130.  1875)  führt  aus  einem  'orientalischen 
Gedichte'  folgende  mit  Rückert  übereinstimmende  Stelle  an:  'Vous 
savez  que  la  moitie  du  monde  est  ä  moi,  ainsi  la  moitie  de  votre 
moisson  m'  appartiendra.'  Certeux-Carnoy,  L'Algerie  traditionnelle 
1,  55  nr.  19  (1884).  *Trumelet,  L'Algerie  legendaire  1892.  Stumme, 
ZdmG.  48,  396  nr.  3  'Wolf  und  Igel'  (aus  Tazerwalt)  =  Seidel, 
Geschichten  und  Lieder  der  Afrikaner  1896  S.  91.  Mercier,  Essai 
sur  le  Chaouia  de  l'Aures  1896  p.  70  nr.  15  'Histoire  du  Hon,  de 
l'änesse,  du  chacal  et  de  l'herisson'  und  Basset,  C.  berberes  1,  14 
nr.  6  'Le  herisson  et  le  chacal'  (Zwiebeln,  Getreide;  Wettlauf  wie 
in  unsrer  nr.  187),  vgl.  2,  193. 


189.    Der  Bauer  und  der  Teufel.  363 

Die  Teilung  der  Ernte  in  eine  obere  und  eine  untere  Half te 
tritt  schon  in  der  spanischen  Fassung  Juan  Manuels  auf,  die  sonst 
manches  Eigentümliche  bietet.1)  In  einer  lateinischen  Fabel  von 
Desbillons  (Fabulae  Aesopicae  1763  Hb.  6,  fab.  21  'Pueri  duo')  teilen 
zwei  Knaben  Nüsse  und  Oliven  so,  daß  der  Schlaue  von  den  Nüssen 
die  Kerne  und  von  den  Oliven  die  Schalen  erhält.  In  einer  mecklen- 
burgischen Sage  (Bartsch  1,  97  nr.  111)  willigt  der  Teufel  in  die 
Teilung  der  Butter,  erhält  aber  nur  wenig,  weil  er  sich  nicht  gleiche 
Teile  ausbedungen  hat.  Nach  deutschem  Volksglauben  müssen 
Früchte,  die  über  der  Erde  wachsen,  in  zunehmendem  Mond- 
lichte, die  unter  der  Erde  in  abnehmendem  Lichte  gesät  werden 
(J.  Grimm,  Myth.3  S.  628.  Beiser,  Allgäu  2,  253.  Drechsler, 
Schlesien  2,  50.  54.  A.  John,  Volksglauben  in  Westböhmen  1905 
S.  198.     Strackerjan,  Oldenburg2  1,  54). 

Die  Kratzwette,  welche  bei  Babelais,  Jan  Tamboer  und 
sonst  als  Schluß  verwendet  wird,  erscheint  auch  als  selbständiger,  oft 
bedenklich  schmutziger  Schwank.*2)  So  bei  Hans  Sachs,  Der  ver- 
schnitten Bär  (Fabeln  3,  81  nr.  25  =  Zs.  f.  vgl.  Litgesch.  7,  455; 
vgl.  11,  70)  und  Ernst  Wolgemuth,  Der  träumende  Musen-Freund 
(um  1670)  S.  83  nr.  95  =  Zs.  f.  vgl.  Litgesch.  11,  70  (Köhler  und 
Teufel).  Aus  Holstein  bei  Wisser,  Plattdeutsche  Vm.  S.  78  'De  grot 
Gatz'  (Teufel);  H.  Seidel,  Gedichte  1903  S.209  'Der  betrogene  Teufel' 
(Biß  im  Eichentisch) ;  aus  Pommern  bei  Jahn,  Vm.  1,  375  zu  nr.  50 
(Teufel,  Frau  als  Ulenkücken);  Knoop,  Kbl.  f.  nd.  Sprachforschung 
14,  22  (Wolf  vom  Bauer  verschnitten);  vgl.  14,  35.  Französisch: 
Kryptadia  2,  53.  3,  354.  Italienisch :  Straparola  6,  nr.  2  (Castor  von 
Sandrino  verschnitten).  Gubernatis,  S.  Stefano  nr.  34  'II  diavolo  e  il 
contadino'.  Zorzut  p.  77.  Griechisch :  Nicolaides  1906  p.  77  'Le  cadi 
chätre'  und  p.  93  'Le  dragon  et  le  laboureur'.  1,  58.  Südslavisch : 
Anthropophyteia  1,  364.  494;  vgl.  154  nr.  129.  Polnisch:  Kryptadia 
4,  76.  197.  Malinowski  2,  11  und  28.  Kleinrussisch:  Etnograf. 
Zbirnyk   15,   13   nr.    18.     Hnatjuk,    Geschlechtleben    1,  450   nr.   319 


*)  Über  die  Teilung  der  Frau  vgl.  Pfannmüller,  Die  vier 
Eedaktionen  des  Heidin  1911  S.  112—122.  490. 

2)  Eine  ganz  entfernte  Ähnlichkeit  zeigt  die  21.  Branche  desBoman 
de  Benart  (2,  254  ed.  Martin),  wo  des  Bauern  Frau  durch  Aufdecken 
ihres  breiten  Gesäßes  dem  Bären  und  Wolf  den  Schinken  abgewinnt; 
vgl.  Martin,  Observations  1887  p.  92;  Sudre,  Les  sources  1892  p.  189; 
Foulet,  Le  roman  de  Benard  1914  p.  486. 


364  189.    Der  Bauer  und  der  Teufel. 

(Wolf).  2,  266  nr.  291  (Teufel).  Weißrussisch :  Serzputovskij 
S.  176  nr.  76.  Großrussisch:  Rovinskij  1,  415  nr.  180  (Bilderbogen 
von  1820—1840).  Oncukov  S.  476  nr.  205.  Rus.  zavetnyja  skazki 
S.  5  nr.  3.  Kryptadia  1,  58.  Lettisch:  Ulanowska  S.  262.  Estnisch: 
Kallas  nr.  67  'Des  Weibes  List'  (Teufel.  Verhandlungen  20,  192). 
Finnisch:  Aarnes  Register  nr.  153.  1095.  1133.  Indisch:  Somadeva 
Buch  6,  cap.  28  (Brockhaus,  Berichte  der  sächs.  Ges.  der  Wiss.  1860,  120 
=  Tawney,  Kathasaritsagara  1,  255;  vgl.  R.  Köhler  1,  77.  Der  Brak- 
mane  und  der  Dämon  Pisäca). 

Vergleichbar  mit  unserm  Märchen  ist  der  Vertrag  mit  dem 
Teufel  über  die  Zeit,  wenn  alle  Bäume  kahl  sind;  vgl.  oben 
S.  200.  —  Ebenso  der  Vertrag  über  eine  letzte  Saat.  Die 
Mönche  zu  Dünwald  werden  um  einen  Acker  geprellt,  dessen  Be- 
sitzer sich  ausbedingt,  nur  noch  eine  Saat  darauf  zu  ernten,  und 
eine  Eichelsaat  anlegt:  Montanus,  Die  Vorzeit  1837  1,  92  'Die 
Saat'.  Spitz,  Rheinischer  Sagenschatz  1843  1,  108.  Schell,  Bergische 
Sagen  S.  283.  588.  Gedichte  von  Simrock  (Rheinsagen  1869  nr.  14 
'Die  Eichelsaat'),  Waldbrühl-Zuccalmaglio  (Rhingscher  Klaaf  1869 
S.  79  'Di  Soht'),  Greif  (Gedichte  1881  S.  170  'Die  letzte  Saat'), 
Maubach  (Fliegende  Blätter  108,  99  'Die  letzte  Saat'.  1898).  Firmenich 
1,  301  'Von  dem  Abte,  der  in  einen  Raben  verwandelt  wurde'. 
Schambach-Müller,  Niedersächs.  Sagen  nr.  45  'Der  Strahlenkamp', 
nr.  48  'Das  Wendfeld',  nr.  170  'Der  Teufel  betrogen'.  —  Endlich 
der  gestrichene  Scheffel.  Der  Bauer,  der  dem  Teufel  für  den 
gehäuften  Scheffel  Geld  übers  Jahr  nur  einen  gestrichenen  wieder- 
geben soll,  streicht  den  Haufen  sogleich  ab  und  gibt  das  Übrige 
zurück:  oben  S.  143;  dazu  Schell,  Neue  bergische  Sagen  1905  S.  110. 
Schwedisch:  Hackmans  Register  nr.  1182.  Italienisch:  Mailly  nr.  140. 
Polnisch:  Knoop,  Sagen  der  Provinz  Posen  1913  nr.  171  =  Rogasener 
Familienblatt  8,  3.  Finnisch:  Aarnes  Register  nr.  1182.  —  Der 
Teufel  muß  erraten,  was  die  angefangene  Arbeit  des  Schmiedes 
werden  soll :  Kleeberger,  Volkskundliches  aus  Fischbach  1902  S.  65. 

Über  andre  Überlistungen  des  dummen  Teufels  vgl.  nr.  183- 
194.  195,  auch  Aarnes  Register  nr.  1030 — 1199,  sowie  Wünsche, 
Der  Sagenkreis  vom  geprellten  Teufel  (1905). 


190.    Die  Brosamen  auf  dem  Tisch.  —  191.    Das  Meerhäschen.      365 


190.    Die  Brosamen  auf  dem  Tisch.  1856  *  aeo. 

1843  nr.  190.  —  Aus  der  Schweiz  (Aargau)  von  W.  Wacker- 
nagel in  der  Zs.  f.  deutsches  Altertum  3,  36  nr.  4  (1843)  =  Wacker- 
nagel, Voces  variae  animantium  1869  S.  9  —  Colshorn  nr.  64  = 
Sutermeister  nr.  4  =  Bächtold  S.  119;  zuerst  jedoch  im  Wanderer 
in  der  Schweiz  1835,  S.  132.     Vgl.  Singer,  Schweizer  Märchen  1,  40. 

Der  Hahn  verführt  die  Hühner,  in  die  Stube  zu  gehn  und  auf 
dem  Tisch  die  Brosamen  aufzupicken,  worauf  die  Frau  sie  mit  dem 
Stecken  hinausjagt.  Die  Worte,  die  das  Märchen  schließlich  den 
Hühnern  und  dem  Hahne  beilegt,  geben  ein  anmutiges  Beispiel  für 
die  Art,  in  der  das  kindlich  dichterische  Volk  die  Laute  aus  der 
unvernünftigen  und  leblosen  Welt  in  artikulierte  Menschenrede 
umsetzt.  —  In  einer  Züricher  Variante  bei  Wackernagel  1869 
S.  1  =  Sutermeister  S.  202  führt  der  Hahn  die  furchtsamen  Hühner 
in  den  Weinberg ;  da  begrüßt  ihn  der  Fuchs  und  beißt  ihm  den 
Kopf  ab.  In  zwei  andern  Stücken  bei  Sutermeister  S.  20 L  f.  schreit 
der  Spatz,  dem  die  leckerhafte  Frau  die  Flügel  gestutzt  hat,  'Dieb', 
und  die  Eule  ruft  einem  alten  Ehepaare  eine  Mahnung  an  den  Tod  zu. 

Andre  Ausdeutungen  der  Tierstimmen  findet  man  bei 
Wackernagel,  Bochholz  (Alemannisches  Kinderlied  1857  S.  75—97), 
Böhme  (Deutsches  Kinderlied  1897  S.  218—229),  Wossidlo  (Mecklen- 
burgische Volksüberlieferungen  2.  1899),  Dähnhardt  (Natursagen  3, 
355.  1910)  und  oben  S.  283. 


191.    Das  Meerhäschen. 

1857  nr.  191;  eingesetzt  für  nr.  191a.  —  Aus  Sieben- 
bürgen; nach  Haltrich,  Deutsche  Volksmärchen  aus  Siebenbürgen 
1856  nr.  38  'Von  der  Königstochter,  die  aus  ihrem  Schlosse  alles  in 
ihrem  Reich  sah'  =  1885  nr.  39.  —  Wie  in  den  Märchen  von  der 
weißen  Schlange  (oben  1,  134)  und  von  der  Bienenkönigin  (2,  21) 
helfen  dem  Helden  drei  dankbare  Tiere  bei  der  Lösung  der 
Aufgaben,  durch  die  er  die  Königstochter  zur  Gattin  gewinnt;  er 
muß  sich  aber  dreimal  vor  der  Prinzessin  verstecken,    die  durch 


366  191.    Das  Meerhäschen. 

einen  Zauberspiegel  (hier  zwölf  Glasfenster)  alles,  was  auf  Erden 
geschieht,  sehen  kann;  nachdem  sie  ihn  im  Rabenei  und  im  Fisch- 
bauch entdeckt  hat,  läßt  er  sich  das  drittemal  vom  Fuchs  in  ein 
Meerhäschen  verwandeln  und  kriecht  unter  den  Zopf  der  Jungfrau; 
als  sie  ihn  nicht  entdeckt,  zerschlägt  sie  im  Zorn  die  Glasscheiben. 
Aus  Mähren  bei  Kosch  S.  55  'Vom  weißen  Reh'  =  Haller 
S.  58  (vorher  wie  unsre  nr.  93,  oben  2,  336).  —  Rumänisch: 
Schott  S.  153  nr.  13  'Die  Prinzessin  und  der  Schweinhirt'  (er  wird 
zuletzt  vom  Waldgeist  in  eine  Rose  verwandelt  und  zerschlägt  den 
Spiegel);  S.  184  nr.  17  'Juliana  Kosseschana'  (das  hilfreiche  Pferd 
verwandelt  das  dritte  Mal  den  Helden  in  eine  Laus  auf  des  Königs 
Kopf).  Vgl.  Säinenu  p.  770.  —  Griechisch:  Hahn  nr.  61  'Der 
Jäger  und  der  Spiegel,  der  alles  sieht'  (der  Fuchs  gräbt  dem  Helden 
einen  Gang  bis  unter  den  Sitz  der  Prinzessin).  —  Serbokroatisch: 
Stefanovic  S.  43  nr.  7  =  Archiv  f.  slav.  Phil.  1,  270  nr.  Ib.  Valjavec  S.  191 
nr.  24  (dem  Soldaten  helfen  Fisch,  Vogel  und  Rosmarinstaude;  zuletzt 
steckt  er  als  Rosmarinblatt  im  Ohr  der  Prinzessin,  die  einen 
'Planeten'  statt  des  Spiegels  besitzt).  —  B  ul garisch  aus  Mazedonien : 
Sapkarev  8,  221  nr.  123  (Adler,  Fisch,  Teufel  helfen ;  zuletzt  wird 
der  Held  in   einen  Apfel  verwandelt,    den   die  Prinzessin  einsteckt). 

—  Slowakisch  aus  Oberungarn:  Skultety-Dobsinsky  S.  548  nr.  62 
=  2.  Aufl.  S.  250  nr.  20  (der  Freier  der  Zauberin  wird  zum  Fisch, 
Vogel  und  zur  Nelke,  muß  aber  noch  andre  Aufgaben  lösen).  — 
Kleinrussisch  aus  Südungarn :  Etnogr.  Zbirnyk  30,  64  nr.  34  (der 
vom  Helden  mit  einem  Zauberstabe  belebte  Fisch  versteckt  ihn  drei- 
mal). —  Weiß  russisch  aus  Gouv.  Smolensk:  Dobrovoljskij  1,223 
nr.  1  (der  Greif,  dessen  Junge  vor  dem  Hagel  gerettet  wurden,  hilft). 

—  Großrussisch:  Afanasjev3  2,  101  nr.  130a  =  Anna  Meyer  2,  95 
'Jelena  die  Weise'  (ein  Soldat,  der  den  Teufel  aus  dem  Gefängnis 
befreit  hat,  fliegt  als  Vogel  in  das  Schlafgemach  der  weisen  Jelena 
und  soll  sterben,  wenn  er  sich  nicht  dreimal  verstecken  kann;  der 
Teufel  verwandelt  ihn  in  eine  Nadel  und  legt  sie  in  das  Zauberbuch 
der  Prinzessin ;  diese  schlägt  vergeblich  darin  nach  und  wirft  es 
zornig  auf  den  Boden,  da  steht  der  Jüngling  vor  ihr).  2,  103  nr. 
130b  (der  Held  sucht  die  entflohene  Schwanjungfrau,  heiratet  dann 
aber  die  Dienerin,  die  ihn  hinter  dem  Zauberspiegel  versteckt  hat). 
Chudjakov  2,  101  nr.  63  (der  Held  heiratet  die  Dienerin,  die  ihn  im 
Wäschekoffer  versteckte).  Ivanickij  S.  186  nr.  11  (dazu  Schwan- 
jungfrau).    Aus  Gouv.  Tomsk:  Zap.  Krasnojarsk.  2,  111  nr.  28  (Wal- 


191.    Das  Heerhäschen.  367 

fisch,  Greif,  Löwe  helfen ;  ein  Mädchen  versteckt  ihn  hinter  dem 
Zauberspiegel  und  einer  Falltür).  —  Ungarisch:  Rona-Sklarek  2,  220 
nr.  21  'Der  kleine  Schweinehirt'.  —  Zigeunerisch:  Wlislocki  1885 
S.  111  nr.  47  'Der  Spiegel,  der  alles  sieht'  (Fisch,  Adler,  Ameise). — 
Awarisch:  Schiefner  S.  59  nr.  7  'Der  schwarze  Fuchs'  (verwandelt 
das  vierte  Mal  den  Helden  in  einen  Floh,  der  sich  im  Gewände  der 
Prinzessin  verbirgt);  vgl.  R.  Köhler  1,  559.  —  Mingrelisch: 
Wardrop  p.  124  'The  prince  who  befriended  the  beasts'  —  Mourier 
p.  73  nr.  6  =  Magazin  f.  d.  Literatur  1884,  375  nr.  4  (Fisch,  Adler, 
Hirsch ;  Schakal  gräbt  einen  Gang  bis  unter  den  Sitz  der  Prinzessin  ; 
diese  zerschlägt  den  Spiegel).  —  Kabardinisch:  Sbornik  kavkaz. 
12,  1,  17  (Adler,  Gemse,  Fisch,  Fuchs). 

In  einem  andern  siebenbürgischen  Märchen  (Haltrich4  nr.  41 
'Die  versteckte  Königstochter')  besteht  die  Aufgabe  darin,  dreimal  die 
verborgene  Prinzessin  zu  suchen,  was  wiederum  mit  der  Hilfe 
dankbarer  Tiere  gelingt.  Ähnlich  schwedisch  bei  Wigström,  Sv. 
landsm.  5,  1,  55  'Skytten  Bryte'.  Die  Stute  ist  zu  suchen: 
rumänisch  bei  Schullerus,  Siebenbg.  Archiv  33,  659 ;  serbisch  bei 
Wuk  S.  35  nr.  4. 

Ein  merkwürdiges  Seitenstück  liefert  eine  vermutlich  auf  alter 
Überlieferung  beruhende  färöische  Ballade  'Lokes  Gesang' 
(Hammershaimb,  SjürÖar  kvseÖi  1851  S.  140  =  Lyngbye,  Fseroiske 
kv8ederl822  S.  500  =  Unland,  Schriften  7,  371  =  Warrens,  Norwegische 
Volkslieder  1866  S.  183).  Hier  versteckt  sich  der  Knabe,  den  der  Kiese 
seinem  Vater  im  Spiel  abgewonnen  hat,  dreimal  mit  Hilfe  der  Götter  Odin, 
HöniundLoki,  die  ihn  in  ein  Gerstenkorn,  eine  Schwanfeder  und  ein  Fisch- 
rogenkörnchen verwandeln;  das  drittemal  entschlüpft  er,  der  Kiese  stürzt 
ihm  nach  und  rennt  sich  den  Kopf  ein.  Dem  entspricht  das  dänische 
Märchen  bei  Grundtvig,  Minder  1,3  nr.  2  'Den  fattige  mand  og  hans 
hjselpere'  (alte  Frau  statt  des  Riesen ;  ein  alter  Mann  versteckt  den 
Helden  im  Baum,  Schilf,  Fisch);  vgl.  DgF.  2,  VI1  und  Grundtvigs 
hsl.  Register  nr.  51  'Godt  gsemt'.  Kleinrussisch  aus  Ostgalizien: 
Zdziarski,  Garsc  basni  S.  15  nr.  9  (der  Witwensohn  versteckt  sich 
auf  die  Aufforderung  des  Gutsherren  als  Rose,  Taube  und  mit  Hilfe 
des  durch  eine  geweihte  Keule  bezwungenen  Teufels  in  dem  Feuer- 
stein, aus  dem  der  Herr  morgens  Feuer  schlägt,  um  seine  Pfeife  an- 
zuzünden). Weißrussisch  aus  dem  Gouv.  Witebsk:  Romanov  6,  488 
nr.  55  (der  zauberkundige  Kaiser  verheißt  seine  Tochter  dem,  der 
sich  vor  ihm  verstecken    kann;    der  Jüngling    wird    zum    schwarzen 


368  191.    Das  Meerhäschen. 

Zobel,  weißen  Wiesel,  grauen  Hasen,  zu  bunten  Blumen,  zum  Barsch, 
zur  Nadel  und  endlich  zur  Feder,  die  der  Greif  nachts  dem  Kaiser 
unter  die  Arme  legt).  Großrussisch :  Oncukov  nr.  2  =  v.  Löwis  nr.  43 
'Der  Schwarzkünstler-Zar'.  In  dem  Liede  vom  Witwensohn  'Vanka 
und  dem  Zaren  Volsan  (Bybnikov  1,  443  =  2.  Aufl.  2,  136  nr.  126)  hilft 
der  Vogel  Mogul  (Greif),  dessen  Jungen  der  Held  vor  Kälte  geschützt 
hatte;  vgl.  Machal,  0  bohat.  epose  slov.  S.  200  und  A.  Weselowskij, 
Juzno-russkija  byliny  4,  11,  50.  Finnisch:  Aarnes  Begister  nr.  329. 
Die  99  Pfähle  vor  dem  Königsschloß,  auf  denen  die  Köpfe 
der  im  Wettkampf  unterlegenen  Freier  aufgesteckt  sind,1)  erinnern 
an  die  antike  Sage  vom  König  Oenomaos,  der  auf  gleiche  Art  die 
Werber  seiner  Tochter  Hippodamia  abzuschrecken  trachtete  (Hygin, 
Fabulae  c.  84.  Boscher,  Mythol.  Lexikon  3,  765.  775),  und  an  den 
Boman  von  Apollonius  von  Tyrus  (Klebs,  Die  Erzählung  von  Apollo- 
nius  von  Tyrus  1899  S.  4.  Gesta  Bomanorum  c.  153.  Shakespeare, 
Perikles  von  Tyrus  I,  1);  sie  sind  aber  auch  aus  dem  Turandotkreise 
bekannt  (Nisami  bei  Schack,  Anthologie  morgenländ.  Dichtungen  2, 
175.  1893.  1001  Nacht  22,  82  ed.  Henning;  vgl.  Chauvin  5,  194. 
Lidzbarski  S.  267:  99  Köpfe.  Bevue  des  trad.  pop.  29,  207: 
maurisch).  Im  Ortnit  1,  19  (Deutsches  Heldenbuch  3,  5)  schlägt 
der  König  Machorel  den  um  seine  Tochter  Werbenden  den  Kopf 
ab,  und  72  Köpfe  sieht  man  auf  den  Zinnen  von  Montabur 
prangen.  Auch  Wolfdietrich  (D  6,  13.  Dt.  Heldenbuch  4,  74)  er- 
blickt an  König  Beliäns  Burg  einen  Turm,  auf  dem  die  Häupter  der 
Buhler  seiner  Tochter  aufgesteckt  sind.  Ähnlich  schildert  Saxo, 
9.  Buch  p.  425  Müller,  die  Burg  des  Biesenkönigs  Geirröd:  'Pali 
propugnaculis  intersiti  desecta  virorum  capita  praef erebant' ;  vgl.  Lady 
Guest,  Mabinogion  1839  2,  138  =  1877  p.  183  und  Le  Grand,  Fabliaux 
1,  18  (1779)  'La  mule  sans  frein'.  Grundtvig,  DgF.  4,  56  nr.  184 
'Den  farlige  Jomfru'  =  W.  Grimm,  Altdänische  Heldenlieder  S.  110. 
In  den  Märchen  vom  Bätsei  (oben  1,  188),  von  den  zertanzten 
Schuhen  (oben  S.  78),  den  sechs  Dienern  (oben  S.  84)  wird 
mehrfach  den  Freiern,  welche  die  gestellten  Aufgaben  nicht  lösen, 
das  Haupt    abgeschlagen;    vgl.    auch    Gesta    Bomanorum    c.  60    und 


*)  Vgl.  die  Ausführungen  Grundtvigs,  DgF.  4,  51—54  (1883).  Meist 
ist  es  der  eifersüchtige  Vater,  der  die  unterliegenden  Freier  tötet,  bis- 
weilen aber  auch  die  umworbene  hartherzige  Prinzessin  (Grimm  nr.  191 ; 
Hahn  nr.  61;  auch  Atalante  bei  Ovid,  Met.  10,  572  und  Herrn utbruda  bei 
Saxo  B.  4  p.  156  ed.  Müller). 


191a.    Der  Räuber  und  seine  Sühne.  869 

1001  Nacht  5,  152  'Kamaressamän',  dazu  Chauvin  5,  206.  239. 
Rumänisch:  Schott  S.  187;  Schullerus,  Archiv  33,  659.  Griechisch: 
Hahn  1,  168  nr.  22.  Serbokroatisch:  Wuk  1854  S.  35  und  151. 
Vojinovic  nr.  5  =  Archiv  f.  slav.  Phil.  1,  277  nr.  5,  dazu  R.  Köhler 
1,  411.  Russisch:  Afanasjev1  8,  nr.  8  'Marja  Morevna'  =  Ralston 
p.  93.     Awarisch:  Schief ner  S.  62  nr.  7. 


191a.    Der  Räuber  und  seine  Söhne.  lsses.seo. 

(1843  nr.  191). 

Es  war  einmal  ein  Räuber,  der  hauste  in  einem  großen  Walde 
und  lebte  mit  seinen  Gesellen  in  Schluchten  und  Felsenhöhlen,  und  wenn 
Fürsten,  Herren  und  reiche  Kaufleute  auf  der  Landstraße  zogen,  so  lauerte 
er  ihnen  auf  und  raubte  ihnen  Geld  und  Gut.  Als  er  zu  Jahren  kam, 
so  gefiel  ihm  das  Handwerk  nicht  mehr,  und  es  gereute  ihn,  daß  er  so 
viel  Böses  getan  hatte.  Er  hub  also  an  ein  besseres  Leben  zu  führen, 
lebte  redlich  und  tat  Gutes,  wo  er  konnte.  Die  Leute  wunderten  sich, 
daß  er  sich  so  schnell  bekehrt  hatte,  aber  sie  freuten  sich  darüber.  Er 
hatte  drei  Söhne;  als  die  herangewachsen  waren,  rief  er  sie  vorsieh  und 
sprach:  'Liebe  Kinder,  sagt  mir,  was  für  ein  Handwerk  wollt  ihr  erwählen, 
womit  ihr  euch  ehrlich  nähren  könnt?'  Die  Söhne  besprachen  sich  mit- 
einander und  gaben  ihm  dann  zur  Antwort:  'Der  Apfel  fällt  nicht  weit 
vom  Stamm,  wir  wollen  uns  ernähren,  wie  Ihr  euch  ernährt  habt:  wir 
wollen  Räuber  werden.  Ein  Handwerk,  wobei  wir  von  Morgen  bis 
Abend  uns  abarbeiten  und  doch  wenig  Gewinn  und  ein  mühseliges 
Leben  haben,  das  gefällt  uns  nicht.'  'Ach,  liebe  Kinder,'  antwortete  der 
Vater,  'warum  wollt  ihr  nicht  ruhig  leben  und  mit  wenigem  zufrieden 
sein?  Ehrlich  währt  am  längsten.  Die  Räuberei  ist  eine  böse  und  gott- 
lose Sache,  die  zu  einem  schlimmen  Ende  führt;  an  dem  Reichtum,  den 
ihr  zusammenbringt,  habt  ihr  keine  Freude;  ich  weiß  ja,  "wie  es  mir  dabei 
zu  Mut  gewesen  ist.  Ich  sage  euch,  es  nimmt  einen  schlechten  Aus- 
gang. Der  Krug  geht  so  lange  zu  Wasser,  bis  er  bricht;  ihr  werdet 
zuletzt  ergriffen  und  an  den  Galgen  gehenkt.'  Die  Söhne  aber  achteten 
nicht  auf  seine  Ermahnungen  und  blieben  bei  ihrem  Vorsatz. 

Nun  wollten  die  drei  Jünglinge  gleich  ihr  Probestück  machen. 
Sie  wußten,  daß  die  Königin  in  ihrem  Stall  ein  schönes  Pferd  hatte,  das 
von  großem  Wert  war,  das  wollten  sie  ihr  stehlen.  Sie  wußten  auch, 
daß  das  Pferd  kein  ander  Futter  fraß  als  ein  saftiges  Gras,  das  allein  in 
einem  feuchten  Wald  wuchs.  Sie  gingen  also  hinaus,  schnitten  das  Gras 
Grimm,  Märchen  -Anmerkungen  III.  24 


370  191a.    Der  Räuber  und  seine  Söhne. 

ab  und  machten  einen  großen  Bündel  daraus,  in  welchen  die  beiden 
'ältesten  den  jüngsten  und  kleinsten  steckten,  so  daß  er  nicht  konnte  ge- 
sehen werden.  Sie  trugen  den  Bündel  auf  den  Markt,  wo  der  Stall- 
meister der  Königin  ihn  kaufte,  zu  dem  Pferd  in  den  Stall  tragen  und 
hinlegen  ließ.  Als  es  Mitternacht  war  und  jedermann  schlief,  machte 
sich  der  Kleine  aus  dem  Grasbündel  heraus,  band  das  Pferd  ab,  zäumte 
es  mit  dem  goldenen  Zaum  und  legte  ihm  das  goldgestickte  Reitzeug  an, 
und  die  Schellen,  die  daran  hingen,  verstopfte  er  mit  Wachs,  damit  sie 
keinen  Klang  gäben.  Dann  öffnete  er  die  verschlossene  Pforte  und  ritt 
auf  dem  Pferd  in  aller  Eile  fort  nach  dem  Ort,  wohin  ihn  seine  Brüder 
beschieden  hatten.  Allein  die  Wächter  in  der  Stadt  bemerkten  den 
Dieb,  eilten  ihm  nach,  und  als  sie  ihn  draußen  mit  seinen  Brüdern 
fanden,  nahmen  sie  alle  drei  gefangen  und  führten  sie  in  das  Gefängnis. 

Am  andern  Morgen  wurden  sie  vor  die  Königin  geführt,  und  als 
diese  sah,  daß  es  drei  schöne  Jünglinge  waren,  so  forschte  sie  nach  ihrer 
Herkunft  und  vernahm,  daß  es  die  Söhne  des  alten  Räubers  waren,  der 
seine  Lebensweise  geändert  und  als  ein  gehorsamer  Untertan  gelebt 
hatte.  Sie  ließ  sie  also  wieder  in  das  Gefängnis  zurückführen  und  bei 
dem  Vater  anfragen,  ob  er  seine  Söhne  lösen  wollte.  Der  Alte  kam  und 
sagte:  'Meine  Söhne  sind  nicht  wert,  daß  ich  sie  mit  einem  Pfennig  löse.' 
Da  sprach  die  Königin  zu  ihm:  'Du  bist  ein  weitbekannter,  verrufener 
Räuber  gewesen;  erzähle  mir  das  merkwürdigste  Abenteuer  aus  deinem 
Räuberleben,  so  will  ich  dir  deine  Kinder  wiedergeben.' 

Als  der  Alte  das  vernahm,  hub  er  an:  'Prau  Königin,  hört  meine 
Rede,  ich  ■will  euch  ein  Ereignis  erzählen,  was  mich  mehr  erschreckt  hat 
als  Feuer  und  Wasser.  Ich  brachte  in  Erfahrung,  daß  in  einer  wilden 
Waldschlucht  zwischen  zwei  Bergen,  zwanzig  Meilen  von  den  Menschen 
entfernt,  ein  Riese  lebte,  der  einen  großen  Schatz,  viel  tausend  Mark 
Silber  und  Gold  besäße.  Ich  wählte  also  aus  meinen  Gesellen  so  viele 
aus,  daß  unser  hundert  waren,  und  wir  zogen  hin.  Es  war  ein  langer, 
mühsamer  Weg  zwischen  Felsen  und  Abgründen.  Wir  fanden  den  Riesen 
nicht  zu  Haus,  waren  froh  darüber  und  nahmen  von  dem  Gold  und 
Silber  so  viel,  wie  wir  tragen  konnten.  Als  wir  damit  uns  auf  den 
Heimweg  machen  wollten  und  ganz  sicher  zu  sein  glaubten,  da  kam  der 
Riese  mit  zehn  andern  Riesen  unversehens  daher  und  nahm  uns  alle 
gefangen.  Sie  teüten  uns  unter  sich  aus;  jeder  erhielt  zehen  von  uns, 
und  ich  fiel  mit  neun  meiner  Gesellen  dem  Riesen  zu,  dem  wir  seinen 
Schatz  genommen  hatten.  Er  band  uns  die  Hände  auf  den  Rücken  und 
trieb  uns  wie  Schafe  in  seine  Felsenhöhle.  Wir  waren  bereit,  uns  mit 
Geld  und  Gut  zu  lösen,  er  aber  antwortete:  'Eure  Schätze  brauche  ich 
nicht;  ich  will  euch  behalten  und  euer  Fleisch  verzehren,  das  ist  mir 
lieber.'     Dann  befühlte  er  uns  alle,    wählte  einen  aus   und  sprach:    'Der 


191a.    Der  Räuber  und  seine  Söhne.  371 

ist  der  fetteste,  mit  dem  will  ich  den  Anfang  machen.'  Dann  schlug  er 
ihn  nieder,  warf  das  zerschnittene  Fleisch  in  einen  Kessel  mit  Wasser, 
den  er  über  das  Feuer  setzte,  und  als  es  gesotten  war,  hielt  er  seine 
Mahlzeit.  So  aß  er  jeden  Tag  einen  von  uns,  und  weil  ich  der  magerste 
war,  so  sollte  ich  der  letzte  sein.  Als  nun  meine  neun  Gesellen  auf- 
gezehrt waren  und  die  Reihe  an  mich  kam,  so  besann  ich  mich  auf  eine 
List.  'Ich  sehe  wohl,  daß  du  böse  Augen  hast,'  sprach  ich  zu  ihm,  'und 
am  Gesicht  leidest.  Ich  bin  ein  Arzt  und  bin  in  meiner  Kunst  wohl  er- 
fahren, ich  will  dir  deine  Augen  heilen,  wenn  du  mir  mein  Leben  lassen 
willst.'  Er  sicherte  mir  mein  Leben  zu,  wenn  ich  das  vermöchte.  Er 
gab  mir  alles,  was  ich  dazu  verlangte.  Ich  tat  Ol  in  einen  Kessel, 
mengte  Schwefel,  Pech,  Salz,  Arsenik  und  andere  verderbliche  Dinge 
hinein  und  stellte  den  Kessel  über  das  Feuer,  als  wollte  ich  ein  Pflaster 
für  seine  Augen  bereiten.  Sobald  das  Ol  im  Sieden  war,  mußte  der  Riese 
sich  niederlegen,  und  ich  goß  ihm  alles,  was  im  Kessel  war,  auf  die 
Augen,  über  den  Hals  und  den  Leib,  so  daß  er  das  Gesicht  völlig  verlor 
und  die  Haut  am  ganzen  Leib  verbrannte  und  zusammenschrumpfte.  Er 
fuhr  mit  entsetzlichem  Geheul  in  die  Höhe,  warf  sich  wieder  zur  Erde, 
wälzte  sich  hin  und  her  und  schrie  und  brüllte  dabei  wie  ein  Löwe  oder 
ein  Ochse.  Dann  sprang  er  in  Wut  auf,  packte  eine  große  Keule,  und 
in  dem  Haus  umherlaufend  schlug  er  auf  die  Erde  und  gegen  die  Wand 
und  dachte  mich  zu  treffen.  Entfliehen  konnte  ich  nicht,  denn  das  Haus 
war  überall  von  hohen  Mauern  umgeben  und  die  Türen  waren  mit 
eisernen  Riegeln  verschlossen.  Ich  sprang  aus  einem  Winkel  in  den 
andern,  endlich  wußte  ich  mir  nicht  anders  zu  helfen,  ich  stieg  auf  einer 
Leiter  bis  zu  dem  Dach  und  hing  mich  mit  beiden  Händen  an  den 
Hahnenbalken.  Da  hing  ich  einen  Tag  und  eine  Nacht;  als  ich  es  aber 
nicht  länger  aushalten  konnte,  so  stieg  ich  wieder  herab  und  mischte 
mich  unter  die  Schafe.  Da  mußte  ich  behend  sein  und  immer  mit  den 
Tieren  zwischen  seinen  Beinen  hindurchlaufen,  ohne  daß  er  mich  gewahr 
ward.  Endlich  fand  ich  in  einer  Ecke  unter  den  Schafen  die  Haut  eines 
Widders  liegen,  ich  schlüpfte  hinein  und  wußte  es  so  zu  machen,  daß  mir 
die  Hörner  des  Tiers  gerade  auf  dem  Kopf  standen-  Der  Riese  hatte  die 
Gewohnheit,  wenn  die  Schafe  hinaus  auf  die  Weide  gehen  sollten,  so  ließ 
er  sie  vorher  durch  seine  Beine  laufen.  Da  zählte  er  sie  und  welches 
am  feistesten  war,  das  packte  er,  kochte  es,  hielt  dann  seine  Mahlzeit. 
Ich  wäre  bei  dieser  Gelegenheit  gerne  davon  gelaufen  und  drängte  mich 
durch  seine  Beine,  wie  die  Schafe  taten;  als  er  mich  aber  packte  und 
merkte,  daß  ich  schwer  war,  so  sprach  er:  'Du  bist  feist,  du  sollst  mir 
heute  meinen  Bauch  füllen.'  Ich  tat  einen  Satz  und  entsprang  ihm  aus 
den  Händen,  aber  er  ergriff  mich  wieder.  Ich  entkam  nochmals,  aber  er 
packte  mich  aufs  neue,  und  so  ging  es  siebenmal.  Da  ward  er  zornig 
und  sprach:  'Lauf  hin,  die  Wolf e  mögen  dich  fressen,  du  hast  mich  genug 

24* 


372  191a.    Der  Räuber  und  seine  Söhne. 

genarrt.'  Als  ich  draußen  war,  warf  ich  die  Haut  ab,  rief  ihm  spöttisch 
zu,  daß  ich  ihm  doch  entsprungen  wäre,  und  höhnte  ihn.  Er  zog  einen 
Ring  vom  Finger  und  sprach:  'Nimm  diesen  goldenen  Bing  als  eine  Gabe 
von  mir;  du  hast  ihn  wohl  verdient.  Es  ziemt  sich  nicht,  daß  ein  so 
listiger  und  behender  Mann  unbeschenkt  von  mir  gehe.'  Ich  nahm  den 
Ring  und  steckte  ihn  an  meinen  Finger,  aber  ich  wußte  nicht,  daß  ein 
Zauber  darin  lag.  Von  dem  Augenblick  an,  wo  er  mir  am  Finger  saß, 
mußte  ich  unaufhörlich  rufen:  'Hier  bin  ich,  hier  bin  ich!'  ich  mochte 
wollen  oder  nicht.  Da  der  Riese  daran  merken  konnte,  wo  ich  mich  be- 
fand, so  lief  er  mir  in  den  Wald  nach.  Dabei  rannte  er,  weil  er  blind 
war,  jeden  Augenblick  gegen  einen  Ast  oder  einen  Stamm  und  fiel  nieder 
wie  ein  mächtiger  Baum  ;  aber  er  erhob  sich  schnell  wieder,  und  da  er 
lange  Beine  hatte  und  große  Schritte  machen  konnte,  so  holte  er  mich 
immer  wieder  ein  und  war  mir  schon  ganz  nahe;  denn  ich  rief  ohne 
Unterlaß:  'Hier  bin  ich,  hier  bin  ich.'  Ich  merkte  wohl,  daß  der  Ring 
die  Ursache  meines  Geschreies  war  und  wollte  ihn  abziehen,  aber  ich 
vermochte  es  nicht.  Da  blieb  mir  nichts  anderes  übrig,  ich  biß  mir  mit 
meinen  Zähnen  den  Finger  ab.  In  dem  Augenblick  hörte  ich  auf  zu 
rufen,  und  ich  entlief  glücklich  dem  Riesen.  Zwar  hatte  ich  meinen 
Finger  verloren,  aber  ich  hatte  doch  mein  Leben  behalten.' 

'Frau  Königin',  sprach  der  Räuber,  'ich  habe  euch  diese  Geschichte 
erzählt,  um  einen  meiner  Söhne  zu  erlösen;  jetzt  will  ich,  um  den  zweiten 
zu  befreien,  berichten,  was  sich  weiter  zutrug.  Als  ich  den  Händen  des 
Riesen  entronnen  war,  irrte  ich  in  der  Wildnis  umher  und  wußte  nicht, 
wo  ich  mich  hinwenden  sollte.  Ich  stieg  auf  die  höchsten  Tannen  und 
auf  die  Gipfel  der  Berge,  aber  wohin  ich  blickte,  weit  und  breit  war  kein 
Haus,  kein  Acker,  keine  Spur  von  menschlichem  Dasein,  überall  nichts 
als  eine  schreckliche  Wildnis.  Ich  stieg  von  himmelhohen  Bergen  herab 
in  Täler,  die  waren  aber  wie  die  tiefsten  Abgründe.  Mir  begegneten 
Löwen,  Bären,  Büffel,  Waldesel,  giftige  Schlangen  und  scheußliches  Ge- 
würm; ich  sah  wilde,  behaarte  Waldmenschen,  Leute  mit  Hörnern  und 
Schnäbeln  so  entsetzlich,  daß  mir  noch  jetzt  schaudert,  wenn  ich  daran 
zurückdenke.  Ich  zog  immer  weiter,  Hunger  und  Durst  quälten  mich, 
und  ich  mußte  jeden  Augenblick  befürchten,  vor  Müdigkeit  umzusinken. 
Endlich,  eben  als  die  Sonne  untergehen  wollte,  kam  ich  auf  einen  hohen 
Berg,  da  sah  ich  in  einem  öden  Tal  einen  Rauch  aufsteigen,  wie  aus 
einem  angezündeten  Backofen.  Ich  lief,  so  schnell  ich  konnte,  den  Berg 
herab  nach  dem  Rauch  zu;  als  ich  unten  ankam,  sah  ich  drei  tote 
Männer,  die  waren  an  dem  Ast  eines  Baumes  aufgehängt.  Ich  erschrak, 
denn  ich  dachte,  ich  würde  in  die  Gewalt  eines  anderen  Riesen  kommen, 
und  war  um  mein  Leben  besorgt.  Doch  faßte  ich  mir  ein  Herz,  ging 
weiter  und  fand  ein  kleines  Haus,  dessen  Tür  weit  offen  stand;  und  bei 


191a.    Der  Räuber  und  seine  Söhne.  373 

dem  Feuer  des  Herds  saß  da  eine  Frau  mit  ihrem  Kinde.  Ich  trat  ein, 
grüßte  sie  und  fragte,  warum  sie  hier  so  allein  säße  und  wo  ihr  Mann 
sich  befände;  ich  fragte  auch,  ob  es  noch  weit  bis  dahin  wäre,  wo 
Menschen  wohnten.  Sie  antwortete  mir,  das  Land,  wo  Menschen  wohnten, 
das  läge  in  weiter  Ferne,  und  erzählte  mit  weinenden  Augen,  in  voriger 
Nacht  wären  die  wilden  Waldangeheuer  gekommen  und  hätten  sie  und 
das  Kind  von  der  Seite  ihres  Mannes  weggeraubt  und  in  diese  Wildnis 
gebracht;  dann  wären  sie  am  Morgen  wieder  ausgezogen  und  hätten  ihr 
geboten,  das  Kind  zu  töten  und  zu  kochen,  weil  sie  es,  wenn  sie  zurück- 
kämen, aufessen  wollten.  Als  ich  das  gehört  hatte,  empfand  ich  großes 
Mitleid  mit  der  Frau  und  dem  Kinde  und  beschloß,  sie  aus  ihrer  Not  zu 
erlösen.  Ich  lief  fort  zu  dem  Baum,  an  welchem  die  drei  Diebe  auf- 
gehängt waren,  nahm  den  Mittelsten,  der  wohlbeleibt  war,  herab  und 
trug  ihn  in  das  Haus.  Ich  zerteilte  ihn  in  Stücke  und  sagte  der  Frau 
sie  sollte  ihn  den  Riesen  zu  essen  geben.  Das  Kind  aber  nahm  ich  und 
versteckte  es  in  einen  hohlen  Baum ;  dann  verbarg  ich  mich  selbst  hinter 
das  Haus,  so  daß  ich  bemerken  konnte,  wo  die  wilden  Menschen  her- 
kämen und  ob  es  Not  wäre,  der  Frau  selbst  zu  Hilfe  zu  eilen.  Als  die 
Sonne  untergehen  wollte,  sah  ich  die  Ungeheuer  von  dem  Berge  herab- 
laufen; sie  waren  greulich  und  furchtbar  anzusehen,  den  Affen  an  Gestalt 
ähnlich.  Sie  schleppten  einen  toten  Leib  hinter  sich  her,  aber  ich  konnte 
nicht  sehen,  wer  es  war.  Als  sie  in  das  Haus  kamen,  zündeten  sie  ein 
großes  Feuer  an,  zerrissen  den  blutigen  Leib  mit  ihren  Zähnen  und  ver- 
zehrten ihn.  Darnach  nahmen  sie  den  Kessel,  in  dem  das  Fleisch  des 
Diebes  gekocht  war,  vom  Feuer  und  zerteilten  die  Stücke  unter  sich  zum 
Abendessen.  Als  sie  fertig  waren,  fragte  einer,  der  ihr  Oberhaupt  zu  sein 
schien,  die  Frau,  ob  das,  was  sie  gegessen  hätten,  das  Fleisch  ihres 
Kindes  gewesen  wäre.  Die  Frau  sagte  'ja'.  Da  sprach  das  Ungeheuer 
'Ich  glaube,  du  hast  dein  Kind  versteckt  und  uns  einen  von  den  Dieben 
gekocht,  die  an  dem  Ast  hängen.'  Er  hieß  drei  von  seinen  Gesellen  hin- 
laufen und  ihm  von  einem  jeden  der  drei  Diebe  ein  Stück  Fleisch  bringen, 
damit  er  sähe,  daß  sie  noch  alle  dort  wären.  Als  ich  das  hörte,  lief  ich 
schnell  voraus  und  hing  mich  mit  meinen  Händen  mitten  zwischen  die 
zwei  Diebe  an  das  Seil,  von  dem  ich  den  dritten  abgenommen  hatte. 
Als  nun  die  Ungeheuer  kamen,  schnitten  sie  einem  jeden  ein  Stück 
Fleisch  aus  den  Lenden.  Auch  mir  schnitten  sie  ein  Stück  heraus,  aber 
ich  duldete  es,  ohne  einen  Laut  von  mir  zu  geben.  Ich  habe  zum  Zeugnis 
noch  die  Narbe  an  meinem  Leib.' 

Hier  schwieg  der  Räuber  einen  Augenblick  und  sprach  dann: 
'Frau  Königin,  ich  habe  euch  dies  Abenteuer  erzählt  für  meinen  zweiten 
Sohn,  jetzt  will  ich  euch  für  den  dritten  den  Schluß  der  Geschichte  be- 
richten.    Als  das  wilde  Volk  mit    den  drei  Stücken  Fleisch   fortgelaufen 


374  191a.    Der  Räuber  und  seine  Söhne. 

war,  so  ließ  ich.  mich  wieder  herab  und  verband  meine  Wunde  mit 
Streifen  von  meinem  Hemd,  so  gut  ich  konnte,  doch  das  Blut  ließ  sich 
nicht  stillen,  sondern  strömte  an  mir  herab.  Aber  ich  achtete  nicht  dar- 
auf, sondern  dachte  nur,  wie  ich  der  Frau  mein  Versprechen  halten  und 
sie  und  das  Kind  retten  wollte.  Ich  eilte  also  wieder  zu  dem  Haus 
zurück,  hielt  mich  verborgen  und  horchte  auf  das,  was  geschah,  aber  ich 
konnte  mich  nur  mit  Mühe  aufrecht  erhalten ;  mich  schmerzte  die  Wunde, 
und  ich  war  von  Hunger  und  Durst  ganz  abgemattet.  Indessen  versuchte 
der  Riese  die  drei  Stücke  Fleisch,  die  ihm  gebracht  waren,  und  als  er 
das  gekostet  hatte,  das  mir  ausgeschnitten  und  noch  blutig  war,  so  sprach 
er:  'Lauft  und  bringt  mir  den  mittelsten  Dieb,  sein  Fleisch  ist  noch  frisch 
und  behagt  mir!'  Als  ich  das  hörte,  eilte  ich  zurück  zu  dem  Galgen  und 
hing  mich  wieder  an  das  Seil  zwischen  die  zwei  Toten.  Bald  darauf 
kamen  die  Ungeheuer,  nahmen  mich  von  dem  Galgen  herab  und  schleiften 
mich  über  Dornen  und  Distel  zu  dem  Haus,  wo  sie  mich  auf  den  Boden 
hinstreckten.  Sie  schärften  ihre  Zähne,  wetzten  ihre  Messer  über  mir 
und  bereiteten  sich,  mich  zu  schlachten  und  zu  essen.  Eben  wollten  sie 
Hand  anlegen,  als  plötzlich  ein  solches  Ungewitter  mit  Blitz,  Donner  und 
Wind  sich  erhob,  daß  die  Ungeheuer  selbst  in  Schrecken  gerieten  und 
mit  gräßlichem  Geschrei  zu  den  Fenstern,  Türen  und  zum  Dach  hinaus- 
fuhren und  mich  auf  dem  Boden  liegen  ließen.  Nach  drei  Stunden  be- 
gann es  Tag  zu  werden,  und  die  klare  Sonne  stieg  empor.  Ich  machte 
mich  mit  der  Frau  und  dem  Kinde  auf,  wir  wanderten  vierzig  Tage  durch 
die  Wildnis  und  hatten  keine  andere  Nahrung  als  Wurzeln,  Beeren  und 
Kräuter,  die  im  Walde  wuchsen.  Endlich  kam  ich  wieder  unter  Menschen 
und  brachte  die  Frau  mit  dem  Kinde  wieder  zu  ihrem  Mann ;  wie  groß 
seine  Freude  war,  kann  sich  jeder  leicht  denken.' 

Damit  war  die  Geschichte  des  Räubers  zu  Ende.  'Du  hast  durch 
die  Befreiung  der  Frau  und  des  Kindes  viel  Böses,  was  du  getan  hast, 
wieder  gut  gemacht,'  sprach  die  Königin  zu  ihm,  'ich  gebe  dir  deine  drei 
Söhne  frei.' 


Nach  einer  deutschen  Prosaerzählung  aus  einer  Leipziger  Hs. 
des  15.  Jahrb.,  die  M.  Haupt  in  den  Altdeutschen  Blättern  1, 
119 — 127  (1836)  mitgeteilt  hat;  vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vor- 
lagen 1906  S.  100.  Erst  später  erkannten  die  Brüder  Grimm,  daß 
diese  aus  dem  um  1185  geschriebenen  lateinischen  Dolopathos 
des  lothringischen  Mönches  Johannes  de  Alta  Silva  (ed.  Oesterley 
1873  S.  65  =  ed.  Hilka  1913  S.  71;  vgl.  Herbert,  Li  romans  de 
Dolopathos  ed.  A.  de  Montaiglon  1856  p.  276)  geflossen  sei;  vgl. 
Mussafia,  Wiener  SB.  57,  39  und  Chauvin  8,  204  nr.  247   'Les  trois 


191a.    Der  Räuber  und  seine  Söhne.  375 

voleurs'.  Bis  auf  den  Schluß  stimmt  damit  überein  das  schottische 
Märchen  bei  Campbell2  1,  105  nr.  5  'Conall  Cra  Bhuidhe';  vgl.  R. 
Köhler  1,  181.  Auch  in  Bojar  dos  Orlando  innamorato  B.  3,  3,  St. 
22—60  (vgl.  Ariost  17,  St.  23)  befreien  Mandricardo  und  Gradasso 
auf  ähnliche  Weise  eine  Frau  von  einem  Menschenfresser. 

Die  erste  der  Erzählungen,  durch  die  der  alte  Räuber  seine 
gefangenen  drei  Söhne  löst,  gleicht  auffällig  dem  Abenteuer  des 
Odysseus  bei  Polyp hem  (Odyssee  9,  106—545),  worauf  Johannes 
de  Alta  Silva  p.  71,  21  selber  durch  Anführung  des  Namens  'Poli- 
phemus'  hinweist;  nur  bohrt  der  Räuber  dem  Riesen  nicht  sein  ein- 
ziges Auge  im  Schlafe  aus,  sondern  gießt  ihm  unter  dem  Versprechen, 
seine  Augen  zu  heilen,  siedendes  Wasser  hinein,  und  auf  die  Flucht 
im  Widderfell  folgt  noch  ein  Versuch  des  Riesen,  ihn  durch  einen 
geschenkten  Zauberring  in  seine  Gewalt  zu  bekommen,  der  ihn  zu 
lautem  Rufen  zwingt;  auch  fehlt  der  Betrug  des  Riesen  durch  den 
falschen  Namen  Niemand.  Vgl.  dazu  die  Untersuchungen  von  W. 
Grimm,  Die  Sage  von  Polyphem  (Abh.  der  Berliner  Akad.  1857,  1 
=  Kleinere  Schriften  4,  428);  K.  Nyrop,  Sagnet  om  Odysseus  og 
Polyphem  1881  (aus  Nordisk  Tidskrift  for  Filologi,  ny  R.  5,  216): 
Polivka,  Nachträge  zur  Polyphemsage  1898  (Archiv  für  Religions- 
wissenschaft 1,  305 — 336.  377);  Hackman,  Die  Polyphemsage  in  der 
Volksüberlieferung  (Helsingfors  1904);  Chauvin  7,  15  nr.  373c  und 
8,  205;  Hollander,  The  source  of  the  Polyphemos-episode  of  the 
Hrölfssaga  Gautrekssonar  (Journal  of  engl.  &  germanic  phil.  11,  61 — 81). 

Man  kann  mit  Hackman  in  den  verschiedenen  Varianten  fol- 
gende Motive  unterscheiden :  A1)  Der  Held  stößt  dem  schlafenden 
Riesen  einen  Speer  oder  Pfahl  ins  Auge,  oder  A2)  gießt  ihm  unter 
der  Vorspiegelung,  sein  Auge  zu  heilen,  eine  glühende  Masse  hinein ; 
B1)  er  flieht  unter  einem  Schafe  angeklammert  oder  B2)  in  ein  Schaf- 
fell gehüllt  aus  dem  vom  blinden  Riesen  gehüteten  Eingange ;  C)  der 
Riese  sucht  sich  durch  das  Geschenk  eines  Zauberringes,  Beiles  oder 
Säbels  seiner  wieder  zu  bemächtigen. 

Siebenbürgisch  bei  Haltrich  nr.  36  'Die  drei  Brüder  und 
der  Hüne'  (AJC);  aus  dem  Harz  bei  Pröhle,  KVm.  S.  137  nr.  43 
'Von  einem  Reisenden,  der  die  Weisheit  Gottes  ergründen  wollte' 
(A1);  aus  Schlesien  in  den  Mitt.  f.  schles.  Vk.  7,  14,  61.  Am 
Urquell  5,  85  (1894).  —  Vlämisch:  Joos  1,  178  nr.  97  'Van 
den  Reusen  en  den  Dwerg'  (A2  B2)  =  Goyert  und  Wolter,  Vläm. 
Sagen   S.    165.    —   Schwedisch:    Bondeson,    Historiegubbar  p.  28 


376  191a.    Der  Räuber  und  seine  Söhne. 

'Gossen  och  jätten'  (A2  B2)  und  Lindholm  p.  110  'Den  bedragne 
jätten'  —  Poestion,  Lappl.  Märchen  S.  122,  vgl.  Hackman  S.  34 
(A2B2).  Hackmans  Register  nr.  1137.  —  Norwegisch:  Hackman 
S.  37—40  (A2B2).  —  Isländisch  in  der  Egilssaga  (Fornaldar 
sögur  3,  365.  A2  B2  C),  Hrölfssaga  (Detter,  Zwei  Fornaldarsögur 
1891  S.  32.  A1),  Halfssaga  (ed.  Andrews  1909;  Boer,  Arkiv  8,  97), 
einer  Marienlegende  (Unger,  Mariu  Saga  1871  p.  1054  nr.  217  = 
Cederschiöld,  Sv.  landsmälen  5,  6,  42.  A1  B2),  und  bei  Arnason  2, 
348  =  Poestion  S.  254  nr.  31  =  Rittershaus  8.  126  nr.  29  'Die 
Königskinder  in  der  Höhle  der  Riesin'  (B2);  färöisch  bei  Jakobsen 
S.  273  nr.  9  (A1  B1);  vgl.  nr.  5.  8.  57  (A1).  -  Schottisch:  Mac 
Innes  p.  263  nr.  7  (A1).  —  Irisch:  Larminie,  West  irish  folktales 
p.  27  (A1).— Englisch:  Folk4ore  1,  130  (A1  B2)  =  Jacobs  2,  85  nr. 
61  'The  blinded  giant'  (A1  B2).  —  Französisch:  Luzel  2,  243 
'Le  perroquet  sorcier'  (B2).  Sebillot,  Revue  des  trad.  pop.  9,  106 
'Le  geant  qui  n'avait  qu'  un  oeil'  =  Contes  des  Landes  p.  196 ;  vgl. 
Schweiz.  Archiv  f.  Vkunde  5,  65  (A^1).  Blade  1,  32  'Le  becut' 
(A1  B2).  Roche  p.  157  'Les  enfants  qui  se  rendaient  ä  Saint-Jacques' 
(A1  B2).  Lambert,  Revue  des  1.  rom.  28,  124  'Le  loup-garou'  (A1  B2). 
—  Italienisch:  Archivio  1,  518  (A1  B2)  und  3,  532  (A^C). 
Nyrop  bei  Hackman  S.  13  (A1  B2  C).  Pitre,  Fiabe  sie.  2,  1  nr.  51 
'Lu  munacheddu'  (A1  B1)  =  Kaden  S.  XVIII  =  Grane  p.  89.  345. 
Finamore  1,  190  nr.  38  'Lu  fatte  delP  uocchie-n-fronde'  (A2  B2  C) 
und  2,  57  nr.  68  'L'ucchie-m-brande'  (A2  B2  C).  De  Nino  3,  304 
nr.  61  'Occhio  in  fronte'  (A1  B2  C).  Comparetti  nr.  44  'II  Fiorentino' 
(A2C)  =  Kaden  S.  XXII  =  Heyse  S.  80.  Comparetti  nr.  70 
'I  Ciclopi'.  —  Portugiesisch:  Archivio  1,  270  '0  alicornio' 
(A1  B2).  —  Baskisch:  Cerquand  3,  8  nr.  52  'Le  Tartare  et  les  deux 
soldats'  (A1B2C);  nr.  53  'Le  Tartare  aveugle'  (A1  B2  C)  =  Webster 
p.  4;  nr.  54  'Le  Tartare  et  Tenfant'  (A1B2C);  nr.  55  Le  Tartare 
et  Petit  homme'  (A1B2C);  nr.  16  'Le  gentilhomme  et  le  valet  avise' 
(A1  B2).  Vinson  p.  43  'Basa-Jaun  aveugle'  (A1  B2  C).  p.  46  'Le  Tartaro' 
(C)  =  Webster  p.  4.  —  Rumänisch:  Obert  nr.  9  'Der  überwundene 
Riese'  (Ausland  1856,  717)  und  Schullerus,  Archiv  33,  505  'Drei 
Schafbesitzer  und  der  Teufel'  (A1  C  B1).  —  Griechisch:  L.  Roß, 
Erinnerungen  aus  Griechenland  1863  S.  281  'Georg  und  die  Störche' 
(B2),  vgl.  R.  Köhler  1,  366.  Drosinis-Boltz,  Nord-Euböa  1884  S.  170 
(A1  B1).  Politis,  IIctQCiööoEic,  nr.  134  =  Zs.  f.  Volkskunde  15,  381 
'Der  Einäugige'  (A1).     AeXtIov  1,  147  =  Garnett  2,  80  'The  famous 


191a.    Der  Räuber  und  seine  Söhne.  377 

dhrako'  (A1  B1).  —  Albanesisch:  Comparetti  nr.  70  'I  Ciclopi' 
(AXB2)  =  Kaden  S.  XIX.  Nopcsa,  Aus  Sala  und  Klementi  (Zur 
Kunde  der  Balkanhalbinsel,  H.  11,  Sarajevo  1910)  S.  68  =  Glasnik 
zem.  muz.  bos.  herceg,  22,  357  (Mönche  blenden  den  Riesen)  =  Revue 
des  trad.  pop.  29,  49  'Le  cyclope'  (A1B1).  —  Slowenisch:  Krek, 
Einl.  1887  S.  737  (A1).  —  Serbokroatisch:  Krauß,  TSM.  1, 
386  nr.  113  'Das  Abenteuer  mit  den  drei  Einaugriesen  und  mit  der 
Pestfrau'  (B1).  Begovic  S.  202  (A1  C).  Rovinskij,  Öernogorija  2,  2, 
593  nr.  4  (A1  B1  C.  Flöte  statt  Stock).  Krek  S.  736  (A1).  Zbornik 
jslav.  10,  194  (A^C).  Wuk  Stef.  Karadzic  nr.  38  =  Krauß 
1,  169  nr.  35  (A1  B2  C)  =  Glasnik  zem  muz.  bos.  herceg.  32,  357. 
Luca  6,  672  (1900).  Kiea  8,  nr.  30—31  (A1).  7,  nr.  38.  S.  2 
(Hundsköpfe.  B1  C).  Im  Letopis  Mat.  srpske  250,  29  weist  VI.  Corovic 
auf  eine  unvollständige  Passung  in  der  Zs.  Zora  1899,  71  hin.  — 
Bulgarisch:  Sbornik  min.  1,  101  nr.  2  (A1  B1)  =  Leskien,  Balkan- 
märchen S.  46.  —  Ce chi seh:  Radostov1  12,  66  =  Krek  S.  684 
(A^C).  Kubin  2,  114  nr.  30  (A1  C).  Aus  Mähren:  Pfikryl  S.  253 
(A^C;  beide  Augen).  -  Slowakisch:  Slov.  Pohl' ady  15,  325 
nr.  2  =  Polivka,  Archiv  f.  Relig.  1,  320  (A1  B1).  15,  326  nr.  3 
=  Polivka  1,333  (A1  B2  C).  Sbornik  raus.  slov.  spol.  17,  89  nr.  38 
(A1BT).  Das  von  Polivka  1,  320  angeführte  Märchen  bei  Dobsinsky 
8,  65  nr.  87  Aschenbrödel'  ist  eine  Variante  des  oben  1,  124.  173 
angeführten  Märchens  'Pinette  Cendron'  der  Aulnoy ;  die  gefangenen 
Mädchen  stoßen  ein  glühendes  Eisen  in  das  einzige  Auge  des 
Menschenfressers.  — ■  Polnisch:  Kolberg,  Lud  8,  148  nr.  60  = 
Krek  S.  686  (C).  Mater,  antropol.  10,  232  nr.  2  (A1  B1).  —  Klein- 
russisch aus  Gouv.  Jekaterinoslaw :  Dragomanov  S.  384  (A2).  Aus 
Gouv.  Kiew:  Cubinskij  2,  85  nr.  21  (A^C)  =  Krek  S.  682  (A1 
B2C).  Etnograf.  Obozr.  4,  94  nr.  2  (A1  B2).  Aus  Gouv.  Cernigov: 
Hrincenko  2,  2  nr.  4  =  Polivka,  Archiv  1,  330  (A1  B2).  Aus  Gouv. 
Poltawa:  Etnogr.  Zbirnyk  14,  186  nr.  26  (A1  B2  C).  Aus  Gouv. 
Cherson:  Jastrebov  S.  139  (A^1).  139  f.  (A2  B2  C).  140  f .  (A1  B2  C). 
Aus  Galizien :  Rozdoljskyj  S.  63  nr.  18  (C).  Etnogr.  Zbirnyk  7,  2  nr.  26 
(A1).  Suchevyc  S.  105  nr.  66  (A1  B2  C).  Mater,  antropolog.  13,  144 
nr.  22  (der  Schmied  kuriert  das  einzige  Auge  der  Unholdin  und  versteckt 
sich  unter  das  Bett).  Kijevskaja  Starina  1903,  H.  10  'Vom  Hundskopf  und 
dem  Schmiede'.  —  Weiß  russisch  aus  Gouv.  Minsk:  Sejn  2,  151  nr.  71 
AXB2  C).  Aus  Gouv.  Mogilev:  Romanov  3,  211  nr.  29  (A1  ß  abgeändert, 
C).  3,  224  nr.  35  (A  geändert,  B2  C).  3,  212  nr.  30  (A2  B1  C).  3,  205  nr.28 


378  191a.    Der  Räuber  und  seine  Söhne. 

(A2B1C).  Aus  Gouv.  Smolensk:  Dobrovoljskij  S.  150  nr.  86  (A2 
B1^.  —  Großrussisch  aus  Gouv.  Woronez :  Afanasjev3  2,  229 
nr.  170  (AXB3C).  Aus  Gouv.  Samara:  Sadovnikov  S.  18  nr.  2  (A2 
B1  C).  S.  22  nr.  3  (A^1  C).  Aus  Gouv.  Archangelsk:  Oncukov  S.  89 
nr.  31  (A2B1).  S.  129  nr.  48  (A2B2C).  S.  149  nr.  57  (A2j.  S.  564 
nr.  282  (A2  C).  Aus  Gouv.  Olonetz :  Oncukov  S.  230  nr.  85  (C). 
S.  399  nr.  160  (A^1).  S.  445  nr.  181  (ins  Auge  geschossen,  BJC). 
Zap.  Krasnojarsk.  2,  96  nr.  26  (A2B1C).  —  Litauisch:  Vecken- 
stedts  Zs.  f.  Volkskunde  1,87  'Der  einäugige  Riese'  (echt?).  Bezzen- 
berger,  Gott.  gel.  Anzeigen  1895,  400  (A2  B2  C).  Dowojna  Sylwe- 
strowicz  1, 193  und  41 2  (A2  B2  C).  —  L  e  1 1  i  s  ch  bei  Komarov  1886  S.  36. 
—  Finnisch1)  bei  Sahnelainen  1.  223  nr.  14,  2  =  Schreck  nr.  16  'Die 
wunderbare  Flöte'  (A1)  =  Bertram,  Jenseits  der  Scheeren  S.  9. 
Hackman  S.  77 — 87.  Aarnes  Register  nr.  1137.  —  Lappisch:  Hack- 
man  S.  87.  —  Syrjänisch  ebd.  S.  89.  —  Wotjakisch:  Wich- 
mann, Journal  de  la  soc.  finno-ougr.  19,  133  (A2  B2). —  Ungarisch: 
Gaal-Stier  S.  146  nr.  14  'Die  drei  Flüchtlinge' (A1  B1).  —  Türkis  ch : 
Künos,  Adakaie  S.  237  nr.  34  (A1).  Gagausisch  bei  Radioff  10,  38 
nr.  28  (A*B2).  10,  39  nr.  28a  (A2B2C).  —  Tatarisch:  Sbornik 
kavkaz.  32,  1,  19  nr.  4  (A1  B2  C).  32,  1,  34  nr.  2  (A1  B2).  — 
Oghuzisch  aus  einem  mittelalterlichen  Geschichtswerk  bei  H.  F. 
v.  Diez,  Der  neuentdeckte  oghuzische  Cyklop  1815  —  W.  Grimm, 
Kl.  Schriften  4,  435  (A1  B2  C).  —  Georgisch,  ossetisch,  kabar- 
dinisch, tsche ts  chenzis ch ,  kirgisisch  bei  Hackman  S.  94; 
das  ossetische  Märchen  nr.  113  auch  im  Globus  41,  335  =  Seidel, 
Asiat.  Volksliteratur  S.  364  (Urysmag.  A1  B2).  —  Armenisch: 
Globus  94,  205.  —  Syrisch  bei  Prym-Socin,  Tür  'Abdin  2,  115 
nr.  115  (AiB1).  —  Arabisch  in  1001  Nacht,  Sindbads  3.  Reise 
(Henning  10,  31.  Chauvin  7,  15.  A1)  und  Sa'if  al  mulük  (Henning  13, 
529.  Chauvin  7,  64.  A1).  Chauvin  7,  69.  8,  205  (A2B2C).  Schmidt- 
Kahle,  Palästina  nr.  55  'Potyphem'.  —  Persisch:  Bricteux,  Contes 
persans  1910  p.  286  (Hadjdjädj).  —  Koreanisch:  J.  S.  Gale, 
Korean  folk-tales  p.  101  'The  man  who  lost  his  legs'  (A^1). 

*)  Auf  Finnland  und  die  russischen  Ostseeprovinzen  beschränkt  ist 
eine  von  Hackman  S.  134 — 154  besprochene  Märchengrnppe,  welche  das 
Motiv  A2  mit  dem  Niemand-Motiv  vereinigt;  der  Held,  der  dem  Unhold 
ein  neues  Auge  zu  gießen  verspricht,  nennt  sich  Ichselbst;  vgl.  J.  Grimm, 
Mythologie3  S.  979  (estnisch),  Jannsen  1,  18,  Aarnes  Register  nr.  1135, 
Aberg  nr.  2,  Hackmans  Register  nr.  1135,  Russwurm,  Sagen  S.  136. 


192.    Der  Meisterdieb.  379 

192.    Der  Meisterdieb.  lsses.  aso. 

1843  nr.  192.  —  Nach  einer  von  Friedrich  Stertzing  in  Thüringen 
aufgefaßten  und  in  der  Zs.  für  deutsches  Altertum  3,  292 — 299  (1843) 
mitgeteilten  Überlieferung ;  vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen 
1906  S.  100.  Danach  auch  Bechstein  1845  S.  21  =  1874  S.  14  'Die 
Probestücke  des  Meisterdiebes'. 

Inhalt :  A.  Ein  seinen  Eltern  entlaufener  Taugenichts  kehrt  als 
stattlicher  Herr  zurück,  rühmt  sich  seiner  Geschicklichkeit  als  Meister- 
dieb und  legt  vor  dem  Grafen,  seinem  Paten,  drei  Proben  davon  ab. 
B.  Er  stiehlt  des  Grafen  Pferd,  indem  er  als  alte  Frau  verkleidet  die 
Knechte  trunken  macht ;  C.  der  Gräfin  Bettuch  und  Trauring,  indem 
er  den  Grafen  verlockt,  einen  Toten  statt  seiner  zu  erschießen  und 
zu  begraben;  D.  bringt  Pfarrer  und  Küster  in  einem  Sacke1)  herbei, 
denen  er  vorgeredet  hat,  er  sei  Petrus  und  wolle  sie  jetzt,  da  der 
jüngste  Tag  anbreche,  in  den  Himmel  führen. 

Eine  Erzählung  bei  Nie.  Remigius,  Daemonolatria  1693  3,  39 
'Der  vermeinte  zauberische  Dieb',  die  auf  Straparola  1,  nr.  2  zurück- 
gehn  mag,  enthält  nur  das  Motiv  C :  auf  Verlangen  des  0 bristen 
von  Panzano  stiehlt  der  geschickte  Dieb  Adrastus  von  Pontoise  diesem 
das  Bett  unterm  Leibe  weg.  Aus  dem  Ober wallis  bei  Jegerlehner, 
Sagen  aus  dem  Oberwallis  S.  53  nr.  75  'Der  Meisterdieb'  (A  B  C  D) 
=  Bächtold  S.  59.  Aus  Schwaben  bei  Meier  nr.  55  'Der  kluge 
Martin'  (stiehlt  einem  wandernden  Metzger  Kalb,  Kleider  und  Geld, 
macht  die  Husaren  betrunken  und  kleidet  sie  als  Kapuziner,  tanzt 
beim  Kaiser,  der  Goldstücke  in  den  Saal  gestreut  hat,  und  gewinnt 
den  Preis  im  Turnier).  Aus  Vorarlberg  bei  Dörler,  Zs.  f.  öster. 
Volksk.  14,  165  'Die  drei  Proben'  (BDC;  Heirat  mit  der  Tochter 
des  Bitters).  Aus  Südtirol  bei  Menghin  S.  61  'Der  Maiser  Student' 
(B  C  D).  Aus  Niederösterreich  bei  Vernaleken,  Mythen  S.  27 
(B  D ;  Hans,  der  das  'Stangelputzen'  gelernt,  gewinnt  den  Schimmel 
dadurch,  daß  er  sich  für  den  Sunnawendfeuermann  mit  dem  breiten 
Hut  ausgibt)  und  Vernaleken,  KHM.  nr.  57  'Der  Betenkrämerhansl' 
(D).  Hean zisch  bei  Bunker  nr.  14  'Schölmstickl'  (der  Bub  stiehlt 
dem  Bauern    einen  Ochsen  vom  Pflug;    B  C  D).     Siebenbürgis  ch 


J)  Einen  andern  in  den  Sack  stecken  ist  ein  verbreitetes 
Scbwankmotiv;  vgl.  oben  2,  1571,  ferner  Wander,  Sprichwörterlexikon  3, 
1816  und  Seiler,  Zs.  f.  dt.  Phil.  47,  256  nr.  156. 


380  192.    Der  Meisterdieb. 

im  Kbl.  f.  siebenbürg.  Landeskunde  1900,  107  'Vom  ungeratenen 
Sohn'  (AB  CD).  Aus  dem  Rheinlande  bei  Simrock  1864  S.  253 
nr.  54  'Die  Himmelfahrt'  (D.  Pfarrer,  Küster,  Pfarrköchin).  Aus 
Hannover  bei  Schambach-Müller  S.  316  nr.  27  'Der  gelernte  Dieb' 
(AB;  Pferd  vom  Wagen  und  Ochse  vom  Pflug  gestohlen).  Kuhn- 
Schwartz  S.  362  nr.  19  'Der  Meisterdieb'  (ABC;  Ochse  gestohlen). 
Aus  Dithmarschen  bei  Hansen  nr.  1  'De  Spitzbow,  de  allens 
stehlen  kunn,  wat  he  wull'  (Zs.  f.  schlesw.  Gesch.  7,  217.  B  C  D). 
Aus  Holstein  bei  Wisser,  Heimat  10,  43  'De  Spitzboof  (AB  CD). 
Wisser,  Grotmudder  2,  81  'De  Spitzboof  (ABC  D).  Wisser,  Plattd. 
M.  S.  252  'De  Spitzböfmeister'  (Proben  beim  Räuberhauptmann,  zwei 
Ochsen  und  ein  Pferd;  AB  CD);  Wisser,  Zs.  f.  Volkskunde  13,  301. 
Aus  Pommern  bei  Jahn  1,276  nr.  53  'Der  Meisterdieb' =  Baltische 
Studien  36,  55.  1886  (Kalb  dem  Schlächter  gestohlen ;  ABCD);  1, 
367  und  1,  376  f.  Bl.  f.  pomm.  Vk.  10,  102  'Der  Meisterdieb'(A  C  D). 
Aus  Ostpreußen  bei  Lemke  2,  81  nr.  11  'Der  dwatsche  Hans' (A  B). 
—  Niederländisch:  Wolf,  DMS.  S.  30  nr.  5  'Jan  der  Dieb' 
(Prophezeiung  wie  in  nr.  139;  D  C  B.  Hemd  der  Frau)  =  Wodana 
S.  173.  Lootens-Feys  nr.  7  'Meester-Gauwdief  (A  C  B  D)  =  Germ. 
14,  90  =  Leopold,  Van  de  Scheide  tot  de  Weichsel  1,  24  (1882). 
Leopold  1,  73  (G.  Segers,  De  slimme  dief).  De  Mont  en  de  Cock, 
Vertelsels  p.  393  'Van  den  doortrapten  dief  (ABCD;  Hemd  der 
Frau).  Witteryck-Delplace  nr.  3  'Drie  slimme  gasten'  (zuerst  die  drei 
kunstreichen  Brüder,  oben  nr.  124.  A  B  C).  Cornelissen-Vervliet  nr.  48 
Wan  Robber  den  dief  (Prophezeiung  wie  in  nr.  139 ;  A  D  B  C). 
Volkskunde  1,  289  'Van  Summen  Jan'  (B  C  D,  Befreiung  aus  dem 
Sack).  1,  292  (ABCD).  15,  189  'Van  den  Meesterdief  (Probestück 
die  Beraubung  eines  Bauern).  —  Dänisch:  Grundtvig,  Minder  3,  68 
Hans  Mestertyv'  (ABCD;  die  drei  Aufgaben  stellt  der  Pfarrer, 
dem  Hans  Brot  und  Fleisch  gestohlen  hat,  um  eine  arme  Familie  zu 
speisen;  Hans  macht  in  der  Kirche  solchen  Lärm,  daß  Pfarrer  und 
Küster  in  den  vor  die  Tür  gehängten  Sack  hineinflüchten).  Grundt- 
vigs  hsl.  Register  nr.  110  'Mestertyven  og  k?ellingen  i  kisten'. 
Berntsen  1,  160  nr.  19  'Mestertyven'  (Hemd  des  Schlächters  und 
Pflugochse  gestohlen ;  ABC).  Skattegraveren  2,  13 L  'Mestertyven' 
(Ochsen  gestohlen,  B  C  D ;  dann  die  vier  kunstreichen  Brüder,  oben 
nr.  129).  8,  129  'Mestertyven'  (Ochse,  Hasenbraten,  B  C  D).  Efterslset 
p.  176  'Mestertyven'  (Ochsen;  ABCD;  Heirat  mit  des  Edelmanns 
Tochter).      Kristensen,    Fra    Bindestue    1,    153    nr.  29    'Mestertyven' 


192.    Der  Meisterdieb.  381 

(AB,  Ochsen  vom  Pfluge,  CD).  —  Schwedisch:  Historia  om  en 
mästertjuf,  Lund  1846  (nach  Asbjörnsen  nr.  34.  Bäckström,  Folkböcker 
3,  90).  Bondeson,  Sv.  folksagor  nr.  79  'Mästertjufven'  (A,  Hofhund, 
B  C).  Steffen  2,  62  'Mästertjufven'  (ABC  D).  iberg  nr.  272 
'Mästertjufen'  und  304  'Matte  och  prästen'  (A,  Hund,  C  D).  Allardt 
nr.  154  'Om  torparpojken,  som  gick  i  tjufskolan'  (Ochse,  C  D)  und 
155  'Pojken,  som  skulle  gä  i  skolan'  (Ochse,  Hunde,  B  C ;  Befreiung 
aus  dem  Sacke  wie  im  Bürle,  oben  nr.  61).  Hackmans  Register 
nr.  1525a.  —  Norwegisch:  Asbjörnsen-Moe  nr.  34  =  Bresemann 
2,  29  'Der  Meisterdieb'  =  Stroebe  2,  67  =  Thorpe  p.  265  =  Dasent 
1859  p.  268  (Ochsen,  A,  Braten,  D  B,  Reitpferd,  C ;  Heirat  mit  des 
Amtmanns  Tochter).  —  Fseröisch:  Jakobsen  p.  341  nr.  26  'Meistar- 
tjövurin'  (^Schinken,  BD).  —  Isländisch:  Arnason  2,  511  'Gramann' 
=  Powell-Magnusson  2,  609  =  Poestion  S.  125  nr.  16  =  Ritters- 
haus  S.  368  nr.  105  'Der  Meisterdieb'  (ein  einfältiger  Bauer  tauscht 
seine  Kuh  gegen  einen  Sack,  aus  dem  ein  grauer  Mann  springt,  der 
ihm  gestohlene  Schafe  bringt,  wie  im  dänischen  Märchen  bei  Grundt- 
vig.  Dilfor  stiehlt  des  Königs  Ochsen,  Bettlaken  und  endlich  König 
und  Königin  und  heiratet  ihre  Tochter).  Magnus  Jönsson,  The 
knavish  milier  1663  (Ward,  Cat.  of  romances  in  the  British  museum 

1,  842.  856  nr.  94).  —  Englisch  bezeugt  aus  Londoner  Arbeits- 
häusern bei  *Mayhew,  London  labour  and  London  poor  1861  3,  388 
=  Groome,  Gypsy  folk-tales  p.  49. —  Schottisch:  Campbell,  West 
Highlands2  2,  253  nr.  40  'The  son  of  the  scottish  yeoman  who  stole 
the  bishop's  horse  and  daughter,  and  the  bishop  himself;  vgl.  R. 
Köhler  1,  255  (B,  Tochter,  D).  Campbell  2,  272  (Pferd,  Tochter).  — 
Irisch:    Kennedy,    Stories    of  Ireland  p.    38  =   Jacobs,    Celtic  f.  t. 

2,  11  nr.  28  'Jack  the  cunning  thief  (stiehlt  Ziege,  Widder,  Ochsen; 
A,  Gänsebraten,  BC;  Heirat  mit  des  Edelmanns  Tochter). 

Französisch:  Luzel,  Veillees  bretonnes  1879  p.  218  'Les 
finesses  de  Bilz'  (Prophezeiung  aus  der  Bildsäule  wie  oben  nr.  139; 
AB,  Hasenpastete,  C;  Befreiung  aus  dem  Sacke  wie  oben  nr.  61); 
vgl.  Luzel,(  5e  rapport  1872  p.  42.  *Nouvelle  revue  de  Bretagne  3, 
280  'Le  comte,  le  eure  et  le  paysan'  von  C.  Tranois.  Sebillot,  C.  de 
la  HauteJiretagne  1,  209  nr.  32  'Le  fin  larron'  (Prophezeiung  hinterm 
Marienbilde;  B,  Brot,  C,  Reitpferd,  Besteck,  Befreiung  aus  dem 
Sack,  D,  Tochter  des  Königs).  Sebillot,  Litt,  orale  p.  112  'Le  fin 
voleur'  =  Blümml  S.  27  nr.  10  (Prophezeiung,  Diebe  in  der  Kirche 
wie  in  Wickrams  Rollwagenbüchlein  c.  56,  Mehl,  Brot,  B  C  D,  Züge 


382  192.    Der  Meisterdieb. 

aus  dem  Unibos,  oben  nr.  61).  Sebillot,  Joy.  histoires  p.  260  nr.  73  'La 
chevre  qui  fait  sonner  les  cloches'  (D).  Revue  des  trad.  pop.  9,  343. 
'La  Jeannaie'  (oben  nr.  61 ;  CB,  Braten).  Meyrac  p.  428  'Le  fin 
voleur'  (Ochsen;  C,  Befreiung  aus  dem  Sack);  p.  430.  Cosquin 
nr.  70  'Le  franc  voleur'  =  Romania  10,  162  (AB,  Ochsen,  D). 
Fleury  p.  167  'Jacques  le  voleur'  =  Blümml  S.  126  nr.  14  (Prophe- 
zeiung, A,  Kuh,  B,  Brot,  C,  Braten,  D).  Cenac  Moncaut  p.  99 
'Jean-le-faineant'  (B).  Blade,  Armagnac  p.  16  nr.  6  =  Gascogne 
3,  5  'Joan  lou  pigre'  (AB)  =  Blümml  S.  80  nr.  31.  Roche  p.  66 
'Le  metayer  l'Espiegle'  (B,  Braten,  Pasteten,  C  D,  Befreiung  aus  dem 
Sacke).  Revue  11,  102  nr.  8  'Le  fileur  d'or'  (Brot  aus  dem 
Backofen,  Bettlaken,  CB).  24,  345  'Le  petit  sorcier  gris'  (Ein- 
leitung wie  im  Isländischen;  Stier,  Bettlaken).  Schweiz.  Archiv  f. 
Volksk.  18,  85  'Les  trois  freres  qui  voulaient  apprendre  un  metier' 
(Kuh,  sechs  Ochsen,  AB,  Getreide,  C).  —  Italienisch  bei  Straparola 
1,  nr.  2  (=  Ulrich,  Schelmennovellen  1905  S.  144),  wo  der  Gauner 
Cassandrino  drei  ganz  ähnliche  Aufgaben  des  Stadtrichters  von 
Perugia  löst :  er  stiehlt  diesem  das  Bett,  nachdem  er  durch  ein  Loch 
in  der  Zimmerdecke  einen  Leichnam  geworfen  hat ;  dann  führt  er 
den  Schimmel  weg,  auf  dem  der  schlafende  Stallknecht  sitzt,  indem 
er  ein  Gestell  unter  den  Sattel  schiebt;  endlich  bringt  er  als  Engel 
verkleidet  den  Pfarrer  in  einem  Sack,  während  dieser  glaubt  in  den 
Himmel  getragen  zu  werden  (C  B  D).  Pitre,  Nov.  tose.  nr.  41  Tl 
ladro'  (ABC  D).  Weber  nr.  4  'II  capoassassino'  (ABC  D).  Andrews 
Dr.  30  'Le  fin  voleur'  (A,  Ring,  Siegel,  C).  De  Gubernatis,  St. 
Stefano  nr.  29  'II  ladro'  (A,  Ochsen,  Ring)  =  Gubernatis,  Florilegio 
p.  158.  De  Gubernatis,  Die  Tiere  S.  2531.  Finamore  1,  1,  117 
nr.  24  'Frangeschjielle'.  Revista  delle  tradiz.  pop.  ital.  2,  25  'Gli 
impiccati'  (A,  Uhr,  B,  Ochsen).  Coronedi-Berti  1883  nr.  39  'AI  ladr' 
unurä'  (zwei  Ochsen,  Pferd,  Börse  unterm  Kopfkissen).  Nieri,  C. 
raeconti  lucchesi  nr.  65  'Basta  una  volta'  (D).  Zorzut,  Instoris 
p.  107  (D  C  B);  Ridiculis  p.  43  (D).  Mailly  nr.  11.  112.  238.  —  Malte- 
sisch: Hg  1,  84  nr.  25  'Der  Meister  der  Diebe'  (C;  vorher  Schatz- 
haus des  Rhampsinit).  — •  Mallorkinisch:  Alcover  1,  167  'En 
Salom  en  es  batle'  (Ochsen,  Frau).  —  Katalanisch:  Maspons, 
Rondallayre  3,  67  'Lo  espabilat'  (B  C  D).  —  Baskisch:  Webster 
p.  140  'The  mother  and  her  idiot  son,  or  the  clever  thief  (ABC  D). 
—  Albanisch:  Dozon  p.  169  nr.  22  'Les  deux  voleurs'  (D:  Kadi 
in  der  Truhe).  —  Rumänisch:  Staufe  nr.  13  'Der  Pfarrer  und  der 


192.    Der  Meisterdieb.  383 

Mesner'  (D)  und  nr.  21  'Der  geschickte  Dieb'  (Pferd,  Ochsen.  Zs.  f. 
Volksk.  8,  86).  Sckullerus  nr.  114  'Radu  Bolfe'  (Ochsen,  B  CD. 
Siebenbg.  Archiv  33,  626).  S^äinenu  p.  872.  —  Serbokroatisch: 
Vojinovic  nr.  10  =  Jagic,  Archiv  f.  slav.  Phil.  1,  283  nr.  10  'Der 
größte  Spitzbube  von  der  Welt'  (300  Pferde,  Braten,  Ring) ;  vgl.  R. 
Köhler  1,  415.  Kres  4,  88  nr.  6  =  Krauß  1,  259  nr.  55  'Vom  Burschen, 
der  sich  auf  Zigeunerstreiche  verstand'  (ABC,  Ring,  D;  Küfer  geprügelt). 
Zbornik  jslav.  10,  134  nr.  137  (B  C,  Ring,  D).  12,  150  nr.  41  (A  B). 
Stankov  Kukic  S.  67—74  (A  B  C,  Ring,  D).  Krasic  1,  29  nr.  6  (B  D, 
300  Tauben  in  einen  Sack,  Groldkästchen).  Strohal  1,  193  nr.  59 
(ABC,  Ring,  D).  Bos.  Vila  10,  331  (B,  Ring,  Bettlaken,  A,  Pferd; 
dazu  Rhampsinits  Schatz).  10,  255  (D).  —  Cechisch  aus  Böhmen : 
C.  Vcela  1845  nr.  73,  S.  293  =  Tille,  1848  S.  56  (A  C  B  D).  Benes 
Tfebizsky  S.  79  nr.  9  (D).  Kubin,  Podkrkonosi  zäp.  nr.  57  (CD, 
Ochse  des  Fleischers).  Glatz:  Kubin,  Pov.  kladske  1,  41  nr.  19 
(AB  CD).  Mähren:  Miksicek  1,  160  nr.  22  (ABC).  Kulda 
1.  278  nr.  53  (ABC).  Tille  S.  73  nr.  27  (C  B  D).  Ö.  Lid  5, 
457  nr.  4  (C  B).  6,  200  nr.  14  (B;  Schiff,  das  über  Land 
fährt).  Zahorska  Kronika  4,  25  (B  C,  dazu  das  Bürle  nr.  61). 
Schlesien :  Polivka  S.  50  nr.  13  (D).  Vestnik  mat.  opavske  14, 
38  (D).  --  Slowakisch:  Cod.  divers,  auct.  A  91  nr.  31  —  Dob- 
sinsky  3,  6  nr.  23  (C,  mit  unsrer  nr.  129).  4,  79  nr.  46  (B).  Nem- 
cova  ed.  Tille  1,  129  nr.  19  (ABD).  Närodopisay  Vestaik  4,  218 
nr.  4  (A,  Hund,  BD).  Czambel  S.  236  nr.  125  (D).  —  Wendisch: 
Veckenstedt  S.  228  'Der  kluge  Dieb'  (A  C,  Ochse).  —  Polnisch  aus 
Schlesien :  Schiller  nr.  16  'Der  Kunstspitzbube'  (A  B,  Tochter  ge- 
stohlen und  dem  Teufel  wieder  abgenommen ;  vgl.  die  mallorkinische 
Fassung)  =  Mater,  antropol.  8,  163.  Malinowski  1,  64  (B).  2,  129 
(drei  Hunde,  B  C  D).  2,  235  (ABC  D).  Mitt.  f.  schles.  Vk.  4,  8,  65 
(zwei  Hunde,  BCD;  die  vom  Zauberer  gestohlene  Tochter  des  Herrn 
befreit,  wie  oben  nr.  129).  Aus  Posen:  Kolberg  14,  345  nr.  102 
(verblaßt.  AB,  Hunde,  C,  Ring,  Hemd,  D).  Knoop,  Ostmark.  S.  1, 
160  nr.  79  'Der  Dieb'  (Ziege,  Ochse  vom  Pfluge,  B;  in  einer  Falle 
gefangen).  1,  167  nr.  80  'Der  Dieb  von  Chludowo'  (C  B).  ZfVk.  26, 
206  nr.  3  'Der  Taugenichts'  (C  D).  Kolberg  14,  288  nr.  7 1  (D).  Aus  dem 
Krakauer  Land :  Ciszewski  S.  252  nr.  202  (B  C,  Hemd,  Ring,  Geld ;  Herren- 
tochter aus  der  Hölle  befreit).  S.  254  nr.  203  (A,  Vorhängeschloß  vom 
Tisch,  C,  Ring).  Beskiden :  Zbiör  5,  238  nr.  42  (A,  Ochsen,  B).  7,  60 
nr.  122  (Tochter,  B ;  Liebe  der  Tochter  zum  Diebe).     15,  36  nr.  17  (B, 


384  192.    Der  Meisterdieb. 

Schwein  aus  dem  Stall,  Hase  vom  Bratspieß,  C,  Hemd,  Bing,  Geldkasten). 
Swie>k  S.  409  nr.  49  (A  B,  zwölf  Pferde,  Braten,  CD).  Mater,  antropol. 
3,  133  nr.  7  (A  B  C,  Hemd,  D).  Zbiör  13,  109  nr.  4  (A,  Petersilie, 
B  C  D).  13,  113  (C).  16,  60  nr.  3  (A,  Hemd  des  Hirten,  B,  Brau, 
den  Teufeln  verkauft  und  abgenommen,  Pferde  und  Wagen). 
Gouv.  Lublin:  Wisla  11,  457  (AB,  Pferde,  Ochsen,  Geld,  C, 
Brau,  aus  der  Hölle  befreit).  Wisla  16,  619  nr.  12  (Dieb 
hat  Zauberkräfte,  vermag  den  eisernen  Geldkasten  zu  öffnen). 
Gouv.  Sedlec:  Zbiör  8,  311  nr.  10  (B  C,  Geldkasten,  Bing). 
8,  312  nr.  11  (B  C,  Mutter  aus  der  Hölle  holen).  Koztowski 
S.  353  nr.  16  (ABC,  Brau  den  Teufeln  verkauft).  Gouv.  Kielce: 
Kolberg,  Lud  19,  243  nr.  19  (B  C,  Koffer,  Herrentochter  aus  der 
Hölle  holen).  Aus  Galizien :  Mater,  antropol.  10,  299  nr.  73  (A  B  C, 
Geld).  10,  292  nr.  57  (D).  Gouv.  Block:  Chelchowski  1,  112 
nr.  17  (der  Meisterdieb  verbindet  sich  mit  den  öffentlichen  Dieben, 
stiehlt  das  Geld,  gibt  den  Hunden  Brot  in  Branntwein  getränkt, 
hängt  sie  an  den  Schwänzen  auf).  —  Kaschubisch:  Bronisch 
S.  24  nr.  6  (z.  T.  wie  unsre  nr.  111;  D  B  C)  S.  52  nr.  1  (B  C). 
Lorentz,  Teksty  pomorskie  S.  152  nr.  205  (D  B  C).  S.  432  nr.  550  (B). 
S.  405  nr.  520  (B).  S.  564  nr.  696  (A  D  B  C).  S.  580  nr.  715  (zwei 
Diebe.  B).  S.  593  nr.  730  (zwei  Brüder,  B  C,  Bing).  S.  525  nr.  656 
(B  C,  Bettzeug,  D).  —  Kleinrussisch  aus  Oberungarn:  Etnograf. 
Zbirnyk  3,  205  nr.  31  (B,  Frau  gestohlen  und  von  den  Teufeln 
befreit,  Kloster  in  der  Hölle).  3,  210  nr.  32  (B,  Brau).  9,  5 
nr.  4  (jüngster  Bäuber,  B  C,  Ring,  Geldkasten ;  er  soll  in  der 
Hölle  sehen,  was  für  ein  Bett  der  König  dort  hat,  befreit 
mehrere  Seelen).  Aus  Südungarn:  ebd.  30,  239  nr.  121  (ABC, 
Ring,  D).  Aus  Galizien :  Zytje  i  Slovo  4,  358  nr.  24  (A  B,  Schwein : 
betrunkene  Hunde  mit  den  Schwänzen  an  die  Glocke  gebunden). 
Etnogr.  Zbirnyk  6,  356  nr.  694  (Stier,  Bferd,  B,  Brau,  Wette  mit 
dem  Teufel;  Zornwette  wie  oben  2,  293).  8,  26  nr.  9  (A,  Hunde 
betrunken).  8,  28  nr.  10  (A  B  C,  Brau,  Wette  mit  Teufeln).  8,  144 
nr.  84  (A  B  C,  Bing,  Brau,  Wette  mit  Teufeln).  6,  48  nr.  135.  136 
(D).  6,  121  nr.  295  (D).  9,  13  nr.  8  (D).  Ukraina:  Rudcenko  1, 
67  nr.  36  (A  B  C,  Geldkasten,  Brau,  Kloster  in  der  Hölle).  Gouv. 
Boltawa:  ebd.  1,  196  nr.  74  (drei  Brüder;  Hunde  trunken;  Dieb  er- 
zählt im  Schlafzimmer  ein  Märchen:  Wem  gehören  die  Kleider? 
C,  Brau).  Gouv.  Kiew:  ebd.  1,  191  nr.  73  (ähnlich).  Öubinskij 
2,  620  nr.  89  (drei  Diebe,  Hunde  trunken;  der  Dieb  erzählt  dem  Herrn 


192.    Der  Meisterdieb.  385 

und  fragt,    wem  der  Rock  zufallen  soll ;    D).     Gouv.  Podolien :  ebd . 
S.  618  nr.  88  (B  C,  Eing,  Kirchenkreuz,  D).     S.  621  nr.  90  (B,  Geld- 
kasten, C,  Pferdegespann,    Frau;    Frau    den  Juden    verkauft,    Wett- 
laufen mit  dem  Hasen,  dem  'Kinde').     S.  670  nr.  134  (A,  Geldkasten ; 
Dieb  als  Märchenerzähler).     Gouv.  Charkow:  Hrincenko  1,  214  nr.  75 
(AB,    Frau;    Kloster    in    der    Hölle,    Wettlauf).      Gouv.    Wolhynien: 
Rokossowska  S.  75    nr.  45    (B,  Ochs,   Pferd,    C,  Geldkasten).     S.  99 
nr.  72  (B  C,  Geldkasten,  Frau ;  Wette).     Gouv.  Grodno :  Öubinskij  2, 
362  nr.  98  (BC,  Ring,  Frau ;  Wette).     Hnatjuk,  Geschlechtleben  1,  63 
nr.  93  (D).     Anthropophjteia  7,  416  nr.  788  (D).  —  Weißrussisch: 
Federowski  2,  255  nr.  274  (B,  Frau.     Geschrei :  Die  Scheune  brennt, 
Frau  vom    Teufel    befreit).     3,  140    nr.  255    (B,    Kuh,    Pferd,    Frau 
stehlen,  Kirche  in  der  Hölle  bauen).     3,  143  nr.  258  (A  C,  Hemd  und 
Laken,  Braten  vom  Tisch  stehlen;    Hasen    aus  dem  Sacke  gelassen). 
3,  145  nr.  259  (B,  Hengst  und  Ochse    an    einer  Schlinge    durch   die 
Dachluke    gezogen,    D).     3,  137    nr.  249    (D).      Serzputovskij    S.    52 
nr.  27  (D).     Karlowicz  S.  32  nr.  22  (B,  Geldkasten,  Hunde).     Mater, 
kom.  jejzyk  2,  85  (A  B  C,  Laken).     Sejn  2,  120  nr.  57  (Einleitung  wie 
oben  2,  15 ;  Hemd  und  Frau  stehlen,    vom  Teufel  befreien).     2,  297 
nr.   138    (Frau  eines  andern  Herrn    stehlen,    B,  Käse    des    Pächters ; 
Hunde  trunken  gemacht,  Kirche  in  der  Hölle).    —    Großrussisch 
von  Culkov  gegen  Ende  des  18.  Jahrh.  erzählt,  Auszug  bei  Afanasjev3 
2,  350  (C,  Laken  und  Hemd  der  Frau    und   des  Herrn).     Afanasjev3 
2.  341  nr.  219a  (B,  der  Dieb  als  Herr  verkleidet  läßt  sich  das  Pferd 
vorführen,    D)    =    Hildebrand    2,  36.     Afanasjev3    2,    343    nr.    219d 
(Diebslehrling      schleicht      sich       beim      General      ein      und       läßt 
seinen     Meister     ein.      AB,     Tischgeschirr;     als     Teufel     verkleidet 
vertreibt     er     die    Gäste).       Gouv.    Orel :      ebd.    2,    342     nr.    219b 
(A,  Geldkasten  vom  verkleideten  Teufel  gestohlen,    B).    Gouv.   Tula: 
Erlenwein    S.    94    nr.    26    (A  B,    Geldkasten,    Frau)    =    Gubernatis, 
Florilegio    p.  157    'Klinika'.      Gouv.    Woronesch :    Afanasjev3    2,  343 
nr.  219c    (die    zur    Mühle    geschickten  Pferde  mit  Getreide).     Gouv. 
Kursk:  ebd.  2,  345  nr.  219e  (ABC,  Geld,  Frau;   Tausch  im  Sacke) 
Aus  Moskau:  Chudjakov  1.  121  nr.  34    (Lehrling   hilft  den  Räubern 
stehlen,  stiehlt  ihnen  das  Schwein).     Gouv.  Samara:  Sadovnikov  S.  139 
nr.  31  (Hund,  B  C,  Geld,  Fraii ;  aufgehängte  Strohpuppe  den  Teufeln 
verkauft).     Gouv.  Wjatka:  Kolosov  S.  279  nr.  4  (AB,  Geld).     Gouv. 
Olonetz :  Oncukov  S.  243  nr.  92    (A,  Glas  und  Tischtuch,  B  C,  Bett- 
laken; verkleidet  als  Lakai).     S.  461  nr.  197  (A  B  C,  Bettlaken,  Frau). 

Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III.  25 


386  102.   Der  Meisterdieb. 

Gouv.  Archangelsk:  ebd.  S.  522  nr.  245  (ABC,  Laken,  Geld,  Frau). 
Wladikavvkaz:  Sbornik  kavkaz.  15,  2,  103  nr.  11  (AB,  Frau;  der 
Herr,  mit  dem  der  Dieb  die  Kleider  getauscht,  wird  geprügelt;  Frau 
von  den  Teufeln  befreit).  15,  2,  193  (A  B  C.  Vater  und  Mutter  be- 
stohlen).  Gouv.  Tobolsk:  Zap.  Krasnojarsk  1,  120  nr.  60  (andre 
Diebsstreiche ;  unten  S.  390).  Afanasjev3  2,  346  nr.  219  f  (Dieb  im  Stroh- 
bund über  die  Mauer  geworfen,  Hunde  trunken  gemacht ;  Märchen : 
Wem  gehört  der  Pelz).  2,  347  nr.  219g  (AB).  —  Litauisch: 
Schleicher  S.  13  'Vom  schlauen  Jungen'  (nachdem  er  Wagen,  Ziege  und 
Kleider  für  die  Räuberbande  gestohlen,  wird  er  Schenkwirt ;  seine  beiden 
Gesellen  stehlen  ihm  zweimal  ein  Mastschwein,  werden  aber  von  ihm 
darum  betrogen).  Leskien-Brugman  S.  480  nr.  37  'Von  einem  Dieb' 
(ABC  D).  Langkusch,  Altpreuß.  Monatsschrift  15,  454  nr.  31  'Wer 
war  sein  Ahn'  (Ochsen;  BD).  —  Lettisch:  Treuland  S.  184  nr.  112 
(Schatz  des  Rhampsinit;  A,  zwei  Hunde,  B  C,  Ring).  WeryhoS.  217 
nr.  30  (B,  Hund,  C,  Ring,  Frau).  —  Estnisch:  Kallas  nr.  62  'Hans 
der  Dieb'  (Ochse,  Schwein;  B,  Geld  an  geteerten  Stiefelsohlen,  CD; 
Züge  aus  Salomo  und  Markolf,  weder  zu  Fuß  noch  reitend).  — 
Finnisch:  Aarnes  Register  nr.  1525a  'Meisterdieb'.  Suomi  2,  16, 
174.  3,  10,  24.  3,  17,  85.  4,  2,  116.  Aarne  nr.  1737  (D).  —  Mor- 
dwinisch: Paasonen,  Journal  de  la  soc.  finno-ougr.  12,  96  nr.  4 
(Motros  stiehlt  einen  Wagen,  Ochsen,  einen  Hengst,  Geschirr,  Bett- 
zeug, steckt  den  Priester  in  einen  Sack,  den  er  an  den  Glocken- 
klöppel bindet;  jeder  Bestohlene  will  ihm  die  Tat  verzeihen,  wenn 
er  einen  andern  ebenso  schädige).  —  Magyarisch:  Horger  nr.  53. 
Berze  Nagy  nr.  41.  —  Zigeunerisch:  Constantinescu,  Probe  de 
limba  si  literatura  Tsiganilor  din  Romänia  1878  nr.  6  =  Journal  of 
the  Gypsy-lore  soc.  3,  142  =  Groome  p.  41  nr.  11  'The  two  thieves' 
(Eier  der  brütenden  Krähe,  Schatzhaus  des  Rhampsinit,  D).  R.  v.  Sowa. 
Mundart  der  slovakischen  Zigeuner  1887  p.  174  nr.  8  =  ZdmG.  39, 
514  nr.  3.  'Der  Zigeuner  und  der  Priester'  =  Groome  p.  46  nr.  12  (D). 
Friedr.  Müller,  Romsprache  nr.  1  (Wiener  SB.  61,  151:  C  entstellt, 
ebd.  70,  87:  C).  Groome  p.  48  (aus  Wales.  Zwei  Schafe),  p.  49 
(ebd.  Schaf,  C).  -  Syrjänisch:  Ziv.  Starina  17,  96  (ABC,  Geld, 
Bettzeug,  Frau).  —  Min g relisch:  Sbornik  kavkaz.  18,  8,  34 
(Bruchstück).  —  Tschetschenisch:  ebd.  32,  2,  60  nr.  2  (B  C, 
Geldkasten,  Frau).  -  Ossetisch:  ebd.  6,  2,  213.  7,  2,  13.  — 
Kirgisisch:  H:Divajev,  Etuogr.  mater.  vyp.  11  (1906)  nr.  1.  —  Im 
mongolischen  Siddhi-  Kür  (Jülg  1886  nr.  12  —  Kletke,  Märchen- 


192.    Der  Meisterdieb.  387 

saal    3,    5    'Chan    Kindersinn')    gebietet   ein    törichter    Fürst    einem 
klugen  Manne,    ihm  seinen  Lebenstalisman  zu  stehlen,  will  ihn  aber 
töten   lassen,    als    er   die  Aufgabe   durch  Berauschung   der  Wächter 
gelöst  hat ;  da  schlägt  der  Mann  den  Talisman  auf  einen  Stein,   und 
alsbald  stirbt  der  Fürst.     Bennigsen  S.  68  nr.  31  (A;  der  Dieb,  der 
ein  geweihtes  Gefäß  stehlen  soll,  schläfert  durch  Zauber  die  Wächter 
ein,    setzt  die  Reiter  auf  Kuhmist,    gibt   ihnen  Stöcke    statt  Waffen 
in  die  Hände,  dem  Hunde  Fleisch,  dem  Kamel  Salz,  dem  Stier  und 
Hengst  Heu  usw.).  —  Indisch:    O'Connor  p.  80  nr.  14    'The  three 
thieves'    (sollen    drei  Perlen    aus    dem    kaiserlichen  Schatz    stehlen). 
North  indian  notes  and  queries  3,  67  nr.   135  'The  master-thieP  (der 
Prinz  stiehlt  seines  Vaters  Becher  und  Speisenbrett  sowie  das  Pferd 
eines  andern  Königs).     3,    69  nr.  136    und   82  nr.  172    'The  master- 
thief    (der   vierte    Sohn    eines    Raja   stiehlt    ein   Pferd    und  Kamel; 
Zeichen  an  der  Tür  vervielfältigt).     Knowles  p.  104  'Shabrang  prince 
and  thief  (stiehlt  Vogeleier,  Hasen  u.  a.,    gibt  sich  dem  Könige  als 
der  gesuchte  Dieb  zu    erkennen    und    führt    ihm    seine  Mutter,    des 
Königs    verlassene  Frau,    zu).     North    indian    notes  3,    171    nr.    370 
'The  half-married  daughter  of  the  gardener'  (ähnlich).    —    Neu  ara- 
mäisch: Lidzbarski  S.  241  nr.   14  'Der  Meisterdieb'  (Eier  der  brü- 
tenden  Störchin,    Hosen  des  Diebes ;    Schatzhaus,    D).     Prym-Socin, 
Tür-Abdin  2,    170  nr.  42    (Eier  und  Hosen ;    Schatzhaus ;    Leichnam 
von    der  Tochter    des    Statthalters    bewacht,    ausgestreutes  Geld    an 
Wachssohlen,  Statthalter  von  Aleppo  im  Sarge).  —    Mexikanisch: 
Journ.    of   am.  folklore  24,    411  nr.  5    'Los  tres  hermanos'    (Widder, 
Geldbeutel  unterm  Kopfkissen  des  Königs);  vgl.  27,  215.  —  India- 
nisch:   ebd.  26,  224  'Mteza'.  —  Hawaii:    Westervelt  1915  p.  148 
=  Hambruch  S.  271  nr.  66  'Iwa,  der  Meisterdieb  von  Oahu'  (Tiger- 
muschel, Steinbeil,  Bettdecke;  Wettestehlen  mit  den  sechs  Leibdieben). 
Fast  dieselben  Aufgaben,   die   hier  einem  gelernten  Diebe  ge- 
stellt werden,  mutet  bei  Basile  3,  nr.  7  ein  König  seinem  wackeren 
Diener  Cor  vetto  zu,  weil  Neider  ihm  dessen  angebliche  Prahlereien 
gemeldet    haben ;    vgl.    über    diesen    Märchenkreis    oben    S.    33.    — 
Einen    kecken  Pferdediebstahl    berichtet    schon  Walther  Mapes,- 
Nugae    curialium   2,    c.  25    'De  Cheveslino  füre'    (p.  101    ed.  Wright 
1850;  vgl.  Liebrecht,  Zur  Volkskunde  S.  33)    um    1190    aus  Wales; 
der  Dieb  bindet  der  Stute  den  Teppich,   auf  dem  die  vier  Wächter 
schlafen,    an    den    Schwanz    und    zieht    jene    im  Davonreiten    mitten 
durchs  Feuer.     In  Bojardos  Orlando  innamorato  2,  5,  St.  40    (Regis' 

25* 


388  192.    Der  Meisterdieb. 

Verdeutschung  1840  S.  169)  raubt  der  behende  Erzdieb  Brunello 
nicht  nur  der  Angelika  ihren  Zauberring  und  der  Marfisa  das  Schwert, 
sondern  auch  dem  in  Trauer  versunkenen  Sakripant  den  Gaul,  auf 
dem  er  sitzt: 

Der  Dieb  sprach:  'Seht  den.  Kerl,  es  ist  zum  Lachen! 
Hat  solch  ein  Boß  und  schläft  im  Stehen  fast. 
Ein  andermal  will  ich  dicli  lehren  wachen.' 
Und  damit  nahm  er  einen  großen  Ast, 
Zerschnitt  den  Gurt,  ohn  ein  Geräusch  zu  machen, 
Stemmt  auf  den  Zacken  dann  der  Bügel  Last 
Und  jagt,  eh  Sakripant  was  merkt,  im  Schusse 
Davon,  und  der  Girkasser  blieb  zu  Fuße. 

Auf  gleiche  Art  wird  in  Cervantes  Don  Quixote  2,  c.  4  dem 
schlafenden  Sancho  der  Esel  unterm  Leibe  fortgezogen,  indem  ein 
Dieb  (wie  bei  Straparola)  vier  Stangen  an  den  vier  Ecken  des 
Sattels  in  den  Boden  steckt  und  ihn  schwebend  erhält ;  vgl.  Ouville, 
Elite  des  contes  1883  2,  65  =  Contes  ä  rire  1752  1,  54  =  Contes 
ä  rire  et  aventures  plaisantes  1881  p.  34  'L'äne  vole  sous  les  jambes 
de  son  maitre'.  —  Wenn  unser  Meisterdieb  das  Pferd,  nachdem  er 
die  Wächter  betrunken  gemacht  hat,  entführt,  so  erinnert 
das  an  die  Entführung  der  Leiche  im  Schatzhause  des  Rhampsinit 
(unten  S.  396),  an  die  des  h.  Theodotus  durch  den  Priester  Eronto  (Acta 
Sanctorum  Maii  4,  162)  und  an  Wetzel,  Peise  der  Söhne  Giaffers 
1896  S.  109. 

Die  List  des  Meisterdiebs,  nachts  Krebse  mit  aufgeklebten 
Wachslichtern1)  über  den  Kirchhof  laufen  zu  lassen,  welche 
Pfarrer  und  Küster  für  die  Seelen  Gestorbener  halten,  wird  schon 
von  dem  protestantischen  Geistlichen  Z.  Rivander,  Fest-Chronica 
1591   1,    Bl.   106b    erwähnt:    'Etliche   der    Mönchen  und  Pfaffen    er- 


*)  Schon  bei  Aristophanes  (Acharner  v.  920)  hat  Nikarchos  den 
Gedanken,  man  könnte  einer  Schabe  (ziepr})  einen  brennenden  Docht 
(&QvaÄAig)  anbinden  und  sie  ins  Arsenal  schicken,  um  die  Schiffe  da- 
mit anzuzünden.  Daß  die  griechischen  Kinder  Käfern  Wachslichtchen 
aufklebten  und  sie  so  herumlaufen  ließen,  erwähnt  Eustathios  zur  Ilias 
21,394  und  Papasliotes,  Über  die  Kinderspiele  bei  den  alten  Griechen 
S.  21;  vgl.  F.  Boehm,  Zs.  f.  Gesch.  der  Erziehung  6,  146  (1916).  —  In 
Sacchettis  191.  Novelle  läßt  der  Florentiner  Maler  Bonamico  nachts  Käfer 
mit  aufgespießten  Lichtchen  in  die  Schlafkammer  seines  Meisters  Tafo, 
wTeil  ihn  dieser  immer  so  früh  weckt;  Tafo  wagt  nicht  aufzustehen,  weil 
er  Teufel  zu  sehen  meint. 


192.    Der  Meisterdieb.     .  389 

dichteten  diese  Betriegerey.  An  Allerseelen-Abend  oder  umb  dieselbe 
Zeit  namen  sie  Krebs  und  ander  Thier  unnd  Gewürm,  so  auff  der 
Erden  kriechen  und  lauffen,  steckten  und  machten  denselben  kleine 
angezündete  brennende  Wachsliechtlein  auff,  satzten  sie  auff  die 
Kirchhöfe  und  gaben  für  und  beredeten  sie,  es  weren  die  Seelen 
der  Verstorbenen,  die  im  Fegfewer  sessen  oder  also  herumb  walleten 
und  könten  nicht  zu  Gnaden  kommen.  Ließen  sich  aber  sonderlich 
zu  dieser  Zeit  sehen,  weil  sie  wüsten  und  hoffeten,  das  an  Aller- 
seelentag Seelmessen  gehalten  und  sie  dadurch  aus  dem  Fegfewer 
erlöset  und  zu  Gnaden  bracht  wurden.  Derwegen  ein  jeder,  desto 
mehr  verursacht  und  bewegt  ward,  seinen  Verstorbenen  eine  Seel- 
meß  halten  zu  lassen  und  die  Seel  zu  Gnaden,  Fried  und  Kühe  zu 
bringen.'  —  Ebenso  erzählt  Gryse,  Spegel  des  antichristischen  Pawest- 
doms  1593  Bl.  LI  4a  =  Baltische  Studien  36,  61 ;  kürzer  Delrio, 
Disquisitiones  magicae  1612  p.  272b  (cancris  vel  testudinibus  cum 
candelulis  affixis)  und  danach  Anhorn,  Magiologia  1674  p.  555.  Die 
Quelle  dafür  ist  wohl  ein  Brief  des  Erasmus  von  1528  (Epistolarum 
opus  1538  p.  854):  'Parochus  quidam  sub  diem  parasceues  clam 
immisit  in  coemiterium  vivos  cancros  affixis  ad  latus  cereolis  ardenti- 
bus.  Qui  cum  reperent  inter  sepulchra,  visum  est  noctu  terribile 
spectaculum,  nee  quisquam  ausus  est  accedere  propius.  Hinc  rumor 
atrox.  Consternatis  Omnibus,  parochus  e  suggestu  docet  populum 
has  esse  defunetorum  animas,  quae  missis  et  eleemosynis  flagitarent 
a  cruciatu  liberari.  Fucus  ita  proditus  est :  reperti  sunt  tandem 
unus  et  alter  Cancer  inter  rudera,  facem  exstinetam  gestantes,  quos 
parochus  non  recollegerat.'  Deutsch  bei  Ludwig  Lavater,  Von  Ge- 
spänsten  1578  Bl.  34b  (uff  den  heiligen  Pfingstag)  =  Theatrum  de 
veneficis  1586  S.  129b.  —  In  Italien  läßt  man  noch  heut  in  Monte- 
nero  di  Bisaccia  zum  Gedächtnis  der  Toten  große  Käfer  mit  brennen- 
den Kerzen  auf  dem  Rücken  durch  die  Kirche  laufen  (De  Nino,  Usi 
abruzzesi  1,  141).  In  Senigallia  bildet  dies  eine  Belustigung  der 
Knaben,  die  dazu  rufen:  '0  guarda  un  anima  che  passa!'  (Archivio 
delle  tradiz.  pop.  3,  191). 

Zahlreich    sind    in     den    oben    aufgezählten    Varianten    unsres 
Märchens   die  Berührungen   mit    andern  Diebsschwänken.1)     Oft 


J)  Die'Histoire  generale  des  larrons'  (Paris  1623—25  u.  ö.  vom  Sieur 
d'Aubrincourt  oder  F.  D.  C.  Lyonnois),  verdeutscht  als  'Beutelsckneyder, 
d.  i.  newe  Diebs-Historien'  (Frankfurt  1641  u.  ö.)  enthält  nichts  Herge- 
höriges;  wirkliche  Schwanke  stehn  im  'Schauplatz  der  Betrieger'  (1687). 


390  192.    Der  Meisterdieb. 

ist  der  Held  der  jüngste  von  drei  Brüdern,  die  ausziehen,  um 
jeder  ein  Handwerk  zu  lernen,1)  wie  oben  S.  10  und  45;  oder 
er  empfängt  seinen  Beruf  durch  ein  seiner  Mutter  vom  Heiligenbilde 
erteiltes  Orakel,  wie  in  einigen  zum  'Mädchen  von  Brakel'  (oben 
S.  124)  angeführten  Schwänken.  Während  seiner  Lehrzeit  erweist 
er  seine  Geschicklichkeit  durch  verschiedene  Streiche:  er  stiehlt 
einem  zum  Markte  ziehenden  Bauer  seinen  Ochsen  oder  Widder, 
indem  er  ihn  durch  Hinlegen  von  einzelnen  Schuhen,  von  Säbel 
und  Scheide,  von  Messer  und  Gabel  verleitet,  umzukehren  und  sein 
Vieh  unbewacht  auf  dem  Wege  stehn  zu  lassen;2)  dasselbe  erreicht 


1)  Schambach  -  Müller  S.  316.  U.  Jahn  1,  276.  Cosquin  2,  271. 
Sakellarios  nr.  6.  Zap.  Krasnojarsk.  1,  320  nr.  60.  Afanasjev3  2,  347 
nr.  219g.  Oncukov  S.  157  nr.  59.  Etnogr.  Zbirnyk  3,  205  nr.  31.  3,  210 
nr.  32.  3,  233  nr.  117.  Zytje  i  Slovo  4,  358  nr.  24.  Etnogr.  Zb.  8,  26 
nr.  9.  Suchevyc  S.  144  nr.  84.  Kolberg,  Pokucie  4,  237  nr.  58.  Mali- 
nowski  1,  64.  2,  54.  Ciszewski,  Krak.  nr.  204.  Chelchowski  1,  112  nr.  17. 
Gryf  1,  158.  Kubin,  Pov.  kladske  1,  41  nr.  19.  Miksicek  1,  160.  Dob- 
sinsky  4,  79  nr.  46.     Narodop.  Vestnik  4,  218  nr.  4. 

2)  E.  Köhler  1,  210.  Neue  Abendstunden  5,  209  (1770)  'Die  drei 
Betrüger'.  E.  Meier  nr.  155.  Wolf,  Hausm.  S.  398.  Pröhle,  KVM.  nr.  49. 
Reuter,  Läuschen  un  Daniels  2,  nr.  28  'De  Kaiverbrad'.  Haase,  Sagen 
aus  Ruppin  1887  nr.  110.  Wisser,  Plattd.  Vm.  S.  252  nr.  73.  Jabn  1, 
269.  367.  Lemke  2,  82.  85.  Dykstra  2,  81.  Etlar  1891  S.  251.  Berntsen 
1,  163.     Skattegraveren  8,  129.  9,  97.     Asbjörnsen-Moe  nr.  34.    Campbell2 

1,  335  nr.  17d.  Kennedy,  Fireside  stories  p.  39.  Wallonia  4,  102. 
Deulin,  C.  d'un  buveur  p.  183.  Sakellarios  nr.  6,  Legrand  p.  205. 
Kretschmer  S.  55  nr.  16.  Veckenstedts  Zs.  f.  Volksk.  2,  267.  Wuk 
nr.  46.  Bos.  nar.  pripov.  S.  40  nr.  11.  Gröie-Bjelokosic  S.  38.  Zbornik 
jslav.  10,  191.  Afanasjev3  2,  345  nr.  219e.  2,  348  nr.  219h.  Sadovnikov 
S.  142  nr.  31.  Kolosov  S.  279  nr.  4.  Oncukov  S.  157  nr.  59.  396  nr. 
160.  461  nr.  197.  Zap.  Krasnojarsk.  1,  121  nr.  60.  1,  97  nr.  50.  Fede- 
rowski  3,  140  nr.  255.     3,  142  nr.  256.     3,143  nr.  258.     Sejn  2, 122  nr.  57 

2,  203  nr.  95.  Mater,  kom.  jejz.  2,  82.  Etnogr.  Zbirnyk  8,  25  nr.  8.  30, 
236  nr.  119.  30,  237  nr.  120.  Suchevyc  S.  143  nr.  83.  84.  Cubinskij 
S.  670  nr.  134.  Hrincenko  1,  214  nr.-  175.  Rudcenko  1,  67  nr.  36. 
Dykariv  S.  24  nr.  25.  Zbiör  7,  37  nr.  96.  8,  319  nr.  9.  8,  143  nr.  73. 
Mater,  antropol.  3,  133  nr.  7.  Ciszewski  nr.  204.  Chelchowski  1,  114 
nr.  17.  Zawilihski  S.  98.  Wisla  11,  457.  Lorentz,  Texte  S.  121  nr.  105. 
Maly4  S.  182.  Miksicek  1,  161  (Säbel  mit  Scheide).  Kulda  1,  279  nr.  53. 
Kubin,  Podkrk.  nr.  56.  Malinowski  2,  54.  Procbäzka  S.  71.  Czambel 
S.  253  nr.  139.  Altpreuß.  Mtscbr.  15,  454.  Jurkscbat  1,  128  nr.  62. 
Treuland  S.  184  nr.  112.  Kallas  nr.  62.  Krauß,  Zigeunerhumor  S.  233. 
Wlislocki,  Volksdichtungen  1890  S.  395.  Radioff  10, 132  nr.  71.  Sbornik 
kavkaz.  12,  1,  133  (kabardinisch)  29,  2,  206   (armenisch).     Ramstedt  1,  3 


192.    Der  Meisterdieb.  391 

er,  indem  er  sich  im  Walde  mehrmals  scheinbar  aufhängt1)  oder 
das  Brüllen  des  Viehes  nachahmt2)  oder  sich  selber  an  die  Stelle 
des  gestohlenen  Esels  begibt  und  dem  Bauer  vorredet,  er  sei  zur 
Strafe  seiner  Sünden  für  eine  Weile  in  einen  Esel  verwandelt 
worden.3)     Bisweilen   haut   er   dem   angebundenen  Ochsen   (Widder) 

nr.  3  =  Revue  des  trad.  pop.  27,  323.  O'Connor  p.  131  nr.  18.  Knowles 
p.  300  =  Revue  des  trad.  pop.  28,  252.  Day  p.  167.  Swynnerton  p.  49 
nr.  21.     Clouston  2,  43.  50.     Hanauer  p.  275.     Swaheli  stories  1886  p.  7. 

—  Der  Dieb  legt  ein  Fell  auf  den  Weg:  Cubinskij  S.  618  nr.  89.  90. 
Rokossowska  S.  99  nr.  72.  Federowski  3,  146  nr.  259.  Karlowicz  S.  32 
nr.  22.  Zbiör  8,  311  nr.  10.  11.  13,  109  nr.  4.  15,  36  nr.  17.  16,  60  nr.  3. 
C.  Lid  5,  457  nr.  4. 

J)  R.  Köhler  1,  210.  348.  Der  lustige  Kirmeßbruder  1847  S.  19 
(Volksbücher  ed.  Wolff  nr.  45).  Schambach  -  Müller  S.  318.  Kuhn- 
Sehwartz  S.  363.  Wisser,  Plattd.  Vm.  S.  232.  Jahn  1,  276.  Skatte- 
graveren  2, 132.  Asbjörnsen  nr.  34.  Rittershaus  nr.  105.  Poestion  nr.  16. 
Kennedy  p.  39.  Schweiz.  Archiv  f.  Vk.  18,  86.  Deulin,  Contes  p.  181. 
Meyrac  p.  428.  Revue  des  trad.  pop.  24,  346.  Grubernatis,  S.  Stefano 
nr.  29.  Kretschmer  S.  55  nr.  16.  Afanasjev  2,  342  nr.  219b.  219c.  219e. 
Sadovnikov  S.  141  nr.  31  (Strohpuppe).  Federowski  1,  143  nr.  258. 
Suchevyc  S.  146  nr.  84.  Cubinskij  S.  622  nr.  90.  Ciszewski  nr.  204. 
Zbiör  5,  238  nr.  42.  16,  61  nr.  3.  Öwietek  S.  411.  K.  Prochazka  S.  71. 
Rona-Sklarek  2,  180  nr.  15. 

2)  E.  Meier  S.  194.  Dykstra2,  81.  Asbjörnsen-Moe  nr.  34.  Legrand 
p.  205.  Kretschmer  S.  56  nr.  16.  Eos.  nar.  pripov.  S.  40  nr.  11.  Sadov- 
nikov S.  143  nr.  31.  Rudcenko  1,  67  nr.  36.  Etnogr.  Zbirnyk  30,  233 
nr.  117.  30,  238  nr.  120.  Hrincenko  1,  215  nr.  175.  Federowski  3,  144 
nr.  258.  Swietek  S.  412.  Miksicek  1,  161.  Lorentz,  Teksty  pom.  S.  172 
nr.  230.  485  nr.  621.     254  nr.  313.     Schleicher  S.  13  nr.  9.     Clouston  2,  44. 

—  Geschrei:  Bunker  nr.  14.  Blümml,  Beitr.  S.  127  nr.  28. 
Schambach-Müller  S.  316.  Lemke  2,  83.  Legrand  p.  205.  Veckenstedts 
Zs.  2,  267.  Vuk  Karadzic  nr.  46.  Zbornik  jslav.  10,  191,  Etnogr. 
Zbirnyk  3,  208  nr.  31.  3,  211  nr.  32.  Hrincenko  1,  216  nr.  175.  Mater, 
antropol.  3,  134  nr.  7.  C.  Lid  5,  458  nr.  4.  Lorentz,  Teksty  S.  254  nr. 
343.  331  nr.  431.  592  nr.  728.  Sbornik  Kavkaz.  18,  3,  34.  Pekotsch,  Er- 
innerungen türk.  Gesch.  1911  S.  15.  —  Räuber  erschreckt:  Schweiz. 
Archiv  f.  Vk.  18,  189.  Veckenstedts  Zs.  2,  268.  Vuk  Karadzic  nr.  46. 
Erlenwein  S.  94  nr.  26.  Sadovnikov  S.  143  nr.  31.  Zap.  Krasnojarsk.  1, 
121  nr.  60.  1,  97  nr.  50.  Oncukov  S.  157  nr.  59.  Etnogr.  Zbirnyk  3, 
212  nr.  32.  30,  235  nr.  118.  119.  Suchevyc  S.  145  nr.  84.  Hrincenko  1, 
214  nr.  175.  Dykariv  S.  25  nr.  25.  Miksicek  1, 162.  Lorentz,  Teksty  S.  172 
nr.  230.  331  nr.  431.  391  nr.  502.  485  nr.  621.  582  nr.  728.  Schleicher 
S.  13.  20.     Radioff  10,  132  nr.  71. 

3)  Vgl.  oben  S.  9;  dazu  Varnhagen,  Longfellows  Tales  1884  S.  124. 
Das  blaue  Buch  zum  Todtlachen  (um  1800)    S.  31    nr.  49.     Heyl,  Volks- 


392  192.    Der  Meisterdieb. 

den  Kopf  (Schwanz)  ab  und  pflanzt  ihn  in  den  Sumpf1)  oder  steckt 
den  abgeschnittenen  Schwanz  des  einen  Ochsen  dem  andern  ins 
Maul,2)  um  dem  Bauern  weiß  zu  machen,  daß  das  Tier  in  die  Tiefe 
gesunken  oder  von  dem  andern  verzehrt  sei.  Oder  er  lockt  die 
Bauernknechte,  dem  angeblich  ausgeackerten  Geld  nachzugraben;3) 
er  entwendet  dem  Bestohlenen  ferner  seine  Kleider,  indem  er  ihn 
bittet,  in  den  Brunnen  hinabzusteigen  und  einen  angeblich  hinein- 
gefallenen   Geldbeutel    herauszuholen.4)       Mehrfach     wird     das    an- 


sagen aus  Tirol  1897  S.  30.  Motz  bei  Dälmhardt,  Heimatklänge  2,  83 
(1902).  Schell,  Bergischer  Volkshumor  1907  S.  88.  Niedersachsen  1, 190. 
De  Mont  en  de  Cock,  Vertelsels  p.  140.  Sebillot,  Joyeuses  bist.  p.  26. 
Balladoro  1900  p.  201.  Boira,  Libro  de  los  cuentos  1862  1,  259. 
B.  Lindau,  Erzählungen  eines  Effendi  1896  S.  157.  Bbodokanakis, 
Dofär  S.  21. 

*)  E.  Meier  S.  194  nr.  155.  Pröhle,  KVM.  nr.  49.  Blümml, 
Beiträge     S.  127     nr.    28.       Bl.    f.    pomm.   Volksk.    4,  59   nr.    1.      Jahn 

1,  277  (Schwanz).  Bittershaus  S.  426  nr.  121.  Carnoy,  Litt,  de  la 
Picardie  p.  323.  Gubernatis,  Die  Tiere  S.  181.  Arcbivio  24,  154 
nr.  2.  Kretschmer  nr.  16.  Federowski  3,  142  nr.  256.  Sejn  2, 
203  nr.  59.  Etnogr.  Zbirnyk  3,  206  nr.  31.  8,  25  nr.  8.  Kolberg, 
Pokucie  4,  237  nr.  58.  Suchevyc  S.  145  nr.  84  Cubinskij  S.  670 
nr.  134.  Hrincenko  1,  215  nr.  175.  Zbiör  16,  60  nr.  3.  Mater, 
antropol.  3,  133  nr.  7.  Chelchowski  1,  114  nr.  17.  Miksicek  1,  161. 
Malinowski  2,  54.  Czambel  S.  250  nr.  139.  Lorentz,  Teksty  S.  251  nr. 
343.  331  nr.  431.  435  nr.  621.  Mitt.  f.  jüd.  Vk.  n.  F.  2,  Heft  18,  69  nr.  5. 
—  Vgl.  B.  Köhler  1,  150.  327  und  ZfVk.  6,  74  zu  Gonzenbacb  nr.  37. 
H.  Sachs,  Schwanke  5,  181  nr.  717  (Pferdeschwanz  eingepflanzt). 

2)  Bunker  nr.  14.  Blümml,  Beiträge  S.  127  nr.  28.  Sehambach- 
Müller  S.  316  nr.  27.  Schweiz.  Archiv  18,  88.  Afanasjev  2,  351  nr.  219a. 
Etnogr.  Zbirnyk  3,  211  nr.  32.  Hrineenko  1,  216  nr.  175.  Mater,  kom. 
je,zyk.  S.  86.  Federowski  3,  139  nr.  254.  Kolberg,  Pokucie  4,  238  nr.  59. 
Malinowski  2,  235.  Lorentz,  Teksty  S.  592  nr.  728.  C.  Lid  5,  458  nr.  4. 
Miksicek  1,  162.  Kulda  1,  280  nr.  53.  Kubin,  Podkrkonosi  zäp.  nr.  56. 
Dobsinsky  4,  81  nr.  46.  Nemcovä,  Slov.  ed.  Tille  1,  130  nr.  19.  Vecken- 
stedt,  Wend.  Sb.  S.  228  nr.  8.     AVI  islocki,  Volksdichtungen  S.  396. 

3)  Kulda  1,  279    nr.  53.     Nerncovä-Tille    1,  130    nr.  9.     Malinowski 

2,  235.  Badloff  10,  135  nr.  74.  —  Gänse  und  Hühner  aus  einem  Sack 
entlassen :  Scbullerus  S.  240  nr.  114.  Zbornik  jslav.  12,  150  nr.  41. 
Stankov  Kukic  S.  627.  Strobal  1,  193  nr.  59.  Etnogr.  Zbirnyk  3,  213 
nr.  32.  30,  239  nr.  121.  Mater,  kom.  j§zyk.  S.  86.  Dobsinsky  4*^  81  nr.  46. 
• —  Gerupfter  Hahn:  Afanasjev3  2,  341  nr.  219a.  VvTislocki,  Volks- 
dichtungen S.  396. 

4)  Dscbelaleddin  Bumi  ed.  Wbinfield  1898  =  Wesselski.  Das 
lachende   Buch    1914    nr.  118.     Basset,    Mission    au    Senegal    1,  627.    — 


192.    Der  Meisterdieb.  393 

französische  Fablel  von  Barat  und  Haimet  (oben  S.  57)  er- 
neuert, wo  ein  Schelm  einer  brütenden  Elster  unvermerkt  die  Eier 
aus  dem  Nest  stiehlt,  während  sein  Genosse  ihm  ebenso  unver- 
merkt die  Hosen  abzieht.1)  Aus  der  Unibos-Fabel  (oben  2,  6.  18) 
stammt  die  Befreiung  des  Helden  aus  dem  Sacke,  in  den  zu 
kriechen  er  einen  Dummkopf  überredet  (vgl.  oben  S.  192). 

Andre  Diebsschwänke  sind:  1.  Zwei  Diebe  betrügen  einander 
beim  Tausch:  AVickram,  Werke  3,  370  nr.  31.  Miksicek,  Pohädky  S.  46 
nr.  6.  Chauvin  8,  107.  Parker  2,  90  nr.  94.  Schmidt-Kahle,  Palästina 
nr.  23.  Müller,  Mehri-Sprache  2,  76.  Basset,  C.  berberes  1,  114.  Riviere 
p.  21  nr.  4.  —  2.  Elbegast  geht  nachts  mit  König  Karl  stehlen: 
Carel  ende  Elegast  ed.  Hoffmann  v.  F.  1836,  Jonckbloet  1859.  Karlmeinefc 
ed.  Keller  1858  S.  575.  846.  Bech,  Germ.  9,  320.  Lübben,  Jb.  f.  nd. 
Spracbf.  6,  20  (Lübecker  Fastnachtspiel  1450).     Vernaleken,  KHM.  nr.  19. 


Ähnlich:  Jahn  1,  276  nr.  53.  Etnogr.  Zbirnyk  3,  206  nr.  31.  30,  233 
nr.  117.  Sucbevyc  S.  145  nr.  84.  Cubinskij  S.  670  nr.  134.  Zbiör  16, 
60  nr.  3.  Miksicek  1,  161.  Malinowski  2,  54.  Czambel  S.  253  nr.  139. 
Schleicher  S.  16.     Sbornik  Kavkaz.  12,  1,  134  (kabardinisch). 

')  Vgl.  noch  Truhelka  2,  60  nr.  9.  Afanasjev3  2,  342  nr.  219b. 
2,  347  nr.  219g.  219h.  Sadovnikov  S.  142  nr.  31.  Zap.  Krasnojarsk.  1, 
121  nr.  60.  Oncukov  S.  158  nr.  59.  Etnogr.  Zbirnyk  9,  98  nr.  56. 
Cubinskij  2,  601  nr.  80.  Romanov  3,  410  nr.  19.  Lorentz,  Teksty 
pomorskie  S.  536  nr.  666.  Künos,  Adakaie  S.  261  nr.  39.  Sbornik 
Kavkaz.  24,  2,  53.  Zapis.  geogr.-etnogr.  17,  2, 176  (karagasisch).  Knowles 
p.  104.  O'Connor  p,  80  nr.  14.  —  Auch  der  zweite  Teil  des  Fablels,  wo 
zwei  Diebe  ihrem  früheren  Genossen,  der  sich  verheiratet  hat.  einen 
Schinken  stehlen,  einbüßen  und  wieder  gewinnen,  hat  weite 
Verbreitung;  s.  Belgisch  Museum  10,69.  Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  111 
'Tyvens  Iteiiing'.  Kamp,  Folkeminder  S.  131.  Kristensen,  Aev.  fra 
Jylland  2,  79  nr.  10  =  Stroebe  1,  135.  Gering,  Islendzk  äventyri  2,  210 
nr.  90.  Angeloni,  Novella  ed.  Cappelli  1870  (R.  Köhler  2,  593.  Marchesi, 
Per  la  storia  della  novella  italiana  nel  secolo  XVII.  1897  p.  103).  Vacalerio, 
LArcadia  in  Brenta  1680  p.  275.  Gradi,  Saggio  1865  p.  107.  Visentini 
nr.  43.  Rivista  di  letteratura  pop.  1,  85.  PeUicani,  Cento  novelle  1881 
p.  206.  Balladoro,  Novelline  1900  p.  147.  Dozon  nr.  21.  Zbornik  jslav. 
10,  194.  Grgjic-Bjelokosic,  Stotina  S.  13  (Widder).  Sbornik  za  nar 
umotvor.  8,  204  nr.  2.  Afanasjev3  2,  531  (Culkov,  Ende  des  18.  Jahrb.). 
Suchevye  S.  141  nr.  82.  Cubinskij  S.  620  nr.  89.  Rudöenko  1,  192 
nr.  73.  Sbornik  Charkov.  6,  168  nr.  170.  Malinka  S.  345  nr.  62.  Mater, 
antropol.  10,  231  nr.  2  (Geld).  Sbornik  Kavkaz.  12,  1, 130  (kabardinisch) 
15,  2,  184  nr.  2.  18,  3,  27  (mingrelisch).  23,  2,  6  (kurdisch.  Ziege). 
Scbleicher  S.  13.  Aarnes  Register  nr.  1525E.  Behrnauer,  Die  vierzig 
Veziere  1851  S.  214  (Chauvin  8,  136). 


394  192.    Der  Meisterdieb. 

Jahn,  Volkssagen  aus  Pommern  nr.  630  'Der  alte  Fritz  und  sein  Soldat'. 
Jahn,  Volksmärchen  1,  158  nr.  29.  Haas,  Rügensche  Sagen  1891  nr.  200 
'König  Fritz'.  Karlskronike  (Brandt,  Romantisk  digtning  fra  middel- 
alderen  3,  1.  1877.  Chr.  Pedersen,  Danske  Skrifter  5.  1856.  Elberling, 
Danske  Folkebßger  1,1.  1867.  Nyerup,  Morskabskesning  S.  85).  Grundt- 
vigs  hsl.  Eegister  nr.  80,  a.  Bäckström,  Folkböcker  3,  62:  'Carl  XI.  och 
Skober'.  *Svensen,  Lönns  sagor  p.4  'Kungen  o  gardisten'.  Allardt  nr.  156. 
Karlamagnus-Saga  ed.  Unger  1860  (Basin).  Veckenstedt  S.  229  'Der  ehrliche 
Soldat'.  R.  v.  d.  Meulen,  Tijdschrift  voor  nederl.  Taalkunde  32,  89  (litauisch). 
Russische  Byline  von  Volch  Vseslavjevic  (Wollner,  Volksepik  S.  84.  L.  N. 
Tolstoj,  Werke  4,  613.  Uhlenbeck,  Tijdschrift  12,  198).  Afanasjev3  2,  351» 
(C ulko  v,  18.  Jahrb.).  Saveenko,  Rus.  nar.  skazka  S.  59  (Collins).  Potanin,  Oeerki 
severo-zapadnoj  Mongoliji  4,  323  =  Kern,  Tijdschrift  12,196  'Edzenj  Chan'. 
Benary,  Zs.  f.  Volkskunde  23,  299.  Bamondt,  Karel  ende  Elegast  1917.  — 
3.  Vertauschung  zweier  schlafender  Ehepaare  durch  Elbegast: 
Bartsch,  Meisterlieder  der  Kolmarer  Hs.  1862  S.  303  (R.  Köhler  2,  305). 
IL  Sachs,  Der  Schwarzkünstner  mit  dem  Markgrafen  1541  (Fabeln  3,  257. 
Bolte,  Forschungen  zur  brandenburg.  Gesch.  11,  201).  Ayrer,  Dramen 
ed.  Keller  4,  2391.  Behrend,  Westpreußen  nr.  10  'Der  geschickte  Prinz' 
und  17  'Der  Schneidergraf'.  Bl.  f.  pomm.  Vk.  9,  60  'Die  böse  Frau'. 
Luzel,  Legendes  ehret.  2,  219  nr.  30.  Gasp.  Gozzi  bei  A.  Keller,  Italien. 
Novcllenschatz  6,  65.  Busk,  Folklore  of  Rome  p.  348.  Corazzini  p.  451 
nr.  12  'A  reggina  e  a  trippara'.  Toppen,  Masuren  S.  165  'Belohnte 
Mildtätigkeit'.  Polivka,  Archiv  f.  slav.  Phil.  19,  262  nr.  228  und 
Pryvit  Iv.  Frankovi  1916  2,  317.  Vikar  nr.  4.  Über  die  Dramen 
von  Je  von  (The  devil  of  a  wife.  1686),  Coffey,  Sedaine,  W.  v.  Borck, 
Weisse  u.  a.  vgl.  A.  v.  Weilen,  Shakespeares  Vorspiel  zu  der  Wider- 
spänstigen  Zähmung  1884  S.  64;  Brunnhuber,  Sidneys  Arcadia  1903 
S.  51;  Calmus,  Die  ersten  deutschen  Singspiele  1908  S.  2.  —  4.  Ein  als 
Bischof  oder  Graf  ausstaffierter  Bettler  wird  beim  Wirte  als  Pfand 
zurückgelassen:  Noel  du  Fail,  Contes  d'Eutrapel  1586  c.  17  (Oeuvres 
ed.  Assezat  1874  2,  91).  Aleman,  Guzman  de  Alfarache  1,  c.  58.  1599; 
deutsch  von  Albertinus  1615  S.  482.  Bidermann,  Utopia  1640  S.  270; 
deutsch  von  Hör],  Bacchusia  1677  S.  271.  Stechan,  Barbarossa  von 
Kyburg  (Bolte,  Singspiele  der  engl.  Komödianten  1893  S.  24).  Grams- 
bergen,  Haartog  van  Pierlepon  1650.  Holberg,  Den  pandsatte  bonde- 
dreng  1731  (A.  v.  Weilen,  Shakespeares  Vorspiel  1884  S.  53.  84.  Nyrop, 
Dania  10,  134).  Volksschauspiel  vom  Schinderhannes  (Zs.  f.  Volkskunde 
12,  332).  Pröhle,  KVM.  nr.  49  'Der  gelehrige  Dieb'.  Aarnes  Register 
nr.  1526.  —  5.  Ein  Bursch,  den  Räuber  um  ein  Schwein  oder  eine  Ziege 
betrügen,  rächt  sich  in  verschiedenen  Verkleidungen  am  Räuber- 
hauptmann. Diese  boshaften  Streiche  gelten  in.  dem  schmutzigen  fran- 
zösischen Romane  'T ruber t'    des  Douin    de    Lavesne    (13.  Jahrhundert. 


192.    Der  Meisterdieb.  395 

Hsg.  von  Ulrich.  1904;  deutsch,  hei  Ulrich,  Schelmennovellen  1905  S.  1) 
einem  Herzoge,  der  dem  Bauern  jungen  nichts  zu  leide  getan  hat.  Hack- 
mans  Register  nr.  1538.  Asbjörnsen  nr.  80  'Gutten,  som  vilde  blive 
handelskarl'  =  Dasent  1874  p.  258.  Cosquin  nr.  81  'Le  jeune  homme 
au  cochon'.  Sebillot,  Joyeuses  hist.  p.  242  'Les  moines  et  le  honhomme' 
=  Revue  des  trad.  pop.  11,  633.  Sebillot,  Folklore  de  France  4,  247.  284. 
Roche  p.  150  'Le  gamin  et  les  voleurs'.  Pineau,  C.  du  Poitou  p.  49 
'Louis  Bernard'.  *Armana  prouvencau  1880,  74.  Decurtins,  Rätoroman. 
Chrestomathie  2,  124  nr.  99  'II  tapagnac  cun  il  marti'.  Pitre,  Nov.  pop. 
tose.  nr.  59  'II  porco  e  il  castrato'.  Busk  p.  336  'A  yard  of  nose'. 
Gonzeubach  nr.  82  'Vom  klugen  Peppe'.  Pitre,  Fiabe  sie.  3,  223  nr.  162 
'Lu  scarparu  e  li  monaci'.  Maspons,  Rondallayre  3,  93  'En  Joanot'. 
Kretschmer  nr.  29  'Choromangirio'.  Jacob,  Türkische  Bibliothek  6,  1 
(Xoroskardasch).       Serbische    Bearbeitung    in    Jerem.    Obrad.    Karadzic 

5.  5—19.     Glasnik    bos.-herceg.    25,  345.     Aarnes    Register    nr.    1538.    — 

6.  Ein  Dieb,  der  nachts  auf  dem  Kirchhofe  seinen  Genossen,  den  Hammel- 
dieb, erwartend,  Nüsse  knackt,  erschreckt  den  Küster  und  den 
von  diesem  getragenen  Pfarrer,  indem  er  ruft:  'Ist  er  auch  fett?'  Mont- 
aiglon-Raynaud,  Fabliaux  4,  87  nr.  96  'Estula'.  Brom3rard,  Summa 
predicantium  O,  2,  §  6  und  Johannes  Junior,  Scala  celi,  de  furto  §  5  = 
Wickram,  Werke  3,  334.  Pauli,  Schimpf  und  Ernst  cap.  82.  Hans  Sachs, 
Fabeln  1,  292.  3,  93.  4,  317.  Wickram,  Werke  3,  378  zu  nr.  56.  8,  345; 
dazu  Jegerlehner,  Unterwallis  1909  S.  8  nr.  5;  Wisser,  Plattdt.  Vm.  S.  85 ; 
Volkskunde  19,  63;  Hackmans  Register  nr.  1791;  Annales  de  Bretagne 
27,  91;  Revue  des  trad.  pop.  9,  349  nr.  55.  24,  137;  Zbornik  jslav.  10, 
194;  Bos.  Vila  5,  29  (1890);  Krauß,  Tausend  SM.  1,  141  nr.  47;  Pa- 
mjatniki  drevnej  pismen  1878 — 79,  120;  Kubin,  Podkrkonosi  zäp.  nr.  286; 
Kozlowski  S.  344;  Böhm,  Lettische  Schwanke  nr.  39;  Aarnes  Register 
nr.  1791;  Chauvin  8,  107.     Vgl.  die  törichte  Frau  oben  1,521  (Motiv  II). 

Endlich  ist  auch  die  alte  ägyptische,  aus  Herodot  2,  121  be- 
kannte Erzählung  vom  Schatzhaus  des  Rham  psinit J)  mit  unserm 
Stoffe  in  Verbindung  getreten.  Sterbend  offenbart  der  Baumeister 
des   königlichen  Schatzhauses   seinen    beiden  Söhnen,    daß    er    einen 

J)  Maspero,  Contes  pop.  de  l'Egypte  ancienne  1889  p.  245  und  XLVII. 
Wiedemann,  Altägyptische  Sagen  1906  S.  145  und  Herodots  zweites  Buch 
1890  S.  447.  R.  Köhler  1,  200.  Clouston,  Populär  tales  1887  2,  115. 
480.  Prato,  La  leggenda  del  tesoro  di  Rampsinite  (Como  1882).  G.  Paris, 
Le  conte  de  Rhampsinite  (1874,  gedr.  1907  in  Revue  de  1'  hist.  des  reli- 
gions  55,  151.  267).  Klinger,  Märchenmotive  in  Herodots  Geschichten 
(Kijev  1903,  russisch)  S.  168.  F.  v.  d.  Leyen,  Archiv  f.  n.  Spr.  115,  10. 
116,  14.  Chauvin  8,  185.  K.  Campbell,  The  seven  sages  of  Rome  1907 
p.  LXXXV. 


396  192.    Der  Meisterdieb. 

der  Steinblöcke  so  eingerichtet  hat,  daß  man  ihn  ohne  Mühe  heraus- 
nehmen kann.  Heimlich  rauben  die  Brüder  nachts  dort  Schätze, 
bis  der  König  Fallen  aufstellt  und  der  eine  Dieb  festgehalten  wird. 
Er  bittet  seinen  Bruder,  ihm  den  Kopf  abzuschneiden,  damit  er 
nicht  erkannt  und  auch  der  andre  ins  Verderben  gestürzt  werde. 
Der  Bruder  gehorcht.  Wie  nun  der  König  den  Rumpf  an  der 
Mauer  aufhängen  läßt,  um  zu  sehen,  ob  einer  der  Vorübergehenden 
Mitleid  zeige,1)  dringt  die  Mutter  in  den  überlebenden  Sohn,  ihr 
den  Leichnam  zu  bringen.  Er  beladet  zwei  Esel  mit  Weinschläuchen 
und  öffnet  diese  angesichts  der  Wächter,  die  herzulaufen  und  sich 
berauschen,  schert  den  Schlafenden  die  rechten  Backen2)  und  zieht 
mit  dem  Toten  heim.  Voll  Begierde,  den  schlauen  Dieb  zu  er- 
greifen, gibt  Rhampsinit  seine  Tochter  preis;  sie  soll  aber  jeden 
Mann,  der  ihr  naht,  zuerst  seine  klügste  und  seine  gottloseste  Tat 
erzählen  lassen.  Der  Dieb  merkt  des  Königs  Absicht;  er  schneidet 
einer  Leiche  den  Arm  ab  und  berichtet  der  Königstochter  wahr- 
heitsgemäß seine  Streiche ;  als  sie  ihn  aber  festhalten  will,  läßt  er 
die  Totenhand  fahren  und  entrinnt.  So  bleibt  dem  Herrscher  nichts 
übrig,  als  dem  Diebe  Straflosigkeit  zuzusichern  und  seine  Tochter 
zur  Frau  zu  geben.  —  Die  Geschichte,  deren  ägyptischen  Ursprung 
man  ohne  hinreichenden  Grund  bezweifelt  hat,  ist  wohl  schon  vor 
Herodot  durch  Eugammon  von  Kyrene,  den  Dichter  der  Telegonie, 
auf  zwei  griechische  Baumeister  der  mythischen  Zeit,  Agamedes 
und  seinen  Stiefsohn  Trophonios,  übertragen  worden  (Pauly-Wissowa, 
Realencyclopädie  1,  719).  Nach  Charax  von  Pergamon  (2.-3.  Jahrh. 
nach  Chr.  bei  C.  Müller,  Fragmenta  historicorum  Graec.  3,  637  fr.  6) 
bestahlen  diese  mit  Kerkyon  den  Schatz  des  Königs  Augeias  von 
Elis,  der  ihnen  auf  Rat  des  Daidalos  Schlingen  legte;  Trophonios 
köpfte  den  Vater  und  floh  nach  Lebadeia  in  Böotien.  Nach  Kallippos 
von  Orchomenos  dagegen  (Pausanias  9,  37,  5)  waren  beide  Diebe 
Brüder  und  beraubten  den  böotischen  König  Hyrieus. 


x)  Daraus,  daß  Herodot  nichts  von  der  Klage  der  vorübergehenden 
Gattin  berichtet,  folgert  Frazer  (Pausanias  translated  5,  179.  1898),  daß 
Herodot  die  Sage  in  abgekürzter  Gestalt  überliefert. 

2)  Auf  dieselbe  Weise  verunstaltet  die  listige  Giovanna  bei 
Imbriani,  Novellaja  florentina2  nr.  4  die  betrunken  gemachten  Freier; 
desgleichen  die  diebische  Nonne  bei  Pitre,  Fiabe  sie.  1,  209  nr.  23  und 
bei  Prato,  Earnpsinite  p.  32.  Auch  Morolf  (Salman  und  Morolf  ed.  Vogt 
S.  60  Str.  290.  315)  schert  zweimal  seinen  durch  einen  Schlaftrunk  be- 
täubten Wächtern  Platten. 


192.    Der  Meister dieb.  397 

Bis  in  die  neueste  Zeit  ist  Herodots  Bericht  wiederholt 
worden,1)  doch  hat  das  Märchen  auch  während  des  Mittelalters  in 
Indien  wie  im  Abendlande  beträchtliche  Abänderungen  und  Zusätze 
erfahren.  Im  12.  Jahrhundert  taucht  es  in  den  okzidentalen  Fassungen 
des  Romans  von  den  sieben  weisen  Meistern  auf,  für  die  G. 
Paris  eine  byzantinische  Vorstufe  annimmt ;  obgleich  es  in  der 
orientalischen  Gruppe  fehlt,  über  deren  Erzählungen  die  Tabelle  in 
der  Historia  Septem  sapientum  I  ed.  Hilka  1912  S.  XXIV  einen 
Überblick  gewährt,  scheint  es  doch  durch  eine  indische  Version  be- 
einflußt zu  sein,  die  bereits  im  3.  Jahrhundert  nachzuweisen  ist. 
Um  1190  verfaßte  der  lothringische  Cistercienser  Johannes  in  der 
Abtei  Haute-Seille  seine  lateinische  Bearbeitung  'Dolopathos  s. 
De  rege  et  Septem  sapientibus',  in  welcher  der  zweite  Weise  die 
Geschichte  vom  Schatzhause  vorträgt  (ed.  Oesterley  1873  S.  45  = 
ed.  Hilka  1913  S.  49).  Die  Diebe  sind  nicht  zwei  Brüder,  sondern 
(wie  bei  Charax)  Vater  und  Sohn.  Der  alte  Ritter,  der  früher  den 
Schatzturm  hütete,  bricht,  um  seinem  verarmten  Sohne  zu  helfen, 
nachts  mit  diesem  ein  Loch  in  die  Mauer  und  trägt  Schätze  davon. 
Der  König  erhält  (wie  bei  Charax  von  Daidalos)  von  einem  alten 
Räuber,  dem  er  die  Augen  hat  ausstechen  lassen,  listigen  Rat:  er 
läßt  im  Turm  Gras  verbrennen,  um  durch  den  Rauch  das  Einsteig- 
loch  zu  entdecken,  dann  einen  Pechkessel  darunter  stellen,  in  den 
der  Alte  bis  zum  Kinn  versinkt,  den  geköpften  Leichnam  durch  die 
Straßen  schleifen    und    an  einem  Gerüste  aufhängen.      Neu    ist,    wie 


J)  Von  Bearbeitungen  seien  hier  genannt:  Camerarius,  Appendix 
fabularum  Aesopicarum  1539  Bl.  40a.  Bandello,  Novelle  1,  m\  25  (1554). 
Ein  Hinweis  auf  den  'ägyptischen  Dieb'  bei  Shakespeare,  Was  ihr  wollt 
V,  1.  A.  Albertinus,  Lusthaus  1612  S.  154.  Hossmann,  Bestendigkeit 
ungeferbter  Liebe  1613  S.  111.  Zanach,  D.  Apoliphtes  Historische  Er- 
quickstunden 2, 557  (1616).  Lauremberg,  Acerra  philologica  1650  1,  nr.  44. 
J.  Prätorius,  Ausbund  von  Wünschelruthen  1667  S.  73.  Vademecum  für 
lustige  Leute  1,  nr.  109  (1767).  Münch,  Mährleinbuch  für  meine  lieben 
Nachbarsleute  1799  S.  84  nr.  5.  Platen,  Der  Schatz  des  Rhampsinit 
(1824).  Heine,  Rhampsenit  (Romanzero  1851.  Werke  ed.  Elster  1,  329). 
Mertens,  Märchenspiele  1  (1880.  Nach  Platen).  A,  Kauders,  Der  Schatz 
des  Rhampsinit  (Oper.  1887).  L.  Winternitz,  König  Rhampsinit  (Operette 
von  V.  Holländer  1891).  —  Noch  in  einer  Erzählung  von  Ludwig  Thoma 
(Der  Postsekretär  im  Himmel  u.  a.  1914  S.  311)  wird  einem  erschossenen 
Tiroler  Wilderer,  um  seine  Erkennung  zu  verhüten,  von  seinen  Genossen 
der  Kopf  abgeschnitten  und  mit  einer  Strohpuppe  eingesargt  und  feier- 
lich begraben. 


398  192.    Der  Meisterdieb. 

der  Sohn  die  Wehklagen  der  Seinigen  beim  Anblicke  des  Toten  auf 
unverdächtige  Weise  zu  erklären  weiß ;  er  schneidet  sich  das  erste 
Mal  den  linken  Daumen  ab  und  stößt  dann  sein  Kind  in  den 
Brunnen.  Auch  berauscht  er  nicht  die  Wächter  am  Galgen,  sondern 
reitet  halb  schwarz,  halb  weiß  gekleidet  mitten  durch  die  schwarze 
und  weiße  Schar1)  hindurch.  Es  fehlt  dagegen  die  dem  Mönche 
anstößige  Preisgabe  der  Königstochter  und  ihre  Vermählung  mit  dem 
Diebe.  Diesen  Schluß,  in  welchem  die  Prinzessin  den  Dieb  durch  einen 
schwarzen  Fleck  auf  der  Stirn  zeichnet2)  und  ein  Kind  (in  der 
ältesten  indischen  Fassung  sein  Kind)  ihm  ein  Messer  reicht,  treffen 
wir  erst  in  dem  französischen  Versromane  an,  den  Herbert  (Dolo- 
pathos  ed.  Montaiglon  1856  p.  183—220)  um  1220  auf  Grund  der 
lateinischen  Prosa  verfaßte.  Jünger  ist  die  in  den  Altdeutschen 
Blättern  1,  136  veröffentlichte  Verdeutschung  des  Dolopathos.  — 
Weit  kürzer  lautet  in  den  übrigen  Fassungen  des  Romans  von  den 
sieben  weisen  Meistern3)    die   hier   der  arglistigen  Stiefmutter 

*)  Die  zwanzig  weißen  und  zwanzig  schwarzen  Reiter  erinnern  an 
die  fünfzehn  weißen  und  fünfzehn  schwarzen  Soldaten  in  dem  Epigramme 
vom  Josephspiel  bei  Riese,  Anthologia  latina  1,  2,  184  (Bolte,  Euphorion 
1,  362.  Ahrens,  Archiv  für  Kulturgeschichte  11,  132)  und  an  einige 
Fassungen  des  Märchens  vom  klugen  Knaben  (Archiv f.  s!av.  Phil.  27,  623 J, 
die  halb  schwarze,  halb  weiße  Kleidung  des  Meisterdiebes  erinnert  an  den 
gleichen  Anstrich,  den  Kapitän  Thierichens  im  März  1915  seinem  Hilfs- 
kreuzer 'Eitel  Friedrich'  gab,  um  unbemerkt  durch  die  englische  Flotte 
im  Atlantischen  Ozean  hindurchzukommen. 

2)  Vgl.  oben  S.  1451. 

3)  G.  Paris  1876  p.  II  und  K.  Campbell  1907  p.  XXII.  XXXV  unter- 
scheiden fünf  oder  acht  Gruppen :  A.  Liber  de  Septem  sapientibus,  aus 
dem  Johannes  Junior  in  der  Scala  celi  (Goedeke,  Orient  und  Occident  3, 
408.  Mussafia,  Wiener  SB.  57,  83)  einen  Auszug  bietet.  —  B.  Historia 
Septem  sapientnm  ed.  Buchner  1889  p.  24.  H.  Fischer,  Diss.  Greifswald 
1902  S.  115.  Deutsch  Augsburg  1473  (Simrock,  Volksbücher  12,  148. 
1865).  Niederländisch  1479  (ed.  Botermans  1898).  Schwedisch:  Klemming, 
Prosadikter  frän  Sveriges  medeltid  1887—89  p.  127.  Bäckström,  Folk- 
böcker  1,23.  Englisch:  K.  Campbell, The sevensages  1907p. 45  undLXXXV. 
Französisch:  Paris,  Deux  redactions  du  roman  des  sept  sages  de  Rorne 
1876  p.  87.  Katalanisch :  Mussafia,  Denkschriften  der  Wiener  Akademie  1876. 
Cechisch,  polnisch  und  russisch :  Murko,  Wiener  SB.  122, 10  (1890)  und  Zs.  f. 
vgl.  Litgesch.  5,  29  (armenisch).  Bulgarisch  und  serbisch  :  Murko  im  Rad 
jugoslav.  Akad.  100  (1890).  Russisch :  Pypin,  Ocerk  S.  258,  gedruckt  1780  von 
D.  M.  Culkov.  Auch  in  den  deutschen  Gesta  Romanorum  ed.  Keller  184L 
S.  113  und  Grässe  1842  2,  180.  Hans  von  Bühel,  Dyocletianus  ed.  Keller 
1841  v.  2041.     Keller,   Altdeutsche  Gedichte  1846  S^  72.     H.  Sachs,    Der 


192.    Der  Meisterdieb.  399 

in  den  Mund  gelegte  Erzählung,  in  welcher  der  Kaiser  oft  Octavianus 
heißt,  sein  blinder  Ratgeber  ganz  fehlt  und  der  Jüngling  bei  den 
Wehklagen  seiner  Schwestern  sich  ein  Messer  in  den  Schenkel 
stößt,  alles  Weitere  aber  wegfällt.  — ■  In  der  französischen  'Histoire 
du  chevalier  Berinus'  (R.  Köhler  1,  20C.  Clouston,  Pop.  tales 
2,  103.  126.  Paris,  Revue  55,  166)  gerät  Berinus,  der  vom  Sohne 
des  Baumeisters  des  Kaisers  Philipp  das  Geheimnis  des  beweglichen 
Steines  erfahren  hat,  in  das  Pechfaß  und  bittet  seinen  Sohn  Aigres, 
ihm  das  Haupt  abzuschlagen;  dieser  raubt  den  Leichnam  vom 
Galgen  und  schleicht  zum  Bett  der  Prinzessin  Nullie,  wird  aber  mit 
schwarzer  Farbe  an  der  Stirn  gezeichnet.  Bei  dem  Florentiner  S er 
Giovanni,1)  der  im  Pecorone  9,  nr.  1  den  Vorfall  nach  Venedig 
verlegt,  dringt  der  Baumeister  Bindo  selber  mit  Hilfe  des  verschieb- 
baren Steines  in  das  Schatzhaus ;  sein  Sohn  Ricardo  verscheucht  in 
Teufelskleidung  die  Wächter  des  Leichnams,  stiehlt  das  frische 
Kalbfleisch,  erschlägt  den  spionierenden  Bettler,  dem  seine  Mutter 
ein  Stück  davon  gegeben  hat,  und  schwärzt,  als  die  Tochter  des 
Dogen  ihm  einen  Strich  ins  Gesicht  macht,  auch  die  andern  Jüng- 
linge. In  dem  altniederländischen  Gedicht  'De  Deif  van 
Brügge'  (ZfdA.  5,  385)  plündern  zwei  Diebe  aus  Paris  und  Brügge 
den  Schatz  des  Königs  von  Frankreich ;  der  Brügger  köpft  den 
gefangenen  Genossen,  haut  sich  in  die  Hand,  als  dessen  Frau  beim 
Anblick  der  Leiche  jammert,  bringt  den  Wächtern  einen  Schlaftrunk 
bei    und   zieht    ihnen  Mönchskutten    an    und    entgeht    wie    bei    Ser 


Schatzturm  1532  (Fabeln  3,  86  nr.  28.  Stiefei,  Studien  z.  vgl.  Litgesch. 
2,  173).  —  C.  Li  romans  des  sept  sages  ed.  Keller  1836  p.  111;  danach 
die  Prosaauflösung  bei  G.  Paris  1876  p.  34.  —  D.  Versio  italica,  lateinisch 
ed.  Mussafia,  Wiener  SB.  57,  107.  Italienische  Fassungen  ed.  Della 
Lucia  1832,  Capelli  1865,  Rajna  (Storia  di  Stefano  1880  p.  89),  Roediger 
1883,  Cesari  1896.  Erasto  1546  c.  15.  —  E.  Roman  des  sept  sages  (Prosa) 
bei  Loiseleur,  Essai  sur  les  fahles  indiennes  1838  2,  29.  II  libro  dei  sette 
savi  ed.  A.  D'Ancona  1864  p.  27,  Varnhagen  1881.  —  Die  von  Campbell 
p.  LXXXVI  angeführte  Novelle  bei  Sansovino,  Cento  novelle  scelte  1561 
p.  105  (III,  nr.  4)  finde  ich  in  der  Ausgabe  von  1571  nicht. 

x)  Gubernatis,  Florilegio  p.  181  =  Keller,  Ital.  Novellen  schätz  1,  167 
=  Ulrich,  Romanische  Schelmennovellen  1905  S.  93;  vgl.  R.  Köhler  1, 
203  und  Gorra,  Studi  di  critica  letteraria  1892  p.  296.  —  Auf  dieser  No- 
velle, die  Painter  1566  im  Palace  of  pleasure  1,  nr.  48  übertrug,  beruht 
das  1591  in  London  gespielte  englische  Drama  'Bendo  and  Richardo',  das 
1626  englische  Komödianten  in  Dresden  u.  d.  T.  'Der  behende  Dieb'  auf- 
führten (Dessoff,  Studien  zur  vgl.  Litgesch.  1,  420). 


400  192.    Der  Meisterdieb. 

Giovanni  der  Entdeckung  durch  die  Prinzessin.  Tragisch1)  endet 
der  Meisterdieb  dagegen  bei  Sercambi,  Novelle  ed.  Renier  1889 
p.  206  nr.  58  'De  latrones  et  bona  iustitia';  nicht  bloß  der  im  Leim- 
kübel gefangene  Bovitoro  findet  seinen  Tod,  sondern  auch  sein 
Bruder  Belluccio,  obwohl  er,  um  die  Wehklagen  der  Frauen  zu  er- 
klären, sich  in  die  Hand  schneidet. 

Neuere  Aufzeichnungen  aus  dem  Volksmunde  liegen  vor  aus 
Tirol  bei  Zingerle  2,  300  'Die  zwei  Beutelschneider'  (der  preußische 
Beutelschneider  wird  in  der  auf  den  Rat  eines  blinden  Diebes  auf- 
gestellten Falle  gefangen ;  der  polnische  köpft  seinen  Kameraden, 
stiehlt  den  Leichnam  vom  Galgen,  fängt  den  Hirsch  mit  vergoldeten 
Hörnern,  gibt  dem  blinden  Bettler  von  der  Hirschsuppe  und  löscht 
die  Rötelstriche  an  seiner  Tür  aus).  Aus  dem  Odenwald  bei  Wolf, 
Hausmärchen  S.  397  'Vom  Räuberhauptmann  Hans  Kühstock'  (hat 
einen  Stock,  vor  dem  alle  Türen  aufspringen;  stiehlt  Ochsen,  köpft 
seinen  Gesellen  und  holt  den  Leichnam).  Aus  Oberbayern  bei 
Sepp  S.  574  nr.  157  'Die  Schatzkammer  und  der  listige  Dieb'.  Aus 
Unterfranken  bei  Spiegel  1914  nr.  24  'Des  Königs  Schatzkammer' 
(die  Falle  faßt  nur  die  Hand  des  Lurz  ;  Hans  trägt  den  Verwundeten 
heim,  liest  die  im  Festsaale  ausgestreuten  Goldstücke  auf,  indem  er 
seine  Sohlen  mit  Pech  bestreicht,  küßt  das  Mädchen  und  färbt  die 
andern  im  Gesicht).  Aus  dem  Harz  bei  Pröhle,  M.  für  die  Jugend 
nr.  38  'Der  Maurerlehrling'  (schneidet  dem  gefangenen  Meister  den 
Kopf  ab  und  stiehlt  den  Rumpf  vom  Galgen)  und  Pröhle,  KVM. 
S.  144  nr.  48  'Der  König  von  Papierland  und  von  Kummerland' 
(Student,  der  einen  Tarnmantel,  Weisheitsring  und  eine  Spring- 
wurzel besitzt,  plündert  die  Schatzkammer  und  küßt  die  Königs- 
tochter). Aus  Schlesien  bei  Arnim  1,  27  nr.  5  'Der  Räuberprinz' 
(Prinz  als  Hutmachergesell  und  Tischler;  Fallbeil  in  der  Schatz- 
kammer ;  Pantoffel  und  Nachthaube  der  Prinzessin  gestohlen ; 
schwarzes  Zeichen  auf  der  Stirn),  Aus  Holstein  bei  Wisser,  Plattd. 
Vm.  S.  285  'De  Könissöhn'  (drei  Proben  beim  Räuberhauptmann: 
Ochse,  grünes  Tuch,  Müllertochter;  alle  Räuber  bis  auf  den  Haupt- 
mann werden  erschossen;  der  Prinz  erhält  einen  Zauberriug, 
bestiehlt    als    Schusters;eselle     mit     dem    Meister     den     königlichen 


*)  So  auch  in  dem  unten  erwähnten  schottischen  Märchen  und  in 
den  orientalischen  Fassungen  von  Day,  Müller  (Mehri-Sprache)  und 
Basset. 


192.    Der  Meisterdieb.  401 

Schatz,  köpft  den  Gefangenen,  stiehlt  den  Leichnam  und  legt 
sich  zur  Königstochter).  Aus  Pommern  bei  Jahn  1,  266  nr.  52 
'Die  russische  Finetee  und  die  russische  Galethee'  (des  Prinzen 
Probestücke  bei  der  Eäuberbande;  er  öffnet  mit  seiner  Zauber- 
gerte die  Mauern  der  Schatzkammer  und  macht  sich  mit  einer 
Kugel  im  Munde  unsichtbar;  schneidet  dem  Schuhmacher,  den  die 
Soldaten  über  die  Mauer  ziehen,  den  Kopf  ab,  küßt  die  Prinzessin). 
Aus  Westpreußen  bei  Behrend  nr.  10  'Der  geschickte  Prinz' 
(lernt  bei  einem  Diebe  stehlen,  vertauscht  zwei  Ehepaare,  bricht  in 
die  Schatzkammer,  köpft  den  gefangenen  Gesellen,  stiehlt  seine  Leiche 
und  der  Prinzessin  Hasen  und  Hing).  —  Dänisch:  Etlar  1847 
p.  165  =  1891  p.  30  'Klaus  Skolemester'  (R.  Köhler  1,  208.  251). 
Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  80  'Kongens  skatkammer'.  Kristensen, 
Aev.  2,  49  nr.  7  'Klted'  stejle'.  2,  63  nr.  8  'Karlen,  der  kom  til  at 
kleede  Stejle'.  2,  74  nr.  9  'Den  listige  Prins'.  Kristensen,  Fra 
Bindestue  2,97  nr.  18  'Prinsen,  der  klsedte  Stejle'. —  Schwedisch: 
Aberg  nr.  218 'Banktjufven'.  —  Norwegisch;  *M.  Moe,  Eventyrlige 
sagn  p.  576.  —  Isländisch:  Rittershaus  S.  451  nr.  127  'Rikkur, 
der  listige  Baumeister'.  —  Schottisch:  Campbell,  West  Highlands2 
1,  330  nr.  17d  'The  shifty  lad,  the  widow's  son';  vgl.  B.  Köhler  1, 
198  (Orakel  in  der  Kirche,  Probestücke  des  Diebes,  Einbruch  im 
Schatzhause  mit  einem  Zimmermann,  Pechfaß,  Schwein  soll  die  Leiche 
aufscharren,  Tanz  mit  der  Prinzessin,  ein  Kind  reicht  dem  Diebe  den 
Apfel).  —  Irisch:  Larminie  p.  106  'Jack'  (stößt  den  Schneider  tief 
ins  Pech  und  schneidet  sich  in  den  Finger,  als  die  Frau  beim  An- 
blick der  Leiche  aufschreit).1)  —  Französisch:  Luzel,  C.deBasse- 
Bretagne  3,  351  'Le  voleur  avise'  =  Melusine  1,  17  (Efflam  hat 
Bäubern  einen  Zaubermantel,  Tarnhut  und  Gamaschen  weggenommen). 
Luzel  3,  367  'Variante'  =  Melusine  1,  23  (ähnlich  dem  Dolopathos). 


*)  Vorher  foppt  Jack  die  ehebrecherische  Bäurin,  deren 
Buhlen  und  den  Bauer,  wie  bei  Hans  Sachs  (Fabeln  5,  181.  Zs.  f.  vgl. 
Litgesch.  7,  463)  der  verschlagene  Bauernknecht.  Vgl.  Rosenhagen,  Die 
Heidelberger  Hs.  Pal. germ. 341 1909  S.20Ö  'Der  geäffte  Pfaffe';  Haltrich4 
nr.  60  'Der  lose  Knecht';  Branky,  Zs.  f.  dt.  Phil.  8,  84;  Blümml,  Beiträge 
zur  Volksdichtung  1908  S.  121  nr.  21;  Bunker  1906  nr.  6  'Der  gescheite 
Hans'  =  ZfVk.7,310;  Busch,  Ut  61er  Tid  S.  63  'Der  kluge  Knecht' ;  Wisser, 
Plattdeutsche  Vm.  S.  111  'Sülbn  verraden'.  Kristensen,  Aev.  3,  365  nr.  67 
'Den  slemme  Jens'.  Berntsen  1,  191  nr.  24  'Mikkel'.  Grundtvigs  hsl. 
Register  nr.  99  'Prsesten  pä  eeventyr'  und  Aarnes  Register  nr.  1725. 
Zanazzo  p.  293  'Caroso'.     Chauvin  6,  178  nr.  340. 

Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III.  9Q 


402  192.    Der  Meisterdieb. 

Revue  des  trad.  pop.  10,  205  'Le  filou  de  Paris  et  le  filou  de  Madrid' 
(die  Schwester  des  getöteten  Diebes  gibt  zwei  Frauen  das  Gehirn 
desselben  als  Heilmittel  für  den  kranken  König,  doch  der  Madrider 
bringt  die  Frauen  um  und  bringt  ihr  Hirn  dem  Könige).  — 
Italienisch:  Comparetti  nr.  13  'Crich  e  Croch'  =  Heyse  S.  47. 
Pitre,  Novelle  toscane  p.  222  'Cricche  Crocche'.  Gradi,  Saggio  p.  105 
'Cricche,  Crocche  e  Manico  d'uncino'.  Coronedi-Berti  nr.  2  'Lira  e 
Mezalira'  (Propugnatore  7,  1,  194)  =  1883  nr.  37.  Pitre,  Fiabe  sie. 
3,  205  nr.  159  'Mbroglia  e  Sbroglia'.  3,  210  nr.  160  'Lu  muraturi  e 
so  figghiu'  =  Crane  p.  163  nr.  44.  Gubernatis,  Florilegio  p.  167 
'I  tre  ladri'  (Einbruch  in  die  Münze)  =  Prato  1882  p.  1.  *A.  Bartoli, 
Una  novellina  e  una  poesia  gragnolesi  (Firenze  1881).  —  Portu- 
giesisch: *Consiglieri  Pedroso,  Ensaios  criticos  3,  5  (1881)  '0  ladräo 
fino'.  —  Maltesisch:  Hg  1,  84  nr.  25  (s.  oben).  —  Griechisch: 
Sakellarios,  KvTiQiaxd  3,  157  nr.  6  =  Liebrecht,  Jb.  f.  roman. 
Lit.  11,  367  nr.  6  'Der  Meisterdieb'  =  Legrand  p.  205  =  Garnett 
2,  400  (Probestücke ;  Oheim  und  Neffe  im  Schatzhause,  Pechkessel, 
Leiche  entführt,  Goldstücke  an  den  Sohlen,  Kamel  geschlachtet, 
Königstochter,  Totenhand).  Kretschmer  nr.  16  'Der  Meisterdieb' (aus 
Lesbos.  Probestücke;  Oheim  und  Neffe  im  Schatzhause,  Pechkessel, 
Leiche  entführt;  der  begnadigte  Dieb  holt  als  Todesengel  verkleidet 
einen  andern  König  im  Koffer).  Kretschmer,  Lesb.  Dialekt  1905 
S.  481  nr.  3.  —  Rumänisch:  S^äinenu  p.  70 — 78.  Ispirescu  nr.  34. 
—  Serbokroatisch:  Bos.  nar.  pripov.  S.  40  nr.  11.  Bos.  Vila  2, 
92.  10,  331.  —  Bulgarisch  aus  Mazedonien:  Sbornik  min.  11,  110. 
112.  §apkarev  S.  412  nr.  247.  —  Großrussisch:  Sibarsa  und  Iwan 
der  Schreckliche.  Russkij  Archiv  1863,  nr.  5 — 6.  Wesselofsky  in 
Drevnjaja  i  novaja  Rossija  2.  Jahrg.  1,  nr.  4  S.  317  —  Melusine  1, 
136  =  Clouston  2,  139;  vgl.  Galachov,  Istorija  rus.  slov.3  1,  442. 
Aus  Gouv.  Archangelsk:  Oncukov  S.  68  nr.  17.  S.  157  nr.  59.  Gouv. 
Olonetz:  ebd.  S.  420  nr.  168.  S.  396  nr.  160.  Etnograf.  Obozr.  57, 
161.  Gouv.  Tomsk:  Zap.  Krasnojarsk.  1,  97  nr.  50  =  v.  Löwis 
S.  286  nr.  49.  Afanasjev3  2,  348  nr.  219h.  —  Weißrussisch  aus 
Gouv.  Minsk:  Sejn  2,  203  nr.  95.  96.  Gouv.  Mogilev:  Romanov  3, 
4L0  nr.  19.  Mater,  kom.  je^zyk.  2,  82.  —  Kleinrussisch  aus  Nord- 
ungarn: Verchratskjrj  S.  165 — 168.  Etnogr.  Zbirnyk  3,  195  nr.  30. 
9,  98  nr.  56.  Galizien:  Sadok  Baracz  S.  242.  Etnogr.  Zbirnyk  8, 
17  nr.  5.  8,  141  nr.  73.  Zdziarski,  Gars6  S.  21  nr.  13.  Ukraina : 
Cubinskij  2,  601  nr.  80.     Etnogr.  Zbirnyk  14,  285   nr.  56.     Malinka 


192.   Der  Meisterdieb.  403 

S.  339  nr.  57.  —  Polnisch:  Ciszewski  S.  256  nr.  204  Gonet 
S.  227  nr.  2.  CheJchowski  1,  246  nr.  39.  —  Kaschubisch:  Gryf 
1,  158.  165.  Lorentz,  Teksty  S.  366  nr.  472.  —  Öechisch:  Pfihoda 
nr.  23  (dem  Prinzen  ist  prophezeit,  daß  er  im  18.  Jahr  gehängt  wird). 
Kubin,  Podkrkonosi  zap.  nr.  56.  Aus  Mähren:  Poh.  a  pov.  nas.  lidu 
S.  24  nr.  12.  Bayer  2,  57  nr.  17  (drei  Raben  prophezeien,  daß  dem 
Prinzen  der  Gralgen  in  Spanien  bestimmt  ist).  Tille  S.  71  nr.  28. 
Revue  des  trad.  pop.  23,  161.  —  Slowakisch:  Cod.  divers,  auct. 
A  93,  nr.  34.  Czambel  S.  253  nr.  139.  —  Lettisch:  Böhm  nr.  50 
'Der  Königssohn  als  Meisterdieb'  =  v.  Löwis  1916  S.  105  (Graben 
voll  Pech ;  Kinder  verbrüht,  als  sie  beim  Anblick  der  Leiche  schreien, 
Bock  gekocht,  Goldstücke  an  den  Sohlen;  Dieb  fällt  in  das  Loch  vor 
der  Schlafkammer  der  Prinzessin  und  ruft  Feuer).  Böhm  S.  122f. 
(zwei  Varianten).  —  Finnisch:  Aarnes  Register  nr.  950.  — 
Magyarisch:  Horger  nr.  38  =  Röna-Sklarek  2,  180  nr.  15  (Tier- 
schwäger). —  Zigeunerisch  aus  der  Bukowina :  Constantinescu  nr.  6 
=  Groome  nr.  11  (oben  S.  386).  Aus  Serbien:  Gjorgjevic  2,  101.  — 
Türkisch:  Künos,  Adakaie  S.  261  nr.  39.  —  Gagausisch:  Radioff 
10,  135  nr.  74  (Bruchstück).  —  Mingrelisch:  Mourier  p.  51  nr.  3 
=  Magazin  f.  d.  Lit.  des  Auslandes  1883,  541.  Wardrop,  Georgian 
folk  tales  p.89nr.  14  'The  two  thieves'.  —  Im  eretinisch:  Sbornik 
Kavkaz.  24,  2,  53—56.  —  Armenisch:  ebd.  42,  2,  53  nr.  8.  — 
Tatarisch:  Radioff  3,  332  'Eshigäldi'  (verübt  Streiche  des  Bürle, 
oben  2,  16  und  des  Trubert,  stiehlt  hingelegtes  Geld  durch  leim- 
bestrichene Sohlen,  schlachtet  das  Kamel,  tötet  die  Spionin,  läßt  der 
Fürstentochter  eine  Leichenhand  zurück,  bringt  den  feindlichen 
Fürsten  und  seine  Frau  im  Kasten).  4,  193  'Der  Dieb'  (stiehlt  dem 
Eierdiebe  die  Hosen ;  Leimgefäß ;  die  weinende  Mutter  des  Toten 
zerbricht  ihren  Milchtopf;  der  Dieb  des  Geldsackes  färbt  wie  im 
Dolopathos  seine  eine  Seite  weiß,  die  andre  schwarz,  entführt  des 
Fürsten  Tochter,  schlachtet  desselben  Kamel,  fängt  die  Alte,  die  das 
Fleisch  aufgefunden,  und  bringt  einen  feindlichen  Fürsten  und  seine 
Frau  im  Sacke)  =  Prato  1882  p.  14. 

In  Indien  ist  der  ägyptisch-griechische  Meisterdieb  zu   einer 
Inkarnation  Buddhas  geworden1),    wie    eine  Erzählung    des   um  266 


l)  Im  305.  Jätaka  (Cowell  3,  12)  freilich  erhält  der  Bodhisätta  die 
Tochter  des  Brahmanen,  die  dieser  dem  besten  Diebe  unter  seinen 
Schülern  versprochen  hat,  weil  er  das  Stehlen  für  Sünde  erklärt. 

26* 


404  192.    Der  Meisterdieb. 

ins  Chinesische  übersetzten  Werkes  'Cheng  king'  lehrt,  die  Huber 
im  Bulletin  de  l'Ecole  francaise  d'Extreme-Orient  4,  701  u.  d.  T. 
'Le  tresor  du  roi  Rhampsinite'  mitgeteilt  hat.  Als  ein  Dieb  mit 
seinem  Neffen  durch  einen  selbstgegrabenen  unterirdischen  Gang  das 
Schatzhaus  des  Königs  plündert,  stellt  dieser  Wächter  auf,  die  beim 
nächsten  Versuche  den  Oheim  festnehmen.  Der  Neffe  schneidet  ihm 
den  Kopf  ab,  verbrennt  den  in  den  Straßen  herumgefahrenen  Rumpf, 
auf  den  er  zwei  Karren  mit  Brennholz  stürzt,  und  raubt  nach  Be- 
rauschung der  Wache  auch  die  übrig  gebliebenen  Gebeine.  Da 
setzt  der  König  seine  Tochter  in  eine  Laube  am  Fluß ;  trotz  der  auf- 
gestellten Soldaten  schwimmt  der  kecke  Jüngling  auf  einem  Baumstamme 
herzu,  büßt  seine  Lust  und  läßt,  als  die  Prinzessin  ihn  festhalten  will, 
den  Arm  eines  Toten  zurück.  Später,  als  der  von  der  Königstochter 
geborene  Knabe  herumgeführt  wird,  reicht  er  ihm,  als  Bäcker  verkleidet, 
Kuchen  und  entführt  ihn  der  trunken  gemachten  Amme.  Er  tritt 
in  den  Dienst  eines  andern  Königs  und  erhält  auf  dessen  Fürwort 
die  Hand  der  Prinzessin.  (Vgl.  Chavamus  nr.  379.)  Ganz  ähnlich 
lautet  die  ebenfalls  aus  indischer  Quelle  geflossene  Fassung  im 
tibetischen  Kandjur  3,  132  bei  Schief ner,  Bull,  de  l'acad.  de  St. 
Petersbourg  14,  299  =  Melanges  asiatiques  6,  163  —  Ralston,  Tibetan 
tales  p.  37  nr.  4  'The  clever  thief  ;  nur  tritt  hier  die  Rolle  des  Knaben, 
der  dem  unbekannten  Vater  einen  Kranz  reicht  (wie  oben  1,  486, 
im  französischen  Dolopathos  und  im  schottischen  Märchen  bei  R. 
Köhler  1,  200),  deutlicher  hervor.  Bei  Somadeva,  Kathäsaritsägara 
10,  c.  65  (Tawney  2,  93  —  Co  well,  Journal  of  philology  1,  67  = 
Schiefner,  Melanges  asiat.  6,  171),  der  den  Schatzraub  ganz  fallen 
läßt,  wird  Karpara  hingerichtet,  weil  er  bei  der  Königstochter  liegend 
entdeckt  worden  ist;  sein  Freund  Ghata  beklagt  ihn,  indem  er 
doppelsinnig  seinen  zerbrochenen  Milchtopf  Karpara  (Scherbe)  an- 
redet, betäubt  die  Wächter  des  Leichnams  durch  vergiftete  Speise 
und  Zaubersprüche  und  entflieht  mit  der  Königstochter.  Entfernter 
steht  eine  von  Hertel  (ZdmG.  61,  60;  vgl.  Hertel,  Pancatantra 
1914  S.  306)  aus  einem  südindischen  Text  des  Pancatantra  III.  8 
übersetzte  Geschichte  'Der  Räubersohn  befreit  das  Haupt  seines 
hingerichteten  Vaters'.  Das  Abenteuer  mit  der  Prinzessin  fehlt  dort 
und  ebenso  in  einer  neueren  Fassung  aus  Ceylon  (The  Orientalist 
1,  56.  1884),  wo  das  Steckenbleiben  des  älteren  Räubers  im  unter- 
irdischen Gange  wie  in  der  Tierfabel  oben  2,  109  f.  mit  seinem 
Dickfressen  erklärt  wird;    sein    Sohn    enthauptet    ihn    und  läßt  sich, 


192.    Der  Meisterdieb.  405 

als  die  Mutter  den  Leichnam  durch  die  Straße  schleifen  sieht,  vom 
Baume  herabfallen.  Aus  Bengalen  bei  Day  p.  174  'Adventures 
of  two  thieves  and  their  sons' :  der  Dieb  entwendet  das  Halsband 
der  schlafenden  Königin,  nachdem  er  ihre  Dienerin  geköpft  hat,  und 
das  goldbeladene  Kamel,  wird  aber  durch  einen  als  Frau  verkleideten 
andern  Dieb  entdeckt  und  lebendig  begraben1).  Eine  Erzählung 
aus  Mirzapur  'The  piety  of  the  brahman'  (North  indian  notes  and 
queries  3,  65  nr.  132)  beginnt  wie  'der  Arme  und  der  Bleiche'  (oben 
2,  210);  aber  der  arme  Brahmane  geht  in  seiner  Gastlichkeit  gegen 
die  bei  ihm  eingekehrten  Götter  Mahadeva  und  Paramesvara  so  weit, 
daß  er  nachts  mit  seinem  Sohne  bei  einem  Geldwechsler  einbricht 
und,  als  sein  Sohn  festgehalten  wird,  diesen  köpft.  —  Neu  ara- 
mäisch: Lidzbarski  S.  241  nr.  14  'Der  Meisterdieb'  (oben  S.  387). 
Prym-Socin,  Tür-Abdin  2,  170  nr.  42  (oben  S.  387).  —  Arabisch  in 
einem  Buche  von  'Ali  az  Zibaq  (Beirut  1866)  —  Nöldeke,  ZdmG. 
42,  70  (Onkel  und  Neffe,  die  Mutter  läßt  am  Leichnam  ihren  Krug 
fallen).  D.  H.  Müller,  Mehri-  und  Soqotri-Sprache  2,  84  nr.  15  'Der 
Unglückssklave'  (verleitet  seinen  Herren  zum  Diebstahl,  stiehlt  des 
Sultans  Kamel,  tötet  die  Spionin,  wird  aber  endlich  entdeckt  und 
hingerichtet).  Hein,  Mehri-Texte  S.  32  'Zwei  Diebe'  (Kamel  ge- 
stohlen, Zeichen  am  Hause  vervielfacht)  und  58  'Die  beiden  Diebe' 
(Eier  dem  Vogel  und  dem  Diebe  gestohlen;  Schatzhaus,  Topf  zer- 
brochen, Kuh).  Rhodokanakis,  Dofär  S.  21  nr.  4  'Die  drei  diebischen 
Brüder'  (Ei,  Kamel,  Widder  gestohlen,  Spionin  getötet;  Geldgrube, 
Honigbrunnen;  Leiche  geraubt;  Sultanstochter,  Zeichen  am  Tor, 
Bart  mit  Petroleum  bestrichen,  Schmuck  der  Sultansfrau).  —  Aus 
Nordafrika:  Artin-Pacha  p.  201  nr.  17  'Souheim-el-leyl'  (nimmt 
wie  Trubert  an  den  Räubern  Rache,  stiehlt  das  Kamel  des  Kadi, 
vervielfacht  das  Zeichen  an  seiner  Tür  und  erschreckt  als  Azrael 
den  Sultan).  Maspero,  Une  Version  arabe  du  conte  de  Rhampsinite 
(Journal   asiatique  8.  serie  6,  149.  1885.     Stammt   aus  seinen  eignen 


l)  Entfernte  Ähnlichkeit  hat  die  von  Clouston  2,  152  damit  ver- 
glichene Geschichte  im  persischen  Bahär-i  Danush  (transl.  by  J.  Scott 
2,  225),  wo  der  Dieb  den  goldenen  Fisch  unterm  Kopfkissen  des  Königs 
stiehlt  und  beim  Vergraben  von  einem  andern  Diebe  belauscht  wird, 
den  er  dann  beim  Könige  verklagt;  vgl.  Knowles  p.  297  'The  day- 
thief  and  the  night-thief.  Der  Dieb  an  Stelle  des  Haussklaven  am 
Bette  des  Paschas  auch  bei  Chauvin  5,  253.  8,  149;  Künos,  Stambul 
S.  290  =  Ulrich,  Schelmennovellen  S.  XXIV. 


406  193.    Der  Trommler. 

Contes  de  l'Egypte  ancienne).  J.  A.  St.  John,  Tales  of  the  Ramadhan 
3,  67  =  Clouston,  Pop.  tales  2,  480.  *Mornand,  La  vie  arabe  1856 
p.  123  (Revue  des  trad.  pop.  6,  454).  Rochemonteix,  Oeuvres  div. 
p.  439  'Les  voleurs  du  tresor  royal'  =  Journal  asiatique  8.  Serie 
13,  220.  Largeau,  Flore  Saharienne  1879  p.  28  'Histoire  d'un  ruse 
voleur'.  Socin-Stumme,  Houwära  nr.  9  (Abh.  der  sächs.  Akad.  36, 
107)  'Pfund  und  Halbpfund'  (Eier  dem  Vogel  und  dem  Diebe  ge- 
stohlen ;  Schatzhaus,  Pechkessel ;  Geld  an  den  Sohlen,  Goldkugel, 
Strauß  gestohlen,  Zeichen  an  der  Tür  vervielfacht,  Bart  geschoren). 
Stumme,  ZdmG.  48,  394  nr.  2  'Von  den  Menschen  und  den  Tieren, 
die  er  aus  dem  Brunnen  hervorzog'  (vermischt  mit  dem  bei  Benfey, 
Pantschatantra  1,  392,  Chauvin  2,  106  und  Hertel,  ZdmG.  61,  24.  70 
besprochenen  Märchen;  die  dankbare  Ratte  bestiehlt  das  Schatzhaus, 
der  undankbare  Mensch  verrät  den  Retter,  die  dankbare  Schlange 
umschnürt  das  Kind  des  Königs ;  vgl.  Stumme,  Tazerwalt  1895  S.  207). 
Basset,  C.  berberes  2,  149  nr.  113  'L'adroit  voleur'  (Eier,  Schatzhaus, 
Teerkessel ;  Leiche  und  Strauß  gestohlen ;  aber  die  Spionin  macht  den 
Dieb  ausfindig,  und  er  wird  gehängt).  Riviere  p.  13  nr.  3  'Les  deux 
freres'  (schlafender  Sperber  gestohlen  und  wieder  ins  Nest  gelegt;  Schatz- 
haus, Falle;  die  Mutter  wirft  den  Krug  hin;  Leiche,  Goldstücke  an 
den  Füßen  der  Kamele,  Gazelle  gestohlen ;  Spionin  getötet ;  Bart 
halb  abgeschnitten).  Laoust,  Dialecte  berbere  du  Chenoua  p.  186 
nr.  19  'Histoire  d'un  voleur'. 


isse  s.  26i.  193.    Der  Trommler. 

1843  nr.  193.  Nach  einer  Erzählung  aus  dem  Eichsfeld, 
die  Karl  Goedeke  (geb.  1814,  gest.  1887)  den  Brüdern  Grimm  mit- 
geteilt hatte. 

Es  sind  hier  zwei  verschiedene  Märchen  zusammengeschweißt, 
erstens  die  gewonnene,  entflohene  und  wieder  aufgesuchte  Schwan- 
jungfrau, zweitens  das  oben  1,  442.  2,  517  charakterisierte 
Märchen  von  den  mit  Hilfe  der  Liebsten  gelösten  Aufgaben  der 
Hexe  und  dem  Vergessen  der  Braut.  Den  Anlaß  zu  dieser 
Verbindung  hat  vermutlich  eine  Fassung  des  zweiten  Märchens  ge- 
geben, in  welcher  der  Held  auf  dem  Wege  zum  Unhold  sich  den 
Beistand  der  jüngsten  Tochter  des  Dämons  dadurch  zu  sichern  sucht, 


193.   Der  Trommler.  407 

daß  er  der  Badenden  das  Schwan-  oder  Entengewand  raubt  und 
erst  gegen  das  Versprechen  ihrer  Hilfe  zurückgibt.  Solche  Fassungen 
sind  oben  2,  517  zu  nr.  113  mehrfach  aufgeführt. 

Wir  unterscheiden  folgende  Teile:  A)  Der  Held  raubt  einer 
badenden  Schwanjungfrau  ihr  Federgewand  und  gewinnt  sie  zur 
Frau.  —  B)  Die  Frau  findet  das  versteckte  Gewand  und  entflieht 
in  ihre  Heimat  (zum  Glasberg).  —  C)  Der  Held  folgt  ihr  und  ge- 
winnt sie  wieder,  nachdem  er  (C1)  Hilfe  von  Riesen  oder  Vögeln 
und  verschiedene  Wunschdinge  (Sattel,  Hut,  Mantel,  Stiefel,  Schwert) 
erhalten  (wie  in  nr.  92.  93)  oder  (C2)  Aufgaben  (wie  in  nr.  113) 
gelöst  hat.  —  C3)  Bisweilen  auch  gemeinsame  magische  Flucht. 

Deutsch:  Musäus  3,  112  (1784)  'Der  geraubte  Schleier' 
(ABC;  ein  Eremit,  der  selbst  die  geliebte  Schwan  Jungfrau  verloren, 
unterweist  den  Helden).1)  Schwäbisch:  E.Meier  nr.  7  'Von  drei 
Schwänen'  (AB;  Erlösung  durch  Peinigung  während  dreier  Nächte, 
wie  in  Varianten  unsrer  nr.  93).  F.  Kauffmann,  Geschichte  der 
schwäbischen  Mundart  1890  S.  348  (A  B  C1,  hilfreiche  Tiere.  Aus 
Horb).  Oberpfalz:  Panzer  2,  120  (A,  Fortsetzung  entstellt). 
Tirolisch:  Zingerle  l2,  191  nr.  37  'Der  gläserne  Berg'  (ABC1"2) 
—  Panzer  2,  122.  He  an  zisch:  Bunker  nr.  73  'Schwanhild'  (vgl. 
Veckenstedt,  Wendische  Sagen  S.  127).  Siebenbürgisch:  Haltrich 
nr.  5  'Die  Schwanenfrau'  (ABC1).  Odenwald:  Wolf,  Hausmärchen 
S.  217  'Von  der  schönen  Schwanenjungfer'  (Verbot,  von  der 
Braut  zu  sprechen,  wie  im  Lai  de  Lanval  oben  2,  327;  der  Vogel 
Greif  trägt  den  Helden  zur  'finstern  Welt'  empor;  Peinigung 
während  dreier  Nächte).  Hessisch:  Hoffmeister  S.  58  'Vom  Glas- 
berge' (ABC1,2).  Böhmisch:  Vernaleken  nr.  47  'Die  drei  weißen 
Tauben'  (ABC2;  der  befreite  Drache  schenkt  dem  Helden  drei 
Leben,  hilfreiches  Pferd);  nr.  48  'Die  Jungfrau  auf  dem  gläsernen 
Berge'  (drei  Enten;  ABC2;  hilfreiche  Tiere) ;  nr.  49  'Wie  Hans  sein 
Weib    findet'    (ABC2-3;    Verwandlungen    auf    der   Flucht);    nr.  50 


J)  Vgl.  E.  Jahn,  Musäus  1914  S.  30.  Vogl  schließt  seine  Ballade 
'Die  Schwanenjungfrau'  (1851  S.  43i)  wie  die  schwedische  Sage  bei 
Afzelius  mit  der  Flucht  der  Heldin.  In  einem  Gedicht  F.  Kinds  'Ottern- 
königs Töchterlein'  (Gedichte  1817  2,  288),  das  Zuccalmaglio  in  einem 
angeblichen  Volksliede  'Kronschlänglein'  (Kretzschmer  1,  77  =  Erk- 
Böhme  1,  34  nr.  13a)  nachgeahmt  hat,  raubt  der  Held  der  badenden 
Schlangen  Jungfrau  ihr  Krönlein,  und  sie  behält  nun  menschliche  Ge- 
stalt und  wird  seine  Frau. 


408  193.    Der  Trommler. 

'Der  Trommler'  (drei  Tauben;  ABC1,2'3).  Niederrheinisch: 
Simrock,  Der  gute  Gerhard  1856  S.  68  'Der  gläserne  Berg'  (ABC2; 
ein  Vogel  trägt  empor),  vgl.  S.  144  =■  Simrock,  Märchen  nr.  65. 
Holsteinisch:  Wisser  3,  5  =  Niedersachsen  11,  353  'De  twölf 
Swön'  (Hans  belauscht  die  im  Weizenfeld  tanzenden  Jungfrauen, 
erhält  für  den  geraubten  Mantel  einen  Wunschbeutel  und  erlöst 
jene  mit  Hilfe  eines  redenden  Schimmels).  Pommerisch:  Knoop 
1885  S.  104  'Der  Hühnerberg'  (ABC2).  Westpreußisch:  Behrend 
S.  81  'Die  beiden  Schwäne'  (ABC2;  Ring  statt  Gewand).  Ost- 
preußisch: Lemke  2,  188  'Der  junge  Kaufmann  und  die  Schwanen- 
jungfrau'  (ABC2;  hilfreiche  Tiere,  magische  Flucht,  vergessene 
Braut);  2,  204  'Der  Jäger  und  die  Schwanenjungfrau'  (ABC2;  hilf- 
reiche Tiere). 

Vlämisch:  De  Mont  en  de  Cook,  Wondersprokjes  p.  84  'De 
Koning  van  Zevenbergen'  (vgl.  oben  2,  518).  —  Dänisch  bei  Mol- 
bech  nr.  47  'Den  nedtraadte  Ager'  (A  B  C).  Grundtvigs  hsl.  Register 
nr.  1  'Prinsesse  i  federham'  (vermischt  mit  unsrer  nr.  92 — 93). 
Grundtvig  Folkeaev.  2,  19  'Jomfru  Lene  af  Sondervand'  =  Strodt- 
mann  2,  24  (A  B  C1.  Die  Schwanjungfrau  kommt  nach  einem  Jahr 
am  Johannistage,  um  Hochzeit  zu  halten,  kehrt  aber  um,  weil  der 
König  zugegen  ist).  Berntsen  2,  129  nr.  18  'Svanehammen'  (A  B  C1). 
Kamp  1,  176  nr.  17  'Slottet  det  gyldne  guds  lam'  (AB  C1).  Kristensen, 
Aev.  fra  Jylland  1,  1  nr.  1  'Prinsessen  i  Babylonien' ;  nr.  2  'Det 
forgyldte  Taarn  ved  Verdens  Ende';  nr.  3  'Prinsessen  med  0nske- 
ringen'.  Kristensen,  Danske  folkesev.  nr.  29  'Prinsessen  pä  Verdens 
osterligste  slot'.  —  Schwedisch:  Afzelius,  Sagohäfder  2,  143  = 
Afzelius  -  Ungewitter  2,  301  'Die  geflügelten  Elfen'  (AB).1)  Hylten- 
Cavallius  nr.  8  'Das  schöne  Schloß  östlich  von  der  Sonne,  nördlich 
von  der  Erde'  (drei  Taubenjungfrauen  zertreten  die  Wiese;  ABC1). 
Riegel,  Die  Quellen  von  W.  Morris'  Dichtung  The  earthly  paradise, 
Erlangen  1890  S.  41.  Aberg  nr.  220  'Lisa,  som  bodde  norr  om  solen 
och  söder  om  jorden'.    221  'Vatugärdsslott'.     Allardt  nr.  119  'Pojken, 


*)  Diese  bei  J.  Grimm,  Myth.3  S.  1216  und  in  den  *Nederlandsche 
Volksoverleveringen  (Groningen  1845;  nach  J.  W.  Wolfs  Nid.  Sagen) 
S.  217  angeführte  schwedische  Fassung  wird  vom  Baron  Reiffenberg 
(Le  Chevalier  au  cygne  1846  1,  LXU)  und  von  F.  H.  von  der  Hagen 
(Die  Schwanensage,  Abh.  der  Berliner  Akademie  1846  S.  549)  irrtümlich 
dem  1489  verfaßten  'Dialogus  de  lamiis  et  pythonicis  mulieribus'  des 
Konstanzers  Ulrich  Molitoris  zugewiesen. 


193.    Der  Trommler.  409 

som  blef  gift  med  en  förtrollad  prinsessa'.  Hackmans  Register  nr.  400. 
—  Norwegisch:  Jansson  nr.  12  =  Stroebe  2,  253  'Südlicher  als 
Süden  und  nördlicher  als  Norden  und  in  dem  großen  Goldberg' 
(drei  Tauben  im  Weizenfeld,  A  C1).  Olsen  p.  159  'Daverdana  av 
Egreteland'  AC1;  Stelldichein  dreimal  verschlafen,  oben  2,  336). 
Skar  6,  58  'Sol  ramme'  (A).  —  Isländisch:  Rittershaus  S.  211 
nr.  50  'Die  Burg  östlich  vom  Mond  und  nördlich  von  der  Sonne' 
(ABC;  drei  Schwanjungfrauen  holen  nachts  die  Blumen  fort ;  der 
Held  fragt  Vögel  und  Winde).  —  Färöisch:  Jakobsen  S.  421  nr. 
45  'KongarikiÖ  verÖsins  endi'  (AB  C).  Zs.  d.  V.  f.  Volkskunde  2,  15 
nr.  18  'Das  Seehundweibchen'  (AB).  —  Englisch  von  den  Shet- 
lands-Inseln :  Hibbert,  Description  of  the  Shetland  islands  1822  p.  569 
=  Keightley-Wolff,  Mythologie  der  Feen  1828  1,  280  'Die  verheiratete 
Meermaid'  (Seehundsfell  geraubt;  AB).  Aus  Sutherlandshire :  *J. 
Macdonald,  Religion  and  myth.  1893  p.  191  =  Frazer,  The  golden 
bough3  7,  2,  131.  —  Irisch:  Folk-lore  Journal  1,  316  'Grey  Norris1  (A; 
oben  2,  520).  —  Französisch:  Luzel  bei  Sebillot,  Folklore  de  France 
3,  207.  Luzel,  C.  de  Basse-Bretagne  2,  349  'Pipi  Menou  et  les 
femmes  volantes'  (A).  Die  schon  oben  2,  520  angeführten  Märchen 
bei  Luzel  2,  355;  Cosquin  2,  9  nr.  32;  Revue  des  trad.  pop.  9,  170; 
Gittee  p.  7.  Entstellt  bei  Carno}r,  C.  francais  p.  120  'Le  fidele 
serviteur'.  —  Rätoromanisch:  Decurtins  2,  40  =  Jecklin  1,  134 
'Die  Schwanenjungfrau'.  — -  Italienisch:  Schneller  nr.  13  'Die 
Heirat  mit  der  Hexe'  (B  C ;  statt  des  geraubten  Schwanenkleides  die 
Bedingung,  die  Gattin  nie  bei  Kerzenlicht  anzusehen)  und  nr.  27 
27  'Die  drei  Tauben'  (oben  2,  520).  Comparetti  nr.  50  'L'isola  della 
felicitä'  (ABC)  =  Heyse  S.  87,  vgl.  R.Köhler  2,  412.  Prato,  Una 
novellina  popolare  monferrina,  Como  1882  p.  15  (A),  dazu  p.  44 — 59. 
Gonzenbach  nr.  6  'Von  Joseph,  der  auszog  sein  Glück  zu  suchen' 
(ABC;  Einleitung  wie  in  1001  Nacht,  wo  ein  Vogel  den  in  eine 
Tierhaut  eingenähten  Helden  auf  den  Diamantberg  trägt),  vgl.  ZfVk. 
6,  61.  Pitre,  Fiabe  sie.  1,  410  nr.  50  'Dammi  lu  velu'  (ABC)  = 
Kaden  S.  107  =  Crane  p.  77.  344.  Imbriani,  Nov.  fior2.  p.  411  'El 
re  del  sol'  (A),  s.  oben  2,  520.  Finamore  1,  87  nr.  19  'Lu  fijje  de 
lu  marenare'.  —  Spanisch:  'El  marques  dei  Sol'  (oben  2,  521).  — 
Portugiesisch:  Consiglieri  nr.  8  'The  spell-bound  giant'  (Einleitung 
wie  1001  Nacht).  —  Baskisch:  Webster  p.  120  (oben  2,  521).  — 
Griechisch:  Hahn  nr.  15  'Von  dem  Prinzen  und  der  Schwanenjung- 
frau' =  Pio  p.  76  =  Kretschmer  nr.  61  =  Geldart  p.  88  (Einleitung 


410  193.    Der  Trommler. 

wie  in  1001  Nacht ;  ABC).  Hahn  nr.  54  'Der  Jüngling,  der  Teufel 
und  seine  Tochter'  (oben  2,  521).  B.  Schmidt  S.  133  'Die  Nera'ide' 
(A  B).  Nationalzeitung  1890,  9.  Mai  nr.  264.  NeoeAZ^viuu  'AvdXsKia 
1,  56  nr.  11  'Der  Sohn  der  Witwe'  =  Garnett  2,  219  (R.  Köhler 
1,  374).  Georgeakis  p.  11  'Le  mont  des  cailloux'  (ABC).  —  Alba- 
nisch: Dozon  p.  83  nr.  12  'La  loubie  et  la  belle  de  la  terre'  = 
Leskien,  Balkan  S.  216  nr.  49  (entstellt).  —  Eumänisch:  Schott 
S.  199  nr.  19  'Der  verstoßene  Sohn'  (A  B  C1).  §äinenu  p.  264  'Tipulü 
Neraida'.  —  Serbokroatisch:  Stefanovic  S.  135  nr.  16  =  Ostojic 
—  8.  91  nr.  17  —  Jagic  nr.  49  'Der  Prinz  und  die  drei  Schwäne' 
(Archiv  f.  slav.  Phil.  5,  45  :  ABC2),  vgl.  R.  Köhler  1,  444.  Valjavec 
S.  29  nr.  6  (ABC2-  3)  =  Krauß  1,  409  nr.  89  'Die  Vila  in  der  goldenen 
Burg'.  Valjavec  S.  104  nr.  1  (A  B  C2  • 3).  Strohal  1, 106  nr.  17  (A  B ;  dann 
abweichend,  der  Schlüssel  des  Glasbergs  liegt  im  Herzen  eines  Drachen) ; 
2, 19  nr.  4  (zuerst  Aladdins  Lampe;  A  B  C1,  Befreiung  des  verwünschten 
Schlosses).  Valjavec  S.  240  nr.  47  =  Wratislaw  p.  290  nr.  55  'The  she- 
wolf  (AB).  Kres  5,  615  nr.  72  =  Krauß  2,  81  nr.  54  'Die  Frau  eineWölfin 
(AB,  der  Wolfhirt  hilft  die  Frau  wiedergewinnen).  Krauß  1,  315  nr.  76 
'Der  verlorene  Sohn'  (BBC1,  dazu  der  im  verbotenen  Zimmer  gefesselte 
Drache).  Krauß,  Tausend  SM.  1,  119  nr.  37  (AB).  Tordinac  S.  17 
nr.  7  (ABC1).  Mikulicic  S.  47  nr.  12  =  Archiv  f.  slav.  Phil.  5,45 
(ABC2-3).  Aus  Montenegro:  Rovinskij  2,  2,  587  (Schluß  zu  nr.  1. 
A  B,  die  Fee  entflieht  auf  der  Hochzeit  ihres  neunten  Sohnes).  — 
Bulgarisch:  Sbornik  min.  4,  188  (AB,  dann  Tierschwäger).  5, 
137  nr.  2  (A  B,  dann  abweichend  Tod  beider).  12,  157  —  Leskien 
S.  61  nr.  15  'Der  Hirt  und  die  drei  Samovilen'  (A  B  C1).  Strauß, 
Bulgar.  Volksdichtungen  1895  S.  111  'Ivan  Popov'  (AB).  Dozon, 
Chansons  pop.  bulgares  p.  152.  —  Böhmisch:  Tille,  Ces.  poh.  do 
r.  1848  S.  35  «  Waldau  S.  555  'Die  Seejungfrau'  (ABC1.  Gleicht 
ganz  Schott  nr.  19  und  Vernaleken  nr.  26).  Tille,  S.  57  (ABC2,3). 
B.  Nemcova  3,  3  nr.  31  =  Waldau  S.  248  'Der  goldene  Berg 
(ABC2-3.  Flucht  mit  Verwandlungen).  Sumlork  1,  448  =  Tille 
S.  100  (AC2-3).  Mensik,  Jemnic.  S.  283  nr.  80  =  Slavia  2,  1 
(1878.  ABC1).  Kulda  1,  74  nr.  25  =  Wenzig  S.  69  'Die  Taube 
mit  den  drei  goldnen  Federn'  (A B  C2J.  Kulda  4,  77  nr.  6  (ABC. 
Der  Held  kann  sich  in  Tiere  verwandeln,  überwindet  dadurch  den 
Drachen  und  befreit  die  Jungfrau).  C.  Lid  6,  195  nr.  11  (ABC1'2'  3). 
Pfikryl  S.  262  (A;  die  Braut  wird  zu  einem  Pferd,  auf  dem  der  Held 
drei  Tage  ohne  Speise  und  Trank  reiten  soll ;  er  muß  sie  im  gläsernen 


193.   Der  Trommler.  411 

Palast  suchen;  C1 ;  es  hilft  der  von  Trau  gekreuzigte  Vater  der  Braut). 
S.  438  (für  die  im  Spiel  mit  dem  Teufel  verlorene  Seele  soll  der 
Prinz  hundert  schwarze  Ochsenpaare  liefern,  wird  von  der  Schwan- 
jungfrau, der  er  zweimal  das  Gewand  zurückgibt,  in  einen  Hasen  und 
einen  Baum  verwandelt,  aber  durch  einen  Greis  erlöst.  A  C2  ■  3). 
Ed.  Pecks  hsl.  Sammlung  nr.  32  (Braut  vom  Greifen  geholt,  C2  mit 
Hilfe  von  Eiese,  Wind,  Prost;  Schluß  ähnlich  Pfikyl  S.  262).  Kubin, 
Podkrkonosi  nr.  84  (ABC1-2);  nr.  136  (Taube,  der  der  Held  drei 
goldene  Federn  ausreißt,  wird  zur  Jungfrau,  A  B ;  er  hütet  die  Pferde 
der  Hexe  mit  Hilfe  dankbarer  Tiere,  erhält  ein  Zauberschwert,  tötet 
den  Drachen  und  befreit  die  drei  Tauben).  Malinowski  2,  70 — 78 
(ABC;  ein  Zauberer  gibt  dem  Helden  die  Macht,  sich  in  einen 
Hasen,  Fisch  oder  Fliege  zu  verwandeln).  —  Slowakisch:  Sbornik 
muz.  slov.  spol.  17,  81  nr.  35  (der  jüngste  Sohn  fängt  die  drei 
Schwanjungfrauen,  die  die  Goldbirnen  stehlen,  mit  Hilfe  einer  Maus; 
die  Schöne  verschwindet,  als  eine  Hexe  in  der  dritten  Nacht  ihre 
goldenen  Haare  abschneidet,  bis  hinter  das  rote  Meer.  C1).  Skultety- 
Dobsinsky  S.  342  nr.  35  =  2.  Aufl.  S.  883  nr.  62  (AB;  dann 
Erlösung  der  Prinzessinnen  im  eisernen,  kupfernen  und  gläsernen 
Berg).  —  Wendisch:  Veckenstedt  S.  120  (ABC.  Trommler). 
Kühn  S.  133  'Der  Trommler';  vgl.  S.  83.  —  Polnisch:  Toppen 
S.  140  'Die  goldenen  Tauben'  (ABC1,2).  Kolberg  8,  13  nr.  7 
(ABC1-3).  8,  8  nr.  5  (A  C2).  14,  12  nr.  4  (ABC.  Mit  Hilfe  dank- 
barer Tiere  gelangt  der  Held  auf  den  Glasberg,  besiegt  den  Drachen, 
öffnet  mit  dem  Schlüssel,  den  er  der  aus  diesem  entfliegenden  Taube 
entnommen,  das  verwünschte  Schloß).  Wisla  12,  721  nr.  3  (ABC1). 
Zs.  f.  Vk.  26,  204  nr.  1  (A  C2 •  3).  —  Kleinrussisch:  Öubinskij 
2,  195  nr.  55  (ABC1-2-3).  2,  358  nr.  95  (ABC1).  2,  390  nr.  109 
(AC2-3;  dann  nr.  113,  Motiv  D).  Rudeenko  1,  96  nr.  46  (ABC1; 
dann  neue  Züge).  Dragomanov  S.  278  nr.  8  (ABC2,  3).  Etnograf. 
Zbirnyk  4,  16  nr.  3  (ABC;  dankbare  Tiere).  7,  1  nr.  26  (Polyphem 
als  Einleitung;  ABC1'2'3).  9,  15  nr.  9  (ABC2-8;  auf  dem  Wege 
zum  zwölfköpfigen  Drachen  werden  dem  Helden  Fragen  aufgetragen). 
—  Weißrussisch:  Glinski  4,  75  nr.  4  (ABC1).  Romanov  6,  105 
nr.  12  (C'ABC1.  Hilfreiche  Tiere,  Unhold  im  verbotenen  Gemach 
entfesselt).  Karlowicz  S.  108  nr.  77  (A  C2  • 3).  Federowski  2,  189 
nr.  164  (A^BC2).  —  Großrussisch:  Sbornik  Kavkaz.  15,  2,  76 
nr.  8  (ABC1-3).  Ralston  p.  120  (oben  2,  522)  =  Ralston,  Songs 
of    the   russian   people    1872    p.    79.      Rambaud,    La    Russie    epique 


412  193.    Der  Trommler. 

p.  91.  Afanasjev1  7,  304  =  3.  Aufl.  2,  101  nr.  130a  =  Anna  Meyer  1, 
95  nr.  7.  2,  103  nr.  130b  =  Curtin,  Myths  1890  p.  218  'Yelena  the 
wise'.  Über  die  formelhafte  Bitte  der  ihrer  Flügel  beraubten  Jung- 
frau vgl.  v.  Löwis,  Der  Held  im  russischen  Märchen  1912  S.  70. 
Dagegen  hat  die  als  Einleitung  zum  epischen  Liede  von  Michael 
Potok  dienende  Szene  von  'Marie  mit  dem  weißen  Schwane'  mit 
unserm  Märchen  nichts  gemein ;  vgl.  Loboda,  Russische  epische 
Lieder  vom  Heiratszug  S.  95 — 105.  —  Litauisch:  Langkusch  nr.  2 
und  3  (Altpreuß.  Monatsschrift  15,  414).  Veckenstedt,  Zamaiten  1,  149 
(AB.  Schlange).  Dowojna  Sylwestrowicz  1,  88 — 90  (A  C2).  —  Fin- 
nisch: Aarnes  Register  nr.  400.  Salmelainen  1,  nr.  5  =  Schreck 
S.  35  nr.  5  'Der  Aschenhocker'  (ABC1, 2).  H.  Brockhaus  im 
Dresdener  Album  1847  S.  193  'Die  drei  Brüder'  (ABC1-2).  Hertz- 
berg p.  56  'Just  ingenting'.  —  Tscheremissisch:  Genetz  nr.  17 
(Journal  de  la  soc.  finno-ougrienne  7,  195).  —  Lappländisch: 
Friis  nr.  80  =  Poestion  S.  55  nr.  10  'Das  Mädchen  aus  dem  Meere' 
(A  B  C).  Friis  nr.  45  =  Poestion  S.  236  nr.  54  'Die  Tochter  des 
Beivekönigs'  (ABC1,2)  =  Germania  15,  170.  —  Mordwinisch: 
Sachmatov  S.  275  nr.  7  (Sohn  dem  Teufel  verschrieben;  AC2,3). 
S.  355  (ähnlich,  AC2,3;  oben  2,  516).  —  Samojedisch:  Castren, 
Ethnol.  Vorlesungen  1857  S.  172.  —  Ungarisch:  Kriza  nr.  15  = 
Jones-Kropf  p.  95  'Fairy  Elizabeth'.  Berze  Nagy  nr.  33  =  Rona- 
Sklarek  2,  1  nr.  1  'Tauperlen-Janos'  (ABC).  —  Zigeunerisch: 
Groomep.  188  nr.  50  'The  witch  (ABC2,3).  —  Türkisch:  Künos 
S.  76  (oben  2,  524);  vgl.  Ungarische  Revue  1888,  436.  —  A wa- 
risch: Schiefner  nr.  1  'Das  Meerroß'  S.  7  (A);  vgl.  R.  Köhler  1,  537. 
Die  ar  ab is  che  Erzählung  vom  Juwelier  Hassan  von  Basra 
in  der  1001  Nacht  (Henning  13,  132.  Chauvin  7,  29)  gehört  zu  den 
ausführlichsten  und  ausgeschmücktesten  der  Sammlung.  Ein  tückischer 
Magier  will  sich  durch  den  jungen  Hassan  das  kostbare  Holz  vom 
Wolkenberge  verschaffen,  dessen  er  zu  seinen  alchimistischen  Ar- 
beiten bedarf.  Nachdem  der  Jüngling  in  eine  Tierhaut  genäht  und 
von  einem  Geier  zu  dem   unersteigbaren  Gipfel  emporgetragen1)   ist 


J)  Vgl.  dazu  Sindbads  Abenteuer  (Chauvin  7,10);  Katkasaritsägara 
transl.  by  Tawney  1,  77  ;  Huon  von  Bordeaux  (J.  Grimm,  Kl.  Schriften 
4,  40);  Herzog  Ernst  ed.  Bartsch  1869  S.  92.  CXIX.  CLVH;  Goedeke, 
Reinfrit  von  Braunschweig  1849  S.  107;  Albrecht  von  Scharfenberg, 
Seifrit  de  Ardemont  ed.  Panzer  1902  Str.  433;  Zs.  f.  dt.  Alt.  7,  296;  Zs.  f. 
Volksk.  6,  61. 


193.    Der  Trommler.  413 

und  das  verlangte  Holz  seinem  Meister  hinuntergeworfen  hat,1)  über- 
läßt ihn  dieser  seinem  Schicksale.  Hassan  stürzt  sich  ins  Meer  und 
gelangt  zu  einem  Schlosse,  wo  er  von  weiblichen  Genien  freundlich 
aufgenommen  wird.  Nachdem  er  eine  verbotene  Tür  geöffnet,  be- 
lauscht er  in  einem  Garten  zehn  badende  Schwanjungfrauen,  gewinnt 
eine  davon  zur  Gattin  und  zieht  mit  ihr  heim  zu  seiner  Mutter. 
Nach  Jahren  findet  die  Frau  während  seiner  Abwesenheit  ihr  Feder- 
kleid und  entfliegt  mit  ihren  beiden  Kindern  nach  den  Inseln  Wäk 
(Japan?).  Hassan  folgt  ihr  und  befreit  nach  vielen  Abenteuern,  von 
einer  häßlichen  Alten  unterstützt  und  mit  Hilfe  einer  unsichtbar 
machenden  Mütze  und  eines  Zauberstabes,  die  er  streitenden  Erben 
abgenommen,  die  Seinigen  aus  der  Gewalt  der  grausamen  Königs- 
tochter Nür-el-Hudä,  der  Schwester  seiner  Gattin.  —  Eine  kürzere 
und  ursprünglichere  Form  bietet  die  Geschichte  Azems  in  derselben 
Sammlung  (Scott  6,  283.  Chauvin  7,  35),  während  die  Geschichte 
Dschänschähs  ebenda  (Henning  9,  93.  Chauvin  7,39)  den  Helden 
zu  einem  Prinzen  macht,  der  bei  der  Verfolgung  einer  Gazelle  in 
die  Reiche  der  Affen  und  der  Ameisen  kommt  und  von  einem 
jüdischen  Zauberer  zum  Diamantberg  gebracht  wird ;  statt  der 
Schwäne  erblickt  er.  drei  Tauben;  die  Heimat,  in  die  seine  Gattin 
zurückfliegt,  heißt  Takni.  —  Aus  Südarabien  bei  Jahn,  Die  Mehri- 
Sprache  1902  S.  118  nr.  24  'Die  Hexen'  (AB).  —  Aramäisch: 
Prym-Socin,  Tür  Abdin  2,  115  nr.  32  (drei  Tauben;  ABC).  — 
Tatarisch:  Badloff  4,  318  'Zyhanza'  (=  Dschänschäh  in  1001  Nacht. 
A).  Sbornik  Kavkaz.  21,  2,  38:  der  Held  beschleicht  drei  badende 
Königstöchter,  die  seine  Schwester  in  Taubengestalt  besuchen,  in 
dem  verschlossenen  Parke,  raubt  das  Taubengewand  der  einen  und 
macht  sie  zu  seiner  Frau,  wird  aber  wegen  des  gebrochenen  Gast- 
rechts von  seinem  Vater  verstoßen ;  als  er  wider  die  Vorschrift  der 
Frau  sein  erstes  Kind  in  die  Hände  nimmt,  zerreißt  es  die  Frau; 
als  er  es  beim  zweiten  wiederholt,  verschwindet  sie ;  um  sie  noch 
einmal  zu  sehen,  verbrennt  er  die  mit  ihrem  Gelde  gekauften  Waren. 
—  Ajsorisch:  Sbornik  Kavkaz.  18,  3,  96  nr.  6:  Zar  Bagrej  findet 
im  Palaste  des  Zaren  Kischmir  einen  marmornen  Springbrunnen,  zu  dem 
täglich  drei  Königstöchter  aus  dem  Diamantenreiche  als  Tauben  geflogen 
kommen,    und  gewinnt  eine  von  ihnen;    sie  verläßt  ihn,  weil  sie  ge- 


*)  Dies    erinnert    an  Herodots  (3,  c.  111)  Erzählung  von    der  Art, 
wie  die  Araber  die  Zimmetrinde  aus  den  Vogelnestern  gewinnen. 


414  193.    Der  Trommler. 

zwungen  ist  sich  mit  dem  Schwert  zu  wehren;  er  läßt  sich  vom 
Adler  zu  ihrem  Vater  tragen  und  kehrt  nach  einigen  Jahren  mit  ihr 
heim.  —  In  ähnlichen  mongolischen  Überlieferungen  findet  die 
Wiedergewinnung  der  entflohenen  Schwanfrau  ohne  Verwicklung 
statt;  vgl.  Potanin,  Orientalische  Motive  im  mittelalterlichen  europäi- 
schen Epos  (russisch,  1899)  S.  92.  97.  102.  239.  616.  804.  —  Per- 
sisch bei  Einaiut  Oollah,  Bahar-Danush  transl.  by  Scott  2,  213 
(Peris  in  Taubengestalt.  A  B).  Bahram  Ghur  und  Husn  Banu 
(Clouston  1,  183.  Vier  Tauben;  A).  Bricteux,  Contes  persans  1910 
p.  277  'Hadjdjädj'  (A)  und  p.  399  'Behram  Goür'  (A).  —  Indisch: 
Somadeva,  Kathasaritsagara  c.  108  (Tawney  2,  452.  ABC;  die  ent- 
fliehende Fee  heißt  den  Einsiedler  ihr  Kind  kochen  und  verzehren, 
dann  vermöge  er  ihr  zu  folgen).  Steel-Temple  p.  27  'The  faithful 
prince'  (Bahrämgor  and  Shähpasand.  A  B  C).  Swynnerton  p.  342 
nr.  82  'Prince  Bairäm  and  the  fairy  bride'  (ABC).  Stokes  p.  6 
'Phülmati  Rani'.  Stack,  The  Mikirs  1908  p.  55  'Harata  Kunwar'. 
Grierson  3,  2,  218.  Indian  Antiquary  4,  10  'Toria  the  goatherd  and 
the  daughter  of  the  sun'  (A) ;  vgl.  4.  57.  North  Indian  Notes  &  Q. 
2,  153  'The  king's  son  and  his  fairy  bride'  und  4,  153  'The  monkey 
princess'.  Revue  des  trad.  pop.  4,  433  'L'histoire  des  sept  princes' 
(Äffin.  ABC1).  Das  Lied  von  Namber  im  Ausland  1871,  1243 
(ABC2;  dankbare  Tiere).  —  Annamitisch:  Landes  1886  p.  123 
nr.  47  'L'etoile  du  soir  et  l'etoile  du  matin'  (A  B ;  der  Mann  sucht 
mit  seinem  Kinde  die  Gattin  auf,  stürzt  aber  ins  Meer  und  wird  in 
den  Abendstern  verwandelt,  sie  in  den  Morgenstern).  —  Ein  bir- 
manisches Drama:  Journal  of  the  Asiatic  Soc.  of  Bengal  8,  536 
(1839.  Cosquin  2,  19).  The  silver  Hill,  transl.  by  Sladen  and  Sparkes 
1856  =  Wollheim  da  Fonseca,  Nationalliteratur  der  Völker  des 
Orients  2,  853.  —  Tibetanisch:  Kandjur  2,  202  —  Schiefner, 
Memoires  de  l'Acad.  de  St.  Petersbourg  19,  6,  XXIV  =  Ralston 
p.  44  'Sudhana  Avadana',  vgl.  p.  XL VIII.  —  Chinesisch:  Dennys 
1876  p.  140  (AB).  —  Japanisch:  F.  W.  K.  Müller,  T'oung  pao 
6,  65  (1895.  Wakun  Sansai  Dzuye).  Mitford,  Geschichten  aus  Alt- 
Japan  1,  188  —  Brauns  S.  349  'Das  Federkleid'.  Bousquet,  Revue 
des  deux  mondes  1874,  aoüt  p.  752  (Drama).  —  Philippinen: 
Journal  of  amer.  folk-lore  20,  95.  —  Java:  Bezemer  1903  S.  62  = 
1904  S.  46  'Dewi  Nawang  Wulan'  (AB.  Widödari  heißen  die 
Himmelsnymphen);  vgl.  Revue  des  trad.  popul.  20,  6.  —  Sumatra: 
Pleyte  p.  109  'Malin  Deman'  (A  B  C1)  =  Bijdragen  tot  de  Taalkunde 


193.    Der  Trommler.  415 

van  Nederlandsch  Indie  1866,  255.  Pleyte  p.  217  'Radja  Urang 
mandopa'  (ABC)  =  Eijdragen  1866,  278.  Warneck,  Mitteilungen 
des  oriental.  Seminars  2,  1,  128  (1899.  ABC).  —  Celebes:  Zs. 
der  d.  morgen!.  Ges.  6,  536  =  Schirren,  Die  Wandersagen  der  Neu- 
seeländer 1856  S.  126  =  L.  de  Backer,  L' Archipel  indien  1874 
p.  98  (A  B  C).     Hickson,  A  naturalist  in  North  Celebes  1889  p.  264. 

—  Mentawai:  Morris,  Die  Mentawai-Sprache  1900  Si  57  'Ägämu- 
lalaibi'  (AB  C).  —  B an ks -Inseln  :  Codrington,  The  Melanesians  1891 
p.  397  nr.  9  'The  winged  wife'  (ABC;  aber  der  Held  stürzt  beim 
Herunterklettern  ab);  vgl.  p.  379  nr.  4  'The  ghost-wife'.  —  Mada- 
gassisch: Folk-lore  Journal  1,  202  'The  way  in  which  Andrianöro 
obtained  a  wife  from  heaven'  (ABC1;  dankbare  Tiere)  =  Revue 
des  trad.  pop.  4,  305.  —  Suaheli:  Steere  p.  331  'Hasseebu  Kareem 
ed-deen  and  the  king  of  the  snakes'  (Einleitung  wie  in  1001  Nacht). 

—  Nordafrika:  Stumme,  Tunisische  M.  2,  13  nr.  2  'Hassan  aus 
Bassra'  (1001  Nacht).  Stumme,  Tazerwalt  S.  102  nr.  10.  Certeux  et 
Carnoy  1,  87  (A  B).  —  Guyana:  Brett  p.  29  'The  royal  vultures' 
(ABC;  der  Jüngling  wird  von  der  Vogelfrau  in  ihr  Wolkenreich 
getragen,  verläßt  sie,  um  seine  Mutter  aufzusuchen,  kämpft  gegen 
die  Geier,  um  sein  Weib  wiederzuerhalten,  und  wird  vom  uner- 
kannten eignen  Sohn  erschlagen) ;  vgl.  Im  Thurn,  Among  the  Indians 
of  Guiana  1883  p.  381.  —  Jamaika:  Lewis  1834  p.  301  (oben  2, 
525).  —  Algonquin:  Leland  p.  142.  —  Eskimo:  Rink  1866 
p.  91  nr.  18  'Om  manden,  som  fik  en  fiskeand  til  kone'  (A  B).  Boas, 
Zs.  f.  Ethnol.  20  (1888),  Verh.  S.  398  =  6.  annual  report  of  the 
bureau  of  ethnology  of  the  Smithsonian  Institution  1888  p.  615 
'Ititaujang'  (A  B ;  die  Wildgans  verwandelt  sich,  nachdem  ihr  der 
Held  ihre  Schuhe  wiedergegeben  hat,  in  ein  Mädchen  und  wird  sein 
Weib;  als  er  aber  einmal  verlangt,  daß  sie  von  dem  erlegten  Wal- 
fisch esse,  rafft  sie  Vogelfedern  auf,  wird  mit  ihrem  Kinde  zur 
Wildgans  und  entfliegt ;  der  Held  findet  sie  nach  verschiedenen 
Abenteuern  mit  einem  andern  Gatten  auf  einer  fernen  Insel  und 
tötet  sie). 

Angesichts  der  weitreichenden  und  frühen  Bezeugung  unsres 
Märchens  in  Asien  wird  man  geneigt  sein,  auch  den  europäischen 
Fassungen  einen  orientalischen  Ursprung  zuzuschreiben,  und  sicher 
sind  einige  Fassungen  aus  Portugal,  Sicilien,  Griechenland,  vielleicht 
sogar  Musäus  von  der  1001  Nacht  beeinflußt.  Aber  die  Vorstellung 
vom  Verkehr  halbgöttlicher  Schwan  Jungfrauen    mit    sterblichen 


416  193.    Der  Trommler. 

Helden  tritt  auch  bereits  in  der  germanischen  Dichtung  früh  auf.1) 
In  der  Völundarkvi[)a  (Edda  übersetzt  von  Gering  S.  141)  lassen 
sich  drei  solche  Walküren  am  Seestrande  nieder,  um  zu  baden ; 
Wölund  und  seine  Brüder  nehmen  ihnen  ihre  Schwanhemden  und 
machen  sie  zu  ihren  Frauen,  aber  im  neunten  Winter  entfliegen 
diese.  Nach  der  Helreib  Brynhildar  7  (Gering  S.  239)  raubte  auch 
Agnar  acht  Walküren  ihre  Schwanhemden  und  zwang  sie  dadurch 
in  seinen  Dienst.  Im  Nibelungenliede  1474  nötigt  Hagen  auf  gleiche 
Weise  die  Donaunixen,  ihm  zu  weissagen2).  Im  Epos  'Friedrich  von 
Schwaben'  (ed.  Jellinek  1904  v.  4389 ;  vgl.  Pschmadt,  ZfdA.  53,  313 
und  oben  2,  347)  endlich  nimmt  der  Held  der  schönen  Angelburg, 
die  mittags  mit  ihren  zwei  Jungfrauen  in  Tauben gestalt  zu  einem 
Quell  fliegt,  während  des  Bades  die  Gewänder  und  gibt  sie  nicht 
eher  heraus,  als  bis  ihm  Angelburg  die  Ehe  angelobt  hat.  Hier 
waltet  also  ein  alter  Zusammenhang  zwischen  Orient  und  Occident. 
—  Auf  andre  Sagen  von  Ehen  mit  überirdischen  Weibern,  wie 
Melusine,  Liombruno  (oben  2,  269.  322.  326),  brauchen  wir  hier  nicht 
einzugehen;  doch  sei  auf  das  irische  Märchen  (Croker  p.  177  —  Knortz 
S.  63  'Die  Nixe  von  Gollerus')  hingewiesen,  wo  die  geraubte  Mütze3) 
der  Meerfrau  diese  in  die  Gewalt  des  Fischers  bringt,  und  auf  das 
galizische    (Am   Urquell   n.  F.  2,  80),    wo    der    geraubte    Schuh    der 


1)  J.  Grimm,  Mythologie3  S.  398.  1055.  Unland,  Schriften  1,  488. 
Golther,  Deutsche  Mythologie  S.  115.  321.  —  Clouston  1,  182  'Bird- 
maidens'.  Hartland,  The  science  of  fairy  tales  1891  p.  255 — 332  'Swan- 
maidens'.  Kohler,  Melusinensage  1895  S.  6.  64.  Macculloch,  Childhood 
of  fiction  1905  p.  342  'The  swanmaiden'.     Chauvin  8,  206. 

2)  Wie  der  Gewandräuber  es  hier  nicht  darauf  abgesehen  hat,  eine 
der  badenden  Schwanjungfrauen  zum  Weibe  zu  gewinnen,  so  nötigt  in 
einem  katalanischen  Märchen  (Maspons  1,  41  'Lo  castell  del  sol')  der  Held 
auf  dieselbe  Art  drei  badende  Mädchen,  ihm  den  Weg  zum  Schloß  der 
Sonne  zu  zeigen,  in  einem  samojedisehen  (Castren,  Noidische  Beisen  4, 
172  nr.  4),  die  Herzen  seiner  Feinde  zu  stehlen,  und  in  einem  singalesi- 
schen  (Parker  2,  345  nr.  151  'A  royal  princess  and  a  turtle'),  ihm  eine 
Wunderblume  auszuliefern ;  vgl.  oben  S.  407.  —  Ein  Gegenstück  von  drei 
Vögeln,  welche  ihr  Gefieder  am  Wasser  ablegen  und  zu  Jünglingen 
werden,  liefert  ein  italienisches  Märchen  'L'uccello  che  porta  via  il 
diadema  della  principessa'  (Prato,  Una  novellina  pop.  monferrina  1882 
p.  53)  und  eine  kalmükiscke  Erzählung  bei  Bamstedt  (Journal  27, 136). 

3)  So  werden  auch  die  Zwerge,  denen  man  ihre  Nebelkappe  ab- 
schlägt, wehrlos  (Grimm,  D3.2  nr.  153.  154.  156;  vgl.  J.  Grimm,  Myth.3 
S.  431.  3,  132). 


194.    Die  Kornähre.  417 

wilden  Frau  das  Gleiche  vollbringt.  —  Der  in  holsteinischen,  skandi- 
navischen, finnischen  und  lappländischen  Fassungen  erscheinende 
Eingang,  daß  der  jüngste  von  drei  Brüdern  auf  dem  Felde  wacht, 
um  den  ausfindig  zu  machen,  der  nachts  die  Saat  zertritt  oder 
den  Garten  plündert,  ist  wohl  aus  einem  andern  Märchen  (oben  1, 
514.  2,  301  nr.  B2)  herübergenommen.  —  Zu  dem  Glasberg, 
der  mehrfach  durch  einen  Silber-,  Gold-  oder  Smaragdberg  oder 
ein  Wolkenreich  ersetzt  wird,  vgl.  oben  1,  233.  2,  273.  —  Zur 
Befragung  der  Winde  oben  2,  272.  —  Über  die  den  strei- 
tenden Erben   abgenommenen  Wuns  chdinge   oben   2,   331. 


194.    Die  Kornähre.  i856  s.  sei. 

1850  nr.  194.  —  Aus  Schmalkalden,  woher  es  Ph.  Hoff- 
meister in  der  Zs.  des  Vereins  für  hessische  Geschichte  4,  114 
(1847)  mitgeteilt  hat;  abgedruckt  bei  Witzschel,  Kleine  Beiträge  zur 
dt.  Mythologie  2,  34  (1878).  Vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vor- 
lagen 1906  S.  102. 

Alte  Leute  sagten  (nach  einer  Aufzeichnung  von  Jacob  Grimm), 
in  den  Urzeiten  wuchsen  die  Ähren  an  den  Halmen  bis  auf  den 
Boden.  Weil  aber  die  Menschen  schlimm  wurden,  wollte  der  liebe 
Gott  die  Ähren  ganz  abstreichen;  und  wie  er  im  Abstreichen  be- 
griffen war,  trat  die  himmlische  Mutter  herzu  und  bat,  er  möge  nur 
die  Köppla  für  die  Hühner  und  Kätzla  stehn  lassen ;  er  willfahrte. 
Andere  erzählen:  Die  Menschen  achteten  das  Brot  sowenig,  daß  sie 
den  Kindern  den  Hintern  damit  auswischten.  Da  war  der  Herr 
erzürnt  und  wollte  alles  Korn  erschlagen.  Da  bat  Maria,  nur  weniges 
für  die  Hunde  und  Kätzle  stehen  zu  lassen.  Früher  hing  der  ganze  Halm 
voller  Ähren.  —  Aus  der  S  c  h  w  e  i  z  :  Walliser  Sagen  1870  S.  108  =  1897 
1,  250  nr.  232  'Der  Kornfluch'.  Aus  Kärnten  bei  Graber  nr.  480 
'Der  Hund  als  Retter'  (legt  Fürbitte  für  die  Menschen  ein ;  die  Ähre 
wird  so  lang  wie  eine  Hundszunge).1)  Aus  Steiermark  bei  Rosegger, 
Tannenharz   und  Fichtennadeln  1881    S.  92    =    1895    S.  156    'Unser 


J)  Nach  estnischer  Überlieferung  (Dähnhardt,  Natursagen  4,  73) 
verwahrte  der  Hund  während  einer  Hungersnot  ein  Roggenkörnchen,  aus 
dem  eine  neue  Saat  entstand. 

Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  27 


418  194.    Die  Kornähre. 

liabi  Frau  und  dVögerla'.  Aus  We stungarn  bei  Bunker  S.  72  nr.  32 
'Das  sündhafte  Weib'  (reinigt  ihr  Kind  mit  Brot).  Aus  Bayern  bei 
Sepp,  Sagenschatz  S.  617  'Das  Wunder  mit  den  Weizenähren'; 
Maximilian  Schmidt,  Die  Blinde  von  Kunterweg  (Über  Land  und  Meer 
52,  nr.  41  S.  827.  1884);  Schönwerth  1,  408.  Aus  Thüringen  bei 
Bechstein,  Märchenbuch  1845  S.  113  =  1874  S.  114  'Die  Korn- 
ähren'. Aus  Böhmen  bei  Blümml,  Beiträge  z.  Volksdichtung  S.  148 
nr.  26.  Mitt.  des  nordböhm.  Excursionsclubs  16,  337.  Aus  Schlesien 
bei  Peter  2,  132  'Die  Getreideähren' ;  Philo  vom  Walde  S.  87  'Das 
Getreide'. 

Französisch:  Sebillot,  Folklore  de  France  3,  448.  Tradition 
1894,  36.  Sauve,  Hautes-Vosges  p.  198.  Revue  des  trad.  pop.  12, 
177.  17,  56.  —  Italienisch:  Pitre,  Usi  sie.  3,  294  'Lupino'.  Ar- 
chivio  9,  528  =  Dähnhardt,  Natursagen  2,  60.  —  Griechisch  aus 
Kleinasien :  Carnoy-Nicolaides  p.  243  (Kind  gereinigt).  —  Slowenisch 
aus  Steiermark :  Pajek  S.  177  (die  Frauen  wischen  ihre  Kinder  mit 
dem  Weizen  ab).  B.  Krek  S.  44  nr.  18.  —  Serbokroatisch: 
Gavrilovic  1906  S.  85  nr.  15  =  Dähnhardt  2,  276.  Zs.  Karadzic  2. 
216.  Bos.  Vila  2  (1887),  S.  76.  —  Bulgarisch:  Afanasjev,  Poet, 
vozzrenija  1,  482  (am  Tage  des  h.  Elias,  wo  jede  Ähre  eine  halbe 
Metze  lieferte,  wischt  eine  Schnitterin  mit  den  Ähren  ihr  Kind  ab; 
da  donnert  es,  Elias  will  alles  Korn  fortnehmen,  doch  ein  Hund 
bittet  um  Gnade).  Sbornik  min.  9,  3,  134  nr.  1  (Kind  mit  Stroh 
abgewischt ;  anderwärts  mit  dem  Mehl,  das  einst  wie  Schnee  nieder- 
fiel). —  Slovakisch:  Medvecky  =  C.  Lid  3,  30  (Eva  wischt  ihr 
Kind  mit  Kuchen  ab,  Maria  bittet  für  sie).  Slov.  Pohl'ady  1886. 
1892,  644  nr.  9.  Cas.  mus.  slov.  spol.  3,  22.  —  Öechisch:  Jos. 
Linda  erzählt  in  seinem  Romane  Zäfe  nad  pokanstvem  1818  (Tille, 
C.  poh.  do  r.  1848  S.  4),  daß  die  Ähren  einst  so  groß  wie  Tannen 
waren ;  die  schwarzen  Götter  wollten  sie  verbrennen,  aber  die  Göttin 
Ziva  ergriff  eine  brennende  Ähre;  seitdem  sind  die  Ähren  nur  so 
groß  wie  diese  gerettete.  Hrase,  Vyprav.  babiccino  S.  58  (die 
geizige  Bäurin  weist  die  Bitte  der  Maria  mit  dem  Jesuskinde  ab). 
—  Polnisch:  Öwi^tek,  Lud  nadrabski  S.  332  nr.  12  (Kinder  mit 
Brot  abgewischt).  Wisla  1,  143.  14,  464  nr.  17.  777.  Mater,  antropol. 
13,  56  nr.  24.  Wasilewski,  Jagodne  S.  98  nr.  28  (Schnitterin  mäht 
liegend).  Zbiör  6,  213.  11,  63.  Bulasev  S.  374  (Bäurin  wirft  den 
Kuchen  dem  Hunde  vor,  um  den  die  Mutter  Gottes  bittet).  —  Klein- 
russisch: Afanasjev  1,  482    =   Ralston  p.  328.     Etnograf.  Zbirnyk 


194.   Die  Kornähre.  419 

5,  82  (Brotkrumen  auf  den  Mist  geworfen).  12,  77  nr.  90.  12,  78 
nr.  92  (wie  Swietek  S.  332  nr.  12).  12,  78  nr.  91  (Christus  straft 
die  Menschen).  Dragomanov  S.  14  nr.  39  =  Mater,  antropol.  13, 
176  nr.  162  (wie  Swie,tek  S.  332).  Suchevyc  S.  258  (Maiskolben; 
Fürbitte  der  Maria).  Etnogr.  Obozr.  7,  77  (Gouv.  Charkov.  Die 
Bäurin  reicht  Christus  und  Petrus  den  Kuchen,  mit  dem  sie  eben 
die  Bank  gesäubert  hat).  Kolberg,  Chelmskie  2,  180  (Sünde  der 
Menschen)  =  Kevue  des  trad.  pop.  12,  58  nr.  1.  Zbiör  6,  213.  11, 
220.  13,  191.  Nowosielski  2,  14  (die  Bäurin  wirft  einen  be- 
schmutzten Kuchen  dem  Bettler  zu).  —  Weißrussisch:  Dobrovoljskij 

1,  289  nr.  58  (faule  Schnitterin  klagt  über  die  Größe  der  Ähren).  1, 
289  nr.  59  (Adam  und  Eva  brachten  so  kleine  Ähren  aus  dem 
Paradies).     Federowski    1,    170   nr.  548    (wie  6wi§tek  S.  332  nr.  12). 

2,  273  nr.  307  (der  Bettler  erhält  die  Krumen,  mit  denen  dem  Kinde 
die  Nase  gewischt  war).  Romanov  4,  169  nr.  28  =  Sejn  2,  357 
nr.  207  (wie  Wasilewski).  Sejn  2,  355  nr.  206  (wie  äwietek).  2, 
359  nr.  209  (Bauer  gibt  dem  Bettler  die  am  Boden  liegenden  Brot- 
krumen). 2,  358  nr.  208  (die  Hunde,  denen  Gott  vom  Himmel  eine 
Ähre  zuwirft,  reißen  sie  einander  fort;  aus  den  in  die  Erde  gefallenen 
Körnern  erwächst  im  nächsten  Jahre  eine  reiche  Ernte;  seitdem 
pflegen  die  Menschen  das  Korn). —  Großrussisch:  Zivaja  Starina 
14,  4.  *Terescenko,  Byt  russk.  naroda  5,  48  (Afanasjev,  Legendy 
S.  VIII.  Paule  Schnitterinnen  fluchen  über  das  schwere  Korn). 
Ausland  1872,  1178  nr.  5.  —  Lettisch:  Zbiör  15,  273  (Kind  be- 
schmutzt). Treuland  S.  43  nr.  40.  Zivaja  Star.  5,  438.  —  Magy- 
arisch: Arany-Gyulai  1,  492. 

Nach  einer  mohammedanischen  Legende  fiel  Adam  mit 
dem  Getreide  vom  Himmel;  die  Körner  waren  damals  sehr  groG  und 
erst  nach  dem  Pall  so  klein,  als  sie  jetzt  sind  (Hammer,  Rosenöl  1, 
23.  26.  1813.  Weil,  Biblische  Legenden  der  Muselmänner  1845 
S.  26.  41).  Die  magyarische  Sage  erzählt  dagegen,  daß  Gott  die 
Länge  der  Ähren  verkürzte,  als  Adam  ungenügsam  mehr  Land  be- 
säte, als  ihm  zugewiesen  war  (Revue  des  trad.  pop.  7,  481.  Dähn- 
hardt,  Natursagen  1,  213);  nach  weißrussischer  und  magyari- 
scher Überlieferung  (Dähnhardt  1,  264.  Strauß,  Die  Bulgaren 
S.  90)  gab  das  Schnapsbrennen  die  Ursache.  Nach  einer  mongo- 
lischen Sage  bei  Potanin  (Skizzen  aus  der  nordwestl.  Mongolei  4 
=  Etnogr-i  Obozr.  6,  11)  streifte  ein  Mann  mit  dem  Fuße  die  Körner, 
die  den  Halm  von  oben  bis  zur  Erde  bedeckten,  ab ;  doch  legte  der 

27* 


420  195.    Der  Grabhügel. 

Hund  Fürbitte  ein,  daß  noch  einige  Körner  an  der  Ähre  blieben  ; 
nach  einer  andern  fiel  ehedem  weißes  Mehl  statt  des  Schnees  vom 
Himmel.  Die  Torguten  im  Tarbagatoj-Bezirk  in  Chiva  erzählen, 
daß  die  Menschen  das  Gras,  das  ihnen  und  den  Pferden  einst  als 
Nahrung  diente,  für  sich  allein  verbrauchten;  da  ließ  Gott  für  sie 
Mehl  vom  Himmel  fallen ;  als  aber  ein  Knabe  den  Mehlsack  im  Zelt 
verunreinigte,  fiel  nur  Schnee  herab;  auf  des  Hundes  Bitte  schickte 
Gott  ein  Korn.  Ähnlich  bei  den  Kirgisen  bis  auf  die  statt  des 
Mehls  erwähnten  Graupen  (Etnograf.  Obozr.  7,  263—265)  und  bei 
den  Santal  Paganas  (Bompas  p.  401). 


1866  s.  26i.  195.    Der  Grabhügel. 

1850  nr.  195.  —  Aus  Schmalkalden,  woher  es  Ph.  Hoff- 
meister  in  der  Zs.  des  Vereins  für  hessische  Geschichte  4,  115  (1847) 
als  'Das  Märchen  vom  dummen  Teufel'  mitgeteilt  hat;  —  Hoffmeister, 
Hessische  Volksdichtung  1869  S.  169. 

Der  Bauer,  welcher  die  Leiche  des  Amtmannes  drei  Nächte 
hindurch  vor  dem  Teufel  bewacht,1)  erscheint  auch  in  dem  nord- 
deutschen Märchen  'Der  Bauer  und  der  Teufel'  bei  Pröhle,  KVM. 
nr.  19  und  in  der  hessischen  Sage  'Wie  die  Heerwische  entstehen' 
(Zs.  f.  dt.  Mythologie  1,  246).  Aus  Westungarn  bei  Bunker  nr.  45 
'Die  zwei  Brüder  =  Zs.  f.  öst.  Vk.  3,  92  (der  Teufel  zieht  dem  Toten 
die  Haut  ab).  Aus  Hannover  bei  Busch  S.  128  nr.  30  (Haut  des 
Wucherers).  Aus  Hinterpommern  bei  Knoop  1885  S.  144  nr.  293 
(ebenso).  Cechisch:  Narodopisny  Vestnik  10,  85  nr.  17.  Kvety 
1844  nr.  26  S.  383  =  Tille,  C.  poh.  do  r.  1848  S.  50.  Nemcovä  2, 
56  'Die  Nachtwache'.  Hosek  2,  30  nr.  48.  Popelkovä  S.  265 
nr.  36.  Mensik  S.  227  nr.  18.  Elpl  S.  61  nr.  14.  Hsl.  Samm- 
lung Ed.  Peck  nr.  56.  Kubin,  Podkrkonosi  zap.  nr.  44.  Kubin. 
Pov.    kladske    2,    241    nr.    76.       Slovakisch:    Slovenske    Pohl'ady 


x)  Drei  Nächte  wacht  auch  der  jüngste  Sohn  am  Grabe  des 
Verstorbenen  und  erbält  dafür  die  allen  drei  Brüdern  bestimmten  Gaben 
(R.  Köhler  1,  551.  Oben  S.  lll3).  Es  ist  dies  als  eine  Ausdehnung 
der  vielfach  noch  üblichen  Wache  an  der  im  Hause  aufgebahrten  Leiche 
(Sartori,  Sitte  und  Brauch  1,  139.  1910)  zu  betrachten. 


195.    Der  Grabhügel.  421 

15  (1895),  322  nr.  1.  15,  324.  Sbornik  mus.  slov.  spol.  6,  82. 
15,  133  nr.  5.  Cas.  mus.  slov.  spol.  17,  27.  Czambel  S.  320  nr.  160. 
Kaschubisch:  Lorentz,  Teksty  pomorskie  S.  44  nr.  83.  S.  262  nr.  352. 
S.  486  nr.  623.  S.  561  nr.  693.  Polnisch:  Ciszewski  S.  172  nr.  125. 
126.  Mater,  antropol.  3,  129  nr.  5.  Kleinrussisch  aus  Nord- 
ungarn: Etnogr.  Zbirnyk  4,  148  nr.  33.  Aus  Galizien:  Kolberg, 
Pokucie  4,  162  nr.  29.  Etnogr.  Zbirnyk  34,  19  nr.  608.  34,  38  nr.  652. 
Die  List,  den  Teufel  einen  Sack  (Stiefel,  Hut)  ohne  Boden 
mit  Geld  füllen  zu  lassen,  wird  meist  ohne  jene  Einleitung  erzählt; 
so  1549  von  Hans  Sachs  in  einem  verlorenen  Meisterliede  'Der 
podenlos  Pfaffensack' l)  (Schwanke  ed.  Goetze-Drescher  4,  502  nr.  584) 
und  1563  in  dem  Schwank  'Der  Pawer  mit  dem  podenlosen  Sack' 
(Folio  5,  3,  387b  =  Keller-Goetze  21,  215  =  Schwanke  2,  532 
nr.  350),  wo  der  Bauer  auf  dem  First  seines  Stadels  sitzt  und  den 
Mehlsack  zum  Firstloch  hineinhält;  als  er  hernach  dem  Pfarrer  seinen 
Vertrag  mit  dem  Teufel  berichtet,  verlangt  dieser  den  Sack  für  sich. 
Der  Nürnberger  Meistersänger  benutzte  wahrscheinlich  eine  Legende 
vom  h.  Benedikt,  auf  die  Theobald  Hock,  Schönes  Blumenfeld  1601 
cap    56  =  1899  S.  80  anspielt: 

Denn  bodenloß 

Ist  die  Begierdt,  rnags  glauben; 

Gleich  wie  man  schreyt,  das  gwest  ein  Zeit 

Deß  Fortunati  Beutel  weit, 

Vnd  wie  der  Stieffei  auch  zu  Speyr 

Durch  Abentheur 

Sant  Benedits,  den  solte 

Der  Teuffei  ein  mit  Thallern  füllen 

Eim  Gselln  zum  Spillen, 

Sein  darnach  sein  er  wolte. 

Aus  Oberösterreich  bei  Baumgarten,  Linzer  Musealbericht 
24,  129  (Stiefelröhre  im  Dachfirst).  Aus  Kärnten  bei  Graber 
nr.  427  'Teufel  und  Bauer'  (Schaff  über  einem  Loch).  Aus  Nieder- 
bayern bei  Spiegel  1914  nr.  IIb  'Der  schlaue  Bauer'  (Hut  auf  dem 
Stadelfirst).  Schönwerth  3,  61  (Stiefel  über  der  Stubendecke).  Aus 
Oberhessen  bei  Bindewald  S.  148  'Der  arme  Teufel'  (Sack).     Aus 


l)  Das  Sprichwort  'Pf  äff  ensack  hat  keinen  Boden' erscheint  schon 
1521  im  Dialog  'Neuw  Karstbans'  (Schade,  Satiren  und  Pasquille  2, 
24,9);  vgl.  Wander,  Sprichwörter lexikon  3,  1241.  5,1652.  Grimm,  BWb. 
7,  1592.     Bl.  f.  pomm.  Volkskunde  9,  32. 


422  195.    Der  Grabhügel. 

dem  Rheinlande  in  der  Zs.  f.  rhein.  Volkskunde  4,  131  (Sack  im 
Schornstein).  Aus  Brandenburg  bei  Schwartz,  Sagen  und  alte 
Geschichten  S.  137.  Aus  Pommern:  Zs.  für  dt.  Mythologie  2,  147 
'Der  betrogene  Teufel'  (Stiefel).  Haas,  Rügensche  Sagen  1903  nr.  32 
'Der  Puk'  (Stiefel).  Jahn,  Volkssagen  nr.  150  'Das  Huhn  im  Brimbusch' 
(der  verwandelte  Teufel  verlangt  Arbeit).  Knoop,  Hinterpommern 
S.  130  nr.  263  'Der  betrogene  Teufel'  (Stiefel  im  Scheunendach). 
Asmus-Knoop  S  25  'Der  dumme  Teufel'  und  S.  97  'Der  Schmied  und 
der  Teufel'  (Stiefel  im  Schornstein).  Bl.  f.  pomm.  Volkskunde  4,  162 
nr.  71  'Der  Rotjäckte'  (Stiefel  im  Scheunendach).  8,  56  nr.  48 
'Kobold  soll  einen  Sack  ohne  Boden  füllen'.  Am  Urquell  4,  114. 
Aus  Ostpreußen:  Lemke  2,  16  'Auf  die  Hälfte  säen'.  Aus  dem 
Samland  bei  Reusch2  S.  71  'Der  Alf  (Stiefel).  —  Friesisch: 
Dijkstra  1,  139  'De  laars'.  —  Schwedisch:  Hackmans  Register  S.  35 
'Wie  der  Sack  des  Pfarrers  bodenlos  wurde'.  —  Isländisch: 
Ärnason  2,  15  =  Rittershaus  S  331  nr.  88  'Der  Teufel  und  der  Geld- 
sack' (über  einer  Grube)  =  Andersen  S.  293  =  Powell  &  Magnusson 
2,  23.  —  Aus  der  Bretagne:  Sebillot,  Litt,  orale  p.  175  'Misere' 
(verlangt  den  Kamin  voll  Geld.  Variante  zum  'Spielhansel'  oben  2, 
187).  Eevue  des  trad.  pop.  9,  346  nr.  58  'Le  diable  dupe'  (Schorn- 
stein).   —    Cechisch  aus  Mähren:    Cas.  Mat.  Morav.    7    (1875)    89. 

—  Wendisch:  Schulenburg,  Volkssagen  S.  108  'Der  Plön  und  der 
Prediger'  (der  satirische  Schluß  'Pfaffensack  hat  keinen  Boden'  wie 
bei  H.  Sachs  und  Arnason).  Schulenburg,  Volkstum  S.  51  'Der  hungrige 
Plön'  (Strumpf  in  der  Scheune).  Veckenstedt  S.  389  'Der  Drache' 
(Stiefel).  —  Polnisch:  Kolberg,  Lud  14,  247  nr.  59.  S\vie>k,  Lud 
nadrabski  S.  462.  —  K  aschubisch:  Lorentz,  Teksty  pomorskie  S.  13 
nr.  37.  S.  45  nr.  83.  S.  262  nr.  352.  S.  347  nr.  449.  S.  349  nr.  454. 
S.  486  nr.  623.  —  Masurisch:  Toeppen  S.  128  'Der  Teufelsberg  in 
der  Borkener  Heide'  (Scheffel).     Lorentz,  Slovinz.  Texte  S.  23  nr.  21. 

—  Kleinrussisch:  Etnogr.  Zbirnyk  6,  nr.  692.  34,  243  nr.  1149. 
Hrincenko,  Iz  ust  naroda  S.  4  nr..  6 — 7  (Drache).  Malinka  S.  266. 
Rudcenko  1,  62.  Cubinskij  2,  385.  Afanasjev3  1,  204  aus  der 
Sammlung  Boricevskij  v.  J.  1840.  —  Weißrussisch:  Serzputovskij 
S.  70.  111.  —  Großrussisch:  Oncukov  S.  175  nr.  402.  Afanasjev8 
1,  200  nr.  87.  1,  201  nr.  88.  1,  203  nr.  89.  —  Litauisch: 
Siemienski,  Podania  (bei  Afanasjev  1,  204).  —  Lettisch: 
Ulanowska  S.  262  nr.  11.  —  Estnisch:  Kalewipoeg  verdeutscht 
von    Reinthal    und    Bertram    1861    S.  237    (Hut);    vgl.  Schott,    Abh. 


196.    011  Rinkrank.  423 

der  Berliner  Akad.  1862,  469.  Inland  1852,  845  (Hans  Lang). 
1861,  nr.  17  (Schiefner).  —  Wot jakisch:  Wichmann  2,  116 
(Journal  finno-ougr.  19)  'Der  Mensch  und  der  Wassergeist'  (Mühlstein 
für  einen  Hut  voll  Geld  verkauft).  —  Lappisch:  Archivio  6,  399 
'L'astuto  Lappone'  (Hut)  =  Düben,  Om  Lappland  1873.  • —  Nord- 
amerika: Knortz,  Streifzüge  auf  dem  Gebiete  amerikanischer  Volks- 
kunde 1902  S.  131  (General  Jonathan  Moulton;    Stiefel  ohne  Sohle). 

Über  die  Vorstellung  von  dem  fliegenden  Geldteufel  oder 
Drachen  vgl.  Bolte,  Zs.  f.  dt.  Altertum  48,  55  und  Gaidoz,  Melusine 
6,  193.  7,  3.  49.  8,  94.  187;  auch  oben  S.  234. 

Die  List,  einen  dienstbaren  Teufel  durch  unmögliche  Auf- 
gaben zu  äffen,  bis  er  ermüdet  den  Pakt  zerreißt,  begegnet  in 
vielen  Schwankmärchen;  s.  oben  S.  161. 


196.    Oll  Rinkrank.  usses.  an. 

1850  nr.  196.  —  Aus  Oestringen;  nach  dem  Friesischen 
Archiv  von  H.  G.  Ehrentraut  1,  162  (1849). 

Eine  Königstochter,  die  mit  ihrem  Freier  über  den  Glasberg 
(Gletscher?)  gelaufen  und  dabei  in  eine  tiefe  Höhle  versunken  ist, 
befreit  sich  selber  aus  der  Gefangenschaft  des  unheimlichen  lahmen 
Alten,  indem  sie  seinen  Bart  in  eine  Fensterluke  einklemmt.  Sie 
steigt  auf  seiner  Leiter  zu  Vater  und  Bräutigam  empor;  der  König 
läßt  den  Alten  töten  und  erbeutet  seine  Schätze.  —  Das  Märchen, 
zu  dem  wir  keine  vollständige  Parallele  anzuführen  wissen,  klingt 
mit  einzelnen  Zügen  an  bekannte  an.  Der  Glasberg,  über  den 
die  Freier  der  Prinzessin  laufen  müssen,  ohne  auszugleiten,  ist  uns  in 
einzelnen  Fassungen  der  Rabe  (oben  2,  340)  und  des  Grindkopfes 
(oben  S.  111)  schon  begegnet.  —  Der  unheimliche  Zwerg  oder 
Päuber  ist  ein  Gegenstück  zu  dem  gutherzigen  Männlein  Spannen- 
lang und  dem  heiligen  Joseph  im  Walde  (unten  nr.  201),  der  ebenso 
wie  das  Männlein  im  Waldhause  (oben  1,  212.  226)  die  dienstfertige 
Schwester  belohnt,  die  ungute  aber  straft.  Die  Reime,  mit  denen 
er  Einlaß  in  seine  Höhle  begehrt,  entsprechen  den  Worten  des 
Zwerges  in  dem  oben  1,  226  als  Seitenstück  unsrer  Frau  Holle  an- 
geführten anhaltischen  Märchen  (Firmenich  2,  224):   'Ich  bin  Beene- 


424  197.    Die  Kristallkugel. 

langmann  Beenelangbart,  schönes  Mädchen,  mach  die  Türe  auf  .  .  . 
decke  den  Tisch  ....  setze  dich  bei  mich  und  iß  .  .  .  leg  dich  mit 
ins  Bette!'  Auf  den  Rat  des  Hühnchens,  Hähnchens,  Hündchens, 
Kätzchens  und  Mäuschens  erfüllt  das  Mädchen  all  diese  Befehle  und 
erwacht  am  andern  Morgen  daheim  auf  einem  Sack  voll  Goldstücke. 
Noch  genauer  aber  stimmen  dazu  norwegische  Fassungen  des- 
selben Märchens  von  der  guten  und  der  bösen  Schwester.  Bei  Arne, 
Fortsellinger  i  Slagelse-Egnen  1862  S.  49  'Ridder  Ranke'  ruft  der 
Alte: 

Luk  op  for  Ridder  Ranke  med  de  lange  Stanke  og  den  forgyeldte 
Fod !  —  Giv  Mad  til  Ridder  Ranke  .  .  .  Laan  Haus  til  .  .  .  Red  Seng 
til  .  .  .  Klted  af  nu  .  .  .  Klö  Ryggen  paa  R.  R. 

Bei  Janson,  Folke-eventyr  i  Sandeherad  1878  nr.  2  'Kjetta': 

Laat  up  fyre  meg,  fyr  mine  lange  Laar  og  mine  forgylte  Skjenker! 
—  Giv  Stol  fyre  meg  .  .  .  Giv  Mad  til  meg  .  .  .  Giv  Seng  til  meg  .  .  . 
Kvil  nseter  aat  meg  .  .  . 

Bei  Skar,  Gamalt  or  Ssetesdal  6,  77  (1913)  'Kongsdotteri  og 
Dronningdotteri' : 

Lat  upp  for  meg  og  mine  forgjyllene  Skankjir!  Skaffe  Sess  for 
meg  .  .  .  Skaffe  Mat  .  .  .  Skaffe  Seng  .  .  . 

Auch  hier  wird  die  gute  Schwester,  welche  den  Alten  unverdrossen 
pflegt,  mit  reichem  Lohn  entlassen.  —  Der  Name  Rinkrank  im 
friesischen  Märchen  scheint  also  entstanden  aus  Ridder  Rank,  wie 
der  Name  Rinroth  im  holsteinischen  Märchen  bei  Müllenhof f  S.  453 
nr.  21  aus  Ritter  Rot,  der  in  skandinavischen  Erzählungen  häufigen 
Bezeichnung  des  tückischen  Neiders  (oben  S.  184). 


lese  s.  262  197.    Die  Kristallkugel. 

1850  nr.  197.  —  Aus  dem  (schlesischen)  Gebirge.  Nach 
Friedmund  v.  Arnim  1,  92  nr.  14  'Vom  Schloß  der  goldenen  Sonne' 
(1844);  vgl.  Hamann,  Die  literarischen  Vorlagen  S.  103. 

Wir  haben  hier  eine  abgeblaßte  Fassung  des  zuerst  bei  Basile 
4,  nr.  3  auftauchenden  Märchens  von  den  Tier  seh  Wägern,  das 
uns     schon     in    den    aus    Mus  aus    Erzählung     abgeleiteten     'Drei 


197.    Die  Kristallkugel.  425 

Schwestern'  (oben  2,  190)  in  vollerer  Gestalt  entgegentrat.1)  Dort  sucht 
ein  Königssohn  seine  drei  Schwestern  auf,  die  sein  Vater  bereits  vor 
seiner  Geburt  an  einen  Bären,  Adler  und  Walfisch  (bei  Basile 
einen  Falken,  Hirsch  und  Delphin)  vermählt  hatte,  besiegt  mit  Hilfe 
seiner  Schwäger  einen  übernatürlichen  Stier  (bei  Basile  Drachen) 
und  befreit  dadurch  eine  gefangene  Jungfrau  und  zugleich  seine  in 
Tiergestalt  verwünschten  Schwäger.  In  unserer  Fassung  sucht  der 
Held  statt  der  Tierschwäger  zwei  in  Adler  und  Walfisch  verzauberte 
Brüder  auf;  außerdem  ist  das  oben  2,  331  besprochene  Motiv  des 
den  streitenden  Riesen  weggenommenen  Wünschhutes  eingeschaltet, 
und  in  dem  Ei  des  getöteten  Auerochsen,  das  bei  Musäus  den 
Schlüssel  zum  Gefängnis  der  Prinzessin  enthält,  steckt  als  Dotter 
eine  Kristallkugel,  welche  die  Macht  des  Zauberers  vernichtet, 
während  bei  Basile  dies  wunderbar  eingeschachtelte  Ei  ganz  fehlt. 
Den  durch  den  eifersüchtigen  Dämon  bewirkten  Zauberschlaf  der 
Jungfrau  (oben  2,  198.  3,  261),  von  dem  Basile  und  ebenso  unsre 
Fassung  nichts  weiß,  hat  Musäus  offenbar  aus  der  persischen  Er- 
zählung 'Seyf  el-Muluk'  (1001  Tag,  deutsch  1827  3,  7;  vgl.  Chauvin 
7,  71  und  W.  Schiller,  Zs.  f.  Bücherfreunde  n.  F.  1,  54.  1909)  ent- 
lehnt; dort  bricht  der  Held  ebenfalls  den  Zauber,  indem  er  die 
Marmortafel  umstößt.  Auch  der  kirgisische  Held  Säipül  Mälik  in  dem 
Büchergesange  bei  Radioff  3,  661  sieht  auf  dem  Kopfe  des  schlafen- 
den Mädchens  eine  beschriebene  Tafel  und  entfernt  sie.  In  dem 
persischen  Roman  'Der  Frauenhüter'  (Barb,  Naurus-Blätter  1846 
S.  90)  führt  der  Jüngling,  indem  er  den  Schlafzettel  auf  die  Erde 
wirft,  nicht  nur  das  Erwachen  der  Schönen,  sondern  auch  den  Tod 
des  Divs  herbei.  In  indischen  Märchen  (Indian  Antiquary  1,  116. 
Day  p.  81.  251.  Stokes  p.  54  nr.  11.  p.  180  nr.  24)  erwacht  die 
Jungfrau,  als  der  Prinz  sie  mit  dem  neben  ihr  liegenden  goldenen 
Stäbchen  berührt,  und  schläft  ein,  wenn  er  statt  dessen  das  silberne 
Stäbchen  nimmt.  In  andern  Fassungen  (Day  p.  224.  Steel-Temple 
p.  56.  Calcutta  Review  51,  124  =  Revue  des  trad.  pop.  4,  532; 
vgl.  Cosquin  1,  176)  wird  das  Wunder  noch  gesteigert:  enthauptet 
liegt    die  Prinzessin    da,    erwacht    aber    zum    Leben,    als    der   Held 


*)  Vielleicht  bildete  eine  französische  Bearbeitung  das  Mittelglied 
zwischen  Basile  und  Musäus.  E.  Jahn,  Die  Volksmärchen  von  Musäus 
1914  S.  23  f.  weist  allzu  voreilig  diese  Abhängigkeit  zurück.  Auch  'der 
gläserne  Sarg'  (oben  S.  261),  der  schon  1728  gedruckt  war,  hängt  mit 
unserm  Märchen  zusammen. 


426  197.    Die  Kristallkugel. 

Haupt  und  Rumpf  zusammenfügt.1)  —  Auf  Musäus,  dessen  erstes 
Märchen  auch  einzeln  als  Volksbuch2)  fortgepflanzt  wurde, 
gehen  zurück  die  waldeckische  Überlieferung  bei  Curtze 
S.  96  nr.  20  'Reinhold  das  Wunderkind',  die  norddeutsche 
bei  Pröhle,  KVM.  nr.  1  'Bärenheid,  Adelheid  und  Wall- 
fiid',  die  holsteinische  'De  dree  verwünschten  Prinzen',  die  G. 
F.  Meyer  in  der  'Heimat'  19,  248  (Kiel  1909)  mitteilt,  und  die 
schlesische  bei  Philo. vom  Walde  S.  43  'Das  Edelreis',  ein  von 
Wenzel  Müller  komponiertes  Singspiel  von  Gleich  'Adler,  Fisch  und 
Bär'  (1820);  ebenso  Ingemanns  dänisches  Schauspiel  'Reinald  Un- 
derbarnet'  (1815)  und  das  schwedische  Volksbuch  'Saga  om 
Reinald  Underbarnet'  (Wexiö  1838.  Bäckström,  Sv.  folkböcker  3,  51). 
In  dem  kärntischen  Märchen  'Das  Zauberbüchel'  (Pogatschnigg 
nr.  5a.  Carinthia  1865,  399),  das  zu  den  'treuen  Tieren'  (oben  2, 
455  nr.  104a)  gehört,  schenken  die  drei  Riesen  ihrem  Schwager 
Wunschstiefel,  Beutel  und  Mantel,  so  daß  er  dadurch  und  mit  Hilfe 
zweier  Ratten  Zaubertalisman  und  Gattin  wiedergewinnen  kann. 

Dieselbe  Verbindung  mit  nr.  104a  finden  wir  im  dänischen 
bei  Grundtvig,  Folkeseventyr  2,  34  nr.  3  'önskedaasen  =  Leo- 
Strodtmann  2,  45  (vgl.  Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  7  lDe  tre  dyre- 
brude')  und  im  bretonischen  bei  Sebillot,  C.  de  la  Haute-Bretagne 
3,  180  nr.  18  'Le  chäteau  suspendu  dans  les  airs'  (König  der  Fische, 
der  Vögel  und  Ratten)  =  Sebillot,  C.  des  provinces  p.  15  nr.  2.  — 
Schwedisch:  Hackmans  Register  nr.  552.  —  Irisch:  Curtin, 
Myths  p.  64  'The  weaver's  son  and  the  giant  of  the  white  hill' 
(Widder,  Lachs,  Adler;  Leben  des  Zauberers  im  Ei).  —  Italienisch: 


1)  Ein  männliches  Seitenstück  bietet  der  Prinz  Tadeo  in  Basiles 
Einleitung  zum  Pentamerone;  vgl.  Gonzenbach  nr.  11.  Archivio  10,  311 
nr.  12.  Hahn  nr.  12.  Garnett  2,  40.  Künos,  Stambul  S.  215.  Wlislocki 
1886  nr.  18.  Chalatianz  S.  VI.  Artin  Pacha  p.  69.  Stokes  nr.  23  (oben 
S.  308).  Indian  Antiquary  1,  219  nr.  5.  Day  p.  9  =  M.  Summer,  Contes 
de  l'Inde  ancienne  p.  35.  Steel-Temple  p.  30  (Kuß).  Cosquin,  Revue 
des  trad.  pop.  28,  333.  29,  98.  —  Nicht  durch  einen  verschmähten  Lieb- 
haber, sondern  durch  eine  Hexe  hervorgerufen  ist  der  Zauberschlaf 
Dornröschens  (oben  1,  440)  und  Sneewittchens  (1,  363);  vgl.  Basset,  Revue 
des  trad.  pop.  11,  285. 

2)  Die  drey  Schwestern,  eine  Geschichte  von  vielen  Abentheuern 
und  Bezauberungen,  auch  deren  Lösung  durch  Reinald,  genannt  das 
Wunderkind  (o.  0. 1794.  —  Leipzig,  Solbrig  o.  J.  —  Leipzig,  Taubert  o.  J.). 
Marbachs  Volksbücher  11  (Leipzig  1838). 


197.    Die  Kristallkugel.  427 

Basile  4,  nr.  3  'Li  tre  rri  anemale'.  Comparetti  nr.  20  'La  bella 
Fiorita'  (statt  der  Tierschwäger  ein  Schweinehirt,  Jäger  und  Toten- 
gräber ;  ihre  Graben  helfen  dem  Helden  die  Aufgaben  des  Königs 
lösen:  ein  Gewölbe  voll  Früchte  verzehren,  die  Prinzessin  durch 
Vogelgesang  einschläfern,  in  einer  Nacht  ein  zweijähriges  Kind  zeugen) 
=  Kaden  S.  134  —  Crane  p.  342  nr.  13.  Knust  nr.  2  'Die  vier  Königs- 
kinder' (Jahrbuch  7,  384.  Schornsteinfeger.  Kesselflicker,  Schirmmacher). 
Gonzenbach  nr.  29  'Von  der  schönen  Cardia'  (König  der  Raben,  der 
wilden  Tiere,  der  Vögel;  Aufgaben  der  Hexe);  vgl.  Zs.  f.  Volkskunde 
6,  70.  Pitre,  Novelline  pop.  siciliane  1873  nr.  1  'Lu  re  di  li  setti 
muntagni  d'oru'.  Pitre,  Fiabe  sie.  1,  142  nr.  16  'Li  tri  figghi  obbi- 
dienti'  (Schweinetreiber,  Vogelsteller;  Aufgaben  des  Königs :  Garten, 
Stallreinigung).  Finamore  1,  109  nr.  23  'Lu  brastunelle'.  De  Nino 
3,  112  nr.  20  'La  bella  del  mondo'  (Vento  maggiore,  Scirocco,  Sole). 
—  Katalanisch:  Maspons  3,  164  nr.  27  'Los  tres  prineeps'.  — 
Portugiesisch:  Braga  nr.  8  'Cravo,  rosa  e  jasmim'.  Coelho,  C. 
populäres  nr.  16  'A  torre  de  Babylonia'.  Romero  nr.  1  '0  bicho 
manjaleo'.  —  Rumänisch:  Schullerus,  Archiv  33,  583  nr.  90  'Juon 
ohne  Furcht'  (drei  Drachen)  und  33,  687  nr.  11  'Schöne  der  Welt' 
(drei  Raben).  SJiinenu  p.  458  'Animale-cumnati'.  —  Griechisch: 
Hahn  1,  180  nr.  25  'Der  Schwager  des  Löwen,  des  Tigers  und  des 
Adlers'  =  Pio  p.  40  =  Geldart  p.  50.  Buchon  1843  p.  267  = 
Legrand  p.  145  'Le  dracophage'  =  Misotakis  S.  152.  Kretschmer 
nr.  26  'Die  Tochter  des  Königs  Tsun  Matsun'.  —  Albanesisch: 
Dozon  p.  121  nr.  15  'Les  trois  freres  et  les  trois  soeurs'  =  Leskien 
S.  272  nr.  59  (Sonne,  Mond,  Südwind).  —  Serbokroatisch: 
Valjavec  nr.  1  =  Krauß  1,  333  nr.  79  'Der  Königssohn  und  die 
Vila'  (Wind,  Sonne,  Mond).  Kres  5,  143  nr.  42  (Bär,  Adler,  Fisch). 
Vuk  St.  Karadzic  S.  187  nr.  51  'Bas  Öelik'  =  Jagic,  Archiv  2,  614 
nr.  16  =  Krauß  1,  143  nr.  34  'Stahlpascha'  =  Mijatovics  p.  146 
(Drache,  Falk,  Adler).  Gleiche  Einleitung  hat  Vuk  St.  Karadzic 
S.  89  nr.  17  =  Krauß  1,  452  nr.  100  'Der  Brüder  Schwur';  ähnlich 
Zs.  Vila  hsg.  von  St.  Novakovic  3,  777  (1867)  und  Bos.  Vila  2,  13 
(1887).  6,  92  (1891). '  7,  327  (1892).  Nikolic  S.  53  nr.  6  (verbunden 
mit  nr.  111;  auf  einem  Berg  ein  Sumpf,  darin  eine  Wildente,  in  deren 
Ei  die  Seele  des  'roten  Windes').  —  Bulgarisch:  Sbornik  min. 
3,  208  nr.  2  (drei  Adler).  4,  188  (König  der  Ameisen,  Affen,  Vögel). 
9,  141  (drei  Riesen)  =  Strauß  S.  185.  Periodicesko  Spisanie  12,121 
=    Arnaudov    S.    28    nr.    3    (König    der    Ameisen,    Fliegen,    Adler). 


428  197.    Die  Kristallkugel. 

Sapkarev  8 — 9,  452  nr.  268  (eine  Schwester  mit  dem  Adler  vermählt).  — 
Öechisch:  Sumlork  1,  605  (Bär,  Adler,  Karpfen.  Entstellt;  S.Tille, 
Ceske  poh.  do  r.  1848  S.  104).  Nemcova  1,  125  nr.  11  =  Waldau 
S.  440  nr.  30  'Sonnenkönig,  Mondkönig,  Wildkönig'.  Radostov 
1.  Aufl.  8,  41  (Bär,  Adler,  Fisch).  Mensik  S.  37  nr.  6  (Bär,  Adler, 
Tisch).  Straneckä  S.  32  nr.  7  (Adler,  Löwe,  Walfisch).  Soukal 
S.  86—93.  Elpl  S.  29  nr.  5  (Bär,  Adler,  Fisch).  Kubin,  Podkrko- 
nosi  zap.  nr.  23  S.  281.  —  Slovakisch:  Kimauski  S.  53  nr.  5  = 
Nemcova,  Slov.  2,  158  nr.  49  (Bär,  Adler,  Fisch).  Nemcova,  Slov.  2, 
82  nr.  39  'Vom  Sonnenkönig,  Mondkönig,  Windkönig,  der  schönen 
Uliana  und  zwei  Zauberpferden'.  Skultety-Dobsinsky  S.  310  nr.  32 
(drei  Drachen  mit  3,  6,  9  Köpfen).  Czambel  S.  221  §  118  (Drache, 
Adler,  Fisch).  S.  424  §  277  (Teufel).  —  Polnisch:  Zbior  wiad.  5, 
223  nr.  31  (Frost,  Wind,  Hegen).  Mitt.  der  schles.  Ges.  f.  Volks- 
kunde 8,  62  (Hirsch.  Walfisch,  Adler).  —  Kaschubisch:  Lorentz, 
Teksty  pom.  S.  318  nr.  418  (im  Ei  ein  Schlüssel  zum  Zaubergarten). 
— ■  Kleinrussisch  aus  dem  Gouv.  Poltawa:  Rudcenko  1,  85  nr.  44 
(Wind,  Frost,  Sonne).  Gouv.  Wolhynien :  Cubinskij,  Trudy  2,  172 
nr.  52  (drei  Drachen).  Gouv.  Jekaterinoslav :  Manzura  S.  14  (drei 
Drachen).  Aus  Süd-Ungarn:  Etnograf.  Zbirnyk  25,  122  nr.  22  (drei 
Drachen  mit  3,  6,  9  Köpfen).  —  WeiJßrussisch:  Federowski 
1,  116  nr.  341  (Löwe,  Walfisch,  Adler).  B,omanov  6,  205  nr.  24 
(Rabe,  Falke,  Adler).  6,  213  nr.  25  (Donner,  Frost,  Regen).  6,  233 
nr.  27  (König  der  Vögel,  Sturm,  Wind).  6,  225  nr.  26  (zwei 
Schwestern;  Sonne,  Donner).  —  Großrussisch:  Rovinskij  1,  123 
nr.  36  =  Afanasjev3  1,  237—241  (Bär  und  Meerungeheuer).  Afa- 
nasjev  1,  230  nr.  94  =  Ralston  p.  85  'Marya  Morevna'  (Falk, 
Adler,  Rabe).  1,  234  nr.  95  (Wind,  Hagel,  Donner).  1,  67  nr.  49 
(Sonne,  Mond,  Rabe).  Chudjakov  1,  77  nr.  20  (Rabe,  Adler, 
Falke).  1,  287  nr.  62  (Rabe,  Falke,  Adler).  Erlenwein  S.  139  nr.  33 
=  De  Gubernatis,  Florilegio  p.  212  (Bär,  Vogel,  Hecht).  S.  81 
nr.  24  (drei  Drachen  mit  20,  30,  40  Köpfen).  Oncukov  S.  202 
nr.  78  (Löwe,  Bär,  Rabe).  S.  416  nr.  167  (drei  Schwestern  entführt 
von  12  Bären,  12  Kaulbarschen,  12  Schwänen).  —  Litauisch: 
Leskien-Brugman  S.  423  nr.  20  'Von  dem  Königssohn,  der  auszog, 
um  seine  drei  Schwestern  zu  suchen'  (Falk,  Greif,  Adler).  — 
Lettisch:  Weryho  S.  211  nr.  29  (drei  böse  Geister,  Nalobiejs. 
Entstellt).  —  Estnisch:  Kallas  nr.  11  'Jaan  der  Königssohn'  (Rabe, 
Wind,    Blitz.     Verheil.    20,    122).     —     Finnisch:     Aarne,    Register 


197.   Die  Kristallkugel.  429 

nr.  552.  —  Magyarisch:  Gaal-Stier  nr.  1  'Die  sechs  Drachen'; 
vgl.  nr.  13  'Strohkönig'  (Sonne,  Mond,  Wind).  Horger  nr.  38  — 
Bona-Sklarek  2,  167  nr.  15  'Der  Schwager  von  Rabe,  Bär  und  Fisch.' 
Horger  nr.  17.  —  Zigeunerisch:  Mitteil.  f.  Zigeunerkunde  2,  92 
'Das  väterliche  Vermächtnis'  (nur  eine  Schwester  einem  Drachen 
vermählt).  Wlislocki  1886  S.  21  nr.  11  'Der  Fischer  und  die  Urme' 
(Wind,  Sonne,  Mond).  Groome  p.  166  nr.  46  (statt  der  Seele 
der  Hausschlüssel).  —  Türkisch:  Künos,  Stambul  S.  126  nr.  17 
'Der  Windteufel'  (Löwe,  Tiger  und  der  smaragdene  Anka- Vogel).  — 
Armenisch:  Sbornik  Kavkaz.  13,  2,  116  nr.  10  (Storch,  Taube, 
Adler).  —  Awarisch:  Schiefner  1873  nr.  4  'Der  schwarze  Nart' 
(Held  wacht  drei  Nächte  auf  dem  Grabe  seines  Vaters  und  erhält 
dreiEosse;  Wolf,  Habicht,  Falke).  —  Mingrelisch:  Mourier  1888 
p.  43  =  Wardrop  p.  112  'Kazba-ndii'  (Wache  am  Grabe  des  Vaters, 
drei  Devis).  —  Tschetschenisch:  Zs.  f.  Ethnologie  14  (1882), 
Verh.  S.  271  'Von  einem  tschetschenischen  Helden  und  einem  nogaii- 
schen  Biesen'  (der  Schwager  belebt  mit  Hilfe  einer  Hexe  den  er- 
schlagenen Helden  wieder)  =  Buss.  Bevue  20,  186.  23,  158.  — 
Neuaramäisch:  Lidzbarski  S.  45  nr.  1  'Geschichte  vom  Kaufmann, 
seinen  drei  Söhnen  und  drei  Töchtern'  (der  jüngste  Sohn  holt  für 
den  kranken  Vater  Lebensapfel  und  Nachtigall,  wird  von  den 
neidischen  Brüdern  in  den  Brunnen  gestoßen  und  erhält  vom  dritten 
Schwager  ein  Blitzschwert;  oben  1,  510).  Brym-Socin,  Tür  'Abdin  2, 
60  nr.  18  (Wolf,  Adler  und  Vogel  Simer  beleben  den  von  Schamäl 
erschlagenen  Schwager  und  helfen  ihm  seine  beiden  von  Schamäl 
geraubten  Weiber  wiedergewinnen).  —  Arabisch:  Jahn,  Mehri- 
Sprache  S.  89  nr.  17  'Der  Wunschring'.  Hein-Müller,  Mehri-Texte 
S.  54  und  111  'Die  drei  Schwäger'  (Vogel,  Ameise,  Dämon).  — 
Indisch:  Hahn,  Kols  1906  nr.  16  'Der  Knabe  und  sein  Ochse' 
(Tiger,  Schlange  und  Ochse  helfen  ihrem  Bruder  die  Königstochter 
gewinnen ;  er  soll  Tigermilch  und  Lotosblumen  holen  und  einen 
Elephanten  töten).  —  Aus  Nord-Nigeria  bei  Tremearne,  Hausa 
superstitions  1913  p.  131  (Stier,  Widder,  Hund,  Habicht  helfen  dem 
Schwager  das  in  einer  Taube,  Gazelle,  einem  Felsen  und  See  ein- 
gekapselte Kästchen  mit  dem  Leben  des  Königs  gewinnen). 

Verschieden  davon  sind  die  Erzählungen,  in  denen  der  Held 
seinem  dämonischen  Schwager  feindlich  entgegentritt,  um  die 
Schwester  wieder  heimzuführen.  So  gelingt  es  in  dem  schwäbischen 
Märchen  bei  E.  Meier  S.  29    nr.  6  'Donner,  Blitz  und  Wetter'    dem 


430  197.    Die  Kristallkugel. 

bei  der  Hexe  aufgenommenen  Helden,  mit  Hilfe  dreier  dankbarer 
Tiere,  des  Wolfes,  Fisches  und  der  Hornisse,  ihre  Aufgaben  zu 
lösen;  er  soll  ihre  drei  Pferde,  das  sind  seine  Schwäger,  die  diese 
Gestalt  angenommen  haben,  hüten  und  bringt  sie  jedesmal  abends 
richtig  heim ;  darauf  tötet  er  sie  allesamt,  indem  er  ein  vierköpfiges 
Pferd  enthauptet.  In  einem  dänischen  Seitenstück  bei  Berntsen  1, 
116  nr.  13  'Ungerod'  zieht  der  Held  mit  einem  Hasen,  Fuchs,  Wolf 
und  Bären  zu  dem  rotbärtigen  Troll,  der  seine  Schwester  entführt 
und  zwei  ältere  Brüder  umgebracht  hat,  und  läßt  dessen  Mutter 
und  ihn  durch  seine  Tiere  zerreißen.  Ähnlich  bei  Kristensen,  Aev. 
fra  Jylland  1,  271  nr.  36  'Bjsergmandens  banemand'  (Knüppel,  Hund 
lind  Pferd)  und  norwegisch  bei  Löland  S.  199  'Svarteliten'  (Hund, 
Fuchs,  Wolf,  Bär),  *Hauken3es,  Hardanger  2,  233  'Askepotten  og 
bans  tjenere'  und  Liestöl,  Norske  trollvisor  1915  S.  87  'Askefisen 
som  freiste  soster  sin'.  Schwedisch  Runa  1844,  98  'Ole  Lur'  (erhält 
von  einer  Alten  Zauberhandschuhe  und  befreit  seine  drei  von  den 
Riesen  geraubten  Schwestern  aus  dem  Berge).  In  dem  schottischen 
Märchen  bei  Jamieson,  Illustrations  of  northern  antiquities  1814 
p  397  =  Jacobs,  English  f.  tales  1,  117  nr.  21  'Childe  Rowland' 
besiegt  der  jüngste  der  drei  Brüder,  der  sich  von  Merlin  beraten 
läßt,  den  Elfenkönig  im  Zweikampf  und  nötigt  ihn,  die  entführte 
Schwester  Ellen  und  die  versteinerten  Brüder  herauszugeben.1)  Da- 
gegen entrinnt  in  der  dänischen  Ballade  von  Rosmer  (Grundtvig, 
DFv.  2,  72  nr.  41.  Grimm,  Altdänische  Heldenlieder  S.  201.  Land- 
stad,  NFv.  nr.  5.  Hammershaimb,  Fseröiske  kvseder  nr.  16)  die  vom 
Meermanne  geraubte  Schwester  durch  List,  indem  sie  sich  in  der 
Goldkiste  verbirgt,  die  der  Meermann  dem  scheidenden  Schwager 
als  Geschenk  mitgibt.  Im  serbischen  Märchen  'Stojscha  und  Mladen' 
(Wuk  nr.  5  =  Leskien  S.  107  nr.  24)  läßt  sich  der  Held  zuerst  von 
seinen  Drachenschwägern  bewirten,  um  sie  dann  im  Verein  mit  dem 

l)  Einige  Zeilen  der  zugrunde    liegenden  Ballade    führt  der  wahn- 
sinnige Edgar  in  Shakespeares  'König  Lear'  III,  4  an: 

Childe  Rowland  to  the  dark  tower  came  .  .  . 

His  word  was  still:  'Fie,  foh  and  fum, 

I  smell  the  blood  of  a  british  man'. 
Auch  in  Peeles  Schauspiel  'The  old  wives'  tale'  (1595)  ziehen  zwei 
Brüder  Calypha  und  Thelea  aus,  ihre  von  Sacrapant  verzauberte  Schwester 
zu  erlösen.  Ebenso  in  Mi  Rons  Comus  (1631),  wo  ein  als  Schäfer  ver- 
kleideter Schutzgeist  den  Brüdern  ein  Kraut  gibt,  das  sie  gegen  den 
Zauberer  Comus  schützt. 


197.    D/e  Kristallkugel.  431 

Drachenkaiser  zu  töten.  Zbornik  jslav.  12,  139  nr.  27  (der  nach- 
geborene Bruder).  Auch  rumänische  (Schott  S.  85  nr.  1  'Der 
Kaiserin  Wundersohn'.  Kremnitz  nr.  14  'Der  arme  Junge')  und 
türkische  Märchen  (Künos,  Stambul  S.  95  'Der  Aschenbrödelsohn') 
berichten  von  solcher  Befreiung  der  entführten  Schwester.  Weiß- 
russisch:  &ejn  2,  149  nr.  70.  Federowski  1,  127  nr.  345.  1,  110  nr. 
338  (der  nachgeborene  Erbsensohn)  =  Dmitrijev  S.  152  =  Afanasjev 
1,  142  nr.  74  b.  Bomanov  3,  88  nr.  12  (Mutter).  Kleinrussisch  aus  Süd- 
ungarn: Etnograf.  Zbirnyk  25,  111  nr.  21  (drei  Drachen);  aus  Galizien 
ebd.  7,  32  nr.  33  (eine  Schwester  beim  Drachen),  Sadok  Baracz  S.  90 ; 
Rozdoljskyj  S.  21  nr.  7  (drei  böse  Geister  auf  drei  Glasbergen); 
teilweise  auch  Etnograf.  Zbirnyk  29,  140  nr.  17.  29,  152  nr.  20.  29, 
165  nr.  21;  Afanasjev  1,  141  nr.  74a;  Manzura  S.  18  nr.  18.  Groß- 
russisch bei  Bronicyn  1838  —  Afanasjev  1,  149;  Chudjakov  3, 
147  nr.  117.  3,  109  nr.  108  (der  nachgeborene  Sohn);  Zapiski  Kras- 
nojarsk  2, 115  nr.  29.  Slovakisch:  Nemcovä2,  58  nr.36  (ein  Fisch).  Grön- 
ländisch: Bink  p.  75  nr.  11  'Om  to  piger'  (Adler  und  Walfisch  von 
den  Brüdern  getötet;  in  nr.  13  'Brodrenes  besag  hos  deres  soster' 
ziehen  die  Brüder  heim,  ohne  ihre  Schwester  aus  der  Macht  des 
Menschenfressers  befreit  zu  haben).  In  den  1001  Nacht  übers,  von 
Habicht  12,  132  (Chauvin  5,  234  nr.  134  'Les  deux  princes  de  la 
Cochinchine  et  leur  soeur')  überwindet  Murad,  von  einem  dankbaren 
Geiste  beraten,  seinen  Schwager,  den  Zauberer  Abutawil,  welcher 
seinen  Bruder  Khanzad  in  einen  Hund  verwandelt  hat,  dreht  dem 
Vogel,  an  den  Abutawils  Leben  geknüpft  ist,  den  Hals  um  und 
zieht  mit  Bruder  und  Schwester  heim. 

In  einer  verwandten  Gruppe  handelt  es  sich  nicht  um  die 
Befreiung  der  Schwester,  sondern  um  die  der  Braut  sowie  der 
Brüder,  oder  der  Mutter.  Eine  holsteinische  Fassung  bei 
Müllenhoff  S.  404  nr.  7  =  Bechstein,  Märchenbuch  1874  S.  84  be- 
richtet 'vom  Manne  ohne  Herz',  einem  alten  Zauberer,  dessen  Leben 
in  einem  Vogel  in  einer  fernen  Kirche  steckt;  der  verwandelt  sechs 
Brüder  samt  ihren  Bräuten  in  Stein1)  und  nimmt  die  Braut  des 
daheim  gebliebenen  jüngsten  Bruders  zu  sich;  dieser  bemächtigt 
sich,  unterstützt  von  einem  dankbaren  Ochsen,  Wildschwein  und 
Greifen,    des  Vogels,    tötet    den  Riesen    und  zieht  mit  den  Erlösten 


*)  Die  Versteinerung  und  Entzauberung    durch    die  besiegte  Hexe 
selber  erinnert  an  den  Schluß  des  Brüdermärchens  (oben  1,  B54). 


432  197.    Die  Kristallkugel. 

davon.  Ähnlich  bei  Harten-Henniger  2,  46  'Vom  Zauberer,  der 
kein  Herz  im  Leibe  hatte.'  Siebenbürgisch  bei  Haltrich4  nr.  34 
'Von  den  zwölf  Brüdern,  die  zwölf  Schwestern  zu  Frauen  suchen' 
(Löwe,  Adler,  Fisch  helfen  den  Talisman  der  Hexe,  ein  Ei,  gewinnen). 
In  der  entstellten  waldeckischen  Fassung  bei  Curtze  S.  129 
nr.  22  'Die  sieben  Prinzessinnen  und  der  Zauberer'  offenbart  der 
Zwerg  selber  dem  Helden  das  Geheimnis  seiner  im  Ei  verborgenen 
Seele  und  wird  zu  einem  Prinzen  entzaubert.  —  Dänisch: 
Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  4,  89  nr.  15  'Troldens  hjaerte'  (sieben 
Brüder);  Skattegraveren  6,  230  'Troldens  hjserte'  (neun  Brüder)* 
11,  177  'Troldens  sjsel'  (zehn  Brüder);  Efterslaet  S.  115  'Bjaerg- 
mandens  hjaerte'  (zwölf  Brüder).  —  Schwedisch:  Allardt  nr.  129 
'Om  torparens  sju  söner'.  —  Norwegisch:  Asbjörnsen-Moe  nr.  36 
=  Bresemann  2,  58  'Von  dem  Riesen,  der  kein  Herz  im  Leibe  hatte' 
(sieben  Brüder;  Rabe,  Lachs,  Wolf)  =  Denhardt,  Norwegische 
Volksmärchen  und  Waldgeistersagen  1881  S.  44  =  Stroebe  2, 
119  =  Dasent  1859  p.  55.  —  Schottisch:  Macdougall  p.  63. 
—  Italienisch:  Weber  1900  nr.  2  'I  dodici  figlioli'.  — 
Rumänisch:  Schullerus,  Archiv  33,  578  nr.  89  'Fritz  der  tapfre, 
geboren  aus  Blumen'  (gewinnt  zwei  Eier  aus  Ente  und  Sau  und 
nötigt  den  Drachen,  der  seine  Mutter  geheiratet  hat,  den  versteinerten 
Vater  und  sein  Heer  zu  entzaubern ;  keine  dankbaren  Tiere ;  vgl. 
oben  1,  539).  —  Griechisch:  Geldart  p.  55  (der  Drache,  der  die 
Schwester  entführte,  hat  drei  goldene  Haare  am  Kopfe,  mit  denen 
man  das  Zimmer  mit  den  drei  Tauben,  an  die  sein  Leben  geknüpft 
ist,  öffnen  kann).  —  Serbokroatisch:  Wuk  nr.  8  'Der  Drache 
und  der  Kaisersohn'  (drei  Brüder;  Hunde,  Falke)  =  Leskien  S.  119 
nr.  26.  Valjavec  S.  154  =  Leskien  S.  204  nr.  46  'Ein  Bursche  erlöst 
zwölf  verwunschene  Mädchen'.  Kica  7,  nr.  26.  Ljetopis  mat  srpske 
147,  133  nr.  6  (Held  als  Löwe,  Vogel  und  Ameise,  tötet  einen 
Drachen,  in  dem  ein  Ei  steckt).  —  Bulgarisch:  Sbornik  min.  3, 
220  nr.  2  (Mutter  von  einem  Drachen  entführt;  in  seinem  Pelz  eine 
Dose  mit  drei  goldenen  Hühnchen).  —  Polnisch  aus  Posen: 
Hessische  Blätter  f.  Volkskunde  6,  94  nr.  8  'Der  Mann  ohne  Herz' 
(sieben  Brüder;  der  jüngste  holt  mit  Hilfe  eines  Ochsen,  Schweins 
und  Adlers  das  in  einer  von  Wasser  umgebenen  Kirche  aufgehängte 
Herz  des  Zauberers).  Kolberg,  Lud  14,  12  nr.  4  (Schwan Jungfrau 
bei  einem  Drachen;  Held  als  Löwe,  Hund,  Habicht  und  Ameise  über- 
wältigt den  Drachen,   Hasen,   die  Taube   und  findet  im  Ei   die   drei 


197.    Die  Kristallkugel.  433 

Schlüssel).  —  Kleinrussisch:  Etnogr.  Zbirnyk  4,  53.  29,  230 
nr.  32.  Aus  Gouv.  Kiev:  Öubinskij,  Trudy  2,  239  nr.  64.  —  Weiß- 
russisch: Romanov  6,  122.  130. 144 nr.  13 — 15.  —  Großrussisch: 
Chudjakov  3,  6  nr.  82  (der  jüngste  Sohn  befreit  die  vom  Winde  ent- 
führte Mutter  und  verbrennt  das  Sandkorn,  in  das  dieser  sich  ver- 
wandelt; wird  von  den  Brüdern  in  der  Unterwelt  zurückgelassen). 
Afanasjev  1,  217  nr.  93a  (die  entführte  Mutter  entlockt  dem  unsterb- 
lichen Koscej  sein  Geheimnis;  dankbarer  Wolf,  Rabe,  Hecht).  1,219 
nr.  93b  (Braut  von  Koscej  entführt;  Habicht,  Bär,  Hecht).  1,  224 
nr.  93c  (ähnlich;  Hund,  Adler,  Krebs).  Sadovnikov  S.  201  nr.  61. 
Zap.  Krasnojarsk.  2,  59  nr.  15  (Braut  entführt;  Ei  in  einer  Ente 
unter  einer  Eiche  am  Meer;  Hecht  hilft).  2,  132  nr.  31  (Mutter). 
—  Lettisch:  Weryho  S.  136  nr.  16  (treulose  Brüder).  — 
Magyarisch:  Mailath  1837  2,  133  'Pengö'  =  Kletke,  Märchen- 
saal 2,  12  (vgl.  oben  2,  504.  Pengös  ältere  Brüder  erlegen  den 
Geier  und  Eber  und  heiraten  die  von  diesen  umworbenen  Königs- 
töchter ;  Pengö,  dessen  Gattin  vom  spannenlangen  Mann  geraubt  wird, 
sucht  diesen  auf  und  bringt  sein  in  einem  Käfer  verborgenes  Leben 
mit  Hilfe  von  Wolf,  Adler  und  Rabe  an  sich).  —  Zigeunerisch: 
Miklosich  nr.  4  =  Groome  p.85  'The  seer'  (Mutter,  treulose  Brüder; 
Tötung  de3  Drachen  fehlt).  —  Türkisch:  Jubil.  Sbornik  Miller 
S.  218  nr.  96.  Hörn  Pascha,  Vom  märkschen  und  türkschen  Land 
1903  S.  251  'Vom  Teufel  Nietun  nagelfest'.  —  Tartarisch:  Sbornik 
Kavkaz.  13,  2,  317.  —  Imeretinisch:  Sbornik  Daskov.  3,  153 
(Mutter  vom  jüngsten  Sohne  befreit,  der  sich  am  Strick  hinab- 
läßt und  den  Entführer  mit  dessen  Schwert  tötet).  — 
Lappländisch:  Friis  nr.  17  —  Germania  15,  174  =  Poestion 
nr.  20  =  Kauffmann,  Balder  S.  138  'Der  Riese,  dessen  Leben  in 
einem  Hühnerei  verborgen  war'  (Bär,  Wolf,  Habicht,  Seetaucher 
helfen).  —  Samojedisch:  Castren,  Nordische  Reisen  4,  172  nr.  4 
(der  Held  nötigt  eine  Schwanjungfrau,  deren  Gewand  er  raubt,  den 
sieben  Brüdern  ohne  Herz,  die  ihm  die  Schwester  entführt  und  die 
Mutter  getötet  haben,  ihre  sieben  Herzen  zu  stehlen ;  sechs  Herzen 
wirft  er  zu  Boden  und  zwingt  den  noch  übrigen  ältesten  Bruder, 
seine  Mutter  w*ieder  zu  belebe  ).  —  Indisch:  Frere  nr.  1  'Punchkin' 
=  Passow  S.  31  =  Jacobs,  Indian  fairy  tales  nr.  4  (vgl.  oben 
S.  65.  Der  Sohn  der  siebenten  Prinzessin  befreit  seine  Mutter, 
seinen  versteinerten  Vater  und  seine  sechs  Oheime,  nachdem  ein 
dankbarer  Adler  ihn  zu  dem  Papagei  getragen,  an  den  des  Zauberers 

Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III.  28 


43-4  197.    Die  Kriatallkugel. 

Leben  geknüpft  ist) ;  vgl.  Clodd,  Folklore  Journal  2,  289.  The  Indian 
Antiquary  1,  170.  Knowles,  Kashmir  p.  43.  Day,  Bengal  p.  117. 
O'Connor,  Tibet  p.  154  (ohne  die  dankbaren  Tiere).  Parker, 
Ceylon  1,  186  nr.  24  'How  a  prince  was  chased  by  a  Yaksani, 
and  what  befel'  (Leben  im  Papagei).  Shaik  Chilli,  Folk-tales  of 
Hindustan  p.  105  (Parker  1,  277.     Vögel).     Minaef   nr.  10   (Cosquin 

1,  175).  —  Arabisch  aus  Ägypten:  Spitta-Bey  p.  12  nr.  2  'Histoire 
d'Ours-de-cuisine'  (der  listige  Mohammed  holt  die  Flasche,  in  der 
das  Leben  der  Dämonin  steckt,  sowie  die  Augen  seiner  Mutter  und 
der  39  andern  Frauen  des  Königs,  und  nötigt  die  Dämonin,  die 
Augen  wieder  einzusetzen;  als  er  ihr  dann  die  Flasche  reicht,  läßt 
sie  diese  aus  Angst  zu  Boden  fallen ;  vgl.  zu  den  ausgestochenen 
Augen  Parker,  Ceylon  1,  270  nr.  48  'The  seven  princesses'  und 
Frazer8  7,  2,  138).  —  Senegambien:  Equilbecq  2,  88  'Ntyi  vain- 
queur  du  boa'. 

Vermutlich  ist  die  Erzählung  von  den  Tierschwägern  hervor- 
gegangen aus  dem  einfacheren  Märchen  von  dem  im  Ei  ver- 
borgenen Leben  des  Unholds,1)  dessen  sich  der  Held,  der  zur 
Befreiung  einer  von  jenem  gefangen  gehaltenen  Jungfrau  ausgezogen 
ist,  bemächtigt,  indem  er  sich  entweder  mit  Hilfe  dankbarer  Tiere3) 
in  die  Gestalt  eines  Löwen,  Vogels  und  Fisches  verwandelt  (A1)  oder 
indem  diese  selber  (wie  oben  die  Tierschwäger)  auf  seinen  Ruf  herbei- 
eilen (A2).  Schlesisch  bei  Peter  2,  145  'Die  dankbaren  Tiere' 
(Riese,  Hund,  Adler,  Ameise.  A1);  norddeutsch  bei  Pröhle, 
KVm.  nr.  6  'Der  Mann  ohne  Leib'  (entstellt.  Löwe,  Hund,  Rabe, 
Ameise.  A1),  holsteinisch  bei  Wisser,  Grotmoder  2,  5  =  Plattdt. 
Vm.  S.  200  'Windhund,  Kreih  un  Migelrem'  (A1);  pommerisch 
bei  Jahn,  Volksmärchen  1,  340  nr.  62  'Der  Kaufmann  und  die  See- 
jungfrau' (Anfang  wie  unsre  nr.  181.  Vogel,  Maus,  Windhund,  Löwe. 
A1);  ostpreußisch  bei  Lemke  2,  204  'Der  Jäger  und  die  Schwanjung- 

*)  Vgl.  dazu  oben  1,  134.  2,  3401.  R.  Köhler  1,  158.  Cosquin  1, 
173.     Feilberg,    Ordbog    over  jyske  almuesmäl  1,  631a.    2,438b.     Chauvin 

2,  193.  5,  176.  Steel-Temple,  Wide  awake  stories  p.  404.  Parker,  Ceylon 
1,  166.  2, 168.  Ciouston,  Populär  tales  1,  347.  2,  145.  Jones-Kropf,  Magyars 
p.  400.  Macculloch,  Childhood  of  fiction  p.  118  'The  separable  soul'. 
Frazer,  The  golden  bough2  3,  351  =  3.  edition  7,  2,  95—152  'The  external 
soul  in  folk-tales'  (1913).  F.  Kauffmann,  Balder  1902  S.  137.  G-.  A. 
Wilken,  Verspreide  Geschritten  3,  289.  551  (1912). 

2)  Gewöhnlich  teilt  er  ein  gefallenes  Tier,  um  das  sie  streiten, 
unter  sie  oder  speist  sie  oder  errettet  sie  aus  Lebensgefahr,  wie  oben  2,  22. 


197.    Die  Kristallkugel.  435 

frau'  (A1);  posensch  bei  Konrad  S.  35  'Prinz  Wilhelm'  (Löwe,  Adler, 
Ameise.  A1).  —  Vlä misch:  Wolf,  DMS.  nr.  20  'Ohneseele'  (Fliege, 
Adler,  Bär,  Löwe.  A1).  Joos  2,  3  nr.  1  'Van  den  vrouwenfretter' 
(A1).  3,  87  nr.  29  'Van  Ronkaard'  (A1)  =  Teirlinck  p.  73.  De  Mont 
en  de  Cock,  Wondersprookjes  nr.  1  'De  man  zonder  ziel'  (A2).  — 
Dänisch:  Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  17  'Troldens  hjterte  og 
svenden  i  dyrenes  hamme'.  Grundtvig,  Folkeaev.  2,  148  nr.  12 
'Skomagerdrengen'  =  Leo-Strodtmann  2,  194  (Hund,  Bär,  Falke, 
Ameise.  A1).  Berntsen  1,  88  nr.  10  'Askepot'  (Wolf,  Rabe,  Fisch. 
A2).     1,  229  nr.  29  'Fiskerens  son'  (Löwe,  Hund,  Falke.   A1).     Kamp 

1,  221  zu  nr.  8.  Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  3,  103  nr.  21  'De  to 
brodre'  (Anfang  wie  unsre  nr.  60.  Löwe,  Falke,  Hund,  Ameise.  A1). 
Kristensen,  Fra  Bindestue  1,23  nr.  4  'Love,  falk,  hund  og  orm'  (A1). 

2,  30  nr.  5  'Fuglen  med  guldnaal  i  kraasen'  (Löwe.  Falke,  Hund, 
Ameise.  A1).  Skattegraveren  1,  98  'Dyrenes  gaver'  (verbunden  mit 
nr,  181.  Löwe,  Hund,  Falke,  Maus.  A1).  4,  18  'Dyrenes  gaver' 
(Löwe,  Hund,  Rabe.  A1).  4,  24  'Love,  falk  og  mynde'  (unsichtbare 
Bettgenossin  beleuchtet,  vgl.  oben  2,  269).  12,  87  'Hans  fiskersön' 
(ebenso).  12,  106  'Love,  and  og  myre'  (Fuchs  gewährt  die  drei 
Tierverwandlungen  für  seine  Rettung  vor  den  Hunden).  Kristensen, 
Fra  Mindebo  S.  44  'Mit  ophold  paa  det  foronskede  slot'  (Bettgenossin 
beleuchtet.  Hund,  Falke,  Löwe.  A1).  —  Schwedisch:  In  einer 
'Plistoria  om  konungasonen,  som  künde  förskapa  sig  tili  läjon,  björn, 
hynda,  falk  ock  myra',  die  Ahlström,  Sv.  landsmälen  11,  1,  89  aus 
einer  Hs.  von  1702  veröffentlicht  hat,  teilt  Prinz  Alexander  einen 
Büffel  unter  einen  Löwen,  Bären,  Hund,  Falken  und  Ameise,  fliegt 
als  Falk  in  die  Kammer  der  Königstochter,  wird  ihr  vermählt,  muß 
sie  dann  aber  aus  dem  Berge,  in  den  sie  ein  Troll  entführt,  befreien 
und  ein  Steinchen  holen,  das  in  einer  Taube,  einem  Hasen  und 
einem  Drachen  steckt;  als  er  dies  auf  den  Berg  schleudert,  wird 
dieser  zu  einem  Palast,  der  Troll  wird  entzaubert  und  heiratet  eine 
Schwägerin  des  Helden.  Nicolovius,  Folklifwet  i  SkyttsHärad  1847 
S.  34  'De  tolf  feta  galtarna'.  Henriksson  S.  24  'Läjonet,  vildhunden, 
falken  ock  myran'.  Bondeson,  Sv.  folksagor  nr.  22  'Pojken,  som 
künde  skapa  sig  tili  läjon  och  korp  och  myra'.     Afzelius,  Sagohäfder 

3,  143  'Läjon,  varg,  örn\  Lindskoug  nr.  2  'Draken  i  Frankrike' 
(Ameise,  Rabe,  Hund,  Wolf)  =  Folkminnen  och  folktankar  2,  145. 
Aberg  nr.  180  'Skräddarepojken,  som  kom  sig  tili  en  prinsessa' 
(Löwe,  Schwan,  Hase,  Hund,  Ameise).  Allardt  nr.  127  'Skräddarepojken, 

28* 


436  197.    Die  Kristallkugel. 

som  frälste  prinsessan  frän  trollet'  (Löwe,  Hund.  Schwan,  Ameise). 
Hackmans  Register  nr.  302.  —  Norwegisch:  Asbjörnsen  nr.  70 
'Gutten,  som  gjorde  sig  til  love,  falk  og  myre'  =  Dasent  1874  p.  223. 
Janson,  Sandeherad  nr.  10.  Löland  p.  1  'Dyrestyrk  og  dyremod' 
(Bär,  Wolf,  Fuchs,  Ameise,  Falke).  Braset,  Hollraöventyra  S.  231 
'Kusin,  som  itt  ha  naakkaa  hjart'  (Ente,  Lachs).  S.  257  'BsergtraaDe, 
som  ha  a?g  ti  siun  brors  liv  i  Aengellann'.  —  Isländisch: 
Rittershaus  S.  162  nr.  37  'Die  hilfreichen  Tiere'  (Vögel,  Hunde, 
Rinder;  Lebenseier  der  13  Riesinnen).  S.  36  nr.  8  'Rautüboli'  (der 
Stier,  der  dem  Helden  das  Lebensei  des  Riesen  gewinnen  hilft,  ist 
ein  verzauberter  Königssohn).  Bei  Arnason  2,  431  =  Poestion  S.  49 
=  Rittershaus  S.  173  nr.  41  'Der  von  Riesinnen  geraubte  Königs- 
sohn', vgl.  Maurer  S.  277,  wird  der  geraubte  Prinz  Hlini  von  der 
Bauerntochter  Signy  in  der  Höhle  aufgesucht  und  fragt  auf  ihren 
Rat  die  Riesin  nach  ihrem  Lebensei;  mit  Signy  zusammen  fährt  er 
auf  dem  Zauberbette  zum  Walde  und  zerbricht  das  Ei.  —  Schottisch: 
Campbell  1,  1  nr.  1  'The  young  king  of  Easaidh  Ruadh'  =  Brueyre 
p.  71;  vgl.  R.  Köhler  1,  158  (Hund,  Habicht  und  Otter  helfen  dem 
Könige  das  Lebensei  des  Riesen  gewinnen,  der  seine  Gattin  entführt 
hat).  Campbell  1,  72  nr.  4  'The  seamaiden'  =  Jacobs,  Celtic  f.  tales 
1,  144  nr.  17  =  Brueyre  p.  84;  vgl.  R.  Köhler  1,  175  (verbunden 
mit  unsrer  nr.  181  und  dem  Motiv  des  Lebenswahrzeichens  im 
Brüdermärchen,  oben  1,  545.  Hund,  Falke,  Otter;  in  andern 
Fassungen  Löwe,  Wolf,  Falke  oder  Fuchs,  Wolf,  Krähe).  Curtin, 
Myths  of  Ireland  p.  78  'Fair,  Brown  and  Trembling'  =  Jacobs  1, 
169  nr.  19  (oben  1,  172.  Verblaßt).  Mac  Innes  1890  p.  95  nr.  4 
'The  herding  of  Cruachan'  (Habicht,  Ente,  Fuchs,  Otter).  Macdougall 
1891  p.  76  'The  bare-stripping  hangman'  (p.  107.  284.  Hund,  Otter, 
Falke.  A2).  —  Bretonisch:  Troude  et  Müin  1870  p.  261  'Le 
corps-sans-äme  (Löwe,  Tiger,  Wolf,  Bär,  Fuchs,  Ameise,  Rabe).  Luzel, 
Contespop.  1,427  'Le  corps-sans-äme'  (Ameisen,  Fisch).  Luzel,  Cinquieme 
rapport  p.  10  'Le  poirier  aux  poires  d'or  et  le  corps-sans-äme'  (Archives 
des  missions  scientifiques  7, 101.  1871.  Vgl.  oben  2,  304).  Luzel,  Veillees 
bretonnes  p.  105  'Le  pecheur  qui  vendit  son  äme  au  diable'  (Mabik 
und  die  in  eine  Eselin  verwandelte  Prinzessin).  Sebillot,  Contes  de 
la  Haute-Bretagne  1,  61  nr.  9  'Le  geant  aux  sept  femmes'  (Wolf, 
Ameise,  Vogel).  2,  126  nr.  24  'Le  corps-sans-äme'  (die  hilfreichen 
Tiere  fehlen).  —  Französisch:  Cosquin  1,  166  nr.  15  'Les  dons 
des  trois  animaux'    (Löwe,   Adler,    Ameise).     °    128  nr.  50    'Fortune' 


197.    Die  Kristallkugel.  437 

(Wolf,  Adler,  Ameise).  Carnoy,  Contes  francais  p.  275  'Le  corps- 
sans-äme,  ou  le  lion,  la  pie  et  la  fournii'  =  Romania  8,  240.  Dardy 
2,  223  nr.  61  'La  fourmi,  l'aigle  et  le  lion'.  —  Italienisch:  Andrews 
nr.  46  'Corps-sans-äme'  (Löwe,  Hund,  Adler,  Ameise).  Comparetti  nr.  32 
'La  nuvolaccia'  (Löwe,  Adler,  Ameise)  =  Crane  p.  30,  und  nr.  55  'La 
vedova  e  il  figliuolo'  (Bettgenossin  beleuchtet.  Hund,  Löwe,  Adler, 
Ameise).  Visentini  nr.  37  'Pietro  il  buon  soldato'  (Löwe,  Tiger,  Hund, 
Fuchs,  Gans,  Ameise).  Coronedi-Berti  1883  nr.  12  'La  tor  d'Fedelcina' 
(unsre  nr.  129  und  93.  Löwe,  Adler,  Ameise).  Imbriani,  Nov.  fior. 2 
nr.  26  'Zelinda  e  il  mostro'  —  Crane  p.  7  (oben  2,  243.  Keine  dank- 
baren Tiere).  Busk  p.  168  'How  Cajusse  was  married'  (keine  Tiere)  = 
Clouston  1,  314.  Finamore  1,  1,  87  nr.  19  'Lu  fijje  de  lu  marenare' 
(Löwe,  Ameise,  Taube).  Gubernatis,  St.  Stefano  nr.  23  'La  fanciulla 
e  il  mago'.  Gonzenbach  nr.  16  'Von  dem  Kaufmannssohne  Peppino' 
(vgl.  oben  2,  269.  Keine  Tiere;  entstellt);  vgl.  Zs.  f.  Volkskunde 
6,  66.  Pitre,  Fiabe  sie.  2,  214  nr.  81,  Variante  'La  lanterna'  =  La 
lanterna,  ed.  F.  Sabatini  1878  (Ameise,  Adler,  Löwe).  Pitre  2, 
216  nr.  82  'Lu'mperaturi  Scursuni'  (keine  Tiere)  =  Kaden  S.  211. 
—  Katalanisch:  Haspons,  Rondallayre  1,  72  'Lo  fill  del  pescador' 
(beleuchtet  im  Zauberschloß  die  Bettgenossin  wie  oben  2,  269,  erhält 
von  ihr  die  Gabe,  sich  in  eine  Ameise  oder  Taube  zu  verwandeln, 
und  holt  den  Edelstein  aus  dem  Kopf  einer  Schlange).  Alcover  2, 
219  'Es  fig  des  pescador'  (Löwe,  Hund,  Falke,  Ameise).  —  Baskisch: 
Vinson  p.  84  'Malbrouc'  (Wolf,  Hund,  Habicht,  Ameise.  A1)  = 
Webster  p.  80.  Cerquand  4,  62.  67.  72.  —  Griechisch:  Hahn 
nr.  64  'Der  starke  Hans'  (Leben  des  Zauberers,  der  des  Helden  Frau 
entführt  hat,  in  einer  zehnköpfigen  Schlange;  keine  Tiere)  und  die 
Varianten  2,  260  und  275.  —  Albanesisch  aus  Sicilien:  Pitre, 
Cartelli  1913  p.  429  nr.  11  'L'uccisione  dell'orco'  (drei  Feen).  — • 
Rumänisch:  S^äinenu  p.  666  'Tipulü  Dalila'.  —  Slovenisch: 
Nar.  pripov.  Sosk.  3,  41  nr.  4  'Der  Deserteur'  =  Gabrscek  S.  339 
nr.  44  (Adler,  Bär,  Hund,  Ameise).  —  Serbokroatisch: 
Zbornik  jslav.  17,  167  =  Leskien  S.  177  nr.  39  'Der  Schwieger- 
sohn aus  der  Fremde'.  —  Bulgarisch:  §apkarev  8 — 9, 
374  nr.  227  (Ameise,  Löwe,  Adler).  9,  400  nr.  243  (neun 
Herzen  im  Eber,  darunter  das  des  Unholds).  —  Slovakisch: 
Rimauski  S.  36  =»  Dobsinsky  5,  51  =»  Wenzig  S.  182 
'Das  Sonnenroß'  (Kampf  zweier  Zauberer;  keine  Tierverwandlung). 
Dobsinsky  7,    75   (Löwe,    Windhund,    Rabe).     Nemcovä,    Slov.  2,  61 


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(Löwe,  Windhund,  Rabe).  —  Cechisch  aus  Böhmen:  Pfihoda 
nr.  1  (Löwe,  Krähe,  Maus).  Aus  Mähren:  Kulda  3,  217  (Löwe,  Hund, 
Adler).  4,  34  (Löwe,  Fuchs,  Adler;  vgl.  Archiv  f.  slav.  Phil.  19, 
241).  4,  87  (Löwe,  Windhund,  Habicht,  Ameise).  Pfikryl  S.  311 
(Löwe,  Windhund,  Habicht,  Ameise ;  Drache,  Hase,  Taube,  Korn).  — 
Polnisch:  Ciszewski,  Krakowiacy  1,  nr.  49  (Archiv  17,  573).  Kol- 
berg, Lud  3,  133  nr.  9.  Malinowski  2,  193  (Löwe,  Hund,  Ameise, 
Adler).  —  Kleinrussisch:  Öubinskij  2,  178.  248.  Chodzko  p.  205 
'L'esprit  des  steppes'.  —  Weißrussisch:  Glihski  1,  90  =  Erben 
104.  Romanov  3,  72  nr.  8.  6,  2.  122.  144.  222.  226.  343.  —  Groß- 
russisch: Deduskiny  progulki  1819  S.  13  =  Afanasjev3  1,  229  = 
Dietrich  S.  15  nr.  2  Won  der  höchst  wunderbaren  und  herrlichen 
selbstspielenden  Harfe'  =  Vogl  1 ;  metrisch  bei  Gaudy,  Sämtliche 
Werke  1844  16,  50  'Die  selbstspielende  Harfe'.  Afanasjev3  1,  217 
nr.  93  —  v.  Löwis  S.  160  nr.  29  'Der  unsterbliche  Koschtschej'  = 
Ralston  p.  100  =  Curtin,  Myths  of  the  Russians  p.  106.  Afanasjev  1, 
245  nr.  97  'Der  Kristallberg'  (ohne  hilfreiche  Tiere).  2,  158.  Sadov- 
nikov  p.  199  nr.  61.  Oncukov  S.  267  nr.  107.  Zap.  Krasnojarsk.  1, 
85  nr.  43.  —  Litauisch:  Kartowicz  S.  96  nr.  66  (unter  dem  Bett 
des  Vaters  der  Prinzessin  steht  die  Kiste  mit  Hasen,  Ente,  Ei). 
Dowojna  Sylwestrowicz  1,  313.  2,  355  (Löwe,  Windhund,  Falke, 
Ameise).  —  Finnisch:  Krohn-Lilius  2,  255.  Suomi  2,  8,  240. 
263.  2,  14,  52.  2,  16,  218.  Aarnes  Register  nr.  302.  —  Ungarisch: 
Rona-Sklarek  2,  226  nr.  22  'Cserneki'  (keine  Tiere).  Busk,  Folklore 
of  Rome  p.  167  (Iatvan  und  der  Zwergenkönig).  Klimo  p.  136 
'L'arbre  merveilleux'  =  Revue  des  trad.  pop.  12,  472.  —  Zigeune- 
risch: Wlislocki,  Volksdichtungen  S.  274  nr.  40  (Wolf,  Bär,  Fuchs). 
—  Armenisch:  Sbornik  Kavkaz.  24,  2,  260  nr.  38  (dankbare 
Krähen  und  Greife;  Seele  in  einer  Blase  im  Kopf  eines  Hirsches). 
Macler  p.  18  nr.  1.  —  Kürinisch:  Sbornik  Kavkaz.  14,  2,  208 
(Wolf).  —  Mingrelisch:  Mourier  p.  56  —  Wardrop  p.  118 
'Geria  the  poor  man's  son'  (keine  Tierverwandlung).  —  S  artisch: 
Ostroumov  2,  86  (Herz  in  einer  Taube  im  zehnten  der  vergrabenen 
Koffer).  —  Tatarisch:  Radioff  3,  597  'Säipül  Mälik'  (erweckt 
S.  661  die  gefangene  Jungfrau,  indem  er  die  Zaubertafel  weg- 
nimmt wie  oben  2,  198  bei  Musäus,  und  tötet  S.  671  den 
Zauberer,  dessen  Leben  in  einer  Taube  in  einem  ins  Meer  ver- 
senkten Kasten  liegt).  6,  131  'Säipül  Mülük'  (Taube  im  Kasten). 
4,     81      'Kara     Kököl'      (befreit     seine     vom    Zauberer      gefangene 


197.    Die  Kristallkugel.  439 

Schwägerin,  ohne  von  seiner  Verwandlungskunst  in  Tiere  Ge- 
branch zu  machen;  dazu  Motive  aus  dem  Brüdermärchen  nr.  60); 
vgl.  4,  502  'Chosha  Sultan'  (gewinnt  durch  dankbare  Tiere  das 
steinerne  Herz  seiner  erzürnten  Geliebten  wieder;  oben  2,  340).1) 
Schiefner.  Heldensagen  der  Minussinsehen  Tataren  1859  S.  175.  364. 
XXV.  —  Indisch:  Leitner,  Languages  of  Dardistan  3,  8  (Cosquin  1, 
174.  Seele  im  Schnee).  Stokes  p.  260  nr.  11  'Brave  Hiralalbasa'  (keine 
dankbaren  Tiere ;  Leben  im  Vogel).  Steel-Temple  p.  59.  Bompas 
p.  224  nr.  73.  O'Connor  p.  103  nr.  16  'The  prince  and  the 
ogre's  Castle'  (der  Held  erfährt  von  der  gefangenen  Prinzessin, 
wie  er  den  Unhold  enthaupten  und  den  Knaben,  in  dem 
sein  Leben  verborgen  ist,  erstechen  kann ;  dann  belebt  er  die 
Mensehen,  deren  Herzen  der  Unhold  gefressen  hat).  —  Arabisch: 
1001  Nacht  übers,  von  Henning  13,  59  'Seif  el-Mulük  und  Badiat 
el-Dschamäl'  (S.  102  die  Seele  des  Dschinni  im  Sperling  in  einer  ins 
Meer  versenkten  Büchse,  durch  den  Ring  Salomos  heraufgeholt) ; 
vgl.  Chauvin  7,  64,  der  persische,  türkische,  tatarische,  indische  und 
malaiische  Übersetzungen  anführt.  In  einer  andern  Geschichte 
derselben  Sammlung  (Habicht  12,  189;  vgl.  Chauvin  5,  175  'Benazir') 
entdeckt  die  gefangene  Prinzessin  aus  den  Zauberbüchern,  daß  das 
Leben  des  Dämons  an  seinen  Säbel  geknüpft  ist,  und  tötet  ihn 
selber.  —  Mauritius:  Baissac  p.  358  'Corps-sans-äme  et  Colle-des- 
coeurs'  (Peur-de-rien  erhält  vom  Löwen  und  Papagei  die  Verwand- 
lungsgabe und  bemächtigt  sich  des  im  Ei  enthaltenen  Lebens  des 
Zauberers,  der  seine  Gattin  entführt  hat).  —  Sudan:  Monteil  p.  150 
'Les  trois  insatiables'  (der  König  stirbt,  als  der  Held  ihm  sagt,  sein 
Leben  sei  in  dem  und  dem  Kästchen  verborgen).  —  Kabylisch: 
Puviere  p.  187  'Moh'amed  ben  Soltan'  (der  Unhold  offenbart  dem 
Helden  selber,  daß  sein  Schicksal  in  einem  Ei  stecke). 

Die  Vorstellung  von  der  außerhalb  des  Leibes   in  einem  Ei 
(doch    auch    in    einem    Kästchen,   Edelstein,    Halsband,    Schwert,    in 


x)  Im  großrussischen  Märchen  bei  Afanasjev3  2,  91  nr.  128a  muß 
der  Held  die  verborgene  Liebe  der  Schwan  Jungfrau  ebenso  aus  Eiche, 
Koffer,  Hase,  Ente,  Ei  holen;  als  die  Schöne  das  Ei  verzehrt,  entbrennt 
sie  in  Liebe  zu  dem  Jüngling.  Ahnlich  ebd.  2,  156  nr.  150  b  (Erosch- 
prinzessin.  Stier,  Ente,  Ei;  es  helfen  Bär,  Habicht,  Hecht).  Zap. 
Krasnojarsk.  2,  200  nr.  48.     Weißrussisch:  Federowski  2,  213  nr.  199. 


440  197.    Die  Kristallkugel. 

einer  Biene,  einem  Vogel,  Fisch,  Baum)  verborgenen  Seele,1) 
die  den  Besitzer  gegen  Hieb  und  Stich  unüberwindlich  macht, 
begegnet  uns  schon  im  altägyptischen  Brüdermärchen  (oben  3,  33. 
Zs.  f.  dt.  Mythologie  4,  232.  Wiedemann,  Altägyptische  Sagen  1906 
S.  58.  Maspero,  Contes  pop.  de  l'Egypte  ancienne  1889  p.  5.  Flinders 
Petrie,  Egyptian  tales  2,  36).  Hier  erfährt  der  König  durch  das 
Weib  des  Bata-u,  daß  dieser  sein  Herz  in  der  Spitze  der  Akazien- 
blüte versteckt  hat,  und  läßt  den  Baum  umhauen ;  aber  Anepu,  der 
ältere  Bruder  des  Getöteten,  legt  das  Herz  in  Wasser,  da  lebt  Bata-u 
wieder  auf.  An  die  Einschachtelung  in  mehrere  Tierleiber 
erinnert  die  Einschachtelung  des  Zauberbuches  in  sechs  Kisten  im 
ägyptischen  Märchen  von  Setna  (Wiedemann  S.  125.  Maspero  p.  177). 
Verwandt  ist  die  Verknüpfung  eines  Menschenlebens  mit  einem 
bestimmten  Baume  (Mannhardt,  Wald-  und  Feldkulte  1,  45.  2,  23) 
oder  mit  einem  dem  Feuer  entrissenen  Holzscheite,  wie  in  der 
griechischen  Sage  von  Meleager,  den  seine  Mutter  tötet,  indem  sie 
das  Scheit  verbrennt  (Röscher,  Mytholog.  Lexikon  2,  2,  2591.    Rhein. 


*)  In  dem  oben  S.  432  angeführten  siebenbürgischen  Märchen 
Haltrichs  nr.  34  enthält  das  Ei  ein  brennendes  Lebenslicht  (vgl.  oben 
1,  388);  im  slovinzisclien  bei  Lorentz,  Texte  S.  93  nr.  93  muß  der  Held 
das  Feuer  im  Entenei  auslöschen;    im    arabischen    bei  Desparmet,    Blida 

1,  363  mehrere  Kerzen.  —  Das  Leben  steckt  in  einem  Edelstein  (Busk, 
Borne  p.  165.  Jülg,  Siddhi-Kür  S.  110  nr.  12.  Steinchen  im  Schwert, 
albanisch:  Truhelka  1,  62),  Messer  (karatschaisch :  Sbornik  Kavkaz.  21, 

2,  76  nr.  10),  in  der  Säule  (Knowles,  Kashmir  p.  134),  in  einer  Biene 
(Knowles  p.  383),  im  Fisch  (Grundtvig,  Folkesev.  1,  36  =  Leo  1,  45. 
Ossetisch:  Sbornik  Daskov  1,  136  nr.  4),  in  einer  zwölfköpfigen  Schlange 
(Castren,  Ethnolog.  Vorlesungen  über  die  altaischen  Völker  S.  228),  in 
einem  Vogel  (serbokroatisch:  Bosanska  Vila  9,  300.  1894.  Vuk  S.  8  = 
Ostojic  S.  177.  Desparmet,  Blida  1,  363),  im  dreibeinigen  Pferde  oder 
in  der  lahmen  Ziege  (Bos.  Vila  6,  124.  12,  332),  im  goldenen  Widder 
oder  Hasen  (mongolisch:  Bennigsen  S.  85.  94)  usw.  —  Im  magyarischen 
Märchen  bei  Erdelyi  3,  nr.  4  =  Jones-Kropf  p.  205  =  Klimo  p.  248  sind 
zwei  Käfer  in  der  Taube  eingeschachtelt;  der  schwarze  ist  die  Kraft 
der  Hexe,  der  leuchtende  ihr  Leben.  Im  burjatischen  (Balagan.  Sbornik 
S.  56)  hat  ein  Held  sogar  drei  Seelen,  die  eine  in  einer  Elster,  die 
zweite  in  einem  Tempel,  wo  dreizehn  Wachteln  sitzen,  die  dritte  im 
weißen  Steine  im  See,  worauf  ein  silberner  Hase  sitzt;  die  Seelen  eines 
andern  Helden  stecken  in  drei  Fischen  in  einer  Grube  im  Tempel,  in 
einem  Hunde  und  einem  Hasen.  Im  altaischen  Märchen  bei  Castren, 
Vorlesungen  S.  173  hängen  die  Brüder,  bevor  sie  sich  schlafen  legen, 
ihre  Herzen  auf  einen  Baum. 


197.    Die  Kristallkugel.  441 

Museum  49,  57.  310.  Kauffmann,  Balder  S.  164).  Das  Leben  des 
Riesen  steckt  in  einem  neueren  indischen  Märchen  (Indian  Antiquary 
22,  249  'The  prince  and  the  Kambals')  in  drei  Palmen,  in  einem 
mongolischen  (ßennigsen  S.  84)  in  einer  Pappel.  In  den  101  nuits 
p.  124  'Histoire  d'etoile  de  lumiere'  kann  der  Ifrit  nur  durch  ein 
Schwert  aus  Bambusholz  getödtet  werden.  In  der  persischen 
Heldensage  (Firdusi  übersetzt  von  Schack  1865  S.  423)  führt  der 
Wundervogel  Simurg  den  Helden  Rüstern  zu  einer  fernen  Ulme,  an 
die  das  Leben  seines  Feindes  Isfendiar  gebunden  ist,  und  unter- 
weist ihn : 

—  'Brich  nun  sogleich 

Von  diesem  Banm  den  längsten,  stärksten  Zweig! 

Geheftet  ist  an  ihn  Isfendiars  Leben 

Und  so  der  Feind  in  deine  Hand  gegeben. 

Im  Feuer  mußt  du  härten  diesen  Ast, 

Zwei  Eisenspitzen  sei'n  ihm  angepaßt 

Und  an  den  Schaft  drei  Federn  festgeheftet, 

Dann  ist  Isfendiar  wider  dich  entkräftet.' 

Wenn  hier  der  Gegenstand,  in  welchem  Isfendiars  Leben  ruht,  als 
Waffe    gegen    ihn  gekehrt   wird,1)    so  kann  man  damit  mehrere  der 


l)  Frazer  und  Kauffmann  ziehen  die  isländische  Gestaltung  der 
vielnmstrittenen  Balder- Sage  hierher,  nach  der  Loki  von  Frigg  erfährt, 
daß  dem  Balder  nichts  schaden  könne  außer  dem  Mistelzweige,  dem  sie 
nicht  wie  allen  andern  Dingen  einen  Eid  abgenommen  habe,  ihrem  Lieb- 
linge kein  Leid  zuzufügen.  Loki  macht  darauf  aus  dem  Mistelzweige 
einen  Pfeil,  den  der  blinde  Höder  auf  Balder  abschießt  (Gylfaginning 
c.  49;  Snorra  Edda  1,  172.  Gering,  Edda  S.  343).  Beide  Gelehrte  ver- 
muten nämlich,  daß  ursprünglich  in  dem  Mistelzweige  Balders  Seele  ver- 
borgen war,  während  F.  v.  d.  Leyen  (Das  Märchen  in  den  Göttersagen 
der  Edda  1899  S.  22.  Deutsches  Sagenbuch  1,  119.  1909)  gleich  andern 
in  dem  Mistelzweige  einen  mißverstandenen  Schwertnamen  Mistelteinn 
erblickt,  da  in  der  dänischen  Fassung  bei  Saxo  Grammaticus  (Buch  3 
p.  70  ed.  Holder  =  Herrmanns  Übersetzung  1,  89.  Olrik,  Kilderne  til 
Sakses  Oldhistorie  1,  13)  Balder  nur  durch  Mimings  Schwert  fallen 
kann;  mitgewirkt  habe  der  Märchenzug  von  dem  übersehenen  Gegen- 
stand, der  dem  Helden  verderblich  wird,  wie  die  Spindel  dem  Dorn- 
röschen (oben  1,  440),  der  Besen  hinter  der  Tür  der  schönen  Angiola 
(Gonzenbach  nr.  53j,  der  vergessene  Hahn  dem  bauenden  Teufel  (Wenzig 
S.  176).  —  Minder  einleuchtend  erscheint  v.  d.  Leyens  Ansicht  (Sagen- 
buch 1,  50),  die  auch  C.  W.  v.  Sydow  (Danske  Studier  1914,  113  = 
Folkminnen  och  Folktankar  1,  113)  vertritt,  daß  das  Märchen  vom  Riesen 
ohne  Seele  der  Hymiskvipa  (Gering,  Edda  S.  28)  zugrunde  liege;  denn 


442  197.    Die  Kristallkugel. 

oben  erwähnten  Fassungen  (dänisch,  schwedisch,  lothringisch,  italienisch, 
slovenisch,  cechisch,  litauisch)  vergleichen,  in  denen  der  Held  das 
Lebensei  auf  dem  Kopfe  des  Unholds  zerschlägt;  doch  mag  auch  die 
Überlegung  mitgewirkt  haben,  daß  es  für  einen  Helden  geziemender 
sei,  seinem  Feinde  einen  Streich  aufs  Haupt  zu  versetzen,  als  ihn 
aus  der  Ferne  durch  Zerdrücken  seines  Herzens  zu  töten.1)  In 
Zigeunermärchen  (Wlislocki,  Volksdichtungen  S.  203.  277)  wird  das 
Lebensei  ins  Wasser  oder  Feuer  geworfen,  wie  sonst  auch  das 
Schwert,  in  dem  das  Leben  des  Helden  steckt  (bulgarisch  Sbornik 
min.  6,  3,  171;  Sprostranov  S.  19;  armenisch  Macler  p.  37;  indisch 
Steel-Temple  p.  63  =  Cosquin  1,  25  ;  Parker  1, 164).  Der  slovakische 
Held  dagegen  trinkt  das  Ei  aus,  um  dadurch  die  Kraft  des 
Zauberers  zu  erhalten,  während  dieser  schwach  wie  ein  Kind  wird 
(Rimauski  S.  36  =  Dobsinsky  5,  51;  ähnlich  Rimauski  S.  19  —  Dob- 
sinsky 6,  50  =  Nemcovä  Slov.  ed.  Tille  1,  208),  oder  er  verzehrt  zu 
gleichem  Zwecke  das  Herz  des  Täuberichs  (Sbornik  mus.  slov.  spol. 
18,  85).  In  einer  Erzählung  der  Armenier  in  der  Bukowina  (Wlislocki 
1891  S.  7  =  Veckenstedts  Zs.  f.  Volkskunde  2,  26)  stirbt  der  goldene 
Vogel,  der  des  Riesen  Leben  enthält,  als  der  Held  aus  seinem 
Brunnen  trinkt;  in  einem  Blaubartmärchen  der  Zigeuner  (Wlislocki, 
Volksdichtungen  S.  335)  stirbt  der  Zauberer,  als  er  von  seiner  Lebens- 
kröte ißt,  die  ihm  seine  dritte  Frau  gebraten  vorsetzt,  statt  sie  zu 
füttern 

Das    Motiv    gelangt    noch   in    andern   Verbindungen    zur  Ver- 
wendung.     So    kommt    in    einer    dänischen    Sage    bei    Thiele  1,   8 


Hymir,  an  dessen  Stirn  Thor  den  Becher  des  Riesen  zerschmettert, 
verliert  zwar  auf  diese  Weise  seinen  geliebten  Becher,  bleibt  aber  selber 
am  Leben. 

*)  In  einem  Florentiner  Märchen  (Imbriani,  Novellaja  fior.3  p.  9  = 
Monnier  p.  362)  läßt  sich  die  geraubte  Jungfrau  vom  Orco  dessen  Lebensei 
zeigen  und  schlägt  ihn  auf  die  Hand,  daß  das  Ei  hinfällt  und  zerbricht. 
Bei  Pineau,  Contes  du  Poitou  p.  88  stirbt  das  Untier,  als  ihm  ein 
Spinnenei  [!]  auf  den  Kopf  fällt.  Eine  weitere  Entstellung  ist  es,  wenn 
in  deutschen  Märchen  bei  Curtze,  Waldeck  S.  129  'Die  sieben  Prin- 
zessinnen und  der  Zauberer';  Pröhle,  KVM.  S.  24  'Der  Mann  ohne  Leib'; 
Wolf,  DHM.  S.  96  'Der  graue  Wackenstein'  durch  das  Zerbrechen  des 
Eies  ein  verwünschter  Prinz  oder  eine  Jungfrau  erlöst  wird.  Bei 
Asbjörnsen-Moe,  Nord.  VM.  2,  153  wird  die  Prinzessin  erlöst,  wenn  der 
Held  ein  Sandkorn  findet,  das  unter  der  neunten  Zunge  des  neunten 
Drachen  liegt. 


198.  Jungfrau  Maleen.  443 

während  des  Zweikampfes  zwischen  dem  Christenkönig  und  dem 
Heidenkönig  eine  mit  einer  Goldkette  geschmückte  weiße  Hin  de 
gesprungen ;  die  Christenkrieger  erschießen  sie,  da  sinkt  der  Heiden- 
könig tot  nieder.  In  einer  siamesischen  Erzählung  (Bastian,  Die 
Völker  des  östlichen  Asiens  4,  340.  1868)  vermag  Eama  seinen 
Gegner,  den  König  Thossakan,  nicht  zu  verwunden,  da  dieser  seine 
Seele  einem  Einsiedler  in  Verwahrung  gegeben  hat;  erst  als  sein 
Begleiter  Hanuman  Thossakans  Gestalt  annimmt  und  das  Kästchen 
dem  Einsiedler  abfordert  und  zerdrückt,  endet  des  Zauberers  Leben. 
Dagegen  ist  in  dem  malaiischen  Gedichte  'Sjair  Bidasari'  (Verhande- 
lingen van  het  Bataviaasch  Genootschap  van  Wetenschapen  19,  1. 
1843;  vgl.  G.  A.  Wilken,  Verspreide  Geschriften  3,  296.  559)  das 
Leben  der  unschuldig  verfolgten  Heldin  in  einen  goldenen  Fisch 
gebannt;  solange  ihre  Widersacherin  diesen  am  Halse  trägt,  sinkt 
Bidasari  in  totenähnliche  Starrheit  (ebenso  wie  Prinz  Dalim  bei 
Day,  Folk-tales  of  Bengal  p.  6.  8);  wird  der  Fisch  aber  in  Wasser 
gelegt,  so  lebt  sie  auf  wie  im  altägyptischen  Brüdermärchen ;  vgl. 
oben  1,  460  'Princess  Aubergine'.  In  dem  von  Kläsi  (Der  malaiische 
Eeineke  Fuchs  1912  S.  107)  verdeutschten  malaiischen  Tiermärchen 
verlockt  der  listige  Zwerghirsch  den  Affenkönig,  in  ein  Wespen- 
nest zu  schlagen,  weil  darin  die  Seele  seines  Feindes  verborgen  sei. 


198.   Jungfrau  Maleen.  im  s.  m 

1850  nr.  198.  —  Aus  Meldorf,  nach  Müllenhoffs  Sagen  von 
Schleswig-Holstein  1845  S.  391  nr.  5.  Vgl.  Hamann,  Die  literarischen 
Vorlagen  1906  S.  105.  —  Maleen,  Marlene  ist  abgekürzt  aus  Maria 
Magdalena.  Der  Schlußreim  'Kling  klang  kloria,  wer  sitt  in  diesen 
Thoria'  usw.  gehört  einem  Kinderspiele  von  der  vermauerten 
Königstochter  an:  Böhme,  Deutsches  Kinderlied  1897  S.  457 — 464; 
De  Cock  en  Teirlinck.  Kinderspel  in  Zuid-Nederland  1,  160;  Van 
Duyse,  Het  oude  nederl.  Lied  nr.  402 ;  Kristensen,  Börnerim  S.  292. 
634;  vgl.  Lewalter,  Kinderlied  in  Kassel  1914  S.  330  und  417  zu 
nr.  242. 


444  198.  Jungfrau  Maleen. 

Dieses  durch  Gehalt  und  Vollständigkeit  ausgezeichnete 
Märchen,1)  welches  die  so  oft  (oben  1,  85.  100.  2,  277.  3,  85)  vor- 
kommende Erkennung  der  wahren  Braut  schön  darstellt,  ist  im 
skandinavischen  Norden  heimisch  und  auf  deutschem  Boden  nur  noch 
in  einer  zweiten  holsteinischen  Fassung  bei  Wisser,  Grotmoder 
2,  11  «=  Plattdt.  Vm.  S.  206  'De  Könisdochter  in'n  Keller'  =  Die 
Heimat  12,  236  (Kiel  1902)  nachgewiesen.  Auch  hier  wird  (A)  die 
Königstochter,  die  ihrem  Verlobten  treu  bleiben  will,  von  dem  er- 
grimmten Vater  samt  ihrer  Dienerin  in  einem  unterirdischen  Gemach3) 
verschlossen ;  (B)  als  die  beiden  nach  sieben  Jahren  nichts  mehr  zu 
essen  haben  und  auch  die  im  Keller  wachsenden  Nesseln  verzehrt 
sind,  schlüpft  die  Prinzessin  durch  die  morsch  gewordene  Tür  hinaus, 
nachdem  ihre  Dienerin  durch  die  davor  gelagerten  Löwen  zerrissen 
worden  ist,  und  findet  ihres  Vaters  Burg  niedergebrannt  und  öde. 
(C)  Im  Schlosse  ihres  einstigen  Verlobten  nimmt  sie  unerkannt  als 
Küchenmagd  Dienst  an  und  wird  von  dessen  Braut,  welche  in  Kinds- 
nöten ist,  gezwungen,  in  ihrem  Kleid  an  der  Seite  des  Prinzen  zur 
Trauung  zu  gehen.  (D)  Wie  sie  in  der  ersten  Passung  auf  dem 
Kirchgange  durch  Anreden  an  den  Nesselbusch,  die  Brücke  und 
Kirchtür  und  durch  Erwähnung  des  Namens  Maleen  des  Prinzen  Er- 
innerung  weckt,    so   spricht   sie   hier    am   Keller   vorüberschreitend : 

Nettel,  Nettel  grön, 
Wat  steihs  du  hier  so  schön ! 
Wie  oft  hab  ich  dich  ungesalzt 
Und  ungeschmalzt  gegessen! 

Vor  dem  abgebrannten  Schlosse  ihres  Vaters: 

Hier  liegen  die  schneeweißen  Palken 
Von  meines  Vaters  Hausbalken. 

Und  weiterhin : 

Hier  stehen  die  schönen  Linden, 

Die  ich  gepflanzet  hab  mit  meinem  goldnen  Ringe. 


*)  Vgl.  darüber  Arfert,  Das  Motiv  von  der  unterschobenen  Braut 
(Rostock  1897)  S.  34—37.  Ein  Pappenspiel  'Jungfrau  Maleen'  bei  F.  Roeber, 
Marionetten  1885  S.  257— 28ß;  eine  Ballade  vom  Brennesselbusch  bei 
B.  v.  Münchhausen,  Das  Herz  im  Harnisch  1911  S.  12;  M.  Maeterlinck, 
Princesse  Maleine  1889. 

a)  Ebenso  war  in  Müllenhoffs  Vorlage  nicht  von  einem  hohen 
Turme,  sondern  von  einem  unterirdischen  Gewölbe  die  Rede. 


198.  Jungfrau  Maleen.  445 

(E)  Aus  der  Kirche  zurückgekehrt,  gibt  sie  der  Braut  ihr  Kleid  zu- 
rück ;  als  abends  der  Prinz  diese  nach  den  unterwegs  gesprochenen 
Worten  fragt,  muß  sie  jedesmal  hinausgehen  und  sich  bei  der  Magd 
Bescheid  holen.  Als  er  aber  die  Halskette1)  sehen  will,  die  er  ihr 
umgelegt  und  deren  Schlüssel  er  bei  sich  behalten  hat,  kommt  die 
Wahrheit  an  den  Tag.  (F)  Er  verstößt  die  falsche  und  behält  die 
ihm  angetraute  Braut. 

Die  zahlreichen  dänischen  Fassungen2)  versetzen  durchweg 
die  Heldin  in  einen  Erdhügel,3)  aus  dem  sie  sich  nach  sieben  Jahren 
herausgräbt,  und  bezeichnen  als  den  Grund,  aus  dem  die  Braut  beim 
Kirchgange  eine  Stellvertreterin  wählt,  gleich  der  zweiten  holsteini- 
schen Aufzeichnung  ihre  Schwangerschaft,4)  nicht  wie  die  Müllen- 
hoffsche  Variante  ihre  Häßlichkeit.  Nur  Eintkongs  Tochter  Usmatone 
(Skattegraveren  9,  185)  wagt  die  Kirche  nicht  zu  betreten,  weil  sie 
eine  Hexe    ist,    bei  Grundtvig    2,  157    fürchtet    die  Braut    sich    das 


x)  Eine  Halskette  oder  einen  Gürtel  legt  der  Prinz  auch  in  den 
dänischen  Fassungen  seiner  Braut  um;  bei  Grundtvig  2,  24.  157  und 
Kristensen,  Aev.  1,  72  aber  führt  die  Erkennung  der  Heldin  ein  Hand- 
schuh herbei,  den  sie  in  der  Kirche  vom  Prinzen  erhält  und  nur  in  seine 
eigne  Hand  zurückgeben  darf. 

2)  Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  48  'Prinsessen  i  jordhulen'.  Grundt- 
vig, Minder  2,  25  'Guldtserning' ;  vgl.  Cox,  Cinderella  p.  228  und  495 
'Bosenröd'.  Grundtvig  2,  157  'Prindsessen  pä  oen'  =  Ströbe  1,  14  nr.  3. 
Molbech4  S.  62  nr.  22  'Pigen  i  maseskindspelsen',  vgl.  Cox,  Cinderella 
p.  328.  Berntsen  1,  187  nr.  23  'Hyldekong  og  Binkong'.  Kamp,  Folkeaev. 
1,  34  nr.  3  'Kongedatteren  i  hojen'.  Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  1,  62 
nr.  8  'Prinsessen  i  hojen'.  1,  68  nr.  9  'Karl  Finkelfaders  dotter'. 
Kristensen,  Danske  folkeeev.  nr.  37  'Prinsessen  i  hojen'.  Kristensen,  Fra 
Mindebo  S.  36  nr.  7  'Prinsessen  i  hojen'.  Skattegraveren  9,  185  'Prin- 
sessen i  hulen'. 

3)  Nur  bei  Grundtvig,  Minder  2,  157  wird  sie  in  einem  Schloß  auf 
einer  Insel  untergebracht.  Hier  entbrennt  ein  Krieg  um  ihretwillen, 
weil  ihr  Vater  die  Werbung  des  englischen  Prinzen  zurückgewiesen  hat. 
Ähnlich  'Prinsesse  Trsetröje'  bei  Cox  p.  239  nr.  282. 

4)  Bei  Kamp  1,  45  ruft  der  Kuckuck  dem  Brautpaare  zu: 

Prinsessen,  den  onde  Kvinde, 

Sidder  i  Stalden  inde, 

Feder  hun  der  saa  lidet  et  Kind 

Og  lsegger  det  under  Krybbestenen  ind. 
Ähnlich  bei  Hylten-Cavallius    S.  270.  275    und  Janson.     Eine  Nachtigall 
warnt  bei  Grundtvig,    DgF.  5,  312  zu  nr.  274  den  Bräutigam,   wie  oben 
1,  167  eine  Taube  oder  ein  Hund. 


446  198.  Jungfrau  Maleen. 

Pferd  Blank  zu  reiten,  und  bei  Molbech  plant  sie  die  Flucht  mit 
einem  andern  Jüngling,  in  den  sie  sich  verliebt  hat.  Mehrfach  hat 
die  Königstochter  wie  bei  Wisser  künstliche  Webearbeiten  auszu- 
führen, welche  die  Braut  für  ihr  eignes  Werk  ausgibt,  so  bei  Grundtvig 
2,  157  und  bei  Kamp  1,  34,  wo  Henriks  Braut  Lavrette  die  Stief- 
schwester der  Heldin  Sandine  ist.  Bei  Kristensen  nr.  8  spricht  die 
Heldin,  die  an  Jungfrau  Malfreds  Statt  zur  Trauung  reiten  soll,  zu 
dem  Happen,  in  dem  sie  ein  Roß  ihres  Vaters  wiedererkennt: 

Blak,  buk  for  mig! 

Min  Fader  liar  saa  tit  lagt  Sadlen  paa  dig.1) 

Vor  dem  Hügel  gedenkt  sie  des  Wolfes,2)  der  eine  Öffnung  darein 
gekratzt  hat,  und  des  Kohlenbrenners,  bei  dem  sie  zuerst  Aufnahme  fand : 

Syv  Aar  sad  jeg  i  Skoven  her, 

Alle  Aeventyr  glemte  jeg  der; 

Ulv  har  jeg  reden, 

Kul  har  jeg  sveden, 

Idag  staar  jeg  Brud  for  min  unge  Frue.8) 

Und  vor  der  Brücke: 

Bro,  brag,  brist  ej  under  mig! 

Jeg  har  saa  mange  Gange  redet  over  dig.4) 

In  Kristensens  nächster  nr.  9  fällt  in  der  Kirche  der  Blick  der 
Königstochter  auf  die  neben  dem  Altar  hängenden  Bilder  ihrer 
Eltern,  und  sie  bittet  diese,  sich  umzudrehen : 

Vender  jer  om,  I  Billeder  fin ! 

Jeg  ved,  I  er  kjeer  Fader  og  Moder  min.5) 

Bei  Berntsen  1,  187  sieht  sie  auf  einem  Pfahle  das  Fell  ihres 
Hundes  hängen,  den  sie  einst  im  Erdhügel  in  bittrer  Hungerqual 
verzehrt  hatte : 6) 


!)  Vgl.  Grundtvig,  Minder  2,  25  und  160.  Aberg  S.  317.  Allardt 
S.  192.     Bugge-Berge  1,  55. 

2)  Durch  einen  Wolf  wird  Sandine  bei  Kamp  mit  ihren  sieben 
Jungfrauen  im  Hügel  ernährt. 

s)  Vgl.  Hylten  -  Cavallius  S.  270.  Aberg  S.  317.  Cox  p.  174. 
Janson  nr.  3.     Bugge-Berge  1,  55. 

4)  Vgl.  Grundtvig  2,  159  und  auch  2,  25.     Allardt  S.  193.  Cox  p.  174. 

5)  Ebenso  Molbech4  S.  64  und  Skattegraveren  9,  185. 

6)  Wie  anderwärts  Mäuse  und  Fledermäuse:  Molbech4  S.  64. 
Grundtvig  2,  25.  160.    Kristensen,  Aev.  1,  71.    Kristensen,  Fra  Mindebo  S.40. 


198.  Jungfrau  Maleen.  447 

Her  h  senger  du  Skind 
Paa  liden  'n  Pind. 
Kun  Himlen  ved, 
Hvad  dermede  vi  led. 

Und  zu  den  krächzenden  Raben  sagt  sie : 

Du  Ravn,  hu  hej, 

Hvi  skriger  du  saa? 

Brüden  sidder  hjemme  og  steger  en  Steg, 

Og  den  skal  du  faa.1) 

Bei  Kristensen,  Fra  Mindebo  S.  36  schaut  sie  auf  das  in  Trümmern 
liegende  Schloß  ihres  Vaters  Lind : 

Her  har  tilforn  veeret  drukken  haade  Mjod  og  Vin, 
Her  roder  nu  baade  Hons  og  Svin.2) 

In  der  schwedischen  Variante  bei  Hylten-Cavallius  nr.  16 
'Die  Prinzessin  in  der  Erdhöhle'  —  Thorpe  S.  236  wird  Asa,  die  in 
andern  Aufzeichnungen  Klara  oder  Lossamente  heißt,  durch  einen 
Wolf,  dem  sie  dafür  ihren  Hund  ausliefern  muß,  übers  Wasser  ge- 
tragen. Sie  vollendet  für  die  Braut  das  Goldgewebe  und  wäscht 
die  Flecken  aus  dem  Handtuche,3)  das  sie  einst  selber  ihrem  Verlobten 
als  Erinnerungszeichen  übergeben  hatte.  Unter  ihren  Reimversen, 
die  zu  den  dänischen  stimmen,  ist  einer  an  die  Linde  gerichtet, 
unter  der  sie  mit  dem  Prinzen  die  Ringe  tauschte: 

Star  du  här,  du  gamla  lind! 

Här  har  jag  fästat  guld-ringar  med  aldra  kärasten  min. 

Bondeson,    Historiegubbar    p.  22    'Prinsässan  i  jordkulan',    vgl.    Cox 
p.  173.     Ericsson,    'Den  tillfälliga    bruden'    (Cox,  Folk-lore  18,  198). 


*)  Deutlicher  bei  Grtmdtvig  2,  25 : 

Der  üyver  en  Ravn  saa  sort; 
Den  unge  Brud  ligger  i  Ovnsgraven 
Og  foder  en  Son,  ham  skal  du  have. 
Vgl.  Aberg  S.  317.     Allardt  S.  193.     Skar  6,  14. 

2)  Ähnlich  bei  Hylten-Cavallius  S.  275: 

Här  gä  nu  bade  kattor  och  svin, 
Der  fordom  dracks  bade  mjöd  och  vin, 
När  Fin,  far  min,  lefde. 
Vgl.  iberg  S.  318.     Allardt  S.  193.     Skar  6,  14.     Ärnason  2,  322. 

3)  Auch  in  skandinavischen  und  französischen  Fassungen  des 
Löweneckerchens  (oben  2,  247  f.  250)  vermag  nur  die  rechte  Braut  die 
Talgflecken  aus  dem  Hemd  zu  waschen. 


448  198.  Jungfrau  Maleen. 

P.  Säve  'Den  nedgravede  prinsesse'  (Folk-lore  18,  202).     Erik  Wrangel, 
Fröken  Snöhwits  Tragoedia  1737,  Prolog  —  Hylten-Cavallius  1,  493. 
Aberg  nr.  249  'Prinsessan,  som  var  sju  är  i  jordkulan';  nr.  215  'Prin- 
sessan  i  jordkulan'.     Allardt  nr.  148  'Om  hönspigan,  som  blef  kungens 
gemal'.  Hackman,  Register  nr.870.  —  Norwegisch  bezeugt  durch  den 
Pastor  Herman  Rüge  in  Valders   (1706 — 1764;    vgl.  N.  M.  Petersen, 
Den  danske  literaturs  historie  5,  1,    134.   1870),    welcher  die  Worte 
der  Königstochter  als  'alten  norwegischen  Spruch'  anführt: 
Syv  Aar  jeg  in  Jord-Hougen  sat, 
Viser  og  Eventyr  jeg  forgadt. 
Janson    nr.  3    'Kongsdotteri   i   haugen'    =    Löland   S.  284,    vgl.  Cox 
p.  267.     Der  letzte  Reim  lautet: 

Statt  still  no  Grind 

So  fager  og  fin! 

Deg  byde  Kong  Finn, 

Som  var  Fader  min. 
Skar  6,  12  'Gjenta  i  jordhola'.  Bugge-Berge  1,  51  'Finnkongjens 
dotter'.  —  Ein  isländisches  Märchen,  von  dem  Arnason  drei 
Fassungen  mitteilt  (2,  320  =  Rittershaus  S.  113  'Die  rechte  Braut' ; 
2,  315  =  Poestion  nr.  1  'Fertram  und  Isol  die  lichte';  2,  321  Anm.), 
ist  in  ziemlich  äußerlicher  Weise  mit  der  Tristansage1)  verknüpft. 
Hier  wird  die  blonde  Isöl  nicht  vom  Vater  aus  Besorgnis  vor  dem 
Ausgange  des  gefährlichen  Krieges  in  einer  Erdhöhle  geborgen, 
sondern  wird  (wie  in  unsrer  nr.  89  und  135)  von  ihrer  Stiefmutter 
nebst  ihren  zwei  Dienerinnen  in  eine  tiefe  Grube  gestoßen.  Sie 
entrinnt  aber  glücklich  und  kehrt  unerkannt  als  Magd  unter  dem 
Namen  Nsefrakolla  an  den  Hof  zurück,  wo  ihr  Jugendgespiele  und 
Verlobter  Tistram,  der  von  der  argen  Königin  einen  Vergessenheits- 
trank erhalten  hat,  mit  ihrer  Stiefschwester,  der  schwarzen  Isota, 
Hochzeit  halten  soll.  Da  diese  aber  eben  heimlich  ein  Kind  geboren 
hat,  muß  statt  ihrer  Nsefrakolla  in  bräutlichem  Schmuck  mit  Tistram 
in  den  Wald   reiten.     Sie  grüßt   in  Reimversen3)    die  Trümmer  des 

*)  Über  die  Entwicklung  der  1226  nach  Norwegen  gedrungenen 
Tristansage  vgl.  Golther,  Zs.  f.  französ.  Sprache  22,  1,  G.  Paris, 
Poemes  et  legendes  du  moyen-äge  1900  S.  113  und  A.  Olrik,  Danmarks 
gamle  folkeviser  8,  29  nr.  470  'Tistram  og  Isold'. 

2)  Die  Verse,  die  sie  bei  Arnason  2,  317  beim  Anlegen  der  Reit- 
ärmel spricht,  die  früher  ihr  Eigentum  gewesen  waren,  (Gut  passen  die 
Ärmel  für  der  Eignerin  Arme)  erscheinen  auch  im  Dänischen  bei 
Berntsen  1,  190. 


198.  Jungfrau  Maleen.  449 

Vaterhauses,  den  Bach,  der  ihr  Verlöbnis  mit  Tistram  gesehen,  und 
die  Grube,  in  der  ihre  beiden  Mägde  gestorben  sind.  Als  Tistram 
abends  daheim  Isota  fragt,  was  sie  unterwegs  gesagt  habe,  und  den 
Trug  entdeckt,  ersticht  er  in  der  Wut  die  Braut  und  deren  Mutter 
und  vermählt  sich  mit  Nsefrakolla. 

Ob  der  Eingang  des  isländischen  Märchens,  wie  Adeline 
Bittershaus  glaubt,  ursprünglicher  ist  als  der  sämtlicher  übrigen 
skandinavischen  und  deutschen  Fassungen,  erscheint  zweifelhaft. 
Aus  der  Tristansage  sind  nur  die  Namen  der  drei  Hauptpersonen 
herübergenommen,  aber  nichts  von  der  eigentlichen  Handlung.  Viel- 
mehr spiegelt  sich  die  Brangäne-Episode,  in  der  eine  treue 
Dienerin  selbstlos  für  die  Braut,  die  ihr  Magdtum  bereits  verloren, 
eintritt  und  wieder  zurücktritt,  genauer  wieder  in  einer  andern  islän- 
dischen Erzählung  bei  Arnason  2,  424  =  Poestion  nr.  17  'Märthöll' 
=  Bittershaus  S.  68  'Der  Fluch  der  Patin'  und  in  dem  dänischen 
Märchen  bei  Grundtvig,  Folkeseventyr  2,  72  nr.  6  'Hindeprinsessen' 
=  Leo-Strodtmann  2,  95;  dort  ist  die  Prinzessin  verwünscht,  in  der 
Hochzeitsnacht  zu  einem  Sperling  oder  Beh  zu  werden,  und  ihre 
Dienerin  tritt  an  ihre  Stelle,  bis  der  Gatte  im  rechten  Augenblicke 
die  Tierhaut  verbrennt  oder  durch  einen  Schwerthieb  den  Zauber 
bricht.  In  andern  Dichtungen,  die  Arfert  (Das  Motiv  der  unter- 
schobenen Braut  1897  S.  39 — 48)  ausführlich  besprochen  hat,  weigert 
sich  die  Dienerin,  nach  der  Hochzeitsnacht  der  Herrin  ihren  Platz 
wieder  einzuräumen,  und  wird  von  ihr  getötet,1)  oder  ein  wahrsagender 
Gegenstand,  das  Bett,  das  Schwert  oder  eine  Nachtigall,  die  der 
Bräutigam  über  die  Keuschheit  seiner  Braut  befragt,  offenbart  ihm 
die  Unterschiebung  der  Dienerin.2)  So  bewegt  in  einer  dänischen 
Erzählung  bei  Kristensen  1,  57  nr.  7  'Bitte  Mette',  die  in  der  zweiten 
Hälfte  zu  unserm  Märchen  stimmt,  die  vornehme  Braut  das  Schäfer  - 
mädchen  Mette,  in  ihrem  Gewände  zur  Hochzeit  zu  gehen,  weil  sie 
befürchtet,  von  dem  wahrsagenden  Steine  vor  des  Prinzen  Tür  der 
Unkeuschheit  geziehen  zu  werden,    wie    es    vordem    schon  drei  vom 


*)  B.  Köhler  2,  393.  Euling,  Studien  über  Heinrich  Kaufringer 
1900  S.  87.     Chauvin,  Bibl.  arabe  5,  217. 

2)  Grundtvig,  DgF.  5,  1,  304  nr.  274  'Brud  ikke  Mö';  5, 1,  321  nr.  276 
'Ingelilles  Bryllup';  auch  8,  235  nr.  480  'Terkel  Trundesen'.  Geijer- 
Afzelius2  nr.  33  'Biddar  Olle'.  Cbild,  English  and  scottisb  pop.  ballads  1, 
nr.  5  'Gil  Brenton'.  —  Über  andre  Prüfmittel  der  Keuschheit  vgl.  "Wetzel, 
Söhne  Giaffers  1895  S.  216. 

Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  29 


450  199.    Der  Stiefel  von  Büffelleder. 

Prinzen  erkorenen  und  verstoßenen  Bräuten  ergangen  ist.  Ebenso 
das  Gänsemädchen  Aase  im  norwegischen  Märchen  bei  Asbjörnsen- 
Moe  nr.  29  —  Bresemann  1,  208  =  Dasent  1859  p.  478  und  die  Magd 
im  großrussischen  Märchen  aus  dem  Gouv.  Samara  bei  Sadovnikov 
nr.  66.  Dagegen  scheint  die  ungedruckte  f  i  n  n  i  s  c  h  e  Erzählung  von 
der  Prinzessin  in  der  Erdhöhle  (Aarnes  Register  nr.  870)  der  voll- 
ständigen skandinavischen  Überlieferung  zu  entsprechen. 

Der  Eingang  unsres  Märchens  von  der  im  Erdhügel  ver- 
borgenen Königstochter  ist,  wie  A.  Olrik  (Zs.  f.  Volksk.  2, 
367.  Kilderne  til  Sakses  Oldhistorie  2,  247)  gezeigt  hat,  ein  altes 
nordisches  Sagenmotiv.  Nach  Saxo  Grammaticus  B.  7  S.  351M.  ver- 
steckte der  norwegische  König  Regnald,  als  der  schwedische  See- 
räuber Gunnar  sein  Land  verheerte,  seine  einzige  Tochter  Drott  mit 
Dienern  und  Speise  in  einer  unterirdischen  Höhle ;  er  wurde  aber 
im  Kampfe  von  Gunnar  erschlagen,  der  nach  der  Prinzessin  suchte, 
sie  in  der  Höhle  auffand  und  zu  seinem  Weibe  machte.  In  einer 
dänischen  Volkssage  (Thiele,  Danmarks  Folkesagn  1,  8  'De  trende 
Jomfruers  Grav'.  Welcker,  Zoegas  Leben  1,  211.  1819)  werden  die 
drei  versteckten  Königstöchter  durch  das  Bellen  ihres  Hündchens 
den  wilden  Kämpen,  die  ihren  Vater  erschlagen,  verraten,  erstechen 
sich  aber,  um  jenen  nicht  in  die  Hände  zu  fallen.1) 


1856  s.  262.  199.    Der  Stiefel  von  Büffelleder. 

1850  nr.  199.  —  Aus  Schlesien,  nach  Friedmund  v.  Arnim 
1,  22  nr.  4  'Vom  Bruder  Stiefelschmeer'  (1844).  Vgl.  Hamann,  Die 
literarischen  Vorlagen  1906  S.  104. 

Ein  abgedankter  Soldat  trifft  im  Walde  den  König,  der  als 
einfacher  Jäger  gekleidet  ist,  kehrt  mit  ihm  in  einer  Räuberherberge 
ein  und  macht  durch  Unerschrockenkeit  und  Zauberkunst  die  Räuber 
unschädlich ;    in    der    Stadt    gibt    sich    der  König    zu  erkennen  und 


x)  Anders  verwendet  die  dänische  Ballade  von  König  Göreis 
Tochter  (Grundtvig-Olrik,  DgF.  7,  327  nr.  430.  W.  Grimm,  Altdänische 
Heldenlieder  S.  101)  das  Erdhügelmotiv:  Als  Mädchen  verkleidet  schleicht 
sich  Graf  Hendrik  bei  ihr  ein.  Vgl.  Hahn,  Griech.  Märchen  nr.  13  (Jüng- 
ling als  goldenes  Lamm)  und  Jacobs,  Celtic  f.  t.  1,  65  'Deirdne',  sowie 
Jakobsen,  Ftereske  folkesagn  p.  417  nr.  44.  Montanus,  Schwankbücher 
S.  569.     Oben  1,  46. 


199.   Der  Stiefel  von  Büffelleder.  451 

belohnt  seinen  Retter  reichlich.  —  Minder  gut  aus  dem  Odenwalde 
bei  Wolf,  Hausmärchen  S.  65  'Die  schlechten  Kameraden'  (der 
Schuster  gießt  den  Räubern  heißes  Öl  ins  Gesicht  und  haut  sie 
nieder).  Aus  dem  Rheinlande  bei  Simrock  nr.  10  'Bruder  Stiefel- 
schmer' (der  Fleischer  macht  die  Räuber  betrunken).  Aus  Nord- 
böhmen bei  Kirschner,  Sagenschatz  aus  dem  Eibtal  1911  S.  43 
(Scharfrichter  und  Teplitzer  Syndikus).  Aus  Norddeutschland 
bei  Pröhle,  M.  f.  die  Jugend  nr.  34  'Der  Scharfrichter  und  die 
Handwerksburschen'  (statt  des  Königs  werden  ein  Schuster,  ein 
Schneider  und  ein  Tischler  vom  Scharfrichter  gerettet,  der  die  Räuber 
festbannt).  Aus  Holstein  bei  Wisser,  Grotmoder  2,  75  'De  Koni 
un  de  Schinnerknech'  —  Wisser,  Plattdeutsche  Vm.  S.  248  (der 
Schinder  bannt  die  Räuber  fest ;  vorher  übernachtet  er  mit  dem 
alten  Fritz  bei  einem  Bauern,  der  diesen  zweimal  prügelt,  weil  er 
nicht  früh  aus  dem  Bett  will).1)     Aus  der  Mark  Bran  denburg  bei 


J)  So  zaust  bei  Camerarius,  Appendix  fabularum  Aesopicarum  1539 
Bl.  18a  'Viatores  duo'  die  Wirtin  den  vornan  im  Bett  liegenden  Hand- 
werksbarschen, weil  er  noch  nicht  aufgestanden  ist,  und  am  nächsten 
Morgen  den  hinten  liegenden;  es  ist  aber  derselbe  wie  Tags  zuvor,  weil 
er  aus  Vorsicht  seinen  Platz  gewechselt  hat.  Bei  Hans  Sachs,  Fabeln  5, 
184  nr.  719  (1551.  Dähnhardt,  Natursagen  2,  172.  Stiefel,  Studien  zur 
vgl.  Litgesch.  8,  306)  auf  den  mit  Christus  wandernden  Petrus  über- 
tragen. Bütner,  Claus  Narr  1572  Bl.  F5a  (Petrus  und  Narr).  Sandrub, 
Delitiae  historicae  1618  nr.  123.  Lütolf  S.  109.  Rochholz,  Schweizer- 
sagen 2,  312  =  Dähnhardt,  Schwanke  S.  71  nr.  34  =  Busch,  Dt.  Volks- 
humor S.  227.  Stöbers  Alsatia  1851,  30.  Stöber,  Sagen  des  Elsasses  1852 
S.  221.  Hertz,  Dt.  Sage  S.  42.  199.  Reinhart,  Bassledang  1877  S.  9.  Zs.  f.  dt. 
Mythol.  1, 41  (Odenwald).  4, 50  (Gedicht  von  Petersen).  Reiser,  Allgäu  1, 354nr.  2. 
E.  Meier,  Vm.  aus  Schwaben  nr.  11.  Hörmann,  Mytholog.  Beiträge  1870 
S.  20.  Menghin,  Aus  Wälschtirol  1884  S.  92.  Hauffen,  Gottschee  S.  109. 
110.  Haltrich,  Vm.  nr.  19  =  Henne  am  Rhyn  S.  429  nr.  689.  Müller, 
Siebenbürg.  Sagen  1885  nr.  225.  229.  Panzer  2,  20.  Spiegel  nr.  19. 
Unser  Egerland  2,  15.  Schönwerth  3,  301.  Simrock,  Märchen  S.  132 
nr.  27  =  Zs.  f.  dt.  Myth.  2,  13.  Kuhn,  Westfalen  2,  238 ;  vgl.  Rochholz 
2,  313.  Wisser,  Grotmoder  2, 75.  W.  Schwartz,  Sagen  der  Mark  Branden- 
burg 1886  nr.  98  (Ziethen  und  der  alte  Fritz)  =  Mark.  Forschungen 
8,  170.  Jahn,  Vm.  aus  Pommern  1,  369.  Rogasener  Familienblatt  1903, 
41  (der  alte  Fritz).  Samotschiner  Ztg.  1908,  Beilage  S.  32.  Vlämisch :  De 
Cock-Teirlinck,  Brabantsch  Sagenboek  2,48  nr.  275;  De  Mont  en  de  Cock, 
Vertelsels  p.  150;  Wolf,  DMS.  nr.  30 ;  Volkskunde  2,  88.  168;  Revue  des  trad. 
pop.  26,  403.  Goyert-Wolter  S.  61  =  Teirlinck  p.  25.  Isländisch :  Ward,  Cat.  of 
romances  1,  856  nr.  46.  Französisch:  Gittee-Lemoine  p.  105;  Sebillot, 
C.  de  la  Haute-Bretagne  1,  317   nr.  53  =  Sebillot,    C.  des  prov.    nr.  35; 

29* 


452  199.    Der  Stiefel  von  Büffelleder. 

Engelien-Lahn  1,  134  'König  und  Zaldoet'  (Soldat  gießt  wie  bei 
Wolf  den  Räubern  heißen  Wein  und  heißes  öl  ins  Gesicht;  der 
Hauptmann  heißt  Katusch  =  Cartouche).  Aus  Rügen  bei  Haas 
1891  nr.  227  'Die  Räuberhöhle'  (der  Scharfrichter  bannt  die  Räuber 
fest;  statt  des  Prinzen  ein  Schlächter)  und  228  'Eine  Räuber- 
geschichte'.—  Holländisch:  Volkskunde  17,  103  'Van  den  soldaat 
en  den  koning'  (kochendes  Wasser  ins  Gesicht).  —  Dänisch: 
Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  98  'Kongen  og  matrosen'  (bisweilen  auf 
Friedrich  V.  oder  Ludwig  XVIII.  übertragen).  Kristensen,  Aev.  fra 
Jylland  3,  63  nr.  11  'Soldaten  og  den  forklsedte  Konge'  (kochendes 
Wasser).  Kristensen,  Bindestuens  Saga  S  162  'De  bundne  Rovere' 
(vom  Scharfrichter  festgebannt;  statt  des  Prinzen  ein  Totengräber). 
—  Schwedisch:  Hackmans  Register  nr.  952.  —  Norwegisch: 
A.  L.  Broch,  Et  ferunderligt  Eventyr  om  Hans  Tinddol,  hvorledes 
han  fra  ringe  Soldat  blev  Konge  over  Norge,  Sverige  og  Dan- 
mark, Christiania  1834  (Norsk  Polkekultur  3,  96.  1917).  Skar  6, 
52  'Lille  Hans'.  —  Französisch:  Cosquin  2,  29  nr.  33  'La 
maison  de  la  foret'  (der  Soldat  La  Ramee  schlägt  den  ins  Fenster 
einsteigenden  Räubern  die  Köpfe  ab,  der  König  gibt  ihm  seine 
Schwester  zur  Frau).  —  Italienisch:  Widter-Wolf  nr.  7  'Beppo 
Pipetta'    (Jahrb.  f.  roman.  Lit.    7,    121.      R.  Köhler    1,    303.      Crane 


Sebillot,  Traditions  1,  306;  Luzel,  Legendes  ehret.  1,  19.  359;  Revue  celt. 
3,  233.  Italienisch:  A.  deNino  4,  71.  Portugiesisch:  G-iornale  di filologia 
romanza  4,  192  =  Leite  de  Vasconcellos,  Ensaios  ethnographicos  4,  255. 
Rumänisch:  Staufe  nr.  18  (Zs.  f.  dt.  Myth.  1,  472).  Slovenisch:  Archiv 
f.  slav.  Phil.  8,  115  nr.  6.  Serbokroatisch:  Ljetopis  mat.  srpske  149,  141 
nr.  11.  Mikulicic  S.  140.  Bos.  Vila  3  (1888),  12.  Cechisch:  Nemcovä  4, 
98  nr.  63  =  Wenzig  S.  87.  Kubin,  Podkrkonosi  nr.  166.  Slowakisch: 
Slov.  Pohl'ady  1896  S.  210  nr.  13.  Dobsinsky  4,  59.  Prochäzka,  Kolärov. 
drät.  S.  66  Polnisch:  Öwietek  S.  324  nr.  7.  Malinowski  2,  59.  Mater- 
yaly  antrop.  3,  151  nr.  16.  11,  26  nr.  24.  Mater,  kom.  jez.  1,  5  nr.  6. 
Zaranie  slaskie  2,  192.  Lad  16,  199.  Kleinrussisch:  Etnogr.  Obozr.  5, 146. 
9,  213  =  Bulasev  S.  152.  168.  *Kievs.  Star.  1894,  2,  335.  Drahomanov 
S.  125  nr.  26.  S.  129  nr.  27.  Cubinskij,  Trudy  1,  153.  158.  2,  329  nr.  82 
(Poltava).  Etnogr.  Zbirnyk  2,  9  nr.  7.  3,  65  nr.  28.  9,  93  nr.  50.  30,  33 
nr.  26.  Jastrebov  nr.  4.  Verchratskyj  S.  137.  Weißruseisch;  Sejn 
2,  nr.  216.  Dobrovoljskij  1,  307  nr.  6  (Smolensk).  Litauisch:  Mitt. 
d.  lit.  liter.  Ges.  2,  258.  Dowojna  -  Sylwestrowicz  1,  47  (Petrus).  Ma- 
gyarisch: Sklarek  1,  XVIII.  Gagausisch:  Radioff  10,  17  nr.  5.  5  b.  — 
Bei  Hans  Sachs  und  sonst  häufig  folgt  das  wunderbare  Au  sdreschen 
des  Korns  durch  Feuer  (Aarnes  Register  nr.  752). 


199.   Der  Stiefel  von  Biiffelleder.  453 

p.  222.     Oben  2,  159).  —  Serbokroatisch:  Bos.  Vila 6  (1891),  251. 

—  Öechisch:  Badostov3  S.  13  (Episode).  Miksicek  S.  166  nr.  22 
(Episode).  Mensik,  Jemnic.  S.  151  nr.  48.  Tille,  Pov.  valass.  S.  88 
nr.  31.  Kubin,  Pov.  kladske  2,  141  nr.  34.  —  Slovakisch:  Koläf 
2,  105  nr.  44.  Czambel  S.  324  nr.  163.  —  Polnisch:  Malinowski 
2,  14.  Ciszewski  S.  290  nr.  241.  242.  —  Kleinrussisch  ausNord- 
ungarn:  Verchratskyj  S.  150.  Etnogr.  Zbirnyk  3,  191  nr.  28.  29. 
Ostgalizien:  ebd.  7, 152  nr.  73.  Gouv.  Podol:  Cubinskij  2,  593  nr.  78. 
599  nr.  79.  Gouv.  Poltawa:  Etnogr.  Zb.  14,  219  nr.  31.  —  Weiß- 
russisch  aus  Gouv.  Smolensk:  Dobrovoljskij  1,  381  nr.  24.  — 
Großrussisch:  Afanasjev  2,  298  nr.  197  —  Hildebrand  1,  50  nr.  6. 

—  Finnisch:  Aarnes  Register  nr.  952. 

Das  Festbannen  der  Räuber,  zu  welchem  der  Scharfrichter 
in  der  rügenschen  Fassung  sein  Schwarzkunstbuch  braucht,  entspricht 
einem  verbreiteten  Aberglauben.  Solche  Diebssegen  sind  auf- 
gezeichnet bei  J.  Grimm,  Mythologie  3,  559.  Eomanusbüchlein  in 
Scheibles  Kloster  3,  497  (1845).  Albertus  Magnus,  Egyptische 
Geheimnisse  20.  Auflage  1,  53.  R.  Köhler  3,  559.  Wuttke,  Volks- 
aberglaube 8  §  241.  642.  Zs.  f.  Volkskunde  1,  188.  5,  297.  22,  299. 
Alemannia  2, 127.  Zf dMy th.  4, 130.  Rochholz,  Schweizersagen  1, 78  nr.  64. 
Haltrich,  Zur  Volkskunde  1885  S.  274.  Kleeberger,  Volkskundliches  aus 
Fischbach  1902  S.  56.  62.  Witzschel  2,  290.  Köhler,  Volksbrauch 
im  Voigtlande  S.  406.  Schönwerth  3,  213.  A.  John,  Volksglaube  in 
Westböhmen  S.  300.  Mitt.  f.  sächs.  Volkskunde  3,  265  f.  270  (1905). 
Drechsler,  Sitte  in  Schlesien  2,  45.  Zs.  f.  rhein.  Volksk.  1,  151.  300. 
Niedersachsen  4,  112.  Strackerjan  2  1,  119.  Kuhn,  Westfalen  2,  193. 
Kuhn-Schwartz  S.  448.  Müllenhoff  nr.  272.  Bartsch  2,  335.  Jahn, 
Balt.  Studien  36,  219  =  Höfer,  Germ.  1,  106.  Bl.  f.  pomm.  Vk.  4, 
169.  Knoop,  Hinterpommern  S.  170.  Frischbier,  Hexenspruch  1870 
S.  112.  Toppen,  Masuren  S.  58.  Eine  metrische  Überarbeitung 
'Maria  in  den  Garten  trat'  bei  Arnim-Brentano,  Wunderhorn  1,  75; 
vgl.  Bode,  Vorlagen  in  des  Knaben  Wunderhorn  1909  S.  699. 
Dänisch:  Kristensen,  Sagn  og  overtro  fra  Jylland  2,  2,  389  (1888- 
Jyske  folkeminder  9).  Öechisch :  Grohmann,  Aberglauben  aus  Böhmen 
1,  202.  —  Erzählungen  von  festgezauberten  Dieben  bei  Endt,  Sagen 
aus  dem  Erzgebirge  1909  S.  47.  67.  74.  178.  181.  193.  Rank, 
Aus  dem  Böhmerwalde  1843  S.  279.  Kühnau,  Schlesische  Sagen  3, 
175.  189.  224.  237.  Henne  am  Rhyn,  Volkssage  1879  S.  477.  Jeger- 
lehner,    Unterwallis   S.  15.    132.    178:    Oberwallis    S.  98.    —    Hilf- 


454  199.    Der  Stiefel  von  Büffelleder. 

reiche  Tiere  schützen  den  ins  Räuberhaus  geratenen  Helden: 
oben  1,  533.  546. 

Ohne  Zauberei  überwältigt  ein  im  Walde  von  einem  Räuber 
überfallener  und  seiner  Waffe  beraubter  Bursch  den  Räuber  in  einer 
Anekdote,  die  der  Augsburger  Magister  Konrad  Derrer  um  1340 
aufgezeichnet  hat  (Zs.  des  histor.  Vereins  f.  Schwaben  31,  116  nr.  37 
nach  dem  Clm.  903): 

Quedam  mulier  relicta  residebat  circa  silvam,  que  dicitur  nigra 
silva,  et  habebat  filium  valde  recentem,  qui  semper  transivit  silvam  can- 
tando  audacter.  Accidit  autem,  quod  sex  latrones  erant  in  ista  silva,  qui 
spoliabant  omnes  transeuntes.  Postquam  autem  transiret,  scilicet  filius 
vidue,  dixit  unus  ad  alterum :  'Nolumus  illum  spoliare?'  Tunc  dixerunt: 
'Ipse  est  ita  recens,  ipse  interficit  nos  omnes.'  Tunc  dixit  unus  ex  eis: 
'Ego  volo  eum  spoliare,  si  vultis  michi  derelinquere,  quid  sibi  accipio.' 
Dixerunt  omnes  :  'Volumus.'  Ille  ergo  latro  accessit  eum  sine  armis  et 
ivit  sicut  unus  nuncius  cum  bacillo.  Postquam  venisset  ad  eum,  tunc 
dixit:  'Vultis  me  dimittere  esse  comitem  vestrum?'  Ille  dixit:  'Volo'. 
Tunc  iverunt  simul.  Tunc  dixit  latro:  'Vos  habetis  bona  vestimenta.' 
Alter  dixit:  'Ita.'  Tunc  dixit  latro:  'Vos  habetis  bonum  gladium.'  Ille 
dixit:  'Ita.'  Et  evaginavit  gladium  et  dimicavit  hinc  inde.  Tunc  dixit 
latro:  'Ostendite  michi  gladium!'  Et  ostendit  sibi.  Tunc  latro  dixit: 
'Date  michi  omnia,  que  habetis,  vel  interiicio  vos.'  Oportebat,  quod  ille 
daret  sibi.  Postquam  autem  dedisset  sibi,  tunc  dixit:  'Recepisti  michi 
modo  omnia.'  Dixit:  'Sic'  Tunc  dixit;  'Veni,  karissime,  amputa  michi 
manum,  ne  aliquis  dicat,  quod  sine  defensione  accepisses  michi!'  Tunc 
dixit  ille:  'Vade  et  teneas  tibi  manum  tuam!'  Ille  iterum rogavit.  Tunc 
dixit  latro:  'Certe  ego  facio.'  Et  posuit  sibi  manum  super  unum  truncum 
et  respexit,  cum  alter  percuteret  manum.  Et  alter  percussit  gladio  [?], 
quod  non  poterat  acquirere,  et  alter  apprehendit  eum  et  recepit  gladium 
et  amputavit  sibi  caput,  scilicet  latroni,  et  ipse  recepit  vestimenta  sua  et 
ivit  et  cantavit  sicut  prius.  Tunc  latrones  iverunt  et  dixerunt;  'Vadamus, 
videamus,  ubi  sit  socius  noster,'  et  invenerunt  eum  occisum.  Tunc 
dixeiunt:  'Ecce  dixi,  quod  interficeret  nos  omnes.' 

Ähnliches  erzählt  das  Theatrum  Europaeum  13,  246  (1698)  als 
eine  im  Dezember  1687  bei  Schöneberg  im  Mecklenburgischen  vor- 
gefallene Begebenheit;  dort  erschlägt  der  Räuber  den  Hund  des 
Metzgers  mit  seinem  bis  dahin  versteckt  gehaltenen  Beile;  als  er 
dem  Metzger  die  Hand  abhauen  will,  zieht  jener  sie  schnell  weg, 
und  das  Beil  bleibt  im  Stamme  stecken.  Ferner :  Der  anmuhtige 
Historicus  1702  S.  101.  Hilarius  Salustius,  Melancholini  Weeg- 
Gefärth  1717  S.  375.     Bunker  S.  262  nr.  87    'Der  Fleischhackerbub'. 


200.    Der  goldene  Schlüssel.  455 

Simrock,  Märchen  S.  244  nr.  52.  Pröhle,  M.  f.  d.  Jugend  S.  144  nr.  35. 
Niederländisch :  Volkskunde  18,  95  nr.  93.  Armenisch :  Ethnol.  Mitt. 
aus  Ungarn  3,  91.  —  Bei  J.  P.  de  Memel,  Lustige  Gesellschaft  1660 
nr.  244  und  1118  (Anno  1649)  bittet  der  Knecht  den  Käuber,  ihm 
ein  Loch  durch  den  Hut  zu  schießen;  ebenso  Lolivetta,  Das 
Teutsche  Gespenst  1684  S.  62;  Manderssen,  Joco-seria  poetica  1689 
nr.  230  =  Guarna,  Bellum  grammaticale  1908  S.  *24;  Bl.  f.  pomm. 
Volksk.  9,  166.  Vlämisch  :  Joos  3,  109.  Koreanisch :  Zs.  f.  Volksk. 
22,  78  nr.  45. 


200.   Der  goldene  Schlüssel.  me  s.  202 

1815  nr.  70;  1819  nr.  161;  1837  nr.  168;  1840  nr.  178;  1843 
nr.  194;  1856  nr.  200.  —  Von  der  Marie  im  Wildschen  Hause  zu 
Kassel,  Mai  1813. 

Ähnlich  aus  dem  Bernburgischen  in  dem  Deutschen 
Sprachbuch  von  Adolf  Gutbier  (Augsburg  1853)  S.  843  =  Firmenich 
2,  227 :  Hühnchen  findet  ein  Schlüsselchen  im  Mist,  und  Hähnchen 
findet  ein  Kästchen.  Es  wird  aufgeschlossen,  und  es  liegt  darin  ein 
kleines,  kurzes,  rotseidenes  Pelzchen.  Wäre  das  Pelzchen  länger 
gewesen,  so  wäre  auch  das  Märchen  länger  geworden.  Aus  dem 
Vogtlande  in  den  Mitteilungen  d.  V.  f.  sächs.  Volkskunde  6,  156 
(1914)  'A  guldigs  Schlüssele'.  Aus  Pommern  bei  Jahn,  Schwanke 
S.  63  'Das  Kästchen'.  Aus  Posen  bei  Knoop,  Ostmk.  Sagen  1,  193 
nr.  90  'Die  kleine  Geschichte'.  Gereimt  bei  Gaudy,  Sämtl.  Werke 
16,  46  'Vom  goldenen  Schlüssel'  (1844).  —  Niederländisch  bei 
Dykstra  2,  146  'De  gouden  sleutel'.  —  Norwegisch:  Asbjörnsen 
nr.  91  'Skrinet  met  det  Rare  i'  (Kalbsschwanz).  Bergh  3,  33.  — 
Schottisch:  Campbell2  2,  494  nr.  57  'The  tau'  =  Jacobs,  More 
celtic  f.  tales  nr.  46.  —  Portugiesisch:  *Coelho,  Jogos  e  rimas 
infantis  p.  39.  — •  Serbokroatisch:  Krauß  1,  272  nr.  61  'Eine 
kurze  Mär'.  1,  273  nr.  62  'Die  merkwürdige  Geschichte'.  — 
Wendisch:  Nawuka  S.  79  (Wäre  der  Flachs  länger  gewesen,  wäre 
auch  das  Märchen  länger).  S.  112  nr.  28  (Mann  und  Eule  schauen 
einander  an).  —  Zigeunerisch:  Wlislocki  1886  nr.  63  'Das  kurze 


456  200.    Der  goldene  Schlüssel. 

Märchen'  (Kiste)  und  Volksdichtungen  1890  S.  430  'Das  kurze 
Märchen'  (Hundeschwanz).  —  Lettisch:  Böhm  nr.  54a  'Die 
Spatzen'. 

Über  ähnliche  Neckmärchen  vgl.  oben  2,  210.  Ein  englischer 
Kinderreim  von  den  drei  klugen  Leuten  von  Gotham,  die  in  einer 
Schüssel  übers  Meer  fahren  (Halliwell,  Nursery  rhymes  p.  59  nr.  65) 
schließt :  'And  if  the  bowl  had  been  stronger,  my  song  would  have 
been  longer'.     Ähnlich  ebd.  p.  65  nr.  76. 


201.    Der  heilige  Joseph,  im  Walde.  457 


Kinderlegenden  « s  .» 

(Nr.  201—210). 

Die  ersten  sieben  dieser  Erzählungen  erhielten  die  Brüder 
Grimm  aus  dem  Paderbörnischen  durch  die  Familie  v.  Haxthausen, 
der  sie  so  manches  in  ihrer  Sammlung  verdankten.  Es  sind  Märchen, 
auf  die  heilige  Geschichte  angewendet,  die  auf  ähnliche  Weise  von 
der  lebendigen  Volksdichtung  in  manchem  einzelnen  Glauben  fort- 
gebildet wird.1) 


201.   Der  heilige  Joseph  im  Walde. 


1856   S.  263. 


1819  2,  289  nr.  1.  Aus  dem  Paderbörnischen.  Danach 
vlämisch  bei  Joos  3,  163  nr.  52  'Van  Sint  Jozef  en  de  drij 
Kindjes'.  —  Die  Erzählung  gehört  zu  dem  Märchen  von  der  guten 
und  bösen  Schwester,  die  nacheinander  bei  einem  überirdischen 
Wesen,  wie  Erau  Holle  oder  den  Haulemännlein    (oben  1,   226.    99), 

2)  So  glaubt  man,  jeden  Sonnabend  scheine  einmal  die  Sonne. 
Alle  Freitage  nämlich  geht  die  Mutter  Gottes  durch  das  Fegfeuer,  dann 
kommen  die  armen  Seelen  und  küssen  den  Saum  ihres  Kleides  und 
weinen  soviel  auf  den  Schlepp  desselben,  daß  er  ganz  naß  wird.  Darum 
scheint  am  Sonnabend  immer  einmal  die  Sonne,  damit  er  wieder  trockne. 
(Ähnlich  Birlinger,  Volkstümliches  aus  Schwaben  1,  189.  Haltrich,  Zur 
Vk.  der  Siebenbürger  Sachsen  1885  S.  294.  299.  Nach  französischem 
Volksglauben  will  die  Mutter  Gottes  Sonnabends  das  Hemdchen  für  ihr 
Kind  trocknen :  Revue  des  trad.  pop.  17,  340.  18,  101.  Sebillot,  Folklore 
de  France  1,  48).  —  Um  die  Zeit,  wann  Maria  übers  Gebirge  geht, 
wächst  reichlich  eine  Art  kleiner  Blumen,  die  heißen  Muttergottes- 
p  antöff  eichen,  weil  sie  damit  über  das  Gebirge  geschritten  ist;  vgl. 
Dähnhardt,  Natursagen  2,  258.  —  Gott  schaut  alle  Jahre  dreimal 
vom  Himmel  herab;  "wen  er  dann  müßig  sitzen  sieht,  der  kann  auch 
müßig  sitzen,  solange  er  lebt,  er  bat  doch  etwas  zu  leben  und  braucht 
nicht  für  den  kommenden  Tag  zu  sorgen;  wer  aber  gerade  arbeitet,  der 
muß  auch  sein  Lebtage  arbeiten.  Darum  sagt  man :  'Wo  einen  unser  Herr 
Gott  bei  sieht,  da  läßt  er  einen  auch  bei.'    (1822). 


458  201.    Der  heilige  Joseph  im  Walde. 

in  Dienst  treten  und  für  ihre  Demut  und  Freundlichkeit  Lohn,  für 
Stolz  und  Habgier  aber  Strafe  empfangen.  Statt  der  zwei  Schwestern 
treten  hier  drei  auf. 

In  einer  deutschböhmischen  Erzählung  von  den  beiden 
Stiefschwestern,  die  der  Student  J.  Kral  aus  Solisbad  [Solislau?]  bei 
Mies  den  Brüdern  Grimm  mitteilte,  wie  er  sie  von  seiner  Amme 
gehört,  muß  zuerst  die  böse  Schwester  aus  dem  Elternhause  und 
folgt  dem  rollenden  Kuchen  ins  Waldhaus,  wo  ein  Männlein  der 
Erlösung  harrt : 1) 

Es  war  einmal  ein  Witwer,  der  hatte  eine  Tochter;  er  heiratete 
eine  Witwe,  die  hatte  auch  eine  Tochter.  Diese  zwei  Töchter  konnten 
sich  nun  nicht  gut  miteinander  vertragen ;  denn  die  Tochter  des  Mannes 
war  sehr  gutherzig,  die  Tochter  von  der  Frau  war  aber  sehr  bösartig. 
Da  nun  sehr  oft  Streitereien  vorfielen,  so  befahl  der  Mann  dem  Weibe, 
daß  sie  ihre  Tochter  wohin  in  Dienst  schicken  sollte.  Da  nun  kein  Wider- 
reden half,  so  nahm  sie  ein  sehr  schönes  Mehl,  Eier,  Butter  usw.  und 
buk  ihrer  Tochter  einen  Kuchen.  Mit  diesem  machte  sich  nun  das 
Mädchen  auf  den  Weg  und  ging  fort,  bis  sie  auf  einen  Hügel  kam,  wo 
sie  nicht  wußte,  wohin  sie  sich  begeben  sollte.  Sie  kam  auf  den  Einfall, 
ihren  Kuchen  fortrollen  zu  lassen  und  ihm  nachzugehen.  Gedacht,  getan. 
Sie  ließ  den  Kuchen  laufen  und  ging  ihm  bis  zu  einem  kleinen  Häuschen 
nach,  wo  er  stehen  blieb.  Ohne  sich  lange  zu  besinnen,  ging  sie  hinein, 
um  ein  Nachtlager  zu  begehren.  Doch  da  sie  hineinkam,  fand  sie  nie- 
manden darin  als  einen  Hund  und  eine  Katze.  Sie  dachte:  Vielleicht 
wird  doch  jemand  kommen,  und  setzte  sich,  um  ihren  Kuchen  zu  ver- 
zehren. Kaum  brach  sie  ihn  auseinander,  als  sich  ihr  der  Hund 
schmeichelnd  näherte  und  sie  um  ein  Stückchen  bat.  Zornig  stieß  sie  ihn 
aber  mit  dem  Fuße  weg,  indem  sie  sagte:  'Dergleichen  Sachen  gehören 
nicht  für  einen  Hund.'  Eben  dies  widerfuhr  der  bittenden  Katze.  Als 
die  Nacht  einbrach  und  noch  niemand  kam,  sah  sie  sich  ängstlich  um 
und  erblickte  in  der  Ecke  ein  Bett.  Gleich  fragte  sie  den  Hund  und  die 
Katze,  ob  sie  sich  wohl  hineinlegen  könnte.  Diese  aber  antworteten  ihr, 
daß  sie  selbst  gegessen,    folglich    sich  selbst  raten  könne.     Nach  langem 


*)  Ähnlich  raten  im  oberfränkischen  Märchen  bei  Spiegel  nr.  12  die 
dankbaren  Tiere  dem  Mädchen,  das  Mann  lein  Spannenlang  zu  küssen 
und  so  zu  erlösen.  In  der  deutsch-böhmischen  Fassung  bei  Laube  1902 
S.  106  =  Haller  S.  126  verwandelt  sich  das  Männlein  Spannenlang  aber 
nicht  in  einen  Jüngling;  vgl.  Arnim  S.  19  und  Firmenich  2,  224  (oben 
1,  212),  die  slowakische  Erzählung  oben  1,  218,  sowie  oben  S.  423  'Oll 
Binkrank'.  —  Der  rollende  Kuchen  z.  B.  bei  Spiegel  nr.  1  'Die  Gold- 
tür und  die  Bechtür'  und  cechisch  oben  1,  217. 


201.    Der  heilige  Joseph,  im  "Walde.  459 

Hin-  und  Herzweifeln  legte  sie  sich  doch  in  das  Bett.  Kaum  aher  hatte 
sie  sich  niedergelegt,  so  hörte  sie  ein  großes  Gepolter  an  der  Türe  und 
eine  dumpfe  Stimme,  welche  ihr  befahl,  aufzumachen.  Da  sie  sich  aber 
immer  mehr  in  das  Kissen  einhüllte,  so  sprang  die  Türe  auf;  ein  Faß 
wälzte  sich  hinein,  aus  diesem  kroch  ein  kleines  dickes  Männchen  hervor, 
sprang  auf  das  Bett  zu  und  zerriß  sie  entzwei. 

Als  nun  ein  Jahr  vergangen  war  und  die  Tochter  nicht  kam,  so 
brachte  es  die  Mutter  dahin,  daß  auch  der  Mann  seine  Tochter  hinweg- 
schicken mußte.  Nachdem  sie  ihr  aus  "Wasser  und  dem  schwärzesten 
Mehl  einen  Kuchen  gemacht,  ging  die  Arme  mit  Tränen  in  den  Augen 
fort.  Auch  sie  kam  auf  den  Hügel,  beschloß  ihrem  Kuchen  zu  folgen 
und  gelangte  so  zu  der  nämlichen  Hütte,  wo  sie  auch  den  Hund  und  die 
Katze  wieder  antraf.  Als  sie  ihren  Kuchen  verzehrte,  so  gab  sie  jedem 
ein  Stück,  ohne  darum  gebeten  zu  werden,  und  bedauerte  nur,  daß  sie 
nichts  Besseres  geben  konnte.  Nun  legte  sie  sich  auf  Anraten  der  Tiere 
in  das  Bett  und  schlief  ein.  Nach  einer  Weile  hörte  sie  ein  Gepolter 
und  eine  Stimme,  welche  ihr  aufzumachen  befahl.  Auf  Anraten  der  Tiere 
machte  sie  auf.  Als  nun  das  kleine  Männchen  aus  dem  Fasse  kroch, 
befahl  es  ihr,  ihn  auszukleiden  und  zu  sich  ins  Bette  zu  nehmen.  Alles 
dies  tat  sie  auf  den  Bat  der  Tiere.  Als  sie  aber  früh  erwachte,  erblickte 
sie  statt  des  kleinen  Männchens  einen  schönen  Jüngling,  von  dem  sie 
erfuhr,  daß  er  ein  verwunschener  Prinz  war  und  sie  ihn  durch  ihre  Gut- 
mütigkeit erlöst  hätte.  Die  Tiere  hatten  sich  in  Hausbediente,  das 
Häuschen  aber  in  ein  Schloß  verwandelt.  Sie  ließ  ihre  Eltern  holen, 
ward  mit  dem  Prinzen  getraut  und  lebte  bis  an  ihr  Ende  sehr  vergnügt. 

Zu  dem  oben  1,  212  f.  angeführten  Märchen  von  den  beiden 
Schachteln,  die  ein  gutes  Schwesterchen  und  ein  böses  Brüderlein 
von  einem  Bettler  erhalten,  (Zingerle  1,  1.  2,  39.  Haller  S.  36  'Lohn 
und  Strafe'.  Kuhn-Schwartz  S.  335  nr.  9 ;  auch  vlämisch  und 
norwegisch)  sei  hier  noch  eine  kurze  Fassung  von  J.  Grimms  Hand 
aus  dem  Nachlasse  nachgetragen,  betitelt  'Der  gute  und  böse  Geist' : 

Brüderchen  und  Schwesterchen  gehen  zusammen  in  den  Wald,  da 
begegnet  ihnen  ein  alter  Mann  und  bittet  um  ein  Stückchen  Brot.  Der 
Bruder  gibt  nichts,  aber  die  Schwester.  Dafür  erhält  jener  eine  schwarze, 
diese  eine  weiße  Schachtel  geschenkt,  sollen  sie  aber  nur  in  verschlossener 
Kammer  aufmachen.  In  der  schwarzen  befindet  sich  ein  Teufelchen,  in 
der  weißen  ein  Engelchen,  die  springen  heraus. 


460  202.    Die  zwölf  Apostel.     203.    Die  Rose. 


i85o  s.  263.  202.   Die  zwölf  Apostel. 

1819  2,  293  nr.  2.  Aus  dem  Paderbörnischen.  —  Ver- 
wandt mit  den  Sagen  von  den  sieben  Schläfern  (J.  Koch,  Die  Sieben- 
schläferlegende 1883.  M.  Huber,  Die  Wanderlegende  von  den 
Siebenschläfern  1910)  und  von  den  in  Bergen  schlafenden  Helden, 
die  erst  zu  der  bestimmten  Zeit  wieder  erwachen,  wie  die  drei  Teile 
bei  Grimm,  DS.2  nr.  298.  J.  Grimm,  Myth.3  S.  903.  Rohde, 
Psyche2  1,  123.  Hartland,  Science  of  folktales  p.  170.  207.  A.  van 
Gennep,  Formation  des  legendes  1910  p.  194.  Mitt.  der  schles.  Ges.  f. 
Vk.  6,  47.  Huber,  Siebenschläfer  S.  390  (bergentrückte  Helden). 
Die  böhmische  Sage  von  den  Rittern  im  Blanik  ist  nach  E.  Kraus 
(Narodop.  Vestnik  ceskoslov.  12,  113)  aus  hussitischer  Tradition  in 
der  Zeit  der  Gegenreformation  entstanden.  Drahomanov,  Rozvidky 
2,  95.  Kuzelja,  Uhorskyj  korolj  Matvij  Korvin  (Zap.  tov  im.  Sev- 
cenka  70,  86).  Veselovskij,  Zumal  min.  narod.  prosv.  1875  179,  97. 
Weryho,  Spiacy  rycerze  (Wisla  3,  845). 


1856  S.  264. 


203.    Die  Rose. 

1819  2,  294  nr.  3.  Aus  dem  Paderbörnischen.  —  Danach 
das  Gedicht  'Dei  Räuse'  in  westfälischer  Mundart  bei  Firmenich  1, 
351  und  P.  van  Duyse,  Het  Klaverblad  1848  S.  52  'De  Roozeknop'. 
—  Die  weiße  Rose  wird  auch  sonst  als  das  Vorbild  des  Todes, 
ihr  Aufblühen  als  das  Eröffnen  des  ewigen  Lebens  betrachtet;  vgl. 
Grimm,  D.  Myth.3  S.  786.  919.  Bechstein,  Sagenschatz  des  Thüringer- 
landes 1838  4,  221  nr.  39  'De  wiß  Jaumpfer  offer  Wallfaihrt'.  Grimm, 
DS.2  nr.  264.  265  'Rebundus  im  Dom  zu  Lübeck'.  Kühnau  3,  502 
nr.  1904.  1905.  Studien  zur  vgl.  Litgesch.  6,  413  f.  N.  Hocker,  Die 
Stammsagen  der  Hohenzollern  und  Weifen  1857  S.  33. 


204.  Armut  und  Demut.    205.  Gottes  Speise.  461 


204.   Armut  und  Demut  führen  zum  Himmel,  lsse  s.  »> 


1819  2,  295  nr.  4.  Aus  dem  Paderbörnischen.  —  Die 
Erzählung  von  dem  geduldigen,  unter  der  Treppe  liegenden  Aschen- 
sohn, der  sich  die  ewige  Freude  des  Himmels  erwirbt,  ist  nach  der 
Legende  des  h.  Alexius  gebildet.  Vgl.  Acta  Sanctorum  Julii  4, 
238;  Gesta  Romanorum  c.  105  ed.  Oesterley;  H.  von  Hoffmannsthal, 
Prosaische  Schriften  1,  25 ;  Konrad  von  Würzburg,  Alexius  hsg.  von 
Henczynski  1898;  Millien,  Litt,  orale  du  Nivernais  1,  41  (1906); 
Magnanelli,  Canti  narrativi  religiosi  1,  15  (1909);  Archivio  20,  292; 
Blau,  Germania  33,  181 ;  Amiaud,  La  legende  syriaque  de  Saint 
Alexis  1889;  Zs.  f.  Volkskunde  19,  363  (armenisch).  23,  313  (serbo- 
kroatisch); Toldo,  Studien  zur  vgl.  Litgesch.  2,  93. 

Sieben  Jahre  lang  zieht  auch  im  südfranzösischen  Märchen 
(Revue  des  1.  rom.  31,  586)  ein  Mädchen  zur  Buße  in  der  Ferne 
umher  und  stirbt  hier  zuletzt  unerkannt  im  väterlichen  Hause ;  vgl. 
die  Ballade  von  des  Markgrafen  Töchterlein  (Erk-Böhme,  Liederhort 
nr.   182  c.  e). 

Über  die  aus  dem  Grabe  des  lange  verkannten  Frommen  auf- 
blühende Lilie  vgl.  Blümml,  Studien  zur  vgl.  Litgesch.  6,  412. 
426.     7,  161.    J.  Meier,  Volksliedstudien  1917  S.  147. 


205.    Gottes  Speise.  isse  s.  %*. 

1819  2,297  nr.  5.  Aus  dem  Paderbörnischen.  —  Erinnert 
an  das  Lied  von  der  reichen  und  der  armen  Schwester  in  Holland: 
'Ach  wer  will  hören  singen'  (J.  Koler,  Hundert  christenliche  Hauß- 
gesenge  1,  nr.  5.  1569  —  Erk-Böhme,  Liederhort  1,  622  nr.  209  e). 
Zwo  newe  Zeytunge,  Nürnberg  1587  (Berlin  Ye  4761).  Jüngere 
Fassungen  nennen  z.  T.  andere  Orte:  Erk-Böhme  1,  619  nr.  209a — 209f; 
Scherer,  Jungbrunnen  nr.  130;  Rosegger,  Ausgewählte  Schriften  4, 
373  (1882) ;  Wolfram,  Nassauische  Volkslieder  nr.  41 ;  Amft,  Volks- 
lieder der  Grafschaft  Glatz  nr.  36 ;  Parisius  nr.  13  (Jsb.  des  altmärk. 
V.  f.  Gesch.  19,  155);  Blätter  f.  pommersche  Volkskunde  4,  122; 
Adamek,  Netzegau  1913  nr.  31 ;  Frischbier,  100  ostpreuß.  Volkslieder 
1893  nr.  28.     Wolgakolonien    1914    nr.  46.    —    Niederländisch: 


462  205.    Gottes  Speise. 

Bols,  100  oude  vlaamsche  Liederen  1897  nr.  54  ==  F.  van  Duyse, 
Het  oude  nederlandsche  Lied  3,  2618  nr.  677;  vgl.  Blyau  en  Tasseel, 
Iepersch  oud  liedboek  1902  nr.  39  'Van  de  bakkersvrouwe'.  P.  van 
Duyse,  Het  klaverblad  1848  S.  75  'De  twee  zusters'.  —  Dänisch: 
Kristensen,  Gamle  jyske  Folkeviser  2  (1876),  S.  30  nr.  18 ;  Kristensen, 
Gamle  Viser  i  Folkemunde  4  (1891),  S.  189  nr.  70;  Skattegraveren 
4,226.  6,  179.  —  Schwedisch:  Hazelius,  Ur  de  nordiska  Folkens 
Lif  1882  S.  126.  152.  —  Spanisch:  F.  Wolf,  Beiträge  zur  span. 
Volkspoesie  1859  S.  15  =  Sitzgsb.  der  Wiener  Akad.  31,  143  'Ko- 
mance  del  pan  de  Dios'  (das  Brot  blutet).  —  Polnisch:  Gorczynski, 
Das  Brot  (Nitschmann,  Der  polnische  Parnaß  1875  S.  296). 

Ähnliche  Prosaberichte1)  finden  sich  bei  Fincelius,  Wunder- 
zeichen 3,  Bl.  Hjb  (1567);  Hondorff,  Promptuarium  exemplorum  1570 
1,  343  a  (geschehen  1557  zu  Leia  in  Holland)  =  1598  2,  261b; 
W.  Bütner,  Epitome  historiarum  1576  Bl.  384  a  =  1596  Bl.  304  b; 
M.  Hammer,  Historischer  Eosengarten  1654  S.  113;  M.  Zeiler,  Hand- 
buch von  allerlei  nützlichen  Sachen  1655  S.  27  (Danzig) ;  G.  v.  Fürst, 
Curieuse  Eeisen  1739  S.  88  (steinernes  Brot  in  Leiden  aufbewahrt); 
Grimm,  DS.2  nr.  241  'Brot  zu  Stein  geworden' ;  E.  Meier,  Sagen  aus 
Schwaben  1852  1,  319  nr.  39  'Der  steinerne  Brotlaib';  Franzisci, 
Märchen  aus  Kärnten  1884  S.  62  'Das  blutende  Brot' ;  Münsterische 
Geschichten  1825  S.  169.  249;  vgl.  Bahlmann,  Münsterländische 
Märchen  1898  S.  124.  184;  Schell,  Bergische  Sagen  S.  9;  Hüllenhoff, 
Sagen  S.  145  nr.  199  'Das  versteinerte  Brot';  Das  Land  3,  123.  188 
(1895).  —  Niederländisch:  Wolf,  Mederld.  Sagen  nr.  158  (Gent) 
=  Goyert-Wolter  S.  86;  Wolf  nr.  362  (Dokkum),  363  (Leiden);  De 
Cock  en  Teirlinck,  Brabantsch  Sagenboek  2,  276  nr.  492 ;  Dykstra 
1,  29  (Bonifatius).  —  Dänisch:  Thiele,  Danmarks  Folkesagn  2,  310 
'Forstenet  Brod'.  Kamp,  Folkeminder  S.  171  nr.  59.  Eevue  des 
trad.  pop.  7,  594  nr.  32.  —  Französisch:  Annuaire  des  trad.  pop. 
1887,  21  =  Sebillot,  Folklore  de  France  1,  308.  —  Cechisch: 
Hrase,  Povidky  2,  115.  Sbornik  Bozena  Nemcova  S.  242  (Teller, 
Sagen  der  Herrschaft  Nachod.  1839).  —  Tatarisch  aus  Gouv.  Jeli- 
savetpol:  Sbornik  Kavkaz.  13,  2,  303  nr.  4  (Erbsen). 

*)  Brot,  das  den  Bettlern  vorenthalten  worden,  wird  zu  Schlangen 
und  Kröten,  oben  S.  1681.  Erbsen  werden  zu  Stein  bei  Wolf,  Hessische 
Sagen  1853  nr.  230,  Linsen  bei  Graber,  Sagen  aus  Kärnten  1914  nr.  345. 
Der  h.  Peregrinus  (Acta  Sanctorum  Januarii  3,  758)  verwandelt  das  Brot 
der  hartherzigen  Frau  in  Stein.     Vgl.  Luzel,    Gwerziou  Breiz-Izel  1,    81. 


206.    Die  drei  grünen  Zweige.  463 

Wie  die  arme  Mutter  hier  von  ihren  drei  verstorbenen  Kindern 
sagt,  Gott  habe  sie  gesättigt,  so  wird  unten  S.  474  der  Tod 
des  frommen  Knaben  als  eine  Ladung  zum  Tische  Gottes  bezeichnet. 
Dagegen  leitet  eine  sächsische  Ortssage  bei  Grässe,  Sagenschatz  des 
Königreichs  Sachsen2  2,  6  nr.  606  den  Namen  des  Dorfes  Gottes- 
speise bei  Zwickau  davon  ab,  daß  ein  im  Schneegestöber  verirrter 
Knabe  nach  drei  Tagen  unversehrt  aufgefunden  wurde;  ein  Engel 
hatte  ihn  mit  Käse  und  Brot  gespeist. 


206.    Die  drei  grünen  Zweige.  lsse  s.  264. 

1819  2,298  nr.  6.  Aus  dem  Paderbörnischen.  —  Illustriert 
von  C.  Alf  auf  dem  Münchner  Bilderbogen  nr.  894.  —  Ähnlich 
französisch  bei  Luzel,  Legendes  ehret.  1,  204  'Le  brigand  sauve 
avant  Termite'  (der  Stab  des  Räubers  bekommt  eher  Blätter  als  der 
des  Waldbruders)  und  verblaßt  ebd.  1,  209  'L'ermite  et  le  vieux 
brigand'.  Serbokroatisch:  Stankov  Kukic,  Srps.  nar.  umotvor. 
S.  103.  Kl  ein  russisch  aus  Galizien :  Etnogr.  Zbirnyk  13,  141 
nr.  333.  334. 

Während  hier  das  Hauptgewicht  auf  die  strenge  Buße  fällt, 
die  dem  Einsiedler  für  ein  einziges  hartherziges  Wort1)  auferlegt 
wird  und  die  auch  die  wilden  Räuber  erschüttert,  tritt  in  andern 
Legenden  die  Bekehrung  des  sündenbeladenen  Räubers  in  den 
Vordergrund.  Jakob  von  Vitry  (Exempla  ed.  Crane  1890  nr.  72) 
erzählt  von  einem  Räuber,  der  einem  Einsiedler  seine  Mordtaten 
beichtete,  aber  keine  andre  Buße  auf  sich  nehmen  wollte  als  vor  jedem 
Kreuz  am  Wege  kniend  ein  Vaterunser  zu  beten.  Wie  der  Räuber 
die  Zelle  verließ,  sah  er  Verwandte  eines  von  ihm  Erschlagenen  auf 
sich  zuschreiten ;  er  floh,  hielt  aber  vor  dem  nächsten  Kruzifix  an, 
um  sein  Gelübde  zu  erfüllen,  und  ward  von  den  Verfolgern  erschlagen. 
Da  gewahrte  der  Einsiedler,  wie  Engel  seine  Seele  zum  Himmel 
trugen,  und  murrte  über  die  dem  Sünder  erwiesene  Gnade  Gottes; 
er  beschloß  ins  Weltleben  zurückzukehren,  aber  der  Teufel  legte  ihm 


J)  Ähnlich  wird  ein  frommes  Mädchen  für  eine  selbstgerechte 
Äußerung  bestraft:  Melusine  1,  300  'Christic' ;  Revue  des  1.  rom.  31,  586 
'Cecüe';  Webster,  Basque  legends  p.  209  'The  saintly  orphan  girl'. 


464  206.    Die  drei  grünen  Zweige. 

ein  Hindernis  in  den  Weg,  daß  er  fiel  und  den  Hals  brach,  und 
seine  Seele  fuhr  zur  Hölle.  Ebenso  bei  Herolt,  Sermones  1495 
49,  R  und  im  Promptuarium  exemplorum  M,  nr.  25 ;  Klapper,  Er- 
zählungen des  Mittelalters  1914  nr.  117  'De  penitentia  s.  de  cruce' ; 
Odo  de  Ceritona  (Cat.  of  romances  in  the  British  museum  2,  60  nr.  12) ; 
Caesarius  von  Heisterbach,  Libri  VIII  miraculorum  1901  S.  214  nr.  1 
'De  poenitentia  imposita' ;  Etienne  de  Bourbon,  Anecdotes  historiques 
ed.  Lecoy  de  la  Marche  nr.  26 ;  danach  Magnum  speculum  exem- 
plorum 1610  p.  809  (Poenitentia  nr.  10;  aus  Nicolaus  Dünckelspühel). 
Meon,  Nouveau  recueil  de  fabliaux  1823  2,  202  'De  Termite  qui  se 
desespera  pour  le  larron  qui  ala  en  paradis  avant  que  lui,  ou  du 
larron  qui  se  converti'  (aus  Vie  des  anciens  peres;  s.  Jahrbuch  f 
roman.  Lit.  7,  417  nr.  28).  Eior  de  virtü  historiato,  Trento  o.  J.  (um 
1700.  Berlin  Np  1608)  Bl.  35b  'Dell'  incostanza  esempio'  (nella 
Vita  de'santi  padri) ;  danach  Hans  Vintler,  Pluemen  der  Tugent  ed. 
Zingerle  1874  v.  4862  'Von  der  unstät'.  In  einem  mittelenglischen 
Gedichte  'The  eremyte  and  the  outlawe'  (ed.  Kaluza,  Engl.  Studien 
14,  165;  vgl.  ebd.  16,  434  und  Kittredge,  ebd.  19,  177)  sind  Eäuber 
und  Einsiedler  Brüder.  An  einem  Karfreitag  geht  der  Räuber  zur 
Kirche  und  beichtet  einem  Vikar,  weist  aber  alle  Bußwerke  zurück, 
bis  ihn  der  Geistliche  fragt,  was  ihm  am  meisten  zuwider  sei. 
'Wassertrinken',  antwortet  er.  'So  trink  heut  keinen  Tropfen  Wasser! 
Dann  absolviere  ich  dich'.1)  Nachdem  der  Eäuber  dies  gelobt,  über- 
fällt ihn  auf  dem  Heimwege  ft.^uterlicher  Durst.  Drei  Mädchen  mit 
Wasserkannen  begegnen  ihm  und  wollen  ihn  laben ;  er  aber  bleibt 
standhaft,  zieht  endlich  sein  Messer,  sticht  sich  in  den  Arm  und 
schlürft  das  hervorströmende  Blut,  bis  er  erschöpft  und  betend  ver- 
scheidet. Der  Eremit  sieht  seines  Bruders  Seele  durch  Engel  davon- 
tragen und  murrt  wider  Gott;  aber  ein  Engel  belehrt  ihn,  und  er 
bestattet  im  Verein  mit  dem  Vikar  den  Leib   des  Toten. 


*)  So  fragt  bei  Jakob  von  Vitry  nr.  284  der  Beichtiger  eine  Frau, 
welche  Speise  ihr  am  meisten  zuwider  sei,  und  verordnet,  als  sie  Zwiebeln 
nennt,  daß  sie  sich  dieser  eo  Ehalte.  Ebenso  bei  Etienne  de  Bourbon 
nr.  166,  Pauli,  Schimpf  und  Ernst  nr.  317,  Schmeller,  Bayerns  Mund- 
arten 1821  S.  497.  —  Im  Fablel  'Le  Chevalier  au  barizel'  (Barbazan-Meon 
1,  208.  Hertz,  Spielmannsbuch  1900  S.  218)  wird  die  leichte  Aufgabe, 
ein  Fäßlein  mit  Wasser  zu  füllen,  für  den  Raubritter  ein  mühevolles 
Bußwerk. 


206.    Die  drei  grünen  Zweige.  465 

Neuere  Volksmärchen  verbinden  mit  dieser  Legende  ein  weiteres 
Motiv,  die  Erlösung  eines  vom  Vater  dem  Teufel  verschrie- 
benen Knaben.1)     Wir  unterscheiden  folgende  Teile: 

A.  Ein  Knabe,  der  vor  seiner  Geburt  vom  Vater  dem  Teufel 
verschrieben  worden  war,  wandert  zu  diesem  hin.  —  B.  Ein  Ein- 
siedler, den  er  nach  dem  Weg  zur  Hölle  fragt,  weist  ihn  an  den 
Räuber,  seinen  Bruder.  —  C.  Der  Räuber  führt  ihn  zur  Hölle.  — 
I)1.  Dort  erhält  der  Knabe  die  Verschreibung  zurück  und  (D2)  sieht 
das  für  den  Räuber  bereitete  feurige  Bett  oder  den  Stuhl.  —  E1.  Der 
Räuber  tut  darauf  Buße  und  stirbt  selig;  (E2)  sein  Stab  treibt  Blüten 
und  Früchte.  —  F1.  Der  Einsiedler  wundert  sich,  fügt  sich  aber  in 
Gottes  Ratschluß,  oder  (F2)  lästert  ihn  und  verfällt  der  Verdammnis. 

Häufig  wird  der  Name  des  Räubers  genannt:  Matthes,  englisch 
Mathew,  polnisch  Madej  (Amadeus),  Abraham,  slovakisch  Mataj, 
Matüs,  Hamadej,  weißrussisch  Mazeusz,  Juda,  dänisch  Midian,  litauisch 
Dimijan,  deutsch  und  wendisch  Barabas,  Hütl,  wendisch  Lipskuljan, 
kleinrussisch  Prokop,  großrussisch  Räch,  kaschubisch  Robin,  Remiasz, 
litauisch  Remiasz,  Judoszius,  Mikodemas,  Andrejus,  cechisch  Lokes, 
Dobiäs,  Benes,  Setnik  (Hauptmann),  Zahof,  serbokroatisch  Ignjat, 
Matias,  Beno,  schwedisch  Karl,  dänisch  Cyprianus,  magyarisch 
Stephan  und  Pilinko,  kroatisch  Petar  Rauber,  gagausisch  Peter 
Sodom.  —  Aus  der  Schweiz  bei  Jegerlehner,  Was  die  Sennen  er- 
zählen S.  216  'Des  großen  Mörders  Bekehrung'  (ABCD'EF2)  = 
Jegerlehner,  Sagen  aus  Oberwallis  S.  45  'Der  große  Mörder'  (P1)  = 
Bächtold  S.  89.  Elsaß:  Stöber,  Elsässische  Neujahrsblätter  1846, 
230  'Vom  Söhnlein,  das  seinen  Vater  erlöste'  (AD'E1,2.  Statt  des 
Räubers  erscheint  der  verstorbene  Vater,  der  ein  Bäumchen  mit 
seinen  Tränen  begießen  muß).  Baden:  Baader  1851  nr.  301  'Kind 
dem  Teufel  verschrieben'  (A  B  C  D1  •  2  E1  P2)  —  Simrock,  Der  gute 
Gerhard  1856  S.  38.  Schwaben:  Meier,  Volksmärchen  nr.  16 
LDer  Räuber  Matthes'  (A,  Maria  beschreibt  den  Weg  zur  Hölle, 
CD1,2  E1,  nach  zwölf  Jahren  absolviert  der  Knabe,  der  Priester  ge- 
worden, den  Räuber:  der  Einsiedler  fehlt).  Baj^ern:  Sepp,  Sagen- 
schatz 1876  S.  591  nr.  162  'Tannhäusersage'  (E1-2).  Schönwerth  3, 
35  'Der  Gang  nach  der  Hölle'  (AÜD^E*-2;  Hütl).  Steiermark: 
Rosegger,  Volksleben  in  Steiermark  1888  S.  535  (ABCD1-^1!12; 
der   Knabe    zerschneidet    den    Räuber)    =    Rosegger,    Ausgewählte 


J)  Vgl.  dazu  oben  1,  21.  302.  2,  329.  3,  107;  auch  1,  98.  490. 

Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III.  3Q 


466  206.    Die  drei  grünen  Zweige. 

Schriften  1882  4,  407.  Kärnten:  Carinthia  1865,  402  'Der  dem 
Teufel  Verschriebene'  (AB  CD1'2E1*2F2;  der  Knabe  heilt  des 
Räubers  Sohn  mit  einer  Salbe,  die  er  vom  dritten  Einsiedler  erhalten) 
=  Franzisci,  Sagen  2,  19.  He  anzisch:  Bunker  nr.  83  'Der  Räuber- 
hauptmann und  der  Einsiedler'  (E1-2F2).  Siebenbürgen:  Haltrich 
nr.29  'Des  Teufels  Hilfe'  (ACD^E1;  entstellt)  und  nr.  31  'Die  Er- 
lösung' (CD1-2E1-2).  Lothringen:  Peters,  Aus  Lothringen  S.  167 
'Der  Teufelsbanner'  (A  B  C  D1"2  E1  F2;  der  Teufelsbanner  läßt  sich 
vom  Knaben  in  857  Stücke  schneiden).  Schlesien:  Schlesische 
Provinzialblätter  n.  F.  4,  26  nr.  4  (A  C  D1' 2  E1  • 2;  Madejas  Keule  wird 
ein  Apfelbaum,  der  Knabe  wird  Bischof  und  absolviert  ihn).  Przi- 
billa  S.  81  'Vom  Madeja-Bette'  (A  C  D1  •  2  E1  • 2.  Madeja  kniet  unterm 
Apfelbaum,  bis  der  Knabe  als  Bischof  wiederkehrt).  Hannover: 
Schambach-Müller  S.  320  nr.  32  'Wer  wird  selig?'  (ACE^2.  Ent- 
stellt; die  Mutter  verspricht  den  Sohn  dem  Teufel,  der  Räuber  läßt 
sich  zerschneiden,  ein  Pastor  lästert).  Harz:  Pröhle,  M.  f.  d.  Jugend 
nr.  63  'Barrabas'  (AD1-2E1-2)  und  S.  235  (A  B  C  D1'  2E'  F2).  Pom- 
mern: Jahn,  Vm.  1,  336  nr.  61  'Der  schwarze  Frosch'  (A  C  D1-2  E1  ■ 2). 
Asmus-Knoop  S.  90  'Der  gerettete  Mörder  (ACD1-2E1-2;  dazu  die 
dem  Wanderer  aufgetragenen  Fragen,  oben  1,  282).  Posen:  Knoop, 
Posener  Märchen,  Progr.  1909  S.  3  nr.  1  'Der  Vertrag  mit  dem  Teufel' 
(ACD1'2E1-2).  Aus  dem  Posener  Lande  2,  60  (1907)  'Die  Keule 
des  Madej'.  *Posener  Heimatkunde  3,  nr.  8.  —  Dänisch:  Grundt- 
vig,  Minder  2,  61  'Haltefanden  og  Studenten'  (A  C  D1  ■ 2  E1  ■  2.  Midians 
Bett)  —  Grundtvig,  Folkeaeventyr  3,  174  'Haltefanden'.  Grundtvigs 
hsl.  Register  nr.  58'  'Frelse  fra  den  onde'.  Skattegraveren  4,  103 
'Cypri  bisp'  (Per,  der  nachts  auf  dem  Kreuzweg  dem  verkappten 
Teufel  in  der  Meinung,  es  sei  seine  Geliebte  Stine,  Treue  gelobt 
hat,  erhält  vom  Zauberer  Cypri  bisp  d.  i.  Cyprianus  einen  Brief  an 
den  Höllenfürsten;  Cypri  läßt  sich  von  ihm  mit  Dornen  zu  Tode 
peitschen.  CD1-2E1).  —  Schwedisch:  Aberg  nr.  114  'Karl  Röf- 
vares  sang'  (ACD1,2E1F2.  Kind  von  der  Mutter  dem  Teufel  ver- 
sprochen, der  Räuber  läßt  sich  totpeitschen,  über  seine  Errettung 
ärgert  sich  eine  fromme  Frau).  —  Irisch:  Folk-lore  Journal  2,  34 
'The  gentleman  traveller'  (der  Held  verschreibt  sich  dem  Teufel,  der 
ihm  als  schöne  Jungfrau  erscheint,  und  wird  vom  Papst  an  den 
Priester  gewiesen,  von  diesem  an  den  Kartenspieler  Mathew ;  B  C 
D1,aE1F1;  Mathew  läßt  sich  verbrennen).  In  einer  schottischen  Sage 
(Grimm, Irische  Elfenmärchen  S.XXXV=W.  Grimm, Kl.  Schriften  1,424 


206.    Die  drei  grünen  Zweige.  467 

nach  W.  Grant  Stewart,  Populär  superstitions  of  the  Highlanders  1823)  ge- 
wahrt der  von  dem  Zauberer  Michael  Scott  in  die  Hölle  Gesandte  dort 
das  für  Michael  bestimmte  Marterbett.  Kennedy,  Fireside  stories  p.  126. 
—  Französisch:  Luzel,  5e  rapport  (Archives  des  missions  seien  - 
tifiques  3.  Serie  1.  37.  1873)  'Le  pere  qui  vendit  son  fils  au  diable'. 
Luzel,  Leg.  ehret.  1, 175  'L'enfant  voue  au  diable  et  le  brigand  qui 
se  fait  ermite'  (A  B  C  D1  ■ 2  E1  F2.  Räuber  läßt  sich  kreuzigen).  1,  187 
'Le  brigand  et  son  frere  Termite'  (Pächter  holt  die  Quittung  vom 
verstorbenen  Herren  aus  der  Hölle.  BCD1-2E1F2.  Räuber  zerhackt 
und  verbrannt).  1,  267  'Le  marquis  de  Tromelin,  qui  vendit  son  fils 
au  diable  et  alla  dans  l'enfer  retirer  le  titre  de  vente'  (der  Vater, 
durch  eine  in  die  Brust  eingenähte  Hostie  geschützt,  geht  statt  des 
Sohnes  zur  Hölle.  A  B  C  D1  ■ 2  E1  F1.  Räuber  läßt  sich  zerfleischen). 
Jegerlehner,  Sagen  aus  dem  Unterwallis  S.  86  'Le  deux  Crierins' 
(ACD^F2).  —  Rumänisch:  Schott  S.  165  nr.  15  'Der  Versöh- 
nungsbaum' (ACD^E1-2).  —  Slovenisch:  Krek  S.  62  nr.  26 
(A  D1  • 2  E1  • 2).  Kres  5,  302  (1885.  A  D1  •  2  E1  • 2).  Nar.  pripov.  Soskih 
plan.  1,  17  nr.  2  —  Gabrscek  S.  21  nr.  2  (entstellt;  anstatt  des 
Räubers  büßt  Lucifer  auf  Schwertern  kniend;  seitdem  ist  die  Hölle 
ohne  Herrscher).  Saselj,  Bisernice  1,  226  nr.  7  (AD1,8E1,2).  — 
Serbokroatisch:  Preindlsberger-Mrazovic  S.  1  (AD1-2E1,2,  ein- 
gestreut eine  Vampirgeschichte).  Krauß,  TSM.  1,  64  nr.  18.  Miku- 
licic  S.  116  nr.  21  (AB  CD1-2;  der  Räuber  pilgert  kniend  nach 
Rom)  =  Krasic  2,  28  nr.  13;  vgl.  Wisla  5,  54.  Strohal  1,75  nr.  11 
(AB.D1**E1-*F1).  2,  51  nr.  19  (Petar  Rauber;  AD^'E1'3). 
M.  Stojanovic,  Pucke  pripov.  S.  35  nr.  6  (Beno.  A  D1 "  2  E1  ■  2).  Corovie 
S.  19  =  Bogdanovi6  S.  148  nr.  19.  Risti6  -  Loncarski  S.  8  nr.  2. 
Zbornik  jslav.  10,  193.  19,  52  nr.  7  (A  D1  ■  2  E1  ■  2).  21,  140  nr.  3 
(A  D1  • 2  E1  2).  Danica  10,  478  nr.  17  (1869).  Rovinskij,  Öernogorija 
2,2,  567  (der  hl.  Demetrius).  StankovKukic  S.  103.  —  Bulgarisch: 
Sbornik  min.  8,  191.  —  Wendisch:  Haupt-Schmaler,  Volkslieder  2, 
176  nr.  15  'Lipskulijans  Bette'  (ACD1,2E'-2)  —  Haupt,  Sagen- 
buch 2,  217  nr.  318.  Schxilenburg,  Volkssagen  S.  60  'Der  Räuber' 
(Barabas.  CD2E1,2).  Schulenburg,  Volkstum  S.  13  'Lipskuljans 
Bette'.  Nawuka  S.  95  nr.  21  (AD1<2E1-2).  —  Öechisch:  Slavia  2, 
56  nr.  16.  1878  (A  B ;  der  Räuber  zwingt  den  Teufel  selber,  dem 
jungen  Priester  die  Verschreibung  zurückzugeben,  beichtet  dann 
und  stirbt  selig ;  der  Einsiedler  lästert  und  wird  nicht  mehr  vom 
Engel    gespeist);    vgl.  Wisla  3,  107.     Väclavek,    Poh.  a  pov.  Val.  3, 

30* 


468  206.    Die  drei  grünen  Zweige. 

25  (A  D1  •  a  E1  •  a).  Närodopisny  Vestnik  2,  133  (AD1-2  E1  •  2).  Öes. 
Lid  5,  55  nr.  1  (ADll2E1>2).  Aus  Mähren:  Kulda  3,  171  nr.  24 
(A  B  C  D1  •  2  E1  •  2).  Kulda  3,  47  nr.  4  (andre  Einleitung.  D1  ■  2  E1  ■  2). 
Kulda,  Mor.  nar.  poh.  2,  203  nr.  117  (A  D1  •  2  E1  •  2).  Väclavek,  Poh.  a 
pov.  Val.  3,  25  (A  D1  • 2  El  • 2).  Vaclavek,  Val.  poh.  a  pov.  S.  84 
(A  D1  •  2  E1  •  2).  Hs.  Peck  nr.  46.  Pfikryl,  Zah.  Krön.  S.  213  (A  BD1-2 
E1  •  2).  Aus  der  Grafschaft  Glatz  :  Kubin,  2,  258  nr.  86  (Bruchstück.  E2j. 
K.J.Erbens  Gedicht  Zähof  ovo  loze.—  Slovakisch:Cod.Eev.CS.69— 72 
=  Prostonar.  Zabav.  4,  295  (A  C  D1  •  2  E1  •  2)  =  Prostonar  Zabav.  5,  12. 
Cod.  Tis.  C  S.  11—17  --=  Sbornik  Mat.  slov.  2,  139  (AD1-2E1-2j  = 
Dobsinsky  2,  12  (Mataj).  Prochazka,  Kolär.  draten.  S.  72  (AD1-2 
E1  •  2).  Sbornik  mus.  slov.  spol.  18,  10  nr.  46  (A  D1  ■  2  E1 .  2j.  Slov. 
Pohl'ady  21,  596  (AD1>2E1-2).  Bei  Czambel  S.  419  ist  'Hamadejs 
Bett'  in  ein  Märchen  von  einer  verwünschten  Prinzessin  eingeschaltet. 
—  Polnisch:  Woycicki  p.  105  =  Woycicki-Lewestam  S.  74 
'Madey'  =  Kletke,  Märchensaal  2,  111  =  Naake  p.  220.  Haupt- 
Schmaler,  Volkslieder  der  Wenden  2,  315  'Das  Bett  des  Madaj'. 
Poplinski,  Wybör  prozy  i  poezyi  polskiej  1853  S.  139  (Toppen, 
Aberglauben  aus  Masuren  1867  S.  1232).  Hess.  Blätter  f.  Volksk.  4, 
71  'Der  Vertrag'  (ACD1-2E1-2.  Madaj).  Malinowski  2,  3  (AD1-2 
E1-2);  2,  97  (ACD1-2E1-2);  2,  176  (AD1-2E1-2j.  Ciszewski, 
Krakowiacy  S.  67  nr.  60  (AD*-2E1-2);  S.  69  nr.  61;  S.  71 
nr.  62  (desgl.).  Zbiör  11.  106  =  Ciszewski,  Lud  rolniczo- 
görniczy  S.  256  nr.  15  (A  D1  •  2  E1  ■  2).  Kolberg,  Lud  8,  122  nr.  49 
(Madej  A  E2 ;  der  junge  Priester  hört  des  Räubers  Beichte,  wandert 
in  die  Hölle  und  kehrt  erst  nach  40  Jahren  zurück).  14,  197  nr.  45 
(AD1-2E1-2;  aus  Posen).  14,  201  nr.  46  (AD1-2E1-2;  aus  Posen). 
Karlowicz,  Wisla  2,  804.  3,103  (AD1.»!1.1;  aus  Lublin  und Gouv. 
Plock).  300.  602.  5,  43.  46  (D2).  Mater,  antropol.  10,  246  nr.  22 
(A  D1  •  2  E1  •  2).  Sprawozdania  Korn.  je.z.  5,  91  (A  D1  ■  2  E1  ■  2).  Polaczek, 
Wies  Kudawa  S.  247  (entstellt.  Der  vom  Herrn  in  die  Hölle  ge- 
schickte Knecht  begegnet  einem,  der  nach  Madejs  Bett  fragt). 
St.  Zdziarski,  Ludowosc  w  poezyi  pols.  (Lud  10,  389) :  Gedicht  von 
A.  Czajkowski ;  andre  literarische  Bearbeitungen  bespricht  Karlowicz, 
Wisla  3,  104.  —  Kaschubisch:  Hilferding  S.|  90  und  134 
(Remiasz).  Lorentz,  Teksty  S.  420  nr.  537  (AD1.2  E1-2).  451  nr.  577 
(Bruchstück.  E1,2).  594  nr.  731  (desgl.)  —  Kleinrussisch: 
Kolberg,  Pokucie  4,  145  nr.  26  (A  Dl  •  *  E1  •  »>  Wisla  3,  302.  Aus 
Galizien:  Etnogr.  Zbirnyk  13,  143  nr.  335  (eine  Ledertasche,   in  der 


206.    Die  drei  grünen  Zweige.  469 

der  Räuber  Steine  tragen  soll,  fällt  ab,  nachdem  er  einen  Bösewicht 
getötet).  13,  144  nr.  336  (der  eiserne  Reifen,  den  der  Räuber  um 
den  Kopf  trägt,  springt  bei  gleichem  Anlaß).  13,  146  nr.  338  (AD1- 3 
E1-3).  13,  149  nr.339  (ÄD1-1B1-1).  13,150  nr.340  (AD1-  2E1  • 2). 
13,  151  nr.  341  (dem  Räuber,  der  als  Knabe  dem  Teufel  verschrieben 
war,  legt  der  Priester  Buße  auf ;  zwei  Äpfel  fallen  nicht  von  dem 
wunderbar  wachsenden  Apfelbaum  ab,  weil  der  Räuber  seine  Eltern 
erschlagen  hat).  14,  251  nr.  46  (ADt,2E1,2;  der  Räuber  verbrennt 
sich  selber,  sein  Kopf  muß  einen  tiefen  Brunnen  vom  Schlamm 
reinigen).  25,  188  nr.  28  (A  D1  ■  2  E1  •  2.  Südungarn).  3,  121  nr.  47 
(AD1-2E1-2.  Nordungarn).  9,  31  nr.  16  (AD1,8E1<S;  dazu  andre 
Motive).  33,  67  nr.  141  (A  Di  •  2  E1  ■  2).  Zs.  f.  Ost.  Vk.  6,  236  (AD1  ■ 2 
E1  •  2.  Bukowina).  MateryaJy  antropol.  2,  98  nr.  71  (drei  Bussen: 
Scheiterhaufen,  Apfelbaum  aus  seinem  Stock,  Steine  in  eisernen 
Säcken  tragen).  13,  197  nr.  173  (stark  gekürzt.  Galizien).  Zivaja 
Starina  12,  465  nr.  3  (AD1'^1'8.  Gouv.  Siedlec  und  Lublin). 
Malinka  S.  305  nr.  29  (E2 ;  erst  als  der  Elternmörder  dreimal  nackt 
durch  Dornen  kriecht,  fallen  die  letzten  zwei  Äpfel  ab.  Gouv. 
Cernigov).  Ignatij  z  Niklovic  S.  3  nr.  2  (A  D1 .  2  E1  ■  2)  =  Drago- 
manov  S.  406.  Dragomanov  S.  50  nr.  17  (nur  die  Einleitung).  S.  131 
nr.  2.  Kulis,  Zapiski  1,  309  (AD1-2E1,2,  eingeflochten  in  einen 
Höllenbesuch ;  zwei  Äpfel  bleiben  hängen,  weil  der  Räuber  seine 
Eltern  ermordet  hatte).  —  Weißrussisch:  Glihski  4,  5  nr.  1 
'Madej'  =  Chodzko  p.  103  (AD^E1-2).  Federowski  2,  311  nr.343 
(E1*2).  Romanov  3,  307  nr.  65  (Elternmörder  vom  Einsiedler  ver- 
brannt). Wisla  3,  602  (AD^E1-2.  Gouv.  Wilna).  Dobrovoljskij  1, 
158  nr.  91  (der  Räuber  muß  selber  seinen  Scheiterhaufen  errichten). 
Sejn  2,  371  nr.  217.  —  Großrussisch:  Afanasjev,  Legendy  nr.  27 
=  Ralston  p.  376.  Chudjakov  3,  95  nr.  101  (BD1-2;  der  sündige 
Kaufmann,  zu  dem  der  Einsiedler  den  Knaben  schickt,  wird  verbrannt 
und  selig).  Sadovnikov  S.  292  nr.  99a  (A  B ;  der  Räuber  holt  selber 
den  Schein  aus  der  Hölle,  wird  verbrannt;  seine  Seele  begießt 
drei  Scheite);  S  295  nr.  99b  (entstellt);  S.  297  nr.  99c  (E2; 
der  Sünder  wird  zu  Stein,  da  ihm  der  Incest  mit  Mutter  und 
Schwester  wohl  verziehen  wird,  aber  nicht  der  mit  der  Gevatterin) ; 
S.  299  nr.  99  d  (der  reuige  Räuber  soll  schwarze  Schafe  weiden,  bis 
sie  weiß  werden ;  das  geschieht,  als  er  den  Tabak  verbrennt,  den 
einige  Fuhrleute  auf  den  Markt  führen);1)  S.  300  nr.  99  e  (zwei 
*)  Auch  in  einer  Erzählung  aus  dem  Gouv.  Stauropol  (Wisla  5,  57 


470  206.    Die  drei  grünen  Zweige. 

Schlösser,  die  der  Räuber  in  den  Ohren  trägt,  fallen  ab).  — 
Litauisch:  Schleicher  S.  75  'Vom  Studenten,  der  in  die  Hölle 
und  in  den  Himmel  ging'  (ACD1,2E1,2).  Leskien-Brugman  S.  500 
nr.  45  'Vom  armen  Mann,  der  seinen  Sohn,  noch  ehe  er  zur  Welt 
kam,  dem  Teufel  verschrieb'  (ACD1,JE1,J.  Dimijans  Bett).  Do- 
wojna-Sylwestrowicz  1,  119  (A;  der  Jüngling,  der  die  Verschreibung 
von  dem  Sünder  Judoszius  holen  will,  soll  ihm  den  Bescheid  des 
Einsiedlers  bringen,  wie  er  Buße  tun  könne;  er  wird  selig,  als  er 
sich  einen  Scheiterhaufen  baut  und  in  die  Flammen  springt).  2,  268 
(ACD1-2E1-2).  2,  271  (ACD'-'E1'2).  2,  279  (ACD1-^1-2; 
verstümmelt).  —  Lettisch:  Zbiör  wiad.  18,  344  nr.  35  (Einleitung 
gekürzt.  D1-2E1-2).  —  Lappländisch:  Friis  nr.  46  —  Poestion 
nr.  55  'Der  arme  Bursch,  der  Teufel  und  die  goldene  Burg'  (AD1; 
dann  der  König  vom  goldenen  Berge,  oben  2,  325).  —  Ma- 
gyarisch: Magyar  Nyelvör  15,  569  =  Zs.  f.  Volkskunde  13,  70 
'Der  alte  Pilinko'  (ACD1>sEllS).  Kriza  nr.  18  =  Notes  and  queries 
6.  ser.  10,  63  (1884)  —  Jones-Kropf  p.  7  'Stephen  the  murderer'. 
—  Gagausisch:  Radloff  10,  78  nr.  46  (Peter  Sodom.  AD1'2 
Gott  selbst  in  Gestalt  eines  alten  Holzhauers  berät  den  zur 
Hölle  wandernden  Jüngling;  die  Erfüllung  der  auferlegten  Buße 
fehlt).  —  Zigeunerisch:  Fr.  Müller,  Romsprache  (Wiener 
SB.  61,  172)  nr.  3  'Der  wallachische  Zigeuner'  enthält  einen  Anklang 
an  das  Motiv  E2,  den  dürren  Ast,  den  der  Einsiedler  mit  sich  trägt, 
bis  drei  grüne  Zweige  daraus  sprießen;  der  Zigeuner,  der  seinen  Vater 
erschlagen  hat,  pflanzt  seinen  Stock  auf  das  Grab  und  begießt  ihn  24  Jahre 
lang  auf  den  Knien  rutschend  mit  Wasser,  das  er  im  Munde  aus 
dem  Bache  herzuträgt,  bis  ein  großer  Apfelbaum  daraus  wird.  Doch 
klingt  diese  Stelle  auch  an  eine  bulgarische  Sage  von  der  Buße  Loths 
und  dem  Kreuzholz  Christi  bei  Strauß  1898  S.  115  und  an  eine 
kleinrussische  Parallele  zur   Gregorlegende    bei  Dragomanov   p.    130 


nach  dem  Sbornik  Kavkaz.  7)  wird  der  büßende  Sünder  erlöst,  als  er 
Tabakshändler  tötet.  Ebenso  Sbornik  Kavkaz.  16, 1, 201,  wo  die  schwarzen 
Schafe  weiß  werden,  als  der  Geist  des  toten  Sünders  die  Tabakshändler 
umbringt.  Über  die  hier  zugrunde  liegende  Lehre  der  Raskolniki  vgl. 
Polivka,  Festschrift  für  Jagic  S.  387  und  Javorskyj,  Naukovo-liter. 
Sbornik  1901  S.  50.  In  andern  slawischen  Fassungen  muß  der  Büßer 
einen  andern  Bösewicht  töten;  so  erfüllt  er  in  Nekrasovs  Gedicht  'Wem 
ist  gut  in  Rußland  zu  leben'  (Socinenija  2,  257.  1886)  die  Aufgabe,  eine 
uralte  Eiche  mit  seinem  Messer  zu  fällen,  indem  er  einen  grausamen 
Gutsherrn  ersticht. 


207.   Mutter-Gottes- Gläschen.  471 

=  Russische  Revue  17, 139  (1880)  an.1) —Mongolisch:  eine  Erzählung 
'Syttychtur-burchan'  aus  Potanins  Ocerki  severozap.  Mongolit  S.  531  wird 
in  der  Wisla  5, 58  mit  unserm  Märchen  verglichen. — Arab  i  s  ch  Schmidt- 
Kahle,  Palästina  nr.  61  'Wer  kommt  in  den  Himmel  und  wer  in  die 
Hölle?'  Pihan,  Choix  de  fables  et  historiettes  1866  p.  98  =  Eevue 
des  trad.  pop.  22,  291  nr.  3. 


207.    Mutler-Gottes-Gläschen.  ^  s.  264. 

1819  2,  301  nr.  7.  Aus  dem  Paderbörnischen.  —  Wie 
in  vielen  Märchen  wird  hier  der  Lohn  der  Liebe  und  Milde  gezeigt. 
Vgl.  Reling  und  Bohnhorst,  Unsere  Pflanzen2  1889  S.  163.  Vlämisch: 
De  Mont  &  de  Cock,  Vertelsels  p.  119  '0.  L.  Vrouwe-Glazeken'  = 
Rond  den  Heerd  7,  175.     Teirlinck,  Folklore  flamand  p.  38.     Goyert- 


l)  Eine  Legende  (*Fleur  des  Bollandistes,  14.  Sept.  Stndien  z.  vgl. 
Litg.  8,  54.  Väterbuch  S.  323.  162  ed.  Reissenberger.  Anders  Acta 
Sanctorum  Martii  3,  696)  berichtet,  daß  der  ägyptische  Einsiedler 
Johannes  der  Zwerg  zum  Zeichen  seines  Gehorsams  drei  Jahre  lang 
täglich  einen  dürren  Stab  begießt,  bis  er  Blätter  treibt;  ebenso  der 
h.  Baldus  von  Frankreich  (*Fleur,  29.  Okt.).  Ebenso  in  den  Legenden 
von  Loth  (Brückner,  Apokryfy  sredniowieczne  S.  271),  vom  büßenden 
Sohne  (Klapper,  Erzähl,  des  MA.  S.  399  nr.  194.  Veselovskij,  Razy- 
skanija  6 — 10,  379.  Zdanov,  Russ.  bylev.  epos  S.  325)  und  andern  (Jb. 
f.  rom.  Lit.  7,  408.  Luzel,  Legendes  2,  97.  Strekelj,  Slov.  nar.  pesmi 
1,  493  nr.  484—490.  Etnogr.  Zbirnyk  13,  141  nr.  332.  Federowski  2, 
310  nr.  342.  Wlislocki,  Armenier  S.  156  nr.  56;  vgl.  oben  S.  1072).  Das 
Vorbild  dieses  Sagenzuges,  der  in  der  Christoph-,  Tannhäuser-,  Georg-, 
Polykarp-,  Bernhard-,  Franziskus-,  Brigitta-  und  vielen  andern  Legen- 
den wiederkehrt,  ist  der  Knospen  und  Mandeln  tragende  Stab 
Aarons  (4.  Mose  17,  8) ;  vgl.  Gressmann,  ZfVk.  23,  29 ;  Liebrecht, 
Gervasius  von  Tilbury  1S56  S.  112 ;  E.  C.  Brewer,  Dictionary  of 
miracles  1884  p.  53;  Er.  Schmidt,  Charakteristiken2  2,  33;  Bevue  des 
trad.  pop.  19,  65.  336.  532.  21,  123.  22,  289.  25,  141.  28,  63  'Le  bäton  qui 
reverdit';  Toldo,  Studien  z.  vgl.  Litgesch.  8,  49— 56;  Marriage,  Alemannia 
26,  115;  J.  Meier,  Volksliedstudien  1917  S.  144;  Arnaudov,  Period.  Spi- 
sanie  71,  206;  Sumcov,  Razb.  etnograf.  trudov  E.  R.  Romanova  S.  72; 
J.  Franko,  Cesky  Lid  4,  22;  A.  Fischer,  Lud  15,  202.  16,  34;  Polivka, 
Närodop.  vestnik  ceskoslov.  12,  33  (über  die  Lebenszeichen) ;  Chauvin 
5,  51. 


472  208.    Das  alte  Mütterchen. 

Wolter  S.  74.  —  Über  andere  nach  der  Jungfrau  Maria  benannte 
Blumen  s.  J.  Grimm,  Myth.3  S.  1146.  3,  350  und  Dähnhardt,  Natur- 
sagen 2,  260.  Anderwärts  wird  die  Ackerwinde  (Convolvulus 
arvensis)  freilich  auch  Teufelsdarm  genannt. 


1856  s.  264.  208.   Das  alte  Mütterchen. 

1819  2,  301  nr.  8.  Aus  Hessen.  —  Die  Legende  ist  verwandt 
mit  der  verbreiteten  Sage  von  der  nächtlichen  Messe  der  Toten1)  oder 
der  Geisterkirche,  von  der  schon  Gregor  von  Tours,  In  gloria 
confessorum  c.  72  (MG.  Scr.  rer.  Meroving.  1,  790:  Autun.  Zs.  f.  dt. 
Mythol.  4,  80),  Thietmar  von  Merseburg,  Chronicon  1,  c.  7  (MG.  Scr. 
3,  737:  Walsleben,  Magdeburg,  Deventer;  danach  der  Annalista 
Saxo  z.  J.  929,  MG.  Scr.  6,  597),  Enoch  Widmann  in  seiner 
Chronik  von  Hof  (ed.  Chr.  Meyer  1894  S.  113  z.  J.  1516.  Grimm, 
DS.2  nr.  176)  und  die  Zimmerasche  Chronik  (4,  113:  Meßkirch  1562. 
Badisches  Sagenbuch  1,  210.  1898)  berichten.  1584  hörte  man  zu 
Rossitten  in  Livland  aus  einer  zerstörten  Kirche  lieblichen  Gesang- 
tönen und  fand  dort  eine  Schar  von  Toten,  welche  das  Nahen  des 
jüngsten  Tages  verkündeten  (Unland,  Volkslieder  nr.  357  und 
Schriften  4,  324).  —  Neuere  Aufzeichnungen  aus  der  Schweiz : 
Henne  am  Bhyn.  Die  deutsche  Volkssage2  S.  587.  Jecklin  3. 
21  =  1916  S.  12.  402.  Elsaß:  Stöber-Mündel,  Sagen  2,  25 
nr.  26.  Baden:  Baader,  Sagen  nr.  202.  314.  355.  446.  Allgäu: 
Reiser  1,  401  nr.  489.  490.  Bayern:  Panzer,  Beitrag  2,  109.  Tirol: 
Zingerle,  Sagen2  nr.  467.  481— 485  mit  Anm.;  Menghin  S.  87 ;  Alpen- 
burg, Alpensagen  nr.  373.  Salzburg:  Vernaleken,  Alpensagen  S.  65; 
Weinhold,     Zs.    f    Vk.     6,     442.       Kärnten:     Graber,    Sagen    1914 


x)  Von  einer  Totenprozession,  die  in  der  Allerseelen- oder  Weih- 
nacht stattfindet,  erzählt  man  in  Oberwallis  (Jegerlehner  2,  202  nr.  100 
bis  102.  2,  271  nr.  29),  Schlesien  (Kühnau  1,  375  nr.  369—371),  Posen 
(Knoop,  Sagen  1913  S.  11  nr.  21),  Frankreich  (Le  Enaz  2,  102),  Italien 
(Pitre,  Nov.  pop.  toscane  p.  136  nr.  20),  bei  den  Cechen  (Cesky  Lid  5, 
236.  W.  Popelka,  hsl.  Sammlung  S.  42.  Charvät  S.  123),  Kleinrussen 
[Materyaly  antropol.  13,  15S  nr.  37),  Weißrussen  (Federowski  1,  nr.  1045) 
und  anderwärts. 


208.    Das  alte  Mütterchen.  473 

nr.  245 — 249.  Niederösterreich:  Leeb  nr.  119.  Oberpfalz:  Schön- 
werth  1,  277.  305.  Hessen:  Wolf,  Hessische  Sagen  nr.  169. 
Thüringen:  Bechstein,  Sagenschatz  3,  104;  Wucke,  Sagen  1891 
nr.  573.  Vogtland:  Eisel,  Sagenbuch  nr.  283—285;  Köhler,  Volks- 
brauch S.  530;  Meiche,  Sagenbuch  nr.  305.  Böhmen:  Zs.  f.  öst. 
Vk.  4,  304.  Langer,  Das  östl.  Deutschböhmen  2,  123.  12,  151.  185. 
Schlesien:  Kühnau,  Schles.  Sagen  1,  210  nr.  299—302.  3,  352 
nr.  1731.  Kühnau,  S.  aus  Schlesien  nr.  10.  Mitt.  f.  schles.  Vk. 
15—16,  85.  114.  Posen:  Knoop,  Sagen  1893  S.  136;  Sagen  1913 
S.  12.  30.  Köln:  Bethany,  Zs.  f.  Vk.  6,  441.  Westfalen:  Zs.  f. 
rhein.  Vk.  7,  151.  Harz:  Pröhle,  Harzsagen  S.  96.  118;  Pröhle, 
Unterharzische  Sagen  S.  163;  Ey  S.  208.  Hannover:  Schambach- 
Müller  S.  236.  Holstein:  Müllenhoff,  Sagen  nr.  232.  233.  Mecklen- 
burg: Kuhn-Schwartz  nr.  5 ;  Bartsch  1,  363  nr.  497 — 498.  Branden- 
burg: Engelien-Lahn  nr.  42.  Pommern:  Jahn,  Volkssagen  nr.  525. 
Asmus-Knoop  S.  42.  Blätter  f.  pomm.  Volksk.  5,  4.  37.  6,  69.  8,  129. 
9,63.  Ostpreußen:  Lemke  3,  112  nr.  75.  76.  —  Niederländisch: 
Wolf,  Ndl.  Sagen  nr.  581.  —  Dänisch:  Kristensen,  Sagn  og 
overtro    fra    Jylland    2,   1,   378   nr.  682—683.     Feilberg,  Jul  2,  327. 

—  Schwedisch:  Dybeck,  Runa  3,  19.  Feilberg,  Jul  2,  328. 
Stroebe  1,  200.  —  Norwegisch:  Asbjörnsen,  Vm.  und  Wald- 
geistersagen übers,  von  Denhardt  S.  11  =  Stroebe  2,  14.  Feilberg, 
Jul  1,  69.  2,  34.  327.  —  Isländisch:  Maurer  S.  57.  75.  — 
Irisch:  Lover,  Legends  of  Ireland  1848  p.  187  'The  priest's  ghost'. 

—  Bretonisch:  Le  Braz,  La  legende  de  la  mort  1902  1,  63.  2, 
104.  Luzel,  Legendes  2,  352.  Revue  des  trad.  pop.  3,  599.  — 
Französisch:  Blade,  Gascogne  2,  266  'La  messe  des  fantömes'. 
Sebillot,  Auvergne  p.  103.  —  Italienisch:  Schneller  S.  240. 
Savj-Lopez,  Le  valli  di  Lanzo  1886  p.  187.  Gr.  di  Giovanni,  Usi 
del  Canavese  1889  p.  138.  Grisanti,  Usi  di  Isnello  1,  134  = 
Archivio  17,  314.  Rivista  delle  tradiz.  pop.  italiane  1,  143  (Sardinien). 
Mailly  nr.  23  'Das  Totenbein' ;  nr.  40  =  Archivio  20,  296  nr.  13.  — 
Cechisch:  Sedlacek,  Nar.  poh.  a  pov.  1,  21.  Pohadky  a  pov.  naseho 
lidu  S.  96.  —  Polnisch:  Toppen  S.  114.  —  Kleinrussisch: 
Zs.  f.  österr.  Volksk.  1,  297.  Etnogr.  Zbirnyk  15,  124  nr.  211.  212. 
34,  29  nr.  637.  —  Ungarisch:  Zs.  f.  Vk.  4,  314  nach 
Versenyi,  Progr.  Kremnitz  1892  S.  16.  —  Jüdisch  aus  Galizien: 
Am  Urquell  n.  F.  1,  345.  Zbiör  17,  266  nr.  3.  Mitt.  f.  jüd.  Vk. 
18,  62. 


474  209.    Die  himmlische  Hochzeit. 

Wie  das  Mütterchen  in  der  Kirche  ihre  Kinder  in  der  Gestalt 
erblickt,  die  sie  ohne  ihren  frühen  Tod  erhalten  hätten,  so  die 
freiwillig  kinderlose  Frau  in  einem  kleinrussischen  Märchen  Zs. 
f.  Völkskunde  10,  437  und  in  den  bretonischen  und  italienischen 
Seitenstücken  Euphorion  4,  331.  Der  Mutter  des  h.  Arnulfus  ver- 
kündet ein  Engel,  das  verstorbene  Kind,  um  das  sie  trauere,  sei 
einem  schlimmeren  Schicksale  entgangen  (Acta  Sanctorum  Augusti 
3,  231). 


1856  s.  264.  209.    Die  himmüsche  Hochzeit. 

1815  nr.  35  =  1819  2,  203  nr.  9.  Aus  dem  Mecklen- 
burgischen 1814,  11.  August,  doch  auch  im  Münsterland  bekannt. 

Schon  zu  Anfang  des  12.  Jahrh.  erzählt  G-uibert  von  Nogent, 
De  pignoribus  sanctorum  1,  c.  2,  2  (Migne,  Patrol.  lat.  156,  617: 
'Acolythus  puer  imaginem  alloquitur,  cui  et  ipsa  dedit  responsum'), 
wie  ein  zum  Altardienst  verordneter  Knabe  beim  Hochamt  zu  Saint- 
Quentin  mit  den  Abendmahlsbroten  das  am  Lettner  angebrachte 
Kruzifix  anredete:  'Herr,  willst  du  von  meinem  Brot?'  Da  antwortete 
das  Steinbild:  'Bald  werde  ich  dir  von  meinem  Brote  geben'.  Und 
wenige  Tage  darauf  starb  der  Knabe.1]  —  Bei  Grautier  von  Cluny, 
De  miraculis  b.  v.  Mariae  c.  3  (Migne  173,  1383)  kniet  eine  Frau, 
die  ihr  kleines  Kind  im  Arm  hält,  vor  einem  Standbilde  Marias  mit 
dem  Jesusknaben.  Das  Kind  bietet  diesem  ein  Stück  von  seinem 
Brot  an :  'Kind,  iß !'  und  weint,  als  das  Bild  sich  nicht  regt.  Da 
spricht  Jesus :  'In  drei  Tagen  werde  ich  mit  dir  speisen'.  Vollständig 
lautet  der  Text : 

Accidit,  ut  quaedam  pauper  mulier  cum  parvulo  filio,  quem  in  ulnis 
ferehat,  sola  supradictam  ecclesiam  ingrederetur    nemine  in  ecclesia  con- 

1)  . .  .Patenam  autem  cum  hostia,  quae  erat  of ferenda,  gerebat.  Imago 
denique  a  fronte  cancelli  gypsea,  crucifixi  Domini  speciem  praeferens, 
eminebat,  quae  non  longe  a  Quintini  martyris  sepulcro  distabat.  Cumque 
imagini  assisteret  et  of  ferenda  deferret,  puerili  tarn  verbo  quam  sensu  ad 
imaginem  dixit :  'Vultis',  ait,  'Domine,  de  pane  meo  ?'  Cui  ille  evidentissime 
respondere  dignatur :  'Ego',  ait,  'in  proximo  tibi  de  meo  pane  dabo.'  Qui 
his  auditis  morbo  corripitur  et  infra  dies  paucissimos  suo,  quem  brevi 
tenuerat,  exutus  hominiculo,  compos  trabeae  coelestis  efficitur  et  ante 
imaginem,  quae  id  sibi  spoponderat,  sepelitur. 


209.    Die  himmlische  Hochzeit.  475 

sistente;  quod  ubi  mulier  conspexit,  coram  Dei  genitricis  imagine  genua 
ponens  orationem  propriam  coepit  dicere  et,  ut  sibi  dignaretur  adesse, 
sapplex  orare.  Forte  parvalus,  quem  mulier  in  brachiis  tenebat,  frustum 
panis  dentibus  adhuc  infirmis  ruminabat;  qui  intuens  puerum,  quem  beata 
Virgo  in  manibus  tenebat,  partem  panis  sui  fregit  et  imagini  filii Virginis 
porrexit  balbutiendo  dicens  :  'Infans,  comede.'  Quod  dum  saepius  iteraret 
et  puero  similitudo,  utpote  insensibilis,  minime  responderet,  coepit  infans 
mulieris  flere,  quia  videbat  alium  puerum  de  pane  sicco  nolle  comedere. 
Nunquam  obliviscenda  dementia  salvatoris.  Imago  pueri  illius  per  vir- 
tutem  sancti  Spiritus  locuta  dixit  puero  flenti:  'Usque  tertiam  diem  tecum 
epulabor.'  Stupefacta  mulier,  quae  filium  tenebat  in  ulnis,  cum  audivisset 
imaginem  loquentem  ad  filium,  exclamavit  prae  timore.  Sanctimoniales 
mox  adveniunt,  causam  clamoris  inquirunt;  narrat  mulier  tremens,  quo- 
modo  pueri  sanctissimi  imago  locuta  sit  ad  filium  suum,  et  quid  ei  dixerit. 
Audito  miraculo  tanto  accurrunt  omnes  tarn  clerici  quam  laici  dantque 
consilium,  ut  infans  retineatur  in  ecclesia  usque  in  tertiam  diem,  ut 
viderent,  quid  ei  accideret.  Quod  cum  placuisset  omuibus,  mater  cum 
puero  in  ecclesia  mansit  usque  in  diem  tertium.  Tertia  autem  die  facies 
pueri  ultra  solitum  resplenduit,  et  in  ipso  splendoie  sine  angustia  spiri- 
tum  exhalavit,  complevitque  ei  Dominus,  quod  promiserat,  dans  ei  panem 
angelorum,  quo  nutriuntur  omnes  ordines  coelestium  virtutum.  Corpus- 
culum  autem  sancti  pueri  intra  eandem  ecclesiam  sepelierunt  ad  laudem 
et  gloriam  Domini  Jesu  Christi. 

Nach  Spei  er  ist  das  Wunder  verlegt  bei  Aegidius  Zamorensis, 
Liber  Mariae  16,  c.  6  (Boletin  de  la  real  Academia  de  la  historia 
7,  129  nr.  44,  Madrid  1885.  Mussafia,  Studien  zu  den  mittelalter- 
lichen Marienlegenden  1,  42  und  76,  aus  Wiener  SB.  113)  und 
Yincentius  Bellovacensis,  Speculum  historiale  1.  8,  c.  99  (Herolt, 
Miracula  nr.  17.  Mielot,  Miracles  de  Nostre  Dame  ed.  Warner  1885 
nr.  28.  Bozon,  Contes  moralises  1889  nr.  119  mit  Anm.  Maerlant, 
Spieghel  historiael  1,  7,  c.  71  =  2,  249  ed.  Clignett  1785.  De  Vooys, 
MdL  Marienlegenden  2,  185  nr.  330.  Wolf,  DMS.  nr.  100).  Ferner 
bei  Herolt,  Promptuarium  exemplorum  Y,  3 ;  metrisch  bei  Nigellus 
de  Longo  campo  2,  c.  7  (Mussafia,  Studien  3,  5  nr.  11  =  Wiener 
SB.  119)  und  in  Analecta  Bollandiana  20,  399  nr.  16,  eine  franzö- 
sische gereimte  Fassung  bei  Mussafia  5,  5  nr.  17  (SB.  139),  Vie  des 
anciens  peres  bei  A.  Weber,  Hsl.  Studien  auf  dem  Gebiete  der 
romanischen  Lit.  1876  S.  19  nr.  73,  eine  spanische  bei  Alfonso  dem 
Weisen,  Cantigas  de  S.  Maria  1889  2,  209  nr.  139  'Como  Santa  Maria 
fez  que  falasse  o  fillo,  que  tinna  nos  bracos,  ao  da  bona  moller   que 


476  209.    Die  himmlische  Hochzeit. 

lle  disse  pappa'.  Über  andere  lateinische  Fassungen  vgl.  Mussana, 
Studien  1,  50  nr.  44.  1,  55  nr.  104.  2,  38  nr.  46.  4,  4  (SB.  113. 
115.  123)  und  besonders  Poncelet,  Analecta  Bollandiana  21,  245  nr.  10. 

—  Im  Speculum  exemplorum  9,  nr.  78  setzt  ein  einfältiger  junger  Mönch 
dem  Bilde  des  Jesuskindes  täglich  Speise  vor  und  findet  nachher 
die  Schüssel  immer  geleert ;  als  ihn  einst  das  Jesuskind  zum  Essen 
einladet,  holt  er  den  Abt  herbei;  ebenso  Pauli,  Schimpf  und  Ernst 
nr.  665  und  das  Predigtmärlein  in  der  Germania  3,  427  nr.  20; 
Alfonso  il  Sabio,  Cantigas  1889  2,  491  nr.  353  'Como  un  menino'  etc. 

—  Der  h.  Hermann  reicht  als  Knabe  dem  Jesuskinde  einen  Apfel 
(Acta  Sanctorum  Aprilis  1,  685).  In  mehreren  niederländischen 
Legenden,  die  DeVooys  (Mnl.  Legenden  en  Exempelen  1900  S.  116) 
gut  besprochen  und  in  den  Mnl.  Marienlegenden  1,  140  nr.  75.  2,  185 
nr.  331.  2,  222  nr.  347  herausgegeben  hat,  bietet  das  Kind  nicht 
dem  Jesusknaben,  sondern  dem  Marienbilde  zu  essen  an.  In 
andern  greift  der  im  Kloster  aufwachsende  Knabe  nach  dem  Apfel 
des  kleinen  Jesus  und  spielt  mit  ihm  (de  Vooys,  Mnl.  Marienlegenden 

1,  143  nr.  76.  2,  221  nr.  346;  vgl.  1,  237  nr.  117  und  1,  311 
nr.  148.  Kirchhofer,  Die  Legende  vom  zwölfjährigen  Mönchlein, 
Diss.  1866). 

Heanzisch  bei  Bunker  nr.  26  'Der  kleine  Bube  und  der 
steinerne  Herrgott'.  Vlämisch  bei  Joos  1,  122  nr.  75  'Van  Onnoozel 
Janneken'.  Italienisch:  Schneller  nr.  1  'Der  Herrgott  vom 
Bäuchlein'  (Kruzifix).  Mailly  nr.  6  'Das  Paradies'.  Pitre,  Nov.  pop. 
toscane  nr.  25  'II  citto  che  va  a  cercare  il  paradiso'.  Gonzenbach 
nr.  86  'Von  dem  frommen  Kinde' ;  vgl.  Crane  p.  366.  Pitre,  Fiabe 
sie.  3,  6  nr.  112  'Lu  puvireddu';  vgl.  Crane  p.  211.  Rumänisch: 
Schullerus,  Siebenbg.  Archiv  33,  233  nr.  109.  Serbokroatisch: 
Srb.-dalm.  Magaz.  25,  85.  Archiv  f.  slav.  Phil.  12,  89  (aus  Maze- 
donien). Öechisch:  Hruska,  Nahejte  S.  13  nr.  1.  Kulda  3,  272  nr.  42. 
Miksicek  1,  125.  Hs.  Peck  nr.  41.  Kubin,  Glatz  2,  287  nr.  93  (mit 
der  Anm.).  Slovakisch:  Nemcova  ed.  Tille  1,  112  nr.  15  = 
Dobsinsky  8,  87.  Eine  Dichtung  von  Jul.  Zeyer,  Samko  Ptak;  vgl. 
V.  Tille,  Öes.  Lid  6,  5.  179.  13,  291.  365.  Polnisch:  Lud  16,  203 
nr.  7.     Auch  in  einer  indischen  Sage  bei  Polier,  Myth.  des  Hindous 

2,  302  verzehrt  ein  Götterbild,  was  ein  unschuldiger  Knabe  ihm 
vorsetzt.     J.  Grimm,  Myth.8  S.  103. 

In  der  Schweiz  erzählt  man  von  einem  frommen  Knaben,  der 
im  Kloster  diente;  er  ward  geheißen,  Wasser    in    einem    Siebe 


210.    Die  Haselrute.  477 

zu  tragen,1)  und  weil  er  unschuldig  war,  tat  ers,  und  kein  Tropfen 
floß  durch.  Im  Väterbuch  S.  312  ed.  Reissenberger  schöpft  ein  Bruder 
Wasser  ohne  Eimer.  Der  irische  Heilige  Comgall  trägt  Milch  in  einem 
Topf  ohne  Boden  (Acta  Sanctorum  Maii  2,  579),  sein  Schüler  Lugith 
oder  Lua  gießt,  als  ihm  unterwegs  der  Milchkrug  zerbricht,  Wasser  in 
den  löcherigen  Krug,  das  sich  darauf  in  Milch  verwandelt  (Acta  S. 
Augusti  1,  346),  ähnlich  der  h.  Columban  (Fleur  des  Bollandistes, 
21.  Nov.)  Ebenso  trägt  die  indische  Mariatale,  so  lang  ihre  Gedanken 
rein  sind,  ohne  Gefäß  das  zu  Kugeln  geballte  Wasser  (Sonnerat, 
Reise  nach  Ostindien  1786  1,  205.     Goethe,  Der  Paria). 


210.    Die  Haselrute. 

1850,  Kinderlegenden  nr.  10.  Aus  Vonbun,  Vorarlbergische 
Sagen  1847  S.  7.  —  Bei  Vonbun,  Sagen  Vorarlbergs  1858  S.  54  'Die 
Muttergottes  und  die  Natter'  (Vonbun,  Beiträge  zur  dt.  Mythologie 
1862  S.  127.  Erommanns  Dt.  Mundarten  3,  210.  H.  Müller,  Aus 
Davos  S.  54)  schlägt  Maria  die  Natter  mit  einem  Haselzweige.  Aus 
Vorarlberg  noch  bei  Vernaleken,  Alpensagen  nr.  208  'Der  Hasel- 
strauch'. In  Süddeutschland  glaubt  man,  daß  ein  Streich  mit  der 
Haselrute  die  Natter  sofort  tötet  (Zingerle,  Sitten  1857  S.  63  nr.  510. 
Baumgarten,  Aus  der  Heimat  1,  136.  Weinhold,  Zs.  f .  Volksk.  11,  7. 
Panzer  1,  191).  Nach  englischem  Volksglauben  wehrt  ein  Haselzweig 
jeglichem  Zauber  (Folklore  7,  89.  1896.)  Vgl.  noch  Elsässische 
Monatsschrift  1913,  581. 

Nach  einer  andern  Legende  suchte  Maria  einst  während  eines 
Gewitters  Schutz  unter  einer  Haselstaude,  und  seitdem  schlägt 
der  Blitz  nie  in  eine  Hasel  (Baumgarten,  Aus  der  Heimat  1,  135. 
Alpenburg,  Mythen  Tirols  S.  393.  Heyl,  Volkssagen  aus  Tyrol  S.  793. 
Leoprechting,  Aus  dem  Lechrain  S.  98.  Mitt.  d.  V.  f.  schles.  Vk.  4, 
75.  Weinhold,  ZfVk.  11,  5).  Italienisch:  Pitre,  Tradizioni  sicil.  3, 
241.  Polnisch:  Zbiör  wiad.  7,  117  nr.  38  =  Dähnhardt,  Natursagen  2,  43. 


1856   S.  264. 


*)  Vgl.  J.  Grimm,  Myth.3  S.  1066.  3,  322.  Eyring,  Copia  prover- 
biornm  2,  445:  'Wann  einer  was  unnütz  anfecht,  dem  sagt  man  dieses 
Sprichwort  recht:  He  dregkt  Wather  in  holde  Vat,  met  enem  Siffe  put 
he  wat.'  —  Über  den  schlauen  Rat,  das  Sieb  mit  Moos  und  Lehm  zu 
verstopfen,  vgl.  oben  1,  51.  2152.  219;  dazu  Kühn  au,  Schlesische  Sagen  3, 
47.     Chambers,  Populär  rhymes  p.  104. 


478  211.    Der  Mann  vom  Galgen. 


Bruchstücke 

(Nr.  211—216). 


1856  8.267.  211.    Der  Mann  vom  Galgen. 

Eine  alte  Frau  bekommt  spät  abends  Gäste  und  hat  nichts  mehr 
von  Speise  über,  weiß  nicht,  was  sie  ihnen  kochen  soll,  geht  zum  Galgen, 
wo  ein  Toter  hängt,  schneidet  ihm  die  Leber  aus  und  brät  sie  den 
Fremden,  welche  sie  aufessen.  Um  Mitternacht  klopfts  an  der  Hütte,  die 
Frau  macht  auf;  es  ist  ein  Toter  mit  kahlem  Haupt,  ohne  Augen  und 
mit  einer  Wunde  im  Leib. 

'Wo  sind  deine  Haare?'  —  Die  hat  mir  der  Wind  abgeweht. 

'Wo  sind  deine  Augen?'  —  Die  haben  mir  die  Raben  ausgehackt. 

'Wo  haste  deine  Leber?'  —  Die  hast  du  gefressen. 


1812  S.  257  Bruchstücke  nr.  1.  Ohne  Angabe  der  Herkunft.  — 
Aus  Niederösterreich  in  Pommers  Zs.  Das  deutsche  Volkslied  4, 
103  (1902)  'Lumpl  und  Leber'.  Nachdem  die  Frau  auf  des  Toten  Ver- 
langen nach  seiner  Lunge  und  Leber  dreimal  erwidert  hat  'Ich  hab 
sie  nicht',  ruft  der  Erzähler  plötzlich  laut :  'Du  .  hast  sie'.  Aus 
Rothenburg  o.  T.  bei  Spiegel  nr.  26  'Die  Frau  und  der  Mann 
vom  Gralgen'  (Rippe).  Aus  Schlesien  bei  Kühnau  1,  601  nr.  638 
'Das  Geschlinke  des  Gehenkten'  (holt  der  Mann  für  seine  Frau).  Aus 
Magdeburg  bei  Wegner,  Geschichtsblätter  f.  Magdeburg  15,  74 
nr.  79  'Main  Ainjewaide  her!'  Aus  Cottbus  bei  Kuhn-Schwartz 
S.  357  nr.  15  'Ahlemann'  (die  naschhafte  Frau  holt  die  Leber  für 
ihren  Mann,  der  Tote  dreht  ihr  den  Hals  um).  Aus  Jever:  Zs.  f. 
dt.  Mythol.  2,  137  'Dat  Vertelsel  von  de  Läwer'  (der  Mann  holt  sie 
für  die  gierige  Frau).  Aus  Stralsund  bei  Lyser,  Abendländische 
1001  Nacht  8,  98.  Aus  Posen  bei  Knoop,  Erzählungen  1893 
S.  113  nr.  34  (Lunge)  und  Ostmark.  Sagen  1,  181  nr.  85 
'Die  gestohlene  Leber'.  —  Niederländisch:  Volkskunde 
15,  229  nr.  45  'Van  domme  Griet'  (holt  ein  Stück  aus  der  Lende 
einer  Leiche).    Lehemrbe    nr.  19    'Het    vleesch    van    het    spook'.    — ■ 


211.    Der  Mann  vom  Galgen.  479 

Dänisch:  Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  87  'Gengangeren'.  Skatte- 
graveren  2,  75  'Roverens  lever'.  2,  166  'A,  mi  kjör!'  11,  8  'Tag 
mig  min  tarm'.  11,  9  'Roverens  kjöd.'  11,  10  'Kallunet'.  Kristensen, 
Sagn  fra  Jylland  1880  S.  144  nr.  209  'Mandens  Mave'.  Kristensen, 
Skjsemtesagn  1,  74  nr.  107 — 116  'Raedehistorier'.  Feilberg,  Am  Ur- 
quell 3,  334.  —  Isländisch:  Arnason  1,  237  'Fa  Öu  mer  beneiS 
mitt,  Gunna'.  —  Englisch:  Halliwell,  Populär  rhymes  p.  25  'Teeny- 
tiny'  (Give  me  my  bone)  =  Jacobs  1,  57  nr.  12.  Hunt,  Populär 
romances  1871  p.  452  'Cornish  teeny-tiny'  (Zähne  auf  dem  Kirchhofe 
gefunden).  —  Französisch:  Cosquin  2,  76  nr.  41  'Le  pendu' 
(Schenkel).  Blade,  Agenais  p.  29  =  1886  2,  328  'La  goulue'  (Bein). 
Revue  des'trad.  pop.  4, 457. 18, 361  'Le  pendu  qui  a  perdu  sa  cuisse'.  — 
Italienisch:  Bernoni,  Tradizioni  pop.  venez.  p.  125  'La  coraela' 
(der  Mann  holt  für  seine  gierige  Frau  das  Geschlinge  einer  Toten. 
'Isabela,  dame  la  mia  coraela!').1)  —  Katalanisch:  Milä,  Obser- 
vaciones  1853  p.  186  nr.  10  =  W.  Grimm,  Kl.  Schriften  4,  354  = 
Zs.  f.  dt.  Altertum  11,  212  (der  Tote,  dessen  Leber  das  Mädchen 
geholt  hat,  kommt  nachts  und  ruft,  gleich  der  Tante  der  Cattarinetta 
in  Schnellers  M.  aus  Wälschtirol  nr.  5  und  dem  Nono  Cocon  bei 
Bernoni,  Trad.  p.  76 :  'Schon  bin  ich  auf  der  ersten  Treppenstufe, 
schon  auf  der  zweiten  .  .').  Maspons,  Rondallayre  2,  100  'Lo  mort' 
(ebenso).  —  Portugiesisch:  Athaide  Oliveira  1,  201  nr.  79  'A 
fressura  do  velho'.  —  Serbokroatisch:  Strohal  1,  157  nr.  43.  — 
Cechisch  aus  Schlesien:  Povidky  lidu  opavs.  a  hanac.  S.  65.  Aus 
Böhmen  ebd.  S.  66.  Aus  Mähren:  Väclavek,  Valasske  poh.  S.  110 
nr.  37.  —  Slovakisch:  Prostonär.  Zabav.  3,  22  (hsl.  v.  J. 
1844)  =  Povidky  lidu  opavs.  S.  67.  —  Weißrussisch:  Federowski 
1,  60  nr.  179.  —  In  einer  malaiischen  Erzählung  bei  Skeat  p.  59 
'Patäni'  ersetzt  ein  Koch  das  vom  Geier  geraubte  Herz  der  Ziege 
durch  ein  Menschenherz ;  dies  mundet  dem  Fürsten  so,  daß  er  fortan 
nur  Menschenfleisch  ißt.  Ähnlich  ein  Märchen  bei  Tremearne,  Hausa 
superstitions  1913  p.  447  nr.  97  'The  king  with  the  cannibal  tastes'. 
Auch  im  Dolopathos  (oben  S.  373)  läßt  ein  Menschenfresser  drei  Ge- 
hängten ein  Stück  aus  der  Lende  schneiden  und  verzehrt  es. 


l)  Irrig  wollte  Goethe  (Werke,  Weimarer  Ausgabe  32,  351.  431. 
Schenkl,  Germania  11,  452)  ein  italienisches  Gesprächlied  'Ghiurigium  a 
te'  auf  die  Zerstückelung  eines  Gehängten  beziehen;  es  ist  vielmehr  ein 
Scherzspiel  zwischen  einem  Jungen  und  einer  gurrenden  Taube;  vgl. 
W.  Müller,  Egeria  1829  S.  19  und  Kopisch,  Agrumi  1837  S.  168. 


480  211.    Der  Mann  vom  Galgen. 

Nicht  zur  Speise,  sondern  zu  Zauberzwecken  holt  bei  "Remigius, 
Daemonolatria  1693  2,  250  (=  E.  Francisci,  Höllischer  Proteus  2.  Aufl. 
1695  S.  771  =  Grässe,  Sagenbuch  des  preuß.  Staates  1,  173.  S.  de 
Vries,  De  Satan  1692  2,  348  =  Wolf,  Dt.  Märchen  nr.  132)  ein  Brannt- 
weinbrenner zu  Stendal  die  Hirnschale  eines  gehängten  Diebes  *) ; 
nachts  erscheint  der  Tote  und  ruft:  'Gevt  mi  min  Hövt  wedder! 
Ebenso  fordert  bei  Erasmus  Francisci  (Höllischer  Proteus  1695  S.  773 
=  Wolf,  Dt.  Märchen  nr.  133)  ein  vom  Anatomen  sezierter  Verbrecher 
seine  Haut  beim  Gerber  wieder.  Schönwerth,  Oberpfalz  3,  152 
(Schädel  zum  Lottoorakel).  Cechisch  aus  Böhmen:  Ö.  Lid  5,  236. 
Slovakisch:  Slov.  Pohl'ady  16,  267  nr.  27.  Kleinrussisch:  Etnogr. 
Zbirnyk  15,  141  nr.  240  (der  Tote  packt  den  Mann,  der  ihm  seine 
Hand  zur  Zauberei  abhauen  will,  daß  er  entsetzt  den  Geist  aufgibt). 
—  Eine  verwandte  Sage  aus  der  Schwalmgegend,  die  sich  im 
Nachlasse  von  W.  Grimms  Hand  aufgezeichnet  vorfand,  lautet : 

Die  goldenen  Beinchen. 

Es  war  einmal  eine  Generalin,  die  hatte  ein  Kind,  und  das  Kind, 
wie  es  auf  die  Welt  kam,  hatte  zweierlei  Beinchen,  eins  von  Gold  und 
eins  von  Demant,  und  starb  am  dritten  Tage.  Sie  dachte  aber:  Wozu 
soll  das  Kind  die  Beinchen  mit  in  das  Grab  nehmen?  löste  sie  ab  und 
tat  sie  in  ein  Sammetkästchen.  In  der  folgenden  Nacht  aber  kam  das 
Kind  und  sprach,  es  wollte  seine  Beinchen  von  Gold  und  Demant  wieder 
haben.  So  kam  es  drei  Nächte  hintereinander.  In  der  dritten  sagte  die 
Generalin  endlich :  'Ich  muß  ihm  die  Beinchen  wiedergeben,  sonst  hats 
keine  Buhe  im  Grab'  und  holte  das  Sammetkästchen  und  gab  sie  ihm. 
Da  nahm  sie  das  Kind  und  ist  nicht  wieder  erschienen.2) 

Eine  andre  Fassung  beginnt :  Zwei  Eheleute  hatten  keine 
Kinder;  sprach  die  Frau:  'Hätt  ich  ein  Kind,  und  wenns  nur  ein 
Bein  [hätte] !'  Da  kriegte  sie  ein  Kind,  das  hatte  nur  ein  Beinchen. 
Da  ließ  sie  ihm  ein  andres  von  Gold  machen.  —  In  einer  hannover- 
schen Sage  'Vom  gollenen  Beineken'  (Colshorn  nr.  6)  raubt  dagegen 

x)  Wie  sonst  einen  Diebsdaumen  (Widmann,  Chronik  der  Stadt 
Hof  1894  S.  113.  Wuttke,  Volksaberglaube  §  189.  Blätter  f.  pomm.  Volks- 
kunde 10,  130). 

2)  W.  Grimm  bemerkt  dazu:  Hat  etwas  Befremdendes.  Es  ist  aber 
auch  Volksglauben,  wenn  Kinder  in  der  Wiege  mit  ihren  Händchen 
spielen  und  sie  angreifen,  als  hätten  sie  ein  besonderes  Wohlgefallen 
daran,  so  tun  sie  es  bloß  darum,  weil  ihnen  Ärmchen  und  Händchen 
ganz  wie  von  Gold  und  glänzend  vorkommen.  Vgl.  das  Märchen  vom 
Marienkind,  dessen  einer  Finger  golden  wird  (oben  1,  13). 


211.    Der  Mann  vom  Galgen.  481 

der  Totengräber  aus  Gewinnsucht  das  künstliche  goldene  Bein  des 
toten  Mädchens  und  wird  dafür  mehrere  Nächte  von  deren  Geist 
geplagt.  Ebenso  holsteinisch  bei  Müllenhoff  S.  465  nr.  26  'Das 
goldene  Bein' ;  oldenburgisch  bei  Strackerjan  1,  155  =  2.  Aufl.  1, 
198;  friesisch  Snypsnaren2  S.  88  und  Dykstra  2,  31  'Het  gouden 
armpje' ;  niederländisch  Volkskunde  3,  16  'De  spookhand'  (Hand  mit 
Ring  vom  Totengräber  abgeschnitten);  15,  227  'Van  het  silveren  been' 
(mit  Varianten);  englisch  Baring  Gould  nr.  14  'The  golden  arm' 
(Henderson,  Notes  on  the  folklore  1866  p.  338  =  Jacobs,  English 
fairy  tales  1,  138  nr.  24);  französisch  bei  Blade,  Agenais  p.  22  = 
Gascogne  2,  324  'La  jambe  d'or',  Sebillot,  Traditions  de  la  Haute- 
Bretagne  1,  259.  Roussey,  Bournois  1894  p.  196  nr.  20  'La  jambe 
d'or' ;  italienisch  bei  Pitre,  Novelle  pop.  tose.  nr.  19  'La  gamba' ; 
Pitre,  Novelline  pop.  toscane  1878  nr.  3  'La  gamba' ;  Pitre,  Fiabe 
sie.  3,  73  nr.  128  'Saddaedda'  =  Crane  p.  238.  Bernoni,  Tradizioni 
p.  123  'Gamba  mea,  pepa  mea!'  und  p.  124;  *Papanti,  Novelline  pop. 
livornesi  1877  p.  7  nr.  1  'La  Mencherina.  Schaurig  ist  die  toska- 
nische  und  die  venezianische  Passung;  da  holen  sich  drei  blutarme 
Schwestern,  weil  sie  nachts  frieren,  aus  dem  Grabe  der  Mutter  ihr 
Hemde,  ihren  Unterrock  und  ihre  Strümpfe;  aber  die  jüngste  reißt 
mit  dem  einen  Strumpf  auch  ihr  Bein  ab ;  da  pocht  nachts  die  Tote 
an  die  Tür  und  erdrosselt  die  jüngste  Tochter.  Mailly  nr.  25.  Bul- 
garisch :  Sbornik  min.  2,  189  (Finger  mit  Ring).  Cechisch :  Miksicek, 
Pohädky  S.  105  nr.  15  (Stelzfuß  voll  Dukaten).  Kleinrussisch: 
Jastrebov  S.  215  nr.  20  (Hand  mit  Ringen).  Weißrussisch  :  Federowski 
1,  60  nr.  179  (Eingeweide).  Großrussisch:  Öudinskij  S.  94  nr.  18.  — 
Daß  Tote  auch  das  ihnen  geraubte  Hemd  oder  Leichentuch  drohend 
zurückfordern,  lehrt  neben  anderm  eine  1818  von  der  Familie 
v.  Haxthausen  im  Paderbörnischen  aufgezeichnete  Sage: 

Ein  Totengräber  grub  mal  ein  Grab  für  ein  reiches  Edelmanns- 
kind; und  als  er  beim  Begraben  sah,  daß  es  ein  so  fein  leinen  Toten- 
hemdeben anhatte,  dachte  er  bei  sich:  Ei,  das  ist  doch  schade,  daß  das 
mit  in  die  Erde  soll ;  du  willst  nachher,  wenn  die  Begräbnis  vorbei  ist, 
das  wieder  ausziehen.  Er  grub  auch  dieselbe  Nacht  das  Grab  wieder 
offen.  Als  er  aber  das  schöne  Kindchen  so  fromm  daliegen  sah,  konnte 
er  nimmermehr  das  Hemdchen  ihm  ausziehen  und  schnitt  sich  nur  die 
beiden  Möggekens  (Hemdsärmel)  heraus  und  machte  alles  wieder  zu. 
Die  nächste  Nacht  aber  kam  das  Kind,  stellte  sich  im  Mondschein  an  die 
Tür,    schudderte  so  ineinander,    als  wenn  es  so  fror,  und  :    \l ■:■ :  'Gif  mie 

Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  31 


482  211.    Der  Mann  vom  Galgen. 

mine  Möggekes  wier,  gif  mie  mine  Möggekes  wier !'  Er  aber  drehte  sich 
nach  der  Wand  um,  als  wenn  er  nichts  sähe,  und  legte  die  Ohren  fest 
ins  Kissen.  Die  Nacht  darauf  kam  das  Kind  wieder :  'Gif  mie  mine 
Möggekes  wier,  gif  mie  mine  Möggekes  wier !'  Da  drehte  er  sich  wieder 
um.  Wie  nun  alles  wieder  still  war,  sagte  die  Frau:  'Ach,  hast  du  dem 
Kinde  das  Grab  nicht  tief  genug  gegraben  oder  was  in  den  Sarg  gelegt, 
daß  das  kleine  Kind  nicht  im  Grabe  bleiben  kann?'  Sie  bat  ihn  solange, 
bis  er  es  ihr  erzählte ;  da  redete  sie  ihm  zu,  wenn  das  Kind  nun  noch- 
mal wiederkommen  sollte,  ihm  seine  Möggekens  wiederzugeben.  Die  dritte 
Nacht  kam  es  bis  in  die  Mitte  der  Kammer:  'Gif  mie  mine  Möggekes 
wier,  gif  mie  mine  Möggekes  wier!'  Da  warf  ihm  der  Totengräber  die 
Möggekes  zu,  und  es  verschwand. 

Ebenso  Blätter  f.  pomm.  Volkskunde  5,  37  'Die  Diebin.  9,  63; 
friesisch  bei  Dykstra  2,  131  'De  hemdsmouw' ;  niederländisch  Volks- 
kunde 15,  229  'Van  het  hemd  met  een  mouw';  bretonisch  bei  Luzel, 
Legendes  ehret.  2,  155. 

Singer  (Anzeiger  f.  dt.  Altertum  17,  334)  will  unser  Märchen 
mit  der  Herzmäre  in  Verbindung  bringen,  Macculloch  (Childhood  of 
fiction  p.  1 142)  denkt  an  die  wunderbaren  Verwandlungen  einer  von 
ihrer  Nebenbuhlerin  umgebrachten  Jungfrau  ;  natürlicher  jedoch  ist 
die  Ableitung  aus  dem  Glauben  an  die  Rache  der  Toten,  die 
den  frevelhaften  Störer  ihrer  Ruhe  wie  den  Räuber  ihres  Eigentums  r) 
und  ihrer  Gliedmaßen2)  verfolgt  und  selbst  eine  Verspottung  wie  die 


x)  Von  dem  geraubten  Totenhemde  erzählt  Goethes  Ballade  vom 
Totentanz  (oben  1,  341.  Seifart,  Hildesheim  2,  31  nr.  23.  Federowski 
1,  70  nr.  208),  andere  Sagen  von  Totenlaken  (Sebillot,  Contes  1,  303. 
Sebillot,  Litt,  orale  de  la  Haute-Bretagne  p.  195.  Hrincenko,  Iz  ust 
naroda  S.  134  nr.  171.  Malinka  S.  270  nr.  6.  Federowski  1,  67  nr.  199. 
Afanasjev3  2,  314  nr.  205  a.  b),  von  einer  Mütze  (Klarmann-Spiegel, 
Cteigerwald  1912  S.  105.  Bartsch  1,  223  nr.  288.  Cesky  Lid  9,  256. 
Slov.  Pohl'ady  1896  S.  266  nr.  26.  Malinowski  2,  121.  Materyaly  10, 
125.  Etnogr.  Zbirnyk  15,  137  nr.  235.  236.  Malinka  S.  275  nr.  14. 
Subiuskij  2,  422  nr.  125.  Zs.  für  österr.  Volkskunde  1,  297),  von  Stiefeln 
(Afanasjev  2,  318  nr.  205),  von  Goldringen  (Strackerjan2  1,  199.  Le  Braa 
1,  304.  Hosek  S.  35.  80.  Blazek  S.  131.  Etnogr.  Zbirnyk  34,  78  nr.  749. 
750),  von  einem  Sargnagel  (Krauß,  Slav.  Volkforschungen  1908  S.  113), 
von  abgepflückten  Grabesblumen  (Bartsch  2,  98.  Zs.  f.  Volkskunde  10, 
133). 

2)  Die  h.  Anastasia  erscheint  dem  Mönche  Gottschalk,  der  aus 
ihrem  Sarg  zu  Verona  einen  Knochen  gestohlen  (Scheffel,  Ekkehard  1871 
S.  360  abweichend  von  Schmeller,  Gel.  Anzeigen  der  Bayr.  Akad.  30,  39. 
1850).     Der  beherzte  Bursch   im  Beinhause:    Reiser  1,  413;    Strackerjan2 


212.    Die  Laus.  483 

des  Leontius  oder  Don  Juan1)  nicht  ungestraft  läßt.  —  Der  im 
mündlichen  Vortrage  noch  eindringlicher  wirkende  Schlußdialog, 
den  auch  englische  und  italienische  Fassungen  kennen,  erinnert  an 
Rotkäppchens  Gespräch  mit  dem  verkappten  Wolf  im  Bette  (oben 
1,  237). 


212.    Die  Laus. 


1856   S.  267 


Es  war  einmal  eine  Königstochter,  die  war  so  reinlich,  daß  es 
gewiß  keine  reinlichere  auf  der  Welt  gab;  sie  duldete  nicht  den  kleinsten 
Schmutz  oder  Flecken  an  sich.  Doch  ihrer  Reinlichkeit  zum  Trotz  ge- 
schah es,  daß  man  zu  einer  Zeit  eine  Laus  auf  ihrem  Kopfe  fand.  Ein 
jeder  rief:  'Das  ist  ein  großes  Wunder;  die  Laus  darf  nicht  getötet,  sie 
muß  mit  Milch  groß  gefüttert  werden.'  Sie  ward  also  mit  Sorgfalt  herab- 
genommen. Von  der  guten  Nahrung  wuchs  sie  und  ward  viel  größer, 
als  sonst  wohl  eine  Laus  wird,  ja  am  Ende  so  groß  wie  ein  Kalb.  Als 
sie  gestorben  war,  ließ  ihr  die  Königstochter  das  Fell  abziehen,  gerben 
und  zubereiten  und  sich  ein  Kleid  daraus  machen.  Kam  nun  ein  Freier, 
so  gab  sie  ihm  auf  zu  raten,  von  welchem  Tiere  das  Fell  wäre,  das  sie 
zum  Kleide  trage.  Da  aber  keiner  so  glücklich  war,  es  herauszubringen, 
so  mußten  sie  nacheinander  wieder  abziehen.  Endlich  aber  kam  einer 
doch  hinter  das  Geheimnis. 

1812  nr.  85b  'Prinzessin  mit  der  Laus';  dann  1822  S.  257, 
Bruchstücke  nr.  2.     Von  der  Marie   zu  Kassel   am   18.  April  1811. 

Die  ungeheure  Laus  ist  ein  alter  Volksscherz,  den  schon 
Melander  (Jocorum  atque  seriorum  centuriae  1626  3,  41  nr.  41  'De 
adolescente  quodam  sutore')  einem  Aufschneider  in  den  Mund  legt; 
dieser  will  in  Kopenhagen  eine  vom  König  gehegte  Laus  von  der 
Größe  einer  Ente  gesehen  haben,  die  an  einer  Kette  lag  und  täglich 
ein  feistes  Schaf  verzehrte.2)     In  Poitou  glaubt  man,  wenn  man  eine 


1,  199;  Zs.  f.  Volksk.  16,  294  nr.  33;  Joos  2, 148  nr.  45.  Le  Braz,  Legende 
de  la  mort2  1,  288.  2,  10.  Blade,  Gascogne  2,  324.  Knoop,  Rogasener 
Familienblatt  11,  17  (1912). 

*)  Bolte,  Zs.  f.  vgl.  Litgesch.  13,  389.  Klapper,  Erz.  des  MA.  1914 
nr.  164.      A.  de  Cock,    Verslagen  der   k.  vlaamsche  Acad.  1909,  641. 

2)  'Vidi  ego  Hafniae  Cimbrorum  pediculum  anatis  magnitudine.  Hunc 
rex  veluti  octavum  mundi  miraculum  in  deliciis  habebat.  Quod  autem 
mirum  in  modum  mordax  esset,  rex  eum  catena  ferrea,  ut  nehominesneu 
animantia  cetera  morderet,  constrictum  asservabat.  Erat  insuper  hie  ipse 
pediculus  ita  vorax,  ut  diebus  singulis  opimam   ovem  absumeret.     Morie- 

31* 


484  212.    Die  Laus. 

Laus  in  einen  Topf  voll  Schmalz  setze,  werde  sie  so  groß,  daß  man 
einen  Handschuh  aus  ihrer  Haut  machen  kann  (Souche,  Proverbes, 
traditions  et  conjurations  1882  p.  20). 

Daß  der  König  auf  das  Erraten  der  Laus-  oder  Flohhaut, 
aus  der  bisweilen  ein  Kastenbezug,  Trommelfell,  Kleid,  Schuhe  oder 
Handschuhe  augefertigt  werden,  die  Hand  seiner  Tochter  als  Preis 
setzt,  kommt  zuerst  bei  Basile  vor.1)  Norwegisch  bei  *H.  Bergh, 
Nye  folkeev.  fra  Yalders  p.  32  'Lsegdegutten',  vgl.  Qvigstad-Sandberg 
S.  X.  Im  lappischen  Märchen  bei  Qvigstad-Sandberg  nr.  52  'Kongen 
og  lusen'  erkennt  der  Bursch  die  Laus,  weil  er  sie  selber  aufgezogen 
hat;  im  litauischen  bei  Bezzenberger  1882  S.  37  nr.  2  vernimmt  der 
Bettler  das  Geheimnis  von  den  Köchen  und  überlistet  auf  unsaubere 
Art  den  mit  ihm  im  Zimmer  der  Prinzessin  übernachtenden  Neben- 
buhler (vgl.  R.  Köhler  1,  465),  im  dänischen  'Luseskindspelsen' 
(Skattegraveren  11,  235)  hilft  eine  dankbare  Ameise  dem  Freier  das 
Pätsel  lösen  und  den  Nebenbuhler  überwinden ;  im  ligurischen  bei 
Andrews  nr.  3  'La  peau  de  puce'  sucht  der  Jüngling  die  Magd  zu 
bestechen ;  in  den  französischen  bei  Moncaut  p.  184  'Le  coffret  de  la 
princesse'  und  Blade,  Armagnac  p.  18  nr.  5  =  Blade,  Gascogne  3,  36 
'Estienne  l'habile'  =  Blümml  S.  90  helfen  ihm  vier  Gesellen  mit  wunder- 
baren Eigenschaften  das  Geheimnis  erraten  und  den  Widerstand  des 
Königs  überwinden.  Im  portugiesischen  (Coelho  nr.  39  'A  pelle  do  piolho') 
flüstert  die  Prinzeß  dem  Ritter  die  Lösung  zu,  aber  statt  seiner  hört 
sie  ein  Diener  und  erhebt  Anspruch  auf  die  Hand  der  Schönen;  im 
serbokroatischen  bei  Krauß  1,  279  nr.  65  'Graf  und  Hirt'  rät  der 
Bursch  von  selber  das  Lausfell,  muß  aber  noch  andre  Aufgaben 
erfüllen.  In  einem  andern  serbokroatischen  (Zbornik  jslav.  19,  47 
nr.  5)  wird  die  Laus  gebraten,  und  man  soll  erraten,  was  für  Fleisch 
es  ist.  Slovakisch:  Dobsinsky  1,63.  Czambel  S.  397.  Kleinrussisch: 
Zdanov,  Russ.  bylev.    epos   S.  452    (das  Tier  in  der  Büchse   soll  er- 

batur  autem,  cum  menses  iam  sex  Hafniae  confecissem,  rege  interim  in- 
teritum  eius  dolenter  admodum  acerbeque  ferente.  Vita  functum  tum  in 
templo  honorifice  sepeliendum,  tum  tumulo  eius  saxum  marmoreum  im- 
ponendum  rex  curavit.  Lapidi  sepulcrali  ipse  pediculus  incisus  est,  ne 
eius  memoriam  ulla  unquam  deleat  oblivio.'  —  Das  Flohlied  in  Goethes 
Faust  I  v.  2207  setzt  diesen  Scherz  fort. 

J)  Vgl.  oben  1,  444,  wo  der  verkleidete  Bröselbart  die  Haut  der 
Wölfin  errät  und  die  Prinzessin  heimführt.  Ebenso  errät  Twardowski 
(Woycieki-Lewestam  S.  79)  die  Biene  im  Glase.  S.  auch  R.  Köhler,  Zs. 
f.  Volksk.  6,  68  zu  Gonzenbach  nr.  22. 


212.   Die  Laus.  485 

raten  werden).     Drahomanov,    Rozvidky  2,    109.    129.     Sadok   Baracz 
S.  76.     Großrussisch:  Oncukov  S.  147  nr.  56. 

Mehrfach  erscheint  unser  Märchen  mit  andern  Stoffen  verbunden, 
denen  es  als  Einleitung  dient.  So  zur  Erlösung  des  Tierbräu- 
tigams (oben  2,  236.  247):  dänisch  bei  Grundtvig,  Folkeseventyr 
1,  192  nr.  16  'Ulv  kongeson'  =  Leo-Strodtmann  1,  252,  Grundtvigs 
hsl.  Register  nr.  26  b  'Luseskindet',  Skattegraveren  12,  120  'Hugormen 
og  lusebselgen' ;  schwedisch  bei  Hylten-Cavallius  och  Stephens  1,  325 
nr.  19  a  'Ulf-prinsen'  mit  Anm.  und  Aberg  nr.  228  'Prins  Löpandiorm'; 
estnisch  bei  Dähnhardt,  Natursagen  3,  473.  —  Sodann  zu  slovaki- 
schen  und  kleinrussischen  Passungen  des  Königs  Drosselbart 
(oben  1,  449.  Schuh  aus  Lausleder).  —  Perner  zur  Flucht 
aus  dem  Hause  des  Räuberbräutigams  (oben  1,  399)  im  sicilia- 
nischen  Märchen  bei  Gonzenbach  nr.  22  'Vom  Räuber,  der  einen 
Hexenkopf  hatte';  der  Rätsellöser  tötet  wie  Blaubart  zwei  Schwestern, 
die  dritte  aber  verbrennt  den  wahrsagenden  Kopf,  in  dem  sein  Leben 
steckt,  und  belebt  die  Getöteten.  Serbokroatisch  bei  Mikulicic  S.  97 
nr.  18  (Handschuhe  aus  Laushaut).  Polnisch:  Malinowski  2,  127 
(Prinzessin  vom  Teufel  besessen).  —  Die  vom  Menschenfresser  ge- 
fangene Heldin  wird  durch  sieben  Brüder  mit  wunderbaren 
Eigenschaften  (oben  2,  79.  3,  45)  erlöst  bei  Basile  1,  nr.  5  'Lo 
polece'  (vgl.  oben  2,  84);  ähnlich  bei  Schneller  nr.  31  'Die  Frau  des 
Teufels'  (Handschuhe  aus  Lausfell;  vier  Gesellen);  griechisch  einge- 
legt in  die  Erzählung  'Das  goldene  Kästchen'  bei  Pio  p.  104  = 
Mitsotakis  S.  58  =  Geldart  p.  118  (Ameisenhaut,  Mohr,  sieben 
Brüder)  und  Revue  des  trad.  pop.  12,  201  'L'epouse  du  diable'  (aus 
Lesbos;  drei  Brüder);  NeosAAfjVixä  'AvccAextcc  2,  118  nr.  35  (aus 
Naxos.  Teufel);  albanisch  bei  Mitkos  nr.  10  —  Archiv  f.  Litgesch. 
12,  118  nr.  8  'Die  sieben  Brüder  mit  den  Wundergaben'  (vgl.  R. 
Köhler  1,  389)  und  Dozon  nr.  4  'Le  pou' ;  rumänisch  bei  S^äinenu 
p.  768  'Pelea  de  purice' ;  bulgarisch  Sbornik  min.  5,  149.  11,  138 
(Arnaudov  S.  44  nr.  28).  16—17,  280  =  Leskien  S.  84  nr.  20 
'Der  Teufel,  der  das  Flohfell  erkannte'.  —  Statt  des  Teufels 
erhält  in  einem  italienischen  Märchen  aus  der  Romagna 
(Archivio  22,  123  'E're  Ggobbetto')  ein  Buckliger,  der  das 
Geheimnis  des  Lausfells  erlauscht  hat,  die  Hand  der  Königs- 
tochter; sie  wird  aber  bald  seiner  ledig,  da  ein  Knecht,  der  die 
Leichen  dreier  Buckligen  fortgetragen  hat,  aus  Ärger  über  den 
immer  wiederkehrenden  Buckligen  auch  ihn  ins  Wasser  wirft.    Diese 


486  212.   Die  Laus. 

Verbindung  mit  dem  mittelalterlichen  Schwank  von   den  drei  Buck- 
ligen treffen  wir  bereits  in  einer  1545  gedruckten  Novelle  von  Doni 
an,  in  der  jedoch  nicht  ein  Lausfell,  sondern  die  Lunge  einer  Eidechse 
ausgestellt  wird,   die  zum  Umfange  eines  halben  Krokodils  herange- 
füttert   worden    war    (Doni,    Novelle   ed.  Gamba  1815    nr.  1.     Pillet, 
Das  Fableau  von  den  trois  bossus  menestrels  1901    S.  35).     In  einer 
abenteuerlichen  spanischen  Fassung  bei  Caballero,  Cuentos  populäres, 
1878    p.  62    'La    joroba'    muß    die    Königstochter    einen    buckligen 
Bettler   heiraten,    weil    dieser    herausbringt,    daß    ihr  Tamburin   aus 
einem  Fenchelstengel  und  einem  Lausfell  besteht;    zwar    zerfällt    er 
beim  Durchwaten  eines  Flusses  in  Stücke,    aber   sein  Buckel   haftet 
an  ihr;    sie  wird  Küchenmagd  im  Schloß,  heiratet  den  Prinzen    und 
befreit  sich  vom  Buckel.     Ähnlich   aus  Chile    bei  Lenz,    Cuentos    de 
adivinanzas    nr.  3  a    'Palito  de  hinojo.   tamborcito   de   piojo'    und  3  b 
'El  piojo  de  rei'  (Revista  de  folklore  chileno  2,  360).     In  einem  bas- 
kischen Märchen   'Le  pou'   (Vinson  p.  70;   vgl.  Webster  p.  191)    ist 
der  Rätselrater  der  Teufel;  er  wählt  die  jüngste  Königstochter  Fifine 
zur  Frau  und  fährt  mit  ihr  davon;  aber  die  hilfreiche  Schimmelstute 
bannt   ihn   für   sieben  Jahre   in    die  Erde    und    rät  Fifine,    sich    als 
Mann    zu    kleiden    usw.      In    einem    rumänischen    Seitenstück    bei 
Schott   S.  171    nr.  16    'Die  Kaiserstochter  und  das  Füllen'   weiß  der 
Drache  durch  seine  Zauberkunst,  daß  die  Trommel  mit  Laushaut  be- 
spannt ist;  aber  die  Schöne  entrinnt  ihm  als  Mann  verkleidet  auf  ihrem 
treuen  Ross.    Auch  im  türkischen  bei  Künos,  Stambul  S.  172  =  Jubil. 
Sborn  ik  Miller  S.  191  nr.  18  rettet  'Kamertaj  das  Mondroß'  die  Prinzeß  zwei- 
mal vor  dem  Dew,  der  sie  durch  Erraten  des  Lausfells  gewonnen  (dazu 
Briefvertauschung  wie  oben  1,  20.  301).    In  der  arabischen  'Histoire  de 
Daläl'  (Spitta-Bey  p.  61)    entrinnt   die  Prinzeß   dem  Menschenfresser 
das  erstemal  durch  Kleidertausch  mit  einer  Alten,   später   rettet  die 
h.   Zenab   sie   vor    ihm    gegen    das  Versprechen  ihres  ersten  Kindes 
(vgl.  oben  1,  19).     *Green   p.  83.     Eine  Variante    bei  Desparmet    1, 
407    'Le  ghoul  blesse  en  maraude'    beginnt   wie   die    zweite  Gruppe 
des  ßäuberbräutigams   oben    1,  373,    die  Prinzeß   verrät   selber  dem 
Ghül  den  Ursprung  des  Lausfells,    ein  Löwe    rettet  sie    vor    diesem. 


213.  Der  starke  Hans.     214.  Der  gestiefelte  Kater.  487 


213.   Der  starke  Hans.  im  s.  aa& 

Der  starke  Hans  kommt  zum  Teufel  in  die  Hölle  und  will  ihm 
dienen,  da  sieht  er  die  Töpfe  beim  Feuer  stehen,  worin  die  Seelen  stecken. 
Mitleidig  hebt  er  die  Deckel  auf  und  erlöst  sie,  worauf  ihn  der  Teufel 
wegjagt. 

1822  S.  258  nr.  3  ohne  Angabe  der  Herkunft.  —  Vgl.  oben  2, 
423  nr.  100.  Eine  ähnliche  Schilderung  der  Hölle  bei  Bächtold, 
Schweizer  Märchen  1916  S.  47  'Der  Geißbub  im  Illgraben'.  M.  Moe 
zu  dem  norwegischen  Märchen  'Soldaten,  som  koka  for  den  vonde' 
(Norvegia  1,39.  1908).  —  Zu  den  Nachweisen  über  die  Seelen  der 
Ertrunkenen  in  Töpfen  oben  2, 423 x  vgl.  noch  Mitt.  f.  schles.  Vk. 
8,  107.  Schulenburg,  Volkssagen  S.  124.  Öesky  Lid  6,  160.  Poh. 
a  pov.  nas.  lidu  S.  75.  Pfikryl  S.  333.  Wlislocki,  Volksdichtungen 
S.  226  nr.  22. 


214.    Der  gestiefelte  Kater.  1356  s  26a 

Das  Märchen  wird  gewöhnlich  nach  Perraul ts  französischer 
Darstellung  erzählt,  doch  hat  sich  bei  den  Siebenbürger  Sachsen 
(Haltrich  nr.  13)  eine  eigentümliche  und  gute  Überlieferung  erhalten, 
der  Federkönig.  —  Vgl.  oben  1,  325  nr.  33a.  Dazu  norwegisch: 
Bergh  nr.  2  =  Stroebe  2,  242  'Helge-Hai  im  blauen  Berg'.  Berge 
1914  S.  74  'Aasmund  min  herre'.  Bugge-Berge  2,  15  'Kong  kat  paa 
Hoiborg  slot  med  fireogtyve  forgjddte  kroner'.  Slovakisch:  Casopis 
muz.  slov.  spol.  17,  7  nr.  9  (1914).  Kleinrussisch:  Etnogr. Zbirnyk 
37,  265  nr.  205—208  (aus  Galizien).  Weißrussisch:  Sejn  2,  128 
nr.  58  =  v.  Löwis  nr.  15.  Keunion:  Pevue  de  linguistique  16, 
64  (1885).  Berberisch:  Laoust  p.  192  'L'homme  et  le  singe'.  — 
Zu  1,  3321:  Leskien  nr.  37  (=  Bos.  nar.  pripov.  S.  60  nr.  15); 
Armenisch :  Servanzdiantz,  Manana  nr.  9  =  Folklore  23,  220. 


488  215.    Die  böse  Schwiegermutter. 


1856  s.  269.  215.    Die  böse  Schwiegermutter. 

Es  war  ein  König  und  eine  Königin,  die  hatte  eine  bitterböse 
Schwiegermutter.  Einmal  zog  der  König  ins  Feld,  da  ließ  die  alte 
Königin  ihre  Schwiegertochter  unten  in  einen  dumpfigen  Keller  ein- 
sperren und  ibre  zwei  Söhnlein  zu  ihr.  Eines  Tags  nun  spracb  sie  zu 
sich  selbst:  'Ich  hätte  so  Lust,  das  eine  von  den  Kindern  zu  essen,  rief 
ihren  Koch  und  hieß  ihn  hinuntersteigen,  das  eine  Söbnlein  zu  nehmen, 
zu  schlachten  und  zuzurichten.  'Mit  was  für  einer  Brühe?'  fragte  der 
Koch.  'Mit  einer  braunen,'  sprach  die  alte  Königin.  Da  ging  der  Koch 
in  den  Keller  und  sprach:  'Ach  Frau  Königin,  die  alte  Frau  Königin  will 
haben,  ich  soll  heut  abend  Euren  einen  Sohn  schlachten  und  kochen.' 
Da  war  die  junge  Königin  herzlich  betrübt  und  sagte :  'Ach,  wollen  wir 
nicht  ein  Schweinchen  nehmen  ?  Das  koch  doch  so,  wie  sies  haben  will, 
und  sprich,  es  wäre  mein  Kind  gewesen!'  Der  Koch  tat  so  und  trug  das 
Schweinchen  in  brauner  Brühe  auf:  'Da  wäre  das  Kind;'  und  sie  aß  es 
auf  mit  großem  Appetit. 

Bald  darauf  dachte  die  Alte:  'Das  Kinderfleisch  hat  mir  so  zart 
geschmeckt,  du  willst  das  zweite  auch  essen,'  rief  den  Koch  und  hieß  ihn 
in  den  Keller  gehen  und  den  zweiten  Sohn  schlachten.  'Mit  was  für 
einer  Brühe  soll  ich  ihn  kochen?'  —  'Ei,  mit  einer  weißen,'  sprach  die 
alte  Königin.  Der  Koch  ging  hinunter  und  sagte:  'Ach,  die  alte  Frau 
Königin  hat  mich  geheißen,  daß  ich  nun  auch  Euer  zweites  kleines 
Söhnlein  schlachten  und  kochen  soll.'  Die  junge  Königin  sprach:  'Nimm 
doch  ein  Spanfei kelchen  und  koch  es,  wie  sie  es  gern  haben  will!'  Das 
tat  der  Koch  und  setzte  es  der  Alten  vor  in  einer  weißen  Brühe,  und  sie 
speiste  es  mit  noch  größerm  Appetit. 

Endlich  dachte  die  Alte:  'Nun  sind  die  Kinder  in  meinem  Leib, 
du  willst  nun  auch  die  junge  Königin  essen,'  rief  den  Koch  und  befahl 
ihm,  die  junge  Königin  zu  kochen.  (Fragment.  Beim  dritten  Mal 
schlachtet  der  Koch  eine  Hirschkuh.  Nun  hat  aber  die  junge  Königin 
ihre  Not,  daß  sie  ihre  Kinder  vom  Schreien  abhält,  damit  die  Alte  nicht 
hört,  sie  seien  noch  am  Leben,  usw.) 

1812  nr.  84;  gekürzt  1822  S.  259  nr.  5.  Von  Hassenpflugs  in 
Kassel  am  18.  April  1811.  —  Das  italienische  und  französische 
Märchen  vom  Dornröschen  bei  Perrault  und  Basile  (5,  nr.  5)  stimmen 
in  ihrem  Schluß  hiermit  überein,  welcher  aber  im  deutschen  fehlt. 
Vgl.  oben  1,  435.   438. 


216.    Märchenhafte  Bruchstücke  in  Volksliedern.  489 


216.    Märchenhafte  Bruchstücke  in  Volksliedern.  1836  s  270. 

Wickerlin,  Weckerlin, 

Wut  mit  mir  essen? 

Bring  [mir]  ein  Messer.  — 

Wickerlein,  Weckerlein, 

Lauf  übers  Ackerlein, 

Hat  mehr  Bein  dann  meiner  Hund  kein. 

Fischart,  Geschichtklitterung  cap.  25  im  Spielverzeichnis  an 
zwei  verschiedenen  Stellen  (1891  S.  263a  und  267a,  zuerst  1575  und 
1582).  —  Die  ersten  Zeilen  bezeichnen  wohl  ein  Kinderspiel; 
der  Schluß  ist  ein  Rätsel  von  der  Egge  (Rausch,  Jahrbuch  f.  Gesch. 
Elsaß-Lothringens  24,  142);  vgl.  Wossidlo  1,  61  nr.  109—110  mit 
der  Anm. 

Die  Finger  krachen, 
Die  Männer  wachen. 

Eischart,  ebd.  (1891  S.  264b,  zuerst  1575).  —  Ein  Spiel 
der  Mädchen,  die  sich  an  den  Eingern  ziehen.  So  vielmal  sie 
krachen,  so  viele  Jahre  muß  man  noch  bis  zum  Heiraten  warten 
(Rausch,  Jahrbuch  24,  137). 

Mathes,  gang  ein !  Pilatus,  gang  aus ! 

Ist  eine  arme  Seele  draus. 

Arme  Seele,  wo  kommst  du  her?  —  —  — 

Aus  Regen  und  Wind, 

Aus  dem  feurigen  Ring. 

Andreas  Gryphius,  Horribilicribrifax  1663,  1.  Aufzug  = 
Gedichte  1698  S.  768  =  Lustspiele  ed.  Palm  1878  S.  76.  —  Die 
Worte  gehören  zu  den  Besegnungen,  mit  denen  die  alte  Hexe 
Cyrilla  jedesmal  (auch  S.  91  und  139  bei  Palm)  auftritt.  In  der 
Geliebten  Dornrose  (3.  Aufzug.  Palm  S.  307  f.)  nennt  die  alte  Salome 
ihre  ähnlichen  Zaubersprüche  'schöne  Gebetlein'. 


490  217.    Der  dankbare  Tote. 


Märchen  aus  dem  Nachlasse 
der  Brüder  Grimm. 

(Nr.  217—225.) 


217.    Der  dankbare  Tote  und  die  aus  der 
Sklaverei  erlöste  Königstochter. 

Da  sied  mal  drey  Brüder  gewesen,  und  de  sied  üb  drey  Schippe 
up  ein  grot  Water  gangen.  Un  as  ße  wieder  an  dat  Land  kummen  sied, 
da  es  de  jüngste  Broder  in  en  Wirzhus  gangen.  Unn  as  he  in  de  Güken 
(Küche)  kummet,  da  sit  da  in  den  Schorrenstein  ein  arm  Mann,  un  da  secht 
he  für  den  Wert:  'Warum  sit  de  Mann  da?  Ik  wir  ünne  loß  maken.' 
—  'Neh,'  seh  de  Werd,  'de  kummt  nie  laus,  bis  he  siene  Vertehr  betalt 
hat.'  Un  da  hat  sick  den  jüngste  Broder  drei  Dage  da  verlettet  (auf- 
gehalten) un  het  alles,  wat  he  hat  hat,  verkaupet;  un  ase  de  drei  Dage 
umm  waren,  da  wor  de  arme  Mann  in  den  Schornstein  schon  dautd,  un 
da  hat  de  ünne  örrentlig  begrafen  lautden. 

Un  asse  he  wieder  an  den  Watter  kam,  da  wassen  siene  Broder 
wech  schippet,  un  da  is  he  in  eine  Schuiee  (Schute)  sie  nah  trocken. 
Awer  asse  de  Broder  sahen,  dat  he  wieder  da  was,  da  hat  sie  in  asse 
Schlawen  an  den  türgkischen  Sultan  verkopt.  Un  die  Türkensultan  hatte 
ein  Dochter,  die  hatte  den  Schlawen  so  leif,  weil  he  son  schön  Utsicht 
hatte  un  so  wacker  spielen  und  flöten  kun.  Un  da  het  mal  de  türkische 
Sultan  ein  anner  Schip  fangen,  un  da  is  eine  adelige  Frohlen  mit  fief 
Kammermekens  up  west.  De  hat  awer  schwere  Arbeit  doen  mutten,  un 
de  Schlawe  hat  sie  alle  seß  mutten  vor  eine  Plog  spannen  und  hat  die 
Land  damit  ackern  mutten.  Un  dat  hett  die  Sultansdochter  ansehn  un 
is  to  ihren  Vater  gangen  un  hat  üne  Hänn  un  Föten  küsset  unhatsegt: 
'Lewe  Vater,  gewet  mir  den  Schlawe  to  mien  Ehmann!'  Aber  den 
Sultan  is  bösie  worn  un  hat  secht:  'Du,  du  rieke  Dochter,  wollst  den 
armen  Schiperjungen  to  dienen  Manne  niemen?'  Un  da  het  sie  ant- 
wortet: 'Un  wenn  ik  den  Schiper jungen  nit  hewen  soll,  so  mutt  ik  mit 
gesunen  Hertten  sterwen.'  —  Un  asse  et  da  de  VaderVerloft  giwen  het, 
da  het  de  Schlawe  to  sienen  Brut  segt,  sie  möchte  doch  auk  für  die  seß 


217.    Der  dankbare  Tote.  491 

Jungfrnhen  bitten,  he  kun  nicht  mehr  ansehen,  dat  sie  ihr  Schweis  un 
Blot  in  den  Ploch  vergotten.  'Ja',  sie  de  Vater,  'weil  du  meine  einzige 
Dochter  bist,  so  will  ik  dat  auk  die  togiwe;  un  nun  set  die  mit  deinen 
Brumen  (Bräutigam)  in  den  Kutschen  un  besüh  man  dat  ganze  Land!' 
Un  dat  het  sie  auk  dahen,  und  do  sind  so  viele  Kutschen  hinnenher 
trocken,  un  in  einer  het  de  Brut  mit  ihren  Brumen  satten,  und  in  den 
annern  hat  de  adelige  Frohlen  setten,  und  in  den  dritten  de  Kammer- 
mäkens,  un  in  noch  vile  Wagens  Hochtitgäste,  und  in  noch  ander 
Kutschen  Spiellühe  mit  Walthören,  Trompetten  un  alle  den  schöne  Musik, 
de  sick  ein  Mensch  nur  erdenken  kan. 

Da  sied  sie  in  dat  ganze  Land  herum  trocken,  un  asse  an  dat 
Water  quamen,  da  hat  die  Brumen  segt:  'Nun  hewe  wie  dat  ganze  Land 
besehn;  nun  mut  mine  Brut  auk  sehen,  we  et  up  den  Water  utsüt. 
Kum,  meine  liebste  Braut,  nun  mußt  du  mich  Verlöf  giewen, 
daß  ich  erst  mit  den  sechs  Frauensleuten  spreche,  und  wenn  ich  dann 
damit  gesprochen  habe,  so  komm  ich  wieder  zu  dir.'  Un  do  hat  he  de 
seß  Jungfrauen  in  ein  Schut  fohit,  un  da  is  he  wieder  an  de  Kutsche 
von  de  Sultansdochtcr  gahen  und  hat  to  ihr  secht:  'Du  bist  eine  brafe 
Maken,  awer  ik  häwe  mi  schon  mit  der  Frohlen  verlowet.  Wüst  du  nun 
wemütig  von  uns  scheiden  un  nah  deinen  Vater  toruge  gehen,  ode  mit 
uns  nah  usen  Lanne  gehen?'  Un  do  hat  de  Sultansdochter  stark  grinen 
un  is  mit  de  Hochtitsgesten  wieder  to  eren  Vater  trocken. 

Un  he  is  mit  siener  Brut  un  den  fief  Kamermeken  nach  siem 
Vatterland  torüge  kert  un  hat  sick  an  den  Uwer  in  einen  kleinen  Huse 
settet  un  hat  sick  da  erlig  ernehrt,  und  de  Kammermekens  he wet  stricket 
und  neihet,  und  asse  noch  ein  half  Gar  was  herum,  hewet  se  einen 
kleinen  wakern  Sohn  bekumen.  Und  da  het  de  Frühe  segt:  'Ach,  wan 
dat  min  Vater,  de  Konig  von  Engeland,  sieht,  so  wüst  er  nicht,  was  er 
vor  Freuden  tuhen  sollte.'  Do  het  die  Mann  in  de  Hende  schlagen  und 
het  sick  sehr  verwunnert,  dat  sine  Früh  des  Königs  von  Engeland 
Dochter  wer.  Und  ase  wieder  twe  Monde  wassen  herum,  da  is  de 
hüpsche  Früh  des  Morgens  to  ünne  kommen  un  hat  segt:  'Mein  liewe 
Johannes,  mi  het  diese  Nachte  draumet,  dat  du  eine  Reise  nah  min  Vater 
machtest  un  he  die  sehr  gut  upnemen  de.  Wolltes  du  wohl  über  Watter 
nach  ünne  ?'  —  'O  ja',  seh  de  Mann,  'dat  will  ik  dohen.'  Un  da  is  de 
Frühe  hinsahen  fürihrSchrin  und  het  drei  rohte  schöne  gestikte  Fahnen 
langet  und  hat  to  ihrn  Manne  secht :  'Mein  liebe  Man,  wen  du  vor  Enge- 
land kommst,  so  lat  de  Fahn  in  den  Wind  wehen!' 

Un  as  he  nun  vor  Engeland  kummen  is,  do  het  he  dat  auk  dahen, 
un  da  sieht  de  Schiplühe  ünne  kummen  unn  het  ünne  mit  sine  drei 
Fahnen  einfangen ;  dan  es  dorfe  kein  Schip  ase  men  den  Kuning  sine  so 
schöne  Fahnen  dragen.     Un  da  het  se  üne  gefangen  settet,  un  da  het  he 


492  217.    Der  dankbare  Tote. 

so  lange  setten,  dat  sin  Bath  ganz  lank  was,  un  da  het  de  Richter  schwer 
über  ün  urteilt,  dat  he  in  drei  Tage  soll  dot  maket  wehrn.  Da  hat  he 
ein  von  den  Tokeke  (Tüchlein),  de  üne  siene  Früh  mitgiwe  het,  an  den 
Kunig  schiket,  und  da  is  mit  goldenen  Bokstawen  einen  Breif  upstiken 
west  von  siner  Dochter.  Un  asse  dat  de  Kunig  seht,  do  hat  he  in  den 
Gefengnisse  schicket  und  het  inne  to  sik  ropen  laten.  He  het  aber  nicht 
herut  wollen,  bis  ers  de  Bard  afschniden  is.  Un  ase  do  ton  Konig 
kummt,  do  het  he  in  de  twe  andern  Doke  auk  giewen  un  het  unne  alles 
vertelt.  De  Kunig  is  awer  so  voller  Froden  west  und  het  segt:  'Ach, 
lewet  mine  Dochter  Theresia  noch!  Nun  bin  ik  wieder  froh.  Ach  min 
liebe  Johann,  ich  will  meine  Tochter  und  deine  ehlige  Frau  mit  allerlei 
Instrumente  holen  lassen.'  Und  da  kamen  alle  Freunde  und  Verwante 
von  den  Konig  und  setsen  sick  mit  Johanne  und  den  Musekanten  to 
Schipe,  um  de  Konistochter  to  holen. 

Un  asse  nun  wieder  mit  der  Königstochter  und  den  kleinen 
Kindchen  torucke  gingen,  do  was  so  ein  böser  Bedienter,  de  will  de  Früh 
gerne  frige,  un  do  schtot  he  den  Johannes  in  den  Watter  un  sah  to  de 
Früh,  wenn  sei  dat  wieder  sagte,  so  woll  he  ihr  auk  ut  den  Schip 
werpen.  Und  Johannes  ret  drei  Spalierhold  af,  un  damit  halp  he  sik 
wieder  torige  bit  bald  bi  den  Lanne.  Do  hörde  er  eine  Stemm :  'Johannen, 
lustig  voran!'  Un  ase  nn  an  den  Laune  kam,  do  stand  da  de  Mann, 
den  he  damals  in  den  Schorrenstein  hette  funnen,  un  de  sähe  to  üne: 
'Nu  machts  du  dik  wat  wünschen.'  —  'Ick  will,  dat  ik  in  Engel  and  wehr.' 
—  'Do  do  schollst  du  glik  sein.  Und  da  buhet  dien  Früh  eine  Kerke,  da 
soll  seh  sik  mit  Gewalt  mit  den  bösen  Bedienten  in  tosammen  giwen  laten. 
Do  kannst  du  für  twelf  Mann  in  arbeiten.' 

Un  da  was  he  auk  gleich  in  Engeland,  do  meld  he  sik  bi  den  Bau- 
meister an  für  twelf  Tage  arbeiten.  Un  as  he  nu  da  an  is,  da  kom  mit 
seß  schwarten  Perden  de  Königstochter  gefahren,  und  als  dat  de  Johannes 
sa,  da  wischte  he  sik  mit  den  schwarten  Dok,  de  se  in  giewen  het,  druge 
hie  sik  de  .  .  .  [Der  Schluß  mit  der  frohen  Wiedervereinigung  der  Gatten 
fehlt.] 

Aus  dem  Münsterlande,  in  den  Jahren  1812 — 1814  durch 
die  Familie  von  Haxthausen  erhalten.  Gedruckt  1915  in  der  Zs.  f. 
Volkskunde  25,  34  durch  J.  Bolte. 

Eine  aus  gleicher  Quelle  stammende  Erzählung  'Des  Toten 
Dank'  (Zs.  f.  Volkskunde  25,  33)  stimmt  nur  im  Anfange  überein; 
der  Geist  des  bestatteten  Gehängten  verhilft  dann  als  Bedienter  des 
barmherzigen  Schneidergesellen  diesem  zu  Reichtum. 

Et  was  emoel  en  Schniederbursen,  de  wull  reisen  un  heff  nix  mehr 
asse  drey  Dahler  Geld;  do  kümmt  he  buten  by  et  Gericht  (Galgen)  her, 


217.   Der  dankbare  Tote.  493 

do  henkt  do  en  armen  Sünder  an.  Do  seg  he:  'Wat  döt  mi  dat  leed, 
dat  du  do  henkst  vor  Schimp  un  Spott!'  Un  so  geit  he  no  en  Richter, 
he  mög  em  doch  den  armen  Sünder  gierwen.  Do  seg  de  Richter:  'Ne, 
dat  doh  ick  nich,  dat  heff  he  verdeint.'  Men  de  Schnieder  begehrt  em: 
'0  doht  et  doch,  ick  will  ja  auck  mine  drey  Dahler  gierwen.'  Do  gifft 
em  de  Richter;  he  geit  fohrts  hen  und  nimmt  en  vont  Gericht  äff  un 
begräff  en  in  de  Erde  un  seg :  'Nu  lieg  in  Gottes  Namen !' 

Esse  dat  verbie  is,  geiht  he  weg  un  kiimmt  in  en  grauten  Wold,  do 
kümt  en  son  erschrecklich  unnüsel  (unbegreiflich)  grauten  Kerl  in  de 
Möte  (entgegen),  de  süt  so  gruelig  ut,  dat  he  dervör  in  ene  schreckt.  Do 
seg  de  Kerl  to  em:  'Wo  wut  du  hen?'  —  'Ick  wull  reisen,  ick  sin  en 
Schnieder.'  —  'Je,'  seg  de  gruelige  Kerl,  'ick  will  dien  Bedienten  sien.'  — 
'O  Heer,'  seg  de  Schnieder  met  Schrecken,  'ick  hebbe  sölfst  nich  to  lerwen.' 
—  'Kum  du  men  to,'  seg  de  Kerl.  Do  goht  se  no  de  Stadt  un  no  en 
Kledermaker  un  köfft  em  drey  Kleder,  met  Gold  un  Sülwer  sticket,  un 
mackt  em  sine  Hoere  so  nett  asse  der  to;  un  do  geiht  de  graute  Bedienten 
no  den  kaiserlicken  Hoff  un  seg,  do  wör  en  jungen  Ridder,  de  wull  gern 
Middag  met  an  de  Tafel  gohn.  Froget  se  em,  wu  de  hedde.  'Je',  seg  he, 
'et  is  mien  Heer,  de  Name  segge  ick  ju  nich,  de  mot  verschwiegen  sien.' 
Also  kümt  he  den  Middag,  se  nimt  en  ganz  fröndlick  up,  he  is  so  schön 
un  so  ardig,  ene  will  den  no  leiwer  by  Sitten  asse  de  andere;  un  de  Graute 
geit  der  achter  stöhn  un  wachtet  em  up.  No  den  Disk  spierlt  se  in 
Karten,  un  he  gewinnt  alles,  by  den  twerlfdusend  Dahler.  Do  neidiget 
(nötigten)  se  em  wier  to  det  Owenderten  (Abendessen),  men  de  Graute 
seg,  he  soll  nu  met  gohn.  He  döt  sick  bedanken  un  geit  ~reg.  Do  huert 
(mietet)  em  de  Graute  en  Wagen  met  sess  Rerde,  do  settet  he  sick  in 
und  föhrt  weg  bes  in  en  Wold. 

Do  is  do  son  graut  olt  Schiott;  kloppet  de  Graute  an:  'Du  Olle, 
mak  orpen !  Mien  Heer  sali  hier  wurnen.'  Do  kümt  der  en  griesen  ollen 
Mann,  de  heff  en  Mantel  um  und  heff  en  Bort,  de  henk  em  bes  up  de 
Schöbe,  de  seg :  '0  late  mi  doch  met  Frerden !  Ick  hebbe  no  sierwen 
Bröers,  de  ligget  unnen  in  en  Keller,  de  sind  met  Kierden  (Ketten)  an- 
schlorten,  un  wann  de  los  keimen,  de  terrierten  alles.  Also  hier  kann 
kien  Mensk  wuhnnen.'  —  'Ne,'  seg  de  Graute,  'mien  Heer  sali  hier 
wuhrnen.'  Seg  de  Griese:  'Ick  will  di  gern  alles  gierwen;  lat  mi  doch 
met  Frerden!'  —  'Dann  giff  mienen  Heeren  en  goldenen  Wagen  met 
seß  schwatte  Perde  un  en  goldenen  Degen  un  ne  goldene  Uhr  un  Milli- 
jonen  Dahler  Geld!'  Dat  giff  he  em  auk  alle.  Esse  de  Schnieder  dat 
heff,  schleit  dat  Schiott  in  de  Erde  herinn,  un  he  kann  nich  sein,  wo  et 
stöhn  heft  hedde. 

Do  seg  de  graute  Kerl,  off  he  auk  wüste,  wat  he  vor  enen  by 
sich  hedde.     'Ne',  seg  de.     'Ick  sin  de  arme  Sünder,    de  du  hest  von  de 


494  217.    Der  dankbare  Tote. 

Galge  normen.  De  Geister  sind  in  sierwen  Klassen,  ik  sin  von  de  dank- 
boren Geister.'  Un  he  verschwindt,  an  de  Schnieder  hef  f  genog  vor  sien 
ganze  Lerwen. 

Diese  beiden  Erzählungen  sind  mehrfach  getrübte  und  gekürzte 
Fassungen  des  Märchens  vom  dankbaren  Toten,  dem  bereits 
verschiedene  ausführliche  Untersuchungen  gewidmet  worden  sind.1) 
Seine  Hauptzüge  sind  folgende :  A.  Der  Edelmut  des  Helden  zeigt 
sich,  indem  er  (A1)  den  von  hartherzigen  Gläubigern  mißhandelten 
Leichnam  eines  Schuldners  loskauft  und  bestattet  und  (A2j  eine 
gefangene  Jungfrau  aus  türkischer  Sklaverei  oder  aus  der  Gewalt  von 
Räubern  befreit  oder  (A3)  die  befreite  schöne  Jungfrau  ihrem  Ver- 
lobten zurückgibt.  —  B.  Er  wird  durch  Leiden  auf  die  Probe 
gestellt:  (B1)  sein  Vater  enterbt  ihn  als  leichtsinnigen  Verschwender, 
(B2)  seine  treulosen  Brüder  verlassen  ihn,  (B3)  ein  Neider  stürzt  ihn 
ins  Meer  und  trennt  ihn  von  seiner  Gattin.  —  C.  Der  Geist  des 
Toten,  der  als  Greis,  Diener  oder  Fuchs  auftritt,  belohnt  ihn :  (C1) 
er  verhilft  ihm  zu  Reichtum  und  zur  Heirat  mit  einer  Prinzessin ; 
oder  (C3)  bringt  den  ins  Meer  Gestürzten  zu  seiner  Gattin;  (C3)  er 
verlangt  die  Teilung  der  Frau,  aber  nur,  um  die  in  ihrem  Leibe 
steckenden  Giftschlangen  zu  entfernen  oder  (C4)  um  nochmals  die 
Treue  des  Jünglings  zu  prüfen  und  sich  dann  zu  offenbaren.  — 
Danach  besteht  unsere  zweite  münsterländische  Fassung  aus  den 
Motiven  A1  C1,  die  erste  dagegen  aus  A1B2A2B3C2;  doch  ist  in  ihr 
vor  B3  noch  ein  besonderer  Zug  (D)  eingeschaltet :  die  befreite 
Jungfrau  sendet  nach  ihrer  Heirat  mit  dem  Helden  diesen  nach  England 
und  gibt  ihm  eine  Fahne  mit,  die  er  am  Schiffe  wehen  lassen  soll ;  hier- 
aus oder  aus  einem  gestickten  Tuch  erkennt  der  König  von  England,  daß 
er  von  seiner  Tochter  abgesandt  ist.  Anderwärts  ist  es  ein  Bild  der 
jungen  Frau,  das  die  Erkennung  herbeiführt.  Eine  Entstellung  der 
Überlieferung  zeigt  der  Anfang  von  dem  im  Schornstein  des  Wirts- 
hauses sitzenden  Schuldner,  der,  bevor  der  Held   ihn  befreien  kann, 


a)  Vgl.  insbesondere  K.  Simrock,  Der  gute  Gerhard  und  die  dank- 
baren Toten  (1856);  R,  Köhler,  Kleinere  Schriften  1,  5—39.  220.  424.441 
(1898) ;  Hippe,  Untersuchungen  zu  der  megl.  Romanze  von  Sir  Amadas 
(Archiv  f.  neuere  Sprachen  81,  141—183.  1888);  Dutz,  Der  Dank  des 
Toten  in  der  englischen  Literatur  (Progr.  Troppau  1894);  G.  H.  Gerould, 
The  grateful  dead,  the  history  of  a  folk  story  (London  1908);  W.  Benary, 
Hervis  von  Metz  und  die  Sage  vom  dankbaren  Toten  (Zs.  f.  roman. 
Philologie  37,  57—92.  129-144.  38,  229—232). 


217.   Der  dankbare  Tote.  495 

verscheidet.  Vielmehr  wird  im  Romane  vom  Herzog  Herpin  der 
tote  Schuldner  in  einem  Sack  in  den  Schornstein  gehängt,  wie  auch 
Woestes  westfälische,  Wissers  holsteinische  und  die  dänische  Fassung 
im  Skattegraveren  9,  177  berichten.1) 

Bei  der  Musterung  der  übrigen  Fassungen  wollen  wir  zunächst 
die  seit  dem  16.  Jahrhundert  in  Prosa  und  Versen,  auch  in  dramatischer 
Form  aufgezeichneten  ins  Auge  fassen  und  uns  darauf  den  mittel- 
alterlichen zuwenden. 

Aus  der  Schweiz  bei  Jegerlehner,  Am  Herdfeuer  der  Sennen 
S.  179  =  Jegerlehner,  Sagen  aus  dem  Oberwallis  S.  118  nr.  142  'Vom 
Pflasterbub  zum  Prinzen' (A1- 2  B1, 3C2.  Toter  als  Hase)  =  Bächtold  S.  306. 
Aus  Schwaben  bei  E.  Meier  nr.  42  'Der  Sohn  des  Kaufmanns'  = 
Simrock,  Gerhard  S.  54  nr.  3  (A*  *  B1' ■  C*.  Toter  als  Vogel,  Karl 
erklärt  dem  König  sein  Gemälde).  Aus  Tirol  bei  Zingerle,  Zs.  f.  dt. 
Mythol.  2,  337  'Der  tote  Schuldner'  =  Simrock,  Gerhard  S.  62  nr.  5 
(A1- 2  D  B6  C2).  AusSiebenbürgenbei  Haltrich  nr.  9  'Die  Hälfte  von 
allem'  (A1- 2  B1 C2' 4)  Aus  dem  0  d  e  n  w  a  1  d  bei  Plönnies,  Zs.  f.  dt.  Myth. 
2,  374  'Des  Toten  Dank'  =  Simrock,  Gerhard  S.  51  nr.  2  =  Zaunert 
S.  245  (A1'2B1DB3C4.  Als  Küchenjunge  wirft  der  Held  seinen 
Ring  in  die  Suppe  der  Prinzeß ;  der  Geist  verlangt  die  Hälfte  seines 
Kindes).  Aus  dem  Rheinlande:  Wolf,  Hausmärchen  S.  243  'Des 
Toten  Dank'  =  Simrock,  Gerhard  S.  46  nr.  1  (A1' 2  B1  D  B3  C4.  Der 
Tote  als  Schwarzer,  Erkennung  durch  Gemälde,  Hälfte  des  Kindes 
verlangt).  Simrock,  Märchen  S.  304  'Der  dankbare  Tote'  =  Simrock, 
Gerhard  S.  65  nr.  6  (aus  Xanten.  A2- » D  B3  C2).  Simrock  S.  308 
'Der  gläserne  Berg'  =  Simrock,  Gerhard  S.  68  nr.  7  (aus  Xanten. 
A1  C2,  angeschlossen  an  den  'Trommler',  oben  S.  408).  Aus  Westfalen: 
Woeste,  Zs.  f.  dt.  Mythol.  3,  46  'De  witte  Swane'  =  Simrock,  Gerhard 
S.  75  nr.  8  =  Dähnhardt,  Dt.  Märchenbuch  2,  30  (A1-  2D  B3  O «. 
Toter  als  Schwan  und  Männchen,  Erkennung  durch  Ring  in  der 
Tasse,  Hälfte  des  Sohns  verlangt).  Aus  Hannover  bei  Busch 
S.  47  'Der  Königssohn  mit  der  goldenen  Kette'  (A1- 2  B3  C2.  Er- 
kennung durch  Flötenspiel).  Vom  Harz  bei  Pröhle,  KVM.  S.  239 
nr.  78  'Die  rote  Fahne  und  der  Ring  der  Königstochter'  =  Simrock 
S.  58  nr.  4  (A1- 2  B1  D  B3  C2.     Erkennung  durch  Ring).     Aus  0 1  d  e  n- 

l)  Als  Strafe  und  Marter  für  Lebende  kommt  das  in  den  Rauch 
hängen  bei  Pröhle,  KVM.  nr.  46,  im  slowakischen  Märchen  von  der  unter- 
geschobenen Braut  bei  Nemcovä  1,  159  nr.  16  und  in  Erzählungen  über 
die  Gewalttaten  schwedischer  Soldaten  (Simrock,  Gerhard  S.  153)  vor. 


496  217.   Der  dankbare  Tote. 

bürg  bei  Strackerjan  2,  308  =  2.  Aufl.  2,  453  'Der  dankbare  Tote' 
(A1-2B1DB3  C2.  Toter  als  Taube,  Eing  im  Becher),  Aus  Holstein 
bei  Wisser,  Plattd.  Vm.  S.  107  'De  Kopmannssöhn'  (A1'  2  B3  C2.  Toter  im 
Schornstein,  zwölf  Mädchen  im  Pfluge,  Toter  als  Fisch,  die  durch  den  Eid 
zum  Schweigen  gezwungene  Prinzessin  klagt  ihr  Leid  dem  Stein).  Wisser, 
Eutiner  Kalender  1917,  53.  Aus  Pommern  bei  Jahn  l,182nr.  34  'Der 
Schiffer  und  die  drei  Königstöchter  von  Engelland'  (A1,2B1  D  B3  C2. 
Toter  am  Galgen,  feindseliger  Schwager,  Toter  als  Adler  trägt  den  Helden 
und  überreicht  ihm  den  Bauplan  des  Turmes,  den  die  Königstöchter 
verlangen);  1,  190  nr.  35  'Die  Mädchen  im  Pfluge'  (A1-2  B3  C2.  Toter 
als  Vogel,  der  Held  läßt  sich  von  der  Hochzeitstafel  Braten  und 
Wein  holen);  1,  370  (A2DA1B3C2.  Bilder  der  Königstochter  und 
ihrer  beiden  Mägde,  Erkennung  durch  Ring  im  Becher).  Bl.  f.  pomm. 
Volksk.  9,  158  'Die  Königstochter  und  der  Bauernsohu'  (A2  B8  A1  C2. 
Entstellt).  Aus  Westpreußen  bei  Behrend  nr.  13  'Der  barm- 
herzige Edelmann  und  sein  Läufer'  (A1C1-4.  Der  Diener  verschafft 
ihm  Wunschbeutel,  Mantel  und  Schwert  und  bekämpft  für  ihn  den 
Drachen);  nr.  25  'Die  geraubte  Prinzessin'  (A2,1DB3C2.  Johann 
flieht  mit  der  Jungfrau  aus  der  Räuberhöhle  und  schlichtet  nachts 
den  Streit  dreier  Geister,  malt  die  Zimmer  des  Schlosses  aus). 

Holländisch  aus  der  Nähe  von  Amsterdam  in  der  Genter 
Zs.  Volkskunde  16,  94  nr.  51  'De  dankbaare  doode'  (A1- 2  D  Bs  C2. 
Gerrit  entflieht  mit  der  Prinzeß  aus  der  Räuberhöhle;  beider  Kind 
wird  durch  den  Geist  der  toten  Frau  herbeigeholt,  nachdem  der 
treulose  Schiffskapitän  den  Helden  ins  Meer  gestoßen  hat,  und 
bezeugt  vor  dem  Könige  die  Erzählung  Gerrits).  —  Vlämisch: 
P.  de  Mont  en  de  Cock,  Wondersprookjes  p.  208  'Van  de  konings- 
dochter  en  den  bakkersknecht'  =  Revue  des  trad.  pop.  2,  421  'De 
la  Alle  de  roi'  (A2B3A1C1.  Der  Bäckergesell  verschafft  dem  diebischen 
Toten  Grabesruhe,  indem  er  das  gestohlene  Geld  dem  Eigentümer 
zustellt,  und  erhält  dafür  dessen  Haus).  —  Dänisch:  Grundtvigs 
hsl.  Register  nr.  67  'Den  dodes  hjcelp'.  Grundtvig,  Minder  1,  71 
'Det  fattige  Lig'  (A1^);  1,  96  'De  tre  Mark'  (A1^.  Kirchendach 
dient  als  Schiff).  Kristensen,  Aev.  fra  Jylland  1,  288  nr.  38  (A1  C1 
verbunden  mit  dem  Märchen  Gr.  22  'Das  Rätsel',  vgl.  oben  1,  190) 
und  3,  II  'Engelens  Folgeskab'  (ebenso);  1,  301  nr.  39  'Den  hvide 
Silkedreng'  (A1  O  4.  An  den  gestiefelten  Kater,  oben  1,  331,  erinnert 
die  Art,  wie  der  weiße  Diener  dem  armen  Burschen  Land  und  Herren- 
haus verschafft);    1,  309  nr.  40  'Den  gronne  Dreng  og  de  tre  Hexe' 


217.   Der  dankbare  Tote.  497 

(A1  C1.  Der  grüne  Diener  holt  sich  Wunschmantel,  Degen  und  Börse 
und  schafft  den  von  der  Prinzessin  versteckten  Ring,  Halskette  und 
Hexenhaupt,  wie  in  Andersens  'Reisekamerad'  oben  S.  83);  2,  282 
nr.  43  'Baadsmand  Ole'  (A2B3C2.  Anfang  ähnlich  Gr.  125.  Ole 
rettet  die  Königstochter  aus  der  Räuberhöhle;  ein  altes  Weib,  dem 
er  Kautabak  reicht,  schenkt  ihm  eine  Wunschbörse  und  schafft  ihn, 
als  ihn  Skidimomme  ins  Meer  stößt,  nach  England);  4,  64  nr.  10 
'Ligets  Hja3lp'  (A1C1;  gehört  zu  Andersens  'Reisekamerad').  Kristensen, 
Danske  Folkesev.  nr.  32  'Den  dode  hjcelper'  (A1  C1.  Führt  den 
Soldaten  im  Bleischiff  nach  England  und  verschafft  ihm  Schloß  und 
Land  wie  der  gestiefelte  Kater).  Skattegraveren  7,  154  'Den  dodes 
bjselp'  (A2,1B3C2.  Jan  kauft  in  China  eine  englische  Prinzessin  los; 
der  Geeist  der  begrabenen  Chinesin  schafft  ihn  nach  England ; 
Erkennung  durch  Harfenspiel);  9,  177  'Den  dodes  hjselp'  (A^DB3^. 
Karl  Edvard  sieht  die  englische  Prinzeß  mit  ihrem  Kammermädchen 
den  Pflug  ziehen;  in  London  erkennt  die  Prinzeß  das  ans  Fenster 
des  Gefängnisses  gehängte  Taschentuch).  Madsen  1870  S.  22  'Stakkels 
Jonas'  (A1,2  B1  D  B3  C2-4.  Schwedische  Königstochter  im  Pfluge; 
Ring  im  Becher;  Sohn  dem  Vogel  versprochen).  Kamp,  Folkesev.  2, 
150  nr.  15  'Hans  Vovehals'  (A2- *  B3  C2- 4.  Rettet  die  Königstochter 
von  England  aus  der  Räuberhöhle ;  sie  erkennt  das  gestickte  Hemde 
am  Zaun ;  Teilung  des  Kindes  verlangt).  —  Schwedisch:  Hammar- 
ske'-"!  och  Imnelius,  Svenska  folksagor  1819  1,  157  'Pelle  Bätsman', 
auch  als  Volksbuch  1824  u.  ö.  gedruckt  (Bäckström,  Sv.  folkböcker 
2,  144—156),  enthält  die  Motive  A1,  2  B3  C2;  der  Schuhmacherlehrling 
Pelle  befreit  die  armenische  Königstochter  Clelia  aus  der  Gewalt  der 
Räuber  und  weist  ihr,  als  er  ihr  Schuhe  bringt,  den  von  ihr 
gearbeiteten  Geldbeutel  vor.  Aberg  nr.  97  'Pälle  Bäsman'  (dasselbe 
vergröbert)  und  nr.  256  'Skepparen,  som  blef  gift  med  kungens 
dotter'  (A2B1#3C2.  Zwei  Mädchen  im  Pflug;  Erkennung  durch  Ring 
im  Becher;  statt  des  dankbaren  Toten  schafft  Jesus  den  Helden  von 
der  Insel  zu  seiner  Braut).  Allardt  nr.  130  'Om  karlen  som  räddade 
prinsessan'  (A2  B3  A1  C2) ;  nr.  131  'Hans,  som  frälste  prinsessan  frän 
sjöröf varena'  (A2  B3  A1  C2 ;  Prinzessin  von  Preußen,  zwei  Tote  schlagen 
sich).  Hackmans  Register  nr.  506.  —  Norwegisch:  Asbjörnsen- 
Moe  nr.  99  'Krambodgutten  med  Gammelostlasten'  (A1,2B3C2).  *Moe, 
Indberetning  p.  18  (Norske  Univ.  og  skoleannaler  1880,  253).  — 
Isländisch:  Arnason  2,  473  =  Poestion  S.  274  nr.  33  'Thorstein 
der  Königssohn'  (A1,  2  B3  C2).     Rittershaus  nr.  57  'Der  dankbare  Tote' 

Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III.  32 


498  217.   Der  dankbare  Tote. 

(A2, 1  B3  C2.  Vilhjalmur  wird  von  Rautiur  ins  Meer  gestürzt,  und  Asa 
muß  Schweigen  geloben).  —  Englisch:  G.  Peeles  Märchenkomödie 
'The  old  wives'  tele'  (1595.  Works  ed.  Bullen  1888  1,  297.  Gayley, 
Representative  english  comedies  1,  349;  vgl.  Dutz,  Progr.  Troppau 
1894  und  Holthausen,  Archiv  f.  n.  Spr.  119,  177)  enthält  die  Motive 
AXC1,4:  der  irrende  Ritter  Eumenides  bezahlt  das  Begräbnis  des 
Trunkenbolds  Jack,  wofür  ihm  dessen  Geist  als  Diener  folgt,  Geld  in 
seine  Börse  zaubert  und  als  Lohn  für  seine  Dienste  nur  die  Hälfte 
dessen  verlangt,  was  jener  auf  seiner  Fahrt  erbeuten  werde.  Jack 
hilft  dem  Ritter  seine  Dame  aus  der  Gewalt  des  Zauberers  Sacrapant 
erlösen,  tötet  diesen  und  verlangt  die  versprochene  Hälfte ;  als  aber 
Eumenides  wirklich  die  Geliebte  mit  dem  Schwerte  zerteilen  will, 
fällt  ihm  der  Geist  in  den  Arm,  gibt  sich  zu  erkennen  und  ver- 
schwindet. Eine  öfter  gedruckte  Volksballade  'The  factor's  garland' 
oder  'The  Turkey  factor'  (Gerould  p.  110.  Hennemans  in  Publ.  of 
the  Mod.  language  assoc.  of  America  22,  XVI  angekündigte  Ausgabe 
ist  nicht  erschienen)  nähert  sich  dem  Typus  des  Jean  de  Calais 
(AJ^DB'C8'4).  -  Schottisch:  Campbell2  2,  121  nr.  32 'The  Barra 
widow's  son'  (A1- 2DB3C2,4;  statt  der  Fahne  gibt  die  spanische 
Prinzessin  ihrem  Befreier  Jain  Kleider,  Ring,  Pfeife  und  Buch  mit; 
diese  Gegenstände  erkennen  ihre  Eltern,  als  er  in  der  Kirche  sitzt); 
vgl.  R.  Köhler  1,  220.  Macdougall,  Folk  tales  1910  p.  75  'Blackhaired 
John  of  Lewis,  sailor'  (A2, 1  B3  C2 ;  er  verschafft  drei  Enthaupteten 
die  Grabesruhe,  indem  er  jedem  Rumpfe  den  rechten  Kopf  beilegt). 
—  Irisch:  Larminie  p.  155  "Beauty  of  the  world'  (A1  C1-4;  vermischt 
mit  dem  Andersenschen  'Reisekameraden'). 

Unter  den  französischen  Fassungen  ist  die  älteste  und 
einflußreichste  die  1723  erschienene  Novelle  der  Frau  von  Gomez 
'Histoire  de  Jean  de  Calais',1)  welche  die  Motive  A^B1  D  B3  C2,  4 
enthält.     Jean  ist  ein  Kaufmannssohn  aus  Calais,    der   auf   der  Insel 


*)  Mrne.  de  Gomez,  Les  journees  amüsantes.  3.  edition  1736  2, 
208—260.  Italienisch  Venezia  1758,  deutsch  Berlin  1761  1,  360-400;  vgl. 
Bibliotheque  universelle  des  romans  vol.  12,  Decembre  1776  p.  134 — 154 
und  R.  Köhler  1,  12.  —  Die  Verfasserin  behauptet,  die  Geschichte  aus 
der  'Histoire  fabuleuse  de  la  maison  des  rois  de  Portugal'  entlehnt  zu 
haben:  doch  ist  diese  Quelle  bisher  nicht  entdeckt  worden.  Die  'Anace- 
phalaeosis  i.  e.  Summa  capita  actorum  regum  Lusitaniae'  des  Jesuiten 
Ant.  Vasconcellius  (Antverpiae  1621),  an  die  Liebrecht,  Germania  5,  56 
denkt,  ist  es  nicht;  vielleicht  aber  lagen  Trancosos  Contos  e  historias  de 
proveito  e  exemplo  2,  nr.  2  (1575)  zugrunde. 


217.   Der  dankbare  Tote.  499 

Orimanie  einen  von  Hunden  zerfleischten  Leichnam  bestattet,  nachdem 
er  die  Schulden  des  Toten  bezahlt  hat,  und  zwei  von  einem  Korsaren 
gefangene  Sklavinnen  loskauft.  Er  vermählt  sich  mit  der  einen, 
namens  Constanze,  wird  aber  von  seinem  Vater,  der  die  Heirat  miß- 
billigt, verstoßen.  Nach  einem  Jahre  ist  der  Vater  milder  gestimmt 
und  sendet  Jean  wiederum  mit  einem  Handelsschiffe  aus.  Dieser 
läßt  auf  Bitten  seiner  Frau  ihr  Bild,  das  ihres  Söhnchens  und  ihrer 
Freundin  Isabelle  auf  sein  Schiff  malen  und  landet  zunächst  in 
Lissabon  vor  dem  Königsschloß.  Der  König  von  Portugal  erkennt 
in  Constanzes  Bildnis  seine  geraubte  Tochter,  nimmt  Jean  als 
Schwiegersohn  auf  nnd  sendet  ihn  dann  mit  einem  vom  Prinzen  Dom 
Juan  befehligten  Geschwader  heim,  um  seine  Familie  zu  holen.  Auf 
der  Rückfahrt  nach  Portugal  stößt  der  eifersüchtige  Dom  Juan  den 
Helden  unbemerkt  ins  Meer;  die  Prinzessin  kommt  voller  Verzweiflung 
bei  ihrem  Vater  an ;  Dom  Juan  wirbt  um  ihre  Hand  und  soll  sie 
auch  erhalten.  Inzwischen  hatte  Jean  sich  durch  Schwimmen  auf 
eine  einsame  Insel  gerettet  und  lebte  hier  zwei  Jahre  lang  einsam. 
Da  trat  plötzlich  ein  Unbekannter  zu  ihm,  erzählte  ihm  von  der 
bevorstehenden  Hochzeit  seiner  Frau  und  erbot  sich  zur  Hilfe,  wenn 
Jean  ihm  später  die  Hälfte  von  dem,  was  er  am  liebsten  habe,  geben 
wolle.  So  gelangte  Jean  im  Schlafe  nach  Lissabon  und  diente  als 
Holzträger  in  der  Schloßküche.  Dort  erblickte  ihn  Isabelle,  erkannte 
ihn  und  führte  ihn  vor  Constanze  und  den  König,  der  den  Verräter 
Dom  Juan  zum  Tode  verurteilte  und  seinem  Eidam  zu  Ehren  ein 
großes  Fest  veranstaltete.  Auch  der  unbekannte  Helfer  erschien  hier, 
erinnerte  Jean  an  sein  Versprechen  und  forderte  die  Hälfte  seines 
Söhnleins.  Vergeblich  baten  alle  Anwesenden  um  Schonung  des 
Kinde3 ;  endlich  reichte  Jean  seinen  Sohn  dem  Fremden,  weil  er  sein 
Wort  halten  wollte;  doch  dieser  gab  ihn  dem  Vater  zurück  und 
offenbarte  sich  als  den  Geist  jenes  Toten,  dem  Jean  ein  ehrliches 
Begräbnis  verschafft  hatte.  —  Diese  Novelle  ist  auch  als  Volksbuch 
wiederholt  bearbeitet  worden,1)  angeblich  'sur  de  nouveaux  memoires'; 
aber  der  eine  Bearbeiter  macht  aus  dem  Geiste  des  Toten  einen 
Schutzengel  und  merzt  die  Prüfung  des  Helden  durch  die  Forderung, 
sein  Liebstes  mit  jenem  Helfer  zu  teilen,   aus;    der    andere    streicht 


!)  In  der  Bibliotheque  bleue  (Paris  1770.  1776.  Liege  1787.  Troyes, 
Baudot  o.  J.),  ferner  Epinal  o.  J.  Paris  1849.  1856.  Toulouse  o.  J.  Vgl. 
Nisard,  Histoire  des  livres  populaires  1854  2,  450;  E.  Köhler  1,  15;  Le 
Braz,  La  legende  de  la  mort  1902  2,  232. 

32* 


500  217.   Der  dankbare  Tote. 

sogar  den  Loskauf  des  Toten.  Auf  die  französische,  italienische, 
spanische,  portugiesische  und  deutsche  Volksüberlieferung  hat  die 
Erzählung  Einfluß  geübt.  —  Souvestre,  Le  foyer  breton  1853  2,  1 
'L'heureux  Mao'  (A1C1;  entstellt).  Luzel,  Contes  1,  403  'Jouenn 
Kermenou  l'homme  de  parole'  (A1-2  B1  D  B3  C2, 4.  Frage  vom  alten 
Schlüssel).  Luzel,  Legendes  2,  40  'Cantique  spirituel  sur  la  charite 
admirable  que  montra  St.  Corentin'  (A1  C1  B3  C2- 4.  Als  der  Tote  das 
Kind  teilen  will,  erscheinen  die  h.  Jungfrau  und  Corentin).  Sebillot, 
Contes  3,  164  nr.  16  'Jean  de  Calais'  (A1-2  B1  D  B3  C2"4).  Le  Braz 
1902  2,  211  'JeanCarre'  (A2DA1B3C2).  Gittee-Lemoine  p.  57 'Jean 
de  Calais'  (A1- 2  B1- 2  C2- 4.  Babe).  Cenac  Moncaut  p.  5  'Rira  bien  qui 
rira  le  dernier'  (A1,2.  Entstellt).  Blade  2,  67  'Jean  de  Calais' 
(A1,  !DB3  C2, 4.  Toter  als  weißer  Vogel).  Bevue  des  trad.  pop.  9, 
177  'Le  corps  du  moit  reconnaissant'  (A1  C1.  Die  Brüder  rauben 
dem  Helden  die  Jungfrau ;  der  Tote  gibt  ihm  einen  Vogel  als  Führer 
und  ein  Schwert).  9,  179  'Jean  de  Bordeaux'  (A2B1-3C2-4.  Fuchs) 
22,  273  'Histoire  de  Jean  de  Callae'  (B  A1  C2.  Die  Braut  sieht  das 
gestickte  Taschentuch  des  Küchenjungen).  26, 39  'Le  mort  reconnaissant' 
(Ai.  2  d  B3  Q2).  27,  387  'Le  Als  du  roi  de  Brest'  (A1-2  B1  D  B3  C2). 
Almanach  de  Phare  1891, 108.  —  Rätoromanisch:  Decurtins,  Chresto- 
mathie 2,  100  nr.  80  'II  miert  e  las  duos  sclavas  (A^ßiC2.  Toter 
als  Fuchs). 

Italienisch:  Straparola,  Notti  piacevoli  11,  nr.  2  (A1,aC8"4) 
schließt  sich  darin  an  die  noch  zu  besprechenden  mittelalterlichen 
Fassungen  an,  daß  die  Seefahrt,  der  Sturz  ins  Meer  und  die  Bettung 
durch  den  Toten  fehlen  und  der  Dummling  Bertuccio  dem  fremden 
Bitter,  der  ihm  Boß  und  prächtige  Kleider  gibt,  dafür  verspricht, 
alles,  was  er  erwirbt,  mit  ihm  zu  teilen.  Das  wohl  zu  Ende  des 
18.  Jahrh.  entstandene  Gedicht  des  G.  0.  Brunetto  'Istoria  di  Stellante- 
Costantina'  (abgedruckt  Zs.  f.  Volksk.  25,  372)  folgt  dagegen  der 
Erzählung  der  Frau  Gomez.  Andrews,  John  of  Calais  (Folk-lore 
Becord  3,  48.  Aus  Mentone).  Andrews,  C.  ligures  nr.  26  'Le  mort 
reconnaissant'  und  41  'Le  mort  reconnaissant,  ou  Jean  de  Calais'.  Ive, 
Fiabe  pop.  rovignesi  1877  p.  19  'Biela  Fronte'  —  Crane  p.  131  'Fair 
Brow'  (A1  • 2  B1  D  C2- 4.  Geht  auf  Brunettos  Gedicht  zurück' .  Nerucci 
nr.  52  'La  lieprina'  (A1  C1  B2  C2.  Peppe  gewinnt  eine  Wunschbörse 
und  ein  Pferd,  kauft  seine  Brüder  vom  Galgen  los  und  wird  von 
ihnen  ins  Wasser  gestürzt ;  Toter  als  Häsin  rettet).  De  Nino  3,  309 
nr.  62  'Giuseppe  Ciüfolo'  (A1^- 4).  —  M  altesisch:  Hg  1,  44  nr.  13 


217.   Der  dankbare  Tote.  501 

'Prinz  Dschuseppi'  (B1  A1 ' 2  B3 ;  der  Dank  des  Toten  wird  nicht  er- 
wähnt, aber  der  Held  stellt  sich  als  Bettler  am  Vorabend  der  Hoch- 
zeit seiner  Frau  ein).  —  Spanisch:  Biblioteca  de  las  trad.  pop. 
esp.  8,  194  'Juan  de  Calais'  (A1  B3  C2  ■ 4).  Duran,  Romancero  general 
2,  299  nr.  1291—1292  'La  princesa  cautiva'  (A1'2B8C2).  —  Kata- 
lanisch: Maspons,  Eondallayre  2,  34  nr.  5  'L'estandart'  (A1,2DB3 
C2).  Alcover  2,  65  'Es  port  de  sa  cibolla  blanca'.  —  Portugie- 
sisch: Historia  de  Joäo  de  Calais  1783  u.  ö.  (Braga,  0  povo  portu- 
guez  1885  2,  486).  *Caldas  Barbosa,  Viola  de  Lereno  (Braga  1,  489). 
Bei  Gr.  F.  Trancoso,  Contos  e  historias  de  proveito  e  exemplo  2,  nr.  2 
(1575  u.  ö.  Menendez  y  Pelayo,  Origenes  de  la  novela  1907  2,  XCV) 
ist  der  Tote  durch  zwei  christliche  Heilige  ersetzt,  deren  Gebeine 
der  Kaufmannssohn  in  Fez  kauft  und  die  ihm  später  als  fahrende 
Sänger  dazu  verhelfen,  daß  er  die  Hand  der  von  ihm  losgekauften 
und  heimgesandten  englischen  Königstochter  im  Turnier  gewinnt 
(Ai.2-3BiDC2).  _  Baskisch:  Webster  p.  146  'Juan  Dekos,  the 
blockhead'^-^DBSC2-4.  Engel  statt  des  Toten);  p.  151  'Juan 
de  Kaiais'  (A1  B1  A2  D  B3  C2  • ».  Toter  als  Fuchs).  Cerquand  4,  nr.  101. 
Rumänisch:  P.  Schullerus,  Archiv  f.  siebenbg.  Landesk.  33,  676 
'Gottes  Lohn'  (A1-2B3  C2.  Toter  als  Rabe,  Ring  in  der  Suppe,  Frage 
vom  alten  Schlüssel).  Wlislocki,  Zs.  f.  vgl.  Litgesch.  11,  470  (A1  C1, 
vermischt  mit  Gr.  133  'Die  zertanzten  Schuhe'  und  der  Merlinsage. 
Statt  des  toten  Mannes  eine  tote  Frau).  S^äinenu  S.  622.  636  — 
*Revista  Nouä  1  'Deli-Satirü'. 

Serbokroatisch:  Vuk  1870  S.  246  nr.  14  =  1897  S.  251 
nr.  64  -■  Jagic  nr.  29  'Die  guten  Werke  gehen  nicht  verloren' 
(Archiv  f.  slav.  Phil.  2,  631)  =  Krauß  2,  310  nr.  133  *=  Mijatovics 
p.  96;  vgl.  R.  Köhler  1,  424  (A2- J  B1  D  B3  C2- 4.  Erkennung;  der 
Helfer  ist  ein  Engel,  wie  in  der  jüngeren  Bearbeitung  des  französischen 
Volksbuches).  Vuk  1897  S.  221  nr.  56  =  Krauß  1,  385  nr.  85  'Der 
Vilaberg'  (A1).  Stefanovic  nr.  15  —  Jagic  nr.  48  'Vlatko  und  der 
dankbare  Tote'  (Archiv  f.  slav.  Phil.  5,  40.  R.  Köhler  1,  441.  A1 
C1-3.  Schlange  in  der  Brautnacht  getötet).  Stojanovic  nr.  31  = 
Archiv  5,  41  (A1  C1).  Letopis  Matice  srp.  105,  145  nr.  6  (1862)  = 
Archiv  5,  42  'Ein  Goldfisch'  (A1^-3.  Der  hilfreiche  Diener  ist 
eigentlich  ein  vom  Helden  verschonter  Fisch,  wie  im  armenischen 
Märchen).  Bos.  Vila  1,  236  =  Krauß,  Sreca  1886  S.  22  (Mitt.  der 
Anthropol.  Ges.  in  Wien  16,  108.  A1  C1.  Der  Gefährte  tötet  in  der 
Hochzeitsnacht    die    aus    dem  Munde    der  Prinzeß    hervorkriechende 


502  217.    Der  dankbare  Tote. 

Schlange).  Bos.  Vila  11,  210.  23,  239.  253.  269  (A1.  Gehört  zu 
Grimm  nr.  133).  24,  108  (A1^-».  Der  Gefährte  tötet  die  aus  der 
schlafenden  Prinzeß  hervorschlüpfenden  Schlangen  und  einen  Drachen ; 
vor  Schrecken  speit  die  Prinzeß  noch  drei  Schlangen  aus).  Kica  7 
(1911),  nr.  36—37  (A2>1B3C2-4.  Salz  im  salzlosen  Lande  ver- 
kauft; der  Helfer  verlangt  den  Sohn  des  Helden).  Aus  Bosnien 
bei  Blagajic  S.  113  (der  dankbare  Froschkönig  statt  des  Toten 
befreit  die  Braut  des  Helden  vom  Drachen;  dann  der  treue  Johannes). 
—  Bulgarisch:  Schischmanoff  p.  202  'Le  berger,  son  fils  et  l'ar- 
change'.  Period.  spisanie  14,  317  nr.  2  (1885.  A1.  Der  Helfer 
tötet  die  aus  dem  Munde  kriechende  Schlange;  die  Prinzeß  speit 
noch  eine  aus).  Sapkarev,  Sbornik  8 —  9,  455  nr.  265  (A1 ;  Katze 
und  Hahn  in  der  Fremde  verkauft).  8 — 9,  131  nr.  93  =  Sapkarev, 
Prikazki  S.  34  nr.  26  (aus  Mazedonien.  A1C1,8.  Drei  Schlangen 
in  der  Prinzeß).  8—9,  263  nr.  142  (aus  Kicevo.  Ähnlich)  =  Leskien  S.  3. 
Sbornik  min.  4,  133  (drei  Lehren  gekauft;  Engel  hilfreich,  ohne  daß  der 
Jüngling  einen  Toten  bestattet  hätte;  C3).  5, 143  nr.  2  (dankbarer  Fisch 
statt  des  Toten).  6,  150  nr.  2  =  Strauß  S.183  (A^B^C8.  Der  Tote  als 
Adler  holt  nach  sieben  Jahren  den  Sohn  des  Helden).  8,  178  (wie 
Tobias).  10,  149  (A1 0  3).  16—17,  Materiali  S.  319  (A^C1'").  — 
Cechisch:  Radostov  6,  37  =  2.  Aufl.  2,  3  nr.  1  =  3.  Aufl.  S.  306 
nr.  33  =  Waldau  S.  213  'Bolemir'  (A^B1  DB3  C2).  Zs.  Dennice 
1840  2,  310  =  Tille,  Poh.  do  r.  1848  S.  51  (A1.  Der  Tote  rettet 
als  Brett  den  ins  Meer  gestürzten  Helden,  lehrt  ihn  sich  in  ein  Tier 
verwandeln,  wie  bei  Woycicki,  und  erweckt  den  vom  Neider  Ge- 
töteten wieder).  Maly  1838  S.  42  nr.  4  =  3.  Aufl.  S.  46  nr.  5  (zu 
Grimm  nr.  57).  Benes  Tf  ebizsky  S.  61  nr.  7  (ähnlich ;  der  Fuchs 
wird  zum  Schluß  geköpft,  und  eine  Taube  fliegt  zum  Himmel).  Soukal, 
Prost  poh.  S.  81  nr.  9  (A1;  der  Held  soll  seidene  Wiesen  bewachen 
und  eine  in  eine  Stute  verwandelte  Prinzessin  befreien).  Pf  ikrjd  S.  206 
(A1 0  ?;  keine  Teüung  der  Frau  verlangt)  und  223  (A1  ■  2B1-  3C2).  Aus 
Mähren:  Miksicek  1,  121  (A1.  Der  Tote  lehrt  den  Helden  die  kranke 
Prinzessin  heilen  und  tötet  die  nachts  aus  ihr  kriechenden  Schlangen). 
Mensik,  Jemnic.  S.  80  nr.  28  A1-2B3C4;  Sohn  soll  geteilt  werden). 
Aus  Böhmen:  Poh.  a  pov.  nas.  lidu  S.  48  nr.  20  (der  Tote  hilft  dem 
Helden  die  Wiesen  hüten  und  die  in  ein  Pferd  verwandelte  Prinzeß 
entzaubern) ;  S.  99  nr.  16  (A1.  Hilft  die  Sibylla  überlisten  und  ihr 
den  Ring  rauben).  Popelka,  Pohädky  a  pov.  S.  70  nr.4(A2  D).  Kubin, 
Podkrkonosi  Zäp. nr.  71.  —  Slowakisch  in  Handschriften  des  Museums 


217.   Der  dankbare  Tote.  503 

in  Türe.  Sv.  Martin,  so  in  der  Hs.  Prostonarodni  Zabavnik  d.  III  v  Levoci 
1844—45  S.  209  '0  Filkovi'  (A1  C3.  Filko  weist  dem  Helden  ein  Wunder- 
sckwert,  Mantel  und  Geldbeutel,  erschlägt  zwölf  böse  Geister,  die 
aber  Wiederaufleben  und  die  Trau  des  Helden  entführen)  und  in  der 
Hs.  H.  14  (der  Amalia  Sirotkovä  8—9)  und  Hs.  H.  8e  des  P.  Dob- 
sinsky  (AC3.  Zwölf  Räuber,  Schlangen  aus  dem  Munde  der  schla- 
fenden Prinzeß).  Danach  Skultety-Dobsinsky  S.  524  nr.  59  — 
2.  Aufl.  S.  745  nr.  52  (AlC3;  zu  Grimm  nr.  133).  —  Wendisch: 
Veckenstedt  S.  145  'Die  Riesen'  nr.  6  (A2  DB3  C2 ;  aber  die  Bestattung 
des  Toten  fehlt;  als  Retter  des  Schiffbrüchigen  erscheinen  Schiffer). 
—  Kaschubisch:  Bronisch  S.  11  'Der  Dumme  und  die  Gespenster' 
(zwei  Geister  schlagen  den  Toten ;  dieser  rät  dem  Dummen,  mit 
einem  Knochen  die  Teufel  aus  der  Kirche  zu  jagen).  —  Polnisch: 
Woycicki,  Klechdy  2,  66  =  Erben,  Ölt.  S.  117  =  Woycicki-Lewe- 
stam  S.  130  'Das  Gespenst'  =  Leger  p.  119  'L'esprit  du  mort'  — 
Wratislaw  p.  121  (A1  C2  B3.  Vom  Toten  lernt  der  Held,  sich  in  eine 
Krähe,  Hasen  oder  Reh  zu  verwandeln,  und  schafft  das  siegbringende 
Schwert  des  Königs  herbei).  Aus  Posen  bei  Kolberg  14,  179  nr.  40 
(A1*  2  B1.  Aus  dem  Räuberhause  befreit  der  Tote).  Aus  Oberschlesien 
bei  Malinowski  2,  127  (A1,  vermischt  mit  Grimm  nr.  22  'Das  Rätsel' ; 
Schuhe  der  Prinzeß  aus  Lausleder).  Mitt.  der  schles.  Ges.  f.  Vk.  6, 
50  (A1 ;  Toter  als  Wolf  hilft  den  Goldvogel  für  den  Vater  des  Helden 
holen).  Wisla  17,  79  (A1;  der  Tote  hilft  drei  Prinzessinen  von 
Krankheit  und  Verzauberung  befreien  und  die  Winde  durch  Heben 
der  vergrabenen  Schätze  stillen;  die  beiden  Brüder  des  Helden 
heiraten  zwei  Prinzessinnen).  — ■  Kleinrussisch  aus  Galizien: 
Etnograf.  Zbirnyk  7,  69  nr.  43  (A1 ;  zuerst  der  Zauberlehrling  Grimm 
68;  drei  Prinzessinnen  durch  Qualnächte  erlöst;  Zaubergegenstände 
streitenden  Erben  abgenommen ;  unsichtbar  bei  der  Hochzeit  der 
Frau;  Frage  vom  alten  Schlüssel).  7,  107  nr.  56  (A1  C3.  Räuberhaus; 
Schlangen  aus  dem  Munde  der  Prinzessin).  Suchevyc  S.  64  nr.  51 
(A1  C3;  Fragen  aufgetragen  wie  bei  Grimm  29).  S.  123  nr.  72  (zu 
Grimm  57;  Toter  als  schwarzer  Hund).  Aus  der  Bukowina:  Kolberg, 
Pokucie  4,  123  nr.  23  (A1,2B3.  Wunschring  gegen  das  Versprechen 
des  Kindes.)  Aus  Südungarn:  Etnograf.  Zbirnyk  25,  76  nr.  17  (oben 
2,  398).  Aus  dem  Gouv.  Kijev:  Cubinskij  2,  27  nr.  7  (der  Kauf- 
mann kauft  den  Toten  und  den  h.  Nikolaus,  der  sich  für  diesen  ver- 
bürgt hatte,  los ;  Nikolaus  hilft  ihm  drei  Nächte  in  der  Kirche  bei 
der    verzauberten    Prinzeß  Schildwache    stehen).     Hrincenko    2,    271 


504  217.    Der  dankbare  Tote. 

nr.  188  (Erhängter  abgeschnitten ;  die  Jungfrau  bringt  als  Ente 
sechs  goldene  Haare  ihres  Vaters,  der  Helfer  als  Käfer  ein  ganzes 
Büschel  davon).  Aus  Gouv.  Poltawa:  Rudcenko  2,  27  nr.  12  (Niko- 
laus). Aus  Gouv.  Jekaterinoslav :  Sbornik  Charkov.  6,  165  (Nikolaus). 
Aus  Gouv.  Cherson:  Jastrebov  S.  184  nr.  5  (Nikolaus).  — ■  Weiß- 
russisch:  Federowski  2,  308  nr.  340  (der  h.  Johannes  als  Bürge 
des  Schuldners  geprügelt,  losgekauft;  Prinzessin  im  Sarge).  Weryho 
S.  45  nr.  11  (A1.  Nikolaus;  Prinzessin  im  Sarge).  Gliiiski  1,  115 
nr.  6  (A1.  Toter  als  Pferd).  Aus  dem  Gouv.  Mogilev:  Romanov  4, 
143  nr.  82    (A1;    zu  Grimm  6).     6,  462    nr.  52    (oben  2,  339).     Sejn 

2,  66  nr.  33  (A1;  Prinzeß  im  Sarge).  Aus  dem  Gouv.  Minsk :  2,  401 
nr.  227  (Der  h.  Georg  Bürge  des  Toten.  Prinzeß  im  Sarge).  Aus 
Gouv.  Smolensk:  Dobrovoljskij  S.  165  nr.  104  (A1.  Räuberhaus). 
S.  547  nr.  23  (Nikolaus;  Prinzeß  im  Sarge).  —  Großrussisch: 
Flugblatt  v.  J.  1786  bei  Rovinskij.  Nar.  kartinki  1,  148  nr.  41  = 
v.  Löwis  S.  320  nr.  55  'Ssila  Zarewitsch  und  Iwaschka  Weißes  Hemd' 
(A1  C1;  der  weiße  Gefährte  tötet  in  der  Hochzeitsnacht  den  geflügelten 
Drachen,  spaltet  die  Königstochter  Truda,  daß  alle  Schlangen  aus 
ihrem  Leibe  hervorkommen,  und  belebt  sie  wieder)  =  Dietrich  S.  199 
nr.    16;    vgl.    Archiv    f.    slav.    Phil.    5,    480.     Afanasjev1    6,    323    = 

3.  Aufl.  2,  319  nr.  205  i  =  Schiefner,  Orient  u.  Occ,  2,  174,  vgl. 
Archiv  5,  43  =  R.  Köhler  1,  424  (der  Tote  ist  der  Bruder  des 
Helden,  der  ihm  die  Verzeihung  der  Mutter  erwirkt;  er  tötet  in  der 
Hochzeitsnacht  den  Drachen).  Afanasjev8  1,  224  nr.  93  c  (A1;  oben 
1,  51)  =  Hildebrand  1,  76  =  v.  Löwis  nr.  29 'Der  unsterbliche  Kosch- 
tschej'.  Afanasjev3  1,  278  nr.  104 f  (oben  2,  308).  Aus  dem  Gouv.  Nize- 
gorod :  Chudjakov  3,  165  nr.  122  =  Folk-lore  9,  229 ;  vgl.  Köhler 
1,  21  (A1^-8).  Aus  Gouv.  Olonetz:  Oncukov  S.  423  nr.  169  (A1  C1). 
Gouv.  Samara:  Sadovnikov  S.  41  nr.  5  (A1;  der  Tote  köpft  die  aus 
dem  Munde  der  Zarentochter  kriechende  Schlange  und  nimmt  auch 
die  anderen  Schlangen  heraus ;  dazu  der  von  Kater  und  Hund  zu- 
rückgeholte Zauberring,  oben  2,  457).  Erlenwein  S.  37  (A1;  Pulka 
erhält  von  drei  bestatteten  Helden  deren  Pferde  und  Kräfte).  Aus 
dem  Gouv.  Jenisejsk:  Zap.  Krasnojarsk.  1,  15  nr.  3  (Nikolaus; 
Prinzeß  im  Sarge).  Aus  Gouv.  Tomsk  ebd.  1,  99  nr.  51  =  v.  Löwis 
nr.  48  (ähnlich).  —  Litauisch:  Schleicher  S.  100  'Von  der  goldenen 
Brücke'  (ähnlich  Woycieki,  aber  entstellt).  Geitler,  Litauische 
Studien  1876  S.  21  =  R.  Köhler  1,  425  =  Archiv  f.  slav.  Phil.  2. 
632  (A^BSC2.     Frage   vom   alten  Schlüssel).     R.  Köhler   1,  427  = 


217.   Der  dankbare  Tote.  505 

Archiv  2,  633  (A1-  2DB3C2'4).  Dowojna  Sylwestrowicz  1,  327  (der 
Soldat  bringt  dem  Toten  den  Segen  der  Mutter,  nachdem  er  deren 
Grab  geöffnet,  und  heiratet  die  Prinzeß,  nachdem  der  Tote  den  drei- 
köpfigen Drachen  zerrissen  hat).  1,  430  (A1  C3.  Prinzeß  durch 
Riechen  an  drei  Fläschchen  geheilt).  1,  444  (A1;  Jungfrau  durch 
Qualnächte  erlöst;  vorher  eine  angeblich  wahrsagende  Kalbshaut  wie 
oben  2,  10)  —  Lettisch:  Treuland  1887  S.  248  nr.  126  =  Charu- 
zina,  Skazki  rusk.  inorodcev  1898  =  Melusine  9,  18  'Le  fils  du 
marchand  et  de  la  fille  du  tsar'  (A1-  ^DB3  C2.     Toter  als  Schwan). 

—  Finnisch:  Salmelainen  4  (1866)  =  Liebrecht,  Germania  24,  131 
(A1  C1.  Der  Gefährte  bringt  in  der  Hochzeitsnacht  frischgeschnittene 
Zweige,  mit  denen  die  dreigehörnte  Königstochter  gepeitscht  wird, 
bis  die  Hörner  abfallen).  Suomi  3,  2,  205.  3,  20,  292.  Aarnes 
Register  nr.  506.  —  Lappisch:  Qvigstad-Sandberg  S,  55  nr.  14 
'Den  menneskekjeerlige  mand  og  engelen'  (A1C1-4.  Der  Gefährte 
schafft  die  vom  Kaiser  verlangte  Silberbrücke  und   das  Goldschloß) 

—  Magyarisch:  Erdelyi-Stier  S.  110  nr.  16  'Marsi'  (ähnlich  der 
polnischen  Fassung  Woycickis).  Gaal-Stier  S.  153  nr.  15  'Der  mit- 
leidige Kaufmann'  (A1-2B2C1).  —  Zigeunerisch:  Paspati  p.  601 
nr.  2  =  Groome  nr.  1  'The  dead  man's  gratitude'  (A1C1-3.  Der 
Drache  fährt  aus  dem  Munde  der  Braut).  Aus  Serbien :  Mitt.  f. 
Zigeunerkunde  2,  102  'Wie  ein  Toter  seinen  Wohltäter  belohnt  hat' 
(A1  C3 ;  der  Tote  zwingt  mit  gezogenem  Messer  die  Paschatochter, 
die  Schlange  auszuspeien).  2,  106  'Vom  Jüngling  und  seinem  Wahl- 
bruder, einem  Vampir'  (A1 ;  Prinzessin  im  Sarge). 

Armenisch:  Haxthausen,  Transkaukasia  1,  333  (A1C1-3). 
Macler  p.  149  'Le  poisson  ä  la  tete  d'or'  (A1B1C1-3.  Drache  ge- 
tötet).1) Sbornik  Kavkaz.  9,  2,  185  nr.  3  (Zs.  f.  Volkskunde  20,  48  l). 
32,  2,  270  nr.  40  (A1;  der  Tote  bringt  dem  Helden  die  gestohlene 
Zauberlampe  des  Derwischs  zurück).  42,  2,  30  nr.  2  (A1.  Der  Tote 
erhält  wie  in  der  ajsorischen  Fassung  Schätze  von  den  Divs,  heilt 
die  Prinzeß,  der  er  einen  Frosch  aus  dem  Gehirn  nimmt,  verlangt 
zum  Lohne  ein  Taschentuch  und  50  Rubel).  42,  2,  38  nr.  4  (A1.  Alis 
Braut  wird  gespalten  und  Schlangen  aus  ihrem  Leibe  genommen. 
Vorher   Tiersprache    vom  König    der  Fische  gelehrt,  Aladdins  Ring). 

—  Mingre lisch:  Sbornik  Kavkaz.  32,  2,  43  nr.  14  (A1  C1  C3.    Der 

l)  Der  bunte  goldene  Fisch  erscheint  auch  in  anderen  kaukasi- 
schen Fassungen:  Sbornik  Kavkaz.  9,  2,  75.  10,  325.  12,  1,  74;  Sbornik 
dlja  svedenij  o  kavkaz.  gorcach  S,  Beilage  S.  14 — 18. 


506  217.   Der  dankbare  Tote. 

Tote  will  die  Prinzeß  teilen,  da  springt  aus  ihrem  Mund  eine  Schlange ; 
er  heilt  auch  den  blinden  Vater  des  Helden).  —  Ajsorisch: 
Sbornik  Kavkaz.  20,  2,  47  (A1.  Der  tote  Rustam,  der  von  Gott  auf 
ein  Jahr  das  Leben  wiedererhalten  hat,  führt  die  Karawane  des 
Kaufmann ssohnes  vonlspahan  nach  Konstantinopel,  erhält  die  Schwester 
von  sieben  Dews,  erlöst  in  einem  Brunnen  die  in  einen  Frosch  ver- 
wünschte Braut  eines  andern  Dews,  heilt  mit  dem  Gehirn  eines 
Widders  die  kranke  Kaiserstochter  in  Konstantinopel,  die  der  Kauf- 
mannssohn heiratet;  die  Schwester  der  Dews  erhält  sein  Bruder). 
—  Tatarisch:  Sbornik  Kavkaz.  23,  3,  3  nr.  1  (der  seine  geraubte 
Braut  suchende  Zanov  findet  ein  totes  Pferd,  einen  Eber  und  Waffen 
und  vergräbt  alles;  da  gesellt  sich  ein  Reiter  in  der  Haut  eines 
Fohlens  zu  ihm,  hilft  ihm,  Räubern  eine  Herde  abzunehmen  und  dem 
Effendi  abzuliefern;  dieser  nötigt  den  Chan,  die  entführte  Frau 
zurückzugeben).  Radioff  1,  329  nr.  4  (A1  01'  3.  Der  Kaufmannssohn 
bezahlt  die  Schuld  des  Bauern,  als  dessen  Bürge  ein  Heiligenbild 
von  Soldaten  geprügelt  wird;  der  Heilige  spaltet  die  Braut  und 
verjüngt  sie  durch  Verbrennen).  —  Kalmükisch:  Ramstedt  1,  89 
nr.  15  (A1C1;  der  Diener  tötet  nachts  Unholde,  heilt  die  kranke 
Chanstochter  mit  Katzengalle  und  erschlägt  wie  der  treue  Johannes 
die  den  schlafenden  Helden  bedrohende  Schlange).  —  Aus  Celebes: 
Bezemer  1904  S.  321  'Die  goldenen  Armbänder'  (A1-2  D  B3  C2-4).  — 
Annamitisch:  Landes,  Contes  annamites  1886  p.  162  'La  recon- 
naissance  de  l'etudiant  mort'  (der  Tote  flüstert  seinem  Wohltäter  die 
Antworten  in  der  Staatsprüfung  zu).  —  Koreanisch:  J.  S.  Gale 
1913  p.  80  nr.  18  'The  grateful  ghost'  (um  1700  von  Im  Bang  auf- 
gezeichnet. Als  der  zur  Prüfung  reitende  Student  im  Busch  niesen 
hört,  findet  er  einen  Schädel,  dem  Wurzeln  durch  die  Augenhöhlen 
gewachsen  sind,  reinigt  und  bestattet  ihn.  Im  Traum  erscheint  ihm 
der  Tote  und  gibt  ihm  die  Lösung  seiner  Aufgabe  an).  Zs.  f.  Volks- 
kunde 21,  366  'Die  dankbare  Elster'  (verschafft  in  Gestalt  eines 
Dieners  dem  Jüngling  zwei  Frauen,  nachdem  er  deren  Bräutigame 
als  eine  Schlange  und  einen  Fuchs  entlarvt  hat.  Statt  des  toten 
Mannes  ein  Tier,  wie  im  Serbischen  und  Armenischen  ein  Fisch).  — 
Hebräisch  aus  Palästina :  *Reischer,  Scha'are  Jerüschälajim  1880  p.88 
=  Gaster,  Germania  26,  200  (A1  C2.  Den  Schiffbrüchigen  rettet  der 
Tote  in  Gestalt  eines  Steines  und  eines  weißen  Adlers).  —  Arabisch 
aus  Tanger :  Meißner,  Mitt.  des  Orient.  Seminars  zu  Berlin  8,  2,  79 
nr.  3  (A1C1*8.     Der    Begleiter    tötet    nachts  vierzig  Räuber,    befreit 


217.   Der  dankbare  Tote.  507 

eine  Jungfrau  von  einem  Drachen ;  bei  der  Teilung  derselben  fallen 
zwei  Dracheneier  aus  ihrem  Leibe).  —  Berberisch:  Moulieras, 
Legendes  de  la  Grande  Kabylie  1896  p.  421  'Ali  Demmou,  le  genie 
qui  enleve  les  fiancees,  le  fils  du  roi  et  la  houri  du  soleil'  (Revue 
des  trad  pop.  20,  6 6).  Mercier,  Le  Chaouia  1896  p.  57  nr.  13  .Histoire 
de  celle  qui  dormait  dans  ses  cheveux'  (A1C1;  entstellt).  —  Suaheli: 
Lademann,  Archiv  f.  dt.  Kolonialsprachen  12,  99  nr.  71  'Der  Sultan  und 
sein  Kind'  (A1  O  4). 

Außer  den  oben  aufgezählten  Fassungen  unseres  Märchens  gibt 
es  auch  eine  mittelalterliche  Gestalt,  die  uns  seit  dem  13.  Jahr- 
hundert in  verschiedenen  Ritterromanen  entgegentritt  und  deren 
Nachwirkung  wir  noch  im  16.  bei  Straparola,  Trancoso  und  Peele 
verspüren.  Ein  junger  Ritter,  der  sein  Vermögen  leichtsinnig  ver- 
geudet hat,  zieht  zu  einem  Turnier,  das  ein  reicher  Fürst  ausge- 
schrieben hat  mit  der  Verheißung,  seine  einzige  Tochter  dem  Sieger 
zu  vermählen.  Unterwegs  gewahrt  er  die  unbestattet  daliegende 
Leiche  eines  ansehnlichen  Mannes,  entweder  vor  einer  Kapelle 
(Dianese)  von  der  jammernden  Frau  beklagt  (Pippin,  Amadas,  Viaticum 
narrationum)  oder  im  Miste  (Rittertreue),  auf  dem  Dache  (Richars), 
im  Rauchfange  (Herpin)  aufbewahrt,  und  erfährt,  daß  die  Gläubiger 
des  Toten  seine  Bestattung  hinderten.  Gutherzig  gibt  er  seine  Pferde 
und  Ausrüstung  hin,  um  die  Schulden  des  Toten  zu  bezahlen  und 
ihm  ein  ehrliches  Begräbnis  zu  verschaffen.  Einsam  zieht  er  seine 
Straße  weiter,  da  gesellt  sich  ein  weißer  Ritter1)  zu  ihm  und  bietet 
ihm  Geld,  Waffen  und  Rosse  an,  wenn  er  dafür  allen  Gewinn  mit 
ihm  teilen  wolle.  Im  Turnier  siegt  der  Jüngling  über  alle  Gegner 
und  erhält  die  Hand  der  Prinzessin  samt  dem  halben  Königreich. 
Als  darauf  der  weiße  Ritter  seinen  Anteil  fordert,  läßt  ihm  der  Held 
alle  Güter  und  will  nur  die  Frau  behalten  (Richars,  Herpin,  Dianese, 
Pippin)  oder  ist  selbst  bereit,  sein  Kind  und  seine  Gattin  in  Stücke 
zu  hauen  (Olivier,  Rittertreue,  Amadas,  Viaticum  narrationum);  aber 
jener  gibt  sich  als  den  Geist  des  Toten  zu  erkennen,  den  der  Jüngling 
von  Schmach  erlöst  hat,  und  verschwindet. 

Französisch2)  ward  dieser  Stoff  in  den  beiden  Epen  'Richars 


J)  Weiß  ist  die  Farbe  abgeschiedener  Seelen  (Kühnau,  Mitt.  der 
schles.  Ges.  f.  Volkskunde  15,  200). 

2)  Riebars  li  biaas  bsg.  von  W.  Förster  1874.  —  Über  die  in  zwei 
Pariser  Hss.  (F.  fr.  22  555  und  351)  erhaltene  Chanson  de  Lion  de  Bourges 
vgl.  Wilhelmi,  Diss.  Halle  1894.  —  Der  auf  Veranlassung  des  burgundi- 


508  217.    Der  dankbare  Tote. 

li  biaus'  und  'Lion  (oder  Herpin)  de  Bourges'  und  in  dem  vor  1472 
von  Philipp  Camus  verfaßten  Prosaromane  'Olivier  de  Castille  et 
Artus  d'Algarbe'  behandelt  und  mit  verschiedenen  anderen  Motiven 
verbunden.  Das  erste  Gedicht,  das  noch  im  13.  Jahrhundert  ge- 
schrieben ist,  verlegt  das  Turnier  nach  Montorgueil ;  im  zweiten 
gewinnt  Lion  zu  Montluisant  die  Liebe  Florentines,  der  Tochter  des 
Königs  Heinrich  von  Sicilien,  wird  aber  erst  nach  mannigfachen 
Abenteuern  mit  ihr  vereinigt;  sein  Vater  ist  der  geschichtlich  nach- 
weisbare Graf  Eudes  Harpin  von  Bourges,  der  1098  nach  dem  heiligen 
Lande  zog  und  nach  1109  als  Mönch  in  der  Abtei  Cluni  starb.  Im 
Prosaromane  wird  die  Freundschaftssage  von  Amicus  und  Amelius 
eingeflochten ;  der  dankbare  Tote  ist  ein  englischer  Ritter  Talbot,  mit 
dessen  Beistand  der  kastilische  Prinz  Olivier  die  englische  Königs- 
tochter Helene  erringt.  Eine  um  1300  entstandene  italienische 
Novelle1)  verlegt  das  Turnier  nach  Cornwall  und  nennt  den  in  der 
Mark  Trevigi  ansässigen  Ritter  Dianese  und  den  dankbaren  Toten 
Gigliotto.     Im  Deutschen2)  haben  wir  außer  dem  Gedicht  'Ritter- 


schen  Rates  Johann  von  Croy,  Grafen  von  Chimay  (f  1472)  angeblich 
aus  dem  Lateinischen  übertragene  Roman  'Olivier  et  Artus'  erschien 
zuerst  im  Drucke  zu  Genf  1482,  eine  spanische  Übersetzung  Burgos  1499, 
eine  niederländische  Antwerpen  um  1510,  eine  englische  London  1518, 
eine  deutsche  Basel  1521,  eine  italienische  Venedig  1552;  vgl.  Foulche- 
Delbosc,  Revue  hispanique  9,  587  (1902).  Auf  der  spanischen  Übersetzung 
beruht  Lope  de  Vegas  Lustspiel  Don  Juan  de  Castro  (Comedias  ed. 
Hartzenbusch  4,  373;  Schaeffer,  Gesch.  des  span.  Nationaldramas  1,  141; 
Wurzbach.  Lope  de  Vega  1899  S.  206)  und  das  von  Belmonte,  Rojas  und 
Calderon  verfaßte  Drama  'El  mejor  amigo  el  muerto' (Calderon,  Comedias 
ed.  Hartzenbusch  4,  471;  R.  Köhler  1,  29;  Schaeffer  2,  283). 

x)  Novella  di  Messer  Dianese  e  di  Messer  Gigliotto  ed.  A.  d'Ancona 
lS68  =  Papanti,  Catalogo  dei  novelliert  italiani  in  prosa  1871  1,  XXXVIII 
nr.  21  (aus  dem  Cod.  Palatino-Panciatichiano  138);  vgl.  A.  d'Ancona, 
Studj  di  critica  1880  p.  353  und  Ulrich,  Die  hundert  alten  Erzählungen 
1905  S.  109. 

2)  Goedeke,  Grundriss2  1,  223.  358.  2,  19.  F.  v.  d.  Hagen,  Gesamt- 
abenteuer 1,  101  nr.  6  'Rittertreue';  erneuert  von  Baumbach,  Abenteuer 
und  Schwanke  1884  S.  1  'Der  Ritter  im  Rauch'.  —  Über  die  Hss.  des 
Herpin  vgl.  E.  Müller,  Diss.  Halle  1905  und  Beth,  Jahrbuch  der  k.  preuss. 
Kunstsamml.  29,  264;  gedruckt  noch  in  Marbach-Wolffs  Volksbüchern 
41—43  und  in  Simrocks  Volksbüchern  11,  213.  Isländisch  nach  Halfdanus 
Einari,  Sciagraphia  bist.  lit.  Islandicae  1777  p.  103:  'Historia  Herpeni 
ducis  et  Leonis  filii  eius'.  —  Ein  1459  in  Lübeck  aufgeführtes  Fastnacht- 
spiel 'Wo  de  arme    ridder    myt  woldaet    des    konyngs  dochter  vorwarff 


217.   Der  dankbare  Tote.  509 

treue',  in  welchem  der  Held  Willekin  von  Muntaburg  heißt,  eine  im 
15.  Jahrhundert  gemachte  Prosabearbeitung  des  Herzogs  Herpin  und 
seines  Sohnes  Leu,  die  zu  einem  Volksbuche  wurde  und,  wie  der 
Zug  des  im  Schornstein  aufgehängten  Schuldners  beweist,  noch  auf 
die  Volksmärchen  des  19.  Jahrhunderts  einwirkte,1)  und  Wilhelm 
Zielys  Übersetzung  des  Olwyer  und  Artus  v.  J.  1521,  die  1556  von 
Hans  Sachs  dramatisiert  wurde.  Noch  im  13.  Jahrhundert,  vor  1270 
aufgezeichnet  ist  die  kurze  s  chwedis che  Erzählung  über  den  Ahn 
Karls  des  Großen  'Om  Pippinus  Franka  konung,  eller  sagan  om  det 
jordade  liket',  wo  nicht  hartherzige  Gläubiger,  sondern  die  Armut 
der  Witwe  das  Begräbnis  des  toten  Ritters  hindern.2)  Ihr  steht  in 
dieser  Beziehung  nahe  die  mittelenglische  Romanze  'Sir  Amadas';3) 
weit  genauer  aber  stimmt  dazu  die  lateinische  Erzählung  aus 
dem  'Viaticum  narrationum'  des  Henmannus  Bonon[iensis],  die  in 
der  Zs.  f.  Volksk.  25,  376  nach  zwei  Kopenhagener  Handschriften 
des  15.  Jahrhunderts  gedruckt  ist.  Denn  diese  beginnt  gleich  der 
schwedischen  Fassung  nicht  mit  der  Verarmung  des  Helden,  sondern 
mit  der  Veranstaltung  des  Turniers,  auf  dem  die  Erbin  des  franzö- 
sischen Thrones  ihre  Hand  als  Preis  für  den  Sieger  verheißt;  hier 
wie  dort  nimmt  der  Ritter  Quartier  bei  einer  Witwe,  deren  Gatte 
unbestattet  auf  der  Bahre  liegt,  und  sorgt  für  dessen  ehrenvolles 
Begräbnis ;  hier  wie  dort  erscheint  der  Tote  dann  nicht  als  Ritter, 
sondern  als  Knappe  (famulus,  servus),  der  dem  Helden  das  treffliche 
Streitroß  unter  der  bekannten  Bedingung  überläßt.  Nur  darin  weicht 
die  ausführlichere,  doch  sicherlich  auf  die  gleiche  Quelle  zurück- 
gehende lateinische  Fassung  ab,    daß    der  Held  nicht  Herzog  Pippin 


(Nd.  Jahibuch  6,  4.  29.  27,  17)  hält  C.  Walther  mit  dem  englischen 
Amadas  zusammen,  dessen  Name  in  Hamburg  schon  im  13.  Jahrhundert 
begegnet.  —  Über  Ziely  vgl.  Frölicher,  Thüring  von  Ringoltingens 
Melusine,  Zürcher  Diss.  1889  S.  61;  H.Sachs,  Folioausgabe  2,  3,  58;  über 
Auff ülirungen  des  'Weissen  Ritters'  s.  Bolte,  Das  Danziger  Theater  1895 
S.  28.  59,  auch  Braunschweig.  Magazin  1902,  68. 
!)  Vgl.  oben  S.  494  f. 

2)  Ett  fornsvenskt  Legendarium  ed.  Gr.  Stephens  2,  731  nr.  148 
(Stockholm  1858)  =  *Stephens,  Grhost-thanks  or  The  grateful  unburied, 
a  mythic  tale,  Kbh.  1860. 

3)  Weber,  Metrical  romances  3,  241  (1810);  Robson,  Three  early 
english  metrical  romances  1842  p.  42.  Vgl.  Hippe,  Archiv  f.  neuere 
Sprachen  81,  160. 


510  217.   Der  dankbare  Tote. 

von  Lothringen  heißt,  sondern  ein  armer  Bitter  ist,  der  von  dem  lebt, 
was  er  auf  den  Turnieren  gewinnt. 

Schon  im  Mittelalter  hat  dieser  Ritterroman  Veränderungen 
erlitten,  die  ihm  einen  legendenhaften  Charakter  aufprägen.  Bei 
dem  südfranzösischen  Dominikaner  des  14.  Jahrhunderts  Johannes 
Gobii  Junior  (Scala  celi  s.  v.  Elemosina  —  Zs.  f.  Volksk.  25,  397; 
vgl.  Simrock,  Gerhard  S.  106)  ist  an  die  Stelle  des  dankbaren  Toten 
der  heilige  Nicolaus  getreten,  der  seinem  Verehrer  in  der  Be- 
drängnis ebenso  beisteht,  weil  dieser  seine  ganze  Barschaft  zur 
Wiederherstellung  einer  Kirche  des  Heiligen  hingegeben  hat ; 1)  er 
stellt  ihm,  als  er  mit  der  geliebten  Sultanstochter  fliehen  will,  ein 
Schiff  zur  Verfügung,  das  beide  von  Alexandria  nach  Bordeaux  führt. 
Es  liegen  also  mit  einigen  Veränderungen  die  Motive  A1-  2  B1  D  C2 
vor.  Im  sicilischen  Märchen  bei  Gonzenbach  nr.  74  'Von  einem,  der 
mit  Hilfe  des  h.  Joseph  die  Königstochter  gewann',  das  die  wunder- 
baren Gesellen  (oben  2,  89)  einmischt,  hat  der  Jüngling  dem  h.  Joseph 
zu  Ehren  Tag  und  Nacht  eine  Lampe  vor  seinem  Bette  brennen 
lassen;  im  griechischen  bei  Hahn  nr.  53  'Belohnte  Treue'  =  Kretschmer 
nr.  55  hat  der  Vater  seinen  Sohn  verkauft,  um  die  Lampe  für  seinen 
Heiligen  unterhalten  zu  können ;  in  der  oben  angeführten  portugiesischen 
Erzählung  Trancosos  kauft  der  Held  die  Reliquien  zweier  Heiligen, 
und  in  allen  drei  Fällen  prüft  ihn  der  Heilige  zum  Schlüsse  durch 
das  Verlangen,  die  Braut  in  zwei  Stücke  zu  teilen  (C4).  —  Auch  in 
dem  altfranzösischen  Romane  'Her vis  von  Metz'  (ed.  Stengel  1903), 
der  mit  der  Nicolauslegende  bei  Johannes  Junior  näher  verwandt  ist, 
fehlt  der  Loskauf  des  Toten  gänzlich,  und  der  Edelmut  des  jungen 
Hervis  bewährt  sich  nur  in  der  Erlösung  der  gefangenen  Beatrix 
(A2B1D;  Benary,  Zs.  f.  roman.  Phil.  37,  67.  90),  während  Rudolf  von 
Ems  im  Guten  Gerhard  als  zweite  Edelmutsprobe  die  Rückgabe 
der  losgekauften  Jungfrau  an  ihren  Bräutigam  (A3)  anfügt  und  nur 
durch  vereinzelte  Züge  wie  die  Bortenwirkerei  der  norwegischen 
Königstochter,  den  sie  von  ihrem  ersten  Verlobten  Wilhelm  von 
England  trennenden  Sturm  und  die  Wiedererkennung  mittels  eines 
Ringes    einen  Zusammenhang    mit    der   alten  Erzählung  leise  durch- 


x)  In  einem  russischen  Märchen  (v.  Löwis  nr.  48;  vgl.  Radioff  1, 
329)  kauft  der  Held  ein  Bild  des  h.  Nicolaus,  das  als  Bürge  des  armen 
Schuldners  geprügelt  werden  soll.  Bei  Bin  Gorion,  Der  Born  Judas  1, 
172.  361  verhilft  nicht  der  Tote,  sondern  der  Prophet  Elia  dem  Helden 
zur  Braut. 


217.   Der  dankbare  Tote.  511 

schimmern  läßt.1)  In  den  Grundzügen  stimmt  mit  dem  Guten 
Gerhard  eine  hebräische  Erzählung  überein,  die  sich  in  dem  um 
1030  zu  Kairuan  in  Nordafrika  geschriebenen  Maassijöth  mehajeschuäh 
des  Rabbi  Nissim  ben  Jakob2)  findet;  nur  ist  da  von  keiner  Seefahrt 
und  keiner  Königstochter  die  Rede,  und  statt  des  Kölner  Kaufmanns 
tritt  ein  frommer  Metzger  als  Held  auf. 

Wenn  wir  nun  auch  bei  der  Aufzählung  der  Varianten  unseres 
Märchens  bis  ins  13.  Jahrhundert  zurückgelangt  sind,  so  ist  damit 
seine  Wurzel  noch  nicht  bloßgelegt ;  wir  müssen  daher  seine  Bestand- 
teile einzeln  betrachten.  Dabei  ergibt  sich  leicht,  daß  das  Haupt- 
motiv A1,  die  als  verdienstliche  Tat  gepriesene  Bestattung  des 
unbekannten  Toten,  in  uralte  Zeit  zurückreicht.  Man  braucht 
nur  an  den  ägyptischen  Glauben  an  die  durch  die  Erhaltung  des 
Leibes  bedingte  Fortdauer  der  Seele  zu  denken,  an  Patroklos  und 
Elpenors  Bitten  um  Bestattung  ihres  Leichnams  bei  Homer  oder  an 
das  athenische  Gesetz,  das  den  Wanderer  verpflichtete,  den  am  Wege 
liegenden  Toten  mit  Erde  zu  bedecken.3)  Und  auch  von  dem  Lohne 
solcher  Wohltat  wird  berichtet;  dem  Dichter  Simonides  erscheint  der 
von  ihm  Bestattete  im  Traum  und  warnt  ihn,  das  zum  Untergange 
bestimmte  Schiff  zu  besteigen;4)  des  frommen  Tobit  Sohn  geleitet 
der  gottgesandte  Engel  Raphael  in  die  Fremde  und  verhilft  ihm  zu 
einer  reichen  Braut.  In  unserem  Märchen  erscheint  die  Wohltat  um 
so  größer,  als  der  Leichnam  zumeist  einem  hartherzigen  Gläubiger 
abgekauft  werden  muß.     Von  einem  so  strengen  Verfahren  gegen  den 


x)  Rudolf  von  Ems,  Der  gute  Gerhard  ed.  Haupt  1840  v.  2916. 
3996.  4591;  Simrock,  Gerhard  S,  118.  Vgl.  nochR.  Köhler  1,  18,  32  und 
Gerould,  Publications  of  the  Modern  language  association  20,  529  über 
die  Fabel  im  allgemeinen.  Der  Verzicht  auf  die  Braut  wird  dadurch 
natürlicher,  daß  ihr  Befreier,  der  gute  Gerhard,  sie  nicht  für  sich  begehrt, 
sondern  mit  seinem  Sohne  verlobt  hat. 

2)  Aus  A.  Jellineks  Beth  hamidräsch  5,  136  (1873)  verdeutscht  von 
Gaster,  Germania  25,  280;  vorher  bei  Tendlau,  Fellmeiers  Abende  1856 
S.  110  =  Germania  12,  55  =  R.  Köhler  1,  32  =  Wünsche,  Aus 
Israels  Lehrhallen  4,  133  (1909).  Bin  Gorion,  Der  Born  Judas  1,  114. 
117.  355.  Nach  Steinschneider  wäre  der  Verfasser  jedoch  Rabbi  Nissim 
ben  Ascher  ben  Meschullam  im  13.  Jahrhundert  gewesen. 

3)  Erman,  Ägypten  2,  415  (1887);  Rohde,  Psyche  1894  S.  200.  627. 
Homer,  II.  23,  71.  Od.  11,  71;  Aelian,  Varia  bist.  5,  14;  Horaz,  Od.  1, 
82;  Gerould  p.  163. 

4)  Cicero,  De  div.  1,  27;  Valerius  Maximus  1,  7  ext.  3;  Petrarca, 
Rerum  memorandarum  lib.  4  c.  3,  33 ;  Lafontaine,  Pables  1,  nr.  14. 


512  217.    Der  dankbare  Tote. 

bösen  Schuldner  weiß  zwar  das  deutsche  Recht1)  nichts ;  aber  in 
Ägypten  hatte  Bokchoris  dieses  Gesetz  erlassen,  und  in  Athen  durfte 
der  im  Schuldgefängnis  verstorbene  Miltiades  nicht  eher  begraben 
werden,  als  bis  sein  Sohn  Kimon  für  ihn  in  den  Kerker  ging.2)  Auf 
der  Insel  Timor  herrschte  sogar  noch  im  Jahre  1870  die  Bestimmung, 
daß  die  feierliche  Bestattung  des  Toten,  die  wegen  ihrer  Umständ- 
lichkeit und  Kostspieligkeit  oft  ein  Jahr  lang  aufgeschoben  ward, 
nicht  eher  stattfinden  durfte,  als  bis  alle  Schulden  des  Verstorbenen 
bezahlt  waren.3)  Es  ist  also  wohl  denkbar,  daß  unser  Märchen  gleich 
der  von  Simrock4)  bis  auf  das  römische  Zwölftafelgesetz  zurück- 
geführten Fabel  vom  Fleischpfande  in  eine  Kulturstufe  zurückreicht, 
in  der  ein  Gläubiger  nicht  nur  über  Leben  und  Tod  seines  Schuldners, 
sondern  auch  nach  seinem  Tode  über  seinen  Leichnam  zu  verfügen 
hatte.  Eine  Umwandlung  unserer  Erzählung  im  christlichen  Sinne 
zeigen  die  bereits  von  Hippe  (Archiv  81,  167)  zusammengestellten 
russischen,  schwedischen  und  isländischen  Passungen,  in  denen  es 
sich  nicht  um  die  Beerdigung  des  Toten,  sondern  um  seine  Grabes- 
ruhe durch  Aussöhnung  mit  der  Mutter  oder  dem  Gläubiger  handelt.5) 
Überhaupt  wird  im  Mittelalter  die  Christenpflicht  betont,  für  die 
Seelen  der  Entschlafenen  zu  beten  und  so  die  Qualen  des  Fegfeuers 
zu  lindern.     Zum  Danke  dafür  zeugen  Tote    für    den    fälschlich   ver- 


J)  J.  Grimm,  RA.4  2,  161—168 ;  über  das  unehrliche  Begräbnis  von 
Selbstmördern  und  Verrätern  ebd.  2,  325  ;  Rohde,  Psyche  S.  201. 

2)  Herodot  2,  136;  Diodor  1,  94;  Valerius  Maximus  5,  3  ext.  3. 
5,  4  ext.  2.  —  Auf  der  Erzählung  von  Kimon  beruht  wohl  das  von 
Gerould  p.  43  angeführte  Schauspiel  Massingers  'The  fatal  dowry'  (1632), 
das  Rowe  in  'The  fair  penitent'  (1703)   benutzte. 

3)  Gramberg  in  Verhandelingen    van  het  Bataviaasch  Genootschap 

36,  212;  Huet,  Revue  des  trad.  pop.  24,  307. 

4)  Simrock,  Die  Quellen  des  Shakespeare5  1,  238  (1872).  Ihm 
stimmt  Huet  bei. 

5)  In  einem  kleinrussischen  Märchen  aus  dem  Gouv.  Kursk  (Etnograf . 
Zbirnyk  34,  30  nr.  640)  geht  der  Gläubiger  eine  Woche  lang  zum  Grabe 
des  verstorbenen  Schuldners  und  schmäht  ihn ;  erst  als  dieser  nachts 
erscheint  und  ihn  prügelt,  gibt  er  es  auf,  ihn  zu  mahnen.  Im  vlämischen 
Märchen  hat  der  Scbneider  im  Grabe  nicht  eher  Ruhe,  als  das  von  ihm 
gestohlene  Geld  zurückgegeben  ist.  Vereinzelt  steht  das  oben  S.  498  an- 
geführte schottische  Märchen,  in  welchem  drei  Tote  keine  Ruhe  finden, 
weil  ihre  Köpfe  vertauscht  sind. 


217.   Der  dankbare  Tote.  513 

klagten  Priester,1)  beschirmen  den  Bitter  wider  seine  Verfolger,21) 
verschaffen  dem  Bedürftigen  Unterhalt5)  oder  hüten  die  Ehre  einer 
Jungfrau ; 4)  insbesondere  hebt  eine  Schweizer  Sage5)  die  Dankbarkeit 
der  Hingerichteten  hervor,  wie  ja  auch  in  der  zweiten  münster- 
ländischen  Passung  ein  Gehängter  als  dienstbarer  Geist  des  Schneiders 
auftritt.  In  unserem  Märchen  stattet  der  Tote  dem  Helden  seinen 
Dank  entweder  dadurch  ab,  daß  er  ihm  eine  schöne  und  vornehme 
Braut  erringen  hilft  (C1)  oder  den  durch  einen  Nebenbuhler  in  die 
See  Gestoßenen  rettet  und  mit  seiner  Gattin  vereinigt  (C2).  In  einer 
holländischen  und  einer  dänischen  Fassung  tritt  der  Geist  einer  toten 
Frau  als  Helfer  auf. 

Der  Loskauf  der  gefangenen  Königstochter  (Aa) 
erscheint  schon  bei  Johannes  Junior,  im  Hervis  von  Metz,  im  Guten 
Gerhard  und  beim  Babbi  Nissim ;  da  er  aber  in  der  ritterlich- 
romantischen Form  der  Erzählung,  im  Bichars,  Herpin,  Olivier,  Dianese. 
Willekin,  Pippinus,  Viaticum  narrationum  und  Amadas,  fehlt,  wird 
man  dies  Motiv  für  einen  Zusatz  des  Legendendichters  halten,  der 
eich  um  Ersatz  für  das  fortgefallene  Motiv  der  Totenbestattung 
bemühen  mußte.  Später  haben  Straparola,  Frau  von  Gomez  und  viele 
neuere  Erzähler  beide  Züge  A1  und  Aa  vereinigt,  während  Peele 
z.  B.  noch  dem  Bitterromane  folgt. 


J)  Jac.  a  Voraglne,  Legenda  aurea  c.  163;  Klapper,  Exempla  1911 
nr.  36 ;  Klapper,  Erzählungen  des  MA.  1914  nr.  90.  190 ;  Libro  de  los 
enxemplos  c.  228  (Bibl.  de  autores  esp.  51,  504). 

2)  Geiler,  Emeis  1517  Bl.  39a  =  Stöber,  Zur  Geschichte  des  Volks- 
aberglaubens 1856  S.  24 ;  Abraham  a  S.  Clara,  Lösch  Wien  1688  S.  35 ; 
Schweizer  Volkskunde  3,  93  (1914).  4,  93;  Kohlrusch,  Schweizer.  Sagen- 
buch 1854  S.  422  ;  Herzog,  Schweizersagen  1, 161  (1887) ;  Jegerlehner,  Sagen 
aus  dem  Unterwallis  S.  78  nr.  13  'Die  unsichtbare  Leibwache'  ;  dazu  2, 
299 ;  Stöber-Mündel,  Sagen  des  Elsasses  2,  24  nr.  25 ;  Zingerle,  Sagen 
aus  Tirol2  nr.  480;  Seifart,  Hildesheim  1,  16;  Wolf,  DMS.nr.  386;  Wolf, 
Ndl.  Sagen  nr.  318  =  A.  de  Cock,  Brabantsch  Sagenboek  1,  183  =■ 
Goyert- Wolter  S.  133 ;  Busk,  Folk-lore  of  Borne  p.  259. 

8)  Busk  p.  261  'The  dead  man's  letter'. 

4)  Chevalier  de  la  Tour  Landry  1854  eh.  3  =  Bitter  vom  Turn 
cap.  2.  —  Tote  beten  für  die  sterbende  Nonne :  Menzel,  Geschichte  der 
dt.  Dichtung  2,  167.  Der  tote  Gast  freut  sich  beim  De  prof undis  :  Pauli, 
Schimpf  und  Ernst  c.  467  ;  Gering,  Islendzk  Aeventyri  nr.  34. 

5)  Lütolf,  Sagen  aus  den  fünf  Orten  1862  nr.  80  'Die  dankbaren 
Toten  zu  Ingenbohl'.  Vgl.  über  den  Kultus  der  Hingerichteten 
Beinsberg-Düringsfeid,  Ethnogr.  Curiositäten  1879  2,  26,  Hartland,  Folk-lore 
21,  168  und  Pitre,  Proverbi,  motti  e  scongiuri  sicil.  1910  p.  416. 

G-riinm.  Märchen-Anmerknngan  III.  gg 


514  217.   Der  dankbare  Tote. 

Uro  die  Erkennung  der  geraubten  und  losgekauften  Prinzessin 
herbeizuführen,  ward  das  Motiv  D  der  kunstvollen  Stickerei 
(bei  Johannes  Junior)  ersonnen,  für  die  später  auch  eine  Fahne  oder 
ein  Bildnis  eintrat.  Vielleicht  ist  dieser  Zug,  der  in  Schondochs 
Königin  von  Frankreich  (H.  Heintz  1908  8.  7),  im  Busant,  in  der 
guten  Frau  und  in  der  Berthasage  (Maßmann,  Kaiserchronik  3, 
975)  wiederkehrt,  orientalischen  Erzählungen  entlehnt;  denn  auch  in 
1001  Nacht  (Henning  7,  59  'Ali  Schar  und  Sumurrud' ;  15,  33  'Ali 
Nureddin  und  Marjam'.  Chauvin  5,  52.  89.  Parker  2.  130  nr.  104) 
führt  der  von  der  losgekauften  Jungfrau  angefertigte  Vorhang  oder 
Gürtel,   den    der  Jüngling    verkauft,    einen  Schicksalswechsel  herbei. 

Weitverbreitet  und  nicht  erst  für  unser  Märchen  erfunden  ist 
das  Motiv  von  dem  unverhofften  Erscheinen  des  totgeglaubten 
Gatten  (oder  Verlobten)  auf  der  Hochzeit  seiner  Frau  mit  einem 
anderen  Manne.1) 

Die  vom  hilfreichen  Toten  ausbedungene  Teilung  alles 
Gewinnes  wird  in  der  ritterlich-romantischen  Form  unsers  Märchens 
lediglich  in  der  Absicht  eingeführt,  den  Helden  als  ehrenfesten 
Worthalter  zu  schildern :  dieser  verzichtet,  um  seine  Frau  zu  behalten, 
auf  alle  Reichtümer  (Richars,  Herpin,  Dianese,  Pippinus)  oder  hebt 
das  Schwert,  um  seine  Gattin  (Amadas,  Viaticum  narr.)  oder  sein 
Töchterchen  (Olivier)  zu  zerhauen,  oder  öffnet  sogar  dem  Genossen 
weinend  die  Tür  zum  Ehegemach  (Willekin).  In  einer  Reihe  späterer 
Fassungen  dagegen  (in  serbischen,  russischen,  zigeunerischen,  arme- 
nischen, tatarischen,  kalmükischen,  arabischen)  wird  die  Teilung 
der  Frau  nicht  wie  im  Amadas  zur  Prüfung  der  Treue  (C4)  gefordert, 
sondern  um  den  Helden  vor  den  im  Leibe  der  Braut  verborgenen 
Giftschlangen  zu  bewahren  (C3).2)     Im  zigeunerischen  und  armenischen 


!)  Vgl.  oben  2,  59.  319.  348;  R.  Köhler  1,  117.  584;  Splettstösser, 
Der  heimkehrende  Gatte  und  sein  Weib  in  der  Weltliteratur  1899 
S.  31 — 44 ;  Sozonovic,  Zur  Frage  über  den  abendländischen  Einfluß  auf 
die  slawische  und  russische  Literatur  1898  S.  260—545. 

2)  Im  grusinischen  Volksepos  von  Tariel  streiten  zwei  Brüder  um 
die  aus  der  Gefangenschaft  der  Dämonen  befreite  Schöne ;  als  der  eine 
das  Schwert  zückt,  um  sie  in  zwei  Stücke  zu  teilen,  speit  sie  erschreckt 
kleine  Teufel  aus  (Sbornik  Kavkaz.  12,  1,  74  Anm.).  Dagegen  wird  in 
der  kabardinischen  Erzählung  'Karabatyr-Zane  und  seine  Hochzeit'  (ebd. 
12,  1,  51)  die  treulose  Frau,  deren  Teilung  der  Gefährte  des  Helden 
verlangt  hat,  nicht  wieder  belebt. 


217.   Der  dankbare  Tote.  515 

Märchen  gleitet  der  Braut,  als  sie  in  zwei  Hälften  gespalten  werden 
soll,  die  Schlange  aus  dem  Munde;  im  tatarischen  und  im  russischen 
Chudjakovs  wird  die  Trau  wirklich  zerlegt  und  wunderbar  wieder 
zusammengesetzt.  Augenscheinlich  liegt  hier,  wie  Gerould  p.  44  er- 
kannt hat,  der  Einfluß  der  Fabel  vom  Giftmädchen  vor,  die  im 
12.  Jahrhundert  durch  die  aus  dem  Arabischen  übersetzte  pseudo- 
aristotelische Schrift  'De  secretis  secretorum'  in  die  europäische 
Literatur,  z.  B.  in  die  Gesta  Romanorum  c.  11,  drang.1)  Aus  anderer 
Quelle  stammt  der  Kampf  des  geisterhaften  Helfers  mit  einem 
Dämon  oder  Drachen,  der  in  der  Brautnacht  den  Freier  des 
Mädchens  umzubringen  trachtet.  Dies  ist  ein  Motiv  des  vielgelesenen 
apokrypkischen  Buches  Tobit,2)  dessen  Einfluß  sich  z.  B.  in  mehreren 
russischen  Fassungen  unseres  Märchens  offenbart,  und  ist  uns  auch 
aus  den  Märchen  vom  treuen  Johannes  (oben  1,46)  und  dem  'Reise- 
kameradenr  Andersens  (oben  S.  83)  bekannt.  Wir  haben  somit  keine 
zwingende  Veranlassung,  mit  Benfey  (Pantschatantra  1,  219)  und 
Hippe  (Archiv  81,  175)  in  der  jungen  armenischen  Fassung  vmd 
ihren  nächsten  Verwandten  die  orientalische  Urform  unserer  Erzählung 
zu  sehen  und  diese,  wie  von  anderer  Seite  geschehen  ist,  für  die 
Vorlage  des  Buches  Tobit  zu  erklären.  Wo  der  Gedanke  zuerst 
entstand,  den  Geist  des  bestatteten  Toten  in  einer  Sage  oder  einem 
Märchen  als  Diener  und  Helfer  des  gutherzigen  Helden  auftreten  zu 
lassen,  wissen  wir  vorläufig  nicht.  Sicher  aber  ist,  daß  dieser  Stoff 
sich  außerordentlich  geeignet  erwies,  mit  verschiedenen  anderen 
Märchenmotiven  Verbindungen  einzugehen,  die,  wie  Gerould  p.  173 
hübsch  bemerkt,  keine  Konvenienzheiraten  waren,  sondern  auf  Neigung 
und  Anpassungsfähigkeit  beruhten. 

Außer  den  bereits  berührten  Motiven  der  losgekauften  Jung- 
frau, des  Giftmädchens  und  des  in  der  Brautnacht  erscheinenden 
Dämons  kommt  in  Betracht  der  gleichfalls  schon  genannte  'Reise- 
kamerad',  der  die  Aufgaben  der  Braut  des  Hexenmeisters  für  den 


1)  W.  Hertz,  Die  Sage  vom  Giftmädchen  (Abh.  der  Münchner  Akad, 
1893,  89  =  Hertz,  Gesammelte  Abhandlungen  1905  S.  156). 

2)  Vgl.  Wickram,  Werke  6,  VI  und  über  das  Verhältnis  zu  unserem 
Märchen  Groome,  Folk-lore  9,  226  (1898);  Cosquin,  Bevue  biblique  inter- 
nationale 8,  50  (1899);  M.  Plath,  Theol.  Studien  und  Kritiken  1901,  377; 
Charles,  The  apocrypha  of  the  old  testament  1, 188  (1913) ;  Bousset,  Nachr. 
der  Göttinger  Ges.  der  Wiss.  1916,  494;  auchHuet,  Revue  des  trad.  pop. 
24,  300  f. 


516  217.   Der  dankbare  Tote. 

Helden  löst  und  den  Hexenmeister  enthauptet  (oben  8.  83).  Dem 
'treuen  Johannes'  (oben  1,  42)  ist  der  dankbare  Tote  zu  ver- 
gleichen, der  im  ostpreußischen  Märchen  (Lemke  2,  88  'Vom  Prinzen, 
der  gehängt  werden  sollte')  nachts  mit  drei  bösen  Geistern  ringt. 
Im  spanischen  'El  marques  del  Sol',  das  zu  den  'beiden  Königs- 
kindern' (oben  2,  521)  gehört,  weist  der  dankbare  Tote  den  Jüng- 
ling zu  den  badenden  Schwanjungfrauen.  In  deutschen,  irischen 
und  italienischen  (Ey  S.  113  'Der  Schneidergesell  und  der  Geist'. 
Hyde  p.  19;  Dottin  p.  55;  Gonzenbach  nr.  74)  gesellt  er  sich  zu  den 
Gefährten  mit  wunderbaren  Eigenschaften  (Grimm  71; 
oben  2,  87).  Er  erscheint  ferner  in  einer  gasconischen  Variante  des 
'Erdmännekens'  (oben  2,  304)  bei  Blade  2,  46  'L'homme  de 
toutes  couleurs'  und  in  einer  irischen  Parodie  des  'Bruder  Lustig' 
(oben  2,  159)  bei  Hyde  p.  148  'Neil  O'Carree'.  In  einer  bretonischen 
Legende  bei  Luzel,  Legendes  ehret.  1,  68  'Le  fils  de  St.  Pierre' 
trägt  ein  dankbarer  Toter  den  Jüngling,  der  seinen  Vater  im  Paradiese 
besuchen  will,  übers  Meer.  Ein  solcher  tritt  auch  in  einer  russischen 
Fassung  der  Zwillingsbrüder  (oben  1,  541)  bei  Oncukov  nr.  152 
auf;  in  einer  ostpreußischen  Variante  der  klugen  Tiere  (oben  2, 
455)  bei  Lemke  2,  264  'Vom  Prinzen,  der  eine  Beeßkröte  küßte' 
schenkt  er  dem  Helden  einen  Zauberring;  in  einem  spanischen 
Seitenstück  zu  'Ferenand  getrü'  (oben  S.  23)  bei  Caballero  1878 
p.  23  'Bella  Flor'  erscheint  er  sogar  als  ratgebender  Schimmel. 
Tiergestalt  nimmt  er  auch  in  vielen  Fassungen  des  'goldenen 
Vogels'  (oben  1,  504)  an,  die  Gerould  p.  127 — 152  z.  T.  bespricht: 
Zingerle,  KHM.2  1,  254  nr.  49  'Der  blinde  König'  =  Simrock, 
Gerhard  S.  80  (Wolf);  schwedisch  bei  Wigström,  Folkdiktning  1,261 
'Fogel  Grip'  (Fuchs);  französisch  Cosquin  1,  208  nr.  19  'Le  petit 
bossu' ;  Luzel,  C.  2,  176  'La  princesse  Marcassa  et  l'oiseau  Dredaine'; 
2,  209  'La  princesse  de  Hongrie' ;  Sebillot,  C.  1,  1  'Le  petit  roi 
Jeannot';  Pineau,  C.  du  Poitou  p.  21  'Le  merle  blanc';  Revue  des 
trad.  pop.  9,  177  'Le  merle  blanc'  (Fuchs  holt  später  die  Hälfte  des 
ersten  Kindes);  italienisch  Nerucci  nr.  52  'Lalieprina'  (oben  S.  500); 
Archivio  3,  233.  373.  551  'II  merlo  bianco' ;  maltesisch  Stumme  nr.  12 ; 
portugiesisch  Romero  nr.  10,  baskisch  Webster  p.  182;  Cerquand 
nr.  101;  cechisch  Nemcova  1,  116  nr.  10;  mexikanisch  Journal  of 
amer.  folklore  25,  194  nr.  3.  Auch  in  einer  Vorstufe  dieses  Märchens, 
dem  im  13.  Jahrhundert  aus  dem  Französischen  übersetzten  nieder- 
ländischen Versroman  Walewein    (oben  1,  511),    wird   das  Liebes- 


218.    Die  getreue  Frau.  517 

paar  durch  den  Geist  des  roten  Ritters,  der  für  seine  Bestattung 
danken  will,  aus  dem  Gefängnis  befreit,  nachdem  vorher  ein  Tuchs 
dem  Helden  Helferdienste  erwiesen  hat.  —  Wir  sehen,  überall  er- 
füllt hier  der  dankbare  Tote  die  gleiche  Aufgabe  wie  anderwärts 
eine  freundliche  Fee,  ein  Zwerg,  ein  Bettler,  in  dessen  Gestalt  sich 
ein  Heiliger  gehüllt  hat,  oder  ein  dankbares  Tier:  er  tritt  dem 
Helden,  nachdem  er  ihn  als  gutherzig  und  mildtätig  erprobt  hat, 
als  Berater  und  Helfer  in  Gefahren  zur  Seite. 


218.    Die  getreue  Frau. 

Et  was  emoel  en  Graf,  de  was  ungefähr  drey  veerdel  Jahrs  ver- 
hierodet,  do  most  he  reisen,  do  kam  he  unner  de  Schlawen  in  de  Tiirkie. 
Esse  he  do  unner  de  Schlawen  is,  do  werd  gar  sien  Himd  nich  schwatt. 
Do  meldt  se  dat  an  den  Türkenkünig,  de  lät  en  vor  sick  kämen  un  frögt 
em,  wu  dat  wöre.  Do  seg  he,  he  wöre  en  Graf  un  hädde  sone  schöne 
Erau,  de  hädde  em  dat  Himd  giewen,  un  dat  würd  nich  eher  schwatt, 
büs  he  eer  ungetrüe  wörde.  Do  seg  de  Künig,  he  soll  an  sine  Frau 
schriewen,  dat  se  keime,  dann  wull  he  em  auk  los  giewen.  Asse  de 
Groff  dat  hörde,  do  kreg  he  de  Angst,  un  he  schickde  int  geheem  an 
sine  Frau  un  leit  eer  seggen,  se  mög  sick  verbergen,  de  Türkenkünig 
wull  se  halen  loten.  No  en  paar  Dage  do  schickde  de  Künig  enen  von 
sine  Deiners,  de  kämm  up  dat  Schiott  von  den  Grofen,  men  der  was 
kiene  Frau  to  Huse.  Un  do  word  he  so  quat  un  gaff  sick  ant  Rabellen 
un  Schennen  (Schelten),  dat  was  te  dull  un  te  erg;  men  dat  kann  em 
alle  nix  helpen,  de  Frau  Gräfinn  konn  he  nich  finden.  De  Frau  awer 
leit  sick  die  Hoore  afschnieden  un  trock  sick  an  esse  en  Pilger,  un  ere 
Harfe  de  honk  se  um ;  den  se  konn  eislicke  rare  up  de  Harfe  spielen. 
Asse  se  sick  nu  so  utmondert  hadde,  do  konn  eer  kien  Mensk  kennen,  un 
se  gonk  hen  no  dat  Schipp,  wo  auk  de  leige  (widerwärtige)  Türke  up  was, 
und  begehrde  den  Schipper :  Tck  sin  son  armen  Pilger,  ick  wull  so  gern  int 
Türkenland.  Nimmt  mi  doch  met!'  Sey  de  Schipper  em  wier,  datkönn 
nich  sien;  up  eer  Schipp  wor  en  Türke,  de  schlög  alles  in  twe;  de  wor 
den  so  dull,  dat  he  de  schöne  Gräfinn  nich  hädde  finden  können.  Do 
seg  de  Pilger,  he  wull  dor  met  ferdig  weren,  wenn  he  auk  unner  de 
Trappe  liggen  moste.  Do  nimmt  em  endlicks  de  Schipper  in  dat  Schipp, 
un  he  geit  unner  de  Trappe  liggen  un  spielt  up  de  Harfe.  Asse  de  Türk 
dat  hört,  do  geföllt  em  dat  so  gut,  dat  he  den  Pilger  met  no  6inen  Künig 
nimmt,  den  mot  he  wat  vorspielen. 


518  218.    Die  getreue  Frau. 

Emoel  do  is  de  Pilger  auk  met  den  Künig  in  en  Gohren,  wo  de 
armen  Schlawen  to  arbeiden  sind,  un  de  Graf  is  auk  derbie.  Do  fänk  de 
Pilger  an  to  spielen  up  sine  Harfe  un  singt: 

1.  Ich  kam  vor  kurzer  Zeit  in  einen  schönen  Garten, 
Darinnen  sah  ich  stehn  viel  Blumen  schöner  Arten. 
Und  unter  diesen  sah  ich  eine  Rose  blühn, 

Nichts  mehr  gedachte  ich  als  die  nach  mir  zu  ziehn. 

2.  0  edle  Rose  du,  die  du  in  Dornen  sitzest, 

Und  ■wenn  du  auch  sogleich  mein  zarten  Leib  zerritzest, 
So  will  aus  Liebe  ich  die  Wunden  tragen  gern1). 
Vergönn  mir  doch  die  Ehr  und  gedenke  doch  an  mich ! 

3.  Nun  muß  ich  ganz  betrübt  aus  diesem  Garten  gehen, 
Niemand  wird  fragen  mich,  der  mich  betrübt  gesehen. 

Ich  weiß  die  Ursach  wohl,  darf  Selbsten  mich  nicht  fragen ; 
Der  Himmel  hat  jetzt  Lust,  mein  Herz  also  zu  plagen. 

4.  0  weh,  ich  irre  sehr,  wie  hab  ich  mich  vergangen! 
Was  ich  so  herzlich  sucht,  das  kann  ich  nicht  erlangen. 
Nunmehro  ist  die  Rose  für  mich  gewachsen  nicht; 
Vielleicht  geschieht  es  bald,  daß  sie  ein  andrer  bricht. 

So  sunk  de  Pilger.  Un  asse  de  Grof  dat  hörde,  do  ducht  em,  he 
kennde  de  Stemme;  men  de  Pilger  gaff  sick  nich  to  erkennen.  DeKünig 
gewunn  den  Pilger  so  leif ,  dat  he  altiet  by  em  sien  moste  un  spielen  em 
wat  vor  up  sine  Harfe.  Do  versprack  he  em,  he  wull  altiet  by  em 
bliewen,  wenn  he  drey  kristlicke  Schlawen  de  Frieheit  giewen  wull. 
Dat  versprack  de  Künig,  un  de  Pilger  sochte  drey  uht,  den  Grofen  un 
twe  annere.  Asse  nu  dat  Schipp  met  de  drey  wegschippen  wull,  do.bat 
de  Pilger  den  Schipper,  he  mög  doch  unner  sien  Fenster  her  schippen 
un  do  leit  he  sick  uht  dat  Fenster  int  Schipp  un  kämm  glücklich 
met  weg. 

Asse  se  nu  in  dat  Schipp  tosamen  Seiten,  sede  de  Grof:  'In  dat 
Türkenland  was  son  schön  Wicht  (Mädchen),  de  mog  ick  so  gern  lieden ; 
dat  däht  mi  doch  leed,  dat  ick  eer  kien  Adjuß  hebbe  seggen  könnt.'  Un 
asse  he  dat  segt  hadde,  do  worde  sien  Himd  witt-schwatt,  un  de  Frau  in 
dat  Pilgertueg  ärgde  sick,  dat  eer  Mann  eer  ungetrue  worden  was,  men 
se  stuerde  sick  (hielt  sich  zurück)  no  en  lück  (wenig)  un  gaff  sick  nich  to 
erkennen.  Do  keimen  se  glücklich  in  Dütskland  an.  Asse  se  nn  ut  dat 
Schipp  Stegen,  begehrde  de  Frau  den  Schipper,  he  mög  maken,  dat  de 
Graf  sick  no  en  lück  lettede  (aufhielte),    eher   he    no    sien  Schiott  gönk. 

x)  Vermutlich  ist  zu  lesen:  So  will  aus  Liebe  gern  die  Wunden 
tragen  ich. 


218.    Die  getreue  Frau.  519 

Un  se  leip  veruht  nn  troek  ehr  olle  Tueg  wier  an  un  settede  en 
Prüek  met  schöne  Hoere  up  un  kam  so  eeren  Mann  in  de  Möte.  De  freude 
sick,  dat  he  siene  Frau  wier  soeg,  un  se  setteden  sick  to  Diske.  De 
Grof  vertelde  alle  von  den  guden  Pilger  un  wüste  nich,  wo  de  so  lange 
bleef.  Do  stond  de  Frau  up  und  trock  eer  Pilgertueg  wier  an  un  nahm 
eere  Harfe  un  gonk  wier  in  dat  Zimmer  no  eeren  Mann  un  sunk  dat 
Leed,  wat  se  in  den  Gohren  in  Türkenland  sungen  hadde.  Do  erkannde 
de  Grof,  dat  de  Pilger  siene  Frau  war  un  dat  de  em  uht  de  Schlawerie 
erlöset  hadde,  un  he  foll  ehr  to  Föten  un  bat  eer  um  Vergiebnüß,  dat  he 
eer  bo!d  wör  ungetrüe  worden.  Men  de  Frau  böhrde  (hob)  em  up  un 
dückde  (küsste)  em  un  sede,  et  soll  alle  vergerten  und  vergiewen  sien. 
Do  gongen  se  wier  to  Diske  Sitten  un  eiten  un  drünken  un  leweden 
glücklich  bes  an  eer  seliges  End.  Un  dat  Pilgertueg  un  de  Harfe  höngen 
se  up  in  de  Kapelle  von  dat  Schiott  to  en  ewigen  Angedenken. 

Aus  dem  Münsterlande  in  den  Jahren  1812 — 1814  durch 
die  Familie  von  Haxtbausen  erhalten.  Gedruckt  1916  von  Bolte  in 
der  Zs.  f.  Volkskunde  26,  19.  —  In  einer  kürzeren  hochdeutschen 
Fassung  aus  derselben  Gegend  gibt  die  Prinzessin  ihrem  Gatten  ein 
weißes  Tuch  mit,  solange  das  weiß  bliebe,  wäre  sie  ihm  treu;  als 
Pilger  verkleidet,  bittet  sie  den  König,  ihr  den  vor  den  Pflug  ge- 
spannten Sklaven  und  dessen  Vetter  im  blauen  Kock  freizugeben, 
und  zieht  mit  dem  Vetter  mit.  Ihr  Mann  läßt  sich  von  seiner  Mutter 
bewegen,  wieder  zu  heiraten,  und  ladet  seinen  Vetter  und  den  Pilger 
zur  Hochzeit.  Dieser  reicht  dem  Bräutigam  im  Weinglase  den 
Treuring  und  wirft  seinen  Mantel  ab,  da  steht  seine  Frau  im 
Hochzeitskleide  vor  ihm.  Die  eingelegten  Verse  fehlen  völlig,  ebenso 
die  Versuchung  durch  den  Gesandten  des  Sultans. 

Die  Hauptmotive  dieser  Erzählung  sind :  A.  Ein  Graf  gerät 
in  türkische  Sklaverei.  —  B1.  Da  er  ein  Hemd  (Tuch)  trägt,  das  weiß 
bleibt,  solange  seine  Frau  daheim  ihm  die  Treue  wahrt,  (B2)  versucht 
ein  Abgesandter  des  Sultans  die  Frau  zu  verführen,  doch  vergeblich. 
—  C.  Diese  folgt  als  Pilger  verkleidet  dem  Türken  und  erringt 
durch  ihr  Harfenspiel  und  ihren  Gesang  des  Sultans  Gunst,  so  daß 
er  ihr  drei  Christensklaven  schenkt,  darunter  ihren  Gatten.  —  D. 
Als  der  Graf  heimgekehrt  bedenkliche  Eeden  über  die  lange  Zeit 
verschwunden  gewesene  Gattin  vernimmt,  tritt  sie  ihm  in  ihrer 
Pilgertracht  entgegen  und  gibt  sich  als  seine  Befreierin  zu  erkennen. 

Weitere  Aufzeichnungen  aus  dem  Volksmunde  liegen  vor  aus 
Wembach  im  Odenwalde  bei  W.  v.  Plönnies,  Zs.  f.  dt.  Mythol.  2. 
377  -Die  getreue  Frau'    (AB1,2  CD;  9  Strophen),    aus    Beichelsheim 


620  218.   Die  getreue  Frau. 

ebenda  bei  Wolf,  Hausmärchen  S.  98  'Die  getreue  Frau'  (AB1-2CD; 
drei  Brüder,  das  bei  der  Gattin  zurückgelassene  blanke  Schwert 
wird  trübe;  6  Strophen),  aus  dem  Rheinlande  bei  Simrock, 
Märchen  nr.  4  'Der  Mann  im  Pflug'  (AB1-2  CD;  10  Str.),  aus  Gartrop 
bei  Wesel  (1842)  in  der  Zs.  f.  Volksk.  26,  20  (AB1  CD;  5  Str.); 
aus  Deringhausen  in  Waldeck  bei  Curtze  S.  141  'Die  treue  Frau' 
(AB13  CD;  zwei  Brüder;  11  Str.),  aus  Holstein  bei  Müllenhoff 
S.  586  nr.  607  'Von  dem  König  von  Spanien  und  seiner  Frau' 
(A  B1- 2  C  D ;  1  Str.)  und  Zs.  f.  Volkskunde  2,  201  'Die  sieben  Grafen' 
(AB1*3 CD;  13  Str.),  aus  Mecklenburg  bei  Bartsch  1,  482  'Die 
singende  Besenbinderstochter'  (ACD;  keine  Verse),  aus  Branden- 
burg (1847)  in  der  Zs.  f.  Volksk.  26,  22  (Liebhaber  im  goldenen 
Ziegenbock  versteckt;  AB1,2  CD;  9  Str.)  und  aus  Pommern  bei 
Jahn  1,  168  nr.  32  'Der  Pilger'  (ACD;  10  Str.  Zwei  Brüder  befreit; 
die  arglistige  Schwägerin  verklagt  die  Königin);  vgl.  S.  369  (Besen- 
binderstochter, von  ihrer  Schwägerin  beneidet.  ACD)  und  Jb.  f.  nd 
Sprachforschung  12,  158.  An  bestimmte  Personen  und  Orte  geknüpft, 
erscheint  dieselbe  Erzählung  in  einer  kärntischen  Sage  von 
Heinrich  von  Taggenbrunn  bei  Graber  1914  nr.  536  'Das  weiße  Hemd' 
(AB1,2  CD;  keine  Verse),  einer  oberösterreichischen  von 
Christoph  von  Haym  bei  Gloning  1912  S.  76  (ACD;  keine  Verse) 
und  einer  hessischen  von  Konrad  von  Tannenberg  bei  Wolf, 
Hessische  Sagen  nr.  238  (ACD;  keine  Verse). 

Als  eine  eigentümliche  Besonderheit  unsres  Märchens  wirken 
die  gleich  Arien  in  die  Prosaerzählung  eingelegten  Strophen, 
welche  in  den  meisten  der  aufgezählten  Fassungen  der  als  Spiel- 
mann verkleideten  Heldin,  bisweilen  auch  ihrem  Gatten  in  den  Mund 
gelegt  werden.  Plönnies  berichtet,  daß  im  Odenwalde  beim  Absingen 
der  Strophen  die  Zuhörer  als  Chor  einfielen;  nach  Jahn  werden  sie 
in  Pommern  auch  selbständig  gesungen,  nachdem  das  Märchen  in 
ungebundener  E,ede  vorgetragen  ist,  ebenso  wie  der  Erzähler  der 
Historie  von  der  h.  Genovefa  zum  Schlüsse  gemeinsam  mit  seinen 
Zuhörern  das  Lied  von  der  Genovefa  anstimmt.  Woher  stammen 
aber  diese  sentimentalen  Alexandriner?  Man  kann  bestimmter  als 
Thurau  (Singen  und  Sagen  1912  S.  100)  vermuten:  aus  einem 
Schauspiele  oder  Singspiele  des  18.  Jahrhunderts.  Dafür  spricht 
schon  die  Tatsache,  daß  die  Liedstrophen  sich  seit  etwa  1780  auf 
fliegenden  Blättern,  betitelt  'Fünf   schöne   anmuthige   Arien'   (Berlin 


218.   Die  getreue  Frau.  521 

Yd  7911,  48)  oder  ähnlich,  gedruckt  nachweisen  lassen.1)  Aus  der 
'Ganz  neuen  Lust-Rose'  1807  nr.  21  abgeschrieben  steht  der  Text 
'Was  fehlet  dir,  mein  Herz,  daß  du  so  in  mir  schlagest?'  (14  Str.) 
in  einer  von  K.  T.  Heinze  zusammengestellten  Liedersammlung  auf 
der  Bonner  Universitätsbibliothek  S.  504  nr.  6  und  in  F.  v.  d.  Hagens 
Berliner  Ms.  germ.  oct.  405,  nr.  99.  Freilich  sucht  man  vergeblich 
nach  einem  Hinweis  auf  das  Schauspiel  oder  die  Namen  der  Personen ; 
nur  in  einem  um  1800  entstandenen  Blatte  der  Solbrigschen  -Buch- 
druckerei  in  Leipzig2)  heißt  es  vor  Str.  9  'Antwort  des  Geliebten' 
und  vor  Str.  11  'Antwort  der  Geliebten'.  Aber  bei  weiterer  Umschau 
gewahren  wir  eine  ziemlich  ausgedehnte  literarische  Vergangenheit 
des  Märchenstoffes. 

Vor  allem  gebührt  unsere  Aufmerksamkeit  dem  aus  dem  Ende 
des  15.  Jahrhunderts  stammenden  Mainzer  Meisterliede  vom  Grafen 
Alexander  von  Mainz  in  der  Zugweise  Frauenlobs,  des  berühmten, 
in  Mainz  bestatteten  Minnesängers:  'Ein  edler  herr  was  zu  Mencz 
gesessen'.1)    Es  behandelt  in  31  Strophen  zu   17  Zeilen   die   Motive 


i)  Berlin  Yd  7905,  32.  58.  Yd  7908,  60.  Yd  7909,  89.  Yd  7911, 
39.  48.  Yd  7912,  20.  Yd  7921,  33.  Erks  Nachlaß  4,  358.  7,  17.  16, 
276.  316.  33,  306.  755.  Hamburg,  Bibl.  des  V.  f.  hamburg.  Geschichte  : 
F.  A.  Cropp,  Hamburger  Drehorgellieder  2,  178.  J.  Meier,  Kunstlieder 
im  Volksmunde  1906  S.  85  nr.  549.  —  Aus  dem  Volksmunde  6elber 
schöpfen:  Ditfurth,  Volks-  und  Gesellechaftslieder  1872  nr.  32^(14  Str.), 
Erk,  Volkslieder  2,  1  nr.  3  (1841.  7  Str.)  =  Erk-Böhme,  Liederhort  2, 
492  nr.  694  =  Mittler  nr.  784,  Zs.  f.  Volksk.  26,  21.  23,  Mündel,  Elsässische 
VI.  1884  nr.  81  (9  Str.),  Wolfram,  Nassauische  VI.  1897  nr.  237  (6  Str.) 
Heeger,  VI.  aus  der  Rheinpfalz  2,  21  nr.  168  (1909.  11  Str.),  Birlinger 
und  Crecelius,  Deutsche  Lieder  1876  S.  8  (3  Str.),  Heß,  Liebeslieder  von 
unbekannten  Verfassern  1911  nr.  35  (9  Str.),  J.  E.  u.  P.  S.,  VI.  aus  den 
Wolgakolonien  1914  nr.  68  (5  Str.).  —  Man  hat  doch  wohl  anzunehmen, 
daß  diese  Strophen  von  vornherein  für  unsre  Situation  gedichtet  wurden. 
In  die  Ballade  vom  edlen  Möringer  (Erk-Böhme  nr.  28)  sind  allerdings, 
worauf  Dr.  F.  Bieser  hinweist,  zwei  Strophen  aus  einem  Minneliede 
Walthers  von  der  Vogelweide  als  Gesang  des  unerkannten  Pilgers  ein- 
gelegt. 

5)  Berlin  Yd  7912,  20.  Es  wurde  1802  in  Dresden  der  Zensur- 
behörde vorgelegt  (Mitt.  des  V.  f.  sächs.  Volkskunde  4,  304). 

8)  Die  histori  von  dem  grafen  in  dem  pflüg.  Bamberg,  hinter  sant 
Merty  [Hans  Sporer]  1493.  4°  (Panzer,  Annalen  1,  207  nr.  366).  —  Von 
dem  graffen  in  dem  pflüg,  gesangweisz  von  Meincz.  Erffort,  Hans 
Sporer  1495  (Berlin  Yd  8150).  Abgedruckt  Zs.  f.  Volkskunde  26,  88 
Über  andre  Drucke  vgl.  ebd.  26,  262. 


522  218.    Die  getreue  Frau. 

AB1,2  CD  und  klingt  im  Eingange  an  das  ältere  Lied  vom  edlen 
Möringer  an,  der  gleichfalls  nachts  plötzlich  der  neben  ihm  ruhenden 
Gattin  seinen  Entschluß,  ins  heilige  Land  zu  wallfahren,  mitteilt.1) 
Als  der  Graf  alle  Abmahnungen  seiner  besorgten  Frau  rauh  zurück- 
weist, betet  sie  zu  Gott;  und  dieser  sendet  einen  Engel,  der  sie  ein 
Hemd  für  den  Gatten  machen  heißt ;  das  werde  weiß  bleiben,  solange 
sie  ihre  Ehre  behalte.  Auch  wie  der  heidnische  Ritter  ihr  verheißt, 
den  Gefangenen  heimzusenden,  wenn  sie  seines  Willens  pflegen  wolle, 
erscheint  ein  Engel  und  rät  ihr,  ein  Mönchsgewand  anzulegen,  sich 
eine  Platte  scheren  zu  lassen  und  mit  ihrem  Saitenspiel  dem  Eitter 
zu  folgen.  So  gelangt  sie  zum  Heidenkönig  und  erfreut  ihn  durch 
ihre  Kunst  dermaßen,  daß  er  ihr  erlaubt,  sich  unter  den  gefangenen 
Christen  einen  Reisegefährten  zu  wählen.  Sie  führt  den  vom  Pfluge 
erlösten  Grafen  heim,  verläßt  ihn  aber  eine  Tagereise  vor  Mainz, 
angeblich  um  ins  Kloster  zurückzukehren.  In  weiblicher  Tracht 
empfängt  sie  daheim  den  Gatten ;  seine  Mutter  aber  klagt  ihm,  zween 
Monat  und  ein  ganzes  Jahr  sei  seine  Frau  nicht  hier  gewesen.  Da 
geht  diese  hinaus,  legt  ihre  Mönchskutte  an,  tritt  wieder  herein  und 
widerlegt  durch  Alexanders  Brief  und  ein  Stück  von  seinem  Hemd, 
das  sie  sich  nach  seiner  Befreiung  ausgebeten  hatte,  die  Anschuldigung. 
Zum  Beschluß  berichtet  der  Dichter,  daß  man  zu  Mainz  am  Grabe 
der  beiden  Eheleute  noch  das  Hemd  und  die  Kutte  zeige  und  ihren 
Jahrestag  froh  begehe. 

Dies  umfängliche  Meisterlied  in  künstlichen,  doch  allzu  lang- 
atmigen Strophen  ist,  soweit  wir  wissen,  die  älteste  Behandlung  des 
Sagenstoffes,  von  dem  die  Mainzer  Lokalüberlieferungen  keine  Spur 


*)  Erk-Böhme,  Liederhort  1,  89  nr.  28;  vgl.  F.  Vogt,  Paul-Braunes 
Beiträge  12,  435.  Das  Vorbild  für  diesen  Eingang  lieferte  vermutlich  die 
Sage  von  Heinrich  dem  Löwen;  auch  Reinfried  von  Braunschweig 
(v.  13617  ed.  Bartsch  1871)  und  der  namenlose  Herzog  von  Braunschweig 
in  Michel  Wyssenkerres  Gedicht  (Str.  2  ed.  Seehausen  1913  S.  151)  teilen 
nachts  der  Gattin  den  gleichen  Entschluß  mit;  aber  beidemale  ist  dieser 
durch  ein  voraufgegangenes  Traumgesicht  begründet ;  dem  Reinfried,  der 
seit  zehn  Jahren  vergebens  auf  einen  Erben  wartet,  hat  die  Jungfrau 
Maria  einen  Sohn  verheißen,  wenn  er  eine  Fahrt  ins  heilige  Land  unter- 
nehme. Dagegen  läßt  Heinrich  Göding  im  Gedicht  von  Heinrich  dem 
Löwen  (1585.  Paul-Braune,  Beitr.  13,  296)  diese  ganze  Einleitung  fort. 
In  den  Gesta  Romanorum  c.  249  ed.  Oesterley  faßt  Octavianus,  der  Gatte 
der  hartgeprüften  treuen  Frau,  zwar  in  einer  Nacht  den  Plan  einer 
Palästinafahrt,  redet  aber  erst  am  Morgen  davon    zu  Frau    und   Bruder. 


218.   Die  getreue  Fi  au.  B23 

mehr  enthalten,  und  zugleich  die  unmittelbare  oder  mittelbare  Quelle 
aller  folgenden  Bearbeitungen.  Von  dem  Erfurter  Drucke  von  1495, 
der  uns  die  zwei  Jahre  zuvor  in  Bamberg  bei  demselben  Buchdrucker 
Hans  Sporer1)  erschienene  Erstausgabe  ersetzen  muli,  weichen  merk- 
würdigerweise alle  folgenden  Drucke  darin  ab,  daß  sie  die  Heimat 
des  Helden  von  Mencz  (so  lautet  die  volkstümliche  Schreibung  des 
15.  Jahrhunderts  für  Mainz;  vgl.  Chroniken  der  dt.  Städte  17,  3.  412) 
nach  Metz  verlegen.  Schon  die  niederdeutsche  Prosafassung,  die 
1500  zu  Magdeburg  erschien,  zeigt  diese  vermutlich  aus  einer  Ver- 
lesung der  Abkürzung  Mecz  hervorgegangene  Angabe  und  fügt,  um 
den  Ort  der  Handlung  zu  charakterisieren,  'eine  clene  Vorrede  van 
der  werdygken  stad  Metze'  hinzu,  die  auf  Schedels  Chronik  von  1493 
Bl.  110  b  fußt. 

Sehr  bald  aber  trat  eine  modernisierte  Umgestaltung  mit  dem 
Meisterlied  e  in  Wettbewerb.2)  Inhaltlich  unterscheidet  sich  dies  in 
zwei  Fassungen  vorliegende  Lied  vom  Grafen  von  Rom  von  jenem 
dadurch,  daß  es  das  wunderbare  Hemd  (B1)  und  die  zweimalige 
Engelerscheinung  fortläßt;  der  Heidenkönig  will  den  Grafen  nur 
dann  freigeben,  wenn  seine  Frau  ihn  abhole,  und  sendet  einen 
Boten  mit  dem  Schreiben  des  Grafen  an  die  Frau ;  diese  schlägt  aus 
Furcht  für  ihre  Ehre  das  Verlangen  ab,  zieht  aber  als  Mönch  ver- 
kleidet mit  ihrer  Harfe  hin  und  erlöst  den  Gatten.  Außer  diesen 
eine  realistische  Auffassung  verratenden  Abweichungen  erwies  sich 
die  Wahl  einer  kürzeren  Strophenform  vorteilhaft,  und  zwar  ward 
die  nur  bruchstückweise  erhaltene  Fassung  in  dreizehnzeiligen 
Strophen3)  völlig  verdrängt  durch  das  nach  einer  eigenen  achtzeiligen 
Weise  gesungene  Lied  'Ich  verkünd  euch  neue  Märe' 4)  (31  Str.),  das 
bis    in    die    zweite    Hälfte    des    17.  Jahrhunderts    gedruckt    und  ins 


*)  Vgl.  über  ihn  Allgem.  d.  Biographie  35,  271. 

2)  Richtig  nimmt  Unland  (Schriften  4,  305)  den  Alexander  von 
Metz  für  älter  an  als  den  Grafen  von  Rom,  wenn  ihm  auch  gleich  allen 
späteren  Forschern  seine  Mainzer  Herkunft  verborgen  blieb. 

8)  Ain  Spruch  von  aim  grafen :  'Nach  singen  tichten  stet  mein 
mut',  11  Strophen  in  Herzog  Ernsts  Ton,  unvollständig.  Aus  einer 
Regensburger  Hs.  des  16.  Jahrh.  (Cgm.  5919,  340)  abgedruckt  bei  Keller, 
Erzählungen  aus  altdeutschen  Hss.  1855  S.  168. 

4)  Der  G-raff  von  Rom.  Nuremberg,  Adam  Dyon  1510  (Erlangen). 
Erk-Böhme,  Liederhort  1,  93  nr.  29.  Über  andre  Drucke  vgl.  Zs.  f. 
Volkskunde  26,  282. 


524  218.    Die  getreue  Frau. 

Niederdeutsche,1)    Niederländische,    Dänische,    Schwedische    und    Is- 
ländische3) übersetzt  wurde. 

Diese  beiden  kurz  vor  1500  und  kurz  darauf  entstandenen 
Balladen  haben  mehrfach  auf  Literatur  und  Volkssage  eingewirkt- 
Den  Alexander  von  Metz  im  weißen  Badhembd  im  Pflug'  erwähnt 
nicht  bloß  Fischart  im  5.  Kapitel  des  Gargantua  (1891  S.  107), 
sondern  es  versuchte  auch  1584  der  Buchhändler  Clemens  Stephani 
in  Eger  sein  Schauspiel  'Alexander  im  Pflug'  mit  Schulknaben  zur 
Aufführung  zu  bringen,  freilich  vergeblich;  dagegen  wurde  1595  auf  der 
Wilhelmsburg  zu  Schmalkalden  vor  dem  Landgrafen  Moritz  von  Hessen 
eine  Komödie  vom  Grafen  Alexander  am  Pflug  wirklich  gespielt.8)  — 
Eine  niederdeutsche  Prosabearbeitung  war  schon  1500  in  Magde- 
burg bei  Simeon  Koch  im  Druck  erschienen.4)  Von  einer  nieder- 
ländischen Prosaerzählung,  die  Kalif5)  in  die  erste  Hälfte  des  16. 
Jahrhunderts  setzt,  liegt  nur  ein  später  Druck  vor:  'Eene  schoone 
Historie  van  Alexander  van  Mets,  hoe  hij  in  Turckijen  ghevangen 
werdt  ende  hoe  hem  zijn  Huysvrouwe  verloste  gekleet  als  eenen 
Moninck'  (Amsterdam  1645);  sie  ward  indes  schon  1621  unter  dem 
Titel  'Florentina  de  ghetrouwe,  Huysvrouwe  van  Alexander  van  Mets, 
dewelcke  haeren  Man  met  groote  verduldigheyt  verlost  heeft  uyt  de 


*)  Twe  Leder.  Hamburg,  J.  Low  (um  1560.  In  Wolfenbüttel 
'Ick  verkiind  iuw  nye  meere'. 

s)  Das  niederländische  Lied  'van  den  grave  van  Roomen'  ist 
verloren  gegangen    (F.  van  Duyse,    Het  oude  nederlandsche  lied  1,  271). 

—  Dänisch:  'Vise  om  en  Greve  i  Rom,  som  blev  fanget  iHedenskabet 
og  der  maatte  drage  Plog',  1711  (Nyerup  og  Eahbek,  Udvalgte  danske 
Viser  fra  Middelalderen  5,  67.  1814).  —  Schwedisch:  'Jagh  will  edher 
seije  nye  mere',  31  Str.  (Geijer-Afzelius,  Svenska  folkvisor  1880  nr.  53. 
Noreen-Schück,  1500-  og  1600-talens  visböcker  1,  16.  1884) ;  deutsch 
bearbeitet  bei  Studach,  Schwedische  Volksharfe  1826  S.  48  'Frauentreue'. 

—  Isländisch:  'I  Rom  bjö  einn  rykur  greyfi'  (Antiquarisk  Tidsskrift 
1849—1851,  232  nr.  67.     "Ward,  Cat.  of  romances  2,  91). 

8)  Gradl,  Mitt.  f.  Gesch.  der  Deutschen  in  Böhmen  33,  317  (1895). 
Habicht,  Zs.  f.  hennebergiscbe  Geschichte  3,  21  (1880). 

4)  Abgedruckt  im  Jahrbach  f.  nd.  Sprachforschung  42,  60. 

5)  Kalff,  Geschiednies  der  nederl.  letterkunde  in  de  16.  eeuw  1,  386 
(1889)  und  Geschiedenis  der  nederl.  letterkunde  3,  169  (1907).  Van  den 
Bergh,  Nederl.  Volksromans  1837  p.  52.  Mone,  Niederl.  Volksliteratur 
1838  S.  64.  Unland,  Schriften  4,  305.  Grimm,  Dt.  Sagen2  nr.  537  'Der 
Mann  im  Pflog'.  —  Ein  seh wedi sehe s  Volksbuch  'Alexander  af  Metz, 
eller  Historia  om  Riddaren  för  Plogen'  (Jönköping  1852). 


218.    Die  getreue  Frau.  525 

slavernye'  in  das  Volksbuch  'De  Vrouwen-peerle,  ofte  dryvoudighe 
Historie  van  Helena  de  Verduldighe,  Griseldis  de  Saeghtmoedige, 
Florentina  de  Getrouwe'  (Antwerpen  1621.  Neudruck  Haerlem  1910) 
aufgenommen.  Neu  ist  der  Name  der  Heldin  Florentina  und  ihre 
Pilgrimstracht  statt  der  Mönchskutte,  sonst  ist  der  Anschluß  an  das 
deutsche  Lied,  wie  Uhland  im  einzelnen  nachweist,  unverkennbar; 
aus  der  Schwieger  ist  wohl  durch  Mißverständnis  ein  'Zwaeger'  ge- 
worden. Nachdem  die  Brüder  Grimm  1818  den  Inhalt  des  nieder- 
ländischen Volksbuches  in  ihren  Deutschen  Sagen  wiedergegeben 
hatten,  legte  es  Hermann  Kurz  1858  seiner  zur  Zeit  Barbarossas 
und  Saladins  spielenden  Erzählung  'Das  weiße  Hemd'  zugrunde 
(Sämtliche  Werke  hsg.  von  H.  Fischer  1903  10,  5—24).  J.  G.  S  ei  dls 
Gedicht  'Das  Pilgerhemde'  (Bifolien,  3.  Lese  nr.  8  =  Gesammelte 
Schriften  1877,  2,  136)  und  Hoffmanns  v.  F.  Operntext  'Der  Graf 
im  Pfluge'  (Zwei  Opern,  1868)  gehen  wohl  auf  dieselbe  Quelle  zurück. 
Eine  Nacherzählung  der  'lieblichen  Geschieht',  die  'von  einem 
Römischen  Grafen  gelesen  und  gesungen  wird',  gab  der  Pfarrer 
Wolf  gang  Bütner  (Epitome  Historiarum  1576  Bl.  350  a  —  1596 
Bl.  259  a.  Archiv  f.  Litgesch.  6,  324)  zur  Erläuterung  des  6.  Gebotes  ; 
ihn  schrieben  J.  Zanach  (Didacus  Apolephtes,  Historische  Erquick- 
stunden 4,  2,  61  —  65.  Um  1615)  und  C.  Blanckardus  (Neuer 
historischer  Lustgarten  1701  S.  165  nr.  52)  wörtlich  aus.  Auf  der 
Ballade  vom  Grafen  von  Rom  beruhte  auch,  wie  es  scheint,  ein  um 
1550  abgefaßtes,  aber  verlorenes  Stück  des  Hamburgers  Heinrich 
Knaust:  'Comoedia  germanica  de  comite  proficiscente  Hierosolymam 
ad  videndum  sepulchrum  Christi,  capto  in  itinere  et  in  aratrum  subacto 
a  Soldano  rege  Aegypti'  (Michel,  H.  Knaust  1903  S.  285).  In  die 
Zeit  der  Gegenreformation  fällt  die  lateinische  Novelle  'Virtus  celata 
clarior'  des  begabten  Jesuiten  Jakob  Bidermann,1)  welche  das 
Ehepaar  Bertulfus  und  Ansberta  nennt  und  durch  Ausmalung  ein- 
zelner Situationen,  wie  des  Erscheinens  des  unbekannten  Harfen- 
spielers oder  seiner  Ohnmacht  beim  Anblicke  des  in  den  Pflug  ge- 
spannten Ritters,  durch  Mitteilung  der  Briefe  beider  Gatten  und 
durch  die  pathetische  Sprache  Spannung  zu  erregen  versteht.  Aus 
Bidermann    schöpften    seine    Ordensgenossen,     die     Dramatiker    N. 

!)  Bidermann,  Acroamata  academica  (vor  1639)  lib.  2,  c.  2  =  ed. 
Colon.  1702  p.  202—233.  B.  will  ein  Ereignis  aus  der  heimatlichen  Ge- 
schichte erzählen,  'quamquam  alibi  non  modo  pervulgatum  iam  est,  sed  et 
populi  sermonibus  et  poetarum  versibus  valde  celebratur'. 


526  218.    Die  getreue  Frau. 

Avancini  (1667)  und  P.  AI  er  (1701),  den  Stoff  zu  lateinischen 
Schulkomödien1);  ein  deutsches  'List-  und  Lust-Spiel  Ehlicher  Treu, 
oder  von  seiner  Gemahlin  Arisberta  auß  Band  und  Feßlen  unverhofft 
erlöster  Bertulf us'  gab  M.  Martinus  Lintner  1687  zu  Salzburg 
heraus,  und  in  Kaufbeuren  spielte  1726  die  dortige  Agentengesell- 
schaft 'Vom  weiblichen  Lautenisten,  oder  Bertulfus  und  Ansberta'; 
auch  von  der  evangelischen  bürgerlichen  Komödiantengesellschaft  zu 
Biberach  wurde  1742  Bertulfus  und  Ansberta  dargestellt.2)  Auf  die 
Ballade  vom  Grafen  zum  Born  greift  Leonhard  Wächter  (Sagen 
der  Vorzeit  2,  399 — 450.  ß.  Aufl.  1790)  in  seiner  Prosaerzählung 
'Der  graue  Bruder'  zurück;  er  nennt  das  Ehepaar  Siegmund  und 
Maria  von  Hengsperg  und  mischt  in  seine  geziert  altertümelnde 
Darstellung  bisweilen  Liedstrophen  ein.  Durch  Wächter  wurde  F. 
A.  A.  Meyers  Lustspiel  'Der  graue  Bruder'  (Olla  Potrida  1792,  2, 
50 — 67)  angeregt.  Die  Gedichte  von  Luise  Brachmann  (Dichtungen 
1824  2,  56  'Der: Befreite')  und  B.  Baumbach  (Abenteuer  und 
Schwanke  1884  S.  205  'Der  Graf  im  Pfluge')  scheinen  aus  der  Lek- 
türe des  'Wunderhorns'  hervorgegangen  zu  sein. 

Merkwürdig  ist  ein  um  1800  in  Kanton  Wallis  von  Lukas  de 
Schallen  in  Alexandrinern  gedichtetes  Volksdrama  'von  den  Grafen 
Philibert  und  Rodolf  von  Paqueville'  dadurch,  daß  hier  die 
Ballade  vom  Grafen  von  Born  mit  der  bereits  oben  S.  522  erwähnten 
Sage  vom  Möringer  zusammengeschweißt  wird.3)  Beide  Grafen  ge- 
raten in  türkische  Gefangenschaft;  Rodolf  wird  von  seiner  treuen 
Gattin  Boserta,  die  als  Musikant  verkleidet  den  Pascha  durch  ihren 

J)  Fides  coniugalis  s.  Ansberta  sui  coniugis  Bertulfi  e  dura  captivitate 
liberatrix,  Viennae  Austr.  1667  —  Avancini,  Poesis  dramatica  2,  253 
(Col.  1675) ;  auch  eine  deutsche  Fassung  existiert.  —  P.  AI  er,  Ansberta 
(1702  in  Poesis  varia  p.  265,  besonders  1708  und  1711).  —  Jesuiten- 
aufführungen  fanden  statt:  1652  Wien,  1660  Neuburg,  1667  Wien, 
1681  Jülich,  1701  Köln,  1723  Eegensburg,  1729  München  (?),  1732  Luzern, 
1751  Aachen,  1752  Neuß,  1760  Unterinntal,  1769  Fritzlar,  1792  Innsbruck ; 
französisch  1688  Ath,  niederländisch  1716  Gent  (Zs.  f.  Volkskunde  3,  63. 
462.  Bahlmann,  Jesuitendramen  1897  S.  20.  89.  114.  188.  Zs.  des  Fer- 
dinandeums  3.  Folge  50,  368.  365.  Faber,  Theätre  francais  en  Belgique  4, 
366.     1880.     Belgisch  Museum  1845,  316). 

2)  Mitteilung  von  Karl  Trautmann  in  München.  Offterdinger, 
Württembergische  Vjsh.  f.  Landesgeschichte  6,  43  (1883). 

3)  W.  v.  Plönnies  in  Hennebergers  Jahrbuch  f.  dt.  Litgesch.  1, 
1 — 31  (1855).  Bächtold.  Geschichte  der  dt.  Literatur  in  der  Schweiz 
1892,  S.  466;  Anm.  S.  153. 


218.   Die  getreue  Frau.  527 

Gesang  zu  rühren  weiß,  befreit;  seinen  ungestümen  Bruder  Philibert 
aber  versetzen  die  Jungfrau  Maria  und  St.  Julian  gerade  an  dem 
Tage  in  die  Heimat  zurück,  an  dem  seine  Frau  Mechtild  sich  mit 
einem  anderen  Ritter  vermählen  will.  Diese  Heimkehrsage  geht  auf 
eine  oft  wiederholte  Erzählung  des  französischen  Jesuiten  Louis 
Richeome  (1604)  zurück.1) 

Durch  unsere  Musterung  der  literarischen  Überlieferung  haben 
wir  zwei  Ströme  kennen  gelernt,  die  von  den  beiden  unter  sich  ver- 
wandten Balladen  von  Alexander  im  Pfluge  und  vom  Grafen  von 
Rom  ausgehen.  Leider  zeigte  sich  nirgends  eine  vollkommene  Über- 
einstimmung mit  unserm  Märchen.  Wohl  bewahrt  dieses  verschiedene 
Züge  aus  dem  Liede  vom  Grafen  Alexander,  namentlich  das  wunder- 
bare Hemd;  aber  nirgends  fanden  wir  die  in  jenes  eingelegten  Lied- 
strophen, die  schon  um  1780  gedruckt  nachgewiesen  sind;  auch  tritt 
Ansberta  bei  Bidermann,  Avancini  und  Aler  nur  als  Harfenspielerin, 
nicht  als  Sängerin  auf.  Es  bleibt  freilich  die  Möglichkeit,  daß  die 
Strophen  dem  1726  und  1742  aufgeführten  Schauspiele  'Bertulfus 
und  Ansberta'  entstammen,  über  welches  keine  nähere  Nachricht 
vorliegt;  aber  dies  wird  ebensowenig  wie  Bidermanns  lateinische 
Novelle  das  Wunderhemd  enthalten  haben.  Vielleicht  vermögen 
andere  Forscher  diese  Lücke  zu  ergänzen. 

Im  Auslande  scheint  sich  unser  Märchen  keiner  großen  Ver- 
breitung erfreut  zu  haben.2)  Ziemlich  entstellt  ist  ein  rumänisches 
Märchen  bei  Schullerus  nr.  39  'Eine  Wette'  (Archiv  f.  siebenbürg. 
Landeskunde  33,  477.  AB1-2C),  dessen  Einleitung  der  Verkauf  einer 
Katze  im  katzenlosen  Lande  (oben  2,  75)  bildet;  der  Mann  wird  von 
einem  Wirte,  dessen  drei  Katzen  brennende  Kerzen  halten,  ein- 
gesperrt;   seine  Frau    foppt    die  Versucher    und    befreit    als    Mönch 


!)  R.  Köhler,  Kl.  Schriften  1,  584  f.  (wo  es  Tournay  1622  und  1630 
heißen  muß) ;  dazu  Martel  de  Bacqueville  bei  Butler-Godescard,  Vie  des 
saints  11,  10  und  R.  Andree,  Votive  1904  S.  44.  Schauspiele  :  Amores 
Baquevilli  et  Bonillae  (Wiener  Cod.  13364);  Kaspar  Abyberg,  Graf 
Paqueville  1643  ;  Julian  Graf  von  Paquevill  1754.  1770.  1790.  1792  (Zs. 
des  Ferdinandeums  3.  F.  50.  362.  365);  Kralik -Winter,  Dt.  Puppenspiele 
1885  S.  43.  Balladen:  Kretzschmer-Zuccalmaglio,  Volkslieder  2,  13  nr.  4; 
Zs.  f.  Volkskunde  3,  65  ;  Lerond,  Lothringische  Sammelmappe  1,  47  (1890); 
Schweizer  Volkskunde  3,  6  (1913).  —  Man  erinnere  sich,  daß  auch  in 
einigen  Fassungen  des  Volksmärchens  mehrere  Brüder  des  Helden 
zugleich  mit  ihm  in  türkische  Gefangenschaft  geraten. 

2)  Vgl.  G.  Polivka,  Närodopisny  Vestnik  6,  1. 


528  218.    Die  getraue  Frau. 

verkleidet  ihren  Mann,  indem  sie  die  Katzen  durch  vorgehaltene 
Mäuse  in  Bewegung  versetzt  (R.  Köhler  2,  640.  Cosquin,  Romania 
40,  373).  —  Ein  kroatisches  Märchen  aus  Karlstadt  bei  Strohal 
2,  109  nr.  48  (AB1  CD)  hat  den  neuen  Zug,  daß  die  treue  Frau, 
als  sie  mit  ihrer  'citra'  in  die  Türkei  zieht,  eich  einen  Mönch,  der 
schön  singen  kann,  zum  Gefährten  wählt.1)  —  Andere  slawische 
Fassungen,  in  denen  das  weißbleibende  Hemde  des  Gefangenen  (B1) 
fehlt,  stehen  dadurch  der  Ballade  vom  Grafen  von  Rom  näher.  In 
einem  cechischen  Märchen  bei  Miksicek  1,  207  (zuerst  1845  in 
Sbirka  povestf  mor.  a  slezskych  Heft  4,  nr.  13)  übergibt  der  Graf 
vor  der  Pilgerfahrt  nach  Jerusalem,  die  er  in  der  Krankheit  gelobt 
hat,  seine  Frau  in  die  Obhut  eines  Barons,  der  ihrer  Ehre  nachstellt. 
Sie  entflieht  zu  einer  Freundin,  hört  durch  einen  Pilger  von  der 
harten  Gefangenschaft  des  Grafen  bei  den  Türken,  kleidet  sich  samt 
ihrer  Magd  als  Harfner  und  erwirkt  durch  ihr  Spiel  ihres  Gatten 
Befreiung.  Als  sie  daheim  diesen  in  weiblicher  Tracht  begrüßt  und 
vom  treulosen  Baron  verleumdet  wird,  zückt  der  Graf  im  Zorne  das 
Messer  auf  sie.  Sie  entrinnt,  kehrt  als  Harfner  zurück  und  singt  vor 
der  Tür  das  ihm  bekannte  Lied.  —  Auf  ein  noch  ungedrucktes 
kleinrussisches  Lied  aus  der  Ukraine  gehen  zwei  neuere 
Dichtungen  von  V.  Cajcenko  und  M.  S.  Kononenko  zurück,  die 
N.  Jancuk  im  Jubilej.  Sbornik  Millera  S.  354  bespricht.  Hier  wird 
der  junge  Fürst  in  der  Schlacht  von  den  Türken  gefangen  und 
sendet  im  vierten  Jahre  seiner  Gattin  einen  Brief  mit  der  Bitte,  ihn 
loszukaufen.  Sie  schneidet  ihre  Haare  ab,  legt  Männertracht  an  und 
zieht  mit  ihrer  dreißigsaitigen  'Kobza'  zum  Sultan,  den  ihr  Spiel  zu 
Tränen  rührt.  Als  er  ihr  einen  Wunsch  freistellt,  erbittet  sie  sich 
einen  Gefangenen  als  Begleiter  auf  dem  Heimwege.  Der  Verlauf 
entspricht   der  deutschen  Ballade.     Der  Fürst  schließt  die  verklagte 

x)  Dagegen  befreit  in  einem  kroatischen  Liede  von  der  Insel 
Veglia  (Hrvat.  nar.  pjesme  iz  Nase  Sloge  1,  31  nr.  11)  die  treue  Frau  des 
in  Konstantinopel  gefangen  liegenden  Ansiö  Stjepan  auf  die  Botschaft 
einer  Schwalbe  den  Gatten  mit  Gewalt;  in  einem  andern  von  der  Insel 
Meleda  (Hrvat.  nar.  pjesme  Mat.  Hrvat.  2,  433)  fordert  Markos  Frau 
einige  Helden  zu  seiner  Befreiung  auf.  Im  serbischen  Liede  bei  Vuk 
Stefanoviö  Karadzic  3,  nr.  48  erhält  die  Frau  einen  Brief  des  gefangenen 
Gatten  mit  dem  Gebote,  einen  andern  zu  heiraten.  Ähnlich  berichten 
bulgarische  Lieder  bei  Sozonovic,  Pösni  o  dövuske  voine  i  bylina  o 
Stavre  Godinovice  S.  45;  Br.  Miladinov,  Bälgarski  nar.  pesmi3  S.  132 
nr.  89.  S.  299  nr.  189;  Sbornik  min.  12,  57  nr.  3. 


218.   Die  getreue  Frau.  529 

Gattin  in  ihr  Zimmer  und  beruft  ein  Gericht,  das  sie  zum  Tode 
verurteilt.  Als  er  die  Tür  des  Zimmers  öffnet,  erblickt  er  den 
jungen  Kobzaspieler.  —  Noch  näher  steht  der  Ballade  vom  Grafen 
von  Rom  das  großrussische  Märchen  vom  Gußlispieler  bei 
Afanasjev3  2,  297  nr.  195  'Carica-guslar'  =  Goldschmidt  S.  124  (ACD), 
auf  dessen  deutschen  oder  literarischen  Ursprung  schon  Orest  Miller 
(Ilja  Muromec  S.  635)  und  Vsevolod  Miller  (Ocerki  rus.  nar.  sloves- 
nosti  S.  276)  hingewiesen  haben.  Der  Zar,  der  auf  einer  Reise  ins 
heilige  Land  gefangen  wird  und  den  Pflug  ziehen  muß,  schreibt 
seiner  Gattin,  sie  solle  alles  verkaufen  und  ihn  erlösen.  Heimgekehrt 
würdigt  er  sie  keines  Blickes,  weil  sie  seine  Bitte  nicht  erfüllt  habe. 
Da  verläßt  sie  das  Zimmer,  kleidet  sich  als  Guslar  und  spielt  auf 
dem  Hof  ihre  Weise.  Sechs  Liedstrophen  sind  in  die  Erzählung 
eingelegt.  — ■  Zweifelhaft  ist  dagegen  der  Zusammenhang  mit  dem 
großrussischen  Liede  von  Staver  Godinovic  (Vsev.  Miller,  Oeerki  rus. 
nar.  slov.  S.  263;  oben  2,  58) ;  denn  Stavers  Frau  kleidet  sich,  als  sie  hört, 
er  sei  vom  Fürsten  Wladimir  eingekerkert,  nicht  als  Spielmann, 
sondern  als  Gesandter  und  reitet  mit  prächtigem  Gefolge  nach  Kiew. 
Beim  Gastmahl  wünscht  sie  einen  Leierspieler  zu  hören ;  Staver  wird 
geholt,  und  der  angebliche  Gesandte  erklärt,  er  wolle  auf  den 
geforderten  Tribut  verzichten,  wenn  ihm  Staver  ausgeliefert  werde. 
In  einer  Prosafassung  des  18.  Jahrh.  meldet  Staver  seiner  Frau  durch 
einen  Boten  seine  Einkerkerung  (Tichonravov  und  Vs.  Miller,  Russkija 
byliny  staroj  i  novoj  zapisi  1,  54).  Daß  in  einer  Variante  des 
Liedes  (ebenda  S.  208  nr.  59)  der  Held  Astovert  Gordinovic  heißt, 
und  dieser  Name  an'Bidermanns  Heldin  Ansberta  zu  erinnern  scheint, 
ist  wohl  Zufall  (Alex.  N.  Veselovskij,  Zumal  min.  nar.  prosv.  268,  44. 
Vs.  Miller  S.  276).1)  —  Von  einem  finnischen  Märchen  bei  Krohn- 
Lilius,  Suomalaisia  kansansatuja  2,  160  liegt  nur  eine  knappe  Inhalts- 
angabe vor:  Der  Mann  prahlt  mit  seinem  Weibe,   wird  vom   Kaiser 


J)  Wenn  G.  Potanin  (Etnograf.  Obozr.  10,  40)  dazu  eine  Episode 
aus  den  mongolischen  Taten  Bogda  Gesser-Chans  (J.  J.  Schmidt  1839 
S.  273 — 282)  vergleicht,  in  der  Gessers  Frau  als  garstige  Alte  ihren  in 
einen  Esel  verwandelten  Mann  befreit,  indem  sie  sich  ihn  als  Reittier 
aasbittet,  so  hat  dies  mit  unserm  Stoffe  nichts  mehr  zu  tun.  —  Auch 
das  cechische  Märchen  bei  Radostov2  1,  156,  nr.  19  vom  Bauern  Do- 
brodej,  der  aus  harter  Gefangenschaft  entlassen  wird,  weil  er  die  Tochter 
seines  Herrn  vom  Ertrinken  gerettet  hat,  gehört  nicht  hierher. 
Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III,  34 


530  218.    Die  getreue  Frau. 

gefangen ;    die  Frau  in  Männerkleidern  verlobt  sich  mit  der  Tochter 
des  Kaisers,  entflieht  mit  ihrem  Manne.1) 

Es  scheint  somit,  daß  alle  deutschen  und  ausländischen 
Fassungen  unseres  Märchens,  literarische  wie  volksmäßige,  aus  einer 
Ortssage  des  15.  Jahrhunderts  hervorgegangen  sind,  die  sich  an 
ein  im  Mainzer  Dome  befindliches  Grabmal  und  ein  dort  aufgehängtes 
Hemd  und  Mönchsgewand  anknüpfte.  Wieviel  der  unbekannte 
Mainzer  Meistersänger,  der  sich  diese  Sage  kurz  vor  oder  nach  1490 
zur  Behandlung  erkor,  aus  Eigenem  zur  Überlieferung  hinzufügte, 
läßt  sich  kaum  feststellen.  Inmitten  der  bisher  nur  bei  Goedeke 
(Grundriß  l2,  309)  zu  überschauenden  Kleinepik  des  15.  Jahrhunderts, 
welche  so  manchen  Balladenstoff  in  meistersängerliche  Form  kleidete, 
ist  sein  Werk  sicherlich  eine  unverächtliche  Leistung.  Daß  der 
Eingang  des  'Grafen  im  Pflug'  gleich  dem  'Möringer'  auf  die  Sage 
von  Heinrich  dem  Löwen  zurückgeht,  ward  schon  S.  522 l  bemerkt.  Auch 
der  Zug,  daß  eine  Frau  als  Spielmann  verkleidet  auszieht, 
um  ihren  Geliebten  zu  suchen,  begegnet  in  mittelalterlichen  Epen. 
So  tritt  Nicolette  vor  den  um  sie  trauernden  Aucassin ;  als  Harfner 
kommt  Rosemunde  zu  ihrem  Gatten  Namenlos  und  muß  mit  ansehen, 
wie  er  ihrer  schönen  Begleiterin  Isabele  den  Hof  macht;  als  Harfner 
forscht  die  Königsnichte  Martha  nach  dem  Sohne  Tristans  und 
Isoldes,  dem  sie  ein  Kind  geboren.2)  Mittelalterlich  ist  auch  das  als 
Hebel  der  Handlung  dienende  weiße  Hemd  des  Grafen  Alexander, 
das  seine  Frau  auf  Geheiß  des  Engels  gewebt  hat,  das  aber  in  der 
Ballade  vom  Grafen  zu  Rom  als  ein  zu  märchenhaftes  Motiv  aus- 
geschaltet und  nicht  sehr  glücklich  ersetzt  worden  ist.  Vermutlich 
lieferte  das  69.  Kapitel  der  Gesta  Romanorum  das  Vorbild;  dort 
erhält  ein  Zimmermann  von  seiner  Schwiegermutter  ein  Hemd  zum 
Geschenk,  das  keiner  Wäsche  bedarf,  solange  Mann  und  Frau  ein- 
ander Treue  bewahren.  Als  der  Meister  dem  Könige  einen  Palast 
baut,  hören  mehrere  Ritter  von  der  Tugend  des  Hemdes  und 
versuchen    die    Frau    zu    verführen,    werden   jedoch  einer  nach  dem 


J)  Aarne,  Finnische  Märchenvarianten  1911  S.  72  nr.  880  (F.  F. 
Communications  5). 

2)  W.  Hertz,  Spielmannsbuch2  1900  S.  35.  310.  335,  —  In  einer 
italienischen  Novelle  von  Granucci  (La  piacevol  notte  e  lieto  giorno  1574 
Bl.  129a)  zieht  Griulia  in  Männerkleidun<r  nach  Konstantinopel,  wo  ihr 
Geliebter  Federico  gefangen  liegt,  und  läßt  sich,  um  das  Lösegeld  für  ihn 
aufzubringen,  selber  als  Sklaven  verkaufen. 


219.    Die  Prinzessin  im  Sarge  und  die  Schildwache.  531 

andern  von  ihr  in  eine  Kammer  gesperrt.  In  parallelen  Er- 
zählungen, die  R.  Köhler,  Kl.  Schriften  2,  444  und  G.  Paris,  Romania 
23,  102  verglichen  haben,  ist  eine  frischbleibende  Rose  (Adam  of 
Cobsam,  The  wright's  chaste  wife;  Perceforest;  Al-farag  ba'd  assida'; 
Nachschebis  Papageienbuch  S.  30  Iken;  1,83.  109  Rosen;  vgl.  Kubin, 
Kladske  povidky  2,  280.  Polivka,  Närodop.  vestnik  ceskoslov.  12,  33), 
Lotosblüte  (Somadeva  1,  137  Brockhaus  =  1,  85  c.  13  Tawney. 
Swynnerton,  Indian  nights'  entertainments  p.  177.  188),  ein  Bildnis 
(Bandello  1,  nr.  21 ;  Senece)  oder  Ringstein  (Faveurs  et  disgraces  de 
l'amour  1696)  als  Prüf  mittel  der  Gattentreue1)  an  die  Stelle  des  Hemdes 
getreten.  Meist  übergibt  die  Frau  dem  fortreisenden  Manne  den 
Talisman,  nur  bei  Adam  von  Cobsam  die  Schwieger,  wie  in  den 
Gesta  Romanorum. 


219.    Die  Prinzessin  im  Sarge  und  die  Schild- 
wache. 

Es  war  einmal  ein  König  und  eine  Königin,  die  hatten  aber  gar 
keine  Kinder;  da  wurde  der  König  einmal  recht  böse,  und  da  rief  er: 
'Nun  wollte  ich  doch,  daß  ich  ein  Kind  hätte,  und  wenn  es  auch  der 
lebendige  Teufel  wäre.'  Und  alsbald  bekam  die  Königin  eine  Tochter, 
die  war  so  schwarz  wie  eine  Rabe  und  so  häßlich,  daß  man  ordentlich 
angst  wurde,  wenn  man  sie  ansah;  und  sie  brüllte  wie  ein  Tier  und  war 
ganz  unklug.  Und  da  sie  nun  zwölf  Jahr  alt  war,  sagte  sie  zum  König, 
er  möchte  ihr  ein  Grab  mauern  lassen.  Das  wollte  er  aber  gar  nicht 
tun ;  da  fing  sie  aber  so  an  zu  brüllen,  daß  er  es  aus  Angst  tat.  Und 
da  ließ  der  König  ihr  ein  Grab  mauern  in  der  Kirche  gerade  hinter  dem 
Altar;  da  legte  sie  sich  hinein,  und  es  wurde  ein  Deckel  drauf  gelegt, 
den  konnte  sie  aber  selbst  wieder  davonwerfen.  Und  alle  Nacht  mußten 
sechs  Soldaten  sich  abwechseln,  um  bei  ihrem  Grabe  zu  wachen,  so  hatte 


*)  Über  solche  Prüf  mittel  vgl.  Zs.  f.  Volkskunde  19,  67.  20,  69. 
Hrincenko,  Iz  ust  naroda  p.  208  nr.  234  (Hemd).  Bin  Gorion,  Born 
Judas  1,  104  (Hemd).  Sbornik  min.  16—17,  Mater.  S.  97  (Rosenkranz). 
Merim^e,  Guzla  1842  p.  377  'Le  seigneur  Mercure'  (Archiv  f.  slav.  Phil. 
28,  336):  'Prends  ce  chapelet  d'ambre;  si  tu  m'es  fidele,  il  restera  entier ; 
si  tu  m'es  infidele,  le  fil  cassera  et  les  grains  tomberont'.  Vgl.  Polivka, 
Närodop.  vestnik  ceskoslov.  12,  211  (Bing).     215  (Hemd). 

34* 


532  219.    Die  Prinzessin  im  Sarge  und  die  Schildwache. 

sie  es  befohlen.  Wenn  man  aber  des  Morgens  in  die  Kirche  kam.  so 
hatte  die  Prinzessin  alle  umgebracht;  und  die  andere  Nacht  mußten 
wieder  sechs  andere  beim  Grabe  wachen,  und  die  brachte  sie  wieder  um, 
und  das  währte  zwei  Jahr. 

Da  ging  der  König  einmal  spazieren,  da  begegnete  ihm  ein  Junge, 
da  sagte  der  König:  'Mein  Sohn,  wo  willst  du  hin?'  Da  antwortete  der 
Junge:  'Ach,  ich  wollte  mich  gerne  vermieten  bei  einem  Schuster  oder 
Schneider.'  Da  antwortete  der  König:  'Wie  heißt  du  denn?'  'Ich  heiße 
Friedrich.'  Da  sprach  der  König:  'Du  sollst  dich  nicht  vermieten,  sondern 
du  sollst  bei  mir  Soldat  werden.  Du  kannst  Offizier  oder  du  kannst 
werden,  was  du  willst;  nur  mußt  du  eine  Nacht  bei  dem  Grabe  meiner 
Tochter  wachen.'  Das  wollte  aber  Friedrich  gar  nicht  tun;  denn  er 
wußte  wohl,  wie  es  den  Soldaten  immer  erging.  Da  ihn  aber  der  König 
so  viel  quälte,  da  tat  er  es  endlich.  —  Wie  er  aber  nun  des  Abends  in 
die  Kirche  kam,  da  ward  es  ihm  so  angst  ums  Herz,  daß  er  wieder  her- 
auslief. Als  er  aber  vor  das  Tor  kam,  da  stand  da  so  ein  weißes 
Männchen,  das  sagte:  'Wo  willst  du  hin,  mein  Sohn?'  Da  sagte  Friedrich : 
'Ach,  ich  wollte  nur  ein  wenig  Spazierengehen.'  Da  sagte  das  Männchen: 
'Ich  weiß  es  wohl,  du  willst  desertieren,  weil  du  angst  bist,  die  Prinzeß 
würde  dich  auch  umbringen.  Geh  aber  nur  wieder  zurück,  sie  soll  dir 
nichts  tun.  Und  nun  will  ich  dir  auch  sagen,  was  du  tun  mußt.  Wenn 
du  in  die  Kirche  kommst,  dann  mußt  du  beide  Arme  ausbreiten,  und  dann 
mußt  du  vor  den  Altar  hinknien  und  beten  und  immer  an  Gott  denken ; 
und  was  dir  dann  auch  geschehen  mag,  du  darfst  gar  nicht  aufsehen 
und  auch  nicht  von  der  Stelle  gehen.'  —  Friedrich  tat  so,  wie  ihm  das 
weiße  Männchen  gesagt  hatte.  Als  es  nun  elf  Uhr  war,  da  stand  die 
Prinzeß  aus  ihrem  Grab  auf  und  nahm  einen  Säbel  und  schlug  Friedrich 
so  damit,  daß  das  Blut  immer  herunterlief,  aber  er  fühlte  gar  keine 
Schmerzen  und  betete  immer  zu  Gott.  Sie  fing  so  fürchterlich  an  zu 
brüllen,  daß  es  die  Leute  in  der  Stadt  hören  konnten,  und  sie  sagte  ihm, 
er  möchte  doch  aus  der  Kirche  gehen;  aber  er  stand  gar  nicht  auf,  und 
die  Prinzeß  schlug  ihn  immerzu,  bis  es  zwölf  Uhr  war,  da  ging  sie  wieder 
in  ihr  Grab. 

Wie  nun  der  König  den  andern  Morgen  in  die  Kirche  kam  und 
sehen  wollte,  wie  es  dem  Friedrich  ergangen,  da  saß  er  noch  vor  dem 
Altar  und  betete.  Da  wunderte  sich  der  König  sehr,  und  die  ganze 
Stadt  freute  sich.  Die  folgende  Nacht  mußten  wieder  sechs  Soldaten 
wachen,  die  hatte  sie  aber  alle  wieder  umgebracht;  und  die  dritte  Nacht 
sollte  Friedrich  wieder  wachen. 

Da  er  nun  in  die  Kirche  kam,  wurde  ihm  aber  so  angst,  daß  er 
schnell  fortlief.  Vor  dem  Tore  begegnet  ihm  wieder  das  weiße  Männchen: 
er  sollte  gar  nicht    angst    sein,    heute  Nacht    aber    sollte   er  sich  in  der 


219.    Die  Prinzessin  im  Sarge  und  die  Schildwache.  533 

Länge  vor  den  Altar  aufs  Gesicht  legen  nnd  gar  nicht  aufsehen  und 
immer  beten.  Und  Friedrich  ging  a ach  wieder  zurück  und  tat  alles,  wie 
das  weiße  Männchen  befohlen  hatte.  Und  als  es  elf  Uhr  schlug,  kam 
wieder  die  schwarze  Prinzeß  und  fing  ganz  schrecklich  an  zu  brüllen  und 
schlug  ihn;  aber  er  betete  immer  zu  Gott,  bis  es  zwölf  Uhr  war;  da  ging 
sie  wieder  in  ihr  Grab. 

Der  König  konnte  das  Wunder  gar  nicht  begreifen,  da  er  den 
Friedrich  noch  im  Leben  sah,  und  er  versprach  ihm  viel  Gold  und  Silber, 
wenn  er  noch  eine  Nacht  bei  ihr  wachen  wollte.  Das  wollte  Friedrich 
aber  gar  nicht  tun,  denn  er  dachte  :  'Heute  Nacht  bringt  sie  dich  gewiß 
um,  und  lieber  will  ich  so  weit  laufen,  als  mich  meine  Füße  tragen 
können.'  Er  ging  also  heimlich  fort;  als  er  aber  vor  das  Tor  kam,  da 
kam  das  weiße  Männchen  wieder  her  und  sagt:  'Mein  Sohn,  heute  Nacht 
mußt  du  noch  beim  Grabe  wachen,  und  dann  wirst  du  deine  Belohnung 
auch  bekommen.  Wenn  die  Prinzessin  heute  Nacht  aufsteht,  so  mußt  du 
dich  gleich  in  ihr  Grab  legen  und  immer  beten  und  an  Gott  denken; 
und  wenn  sie  auch  noch  soviel  bittet,  du  möchtest  aus  ihrem  Grabe 
gehen,  so  darfst  du  es  doch  nicht  eher  tun,  bis  sie  ganz  schneehagel- 
weiß  vor  dir  steht ;  und  wenn  sie  dann  an  zu  weinen  fängt,  so  kannst 
du  aufstehen.' 

Als  Friedrich  nun  in  der  Kirche  war,  betete  er  recht  andächtig  zu 
Gott.  Und  da  es  elf  Uhr  war,  stand  die  Prinzessin  auf,  und  Friedrich 
legte  sich  geschwinde  in  ihr  Grab.  Da  fing  sie  so  an  zu  schmälen  und 
zu  brüllen,  daß  man  glaubte,  die  ganze  Kirche  wäre  eingesunken;  aber 
Friedrich  betete  immer  zu  Gott.  Endlich  fing  sie  an  zu  bitten  und  sagte 
ihm,  er  möchte  nur  aus  ihrem  Grabe  gehen,  sie  wollte  ihm  auch  nichts 
tun.  Da  sah  er  so  ein  bißchen  auf,  da  hatte  sie  ein  weißes  Fleckchen 
über  den  Augen ;  und  wie  er  da  wieder  aufsah,  war  die  Stirne  ganz  weiß, 
und  dann  das  ganze  Gesicht.  Da  betete  er  recht  zu  Gott,  und  als  es 
bald  zwölf  Uhr  war,  da  stand  sie  ganz  schneehagelweiß  vor  ihm  und 
glänzte  wie  die  Sonne  und  fing  an  zu  weinen  und  sagte:  'Stehe  nur  auf, 
lieber  Friedrich!  Ich  tue  dir  nichts  mehr,  denn  du  hast  mich  erlöst.' 
Und  wie  sie  dies  sagte,  schlug  es  zwölf  Uhr,  und  er  stand  auf.  Da  er- 
zählte sie  ihm,  daß  sie  vierzehn  Jahre  wäre  verwünscht  gewesen,  weil 
ihr  Vater  damals  gesagt  habe,  er  wollte  ein  Kind  haben,  und  wenn  es 
auch  der  lebendige  Teufel  wäre. 

Und  wie  sie  ihm  so  erzählte,  taten  sich  auf  einmal  alle  Gräber  auf, 
und  alle  Soldaten,  die  die  Prinzessin  umgebracht  hatte,  waren  wieder 
lebendig,  aber  die  Barte  waren  ihnen  so  lang  gewachsen,  daß  sie  bald 
auf  der  Erde  schlurrten.  Und  als  der  König  in  die  Kirche  kam,  war  sie 
ganz  voll  von  Soldaten,  und  an  der  Tür  trat  ihm  Friedrich  mit  der 
Prinzeß  entgegen.     Die  war  aber  so  schön,    daß  er  es  gar  nicht  glauben 


534  219.    Die  Prinzessin  im  Sarge  und  die  Schildwache. 

wollte,  daß  sie  seine  Tochter  wäre;  wie  sie  ihm  aber  erzählte,  daß 
Friedrich  sie  erlöst  habe,  gab  er  sie  ihm  zur  Frau.  Und  der  König  ließ 
noch  am  selbigen  Tage  ein  großes  Gastmahl  anrichten,  wo  alle  die 
Soldaten  mitaßen;  denn  sie  waren  sehr  hungrig.  Friedrich  aber  wurde 
nach  dem  Tode  des  Königs  König. 


Um  1818  durch  die  Familie  v.  Haxthausen  aus  Westfalen 
erhalten.  Gedruckt  1917  in  der  Zs.  f.  Volksk.  27,  49.  —  Das 
Märchen  erinnert  an  die  oben  S.  83  erwähnte  'Braut  des  Zauberers', 
aber  die  Erlösung  der  verwünschten  Jungfrau  vollzieht  sich  hier 
anders :  A.  Durch  einen  unbedachten  Wunsch  der  Eltern  (vgl.  oben  1,228 
2,345.561)  ist  die  Prinzessin  dem  Teufel  verfallen;  —  B.  Nach  ihrem 
Tode  verläßt  sie  nachts  ihr  Grab  in  der  Kirche  und  erwürgt  gleich 
einem  Vampir1)  die  wachehaltenden  Soldaten.  —  C.  Endlich  erlöst 
sie  einer,  nicht  durch  stillschweigendes  Ertragen  von  Qualen  (wie 
oben  2,  330.  335.  3,  1),  sondern  indem  er  sich  auf  den  Rat  eines 
Greises    auf    der    Kanzel,    am    Altar    und   im  Sarge  selber  verbirgt. 

Aus  dem  Oberwallis  bei  Jegerlehner  1913  S.  114  nr.  139 
'Die  verwünschte  Königstochter'  =  Bächtold,  Schweizer  Märchen 
1916  S.  166.  Heanzisch  bei  Bunker  nr.  85  'S  Müllpächkint'.  Aus 
Oberhessen:  Wolf,  Hausmärchen  S.  258  'Die  Leichenfresserin'- 
Bindewald,  Oberhessisches  Sagenbuch  1873  S.  142  'Gehobener 
Teufelsbann'.  Tägliche  Rundschau  (Berlin)  1917,  10.  Sept. 
nr.  212:  R.  Wagner,  Das  Männchen  auf  der  Kirchentreppe. 
Aus  dem  Rheinlande:  Simrock,  Märchen  nr.  2  'Das  Königs- 
kind'. Aus  der  Gegend  von  Halle:  Sommer  1846  S.  104  nr.  5  "Die 
Königstochter  im  Sarge  und  der  Soldat'.  Aus  Waldeck:  Curtze 
S.  168  nr.  28  'Die  Königstochter  und  der  Soldat'.  Aus  Hannover: 
Busch,  Ut  öler  Welt  S.  9  nr.  2  'Die  schwarze  Prinzessin'.  Ganz 
entstellt  bei  Seifart,  Sagen  aus  Hildesheim  1,  83  'Der  kluge  Schäfer' 
(Prinzessin  vom  Zauberer  zur  Menschenfresserin  verwünscht).  Aus 
dem  Harze:  Ey  S.  1  'Die  Schildwache'.  Pröhle,  M.  für  die  Jugend 
nr.  11  'Wache,  Wache,  Ronde  raus'.  Aus  Olden  bürg:  Strackerjan2 
2,  500  zu  §  635  'Von  dem  Jüngling,  der  nicht  bange  war'  (einer 
Variante  zu  Grimm  4).  Aus  Pommern:  Jahn,  Volksmärchen  1,  90 
nr.  16    'Hans  der  Grafensohn   und    die  schwarze  Prinzessin'  und    S. 


*)  Vgl.  Hock,  DieVampyrsagen  und  ihre  Verwertung  in  der  deutschen 
Literatur  (1900);  auch  JeUinek,  Zs.  f.  Volkskunde  14,  322. 


219.   Die  Prinzessin  im  Sarge  und  die  Schildwache.  535 

356 ;  danach  Zaunert  S.  189.  Blätter  f.  pommersche  Volkskunde  2,  24 
'Die  verwunschene  Königstochter'  und  7,81  'Die  Teufelsprinzessin'. 
Aus  Posen:  Knoop,  Posener  Märchen,  Progr.  1909  S.  6  nr.  3  'Die 
verhexte  Königin'.  Aus  Ostpreußen:  Lemke,  Volkstümliches  3,  167 
nr.  64  'Die  stumme  Prinzessin'.  —  Dänisch:  Grundtvig,  Folke- 
aeventyr  1,  142  nr.  142  =  Leo-Strodtmann  1,  148  'Die  Prinzessin 
im  Sarge'.  Grundtvigs  hsl.  Register  nr.  138.  Kristensen,  Danske 
folkeseventyr  1888  S.  219  nr.  33  'Prinsessen  i  kisten'.  Kristensen, 
Aev.  fra  Jylland  3,  265  nr.  50  ' Vagten  i  Kirken'.  —  Norwegisch: 
Skar  6,  90  'Den  svarte  Jomfruva'.  —  Isländisch:  Arnason  2,  440 
=  Poestion  S.  233  =  Rittershaus  S.  150  nr.  33  'Bängsimon'  (ent- 
stellt). —  Französisch:  Sebillot,  Contes  pop.  de  la  Haute-Bretagne 
3,  38  als  Fortsetzung  des  zu  Grimm  nr.  16  gehörigen  Märchens 
nr.  3  'La  rose'.  Luzel,  Legendes  ehret,  de  la  Basse-Bretagne  2,  309 
'Le  soldat  qui  delivra  une  princesse  de  l'enfer'  (vorher  die  treulose 
Gattin,  oben  1,  127);  Revue  des  trad.  pop.  7,  693  'Le  grillon, 
le  hanneton,  l'araignee'  (zuerst  Streiche  des  Meisterdiebs) ;  15,  641 
'L'enfant  du  diable';  19,  367  'La  fille  vampire'.  —  Italienisch: 
Widter-Wolf  nr.  13  'Die  Prinzessin  im  Sarg  und  die  Schildwache' 
(Jahrbuch  f.  roman.  Lit.  7,  257);  vgl.  R.  Köhler  1,  320.  Finamore 
1,  2,  16  als  Fortsetzung  des  zu  Grimm  29  gehörigen  Märchens 
nr.  56  'Le  tre  pile  de  lu  dijavule'.  —  Rumänisch:  Obert  nr.  34 
'Der  alte  Husar'  (Ausland  1858,  117).  P.  Schullerus  nr.  54  'Die 
Kirche  des  Teufels'  (Archiv  f.  siebenbürg.  Landesk.  33,  507). 
§äinenu  S.  873.  —  Serbokroatisch:  Mijat  Stojanovic,  Pucke 
pripov.  S.  137  nr.  31.  Stojanov-Stefanovic  S.  132.  Strohal  1,  109 
nr.  18.  19.  2,  90  nr.  37  =  Leskien,  Balkanmärchen  nr.  35  (vorher 
die  Blume  auf  dem  Grabe  der  Teufelsbraut,  vgl.  oben  2,  126); 
Strohal  2,  254  nr.  12.  Kres  4,  350  nr.  19  —  Krauß  1,  424  nr.  93 
'Das  Liebespaar'.  Zbornik  jslav.  18,  145  nr.  54.  —  Slovenisch: 
Slov.  Glasnik  8,  31.  Gabrscek  S.  226  nr.  29.  —  Slovakisch: 
Czambel  S.  391  §  204.  Sbornik  mus.  slov.  spol.  15,  134  nr.  6.  — 
Cechisch  aus  Böhmen:  Nemcova,  Nar.  bäch.  2,  19  nr.  14.  Mary 
S.  145  nr.  13.  Popelka  1880  1,  27  nr.  6  =  1888  S.  103  nr.  8.  Popel- 
kovä  S.  156.  Hosek  2,  2,  148  nr.  20.  Pfihoda  nr.  9.  Kubin,  Podkr- 
konosi  zäp.  nr.  27  und  137  (Publ.  der  böhm.  Akademie  der  Wiss.)  Aus 
Mähren :  Kulda  2,  8  nr.  60.  3,  147  nr.  14.  Cesky  Lid  5,  460  nr.  7.  Tille 
S.  59  nr.  26  a;  S.  81  nr.  29;  S.  94  nr.  34  (Narodopisny  Sbornik  7, 
103. 125.  8, 39).   Elpl  S.  40  nr.  8.  Aus  Österr.-Schlesien :  Polivka,  Povidky 


536  219.    Die  Prinzessin  im  Sarge  und  die  Schild  wache. 

lidu  opav.  a  han.  S.  74  nr.  29.  —  Wendisch:  Eabenau,  Spree- 
wald S.  128  —  Öerny  S.  206.  Veckenstedt  S.  338  nr.  5.  — 
Polnisch:  Veckenstedts  Zs.  f.  Volkskunde  1,  25  'Die  Tochter  des 
Schulzen  und  der  Kirchensänger'.  Mitt.  der  schles.  Ges.  f.  Volksk. 
3,  6,  44.  Malinowski  1,  29  und  70.  Zaranie  slaskie  2,  189.  Kolberg 
7,  71  nr.  151.  152  (verbunden  mit  einer  Mahrtensage).  8,  138  nr.  55. 
56.  14,  72  nr.  16.  17  (aus  Posen).     19,  228  nr.  10.     Ciszewski,  Krak. 

1,  175  nr.  128.  Mater,  antropol.  6,  150  nr.  6.  10,  269  nr.  40.  Lud 
9, 182.  Chelchowski  1, 124  nr.  19  (vgl.  Knoop  1909  S.  7).  Literarische  Be- 
arbeitung von  Zamarski  1852  S.  106.  —  Kleinrussisch:  Sadok  Barq.cz 
S.  137.  Etnograf.  Zbirnyk  7,  24  nr.  30.  7,  90  nr.  48.  49.  12,  167 
er.  170.  Dragomanov  S.  267  nr.  5.  Cubinskij  2,  27  nr.  7.  2,  410 
nr.  118.  Eudcenko  2,  27  nr.  12.  Manzura  S.  60.  Sbornik  Charkov. 
istor.-filolog.  6,  165.  Letopis  istor.-filolog.  novoross.  univ.  3,  122.  184 
nr.  5.  Hrincenko,  Mater.  2,  325  nr.  232.  Sbornik  Miller  S.  182.  — 
In  andern  Fassungen  muß  der  Held  seine  zauberkundige  Braut  in 
der  Kirche  oder  auf  dem  Friedhofe  hüten  (Zbiör  4,  33  nr.  3. 
Etnograf.  Zbirnyk  34,  140  nr.  913.  Sbornik  Charkov.  3,  201. 
Dragomanov   S.  395.    Cubinskij  1,  200.    Manzura  S.  136.    Hrincenko 

2,  110  nr.  88;  oder  auch  im  Hause  der  Gestorbenen  (Dragomanov  S.  71 
nr.  14.  Hrincenko  1,  66  nr.  92.  93.  1,  284  nr.  209.  Mater.  Grodn.  2,  371 
nr.  15).  Auf  Grund  der  Volkssagen  dichtete  Gogol  seine  Erzählung 
'Vij';  vgl.  darüber  N.  Th.  Sumcov  in  der  Kijevskaja  Starina  1892, 
Heft  3  und  N.  Nevirova  in  den  Zapysky  ukrain.  nauk.  tov.  Kijev 
5,  42.  —  Weißrussisch:  Karlowicz  S.  29  nr.  19.  Weryho  S.  45 
nr.  11.  Dobrovoljskij  1,  547  nr.  23.  1.  554  nr.  24.  Eomanov  4 
124  nr.  65.  Sejn,  Mater.  2,  66  nr.  33.  2,  402  nr.  227.  Federowski 
2,  308  nr.  340.  —  Großrussisch:  Afanasjev3  2,  324  nr.  207. 
2,  325  nr.  208  a.  2,  326  nr.  208  c  =  Ealston  p.  271  'The  headless 
princess'  und  p.  274  'The  soldier's  midnight  watch.'  Chudjakov  1,  45 
nr.  11.  12.  Sadovnikov  S.  44  nr.  5  (der  jüngere  Bruder  des 
Bräutigams  tötet  eine  aus  dem  Munde  der  Prinzessin  kriechende 
Schlange);  S.  309  nr.  104.  Oncukov  S.  369  nr.  152  (der  dankbare 
Tote).  Zapiski  Krasnojarsk.  1,  99  nr.  51  =  v.  Löwis  nr.  48  (statt 
des  dankbaren  Toten  hilft  der  h.  Nikolaus,  dessen  Bild  den  Kauf- 
mannssohn vor  Schlägen  bewahrt  hat,  wie  bei  Eadloff  1,  329). 
1,  125  nr.  63.  1,  15  nr.  3  (Nikolaus).  2,  31  nr.  9.  Etnogr. 
Obozr.  53,  98  (Einsiedler  statt  des  hl.  Nikolaus).  —  Litauisch: 
Dowojna    Sylwestrowicz    1,    196.    2,    129.    —    Lettisch:    Treuland 


220.   Fürchten  lernen.  537 

S.  244  nr.  125.  S.  247-250  (ein  Engel  rettet  den  Helden).  Zbior 
18,  369  nr.  41.  —  Estnisch:  Kletke,  Märchensaal  2,  60  'Die 
bezauberte  Prinzessin'  =  Ausflug  nach  Ehstland  1807  (Meiningen 
1830)  S.  186  (sie  wird  zuletzt  zerhauen,  einer  Schlange  entledigt  und 
zusammengefügt,  wie  in  einigen  Märchen  vom  dankbaren  Toten,  z.  B. 
in  dem  tatarischen  [im  Sbornik  Kavkaz.  9,  2,  82  nr.  1,  wo  ein  ge- 
retteter Fisch  die  Stelle  des  dankbaren  Toten  vertritt).  —  Finnisch: 
Aarnes  Register  nr.  307  'Die  Prinzessin  im  Sarge'.  —  Magyarisch: 
Stier-Gaal  S.  97  nr.  10  'Die  Prinzessin  im  Sarge'.  Berze  Nagy 
nr.  53  'Die  zum  Tanze  gehenden  Prinzessinnen'  und  nr.  54  'Baka 
Janos'.  —  Zigeunerisch  aus  Serbien:  Mitt  f.  Zigeunerkunde 
2,  106.  Aus  Oberungarn :  Groome  S.  141  nr.  41  (an  Grimm  133).  — 
Armenisch  aus  der  Bukowina:  Wlislocki,  M.  der  Armenier  1891 
S.  91  nr.  33  'Die  Menschenfresserin'  (der  Bruder  tötet  sie,  stellt 
den  Sarg  in  eine  Kapelle  und  holt  auf  den  Rat  des  Mönches  von 
der  Zauberin  einen  jene  belebenden  Goldring).  —  Kafferisch: 
Junod,  Ba-Ronga  p.  320  (angehängt  an  eine  Variante  zu  Grimm 
133;  oben  S.  84). 


220.   Fürchten  lernen. 

Et  was  mol  enen  Jungen,  de  wnll  upt  Graelen  reisen.  Do  seg 
he  to  sin  Moder:  'Giff  mi  en  Buelken  met  Appeln!'  —  'Dat  will  ick  dohn, 
dat  will  ick  dohn.'  Da  gonk  de  Junge  wnll  dör  den  Wold,  he  kam  vor 
son  graut Hues:  Klink,  klink,  klink,  klink.  'Well  is  der  vor?'  —  'Ick  sin 
en  Jungen,  de  wull  upt  Graelen  reisen.'  —  'Dünn  kämm  men  hier!  Wi 
hebt  en  Timmer,  do  spöckt  et  up'.  —  'Dat  döt  em  nich,  dat  döt  em 
nich!  Giffet  mi  en  Pötken  met  "Water,  dat'k  Appelsoppe  koken  kann!' 
—  Un  as  he  de  Soppe  f erdig  hadde,  un  as  de  Klocke  twerlwe  schlog,  do 
gonk  de  Döhr  up  emoel  los,  da  keimen  twö  Kerls  herinn,  de  hadd'n  Sark 
up'n  Nacken  un  en  dauden  Kerl  derinn.  Se  settet  en  dornen.  'Ick  will 
di  lück  von  mine  Soppe  giewen;  un  löst  du  et  mi  ut  et  Muhl  laupen, 
dann  giewe  ick  die  en  vör't  Muhl'.  Nu  giff  he  em  wier  en  Liepel  vull, 
dat  löt  he  ut  et  Muhl  laupen.  Klaps,  giff  he  em  een  upt  Muhl.  Da 
richtet  sick  de  Daude  up  in  't  Sark  un  seg  to  den  Jungen :  'Krieg  du  de 
Schute  (Schaufel)  ut  dat  Sark!'  —  'Dat  doh  du  sölwen!'  Da  nam  de  daude 
Kerl  de  Schute  up'n  Nacken:    'Nu  folge  mi   un  grafe  mi  en  Lock!'    — 


538  221.    Sankt  Peters  Mutter. 

'Dat  doh  da  sölwer!'  Un  de  Daude  gröff  en  Lock,  do  seg  he  to  de 
Jungen:  'Treck  de  drey  Pötte  met  Geld  herut!'  —  'Dat  doh.  du  sölwer!' 
He  trock  drey  Pötte  met  Geld  herut:  'Eenen  is  vor  dy,  enen  vor  de 
Lüde  in  Huse,  enen  vor  de  armen  Lüde'.  Un  do  verschwant  dat  Geist. 
Da  nam  de  Junge  den  Pott  met  Geld  un  gonk  wier  to  sine  Moder;  'Do, 
Moder,  hebbe  ji  en  Pott  mit  Geld;  dat  is  von't  Gruelen  reisen.'  —  'Reise 
morgen  du  men  wier  upt  Gruelen!'  —  'Je,  et  is  alle  Dage  kene  Kenniß.' 

Dat  un  dat  is  ute, 

Nu  will  wi  es  no  Mickschen  [Marie]  gohn, 

Dat  heff  sone  schewe  Schnute. 

Aus  dem  Münsterland  um  1815  durch  die  Familie  v.  Haxt- 
hausen  erhalten.  Gedruckt  1917  in  der  Zs.  f.  Volksk.  27,  52.  — 
Das  Märchen  gehört  zu  unsrer  nr.  4  'Von  einem,  der  auszog,  das 
Fürchten  zu  lernen  (oben  1,  22). 


221.    Sankt  Peters  Mutter. 

Als  Petrus  im  Himmel  ankam  und  sah,  daß  seine  Mutter  noch  im 
Fegefeuer  war,  ward  er  sehr  betrübt  und  bat:  'Lieber  Herr,  erlaube  mir, 
daß  ich  meine  Mutter  aus  dem  Fegefeuer  erlöse!'  Seine  Bitte  ward  ihm 
gewährt.  Als  nun  Petrus  mit  seiner  Mutter  sich  aus  dem  Fegefeuer 
erhob,  um  gen  Himmel  zu  fahren,  da  hatten  sich  viel  arme  Seelen  an 
seiner  Mutter  Bock  gehängt  und  hofften  mit  herauszukommen.  Die  aber 
war  neidisch  und  schüttelte  sich,  daß  alle  wieder  herabfielen.  Petrus 
aber  erkannte  daraus  das  böse  Herz  seiner  Mutter  und  ließ  auch  sie 
wieder  los.  Da  fuhr  sie  wieder  hinab  ins  Fegefeuer,  wo  sie  noch  wohl 
sein  mag,  wenn  sie  sich  nicht  gebessert  hat. 

Aus  dem  Münsterland  um  1815  durch  die  Familie  v.  Haxt- 
hausen  erhalten.     Gedruckt  1917  in  der  Zs.  f.  Volksk.  27,  53. 

Aus  Schlesien  bei  Philo  vom  Walde  1883  S.  89  'Die  Mutter 
des  hl.  Petrus'.  Aus  dem  Böhm  er  wal  d:  Zs.  f.  Volkskunde  17, 100  'Die 
Mutter  des  hl.  Martin'.  Aus  der  deutschen  Sprachinsel  L  u  s  e  r  n  in  Nord- 
italien bei  Bacher,  Lusern  1905  S.  82  'Die  Mutter  von  St.  Peter'. 
—  Schwedisch:  Selma  Lagerlöf,  Kristuslegender,  3.  uppl.  1906 
p.  185  =  Christuslegenden  1904  S.  199  'Unser  Herr  und  der  hl. 
Petrus'  (Lud  14,  166).  —  Italienisch  aus  Wälschtirol :  Schneller 
1867    S.  7    nr.  4    'Die  Mutter    des    hl.  Petrus'.      Aus  Friaul:  Oster- 


221.    Sankt  Peters  Mutter.  B39 

mann,  Proverbi  friulani  1876  p.  216.  Mailly  nr.  180.  Aus  Veglia: 
Arehivio  20,  297  nr.  14.  Aus  Corsica:  Ortoli  p.  235  'La  mere  de 
St.  Pierre'.  Aus  Venedig:  Bernoni,  Leggende  nr.  8  'De  la  mare  de 
San  Petro,  che  la  vien  fora  da  l'inferno  oto  giorni  ogni  ano.'  Aus 
Verona:  Balladoro,  Folklore  veronese  1900  nr.  36  'La  mare  de  san 
Piero'.  AusBrescia:  Eivista  delle  trad.  pop.  ital.  1,  856.  *Mazucchi, 
Tradizioni  dell'alto  Polesine  1898  'La  madre  di  S.  Pietro'.  Pitre, 
Novelle  pop.  tose.  nr.  26  'La  mamma  di  san  Pietro'.  Gradi,  Proverbi 
p.  23  und  Saggio  di  letture  varie  p.  52.  Pico  Luri  di  Vassano  (L. 
Passarini),  Modi  di  dire  proverbiali  1874  p.  219  nr.  452.  Bagli, 
Novelle  in  dialetto  romagnolo  1887  p.  22  'La  mamma  di  S.  Pietro' 
(Atti  della  Deputazione  di  storia  patria  per  le  prov.  di  Eomagna 
3.  serie,  5).  Aus  Benevent :  Corazzini  p.  472.  *GL  de  Giacomo,  11 
popolo  di  Calabria  1,  119  nr.  41.  Aus  Sicilien:  Pitre,  Saggio  di 
fiabe  nr.  2;  Studio  critico  sui  canti  pop.  1868  p.  39;  Fiabe  pop. 
sie.  3,  65  nr.  126  'Lu  porru  di  S.  Petru'  =  Crane  p.  192,  vgl. 
p.  362  =  Monnier  p.  31.  *Mamo,  Li  eunticeddi  di  me  nanna  1881 
nr.  12.  Aus  Sardinien :  Arehivio  15,  403  'Di  donna  Bisöra'1)  und 
21,  152.  —  Portugiesisch:  Braga  nr.  120  'Lenda  da  mäe  de  sam 
Pedro'.  —  Griechisch:  Tommaseo  bei  Gradi.  —  Rumänisch: 
Miklosich,  Wandrungen  der  Eumunen  1879  S.  9  (Denkschriften  der 
Wiener  Akademie,  phil.  histor.  Cl.  30).  —  Slo venisch:  Strekelj, 
Volkslieder  1,  444  nr.  413—414.  Ebd.  1,  448  nr.  419  holt  der  hl. 
Thomas  Vater,  Bruder  und  Schwester  glücklich  aus  der  Hölle,  wirft 
aber  die  Mutter  zurück,  weil  sie  nach  dem  Branntwein  verlangt. 
Zwei  weißkrainische  Lieder  bei  Saselj  S.  56  nr.  17a — b.  —  Serbo- 
kroatisch: Ein  Volkslied  aus  Kroatien  bei  Strekelj  1,  443  nr.  412; 
aus  Istrien  in  Hrvat.  nar.  pjesme  Mat.  Hrvat.  1,  41  nr.  22;  aus 
Dalmatien  ebd.  1,  39  nr.  21;  andre  Fassungen  ebd.  1,  506 — 508. 
Ein  Lied  aus  dem  östlichen  Serbien  bei  Vuk  Stef.  Karadzic,  Srpske 
nar.  pjesme  1891  1,  138  nr.  208  =  Kapper,  Gesänge  der  Serben 
1852  2,  350  'Sanct  Peters  eigne  Mutter'.  Fragmentarisch  vom  Amsel- 
felde bei  Jastrebov,  Obycaji  S.  123.  Eine  montenegrinische  Prosa- 
legende bei  Rovinskij,  Cernogorija  2,  2,  496.  Andre  Volkslieder  aus 
Istrien  in  Nasa  Sloga  Abt.  6,  6  nr.  4;  ebd.  S.  5,  nr.  3  wird  Petrus' 
Vater  nicht  ins  Paradies  eingelassen.     Aus  Westungarn  bei  Kurelac 


x)  Hier  und  in  einer  andern  sardischen  Legende    (Arehivio   21,   66 
nr.  6)    tritt  S.  Peters  Mutter   sogar  als  Hexe  Jesus    feindlich    entgegen. 


540  221.    Sankt  Peters  Mutter. 

S.  130  nr.  488.  —  Bulgarisch:  Colakov  S.  341  nr.  90.  Aus  West- 
bulgarien im  Sbornik  rnin.  4,  130  nr.  2  =  Sapkarev  8 — 9,  388 
nr.  238  (Mutter  des  verstorbenen  Kindes).  Aus  Etropol  ebd.  4,  129 
nr.  3  (der  Engel  zieht  die  Frau  am  Zwiebelstengel  empor).  Volks- 
lied aus  Mazedonien  bei  Struga  Miladinovci  S.  47  nr.  44  (deutsch 
bei  Kosen,  Bulgarische  Volksdichtungen  1879  S.  150j;  aus  Prilep 
ebd.  S.  49  nr.  45  (Rosen  S.  146) ;  ferner  S.  50  nr.  46  und  aus 
Sofia  S.  56  nr.  49.  Ilies  S.  104  nr.  75  (Mutter  abgewiesen).  — 
Cechisch:  in  einem  Volksliede  aus  Mähren  bei  Susil  S.  2  nr.  2 
hört  König  David  von  Maria,  daß  seine  Mutter  in  der  Hölle  sitze, 
und  befreit  sie  durch  sein  Geigenspiel,  womit  er  den  Teufel  über- 
windet. —  Polnisch  aus  Posen:  Kolberg  15,  172.  Aus  dem  Gouv. 
Lublin :  Kolberg  17,  207  nr.  20.  Aus  dem  Gouv.  Plock :  Chelchowski 
2,  92  nr.  75  (Petrus  zieht  seine  Mutter  dreimal  am  Zwiebelstengel 
aus  der  Hölle).  Aus  dem  Bez.  Wieliczka:  Mater,  antropol.  4, 
192.  Kalendarz  Lubelski  na  rok  1893:  'Petri  Mutter'  (s.  Wisla 
7,  624).  —  Kaschubisch:  Lorentz,  Teksty  S.  137  nr.  186. 
—  Kleinrussisch  aus  Galizien:  Etnograf.  Zbirnyk  13,  101 
nr.  287.  13,  254  nr.  434  (Gott  zieht  eine  sündige  Seele  an 
einem  Knoblauchstengel  empor).  Lud  9,  69  nr.  4.  Aus  Südungarn: 
Etnogr.  Zb.  30,  85  nr.  41  (Maria  zieht  die  Frau  an  den  Blättern 
von  der  Tochter  Gebetbuch  empor).  Volkslied  von  St.  Peters 
Mutter  bei  Holovackyj  2,  45.  Aus  der  Ukraine:  Kulis,  Zapiski  1, 
307  (Seher  Onysym).  Aus  dem  Gouv.  Charkov:  Etnograf.  Obozr. 
13 — 14,  85  =  Sumcov  1893  S.  4  (Bettler  zieht  sie  an  der  ihm  ge- 
schenkten Zwiebel  empor).  Etnogr.  Obozr.  18,  106  (Salomos  Mutter, 
Zwiebelstengel).  Gouv.  Minsk:  Karskij,  Mater,  severnomalorus. 
2,  49  (Mutter  eines  armen  Mannes).  Gouv.  Sedlec-Lublin :  Zivaja 
Star.  12,  464  (Vater,  der  kein  Vaterunser  gebetet  hat,  sinkt 
in  die  Hölle).  —  Weißrussisch:  Karlowicz  S.  45  nr.  30a  (fremde 
Frau).  Gouv.  Minsk:  Sejn  2,  363  nr.  212  wie  bei  Karlowicz  nr.  30b 
(ungenannter  Sohn).  Federowski  3,  274  nr.  540  (Gott,  Zwiebel- 
stengel).  Romanov  4,  32  nr.  27  ('Bruder  Christi';  Strick  aus  Hanf 
und  Spreu  reißt,  als  die  Mutter  schilt).  4,  188,  nr.  47  (Haarbüschel 
bleibt  in  der  Hand  des  Sohnes).  —  Großrussisch  nach  einer  Hs. 
des  17.  Jahrh.  in  Pamjatniki  star.  rus.  literatury  1,  99 — 102  (der 
Sohn  einer  Sünderin  betet  um  ihre  Erlösung  aus  der  Hölle,  packt 
sie  an  den  Haaren  und  wirft  sie  aus  dem  Pfuhl  zur  linken  in  das 
klare    Wasser    zur    rechten).      Dagegen    gehört    das    Lied    von    der 


221.    Sankt  Peters  Mutter.  541 

sündigen  Mutter  bei  Kirejevskij,  Russkije  nar.  stichi  (Moskauer 
Ctenija  3,  9,  212)  nicht  zu  unsrer  Legende,  sondern  ist  durch,  das 
Speculum  Magnum  veranlaßt;  vgl.  Wladimirov,  Velikoje  zercalo  1884 
und  Karnejev,  Das  Lied  von  dem  barmherzigen  Weibe  (£urn.  min. 
nar.  prosv.  1892  6,  225).  Dostojevskij,  Brüder  Karamasov  3,  cap.  7, 
3  legt  die  Legende  dem  Freudenmädchen  Gruschenka  in  den  Mund 
(Engel,  Weib,  Zwiebelstengel).  Afanasjev,  Nar.  rus.  legendy  S.  30 
nr.  8  (Bruder  Christi,  Strick  aus  Flachshede).  In  einem  Märchen 
aus  dem  Terekgebiete  am  Kaukasus  (Sbornik  Kavkaz.  15,  2,  135 
nr.  16)  fällt  die  alte  Frau  des  an  der  Erbsenranke  zum  Himmel 
kletternden  Greises  von  seinem  Rücken  herab ;  er  läßt  sich  an  einem 
aus  seinen  Almosen  zusammengesetzten  Stricke  zu  ihr  hinunter,  aber 
der  Strick  trägt  keine  sündigen  Menschen.  Aus  dem  Gouv.  Moskau: 
Ziv.  Starina  16,  5,  15  (die  geizige  Schwieger  nagt  im  Jenseits  an 
dem  Kraute,  das  sie  einst  einem  Bettler  geschenkt).  —  Lettisch 
aus  Kurland :  Treuland  S.  276  nr.  135  (der  Geist  der  Schwieger,  die 
nur  einmal  einem  Bettler  zwei  Rädchen  aus  Baumrinde  geschenkt, 
wünscht  sich  Essen  von  jenem  Tische).  —  In  einer  tscheremissi- 
schen  Sage  (Znamenskij  1867  in  Vestnik  Jevropy  12,  62),  die  N. 
Th.  Sumcow,  Die  Legende  von  der  sündigen  Mutter  (Kiew  1893 
S.  71 ;  aus  Kievskaja  starina  1893)  und  Alex.  N.  Veselovskij,  Razy- 
skanija  v  oblasti  rus.  duchov.  sticha  5,  153  (1889)  erwähnen,  ver- 
sucht ein  Mann  den  andern  an  einer  Zwiebel  aus  der  Hölle  zu 
ziehen.  In  einer  mongolischen  bei  G.  Potanin,  Ocerki  severo- 
zapadnoj  Mongolii  2,  Anmerkgen  S.  36  25  soll  der  gottlose  Reiche 
von  der  Erde  verschlungen  werden,  aber  das  Büschel  Pferdehaare, 
das  er  Moses  geschenkt,  hält  ihn  mitten  zwischen  Erdoberfläche  und 
Hölle  fest. 

In  einem  Aufsatze  über  St.  Petrus  den  Himmelspförtner  ver- 
gleicht R.  Köhler  (Aufsätze  über  Märchen  1894  S.  48)  ein  deutsches 
Gedicht  des  15.  Jahrh.  (Mones  Anzeiger  1836,  192.  Germania  33, 
270),  in  welchem  Petrus  einen  Holzhauer,  der  wohl  fleißig  ge- 
arbeitet, aber  sonst  nichts  Gutes  getan  hat,  auf  seine  Bitte  an  seinem 
Schlägel  in  den  Himmel  zu  ziehen  versucht.  Als  sie  aber  zur 
obersten  Staffel  kommen,  fällt  der  Stiel,  an  dem  der  Mann  sich 
festhält,  aus  dem  Schlägel,  und  er  stürzt  hinab  zur  Hölle.  Auch 
ein  niedersächsischer  Schwank  bei  Schambach-Müller  S.  322  Wes- 
halb die  Pfarrer  keine  Perücken  mehr  tragen'  gehört  hierher :  Petrus 
will  einen  Pfarrer  in  den  Himmel   hinaufholen    und    faßt    ihn    bei 


542  222.  Warum  die  Hunde  den  Katzen  feind  sind. 

den  Haaren;    aber    da    behält    er    die  Perücke    des  Pfarrers    in  der 
Hand,  und  dieser  fällt  hinunter. 

Die  Legende  weiß  von  St.  Peters  Frau  Perpetua  und  seiner 
Tochter  Petronilla  nicht  viel  zu  berichten;  doch  die  Volkssage  hat 
sich  auch  mit  diesen  beschäftigt.  Seine  Gattin  Petrona  führt 
Hayneccius  1562  in  seiner  Komödie  'Hans  Pfriem'  (oben  S.  301)  vor; 
drei  Töchter  von  tierischer  Beschaffenheit  schildert  ein  dänisches 
Märchen  (Zs.  f.  Volkskunde  11,  252.  19,  314);  von  seinen  Schwestern 
reden  italienische  Märchen  bei  Schneller  nr.  3,  Pitre,  Fiabe  e  leggende 
nr.  46,  Archivio  22,  222  und  ein  englischer  Nachtsegen  bei  Chaucer 
(Canterbury  Tales,  The  milleres  tale  v.  300;  Academy  18,  64.  156. 
1880). 


222.  Warum  die  Hunde  den  Katzen  und  die 
Katzen  den  Mäusen  feind  sind. 

Ein  Hund  hatte  viele  Jahre  lang  dem  Löwen  getreulich  gedient; 
deshalb  dachte  der  König  im  Tierreiche  seinen  ehrlichen  Diener  mit 
Ehren  zu  belohnen,  sagte  daher  eines  Tages  zu  ihm:  'Höre,  du  sollst 
fürderhin  unter  meinen  Edelleuten  sein'.  Und  er  gab  ihm  einen  Adels- 
brief von  Pergament,  zierlich  geschrieben  und  mit  Gold  verbrämt. 

Hierüber  freute  sich  der  treue  Hund  erstaunlich  und  ging  zur 
Katze,  mit  der  er  im  vertraulichsten  Umgange  lebte,  und  sagte  zu  ihr: 
'Frau  Gevatterin,  der  König  hat  mich  zu  hohen  Ehren  erhoben  und  mir 
darüber  einen  Brief  gegeben  von  Pergament,  gar  zierlich  geschrieben 
und  mit  Gold  verbrämt.  Wollt  Ihr  wohl  so  gut  sein  und  mir  diesen 
Brief  aufheben  und  dann  und  wann  nachsehen,  damit  er  nicht  verderbe 
und  nicht  gestohlen  werde,  bis  ich  einmal  wiederkommen  werde,  ihn 
abzuholen?'  Die  Katze  versprach  dies  zu  tun  und  versteckte  den  Brief 
auf  einem  hohen  Eichbaum  in  ein  Loch,  wo  er  recht  gut  verborgen  zu 
sein  schien.  Auch  schaute  sie  dem  Gevatter  Hund  zuliebe  anfangs 
fleißig  nach,  ob  das  Pergament  nicht  vom  Regen  verdorben  sei;  endlich 
aber  dachte  sie  nicht  mehr  daran  und  ließ  Pergament  Pergament  sein. 
Und  in  dieser  Zeit  entdeckte  es  ein  hungriges  Mäuslein  und  nagte  all- 
täglich vom  Briefe,  bis  er  endlich  zerfetzt  und  zerlumpt  war. 

Da  kam  der  Hund  zur  Katze  und  wollte  sein  Pergament  haben, 
weil  er  es  zum  Turnier  am  Königshofe  mitbringen  mußte.     Da  entdeckte 


223.    Warum  die  Hunde  einander  beriechen.  B43 

diese  das  Unglück,  das  die  Maus  im  hohlen  Baume  angerichtet  hatte. 
Darüber  erbost  schwor  die  Katze  der  Maus  und  der  Hund  der  Katze 
ewige  Feindschaft,  und  seit  der  Zeit  können  sie  sich  einander  nicht 
mehr  ausstehen. 


223.   Warum  die  Hunde  einander  beriechen. 

Bei  einer  Mahlzeit  des  Löwen,  zu  der  die  meisten  Tiere  eingeladen 
waren,  bemerkte  man,  daß  es  an  Pfeffer  fehle.  Sogleich  rief  der  Löwe 
einem  Hunde,  der  mit  an  der  großen  Tafel  saß,  und  sagte  ihm,  er  solle 
nur  recht  geschwind  in  die  nächste  Stadt  laufen  und  einen  Pfeffer  holen. 
Der  Hund,  der  knurrte  und  war  sehr  verdrießlich,  daß  er  so  manchen 
köstlichen  Bissen,  den  er  schon  mit  seinen  Augen  verschlungen  hatte, 
zurücklassen  mußte;  doch  ging  er  fort,  weil  er  sonst  Prügel  empfangen 
hätte.  Aber  statt  den  Pfeffer  zu  bringen,  spielte  er  den  Schabernack 
und  lief  mit  dem  Pfeffer  davon. 

Man  wartete  eine  Stande  und  noch  eine  Stunde;  wer  aber  nicht 
kam,  das  war  der  Hund.  Das  machte  den  Löwen  böse,  und  er  schickte 
die  übrigen  Hunde  aus,  daß  sie  den  Hund  mit  dem  Pfeffer  suchten;  und 
wo  sie  ihn  fänden,  da  sollten  sie  ihn  in  Stücke  zerreißen;  und  so  lange 
sie  den  Hund  mit  dem  Pfeffer  nicht  finden  und  sich  an  ihm  rächen 
würden,  so  lange  sollten  sie  an  der  Königstafel  statt  des  Fleisches  nur 
die  Knochen  bekommen.  Seit  der  Zeit  beschnüffeln  sich  einander  die 
Hunde,  um  den  Hund  mit  dem  Pfeffer  ausfindig  zu  machen;  sie  haben 
ihn  aber  noch  nicht  gefunden. 

Die  beiden  voraufgehenden,  inhaltlich  verwandten  Erzählungen 
sind  vor  1819  in  Bayern  aufgezeichnet.  Sie  stehen  auf  einem 
Doppelblatte  zusammen  mit  nr.  152  und  den  oben  2,  96  und  108  an- 
geführten Fassungen  von  nr.  72  und  73.  Wir  vermuten  in  dem  Ein- 
sender den  Münchner  Kadettenhausprofessor  Ludwig  Aurbacher 
(1784 — 1847),  aus  dessen  'Büchlein  für  die  Jugend'  W.  Grimm  später 
seine  nr.  184  entnahm.  Denn  in  Aurbachers  1827  erschienenem 
'Volksbüchlein'  (1879  1,  62)  kehrt  unter  dem  Titel  'Ei  so  beiß'  die 
auf  demselben  Blatte  stehende  Geschichte  von  der  Maus  in  der 
Schüssel  oder  der  neuen  Eva1)  fast  wörtlich  genau  wieder. 

l)  Vgl.  über  diesen  Stoff  Oesterley  zu  Pauli  nr.  398  und  R.  Köhler, 
Kl.  Sehr.  3,  13;  ferner  Warnke,  Quellen  der  Marie  de  France  1900  S.  42. 
Klapper,   Erzählungen    des  MA.  1914   nr.  1B4.    Wesselski,    Mönchslatein 


544  223.    Warum  die  Hunde  einander  beriechen. 

Den  Widerwillen  der  Hunde  gegen  die  Katzen  be- 
gründet schon  eine  Reimfabel  des  14.  bis  15.  Jahrh.  'Von  der  katzen 
und  von  dem  hunde'  (Alemannia  34,  118)  durch  einen  Zank,  den  ein 
Hund  und  eine  Katze,  die  gemeinsam  zu  einer  Hochzeit  zogen,  dort 
um  die  guten  Bissen  anhüben.  Im  Ackermann  aus  Böhmen  cap.  6 
heißt  es:  'Ein  katz  krellet  einen  hunt,  der  do  slafen  wollt,  immer 
muß  sie  des  hundes  veintschaft  tragen.'  Wieder  andre  Ableitungen 
ihrer  Feindschaft  begegnen  uns  im  rheinischen  Märchen  (Zs.  f.  dt. 
Myth.  1,  224  =  Birlinger,  Nimm  mich  mit  S.  238),  bei  Veckenstedt, 
Zamaiten  2,  175,  Lademann,  Suaheli  S.  117  (s.  Dähnhardt  4,  142  f. 
301),  Wilhelm,  Chinesische  M.  nr.  14  (Wiedergewinnung  des 
Zauberringes  wie  oben  2,  453).  Am  meisten  Verbreitung  jedoch  er- 
langte die  Erzählung  von  dem  durch  die  Nachlässigkeit  der  Katzen 
verlorenen  Privileg  der  Hunde,1)  die  uns  zuerst  in  einem 
cechischen  Werke  des  15.  Jahrh.  entgegentritt.  Der  mährische 
Landeshauptmann  Ctibor  To vacovsky  von  Cimburk  legt  in  seinem 
1467  abgefaßten  und  dem  Könige  Georg  Podiebrad  gewidmeten 
'Streit  der  Wahrheit  und  der  Lüge'2)  dem  Geize  folgende  Fabel  in 
den  Mund: 

Die  Bauern,  die  mit  den  Wölfen  einen  gütlichen  Vergleich  schließen 
wollten,  besprachen  mit  ihnen  die  beiderseitigen  Bedingungen.  Zuletzt 
bestimmten  sie,  daß  ihre  Helfer,  die  Hunde,  alles  verzehren  dürften,  was 

S.  165.  244.  Hervieux  4,  408  nr.  8.  Das  Buch  ohne  Nahmen 
(c.  1700)  nr.  989.  Harten-Henniger  2,  21.  Wossidlo,  Reuter  S.  200. 
Veckenstedts  Zs.  f.  Vk.  4,  26  —  Dähnhardt,  Schwanke  S.  133  nr.  66.  Zaunert 
S.  95.  Schweizer.  Archiv  6,  197.  Arcbiv  f.  n.  Spr.  117,  83.  Aberg  nr.  260. 
Berge,  Norske  folkeev.  1914  S.  46.  Braset  2,  231.  Sebillot,  FL.'de  France 
3,  215,  Auvergne  p.  43  und  La  Bretagne  enchantee  1900  nr.  19.  Luzel, 
Annuaire  des  trad.  pop.  3, 1.  Archivio  21,  367.  Busk,  Folklore  of  Rome 
p.  341.  Cechisch  aus  Böhmen  in  der  hsl.  Sammlung  von  Fr.  Homolka 
nr.  17;  aus  Mähren  bei  Mensik,  Jemnic.  S.  197  nr.  62.  Polnisch:  Brückner, 
Literatura  religijna  1,  98  (Zwischenspiele  des  17.— 18.  Jahrh.);  Mater, 
antropol.  10,  241  nr.  17.  Kleinrussisch:  Bessaraba  S.  46  nr.  9  (Herr  und 
Bauer).  Großrussisch:  Sbornik  Kavkaz.  32,  99  nr.  12  (Bauer  und  Herr, 
Maus  in  der  Schüssel).  Bulgarisch  aus  Mazedonien :  Sbornik  min.  16 — 17, 
Mater.  S.  305,  Anm. 

x)  Vgl.  darüber  A.  v.  Löwis  of  Menar,  Die  Feindschaft  zwischen 
Hund  und  Katze,  Katze  und  Maus  und  warum  die  Hunde  einander 
beschnüffeln  (Dähnhardt,'  Natursagen  4,  103—160.    290-302). 

a)  Gedruckt  1539,  Bl.  34a;  vgl.  Tobolka,  Öasopis  vlasteneckeho 
muzejniho  spolku  v  Olomouci  11,  149  (1894).  Verdeutscht^von  G.  Polivka, 
Zs.  f.  Volkskunde  21,  167  =  Dähnhardt  4,  104. 


223.    Warum  die  Hunde  einander  beriechen.  645 

vom  Festmahle  der  Wölfe  übrig  bliebe.  Und  als  sie  alle  Punkte  ver- 
abredet hatten,  setzten  sie  einen  schriftlichen  Vertrag  auf  und  gelobten 
ihn  zu  halten.  Und  sie  bedachten,  wem  sie  diesen  Vertrag  anvertrauen 
könnten  und  sollten;  nachdem  sie  viele  treue  Freunde  gesucht  hatten, 
konnten  sie  keinen  so  trefflichen  finden  als  die  Katze;  denn  diese  sieht 
bei  Tag  und  bei  Nacht.  Ihr  vertrauten  sie  nun  den  Schatz  an,  damit 
sie  ihn  treu  bewahre  und  jeder  Partei  übet  gebe,  falls  es  nottäte.  Als  die 
Katze  die  Urkunde  übernahm,  versprach  sie,  diese  vor  Schaden  zu  be- 
wahren und  zu  behüten,  und  legte  sie  in  einen  geheimen  Winkel,  wohin 
die  Leute  nicht  kamen,  und  hoffte,  daß  sie  nun  sicher  sei.  Aber  die 
naseweise  Maus,  die  alles  durchstöberte  und  in  allen  Winkeln  herum- 
schnupperte, kam  dahin,  erblickte  das  Schriftstück  in  einer  Bitze,  und 
wie  sie  es  lesen  wollte,  da  waren  die  Blätter  mit  dem  Siegel  zusammen- 
geklebt; weil  sie  nun  die  Schrift  nicht  sehen  konnte,  begann  sie  zu 
na^en,  um  hineinzugelangen  und  den  Vertrag  durchzulesen.  Lange  Zeit 
danach  wurden  die  Bauern  [von  den  Wölfen]  geschädigt.  Die  Hunde 
stellten  sich  krank  und  wollten  ihnen  nicht  gegen  die  Wölfe  helfen.  Als 
die  Bauern  das  merkten,  jagten  sie  die  Hunde  fort  und  gaben  ihnen 
nicht  zu  fressen.  Da  schlugen  die  hungrigen  Hunde  auf  die  Wölfe  los 
und  vertrieben  sie.  Als  die  Wölfe  sich  wieder  sammelten,  sprachen  sie: 
'Seht,  ihrer  sind  viele,  aber  von  verschiedener  Farbe,  die  einen  rot,  die 
andern  weiß,  die  dritten  schwarz  und  die  vierten  bunt,  und  wir  sind  alle 
grau.  Darum  wollen  wir  sie  im  Vertrauen  auf  unser  Pecht  und  auf 
Gottes  Beistand  angreifen.'  Und  sie  erwürgten  viele  Hunde.  Als  die 
Hunde  geschlagen  wurden  und  viele  Verluste  hatten,  bereuten  sie  ihre 
Tat,  schickten  zu  den  Wölfen  und  mahnten  sie  an  ihren  Vertrag.  Die 
Wölfe  verlangten,  daß  der  Vertrag  vorgelegt  und  verlesen  werde.  Da 
baten  die  Hunde  die  Katze,  ihn  herbeizubringen.  Weil  aber  die  Katze 
nicht  wußte,  was  die  Maus  getan,  brachte  sie  die  verdorbenen  und 
geradezu  ausgerissenen  Blätter.  Als  die  Wölfe  dies  sahen,  rotteten  sie 
sich  zusammen  und  zerrissen  die  Hunde,  so  daß  nur  wenige  übrig  blieben, 
die  nach  Hause  flohen.  Aus  diesem  Grunde  ist  der  Hund  der  Katze 
feind,  und  die  Katze  der  Maus;  und  die  arme  Maus  kriecht  aus  Furcht 
vor  der  Katze  in  die  Winkel  und  kritzelt,  kritzelt,  als  ob  sie  die  Blätter 
wieder  aufschreiben  wollte. 

Hier  ist  also  das  kostbare  Dokument  ein  Vertrag  zwischen  den 
Hunden  und  den  Wölfen,  der  den  Hunden  einen  Anteil  an  der 
Mahlzeit  der  Wölfe  zusichert  (A1).  Als  nun  die  Hunde  ihren  neuen 
Bundesgenossen  zuliebe  die  Herden  der  Bauern  nicht  mehr  bewachen, 
werden  sie  von  ihren  Herren  durch  Entziehung  der  Nahrung  ge- 
zwungen, in  den  Kampf  gegen  die  Wölfe  zu  ziehen,  unterliegen 
jedoch  schmählich  (B),  zumal  da  der  einer  Katze  zur  Aufbewahrung 

Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III.  35 


646  228.    "Warum  die  Hunde  einander  beriechen. 

übergebene  Vertrag,  auf  den  sie  sich  berufen,  inzwischen  von  einer 
Maus  zernagt  und  ungiltig  geworden  ist  (C).  Daraus  leitet  sich  die 
dauernde  Feindschaft  der  Hunde  mit  den  Katzen  (D1)  und  der  Katzen 
mit  den  Mäusen  (D2)  her.  Die  Erzählung  findet  sich  nicht  in  der 
voraufgehenden  Fabelliteratur  des  Mittelalters;  daß  sie  gleichwohl 
teilweise  bis  ins  griechische  Altertum  zurückreicht,  geht  aus  der 
eigentümlichen  Überlegung  hervor,  mit  der  die  Wölfe  ihre  Sieges- 
zuversicht begründen:  'Die  Hunde  sind  von  verschiedenen  Farben, 
wir  aber  sind  alle  gleichmäßig  grau.'  Das  ist  nichts  anders  als  die 
Umkehrung  der  Rede  des  achäischen  Hundes  in  der  85.  Fabel  des 
Babrios,  die  in  einem  Kriege  zwischen  Hunden  und  Wölfen  den 
hohen  Wert  gleichartiger  Abstammung  und  Gesinnung  darlegen 
will.1)     Als  die  Hunde   zur  Schlacht    drängen,    zaudert    ihr  Anführer 

und  spricht: 

'Höret, 

Weshalb  ich  immer  im  Versteck  die  Schlacht  meide 

Und  auf  der  Hut  bin!     Stets  muß  man  sich  vorsehen. 

Nun  seh  ich,  daß  die  Feinde  von  Geschlecht  alle 

Dieselben  sind;  die  Unsern  aber  teils  Kreta, 

Teils  der  Molosser  und  Akarnaner  Flur  sandte, 

Von  Dolopern,  Thrakern,  Kypriern  andre  herstammen 

Und  andre  noch  von  anderswo.    Daß  ichs  kurz  sage, 

Selbst  nicht  von  einer  Farbe  sind  wir  gleich  jenen. 

Schwarz  sind  die  einen,  doch  die  andern  aschfarben, 

Hellrot  sind  manche  und  am  Halse  weißscheckig, 

Schneeweiß  noch  andre.     Wie  nun  könnt  ich  anführen 

Zum  Kriege  sie,  die  gar  nicht  übereinstimmen, 

Mit  denen,  die  in  allen  Stücken  gleichartig?' 

Da    nur    eine   griechische    Prosafassung    dieser    Fabel    (Halm, 

Fabulae    Aesopicae    nr.    267),    aber    keine    lateinische    Übersetzung 

existiert,  scheint  der  Zug    durch  byzantinische  Vermittlung2),    wenn 

auch  auf  Umwegen,  zu  den  Westslawen  gedrungen  zu  sein. 


l)  Während  0.  Keller  (4.  Suppl.  der  Jahrbücher  f.  klass.  Phil. 
S.  388.  1862),  dem  Dähnhardt  4,  290  folgt,  hierin  eine  Anspielung  auf 
die  Ohnmacht  des  achäischen  Bundes  sah,  erblickt  O.  Crusius  (Leipziger 
Studien  zur  class.  Philologie  2,  148.  1879)  mit  mehr  Recht  darin  eine 
Parodie  der  zuversichtlichen  Ansprache  Agamemnons  an  das  Griechen- 
heer (Rias  2,  369). 

*)  Vgl.  Krumbacher,  Geschichte  der  byzantin.  Literatur1  S.  877 
über  die  von  Wagner,  Carmina  graeca  medii  aevi  1874  p.  141  heraus- 
gegebene 'Kindergeschichte  von  den  Vierfüßlern'. 


223.    Warum  die  Hunde  einander  beriechen.  547 

In  Deutschland  wurde  unser  Märchen  während  des  16.  Jahrh. 
durch  verschiedene  Bilderbogen  verbreitet,  wie  Fischart  und  Ayrer 
bezeugen.  Jener  sagt  1573  irn  Epilog  der  'Flöhhaz'  (Werke  ed. 
Hauffen  1,  28.  Zs.  f.  Volksk.  17,  425): 

Wer  sieht  nicht,  was  für  seltzam  streit 
Unser  Brieffmaler  malen  heut, 
Da  sie  führen  zu  Feld  die  Katzen 
Wider  die  Hund,  Mäuß  und  die  Ratzen? 

Und  in  Ayrers  Fastnachtspiel  von  Meister  Simon  (4,  2367,  34  ed. 
Keller)  erzählt  der  Maler  Bruno : 

Die  weil  man  uns  angedingt  hat 
Zu  mahln  die  Menß  mit  den  Ratzen, 
Die  ein  Krieg  führn  mit  den  Katzen; 
Das  soll  ich  mahlen  auff  ein  Tuch. 

Erhalten  ist  nur  ein  Holzschnitt  des  von  1531  bis  1543  tätigen 
Nürnberger  Brief  maiers  Albrecht  Grlockendon  und  ein  Nachdruck 
des  Frankfurter  Formschneiders  Anthony  Corthoys.  In  dem  bei- 
gefügten Bildergedicht,  das  durch  Einflechtung  von  Nürnberger 
Ortlichkeiten  und  Personennamen  ein  besonderes  Lokalkolorit  emp- 
fängt (abgedruckt  in  M.  Montanus  Schwankbüchern  1899  S.  487), 
ist  von  den  Wölfen  nicht  mehr  die  Rede,  durch  die  freilich  die 
Bauern  in  Mähren  im  15.  Jahrhundert  mehr  zu  leiden  hatten  als  die 
Nürnberger;  die  Buntfarbigkeit  der  Hunde  wird  nur  nebenher  im 
Eingange  erwähnt: 

Und  wenn  sy  haben  ein  hochzeyt, 

So  seind  ir  all  weg  vil  bereit; 

Von  jung  und  alten,  klein  und  groß 

Laufft  durch  einander  ein  großer  stoß, 

Schwartz,  graw,  rot,  gescheckelt  und  weissen. 

Ihr  Privileg  datiert  aus  der  Zeit  nach  der  Sündflut,  wo  Vater 
Noah  ihnen  die  Eingeweide  der  geschlachteten  Rinder  und  Schweine 
zusicherte  (A.2).  Als  sie  einst  zur  Fastnacht  eine  Menge  Gedärme 
erhielten,  luden  sie  die  Katzen  zum  Schmause,  zeigten  ihnen  ihr  ver- 
brieftes Recht  und  gaben  ihnen  die  Urkunde  zur  Aufbewahrung. 
Wie  ein  Jahr  darauf  ein  armer  Mann  seine  Kuh  schlachtete  und  die 
Hunde  wieder  ihren  Anteil  forderten,  sollten  sie  ihm  ihr  Schriftstück 
vorzeigen  (B2).  Sie  schickten  deshalb  zu  den  Katzen,  die  ihnen  die 
Urkunde  in  einem  Mäuseloche  verwahrt    hatten;    aber    dort  war   sie 

35* 


548  223.    Warum  die  Hunde  einander  beriechen. 

von  den  Mäusen  zernagt  worden  (C).  Seitdem  herrschte  beständiger 
Hader  zwischen  ihnen  (D1,2).  Die  Hunde  jedoch  (und  das  ist  ein 
neues  Motiv  E)  schickten  einen  der  Ihrigen  zur  Erneuerung  des 
Privilegs  übers  Meer;  allein  dieser  kehrte  nicht  wieder,  und  darum 
beschnuppern  die  Hunde  noch  jetzt  jeden  fremden  Hund 

Und  fragen  in  alsbaldt  darnoch, 

Ob  er  in  bring-  den  brieff  vom  mer, 

Den  in  soll  scbicken  der  mechtig  her. 

Der  frembd  bund  spricht  bald :  'Nain  ich  zwar, 

Ich  bring  euch  keinen  brieff  von  mar; 

Darzu  ist  mir  die  sach  zu  schwer, 

So  weyt  zu  ziehen  über  mer.' 

Dieser  Bilderbogen  hat  verschiedene  Nürnberger  Meistersinger 
zu  weiteren  Dichtungen  angeregt:  den  Rechenmeister  Peter  Probst 
zu  einem  Meisterliede  von  1544  (Dähnhardt  4, 107.  Mitteilungen  des 
V.  f.  Gesch.  der  Stadt  Nürnberg  19,  128.  1911),  den  Hans  Sachs 
1547  zu  einem  Meisterliede  (Fabeln  ed.  Goetze-Drescher  4,  210  nr. 
374)  und  1558  zu  einem  Spruchgedichte  'Warümb  die  hünd  den 
kaczen  und  die  kaczen  den  mewssen  so  piter  feint  sein'  (Folio  2,  4, 
90a  =  Fabeln  1,  591  nr.  200),  zwei  Ungenannte  zu  Meisterliedern 
von  1560  (Dähnhardt  4,  108;  unterzeichnet  H.  S.)  und  von  1592 
(Montanus  1899  S.  492),  endlich  den  Nadler  Peter  Heiberg  er  in 
Steier  1614  zu  einem  Meisterliede  (Zs.  f.  Volkskunde  21,  168).  All 
diese  Fassungen  behalten  den  Kern  der  Erzählung  bei,  nach  welchem 
die  Urkunde  den  Katzen  anvertraut,  aber  von  den  Mäusen  zerfressen 
wird  (Cj  und  so  ein  Krieg  der  Tiere  anhebt  (D1  ■  2),  aber  die  Ein- 
leitung (A)  wird  geändert.  Noahs  Name  erscheint  nur  im  Liede  von 
1592;  1560  ist  nur  von  einer  alten  Verpflichtung  der  Metzger  die 
Rede,  zur  Fastnacht  den  Hunden  ein  Mahl  zu  geben;  Probst  leitet 
dies  Recht  aus  einem  selbstherrlichen  Beschluß  der  Hunde  ab ;  Hans 
Sachs,  der  Anonymus  H.  S.  und  Heiberger  aber  motivieren  besser; 
hier  verleiht  der  Papst  den  Hunden  die  Freiheit,  Freitags  Fleisch  zu 
essen,  weil  sie  für  die  Pfaffen  Wildpret  fangen.  Ebenso  zeigt  der 
Schluß  (E)  Abweichungen.  Im  Liede  von  1592  geht  die  Gesandt_ 
schaft,  die  ein  neues  Privileg  erbitten  soll,  zum  großen  Chan  ins 
Cathaierland,  d.  h.  nach  China ;  1560  fehlt  das  Motiv  E  ganz ;  Probst, 
der  die  Anführer  der  beiden  Parteien  den  Alten  vom  Hundsberg  und 
den  Herrn  von  Katzwang  (Ort  an  der  Regnitz)  tituliert,  vergißt  die 
Absendung  der  Boten  zu  erwähnen,   obwohl  er  von  ihrer  erwarteten 


223.    Warum  die  Hunde  einander  beriechen.  549 

Rückkehr  redet;  nur  Hans  Sachs  läßt  die  Abgesandten  folgerichtig 
zum  Papste  wallfahrten  und  in  Italien,  wo  sie  sich  am  süssen  Wein 
berauschen,  umkommen;  ihm  folgt  Heiberger. 

Von  einem  von  Hans  Weiditz  um  1530  gezeichneten  Straß- 
burger Bilderbogen,  der  die  Belagerung  der  Katzenburg  durch  die 
Ratzen  darstellt,  ist  leider  der  Text  verloren.1)  Vielleicht  war  dort 
jener  Krieg  aus  unserm  Märchen  begründet. 

Nur  teilweise  erscheint  das  letztere  1557  im  Wegkürzer  des 
Elsässers  Martin  Montanus2)  u.  d.  T.  'Warurnb  die  hund  einander 
für  den  hindern  schmecken'.  Freilich  wird  im  Eingange  flüchtig  des 
Vorrechtes  der  Hunde  (A)  und  ihrer  Feindschaft  mit  den  Katzen  (D1) 


J)  E,  Heitz  (Eine  Abbildung  der  Hohkönigsburg  aus  dem  16.  Jahrb.. 
Straßburg  1907)  hat  den  alten  Holzstock  abgedruckt.  Von  einem  auf  der 
Pariser  Nationalbibliothek  befindlichen  Bilderbogen  'La  grande  et  mer- 
veilleuse  Bataille  d'entre  les  Chats  et  les  Rats',  Lyon  1610  fehlt  nähere 
Kunde.  Auf  einem  Amsterdamer  Holzschnitt  von  J.  Kannewet  'Kinders, 
wie  heeft  dit  oyt  meer  verzonnen,  Dat  d'  Ratten  met  Katten  den  Krijg 
begonnen'  (Heurck,  Imagerie  populaire  flamande  1910  p.  545)  stürmen  die 
Ratten  gegen  die  Katzenburg.  Ähnlich  auf  einem  bei  Paul  Fürst  in 
Nürnberg  erschienenen  Kupferstiche  'Der  Maus  und  Katzen  Krieg' 
(Hampe,  Mitt.  a.  d.  Germ.  Nationalmuseum  1914 — 15,  115  nr.  299.  Gedicht: 
'Nachdem  das  Katzen  Volck  viel  Ratzen-Blut  vergossen'  .  .  .),  während 
ein  andrer  Stich  desselben  Verlages  'Der  Thier  und  Jäger  Krieg'  v.  J. 
1652  (Hampe  nr.  298.  Diederichs,  Deutsches  Leben  der  Vergangenheit  1, 
245  nr.  839)  eine  Festung  der  Menschen  zeigt,  die  von  verschiedenen 
Tieren  unter  Anführung  des  Löwen  belagert  wird;  vgl.  Bolte,  ZfVk.  17, 
4271.  —  In  Zusammenhang  damit  steht  wohl  ein  italienisches,  dem 
Moden eser  Kanonikus  Giuseppe  Mainoldi  zugeschriebenes  Gedicht  'La 
gran  battaglia  delli  gatti  contra  gli  sorgi',  von  dem  verschiedene  Drucke 
aus  Modena,  Florenz,  Venedig,  Trevigi  und  Pistoia  aus  den  Jahren 
1580 — 1630,  jeder  8  S.  4°  mit  Holzschnitt,  bekannt  sind;  vgl.  Novati, 
Lares  2,  167  nr.  59,  Segarizzi,  Stampe  pop.  italiane  1,  152  nr.  164  und 
Milchsack  e  A.  d'Ancona,  Due  farse  del  secolo  16.  1882  p.  253  nr.  89. 
Über  des  Theodoros  Prodromos  Dramolet  Galeomyomachia  (ed.  Hercher 
1873.  Dornavius,  Amphitheatrum  1,  15.  1619)  vgl.  Krumbacher,  Byzantin. 
Lit.  2  S.  751;  schon  Babrios  nr.  31  schildert  eine  Schlacht  zwischen 
Wieseln  und  Mäusen. 

2)  Montanus,  Schwankbücher  1899  S.  35  nr.  14  =  Dähnhardt  4, 
110.  Lateinisch  bei  Hulsbusch,  Sylva  sermonum  iucundissimorum  1568 
p.  168  =  Montanus  1899  S.  486.  Niederdeutsch  im  Wegekörter  1592 
nr.  2 ;  s.  Jahrbuch  f.  nd.  Sprachforschung  20,  133. 


B50  223.    Warum  die  Hunde  einander  beriechen. 

gedacht,  aber  die  Zerstörung  der  Urkunde  durch  die  Mäuse  (Cj  fehlt 
völlig;  nur  das  Motiv  E  wird  ausgemalt:  die  Hunde  verlieren  das 
von  einem  fernen  Könige  erteilte  Privileg,  als  beim  Durchschwimmen 
eines  Stromes  der  eine  Abgesandte  es  unter  seinen  Schwanz  nimmt. 
—  Dagegen  berichtet  Eyring,  Proverbiorum  copia  3,  547  nr.  237 
(1604)  =  Zs.  f.  Vk.  21,  169  nicht  von  einem  Privileg,  sondern  von 
einem  Reichstagsbeschluß  sämtlicher  Tiere  (A8).  Als  der  darin  ver- 
kündete Landfriede  durch  einen  mutwilligen  Angriff  eines  Hundes 
auf  einen  Hasen  gebrochen  wird,  sucht  man  nach  der  den  Katzen 
übergebenen  Urkunde  und  findet  sie  von  Mäusen  zernagt  (C);  da 
brechen  die  alten  Fehden  zwischen  Hunden  und  Katzen  (D1)  und 
zwischen  Katzen  und  Mäusen  (D2)  wieder  aus,  und  endlich  wollen  die 
Mäuse  der  Katze  eine  Schelle  anhängen.1) 

In  Frankreich  scheint  der  Schulmeister  Guillaume  H  a  u  d  e  n  t 
zu  Rouen  der  erste  gewesen  zu  sein,  der  das  Märchen  in  Verse 
brachte.  1547  berichtet  er  in  seinen  366  apologues  d'Esope  (livre  2, 
fab.  61  =  Zs.  f.  Volksk.  21, 169)  'De  la  guerre  des  chiens,  des  chatz 
et  des  souris',  wie  einst  die  Hunde,  um  nicht  von  ihren  Herren  fort- 
gejagt zu  werden  (also  wie  bei  Tovaoovsky),  mit  diesen  einen  Vertrag 
schlössen,  in  welchem  ihre  Pflichten  festgesetzt  wurden.  Diese 
Urkunde  gaben  sie  den  Katzen  zur  Aufbewahrung,  entdeckten  aber 
bald,  daß  die  Mäuse  das  Schriftstück  zerfressen  hatten,  und  wurden 
nun  den  Katzen  feind,  die  ihrerseits  die  Mäuse  verfolgten.  1694  er- 
neuerte J.  de  La  Fontaine  (Fables  12,  nr.  8  'La  quereile  des 
chiens  et  des  chats  et  celle  des  chats  et  des  souris'  =  Oeuvres  ed. 
H.  Regnier  3,  225.  1885)  ohne  wesentliche  Änderungen  Haudents 
Fabel.  Der  beiden  fehlende  Schlußteil  E  taucht  1622  beiTabarin 
(Oeuvres  ed.  Aventin  1,  35.  1858)  auf,  der  gleich  Montanus  nur  er- 
klären will,  'pourquoy  les  chiens,  s'entre  saluant,  se  flairent  au  derriere 
Fun  de  l'autre':  um  sich  unabhängig  zu  machen,  wollen  die  Hunde 
einen  Handel  mit  indischen  Gewürzen  anfangen;  allein  ihr  Abgesandter 
wird  bei  einem  Sturm  über  Bord  geworfen. 


l)  Vgl.  über  diese  letzte  Fabel  Oesterley  zu  Pauli  nr.  634  und  zu 
Kirchhof,  Wendunmut  7,  nr.  105.  H.  Sachs,  Fabeln  4,  30  nr.  259. 
Chauvin  2,  109.  Wesselski,  Arlottos  Schwanke  2,  226  (1910).  Dähnhardt, 
Natursagen  4,  145.  301.  Zs.  f.  Volkskunde  17,  4271  (Nürnberger  Bilder- 
bogen) und  21,  363  nr.  14  (koreanisch). 


223.    Warum  die  Hunde  einander  beriechen.  551 

In  den  neueren  Aufzeichnungen  aus  dem  Volksmunde  kehren 
die  alten  Motive  sämtlich  wieder.1)  Beachtung  verdient,  daß  die  bei 
Tovacovsky  erwähnten  Wölfe  nur  noch  bei  den  Polen,  .Russen,  Finnen 
und  den  Schweden  Finnlands  eine  Rolle  spielen  und  daß  das  Be- 
schnüffeln der  Hunde  (E)  vorwiegend  in  deutschen  und  französischen 
Erzählungen  vorkommt. 

In  der  ersten  bayrischen  Erzählung  nr.  222  (ACD1-3)  be- 
steht die  Urkunde  in  einem  vom  Löwen  verliehenen  Adelsbrief,  den 
die  Hunde  beim  Turnier  vorweisen  müssen ;  die  zweite  nr.  223  führt 
das  Motiv  E  ähnlich  wie  Tabarin  aus,  doch  soll  der  nach  Pfeffer 
ausgeschickte  Hund  diesen  für  das  Mahl  des  Löwen  holen.  Ebenso 
eine  rheinländische  aus  Oppenheim  Zs.  f.  d.  Myth.  1,  225 
'Warum  die  Hunde  einander  beriechen,  wenn  sie  sich  begegnen' 
(E)  =  Dähnhardt  4,  136  =  Revue  des  trad.  pop.  2,  433.  West- 
fälisch: Zs.  f.  d.  Myth.  1,  460  'Warum  die  Hunde  sich  beriechen' 
=  Kuhn  2,  237  =  Dähnhardt  4,  131  (beim  Durchschwimmen  eines 
Flusses  verliert  der  Hund  das  Gerichtsurteil,  daß  die  Bauern  den 
Hunden  nicht  nur  Knochen,  sondern  auch  Fleisch  geben  sollen,  und 
ertrinkt);  vgl  H.  Wette,  Spökenkieker  1907  S.  38.  Zs.  f.  rhein. 
Volksk.  6,  23  =  Dähnhardt  4,  113  nr.  2  (ein  gleicher  Vertrag 
zwischen  Herr  und  Jagdhund  wird  der  Katze  anvertraut  und  von 
den  Mäusen  zerfressen.  ACD1).  Waldeckisch:  Curtze  S.  240 
nr.  78  =  Dähnhardt  4,  123  nr.  3  (Vertrag  über  das  Fleisch  im 
Strom  verloren).  Niedersächsisch:  L.  Woort,  Plattdeutsche 
Dichtungen  1861  S.  8  (A  C  D1  ■  2)  =  Dähnhardt  4,  120.  Strackerjan 
2,  88  =  2.  Aufl.  2,  144  =  Dähnhardt  4,  122  (ACD1-  2).  Nieder- 
Sachsen  14,  57  (1909.  Gerichtsurteil  im  Strom  verloren)  =  Dähn- 
hardt 4,  131.  Schambach-Müller  S.  130  (Gerichtsurteil  von  den 
Katzen  ins  Wasser  geworfen)  —  Dähnhardt  4,  134.  Mecklen- 
burgisch: Wossidlo,  Reuter  S.  159  (ACD1'2)  =  Dähnhardt  4 
113.  Wossidlo  S.  160  (Gerichtsurteil  im  Strom  verloren)  =  Dähn- 
hardt 4,  130.  Wossidlo  S.  160  (Hund  soll  Rosinen  aus  Paris  holen) 
=  Dähnhardt  4,  136.  Pcmmerisch:  Asmus-Knoop  S.  68  =  Bl. 
f.  pomm.  Vk.  8,  169  =  Dähnhardt  4,  121  (ACD1-  2).  Jahn,  Volks- 
sagen   nr.  568    =    Dähnhardt  4,    130   (Beschwerdeschrift   im  Strom 


x)  Simrock,  Märchen  S.  127  nr.  25  'Warum  die  Hände  sich  be- 
riechen' =  Zs.  f.  d.  Myth.  2,  16  (1855)  schöpft  aus  Hans  Sachsens 
Sprachgedicht. 


552  223.    Warum  die  Hunde  einander  beriechen. 

verloren).  Westpreußisch:  Preuß  S.  62  'Warum  Hunde,  Katzen 
und  Mäuse  in  Feindschaft  leben'  (Vertrag  zwischen  Hunden  und 
Katzen.  ACD1,2).  —  Vlämisch:  De  Mont  en  de  Cock,  Vertelsels 
p.  434  'Waarom  de  Honden  onder  elkanders  staart  rieken'  =  Volks- 
kunde 2,  65.  8,  106  =  Dähnhardt  4,  132  (der  Hund  läßt  die  Bitt- 
schrift an  Jupiter  in  die  Suppe  fallen  und  verschluckt  sie).  Revue 
des  trad.  pop.  3,  98  =  Dähnhardt  4,  120  (entstellt;  Heiratskontrakt 
des  Hundes  und  der  Katze).  —  Schwedisch:  Orsaken,  hwarföra 
hundarne  nosa  pä  hwarandra,  eller  deras  priwilegier  samt  fri-  og 
rättigheder,  innefattande  äfwen  anledningen  tili  sä  wäl  hundars  och 
kattors,  som  kattors  och  rättors  ewiga  fiendskap  mot  hwarandra, 
Stockholm  1823  u.  ö.  (Bäckström  3,  155.  Liebrecht,  Germ.  24,  138). 
Bondeson,  Halländska  sagor  p.  61  'Hekstorian  om  wafför  honnana 
hada  katterna  ä  katterna  hada  rötterna'  =  Dähnhardt  4,  113  (A  C  D). 
Hackmans  Register  nr.  200  (C  D).  Dähnhardt  4,  121  nr.  6  (Paß  der 
Katze  vom  Hund  im  Fluß  verloren).  Sv.  landsmäl  1905,  61 — 64 
nr.  31 — 33  =  Dähnhardt  4,  294  (Vertrag  zwischen  Hunden  und 
Wölfen,  CD1-2.  E.  Urkunde  im  Fluß  verloren).  —  Französisch: 
Revue  des  trad.  pop.  2,  433  'Pourquoi  les  chiens  ont  i'habitude  de 
se  regarder  sous  la  queue'  (bretonisch).  3,  97  (Hainaut).  9,  165 
(Bittschrift  mit  der  Suppe  verschlungen).  10,  26  (Troyes)  =  Sebillot, 
Folklore  3,  76  =  Dähnhardt  4,  137  (Hund  stiehlt  Uhr).  10,  176 
(Provence.  Hund  stiehlt  Mostrich)  =  Sebillot  3,  76  =  Dähnhardt 
4,  137.  14,  379  (Papiere  bei  der  Sündflut  unter  den  Schwanz  ge- 
bunden) =  Dähnhardt  4,  133  —  Sebillot,  Joy.  hist.  p.  213.  Wallonia 
4,  77  'Pourquoi  les  chiens  n'aiment  pas  les  chats'  =  Dähnhardt  4, 
140  (Vertrag  von  einer  Katze  dem  Hunde  entrissen  und  verschlungen). 

—  Italienisch:  Busk  p.  421  'Why  cats  and  dogs  always  quarrel' 
(entstellt.  Die  Hunde  geben  den  Katzen  ihre  Papiere  und  jagen 
die  Ratten,  darüber  sind  die  Katzen  entrüstet).  —  Portugiesisch: 
Braga  2,  152  nr.  202  'Porque  os  cäes  se  cheiram'  (Pfeffer  geholt). 
Athaide  Oliveira  1,  66  nr.  25  'A  razäo  porque  os  cäes  se  cheiram' 
=  Dähnhardt  4,  121  (Gerichtsurteil  vom  Hund  unterwegs  verloren). 

—  Rumänisch:  Flachs,  Vossische  Ztg.  1902,  17.  Juni  =  Dähn- 
hardt 4,  128  (Maus  frißt  die  von  der  Katze  für  den  Hund  aufgesetzte 
Bittschrift  an  Gott).  Papahagi,  Din  literatura  poporanä  a  Arominilor 
1900  p.  766  =  Dähnhardt  4,  130  (Privileg  im  Fluß  verloren).  — 
Griechisch:  AeZxtov  r.fjg  ioxoQixfjs  stetig  lag  1,  532  nr.  5  (1883) 
=   Polites,    JlaQaööaeig    1,    627     nr.    1011    =    Dähnhardt    4,    121 


223.    Warum  die  Hunde  einander  beriechen.  553 

(iCD1'2).     Polites    nr.   1010    =  'Dähnhardt  4,    135    (E.    Hund  soll 
Medizin  holen,    unterschlägt   das  Geld).    —    Slowenisch:    Kres  6, 
145  nr.  74  =  Dähnhardt  4,  116  (ACD1-2).  —  Serbokroatisch: 
Krauß  1,  53  nr.  18  (ACD1-  2).     Zbornik  jslav.  19,  83  nr.  2  (E.  Ge- 
würz holen).  —  Cechisch:  Kulda  2,  114  nr.  93  =  Zs.  f.  dt.  Mythol. 
4, 384  =  Wenzig  S.  44  =  Dähnhardt  4,  127  (A  C  D1  •  2).  Kolaf-Kochovsky, 
Chudobinky  S.28  nr.  9  =  Dähnhardt 4,  119  (Heiratskontrakt  vom  Fuchs 
aufgesetzt.     ACD1'  2).     Pfikryl  S.  133  (der  Hund  liefert  dem  Wolfe 
nicht  die  versprochenen  Stiefel;    Wolf,    Bär  und  Eber  führen  Krieg 
gegen  Hund,  Katze  und  Enterich.      Als    später  der  Wolf  eine  neue 
Herausforderung    schickt,    soll    der  Kater    den  Brief    für   den  Hund 
aufbewahren.      CD1-2).     —    Wendisch:    Veckenstedt    S.   422    == 
Dähnhardt  4,  116    (ACD1-2).     Schulenburg,    Volkssagen    S.  80   (E. 
Hund  nach  Medizin   ausgesandt).      Nawuka    S.  6    nr.  3    (die  Spinne 
und  Fliege  berufen  sich  dem  Hauswirt    gegenüber    auf  ihr  Privileg, 
die  Katze  Solls  holen,  aber  die  Maus  hat  es  zernagt;    seitdem  zürnt 
die  Spinne  den  Fliegen,  und  die  Katze  den  Mäusen).   —    Kaschu- 
bisch:    Lorentz,    Teksty    S.  369    nr.  476    (Vertrag  des  Hundes  mit 
dem  Menschen.     C  D1  ■ 2).    S.  401    nr.  514  (Vertrag  des  Mannes    mit 
Hund    und  Katze;    der    Mann    schlägt    den    Hund.  CD1,2).     S.  404 
nr.  518  (E.     Bittschrift  der  Hunde    an    den  König).    —    Polnisch: 
Zbiör  wiad.   9,  71   nr  5  =  Dähnhardt  4,  119    (ACD1'2).     Wisla  5, 
42  =  Tradition  5,  68  =  Dähnhardt   4,    119   (ACD1-2).      Matusiak, 
Gwara   Lasowska    1880    S.    93    =    Dähnhardt    4,    123    (ACD1-2). 
Zbiör  5,  216  nr.  24  (Privileg  des  Hundes  auf  alles,  was  er  auf  der  Erde 
findet.     C  D1  •  2).     5,  177  =  Dähnhardt  4,  125    (Wolf  ^übergibt>ein 
Dokument  dem  Hund,  dieser  der  Katze.  ACD1,2)     Zbiör  11,  3,  37  ■== 
Ciszewski,  Lud  z  okolic  Slawkowa  S.  187   =  Dähnhardt  4,  128  (CuD2). 
Swietek,  Lud  nadrabski    S.  583    =   Dähnhardt   4,    128    (ACD1- 2). 
Aus  Schlesien:  Mitt.  f.  schles.  Vk.  3,8  (E.    Pfeffer  holen).  —  Klein- 
russisch:   Aus    Galizien:    Etnogr.    Zbirnyk    37 — 38,    214    nr.    169 
(Hund,  Kater  und  Schlange  wandern,  erhalten  von  der  Mäusemutter 
einen  Zauberstein,  der  eine  goldene  Brücke  hervorbringen'  kann ;  da 
aber  der  Hund  die  Zauberworte  vergißt,  lädt  er  am  Meere  den  Kater, 
der  den  Stein  ins  Maul  nimmt,  auf  den  Rücken  und  schwimmt  hin- 
über; der  Kater  läßt  den  Stein  fallen  und  springt  am  Ufer  auf  einen 
Baum;  seitdem  herrscht  zwischen  ihnen  Feindschaft).      37—38,    215 
nr.  170    (Dienstbuch    des   Hundes.     CD1).      217    nr.    171    (CD1-2). 
217    nr.    172    (Wolf    und    Hund    tauschen    Stärke    und    Geruchsinn, 


554  223.    Warum  die  Hunde  einander  beriechen. 

wechseln  aber  wieder  und  schließen  einen  Vertrag.  A1  C  D1  ■ 2). 
218  nr.  173  (Ebenso.  ACD1'2).  209  nr.  164  (E.  Pfeffer  holen). 
Kaindl,  ZföVk.  8,  120  =  Dähnhardt,  4,  123  (ACD1-2).  Nowo- 
sielski  2,  138  (Privileg  der  Hunde.  CD1'2).  Öubinskij  1,  53 
—  Dähnhardt  4,  118  (ACD1-2).  Dragomanov  S.  197  nr.  44  = 
Dähnhardt  4,  119  (ACD1).  Hrincenko  1,  7  nr.  13  =  Bulasev 
S.  412  =  Dähnhardt  4,  115  (Dokument  im  Ofen  verbrannt,  wo- 
hin der  Kater  es  gelegt.  ACD1).  Hnatjuk,  Geschlechtleben  2,  399 
nr.  352  (Pfeffer  holen.  E).  2,  417  nr.  378  (Schmalz  holen.  E). 
Aus  Gouv.  Cernigov:  Malinka  S.  317  nr.  37  (Wolf  gibt  seinen  Paß 
dem  Hunde,  dieser  dem  Kater.  C).  S.  318  nr.  38  (Wölfe  und 
Hunde  machen  Frieden.  A1  C  D1  ■  2.  Bei  einer  neuen  Zusammen- 
kunft werden  die  Abgesandten  der  Hunde,  die  sich  wohlriechende 
Flaschen  unter  den  Schwanz  gebunden,  von  den  Wölfen  zerrissen.  E).  — ■ 
Weißrussisch:  Romanov  3,  20  nr.  14  =  Dähnhardt  4,  117  (Adels- 
brief. ACD1  -2).  §ejn  2,  349  nr.  195  =  Dähnhardt  4,  117  (Adels- 
brief. ACD1- 2).  2,  348  nr.  194  =  Dähnhardt  4,  125  (das  vom 
Hund  der  Katze  übergebene  Dokument  gehört  ursprünglich  dem 
Wolf.  ACD1- 2).  Federowski  3,  125  nr.  219  =  Dähnhardt  4,  137 
(Pfeffer  holen.  E).  —  Litauisch:  Veckenstedt,  Zamaiten  2,173  nr. 
32  =  Dähnhardt  4,  124  (Katzen  von  den  Hunden  über  den  Fluß 
gesetzt.  ACD1-  2).  Dowojna  Sylwestrowicz  S.  400  =  Dähnhardt  4, 
126  (Adelsbrief  des  Wolfes  dem  Hunde  übergeben.  ACD1'  2).  Jur- 
kschat  1,  52  nr.  17  =  Dähnhardt  4,  134  (Hund  soll  einen  Brief  des 
Königs  überbringen.  E).  —  Estnisch:  Jannsen  1,  157  =  Dähn- 
hardt 4,  114  (ACD1-2  E).  Dähnhardt  4, 297  (A  C  D1).  4,  298  (A  C  D1). 
4,  134  (bewilligte  Bittschrift  verloren.  E).  —  Finnisch:  Krohn  1, 
152  nr.  133  =  Dähnhardt  4,  292  (Gerichtsurteil  über  den  Streit  der 
Hunde  und  Wölfe.  ACD1,2);  dazu  die  Varianten  bcd  bei  Dähn- 
hardt. Krohn  1,  153  nr.  134  und  1,  409  =  Dähnhardt  4, 294  (Privileg 
der  Hunde  nach  einem  Sieg  über  die  Wölfe.  ACD1,2E).  Krohn  1, 
211  nr.  181  =  Dähnhardt  4,  297  (ACD1'2).  Varianten  bei  Dähn- 
hardt 4,  299.  Krohn  1,  211  nr.  182  =  Dähnhardt  4,300  (die  Katzen 
verlieren  im  Fluß  die  unter  den  Schwanz  gesteckten  Pässe,  ebenso 
die  Hunde,  während  die  Ratten  den  Paß  ins  Maul  nahmen.  D1  ■  2). 
Varianten  bei  Dähnhardt.  Dähnhardt  4,  293,  e  (ein  Hund  verliert 
den  gemeinsamen  Paß  im  Fluß.  E).  Aarnes  Register  nr.  200  (CD) 
und  Finnische  Ursprungssagen  (FFC.  8,  11)  nr.  56:  CD.  — 
Magyarisch:    Arany    S.  316  =  Notes    and    queries  6,  10,  141  — 


223.    Warum  die  Hunde  einander  beriechen.  555 

Eevue  des  trad.  pop.  7,  479  =  Dähnhardt  4,  126  (Schwein  übergibt 
seine  Urkunde  dem  Hund.  ACD1-2).  Nyelvör  14,  129.  16,  571.  23, 
333  =  Dähnhardt  4,  118  (Adelsbrief.  ACD1-2).  —  Arabisch: 
Hanauer,  Palestine  Exploration  Fund  36,  265  (1904)  =  Dähnhardt  4, 
124  (auf  Antrieb  des  neidischen  Pferdes,  Esels  und  Ochsen  zernagen 
die  Patten  die  Privilegien  des  Hundes  und  der  Katze.  ACD1,2). 

Wie  Sebillot  und  A.  v.  Löwis  bemerkt  haben,  knüpft  das  schon 
in  Glockendons  Bildergedicht  auftretende  Motiv  E,  die  vergebliche 
Erwartung  des  zum  fernen  König  abgeschickten  Hundes,  an  eine 
Fabel  desPhädrus  von  der  verunglückten  Audienz  der  Hunde 
an  (4,  nr.  18  'Canes  legati  ad  Jovem'.     Hervieux  22,  49.    Dähnhardt 

4,  137.  Nicht  im  Bomulus  aufgenommen).  Auch  hier  senden  die 
Hunde  einige  der  Ihrigen  zu  Jupiter  mit  der  Bitte,  ihr  elendes  Los 
zu  bessern;  doch  weil  sie  bei  Hofe  den  Anstand  gröblich  verletzen, 
werden  sie  in  den  Kerker  geworfen,  und  einer  zweiten  Gesandtschaft 
ergeht  es   nicht  besser.     Die  Fabel  schließt: 

Ita  nunc  legatos  exspectant  et  posteri; 
Novum  venire  qui  videt,  culum  olfacit. 

In  einem  deutschen  Märchen  aus  Pommern  'Warum  sich  die 
Hunde  immer  beriechen'  (JB1.  f.  pomm.  Vk.  1,  83)  jagt  Petrus  die  im 
Vorzimmer  des  Himmels  sich  unanständig  benehmenden  Hunde  hin- 
aus. Friesisch  bei  Dykstra  2,  137  =  Volkskunde  8,  107  =  Eevue 
des  trad.  pop.  10,  301  =  Dähnhardt  4,140.  Französisch  aus  der 
Bretagne :  Eevue  des  trad.  pop.  2,  433  =  Sebillot,  Folklore  3,  75  = 
Dähnhardt  4,  138  =  Sebillot,  Joy.  hist.  p.  211.     Aus  Belgien  :  Wallonia 

5,  11  'Pourquoi  les  chiens  se  sentent'  =  Dähnhardt  4, 138.  Wallonia 
3,  16  —  Dähnhardt  4,  139  (die  Hunde  wollen  über  die  Hinterlist 
der  Katzen  klagen).  Serbokroatisch  aus  Slawonien:  Anthro- 
pophyteia  7,  289  nr.  25  (Petrus).  In  einem  Negermärchen  aus 
Louisiana  bei  Fortier  p.  45  =  Dähnhardt  4,  141  läßt  Mr.  Jupiter  den 
kecken  Hund  Brisetout  mit  Terpentin  und  Pfeffer  einreiben  und  eine 
zweite  Gesandtschaft  prügeln.  Hier  sieht  man  also  den  unmittelbaren 
Einfluß  der  antiken  Fabel  deutlich  durchschimmern. 


656        224.  Der  Horcher,  der  Läufer,  der  Bläser  und  der  Starke. 


224.    Der  Horcher,  der  Läufer,  der  Bläser 
und  der  Starke. 

Ein  armer  Mann,  der  sozusagen  vom  Tagelohn  lebte,  hatte  aber 
dabei  ein  so  gutes  Gehör,  daß  er  das  Gras  wachsen  hörte.  Dem  wollte 
es  nun  zu  Haus  nicht  mehr  gefallen,  und  er  entschloß  sich  in  der  Welt 
rum  zu  reisen  und  zu  sehen,  ob  er  auf  sein  gut  Gehör  etwas  verdienen 
könnte.  Er  ging  auch  wirklich  fort.  Wie  er  nun  eine  Zeitlang  gegangen 
hatte  [!],  so  begegnete  ihm  ein  Mann,  der  gar  stark  lief.  'Woher  und 
wohin,  guter  Freund?'  frug  er  ihn.  Der  Läufer  antwortete:  'Ich  habe 
heute  schon  vierzig  Meilen  Wegs  her  gelaufen  und  will  noch  zehn  laufen.' 
Halt,  dachte  unser  Mann,  das  war  was,  wenn  der  so  mit  dir  reiste.  Sie 
wurdens  einig  und  gingen  nun  auch  miteinander  fort. 

Wie  sie  nun  wieder  eine  Zeitlang  gegangen  waren,  so  sahen  sie 
auf  einem  hohen  Berg  einen  Mann  stehen,  der  die  Arme  in  die  Seite 
gestemmt  hatte  und  blies.  Sie  gingen  hin,  um  zu  sehen,  was  der  da 
machte.  Wie  sie  nauf  kamen,  so  fragen  sie  ihn,  was  er  denn  da  machte. 
'Ey,  seht  ihr  denn  nicht,'  sagte  er,  'hier  rum  die  zweihundert  Wind- 
mühlen? Die  muß  ich  alle  mit  meinem  Wind  im  Gange  halten.'  Darauf 
fragten  ihn  die  andern  beiden,  ob  er  denn  damit  auch  brav  verdiente. 
'Ach,'  sagte  er,  'wenig  oder  gar  nichts.'  Sie  sprachen  mit  ihm  und  er- 
zählten ihm,  was  sie  konnten  und  was  ihr  Wille  sei,  und  wenn  er  wollte, 
so  sollte  er  auch  mitgehen,  sie  wollten  schon  was  verdienen.  Er  wars 
zufrieden,  und  nun  reisten  sie  alle  drei  miteinander  fort. 

Wie  sie  nun  wieder  eine  Zeitlang  gegangen  waren,  da  begegnete 
ihnen  ein  Mann,  der  war  so  stark,  daß  er  wohl  ein  Haus  hätte  fort- 
tragen können.  Mit  diesem  sprachen  die  drei  nun  auch,  und  er  wars 
auch  gleich  zufrieden  und  dachte:  Wenn  ihr  mir  lange  macht,  so  prügle 
ich  euch  tüchtig  durch.  Na,  nun  reisten  sie  alle  vier  fort.  Sie  hatten 
nun  eben  kein  Geld  mehr  und  mußten  sehen,  wo  sie  nun  was  kriegten. 
Der  Läufer  mußte  als  Hasen  und  Wildpret  greifen ;  dann  ging  der  Bläser 
bei  ein  Dorf  und  machte  draußen  so  ein  starken  Wind,  daß  alles  um- 
fallen wollte,  und  dann  gingen  die  Leute  heraus,  um  ihre  Sachen  zu 
retten,  oder  er  ging  so  vor  ein  Haus  und  fing  so  an  zu  blasen,  daß  die 
Leute  alle  durch  den  Schornstein  rauf  flogen,  und  dann  ging  er  ins  Haus 
und  holte  Brot,  Fleisch,  Eier  und  was  er  so  kriegen  konnte.  Da  mußte 
denn  der  Starke  als  mit,    daß   sie  recht  viel  fortbringen  konnten.     Auch 


224.  Der  Horcher,  der  Läufer,  der  Bläser  und  der  Starke.         557 

der,  der  so  gut  hören  konnte,  mußte  als  mit,  weil  manchmal  die 
Husaren  oder  sonst  Soldaten  hinter  sie  kamen,  daß  er  hörte,  ob 
sie  anmarschiert  kämen  oder  nicht,  damit  sie  sich  bei  Zeiten  fort- 
machen konnten. 

So  trieben  sie  sich  alle  vier  nun  eine  Zeitlang  herum;  endlich 
kamen  sie  mal  in  eine  Residenz,  wo  dem  Fürst  seine  einzige  Tochter 
sehr  krank  war.  Sie  hatten  zwar  alle  Doktors  gebraucht,  aber  keiner 
hatte  dieselbe  kurieren  können.  Und  lange  würde  es  nicht  dauern, 
sagten  die  Doktors,  so  stürbe  sie;  es  wüchse  aber  noch  100  Meilen  von 
da  ein  Kraut,  wenn  sie  dieses  in  Zeit  von  24  Stunden  hier  haben  könnten, 
so  könnte  sie  noch  gerettet  werden.  Nun  ließ  der  Fürst  bekannt  machen, 
wer  in  dieser  Zeit  das  Kraut  anzuschaffen  gedächte,  der  sollte  sich  so- 
gleich bei  ihm  melden;  er  sollte  haben,  was  er  haben  wollte.  Jetzt 
gingen  die  vier  Männer  hin,  und  der  Läufer  erbot  sich,  solches  in  den 
24  Stunden  zu  holen.  Die  Doktors  beschrieben  es  ihm  genau,  und  nun 
machte  er  sich  fort.  Die  andern  drei  wurden  indessen  aufs  beste  be- 
wirtet. Es  waren  noch  keine  24  Stunden  rum,  so  war  der  Läufer 
schon  wieder  mit  dem  Kraute  da.  Es  wurde  gebraucht,  und  in 
derselben  Zeit  wurde  auch  gleich  die  Tochter  des  Fürsten  wieder  ganz 
gesund. 

Der  Fürst  war  ganz  froh  und  frug  nun  den  Läufer,  was  er  denn 
haben  wollte.  Der  sagte  nun,  wenn  er  ihm  soviel  Geld  gäbe,  wie  da 
sein  Bruder  (das  war  der  Starke)  tragen  könnte,  so  wollte  er  zufrieden 
sein.  Der  Fürst  glaubte  nicht,  daß  der  so  stark  wäre,  und  sagte  ja. 
Nun  machte  sich  dieser  einen  großen,  großen  Sack  und  ging  damit  zu 
dem  Fürsten.  Er  wurde  in  das  Geldmagazin  geführt;  da  raffte  er  denn 
alles  ein.  Es  war  ihm  aber  noch  nicht  schwer  genug,  und  der  Fürst 
ließ  also  sonsther  noch  vier  Wagen  voll  kommen;  das  steckte  er  auch 
alle  in  seinen  Sack,  es  war  ihm  aber  noch  nicht  genug,  und  der  Fürst 
mußte  alle  sein  Geld,  noch  acht  Wagen  voll,  kommen  lassen,  das  tat  er 
auch  noch  alle  in  den  Sack,  und  er  hätte  noch  mehr  nein  getan.  Der 
Fürst  sagte  aber,  er  hätte  nichts  mehr.  'Na,  wenns  denn  nicht  anders 
ist,  so  mags  so  bleiben',  sagte  der  Starke,  huckte  seinen  Sack  auf,  und 
so  gingen  sie  alle  vier  weg. 

Wie  sie  weg  waren,  so  ärgerte  den  Fürst  das  viele  Geld,  and  er 
schickte  alsogleich  ein  Regiment  Husaren  hinter  den  vieren  her,  die  es 
ihnen  wieder  abnehmen  sollten.  Der  so  gut  hören  konnte,  sagte,  wie 
sie  ein  weites  Stück  schon  fort  waren:  'Halt  mal!'  Er  legte  sich  auf 
die  Erde  und  hörte,  und  da  sagte  er:  'Es  kommt  ein  ganz  Regiment 
Husaren  hinter  uns  her.'  Nun  mußte  der  Läufer  gleich  zurücklaufen 
und   sehen    zu,    ob    es    wahr    wäre.      Der   kam    auch    bald    wieder    und 


558  225.    Vom  Mäuschen  und  vom  Bratwürstchen. 

sagte:  'Ja,  sie  kommen.'  Nun  sagte  der  starke  Bläser:  'Geht  dort 
in  den  Wald!  Ich  will  hier  bleiben  und  will  denn  schon  mit  den- 
selben fertig  werden.'  Das  geschah,  die  drei  gingen  weg,  und  er  blieb 
allein  da  stehen. 

Das  Regiment  Husaren  kam  an,  und  sie  sahen  diesen  Mann, 
wollten  gleich  auf  ihn  los.  Er  stellte  sich  aber  hin  und  fing  an  zu 
blasen,  erst  sachte,  daß  die  Husaren  ordentlich  zurückweichen  mußten ; 
einige  fielen  von  den  Pferden,  und  was  sonst  noch  so  alle  war.  Sie 
wurden  aber  nun  böse  und  rückten  mit  Gewalt  auf  ihn  los.  Jetzt  fing 
er  aber  ganz  stark  an  zu  blasen,  so  daß  die  ganzen  Husaren  in  die  Luft 
flogen  und  keiner  mehr  zu  hören  und  zu  sehen  war.  Nun  ging  er  ganz 
ruhig  nach  den  andern  Dreien  hin  und  erzählte  ihnen,  wie  ers  den 
Husaren  gemacht  hätte.  Und  da  teilten  sie  nun  ihr  Geld;  es  trug  jedem 
soviel,  daß  er  nun  herrlich  davon  leben  konnte.  Sie  gingen  zusammen 
fort  nnd  kamen  in  eine  Stadt,  wo  sich  jeder  denn  ein  Haus  kaufte  und 
da  recht  vergnügt  lebte.  Und  wenn  sie  nicht  gestorben  sind,  so  leben 
sie  noch  immer. 

Aus  den  Schwalmgegenden  von  Siebert  am  11.  Dezember 
1813.  Es  ist  die  oben  2,  79  erwähnte  Fassung  des  71.  Märchens 
'Sechse  kommen  durch  die  Welt'. 


225.    Vom  Mäuschen  und  vom  Bratwürstchen. 

Es  war  einmal  ein  Mäuschen  und  ein  Bratwürstchen,  die  hielten 
zusammen  Haus;  einen  Sonntag  ging  das  Mäuschen  in  die  Kirche,  den 
andern  das  Bratwürstchen ;  was  zu  Hause  blieb,  kochte.  Da  hatte  einmal 
das  Bratwürstchen  braunen  Kohl  gekocht,  und  wie  er  bald  gar  war,  lief 
es  dardurch.  Wie  nun  das  Mäuschen  aus  der  Kirche  kam,  setzten  sie 
sich  zusammen  hin  und  aßen.  Sagte  das  Mäuschen:  'Der  Kohl  schmeckt 
ja  so  gut.'  'Ja,'  sagte  das  Bratwürstchen  und  lachte,  'da  bin  ich  dar- 
durch gelaufen,  davon  ist  er  so  fett.'  'Halt,'  dachte  das  Mäuschen,  'das 
will  ich  mir  merken.'  Den  andern  Sonntag,  wie  an  ihm  die  Reihe  war, 
kochts  auch  braunen  Kohl,  und  wie  er  bald  fertig  ist,  wills  auch  durch- 
laufen, da  bleibts  aber  in  der  Mitte  stecken  und  verbrennt.  Nun  kommt 
das  Bratwürstchen  aus  der  Kirche,  und  weil  das  Mäuschen  nicht  da  ist, 
denkts :  'Das  ist  ausgegangen'  und  wartet.  Weils  aber  so  starken  Hunger 
hat,  fängts  an  zu  essen;    auf    einmal   kommts  an    ein  Schwänzchen,    da 


225.    Vom  Mäuschen  und  -vom  Bratwürstchen.  659 

ißts  noch,  ein  bißchen  weiter,  da  kommts  an  den  Leib,  und  noch  ein 
bißchen  weiter,  da  kommts  ans  Köpfchen,  so  ist  das  ganze  Mäuschen  da. 
Da  hat  sich  das  Bratwür stehen  so  erschrocken,  daß  es  nicht  weiter 
essen  konnte,  und  ist  vor  Betrübnis  geplatzt. 

Von  Dortchen  Grimm,  Februar  1857  (eigenhändig),  vermutlich 
aus  Kasseler  Jugenderinnerungen.  —  Vgl.  oben  1,  206  zu  nr.  23,  wo 
noch  eine  bayrische  Fassung  bei  Spiegel  nr.  17  'Maus,  Wurst  und 
Frosch'  und  eine  holsteinische  in  der  Heimat  23,  210  (Kiel  1913) 
'Mus  un  Mettwuß'  nachzutragen  ist. 


Verzeichnis  der  angeführten  Märchen- 
sammlungen. 


A  b  erg  (GL  A.)  —  Nyländska  Folksagor.     Helsingfors  1887.  (=  Nyland, 

Samlingar  af  Nyländska  afdelningen,  2.  haftet). 
Aarne  (Antti)  —  Verzeichnis   der  Märchentypen.     Helsingfors  1910 
(=  FF  Communications  3). 

Finnische  Märchenvarianten,  Verzeichnis  der  bis  1908  gesammelten 

Aufzeichnungen.     Hamina  1911  (=  FF  Communications  5) 
Aasen  (J.)  —  Pröver  af  landsmaalet  i  Norge.  1853.   —    2.  Udgave. 
Kristiania  1899. 

Ab  bot  (G.  F.)  —  Macedonian  Folk-lore.  Cambridge  1903.  (S.  347 
bis  357  zwei  Märchen  in  griechischem  Text). 

Adam  (Abdallah)  —  Erzählungen  in  Fulf ulde,  übersetzt  von  D.  Wester- 
mann.    Berlin  1913.  (11  nr.) 

Adam  (L.)  —  Les  patois  lorrains.     Nancy  1881. 

Addy  (S.  0.)  —  Household  tales,  collected  in  the  counties  of  York, 
Lincoln,  Derby  and  Nottingham.     London  1895. 

Afanasjev  (A.  N.)  —  Narodnyja  russkija  skazki  [Russische  Volks- 
märchen] 1 — 8.  Moskau  1855 — 63.  —  3.  Auflage  von  A.  E.  Gru- 
zinskij  1 — 2.  Moskau  1897.  —  Deutsch  in  Auswahl  von  F.  H  i  1  d  e- 
brand,  Russische  Volksmärchen  gesammelt  von  Aphanassjew 
1  —  2.  Leipzig  1912  (43  nr.)  und  von  Anna  Meyer,  Russische 
Volksmärchen  gesammelt  von  A.  N.  Afanassjew  1  —  2.  Wien  1906 
bis  1910  (43  +  20  nr.).  —  Holländisch  in  Auswahl  von  J.  Brandt, 
Russiske  Volkssprookjes  1.  Amsterdam  1904.  —  Vgl.  Müller  (Max). 

Narodnyja  russkija  legendy  [Russische  Volkslegenden].     London 

1859.  Moskau  1860.  —  Neue  Auflage  von  J.  P.  Kocergin.  Kasan  1914. 

Poeticeskijavozzrenija  Slavjan  na  prirodu  [Poetische  Vorstellungen 

der  Slaven  von  der  Natur]  1 — 3.  Moskau  1865 — 69. 

Afzelius  (A.  A.)  —  Swenska  Folkets  Sago-Häfder,  eller  Fädernes- 
landets  Historia  i  Sägner  etc.  1  —  11.  Stockholm  1839 — 43.  — 
Deutsch  von  F.  H.  Ungewitter,  Volkssagen  und  Volkslieder 
aus  Schwedens  älterer  und  neuerer  Zeit  1 — 3.  Leipzig  1842. 

Ahlquist  (A.)  —  Versuch  einer  mokscha-mordwinischen  Grammatik. 
St.  Petersburg  1861    (S.  197:  Märchen). 

—  —  Über  die  Sprache  der  Nord-Ostjaken  1.  Helsingfors  1880.  — 
(5  Märchen). 


Anhang.  56 1 

Ahlström  (A.)  —  Om  folksagorna.     Stockholm  1895    (=  Sv.  lands- 

mälen  11,  1). 
AI c o  v er  (A.  M.)  —  Rondayes  mallorquines  1 — 4.    Palma  1896—1904. 
Alemannia,  Zeitschrift  für  Sprache,  Literatur  und  Volkskunde  des 

Elsasses  und  Oberrheins  1—42.     Bonn  1873—1915. 
Allardt  (A.)  och  Perkien  (S.)  —  Nyländska  folksagor  och -sägner. 

Helsingfors  1896.  (=  Nyland,  6.  haftet). 
Allen   (H.  N.)    —    Korean    Tales.     Newyork    u.    London    1889.    — 

s.  Arnous. 
Almanach  des  traditions  populaires.     Paris  1882 — 84. 
v.  Alpenburg  (J.  N.)  —  Mythen  und   Sagen  Tirols.     Zürich  1857. 
Alsatia,  Jahrbuch  für  elsässische  Geschichte,   hrsg.  von  A.  Stöber. 

Mülhausen  1850—76.    1885. 
Alton  (Gr.)    —    Proverbi,    tradizioni    ed  aneddoti  delle  valle  Ladine 

orientali.     Innsbruck  1881. 
Am  Urquell:  s.  Urquell. 
Ammenmärchen  1 — 2.     Weimar  1791 — 92. 

Anagnostu  (Sp.) —  Aeaßiaxd.    Athen  1903.  (S.  161  fünf  Märchen). 
Andersen  (H.  C.)   —  Eventyr  fortalte  för  börn.     Kjöbnhavn  1842. 

—  Deutsch  :  Märchen,  Gesamtausgabe  und  Ergänzungsband  von 

G.  Köhler,  HaUe  o.  J.  (1889  und  1904). 

Andre jan off  (V.  v.)    —    Lettische    Märchen    nacherzählt.     Leipzig 

[1896].  (=  Universalbibliothek  nr.  3518). 
Andrews  (J.  B.)  —  Contes  ligures.     Paris  1892. 

Andri6  (Nik.)  —  Zenske  pjesme  1,  Hrvatske  narodne  pjesme, 
knjiga  5,  skupila  i  izdala  Matica  hrvatska,  odio  drugi  [Frauen- 
lieder 1,  Kroatische  Volkslieder  Buch  5,  gesammelt  und  hsg.  von 
der  Matica  hrvatska,  Abteilung  2].     Agram  1909. 

A  nik  in  (S.)  —  Mordovskija  narodnyja  skazki  [Mordwinische  Volks- 
märchen].    St.  Petersburg  1909. 

Annuaire  des  traditions  populaires.     Paris  1886—94. 

Anthropophy teia,   Jahrbücher  für  Erhebungen  und  Forschungen 

zur  Entwicklungsgeschichte  der  geschlechtlichen  Moral  hsg.  von 

F.  S.  Kraufi.  1.     Leipzig  1904. 

Anthropos,  internationale  Zeitschrift  für  Völker-  und  Sprachen- 
kunde 1.     Salzburg  1906. 

Arany  (L.)  —  Eredeti  nepmesek  [Echte  Volksmärchen].  Pest  1862. 
(35  nr.) 

Arany  (L.)  und  Gyulai  (P.)  —  Magyar  nepköltesi  gyüjtemeny 
[Sammlung  ungarischer  Volksdichtungen]  1 — 3.  Pest  1872 — 82. 
Daraus  13  Nr.  deutsch  von  A.  Verbirs,  Ungarische  Revue  5 — 7 
(1885—1887). 

Archiv  für  slavische  Philologie  1—34.     Berlin  1876—1913. 

Archiv  für  Religionswissenschaft  1 — 18.     Freiburg i.  B.   1898 — 1915. 

Archiv  für  wissenschaftliche  Kunde  von  Rußland  (G.  A.  Erman) 
1-25.     Berlin  1841—67. 

Grimm,  Märchen -Anmerkungen  III.  36 


562  Anhang. 

Archiv  für  das  Studium  der  neueren  Sprachen  1 — 134.  Braun- 
schweig 1846—1915. 

Archivio  per  lo  studio    delle   tradizioni    popolari    1 — 28.     Palermo 

1882—1912. 
Arm a na  prouvencau.     Aix  1855  ff. 

Arnason  (J.)  —  Islenzkar  bjoßsögtir  og  Aefintyri  1 — 2.  Leipzig 
1862—64.  —  Translated  by  E.J.Powell  and  E.  Magnüsson. 
1 — 2.  London  1866.  —  Auswahl  dänisch  von  C.  Andersen.  Koben- 
havn  1862.   1877.  —  Vgl.  Lehmann-Filhes  und  Poestion. 

Arnaudin(F.)  —  Contes  populaires  recueillis  dans  la  Grande-Lande. 
Paris   1887. 

Arnaudov  (M.)  —  Bälgarskite  narodni  prikazki,  opit  za  klasifikaci- 
jata  [Bulgarische  Volksmärchen,  ein  Versuch  ihrer  Klassifikation] 

—  Sbornik  za  narodni  umotvorenija  21. 

Arndt  (E.  M.)  —  Märchen  und  Jugenderinnerungen  1 — 2.  Berlin 
1818—1845.     3.  Auflage,  Leipzig  1902. 

Arne. —  Nogle  Forteellinger,  Sagn  og  Aeventyr,  indsamlede  i  Slagelse- 
Egnen.     Slagelse  1862.     (S.  49—85  neun  Märchen.) 

Arnim  (Fr.  v.)  —  Hundert  neue  Märchen  1.  Charlottenburg  1844. 
(20  nr.) 

Arno us  (H.  Gr.)  —  Korea.     Leipzig  1893  (nach  Allen). 

Artin  Pacha  (Y.)  —  Contes  populaires   inedits  de  la  vallee  du  Nil, 

traduits  de  l'arabe  parle.     Paris  1895.  (22  nr.) 
—  —  Contes  populaires    du  Soudan    egyptien.     Paris  1909.    (19  nr.) 

Asbjörnsen  (P.  Chr.)  og  Moe  (J.)  —  Norske  folkeventyr  1 — 2. 
Kristiania  1842  —  44.  2.  Aufl.  1852.  —  Ny  samling.  Kristiania 
1871  (nr.  61  —  105).  Kopenhagen  1876.  —  Zusammen  1—2. 
Kristiania  1896—99  u.  ö.  —  Deutsch  von  F.  Bresemann  mit 
einem  Vorwort  von  L.  Tieck  1—2,  Berlin  1847  (nr.  1—52).  1908. 

—  Englisch  in  Auswahl  von  Gr.  W.  D  a  s  e  n  t ,  Populär  tales  f rom 
the  norse  (Edinburg  1858 ;  3.  ed.  1877)  und  Tales  from  the  field 
(London  1874).  —  Schwedisch  von  H.  Hörner,  Stockholm  1868 
bis  75.  —  Eussisch  von  A.  u.  P.Hansen.     St.  Petersburg  1899. 

Asbjörnsen  (P.Chr.)  —  Norske  folke-  og  huldreevent}^  i  udvalg. 
Kopenhagen  1879  (illustriert).  —  Deutsch  von  P.  Denhardt, 
Leipzig  1881.  —  Schwedisch  von  E.Lundquist,  Stockholm  1881. 

Asb  j  örnsen  (P.  C.)  og  Moe  (J.)  —  Eventyrbog  for  börn  (illustriert). 
1 — 3.  Kopenhagen  1883—87.  —  Deutsch  von  Pauline  Klaiber 
1—3,  München  1909. 

Asbjörnsen(P.)und  Graesse  (J.Th.)  —  Nord  und  Süd,  einMärchen- 
strauss.     Dresden  1858. 

Ashton  (J.)  —  Chapbooks  of  the  18.  Century.     London  1882. 

Asmus  (F.)  und  Knoop  (0.)  —  Sagen  und  Erzählungen  aus  dem 
Kreise  Kolberg-Körlin.     Kolberg  1898. 

d'Athaide  Oliveira  (F.  X.)  —  Contos  tradicionaes  do  Algarve 
1.    Tavira  1900. 


Anhang.  563 

Aulnoy  (Mme  d')  —  Contes  des  fees  (1698)  Anisterdarn  1702.  —  Les 
nouveaux  contes  ou  les  fees  ä  la  mode  1698.  —  (—  Cabinet 
des  fees  2 — 4). 

Aurbacher  (L.)  —  Ein  Büchlein  für  die  Jugend.     Stuttgart  1834. 

Ausflug  nach Ehstland  im  Junius  1807.  Meiningen  1830.  (S.  179 
bis  194  Märchen). 

Ausland,  Das.  Eine  Wochenschrift  für  Kunde  des  geistigen  und 
sittlichen  Lebens  der  Völker  1  —  50.     Stuttgart  1841—93. 

Avadänas:  s.  Julien. 

Aymonier  (E.)  —  Textes  khmers  avec  traduction  sommaire 
Saigon  1878. 

Daader  (B.)  —  Volkssagen  aus  dem  Lande  Baden.    Karlsruhe  1851. 

—  —  Neugesammelte  Volkssagen.     Karlsruhe  1859. 

Bächtold  (H.)  —  Schweizer  Märchen.  Basel  1916.  (70  nr.  aus 
Sutermeister,  Jegerlehner  und  dem  Schweizer.  Archiv  für 
Volkskunde). 

Bäckström  (P.  0.)  —  Svenska  folkböcker.  Sagor,  legender  och 
äfventyr,  efter  äldre  upplagor  och  andra  källor,  jemte  öfversigt 
af  svensk  folkläsning  frän  äldre  tili  närvarande  tid,  1 — 2.  Stock- 
holm 1845-48. 

Bagli  (Gr.  Gr.)  —  Saggio  di  novelle  e  fiabe  in  dialetto  romagnolo. 
Bologna  1887.  (aus:  Atti  e  memorie  della  r.  deputazione  di  storia 
patria  per  le  provinzie  di  Romagna,  3.  Serie,  vol.  5). 

Bahlmann  (P.)  —  Münsterländische  Märchen,  Sagen,  Lieder  und 
Gebräuche.     Münster  i.  W.  1898.  (13  Märchen  nach  Grimm). 

Bain  (R.  N.)  —  Russian  fairy  tales  from  the  skazki  of  Polevoi. 
London  1892.  —  3.  ed.  1901. 

—  —  Cossack  fairy  tales  and  folk  tales.     London  1894.  1902.  (nach 

Kulis,  Rudcenko,  Dragoman ov). 

Baissac  (C)  —  Folklore  de  l'ile-Maurice.     Paris  1888. 

Baital  Pachisi  oder  die  fünfundzwanzig  Erzählungen  eines  Dämon, 
deutsch  von  H.  Oesterley.     Leipzig  1873. 

Bajid  (Ml.  Svetozar)  —  Srpske  narodne  pripovetke  iz  Banata  [Ser- 
bische Volksmärchen  aus  dem  Banat].  U  Novom  Sadu  [Neu- 
satz] 1905. 

Balaganskij  Sbornik:  s.  Changalov. 

Balinski  (K.)  —  Powiesci  ludu,  spisane  z  podan  przez  K.  Balinski- 
ego,  wyboru  i  wydania  K.  Wl.  Woycickiego.  [Volkserzählungen 
den  Überlieferungen  nachgeschrieben,  ausgewählt  und  hsg.  von 
K.  WL  Wojcicki].     Warszawa  1842. 

Bar%cz  (Sadok) —  Bajki,  fraszki,  podania,  przysjowia  i  pieshi  na  Rusi, 
zebral  [Märchen,  Anekdoten,  Traditionen,  Sprichwörter  und  Lieder 
bei  den  Kleinrussen  gesammelt].     2.  Auflage.     Lemberg  1886. 

Baring-Gould  (S.)  —  Household-Stories :  s.  Henderson. 

36* 


564  Anhang. 

Bartoä  (F.)  —  Nasedeti:  Jejich  zivot  v  rodine,  mezi  sebou  a  v  obci, 
jejich  poezii,  zäbavj  a  hry  i  prace  spolecne  popisuje  [Unsere 
Kinder:  ihr  Leben  in  der  Familie  und  Gemeinde,  ihre  Poesie, 
Spiele  usw.  beschrieben].     Brunn  1888. 

Bartsch  (K.)  —  Schlesische  Märchen  (Schlesische  Provinzialblätter 
n.  F.  3-4.     Breslau  1864—65). 

—  —    Sagen,    Märchen    und    Gebräuche    aus    Meklenburg.     1 — 2. 

Wien  1879. 

Basile  (G.)  —  Lo  cunto  de  li  cunti,  overo  lo  trattenemiento  de 
peccerille  de  Gian  Alesio  Abbattutis,  Jornata  1 — 5.  Napoli 
1634—36. 

— •  • —  Lo  cunto  de  li  cunti  a  cura  di  B.  Croce,  1.  Napoli  1891.  (nur 
Jornata  1 — 2). 

—  —  Der  Pentamerone,  oder  das  Märchen  aller  Märchen,  übertragen 

vonF.Liebrecht  1  — 2.  Breslau  1846.  —  Danach  von  H.  Flo  er  ke. 

1—2.  München  1909. 
Giambattista  Basile.     Archivio  di  letteratura  popolare,  direttore 

L.  Molinaro  del  Chiaro.     1  —  11.  Napoli  1883—1907. 
Basset  (R.)  —    Contes  populaires    berberes    1  —  2.  Paris    1887 — 97. 

(133  nr.) 
Loqman  berbere.     Paris  1890. 

—  —  Etudes  sur  la  Zenatia  du  Mzab.     Paris  1892. 

—  —  Etudes  sur  la  Zenatia  de  l'Ouarsenis   et  du  Maghreb   central. 

Paris  1895. 

—  — ■  Contes  populaires  d'Afrique.     Paris  1903. 

—  —  Mission  au  Senegal  1:    Etüde    sur    le  dialecte  Zenaga.     Paris 

1909—13. 
Bastian  (A.)  —  Die  Völker  des  östlichen  Asien  1 — 6.  Leipzig  1866 — 71. 

—  —  Geographische  und  ethnologische  Bilder.     Jena  1873. 

Baudouin  de  Courtenay  (J.)  —  Materialien  zur  südslavischen  Dia- 
lektologie und  Ethnographie  2 :  Sprachproben  in  den  Mundarten 
der  Slaven  von  Torre  in  Nordost-Italien,  gesammelt  und  hsg. 
St.  Petersburg  1904  (=  Sbornik  otdel.  rus.  jaz.  Imper.  Akademii 
Nauk  78).  —  (Vgl.  Polivka,  Archiv  29,  473.) 

Baumgarten  (A.)  —  Aus  der  volksmäßigen  Überlieferung  der  Heimat 
1—3  =  Linzer  Musealbericht  23.  24.  29  (1862.  1864.  1870). 

Bayer  (F.)  —  Valasske  narodni  pohadky  a  povesti  z  okoli  Roznovskeho, 
sebral  [Walachische  Volksmärchen  und  Sagen  aus  der  Umgegend 
von  Poznov,  gesammelt].     Kremsier  1874. 

—  —  Valasske  narodni  pohadky,   ze  sbirky  B.  M.  Kuldy  a  svoji  pro 

mladez  vydal    [Walachische  Volksmärchen    und  Sagen    aus    der 

Sammlung  des  B.  M.  Kulda    und    seiner   eignen  ausgewählt  für 

die  Jugend].     Olmütz  1875. 
Beal  (S.)  —  The  romantic  legend  of  Sakya  Buddha.     London  1875. 
Beaumont  (Marie  Le  Prince  de).  —  Magasin  des  enfants  ou  dialogues 

entre    une    sage    gouvernante    et    plusieurs    de  ses  eleves   1 — 4. 

Londres  1757.     Francfort  1760.  —  Deutsch  1762. 
Beauquier  (Ch.)  —  Blason  populaire  de  Franche-Comte.    Paris  1897. 


Anhang.  565 

Beauvois  (E.)  —  Contes  populaires  de  la  Norvege,  de  la  Finlande 
et  de  la  Bourgogne.     Paris  1862. 

Bebel  (H.)  —  Libri  Facetiarum.  Argentine  1509  u.  ö.  —  Schwanke 
in  vollständiger  Übertragung  hsg.  von  A.  Wesselski,  1 — 2. 
München  1907. 

Bechstein  (L.)  —  Deutsches  Märchenbuch.  Leipzig  1845.  (89 
Märchen).  —  12.  Aufl.  1853  ill.  von  L.  Richter  (80  nr.)  —  29. 
Aufl.  1874  (48  nr.) 

Neues  deutsches  Märchenbuch.  Wien  1856.  —  18.  Aufl.  Pest  1871. 

B ehrend  (P.)  —  Märchenschatz.  Märchen  in  Westpreußen  ge- 
sammelt und  nach  dem  Volksmunde  wiedergegeben.  Danzig 
1908.  (25  nr.) 

Benes-Tfebizsky  (V.)  —  Närodni  pohadky  a  povesti,  vypravuje 
[Volksmärchen  und  Sagen  erzählt].     Prag  o.  J. 

Benfey  (Th.)  —  Pantschatantra :  fünf  Bücher  indischer  Fabeln, 
Märchen  und  Erzählungen,  aus  dem  Sanskrit  übersetzt  mit  Ein- 
leitung und  Anmerkungen.     2  Teile.     Leipzig  1859. 

—  —  Kleinere  Schriften  zur  Märchenforschung.     Berlin  1894  (=  Ge- 

sammelte kl.  Schriften,  3.  Abt.) 
Bennigsen    (Graf   A.   P.)    —    Legendy    i    skazki    centralnoj    Azii 

[Legenden  und  Märchen  aus  Zentral- Asien].  St.  Petersburg  1912. 
Berenger-Feraud(L.  J.  B.) —  Contes  de  la  Senegambie.    Paris  1885. 

—  —  Contes  populaires  des  Provencaux  de  l'antiquite.  Paris  1887  > 
Berg  (C.)  og  Gaedecken  (E.)  —  Nordiske  Sagn.  Kjobenh.  1868. 
Berge  (R.)    —    Norske  Folkeeventyr    samla    og    sagde.     Kristiania 

1914.  —  (vgl.  Christiansen,  Zs.  f.  Vk.  25,  419). 

Bergh  (H.)  —  Segner  fraa  Bygdom,  sogur  fraa  Valdris  og  Halling. 
dal.     Christiania  1879. 

Bergh  (H.  E.)  —  Ny e  Folke-Eventyr  og  Sagn  fra  Valders.  Kristia- 
nia 1879.     1882.     1886. 

Bergmann  (B.)  —  Nomadische  Streifereien  unter  den  Kalmücken  1 — 4. 

Riga  1804—1805. 
Bergsträsser  (G.)    —    Neuaramäische  Märchen    und  andere  Texte 

aus  Ma'lüla.     Leipzig    1915    (Abhandlungen    für  die  Kunde  des 

Morgenlandes  13,  2 — 3). 
Bergström  (K.)  och  Nordlander  (J.).  —  Sagor,  sägner  och  visor. 

Stockholm  1885  (=  Sv.  landsmälen  5,  2). 
B  ernon  i  (D.  G.)  —  Fiabe  popolari  veneziane  raccolte.    Venezia  1873. 

—  —  Tradizioni  popolari  veneziane.     Venezia  1875. 

Berntsen  (K.)  —  Folkeseventyr  1—2.    Odense  1873—83.  —  2.  Aufl. 

Kopenhagen  1916. 
Bertram  (Dr.)  —  Jenseits  der  Scheeren,  oder  der  Geist  Finnlands, 

eine     Sammlung     finnischer     Volksmärchen    und     Sprichwörter. 

Leipzig  1854. 
Berze    Nagy    (J.)    —    Nepmesek  Heves-es  Jdsz-Nagykun-Szolnok- 

Megyeböl   [Volksmärchen    aus    dem    Heves-    und  Jasz-Nagykun- 

Szolnokkomitat],    Budapest  1907.  (=  Magyar  nöpköltesi  gyüjt.  9.) 

(88  nr.)     \ 


566  Anhang. 

Bessaraba  (J.  V.)  —  Materialy  dlja  etnografii  sedleckoj  gubernii 
[Materialien  zur  Etnographie  des  Gouv.  Siedlec].  (Sbornik  der 
Abt.  für  russ.  Sprache  und  Lit.  der  kais.  Akademie  der  Wiss. 
Bd.  75.     St.  Petersburg  1903). 

Bezemer  (T.  J.)  —  Javaansche  en  maleische  Fabelen  en  Legenden. 
Amsterdam  [1903]. 

—  —  Volksdichtung  aus  Indonesien,  Sagen,  Tierfabeln  und  Märchen. 

Haag  1904. 

Bezzenb  erger  (A.)  —  Litauische  Forschungen.  Göttingen  1882 
(S.  36  12  Geschichten). 

Biblioteca  de  las  tradiciones  populäres  espanolas  1 — 11.  Madrid 
1884—86. 

Bijdragen  tot  de  taal-,  land-  en  volkenkunde  van  Nederlandsch- 
Indie  1—72.     's  Gravenhage  1853—1916. 

Bin  Gorion  (M.  J.  Berdyczewski)  —  Der  Born  Judas.  Legenden, 
Märchen  und  Erzählungen  1.     Leipzig  1916. 

Birlinger  (A.)  —  Volkstümliches  aus  Schwaben  1 — 2.  Freiburg 
i.  B.  1861—62. 

—  —  Aus  Schwaben  1 — 2.     Wiesbaden  1874. 
Nimm  mich  mit.     Freiburg  i.  B.  1871. 

Black  (G.  F.)  —  Examples  of  printed  folk-lore  concerning  the 
Orkney  and  Shetland-Islands.     London  1903. 

Blade  (J.  F.)  —  Contes  et  proverbes  populaires  recueiilis  en  Arma- 
gnac.     Paris  1867. 

—  ■ —  Contes  populaires  recueiilis  en  Agenais,    suivis  de  notes  com- 

paratives  par  R.  Köhler.     Paris  1874. 

—  —  Contes  populaires  de  la  Gascogne  1 — 3.    Paris  1886.  —  (vgl. 

R.  Köhler  1,  114). 
Contes  de  la  Gascogne.     Paris  1895.     (Nichts  Neues.) 

Blagajic  (K.)  —  Hrvatske  narodne  pjesme  i  pripoviedke  iz  Bosne, 

sakupio  i  na  sviet  izdao  [Kroatische  Volkslieder  und  Erzählungen, 

gesammelt  und  hsg.]  U  Zagrebu  1886. 
Blakeborough  (R.)    —    Wit,  character,    folklore    and    customs    of 

the  north  riding  of  Yorkshire.     London  1898. 
Blätter  für  pommersche  Volkskunde  1—10.     Stettin  1893—1902. 
Blazek  (A.)    —    Povesti    a    pamatky   z  Chrudimska    [Märchen    und 

Erinnerungen  aus  Chrudim].     Chrudim  1907. 
B 1  e  e  k   ( W.  H.  J.)  —  Reynard  the  fox  in  South  Africa,  or  Hottentot 

fables  and  tales.     London  1864.     (42  nr.) 

—  —  Reineke  Fuchs  in  Afrika,  Fabeln  und  Märchen  der  Eingebornen. 

Weimar  1870  (44  hottentottische  und  39  nordafrikanische  Märchen). 
Blüm  ml    (E.  K.)    —    Schnurren    und   Schwanke    des    französischen 

Bauern volkes.     Leipzig  1906.     (79  nr.) 
Boas  (F.)    —    Indianische    Sagen    von    der    Nord-Pacifischen  Küste 

Amerikas.     Berlin  1895. 
Bogdanovi6  (D.)  —   Izabrane   narodne  pripovijetke  [Ausgewählte 

Volksmärchen].     Agram  1914. 


Anhang.  567 

Böhm  (M.)  —  Lettische  Schwanke  und  verwandte  Volksüber- 
lieferungen.    Eeval  1911.     (54  nr.) 

Boira  (ß.)  —  El  libro  de  los  cuentos  1—3.     Madrid  1862. 

Bompas  (C.  H.)  —  Eolktales  of  the  Santal  Parganas.    London  1909. 

Bondeson  (A.)  —  Halländska  sagor.     Stockholm  1880. 

—  —  Svenska  folksagor.     Stockholm  1882. 
Historiegubbar  pä  Dal.     Stockholm  1886. 

Bosanska  Vila.  List  za  zabavu,  pouku  i  knjizevnost  [Bosnische 
Vila]  uredio  Mkola  T.  Kasikovic.     Sarajevo  1886  f. 

Bosanske  narodne  pripovjedke,  svezak  1,  skupio  i  na  svietlo 
izdao  zbor  redovnicke  omladine  bosanske  u  Djakovu  [Bosnische 
Volkserzählungen  Heft  1,  gesammelt  und  hrsg.  vom  Verein  der 
bosnischen  geistlichen  Jugend  in  Djakovo].    Sissek  1870. 

Bosanski  prijatelj.  Casopis  saderzavaju6i  potrebite,  koristne  i 
zabavne  stvari.  Urednik  J.  F.  Jukic  Banjalucanin  1 — 3. 
U  Zagrebu  1850  f. 

B  o  s  q u  e  t  (A.)  —  La  Normandie  romanesque  et  merveilleuse. 
Paris  1845. 

Bouche  (P.)  —  La  Cöte  des  esclaves  et  le  Dahomey.    Paris  1885. 

Braga  (Th.)  —  Contos  tradicionaes  do  povo  portuguez  1 — 2.  Porto  1883. 

B  r  a  s  e  t  (R.)  —  Gamalt  paa  Sporbumaal  1 :   Öventyr,  sagn.     2 :  Hollra- 

öventyra,    Svanöventyra.     Sparbu  1910.     (vgl.    Christiansen,    Zs. 

f.  Vk.  25,  413). 
Brastvo  12 — 13.     Belgrad    1908.     Hsg.    von    der  Gesellschaft    des 

hl.  Sava. 
Brauns  (D.)  —  Japanische  Märchen  und  Sagen.     Leipzig  1885. 
Brett  (W.  H.)  —  Legends  and  Myths  of  the  aboriginal  Tribes  of 

British  Guiana  [1880]. 
Bricteux    (A.)    —    Contes    persans,    traduits    sur    un    ms.    de    la 

bibliotheque  de  Berlin.     Liege  1910.     (14  nr.) 
Brinton  (D.  G.)  —  The  Myths  of  the  New  World.     1868. 

—  —  American  Hero  Myths.     1882. 

Broch  (Olaf)  —  Studien  von  der  slovakisch-kleinrussischen  Sprach- 
grenze im  östlichen  Ungarn.  Weitere  Studien  .  .  .  Kristiania 
1897.  1899  (Videnskabsselskabets  skrifter,  historisk-filosof.  klasse 
1897  nr.  5.     1899  nr.  1). 

Bronisch  (G.)  —  Kaschubische  Dialektstudien,  2.  Heft :  Texte  in  der 
Sprache  der  Bölöce.     Leipzig  1898. 

Bröring  (J.)  —  Das  Saterland  1—2.  Oldenburg  1897—1901.  (2, 
283  sechs  Märchen). 

Brosbell  (J.  C.  Ch.)  —  s.  Etlar. 

Brueyre  (L.) —  Contes  populaires  de  la  Grande-Bretagne.  Paris  1875. 

—  —  Contes  populaires  de  la  Pussie.     Paris    1874.    (nach   Ealston). 
Brunclik  (J.)    —    Kytice  z  prostonärodnich  ceskych  pohadek  [Ein 

Strauß  böhmischer  Volksmärchen].     Groß-Meseritsch  o.  J. 
Brunet  (V.)  —  Contes  populaires  de  la  Basse-Normandie.  Paris  1900. 


568  Anhang. 

Brunneck  (F.)  —  Rumänische  Volksmärchen.     Dresden  1901. 

Brunk(A)   —    Volkskundliches    aus    Garzigar.      Labes    1901    (aus 
Bl.  f.  pommersche  Vk.  9). 

Bruns  (S.  J.)  —  Tales  of  Languedoc.     San  Francisco  1896. 

Buch  (M.)    —    Die  Wotjäken.     Helsingfors   1882.     (Acta  societatis 
scientiarum  Fennicae  12). 

Buchon  (J.  A.)  —  La  Grece  continentale  et  la  Moree.     Paris  1843 

(p.  263  vier  Märchen;  vgl.  R.  Köhler  1,  368). 
Bufkovä-Wanklova    (M.)    —     Z    Jecminkovy    ?i§e.      Moravske 

povidky    a    povesti    [Aus    dem    Reiche    des    Königs    Jecminek. 

Mährische  Erzählungen  und  Sagen].     Prag  o.  J. 
Bugge  (S.)  och  Berge  (R.)    —    Norske    eventyr    och    sagn    1 — 2. 

Kristiania    1909—13.     (vgl.     Christiansen,    Zs.   f.  Vk.    25,    412). 
Bukovansky  (K.  J.)  —  Slezske  bäje  a  povesti  närodni  [Schlesische 

Volksmythen  und  Sagen].     Mährisch-Ostrau   1877. 
B ul  a s  e  v  (Gr.  0.)  —  Ukrainskij  narod  v  svoich  legendach  i  religioznych 

vozzrenijach    [Das   ukrainische   Volk    in    seinen    Legenden    und 

religiösen  Grundanschauungen  und  Glauben].     Kiew  1909. 
Bulletin   de  folklore   1—3,  2.     Brüssel   1891—98.     (E.    Monseur) 

Bundi  (G.)  —  Engadiner  Märchen  1—2.     Zürich  1902—1904. 

Aus  dem  Engadin.    Märchen  und  Schwanke.    Bern  1913  (8  nr.) 

Bunker  (J.  R.)   —    Schwanke,    Sagen  und  Märchen   in  heanzischer 

Mundart.     Leipzig  1906.     (113  nr.) 
Busch  (W.)    —    Ut    öler  Welt.     Volksmärchen,    Sagen,  Volkslieder 

und    Reime    gesammelt.       München    1910.       (41    Märchen    aus 

Wiedensahl,  um  1850). 
B  üsching  (J.  G.)  —  Volkssagen,  Märchen  und  Legenden.  Leipzig  1812. 

(S.  245  fünf  Märchen). 
B  usk  (R.  H.)  —  Patranas,  or  spanish  stories,  legendary  and  traditional. 

London  1870. 

—  —  The  folk-lore  of  Rome.     London  1874.  —  s.  auch  Jülg. 
Büttner  (C.  G.)  —  Lieder  und  Geschichten  der  Suaheli.  Berlin  1894. 

Caballero  (F.    =    Cecilia  Bohl  de  Faber)   —    Cuentos  y  poesias 
populäres  andaluces,  coleccionados.     Leipzig  1866. 

—  —  Cuentos,    oraciones,   adivinas  y  refranes  populäres  e  infantiles. 

Leipzig  1878  (vorher  Madrid  1877). 

—  —  Spanische  Volkslieder  und  Volksreime ;    spanische  Volks-  und 

Kindermärchen ;  einfache  Blüten  religiöser  Poesie  übertragen  von 

W.    Hosäus.      Paderborn    1862    (=    F.    Caballero,    Ausgewählte 

Werke  16). 
Cabinetdesfees,    ou   collection    choisie   des   contes   des  fees  et 

autres  contes  merveilleux  1 — 41.     Geneve  et  Paris  1785 — 89. 
Callaway  (C.)  —  Nursery   Tales,   Traditions   and    Histories   of  the 

Zulus.     Natal  &  London  1868. 
Campbell  (A.)  —  Santal  Folk  Tales.     London  1892. 


Anhang.  569 

Campbell  (J.  F.)  —  Populär  Tales  of  the  West -Highlands  1—4. 
Edinburgh  1860—62.  —  2.  edit.  1—4.  London  1890—93.  — 
(Vgl.  R.  Köhler  1,  155.) 

Campbell  (J.  Gr.)  —  Clan  Traditions  and  Populär  Tales  of  the 
Western  Highlands.     London  1895. 

Carleton  (W.)  —  Traits  and  stories  of  the  irish  peasantry.  London 
1830.     4.  ed.  1864.  —  Deutsch  von  H.  Roberts.     Leipzig   1837. 

Carnoy  (E.  H.)  —  Litterature  orale  de  la  Picardie.      Paris    1883. 

—  —  Legendes  de  la  France.     Paris  1885. 
Contes  francais.     Paris  1885. 

Carnoy  (E.  H.)  et  Nicolai' des  (J.)  —  Traditions  populaires  de 
l'Asie  Mineure.     Paris  1889. 

Casalis  (E.)  —  Etudes  sur  la  langue  Sechuana.     Paris  1841. 

—  —  Les  Bassoutos.     Paris  1859. 

Casati  (Gr.)  —  Zehn  Jahre  in  Äquatoria  1 — 2.     Bamberg  1891. 

Cassel  (P.)  —  Aus  dem  Lande  des  Sonnenaufgangs.  Japanische 
Sagen.     Berlin  1885. 

Castren  (M.  A.)  —  Nordische  Reisen  und  Forschungen  4:  Ethno- 
logische Vorlesungen  über  die  altaischen  Völker  nebst  samo- 
jedischen  Märchen  und  tatarischen  Heldensagen.  St.  Petersburg 
]857.  (S.  158  fünf  Märchen.)  —  Gleichzeitig  erschien  eine 
schwedische  Ausgabe,  Helsingfors  1857. 

Cavallius  (Gr.  0.)  —  s.  Hylten. 

Cenac-Moncaut.  —  Contes  populaires  de  la  Gascogne.    Paris  1861. 

—  —  Litterature  populaire  de  la  Gascogne.     Paris  1868. 

Cent  et  une  nuits,  traduites  de  l'arabe  par  M.  Gaudefroy- 
Demombynes.     Paris  o.  J.  (vgl.  Chauvin  4,  121). 

Cercha  (St.)  —  Basni  ludowe,  zebrane  we  wsi  Przebieczanach  w 
powiecie  Wielickim  [Volksmärchen,  gesammelt  im  Dorfe 
Przebieczany  im  Bezirke  Wieliczka]  =  Materyafy  antropolog.  1, 
51—98.  —  (15  nr.) 

Cerny  (Elvire  de)  —  Contes  et  legendes  de  Bretagne.     Paris  1899. 

Cerquand  —  Legendes  et  recits  populaires  du  pays  basque  1 — 4. 
Pau  1875—82  (aus  Bulletin  de  la  soc.  des  sciences  de  Pau, 
2.  serie,  tome  4.  5.  7.  11.).  —  (117  nr.) 

—  —  L'imagerie  et  la  litterature  populaire  dans  le  comtat  Venaissin 

1600—1830.    Avignon  1883. 
Certeux   (A.)    et    Carnoy    (E.  H.)    —    L'Algerie  traditionnelle  1. 

Paris  1884. 
Chalatianz  (G.)  —  Märchen  und  Sagen.  Leipzig  1887  (=  Armenische 

Bibliothek  4). 
Champfleury  (=  J.  Fleury)  —  Histoire   de  l'imagerie   populaire. 

Paris  1869.     1886. 
Chamberlain  (H.)  —  Aino  Folk-tales.     London  1888. 
Chambers  (R.)  —  Populär  rhymes    of  Scotland.     Edinburgh  1841. 

—  rep.  1870. 


570  Anhang. 

Changalov  (M.  N.)  —  Balaganskij  Sbornik.  Skazki,  poverja  i 
nekotoryje  obrjady  u  severnych  Burjat  [Märchen,  Aberglauben 
und  einige  Gebräuche  der  nördlichen  Buräten].  Tomsk  1903 
(Trudy  der  ostsibirischen  Sektion  der  k.  russ.  geogr.  Gesellschaft). 

Chapelot  (J.)  —  Contes  balzatois.    Angouleme  1877. —  5.  ed.  1883. 

Chapiseau  (F.)  —  Le  folk-lore  de  la  Beauce  et  du  Perche  1 — 2. 
Paris  1902. 

Charvät  (Vladimir  J.)  —  Z  ceskeho  jihu.  Sbirka  jihoceskeho 
podäni  lidoveho  [Aus  Südböhmen.  Sammlung  südböhmischer 
Volksüberlieferungen].     Prag  1898.     (Matice  lidu  roc.  32,  nr.  3). 

Chatelain  (H.)  —  Folk-tales  of  Angola.     Boston  1894. 

Chauvin  (V.)  —  Bibliographie  des  ouvrages  arabes  ou  relatifs  aux 
Arabes  publies  de  1810  ä  1885,  1—11.  Liege  1892—1909. 
(2:  Kalilah.  3:  Louqmäne  etc.  4 — 7:  Les  1001  nuits.  8:  Syn- 
tipas.     9:  Pierre  Alphonse  etc.) 

Chavannes  (E.)  —  Cinq  cent  contes  et  apologues  extraits  du 
Tripitaka  chinois  et  traduits   en  francais  1 — 3.     Paris  1910 — 11. 

—  Vgl.    Actes    du    14.  congres    international    des    Orientalistes 
5,  84-145.     1906. 

Chavannes  (G.)  —  Die  russischen  Volksmärchen  (Die  Wissenschaften 
im  19.  Jahrh.  ed.  Romberg  9,  89—132). 

Cheap  (J.)  —  The  chapman's  library:  The  scottish  chap  literature 
of  last  Century,  classified.  1 — 3.     Glasgow  1877 — 78. 

Chelchowski  (St.)  —  Powiesci  i  opowiadania  ludöwe  z  okolic 
Przasnysza,  zebral  [Volkssagen  und  Erzählungen  aus  der  Gegend 
von  Przasnysz,  Gouv.  Plock,  gesammelt]  1 — 2.  Warszawa  1889 — 90. 

—  (Bibljoteka  Wisly  tom.  3.  —  86  nr.) 

Child  (F.  J.)  —  English  and  scottish  populär  ballads  1 — 10. 
Boston  1882—98. 

Chodzko  (A.)  —  Contes  des  paysans  et  des  patres  slaves.   Paris  1864. 

Christen  sen  (A.  M.  H.)  —  Afro- American  Folk-lore.     1892. 

Chudjakov  (J.  A.)  —  Velikorusskija  skazki  [Großrussische  Märchen] 
Heft  1—3.     Moskva  1860—62. 

Ciszewski  (St.)  —  Lud  rolniczo-görniczy  z  okolic  Slawkowa  w 
powiecie  Olkuskim,  opisal  [Das  Ackerbau  und  Bergbau  treibende 
Volk  aus  der  Umgebung  von  Slawkov  im  Bezirk  Olkusz,  be- 
schrieben]. Krakauer  Akademie,  Zbior  S.  207 — 277  (S.  A.  aus 
Zbiör  10—11). 

—  —  Krakowiacy,  monografja  etnograficzna  1 :  Podania,  powiesci 
fantastyczne,  powiesci  anegdotyczno-obyczajowo-moralne,  bajki  o 
zwierze_tach,  zagadki  i  iamigiowki  [Das  Krakauer  Volk,  eine 
ethnographische  Monographie  1 :  Traditionen,  Märchen,  Anekdoten. 
Tierfabeln,  Rätsel].     Krakau  1894.  —  (277  nr.) 

Clement  (K.  J.)  —  Der  Lappenkorb  von  Gabe  Schneider  aus 
Westfriesland.  Leipzig  1846.  (S.  317  nordfriesische  Märchen 
und  Schwanke).  —  vgl.  J.H. Halb  ertsma,  De  Lapekoer  fen  Gabe 
Scroar,  3.  Aufl.  Deventer  1834. 


Anhang.  571 

Clouston  (W.  A.)  —  Populär  Tales  and  Fictions,   their  inigrations 

and  transformations  1 — 2.     London  1887. 
The  Book  of  Noodles.     London  1888. 

—  —  Eastern  Romances.     London  1889. 

—  —  Flowers  from  a  persian  garden.     London  1890. 

Cock  CA.  de)  —   Rond  den  Heerd.     Gent  [1890]. 

—  —  Uit  de  Wonderwereld,  Sprookjes  voor  groote  en  kleine  Rinderen. 

Gent  1889. 

—  —  en  Teirlinck    (Is.)    —    Brabantsch  Sagenboek    1 — 3.     Gent 

1909—1912. 
Co  dring  ton  (R,  H.)  —  Tke  Melanesians.    Oxford  1891.  (p.  356—411 

Stories). 
Coeckelbergs  (F.)  —  Sprookjes,    Legenden,    Sagen,    Liederen  te 

Heyst-op-den-Berg.     Antwerpen  1908. 
Coelho  (A.)  —  Contos  populäres  portuguezes.    Lisboa  1879.   (75  nr.) 

—  —  Contos  nacionaes.     Lisboa  1882.     (26  nr.) 

Colshorn  (C.  und  Th.)  —  Märchen  und  Sagen.  Hannover  1854. 
Comparetti  (D.)  —  Novelline  popolari italiane.  Torino  1875.  (70  nr.) 
Consiglieri-Pedroso    —    Portuguese   Folk -Tales   translated  by 

H.  Monteiro.     London  1882    (Publ.   of    the  Folk-lore  Society  9). 
Constantinescu  (B.)    —   Probe  de  limbä  si  literatura  Tiganilorü 

in  Romänia.     Bukarest  1878 
Contes  licencieux  de  l'Alsace,  racontes  par  le  magnin  de  Rougemont. 

Kleinbronn-Paris  1906. 
Corazzini  (F.)  —  I  componimenti  minori  della  letteratura  popolare 

italiana  nei  princi  pali  dialetti.     Benevento  1877. 
Cornelissen    (P.  J.)    en  Vervliet  (J.  B.)    —    Vlaamsche  Volks- 

vertelsels  en  kindersprookjes.     Lier  1900. 
Coronedi-Berti  (C.)    —    ISTovelline    popolari    bolognesi.     Bologna 

1874  (aus  Propugnatore  7 — 9.    —    21  nr.).    —    2.  ediz.    Bologna 

1883.     (50  nr.) 
Cosquin  (E.)  —  Contes  populaires  de  Lorraine  1 — 2.    Paris  [1887]. 

(84  nr.  mit  ausführlichen  Anmerkungen).  —  Zuerst  in  der  Roman ia 

5-1U  (1876—1881). 
Co  well:  s.  Jätaka. 

Crane  (T.  F.)  —  Italian  populär  Tales.     London  1885. 
Cronise  (F.  M.)  and  Ward  (H.  W.).  —  Cunnie  Rabbit,   Mr.  Spider 

and  the  other  beef.     West  african  folktales.     London  1903. 
Croker  (T.  C.)    —   Fairy    Legends    and   Traditions  of  the  South  of 

Ireland  1—3.     1825—28.     New  edition  London  1834.     1862.  — 

Der  1.  Teil    deutsch   von  Wilh.  Grimm,    Irische   Elfenmärchen. 

Leipzig  1826  und  München  1906. 
Crooke    (W.)    —     An    Introduction    to    the    populär    Religion    and 

Folk-lore   of   Northern  India.     Allahabad  1894.    —    1—2.  West- 

minster  1896. 
Cukasaptati,    Textus  simplicior  übersetzt   von   R.  Schmidt.     Kiel 

1894.  —  Textus  ornatior.     Stuttgart  1896. 


572  Anhang. 

Curtin  (Jer.)  —  Myths  and  Folk-tales  of  the  Russians,  Western 
Slaves  and  Magyars.     London  1890. 

—  —  Myths  and  Folk-lore  of  Ireland.     Boston  1890. 

Hero  Tales  of  Ireland.     London  1894. 

Curtze  (L.)  ■ — Volksüberlieferungen  aus  dem  Fürstentum  Waldeck. 
Arolsen  1860.     (37  Märchen.) 

Cushing  (F.  H.)  -  Zuni  folk  tales.     New  York  1901. 

Czambel  (S.)  —  Slovenskä  rec  a  jej  miesto  v  rodine  slovanskych 
jazykov  1.  [Die  slovakische  Sprache  und  ihre  Stellung  in  der 
slavischen  Sprachenfamilie  1.]     V  Turcianskom  sv.  Martine  1906. 

0  a  s  o  p  i  s  Matice  Moravske  [Zeitschrift  des  mährischen  Vereins  Matice 
Moravskä].     Bd.  1  folg      Brunn  1869  f. 

Casopis  museal,  slovenskej  spolocnosti  [Zeitschrift  der  Gesellschaft 
des  slovakischen  Museums]  Bd.  1  f.     Türe.  sv.  Martin  1898  f. 

Cerny  (Ad.)  —  Mythiske  bytosce  luziskich  Serbow  [Die  mythischen 
Wesen  der  Lausitzer  Serben].     Budysin-Bautzen  1898. 

Cernysev  (V.  J.)  —  Svedenija  o  narodnych  govorach  nekotory ch 
selenij  Moskovskago  ujezda  [Berichte  über  die  Dialekte  einzelner 
Ortschaften  im  Moskauer  Bezirk].  Sbornik  Otdel.  russ.  jazyka 
i  siov.  Imp.  Akad.  Nauk.  Bd.  68.  3.  St.  Petersburg  1900 
[Sammelbände  der  Abteilung  für  russ.  Sprache  und  Lit.  der 
kais.  Akademie  der  Wissenschaften]. 

Cesky  Lid,  Sbornik  venovany  studiu  lidu  ceskeho  v  Cechach,  na 
Morave,  ve  Slezsku  a  na  Slovensku.  Red.  Cenek  Zibrt  [Das 
böhmische  Volk,  ein  Sammelwerk  gewidmet  dem  Studium  des 
böhmischen  Volkes  in  Böhmen,  Mähren,  Schlesien  und  in  der 
Slovakei]  1—23.     Prag  1891—1914. 

Colakov  (V.)  —  Bälgarskij  naroden  sbornik  1.  [Bulgarischer  Volks- 
Sammelband.]     Bolgrad  1872. 

Cubinskij  (P.  P.)  —  Trudy  etnograficesko-statisticeskoj  ekspedicii  v 
zapadno-russkij  kraj  snarjazennoj  imperat.  russkim  geograficeskim 
obscestvom.  Jugozapadnyjotdel.  Materialy  i  izsledovanija  sobrannyja 
[Arbeiten  der  ethnographisch-statistischen  Kommission,  die  von 
der  kais.  russischen  geographischen  Gesellschaft  in  die  west- 
russischen Länder  ausgesandt  wurde,  Südwestliche  Abteilung. 
Materialien  und  Forschungen  gesammelt]  2.  Band,  hsg.  unter 
Aufsicht  von  P.  A.  Hiltebrandt:  Kleinrussische  Märchen. 
St.  Petersburg  1878.  —  (146  mythische  Märchen  und  146 
Märchen  aus  dem  Leben.) 

(Jüdin  ski]  (E.)  —  Russkija  narodnyja  skazki  [Russische  Volks- 
märchen].    Moskau  1864. 

Daae  (L.)  —  Norske  Bygdesagn  1—2.     Kristiania  1872—1881. 

Dähnhardt  (0.)  —  Naturgeschichtliche  Volksmärchen.  Leipzig 
1898.  —  3.  Aufl.  1—2.     1909. 

—  —  Deutsches  Märchenbuch  1 — 2.     Leipzig   1903. 

—  —  Schwanke  aus  aller  Welt.     Leipzig  1908. 


Anhang.  573 

Dähnhardt  (0.)  —  Natursagen,  eine  Sammlung  naturdeutender  Sagen, 

Märchen,  Fabeln  und  Legenden,  1 :  Sagen  zum  Alten  Testament.  2  : 

Sagen  zum  Neuen  Testament.  3 — 4:  Tiersagen.  Leipzig  1907 — 1912. 
Dania,     Tidsskrift     for    Folkemäl     og     Folkeminder,     udgivet     af 

0.  Jespersen  og  K.  Nyrop  1  —  10.     Kopenhagen  1890 — 1903. 
Danica,    List  za  zabavu  i  knjizevnost    [Zeitschrift  für  Unterhaltung 

und  Literatur]    Bd.  8—9.     U  Novom  Sadu   [Ujvidek]    1868—69. 
Danske  Studier  udg.   af  M.  Kristensen  og  A.  Olrik,  Kopenhagen 

1904—1917. 
Dardy  (L.)  —  Anthologie  populaire  de  1' Albret,  2:  Contes  populaires. 

Agen  1891.     (82  nr.) 
Dasent:  s.  Asbjörnsen. 

DaviSsson  (Olafur)  —   Islenzkar  bjo<5sögur.     Reykjavik  1895. 
Day  (Lal  Behary)  —  Folk-tales  of  Bengal.     London  1883. 
Dayrell  (E.)    —   Folk  stories  from  Southern  Nigeria,  West  Africa. 

London  1910. 
Decourdemanche    (J.  A.)    —    Les    plaisanteries    de  Nasr  Eddin 

Hodja.     Paris  1876. 

—  —  Sottisier  de  Nasr  Eddin  Hodja.     Bruxelles  1878. 
Fables  turques.     Paris  1882.     (149  nr.) 

Decurtins  (C.)  —  Rätoromanische  Chrestomathie,  2.  Band:  Sur- 
selvisch,  Subselvisch.  Erlangen  1901.  (S.  1—128:  103  Märchen. 
Die  nr.  11—30  sind  bei  Jecklin  1,  101  =  1916  S.  583 
verdeutscht.)  —  10.  Band:  Sursettisch,  Sutsettisch.  1916 
(S.  610—643:  22  Märchen).  —  11.  Band:  Bergellisch,  Unter- 
engadinisch.     1917  (S.  220-235:  4  Märchen). 

AeZtiov   vfjg  lo-TOQixfjs  zai  i&voZoyixrjg   eiaiglag  %f]g  'EXXddog 

1—5.     Athen  1883—1900. 
Dennett  (R.  E.)    —    Notes  of  the  Folk-lore    of    the  Fjort,  French- 

Congo.     London  1898. 
Dennys  (N.  B.)  —  The  Folklore  of  China.     London  1876. 
Des  Michels  (A.) —  Chrestomathie  cochinchinoise,  recueil  de  textes 

annamites.     Paris  1872. 

—  —  Quelques    contes    populaires    annamites.     (Nouveaux   melanges 

orientaux  1886  p.  345—396). 

—  —  Contes  plaisants  annamites.     Paris  1888. 

Desparmet  (J.)  —  Contes  populaires  sur  les  ogres,  recueillis  ä Blida. 

1—2.  Paris  1909—1910. 
Destaing  (E.)    —    Etüde    sur    le  dialecte  berbere   des  Beni-Snoüs. 

1—2.  Paris  1907—1911. 
De uli n(Ch.)  —  Contes  d'un  buveur  de  biere  (1870).  6.  ed.  Paris  1873. 

—  —  Contes  du  roi  Cambrinus.     Paris  1874. 

—  —  Les  contes  de  ma  mere  l'oye  avant  Perrault.     Paris  1879. 
Diermissen  (J.)  —  Ut  de  Musskist.     Kiel  1862. 

Dieter  ich  (K.)  —  Sprache  und  Volksüberlieferungen  der  südlichen 
Sporaden  1908  S.  439.  (Schriften  der  Balkankommission  der 
Wiener  Akademie  3,  2.  —  9  Märchen). 


574  Anhang. 

Dietrich  (A.)  —  Russische  Volksmärchen.     Leipzig   1831. 
Djurklou  (GK)  —  Ur  Nerikes  folklif.     Örebro  1860. 

—  —  Sagor    och    äfventyr.     Stockholm    1883.    —    Norwegisch    von 

N.  Rolfsen.     Kristiania  1887. 

Dmitrijev  (M.)  —  Opyt  sobranija  pesen  i  skazok  krestjan  seve- 
rozapadnoga  kraja  [Versuch  einer  Sammlung  von  Liedern 
und  Märchen  der  Bauern  des  nordwestlichen  Landes].   Grodno  1868. 

Dobrovoljskij  (V.  N.)  —  Smolenskij  etnograficeskij  sbornik  1 
[Smolensker  ethnographischer  Sammelband]  =  Zapiski  imper. 
russkago  geograf.  obscestva  po  otdelen.  etnografii  20  [Nach- 
richten der  kais.  russ.  geogr.  Gesellschaft,  ethnogr.  Abteilung]. 
St.  Petersburg  1891. 

Dobsinsky  (P.)  —  Prostonärodnie  slovenske  povesti  [Slovakische 
Volksmärchen],  Heft  1—8.     Türe.  Sv.  Martin  1880—1883. 

—  —  Prostonärodnie  obycaje,  povery  a  hry  slovenske  [Volkstümliche 

slovakische    Gebräuche,    Aberglauben    und    Spiele].      Türe.     Sv. 
Martin  1880. 

Dorsey  (G.  A.)  —  Traditions  of  the  Skidi  Pawnee.    Boston  1904. 

Dottin  (G.)  —  Contes  irlandais,  traduits.  Rennes  1901.    (35  nr.) 

Contes  et  legendes  d'Irlande,  traduits.  Le  Havre  1901.  (38  nr.) 

Dowo jna-Syl westro wiez  (M.)  —  Podania  zmujdzkie  zebrat  i 
doslownie  spolszczyl  1 — 2  [Samogitische  Märchen,  zusammen- 
gestellt und  wörtlich  ins  Polnische  übersetzt].  Warschau  1894. 
=  Bibl.  Wisly  tom  12—13. 

Douglas  (G.)  —  Scottish  fairy  and  folk  tales.     London  (1892). 

Dozon  (A.)  —   Contes  albanais.     Paris  1881. 

Dracott  (A.  E.)  —  Simla  Village  Tales.     London  1906. 

Dragomanov  (M.)  —  Malorusskija  narodnyja  predanija  i  razskazy 
[Kleinrussische  Traditionen  und  Märchen].     Kiew  1876. 

v.  Düben  (G.)  —  Om  Lappland  och  Lapparne  företrädesvis  de 
svenske,  etnografiska  studier.     Stockholm  1873. 

Duine  (F.)  —  Legendes  peruviennes.  Tours  1896.  —  vgl. 
Kerbeuzec. 

Dulac  (H.)  —  Quatre  contes  arabes  en  dialecte  cairote  (in:  Memoires 
publies  par  les  membres  de  la  Mission  archeologique  francaise 
au  Caire  1,  55 — 112.  Paris  1889).  —  vgl.  Journal  asiatique 
8.  serie  5,  5—38  (1885). 

Du  Meril  (E.)  —  Etudes  sur  quelques  points  d'archeologie. 
Paris  1862. 

Dumoutier  (G.)  —  Les  chants  et  les  traditions  populaires  des 
Annamites.     Paris  1890. 

Dur  an  (A.)  —  Romancero  general  1 — 2.     Madrid  1849 — 51. 

Duval  (R.)  —  Les  dialectes  neo-arameens  de  Salamas.     Paris  1883. 

Dvorovic  (Njeg.)  —  Hrvatsko  narodno  blago.  Zbirka  hrvatskih 
narodnih  pjesama  i  pripoviedaka  iz  Bosne  i  Hercegovine,  sv.  1 
[Kroatisches  Volksgut.  Sammlung  kroatischer  Volkslieder  und 
Erzählungen  aus  Bosnien  und  Herzegovina].     Senj   1888. 


Anhang.  575 

Dybeck  (E.)  —  Euna.     Stockholm  1842—1850. 

Dykariv  (M.)  —  Cornomorski  narodni  kazky  i  anekdoty  [Volks- 
märchen und  Anekdoten  aus  dem  Gebiete  des  Schwarzen  Meeres, 
Kaukasus].     Zbirnyk  2,  1—50  (39  nr.). 

Dykstra  (W.)  —  Uit  Frieslands  volksleven  2,  3—146:  Volks- 
vertellingen.     Leeuwarden  [1894]. 

Edwards  (C.  L.)  —  Bahama  Songs  and  Stories.     Boston  1895. 

Efimenko  (P.  S.)  —  Materialy  po  etnografii  russkago  naselenija 
Archangelskoj  gubernii,  cast  2:  Narodnaja  slovesnost  [Materialien 
zur  Volkskunde  der  russischen  Bevölkerung  im  Gouvernement 
Archangelsk,  2.  Teil:  Volksdichtung].  Moskau  1878.  (Trudy  etno- 
graficeskago  Otdela  Imperat.  Obscestva  Ljubitelej  Estestvoznanija, 
Antropol.  i  Etnograf.  pri  Moskovskom  Universitete,  kniga  5, 
vypusk  2). 

Ehrenreich  (P.)  —  Die  Mythen  und  Legenden  der  südamerikanischen 
Urvölker  und  ihre  Beziehungen  zu  denen  Nordamerikas  und  der 
alten  Welt.     Berlin  1905. 

Ehrentraut  (H,  G.)  —  Friesisches  Archiv,  Bd.  2.    Oldenburg  1854. 

Eisel  (E.)  —  Sagenbuch  des  Voigtlandes.  Gera  1871.  (Enthält 
auch  einige  Märchen). 

Eilis  (A.  B.)  —  The  Yoruba-speaking  Peoples  of  the  Slave  Coast 
of  West  Africa.     London   1894. 

Elpl  (Fr.)  —  Eada  pohädek  a  povesti  nasbiranych  v  Lisni  u  Brna 
na  Morave  [Eine  Eeihe  von  Märchen  und  Sagen  gesammelt  in 
Lösch  bei  Brunn  in  Mähren].  Prag  1904.  —  (Vgl.  Polivka, 
ZföVk.  11,  136.) 

Emerson  (E.  E.)  —  Indian  Myths.     London  1884.     1890. 

Emerson  (P.  H.)  —  Welsh  f  airy-tales  and  other  stories.  London  1894. 

Engelien  (A.)  und  Lahn  (W.)  —  Der  Volksmund  in  der  Mark 
Brandenburg  1.     Berlin   1868. 

Equilbecq  (F.  V.)  —  Essai  sur  la  litterature  merveilleuse  de  noirs 
suivi  de  Contes  indigenes  de  l'Ouest-africain  francais.  1 — 2. 
Paris  1913.     1915. 

Erben  (K.J.)  —  Slovanskä  citanka,  Vybor  prostonärodnich  pohadek 
a  povesti  slovanskych  v  nafecich  püvodnich  [Slavisches  Lese- 
buch, eine  Auswahl  von  volkstümlichen  slavischen  Märchen  und 
Sagen  im  Dialekt].     Prag  1863—1865. 

Erdelj^i  (J.)  —  Nepdalok  es  mondäk  [Volkslieder  und  Sagen]  1—3. 
Pest  1846—48.     (34  nr.) 

Magyar  nepsemek  [Ungarische  Märchen].     Pest  1855.    (13  nr.) 

Erdelyi -Stier  (G.)  —  Ungarische  Sagen  und  Märchen  aus  der 
Erdelyischen    Sammlung    übersetzt    von    G.  Stier.     Berlin  1850. 

Erk    (L.)    und    Böhme    (F.    M.)    —    Deutscher    Liederhort    1-3. 

Leipzig  1893—1894. 
Erlenvejn    (A.    A.)    —     Narodnyja     russkija     skazki     i     zagadki 

sobrannyja  seljskimi  uciteljami  Tuljskoj  gubernii  v  1862  i  1863 


576  Anhang. 

godach  [Russische  Volksmärchen  und  Rätsel,  gesammelt  von  den 
Dorfschullehrern  des  Gouvernement  Tula  in  den  Jahren  1862 — 631. 
2.  Aufl.     Moskau  1882.   (36  nr.) 

Er  man  (A.)  —  Die  Märchen  des  Papyrus  Westcar.  Berlin  1890 
(=  Kgl.  Museen  zu  Berlin;  Mitt.  aus  den  orientalischen  Samm- 
lungen 5 — 6). 

Espinosa  (A.  M.)  —  New-mexican  spanish  folk-lore,  f olk-tales  1 — 50 
(Journal  of  amer.  folk-lore  24,  397— 443.  27,119—147.  Comparative 
notes  ebd.  27,  211—231). 

Etienne  de  Bourbon  —  Anecdotes  historiques,  legendes  et 
apologues  par  A.  Lecoy  de  la  Marche.     Paris  1877. 

Etlar  (Carit)  (=  J.  C.  C.  Brosböll)  —  Eventyr  og  Folkesagn  fra 
Jylland.     Kopenhagen  1847.  —  1866.    1891. 

Singebok,  en  Sämling  af  danske  Folkeeventyr.   Kopenhagen  1848. 

Etnograficeskoje  obozronije,  izdanije  Etnograficeskago  otdela 
imper.  obscestva  ljubitelej  estestvoznanija  antropologii  i  etnografii, 
sostojascago  pri  Moskovskom  Universitete  [Ethnographische  Rund- 
schau, hsg.  von  der  ethnographischen  Sektion  der  kais.  Gesellschaft 
der  Freunde  der  Naturwissenschaften,  Anthropologie  und  Ethno- 
graphie an  der  Moskauer  Universität.  Red.  V.  Th.  Miller  und 
N.  A.  Jancuk]  1—13.     Moskau  1889—1901. 

Etnograficnyj  Zbirnyk,  vydaje  Naukove  tovarystvo  imeny 
Sevcenka  [Ethnographischer  Sammelband,  hsg.  von  der  wissen- 
schaftlichen Sevcenko-Gesellschaft]  1 — 38.  Lemberg  1895  —  1916. 
—  (vgl.  Polivka,  Archiv  21,  285.    22,  300.) 

Ethnologische  Mitteilungen  aus  Ungarn  1 — 6.  Budapest 
1887—1904. 

E  t  z  e  1  (G.)  —  Aus  Jurte  und  Kraal.  Geschichten  der  Eingeborenen 
aus  Asien  und  Afrika.     München  1911. 

Ey  (A.)  —  Harzmärchenbuch,  oder  Sagen  und  Märchen  aus  dem 
Oberharze.     Stade  1862. 

Faye  (A.)  —  Norske  folkesagn.     2.  opl.  Kristiania  1844. 

Federowski  (M.)  —  Lud  bialoruski  na  Rusi  litewskiej,  Materyaly 
do  etnografii  slowianskiej  zgromadzone  w  latach  1877 — 1893, 
1:  Wiara,  wierzenia  i  przesady  ludu  z  okolic  Wolkowyska, 
Slonima,  Lidy  i  Sokölki.  2 :  Basnie,  przypowiesci  i  podania  ludu 
z  okolic  Wolkowyska,  Slonima,  Lidy  i  Sokölki  [Das  weißrussische 
Volk  in  Russisch-Litauen,  Materialien  zur  slawischen  Ethno- 
graphie gesammelt  in  den  Jahren  1877 — 1893,  1 :  Glaube,  Aber- 
glaube usw.  des  Volkes  aus  der  Umgebung  von  Wolkowysk, 
Slonim,  Lida  und  Sokölka.  2:  Märchen,  Erzählungen  und  Sagen]. 
Krakau  1897—1902.  —  (vgl.  Polivka,  Archiv  21,  259.     29,  445). 

—  —  Lud  okolic  Zarek,  Siewierza  i  Pilicy,  jego  zwyczaje,  sposöb 
zycia,  obrze,dy,  podania,  gusla,  zabobony,  piesni,  zabawy,przyslowia, 
zagadki  i  wlasciwosci  mowy  [Das  Volk  aus  der  Gegend  von  Zarki, 
Siewierz  und  Pilica,  seine  Gebräuche,  Traditionen,  Aberglauben, 
Lieder,  Spiele,  Sprichwörter,  Rätsel  usw.]  1 — 2.  Warschau 
1888—1891  (Bibl.  Wisly  1—2).  —  Auf  S.  37—346  Traditionen 
und  Märchen. 


Anhang.  577 

Feenmärchen.     Braunschweig  1801. 

Fe  er  (L.)  —  Contes   Indiens.     Les    32    recits    du  tröne    (Batris-sin- 

hasan)  ou  les  merveilleux  exploits  de  Vikramaditya,  traduits  du 

bengali.     Paris  1883. 
Feilberg  (H.  F.)  —  Fra  Heden.     Hadersleben  1863. 

—  —  Bidrag    til    en  Ordbok    over   jyske  Almuesmäl  1 — 4.     Kopen- 

hagen 1886—1914. 
Ferrand  (Gr.)  —  Contes  populaires  malgaches.     Paris  1893. 
FF  Communications  edited  for  the  Folklore  Fe llows  byj.  Bolte, 

K.    Krohn,     A.    Olrik,     C.   W.    v.    Sydow     1—16.     Helsingfors 

1910-14. 
Finamore  (G.)    —    Tradizioni    popolari    abruzzesi    1 — 2:    Novelle. 

Lanciano  1882—86.  (122  nr.) 
Firmenich    (J.  M.)    —    Germaniens    Völkerstimmen     1 — 3.     Berlin 

1843—68. 
Fischer  (E.  L.)  —  Grammatik  und  Wortschatz   der  plattdeutschen 

Mundart  im  preuß.  Samland.     Halle  1896. 
Fleury  (J.)  —  Litterature  orale  de  la  Basse-Normandie.  Paris  1883. 
Foersom  (P.)  —  Om  Samlinger    of  danske  Landskabsord.     Kopen- 
hagen 1820. 
Folk-lore  Society  (seit  1878)  gab  heraus: 

Folk-lore  Becord  1—5.     London   1878—82. 
Folk-lore  Journal  1—7.     London  1883—89. 
Folk-lore  1—24.     London  1890—1913. 
Folk-lore  andaluz.     Sevilla  1882—83. 
Folk-lore  catala  1 — 6.  Barcelona    1884—91.  —  Eine  neue  Serie, 

Bd.  1.     Barcelona  1895. 

Folkminnen  och  folktankar  1 — 2.  Lund  1914 — 15. 

Fortier  (A.)  —  Louisiana  Folk-tales.     Boston  1895. 

Franzisci  (F.)  —  Kulturstudien  über  Volksleben  in  Kärnten.  Wien 
1879,  S.  87-103  (sechs  Märchen). 

—  —  Märchen  aus  Kärnten  (19  nr.).     Klagenfurt,  J.  Leon  [1884],  — 

Sagen  und  Märchen  aus  Kärnten  (11  nr.)  ebd.  [1884]  =  Kärntner 
Volksbücher  nr.  1  und   6. 

Frere  (M.)  —  Old  Deccan  Days,  or  Hindoo  Fairy  Legends.  London 
1868.  —  Deutsch  von  A.  Passow:  Märchen  aus  der  indischea 
Vergangenheit.     Jena  1874. 

Frey  (J.)  —  Gartengesellschaft  (1556)  hsg.  von  J. Bolte    Tübingen  1896. 

Friedel  (E.)  und  Mielke  (R.)  —  Landeskunde  der  Provinz  Branden- 
burg, 3.  Band:  Die  Volkskunde.  Berlin  1912  (enthält  S.  226—236  : 
W.  v.  Schulenburg,  Märchen). 

Friis  (A )  —  Lappiske  eventyr  og  folkesagn.     Kristiania    1871. 
Frobenius  (L.)    —    Der  schwarze  Dekameron,    Belege  und  Akten- 
stücke über  Liebe,  Witz  und  Heldentum  in  Innerafrika.  Berlin  1910. 
Fry  er  (A.)  —  English  fairy  tales  from  the  North  country.  London  1881. 
Fuchs  (H)  —  Sagen,  Mythen  und  Sitten  der  Masai.     Jena  1910. 

Grimm,  Märchen-Anmerkungen  III,  37 


578  Anhang. 

Fundescu  (J.  C.)  —  Basme,  poesii,  päcäliturisi  ghicitori  [Märchen, 
Dichtungen,  Schwanke  und  Rätsel].  Bukarest  1867.  —  3.  Aufl.  1873. 

v.    O  aal  (Gr.)  —  Märchen  der  Magyaren.     Wien  1822. 

—  —    Magyar  Nepmesegyüjtemenye    [Ungarische   Märchensammlung, 

hsg.  von  Gr.  Kazinczy  und  F.  Toldy  1—3.  Pest  1857— 60.  (53  nr.) 

—  —   Ungarische  Volksmärchen  übersetzt  von  G.  Stier.     Pest  1857. 
Gabrscek    (A.)    —    Narodne    pripovedke    v    Soskih     planinah.     Iz 

naroda  za  narod  zbral  in  napisal  [Volksmärchen  in  den  Isonzo- 
Alpen,  aus  dem  Volke  für  das  Volk  gesammelt  und  aufgezeichnet] 
1—2.  Görz  1894—1895  (Slavische  Bibliothek  25.  29).  Neue  Auf- 
lage Görz  1910.  —  Heft  3vonJ.Kenda.  Görz  1896  (Slavische 
Bibl.  47). 

Gaidoz  (H.)  et  Sebillot  (P.)  —  Blason  populaire  de  la  France. 
Paris  1884. 

GJ-ale  (J.  S.)  —  Korean  folk  tales.     London  1913. 

G-argiolli  (C.)  —  Novelline  e  canti  popolari  delle  Marche.    Fano  1878. 

Garnett  (Lucy  M.  J.)  —  The  Women  of  Turkey  and  their  Folk- 
lore 1—2.     London  1890—91. 

—  —  Greek  f olk-poesy  1 :  Folk-verse ;  2 :  Folk-prose.     London  1896. 

Gaster  (M.)  —  Beiträge  zur  vergleichenden  Märchen-  und  Sagen- 
kunde. Bukarest  1883  (aus :  Monatsschrift  für  Geschichte  des 
Judentums  29—30). 

—  —  Literatura  popularä  romänä.     Bukarest  1883. 
— -  —  Greeko-slavonic  Literature.    London  1887. 

Gavrilovic  (A.)  —  Dvadeset  srpskih narodnih  pripovedaka  [Zwanzig 

serbische  Volksmärchen].     Belgrad  1906.  —  (Vgl.  Polivka,  Archiv 

29,  469). 
Geldart  (E.  M.)    —    Modern    Greek   Folk-lore:    the    Tales    of  the 

People.     London  1884.     (Meist  nach  Pio.) 
Genetz  (A.)  —  Ost-tscheremissische  Sprachproben  (in:  Journal  de  la 

Societe  finno-ougrienne  7.     1889). 
van  Gennep  (A.)  —  Mythes  et  legendes  d'Australie.     Paris  1906. 
Georgeakis    (G.)    et    P  ine  au    (L.)    —    Le    folk-lore    de    Lesbos 

Paris  1894. 
Gerber  ( A.)  —  Great  Russian  Animal  Tales.     Baltimore  1891  (aus : 

Publications  of  the  Modern  language  Association  6). 
Gering  (H.)  —  Islendzk  Aeventyri,  isländische  Legenden,  Novellen 

und  Märchen  hsg.  1—2.     Halle  1882—83. 
Gerle  (W.  A.)  —  Volksmärchen  der  Böhmen  1—2.     Prag  1819. 
Germania,    Vierteljahrsschrift  für  deutsche  Altertumskunde  1 — 37. 

Stuttgart  1856—92. 
Gesta  Romanorum  hsg.  von  H.  Oesterley.     Berlin  1872. 
Giambattista  Basile:  s.  Basile. 
Gianandrea  (A.).    —    Biblioteca    delle   tradizioni    popolari  marchi- 

giane  1.  Jesi  1876. 
Gigli  (G.)  —  Superstizioni,  pregiudizi  e  tradizioni  in  Terra  d'Otranto- 
Firenze  1893. 


Anhang.  579 

Gill  (W.  W.)  —  Myths  and  songs  from  the  South  Pacific.  London  1876. 

Gittee  (A.)  et  Lemoine  (J.)  —  Contes  populaires  du  pays  wallon. 
Gand  1891. 

Gjor gjevic  (Tihomir  R.)  —  Die  Zigeuner  in  Serbien,  2.  Teil 
(=  Mitteilungen  zur  Zigeunerkunde,  Organ  der  Gesellschaft  für 
Zigeunerforschung,  Beiblatt  der  Ethnologischen  Mitteilungen  aus 
Ungarn.     Budapest  1906). 

Glasnik  zemalskog  muzeja  u  Bosni  i  Hercegovini  [Anzeiger  des 
Landesmuseums  in  Bosnien  und  Herzegovina].  Urednik  Ciro 
Truhelka  1,  1.     Sarajevo  1889. 

Gligorijevic  (A.)  —  Iz  duse  narodne  [Aus  der  Seele  des  Volkes]. 
Belgrad  1897.     (7  nr.) 

Glinski  (A.  J.)  —  Bajarz  polski;  basni,  powiesci  i  gawe^dy  ludowe 
[Polnischer  Märchenerzähler;  Volksmärchen,  Sagen  und  Er- 
zählungen. 1862]  3.  Aufl.     Wilna  1881  (12  +  11  +  13  nr.). 

Globus  1—68.  Braunschweig  1862—95. 

Gloni.ng  (K.  A.)  —  OberösterreichischeVolkssagen.  2.  Aufl.  Linz  1912. 

Godin  (A.)  —  Polnische  Volksmärchen.  Leipzig  [1877].  (17  nr. 
nach  Glinski). 

Goldschmidt  (W.)  —  Russische  Märchen.     Leipzig  1883. 

Gonet  (S.)  —  Opowiadania  ludowe  z  okolic  Andrzychowa  [Volks- 
erzählungen in  der  Gegend  von  Andrzychow,  Westgalizien]  = 
Materyaly  antroprol.  4,  226—282  (43  nr.  Vgl.  Polivka,  ZföVk. 
7,   195). 

Gonzenbach  (L.)  —  Sicilianische  Volksmärchen.  Mit  Anmerkungen 
von  R.  Köhler.  1—2.  Leipzig  1870.  (92  nr.)  —  Nachträge 
Köhlers  in  der  Zs.  f.  Volkskunde  6,  58.  161. 

Görres  (J.)  —  Die  teutschen  Volksbücher.     Heidelberg  1807. 

Goyert  (G.)  und  Wolter  (K.)  —  Vlämische  Sagen,  Legenden  und 
Volksmärchen.     Jena  1917. 

Grab  er  (G.)  —  Sagen  aus  Kärnten.     Leipzig  1914. 

Gradi  (T.)  —  La  vigilia  di  pasqua  di  Ceppo.     Torino  1860. 

—  —  Saggio  di  letture  varie  per  i  giovani.     Torino  1865. 

Grajnert  ( J.)  — ■  Zapiski  etnograficzne  z  okolic  Wielunia  i Radomska 
[Ethnographische  Aufzeichnungen  aus  der  Gegend  von  Wielun 
und  Radomsk]  in:  Zbiör  4,  3,  184—261. 

Grässe  (J.  G.  Th.)  —  Der  Sagenschatz  des  Königreichs  Sachsen. 
Dresden  1855.  —  2.  Aufl.  1—2.     Dresden  1874. 

■ —  —  Sagenbuch  des  preußischen  Staates  1 — 2.     Glogau  1866 — 71. 

Gredt  (N.)  —  Sagenschatz  des  Luxemburger  Landes.  Luxemburg 
1883-85. 

Greenough  (W.  P.)  —  Canadian  folk-life  and  folk-lore.  New- 
York  1897. 

Gress  (K.)  —  Holzlandsagen.  Sagen,  Märchen  und  Geschichten  aus 
den  Vorbergen  des  Thüringer  Waldes.  Leipzig  1870.  —  2.  Aufl.  1899. 

Grgjic-Bjelokosi6  (Luka)  —  Stotina  saljivih  prica  iz  srpskog 
zivota  u  Herceg-Bosni  [Hundert  Schwanke  aus  dem  serbischen 
Leben  in  Herzegowina  und  Bosnien].     U  Mostaru  1902. 

37* 


580  Anhang. 

Grierson    (G.  A.)    —    Linguistic    survey    of    India  1  —  9.     Calcutta 

1903-1909. 
Griffis  (W.  E.)  —  The  Japanese  fairy  world.     London  1887. 
Grimm    (Albert  Ludwig).  —  Kindermärchen.     Heidelberg   1808.  — 
2.  Aufl.  1817.  —  3.  Aufl.     Frankfurt  a.  M.  1839. 

—  —  Linas  Märchenbuch  1 — 2.     Frankfurt  1816. 

Grimm  (J.)  —  Deutsche  Mythologie.  Göttingen  1835.  1844.  1854. 
—  4.  Aufl.  von  E.  H.  Meyer  1—3,  Berlin  1875—78. 

—  —  Reinhart  Fuchs.     Berlin  1834. 

Kleinere  Schriften  1—8.     Berlin  1864—90. 

Grimm  (W.)  —  Kleinere  Schriften  1—4.     Berlin  1881—87. 
Grimm  (J.  und  W.)    —    Deutsche    Sagen  1—2.     Berlin    1816—18. 
1865.  1891.  —  4.  Aufl.  von  R.  Steig  1906. 

—  —  Irische  Elfenmärchen.     Leipzig  1826.  —  München  1906.    (vgl. 

Croker.) 

—  —  Briefwechsel    aus    der    Jugendzeit,    hsg.    von   H.  Grimm    und 

G.  Hinrichs.     Weimar  1881. 

—  —  Freundesbriefe,  hsg.  von  A.  Reifferscheid.     Heilbronn  1878. 

Grisanti  (C.)  —  Folklore  di  Isnello.  Usi,  credenze,  proverbi  e 
racconti  popolari  di  Isnello,  1—2.     Palermo  1899.  1909. 

Grohmann  (J.  V.)  —  Sagen  aus  Böhmen.  Prag  1863.  —  Aber- 
glauben und  Gebräuche    aus  Böhmen   und  Mähren.     Prag  1864. 

Grönborg  (0.  L.)  —  Optegnelser  pä  Vendelbomäl.  Kopenhagen  1884. 

Groome  (F.  H.)  —  Gypsy  Folk  Tales.     London  1899. 

Grünbaum  (M.)  —  Jüdisch-deutsche  Chrestomathie.     Leipzig  1882. 

Grundtvig  (F.  L.)  —  Svenske  minder  fra  Tjust,  Anders  Eklunds 
fortaellinger.     Kebenhavn  1882. 

Grundtvig  (S.)  —  Gamle  danske  Minder  i  Folkemunde  1 — 3. 
Kopenhagen  1854 — 1861. 

—  —  Danske  Folkeseventyr,  efter  utrykte  Kilder  1 — 3.  Kopenhagen 

1876-1884.  —  Bd.  1—2  deutsch  von  W.  Leo  und  A.  Strodtmann  : 
Dänische  Volksmärchen,  Leipzig  1878 — 1879.  —  Bd.  2 — 3 
schwedisch  von  R.  Bergström  und  G.  af  Geijerstam,  Stockholm 
1879-84. 

—  —  Hsl.  Register:  Danmarks  Folkeseventyr  (1861 — 1883),  fortgesetzt 

von  A.  Olrik  (Kopenhagen,  Königl.  Bibliothek) ;  vgl.  A.Lunding, 
The  System  of  tales  in  the  Folklore  collection  of  Copenhagen, 
Helsingfors  1910  =  FF  Communications  2. 

—  —  Danmarks  gamle  Folkeviser  1 — 8.     Kopenhagen  1853 — 1912. 
Gry  f.     Pismo    dla    spraw   kaszubskich    [Ein  Blatt    für  kaschubische 

Angelegenheiten].  Red.  Majkowski  1.  1909. 
Guarnerio  (P.  E.)    —    II  dialetto   catalano  d'Alghero,    fiabe  1 — 10 

(Archivio  glottologico  italiano  9,  298 — 327.     Roma  1886). 
de  Gubernatis  (A.)    —    Novelline    di    Santo-Stefano    di    Calcinaja 

(aus :    Rivista   contemporanea  naz.  italiana)    Torino  1869 ;    ferner 

Roma  1894.  (35  nr.;    fünf  weitere  nr.  in  Rivista  di  lett.  pop.  1, 

81.  1878). 


Anhang.  581 

de  Gubernatis  (A.)  —  Florilegio  delle  novelline  popolari.  Milano 
1883.    (=    Storia  universale  della  lefteratura  vol.  8). 

—  —  Zoological  Mythology,  or  the  Legends  of  Animals  1 — 2.   London 

1872.  —  Deutsch  von  M.  Hartmann :  Die  Tiere  in  der  indo- 
germanischen Mythologie,  Leipzig  1874.  —  Französisch  von 
Regnaud.     Paris  1874. 

Günther  (Chr.  W.)  —  Kindermärchen  aus  mündlichen  Erzählungen 
gesammelt.     Erfurt  1787  (4  nr.)  —  2.  Aufl.  Jena  1857  (nr.  1—3). 

Gurdon  (E.  C.)  —  Suffolk.  London  1893.  (County  folk-lore, 
printed  extracts  2). 

Gut  mann  (B.)  —  Volksbuch  der  Wadschagga ;  Sagen,  Märchen, 
Fabeln  und  Schwanke  den  Dschagganegern  nacherzählt.  Leipzig 
1914. 

Maas  (A.)  —  Rügensche  Sagen  und  Märchen.  Greif 8 wald  1891. — 
2.  Aufl.  1896.  —  3.  Aufl.     Stettin  1903. 

—  —  Schnurren,  Schwanke  und  Erzählungen  von    der  Insel  Rügen. 

Greifswald  1899. 

—  —  Pommersche  Sagen.     Berlin-Friedenau  (1912). 

Haas  (H.)  —  Japanische  Erzählungen  und  Märchen.  Berlin  (1907). 
Haase(K.  H.)  —  Sagen  aus  der  Grafschaft  Ruppin.  Neu-Ruppin  1887. 
Hack  man  (0.)  —  Katalog  der  Märchen  der  finnländischen  Schweden. 

Leipzig  1911.  —  FF  Communications  6. 
Hacquard    (A.)    et    Dupuis    —    Manuel    de    la    langue    sofigay. 

Paris   1897. 
Hadzi-Vasiljevic  (J.)  —  Juzna  Stara  Srbija,  istorijska,  etnografska 

i  politicka  istrazivanja  1    [Das    südliche    Altserbien,    historische, 

ethnographische  und  politische  Forschungen].     Belgrad  1909. 
v.  d.  Hagen    (F.  H.)     —     Erzählungen     und    Märchen,     2.     Band. 

Prenzlau  1826. 
Hagerup  (E.)  —  Om  de  danske  sprog  i  Angel.     Kobenhavn  1854. 

—  2    Udg.  1867  (S.  168  zehn  Historien). 
Hahn  (F.)   —  Blicke  in  die  Geisteswelt  der  heidnischen  Kols.    Sagen, 

Märchen  und  Lieder  der  Oraon  in  Chota  Naypur.    Gütersloh  1906. 
v.  Hahn    (J.  G.)    —    Albanesische  Studien.     Jena  1859  (2,  163  fünf 

toskische  Märchen.) 

Griechische  und  albanesische  Märchen  1 — 2.  Leipzig  1864.  (114  nr.) 

Hall  er  (K.)  —  Volksmärchen  aus  Österreich.     Wien  (1915). 
Halliwell  (J.  0.)  —  The  nursery  rhymes  of  England.    London  1843. 

—  —  Populär  rhymes  and  nursery  tales.     London  1849. 
Haltrich  (J.)  —  Deutsche  Volksmärchen   aus  dem  Sachsenlande  in 

Siebenbürgen.  Berlin  1856.  —  4.  Aufl.  Wien  1885  (119  nr.) 
Hamann  (H.)  —  Die  literarischen  Vorlagen  der  Kinder-  und  Haus- 
märchen und  ihre  Bearbeitung  durch  die  Brüder  Grimm.  Berlin 
1906.  (Palaestra  47). 
v.  Hammer  (J.)  —  Rosenöl,  oder  Sagen  und  Kunden  des  Morgen- 
landes, aus  arabischen,  persischen  und  türkischen  Quellen  ge- 
sammelt, 1—2.  Stuttgart  1813. 


B82  Anhang. 

Hanauer  (J.  E.)    —    Folk-lore  of  the  Holy  land,  Moslem,  Christian 

and  Jewish.     London  1907. 
Hansen  (R.)  —  Ditmarsische  Märchen  (Zs.  f.  schleswig-holsteinische 

Geschichte  7,  213-234.  1877). 
Harris  (J.  C.)  —  Uncle  Remus,  his  songs  and  his  sayings.    New  York 

1881.  —  New  edition  1902. 

—  —  Nights  with  Uncle  Remus.     Myths    and    legends    of    the    old 

plantation.     New  York  1881. 

v.  Harten  (J.)  und  Henniger.  (K.)  —  Niedersächsische  Volks- 
märchen und  Schwanke,  1 — 2.  Bremen  1908  (fast  alles  aus 
gedruckten  Quellen). 

Hartland  (E.  S.)  —  English  Fairy  and  Folk  Tales.     London  (1892). 

—  —  The  Science  of  Fairy  Tales.     London  1891. 

The  Legend  of  Perseus  1—3.     London  1894—1896. 

Hartt  (Ch.  F.)  —  Amazonian  tortoise  myths.     Rio  de  Janeiro  1875. 
Hauffen  (A.)    —    Die  deutsche  Sprachinsel  Gottschee.     Graz  1895. 
Haukensea  (Th.  S.)  —  Norsk  Eventyrskat.     Bergen  1888. 
Haupt  (K.)    —    Sagenbuch    der    Lausitz    1 — 2.     Leipzig   1862 — 63. 

(2,  197  deutsche  und  wendische  Märchen)  =  Neues  Lausitzisches 

Magazin  40. 
Haupt  (L.)  und  Schmaler  (J.  E.)   —   Volkslieder  der  Wenden   in 

der  Ober-  und  Nieder-Lausitz  1 — 2.  Grimma  1843.  (2,  157  Märchen.) 
Hausratb    (A.)    und  Marx    (A.)    —    Griechische  Märchen  .  .  .  aus 

dem  klassischen  Altertum.     Jena  1913. 
v.  Haxthausen  (A.)  —  Transkaukasia  1 — 2.     Leipzig  1856. 
Hazelius  (A.)   —   Fosterländsk  Läsning.    2.  Uppl.    Stockholm  1869. 

—  —   Bidrag  tili  vär  odlings  häfder  2:    Ur    de   nordiska  folkens  lif. 

Stockholm  1882.     S.  82  —  111  E.  Vigström,    Skämtsägner   frän 
Skäne  (13  nr.) 

Heimat,  Monatsschrift  des  V.  zur  Pflege  der  Natur-  und  Landes- 
kunde in  Schleswig-Holstein  1—23.     Kiel  1891—1913. 

v.  Held    (T.)    —     Märchen    und    Sagen    der    afrikanischen    Neger. 

Jena   1904. 
Helvicus  (C.)  —  Jüdische  Historien  1  —  2.     Gießen  1617. 

Henderson  (W.)  —  Notes  on  the  Folk-lore  of  the  Northern 
Counties  of  England  and  the  Borders.  London  1866.  —  Der 
Anhang  (p.  299  -344)  enthält  16  Household  Tales  von 
S.  Baring-Gould. 

Hendle  (J.)  —  Die  Sprache  der  Waporogo  (Deutsch -Ostafrika). 
Berlin   1907. 

Henriksson  (J.)  • —  Plägseder  och  skrock  bland  Dalslands  allmoge 
fordomdags.     Amäl   1889. 

Hertel  (J.)  —  Bunte  Geschichten  vom  Himalaja.  Novellen,  Schwanke 
und  Märchen  von  Somadeva.     München  1903. 

—  —  Ausgewählte    Erzählungen    aus    Hemacandras   Parisistaparvan. 

Leipzig  1908. 


Anhang.  583 

Hertel  (J.)  —  Tanträkhyäyika,  die  älteste  Fassung  des  Pancatantra, 
aus  dem  Sanskrit  übersetzt.     Leipzig  1909. 

—  —  Das    Pancatantra,    seine    Geschichte    und    seine    Verbreitung. 

Leipzig  1914. 

Hertz  (W.)  —  Deutsche  Sage  im  Elsaß.     Stuttgart  1872. 

—  —  Gesammelte  Abhandlungen.     Stuttgart  1905. 

Hertzberg    (P.)    —    Finska  folksagor.     Helsingfors    1880.     (9  nr.) 

Hervieux  (L.)  —  Les  fabulistes  latins,  2.  ed.  1 — 5.  Paris  1893 — 1899. 

Hessische  Blätter  für  Volkskunde  1—13.     Leipzig  1902—1914. 

vanHeurck  (E.)  et  Boekenoogen  (G.  J.)  —  Histoire  de  l'imagerie 
populaire  flamande  et  de  ses  rapports  avec  les  imageries 
etrangeres.     Brüssel   1910. 

Heyl    (J.  A.)    —    Volkssagen,    Bräuche   und   Meinungen   aus  Tirol. 

Brixen  1897. 
Heyse  (P.)  —  Italienische  Volksmärchen.     München  1914.     (25  nr. 

aus  Comparetti,  Imbriani,   Capuana.) 
H igelin  (M.)  —  Die  Sagen  des  Sundgaues.     Altkirch  1909. 

Hins  (E.)  —  La  Pussie  devoilee  au  moyen  de  sa  litterature 
populaire.     Paris  1883. 

Hnatjuk  (V.)  —  Etnograficni  materyjaly  z  uhorskoji  Rusy  zibrav 
1—4  [Ethnographische  Materialien  bei  den  Kleinrussen  Nord- 
ungarns gesammelt].  Lemberg  1897 — 1909.  (=  Etnograf.  Zbirnyk 
3.  4.  9.  25.  — 38 +  27 +39+39  nr.)  — (vgl.  Polivka,  Archiv  3 1,594.) 

Halycko-ruski  anekdoty  [Galizisch-russische  Anekdoten].  Lemberg 

1899.     (=  Zbirnyk  6.  —  700  nr.) 

—  —  Das  Geschlechtleben    des    ukrainischen    Bauernvolkes    in    der 

russischen  Ukraine  und  in  Österreich -Ungarn,  folkloristische 
Erhebungen,  1.— 2.  Teil.  Leipzig  1909.  1912.  4°  (Beiwerke 
zum  Studium  der  Anthropophyteia  Bd.  3  und  5).  Vgl.  Tarasevskyj. 

Hofberg  (H.)    —    Svenska    folksägner,    samlade.     Stockholm  1882. 

Hoff  man  (W.  J.)  —  The  Menomini  Indians  (14.  Peport  of  the 
Smithsonian  Institution  1,  11 — 328.     1896). 

Hoffmann  (C)  —  Was  der  afrikanische  Großvater  seinen  Enkeln 
erzählt.     Fabeln  und  Märchen  aus  Nord-Transvaal.     Berlin  1907. 

Hoffmeister   (Ph.)    —    Hessische  Volksdichtung.     Marburg  1869. 

H ollis  (A.  C.)  —  The  Masai    Oxford  1905.    The  Nandi.    Oxford  1909. 

Holuby  (J.  L.)  —  Povesti  a  rozprävocky  z  Bosackej  doliny,  z  üst 
l'udu  prepisal  [Märchen  und  Erzählungen  aus  dem  Tale  Bosäca, 
aus  dem  Munde  des  Volkes  aufgezeichnet],  in:  Slovenske  Pohl'ady, 
Öasopis  zabavno-poucny  [Slovakische  Umschau]  15 — 16,  Tufc. 
Sv.  Martin  (Turocz-Sz-Märton)  1895—96. 

Horger  (A.)  —  Hetfalusi  Csängö  nepsemek  [Hetf aluer  Csango- 
Volksmärchen].  Budapest  1908.  (=  Magyar  nepköltesi  gyüjt.  10.) 
(53  nr.) 

H  o  s  e  k  (I.)  —  Naf  eci  ceskomoravske  [Der  böhmisch-mährische  Dialekt] 
1 — 2.     Prag,  Akademie  der  Wissenschaften  1900  und  1905. 


584  Anhang. 

Et  rase  (J.  K.  —  Povidky  naseho  lidu  [Erzählungen  unsres  Volkes] 
1 — 4.  Nove  Mesto  1869.  Babiccino  vypravoväni  [Was  Groß- 
mutter erzählt].  Prag  1880  und  1893 (Nova  Knihovna  mlädeze  2,  30). 

Hrincenko  (B.  D.)  —  Etnograficeskije  Materialy,  sobrannyje  v 
Cernigovskoj  i  sosednich  s  nej  gubernijach  1 — 2  [Ethnographische 
Materialien,  gesammelt  im  Gouv.  Cernigov  und  in  den  benach- 
barten Gouvernements].     Cernigov  1895  —  1897. 

—  —  Iz  ust  naroda,  malorusskije  razskazy,  ekazki  i.  pr.    [Aus    dem 

Munde  des  Volkes,    kleinrussische  Erzählungen,    Märchen  u.  a.] 
Cernigov  1900.     (Beilage  zum  Zemskij  Sbornik  12.) 
Hruska    (J.  Fr.)    —    Na  hejte.     Chodske  pohädky    [Abendplausch. 
Chodische  Märchen].     Praha  1917. 

Hunt  (R.)    —    Populär  Romances  of  the  West  of  England.     3.  Ed. 

London  1881. 
Hurwitz  (H.)  —  Hebrew  tales.     2.  ed.     London  1826. —  Sagen  der 

Hebräer.     Leipzig  1826. 

Hyde  (D.)  —  Beside  the  Fire,  a  Collection  of  irish  gaelic  folk- 
stories.     London  1890. 

Hylten  -  Cavallius  (G.  0.)  und  Stephens  (G.)  —  Svenska 
Folksagor  och  Äfventyr  1,  1-2.  Stockholm  1844—1849. 
(22  nr.)  —  Omarbetade  av  E.  Djurklou-Aschan  1 — 2.  Stockholm 
1915 — 16  (in  andrer  Reihenfolge,  ohne  die  Anmerkungen).  — 
Schwedische  Vblkssagen  und  Märchen,  deutsch  von  C.  Oberleitner, 
Wien  1848.  —  Auswahl :  Stockholm  1875,  deutsch  von  B.  Turley, 
Leipzig  1881 ;  englisch  von  A.  Alberg,  Old  norse  fairy  tales, 
London  1882. 

—  —  Wärend    och  Wirdarne,    ett    försök  i  svensk   ethnologi    1 — 2. 

Stockholm  1864—1868. 


Ihnatyj  zNiklovyc.  —  Kazky  zibrav    [Märchen  gesammelt  von]. 

Lviv  [Lemberg]  1861. 
II g    (B.)    —    Maltesische    Märchen    und    Schwanke    1 — 2.      Leipzig 

1906—1907.  (139  nr.) 
Imbriani  (V.)  —  La  novellaja  fiorentina.     Napoli  1871  (33  nr.)  — 

Ristampa    accresciuta.      Livorno    1877    (50    nr,    dazu    die    1872 

erschienene  Novellaja  milanese). 

—  —  Dodici  conti  pomiglianesi.     Napoli  1877. 

Im  Thurn  (E.  F.)  —  Among  the  Indians  of  Guiana,  being  Sketches 

chiefly  anthropologic  from  the  Interior  of  British  Guiana.    London 

1883.  —  p.  371—388:  Folk-lore. 
Indian  Antiquary,  a  Journal  of  oriental  Research   in  Archeology, 

History,  Literature,  Languages,   Philosophy,    Religion,    Folk-lore 

etc.     1—41.     Bombay  1872—1912. 

Ispirescu    (P.)    —    Snöve   saü   povesti    populäre    [Volksanekdoten 
oder  Geschichten].     2.  ed.     Bukarest  1875. 

—  —  Legende  saü  basmele  Romänilorü    [Sagen    oder    Märchen    der 

Rumänen].     Bukarest  1882. 


Anhang.  585 

Ivanickij  (N.  A.)  —  Materialj  po  etnografii  Vologodskoj  gubernii 
(in:  Sbornik  svedenij  dlja  izuöenija  byta  krestjanskago  naselenija 
Rossiji,  Vypusk  2  =  Izvestija  Imper.  Obscestva  ljubitelej 
jestestvoznanija,  antropologii  i  etnografii  69 ;  Trudy  etno- 
graficeskago  otdelenija  11,  1,  S.  165 — 220.  Moskau  1890.  — 
55  nr.)  —  [Materialien  zur  Ethnographie  des  Gouv.  Wologda.  in  : 
Sammelband  von  Berichten  zum  Studium  des  Lebens  der  Bauern- 
bevölkerung Rußlands,  Heft  2  =  Nachrichten  der  kais.  Gesellschaft 
der  Freunde  der  Naturwissenschaft,  Anthropologie  und  Ethno- 
graphie 69:  Arbeiten  der  etnograph.  Abteilung  11,   1.] 

Ivanov  (P.  V.)  —  Narodnyje  razskazy  o  ved'mach  i  upyrjach. 
Materialy  dlja  charakteristiki  mirosozercanija  krestjanskago 
naselenija  Kupjanskago  ujezda  [Volkserzählungen  über  Hexen 
und  Vampyre,  Materialien  zur  Charakteristik  der  Weltanschauung 
der  Bauernbevölkerung  des  Bezirkes  Kupjansk].  in:  Sbornik 
Charkovskago  istoriko-filologiceskago  obscestva  3,  156 — 228. 
1891.  [Jahrbuch  der  Charkower  historisch  -  philologischen  Ge- 
sellschaft]. 

—  —  Narodnyje  razskazy  o  dolje  [Volkserzählungen  über  das  Schick- 

sal], ebenda  4,  54-89.     1892. 

—  —  Narodnyje  razskazy  o  domovych,  lesich,    vodjanych  i  rusalkach 

[Volkserzählungen  über  Haus-,  Wald-,  Wassergeister  und  Rusalki], 

ebenda  5,  23—74.     1893. 
Ivanov    (S.)    i    Sprostranov    (E.)    —    Prikazki    ot    selo   Cürsko, 

Bitolsko  [Erzählungen  ans  dem  Dorfe  Cürsko  bei  Bitol-Monastir, 

Macedonien]     in:    Sbornik  za  narodni  umotvorenija  19,  2,  1 — 131. 
Ive  (A.)  —  Fiabe  popolari  rovignesi.     Venezia  1878. 
Izvestija    obscestva     archeologii,    istorii    i    etnografii    pri    imper. 

Kazanskom     universitete     [Nachrichten     der     Gesellschaft     für 

Archäologie,     Geschichte     und     Ethnographie     bei      der     kais. 

Universität  in  Kasan].     3.     Kasan   1884. 

J  a  b  a  (A.)  —  Recueil  de  notices  et  recits  kourdes.  St.  Petersburg  1860. 
Jacob  (G.)  —  Türkische  Bibliothek  1—10.     Berlin  1904—1909. 
Jacobs  (J.)  —  English  Fairv  Tales.     London   1890   (nr.  1—43).  — 

More  English  Fairy  Tales.     L.  1895.     (nr.  44—87.) 
Celtic  Fairy  Tales.     London  1892  (nr.  1—26).  —  More  Celtic 

Fairy  Tales.     L.  1894  (nr.  27-46). 

Indian  Fairy  Tales.     London  1894. 

Jacottet    (E.)    —    Contes    populaires    des    Bassoutos.     Paris   1895. 

■  Etudes  sur  les  langues  du  Haut-Zambeze  1 — 3.  Paris  1896 — 1901. 

The  Treasury  of  Ba-suto  Lore,  being  original  Se-suto  Texts,  1. 

London  1908. 
Jacques  de  Vitry  —  Exempla  ed.  by  T.  F.  Crane.     London  1890. 
Jagio    (V.)    —    Aus    dem    südslavischen    Märchenschatz    nr.  1 — 58. 

(Archiv  f.  slavische  Philologie  1,  267—289.  2,  614—641.  5,  17—79. 

1876  —  89).      Mit    Anmerkungen    von    R.   Köhler;     vgl.    dessen 

Kleinere  Schriften  1.  407—468. 


586  Anhang. 

Jahn  (A.)  —  Die  Mehri-Sprache  in  Südarabien.    Wien  1902.    (Süd- 

arabische  Expedition  3). 
Jahn  (U.)  —  Schwanke  und  Schnurren  aus  Bauern  Mund.  Berlin  [1890]. 

—  —  Volksmärchen  aus  Pommern  1.     Norden  1891. 

Jahrbuch  für  Geschichte,  Sprache  und  Literatur  Elsaß-Lothringens, 

1—30.     Straßburg  1885—1914. 
Jahrbuch    für   romanische  und  englische  Literatur    1 — 12.     Berlin 

1859—1871.  -  Neue  F.  1—3.    Leipzig  1874—76. 
Jakobsen    (J.)    —    Fseröske    folkesagn   og   seventyr.     Kopenhagen 

1898—1901. 
Jannsen  (H.)  —  Märchen  und  Sagen  des  estnischen  Volkes    1 — 2. 

Dorpat  1881.     Eiga  1888.     (18  +  58  nr.) 
Janson  (K.)  —  Folke-Eventjo-  uppskrivne  i  Sandeherad.     Kristiania 

1878. 
Jarnik  (J.  U.)  —  Zur  albanesischen  Sprachenkunde.     Leipzig  1881. 

—  —  Pflspevky  ku  poznäni  näfeci  Albanskych  [Beiträge  zur  Kenntnis 

der  albanischen  Mundarten].  Prag  1883.  —  Deutsch  in  Vecken- 
stedts  Zs.  f.  Volkskunde  2,  264.  345.  421  (1889).  3,  184.  218. 
264.  296  (1891). 

Jastrebov  (V.  N.)  —  Materialy  po  etnografii  novorossijskago  kraja 
sobrannyje  v  jelisavetgradskom  i  aleksandrijskom  ujezdach 
chersonskoj  gubernii  [Materialien  zur  Ethnographie  des  neu- 
russischen Landes,  gesammelt  in  den  Bezirken  Jelisavetgrad  und 
Alexandrijsk  desGouv.  Cherson]  in:  Letopis  istoriko-filologiceskago 
obscestva  pri  imperat  novorossijskom  universitete  [Jahrbuch  der 
histor.-philol.  Gesellschaft  bei  der  kais.  neurussischen  Universität] 
3,  59—260.     Odessa  1894.  —  (42  nr.) 

Jätaka  ou  Stories  of  the  Buddha's  former  births,  translated  from 
the  Päli  under  the  editorship  of  E.  B.  Co  well  1 — 6.  Cambridge 
1895—1907. 

Jätakam,  das  Buch  der  Erzählungen  aus  den  früheren  Existenzen 
Buddhas,  aus  dem  Pali  übersetzt  von  J.  Dutoit  1  —  5.  Leipzig 
1907—1914. 

Jecklin  (D)  —  Volkstümliches  aus  Graubünden  1 — 3.  Chur 
1874 — 78.  —  Neue  Auflage  in  veränderter  Anordnung  ohne 
Verfassernamen,  Chur  1916. 

Jegerlehner  (J.)  —  Was  die  Sennen  erzählen.  Märchen  und 
Sagen  aus  dem  Wallis.     Bern  1906.  —  3.  Aufl.  1908. 

Am  Herdfeuer   der    Sennen.     Neue    Märchen   und   Sagen   aus 

dem  Wallis.     Bern  1908. 

—  —  Sagen    aus    dem    Unterwallis.      Basel    1909.    —    Sagen    und 

Märchen  aus  dem  Oberwallis,  mit  Anhang  von  H.  Bächtold. 
Basel  1913. 

Jekyll  (W.)  —  Jamaican  song  and  story.  Annancy  stories  etc. 
London  1907. 

Jephson  (A.  J.  M.)  —  Stories  told  in  an  african  forrest.   London  1893. 

Jesina  (P.Jos.)  —  Cikansko-ceske  pohädky  a  povidky  [Zigeunerisch- 
böhmische   Märchen     und    Erzählungen].      V  Hofe-Kutne    1889. 


Anhang.  587 

Johnston   (H.)    —    The   Uganda-Protectorate  1 — 2.     London  1902. 
Jones  (J.  A.)  —  Tales   of  an  Indian  camp.  —  2.  ed.  Traditions  of 

the  North- American  Indians.     London  1830.  —  Deutsch:  Sagen 

der  Nordamerikanischen  Indianer.     Altenburg  1837. 
Jones    (W.  H.)   and    Kropf    (L.)    —    Folk-tales    of    the    Magyars. 

London  1889.     (53  nr.) 
Joos    (A.)    —    Vertelsels    van    het    vlaamsche  Volk    1 — 4.     Brügge 

1889—92. 
Jourdanne    (Gr.)    —    Contribution    au    folk-lore   de   PAude.     Paris 

1899—1900.     (p.  119—124  Märchen). 
Journal  of  american  folk-lore  1 — 27.     Boston  1888 — 1914. 

—  —  de  la  societe  finno-ougrienne  1 — 27.     Helsingfors  1866 — 1912. 

of  the  Gypsy-lore  society  1—3.     Edinburgh   1889—1892. 

Juan  Manuel   —    El  libro  de  los  enxiemplos  del  Conde  Lucanor; 

Text  und  Anmerkungen  aus  dem  Nachlasse    von  H    Knust  hsg. 

von  A.  Birch-Hirschfeld.     Leipzig    1900.    —    Deutsch    von  J.  v. 

Eichendorff,  Werke  6,  381.     Leipzig  1864. 
Jubilejnyj  Sbornik  v  cest  Vsevoloda  Millera  [Sammelband  zum 

Jubiläum  V.  Millers].     Moskau  1900. 
Jülg  (B.)  —  Kalmükische  Märchen.     Die  Märchen   des  Siddhi-Kür, 

aus  dem  Kalmükischen  übersetzt.     Leipzig  1866. 

—  —  Mongolische  Märchen.     Die   neun   Nachtrags-Erzählungen    des 

Siddhi-Kür  und  die  Geschichte  des  Ardschi-Bordschi  Chan,  aus 
dem  Mongolischen  übersetzt.  Innsbruck  1868.  —  Beides  englisch 
von  [Busk],  Sagas  from  the  far  East,  London  1873. 

Julien  (S.)  —  Les  Avadänas,  contes  et  apologues  indiens  1 — 3. 
Paris  1859.  —  Deutsch  von  A.  Schnell,  Rostock  1908. 

Junker  von  Langegg  (F.  A.)  —  Japanische  Theegeschichten.  Volks- 
und geschichtliche  Sagen,  Legenden  und  Märchen  der  Japaner. 
1.  Cyklus.     Wien  1884. 

Junod  (H.  A.)  —  Les  chants  et  les  contes  des  Ba-Ronga  de  la 
baie  de  Delagoa.  Lausanne  1897.  —  Nouveaux  contes  B-onga. 
Neufchatel  1898. 

Jurkschat  (C.)  —  Litauische  Märchen  und  Erzählungen  1. 
Heidelberg  1898. 

rvacanovskij  (V.)  —  Pamjatniki  bolgarskago  narodnago  tvorcestva 
1 :  Sbornik  zapadno-bolgarskich  pesen  [Denkmäler  der  bulgarischen 
Volksdichtung  1:  Sammlung  westbulgarischer  Lieder].  St.  Peters- 
burg 1882.  (=  Sbornik  für  russ.  Sprache  und  Literatur  der 
kais.  russ.  Akademie  der  Wiss.    Bd.  30,  1). 

Kaden  (W.)  —  Unter  den  Olivenbäumen,  süditalische  Volksmärchen. 
Leipzig  1880.  (Übersetzung  aus  Comparetti,  Imbriani,  Pitre 
ohne  Quellenangabe;  vgl.  Nuove  effemeridi  siciliane  1881.) 

Kallas  (0.)  —  Märchen  der  Ljutziner  Esten  (==  Verhandlungen  der 
Gelehrten    estnischen  Gesellschaft    20,    83—405.     Jurjew  1900). 

Kamp  (J.)  —  Danske  Folkeminder.     Odense  1877. 

Danske  Folkeaeventyr  1 — 2.     Kopenhagen  1879—1891. 


68  8  Anhang. 

Kampuroglus  (Marianna  Gr.)  —  'Ad-rjva'ixä  Tiaqafiv&ia  (22  nr.) 
Deltion  1,  138.  289.  533.  681.  —  Neue  Ausgabe  von  D.  G. 
Kampuroglus:  Ha^a^vd-ia,  Athen  1912. 

Karadzic  (J.  0.)  —  Srpske  narodne  pripovijetke  [Serbische  Volks- 
märchen].    Mostar  1905. 

Karadzic:  s.  Wuk. 

Karadzic,  List  za  srpski  narodni  zivot,  obicaje  i  predanje  [Zeit- 
schrift für  serbisches  Volksleben,  Gebräuche  und  Traditionen]. 
Red.  Tih.  R.  Gjorgjevic,  1—3.     Alexinac  1899—1901. 

Karlowicz  (J.)  —  Podania  i  bajki  ludowe  zebrane  na  Litwie 
staraniem  (Volkssagen  und  Märchen  in  Litauen  gesammelt] 
Krakau  1887  =  Zbiör  11 — 12.  —  (84  polnische,  weißrussische, 
litauische  und  lettische  Märchen  aus  den  Gouv.  Wilna,  Minsk 
und  Kowno  in  polnischer  Wiedergabe.) 

Karsten  (Paula)  —  Wer  ist  mein  Nächster?  Negertypen  aus 
Deutschwestafrika.     Berlin  1903. 

Kasik  (A.)  —  Popis  a  rozbor  näfeci  stredobecevskeho  [Beschreibung 
und  Untersuchung  des  Dialekts  von  der  mittleren  Becva]. 
Prag,  Akademie  1908. 

Kathakoca,  or  Treasury  of  Stories,  translated  from  Sanscrit  Mscr. 
by  C.  H.  Tawney.     London   1895. 

Kathasaritsägara:  s.  Somadeva. 

Kehrein  (J.)  — Volkssprache  und  Volkssitte  im  Herzogtum  Nassau 
1-2.     Weilburg  1862. 

Keightley  (T.)  —  Fairy  mythology.  London  1828.  1833.  1850. 
1882.  —  Deutsch  von  0.  L.  B.  Wolff,  Mythologie  der  Feen 
und  Elfen  1—2.     Weimar  1828. 

Kennedy    (P.)    —    The    Legendary   Fictions    of    the    Irish    Celts. 

London  1866. 
—  —  The  Fireside  Stories  of  Ireland.     Dublin  1875. 
de    Kerbeuzec    (H.)     (=    F.  Duine)    —    Cojou-Breiz.      Legendes, 

poemes  et  contes  bretons  1 :  Plougasnou.     Paris  1896. 
Kica,  List  za  salu,  zabavu  i  prikuplanje  narodnich  umotvorina  [Blatt 

für  Scherz,  Unterhaltung  und  Sammeln  von  Volksüberlieferungen] 

Bd.  7-9.     Nisch  1911-13. 
v.  Killinger  (H.)  —  Sagen  und  Märchen  1—2.    Stuttgart  1847—49. 

(=  Erin,  Auswahl  irischer  Erzählungen  Bd.  3 — 4.) 
Kingscote    (H.)    and    NatesaSastri    —    Tales   of   the  Sun,    or 

folh-lore  in  Southern-India.     London  1890. 
Kirby  (W.  T.)  —  The  Hero  of  Esthonia  1—2.     London  1895. 
Kirchhof  (H.  W.)  -  Wendunmut  (1563—1603)  hsg.  von  H.  Oesterley 

1—5.     Tübingen  1869. 
Kirschner  (A.)  —  Sagenschatz  aus  dem  Elbetal  zwischen  Leitmeritz 

und  der  Landesgrenze.     Aussig  1911. 
Klapper  (J.)    —    Erzählungen    des   Mittelalters   in  deutscher  Über- 
setzung und  lateinischem  Urtext.     Breslau  1914. 


Anhang.  589 

Klarmann  (J.  L.)  und  Spiegel  (K.)  —  Sagen  und  Skizzen  aus 
dem  Steigerwald.     Gerolzhofen  1912. 

Kläsi  (C.)  —  Der  malaiische  Eeineke  Fuchs  und  anderes.  Frauen- 
feld 1912. 

Kletke  (H.)  —  Almanach  deutscher  Volksmärchen.     Berlin  1840. 

—  —  Das  Buch  deutscher  Volks-  und  Kindermärchen.    Berlin  [1849] 
(enthält  nur  ein  echtes  Volksmärchen). 

Märchensaal  1—3.     Berlin  1844—1845. 

Klimo  (M.)  —  Contes  et  legendes  de  Hongrie.     Paris  1898. 
Knoop  (0.)    —    Volkssagen,    Erzählungen,  Aberglauben,  Gebräuche 
und  Märchen  aus  dem  östlichen  Hinterpommern.     Posen  1885. 

—  —  Sagen  und  Erzählungen  aus  der  Provinz  Posen.     Posen  1893. 

—  —  Posener  Geld-  und  Schatzsagen.     Progr.  Rogasen  1908. 

—  —  Posener  Märchen.     Progr.  Rogasen  1909. 

—  —  Ostmärkische  Sagen,  Märchen  und  Erzählungen,   1.  Bändchen. 

Lissa  i.  P.  1909. 

—  —  Sagen  der  Provinz  Posen.     Berlin-Friedenau  1913. 

—  —  Rogasener  Familienblatt  1 — 17  (Beilage  zum  Rogasener  Wochen- 

blatt 1901—1914). 

—  —  Volkstümliches    aus    der  Tierwelt.     (Beiträge    zur  Volkskunde 

der  Provinz  Posen,  1).     Rogasen  1905. 
Knortz  (K.)  —  Irländische  Märchen  wiedererzählt.     Zürich  1886. 
Knowles  (J.  H.)  —  Folk-Tales  of  Kashmir.     London  1888.  —  2.  ed. 

1893.   (64  nr.) 
Knust  (E.)    —    Italienische  Märchen   (in:    Jahrbuch  für  romanische 

und  engl.  Literatur  7,  381—401.    1866). 
Köhler  (J.  A.  E.)    —    Volksbrauch,    Aberglauben    und    andre    alte 

Überlieferungen  aus  dem  Voigtlande.     Leipzig  1867. 
Köhler  (R.)  —  Aufsätze  über  Märchen  und  Volkslieder.     Berlin  1894. 

—  —  Kleinere    Schriften    hsg.    von    J.    Bolte.       1 :    Zur    Märchen- 

forschung. 2:  Zur  erzählenden  Dichtung  des  Mittelalters. 
3:  Zur  neueren  Literaturgeschichte,  Volkskunde  und  Wort- 
forschung. Weimar  1898—1900. 
Kolaf-Ko  cho  vsky  (J.  B.)  —  Z  chatek  moravske  Slovace,  Pohädky 
apovestizokoliühersko-Brodskeho  [Aus  den  Hütten  der  mährischen 
Slovakei,  Märchen  und  Sagen  aus  der  Umgegend  von  Ungarisch- 
Brod].     Groß-Meseritsch  1888.     (30  nr.) 

—  —   Chudobinky    z    luhü    moravske    Slovace,    Narodni    pohädky    a 

povesti  z  okoli  Uhersko-Brodskeho  [Maßliebchen  aus  den  Auen 
der  mährischen  Slovakei,  Volksmärchen  und  Sagen  aus  der  Um- 
gebung von  Ungarisch-Brod].     Groß-Meseritsch    o.  J.  —  (16  nr.) 

Kolberg  (0.)  —  Lud,  jego  zwyczaje,  sposöb  zycia,  mowa,  podania, 
przyslowia,  obrz^dy,  gusla,  zabawy,  piesni,  muzyka  i  tahce  [Das 
Volk,  seine  Gebräuche,  Lebensweise,  Sprache,  Traditionen,  Sprich- 
wörter usw.]  1—21,  Warschau  1857—1867.  Bd.  5,  Krakau 
1871—1888.  —  Märchen  und  Sagen  enthalten  Bd.  2,  273-276 
(Das  Sandomirer  Land);  3,  113—194  (Kujawien) ;  8,  1—238 
(Krakauer  Land);  14,  1-388  (Posen);  17,  180—208  (Lubliner 
Landj;  19,  218— 250  (Gouv.  Kielce);  21, 172— 220  (Gouv.  Radom). 


590  Anhang. 

Kolberg  (0.)  —  Pokucie,  obraz  etnograficzny  [Das  Pokutie-Land,  ein 
ethnographisches  Bild]  1-4.  Krakaul882— 1889.  — Bd.3,81— 131: 
Kosmogonische  Legenden  und  Sagen  von  mythischen  Wesen. 
4,  1—294:  77  Märchen,  Legenden  und  Fabeln. 

—  —  Chelmskie,  obraz  etnograficzny  [Das  Chelmer  Land,  ein  ethno- 

graphisches Bild]  1—2.     Krakau  1890—1891.  —  2,  83—127:  30 
Märchen,  Sagen  und  Anecdoten. 

—  —  Przemyskie,  etnograficzny  zarys  [Die  Przemysler  Gegend,   ein 

ethnographischer  Versuch].     Krakow  1891. 

Koelle  (S.  W.)  —  African  native  literature.     London  1854. 
Kolosov  (M.  A.)  —  Zametki  o  jazyke   i  narodnoj    poesii  v   oblasti 

severno-velikorusskago  narecija.  [Untersuchungen  über  die  Sprache 

und  Volkspoesie    im  Gebiete    der    nordgroßrussischen  Mundart]. 

Sankt  Petersburg    1877.    (Sbornik    Otdel.  Bus.    jaz.  i  slov.  Imp. 

Akad.  Nauk.  T.  17  Nr.  3). 
Konrad  (H.)  —  Neues  Märchenbuch.     2.  Aufl.     Lissa  i.  P.  1906 

—  —  Aus  der  Heimat,  für  die  Heimat  1 — 7  (Monatliche  Beilage  zur 

Samotschiner  Zeitung  1905 — 1911). 

Kopernicki  (J.)  — -  Gadki  ludowe  gorali  bieskidowych  z  okolic 
Babki  [22  Volksmärchen  der  Gebirgsbewohner  der  Beskiden]. 
in:  Zbiör  15,  3,  3—43. 

Kordunas  (M.  B.)  —  Zbirka  srpskih  narodnih  uinotvorina  iz 
goriie  Krajine,  Kn.  3 — 4:  Srpske  narodne  pripovijetke  [Eine 
Sammlung  serbischer  Volkspoesie  aus  der  oberen  Grenze,  H.  3 — 4: 
Serbische  Volkserzählungen].     Neusatz  1892—1900. 

Korrespondenzblatt  des  Vereins  für  niederdeutsche  Sprach- 
forschung 1—36.     Hamburg  1877—1917. 

Korrespondenzblatt  des  Vereins  für  siebenbürgische  Landes- 
kunde, 1-40.     Hermannstadt  1878—1917. 

Kosch  (M.)  —  Deutsche  Volksmärchen  aus  Mähren.    Kremsier  (1898). 

Kosinski  (W.)  —  Materyjaly  do  etnografii  gorali  Bieskidowych 
[Materialien  zur  Ethnographie  der  Gebirgsbewohner  der  Beskiden]. 
in:  Zbiör  5,  3,  187-265.  7,  3,  3—105.  -  (137  Märchen). 

Kozlowski  (K.)  —  Lud;  Piesni,  podania,  baäni,  zwyczaje  i  przesady 
ludu  z  Mazowsza  Czerskiego  [Das  Volk;  Lieder,  Sagen,  Märchen, 
Gebräuche  und  Aberglauben  des  Volkes  im  Czersker  Masowien]. 
Warschau  1869. 

Krainz  (J.)  —  Mythen  und  Sagen  aus  dem  steirischen  Hochlande. 
Brück  a.  d.  Mur  1880. 

Krasic  (V.)  —  Srpske  narodne  pripovijetke  iz  Gorne  Krajine  [20 
serbische  Volksmärchen  aus  der  oberen  Militärgrenze].  in:Letopis 
Matice  Srpske  [Jahrbuch  der  serbischen  Matica]  145 — 149. 
151—152.     Neusatz  1886—1887. 

—  —  Narodne  pripovetke  [Volksmärchen]  1  —  2.     Neusatz  1897. 
Krauss  (Fr.)  —  Sagen  und  Märchen  der  Südslaven  1  —  2.     Leipzig 

1883-1884.     (109  +  160  nr.) 

—  —  Sreca,    Glück  und  Schicksal  im  Volksglauben    der  Südslaven. 

Wien  1886.  (aus:  Mitteilungen  der  Anthropologischen  Ges.  in  Wien 
16,  102-162). 


Anhang.  591 

Kr  au  ss    (Fr.)  —  Zigeunerhumor,    250    Schnurren,     Schwanke    und 
Märchen.     Leipzig   1907. 

—  —  Slavische  Volkforschungen.     Leipzig  1908. 

—  —  Tausend  Sagen  und  Märchen    der  Südslawen,    gesammelt  und 

verdeutscht.     1.  Band.     Leipzig  (1914).     (140  nr.) 
Kre  k  (B.)  —  Slovenske  narodne  pravljice  in  pripovedke  [50  Slovenische 

Volkserzählungen     und     Märchen].      Marburg     1886.      (Ljudska 

Knjiznica  13 — 14). 
Kremnitz  (M.)  —  Rumänische  Märchen.     Leipzig  1883.    (20  nr.) 
Kres,  Leposloven  in  znanstven  list  [Zeitschrift  für  schöne  Literatur 

und  Wissenschaft],  unter  Mitarbeit  von  G.  Krek  und  D.  Trstenjak 

hsg.  von  J.  Sket,  1—5.     Klagenfurt  1881  —  1885. 
Kretschmer  (P.)  —  Neugriechische  Märchen.     Jena  1917.    (66  nr.) 

—  —   Der    heutige   Lesbische  Dialekt    1905    S.  473.    (Schriften    der 

Balkankommission    der  Wiener  Akademie  3,  1.  —  29  Märchen). 
Kreutzwald  (F.)  —  Ehstnische  Märchen,    übersetzt   von  F.  Löwe, 

mit  Anmerkungen  von  R.  Köhler.     Halle  1869  (24  nr.)  —  Zweite 

Hälfte.     Dorpat  1881.  (20  nr.) 
Kristensen  (E.  Tang)  —  Aeventyr  fra  Jylland  1 — 4.   Kopenhagen 

1881—1897  (=  Jyske  Folkeminder  5.  7.  12.  13).    —    (50  +  59  + 

68  +  83  nr.) 

—  —   Skattegraveren,    et    tidsskrift    udgivet    af  Dansk    samfund  til 

indsamling  af  folkeminder,  1-12.     Kolding  1884-89.   —   Efter- 
slset  til  Skattegraveren.     Kolding  1890. 

—  —    Danske    folkeseventyr,    optegnede     af    Folkemindesamfundets 

medlemmer.     Viborg  [1884 -]  1888.  (62  Märchen.) 

—  —  Molbo-   og   Aggerbohistorier    samt    andre    dermed    beslsegtede 

fortjellinger,  1-2.  Viborg  1892  und  Arhus   1903. 

—  —    Kuriose    Overhoringer    i     Skole     og     Kirke,     1 — 2.     Aarhus 

1892—1899. 

—  —  Fra  Bindestue    og  Kelle,    jyske  Folkeseventyr,    1 — 2.     Kopen- 

hagen 1896—1897.    (30  +  28  nr.) 

—  —   Danske  Dyrefabler    og  Kjaederemser    samlede  af  Folkemunde. 

Arhus   1896. 

—  —    Bindestuens    Saga,    jyske    Folkeseventj-r.     Kopenhagen    1897. 

(30  nr.) 

—  —  Fra  Mindebo,  jyske  Folkeseventyr.  Aarhus  1898.  (29  nr.) 

—  —  Vore  Fsedres  Kirketjeneste,    belyst   ved  Exempler    optegnede 

efter  Folkemunde.     Aarhus  1899. 

—  —  Danske  Skjsemtesagn,  samlede  af  Folkemunde,  1.  Aarhus  1900. 

—  (vgl.  Bolte,  Zs.  f.  Volkskunde  15,  448). 

Kriza  (J.) —  Vadrözsak  [Wilde  Rosen].    Kolozsvärtt  1863  (20  nr.)  — 
2.  Aufl.  1911  in  Magyar  nepköltesi  gyüjt.  11  —  12. 

Krohn  (K.)  —  Bär    (Wolf)    und    Fuchs    (Journal    de   la  Soc.  finno- 
ougrienne  6).     Helsingfors  1888. 

—  —  Mann  und  Fuchs.     Helsingfors  1891. 

—  —  und  Lilius    (L.)    Suomalaisia  kansansatuja   [Finnische  Volks- 

märchen] 1—2.     Helsingfors  1886-93. 

Kryptadia  1-9.     Heilbronn  1883-89.     Paris  1897—1905. 


592  Anhang. 

Kubfn  (J.)  —  Povidky  Kladske  [Glatzer  Erzählungen]  mit  einem 
kritischen  bibliographischen  Kommentar  von  Gr.  Polivka. 
1—2.  Prag  1908  und  1910—14. 

—  —  Lidove  povidky  z  ceskeho  Podkrkonosf .  Podhofi  zapadni.    Z  üst 
.  lidu  zapsal  J.  Kubin,  vydal  a  komentafem  kriticko-bibliografickym 

opatfil    Jifi    Polivka     [Volkserzählungen     aus     dem     westlichen 
böhmischen    Vorlande    des    Riesengebirges,    aufgezeichnet    von 
J.  Kubin  mit  Anmerkungen  von  G.  Polivka].      Prag,    Akademie 
der  Wiss.  (im  Druck). 
Kuhn  (A.)  —  Märkische  Sagen  und  Märchen.     Berlin  1843. 

—  —     Sagen,     Gebräuche     und     Märchen     aus     Westfalen     1 — 2. 

Leipzig  1859. 

—  —  und  Schwartz  (W.)    —    Norddeutsche  Sagen,  Märchen  und 

Gebräuche.     Leipzig  1848. 

Kühn  (E.)  —  Der  Spreewald  und  seine  Bewohner.  Cottbus  1889. — 
Auf  S.  63 — 143:  Rabenau,  Originalmärchen  der  Wenden. 

Kühn  au  (R.)  —  Schlesische  Sagen  1—4.  Leipzig  1910 — 13.  — 
(Unter  den  1349  nr.  sind  auch  mehrere  Märchen). 

Kukic:   s.  Stankov  Kukic. 

Kulda  (B.  M.)  —  Moravske  narodni  pohädky,  povesti  obyceje  a 
povery  [Mährische  Volksmärchen,  Sagen,  Gebräuche  und  Aber- 
glauben] 1—4.    Prag  1874-75.  1892—94.  —  (124  +  43  4- 18  nr.) 

Kulis  (P.)  —  Zapiski  o  juznoj  Rusi  [Aufzeichnungen  über  Südruß- 
land] 1—2.  St.  Petersburg  1856—1857.  —  2,  10—82  (einige 
Märchen). 

—  —  Ukrajinskija  narodnyja  predanija,  1  [Volksüberlieferungen  aus 

der  Ukraine].     Moskau  1874. 

Kund  er  (J.)  —  Eesti  Muinasjutud  [Estnische  Märchen].  Rakweres  1885. 

Künos  (J.)  —  Türkische  Volksmärchen  aus  Stambul.  Leiden  1905. 
(51  nr.) 

— ■  —  Osmanische  Volksmärchen  (Ungarische  Revue  7 — 10.  1887 — 1890). 

■ Türkische  Volksmärchen  aus  Adakaie.  1 — 2.  Leipzig  1907.  (51  nr.) 

Kurskij  Sbornik.  Izdanije  Kurskago  gubernskago  statisticeskago 
komiteta,  Vypusk  4:  V.  J.  Rezanov,  Materialy  po  etnografii 
Kurskoj  gubernii,  cast  3 :  Sborniki  A.  S.  Maskina  [Sammlungen 
ethnographischer  Materialien  aus  dem  Gouvernement  Kursk, 
Heft  4:  V.  J.  Rezanov,  Materialien  zur  Volkskunde.  Samm- 
lungen von  A.  S.  Maskin].     Kursk  1903. 

Kuttner  (B.)  —  Jüdische  Sagen  und  Legenden  1 — 4.  Prankfurt  a.  M. 
1902—1906.     (97  nr.) 

Laboulaye  (E.)  —  Contes  bleus.  Paris  1879.  —  Derniers  contes 
bleus.    P.  1884. 

Lacoglu  fCh.  N.)  und  Astardziev  (N.  M.)  —  Zbornik  ot  razni 
bälgarski  narodni  prikasky  i  pesnil  [Sammlung  verschiedener  bul- 
garischer Volksmärchen  und  Lieder].     Rustscbuk  1870. 

Lademann  (G.)  —  Tierfabeln  und  andere  Erzählungen  in  Suaheli. 
Berlin  1910  (Archiv  für  das  Studium  deutscher  Kolonialsprachen 
Bd.  12). 


Anhang.  593 

Lageniensis  (d.  i.  John  0 'Hanion)  —  Irish  folk-lore.  Glasgow  1870. 
Laisnel    de    la    Salle.     —     Le    Berry,     croyances     et    legendes. 

Paris  1900. 
Lal  Behari  Day:  s.  Day. 
Lambert  (L.)  —  Contes  populaires  du Languedoc.     Montpellier  1899. 

(Vgl.  Eevue  des  langues  romanes  27,  84.    28,  47.    124.  31,  554). 
Lande ro in  (M.)  et  Tilho  (J.)    —    Oframmaire    et   contes  haoussas. 

Paris  1909  (11  Märchen). 
Landes  (A.)   —    Contes    et   legendes  annamites.     Saigon  1886  (aus 

Cochinchine  francaise,  excursions  et  reconnaissances  1884 — 1886). 

(127  +  22  nr.)  ' 
— -  —  Contes  tjames.     Saigon  1887. 
van  Landschoot  (J.)  —  Volksvertelsels.     Cent  1895. 
Lang  (A.)  —  The  blue  fairv  book.     London  1889.  —  The  red  fairy 

book.  1890.  —  The  green  fairy  book.  1892. 
Lang  (P.)  —  Schnurren  und  Schwanke  aus  Bayern.   Würzburg  1916. 
v.  Langegg:  s.  F.  A.  Junker. 
Langer  (E.)  —  Deutsche  Volkskunde  aus  dem  östlichen  Böhmen  1. 

1901. 
Langer  (Th.  L.)  —  Dalsländska  folksägner.     Uddevalla  1908. 
Langkusch  (A.  C.)  —  Litauische  Sagen  (in:  Altpreußische  Monats- 
schrift 15,  412—459.  1878). 
Langles  (L.)  —  Bibliotheque  choisie  de  contes   orientaux  et  fables 

persanes,  1—2.     Paris  1788.  1790. 
Laographia  1—4.     Athen  1909—1912.     (N.  Polites). 
Laoust  (E.)  —  Etüde  sur  le  dialecte  berbere  du  Chenoua.  Paris  1912. 
L  a  r  g  e  a  u  (V.)  —  Flore  Saharienne,  histoires  et  legendes  traduites  de 

l'arabe.     Paris  1879. 
Laube  (C  C.)    —    Volkstümliche  Überlief eruugen    aus  Teplitz  und 

Umgebung.  1896.  —  2.  Aufl.     Prag  1902. 

Larminie ( W.)  —  West  Irish  Folk  Tales  and  Romances.    London  1893. 

Le  Braz  (A.)  —  La  legende  de  la  mort  chez  les  Bretons  armoricains 
1—2.     Paris  1902. 

Ledere  (A.)  —  Cambodge,  contes  et  legendes.     Paris  1895. 
—  —  Contes  laotiens  et  contes  cambodgiens.     Paris  1903. 
Leeb  (W.  L.)  —  Sagen  Niederösterreichs,  1.     Wien  1892. 
Leger  (L.)  —  Recueil  de  contes  populaires  slaves.     Paris  1882. 
Legrand  (E.)  —  Recueil  de  contes  populaires  grecs.     Paris  1881. 
Lederbogen  (W.)  —  Kameruner  Märchen.     Berlin    1902.  —  Vgl. 

Mitt.  des  Seminars  für  orientalische  Sprachen  4,  3,  154.  5,  3,  118. 

6,  3,  69  (1901—1903). 
Lehemrbe  (L.)  —  Volksvertelsels.     Lier  1893. 
Lehmann-Filhes  (M.)  —  Isländische  Volkssagen  (nach  J.  Arnason) 

1—2.     Berlin  1889—1891. 
Leib  in g    (F.)    —    Sagen    und    Märchen    des    Bergischen    Landes. 

Elberfeld  1868. 

Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  38 


594  Anhang. 

Leite  de  Vasconcellos:  s.  Vasconcellos. 

Lemke  (E.)  —  Volkstümliches  aus  Ostpreußen,  1 — 3.  Mohrungen 
1884.  1887.     Alienstein  1899. 

Lenz  (L.)  —  Die  neuesten  englischen  Märchensammlungen  und  ihre 
Quellen.     Cassel  1902. 

Lenz  (R.)  —  Araukanische  Märchen  und  Erzählungen  mitgeteilt  von 
Segundo  Jara.     Valparaiso  1896. 

—  —  Un    grupo    de    consejas    chilenas.     Santiago    de    Chile    1912. 

(Revista  de  folklore  chileno  3  und  Anales  de  la  universidad  t.  129.) 

Leopold  (J.  A.  en  L.)  —  Van  de  Scheide  tot  de  Weichsel,  Neder- 
duitsche  dialecten  uitgekozen  1 — 3.     Groningen  1882. 

v.  Leoprechting  (K.)  —  Aus  dem  Lechrain.     München  1855. 

Lerch  (P.)  —  Forschungen  über  die  Kurden  und  die  iranischen 
Nordchaldäer.     St.  Petersburg  1857. 

Leroy  (J.)  —  Oudvlaamsche  zeisels  en  vertellingen,  1 — 3.  Thielt 
1893  und  Yper  1896.  —  (8  +  6  +  5  nr.) 

Leskien  (A.)  —  Balkanmärchen  aus  Albanien,  Bulgarien,  Serbien 
und  Kroatien.     Jena  1915.      (67  nr.) 

L  e  s  k  i  e  n  (A.)  und  B  r  u  g  m  a  n  (K.)  —  Litauische  Volkslieder  und 
Märchen.     Straßburg  1882.     (Anmerkungen  von  W.  Wollner). 

Letopis  Matice  srpske,  uredjuje  A.  Hadzic  [Jahrbuch  des  Vereins 
Matica  srpska,  redigiert  von  A.  H.]  Bd.  119.     Ujvidek  1877. 

Lewin  (Th.  H.)  —  Progressive  Colloquial  Exercise  in  the  Lushai 
Dialect  or  the  Kuki  Language,  Calcutta  1874.  —  -S.  71  drei 
Geschichten. 

v.  Lewinski  (A.)  —  Neun  Dschagga-Märchen.  Leipzig  1905.  — 
Acht  Kamba-Märchen.     Leipzig  1905. 

v.  d.  Leyen  (F.)  —  Das  Märchen  in  den  Göttersagen  der  Edda. 
Berlin  1898. 

Indische  Märchen.     Halle  1898. 

Lidzbarski  (M.)  —  Geschichten  und  Lieder  aus  den  neuaramäi- 
schen Handschriften  zu  Berlin.     Weimar  1896. 

Liebrecht  (F.)  —  Zur  Volkskunde.     Heilbronn  1879. 

Lindholm  (P.)  —  Hos  Lappbönder;  skildringer,  sägner  och  sagor 
frän  Södra  Lappland.     Stockholm  1884. 

Lindskoug  (0.)  —  Skeppet  som  gik  över  vatten  och  land.  Lund 
1915  (=  Folkminnen  2,  141). 

Löland  (R.)  —  Norsk  eventyrbok.     Oslo  1905. 

Lootens  (A.)  en  Feys  (M.  E.)  —  Oude  kindervertelsels  in  den 
Brugschen  tongval.  Brüssel  1868.  —  (vgl.  Liebrecht,  Germania 
14,  84). 

Lorentz  (F.)  —  Slovinzische  Texte.     St.  Petersburg  1905. 

—  —  Teksty  pomorskie  czyli  slowiiisko-kaszubskie  [Pommersche  oder 

slovinzisch-kaschubische  Texte].    Heft  1 — 2.     Krakau  1913. 
Lover    (S.)     —     Legends    and    stories    of    Ireland    1 — 2.     London 
1837—1848. 


Anhang.  595 

v.  Löwis  of  Menar  (A.)  —  Kussische  Volksmärchen.  Jena  1914. 
(55  nr.) 

Lucanor  (Conde) :  s.  Juan  Manuel. 

Luca,  Knizevni  list  drustva  Gorski  Vijenac  sv.  6  za  godinu  1900 
[Literarisches  Blatt  der  Gesellschaft  'der  Bergkranz'  für  das  Jahr 
1900].     Cetinje. 

Lud,  Organ  towarzystwa  ludoznawczego  we  Lwowie  pod  redakcyq, 
Dr.  A.  Kaliny  [Das  Volk,  Organ  der  Gesellschaft  für  Volks- 
kunde in  Lemberg]  1  ff.     Lemberg  1895  ff. 

Ludwig  Salvator,  Erzherzog.  —  Märchen  aus  Mallorca.  Würz- 
burg 1895.  —  Rondayes  di  Mallorca.    Wirzburgo  1895. 

Lütolf  (A.)  —  Sagen,  Bräuche  und  Legenden  aus  den  fünf  Orten. 
Luzern  1865. 

Luzel  (F.  M.)  —  Contes  bretons.     Quimperle  1870. 

—  —  Rapports  sur  une  mission  en  Basse-Bretagne  (in:  Archives  des 

missions  scientifiqu.es  et  litt.  2.  Serie,  tome  7  und  3.  Serie,  t.  1. 
1872—1873). 

—  —  Veillees  bretonnes.     Morlaix  1879. 

—  —  Legendes  chretiennes  de  la  Basse-Bretagne,  1 — 2.     Paris  1881. 

—  —  Contes  populaires  de  la  Basse-Bretagne,  1 — -3.     Paris  1887. 

Mac  Culloch  (E.)  —  Guernsey  Folk-lore.  London  1903.  — 
(p.  427—440  Story  telling.) 

Mac  culloch  (J.  A.)  —  The  Childhood  ofFiction,  a  Study  of  Folk 

tales  and  primitive  Thought.     London  1905. 
Macdonald    (D.)    —    Africana   1—2.     London  1882.     (2,  316—371 

native  tales.) 
Macdougall  (J.)    —    [Celtic]  Folk  and  Hero  Tales.     London  1891. 

(10  nr.) 

—  —  Folk  tales  and  fairy  in  gaelic    and   english.     Edinburgh  1910. 
Mac  Innes  (D.)  —  [Celtic]  Folk    and  Hero   Tales.      London    1890. 

(12  nr.) 

—  —  Gaelic  folk  tales.     London  1889. 
Macler  (F.)  —  Contes  armeniens.     Paris  1905. 
Madelaine  (A.)  —  Au  bon  vieux  temps,  1.     Caen  1907. 
Madsen  (J.)  —  Folkeminder  fra  Hanved  Sogn.     Kopenhagen  1870. 
Magazin  für  die  Literatur  des  Auslandes,  Jahrgang  1 — 49.     Berlin 

1832 — 1880.  —  Magazin  für  die  Literatur  des  In-  und  Auslandes 
50—58.     Leipzig  1881—89. 

Magyar  nepköltesi  gyüjtemen}-  [Sammlung  ungarischer  Volks- 
dichtungen]' 1 — 12:  s.  Arany,  Berze  Nagy,  Horger,  Kriza,  Mailand, 
Sebestyen,  Vikar. 

Magyar  Nyelvör  [ungarischer  Sprachwart]  1  f f .    Budapest  1871  ff. 

Mailand  (0.)  —  Szekelyföldi  gyüjtes  [Szekler  Sammlung].  Budapest 
1905.     (=  Magyar  nepköltesi  gyüjt.  7.J     (13  nr.) 

Mailath  (J.  Graf)  —  Magyarische  Sagen  und  Märchen.  Brunn 
1825.  —  2.  Aufl.  1—2.     Stuttgart  1837. 

38* 


596  Anhang. 

Mailly  (A.j  —  Sagenschatz  aus  dem  Küstenlande  (Manuskript  1917). 
Maksimov  (S.V.)  —  Necistaja,  nevedomaja  i  krestnaja  sila  [Heine 

und  unreine  Wesen,  Elemente  und  Kräfte].     St.  Petersburg  1903. 
Maksimovic  (M.)    —    Tri  skazki  i  odna  pobasenka  [Drei  Märchen 

und  eine  Schnurre].     Kiew  1845. 
Malcolm  (J.)  —  Sketches  of  Persia  1 — 2.    London  1828.  —  Danach: 

Kisseh-Khün,  der  persische  Erzähler.     Berlin  1829. 
Malinka    (A.  N.)    —    Sbornik   materialov  po  malorusskomu  folkloru 

[Eine  Sammlung  von  Materialien  zur  kleinrussischen  Volkskunde]. 

Öernigov  1902. 
Malinowski  (L.)  —  Powiesci  ludu  polskiego  na  Slasku  [Sagen  des 

polnischen  Volkes  in  Schlesien,  1.  aus  dem  Fürstentum  Teschen. 

2.  aus  Oberschlesien]   in :    Materyaly    antropol.    Krakau  4,  1 — 8. 

5,  1—272. 
Maly  (J.)  —  Vybor  drobnych  spisü  3:   Narodni  pohadky    [Auswahl 

kleinerer  Schriften  3:  Volksmärchen].     Prag  1876.     (41  nr.) 
Mango  (F.)  —  Novelline  popolari  sarde.     Palermo  1890. 
Mansfeld    (A.)    —    Urwald-Dokumente.      Berlin    1908.      (S.   223: 

38  Märchen  aus  Kamerun). 

Manzura  (J.)  —  Skazki,  poslovicy  i.  t.  p.  zapisannyja  v  Jeka- 
terinoslavskoj  i  Charkovskoj  gub.  [Märchen,  Sprichwörter  u.  ä. 
aufgezeichnet  im  Gouv.  Jekaterinoslaw  und  Charkow]  Charkow 
1890.  (=  Sbornik  istor.  filolog.  obscestva  Charkov  2)  [Jahrbuch 
der  historisch-philologischen  Gesellschaft  in  Charkow]. 

—  —  Malorusskija  skazki,  predanija,  poslovicy  i  poverja  v 
Jekaterinoslav.  gub.  [Kleinrussische  Märchen,  Sagen,  Sprichwörter 
und  Aberglauben  im  Gouv.  Jekaterinoslaw].  Charkow  1894. 
(=  Sbornik  6,  161—197.) 

Mar  eile  (Ch.)  —  Affenschwanz  et  variantes  orales  des  contes 
populaires  francais  et  etrangers.     Braunschweig  1885. 

Marianü  (St.  F.)  —  Ornitologia  poporanä  romänä  1 — 2.  Cernäuti  1883. 

Marinov  (D.)  —  Basnenik  ili  Sbornik  ot  narodni  basni  [Fabelbuch]. 
Sofia  1894. 

Marno  (E.)  —  Reise  in  der  ägyptischen  Äquatorialprovinz  und  in 
Kordofan    (Wien  1878).     S.  257—286:    Sudanesische  Tierfabeln. 

Marx  (A.)  —  Griechische  Märchen  von  dankbaren  Tieren.  Stuttgart 
1889. 

Maspero  (G.)  —  Les  contes  populaires  de  l'Egypte  ancienne, 
traduits  et  commentes.    Paris  1882.  —  2.-4.  ed.  1889.  1905.  1911.' 

Maspons  y  Labrös  (F.)  —  Lo  Pondallayre  1 — 3.  Barcelona 
1871 — 74.  (vgl.  F.  Liebrecht,  Heidelberger  Jahrbücher  der  Lit. 
1872,  887). 

—  —  Cuentos  populars  catalans.     Barcelona  1885. 

Materyaly  antropologiczno-archeologiczne  i  etnograficzne  wydawane 
staraniem  komisyi  antropologicznej  Akademii  umieje_tnosci  w 
Krakowie  [Anthropologisch  -  archäologische  und  ethnographische 
Materialien  hsg.  von  der  Anthropologischen  Kommission  der 
Akademie  der  Wissenschaften  in  Krakau]  1  ff.     Krakau  1896  ff. 


Anhang.  597 

MateryaZy  i  prace  komisyi  je_zykowej  Akademii  umiejetaosci  w 
Krakowie  [Materialien  und  Arbeiten  der  dialektologischen 
Kommission  bei  der  Akademie  der  Wissenschaften  in  Krakau]  1  f. 
Krakau  1901  f. 

Materialy  po  etnografii  Grodnenskoj  gubernii,  1—2:  Po  poruceniju 
upravlenija  Vilenskago  ucebnago  okruga  redaktiroval  E.  Romanov 
[Materialien  zur  Volkskunde  des  Gouvernements  Grodno,  hsg.  von 
E.  Eomanov].     Vilna  1911—12. 

Materialy  dlja  izucenija  velikorusskich  govorev  8 — 9  [Materialien 
zur  Kenntnis  der  großrussischen  Mundarten].  Sbornik  otdel. 
russk.  jazyka  i  sloves.  Akademii  Nauk,  Bd.  83  und  87,  nr.  5  S.  272. 

Maurer  (K.)    —    Isländische  Sagen  der  Gegenwart.     Leipzig  1860. 

Medvecky  (Karol  A.)  —  Detva,  monografia.  Detva  v  Ruzomberku 
1905.  —  (vgl.  Polivka,  Archiv  29,  458.) 

Meier  (E.)  —  Deutsche  Volksmärchen  aus  Schwaben.   Stuttgart  1852. 

—  —    Deutsche    Sagen,     Sitten     und     Gebränche     aus     Schwaben. 

Stuttgart  1852. 

Meinhof     (K.)     —     Lehrbuch     der     Namasprache.       Berlin    1909. 

(S.  151  Texte.) 
Meinhold  (C.)  —  Die  Dichtung  der  Afrikaner.     Berlin  1911. 
Meinhold  (E.)  —  Märchen  aus  Kamerun,  erzählt   von  Njo  Dibone. 

2.  A.     Straßburg  1889. 
Meissner  (Br.)  —  Neuarabische  Geschichten  aus  dem  Iraq  (Beiträge 

zur  Assyriologie  5,  1 — 148.     Leipzig  1906).     (55  nr.) 
Melusine,    Revue   de  mythologie,    litterature   üopulaire,    traditions 

et  usages  1—11.     Paris  1878—1912. 

M  e  n  d  n  e  r  (R.)  —  Ostafrikanisches  Dämmerstündchen.  Suaheli- 
Geschichten.     Leipzig  o.  J.  [1915].  —  (26  nr.) 

Menghin  (A.)  —  Aus  dem  deutschen  Südtirol.     Meran  1884. 

Mensik  (J.  S.)  —  Moravske  narodni  pohadky  a  povesti  z  okoli 
Jemnickeho  [Mährische  Volksmärchen  und  Sagen  aus  der  Um- 
gebung von  Jamnitz].     Brunn  1856. 

—  —  Moravske  pohadky  a  povesti  [Mährische  Märchen  und  Sagen]. 

Brunn  1862. 

Mercier  (G.)  —  Le  Chaouia  de  l'Aures.  Paris  1896.  —  (16  Er- 
zählungen). 

Merensky  (A.)  —  Deutsche  Arbeit  am  Njassa.     Berlin  1894. 

Merenyi  (L)  —  Eredeti  nepmesek  [Originale  Volksmärchen]  1 — 2. 
Pest  1861. 

—  —    Sajövölgyi    eredeti    nepmesek     [Sajovölgyer    originale    Volks- 

märchen].    1862. 

—  —    Dunamelleki    eredeti   nepmesek    [Originale  Volksmärchen   aus 

der  Donaugegend].     1863. 

M  e  r  k  e  n  s  (H.)  —  Was  sich  das  Volk  erzählt.  Deutscher  Volks- 
humor 1—3.     Jena  1892—1900. 

Merk  er  (M.)  —  Die  Masai.     Berlin  1904. 


598  Anhang. 

Meyer  (G.)  —  Albanische  Märchen  1 — 14  (Archiv  für  Literatur- 
geschichte 12,  92 — 148.  1884).  —  Nach  Mitkos  und  Jarnik,  mit 
Anm.  von  R.  Köhler. 

Meyrac  (A.)  —  Traditions,  coutümes,  legendes  et  contes  des 
Ardennes.     Charleville  1890. 

Michels:  s.  Des  Michels. 

Michon  (0.)  —  Contes  et  legendes  du  pays  de  France.     Paris  1886. 

Mijatovics  (C.)  —  Serbian  Folk-tales  ed.  by  W.  Denton.  London  1874. 

Miklosich  (F.)  —  Über  die  Mundarten  der  Zigeuner  Europas  4. 
(Abh.  der  Wiener  Akademie  derWiss.  23,  277—327. 1874).  —  (15  nr.) 

—  —  Beiträge  zur  Kenntnis   der  Zigeuner-Mundarten  4    (Sitzgsber. 

der  Wiener  Akad.  90,  245.     1878).  —  (3  nr.) 
Miksicek     (M.)     —     Närodni     bächorky     moravske    a    slezske    1. 
[Mährische  und  schlesische  Volksmärchen].  Prag  o.  J.  —  (37  nr.) 

—  —  Pohädky  a  povidky  lidu  moravskeho  [Märchen  und  Erzählungen 

des  Volkes  in  Mähren].     Brunn  1847.   —  Neudruck  von  V.Tille. 

Prag  1912. 
Mikulicic    (F.)    —    Narodne    pripovietke    iz    hrvatskoga    primorja 

[Volkserzählungen  aus  dem  kroatischen  Küstenland].  Portore  1876. 
Milenowsky  (J.)  —  Volksmärchen  aus  Böhmen.  Breslau  1853. 
Minajev   (J.  P.)    —    Indijskija  skazki  i  legendy  [Indische  Märchen 

und  Legenden].     St.  Petersburg  1877. 
Misotakis  (J.)  —  Ausgewählte    griechische  Volksmärchen.     Berlin 

[1822].     (Aus  Pio,  Buchon  und  Neohellenika  Analekta.) 
Mitford  (A.  B.)    —    Tales    of   Old   Japan  1—2.     London  1871.  — 

Deutsch  von  J.  Gr.  Kohl  1 — 2.     Leipzig  1875. 
Mit  kos  (E.)   —   'Alßavmi]  [isXiGOa.     1878.  —  Vgl.  G.  Meyer. 
Mitteilungen    der    Gesellschaft    für    jüdische    Volkskunde    1 — 52. 

Hamburg  1898—1914. 
Mitteilungen     der    Litauischen    literarischen    Gesellschaft    1 — 5. 

Heidelberg  1883—1911. 
Mitteilungen    des    Seminars    für    orientalische    Sprachen    1 — 13. 

Berlin  1898—1910. 
Mitteilungen  der  Schlesischen  Gesellschaft  für  Volkskunde  1 — 16. 

Breslau  1894-1914. 
Mitteilungen    zur  Volkskunde    des    Schönhengster    Landes  1  f . 

Mährisch-Trübau  1905  f. 
M  o  1  b  e  c  h  (C.)  —  Udvalgte  Eventyr  og  Fortällinger.  Kopenhagen  1843. 

4.  Udg.  1882. 
Möller  (J.  P.)  —  Folkesagn  fra  Bornholm.     Kopenhagen  1869. 
Moncaut  (C.) :  s.  Cenac-Moncaut. 
Monnier    (M.)    —    Contes  populaires   en  Italic     Paris  1880.     (aus 

Revue  des  deux  mondes  1875,  1877,  1879.) 
Monseur  (E.)  —  Le  folklore  wallon.     Brüssel  1892. 
Mont    (P.  de)    en    A.    de    Cock    —    Vlaamsche    Wondersprookjes. 

Gent  1896. 
Vlaamsche  Vertelsels.     Gent  1898. 


Anhang.  599 

Montanus  (M.)  —  Schwankbücher  hsg.  von  J.  Bolte.   Tübingen  1899. 

Montanus  (=  V.  v.  Zuccalmaglio)  —  Die  Vorzeit  der  Länder 
Cleve  -  Mark,  Jülich  -  Berg  und  Westphalen  1 — 2.  Solingen 
1837—39.  —  Neue  Ausg.  Elberfeld  1870. 

Monteil  (C.)  —  Contes  soudanais.     Paris  1905. 

Monteiro  (H.)  —  Tales  of  Old  Lusitania.  London  1892.  (nach  Coelho.) 

Montel  (A.)  et  Lambert  (L.)  —  Contes  populaires  du  Languedoc. 
Montpellier  1874. 

Mordovcev  (D.)  —  Malorusskij  literaturnyj  sbornik  [Kiemrussischer 
literarischer  Sammelband].  Saratov  1859.  —  (S.  355 — 376  vier 
Märchen.) 

Morosi  (Gr.)  —  Studi  sui  dialetti  greci  della  Terra  d'Otranto.    Lecce 

1870.     (p.  73—77  fünf  Märchen.) 
Morris  (M.)  —  Die  Mentawai-Sprache.     Berlin  1900. 
Moszynska    (J.)    —    Bajki  i  zagadki  ludu  ukraihskiego    [Märchen 

und    Rätsel    des    ukrainischen  Volkes]    in :  Zbiör  9,  3,  73 — 172. 
Moulieras  (A.)  —  Les  fourberies  de  Si  Djeh'a.     Paris  1892. 

—  —  Legendes    et    contes  merveilleux  de  la  Grande  Kabylie  1 — 2. 

Paris  1893 — 97.     (85  nr.  ohne  Übersetzung.) 
Mourier  (J.)  —  Contes  et  legendes  du  Caucase.     Paris  1888. 
Mulden  er  (R.)  —  Nordisches  Märchenbuch.     Langensalza  1863. 

Märchen  aus  Süd  und  West.     Langensalza  1865. 

Müllenhoff  (K.)  —  Sagen,  Märchen  und  Lieder  der  Herzogtümer 

Schleswig,    Holstein   und  Lauenburg.     Kiel  1845.     (S.  383—504 

54  Märchen  und  Lieder). 

Müller  (D.  H.)  —  Die  Mehri-  und  Soqotri-Sprache  1 — 3.  Wien 
1902—1907  (Südarabische  Expedition  Bd.  4.  6.  7). 

—  —  Mehri-    und    Hadrami-Texte,    gesammelt  i.  J.  1902  in  Gischin 

von  W.  Hein,    bearbeitet  und  hsg.    Wien  1909    (Südarabische 

Expedition  Bd.  9). 
Müller    (Fr.)    —    Beiträge    zur    Kenntnis    der    Romsprache    1 — 2 

(Sitzungsberichte    der    Wiener    Akademie    61,    149.    1869    und 

70,  85.    1872). 
Müller  (Hans)  —  Aus  Davos.     Basel  1875. 
Müller  (Max)   —   Sechs   russische  Volksmärchen  übersetzt.     Progr. 

Görlitz  1903. 
M  ü  n  c  h  ( J.  G.)  —  Das  Märleinbuch  für  meine  lieben  Nachbarsleute. 

1-2.    Leipzig  1799. 
Mundarten,    die  deutschen,    Bd.  1 — 6.     Nördlingen  1853 — 59.  — 

N.  F.  Halle  1877. 
Mus  aus  (J.  K.  A.)    —   Volksmärchen   der  Deutschen  1 — 5.     Gotha 

1782 — 1786.    —    Oft   wiederholt;    Facsimile  der  ersten  Ausgabe 

Berlin    1908.    —    Einen   6.  Band    verfaßte    G.  G.  Fülleborn, 

Halle  1789. 
Mus  sä  us  (J.)  —  Mecklenburgische  Volksmärchen  1 — 14  (Jahrbücher 

des    Vereins     für     mecklenburgische     Geschichte     5,     74 — 100. 

Schwerin  1840). 


600  Anhang. 

Naake  (J.)  —  Slavonic  Fairy  Tales  collected  and  translated. 
London  1874. 

Nacht:   s.  Tausend  und  eine  Nacht. 

Narodopisny  Sbornik  ceskoslovansky,  vydava  Narodopisna 
Spolecnost  ceskoslovanska  a  Närodopisne  Museum  ceskoslovanske 
[Cechoslavischer  ethnographischer  Sammelband,  hsg.  von  der 
cechoslavischen  ethnographischen  Gesellschaft  und  dem  cecho- 
slavischen  Museum  in  Prag]  1—11.  Prag  1897—1905.  —  Bd.  3—5 
red.  von  F.  Pastrnek,  6 — 7  von  Gr.  Polivka,  8  von  Polivka  und 
A.  Cerny. 

Narodopisny  Vestnik  ceskoslovansky,  v  vydavä  Spolecnost 
narodopisneho  Musea  ceskoslovanskeho  [Cechoslavische  ethno- 
graphische Zeitschrift,  hsg.  von  der  Gesellschaft  des  cecho- 
slavischen ethnographischen  Museums]  1 — 12.  Prag  1905 — 1917. 
—  Hsg.  von  G.  Polivka. 

Na sr eddin,  der  Hodscha.  Türkische,  arabische,  berberische, 
maltesische,  sizilianische,  kalabrische,  kroatische,  serbische  und 
griechische  Märlein  und  Schwanke  gesammelt  von  A.  Wesselski 
1-2.     Berlin  1911. 

Nassau  (R.  H.)  —  Fetichism  in  West  Africa.  London  1904. 
(p.  332  acht  Märchen.) 

Natesa  Sastri.  —  Folk-lore  in  Southern  India,  1 — 3.  Bombay 
1884—1888. 

—  —  Tales  of  Tennäliräma.     Madras  1900. 
Indian  folk-tales.     Madras  1908. 

Nawuka  (Michal)  —  Baje,  bajki  a  basnicki  serbske  narodne, 
1.  zesiwk.  Zezbjerawsi  pfiprawil  [Serbische  Volksmärchen  und 
Fabeln,  1.  Heft.  Gesammelt  und  bearbeitet],  w  Budysinie 
[Bautzen]  1914. 

N  e  m  c  o  v  a  (B.)  —  Narodni  bachorky  a  povesti  [Volksmärchen  und 
Sagen]  1—2.  Prag  1880.  -=  Gesammelte  Schriften  Bd.  5—6. 
Prag,  L.  Kober.  Neue  Ausgabe  von  V.  Tille,  Heft  1 — 4.  Prag 
1904.  —  (27  +  39  nr.) 

—  —  Slovenske  pohadky  a  povesti  [Slowakische  Märchen  und  Sagen] 

1  —  2.  Prag  o.  J.  =  Gesammelte  Schriften  Bd.  7 — 8.  Prag, 
L.  Kober.  (29  +  30  nr.)  —  Hsg.  von  V.  Tille.  Prag,  J.  Laichter 
1908—1909. 

NeoEÄArjvixä  'Avdtexxa  TtEQioöixöjg  ixdidöfieva  öjiö  %ov  WiAo- 
Aoyixov  HvMöyov  IlaQvaooov  1.  Athen  1870 — 1872.  (vgl. 
E.  Köhler  1,  365). 

Nerucci  (G.)  —  Sessanta  novelle  popolari  Montalesi.     Firenze  1880. 

—  —  Cincelle  da  bambini.     Pistoia  1880.  —  (13  Märchen.) 
Neyman    (C.)  —  MateryaZy  etnograficzne  z  okolic  Pliskowa  w  pow. 

Lipowieckimzebraneprzez  pann^Z.D.  [Ethnographische  Materialien 
aus  der  Umgegend  von  Pliskow  im  Bez.  Lipow,  Gouv.  Kiew, 
gesammelt  von  Fräulein  Z.  D.]  in:  Zbiör  8,  3,  115—246.  — 
(S.  234 — 245  einige  Märchen.) 


Anhang.  601 

Nicolaid.es    (J.)    —    Contes    licencieux    de    Constantinople    et    de 

l'Asie  mineure.     Kleinbronn-Paris  1906. 
Nicolaissen  (0.)  —  Sagn  og  eventyr  fra  Nordland  1 — 2.    Kristiania 

1879  und  1887. 

Fra  Nordlands  Fortid.     Kristiania  1889. 

Nicolovius  (=  Nils  Loven)  —  Folklif wet  i  Skytts  Härad  i  Skäne 

wid    början    af    detta    ärhundrade.     Lund  1847.    —    Neue  Aufl. 

Skäne  1868. 
Niederhöffer    (A.)    —   Volkssagen   Mecklenburgs   1 — 4.     Leipzig 

1858—62. 
Niedersachsen  1 — 20.     Bremen  1895 — 1915. 
Nielsen  (0.)  —  Garnla  segner  fraa  Valdriis.    Kristiania  1871. 
Nieri  (J.)  —  Cento  racconti  popolari  lucchesi.     Livorno  1906. 
Nikolic  (A.)  —  Srpske  narodne  pripovetke  [Serbische  Volksmärchen], 

neue    Ausgabe,    Belgrad    1899.    —    (25    nr.    —    Vgl.    Polivka, 

Archiv  22,  313). 
de  N  i n o  (A.)    —    Usi  e  costumi  abruzzesi,  vol.  3 :    Fiabe.     Firenze 

1883.     (75  nr.)  —  vol.  4:  Sacre  leggende.     Fir.  1887. 
Nisard  (Ch.)  —  Histoire  des  livres  populaires,  1 — 2.    Paris  1854.  — 

2.  Aufl.  1864. 
Nordenskiöld  (E.)  —  Indianerleben.     Leipzig  1912. 
Nordlander  (J.)  —  Svenska  folksagor.     Stockholm  1892. 
—  —  Smäplock,    historier  og  mässningar,    grötrim    och  hvarjehanda. 

Stockholm  1889.     (=  Sv.  landsmälen  7,  8.) 
Norsk  Folkekultur,  folkeminne-tidskrift  1 — 3.     Bisör    1915 — 17. 
North    Indian    Notes    and    Queries    ed.    by    W.    Crooke    1 — 5. 

Allahabad  1891—96. 

Nouri  (Ali)  —  Nasreddin  Khodjas  Schwanke  und  Streiche.  Türkische 
Geschichten  aus  Timurlenks  Tagen.     Breslau  1904. 

Nowosielski  (A.)  —  Lud  ukraihski,  jego  piesni,  bajki,  podania 
klechdy  it.  d.  [Das  ukrainische  Volk,  seine  Lieder,  Fabeln, 
Überlieferungen,  Märchen  usw.]   1 — 2.     Wilna  1857. 

Nyerup  (R )  —  Almindelig  Morskabslaesning  i  Danmark  og  Norge. 
Kopenhagen  1816. 

Obedenaru  (M.  Gr.)  —  Texte  macedo-romäne.  Bukarest  1891. 
(2  Märchen  und  30  Lieder  mit  französischer  Übersetzung). 

Obert  (F.)  —  Romanische  Märchen  und  Sagen  1 — 35  (Ausland 
1856—58).  —  Ferner:  Magazin  f.  Geschichte  Siebenbürgens  n.  F. 
1,  112—121  (1859). 

Obrazcy  mordovskoj  narodnoj  slovesnosti,  Vypusk  1:  Pesni  na 
erzjanskom  i  nekotoryja  na  Moksanskom  narecii.  Vypusk  2  :  Skazki 
i  zagadki  na  erzjanskom  narecii  [Beispiele  der  mordwinischen 
Volksliteratur,  Heft  1 :  Lieder  im  ersanischen  und  teilweise  im 
mokschanischen  Dialekt.  Heft  2:  Märchen  und  Rätsel  im 
ersanischen  Dialekt].     Kasan  1882 — 83. 


602  Anhang. 

O'Connor  (W.  F.)  —  Folk-tales  from  Tibet.     London  1906. 

Oestrup  (J.)  —  Contes  de  Damas.     Leiden  1897. 

Olsen  (0.  T.)  —  Norske  folkeeventyr  og  sagn  samlet  i  Nordland. 
Kristiania  1912.  —  vgl.  Christiansen,  Zs.  f.  Vk.  25,  416. 

Oncukov  (N.  E.)  —  Severnyja  skazki  [Märchen  des  Nordens]. 
St.  Petersburg  1908  (=  Zapiski  imper.  rus.  geograf.  obscestva 
po  otdeleniju  etnografii  33).  — •  vgl.  Polivka,  Archiv  31,  259. 

Ons  Volksleven  1  f .     Brecht  1889  £. 

Orain  (A.)  —  Contes  de  l'Ille-et-Vilaine.     Paris  1901. 
—  —  Contes  du  pays  Gallo.     Paris  1904. 

Orbelian  (S.  S.)  —  Kniga  mudrosti  i  lci  [grusinische  Märchen] 
russisch  von  A.  Tsagarelli.     St.  Petersburg  1878. 

Orient  und  Occident  insbesondere  in  ihren  gegenseitigen  Be- 
ziehungen; Forschungen  und  Mitteilungen,  hsg.  von  Th.  Benfey, 
1—3.     Göttingen  1860—66. 

Orientalist,  The.  A  Journal  of  oriental  literature,  arts  and 
sciences,  folklore  etc.  1 — 4.     Bombay  1884 — 92. 

Ortoli  (J.  B.  F.)  —  Les  contes  populaires  de  l'ile  de  Corse.   Paris  1883. 

Ostojic  (T.)  —  Srpske  narodne  pripovijetke  [Serbische  Volks- 
märchen].    Ragusa  1911. 

Ostroumov  (N.  P.)  —  Sarty,  etnograficeskije  materialy  [Die  Sarten, 
ethnographische  Materialien]  1 — 3.  Taschkent  1890 — 95.  —  In 
Bd.  2     26  Märchen. 

raasonen  (H.)  —  Mordwinische  Märchen  =  Journal  de  la  societe 

finno-ougrienne  12,  80—154  (1894). 
Pajek  (Jos.)  —  Crtice  iz  dusevnega  zitka  staj.    Slovencev.    Sestavil 

[Skizzen  aus  dem  geistigen  Leben   der  Slovenen  in  Steiermark]. 

Laibach  1884. 
PafLcatantram     (textus     ornatior)     übersetzt     von     R.     Schmidt. 

Leipzig  1901. 
Pantschatantra:  s.  Benfey  und  Hertel. 
Panzer    (F.)    —    Beitrag    zur    deutschen    Mythologie:    Bayerische 

Sagen  und  Bräuche  1 — 2.     München  1848 — 55. 
Papahagi-Vurduna  (P.  N.)  —  Basme  aromäne  [Mazedo-rumänische 

Märchen].     Bukarest  1905. 
Papanti  (G.)  —  Novelline  popolari  livornesi.     Livorno  1877. 
Parker  (H.)  —  Village  folk-tales  of  Ceylon  1—4.  London  1910—1915. 
Parkinson   (R.)   — -   Dreißig  Jahre  in  der  Südsee.     Stuttgart  1907. 
Paspati  (A.  G.)  —  Etudes  sur  les  Tchinghianes  de  l'empire  ottoman. 

Constantinople  1870. 
Pauli    (J.)    —    Schimpf    und    Ernst    (1522)    hsg.    von   H.  Oesterlev. 

Tübingen  1866. 
Pavie  (A.)  —  Contes  populaires  du  Cambodge,  du  Laos  et  du  Siam. 

Paris  1903.     (5  nr.) 


Anhang.  603 

Pechuel-Loesche  (E.)  —  Die  Loango-Expedition  1873 — 76.  3.  Abt., 
1.— 2.  Hälfte.     Leipzig  1882—1907.     (2,  100—111  Erzählungen.) 

Peck  (Ed.)  —  Handschriftliche  Sammlung  'walachischer'  Volks- 
märchen aus  Vyzovic,  Mähren  aus  den  Jahren  1883 — 84  (Archiv 
des  cechoslavischen  ethnographischen  Museums  in  Prag). 

Pedersen  (H.)  — -  Albanesische  Texte.  1895  =  Abh.  der  sächs. 
Ges.  der  Wiss.  15,  3.  —  vgl.  Jarnik,  Zs.  f.  Volksk.  6,  388. 

—  —  Zur  albanesischen  Volkskunde.     Kopenhagen  1898. 
Pekotsch  (L.)  —  Erinnerungen.  Türkische  Geschichten.    Wien  1911. 
Pellizzari  (P.)  —  Fiabe  e  canzoni  popolari  del  contado  di  Maglie. 

Maglie  1884. 
Permskij  Sbornik,    povremennoje   izdanije    [Permer   Sammelband, 

periodische  Publikation]  1 — 2.     Moskau  1859 — 1860. 
Perrault  (Ch.)   —  Histoires  ou  contes  du  temps  passe    (Contes  de 

ma   mere    Loye).      Paris    1697.    —    Neudruck    von    A.   Lefevre, 

Paris  o.  J ,  und  A.  Lang,  Oxford  1888. 
Peter  (A.)  —  Volkstümliches  aus  Oesterreichisch-Schlesien,  2.  Band: 

Sagen  und  Märchen,  Bräuche  und  Volksaberglauben.  Troppau  1867. 
Peters  (F.)  —  Aus  Lothringen.    Sagen  und  Märchen.    Leipzig  1887. 

—  —  Märchen  aus  Lothringen.     Straßburg  1888. 

Petrow  (A.)  —  Lud  ziemi  Dobrzynskiej,  jego  charakter,  mowa, 
zwyczaje,  obrz^dy,  piesni,  przyslowia,  zagadki  [Das  Volk  des 
Landes  Dobrzyn,  sein  Charakter,  Sprache,  Gewohnheiten, 
Zeremonien,  Lieder,  Sprichwörter,  Rätsel]  —  Zbior  2,  3,  3 — 182 
(auf  S.  140 — 173  einige  Sagen,  Märchen  und  Schwanke). 

Pf  äff  (F.)  —  Märchen  aus  Lobenfeld  (Schwarzwald)  =  Festschrift 
zur  50jährigen  Doktorjubelfeier  K.  Weinholds,  Straßburg  1896 
S.  62—83  (6  Märchen).  —  nr.  7—14  in  der  Alemannia  24, 
179—183.     26,  79—95. 

Philo  vom  Walde  [J.  Reinelt]  —  Schlesien  in  Sage  und  Brauch. 
Berlin   [1883]. 

P  ine  au   (L.)    —    Les  contes  populaires  du  Poitou.     Paris  1891.    — 

(48  nr.) 
Folk-lore  du  Poitou.     Paris  1892. 

Pio  (J.)  —  Contes  populaires  grecs.     Copenhague  1879.     (47  nr.) 

Pitre  (G.)  —  Otto  fiabe  e  novelle  siciliane.  Bologna  1873.  (aus 
Propugnatore  6.) 

—  —  Novelline  popolari  siciliane.     Palermo  1873.     (7  nr.) 

—  —  Nuovo  saggio  di  fiabe  e  novelle  popolari  siciliane.    Imola  1873 

(aus  Rivista  di  filologia  romanza  1). 

—  —  Fiabe,  novelle  e  racconti  popolari  siciliane  1 — 4.    Palermo  1875 

(==  Biblioteca  delle  tradizioni  pop.  siciliane  4 — 7).    (307  nr.) 
Fiabe  e  leggende  popolari  siciliane.  Palermo  1888  (==  Biblioteca  18). 

—  —  Novelle  popolari  toscane.     Firenze  1885.    (76  nr.) 

—  —  Usi  e  costumi,  credenze  e  pregiudizi  del  popolo  siciliano  1 — 4. 

Palermo   1889  (=  Bibl.   14—17). 

—  —  Cartelli,    pasquinate ,  canti,    leggende,    usi  sicil.   Palermo  1913 

(=  Bibl.  24).  —  p.  354  vierzehn  albanische  Märchen. 


604  Anhang. 

Pleszczynski  (A.)  —  Bojarzy  Mie,dzyrzeccy,  Studium  etnograficzne 
[Das  Adelsvolk  in  Mie_dzyrzece,  im  Gouv.  Siedlec].  Warschau 
1893  (=  BibljotekaWisJyll).  —  Auf  S.  144— 157  Märchen  und 
Legenden. 

Pleyte(E.  M.)  —  Bataksche  Vertellingen.     Utrecht  1894. 

Plohl-Herdvigov  (R.  F.)  —  Hrvatske  narodne  pjesme  i  pripoviedke 
u  Vrbovcu  skupio  [Kroatische  Volkslieder  und  Erzählungen,  in 
Vrbovec  gesammelt].     Warasdin  1868. 

Podbereski  (A)  —  Materyaly  do  demonologii  ludu  ukramskiego, 
z  opowiadan  ludowych  w  powiecie  Czehryiiskim  [Materialien  zur 
Dämonologie  des  ukrainischen  Volkes,  aus  Volkserzählungen  im 
Bezirk  Öehryn]  =  Zbiör  4,  3,  3 — 82.  —  Über  mythische  Wesen, 
Vampyre,  Cholera,  Werwölfe,  Hexen,  Alp,  Teufel. 

Podsavniski.  —  Slovenske  pripovedke  iz  Motnika,  nabral  in  v 
izvirnem  jeziku  napisal  [Slowenische  Märchen  aus  Motnik  in 
Krain].     1874. 

Poestion  (A.)  —  Isländische  Märchen.     Wien  1884. 

—  —  Lappländische  Märchen      Wien  1886. 

Pogatschnigg  (V.)  —  Märchen  aus  Kärnten,  in:  Carinthia  55 — 56, 
Klagenfurt  1865—66. 

Pohadky  a  povesti  naseho  lidu  [Märchen  und  Sagen  unsres 
Volkes].  Prag  1882.  (Volkskundliche  Sammlungen,  hsg.  von 
dem  Verein  Slavia). 

Polaczek  (St.)  —  Wies  Rudawa;  lud,  jego  zwyczaje,  obyczaje, 
obrz^dy,  piosnki,  powiastki  i  zagadki  [Das  Dorf  Rudawa  bei 
Krakau;  das  Volk,  seine  Gebräuche,  Lieder,  Erzählungen  und 
Rätsel].  Warschau  1892  =  Bibljoteka  Wisly  9.  —  Auf  S.  82 
bis  95  Sagen,  219—251  Märchen. 

Polderer  (J.)  —  Schwanke  und  Bauernerzählungen  aus  Nieder- 
österreich.    Wien  1908.     (=  Futilitates  3.) 

Polites  (N.  G.)  —  IlaQaööoEis   1—2.     Athen  1904. 

Polivka  (Jifi)  —  Povidky  lidu  opavskeho  a  hanäckeho,  vydal  a 
komentafem  kriticko-bibliografickym  opatfil  [Volkserzählungen 
aus  dem  Troppauer  Lande  und  Hanakei,  hsg.  und  mit  einem 
kritischen  und  bibliographischen  Kommentar  versehen].  Prag,  Aka- 
demie der  Wiss.  1916. 

Popelka  (F.  L.)  —  Povesti  a  bächorky  (Prostonarodni  besedy  3) 
[Sagen  und  Märchen :  Volkstümliche  Unterhaltungen  nr.  3] 
Policka  1880.  —  Praha  o.  J.  (Narodni  kvety  3). 

— •  —  Pohadky  a  povesti  [Märchen  und  Sagen].     Prag  1894. 

Popelka  (Vaclav)  —  Pohadky  z  Policska  [Märchen  aus  der  Um- 
gebung von  Polieka],  Hsl.  Sammlung  im  Archiv  des  cecho- 
slavischen  Museums  in  Prag. 

Popelkovä  (Anna)  —  Na  besede.  Pohadky  [Plauderstunden. 
Märchen].     V  Policce  1897. 

Popescu  (N.  D.)  —  Carte  de  basme.  culegere  de  basme  si  legende 
populäre.     2.  ed.  1—4.     Bukarest  1892. 


Anhang.  605 

Po  tan  in  (Gr.  N.)    —    Ocerki  severo-zapadnoj  Mongolii   [Skizzen   aus 

der  nordwestlichen  Mongolei]  1 — 4.    St.  Petersburg  1881 — 84. 
Prato   (St.)   —   Quattro  novelline  popolari  livornesi.     Spoleto  1880. 

—  —    Una    novellina     popolare     monferrina     raccolta     e     illustrata. 

Como  1882. 

Preindlsb  erger- Mrazovic  (M.)  —  Bosnische  Volksmärchen.  Inns- 
bruck 1905. 

Preuss  (K.  Th.)  —  Die  Nayarit-Expedition  1:  Die  Religion  der 
Cora-Indianer.     Leipzig  1912. 

Preuss  (Th.)  —  Tiersagen,  Märchen  und  Legenden  in  Westpreußen 
gesammelt.     Danzig  1912. 

PHhoda  (Vaclav).  —  Pohadky  z  Policska,  zapsala  Kristina  Popel- 
kovä,  vyprävel  [Märchen  aus  der  Umgebung  von  Policka,  nieder- 
geschrieben von  Kr.  P.,  erzählt  von  V.  P.]  (Handschriftliche  Samm- 
lung im  Archiv  des  cechoslavischen  ethnographischen  Museums 
in  Prag.) 

Pfikryl  (Frant.  P.)  —  Zähorskä  Kronika.  Pohadky  a  povesti  ze 
Zahofi  [Chronik  aus  dem  sogen.  Zahofi  in  Ostmähren.  Märchen  und 
Sagen  aus  dem  sogen.  Zahofi].     V  Sobechlebich    1895   [Olmütz]. 

Prochazka  (K.)  — -  Kolaro victi  dratenici  [Die  Drahtbinder  von 
Kolarowitz  im  Komitat  Trentschin].     Prag  [1905]. 

Pröhle  (H.)  —  Kinder-  und  Volksmärchen.     Leipzig  1853.    (81  nr.) 

—  —  Märchen  für  die  Jugend.     Halle  1854.     (64  nr.) 

—  —  Märchenstrauß,  ausgewählt.     Berlin  1882.    (29  nr.) 
Prostonarodni  Zabavnik     [Volkstümliches     Unterhaltungsblatt] 

1—2.  Presburg  1842—43.  —  3—4.  Levoc  1844—45.  —  5.  Stävnice 

1844 — 45.     (Hsl.  Sammlungen  slovakischer  Volksüberlieferungen, 

im  Archiv  des  Museums  in  Türe.  sv.  Martin). 
Prym  (E.)  und  So  ein  (A.)  —  Der  neuaramäische  Dialekt    des  Tür 

'Abdin,  1—2    Göttingen  1881. 

Kurdische  Sammlungen  1—2.     St.  Petersburg  1887.  1890. 

Przibilla  (F.)  —  Oberschlesische  Sagen  und  Märchen.  Breslau  1913. 
Püttmann(H.)  —  Nordische  Elfenmärchen  und  Lieder.  Leipzig  1844. 

V^vigstad  (J.)  og  Sandberg  (Gr.)  —  Lappiske  eventyr  og  folke- 
sagn.     Kristiania  1887. 

Kadi  off  (W.)  —  Proben  der  Volksliteratur  der  türkischen  Stämme 
Südsibiriens  1 — 6.  St.  Petersburg  1866 — 86.  —  Die  gleichzeitig 
erschienene  russische  Ausgabe  ist  bis  zum  10.  Bande  (1904) 
fortgeführt.     Bd.  10  betrifft  die  bessarabischen  Gagausen. 

Radostov  (J.  K.)  — ■  Närodni  pohadky  [Volksmärchen].  3.  Auflage. 
Prag  1883.  —  82  nr. 

Ralston  (W.  R.  S.)  —  Russian  folk-tales.     London  1873. 

—  — -  Tibetan  tales,    derived  from  indian  sources.     London  1884.  — 

(nach  Schiefner,  Indische  Erzählungen.     50  nr.) 
Ramstedt  (Gr.  J.)  —  Kalmückische  Märchen  —  Memoires  de  la  soc. 
finno-ougrienne  27,  1 — 154. 


606  Anhang. 

Ramult  (St.)    —    Stownik    j^zyka    pomorskiego    czyli  kaszubskiego 
[Wörterbuch,  der  kasckubischen  Sprache].  Krakau,  Akademie  1893. 

Rand  (S.  T.)  —  Legends  of  the  Micmacs.     New- York  1894. 

Rank  (J.)  —  Aus  dem  Böhmerwalde.     Leipzig  1843  und  Prag  1917. 

Rattray  (R.  S.)  —  Some  folk-lore  in  Chinyanja.     London  1907 

Raum  (J.)  —  Grammatik  der  Dschaggasprache.     Berlin  1909. 

Reinhardt  (C.)  —  Ein  arabischer  Dialekt    in  Oman  und  Zanzibar. 
Stuttgart  1894.     (S.  29  7  Texte). 

Reinisch  (L.)  —  Die  Nuba-Sprache.     Wien  1879. 

Die  Bilin-Sprache  1—2.     Leipzig  1883—87. 

Die 'Afar-Sprache.     Wien  1885  =  Sitzungsberichte  der  Wiener 

Akademie,  phil.-hist.  XL  111. 
—  —  Die    Xunama  -  Sprache    in    Nordost  -  Afrika.     Wien     1889    = 

Sitzungsberichte  119. 

Die  Saho-Sprache  1—2.     Wien  1889—90. 

Die  Somali-Sprache  1.     Wien  1900. 

Reiser  (X.  A.)  —  Sagen,  Gebräuche  und  Sprichwörter  des  Allgäus 

1—2.     Xempten  1895—1902. 
Rene!  (Ch.)  —  Contes  de  Madagascar  1—2.     Paris  1910. 
Resetar  (M.)  —  Die   serbokroatischen  Xölonien  Süditaliens.    Wien 

1911  (Schriften  der  Balkankommission,  linguistische  Abt.  9). 
Reusch  (R.  F.)  —  Sagen   des  preußischen  Samlandes.     Xönigsberg 

1838.  —  2.  Aufl.  1863. 
Revista  de  folklöre  chilenö  1 — 2.     Santiago  de  Chile  1909 — -12. 
Revista  lusitana  1—4.     Porto  1887—95. 
Revue  celtique  1—34.     Paris  1870—1913. 
Revue  de  l'histoire  des  religions  1 — 68.     Paris  1880 — 1913. 
Revue  des  laagues  römanes  1 — 56.     Montpellier  1870 — 1914. 
Revue  des  traditiöns  populaires  1 — 29.     Paris  1886 — 1914. 
Rhodökanakis  (N.)    —    Der  vulgärarabische  Dialekt   im   Dofär  1. 

Wien  1908.    (Südarab.  Expedition  8). 
Rhys  (J.)  —  Celtic  folk-lore,  welsh  and  mancx  1 — 2.    Oxford  1901. 
Rimauski     (J.)     —     Slovenskje     pövesti      [Slovakische     Märchen]. 

Leutschau  1845. 
Rink  (H.)  —  Eskimoiske  eventyr  og  sagn.   Xopenhagen  1866 — 71. — 

Tales  and  traditiöns  of  the  Eskimos.     Edinburg  1875. 
Ristic  (X.)  i  Vasa  Loncarski  —  Srpske  narodne  pripovetke  [Ser- 
bische Volksmärchen].     Novi  Sad  1891. 
Ritson  (J.)  —  Fany  tales.     London  1831. 
Rittershaus  (A.)  —  Die  neuisländischen  Volksmärchen.     Halle  1902. 

(127  nr.) 
Ri viere  (J.)    —    Recueil    de    contes    populaires    de    la  Xabylie   du 

Djurdjura.     Paris  1882. 
Rivista  di  letteratura  popolare  1.     Torino  1877 — 79. 
Rivista   delle  tradizioni  popolari  italiane    1 — 2.      Roma    1893 — 94. 


Anhang.  607 

Roche  (D.)  —  Contes  lirnousins.     Paris  1909. 
Rochemonteix  (M.  de)  —  Oeuvres  diverses.    Paris  1894. 
Rochholz    (E.  L.)    —    Schweizersagen     aus     dem     Aargau     1 — 2. 

Aarau  1856. 
Rodenberg    (J.)    —   Ein    Herbst    in   Wales.      Hannover    1857.    — 

(Märchen  aus  Croker  und  Keightley). 
Rodopski   napredäk.     Mesecno    iljustrovano    spisanije    za    nauka, 

obscestveni  znanija  i  narodni  umotvorenija  [Rhodoper  Fortschritt, 

illustrierte  Monatsschrift  für  Wissenschaft  usw.]  1  f.    1903  f. 
Rogasener  Eamilienblatt  hsg.  von  0.  Knoop  1--13.     Rogasen 

1898—1914. 
Rokossowska    (Zofia)    —    Bajki  ze  wsi  Jurkowszczyzny,    powiatu 

Zwiahelskiego    gubernii    Wolynskiej    [Märchen    aus    dem    Dorfe 

Jurkowszczyzna,  Kreis  Zwiahel,  Gouv.  Wolhvnien]   =   Materialy 

Krakow  2,  14—118.  —  (89  nr.) 
Rolland  (E.)    —    La  faune   populaire   de   la  Erance    1 — 12.     Paris 

1876—1910. 

Flore  populaire  de  la  France  1—7.     Paris  1896 — 1906. 

Romania  1-42.     Paris  1872—1913. 

Romanov  (E.)  —  Belorusskij  Sbornik  [Weißrussischer    Sammelbandj 

1—6.     Kiew    1886,    Vitebsk  1887.    1891.    1901.    —    (Im  3.  Bd. 

27  Tierfabeln,  95  mythische  und  29  humoristische  Märchen,    im 

4.  Bd.    148    kosmogonische    und    Kulturmärchen.     Vgl.  Polivka, 

Archiv  29,  454.) 
Rom  er  o  (S.)  —  Contos  populäres  de  Brazil.     Lisboa  1885. 
Röna-Sklarek:  s.  Sklarek. 
Rondallayre:  s.  Maspons. 
Röscher  (W.)  —  Lexikon  der  griechischen  und  römischen  Mythologie 

1,  1—3,  2.     Leipzig  1884—1902. 
Ross  (H.)  —  Ein  Soge-Bundel.     Kristiania  1869. 
Roth  (H.  Ling)  —  The  natives  of  Sarawak  and  British  North  Borneo. 

London  1896.     (1,  299—358  Legends). 
Roumanian  fairy  tales  and  legends.     London  1881. 
Roussey  (Ch.)  —  Contes  populaires  recueillis  ä  Bournois.    Paris  1894. 
Rovinskij   (D.)    —    Russkija  narodnyja  kartinki  [Russische  Volks- 
bilderbogen] 1 — 5.    St.  Petersburg  1881  (=  Sbornik  otdel.  russk. 

jazyka  i  slov.  imp.  akademii  nauk  23 — 27). 

Rovinskij  (P.)  —  Cernogorija  v  jeja  proslom  i  nastojascem. 
Geografija,  istorija,  etnografija,  archeologija,  sovrem.  polozenije 
[Montenegro  einst  und  jetzt.  Geographie,  Geschichte,  Volks- 
kunde, Altertumswissenschaft  und  jetzige  Verhältnisse].  Bd.  2, 
Teil  2.  St.  Petersburg  1901.  (Sbornik  otdel.  russ.  jaz.  i  slov- 
imperat.  akademii  nauk  69,  1.) 

Rozdolskyj  (Osyp)  —  Halycki  narodni  skazki,  v  Berlyni,  pov. 
Brodskoho  iz  ust  naroda  [Galizische  Volksmärchen,  in  Berlin, 
Kreis  Brody  aus  dem  Munde  des  Volkes]  =  Zbirnyk  1,  1 — 96. 
7,  168.  —  (vgl.  Polivka,   Zs.  f.  öst.  Volksk.  2,  221.  7,  93.    130.) 


608  Anhang. 

Rozdolskyj  (Osyp)  —  Halycki    narodni   noveli    [Galizische  Volks- 
novellen] =  Zbirnyk  8.  —  (vgl.  Polivka,  Zs.  f.  öst.  Volksk.  8,  143.; 
Rudbeck  (E.):  s.  Salmelainen. 

Rudcenko  (J.)  —  Narodnyja  juznorusskija  skazki  [Südrussische 
Volksmärchen]  1—2.     Kiew  1870.  —  (83  +  54  nr.) 

Rulikowski  (E)  —  Zapiski  etnograficzne  z  Ukrainy  [Ethno- 
graphische Aufzeichnungen  aus  der  Ukraine]  =  Zbiör  3,  3,  62— 166. 

Eusswurm  (C.)  —  Eibofolke  1—2.     Eeval  1855. 

—  —  Sagen  aus  Hapsal,    der  Wiek,    Ösel   und   Bunö.     Reval  1861. 

Rybnikov  (P.  N.)  —  Pesni  [Lieder],  neue  Ausgabe  von  A.  E. 
Gruzinskij  1—3.     Moskau  1909—10. 

Eye  (0.)  —  Eventyr  og  fortsellinger  fra  Sonderjylland.    Aarhus  1886. 

Oacharov  (J.  P.)  —  Skazanija  russkago  naroda  [Erzählungen  des 
russischen  Volkes]      3.  Aufl.  1  —  2.     Moskau  1841 — 49. 

Sachau(E.)  —  Skizze  des Eellichi-Dialekts.  Berlin  1895.  (Philosoph, 
und  histor.  Abhandlungen  der  k.  Akademie  der  Wiss.) 

Sachs  (Hans)  —  Sämtliche  Fabeln  und  Schwanke,  hsg.  von  E.  Goetze 
und  K.  Drescher,  1-6.     HaUe  1893-1913. 

Sadok-Bar^cz:  s.  Baracz. 

Sadovnikov  (D.  N.)  —  Skazki  i  predanija  Samarskago  kraja 
[Märchen  und  Sagen  des  Samarischen  Landes]  =  Zapiski  imperat. 
russkago  geograf.  obscestva  po  otdeleniju  etnografii  [Nachrichten 
der  kais.  russ.  geographischen  Gesellschaft,  Abt.  f.  Ethnographie] 
12.     St.  Petersburg  1884.  -  124  nr. 

Sakellarios  (A.)  —  Kypriaka  1-3.  Athen  1855-68.  —  2.  Aufl. 
1  —  2.  Athen  1891.  (2,  299  16  Märchen;  vgl.  F.  Liebrecht, 
Jahrbuch  f.  roman.  Lit.  11,  345 — 386). 

Salmelainen  (Eero  =  Erik  Rudbeck)  —  Suomen  kansan  satuja  ja 
tarinoita  [Märchen  und  Sagen  des  finnischen  Volkes]  1—4.  Hel- 
singfors  1852—66. 

Samotschiner  Zeitung,  Beilage:  Aus  der  Heimat  für  die  Heimat 
1-8.     1905-12. 

Sant'  Anna  Nery  (F.  J.  de)  —  Folklore  bresilien.     Paris  1889. 

Sarnelli  (P.)  —  La  Posilecheata   (1684)  ed.  V.  Imbriani.    Napoli  1885. 

Sauve  (L.  F.)  —  Le  folk-lore  des  Hautes-Vosges.     Paris  1889. 

Sbornik  Charkovskago  istoriko-filologiceskago  obscestva  [Sammel- 
bände der  historisch  -  philologischen  Gesellschaft  in  Charkov]. 
lf.  Charkov  1888  f. 

Sbornik  materialov  dlja  opisanija  mestnostej  i  plemen  Kavkaza, 
izdanie  upravlenija  Kavkazskago  ucebnago  okruga  [Sammel- 
band von  Materialien  für  die  Beschreibung  der  Ortschaften  und 
Völker  des  Kaukasus,  hsg.  von  der  Direktion  des  kaukasischen 
Schuldistriktes]  1-29.     Tiflis  1881-1901. 

Sbornik  za  narodni  umotvorenija  nauka  i  kniznina,  izdava 
Ministerstvoto  na  narodnoto  prosvescenie  [Sammelband  für 
Volkskunde,  Wissenschaft  und  Literatur,    hsg.  vom  Ministerium 


Anhang.  609 

für  Volksauf klärung]  1—18.  Sofia  1889—1901.  Bd.  19-23 
(1903 — 1907)  hsg.  von  der  bulgarischen  Gesellschaft  für  Literatur. 
—  Volkskundliches  Material  enthält  die  3.  Abteilung  in  Bd  1  —  15, 
eine  eigne  Beilage  in  Bd.  16 — 18  und  in  Bd.  19 — 23  die  2.  Ab- 
teilung. 

Sbornik  materialov  po  ethnografii,  izdavajemyj  pri  Daskovskom  etno- 
graficeskom  muzeje,  pod  redakcijej  V.  Th.  Millera  [Sammel- 
band ethnographischer  Materialien  hsg.  vom  Daschkovschen 
ethnographischen  Museum,  unter  der  Bedaktion  V.  Th.  Millers] 
1—3.     Moskau  1885-88. 

Sbornik  slovenskych  narodnich  piesni,  povesti,  prislovi,  porekadiel, 
hädok,  hier,  obycajov  a  povier.  Vydäva  Matica  Slovenskä. 
Sammlung  slowakischer  Volkslieder,  Sagen,  Sprichwörter  usw. 
hsg.  von  der  Gesellschaft  Matica  Slovenskä]  1—2.  Vo  Viedni 
1870.     1874. 

Sbornik  museälnej  slovenskej  spolocnosti  [Sammelband  der  slova- 
kischen  Musealgesellschaft]  1 — 6.    Türe  Sv.  Martin   1896 — 1906. 

Sachmatov (A.  A.)  —  Mordovskij  etnograficeskij  sbornik  [Mordwinischer 

ethnographischer  Sammelband].     St  Petersburg,  Akademie  1910. 

S,  äinenu  (L.)  —  Basmele  romäne  [Rumänische  Märchen].  Bukarest  1895. 

Schambach  (G.)  und  Müller  (W.)  —  Niedersächsische  Sagen 
und  Märchen.     Göttingen   1855. 

Sapkarev  (K.  A.)  —  Sbornik  ot  bälgarski  narodni  umotvorenija,  cast 
2:  Prostonarodna  bälgarska  filosofija  ili  bälgarski  narodni  prikazki, 
verovanija,  poslovici,  gatanki.  igri  i  pr.  Otdel  1  :  Bälgarski  prikaski 
i  verovanija  s  pribavljenie  na  nekolko  makedonovlaski  i  albanski 
[Sammelband  bulgarischer  Volksüberlieferungen,  2.  Teil:  Die 
volkstümliche  bulgarische  Philosophie  oder  die  bulgarischen 
Volkserzählungen,  Aberglauben,  Sprichwörter,  Rätsel,  Spiele 
usw.  1.  Abt.:  Bulgarische  Märchen  und  Aberglauben  mit  einigen 
hinzugefügten  macedorumänischen  und  albanesischen]  Bd.  8  —  9; 
Sofia  1892.  —  Enthält  292  nr.,  darunter  7  macedorumänische, 
5  albanische  und  2  türkische. 

Saselj  (J.)  —  Bisernice  iz  belokranjskega  narodnega  blaga  [Perlen- 
schnüre aus  dem  Schatze  der  Weißkrainer].  1  —  2.  Laibach 
1906.     1909. 

Sejn  (P.  V.)  —  Materialy  dla  izucenija  byta  i  jazyka  russkago 
naselenija  severo-zapadnago  kraja,  tom  2 :  Skazki,  anekdoty, 
legendy,  predanije,  vospominanija,  poslovicy,  zagadki,  privetstvija, 
pozelanija,  bozba,  prokljatija,  rugan,  zagovory,  duchovnj'je  stichi 
i  proc.  [Materialien  zum  Studium  des  Lebens  und  der  Sprache 
der  russischen  Bevölkerung  des  nordwestlichen  Landes,  Bd.  2: 
Märchen,  Anekdoten,  Legenden,  Traditionen,  Sprichwörter,  Rätsel 
usw.]  =  Sbornik  otdelenija  russkago  jazyka  i  slovesnosti  imp. 
Akademiji  nauk  57.  St  Petersburg.  —  In  der  1.  Abt.  S.  1 — 471 
stehn  244  Märchen  und  Sagen. 

Schell  (O.)  —  Bergische  Sagen.  Elberfeld  1897.  —  Neue  bergische 
Sagen.     E.  1905.  —  Bergischer  Volkshumor.     Leipzig  1907. 

Grimm,  Märchen- Anmerkungen  III.  39 


610  Anhang. 

Scheu(H.)  und  Kurschat(A.) — Pasakos  apie  paukscius.  Zemaitische 
Tierfabeln,  Text,  Wörterverzeichnis  und  Übersetzung.  Heidelberg 
1913.   -    81  nr. 

Schiefner  (A.)  —  Über  den  Mythengehalt  der  finnischen  Märchen 
(Bulletin  de  l'Akad.  imp.  de  St.  Petersbourg  12,  369—388.   1855). 

—  —  Ossetische  Sagen  und  Märchen.   St.  Petersburg  1867.  (Melanges 

asiatiques  5,  673). 

—  —  Awarische  Texte  (Memoires  de  l'academie  de  St. -Petersbourg 

7.  serie,  t.  19,  nr.  6.     1873).  -  Vgl.  R.  Köhler  1,  537. 

Indische  Erzählungen  1— 47  (Melanges  asiatiques  7  —  8. 1873—81); 

vgl.  Ralston. 

—  —  Hürkanische  Studien  (Memoires  de  l'academie  de  St.-Petersbourg 

7.  ser.  17,  nr  8).  —  Kürinische  Studien  (ebd.  7.  ser.  20,  nr.  2.   1873). 
Schiller  (A.)  —   Schlesische  Volksmärchen.     Breslau  1907. 
Schisc  hmanoff  (Lydia)  —  Legendes  religieuses  bulgares.  Paris  1896. 
Skultety  (A.  K.)  a  Dobsinsky  (P.)  —   Slovenske  povesti,  kniha 

1 :    Povesti    prastarych    bäjecnych    casov    [Slovakische    Märchen, 

1.  Band:  Märchen  der  uralten  mythischen  Zeiten].    Rosenau  1858. 

—   2.  und  3.  Aufl.  Rosenberg  1896.    (65  nr.) 
Schleicher  (A.)    —    Litauische  Märchen,    Sprichworte,   Rätsel  und 

Lieder.     Weimar  1857. 

—  —  Volkstümliches  aus  Sonneberg.     Weimar  1858. 

S  c  h  1  e  i  c  h  e  r  (A.  W.)  —  Somali-Texte,  hsg.  von  L.  Reinisch.  Wien  1900. 
Schlenker  (C.  F.)  —  A  collection  of  Temne  traditions,  fables  and 

proverbs.     London  1861. 
Schlossar  (A.)  —   Cultur-  und  Sittenbilder  aus  Steiermark.     Graz 

1885.  —  (Auf  S.  203—219  drei  Märchen). 
Schlossar(P.) —  Der  Sagenkreis  derPostela.  Marburg  a.  d.  Drau  1912. 
Schmeller  (J.)  —  Die  Mundarten  Bayerns.     München  1821. 
Schmidt  (B.)    —    Griechische    Märchen,    Sagen    und    Volkslieder. 

Leipzig  1877. 

Schmidt  (F.  W.  Val.)  —  Märchensaal.    1817.    s.  Straparola. 

Schmidt  (H.)  und  Kahle  (P.)  —  Volkserzählungen  aus  Palästina. 
Göttingen  1918. 

Schmitz    (J.  H.)    —    Sitten    und    Sagen    des    Einer  Volkes   1 — 2. 

Trier  1856—58. 
Schneller(C)  —  Märchen  und  Sagen  aus  Wälschtirol.  Innsbruck  1867. 
Schön  (J.  F.)    — ■    Magäna    Hausa.     Native    literature,    or   proverbs, 

tales,  fables  and  historical  fragments  in  the  Hausa  language,  with 

a  translation,  1 — 2.     London  1885 — 86. 
Schönhärl  (J.)  —  Volkskundliches  aus  Togo.    Märchen  und  Fabeln, 

Sprichwörter    und    Rätsel,    Lieder    und   Spiele    der  Ewe-Neger. 

Dresden  1909. 

Schönwerth  (F.)  —  Aus  der  Oberpfalz  1 — 3.    Augsburg  1857 — 59. 
Schott  (Arthur  und  Albert).  —  Walachische  Märchen.    Stuttgart  1845. 
Schreck  (Emmy).  — -  Finnische  Märchen.     Weimar  1887. 
Suchevyc  (V.)  —  Huculscyna  [Die  Huzulen],  5.  Teil.   Lemberg  1908. 


Anhang.  611 

v.  Schulenburg  (W.)  —  Wendische  Volkssagen.     Leipzig  1880. 

Wendisches  Volkstum.     Berlin  1882. 

Schullerus  (P.)    —    Rumänische  Volksmärchen    aus  dem  mittleren 

Harbachtale.     Hermannstadt    1906    (Archiv    des    V.    f.    sieben- 

bürgische  Landeskunde  n.  F.  33,  302—692). 
Schumann    (V.)     —     Nachtbüchlein     (1559)    hsg.    von    H.    Bolte. 

Tübingen  1893. 

Schwartz  (W.)  —  Sagen  und  alte  Geschichten  der  Mark  Branden- 
burg.    Berlin  1871.  1886.  —  4.  Aufl.     Stuttgart  1903. 

Schwarz  (B.)  —  Kamerun.     Leipzig  1886. 

Schwarz  (J.  Alb.  T.)  —  Tontemboansche  Teksten  2:  Vertaling- 
Leiden  1907.  —  (141  nr.) 

Schweizerisches  Archiv  für  Volkskunde  1 — 21.  Zürich 
1898—1917. 

Symcenko  (Opanas)  —  Ukrajihski  ljudski  vvhadky  [Ukrainische 
Volksanekdoten]  =  Zbirnyk  1,  1—28. 

Sebestyen  (GL)  —  Dunäntüli  gyüjtes  [Sammlung  aus  dem  recht- 
seitigen  Donaugebiet].  Budapest  1906.  (=  Magyar  nepköltesi 
gyüjt.  8). 

Sebillot  (P.)  —  Contes  populaires  de  la  Haute-Bretagne  1 — 3. 
Paris  1880—82. 

—  —  Litterature  orale  de  la  Haute-Bretagne.     Paris  1881. 

—  —  Traditions  et  superstitions  de  la  Haute-Bretagne  1 — 2.  Paris  1882. 
Contes  des  provinces  de  France.     Paris  1884. 

—  —  Contes  de  terre  et    de    mer,    legendes    de  la  Haute-Bretagne. 

Paris  1883. 

Litterature  orale  de  l'Auvergne      Paris  1898. 

La  Bretagne  enchantee.     Paris  1900. 

—  —  Contes  espagnols.     Paris  [1900]. 

—  —  Contes  des  Landes  et  des  Greves.     Rennes  1900. 
Folk-lore  de  France  1—4.     Paris  1904-1907. 

—  —  Les  joyeuses  histoires  de  Bretagne.     Paris  1910. 

Sedläcek  (F.  A.)  —  Pohadky  a  povesti  od  hör  Krkonosskych 
(Märchen  und  Sagen  aus  dem  Riesengebirge).  Prag  1878.  (= 
Nova  Knihovna  pro  mladez,  sv.  84). 

—  —  Narodni     pohadky    a    povesti    z    okoli    Velko-Meziricskeho    a 

Jihlavskeho  na  Morave  [Volksmärchen  und  Sagen  aus  der  Um- 
gebung von  Groß-Meseritsch  und  Iglau]  1 — 2.  Groß-Meseritsch 
1879.  —  (22  nr.) 

Segel  (B.  W.)  —  Materyaly  do  etnografii  zydöw  wschodnio-gali- 
cyjskich  [Materialien  zur  Ethnographie  der  ostgalizischen  Juden] 
=  Zbiör  17,  2,  201—332.  —  Auf  S.  201-306  36  Sagen  und 
Märchen. 

Seger stedt  (A.)  —  Svenska  folksagor  och  äfventyr.  Stockholm  1884. 
—  Norwegisch  von  O.  S.  Pedersen,  Fortsellinger  for  born 
1—2.     Kristiania  1881-85. 

Seidel  (A.)  —  Geschichten  undLieder  der  Afrikaner.    Berlin  [1896]. 

—  —  Anthologie  aus  der  asiatischen  Volksliteratur.     Weimar  1898. 

39* 


612  Anhang. 

Seifart  (K.)  —  Sagen,  Märchen,  Schwanke  und  Gebräuche  aus 
Hildesheim  1—2.  Göttingen  1854—1860.  —  3  Aufl.  Hildesheim 
1914  (ohne  die  Anmerkungen). 

Sepp  (J.)  —  Altbayrischer  Sagenschatz  zur  Bereicherung  der  indo- 
germanischen Mythologie      München  1876.  (1893). 

S  erzputo  vskij  (A.  K)  —  Skazki  i  razskazy  Belorussov  Polesukov, 
materialy  k  izuceniju  tvorcestva  Belorussov  i  ich  govora  [Märchen 
und  Erzählungen  der  Weißrussen  des  Polesje,  Materialien  zum 
Studium  der  Schöpfungen  und  Dialekte  der  Weißrussen]. 
St.  Petersburg,  Akademie  1911. 

Siarkowski  (K  W.)  —  Podania  i  legendy  o  zwierz^tach,  drzewach 
i  roslinach  [Sagen  und  Legenden  von  Tieren,  Bäumen  und 
Pflanzen]  =  Zbiör  wiadom.  do  antropol.  Krajowej  7,  3.  106 — 119. 
—  45  nr. 

Siddhi-Kür:  s.  Jülg. 

Siemienski  (L.)  —  Podania  i  legendy  polskie,  ruskie  i  litewskie 
[Polnische,  kleinrussische  und  litauische  Sagen  und  Legenden]. 
Posen  1845. 

Sierich  (0.)  —  Samoanische  Märchen  1 — 5  (Internat.  Archiv  für 
Ethnographie  13,  223—237.  14,  15—23.     1900—1901). 

S  im  rock  (K.)  —  Der  gute  Gerhard  und  die  dankbaren  Toten. 
Bonn  1856. 

—  —  Deutsche  Märchen.     Stuttgart  1864. 

—  —  Die  deutschen  Volksbücher  1  —  13.     Frankfurt  a.  M.  1845  —  65. 

Singer  (S )  —  Schweizer  Märchen.  Anfang  eines  Kommentars. 
1—2.     Bern  1903—1906. 

Skar  (J.)  —  Sogur  1  (Gamalt  ur  Seetesdal  6).  Kristiania  1913.  — 
vgl.  Christiansen,  Zs.  f    Vk.  25,  417. 

Skazki  russkija  zavetnyja  [Contes  licencieux  russes].  2.  izdanije 
Valaam  (Genf  o.  J.) 

Skeat  (W.)  —  Fables  and  folk-tales  from  an  eastern  forest.  Cam- 
bridge 1901.     4°. 

Sklarek(E)  —  Ungarische  Volksmärchen  1—2.  Leipzig  1901— 1909. 

Slama  (F)  —  Slezske  pohadky  a  povesti  [Schlesische  Märchen  und 
Sagen].     Troppau  1893. 

Slavia  I  —  Närodni  pohadky,  pisne,  hry  a  ob}*ceje  [Volksmärchen, 
Lieder,  Spiele  und  Gebräuche,  hsg.  vom  Verein  Slavia]  Heft  1 — 4. 
Prag  1873. 

Slavia  II  =  Narodni  pisne,  pohadky,  povesti,  fikadla,  prislovi, 
pofekadla,  obyceje  [Volkslieder,  Märchen,  Sagen,  Sprichwörter, 
Spruchreden,  Gebräuche]  hsg.  vom  liter.  Verein  Slavia,  Reihe  2, 
Abt.  2:  Volksmärchen  und  Sagen.     Prag  1878.  —  (58  nr.) 

Slavjanskij  Sbornik  tom  3.  hsg.  von  P.  A.  Hiltebrandt. 
St.  Petersburg  1876. 

Slavische  Blätter,  illustrierte  Zeitschrift  für  die  Gesamtinter- 
essen des  Slaventums  1 — 2.     Wien  1865 — 66. 


Anhang.  613 

Slovenske  Pohl'ady,  Casopis  pre  literaturu,  vedu,  unienie  a  poli- 
tiku  [Slovakische  Rundschau,  Zeitschrift  für  Literatur,  Wissen- 
schaft,   Kunst  und  Politik].     V  Türe  Sv.  Martine.    Bd.  1.    1881. 

SlovenskiGlasnik  [Slovenisches  Unterhaltungsblatt].  Lepoznansko- 
poducen  list.  Uredil  A.  Janezic  1 — 3.    U  Celovcu  1858  —  59. 

Smith  (H.  H.)  —  Brazil,  the  Amazons  and  the  coast.  New-York 
1879.  (p.  541  Myths  and  folk-lore  of  the  Amazonian  Indians). 

Socin  (A.)  —  Die  neuaramäischen  Dialekte  von  Urmia  bis  Mosul. 
Tübingen  1882. 

—  —  Zum  arabischen  Dialekt  von  Marokko.     Leipzig  1 894  (Abh.  der 

k.  sächs.  Ges.  der  Wissenschaften,  phil.-histor.  Kl.  14,  3). 

—  —   und  Stumme  (H.)  —  Houwära.     Leipzig  1895  (Abh.  15,  1). 
Somadeva.  —  Kathä  sarit  sägara,  or  Ocean  of  the  streams  of  story 

translated  by  C.  H.  Tawney  1—2.     Calcutta  1880—84. 

—  —  Märchensammlung  aus  dem  Sanskrit    übersetzt  von  H.  Brock- 

haus 1—2.     Leipzig  5  843.  —  (enthält  nur  Buch  1 — 5). 

—  —  Kathäsaritsagara  oder  Ozean  der  Märchenströme,  deutsche  Aus- 

gabe von  A.  Wesselski,    1.  Bd.    (Buch  1—4).     Berlin  1914—15. 

—  —  s.  Hertel. 

Sommer  (E )    —    Sagen,  Märchen  und  Gebräuche  aus  Sachsen  und 

Thüringen  1.     Halle  1846. 
Soukal  (J.)     —     Prostonärodni    ceske    pohädky    [Cechische    Volks- 
märchen].    Grofs-Meseritsch  (1880). 
Souvestre  (E.)    —    Le    foyer    breton,    traditions    populaires  1 — 2. 

Paris  1845.   1852.    —  Danach  H.  Bode,    Volksmärchen  aus  der 

Bretagne,  für  die  Jugend  bearbeitet,  Leipzig  1847. 
v.  Sowa  (R)  —  Die  Mundart  der  slovakischen  Zigeuner.    Göttingen 

1887.     (S.  163  neun  Texte  ohne  Übersetzung). 
Spiegel    (K.)    —    Märchen    aus    Bayern.     Würzburg   1914    (30  nr. 

Blätter  zur  bayrischen  Volkskunde  3). 
Spitta-Bey  (G.)  —   Contes  arabes  modernes.  Leiden  1883.  —  (12  nr.) 
Sprostranov  (E.)  —  s.  Ivanov. 
S  rbsko  -  dalmatinski    Magazin     Bd.    20.     Wien    1861.    —    Bd. 

22-27.     Zara  1863-68. 
Stahl  (Caroline).  —  Fabeln,    Märchen  und  Erzählungen  für  Kinder. 

Nürnberg  1818. 
Stamatiades  (E.)  —  Samiaka  4,  517.     Athen  1886.  —  (31  nr.). 
Stäncescu  (D.)    —    Basme  eulese  din  gura  poporulü  [Märchen  aus 

dem  Volksmunde  gesammelt].     Bukarest   1885.  —  2.  Aufl.  1893. 
Stanko v-K  ukic    (N.)    —    Srpske     narodne    umotvorine    iz    raznih 

srpskih    krajeva    [Serbische  Volksdichtungen    aus    verschiedenen 

serbischen  Ländern].     Agram  1898. 
St  auf  e  (L.  A.)  —  Romanische  Volksmärchen  l852(Hs.  1357 1  der  Wiener 

Hof bibliothek  ;  vgl.  Bolte,  Zs.  f  Volksk.  9, 84und Zs  f.  dt.  My th.  1  -  2). 
Steel  (F.  A.)  und  R.  C.Tempi  e.  —  Wide-awake  stories,  a  collection  of 

tales  told  in  the  Panjab  and  Kashmir.      Bombay    1884    (43  nr.) 
Ste  el  (F.  A.)  —  Tales  of  the  Panjab  told  by  the  people.    London  1894. 


614  Anhang. 

Steele  (J.)  —  An  eastern  iove-story.  Kusa  Jätakaya.  London  1871. 
—  Vgl.  E.  Köhler  1,  520. 

S teere  (E.)  —  Swahili  tales.  London  1870.  —  rep.  1889. 

Stefanovic  (Gr.  K.)  —  Srpske  narodne  pripovedke  [Serbische  Volks- 
märchen].    Neusatz  1871. 

Steinhöwel  (H.)  —  Äsop   hsg.  von  H.  Österley.     Tübingen  1873. 

Stier  (G.) :  s.  Erdelyi  und  Gaal. 

Stöber  (A.)  —  Elsässisches  Volksbüchlein.  Straßburg  1842.  —  2.  Aufl. 
1.  Heft.     Mülhausen  1859. 

Die  Sagen  des  Elsasses.     St.  Gallen   1852.  —  Neue    Ausgabe 

von  C.  Mündel  1—2.     Straßburg  1892-1896. 

Stojanovic  (M.)  —  Pucke  pripoviedke  i  pjesme  [Volkserzählungen 
und  Lieder].     Agram  1867.  —  (60  nr.) 

—  —  Narodne  pripoviedke  [Volksmärchen].     Agram  1879. 

—  —  Sala    i    zbilja.     Sbirka    narodnih  pripoviedaka,  sa  tri  dodatka 

narodne  poslovice,  narodne  zagonetke  i  putopisnica  [Scherz  und 
Ernst.  Eine  Sammlung  von  Volkserzählungen  mit  drei  Beilagen, 
Volkssprichwörter ,Volksrätsel  und  Reisebeschreibung].  Zengg  1879. 

Stokes  (M.)  —  Indian  fairy  tales.  London  1880.  (30  nr.  Zuerst 
Calcutta  1879).  —  Indische  Sprookjes,  vertaald  door  H.  Scheltema. 
's  Gravenhage  1881. 

S  t  o  p  k  a  (A.)  —  Materialy  do  etnografii  Podhala  [Materialien  zur 
Ethnographie  des  Podhale]  in  Materyaly  Krak.  3,  73 — 166.  — 
(auf  S.  124—153  einige  Märchen,  Sagen  und  Legenden). 

Stories  from  the  folk-lore  of  Russia,  Rouskiya  zavetnuiya  skazki. 
Paris  1897.  —  (76  nr.) 

Storni  Vang  (J.)  —  Ti  norske  aeventyr.     Drontheim  1869. 

Strackerjan  (L.)  —  Aberglauben  und  Sagen  aus  dem  Herzogtum 
Oldenburg  1  —  2.  Oldenburg  1867.  —  2.  erweiterte  Auflage 
hsg.  von  K.  Willoh  1-2.     Oldenburg  1909. 

Stranecka  (Fr.)  —  Pohadky z  Moravy  [Märchen  aus  Mähren].  Prag 
1868.  —  (8  nr.) 

Straparola  (G.  F)  —  Le  piacevoli  notti  1 — 2.  Venezia  1550—1553. 
—  Neudruck  von  G.  Rua,  1—2.  Bologna  1899  - 1908  —  Deutsch 
von  H.  Flörke,  1  —  2.  München  1908.  —  Die  Märchen  (nicht 
vollständig)  bei  F.  W.  Val.  Schmidt,  Märchensaal  1.  Band. 
Berlin  1817. 

Strauß  (A.)  —  Die  Bulgaren.  Ethnographische  Studien.  Leipzig  1898. 

Stroebe  (Klara)  —  Nordische  Volksmärchen  1:  Dänemark,  Schweden. 
2:  Norwegen.     Jena  1915.  —  (39  +  29  +  56  nr.) 

Strohal  (R.)  —  Hrvatskih  narodnih  pripoviedaka,  knjiga  1:  Narodne 
pripoviedke  iz  sela  Stativa  [Kroatische  Volksmärchen  1,  ge- 
sammelt im  Dorfe  Stative].  Fiume  1886.  (89  nr.)  —  Kn.  2-  3. 
U  Karlovcu  1901.     1904. 

Studien  zur  vergleichenden  Literaturgeschichte  hsg.  von  M.  Koch 
1-8.     Berlin  1901-08. 


Anhang.  615 

Stumme  (H.)  —  Tunisische  Märchen  1 — 2.    Leipzig  1893. 

—  —  Elf  Stücke  im  Öilha-Dialekt  von  Tazerwalt    (Zs.  der  morgenl. 

Ges.  48,  381—406.     1894). 

—  —   Märchen  der  Schluh  von  Tazerwalt.     Lpz.  1895. 

—  —  Märchen  aus  Tripolis.     Leipzig  1898. 

—  —  Märchen  der  Berbern  von  Tamazratt.     Leipzig  1900. 

—  —  Maltesische  Märchen,  Gedichte  und  Rätsel.     Leipzig  1904.  — 

(37   nr.) 
Sumcov  (N.  Th.)  —  Razyskanija  v  oblasti  anekdoticeskoj  literatury. 
Anekdoty    o    glupcach     [Untersuchungen    auf    dem    Felde    der 
Anekdotenliteratur.     Die  Anekdoten  von   den  dummen  Leuten]. 
Charkov  1898. 

—  —  Iz  ukrajinskoj  stariny   [Aus  der  Vergangenheit    der  Ukrajine]. 

Charkov  1905  (ausSbornikCharkovs.  Istoriko-filolog.  Obscestva  16). 
Sumlork  (Krolmus)  —  Staroceske  povesti,  zpevy,  hry, obyceje,  slavnosti 

a   nypeva    ohledem    na    bäjeslovi   ceskoslovanske    [Altböhmische 

Sagen,    Lieder,    Spiele,    Gebräuche,    Feste    und    Weisen]     1—3. 

Prag  1845.    1847.    1851. 
Suomi  1849—1904  (finnisches  Jahrbuch,  Helsingfors). 
Susil  (F.)  —  Moravske  narodni  pisne  s  napevy  do  textu  vfadenymi 

[Mährische  Volkslieder  mit  in  den  Texten  eingereihten  Melodien]. 

V  JBrne  [Brunn]  o.  J. 
Sutermeister  (O.)  —   Kinder-  und  Hausmärchen  aus  der  Schweiz. 

Aarau  1869.  —  2.  Aufl    1873.  —  (63  nr.) 
Svenska  landsmälen  =  Nyare  bidrag  tili  kännedom  om  de  svenska 

landsmälen  1—20.     Stockholm  1879—1912. 
Swahili  stories  from  arabic  sources.     Zanzibar  1886. 
Swi^tek    (J.)    —    Lud    nadrabski    (od    Gdowa    po   Bochnie,),    obraz 

etnograficzny    [Das  Volk   an   der  Raba,    von  Gdow  bis  Bochnia, 

ethnographisches    Bild].      Krakau    1893.     —     Auf    S.    317—451 

81  Sagen,  Märchen  und  Schwanke. 
Swynnerton    (Ch.)    —    The   adventures  of  the  Panjab  hero  Rajä 

Rasalu  and  other  folk-tales    of  the  Panjab.     Calcutta    1884.    — 

S.  151  45  kurze  Märchen. 

—  —  Indian  nights'  entertainments.     London  1892. 

—  —  Romantic  tales   from   the   Panjab   with   Indian  nights'    enter- 

tainment,  new  ed.     London  1908. 
Sylwestrowicz:  s.  Dowojna-Sylwestrowicz. 

I  abart  —  Collection  of  populär  stories  for  the  nursery,  newly 
translated  from  the  french,  italian  and  old  english  writers  1—4. 
London  1809. 

Tausend  und  eine  Nacht,  deutsch  von  M  Habicht,  F.  H.  v.  d. 
Hagen  und  C.  Schall  1-15.  Breslau  1825.  —  5.  Aufl.  1840. 

—  —  übertragen  von  Henning  1 — 24.     Leipzig  1895 — 98. 

von  P.  Greve  (nach  Burton)  1—12.     Leipzig  1907—08. 

Tarasevskyj  (P.)  —  Das  Geschlechtsleben  des  ukrainischen  Bauern- 
volkes, folkloristische  Erhebungen  aus  der  Ukraine.  Einleitung 
und     Parallelennachweise     von     V.    Hnatjuk,     Vorwort     und 


616  Anhang. 

Erläuterungen  von  F.  S.  Kr  au ss.  Leipzig  1909.  4°.  (Beiwerke  zum 

Studium  der  Anthropophyteia  Bd.  3). 
Taubmann    (J.  A.)    —     Märchen    und     Sagen     aus     Nordböhmen. 

Reichenberg  1887. 
Tcheraz(M.)  —  L'Orient  inedit:  legendes  et  traditions  armeniennes, 

grecques  et  turques.     Paris  1912. 
Teirlinck  (J.)  —  Contes  flamands.     Bruxelles  (1896). 
Teilander  (K.  0.)  —  Allmogelif  i  Vestergötland.     Stockholm  1891. 
Temple  (R.  C.)  —  Legends  of  the  Panjab  1—3.  London  1884—93. 
Tendlau  (A.  M.)  —  Fellmeiers  Abende.    Märchen  und  Geschichten 

aus  grauer  Vorzeit.     Frankfurt  a.  M.  1856. 
Terescenko  (J.)    —    Byt    russkago    naroda    [Leben  des  russischen 

Volkes].     1848. 
Tewaag  (F.)    —  Erzählungen,  Märchen,    Sagen  und  Mundarten  aus 

Hessen.    Marburg  1888. 
Teza  (E.)    —    La    tradizione  dei  sette  savi  nelle  novelline  magiare. 

Bologna  1874. 
Thalbitzer  (W.)    —    A  phonetical  study  of  the  Eskimo  language. 

Copenhague  1904.     (S    273  acht  Erzählungen). 
Theal  (G.  M.    —  Kaffir  folk-lore.     London  1882.  —  2.  ed.  1886. 
Thiele  (J.  M.)  —  Danske  folkesagn  1—4.    Kjobenhavn  1818-23. 

—  —  Danmarks  folkesagn  1—2.     Kobenhavn  1843. 
Thorburn  (S    S.)  —  Bannü  or  Our  Afghan  frontier.    London  1876. 
Thornhill.  —  Indian  fairy  tales.     London  1889. 

Thorpe    (B.)    —    Yule-tide    stories.      London    1853.     (Schwedische, 

dänische  und  deutsche  Märchen.) 
Thumb  (A.)  —  Handbuch  der  neugriechischen  Volkssprache,  2.  Aufl. 

Straßburg  1910.  (S.  220—233.  273-300  Texte). 
Thuriet  (Ch.)  —  Traditions  populaires  du  Jura.     Paris  1877. 

—  —  Traditions  populaires  du  Doubs.     Paris  1891. 

—  —  Traditions  populaires  de  la  Haute-Saöne  et  du  Jura.  Paris  1892. 
Thurneysen  (R.)  —  Sagen  aus  dem  alten  Irland.     Berlin  1901. 
Tijdschrift    voor    indische    Taal-,    Land-    en    Volkenkunde  1 — 56 

Batavia  1853—1914. 
Tille  (V.)  —  Povidky  sebrane  na  Valassku  r.  1888  [Erzählungen  ge- 
sammelt   in  der  Walachei   im  J.  1888]  =  Närod.  Sbornik  7 — 8. 

—  —   Ceske  pohadky  do  roku  1848  [Cechische  Märchen  bis  zum  Jahr 

1848].     Prag  1909  (=  Rozpravy  Öeske  Akademie  3,  30). 
Toeppen  (M.)  —  Aberglauben  aus  Masuren,    2.  Aufl.  Danzig  1867. 

Tomic  (Svetozar).  —  Skopska  Crna  Gora,  antropogeografska  i  etno- 
grafska  studija  [Das  Schwarze  Gebirge  von  Skoplje,  anthropo- 
geographische  und  ethnographische  Studie].  Belgrad  1905. 
(Sammelbände  zur  serbischen  Ethnographie,  hsg.  von  der  k.  serb. 
Akademie). 

JSTiccolö  Tommaseo,  rivista  mensile  delle  tradizioni  popolari 
d'Italia,  diretta  da  G.  Giannini  1 — 2.     Arezzo  1904 — 1905. 


Anhang.  617 

Tonnelat  (E.)  —  Les  contes  des  freres  Grimm,  etude  sur  la  com- 

position  et  le  style.     Paris  1912. 
Topalovic  (M.)  —  Tamburasi  ilirskijl    [Illyrische  Tamboraspieler). 

Esseg  1842. 
Tordinac  (N.)  —  Hrvatske  narodne  pjesme  i  pripoviedke  iz  Bosne 

[Kroatische    Volkslieder    und    Märchen    aus    Bosnien].     Vukovar 

1883.     (20  Märchen). 
Tradition,  revue internationale  de folk-lore  1 — 20.  Parisl887 — 1906. 
Tremearne  (A.  J.  N.)  —  Hausa  superstitions  and  customs.    London 

1913.    (p.    183-456:    100    Erzählungen).    —    Hausa    folk-tales. 

London  1914  (Texte). 

—  —  The  tailed  head-hunters  of  Nigeria.     London  1912. 
Treuland  (Th.  Ja.)  —  Sbornik  materialov  po  etnografii  izdavajemyj  pri 

Daskovskom  etnograficeskom  Muzeje,  Vypusk  2,  pod  redakcijej 
V.  Th.  Millera  [Sammlung  ethnographischer  Materialien  hsg.  vom 
Daskovschen  ethnographischen  Museum,  Heft  2,  unter  der  Redaktion 
von  V.  Th.  Miller].  Moskau  1887.  -  5 :  148  lettische  Volks- 
märchen. 

Troude  (A.)  et  Milin  (Gr.)  —   Le  conteur  breton.     Brest  1870. 

Truhelka  (C.)  —  Arnautske  price  [Albanesische  Erzählungen].  1  —  2. 
Serajevo  1905 

Trumelet  (C.)  —  L'Algerie  legendaire.     Alger  1892. 

Tsagarelli  (M.)  —  Contes  mingreliens  par  J.  Mourier.    Odessa  1883. 

Tschiedel  (J.)  —  Aus  der  italienischen  Sagen-  und  Märchenwelt. 
Hamburg  1896. 

Turner  (G.)  —   Samoa.     London  1884. 

Tuscan  fairy  tales.     London  1867.    1880. 

Tuti-Nameh,  eine  Sammlung  persischer  Märchen  von  Nechschebi. 
deutsch  von  C.  J.  L.  Iken.  Stuttgart  1822.  —  Über  das  ältere 
Werk  des  Kädiri  vgl.  Pertsch,  ZdmG.  21,  505—551. 

—  — ,  das  Papageienbuch,  eine  Sammlung  orientalischer  Erzählungen, 

nach  der  türkischen  Bearbeitung  übersetzt  von  G.  Rosen  1—2. 
Leipzig    1858.    —    Vgl.    M.   Wickerhauser,   Papageimärchen, 
Leipzig  1858  =  Neunundzwanzig  und  eine  Nacht,  Hamburg  1863. 
Tuxen  (L    R.)  —  Molbohistorier.    Kopenhagen  1865. 

Udziela  (S.)  —  Lud  polski  w  powiecie  Ropczyckim  w  Galicyi  [Das 
polnische  Volk  im  Bezirk  Ropczyce  in  Galizien]  =  Zbiör  14—16. 
—  In  16,  2,  3—57  stehn  41  Märchen. 

Uhland  (L.)  —  Schriften  zur  Geschichte  der  Dichtung  und  Sage 
1—8.     Stuttgart  1865  —  73. 

Ulanowska  (Stef.)  —  Niektore  materyaly  etnograficzne  we  wsi 
Luköwcu  (Mazowieckim)  zebrane  [Einige  ethnographische 
Materialien  im  Dorfe  Lukowiec,  Masowien,  gesammelt]  =  Zbiör 
8,  3,  247  ff.   -  Auf  S.  298-32U  stehn  13  Märchen. 

Ulrich  (J.)  —  Die  hundert  alten  Erzählungen  (Cento  novelle  antiche) 
deutsch.     Leipzig  1905. 


618  Anhang. 

Ulrich  (J.)  —  Romanische  Schelmennovellen.     Leipzig  1905. 

—  —  Volkstümliche  Dichtungen  der  Italiener.     Leipzig  1906. 
Ungarische  Eevue  1  —  15.     Leipzig  1881  —  95. 

Urban  (M.)  —  Sagen,  Märchen,  volkstümliche  Gschichtln  und 
Denkwürdigkeiten  aus  der  westböhmischen  Heimat,  ein  Beitrag 
zur  Folklore  Deutschböhmens.     Mies  1910. 

Am  Urdhsbrunnen  1  —  7.     Rendsburg  1881  —  89. 

Am  Urquell  (Carstens  und  Krauß)  1 — 6.  Hamburg  1890— 96.  —  Der 
Urquell,  n.  F.  (F.  S.  Krauß)  1-2.    Leiden  und  Hamburg  1897—98. 

Väclavek  (M.)  —  Pohadky  a  povesti  z  moravskeho  Valasska 
[Märchen  und  Sagen  aus  der  mährischen  Walachei]  1—3.  Neu- 
stadt au  der  Mettau  1888—89. 

—  —  Valasske  pohadky   a  povesti,   ze    sbirek  svych  mlädezi  vybral 

[Walachische  Märchen  und  Sagen,  aus  seinen  Sammlungen  für 
die  Jugend  hsg.]  1—2.  Groß-Meseritsch  1894—97.  —  (65  und 
22  nr.) 

—  —  Nekolik  pohädek    a  povesti,    z    moravskeho    Valasska    [Einige 

Märchen  und  Sagen  aus  der  mährischen  Walachei].  2.  Auflage. 
Prag  1897.  —  (46  nr.) 

—  —  Valasske    pohadky,     ceske     mlädezi    vypravuje     [Walachische 

Märchen,  der  Jugend  erzählt].  Bobniz  bei  Nimburg  1898.  —  (16  nr.) 

Valjavec  (M.  K.)  —  Narodne  pripoyjedke  skupio  u  i  oko  Varazdina 
[Volksmärchen  gesammelt  in  und  um  Warasdin].  Warasdin 
1858.  -  2.  Aufl.  Agram  1890.  -  (101  nr.) 

—  —  Narodne    pripoviesti    iz  susjedne  Varazdinu  Stajerske    [Volks- 

erzählungen aus  der  an  Warasdin  angrenzenden  Steiermark]. 
Agram  1875  (Programm  des  k.   Gymnasiums  zu  Warasdin). 

—  —  Narodne  pripovedke    [Volksmärchen]    =    Kres  4 — 5.     (72  nr.) 
Vang  (A.  E.)    —    Gamla  regio  aa  rispo  ifraa  Valdris,  en   samling  af 

fortsellinger,  sagn  og  eventyr  optegnede  i  Valders.  Kristiania  1850. 

—  —   Gamla  segner  fraa  Valders,  ed.  J.  E.  Nielsen.   Kristiania  1871. 
Vasconcellos  (J.  Leite  de)    —    Tradicöes   populäres    de  Portugal. 

Porto  1882. 

—  —  Ensaios  ethnographicos  1— 4.   Espozende  u.  Lisboa  1891  — 1910. 
Veckenstedt     (E.)    —    Wendische    Sagen,     Märchen    und     aber- 
gläubische Gebräuche.     Graz  1880. 

—  —  Mythen,  Sagen  und  Legenden  der  Zamaiten  1  —  2.    Heidelberg 

1883. 

Zeitschrift  für  Volkskunde  1-4.     Leipzig  1888-92. 

Veiten  (C.)  —  Märchen  und  Erzählungen  der  Suaheli.  Stuttgart  1898. 

—  —  Prosa  und  Poesie  der  Suaheli.     Berlin  1907. 
Verchratskj^j  (Ivan)  —  Znadoby    dlja  piznannja  uhorsko-ruskych 

hovoriv  [Beiträge  zur  Erforschung  der  kleinrussischen  Mundarten 
in  Ungarn].  Lemberg  1901.  (Abhandlungen  der  Sevcenko- 
Gesellschaft,  Bd.  44). 
Verescagin  (Gr.)  —  Votjaki  Sosnovskago  kraja  [Die  Wotjaken 
des  Sosnovschen  Landes].  1886.  (Zapiski  der  kais.  russ.  geograph. 
Ges.,  Sektion  für  Ethnographie  14,  3,  218.) 


Anhang.  619 

Vermast  (A.)  —  Vertelsels  uit  West  -Viaanderen.    Gent  [um  1892.]. 
Vernaleken    (Th.)    —    Oesterreichische  Kinder-    und  Hausmärchen 
Wien  1864.  —  2.  Aufl.  1892. 

—  —  Alpensagen.     Wien  1885. 

Veselovskij  (A.N.)  —  Razyskanija  v  oblasti  russkago  duchovnago 
sticha  [Untersuchungen  auf  dem  Gebiete  der  russischen  geist- 
lichen Gesänge]  1-24.  St.  Petersburg  1879-91.  (Sbornik 
Otdel.  russ.  jazyka  i  slovesnosti  Imperat.  Akad.  Nauk,  Tom  20. 
21.  28.  32   33.  46.  53). 

Vierzig  Veziere  oder  weise  Meister,  aus  dem  Türkischen  von 
W.  A.  Behrnauer.  Leipzig  1851.  —  E.  W.  J.  Gibb,  The 
history  of  forty  vezirs,  written  in  turkish  by  Sheykh-Juda 
London  1886. 

Vigström  (E.):  s.  Wigström. 

Vikar  (B.)  —  Somogymegye  nepköltese  [Volksdichtung  des  Somogyer 
KomitatsJ.     Budapest  1905.  (=  Magyar  nepköltesy  gyüjt.  6.) 

Vila.  List  za  zabavu,  knizevnost  i  nauku,  Godine  treca,  uredio  i 
izdao  Stojan  Novakovic  [Revue  für  Unterhaltung,  Literatur  und 
Wissenschaft,  3.  Jahrgang,  hsg.  von  St.  Novakovic].    Belgrad  1867. 

Vincx  (J  F.)  —  Sagen,  legenden,  sprookjes  en  geschiedkundige 
bijdragen  uit  het  Hageland.     Lier  1906. 

Vinson  (J.)  —  Le  folk-lore  du  pays  basque.  Paris  1883.  (S  1  —  116: 
6  Sagen,  17  Märchen,  13  Schwanke). 

Visentini  (1.)  —  Fiabe  mantovane.     Torino  1879. 

Vogl  (J.  N.)   —   (Slavonische)  Volksmärchen      Wien   1837. 

—  —   Die  ältesten  Volksmärchen  der  Russen.     Wien  1841. 

—  —  Erzählungen  eines  Großmütterchens      Wien  [1846]. 
Vojinovic  (J.  B.)  —   Srpske  narodne  pripovijetke  [Serbische  Volks- 
märchen].    Belgrad  1869. 

Volk  en  Taal  1  f .     Ronsse  1888  f. 

Volkskunde,  Tijdschrift  voor  nederlandsche  folk-lore  1  —  25.     Gent 

1888-1914. 
Ons  Volksleven  1  f .     Brecht  1889  f. 
Vonbun  (F.  J.)  —  Volkssagen  aus  Vorarlberg.  Wien  1847.  —  2.  Aufl. 

Innsbruck  1850.  —  Die  Sagen  Vorarlbergs.    Innsbruck  1858.  — 

2.  Aufl.  1889. 
Vossion  (L.)  —  Contes  birmans  dTapres  le  Thoudama  Sari  dammazat. 

Paris  1901.     (10  nr.) 
Vrana  (F.  M)   —  Moravske  narodni  pohädky  a  povesti,  1:    Z  okoli 

Nemcickeho    na    Hane     [Mährische     Volksmärchen     und    Sagen, 

Heft  1 :  Aus  der  Umgebung  von  Nemcice].     Brno  1888. 
Vrcevie  (Vuk  vitez)  —  Narodne  basne,  skupio  po  Boki,  Crnojgori, 

Dalmaciji  a  najvise  po  Hercegovini    [Volksfabeln,    gesammelt  in 

den  Bocche  di  Cattaro,  in  Montenegro,  Dalmatien  und  zumeist  in 

der  Herzegowina].     2.  Aufl.  Ragusa  1892. 

—  —   Srpske  narodne  pripovijetke  ponajvise  kratke  i  saljive  [Serbische, 

größtenteils  kurze  und  scherzhafte  Volkserzählungen,  bsg.  von 
der  Serbischen  gelehrten  Gesellschaft].  1868.  —  2.  Buch. 
Rasusa  1882. 


620  Anhang. 

Vre e vi 6  (Vuk  vitez)  —  Narodne  satiricno-zanimljive  podrugacice, 
skupio  ih  po  Boki  Kotorskoj,  Crnojgori,  Dalmaeiji  a  najvise  po 
Hercegovini  [Satirische  und  witzige  Volkserzählungen,  gesammelt 
in  den  Bocche  di  Cattaro,  in  Montenegro,  Dalmatien  und  zumeist 
in  der  Herzegowina].     Pagusa  1883. 

Vrucevic  (M.  S)  —  Obitateli,  kultura  i  zizn  v  Jakutskoj  oblasti 
[Die  Bevölkerung,  Kultur  und  das  Leben  im  Jakutsker  Gebiet]. 
St.  Petersburg  1891.  Zapiski  Imperat.  russkago  geogr.  obscestva 
po  otdelen.  etnografii  18,  2). 

Vuk:  s.  Wuk. 

Vyhlidal  (J.)  —  Cechove  v  pruskem  Slezsku  [Die  Cechen  in 
Preußisch-Schlesienj.     3.  Aufl.     Kremsier  1900. 

—  —   Malüvky  z  Hane  [Bilder  von  der  Hanna].     Kromefiz  1908. 

Wald  au  (A.)  —  Böhmisches  Märchenbuch.    Prag  1860. 

Waldis  (B.)  —  Esopus  (1548)  hsg.  von  H.  Kurz  1-2.    Leipzig  1862. 

Wallonia  1-21.     Liege  1893-1913. 

Waltman    (K.  H.)    —    Lidmäl    (Svenska  landsmälen    13,    1).     1894. 

Ward  (H.  L.  D.)  and  Herbert  (J.  A.)  —  Catalogue  of  romances  in 

the    department    of   manuscripts    in    the    British    mnseum    1 — 3. 

London  1883—1910. 

Wardrop  (M.)  —  Georgian  folk  tales.     London  1894. 

Wasilewski  (Zygmunt)  —  Jagodne  (wies  w  powiecie  lukowskim, 
gminie  Dabie.  Zarys  etnograficzny  [Der  Ort  Jagodne.  Ethno- 
graphische Skizze].     Warszawa  1889. 

Weber  (C.)  —  Italienische  Märchen.  Halle  1900  (aus  der  Festgabe 
für  Suchier.     16  nr.) 

Webster  (W.)  —  Basque  legends.     London  1877. 

W  e  g  e  n  e  r  (Ph.)  —  Sagen  und  Märchen  des  Magdeburger  Landes 
=  Geschichtsblätter  für  Magdeburg  15,  50—75  (1880). 

Weigand  (G.)  —  Die  Aromunen,  Bd.  2:  Volksliteratur.  Leipzig  1894. 
Weil  (G.)—  Biblische  Legenden  der  Muselmänner.  Frankfurt  a.  M.  1845. 
Weißbach    (F.  H.)    —    Beiträge  zur  Kunde  des  Irak -Arabischen  1, 

Leipzig  1908    (Leipziger  semitistische  Studien  4). 
Wenzig  (J.)  —   Westslawischer  Märchenschatz.    Leipzig  1857.  1870. 

Weryho  (W.)  —  Podania  bialoruskie  [Weißrussische  Überlieferungen 
mit  Einleitung  von  J.  Karlowicz].     Lemberg  1889.     (23  nr.) 

—  —   Podania  lotewskie  spisane  i  przelozone  [Lettische  Märchen  auf- 

gezeichnet und  übersetzt].  Warschau  1892  =  Bibliothek  der 
Wisla  10.     (32  nr.) 

Wickram  (G.)  —  Werke  hsg.  von  J.  Bolte  1 — 8.  Tübingen 
1901-1906. 

Wich  mann  (Y.)  —  Wotjakische  Sprachproben  2  (Journal  de  la 
soc.  finno-ougrienne  19.     1901). 

Widter  (G.)  und  Wolf  (A.)  —  Volksmärchen  aus  Venetien  (Jahr- 
buch f.  roman.  Literatur  7,  1—36.  121-154.  249-290.  1866). 
-  (21  nr.     vgl.  R.  Köhler  1,  281). 


Anhang.  62 1 

Wierzchowski  (Z.)  —  Bashi  i  powiesci  z  puszczy  Sandomierskiej 
[Fabeln  und  Märchen  aus  der  Puszcza  Sandomierska,  in  Galizien 
zwischen  Weichsel  und  San]  =  Zbiör  16,  2,  58. 

Wiese  (L.)   —    Sagen-  und  Märchenwald  1  —  2.     Barmen  1841 — 42. 

—  —  Kindermärchen,  gereimt.     2.  Aufl.     Elberfeld  1867. 
Wigström  (Eva)  —  Folkdiktning  1—2.     Göteborg  1880-81. 

—  —   Skänska  visor,  sagor  och  sägner.     Lund  1880. 

—  —  Sagor  och  äfventyr  upptecknad  i  Skäne.     Stockholm   1884   =• 

Sv.  landsmälen  5,  1. 

—  —   Skämtsägner  frän  Skäne.     Skämtsägner  pä  skänska  bygdemäl. 

Stockholm  1882    (=  A.  Hazelius,    Ur  de    nordiska  folkens  lif  2, 
82—116). 

—  —  Byhistorier  och  skämtsägner  1  —  6.  Stockholm  1909  —  1910. 
Wilde  (F.  S.)  —  Ancient  legends  of  Ireland  1-2.  London  1887. 
Wilhelm  (R.)  —  Chinesische  Volksmärchen.  Jena  1914.  (100  nr.) 
Wilson  (J.  L.)  —  Western  Africa.  London  1856. 
Winter-Hjelm  (K.  A.)  —  Aeventyrbogen.  Kristiania  o.  J. 
Winther  (M.)  — Danske  folkeeventyr,  1.  samling.  Kiöbenhavn  1823. 
Wisla,       miesiecznik      gieograficzno-etnograficzny      [Die    Weichsel, 

geographisch  -  ethnographische    Monatsschrift]    1 — 19.     Warschau 

1887—1905.    —    Bd.  2—13  ist  von  Jan  Karlowicz,    14—15  von 

Erazm  Majewski  herausgegeben. 
Wisser    (W.)    —    Wat  Grotmoder    verteilt,    ostholsteinische  Volks- 
märchen 1.     Leipzig   1904    und   Jena  1909.    —    2    (neue  Folge) 

Jena  1905.  —  3  (zweite  Folge).     Jena  1909. 

Plattdeutsche  Volksmärchen,  Ausgabe  für  Erwachsene.  Jena  1914. 

(Vorher  erschienen  in  der  Kieler  Monatsschrift  'Die  Heimat' 

1899 — 1903    vierzig  Volksmärchen    aus    dem  östlichen  Holstein ; 

andere    in    der    Zs.    Niedersachsen    1902 — 1907,    der    Deutschen 

Zeitung,  im  Eutiner  Kalender), 
de  Witt  (Mme)  —  Vieux  contes  de  la  veillee,  traditions  populaires. 

Paris  1890. 
Witte  (     )  —  Podsneznik.     1860. 
Witterijck-Delplace  (A.  J.)  —  Oude  westvlaamsche  Volksverhaien. 

Brügge  1892.     (13  nr.) 
Witzschel    (A.)    —    Kleine    Beiträge    zur    deutschen    Mythologie, 
Sitten-  und  Heimatkunde  aus  Thüringen  1  —  2.     Wien    1866 — 78. 

von  Wlislocki   (H.)    —    Märchen  und  Sagen   der  transsilvanischen 

Zigeuner.     Berlin  1886.     (63  nr.) 
Vom  wandernden  Zigeunervolke.     Hamburg  1890. 

—  —  Volksdichtungen    der     siebenbürgischen    und    südungarischen 

Zigeuner.     Wien  1890.     (S.  179—430  100  Märchen). 

—  —  Märchen  und  Sagen  der  Bukowinaer  und  Siebenbürger  Armenier. 

Hamburg  1891.     (60  nr.) 

Woeste   (F.)    —    Die    Volksüberlieferungen    der    Grafschaft   Mark. 
Iserlohn  1848.     1880. 


622  Anhang. 

Wöjcicki  (K.  W.)  —  Klechdy,  starozytne  podania  i  powiesci  ludowe 
[Klechden,  altertümliche  Überlieferungen  und  Volksagen].  3.  Aufl. 
Warschau  1876. 

—  —  Polnische  Volkssagen  und  Märchen,  deutsch  von  F.  H.  Lewestam. 

Berlin  1839. 
Wolf    (Ferd.)    —    Proben    portugiesischer    und  catalanischer  Volks- 
romanzen (Sitzungsberichte  der  Wiener  Akademie,  phil.-hist.  Cl. 
20,  17—168.     1856.  —  S.  51  neun  Märchen  nach  Mild). 

—  —  Beiträge  zur  spanischen  Volkspoesie  aus  den  Werken  Fernan 

Caballeros,     (ebd.  31,  133—218.     1859.) 
Wolf  (J.W.) — Grootmoederken,  Archiven  voor  nederduitsche  sagen 
1 — 2.     Gent  1842 — 1843.   —   Erschien  mit  andrer  Vorrede  auch 
unter  dem  Titel :  Wodana,  Museum  voor  nederduitsche  oudheids- 
kunde.     Gent  1843. 

—  —  Deutsche  Märchen  und  Sagen.     Leipzig  1845. 

—  —  Deutsche  Hausmärchen.     Göttingen  1851.     (51  nr.) 

—  —  Hessische  Sagen.     Göttingen  und  Leipzig  1853.     (278  nr.) 
Wo  na.     Jamaikanische    Negerlegenden,    Anancy-  Erzählungen,    über- 
setzt von  J.  v.  Quistorp.     Berlin  1907. 

Wossidlo  (R.) —  Mecklenburgische  Volksüberlieferungen  1:  Rätsel 
2:  Tiere.     3:  Kinderwartung.     Wismar  1897—1906. 

Wratislaw  (A.  H.)  —  Sixty  folk  tales  from  exclusively  slavonic 
sources.     London  1889. 

Wucke  (C.  L.)  —  Sagen  der  mittleren  Werra.   2.  Aufl.    Eisenach  1891. 

Wuk  (Stephanowitsch  Karadschitsch).  —  Volksmärchen  der  Serben, 
ins  Deutsche  übersetzt  von  dessen  Tochter  Wilhelmine.  Berlin  1854. 

—  —  Srpske    narodne    pripovijetke    i    zagonetke    [Serbische    Volks- 

märchen und  Rätsel].     Belgrad  1897.     (150  nr.) 
Wuttke    (A.)    - —    Der    deutsche   Volksaberglaube    der    Gegenwart. 

Berlin  1860.  1869.  -  3.  Aufl.  von  E.  H.  Meyer  1900 
Wyss    (J.  R.)    —    Idyllen,  Volkssagen,  Legenden  und  Erzählungen 

aus  der  Schweiz,  1 — 2.     Bern  1815 — 22. 

Yeats  (W.  B.)  —  Fairy  and  folk-tales  of  the  irish  peasantry. 
London  1888.  ■ —  Deutsch  von  E.  Jacobi,  Neuwied  1894. 

—  —  Irish  fairy  and  other  folk-tales.     London  1892. 

Zamarski  (R.)  —  Podania  i  basni  ludu  w  Mazowszu,  z  dodatkiem 
kilku  szlaskich  i  wielkopolskich  [Sagen  und  Märchen  des  Volkes 
in  Masowien,  mit  Zugabe  einiger  schlesischer  und  großpolnischer]. 
Breslau  1852. 

Z  a  n  a  z  z  o  (G.)  —  Novelle,  f avole  e  leggende  romanesche.  Torino 
e  Roma  1907.     (50  -f  28  nr.) 

Zapiski  Krasnojarskago  podotdela  vostocno-sibirskago  otdela  imper. 
russkago  geograficeskago  obscestva.  Po  etnografii  [Mitteilungen 
der  Krasnojarskischen  Unterabteilung  der  ostsibirischen  Abteilung 
der  kais.-russ.  geograpb.  Gesellschaft.  Für  Ethnographie].  Bd.  1, 
Heft  1—2.     Krasnojarsk  1902.     Tomsk  1906. 


Anhang.  623 

Zaranie  Sl^skie,  Kwartalnik  literacki,  wyd.  Towarzjstwo 
Ludoznawcze  w  Cieszynie  [Schlesische  Morgenröte,  Vierteljahrs- 
schrift für  Literatur,  hsg.  von  der  Ethnographischen  Gesellschaft 
in  Teschen].     Bd.  2—3.     Teschen  1908—10. 

Zaunert  (P.)  —  Deutsche  Märchen  seit  Grimm.     Jena  1912. 

Zawilinski  (R.)  —  Z  powiesci  i  piesni  gorali  beskidowych  [Aus 
den  Erzählungen  und  Liedern  der  Gebirgsbewohner  derBeskiden]. 
Warschau  1890  =  Bibliothek  der  Wisla  5.  —  (10  nr.) 

Zbiör  wiadomosci  do  antropologii  krajowej  wydawany  staraniem 
komisyi  antropologicznej  Akademii  umieje^tnosci  w  Krakowie 
[Sammlung  von  Berichten  zur  Anthropologie  des  Landes,  hsg. 
von  der  anthropologischen  Kommission  der  Akademie  der 
Wissenschaften  in  Krakau]  1 — 18.     Krakau  1877  —  95. 

Zbirnyk:  s.  Etnograficnyj  Zbirnyk. 

Zbornik  za  narodni  zivot  i  obicaje  juznih  Slavena.  Izdaje  Jugoslov. 
Akademia  znanosti  i  umjetnosti  [Sammelwerk  zum  Studium  des 
Volkslebens  und  der  Sitten  der  Südslaven].  Bd.  1  f.  Agram  1896  f. 

Zdziarski  (St.)  —  Pierwiastek  ludowy  w  poezji  polskiej  XIX. 
wieku.  Studja  poröwnawczo-literackie  [Volkstümliche  Elemente 
in  der  polnischen  Poesie  des  19.  Jh.  Studien  zur  vergleichenden 
Literaturgeschichte].     Warschau  1901. 

—  —  Garsc  basni  ludu  ruskiego,  ze  wsi  Naluza  w  powiecie  Trem- 
bowelskim  [Eine  Handvoll  kleinrussischer  Volksmärchen  aus 
dem    Dorfe    Naluza].      Krakau    1902.      (Materyaly    antropol.    6). 

Zeitschrift  für  afrikanische  Sprachen  (C.  G.  Büttner)  1 — 3. 
Berlin  1887—1890. 

Zeitschrift  für  afrikanische  und  oceanische  Sprachen  (A.  Seidel) 
1—4.     Berlin  1895—98. 

Zeitschrift    für    deutsches   Altertum  1 — 54.     Leipzig  1841 — 1913. 

Zeitschrift  für  Ethnologie  1-47.     Berlin  1869—1915. 

Zeitschrift  für  vergleichende  Literaturgeschichte  1.  n.  F.  1 — 18. 
Berlin  1887—1910. 

Zeitschrift  der  deutschen  morgenländischen  Gesellschaft  1 — 70. 
Leipzig  1847—1916. 

Zeitschrift  für  deutsche  Mythologie  und  Sittenkunde  1 — 4. 
Göttingen  1853-59. 

Zeitschrift   für    deutsche    Philologie    1—47.      Halle    1868—1916. 

Zeitschrift  für  Volkskunde:  s.  Veckenstedt. 

Zeitschrift  des  Vereins  für  Volkskunde  (K.  Weinhold)  1 — 27. 
Berlin  1891—1917. 

Zeitschrift  für  österreichische  Volkskunde  (M.  Haberlandt)  1  —  23. 
Wien  1895—1917. 

Zeitschrift  des  Vereins  für  rheinische  und  westfälische  Volks- 
kunde 1—14.     Elberfeld  1904—1917. 

Zeliqzon  (L.)  —  Lothringische  Mundarten.     Metz  1889. 

— ■  —  et  Thiriot  (G.)  —  Textes  patois  recueillis  en  Lorraine. 
Metz  1912.   (zu  Jahrbuch  der  Ges.  f.  lothringische  Geschichte  Bd. 4). 


624  Anhang. 

Zeltner  (F.  de)  —  Contes    du    Senegal    et    du  Niger.     Paris  1913. 

Zeynek  (G.)  —  Ein  Beitrag  zur  Sammlung  des  Volkstümlichen  im 
Temescher  Banat.     (Neues  Lausitzisches  Magazin  42,  302 — 349). 

Zingerle  (Ignaz  und  Joseph)  —  Tiroler  Volksdichtungen  und  Volks- 
gebräuche 1 :  Kinder-  und  Hausmärchen  aus  Tirol.  Innsbruck  1852. 
—  2.  vermehrte  Auflage,  Gera  1870  (53  nr.).  3.  Aufl.  Inns- 
bruck 1911.  —  2:  Kinder-  und  Hausmärchen  aus  Süddeutschland. 
Begensburg  1854.     (75  nr.)     Neue  Aufl.  1916. 

Zingerle  (Ignaz  Vincenz)  —  Sitten,  Bräuche  und  Meinungen  des 
Tiroler  Volkes.     Innsbruck  1857. 

—  —   Sagen,    Märchen    und   Gebräuche  aus  Tirol.     Innsbruck  1859. 

—  —  Sagen    aus    Tirol.      2.    vermehrte    Auflage.     Innsbruck    1891. 

(1022  nr.) 

Ziska  (F.)  —  österreichische  Volksmärchen.  Wien  1822.  —  Neue 
Aufl.  Leipzig  1906. 

Zivaja  Starina,  Periodiceskoje  izdanije  otdelenija  etnografiiimperat. 
russkago  geograf.  obscestva  [Lebendes  Altertum,  Zeitschrift  der 
kais.  russischen  Geographischen  Gesellschaft,  Sektion  für  Ethno- 
graphie, red.  von  V.  J.  Lamanskij]  1 — 11.  St.  Petersburg 
1890-1901. 

Zorzut  (D)  —  Instoris  e  l'iendis  furlanis,  choltis  sü  a  Cormöns  sul 
Indri  cunt-un  dos  chäcaris  di  Vencul.     Gurice  1914. 

—  —  Ridiculis,  ridäculis  altris  sflocis  par  furlan.     Gurice  1914.    (6  nr.) 
Zurnal  ministerstva  narodnago  prosvescenija    [Journal  des  Ministe- 
riums der  Volksaufklärung]  1  ff.  St.  Petersburg  1834  ff. 

Zytje  i  SJovo.  Vistnyk  literatury,  istoriji  i  folkloru.  [Leben  und 
Worte.  Anzeiger  für  Literatur,  Geschichte  und  Volkskunde]. 
Red.  Jv.  Franko.    Lemberg  1—6  (1894-97). 


Druck  der  Eberhardt'schen  Hof-  und  Ratsbuchdruckerei,  "Wismar. 


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